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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Zeitumstellung

“Am Sonntag werden die Uhren vorgestellt. Viele Apple Fans fragen sich jetzt: Wie, es werden schon wieder Uhren vorgestellt… muss ich meine alte Apple Watch jetzt schon wieder wegschmeißen oder was? Nein, am Sonntag ist Zeitumstellung. Überall, außer in Dresden. In Dresden war schon Zeitumstellung, da ist jetzt 1933.”

Brutal komische Stand-Up Comedy ist nur ein Grund, warum man das Neo Magazin Royal lieben muss…

 
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Verfasst von - 28. März 2015 in Ganz Kurz

 

Motorradreise 2014 (19): Die Papiermacher

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 21. Tag geht es um Papier, Wasserzeichen und mein erstes Katzenvideo.

Donnerstag, 26. Juni 2014, Castelluccio, Umbrien

Eine Stunde vor dem Weckerklingeln schrecke ich aus dem Schlaf hoch und lausche ins Halbdunkel. Außer einem Hund, dessen Bellen sich in der Ferne verliert, ist nichts zu hören. Das ist gut. Ich tappe zum Dachfenster, aber das ist beschlagen. Das ist nicht so gut. Offensichtlich ist es kalt draußen.

Tap-Tap-Tap. Ich öffne die Fensterläden des großen Fensters, das zur Hochebene hinausgeht, und blicke in einen grauen Morgen. Nebel treibt zwischen den Bergausläufern herum – oder sind das Wolken die sich verlaufen haben und jetzt im Tal gefangen sind? Egal, wichtig ist, was NICHT da ist: Regen und Sturm glänzen beide durch Abwesenheit. Das Wetter ist feucht und klamm, aber friedlich und weit entfernt von dem Unwetter, dass gestern über die Piana Grande hinweggefegt ist. Mit einem Lächeln auf den Lippen packe ich mich wieder ins Bett und döse noch ein wenig. Um kurz vor Acht mache ich mich auf den Weg zum Frühstück in der Gaststube des Il Guerrin Meschino. Ruckzuck ist danach die Bezahlung erledigt, die Koffer am Motorrad befestigt und die Maschine startklar.

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Es ist kühl, gerade mal 9 Grad sind es noch. Der Hausberg von Castelluccio hüllt seinen Gipfel noch in dunkle Wolken, aber um ihn herum zeigt sich sogar hier und dort mal blauer Himmel. Es weht nur ein leichter Wind. Der ist kein Vergleich zu dem Sturm gestern und wird kein Problem beim Fahren darstellen.

Ich starte das Motorrad und manövriere aus dem kleinen Ort heraus, eine gut ausgebaute Bergstraße entlang und vorbei an den sanften, grünen Hügeln mit den Linsenfeldern, die unvermittelt in große, felsige Berge übergehen. Ich werfe einen Blick zurück auf die Hochebene. Von so weit weg vergisst man leicht, WIE riesig die ist. Von hier wirkt die Piana Grande wie eine Wiese und sieht nicht aus als wäre sie sieben Kilometer lang. Allenfalls wenn ein Campingmobil über die Talstraße kommt oder eine Schafherde in Sichtweite ist, hat Auge eine bekannte Größe zum Vergleich und kann abschätzen, mit welchen Maßstäben es hier oben tun hat.

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Ich lasse das letzte Stück der Hochebene hinter mir und steuere die Kawasaki die Bergstraße hinauf und über den Pass. Der führt nicht, wie die Straße gestern, aus den Bergen heraus, sondern tiefer in sie hinein. Im Schutz der Berge geht dann durch den Parco Nationale de Monte Sibillini, über end-, aber harmlose, Serpentinen, hinab unter die Baumgrenze und dann weiter ins Tal. Die Straße führt durch dichte Wälder, schmale Täler und Tunnel über Landstraßen nach Norden.

