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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Machiavelli bei der Arbeit

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Über die Geschichte der Stadt Florenz wissen wir heute auch deswegen so genau Bescheid, weil Niccolò Macchiaveli sie im 15. Jahrhundert aufschrieb. Zu der Zeit war der Intellektuelle schon ins politische Abseits geraten, er hatte sich einmal zu oft mit den Medici angelegt. Aber auch beim Verfassen eines Geschichtsbuchs konnte er es nicht lassen sarkastische Seitenhiebe unterzubringen. Eine der erstaunlichsten Beobachtungen des Renaissancedenkers findet sich versteckt zwischen historischen Daten:

„Die Länder pflegen zumeist bei ihrer Veränderung von der Ordnung zur Unordnung zu kommen und dann von neuem von der Unordnung zur Ordnung überzugehen. Es ist von der Natur dem Menschen nicht gestattet, still zu stehen. Wie sie daher ihre höchste Vollkommenheit erreicht haben und nicht mehr steigern können, müssen sie sinken. Ebenso, wenn sie gesunken sind, durch die Unordnungen zur tiefsten Niedrigkeit herabgekommen, und also nicht mehr sinken können, müssen sie notwendigerweise steigen. So sinkt man stets vom Guten zum Übel und steigt vom Übel zum Guten.”

Was Machivelli damit sagen will liegt auf der Hand: Geschichte wiederholt sich. Immer und immer wieder. Krisen ziehen Gesellschaften und Staaten in den Abgrund. Dann erwacht in den Menschen das Virtù, die Flamme des Willens, und sie arbeiten und erschaffen, bis zu einem neuen Höhepunkt, um dann wieder zu straucheln und zu stürzen.

Die Idee des Virtù ist faszinierend. Natürlich ist es nicht greifbar, und wissenschaftlicher Betrachtung hält es überhaupt nicht stand – es hat einen Grund, dass es 51 Übersetzungen für den Begriff gibt, wobei das deutsche “Tugend” mit Sicherheit die verkehrteste ist. Virtù ist wie Floggiston. Es erklärt Dinge mit gesundem Menschenverstand, dabei ist jedem klar, dass es das nicht gibt. Trotzde,: Faszinierend. Und nehmen wir einen Moment an, Virtù wäre wirklich.

Das prägendste Jahrzehnt in meinem Leben waren die 90er. Die Zeit zwischen 15 und 25, in der ich vom Kind zum Erwachsenen wurde, war für die Welt eine Phase des Umbruchs. Der Kalte Krieg endete. Abrüstung fand statt. Der Ostblock zerfiel. Die Grenzen wurden geöffnet. Wir atmeten Freiheit und spürten, dass die Angst vergangener Jahrzehnte überwunden werden konnte.

Eine neue Ära brach an. Grenzen vielen auch dort, wo sich vorher nicht unversöhnliche Feinde, sondern Nachbarn gegenüberstanden. Die Idee von Europa wurde Wirklichkeit, weil viele Leute an sie glaubten und mit Virtù daran arbeiten. Es war eine Generation von Menschen, die den zweiten Weltkrieg entweder noch miterlebt oder seine Folgen gespürt hatten. Diese Generation hatte eine Ahnung davon, wie kostbar politischer Zusammenhalt war und wie wertvoll und Frieden ist.

Im Bezug auf Europa erlebten wir nach der Jahrtausendwende eine politische Stagnation. Partikularinteressen wund Nationalpolitik wurde auf Kosten der Europäischen Union betrieben. Das Virtù war erloschen. Wir waren, nach Macchiavelli, auf dem Höhepunkt angekommen, und da der menschliche Geist nicht still zu stehen vermag, geht es seitdem abwärts.

Ich kann mich daran erinnern wie die Welt Freiheit atmete.
Wenn ich die Welt heute betrachte, sehe ich die einstigen Blöcke, und alte, kalte Krieger, die sich wie Zombies erheben, beseelt von der Gewissheit, dass die alten Feindbilder wieder gültig sind. Ich sehe Regierungen, die im Namen der Freiheit Gefängnisse für ihre Völker errichten. Konzerne, die mit Handelsabkommen ganze Staaten um des Profites Willen ruinieren. Ich sehe eine Welt, in der jede Verschwörungstheorie wahr geworden ist.

