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Podcast-Nachtrag: Alleine Reisen

06 Aug

So, der Samstag ward auch überstanden. Ich gebe gerne zu das es für mich sehr aufregend war bei den Wikigeeks in der Sendung zu sein. Aber nach kurzer Aufwärmphase hat es dann einfach riesigen Spass gemacht, sich mit den Geeks und Cornelis über “Reisen über und mit dem Internet” auszutauschen – und das, obwohl ich gelegentlich das Gefühl hatte, mich in dem ein oder anderen Satz zu verheddern. Ausserdem klinge ich im Radio wie eine Ente. Aber sei´s drum. Natürlich gibt es noch viel spezialisiertere Expert/-innen als Cornelis und mich, daher huldigen wir in der Sendung auch Großmeisterin Kalesco ausführlich. Außerdem scheuen wir uns nicht, unsere Lieblingsreiseseiten und Planungsinstrumente beim Namen zu nennen. Die Sendung kann man sich HIER anhören oder runterladen.

Wenn man die monströs lange Sendung verfolgt, kann man übrigens auf die Idee kommen, dass Cornelis und ich dauernd zusammen unterwegs sind. Das stimmt so nicht – wir harmonieren ganz gut, weil sich unsere Interessen ähneln, aber Cornelis ist meist mit anderen Leuten auf Reisen, ich allein.

Ich habe gemerkt, dass es gerade das unterwegs sein ohne Begleitung ist, dass mir gut gefällt. Das musste ich auch erst lernen. Allein unterwegs sein? Alleine in Restaurants essen? Alleine Abenteuer erleben? Zuerst fühlte ich mich ein wenig… nun, die die Amis nennen das “socially awkward” – sozial merkwürdig. Das trifft es eher als das deutsche “unsozial”. Der Ausdruck passt überhaupt nicht. Ich mag es z.B. total, auf Reisen Leute kennen zu lernen und ggf. auch was mit denen zu unternehmen. Aber die Reise an sich mache ich gerne allein, weil ich dann mein eigenes Tempo bestimmen kann und von niemandem abhängig bin bzw. auf niemanden aufpassen muss.

Das alleine Reisen OK ist, lernte ich zuerst bei Svenja, die ganz bewusst alleine mit ihrer Enduro durch Europa reist. Dann merkte ich, dass es noch ganz viele andere gibt, die es ebenfalls schätzen, allein unterwegs zu sein. Es gibt sogar eine “Solo Traveler Society“. Das Durchschnittsalter deren Mitglieder ist, sagen wir mal, gehoben. Das liegt in der Natur der Sache. Alleinreisende folgen oft einer psychischen Motivation, sprich: Sie reisen nicht, um am Strand zu liegen und sich pysisch zu entspannen, sondern nutzen ihre Reisen für Weiterbildung, Selbstfindung und Horizonterweiterung. Soziologisch gesehen gehören diese Menschen meist einem Milieu am, dass gehobene Bildung aufweist, beruflich gefestigt und familiär unabhängig ist – letzteres heisst: Entweder Single, oder die Kinder sind schon aus dem Haus. Daraus folgt: Soloreisende gehören oft zu den reiferen Semestern.

Kleiner Schlenker an dieser Stelle: Man spricht bei solch psychisch motiverten Reisenden auch von einem “der Hochkultur zugetanen Milieu”. Als ich das las, musste ich ziemlich kichern – denn ICH bin ja über ein Videospiel zum Reisen gekommen, bin also quasi von der Popkultur zur Hochkultur gelangt, ohne zwischendurch über Los zu gehen. Aber das nur am Rande.

Nun habe ich nicht nur gelernt, dass man zu alten Leuten nett sein soll, sondern auch, dass man von denen oft noch was lernen kann. Und in der Tat habe ich gerade im Solotravelerblog von Janice Waugh die ein oder andere Erkenntnis gefunden, die mir so noch nicht bewusst war. Zum Beispiel über Einsamkeit. Dieses Gefühl überfällt auch den überzeugtesten Soloreisenden irgendwann einmal. So sehr man das allein sein auch schätzt, ab und an springt einen dann doch das Gefühl an “Diesen Moment würde ich gerne mit jemandem teilen, aber ich bin allein hier” – und dann fühlt man sich auch… allein. Mal kürzer, mal länger. Bei mir habe ich festgestellt, ist allein sein gar nicht schlimm ist, sondern durchaus OK. Es gibt Momente, in denen ich mich sowohl allein als auch wohl fühle. Ich wusste nicht wie das zusammen passt, bis ich Janice´ Einsichten dazu las:

Remember that loneliness doesn’t have to be a permanent state.
Know that loneliness can be a teacher. It teaches you how to be calm, how to be strong, how to be patient. It teaches you to learn to live with yourself.
Discover how loneliness can reveal your inner resources and your true needs. Sometimes in the midst of a busy life we lose track of our emotional strength. Loneliness can help you recover it.
(…)
Loneliness has something to give us. It is not just something to be endured.