Mein Tagesziel heute ist Urbino, die Hauptstadt der Region Marken. Ich war schon einmal in dieser Stadt, aber nur ganz kurz, und diesmal möchte ich sie mir genauer ansehen und den halben Tag dort verbringen. Vor allem will ich endlich Nerys Lieblingsgelateria besuchen. Die in Mailand lebende Waliserin hat in Urbino studiert und liebt diese Eisdiele, aber bei meinem ersten Besuch habe ich schlicht vergessen die aufzusuchen.

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Verfasst von - 28. März 2015 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Smartwatch

“Ist das eine Smartwatch?”
“Aber ja! Die sagt mir vollautomatisch, wann es Zeit ist ein Gespräch zu beenden. TicTac, guckense, ist schon wieder so weit.”

Ich habe nie aufgehört Uhren am Handgelenk zu tragen und ja, ich weiß SEHR genau was ich antworten werde, wenn der erste fragt, ob ich eine Smartwatch trage.

 
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Verfasst von - 26. März 2015 in Ganz Kurz

 

Deutsche Bahn Identifizierungskarte (DBpI) – Vorsicht, falsche Bahnmail

Gerade flatterte mir folgende Mail ins Postfach:

Bildschirmfoto 2015-03-22 um 20.10.31

Der Text lautet:

Wunderschönen Tag Sil Encer (Hier bitte den echten Namen denken),

die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutschen Bahn AG werden sich im Bezug auf die Richtlinien der Sicherheit im Personenverkehr ab dem 29. März 2015 verändern.

Wir bitten alle Kunden der Deutschen Bahn AG, sich einen Abgleich ihrer personenbezogenen Daten zu unterziehen. Sie werden daraufhin an die bei der Registration angegebene Adresse eine persönliche Identifizierungskarte (DBpI) der Deutschen Bahn AG erhalten.
Diese dient für mehr Sicherheit in Bus und Bahn und ist ab dem 29. März 2015 von jedem Kunden mitzuführen.

Es entstehen für Sie keine weiteren Kosten, die Registrierung sowie die Identifizierungskarte (DBpI) sind kostenlos.

Jetzt Identifizierungskarte (DBpI) beantragen!
Ihre Vorteile der Online-Registrierung:

Gratis Identifizierungskarte (DBpI)
Entfall der Kosten der Bahncard für drei Monate
kostenlose Reservierungen im Bereich der zweiten Klasse
Nutzungen aller exklusiven Services, z.B. Benachrichtigung im Verspätungsfall

Der Registrierungsprozess der Karte nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Der Schutz Ihrer persönlichen Daten ist uns wichtig. Alle Daten werden sicher übertragen und sind vor externen Zugriffen geschützt dank moderner Verschlüsselungstechnologie.
Wir danken Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und bitten Sie die auftretenden Unanehmlichkeiten zu entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team von http://www.bahn.de

Diese E-Mail wurde automatisch versendet, bitte antworten Sie hierauf nicht. Wenn Sie uns etwas mitteilen möchten, nutzen Sie bitte das Kontaktformular unter http://www.bahn.de/kontakt

Ich muss schon sagen: Das ist eine der besten Scam-Mails die ich je gesehen habe. Hier stimmt nahezu alles: Layout, Grafikelemente, Text. Und ich bin tatsächlich Bahnkunde mit fester BahnCard und werde regelmäßig von der Bahn mit Post bedacht, die genauso aussieht. Der Link “Jetzt Identifizierungskarte (DBpI) beantragen!” führt zu einer Seite, die genauso aussieht wie eine Bahnseite. Hier soll man sich mit Nutzernamen und Passwort der DB-Seite anmelden.

Bildschirmfoto 2015-03-22 um 20.19.04

Weder der SpamAssassin auf dem Server noch ein lokaler Junk-Filter noch eine Spam-Protection Software haben die Mail auch nur im Ansatz als bedenklich eingestuft, und auch die Website ruft weder bei F-Secure noch bei Google keinen Alarm hervor.
Warum es eine Fälschung sein muss?