Macchivellis Hauptwerk war “Der Fürst”, dessen eine Lehre ist: Nichts macht so gefügig wie Angst – und gemeinsame Feinde. Wir haben eine Regierung, deren Politik zwischen zwei Weltblöcken und innerhalb Europas festgefahren und isoliert ist. Merkels Sparvorgaben, die Austerity-Politik, ruinieren ganze Länder. Das Freihandelsabkommen mit den Amerikanern, das eigentlich geheim verhandelt werden sollte, steht in der Kritik. Und gegen den millionenfachen Grundrechtsbruch, der durch die globale Überwachung der Geheimdienste passiert, will die Regierung nichts tun und steht dafür ebenso in der Kritik wie die USA, die es geschafft haben, innerhalb weniger Jahre vom gelobten Land zum Terrorstaat zu werden.

Wenn man einem sehr kreativen Politikberater diese Situation vorsetzen würde, und die Frage stellen würde “Wie bekommen wir die Bevölkerung wieder auf Kurs?” Er würde vermutlich dazu raten, ein einendes Feindbild zu finden, egal ob es bis dahin existierte oder nicht. Befindet man sich erst wieder im Krieg, kann man Kritiker schneller mundtot machen.

Ich will nicht sagen, dass dem so ist. Und ich hoffe, dass wir nicht gerade Macchiavelli bei der Arbeit erleben. Ich komme nur nicht umhin zu bemerken, dass aktuell wenig Virtù zu finden ist, und auch keine Ambizione das Necessitè zu tun.

In einer Welt, in der alle Verschwörungstheorien wahr sind, muss man sich an die Lehren der Vergangenheit klammern, um ein wenig Licht in die Schatten zu bringen. Auch, wenn diese Lehren 500 Jahre alt sind.

 
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Verfasst von - 1. September 2014 in Betrachtung

 

Hepatitisimpfung

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“Haben Sie schon mal darüber nachgedacht sich gegen Hepatits impfen zu lassen?”, fragte meine Ärztin beim letzten Routinecheck. Sie ist eine sehr gute und umsichtige Ärztin, meine Ärztin. Denkt von selbst mit, nimmt sich Zeit und hört zu. Aber diese Frage fand ich doch ein wenig absurd. Hepatitis spielt in Deutschland nur für wenige Berufsgruppen eine Rolle, und das letzte Mal, als ich auf meine Visitenkarte geguckt habe, stand da nicht, dass ich Kindererzieher wäre oder bei den Abwasserwerken arbeiten würde. Wie sie darauf käme, wollte ich von meiner Ärztin wissen.

Nun, sagte sie, ich hätte ihr im vergangenen Jahr von einer Fahrt nach Italien erzählt. Und jetzt würde ich wieder einen medizinischen Check als Vorbereitung für eine Urlaubsfahrt machen, wieder nach Südeuropa. Und wenn ich in die Region öfter reisen würde…

Ich fand die Idee immer noch seltsam. Ja, stimmt schon, ich kann nicht leugnen, dass sich seit 2010 eine gewisse Affinität zu Südeuropa entwickelt hat, aber wie hoch ist denn bitte die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit Blut oder Körperflüssigkeiten von Infizierten in Kontakt komme? “Das ist gar nicht nötig”, sagte meine Ärztin. “Hepatitis B wird durch die Nahrung übertragen, vor allem über Meeresfrüchte.”

Ich weiß schon, warum ich keinen Fisch mag. Trotzdem habe ich nach dem Gespräch überlegt und ein wenig recherchiert. Dabei kam raus, dass die Leberentzündung, die durch Viren übertragen wird und Leberzellen schneller zerstört als Jägermeister, südlich der Alpen und generell in allen Mittelmeeranrainerstaaten ein echt weit verbreitetes und hoch ansteckendes Problem ist. Es gibt Hepatitis in unterschiedlichsten Formen und mit den unterschiedlichsten Ursachen. Im südlichen Mittelmeerraum ist die Verbreitung endemisch, und besonders tobt hier Hep B, die chronische Hepatitis, die schwierig zu therapieren ist.

