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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Motorradreise 2014 (2): Im Reich des Gummimanns

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Heute geht´s quer durch Frankreich.

Samstag, 07. Juni 2014, Remiremont, Region Vogesen, Frankreich

So unwirklich übersättigt die Farben der Landschaft der Vogesen in der Abendsonne gewirkt hat, so ausgeblichen wirkt sie jetzt im kühlen, weißen Licht der Morgensonne. Erstaunlich, wie sich die Landschaft und die Stimmung durch das Licht verändert. Es ist acht Uhr, als die Renaissance Remiremont verlässt und über eine Schnellstraße nach Süden saust. Autobahnen vermeidet das Navi, weil die mautpflichtig sind. Aber auf den Schnellstraßen, die um diese Zeit noch leer sind, kommt man genauso schnell voran – und kostenlos. Auf den zweispurigen Schnellstraßen ist Tempo 110 erlaubt, auf Autobahnen geht es mit Tempo 130 nur unwesentlich schneller. Schnellstraßen werden allerdings gelegentlich gekreuzt, aber da es in Frankreich kaum Ampeln, aber jede Menge sehr guter Kreisel gibt, fließt der Verkehr fast immer flüssig.

Der Luftdruck der Reifen und die festsitzende Bremse machen mir immer noch Sorgen. Bin ich vielleicht schon mit viel zu wenig Luft gestern von Deutschland bis nach Frankreich gefahren? Die Luftmeßgeräte waren sich da ja nicht einig, und der Vorderreifen schien laut Messung sogar Luft zu verlieren. Mme. Kieffer, die eine Stunde zuvor noch um mich herumgesprungen ist, bedauerte zutiefst, nicht mit einer Luftpumpe aushelfen zu können.

Um 09.00 Uhr entdecke ich endlich eine große AVIA-Tankstation und fahre sie sofort an. Der Luftautomat funktioniert und hat sogar ein Ventil, und so stelle ich die Kawasaki davor ab und warte darauf das die Reifen abkühlen.

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Warten ist nicht meine Stärke, und als nach 15 Minuten kaum noch Restwärme zu spüren ist, werde ich ungeduldig. Also den Schlauch angepöppelt und… Überraschung! Der Vorderreifen HATTE den richtigen Luftdruck. Jetzt, wo er noch ein wenig Warm ist, steht der bei 2,7 Bar. Hinten ist etwas zu wenig, ich erhöhe auf 3.2, das sollte 2,9 im kalten Zustand entsprechen. So, das Problem mit den Reifen wäre gelöst. Die Bremse quietscht noch nicht, das macht sie erst wenn sie wärmer wird, sich ausdehnt und dann irgendwann dauernd schleift, also fahre ich weiter.

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Es geht durch verschiedene Provinzen, alle stark von der Landwirtschaft geprägt. Grüne Felder liegen links und rechts der Straße. Die Rapsblüte ist vorbei, für Getreide ist es noch zu früh – also ist alles grün. Plattes Land, wohin man schaut, und mitten hindurch die Straße, oft schnurgerade bis zum Horizont. Manchmal führt sie über eine leichte Bergkuppe, und aus irgendeinem Grund erwarte ich immer, auf der anderen Seite das Meer zu sehen. Es liegt wohl an dem harten Licht und dem tiefblauen Himmel, was ich beides mit Meer in Verbindung bringe, dass ich gerade Seesucht habe.

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Stunde um Stunde fliegt die Landschaft vorbei, so wenig interessant, dass sich Videos davon nicht lohnen würden. Es sieht hier aus wie… überall, wo es Felder gibt. Zweimal überlege ich eine Pause einzulegen, fahre dann aber ununterbrochen weiter nach Süden. Das Fahren macht durchaus Spaß, und nicht nur mir – ich begegne oft Motorradfahrern, und viele Autos mit Motorrädern auf Hängern unterwegs, zu irgendwelchen Touren oder Events.

Ich komme ja quasi von der anderen Seite. Für mich war Motorrad fahren nie ein Sport oder ein Freizeitvergnügen, sondern Schlüssel zur Freiheit, als ich mir kein Auto leisten konnte. Ein Motor und zwei Räder öffneten mir die Welt und ermöglichten das Verlassen des Dorfes, dann einen Job in einer anderen Stadt und dadurch ein Studium. Motorradfahren, das hieß bei jedem Wetter (außer bei Schnee) unterwegs sein und IMMER mit dicken Koffern dran, um die Einkäufe verstauen zu können. Motorrad, das wurde und wird gefahren um von a nach b zu kommen, nicht als Selbstzweck. Auch heute noch setze ich mich so gut wie nie auf die Maschine um “mal ne Runde zu drehen”, sondern immer, um zu einem Ort zu kommen, den ich sehen will. Das Motorrad ist das Medium, nicht der Inhalt, wenn man so will. Ich könnte diese Reisen auch mit dem Auto machen, das wäre für mich fast genauso schön und logistisch viel einfacher, aber dann würde die Erfahrung fehlen, quasi jeden Kilometer hautnah zu erfahren – im Auto ist man auf Distanz zur Außenwelt, auf Distanz zum Inhalt.

Auf dem Motorrad erlebt man alles ungefiltert, und das ist nicht immer schön, besonders wenn einem ungefiltert was um die Ohren fliegt oder ungefiltert was in den Stiefeln rumschwappt. Lange Rede, kurzer Sinn: Bis heute sind mir die Freizeit “Sportfahrer” suspekt, die auch hier durch die Landschaft krajolen.

Von Remiremont in den Vogesen nach Clermont-Ferrand.

Von Remiremont in den Vogesen nach Clermont-Ferrand in der Auvergne.

Gegen 15 Uhr komme ich in Clermont-Ferrand an. Die Stadt in der Region Auvergne ist vor allem dafür bekannt, dass die Reifenfirma Michelin hier ihren Sitz hat. Und das zelebrieren sie im “L´Aventure Michelin”, dem Firmenmuseum, ausgiebig. Als ich das Motorrad auf dem Parkplatz abstelleist er leer. Das ändert sich wenige Minuten später, als Dutzende Oldtimer unter lautem Hupen auf das Gelände drängen. Daraus steigen umständlich ältere Herrschaften aus, die Damen mit Koptuch, die Herren mit Nokia-Handys in Gürteltaschen, und versichern sich gegenseitig wie gut doch ihre Vehikel gelaufen sind. Unter großem Hallo geht es dann ins Gebäude des Firmenmuseums.

