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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Aktueller Gemütszustand:

 

(Pinguin im Wartezimmer des Zahnarztes. Dessen neue Kollegin den verkehrten Zahn behandelt hat.)

 
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Verfasst von - 26. Mai 2015 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch Paris (6): Über die Schwelle der Höllen

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Dienstag, 28. Oktober 2014, Paris

Neinneinnein, das hier ist nicht richtig. Das spüre ich. Irgendwas stimmt hier nicht, ganz egal was der Pförtner gerade gesagt hat. Ich bin hier nicht richtig, das weiß ich. Ein Blick auf die Uhr. Die Zeit läuft mir davon.

Dabei bin ich froh, dass ich überhaupt hier bin, denn die Zugverbindung hier raus ist kompliziert, und heute morgen sind auch noch wegen Signalstörungen Verspätungen und Zugausfälle dazugekommen.

Schon gegen halb Sieben, als es noch Dunkel war, bin ich vom Montmarte aufgebrochen. Nur wenige Menschen waren zu der Zeit unterwegs, anders als andere Großstädte schläft Paris gerne lange. Mehr als drei Stunden hatte ich da noch Zeit, eigentlich mehr als genug für einen Weg von eigentlich nur einer Stunde.

Trotzdem ist jetzt die Zeit knapp. Ich sehe noch mal auf die Uhr. Nur noch 10 Minuten, und die Schlange bewegt sich kaum.

Als ich am Morgen aufgebrochen bin war es noch dunkel. Die Beleuchtung der alten Jugendstil-Metrostationen ist  ebenso dezent wie schön.

Als ich am Morgen aufgebrochen bin war es noch dunkel. Die Beleuchtung der alten Jugendstil-Metrostationen ist ebenso dezent wie schön.

Die Metro hatte mich zum Bahnhof Invalides gebracht. Dort ging es erstmal nicht weiter. Kein Zug weit und breit. Die französische Bahn gibt sich ja, ähnlich wie die deutsche, gar keine Mühe international zu sein. Ansagen oder anzeigenauf englisch gibt es nicht, und das Schnellfeuerfranzösisch, das ein erkälteter Bahnmensch durch die Lautsprecheranlage von 1920 hustete, verstand ich nicht. Irgendwo anders, so vermutet ich nach der vierten Durchsage, gibt es wohl eine Weichenstörung, und deswegen kam hier kein Zug.

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Endlich, nach 45 Minuten Verspätung, fuhr ein Zug in den unterirdischen Bahnhof ein. Den bestieg ich und war froh, dass ich nun doch endlich unterwegs war. Zeitlich würde auch noch alles passen. Dachte ich. Dann gingen die Lichter aus, und auf Schnellfeuerfranzösisch wurde irgendwas durchgesagt. Englische Übersetzung gab´s auch hier nicht, wozu auch, die Linie wird ja nur überwiegend von ausländischen Touristen benutzt. Gerade mal zwei Stationen weit war ich gekommen, und nun musste ich wieder raus aus dem Zug und auf einen anderen warten. Der liess sich auch wieder Zeit, und als ich endlich hier ankam, musste ich schon im Laufschritt losrennen.

Häuser am Rande der Bahnstrecke.

Häuser am Rande der Bahnstrecke.

Hier, das ist übrigens das Chateau Versailles, und vor dem stehe ich jetzt gerade, um 09.15 Uhr, zusammen mit ca. 700 Leuten, und warte auf die Ticketkontrolle.

Die nächsten Häuser verschwinden im dichten Nebel.

Die nächsten Häuser verschwinden im dichten Nebel.


Es gibt mehre Haltestellen mit “Versailles” im Namen, aber nur “Versailles Chateau Rive Gauche” ist die richtige.

Ich habe eine Führung gebucht, und die beginnt bereits um 09.30 Uhr. Eine der ganz seltenen Führungen, findet nur alle paar Tage mal statt.