Um es kurz zu machen: Ich bin der Empfehlung meiner Ärztin jetzt gefolgt und habe die erste von drei Impfdosen gegen Hep A & B bekommen. Nebenwirkungen gibt es nur in den seltensten Fällen, weshalb ich natürlich welche hatte. Mein Immunsystem ist ja aus Adamantium und bekämpft jeden Millimeter Boden bis aufs Blut, weshalb ich nie krank werde. Mein Immunsystem unterscheidet aber nicht zwischen echten Bedrohungen und Spielereien wie Impfungen, weshalb mir einige Stunden nach der Impfung schwindelig wurde und ich vor Müdigkeit fast weggepennt wäre, als ich dann im Bett lag der Kreislauf aber dermaßen hochfuhr, dass an Schlaf nicht zu denken war. Am nächsten Tag war alles wieder gut.

Die nächsten Impfdosen kommen dann in vier Wochen und in sechs Monaten. Die Impfung ist nicht billig. Achtzig Euro kostet eine Dosis des Impfstoff Twinrix*, und den musste ich erstmal selbst bezahlen.

Ich bin zum Glück bei der einzigen Krankenkasse in Deutschland, die vernünftig wirtschaftet und daher auch Zusatzleistungen wie Reiseimpfungen übernimmt (wenn sie vom Auswärtigen Amt empfohlen werden). Kaum hatte ich die Quittungen von Arztpraxis und Apotheke eingereicht, hatte ich auch schon die Erstattung der Techniker Krankenkasse auf dem Konto. Erst teuer Geld beim Arzt lassen und dann Erstattungen bekommen – ach, da fühlte ich mich fast ein wenig wie ein Privatpatient.

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* hieß vermutlich früher Raiderix

 
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Verfasst von - 31. August 2014 in Reisen

 

Schlechtes Timing

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Das Wiesel geht wieder auf die Reise. Das Bild ist heute Morgen entstanden, als es sich gerade seine Reisekiste eingerichtet hat.Es sieht so aus, als ob sich die ältere Wieseldame darum sorgt, ob der Schal wohl auch richtig sitzt und genügend Reiseproviant eingepackt ist. Wie niedlich. So sind halt ältere Damen.

Das Wiesel war gerade mitsamt seiner Zauberkiste verschwunden, als der der Postmann zweimal klingelte und ein Paket vorbeibrachte – Für das Wiesel! Tja, schlechtes Timing, Mardertier. Aber so besteht die Chance, dass ich auch was vom Inhalt des Päckchen abbekomme.

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Das stammt nämlich von Katja, und ist bis in den letzten Winkel gefüllt Sternchenkeksen, mit liebevoll verpackten selbstgemachten Hmmmmmmmmmmmmm-sind-die gut-Schokoladenkeksen und mit… Huhu-Mördschendeis! Ja, wirklich, es gibt jetzt Huhu-Devotionalien für Huhu-Fans!

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Huhu irritierte das nur eine Sekunde, jetzt findet er es super, ein Lesezeichen mit Fischstäbchen und sich selbst drauf zu haben. Und den Magneten in Herzform hat er ganz feierlich an unserem Kühlschrank befestigt.

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Ich bin gerührt und sage ganz laut DANKE, liebe Katja!

 
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Verfasst von - 30. August 2014 in Huhu, Wiesel

 

3D-Ikea

Building 3D with Ikea

75 Prozent aller Bilder im Ikeakatalog sind nicht echt, sondern am Computer gerendert.

Äh, was?

Kotaku schreibt:

In 2012, around 12% of the standard product pics in the famous catalogues were the work of computers and artists instead of photographers. A year later, it was 25%. Now, only two years later, that number has shot up to around 75%.

Warum ist der Anteil so gestiegen?

(…) they have a ‘bank’ of about 25,000 models. “These are all created at a ridiculously high resolution,” explains Martin, “We render them in 4Kx4K, and they need to hold up to that resolution. We need to be able to do whatever we like with the renderings – print them on large walls in the stores if we need to. Even if most of them are only ever used on the website, they all have the capability to be printed very high-res.”