Kaum stehe ich auf dem Parkplatz, kommt eine Oldtimerparade angefahren.

Kaum stehe ich auf dem Parkplatz, kommt eine Oldtimerparade angefahren.

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Schnell stelle ich fest, dass Franzosen eines überhaupt nicht können: Anstehen. Damit sind sie das genaue Gegenteil der Engländer. Was die an Disziplin und Kultur mitbringen, fehlt den Franzosen völlig. So steht man grundsätzlich nicht in einer Schlange an, sondern kreuz und quer in einer Wolke vor dem Tresen, aber nie alleine, sondern meist zu Dritt, während sie umeinander rotieren und zu einem unübersichtlichen Kuddelmuddel werden, dass auf allen Seiten Konfusion hervorruft. Vor mir steht ein Riesenpulk Menschen an, die aber eigentlich nur drei Verkaufsvorgänge haben. Trotzdem dauert das eine halbe Stunde, weil erstmal überlegt werden muss wer zu wem gehört, mit wievielen Leuten man unterwegs ist, wer welche Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann… Opa zählt als Rentner, und Madam, bis wann gilt man als Kind? Bis 6 Jahren? Unsere Tochter ist 14, aber sie ist nicht so große, geht die noch als Kind durch? Und was ist mit meinem Mann, Madam? Der hat sich letztes Jahr den Arm gebrochen, seitdem tut das immer noch weh, geht er als Behinderter durch?
Seufz.

Der größte Reifen der Welt und das größte Wiesel der Welt.

Der größte Reifen der Welt und das größte Wiesel der Welt.

Die Ausstellungshallen feiern die Firma ab, bis die Leute volkommen brainwashed raustorkeln und nur noch Michelin fahren wollen. Die Austtellung ist wirklich gelungen: Von den Anfängen im Jahr 1890 bis heute gibt es viel Wissenwertes zu erfahren, z.B. das die Firma nur entstanden ist, weil eine Frau an die Zukunft von Gummi glaubte und ihren Mann und Bruder dazu drängte sich um das Thema zu kümmern.

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DasMichel inmännchen heisst “Bibendum“, nach dem Firmenslogan “Nunc est Bibendum”, wörtlich “Jetzt trinken wir einen”. Erfunden wurde die Figur 1894, als dem Firmengründer Edoard Michelin ein Stapel Reifen auffiel, der fast wie ein Mensch aussah. Eines der ersten Plakate, gezeichnet von einem Satiriker, zeigte eine Zeichnung des Reifenmännchen mit Zylinder und Monokel. In einer Hand hält es eine Zigarre, in der anderen ein Cocktailglas mit Schrauben und Nägeln, darunter steht “Jetzt trinken wir einen! Der Michelin-Reifen schluckt das Hindernis!”.

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Das Michelin-Männchen war die erste Werbefigur der Welt. Bald war es omnipräsent, denn die Firma positionierte es als Freund und Helfer der Autofahrer. Das Michelinmännchen zierte Broschüren mit Tips und war als Figur auf Werkzeug und Luftpumpen abgebildet. An den Stränden Frankreichs spielten in den Ferien als Bibendum verkleidete Leute auf Rollschuhen mit Kindern fangen. Ich finde den wandelnden Reifenstapel unheimlich, und das liegt nicht nur an seiner Ähnlichkeit mit dem Marshmallowman aus Ghostbusters, sondern an der Art wie er allgegenwärtig ist und sich an alle Zielgruppen, von Kindern bis Senioren, mit passenden Produkten ranwanzt.

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Die Reifenfirma produzierte sogar Landkarten und Ausflugstips nur deswegen, um den Leuten Anreize zu geben ein Auto anzuschaffen und das auch zu benutzen. Der Michelinführer? Stammt genau aus der Zeit. Die Werbe- und Lobbymaßnahmen der Firma Michelin gingen so weit, dass sie im Krieg Aufklärungsflugzeuge stifteten und sich nach dem Krieg für den Wiederaufbau des Straßennetzes einsetzten, damit möglichst viele Leute Auto fahren konnte.

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Luftpumpe mit Bibendumfigur

Luftpumpe mit Bibendumfigur

Anfangs bestand Bibendum aus 40 Reifen, heute noch aus 26.

Anfangs bestand Bibendum aus 40 Reifen, heute noch aus 26.

Bei Michelin wurde auch der Radialreifen bzw. Stahlgürtelreifen erfunden. Vorher wurden bis zu 40 Lagen Stoff übereinandereinandergelegt und mit Gummisaft versiegelt, das nannte man Diagonalreifen. Beim Radialreifen waren das erste Mal die Seite und die Lauffläche des Reifens getrennt und hatten einen Unterbau aus Stahlgewebe, die sogenannte Karkasse. Das Ergebnis was vier mal haltbarer als alle anderen Reifen. Auf die Frage, ob er sich damit nicht ins eigene Fleisch schneide, weil ein haltbarerer Reifen weniger Absatz bedeutet, antwortete der Firmenchef bemerkenswert weitsichtig: Nein, denn wenn es sich erst rumspräche, dass der neue Reifen mit X-Technologie von Michelin so gut sei, würde alle Kunden anderer Marken umschwenken. Dadurch hätte man höheren Absatz UND glückliche Kunden.

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Dem war tatsächlich so, und die Technik verbreitete sich von Clermont-Ferrand aus in der Welt. Die ganze Region arbeitete für Michelin, und bald gab es Werke in anderen Ländern. Am Stammsitz wurde aber weiterhin geforscht und entwickelt. Zum Beispiel mit diesem sechsachsigen Ungetüm:

Meßwagen für LKW-Reifen.

Meßwagen für LKW-Reifen.