“Am Eingang für Individualtouren ODER am Gruppenmeetingpoint” solle man sich einfinden, sagt die Website, verschweigt dann aber geflissentlich, wo dieser Meetingpoint wohl zu finden ist. Also hatte ich mein Ticket einem Brummbär von Pförtner gezeigt. Der hatte es praktisch nicht angesehen und mit dem Arm in Richtung der langen Schlange gewedelt und gebellt, ich solle mich dort anstellen. Das sei der richtige Eingang. Aber alles in mir sagt, dass das hier nicht stimmt. Trotzdem hatte ich mich eingereiht, obwohl mir die Zeit ausgeht, denn was sollte ich anderes tun?

Chateau Versailles.

Chateau Versailles.


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Verfasst von - 23. Mai 2015 in Reisen, Wiesel

 

Münzgeld

Drei Jahre hat es seit dem letzten Mal gedauert, nun war er wieder voll. Die Rede ist von diesem praktischen Zylinder, den wir 2001 benutzt haben um D-Mark einzusammeln. Der Deckel des Zylinders ist so geformt, dass man da auch eine ganze handvoll Münzen draufwerfen kann, ohne das der Einwurf verstopft.

 

Das Ding steht bei mir im Flur, und im Vorbeigehen werfe ich da alles an Münzen rein, was kleiner 50 Cent ist. Nun war ich wirklich gespannt wieviel sich da angesammelt hat. Zum Glück hat die Sparkasse hier vor Ort noch eine Zählmaschine, hätte ich die 1.341 Münzen per Hand rollen müssen, wäre ich Wahnsinnig geworden. In der Summe sind satt über 100 Euro zusammengekommen.

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Die wandern gleich erstmal in die Urlaubskasse, da kommen sie gut zupass. Davon kaufe ich mir dann ein Eis. Eines an jedem Tag der Reise.

 
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Verfasst von - 21. Mai 2015 in Ganz Kurz

 

Good morning, 1984

Ich halte David Cameron schon länger für den gefährlichsten Politiker in Europa, und hier ist wieder ein Beispiel warum. In einer Rede, in der der kürzlich wiedergewählte Regierungschef sein Programm für die nächsten 5 Jahre vorstellte, sagte er:

“For too long, we have been a passively tolerant society, saying to our citizens ‘as long as you obey the law, we will leave you alone’.”

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Sich einfach nur an Recht und Gesetz halten soll nicht mehr reichen, die Polizei soll Befugnisse bekommen, alles und jeden aufgrund von “schädlichem Verhalten” aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu gehört “die Möglichkeit die öffentliche Ruhe zu beeinträchtigen”, das Ausgehen “der Möglichkeit einer Bedrohung” oder das “Auslösen von Beunruhigung”.

Man muss sich mal vor Augen halten, dass insb. London schon aussieht wie ein Polizeistaat, mit allgegenwärtigen Sicherheitskontrollen, permanenter Polizeipräsenz und dutzenden Überwachungskameras an allen Ecken. Und nun soll es nicht mehr ausreichen, sich an die Gesetze zu halten. Wenn irgendjemand irgendwo denkt, sei es bei einem unbedachten Facebook-Posting oder einem merkwürdigen Gesichtsausdruck in der U-Bahn, soll man dafür verhaftet werden können.

Adios, Meinungsfreiheit und Freedom of Speech, hallo 1984.

 
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Verfasst von - 19. Mai 2015 in Meinung

 

Vintage Balkonien

Herr Silencer erzählt eine bittersüße Geschichte aus seiner Jugend. Die ist wieder mal viel zu lang, aber dafür kommen Drogen drin vor.

Ist übrigens gar nicht das erste Mal, dass ich einen Balkon habe. 1997, als Student, zog ich in die Innenstadt. Das “Zimmer” das ich dort hatte war winzig, gerade mal 20 Quadratmeter. Dabei lag es noch in einem Dachgiebel, das hieß: fieseste Dachschrägen an zwei Seiten, von den 20 Quadratmetern waren höchstens 10 aufrecht stehend nutzbar. Und diese 10 Quadratmeter waren auch noch geteilt, denn Irgendwer war auf die Idee gekommen, aus dem einen Dachgiebel zwei Zimmer zu machen.