  • Die Bahn redete einen in Mails nicht mit “wunderschönen Tag” an.
  • Das Datum 29.05. wäre viel zu knapp um allen deutschen Bahnkunden ID-Karten auszustellen.
  • Wozu überhaupt ID-Karten? Bahncards SIND ID-Karten nach den AGB der Bahn.
  • Die angepriesenen Verbilligungen (3 Monate sparen! Gratis Reservierungen!) sind unrealistisch hoch für eine Maßnahme, die als Pflicht ausgegeben wird. Oder unrealistisch niedrig, denn “Benachrichtigung im Verspätungsfall” ist eh schon kostenloser Standard.
  • Wenn der ganze Zinnober wegen der “Richtlinien der Sicherheit im Personenverkehr” gemacht wird, und diese Richtlinien so weitreichende Folgen hätten, müsste das eine AGB-Änderung nach sich ziehen. Und die müsste Bahncard-Kunden zuerst mitgeteilt und gründlich erläutert werden.
  • Die Buttons auf der Seite stimmen nicht (Mehrfachpfeile, die Bahn verwendet nur einfache)
  • Die Seite, auf die der Link “Jetzt Identifizierungskarte (DBpI) beantragen!” zeigt, trägt zwar bahn.de in der URL – aber die Domain ist .de-Fahrkarten.com. Registriert auf eine Privatperson unter einer deutschen Adresse, das definitiv nicht die deutsche Bahn.

Also: Finger weg, das ist ein Scam um an die Nutzerdaten von Bahnkunden zu kommen!*

———
* Von diesen Bahnkunden haben etliche, dank der Strafgebühren der Bahn auf andere Zahlungsmittel, ihre Zahlungsweise in den letzten Wochen auf Bankeinzug umgebogen.Damit sind Einkäufe in beliebiger Höhe und ohne jegliche weitere Kontrolle möglich. Das die Bahn auch im Jahr 2015 keine Zwei-Faktor-Authentifizierung hinbekommt, davon wollen wir lieber nicht anfangen.

 
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Verfasst von - 22. März 2015 in Service

 

Motorradreise 2014 (18): Episches Wetter

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 20. Tag komme ich nicht vom Fleck und es gibt kein Wiesel. Dafür episches Wetter.

Mittwoch, 25. Juni 2014, Castelluccio, Umbrien

Gegen 04.30 Uhr schrecke ich aus einem unruhigen Schlaf hoch. Regen prasselt auf das Dachfenster über meinem Bett im “Guerrin Meschino”. Erschöpft von der Kotzorgie vor einigen Stunden schlafe ich sofort wieder ein.

Als ich um 08.00 Uhr im Frühstücksraum sitze und zaghaft an einem Stück Zwieback herumknabbere, haben sich Magen und Wetter ein wenig beruhigt. Es regnet nicht mehr, und mir geht´s einigermaßen. Durch die großen Fenster vor dem Frühstückstisch kann ich über die Hochebene schauen. Rasend schnell ziehen dunkle Wolken darüber hinweg kommt. Es sieht so aus, als ob jemand den Zeitraffer eingeschaltet hat. Wenn die Sonne durch die Wolken bricht, gibt es einen Lichtfleck auf der Ebene, der schnell darüber hinweg wandert. Wenn man längere Zeit die Muster auf der Ebene ansieht, sieht es aus wie der Welt größte Lavalampe.

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Das Kinn auf auf die Hand gestützt blicke ich aus dem Fenster und überlege. Soll ich mich auf´s Motorrad wagen? Es ist stürmisch, aber richtig regnen soll es erst später, und es besteht zumindest die Chance das es bis zum Nachmittag trocken bleibt. Aber will ich bei dem Wind wirklich vor die Tür? Schließlich siegt die Neugierde, und ich mache das Motorrad fertig für eine Fahrt in den, eine Stunde entfernten, Ort Ascola Pienca, der angeblich den schönsten Platz Mittelitaliens vorzuweisen hat.