Meßmotorrad

Meßmotorrad

In seiner Mitte läuft ein LKW-Reifen, der Wagen selbst ist vollgestopft mit Meßgeräten und dafür gedacht, zehntausende Kilometer unter kontrollierten Bedingungen zurückzulegen.

Eineinhalb Stunden später trete ich aus dem klimatisierten Gebäude wieder in die Hitze des Nachmittags hinaus. Wir haben über dreißig Grad, die Sonne brennt vom Himmel. So mag ich das.

Eine Micheline, ein Bus auf Reifen. Leise, komfortabler und viel schneller als ein Zug.

Eine Micheline, ein Bus auf Reifen. Leise, komfortabler und viel schneller als ein Zug. War mal sehr verbreitet, ist nun in Vergessenheit geraten.

Mein Tagesziel liegt nur noch 45 Minuten entfernt, in einem kleinen Ort mit dem skurrilen Namen Saurier. Unterwegs prüfe ich noch zwei Mal die Temperatur der Bremse, denn mittlerweile meine ich ein schleifendes Geräusch zu hören. Tatsächlich ist die rechte Bremsscheibe so warm, dass man sie gerade noch anfassen kann. Das ist gar nicht gut. Auf einem abschüssigen Strassenstück bocke ich die Kawasaki auf den Hauptständer, und dank des Gewichts der Koffer kann ich das Vorderad anheben und drehen.

Das Wiesel kotzt auch schon.

Das Wiesel kotzt auch schon.

Ja, das schleift. Nicht dramatisch, aber kontinuierlich, verschleissend und nervig. Ich kann so zwar weiterfahren, aber dieser Mist nervt und frisst Leistung und wirkt sich negativ auf das Fahrverhalten aus. Ich bin genervt, denn alles, was ich beeinflussen kann, dafür habe ich einen Plan B und einen Plan C, aber es gibt drei Sachen, da will und kann ich nicht ran: Reifen, Bremsen und Motor sind essentiell, die müssen einfach laufen. Damit das so ist, gebe ich im Jahr eine erhebliche Summe Geld aus, damit zwei Werkstätten sich um die Maschine kümmern. Und jetzt genieße ich meinen Urlaub nicht, sondern muss mich mit diesem Mist urumärgern.

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Saurier ist winzig, und ich habe den Ort nur ausgesucht, weil hier ein bezahlbares Hotel mit Restaurant liegt und auf Streetview ein guter Motorradparkplatz zu sehen war. Der wäre allerdings nicht nötig gewesen, der Wirt, ein stiller, hagerer Mann, bietet mit sofort an, das Motorrad in seinen Schuppen zu stellen. Ich halte das zwar für unnötig – hier, auf dem Dorf, wird der Maschine bestimmt nichts passieren – trotzdem tue ich ihm den Gefallen. Kaum ist das schwere Tor ins Schloß gefallen, krame ich das Bordwerkzeug raus.

Die ZZR bekommt einen Schlafplatz im Schuppen.

Die ZZR bekommt einen Schlafplatz im Schuppen.

Urig. Hotel Magne in Saurier.

Urig. Hotel Magne in Saurier.

An einer Bremse habe ich vorher noch nie gearbeitet, aber wie schwer kann das schon sein? Wenn ich mit Verstand vorgehe, kann ich sie demontieren und die Bremsbacken auseinanderdrücken, oder vielleicht auch ganz zerlegen und reinigen… Diese Gedanken scheitern daran, dass ich weder mit dem Maulschlüssel noch mit der Knarre die Muttern der Bremse gelöst bekommt. Der Hebel ist nicht lang genug. Keine Chance.

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Ich gehe auf mein Zimmer, das in einem Zeitloch festhängt. Einrichtung und Tapeten sind direkt aus den 30ern des letzten Jahrhunderts, aber es hat ein Bad, und das ist genauso neu wie die Matratze des Betts.

Bett und der Rest der Einrichtung sind durch ein Zeitloch aus den 30ern gefallen.

Bett und der Rest der Einrichtung sind durch ein Zeitloch aus den 30ern gefallen.

Ausrüstungspflege. Jeden Abend wird als erstes der Helm gesäubert.

Ausrüstungspflege. Jeden Abend wird als erstes der Helm gesäubert.

Zimmer mit Aussicht.

Zimmer mit Aussicht.

Während ich den Helm säubere und alle Geräte an die Ladegeräte hänge, denke ich weiter über die Bremse nach. Ich könnte die so lassen. Aber alles in mir sträubt sich dagegen.

WLAN-Code: Gute Nacht. Irgendwie niedlich.

WLAN-Code: Gute Nacht. Irgendwie niedlich.

Ich eine Liste aus der Dropbox, die ich gehofft hatte nie benutzen zu müssen: Die von Motorradwerkstätten entlang der Reiseroute. Schnell erstelle ich eine Route für das Navi, auf dem all die Werkstätten liegen. Allerdings gibt es zwei Probleme: Heute ist Samstag, und wegen Pfingsten wird frühstens am Dienstag wieder eine Werkstatt geöffnte haben. Und zweitens: Wenn ich nicht sofort drankomme, schaffe ich meine Reiseziele nicht. Ab Dienstag ist alles auf Kante genäht, es gibt keinen Spielraum für Verzögerungen. Dienstag ist zudem noch 1.000 Kilometer weit weg. Nachdem die Route fertig ist, schreibe ich einem Mail an die Werkstatt, die mir nach der Website noch am erfolgsversprechensten aussieht, beginnend mit “Ihr seid meine letzte Hoffnung”. Hoffentlich verstehen sie das Zitat. Nachdem die Mail versendet ist, habe ich zumindest das Gefühl, dass Problem angegangen zu sein. Mehr kann ich nicht tun, und so gehe ich hinunter ins Restaurant und lasse mir erst ein großes Pelforth, dann das Tagesmenü bringen.

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Die Bedinung ist auf Zack, und in rascher Folge gibt es die Gänge des Tagesmenüs: Erst Aufschnitt, dann Ofenkartoffeln mit gekochtem Rindfleisch und schließlich eine Käseplatte, gefolgt von einem Erbeereis.
Um Zehn ist das Licht noch nicht weg, obwohl Saurier zwischen zwei Bergkämmen liegt. Ein warmer Wind weht über die Terrasse, und nach einem zweiten Pelforth fühle ich mich weit weg von zu Hause und mitten drin im Abenteuer.