Weil das Dach halt ein Dach war, war es dort im Winter eisekalt. Im Sommer wurde es dagegen so heiß, dass ich tagsüber den Computer nicht anmachen konnte, weil der sofort überhitzte. Warum ich dennoch dort einzog? Weil zu dem Winzzimmer ein Balkon gehörte, wobei die Bezeichnung fast ein wenig zu bescheiden ist. Sie gibt nämlich nicht wieder, wie unglaublich riesig und grandios das Ding war. Der Balkon war nämlich größer als das Zimmer. Mehr als 20 Quadratmeter war die Dachterasse groß, und das im vierten Stock! Das hieß, ich konnte von dort aus über alle anderen Häuser der Innenstadt gucken. Herrlich!

Zwei Jahre lang genoss ich das Refugium sehr. Ich war zu der Zeit eher düster drauf, Keramiktotenköpfe und Flaschen mit Tropfkerzen drauf gehörten zur Inneneinrichtung wie Scheiben von den Cranberries und REM in den CD-Player. Durch so eine Phase muss jeder Student mal durch. Aber beim Balkon, da sollte alles sonnig und ein Idyll wie in der Rama-Werbung sein. Auf meinem Balkon gab es sogar einen weiß-gelb gestreiften Sonnensschirm.

Wie es immer so ist sind die Hölle die anderen, in diesem Fall: Meine Mitbewohnerinnen. Auch wenn der Balkon meiner war, ich wohnte da oben nicht allein. Ich war in eine Zweck-WG aus insgesamt vier Personen, zwei Männern und zwei Frauen, gezogen, und eine Zeit lang lief das auch total gut. Aber dann zogen die beiden Mitbewohnerinnen aus und zwei neue ein, und von den beiden hatte eine, nennen wir sie mal Sevda, einen Knall. Muss man leider so sagen.

In meiner Abwesenheit nutzten meine Mitbewohner gerne den Balkon, was abgesprochen und vollkommen OK war, auch, wenn sie dafür durch mein Zimmer mussten. Das hatte bislang nie Probleme gegeben, aber mit Sevdas Einzug änderte sich das.

Als erstes kam der Sonnenschirm abhanden, den sie offen stehen gelassen hatte, kurz bevor ein Unwetter kam. Schwupp, war er weggeflogen und tauchte nie wieder auf. Dann passierten so Kleinigkeiten, wie, dass in meinem Zimmer Dinge umgestoßen waren. Vermutlich weil jemand bekifft da durchgestolpert war und dabei die Cranberries-CD im Öl einer umgeworfenen Duftlampe ertränkt hatte.

Später zeigte Sevda den Mitbewohnern und mir ganz stolz ihr neues Fahrrad, ein sehr teures und giftgrünes Mountainbike. Ich bewunderte das gebührend, fand es aber merkwürdig, dass die Fliesen des Balkons neuerdings ein giftgrünes Muster aufwiesen. Es sah aus, als hätte jemand einen Fahrradrahmen auf die Fliesen gelegt und mit einer Spraydose draufgehalten. Ich verbat mir für die Zukunft jegliche Umlackieraktionen gestohlener Fahrräder, aber es war zu spät: Der Balkon hatte Sevdas Liebe auf sich gezogen, und ich ihren Hass.

Fortan machte sie mir das Leben in der WG zu Hölle. Mit den anderen verstand sie sich blendend, und wenn ich nicht dabei war, zog sie über mich her und dichtete mir sonstwas für Dinge an. Das führte dazu, dass ich in kürzester Zeit spürbar ausgegrenzt wurde. Manchmal mochte ich gar nicht nach Hause gehen, weil ich das Gefühl hatte, ein Mienenfeld zu betreten.

Dann kam der nächste Sommer, und der Mitbewohner fragte, ob er auf den Balkon wohl ein paar Pflanzen stellen dürfte, ich wäre ja eh selten zu Hause und die würden auch nicht viel Platz wegnehmen und keinen stören. Klar durfte er. In seinem Zimmer hatte er so kleine Kakteen, vermutlich wollte er die an die Sonne stellen. Warum nicht, dachte ich, dann fuhr ich in Urlaub.