Ist natürlich sinnvoll, zumal wenn man bedenkt, dass fast jedes Land einen eigenen Katalog mit eigenen Bildern, angepasst an die Wohnsituationen, bekommt. Trotzdem: Verblüffend.

Die volle Story gibt es bei CG-Society.

 
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Verfasst von - 28. August 2014 in Ganz Kurz

 

Momentaufnahme: August 2014

Herr Silencer im August 2014
Eigentlich is ja Moppedwetter

Wetter: Zum Monatsbeginn mit um die 30 Grad sehr warm, am 04. sintflutartige Regenfälle, um den 20. rum herbstlich-kühle 13 Grad und Sturm, Ende des Monats Nebel bei 7 Grad. Von Hochsommer zu Herbst in vier Wochen.
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Lesen:

Tim Parks: Italian Ways: On and Off the Rails from Milan to Palermo
Die italienische Bahn, und warum sie so ist wie sie ist. Parks beleuchtet die Rolle eines Verkehrsmittels, das mit der italienischen Volksseele unvereinbar ist und nur gebaut wurde, weil es in der Vereinigungszeit politisch gewollt war. Heute mag niemand die Bahn, aber sie wird gebraucht und genutzt um Posten zu verteilen, um bei Mama und Papa wohnen bleiben zu können, während die Arbeitsstelle am anderen Ende des Stiefels liegt, und um die Inflation in den Griff zu bekommen. Teuerungstatistiken sind an die Preise der Regionalbahnen geknüpft, was die günstigen Ticketpreise erklärt. Daneben gibt es feine Beobachtungen von Menschen und Situationen aus 20 Jahren Pendelei zwischen Verona und Mailand.

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Hören:


Yann Tiersen Ameliè (Soundtrack) [MP3]
Nette Melodien, passen im Film perfekt zu den Bildern. Für sich allein kann man das aber nicht lange hören bis es nervt.

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Sehen:

Moulin Rouge [DVD]
Knallbunter Quatsch, keine Ahnung wie sowas zustande kommt. Vorheriger Drogenkonsum sinnlos, durch die wirbelnden Bilder wird einem auch so schlecht.

The Winter Soldier [BluRay]
Wie kann es eigentlich sein, dass eine Comicverfilmung das EINZIGE Blockbustermedium ist, der ein klares Statement zum Überwachungswahn und eine Haltung zu wuchernden Geheimdiensten hat? Captain America, eigentlich eine absolut alberne Comicfigur, trägt hier einen Film mit durchaus düsteren Momenten, der allseitige Überwachung “zur Sicherheit” und “gegen Terroristen” als Einschränkung der Freiheit problematisiert. Sehr sehenswert.

Operation Walküre [Watchever]
Die Geschichte des Graf von Stauffenberg, dem Attentat auf Hitler und wie die Verschwörer mit einem geheimen Heer fast Berlin einnahmen. Kannte ich noch nicht. Sehr sehenswert, nicht mal Tom Cruise stört.

Egde of Tomorrow [Konserve]
Nochmal Tom Cruise. In der Zukunft wird die Erde von egalen Viechern angegriffen. Tom Cruise ist ein schnöseliger Propaganda-Man. Als der einem General dumm kommt, schickt der ihn zum D-Day an die Front. Irgendwas geht dabei schief, und Cruise muss den gleichen Tag immer und immer wieder erleben wenn er stirbt. “Edge of Tomorrow” ist eine Mischung aus “Starship Troopers” und “Täglich grüßt das Murmeltier” – und zwar eine verdammt gut gemachte! Alleine die vielen Tode des Tom Cruise sind schon sehenswert, aber erst die verschiedenen Zeitverläufe und das Mitfiebern (hat er eine Chance, dadurch das er den Tag auswendig lernt?) machen den Film zum Erlebnis. Dazu gibt es jede Menge Schauwerte und explodierende Sachen. Der beste Sci-Fi-Film seit Minority Report.