Vorsichtig steuere ich die Kawasaki von dem Felsen herunter, auf dem Castelluccio liegt. Am Fuß des Berges geht der Motor aus. Zum Glück startet die Maschine gleich wieder, aber da war ich wohl zu sparsam mit dem Choke. Ein deutliches Zeichen dafür wie kalt es hier ist – das kleine Thermometer zeigt 15 Grad, vermutlich ist es aber kühler. Etwas weiter oben am Berg liegt noch Schnee, und ich trage die dicken Winterhandschuhe.

Die Renaissance zischt über die Hochebene, biegt dann nach Nordosten ab und folgt der Passtrasse aus dem Talkessel heraus. Es ist sehr windig. Wieder und wieder reißen Windböen an der Kawaski herum, die durch ihre Vollverkleidung eine breite Angriffsfläche bietet. Ich muss sehr aufpassen, aber fahrerisch lässt sich das gerade noch machbar. Das ändert sich, als die Paßstrasse durch eine Lücke in der Bergkette, die die Hochebene umgibt, führt. Kaum habe ich den ersten der schützenden Berge umfahren, wird das Motorrad von der vollen Wucht des Windes getroffen. Die Maschine wird hin- und hergeworfen, und kann nur mit Mühe den Blick nach vorn gerichtet halten, weil eine unsichtbare Kraft den Helm von links nach rechts reisst.

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An einem Aussichtspunkt kurz hinter der Bergkette halte ich an – der Ausblick in die umliegenden Täler ist ehrfurchtsgebietend, schon deshalb weil es fast senkrecht eineinhalb Kilometer in die Tiefe geht – ohne Leitplanke! Leider liegt die Kamera liegt wasserdicht verpackt im Topcase, deshalb gibt es davon kein Bild. Aber selbst wenn ich sie jetzt in Griffweite hätte, würde ich mich nicht trauen sie zu benutzen. Der Sturm hier schüttelt mich so dermaßen durch, dass ich keine Hand vom Lenker nehmen kann. Fasziniert beobachte ich die Plexiglasscheibe des Motorrads, die so schnell im seitlich einfallenden Wind vibriert, dass sie fast nur als Schemen zu sehen ist.

Vorsichtig setze ich den Weg fort. Der Sturm greift in Böen und mit Fallwinden an, und trotz des nicht ganz langsamen Tempos reisst es das Motorrad immer wieder quer über die Straße, und ich kann sie nur mit Mühe halten. So muss es sich anfühlen, wenn man auf einem bockenden Pferd sitzt.

Nein, beschließe ich, dass geht zu weit. So fahren zu müssen ist selbst auf der relativ breiten Passstrasse gefährlich, und später wird die Straße schmaler und hat wieder Kehren, und DIE bei Sturm fahren zu müssen ist extrem. Ich würde das hinkriegen, wenn ich müsste, aber das ist genau der Punkt: Heute MUSS das halt nicht sein. Auf einem Schotterplatz wende ich und fahre zurück nach Castelluccio. Auch auf der geschützen Hochebene hat der Wind zugenommen, und ich bin ganz froh, als ich die Maschine wieder vor dem Guerrin Meschino abstellen kann.

Weit bin ich heute nicht gekommen...

Weit bin ich heute nicht gekommen…

In Jeans und der Jacke der Regenkombi und wandere ein wenig um das Dorf herum. Allzuweit komme ich aber auch hier nicht, der kalte Wind schmerzt an den Ohren, und es fängt es an zu regnen. Es stürmt, und die Wolken jagen über den Bergen dahin. Wo sich eine Lücke auftut, wandern Lichtsäulen über die Piana Grande, die Hochebene. Das sieht abartig cool und einfach nur episch aus und macht deutlich, wie winzig und machtlos man als Mensch hier oben ist.