Als ich wiederkam, war mein Balkon verschwunden. Hinter einer grünen Wand. Der Mitbewohner hatte gar nicht für seine eigenen Pflanzen gefragt, sondern für Sevdas, die zu dem Zeitpunkt aber schon nicht mehr mit mir redete. Sevda hielt den Riesenbalkon, den man von nirgendwo einsehen konnte und der eine wunderbar sonnige Lage hatte, für den perfekten Ort, um ein wenig Gras anzupflanzen. Wobei es weder wenig noch Gras im Wortsinn war: Die Dachterasse war jetzt vollgestellt mit 15 riesigen Kunststoffwannen, wie man sie zum händischen Anmischen von Beton verwendet. Da drin: Hanfpflanzen, die offensichtlich noch jung, aber schon fast zwei Meter hoch waren. Keinen Schritt konnte man mehr auf dem Balkon machen, und in genau diesem Moment, als ich fassungslos vor diesem Kifferparadies stand, wurde mir schlagartig klar:

1. Ich muss hier ausziehen, sofort.
2. Ich ziehe nie wieder in eine WG.

Und so kam es dann auch. Ich fand zum Glück schnell eine Wohnung auf dem Dorf, weit weg von der Innenstadt, ohne schräge Mitbewohner, ohne Dachschrägen, aber leider auch ohne Balkon. In einer Nacht- und Nebelaktion zog ich von einem Tag auf den anderen aus (damals passten all meine Besitztümer noch in drei PKW), dann strich ich das Zimmer mit den billigsten, hässlichsten und, für Fußleisten und Türrahmen, lösungsmittelhaltigsten Farben, die es im Billigmarkt gab, und damit war ich verschwunden. Noch bevor die Farbe trocken war standen schon Sevdas Sachen in meinem ehemaligen Zimmer.

Später stand ich noch mit der Vermieterin in Kontakt. Nachmieterin Sevda hatte sich über Farbgeruch und Kopfschmerzen beklagt, aber hey, der Mietvertrag sagte nur, dass ich bei Auszug streichen muss, nicht mit welchen Farben. Außerdem erzählte mir die Vermieterin, das sie auf ihrem Balkon (der sich genau unter meinem, jetzt Sevdas, Balkon befand) Blätter gefunden habe. Die hätten so merkwürdig sternförmig und gezackt ausgesehen, und von unten könne man sehen, dass auf dem Balkon Pflanzen stünden, die bestimmt an die drei Meter hoch seien.

Die Vermieterin hätte daraufhin die WG zur Rede gestellt, die sich damit rauszureden versuchte, dass das Tomatenpflanzen seien. Die Vermieterin war aber nicht doof, und setzte ein Ultimatum, dass die Pflanzen bis Ende der Woche zu verschwinden hätten.

Was dann passierte, dass kann ich nur raten. Die Pflanzen standen ohnehin kurz vor der Ernte und ich stelle mir vor, dass nun eine hektische Verkostung stattfand und die Blüten schon für OK befunden wurden. Also wurden sie abgeerntet, kleingeschnitten und dann… Tja, wohin mit einem riesigen Berg illegalem Biomaterial? Ganz klar: In den Biocontainer des Stadtviertels! Die drei müssen bekifft gewesen sein, anders ist diese Idee nicht zu erklären.

Nicht zu erklären ist auch der Umstand, dass sie dabei nicht gerade sorgfältig zu Werke gingen, denn in der kommenden Woche war in der Lokalzeitung zu lesen, dass die Polizei eine erhebliche Menge Gras in der Göttinger Innenstadt beschlagnahmt hatte. Dabei war den Polizisten der Zufall zur Hilfe gekommen. Einer Streife war aufgefallen, dass ein Biocontainer mit offenem Deckel herumstand, weil er übervoll war. Mit Hanfpflanzen. Vom Biocontainer führte eine Spur aus Hanfblättern weg, durch mehrere Straßen und bis zu einem Haus in der Nähe, dann durch das Treppenhaus bis in den vierten Stock. Dort hatte die Polizei nicht nur Dutzende Müllsäcke voller Cannabisblüten gefunden, sondern auch eine Werkstatt zum Umlackieren gestohlener Fahrräder, die auf einer Dachterasse eingerichtet worden war.

Den Balkon hatte ich verloren, aber mit dieser Meldung hatte ich ein Stück Seelenfrieden zurückgewonnen.

 
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Verfasst von - 17. Mai 2015 in Historische Anekdoten

 

Balkonien!