The Lego Movie [PSN]
Schlimmstes ADHS-Gehampel, größtenteils Slapstickhhumor. Kaum erträglich. Was den Film besonders macht: Die Liebe, die allerorten darin steckt. Der Helm des 80er-Jahre Astronauten, der genau dort gebrochen ist, wo die Dinger IMMER kaputt gegangen sind. Die Geschichte. Das Ende.
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Spielen:

Infamous 2 [PS3]
Cole ist Fahrradkurier und fährt Dinge von A nach B. Eines dieser Dinge explodiert, und seitdem hat er Superkräfte. In Infamous, dem ersten Teil der Reihe, entdeckte man diese Kräfte und konnte sich entscheiden, ob man die zum guten oder zum Bösen einsetzen wollte. Das hatte Auswirkungen auf die Spielewelt und war recht unterhaltsam. Infamous 2 ist just more of the same. Statt durch New York flitzt man jetzt durch New Orleans, statt gegen die Polizei kämpft man nun gegen eine Miliz. Nett, graphisch schöner als Teil 1., spielerisch aber exakt das selbe.

Infamous: Second Son [PS4]
Delsin Rowe lebt in den Tag hinein. Seine Hauptbeschäftigung ist die Anfertigung von Grafitti. Das ändert sich, als vor seiner Haustür ein Gefangenentransport verunglückt. Als er einem der Verunfallten helfen will und ihn berührt, verwandelt er sich in ein Rauchwölkchen. Und das ist erst der Anfang…
In der Welt von Infamous ist ein merkwürdiges Dingsi explodiert, und nun haben manche Menschen Superkräfte. Delsin kann die übernehmen, und gerät dadurch unversehens in einen Konflikt zwischen den Mutanten und einer staatlichen Armee, die alle Mutierten einfangen und wegsperren will. Klingt nach X-Men mit einem Schuß 1984, und ist storytechnisch gut erzählt. Spielerisch nur ein Aufguß der ersten “Infamous”-Teile: In repetitiven Aufgaben befreit man Stadtviertel um Stadtviertel von Besatzern, immer wieder. Das simulierte Seattle sieht auf der PS4 natürlich toll aus, und es macht einen irren Spaß als Rauchgeist, Neonblitz oder Videosignal durch und über die Stadt zu rauschen. Dabei hat man die Wahl, ob man seine Kräfte zum Wohl aller einsetzen will, oder doch lieber seine Wut auslebt und randaliert. Je nachdem wie man sich als Spieler entscheidet, verändert sich Delsin und die Stadt. Ist man gut, wird alles heller und die Menschen in den Straßen jubeln einem zu. Ist man böse, gibt es diabolische Ringe unter den Augen, die Stadt versinkt im Chaos und Passanten laufen schreiend davon. Seht kurzweilig, schön umgesetzt, aber beim “Third Son” bitte mehr spielerische Abwechselung. Wenn man es nämlich realistisch betrachtet, macht Sucker Punch hier nach “Infamous” und “Infamous 2″ hier das gleiche Spiel zum dritten Mal.

Dantes Inferno [XBOX 360]
Dante begeht schlimmste Verbrechen, im festen Glauben, dass alle seine Sünden vergeben würden, denn er ist ja Kreuzfahrer. Wieder zu Haus ein Florenz stellt er fest, dass Absolution nicht nur eine Lüge der Kirche ist, sondern auch, dass sein Verrat seine wahre Liebe in die Hölle gebracht hat. Also reist er in durch die neun Kreise der Hölle, auf der Suche nach Vergebung – und Beatrice.
Ziemlich kranker Mist. Das Artwork ist toll, optisch macht die Reise durch die Hölle viel her. Spielerisch krankt es: Die Steuerung ist ungenau, was für ein Action-Adventure mit Hack-And-Slay-Einlagen tödlich ist. Dazu kommen haufenweise unfaire Stellen und Uraltgamedesign mit getimten Sprungeinlagen. Ganz Schlimm: Im letzten Drittel hatte man wohl keine Zeit und kein Geld mehr, und baute deshalb die gleiche Arena als “Challenges” 10 Mal (!) hintereinander. Sollen die Gamedsigner in der Hölle schmoren.

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Machen:
Außer dem Weltwieseltag: Nichts spannendes.
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Neues Spielzeug:
Schuhe (Ecco Expediton II). Hepatitisimpfung. Eine Jeans. Eine Cranford-Jacke von Vintage Industries.