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Verfasst von - 21. März 2015 in Motorrad, Reisen

 

Cebit 2015

Wie jedes Jahr gab´s auch heuer, wie wir Österreicher sagen, wieder eine CeBit. Die war in diesem Jahr ganz besonders, aus mehreren Gründen. Zum einen: Das Wetter. Es gibt einen feststehenden Ausdruck für depressionsauslösenden Grauhimmel in Tateinheit mir scharfen Wind, der einen Nieselregen in jede Ritze drückt: CeBitwetter. In diesem Jahr war kein Cebitwetter, sondern… Sonnenschein? Das Messegelände in Hannover, das sonst den rauen Charme eines sibirischen Gulags verströmt, glich plötzlich einem relaxten Campus. Seltsam.

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Der zweite Grund: Vor einigen Jahren lag die CeBIT am Boden und zuckte nur noch, jetzt war die gefühlte Stimmung unter den Ausstellern wesentlich besser. Die Dichte der jovialen Anzugsträger mit Guttenberg-Gedächtnis-Gesicht war extrem hoch, ein Zeichen, dass die Branche wieder dicke Eier vor sich her trägt. Wie das kommt? Nun, vor zwei Jahren gab es ja diese Snowden-Enthüllung, dass wir alle durch die Geheimdienste über das Internet überwacht werden.

Das man damit durchkommen kann ohne Folgen befürchten zu müssen, beflügelt auf der CeBIT einen Großteil der Aussteller, nach dem Motto: Wenn man DAMIT durchkommt, dann kann man die Leute mit allem verarschen! Und so sah die CeBIT 2015 dann auch aus.

Hier kann man das Handwerk  lernen: Vom Meister himself, the one and only Karsten Maschmeyer, ...Versicherungsverkäufer.

Hier kann man das Handwerk lernen: Vom Meister himself, the one and only Karsten Maschmeyer, …Versicherungsverkäufer.

Um richtiger IT-Manager zu werden, kann man sich ein Stück weiter das letzte Bißchen Hirn kauterisieren und den passenden Anzug verpassen lassen.

Um richtiger IT-Manager zu werden, kann man sich ein Stück weiter das letzte Bißchen Hirn kauterisieren und den passenden Anzug verpassen lassen.

SAP verhöhnt alle, die schonmal mit seiner Software zu tun hatten - wenn die Software wirklich simpel wäre, würden keine SAP-Berater mit fünfstelligen Tageshonoraren benötigt. Und vielleicht gäbe es Quelle noch.

SAP verhöhnt alle, die schonmal mit seiner Software zu tun hatten – wenn die Software wirklich simpel wäre, würden keine SAP-Berater mit fünfstelligen Tageshonoraren benötigt. Und vielleicht gäbe es Quelle noch.

Davon träumt die Branche: Alle Daten, von jedem, immer und überall, BIIIIG DATA!!!! Man kann die Erektion mancher Firmen förmlich spüren.

Davon träumt die Branche: Alle Daten, von jedem, immer und überall, BIIIIG DATA!!!! Man kann die Erektion mancher Firmen förmlich spüren.

BIG.... DATA... SCANNER... manche Firmen klingen wie  Zombie... HIIIIRN...

BIG…. DATA… SCANNER…
manche Firmen klingen wie
Zombie… HIIIIRN…

Das Customer-Briefing Center der Telekom: Hier wird Kunden gesagt, was sie denken und kaufen sollen.

Das Customer-Briefing Center der Telekom: Hier wird Kunden gesagt, was sie denken und kaufen sollen.

Was kann Deutschland nicht? Internet. Was kann Deutschland? Industrie. Nur Folgerichtig hat sich unsere Bundesregierung den Bullshit von der “Industrie 4.0″ aus dem Hinten gezogen, das Wort in den Raum geworfen und guckt nun, was die Firmen daraus machen. Die üblichen Verdächtigen stürzten sich darauf wie Hunde auf den Knochen. Ganz vorn dabei: Prof. Scheer, der in diesem Jahr sogar behauptet, Industrie 4.0 quasi erfunden zu haben. Das aktuelle Prospekt schleudert dann auch wieder eine Unmenge Buzzwords in den Raum und guckt mal, was kleben bleibt.