Vorher:

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Nachher:

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DamnunHerrn, ich präsentiere: Balkonien!

Wobei “nachher” bedeutet: Nach mehreren Stunden putzen, nach zwei Besuchen und drei Bestellungen bei IKEA und einer bei Ebay sowie 4 Besuchen im Gartenmarkt. Aber egal, ich habe da gerade voll Freude dran. Ist immerhin das erste Mal, dass ich den Balkon der neuen Wohnung nutzen kann.

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Es ist schön, wieder einen Balkon zu haben. Auch, wenn mehr Sonne sein dürfte. Ich habe nämlich einen Berg vor der Haustür, und der sorgt dafür, dass es hier Abends sehr früh dunkel wirkt. Nunja.

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Verfasst von - 16. Mai 2015 in Gnadenloses Leben

 

Reisetagebuch Paris (5): Männer, die betreten auf ihre Penisse starren

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Montag, 27. Oktober 2014, Paris

Im Hotel frühstücke ich schon seit dem zweiten Tag nicht mehr. Sechs Euro sind zu viel für eine Tasse Kaffee und ein Croissant. Zumal ich normalerweise eh nicht frühstücke, und einen Kaffee bekomme ich auch um die Ecke. Dort liegt das nämlich das “Café des Deux Moulins”, wo ich meinen Frühstückskaffee stilecht, im Stehen und an den Tresen gelehnt, trinke. Um mich herum sind Handwerker und Verkäufer ins Gespräch vertieft oder lesen Zeitung. Sie machen Frühstückspause, sind auf dem Weg zu Arbeit oder kommen mal eben so reingedippt, auf einen Kaffee, im Tresen, im Stehen, und dann geht es weiter.

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Es ist ein seltsames Gefühl hier zu sein. Alles sieht exakt so aus wie im Film “Amélie”, der hier gedreht wurde. Hier ist der Tisch, an dem der Mann mit dem Diktafon saß, dort der Tabaktresen von der schniefenden Verkäuferin. Aber das hier ist keine Filmkulisse, sondern ein ganz normales, in die Jahre und etwas runtergekommes Café, in dem die Einheimischen ein- und ausgehen.

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Das ist fast ein wenig surreal, und dieses Gefühl hatte ich auch schon, als ich in “Sherlocks” Stammcafé in London war. Anders als das “Speedys Sandwich Café” macht das “Des 2 Moulins” aber Werbung damit, dass es ein Drehort war. An der Wand hängen “Amélie”-Poster, und auf der Toilette ist ein kleiner Schrein eingerichtet, in dem sogar der Gartenzwerg steht. Das Wiesel hält kurz andächtig inne.

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“Des 2 Moulins”, also “Von den zwei Mühlen” heisst übrigens so, weil es wirklich mittig zwischen zwei Mühlen liegt. Weiter oben am Berg steht die letzte von einst zahlreichen Windmühlen auf dem Montmartre. Sie beherbergt heute ein Sternerestaurant. Etwas weiter die Straße runter drehen sich die roten Flügel der zweiten Mühle, der auf dem Dach des Moulin Rouge.

Der Laden, der im Film dem unfreundlichen Gemüsehändler gehört, liegt nur zwei Straßen weiter. Heute Morgen hat er noch geschlossen.

Der Laden, der im Film dem unfreundlichen Gemüsehändler gehört, liegt nur zwei Straßen weiter. Heute Morgen hat er noch geschlossen.

Während ich am Tresen stehe, mache ich mir ein wenig Gedanken darüber, welchen Eindruck die Stadt bislang auf mich hinterlassen hat. Paris besteht gefühlt nur aus Modeläden und Cafés. Es gibt Fantastilliarden an Schuh- und Klamottengeschäften, und ganze Straßenzüge bestehen nur aus einem Café am nächsten. Mittags und Abends sind nahezu alle voll belegt. Es ist, als ob sich das Leben der Pariser außerhalb der Arbeit in Cafés abspielt. Hier trifft man sich mit Freunden und Familie. Vermutlich will niemand direkt nach Hause, weil die Wohnungen so fürchterlich winzig sind.
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Verfasst von - 16. Mai 2015 in Reisen, Wiesel

 
 
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