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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. August 2014 in Ganz Kurz, Momentaufnahme

 

Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

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“Lieblingsschuhe sind so eine Sache, auch bei Männern, sie werden gepflegt und wenn die ersten Alterserscheinungen auftreten, schaut man wohlwollend darüber hinweg. Dann kommt irgendwann der Punkt, wo sie keinen näheren Blick mehr standhalten, aber mann ist noch nicht soweit. Und dann wird es nur noch peinlich.”

- Rüdiger, Thatblog.de

Oh, Rüdiger hat ja so recht. Meine Lieblingsschuhe sind die auf dem Bild oben. Trekkinghalbschuhe von Bama, waren vor drei Jahren ein gigantischer Glücksgriff (sieht man davon ab, dass ich sie zuerst in der verkehrten Größe gekauft habe und damit doppelt bezahlt habe). Leder,leicht, bequem, stabil und mit funktionierender Klimamembran, was bei Bama nicht selbstverständlich ist. Die graue, mit braun abgesetzte Farbe ist nicht der Brüller, aber immerhin sind sie dezent und nicht bunt. Schuhe für jedes Wetter, jede Jahreszeit und jede Gelegenheit. Egal ob Städtetour, Motorradfahrt oder Bergwanderung: Die Bamas haben es weggesteckt. Tausende von Kilometern bin ich darin gelaufem. Dabei sahen sie so dezent aus, dass ich sie auch im Alltag ständig trug.

Als die ersten Auflösungserscheinungen auftraten, passierte das in Form aufgeribbelter Nähte. Nichts, was mein persönlicher Q und Ausrüstungshersteller nicht wieder hinbekommen hätte. Insgesamt waren sie bestimmt 4 oder 5 Mal bei Meister Neda, der hochkonzentriert und mit der Zunge in den Mundwinkeln Reparaturen vornahm.

Vor zwei Wochen begannen der linke Schuh plötzlich zu zischen, und meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Die Sohle, deren Profil u.a. in den Straßen von Florenz, Rom, Barcelona und London abgelaufen wurde, hat einen Riss. Das ist definitiv irreparabel.

Also hieß es: Neue Schuhe kaufen. Vorzugsweise wieder ein fester Halbschuh, mit Membran, in Größe 41. Und weil ich immer nur ein paar Schuhe mit auf Reisen nehme, bitte wieder möglichst Dezent. Ich mag es, wenn die Schuhe zwar funktional sind, dabei aber so unauffällig, dass ich damit Notfall auch in die Oper käme.

Nun gab es zwei Probleme: 1. Ich mag es nicht, Schuhe zu kaufen. 2. Der deutsche Einzelhandel, wieder mal

Es stellte sich nämlich als schlicht unmöglich heraus, in Götham Trekking- oder Hikinghalbschuhe mit Membran und in gedeckter Farbe zum Preis von um die 100 Euro in Größe 41 zu kaufen. In zwei Wochen der Suche führte mich meine Odysee…

  • …in den Trekkingladen, der NUR Schuhe in den Größen 37/38 und 45-56 verkaufte. Quasi Rudis Resterampe.
  • …in einem Sport- und Bergwanderladen, der was leidlich ansprechendes rumstehen hatte, in dem das Personal aber lieber Stundenlang quatschend in der Ecke stand und auch auf Anfrage nicht behilflich sein wollte. Sowas toleriere ich nicht mehr, da gehe ich einfach.
  • …in einem Karstadt-Instore, dessen Aushilfsverkäuferin sich meine Anforderungen genau anhörte, um sie dann zu ignorieren und Glattlederhalbschuhe mit glatter Ledersohle zu empfehlen. Ich suche zivilisierte Wanderschuhe, sie empfiehlt Tanzschuhe.
  • …vor einer Reno-Filiale (die Bama verkaufen). Reingehen konnte ich leider nicht, wegen Umbau sind die frür vier Wochen geschlossen. Die Reno-Website wiederum ist so kaputt, dass ich nichtmal sehen kann, ob die gerade was ansprechendes im Programm haben.
  • …in einem Nobelschuhgeschäft, dass mir allen Ernstes und trotz vorher geäußerter Preisvorstellung Schuhe aus Yakleder für 260,- Euro verkaufen wollte. Immerhin: Die passten super.
  • …in einem Schuhgeschäft, in dem die Verkäuferin fragte, was eine Membran sein und was ich damit wolle. Sie hätte keine Schuhe damit, aber sie könnte mal gucken, ob man die als Zubehör extra bestellen könnte.
  • …in dem Schuhgeschäft mit dem Nummerngirl, das bei Zalando bestellt.
  • …in vielen, vielen Schuhgeschäften in denen es nur quietschbunten Scheiß gab. Vermutlich wollen Schuhdesigner ausprobieren, mit welchen Hässlichkeiten Menschen wohl noch rumzulaufen bereit sind.
  • Während dieser kleinen Odysee habe ich ernsthaft das Gefühl, dass in Schuh- und Klamottenläden mehrheitlich nummernhörige Kundenvergrämerinnen arbeiten.

