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Archiv des Autors: Silencer

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Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Reisetagebuch MaGenTu (4): Die vertikale Stadt

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Städtehopping im Februar 2015. Heute geht es von Mailand nach Genua. Heute mit Geisterschiff, Piratenschiff und eine Zahnradbahn.

Montag, 09. Februar 2015, Mailand.

“Stellen sie sich vor, nur 9 Euro von Milano nach Genova! Und bis nach Neapel nur 39 Euro! So billig ist Bahnfahren! Es ist wie ein Wunder! Ein Geschenk des Himmels!” Der alte Mann redet unablässig auf sein Gegenüber ein und preist das Wunder der Eisenbahn. Dabei ist der Zug, in dem wir gerade sitzen, schon stark in die Jahre gekommen. Durch das Plumpsklo am Ende des Wagens kann man auf die Gleise sehen, also ist dieser Intercity vermutlich so um die 40 Jahre alt. Er rumpelt und wackelt durch die Landschaft, als hätten die Gleise Schlaglöcher.

Wir sind zu sechst in einem engen Abteil. Eine Hausfrau, die unablässig auf ihrem Handy rumtippt, vier ältere Herren zwischen 60 und 80 und ich. Die Männer tragen alle Cordhosen, Strickjacken und Schiebermützen. Alle dösen vor sich hin oder lesen, nur der Mann neben mir hat Mitteilungsbedürfnis und redet alles, was ihm gerade einfällt. Über die Preise der Bahn, zum Beispiel. Die sind kein göttliches Wunder, wie er glaubt. Warum Bahnfahren in Italien so billig ist könnte ich ihm sogar erklären.

Bahnhof in Mailand: Los geht´s, gen Süden!

Bahnhof in Mailand: Los geht´s, gen Süden!

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Exkurs: Die Bahn in Italien
Trenitalia, das staatliche Bahnunternehmen, wird von der Bevölkerung innig gehasst, und das aus guten Gründen. Offiziell ist die italienische Bahn ein Wirtschaftsunternehmen und soll auch so geführt werden, hat dazu aber aus drei Gründen keine Möglichkeit.

1. Schulden. Der Staat schiebt Verluste aus anderen Bereichen in die Zuständigkeit von Trenitalia. Damit sind die Schulden aus dem Landeshaushalt raus und Problem des Unternehmens, dass in den Zahlen und Statistiken des Staates ja nicht auftaucht.

2. Jobs. Einen Arbeitsplatz bekommt man bei Trenitalia so gut wie nie wegen der Qualifikation, sondern aus politischen Gründen. Zum einen werden unbequeme und in Ungnade gefallene Beamte dorthin abgeschoben. Für die ist Trenitalia das Abstellgleis, und entsprechend motiviert sind sie. Dabei ist die Arbeit eigentlich gut bezahlt, es gibt eine Krankenversicherung, alles ist Krisensicher und man wird nicht gefeuert. Als Angestellter bei Trenitalia hat man ausgesorgt, und das macht die Jobs so begehrt, dass man nur über Beziehungen rankommt. Stellen werden nicht nach Qualifikation vergeben, sondern an Verwandet, Freunde und Freunde von Freunden. Was dabei rauskommt kann man sich denken.

Mit Arbeitsplätzen lässt sich auch die Arbeitslosenstatistik gut frisieren. Regelmäßig wird von der Politik einfach mal verordnet, dass Trenitalia jetzt mal 30.000 neue Jobs bereitzustellen hat, zufällig in den Regionen, in denen in diesem Jahr gewählt wird. Das resultiert in einem gigantischen Wasserkopf aus unmotiviertem, schlecht qualifiziertem und patzigen Personal. Obwohl jede Stelle quasi zweimal besetzt ist und auch entsprechende Kosten verursacht, ist das Leistungsniveau auf dem Level eines kommunistischen Staatsbetriebs.

3. Preise. Bahnfahren in Italien ist spottbillig. Viel billiger als es sein dürfte, wenn das Unternehmen wirklich wirtschaftlich agieren müsste. Dem ist aber nicht so. Die meisten Strecken kosten, bei entsprechend früher Buchung, 9 Euro, manchmal auch 19 oder maximal 39 Euro, dafür kann man dann aber schon den ganzen Stiefel entlang von Mailand bis nach Lecce fahren. Die Preise sind keine Marktpreise, sondern von der Politik festgesetzt. Der Grund: Bahntickets sind im statistischen Warenkorb enthalten, und das Verhältnis des durchschnittlichen Ticketpreises zum Durchschnittseinkommen ist ein bedeutender Faktor bei der Berechnung der Wirtschaftskraft des Landes. Die Regierung mogelt sich hier also die Statistik über billige Bahntickets schön.