 
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Verfasst von - 1. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Momentaufnahme: Oktober 2014


Herr Silencer im Tollsten Oktober aller Zeiten, Edition 2014
Geh ran, verdammt!

Wetter: Zu Beginn trocken, aber kühl. In der zweiten Woche nochmal sommerlich, mit Temperaturen bis 20 Grad und Sonnenschein. In der dritten Woche grau und dunkel bei 15 Grad, danach wird es nur kälter und grauer.
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Lesen:

Jasper Fforde: Song of the Quarkbeast (Last Dragonslayer Book 2)
Heute, aber in einer Parallelwelt: Im unvereinigten Königreich leitet die 16jährige Waise Jennifer den Zaubereiservice “Kazam”. Fünf ausgebildete Zauberer bieten magische Dienstleistungen, wie die Suche nach vermissten Gegenständen, dem Versetzen von Häusern oder Rohreinigungen an. Aber dann soll das Unternehmen verstaatlicht werden, ein Duell mit der Konkurrenzfirma Industrial Magic steht an und Jennifer muss mit ansehen, wie einer ihrer Zauberer nach dem anderen verhaftet wird. Wäre doch nur ihr Chef und Mentor da, aber der erscheint nur alle paar Monate für wenige Minuten, und niemand weiß vorher wo.

Fforde entwirft herrlich schräge Welten. In seinen Thursday Next-Romanen ist es die Buchwelt, die aus Buchstaben besteht und deren Charaktere Eigenleben entwickeln. In “Shades of Grey” ist es eine Welt, in der Farbe ein seltener Rohstoff ist. In der Welt von “Dragonslayer” ist Magie das Pendant zu Elektrizität und Computerprogrammen: Etwas alltägliches, was wie Technik aufgebaut und genauso genutzt wird. Es ist schon großes Gelächter, wenn eine Zauberin einen Spruch nicht analysieren kann, weil dessen Betriebssystem so alt ist, dass sie den Code nicht mehr lesen kann. Oder wenn das Mobilfunknetz zusammenbricht, weil es mit Magie betrieben wird, aber die langsam aus der Welt schwindet. Daneben bringt Ffordes “Dragonslayer” einen auch in den vielen, kleinen Details zum Schmunzeln, etwa, wenn er in einem Nebensatz erwähnt, dass Führerscheine nach persönlicher Reife vergeben werden – was dazu führt, dass kein männliches Wesen unter 26 in der Lage ist einen zu bekommen.

Jasper Fforde: The Eye of Zoltar (Last Dragonslayer Book 3)
Jennifer Strange wird von Shandar vor die Wahl gestellt: Entweder die Drachen werden ausgerottet oder sie besorgt ihm einen McGuffin. Natürlich geht sie unfreiwillig auf eine Expedition in ein Königreich, dessen Ökonomie auf Entführung und schnelle Touristentode aufbaut. Bei ihrer Suche trifft sie Kannibalen, die ihre Opfer nach Verzehr ausstopfen, Engel, gähnende Saurier und einen Urmenschen namens Ralph.
Wieder spannend und total absurd. Die Geschichte ist zwar eine Art Nummernrevue, aber sie ergibt einen logischen Sinn und bereitet die Bühne für wirklich große Veränderungen im unvereinigten Königreich.

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Hören:

logo anycast

Bruhns/Moorhart/Kater Anycast [Podcast]
Schräger Podcast, mal nett, mal nervig. Geht über Befindlichkeiten, Rechtsfragen und die Bahn. Nervige Intros. Gelegentlich verwirrte Hosts. Mostly Harmless, gelegentliche Goldnuggets an interessanten Informationen.
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Sehen:

Star Gate: Universe [DVD]
Die Ikarusbasis wird angegriffen und muss evakuieren. Als Zieltor ist gerade eines ausgewählt, dass neun Koordinaten statt der üblichen sieben hat. Und tatsächlich verschlägt es die Truppe aus Zivilisten und Militärs auf ein uraltes Raumschiff, das irrsinnig weit weg in anderen Galaxien herumspringt. Zusammengepfercht auf engsten Raum, mit knappen Ressourcen und ohne Hoffnung auf Rückkehr gehen sich beliebiger Nerdjunge, Chefärztin Blondie, General Schlechtgelaunt, Leutnant Schlitzauge und der Wissenschaftstyp schon bald an die Gurgel.

Es sagt alles über eine Serie, wenn die einzigen Schauwerte dick benippelt an einer Nebenfigur hängen, die auch bei Minusgraden im Tanktop rumrennt. SC:U ist ein Fall von “zu viel gewollt, nix hingekriegt”. Der Cast ist gut (Robert Carlyle!), aber die Charaktere bleiben flach und nervig. Die interessanteste Figur ist noch Major Oberweite. Die ist nicht zumindest nicht flach, aber selbst die größten Brüste können alleine keine ganze Serie tragen.
So interessant die Idee der Gruppe Überlebender fernab der Heimat auf dem Papier auch klingt: Das Setting ist bestenfalls merkwürdig, in Details vollkommen vergurkt. Ein Raumschiff, das durch das Weltall hüpft und nie länger irgendwo bleibt als 60 Minuten? Das sich eigentlich um seine Besatzung kümmert, dann aber irgendwie doch nicht? “Kommunikationssteine” als billiges Plot-Device, um die Charaktere auf die Erde zu bringen? Intrigen und Ränkespiele ohne nachvollziehbare Entwicklung? Das ist alles so Meh und billig. Dazu kommen unfassbar schlechte Episodendrehbücher. So einen Müll gibt es in anderen Serien erst ab Staffel 6, wenn die Luft raus ist. Die dummen Inhalte werden nicht dadurch besser, dass alles extrem humorlos und gritty inszeniert wird: Die Kamera wackelt und zoomt und über jedem zweiten Bild liegen Schmutzfilter, was nahezu ein zu eins Look & Feel von “Battlestar Galactica” kopiert. Nee, SC:U ist nichts. Ein Wunder, dass es noch eine zweite Staffel gab, bevor der Käse eingestellt wurde.