Adaptive Logistics & Supply Chains mit Smart Analytics und Agile Planning dank collaborative Product & service Engineering. Die Worte lassen sich in beliebiger Reihenfolge mixen.

Adaptive Logistics & Supply Chains mit Smart Analytics und Agile Planning dank collaborative Product & service Engineering. Die Worte lassen sich in beliebiger Reihenfolge mixen.

Manche Leute übertreiben es beim Buzzwordmixen auch, das fällt aber in der euphorischen Goldgräberstimmung kaum auf. Oder was soll “Smartes Wasser” sein?

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Bei Bullshit immer mit dabei: Telekom, SAP und Fraunhofer. Gemeinsam machen sie das “Digitale Wirtschaftswunder” mit “Industrie 4.0″. Wie das aussieht weiß die Marketingabteilung noch nicht, aber die Farbe steht bestimmt schon fest.

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Gegen Regenwetter aus der Cloud: Wirtschaftswunderregenschirme.

Gegen Regenwetter aus der Cloud: Wirtschaftswunderregenschirme.

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Natürlich ist Sicherheit ein Riesenthema, und weil die Geheimdienste alle super verarschen und die Politik so fein mitmacht, lässt sich auch die Wirtschaft nicht lumpen und lügt allen ins Gesicht. Man kann das eigentlich nur noch ironisch interpretieren und lauschen, ob man hinter den Kulissen der Stände Gelächter hört.

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Damit liegen sie auf einer Linie mit den Bundes- und Landesbehörden. DIE schützen! Und produzieren Sicherheit! Und Vertrauen!

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Und wie machen Sie das? Na, durch schärfere Kontrollen und stärkere Überwachung natürlich!

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Der Niedersächsische Verfassungsschutz wirbt mit Zeilen, die wie Hohn klingen. Oder warum setzen die den Satz “Uns liegt ihr Know-How-Schutz am Herzen” in Anführungszeichen? Egal, darunter präsentieren sie die Palette ihrer Dienstleistungen, u.a. Wirtschaftsspionage:

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Natürlich will die Landespolizei dabei mitmachen und hat schonmal Dienstwagen bestellt, damit sie auf Streetview Cyberpatrouille fahren können:

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Natürlich gab es auch die kleinen und großen Facepalms. In der Reihenfolge der Schlimmigkeit:

Klassische Facepalms:
Kleine und mittlere Aussteller, die viel Aufwand in Standbau und Anreise gesteckt haben, und dann wie die Affen hinter ihren Smartphones oder Notebooks hocken oder die Messehostessen angraben, aber sich keinen Deut um das Publikum kümmern.

Du bissja nen lecker Mäddsche, ne?

Du bissja nen lecker Mäddsche, ne?

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Mittelgroße Facepalms

1. Unternehmen, die ernsthaft fragen (und vermutlich machen) was ihre Kunden wollen:

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2. Blackberry: Zuckt noch ein wenig. Kann sich nur noch einen halben Gemeinschaftsstand leisten, umklammert aber in seinen fast erkalteten Fingern störrisch das Schild mit der Aufschrift “Ich binne nicht tot”

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Riesenfacepalms:

1. Das Bundesministerium für Transport, Bewegung und Verkehrssicherheit (oder so ähnlich) kann so viel mit IT anfangen, dass sie in ihrer Verzweiflung eine alte Lara Croft Figur aufgestellt haben, die sie hinterm GameStop aus dem Sperrmüll gefischt haben. Inhaltlicher Bezug? Nicht gegeben.

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2. Der Stand des Landes Niedersachsen. Da arbeiten wir Niedersachsen JAHRELANG an der Behauptung, mehr zu können als nur Schafe zu ficken, und DANN DAS!