    Am Ende hatte ich dank Internet meine Suche auf zwei Modelle des Herstellers Ecco eingegrenzt. Die konnte ich sogar in einem Eccoladen vor Ort anprobieren, vor den Augen einer Verkäuferin, die die meiste Zeit glotzend in der Gegend stand und sich im “Verkaufsgespräch” sichtlich keine Mühe gab. “Nä, wenn die jetzt nicht passen wird das auch nix mehr, die weiten sich nicht”, oder “Nä, in Schwarz und Größe 7 kann ich die nicht bestellen”. Trotzdem habe ich dort ein Paar “Xpedition II” gekauft. Für 13 Euro mehr als im Internet, DENN ICH WILL JA DEN LOKALEN EINZELHANDEL UNTERSTÜTZEN. Wollen mal hoffen, dass sich die Eccos noch ein wenig einlaufen und das Zwicken an der Ferse und der Druck auf dem Spann im Laufe der Zeit nachlässt. Ach, ich werde nie mehr solche Schuhe finden wie meine Bamas. Ich weiß es.

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    Obwohl. Ich glaube, die Bamas haben anfangs auch gedrückt. Von daher könnte das Nicht-Passen das Zeichen für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Oder dafür, dass ich aus schlichtem Unwillen, noch länger nach Schuhen zu suchen, gerade 125 Euro zum Fenster rausgeworfen habe.

    Abgrundbeleuchtung (1): Mauve
    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe Kaufen I
    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

     

    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe kaufen

    Nicht viel besser als bei der Mauveerkundung läuft es beim Kauf von Schuhen.

    Ich will einfach nur robuste Halbschuhe, vorzugsweise mit Klimamembran, in gedeckter Farbe, Größe 41. Kein quietschbunter Bergsteigermist, sondern Schuhe, die für Städtetouren tauglich sind und mit denen ich auch ins Theater gehen kann, die aber auch mal eine Wanderung im Gelände aushalten. Je nach Hersteller sind das dann bessere Sneaker oder was aus dem Hiking- oder Trekkingsegment.

    Nachdem ich ein Dutzend Geschäfte in drei Orten abgeklappert hatte, kenne ich das Angebot auf dem Markt besser als die meisten Verkäufer/-innen. Zusammen mit ein wenig Internetrecherche weiß ich bereits, dass für mich nur eines von zwei Modellen eines bestimmten Herstellerin Frage kommen – so schlecht ist die Auswahl gerade. Im Internet bestellen wäre schell und einfach, aber nun, lokale Wirtschaft unterstützen und so, wissen schon. Und Zalando darf man nun schon mal gar nicht unterstützen, großer Konzern, Samwer-Brüder, usw.

    Also ab in den größten Schuhladen von Götham City, der laut Website zumindest den Hersteller der Schuhe von Interesse führt.”Guten Tag, ich hätte gerne Mal die Modelle “Xpedtion II” und “Light III” von Ecco gesehen”, spreche ich eine eine lächelnde, mittelalte Dame in mauvefarbenem Kleid* an.

    Sie starrt mich groß an, mit eingefrorenem Lächeln. Gut, damit habe ich gerechnet, man kann nicht voraussetzen, dass das Personal alle Modellnamen im Kopf hat.