American Hustle [PSN]
1978: Christian Bale ist dick, hat eine Glatze und trickst gemeinsam mit einer angeblichen Lady arme Leute aus. Eines Tages steht das FBI vor der Tür und will, dass er für sie trickst. Das läuft aber irgendwie nicht so gut.
“American Hustle” protzt mit der authentischen Darstellung der 70er Jahre. Da gibt es Polyesterkleider, Brusthaare und Dauerwellen en Masse, was nicht immer schön anzusehen ist. Die Charaktere sind toll und werden hervorragend gespielt – es ist eine Freude, dem Ensemble (Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Bradley Cooper) zuzusehen. Dummerweise ging das auch dem Regisseur so, der seine Schauspieler mal machen, sprich: Improvisieren, liess. Dadurch kommt die ohnehin dünne Story aus dem Tritt, und der Film holpert und stolpert sich durch seine, mit 134 Minuten überdimensionierte, Lauflänge. Muss man nicht gesehen haben, trotz der ganzen Oscarnominierungen.

Now you see me [Konserve]
Vier Straßenzauberer erhalten eine geheime Botschaft und einen Plan für eine Show, ein Jahr später rauben sie eine Bank in Paris aus während sie in Vegas auf der Bühne stehen. Die Beute verteilen sie an ihre Zuschauer. Aber warum? Ihnen auf den Fersen sind Morgan Freeman, der Typ der den Hulk gespielt hat und eine blonde Frau, aber die Magier sind ihren Häschern immer einen Schritt voraus.
Sehr schicke uns stylische Kombination aus Heist-Movie und Magieshow. Super fotografiert, adrenalintreibender Soundtrack, fantastische Schauspieler. Dem Katz- und Mausspiel zuzusehen ist bis zum Ende spannend. Einzige Schwachpunkte: Inhaltlich versteigt sich der Film mittendrin in einen schrägen Mythos und kommt von dem nicht mehr ganz runter. Optisch leiden die tollen (echten) Bilder darunter, dass sie stellenweise mit echt richtige schlechten digitalen Effekten aufgemotzt wurden. Leider sehen die fliegenden Tücher und gerenderten Seifenblasen aus, als hätte sie der Praktikant mit iMovie zusammengefickelt. Das ist schade, denn der Film hat den CGI-Quatscht eigentlich nicht nötig.

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Spielen:

Dead Space 3 [PS3]
Im Jahr 2600 tauchen Artefakte auf, die Menschen in mutierte Viecher verwandeln. Eine merkwürdige Sekte feiert das ab und begrüßt die Ankunft der “Marker” als Beginn der Erlösung, der Ingenieur Isaac Clarke versucht das aufzuhalten.
Sehr atmosphärisches Space Game. Da der Spielercharakter Ingenieur ist und aus herumliegenden Dingen Allerhand brauchbares Zeug basteln kann, kommt ein Hauch von MacGyver auf.
Die Dead Space-Reihe hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und ist als Franchise auch in Medien wie Film und Comic gefiltert. Das hatte im zweiten Teil zu narrativer Verhedderung in einer wirren Geschichte geführt, Teil 3 ist hier stringenter und erzählt wieder eine Geschichte, die auch dann einen Sinn ergibt, wenn man nicht alles an Sekundärliteratur kennt. Dafür krankt es an anderer Stelle. Man merkt deutlich, dass Publisher Electronic Arts hier alles reinwirft was man für hip hält und zugleich austestet, was man Kunden zumuten kann: In der zweiten Hälfte mutiert das Spiel plötzlich zum Deckungsshooter und Actiongeraffel, wofür weder das Bewegungsschema noch das Gameplay ausgelegt sind. Manche Missionen sind nur im (kostenpflichtigen) Co-Op spielbar. Und Rohstoffe und wertvolle Erweiterungen lassen sich kaufen – als DLC gegen Echtgeld. Das hatte dazu geführt, dass das Spiel bei Release nicht wohlgelitten war. Zu Unrecht – man kann es auch spielen ohne zusätzlich zu investieren, und die filmreife Inszenierung mit Horror- und Actionsequenzen ist gelungen. Lediglich das Backtracking und lange Laufwege hätte man sich sparen können, das ist aber angesichts der tollen Grafik, die man gerne mehrfach sieht, kein schwerwiegender Kritikpunkt.

The Force Unleashed II [PS3]
Zwischen Episode III und IV: Darth Vader verschont ein machtbegabtes Kind und zieht es als seinen Schüler auf. Der soll eigentlich erst irgendwelche Leute und dann den Imperator töten. Tatsächlich bringt der Galen Marrek Tod und Zerstörung mit allem, was die Macht zu bieten hat, kommt dann aber ins Grübeln, sagt sich von Vader los und bezahlt das mit dem Leben – nicht ohne vorher Ereignisse in Gang gesetzt zu haben, die zur Gründung der Rebellion führen. So weit die Story vom ersten Teil von “Force Unleashed”. Der Nachfolger spielt einige Jahre später. Galen Marrek erwacht auf Kamino und steht Vader gegenüber. Angeblich ist er ein Klon – aber sagt Vader die Wahrheit? Noch nie ist ein Jedi erfolgreich geklont worden. Galen flieht aus der Anlage und macht sich auf die Suche nach sich selbst, seinem Mentor und seiner Liebe Juno Eclipse.