Der Stand des Landes Niedersachsen: Alles VOLLER SCHAFE die nichtmal von elektrischen Androiden träumen.

Der Stand des Landes Niedersachsen: Mein Gott, er ist voller Schafe. Alles VOLLER SCHAFE, die nichtmal von elektrischen Androiden träumen.

3. Hippies, die in der Workshophalle Holz beiteln, Stoff batiken und Ikonen malen. Und warum? UM DIE WIRTSCHAFT ZU RETTEN. Am Rand der Halle stehen SAP-Berater und lachen sie aus.

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Nein, das sind mit die Russen lieber. Die präsentieren ganz offen und ehrlich was sie im Programm haben: DROGEN.

Man sollte zuerst den Stand der Russischen Föderation in Hall 9 aufsuchen. Eine kurze Probe der angebotenen Waren macht den Rest des Besuchs erträglicher.

Man sollte zuerst den Stand der Russischen Föderation in Hall 9 aufsuchen. Eine kurze Probe der angebotenen Waren macht den Rest des Besuchs erträglicher.

Für gute Stimmung sorgt auch die Nachricht, dass wieder ein paar Chinesen verhaftet wurden, die gute, europäische Produkte plagiiert haben und dafür von der Cyberpolizei verhaftet und von Netzwerkausrüstern mit neunschwänzigen Kabelpeitschen gefoltert wurden. Geschieht denen Recht, das geistige Eigentum will respektiert werden! Ideen anderer klauen, das würde die CeBIT NIE MACHEN!!

Alles was zählt: Saufen bis die Lutzi qualmt.

Alles was zählt: Saufen bis die Lutzi qualmt.

Na, egal. Ich kann sowieso nicht auf die Standparties. Für mich war das ein langer und aufschlußreicher Cebit-Tag, aber jetzt geht es nach Hause. Warum springt das Auto nicht an? Oh scheiße, jemand hat den Motor geklaut.

Seitdem Booth-Babes politisch nicht mehr korrekt sind, ist das hier das meistfotografierte Model der Messe: Tesla Model S.

Seitdem Booth-Babes politisch nicht mehr korrekt sind, ist das hier das meistfotografierte Model der Messe: Tesla Model S.

 
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Verfasst von - 20. März 2015 in Berufsleben, Satire

 

Kein Engel Gabriel

Sigmar Gabriel ist ein dicker, aber kein dummer Mann. Dieser Tage muss man sich allerdings fragen für wen der SPD-Mann eigentlich arbeitet. Seine Vorstellung auf dem letzten Parteitag seiner Partei war schon einigermaßen bizarr. Er, der Vorsitzende der SPD, beginnt zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl mit zersetzenden Maßnahmen und teilt den Genossinnen und Genossen mit, dass man gegen die herrliche CDU schlicht nicht gewinnen könne. Das mag ja stimmen, aber: WTF?

Dazu kommen noch urplötzliche Richtungsänderungen um je 180 Grad. TTIP? Mit ihm nicht zu machen / Unverzichtbar. Oder Vorratsdatenspeicherung: Nicht mit der SPD / Alternativlos. Gabriel ändert seine Meinung schneller als die Journalisten mit Aufschreiben hinterherkommen.

Bleibt die Frage: Wer hat eigentlich die Hand im Hintern der dicken Sprechpuppe? Die CDU? Oder hat die NSA Kompromat über Gabriel angehäuft und nutzt das, um ihn nach Belieben zu steuern? Oder hat sein Verhalten einfach, hüstel, wirtschaftliche Gründe? Wäre nicht das erste mal, dass ein Politiker seine Position nutzt um ein schönes Nest in der Wirtschaft zu bauen.

Was auch immer dahintersteckt: Mit gesundem Menschenverstand sind diese Kursänderungen nicht zu erklären. Oder ist Gabriel am Ende einfach in den, haha, Wechseljahren?

 
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Verfasst von - 18. März 2015 in Meinung

 
 
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