    “Das sind so Trekkinghalbschuhe, von Ecco”, versuchte ich zu erklären.
    Jetzt kommt wieder Bewegung in die Mimik der Verkäuferin. Die Mundwinkel sacken gen Fußboden, wodurch sie ein wenig wie ein Merkel aussieht.

    “Mit diesen Fantasienamen der Hersteller können wir hier nichts anfangen”, sagt sie spitz, “Für uns sind Schuhe nur unter der Nummer des Systems bekannt”. Sie spricht das System fast ehrfürchtig aus.
    “Ja, OK”, sage ich, “Die Nummer in Ihrer Warenwirtschaft kenne ich jetzt nicht, wenn Sie mir einfach zeigen wie die Eccos stehen, ich erkenne die Modelle dann schon”.

    “Wenn sie die Nummer kennen würden, würde ihnen das auch nichts nützen. Das ist ja eine andere Nummer als die vom Hersteller”, sagt die Verkäuferin und sieht mich schräg an, “Oder von Karstadt. Es kommen ja oft Leute, die wollen die Nummer von einem Schuh wissen und den dann bei Karstadt kaufen. Dabei hat Karstadt ja ganz andere Nummern.”
    “Äh, die Nummer ist mir eigentlich egal, ich will doch nur….”, entgegnete ich ein wenig hilflos, in vollem Gewahr, das unter der explodierten Dauerwelle wohl gerade etwas ausgehakt. Ich blicke mich im Laden um und gehe ein paar Schritte auf eine Präsentationsfläche zu. Die Verkäuferin trippelt mir hinterher.

    “Unsere Nummern sind auch anders als die vom Internet, Wenn sie die bei Google eingeben, kommt da nichts”, sagt die Verkäuferin, und fast schwingt sowas wie Stolz in ihrer Stimme mit. “Und unsere Nummern sind anders als von anderen Schuhgeschäften.”
    “Ja….” “
    Nur innerhalb UNSERES Unternehmens und des Systems sind die Nummern die selben.”
    “Aha.”
    “Wissen Sie, hier habe ich im System für einen Schuh die gleiche Nummer wie unsere Filiale am Kornmarkt”
    “Aha”
    Sie legt den Kopf schief und scheit zu überlegen. “Und wie in der Filiale in Hannover. Wo immer sie hingehen in unsere Filialen, immer die gleichen Nummern.”
    “Aha”
    “Und wie…”
    “Ich bin mir sicher das SIE die schönstem Nummern haben”, unterbreche ich diese Monty Pythoneske Vorstellung der Dauerwelle, “Wo sind denn jetzt Herrenschuhe in 41?”.
    “Wenn Sie die Nummer haben wollten, kann ich ihnen die geben, aber die wird ihnen halt nichts nützen!”, sagt die Verkäuferin, jetzt leicht wütend wegen meines offensichtlichen Nummernfetischismus, den sie so gar nicht versteht.

    Mir reicht es jetzt. Ich drehe den Spieß um und spiele auch ein Zahlenspiel.
    “Außer in der Filiale am Kornmarkt”
    “Was?”
    “Sie sagten, die Nummer nütze mir nichts. Aber in der Filiale am Kornmarkt, da gilt die Nummer auch, weil die auch DAS SYSTEM haben”.
    “Ja.”
    “Und in der Filiale in Hannover gilt die doch auch?”
    “Ja,aber…”
    “Ach wissen sie”, sage ich, “Ich habe es mir überlegt. Extra nach Hannover fahren ist mir jetzt zu anstrengend. Schönen Tag noch.”

    Wir schütteln beide den Kopf und gehen in unterschiedliche Richtungen davon. Im Rausgehen sehe ich, wie Ware geliefert wird. Darunter mehrere große Kartons von…. ZALANDO!
    Oh. Mein. Gott.

    Der deutsche Einzelhandel. Steigert jetzt sogar den Umsatz der erklärten Konkurrenz, gegen die sie sich eigentlich durch Service, Fachberatung und Präsenz zur Wehr setzen müssten.

    Abgrundbeleuchtung (1): Mauve
    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe Kaufen I
    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

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    * Zumindest war es wage Violett. Mit einem Schuß Curry abgesetzt. Hey, wenn man Fremdworte schon kennt, muss man se auch benutzen.

     
     
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