Die Ironie: Obwohl Trenitalia von allen Italienern gehasst wird und das Abladebecken für Unfähigkeit ist, funktioniert es meistens immer noch besser als die Deutsche Bahn. Das muss man auch erstmal hinbekommen.
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Ich behalte dieses ganze unnütze Wissen für mich und widme mich wieder dem Buch*, während die Labertasche einen Sitz weiter schon bei einem ganz anderen Thema ist. Um uns herum wird die graue Februarlandschaft hügelig, dann wachsen sich die Hügel zu einem Gebirge aus, durch dessen Mitte der Zug durch einen Tunnel rumpelt. Als er wieder daraus hervorkommt, fährt er über eine hohe Brücke. Von hoch oben sehen ich über das Häusermeer einer Großstadt hinab. Der graue Dunst verschwunden, und goldenes Sonnenlicht scheint durch die dreckigen Fenster des Zugs. Es ist, als hätte die Bahn mit der Fahrt durch den Tunnel auch einen Sprung in eine andere Welt gemacht. Die Stadt da unten sieht ganz anders aus als Mailand, dass ich vor knapp zwei Stunden erst verlassen habe.

Mailand ist Business. Die Innenstadt ist eine endlose Aneinanderreihung von Bürogebäuden der Banken und Versicherungen, und in den Ladenstraßen findet sich nur ein Modelabel-Flagshipstore am nächsten. Andere Geschäfte, wie Supermärkte, oder für Dinge des täglichen Bedarfs – das alles gibt es nicht. Nicht mal die üblichen Gedönshändler mit ihren Andenkenständen gibt es hier. Mailand wirkt… steril. Der Eindruck wird durch die breiten Straßen und modernen Gebäude verstärkt. Mailand hat alles Neue begrüßt und sofort umgesetzt, und sich dabei radikal von alten Sachen getrennt. Die Stadt ist 2.600 Jahre alt, aber sie wirkt, als hätte sie keine Vergangenheit.

Das genaue Gegenteil von Mailand ist Genua.
Gerade mal 90 Minuten südlich von Mailand liegt La Superba, die Großartige. Und ja, in Genua ist vieles groß und vieles anders als anderswo. Von der Hochbrücke aus kann ich sehen, dass die Stadt wie eine Wucherung in mehreren Tälern der ligurischen Berge liegt. Der Hauptteil der Stadt zieht sich zwischen den Bergen und dem Meer auf fast 30 Kilometern Länge dahin, ein riesiges Labyrinth aus Beton. Und ein dreidimensionales noch dazu: Manche Stadtteile sind an steile Bergrücken angebaut, und alles ist in- und übereinandergschachtelt. Manche Gebäude türmen sich übereinander, andere verschwinden im Boden.

Der Bahnhof Statione Principe, in den der Zug schlußendlich einrumpelt, liegt unter dem Straßenniveau, gleichsam in einem nach oben hin offenen Tunnel.

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Vor dem Bahnhof steht der berühmteste Sohn der Stadt, Christophoro Colombo, und starrt grimmig Löcher in die Luft.

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Genua hat viel Vergangenheit, und die leugnet es auch nicht. Einst war es die große Seerepublik, die mit Venedig im Dauerclinch lag, und das die erste Bank der Welt hervorbrachte (die 600 Jahre bestand und erst vor Kurzem, in der Wirtschaftskrise, die Flügel streckte). Dann war die Stadt DAS angesagte Winterdomizil für den Adel aus ganz Europa und Russland, danach folgte ein Absturz zum Industriehafen und Hochburg von Kriminalität und Schmuggel. All diese Epochen haben die Stadt gezeichnet. Aus der Frühzeit ist die größte, zusammenhängende Altstadt Europas geblieben. Aus der Ferienzeit im 19. Jahrhundert zeugen die schmiedeeisernen Wintergärten und viktorianischen Stadthäuser, die 6 bis 10 Stockwerke in den Himmel ragen und immer noch reich verziert sind. Handels- und Kreuzfahrthafen ist Genua immer noch, aber die Sache mit der Kriminalität hat man im Zuge der Stadtsanierung zum Anlass des Christoph-Columbus-Jahrs 1992 in den Griff bekommen. Damals wurde das ganze Hafenviertel umgestaltet. Das hat ausgerechnet Renzo Piano gemacht, der Architekt, der mich überall hin verfolgt. Dunkle, enge Gassen gibt es in Genua immer noch genug, aber man kann sich in ihnen bewegen ohne Angst haben zu müssen abgestochen zu werden.

Der Bahnhof Brignole in Genua.

Der Bahnhof Brignole in Genua.