“Die Geschichte von Force Unleashed ist packender als die der Filme Episode I-III”, urteilte IGN seinerzeit – und hat damit Recht. Die Story ist großartig, und es macht einen irren Spaß, mit Machtkräften und Lichtschwertern Levels zu verwüsten und Sternzerstörer aus dem Orbit zu ziehen(!). Allerdings wird Teil 2 von repetitiven Gameplay, zu kurzer Spieldauer und einer ärgerlich schlecht inszenierten Geschichte geplagt. Das Spiel wurde in nur 9 Monaten entwickelt, und das merkt man. Zwar sind die Assets, Bild und Ton, hervorragend – aber wenn man zum hundertsten Mal einer Welle immer gleicher Gegner gegenübersteht oder zum tausendsten Mal eine schlecht designte Sprungpassage verkackt, dann nervt es nur noch. “Force Unleashed 2″ ist hübsch, aber eine spielerische Qual.
Launig ist der DLC “Schlacht um Endor”. Die Zusatzmission schließt an das alternative Ende des Hauptspiels an und schickt einen bösen Galen Marrek nach Endor, wo er reihenweise Ewoks frittiert und den Stoßtrupp der Rebellen einen nach dem anderen dezimiert und auch vor Han Solo, Chewbacca und Leia nicht halt macht.

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Machen:
Prag besuchen. Eulenfest. Literaturherbst. Lecker essen. Institute besichtigen. Paris. Was für ein TOAZ!
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Neues Spielzeug:
Auto durch die Inspektion, Reisen – das war teuer genug, deshalb kein Spielzeug.
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Oktober 2014 in Momentaufnahme

 

TOAZ: Paris

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So, wieder da. Eine Woche bin ich durch die Straßen von Paris gelaufen und habe die unterschiedlichen Seiten gesehen, die diese Stadt zu bieten hat. In diesem Jahr standen alle Zeichen auf Paris, sowohl arbeits- als auch spieltechnisch, und wer bin ich, die deutlichen Hinweise zu ignorieren?

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Sieben Tage auf dem Hügel von Montmarte zu wohnen, direkt zwischen Moulin Rouge und Chat Noir, das war schon etwas wirklich besonderes. Viel zu sehen gab es überall, dazu Besuche hoch über und unter der Erde, seltsame Kollisionen mit der fabelhaften Welt der Amélie, Chimären und Gargoyles, den Sonnenkönig und den schwarzen Tod und natürlich… das Wiesel.

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Der Tollste Oktober aller Zeiten (Edition 2014) neigt sich damit dem Ende zu, und mit ihm auch die Reisezeit. Das war mein letzter Ausflug in diesem Jahr, aber das ist OK. Ich freue mich jetzt schon auf regnerische Winterabende, die viel Zeit lassen zur Planung neuer Reisen, und für das Spielen von Videospielen. Ich kann es kaum noch erwarten, bis in zwei Wochen “Assassins Creed Unity” erscheint. Das versetzt den Spieler in das Paris des Jahres 1789 und ermöglicht es, auf Notre Dame herumzuklettern oder in den Katakomben herumzukriechen.

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Das ist das erste Mal, das ich am Schauplatz eines Assassins Creed war, bevor ich das zugehörige Spiel gespielt habe, und mit den noch frischen Erinnerungen wird es doppelt Spaß machen, das virtuelle mit dem echten Paris zu vergleichen. Die Übereinstimmung war übrigens Zufall: Die Reise nach Paris stand schon seit Februar fest, “Unity” wurde erst im Juni angekündigt.

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Zu Paris wird es auch ein Reisetagebuch geben. Ich weiß aber noch nicht wann – zwei Reisen parallel zu veröffentlichen, wie zuletzt im Februar London und die Motorradtour, ist ein wenig viel. Aber irgend wann kommt das. Wer gerne erste Eindrücke möchte: Drüben bei travelingweasel.wordpress.com gibt´s ab Sonntag ein Best-Of.

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Verfasst von - 30. Oktober 2014 in Reisen, TOAZ, Wiesel

 

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Motorradreise 2014 (1): Irreparabel kaputte Luftnummer

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechseinviertel Länder. Die Reise beginnt heute.

Freitag, 06. Juni 2014

Es gibt so Tage, da springt man morgens energiegeladen aus dem Bett, packt´s an, und alles, alles läuft. Dann gibt es so Tage, da wird einem schon sehr bald klar, dass man lieber im Bett hätte bleiben sollen. Heute ist so ein Tag der letzeren Kategorie.

Leider ist heute auch der Tag, an dem ich zur Motorradreise 2014 aufbrechen will. Mehr als drei Wochen, 60 Orte, 6,25 europäische Länder. Wochenlange Planung und Vorbereitung wurden in diesen Tag investiert.

Sorgfältig verpackt. Zwar sollen die Koffer wasserdicht sein, aber starker Regen kommt überall durch. Deshalb sind wichtige Dinge in Ziplock-Beuteln Luftdicht verpackt, Klamotten in dünne Müllsäcke.

Sorgfältig verpackt. Zwar sollen die Koffer wasserdicht sein, aber starker Regen kommt überall durch. Deshalb sind wichtige Dinge in Ziplock-Beuteln Luftdicht verpackt, Klamotten in dünne Müllsäcke.

Jeder Koffer fasst 45 Liter und 10 Kilo Gepäck. Bei der Abfahrt sind sie etwas mehr als halb voll.

Jeder Koffer fasst 45 Liter und 10 Kilo Gepäck. Bei der Abfahrt sind sie nur halb voll.

Alles war fertig gepackt, alles vorbereitet, und nun… nun fummele ich schon zum fünften Mal an diesem verdammten Reifenventil herum!

“Nur nochmal schnell den Luftdruck” hatte ich prüfen gewollt. “Nur noch mal schnell”. Und dann habe ich gemerkt, dass meine kleine Fußluftpumpe ungenau wie Sau war und bei jedem Ansetzen einen anderen Luftdruck im Vorderreifen anzeigte. Jetzt stehe ich vor der örtlichen Polo-Filiale, habe den gerade frisch erworbenen digitelen Luftdruckprüfer angesetzt und vergleiche die Anzeige mit den Werten der komischen Maschine, die die da zum Luft auffüllen haben. Da stellt man den gewünschten Wert ein, dann setzt man das Ventil an, und die Maschine macht laute Geräusche und hört erst auf zu pumpen, wenn der eingestellte Sollwert erreicht ist. Theoretisch. Praktisch tut sie jetzt zum fünften Mal so, als ob sie 2,5 Bar aufgepumpt hat. Tatsächlich zeigt sie beim nächsten Meßvorgang aber nur 2 Bar an.