(Hervorhebung von mir)

(Mach Dir bewusst, dass allein sein nicht von Dauer sein muss. Das Alleinsein kann ein Lehrer sein. Es lehrt dich still zu sein, stark zu sein, geduldig zu sein. Es lehrt Dich mit Dir selbst zu leben.
Durch allein sein kannst Du Deine inneren Stärken entdecken, und was wirklich für Dich wichtig ist. Manchmal ist das Leben so stressig, dass wir unsere innere Stärke aus den Augen verlieren. Allein sein kann helfen sie wieder zu finden. Allein sein kann uns etwas geben. Es ist nichts, wo man sich durchkämpfen muss.)

Interessante Erkenntnis, wobei ich ergänzen möchte: “Loneliness” im Englischen bedeutet sowohl “allein sein” als auch “Einsamkeit”. Allein sein ist OK. Wenn aber das allein sein sich über lange Zeit hinzieht, sich negativ auf alle sozialen Kontakte auswirkt oder gar in Tateinheit mit Trauer oder Verzweifelung auftritt, dann wird sie zu etwas schlechtem: Einsamkeit. Auch die kann Stärke hervorbringen – macht aber nur in den seltentsten Fällen glücklich.
Den ganzen Artikel gibt es hier.

 
7 Kommentare

Verfasst von - 6. August 2012 in Meta, Reisen

 

7 Antworten zu “Podcast-Nachtrag: Alleine Reisen

  1. kalesco

    7. August 2012 at 07:44

    OMG – mir wird gehuldigt?! Muss ich mir sofort anhören!
    Übrigens, der Amateur Traveler http://amateurtraveler.com/ hat vor Kurzem Janice Waugh als Gast im Podcast gehabt.

     
  2. Maya (nicht die Biene)

    7. August 2012 at 08:39

    Besser wie eine Ente klingen, als wie ein Esel. Meine Meinung.

     
  3. noch ein Markus

    7. August 2012 at 16:46

    hm, also bevor ich die Liebste kannte war ich auch so 10 Jahre lang allein unterwegs, im Normalfall im Wohnmobil. allerdings nur (?) quer durch Deutschland und BeNeLux. Das fand ich eigentlich auch immer sehr angenehm und fehlt mir auch etwas.
    Einsam kam ich mir allerdings nie vor, auch wenn ich tagelang mit niemandem, ausser der Bäckereifachverkäuferin oder dem Tankwart, der war meist mein bester Freund und es gab meist Kaffee kostenlos beim volltanken mit dem US Chevy Wohnmobil mit 200 Liter Tank, geredet habe.
    hach, damals… :|

     
  4. Zeke Midas

    7. August 2012 at 17:37

    Eigentlich kann ich dir nur voll und ganz zustimmen – die Dinge, die ich machen will, Orte, die ich bereisen will, das funktioniert so, wie ich es mir denke, nur, wenn ich mich dabei nach niemand anderem richten muss. Problem, das ich persönlich dabei habe: Irgendwie lande ich dann doch wieder jedes Mal in irgendwelchen Kompromissen, wo ich dann doch nicht allein bin, wo ich dann doch wieder jemanden “an der Backe habe” (das klingt viel, viel fieser als ich’s meine – ist ja auch meine eigene Schuld), wo dann doch wieder alles anders kommt, als ich’s ursprünglich wollte. Sprich, irgendwie ist dieses “Losreißen” wohl nicht immer ganz einfach, zumindest für mich nicht. Vielleicht, weil ich dann doch zu sehr über soziale Konventionen stolpere, oder weil ich nicht mutig genug bin, was auch immer. Vielleicht liegt’s tatsächlich an meiner mangelnden Reife. ;) Da arbeite ich noch dran. Von daher: Danke für diesen Eintrag, und danke für die Links… Das festigt mich dann wieder darin, meine Hirngespinste doch noch anzupacken.

     
  5. Silencer

    7. August 2012 at 20:01

    Kalesco: Danke, Amateurtraveller kannte ich noch nicht!
    Maya: Danke – Ie-Aaaah mache ich in der Tat nicht :-)
    Markus: Damals, als 200 Liter Sprit man gerade 160 D-Mark kosteten… LANGE ist das her.
    Zeke: Mit Reife hat das nicht zu tun – ich glaube, es ist in der Tat der Mu, den man braucht, Raum und Zeit für sich selbst zu fordern. Man hat oft Angst damit Leuten vor den Kopf zu stoßen. Aber wenn man es ordentlich und sachlich erklärt, können die meisten damit leben, dass sie jetzt mal nicht mit dürfen. Oder Du probierst es einfach mal heimlich?

     
  6. Die Wunderbare Welt des Wissens

    12. August 2012 at 18:09

    Danke für den Tip. Ich habe nie drüber nachgedacht, dass Bloggerhausen auch für Alleinreisende etwas zu bieten hat – da stand wieder eine Kompanie auf dem Schlauch.

    Selbst wenn man mit Wiesel reist, ist man manchmal doch allein. Das Alleinreisen hat ungefähr genauso viel Vor- und Nachteile wie zu zweit reisen, glaube ich. Das Reisen mit Wieseln hat nur Vorteile ;)

     
  7. Silencer

    12. August 2012 at 19:08

    Wiesel sind tolle Reisebgleiter. Ich schreibe auch immer noch am Tagebuch DER REISE, da war das Wiesel ja dabei. Stay tuned.

     

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