Dunkel ist es sicher nicht, als ich um 11.00 Uhr vom Bahnhof aus in die Richtung laufe, in der ich die Innenstadt vermute. Es herrscht strahlender Sonnenschein, die Luft ist mit 11 Grad recht warm, und als ich die alten Häuser und das geschäftige Gewusel in den vielen, kleinen Läden sehe, geht mir das Herz auf. Das hier ist wirklich ganz anders und viel schöner als in der Bankenmetropole Mailand.

Sofort mache ich Bekanntschaft mit einer Genueser Spezialität: Dem Ladentypus der Foccacheria.

Die erste ist gleich die beste Focchacceria:  "Di Teobaldo" in der Via Balbi.

Die erste ist gleich die beste Focchacceria: “Di Teobaldo” in der Via Balbi.

Nun mag ich ja Focchaccia, dieses bröselige Brotding, eigentlich nicht, wie ich in mehreren Anläufen auch hier vor Ort rausgefunden habe. Aber eine Focchacceria bietet auch Pizza vom Blech und Calzone an. Bezahlt wird nach Gewicht und MAN, ist die Pizza hier gut! Mampfend gehe ich die Straße hinunter und komme an der Universität vorbei. Ich kann nicht anders und muss einen Blick hinein werfen. Holla! Alles ist edel und ehrwürdig, die Klassenräume in altem Holz gehalten und mit Kronleuchtern und Gemälden versehen. Es sieht so aus, als hätte sich hier in den letzten 300 Jahren nichts verändert. In so einem Ambiente studiert es sich doch gerne!

Innenhof der ehrwürdigen Universität zu Genua.

Innenhof der ehrwürdigen Universität zu Genua.

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Kleiner Hörsaal.

Kleiner Hörsaal.

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Verfasst von - 29. August 2015 in Reisen, Wiesel

 

Das Allerletzte

Ich denke ja von meinem eBookreader gerne als DEM BUCH. Einfach, weil ich kein anderes mehr mit mir rumtrage. Im Kindle sind 100 Bücher gespeichert, neue Bücher nur einen Fingertipp entfernt. DAS BUCH kann sich in alles verwandeln, wonach mir gerade ist: Leichte Unterhaltung, Drama, Krimi oder wissenschaftlicher Aufsatz. The Book to end all books. Das Buch der Bücher. Großartig. Fast wie Magie.

Vergangene Nacht lag DAS BUCH auf dem Nachttisch, und am Morgen hatte es sich von allein in ein neues Werk verwandelt: The Shepherds Crown, die letzte Geschichte von Terry Pratchett. Hatte ich vorbestellt, in der Nacht hatte es DAS BUCH ohne mein zutun runtergeladen und am Morgen war es plötzlich da.

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Ich kann mich gerade noch nicht überwinden es anzufangen. Es sind wirklich die allerletzten Zeilen die Terry Pratchett zu Papier gebracht hat. Die zu lesen und das Buch zu beenden wäre wie eine endgültige Abschiednahme. Ich weiß gerade nicht, ob ich diese Leere wirklich will, oder ob ich dieses Gefühl, dass da noch eine, große Geschichte ist, die ich noch nicht kenne, nicht noch ein wenig länger haben möchte. Das fühlt sich nämlich ein klein wenig so an als wäre Terry Pratchett noch nicht ganz weg.

 
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Verfasst von - 28. August 2015 in Ganz Kurz

 

Stand der Dinge

Tag 42.

Ich werde porös. Echt jetzt. Es geht mir gerade an die Substanz. Ich bin unkonzentriert und schlecht gelaunt, fahrig und habe Kopfschmerzen. Außerdem tut mittlerweile der Fuß weh.

Das hat, zumindest zum Teil, vor allem eine Ursache: Frühes Aufstehen. Jeder Mensch hat seinen Biorhythmus. Ich bin normalerweise eine Nachteule, die sich zu gewöhnlichen Zeiten ins Büro quält. Nicht so superfrüh, 08.30 Uhr ist aber eine OKaye Zeit.

Nun haben wir in der Firms Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit, d.h. jeder kann kommen und gehen wann er will (also, außer mir, jetzt). Unter unseren Leuten ist nur EIN absoluter Frühaufsteher, und das ist auch der Kolllege, der mich mit zur Arbeit nimmt. Normalerweise fängt er spätestens um 6 Uhr an zu arbeiten. Für die Zeit, in die er mich mitnimmt, hatten wir uns auf 7 Uhr als Kompromiss geeinigt. Auch schon doof früh, ging aber gerade noch.

Seit dieser Woche ist ihm das allerdings zu spät – was dazu führt, dass mein Wecker nun jeden Morgen um 5.45 Uhr klingelt. Wäre ja nicht so schlimm, aber gerade bekomme ich es einfach nicht hin um 22 Uhr einzuschlafen. Oder um 23 Uhr. Oder um 0 Uhr.