Verliert der Reifen Luft? Danach sieht es eigentlich nicht aus. Ist die Maschine kaputt? Kann sein. Ich bin genervt, und außerdem wollte ich jetzt schon seit einer Stunde auf der Autobahn sein. Ich bin so dermaßen genervt, dass ich beschließe diesem Mist jetzt nicht mehr nachzugehen. Keine Ahnung wieviel Luft jetzt im Vorderreifen ist – beim letzten Mal zeigt die Maschine 1,8 Bar an und das gerade gekaufte Meßgeräte 2,3. Beides zu wenig, keine Ahnung was stimmt, aber der Reifen ist knüppelhart, und das muss für den Augenblick reichen. Ich will jetzt endlich los, für alles andere gibt es den ADAC.

Abfahrtbereit: Die ZZR600 mit den großen Koffern und dem Topcase.

Abfahrtbereit: Die ZZR600 mit den großen Koffern und dem Topcase.

Schnell zurück nach Mumpfelhausen, die Koffer und das Topcase an die Kawasaki geklemmt, und gegen 10.30 Uhr flitzt das Motorrad ENDLICH über den Zubringer Richtung Autobahn.
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Verfasst von - 25. Oktober 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

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Für Leandrah
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Verfasst von - 21. Oktober 2014 in Motorrad, Reisen

 

TOAZ: Literaturherbst mit der Titanic Boygroup

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Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonnenborn sind ehemalige Chefredakteure des Satiremagzins Titanic. Zusammen sind sie die Titanic-Boygroup und gehen als diese seit ein paar Jahren auf Lesetour. Das diesjährige Gastspiel beim Literaturherbst war angekündigt mit “Abschiedstournee”, und nach dem ich sie all die Jahre ignoriert hatte, nahm ich nun die letzte Gelegenheit wahr, die Herren live zu sehen.

“Wir zeigen hier übrigens NICHT den Film. Wer gekommen ist um den Film “Titanic” zu sehen ist hier falsch!”

Wie es sich für die Chefs a.D. des “endgültigen Satiremagazins” (Titanic über Titanic) gehört, geschah die Lesung im prunkvollen Deutschen Theater in Göttingen.

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Um 21.00 Uhr, als die Lesung eigentlich beginnen sollte, waren die Türen noch verschlossen. Die Schlange der Wartenden war mehrere hundert Meter lang. Aber als es dann aber endlich losging, rockten die drei die Bühne.

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Oliver Maria Schmitt ließ die schönsten Titelblätter aus dreieinhalb Jahrzehnten Titanic Revue passieren, darunter solche Klassiker wie “Zonengabi: Meine erste Banane” oder “Wiedervereinigung ungültig: Kohl war gedopt”. Er zeigte auch die Titel, für die die Titanic verklagt wurde – immer wieder übrigens von der SPD, u.a. für ein Bild von Volker Beck als Problembär.

“Liebe Frau Rammelt, könnten Sie bitte eine Autorengemeinschaft mit Gisela von Hinten eingehen? Zu gerne würde wir auf einem Buchcover lesen: Rita Rammelt Gisela von Hinten”

Dann wurden “Briefe an die Leser” verlesen, ebenfalls beginnend mit Klassikern – die aber zum Teil so abgehangen waren, das sie nicht mehr zündeten (s.o.)

Thomas Gsella, angekündigt als Alterspräsident, verlas Weisheiten von Fußballreportern, die man auf Alltagssituationen münzen kann. Komplett unlustig, wurde dann zum Glück auch von einer Raucherpause unterbrochen.

“Wer hat mich hier gewählt?”

Interessanter war da schon Martin Sonneborns Tätigkeit für das ZDF, aus dem er Auszugsweise berichtetet und zu dem auch Filme gezeigt wurden – z.B. wie Sonneborn an Berliner Häusern klingelt und behauptet, das Wohnzimmer für Google Homeview fotografieren zu müssen. Oder ein Interview mit der Deutschen Bank, bei dem die Bank Fragen und Antworten vorab geschickt hatte:

Spannend war Sonneborns nüchterne Darstellung der Gründung DER PARTEI, die durch den Wegfall von Hürden im Lübecker Stadtrat sitzt (“Wahlversprechen: Eine U-Bahn für Lübeck und das Lübeck Hauptstadt von Schleswig-Holstein wird”). Große Lacher gab es bei Bildern aus dem Europawahlkampf, bei dem DIE PARTEI die Wahlplakate anderer Parteien geschickt und spaßig sabotierte. Einige der eigenen Wahlplakate musste sie entfernen (“Merkel ist doof – Wählen Sie DIE PARTEI, die ist sehr gut”), andere durften hängenbleiben (“Merkel ist dick”). Ärger gab es ebenfalls bei Werbespots: Der Spot zur Familienplanung etwa wurde von Youtube wegen zu viel Sex gelöscht. Dann habe man ihn halt auf Youporn hochgeladen. “Wir hatten erst Angst, dass er da wegen zu viel Politik gelöscht wird. Aber er ist noch da”, so Sonneborn.

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Zu seiner eigenen Überraschung ist Sonneborn ins Europaparlament eingezogen. Ein Bild zeigt ihn mit einem “DIE PARTEI”-Handtuch im Plenarsaal. “Ich war ganz früh am Morgen da, noch vor den Briten, und habe mir einen guten Platz gesichert”, sagt Sonneborn stolz. Und weiter:

“Ich habe drei Ziele für Europa:
1. Der Amazon-freie Mittwoch. Einfach um die zu ärgern.
2. Die Wiedereinführung der Gurkenkrümmungsverordnung und deren Anwendung auf deutsche Waffenexporte. Jeder Gewehrlauf soll nach Norm gekrümmt sein.
3. Die Schaffung eines Kerneuropas mit 27 Satellitenstaaten. Engländern und Schweizern verstehen sofort, wie das funktionieren soll.”

Martin Sonneborn leistet aber auch echte Arbeit, etwa bei der Befragung der designierten Kommissare der neuen Kommission. Günther Oettinger fragt er etwa danach, wie er verhindern will, dass das Internet dessen Versuch, mittelalterliche Inkunabeln zu verhökern, vergisst – und was das überhaupt sei.

Im Anschluss berichtete Oliver Maria Schmitt von seine Facebook-Freund Kai Diekmann und fantasierte darüber, was wohl bei einem Abendessen zwischen dem und dem Ehepaar Kohl passiert sei, bevor Thomas Gsella noch ein wenig Gedichte vortragen durfte.

“Es ist der Traum jedes Göttingers, ein Mal nach Berlin zu kommen. Und dann da zu bleiben.”

Nach einer kleinen Zugabe wurde der Abend geschlossen – die Boygroup blieb aber noch ein wenig, um “Dinge in Bücher reinzuschreiben. Unsere Namen. Oder auch ihren Namen, wenn sie den mal geschrieben sehen wollen”, wie Schmitt sagte. “Und danach reißen wir uns die Kleider vom Leib, bilden einen Polonäsewurm und ziehen tanzend mit ihnen durch die Gassen der Spaßmetropole Göttingen.”

Da musste ich dann doch passen, tanzen ist nicht so meins. Auch wenn nicht jeder Gag zündete: Lustig war der Abend aber allemal – und das dies wirklich die “Abschiedstour” der Titanic Boygroup war, glaube ich nicht. Es war allerdings die letzte Veranstaltung des Literaturherbsts. Für dieses Jahr.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 20. Oktober 2014 in Event, TOAZ

 

TOAZ: MPI für Sonnensystemforschung

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Im fiktiven Städtchen Eureka leben nur Wissenschaftler, von denen jeder an seinem eigenen Projekt arbeitet. So ähnlich muss man sich das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung vorstellen: Ein ganzes Haus voller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die alle an ihrem eigenen Ding arbeiten. Hier jagt einer Mikroben, ein Labor weiter wird mit einem Seismographen gemessen ob der Stadtbus pünktlich ist, in einem Nebenraum wickelt der Chef des Instituts noch selbst die Heizspulen für einen neuen Ofen, und im Hangar gegenüber arbeiten Leute in Reinraumanzügen an einem neuen Satelliten, der vielleicht später mal für ähnliche Schlagzeilen sorgen wird wie der Solar Orbiter oder Rosetta, der gerade im Moment den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko umkreist.

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Im Norden von Göttingen ist in den letzten 20 Jahren ein ganz neuer, naturwissenschaftlicher Campus entstanden. Stück für Stück ziehen die naturwissenschaftlichen Institute aus der Innenstadt auf den neuen Campus (nur die Mathematiker nicht, weil Mathematiker NIE machen was man ihnen sagt). Der neueste Zugang ist das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

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Die Max-Planck-Gesellschaft ist ein Verein, der in München sitzt und 83 Institute in ganz Deutschland unterhält. Zweck des Ganzen ist die Grundlagenforschung, die Finanzierung kommt zum Großteil von Bund und Ländern. Den Verein gibt es seit 1948. Der erste Präsident war der berühmte Chemiker Otto Hahn, der aktuelle heißt Martin Stratmann. Das Logo zeigt übrigens Minerva, die Göttin der Weisheit.

Das neue Institut in Göttingen ist ein architektonisch beeindruckender Bau, sowohl was Größe als auch Design des Innenraums angeht. Das Foyer sieht aus wie eine Mischung aus Guggenheim und Zentrale der Men in Black. Der Eindruck verstärkt sich sogar noch, wenn man weiß, was hinter der Designerfassade vor sich geht.

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Das MPI für Sonnensystemforschung residierte bis vor kurzem in Lindau. Lindau ist ein Dorf irgendwo hinter Northeim, und von dem weiß auch schon niemand wo es liegt. Was macht so ein Institut mitten im Nirgendwo?

“Das ist eine interessante Geschichte!”, sagt Herbert Kreuznacher, während hinter uns eine schwere Doppeltür zufällt und wir einen weißen, sterilen Gang entlanggehen. Der Doktor der Biologie führt eine Gruppe von Alumni der Universität Göttingen durch das Gebäude. “Das Institut hat sich ja hochgearbeitet. Erst haben wir nur Athmosphärenforschung gemacht. Das war im zweiten Weltkrieg wichtig, weil man Langstreckenfunk nutzen wollte. Dabei strahlt man Funksprüche hoch in den Himmel. An der Ionosphäre werden sie reflektiert und kommen zurück zur Erde, und zack, konnte man mit Goebbels in Afrika reden, ohne das die Alliierten mithören konnten. Die Ionosphäre verändert sich dauernd, und das Institut berechnete täglich die erforderlichen Wellenlängen und Abstrahlwinkel. ”

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Wir biegen um eine Ecke. Auch dieser Gang ist strahlend weiß, aber hier stehen überall noch unausgepackte Umzugskartons herum.

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Kreuznacher fährt fort “Das Institut wurde in Mecklenburg gegründet, aber weil es so wichtig war für die Nationalsozialisten, nach Wien verlegt. Nach Kriegsende sollten die Wissenschaftler in die britische Besatzungszone verlegt werden, aber niemand wusste, wohin. Nach langen Diskussionen riss einem General der Geduldsfaden, und er tippte blind irgendwo auf die Landkarte. Sein Finger zeigte auf Katlenburg-Lindau. Dann sollten fünf Lastwagen bereitgestellt werden, um nur das wissenschaftliche Personal nach Lindau zu bringen. Der Soldat, der die Papiere fertigmachte, vertat sich aber um eine Null. Statt 5 standen am Tag der Abreise 50 Lastwagen vor der Tür. Die Wissenschaftler konnten ihr Glück kaum fassen, denn so konnten sie alle Geräte aus Wien mitnehmen und in Lindau, quasi auf dem Acker, arbeiten.”

Kreuznacher wedelt mit seinem Schlüssel über eine Metallplatte, das Türschloß klickt, und wir betreten einen Raum, der bis unter die Decke vollgestopft ist mit Instrumenten, deren Zweck ich nicht mal raten kann. Im Hintergrund dröhnen Pumpen. Sie erzeugen in verschiedenen Kammern ein Vakuum.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 19. Oktober 2014 in Event

 

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