Früher habe ich auch Frühschichten mit Aufstehen um 4.30 Uhr gearbeitet, da bin ich dann halt abends um 20 Uhr ins Bett gegangen. Alles eine Sache der Gewöhnung. Nur: Der Übergang fällt mir gerade schwer, und das ich gefühlt einen halben Werktag verpasse, weil ja 14.30 Uhr schon wieder Feierabend ist, macht die Sache nicht besser. Das um 14.30 Uhr noch viel vom Tag übrig ist, ist übrigens eine Illusion. Mehr als fertig durch die Gegend stolpern und kaum aus den Augen gucken können kriege ich nicht wirklich hin, weil: Zu müde. Und abends dann zu müde zum Schlafen. Doof.

Von daher: So dankbar ich dem Kollegen für den Fahrdienst bin, Drei Kreuze, wenn ich wieder ein wenig später los kann. Wenn alles klappt, bin ich ab Montag wieder mobil. Und damit selbstbestimmt.

 
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Verfasst von - 27. August 2015 in Berufsleben, Gnadenloses Leben

 

Aktuelle Farbpalette

Die Rose von Welt legt sich nicht auf eine Farbe fest. Aktuell im Angebot:

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  Ja, das ist alles an einer einzigen Pflanze.

 
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Verfasst von - 25. August 2015 in Ganz Kurz

 

HighTech aus den 60ern

Da arbeite ich seit 10 Jahren in diesem Büro und dachte immer, dass dieses Kästchen am Türrahmen ein Lautsprecher ist.

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Ein Überbleibsel aus den 60ern. Damals war hier alles so gediegen eingerichtet wie bei “Mad Man”, und ich habe mir immer vorgestellt, wie über diese Lautsprecheranlage die Sekretärin zum Diktat bestellt wurde.

Umso erstaunter war ich, als ich neulich einen neuen Mitarbeiter dabei erwischte, wie er vor dem vermeintlichen Lautsprecher stand und mit ausladenden Bewegungen winkte.

Seit 10 Jahren gehe ich täglich durch die Tür, und erst dem neuen Mitarbeiter fällt auf, dass das Kästchen knackt, wenn man daran vorbeigeht. Ich hatte immer gedacht, das Knacken wäre ein Heizungsrohr im Fußboden, aber tatsächlich kommt es aus dem Kästchen. Ein Grund, dass mal aufzuschrauben.

Tatsächlich hätte ich nie erwartet, was sich darin befindet:

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Verfasst von - 24. August 2015 in Berufsleben

 

Mailand bei Nacht

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Verfasst von - 23. August 2015 in Reisen

 

Reisetagebuch MaGenTu (3): Monumental

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Städtehopping im Februar: Mailand, Genua, Turin. Heute geht es durch Mittelerde zu einem uralten Codex, außerdem gibt es Thanatotourismus und Nutella zum Trinken.

Sonntag, 08. Februar 2015, Mailand

Sonntag morgens, kurz vor 10. Mailand schläft noch.
Dunst hängt in den engen Häuserschluchten der Altstadt, nur hier und da schneiden Sonnenstrahlen durch die dicke Luft. Auf den kleinen Balkonen der Stadthäuser stehen vereinzelt Frauen, rauchen und tratschen über die Straße hinweg die neuesten Nachrichten aus Familie und Nachbarschaft.

In den Straßen ist nicht viel los, was emsige Numismatiker und Philatelisten zum Anlass nehmen, an den Straßenrändern der Via Victor Hugo ihren Geschäften nachzugehen.

Alte Männer flanieren mit ebenso lüsternden wie forschenden Blicken an den Reihen der Stände vorbei und mustern kritisch die Auslagen. Ab und an wird es laut, wenn sich Anbieter und Nachfrager über den Wert oder die Qualität einer Ware nicht einig sind.

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Mailand war früher Flußgebiet. Fünf Flüsse laufen heute unter der Stadt, feucht und dunstig ist es trotzdem.

Mailand war früher Flußgebiet. Fünf Flüsse laufen heute zwar unter der Stadt, feucht und dunstig ist es trotzdem.

In einer Nebenstraße liegt die Ambrosiana, ein großer Museumskomplex, in dem mehrere Gebäude und eine sogar Kirche miteinander zu einer Einheit verschmolzen sind. In Mailand dreht sich alles um Ambrosisus, den gebürtigen Trierer, der im vierten Jahrhundert Bischof war. Später wurde er zum Heiligen ernannt und Schutzpatron der Imker, Kerzenzieher und Lebkuchenbäcker. Weil das ja nicht mal in Teilzeit auslastet, ist er nebenbei auch noch der Stadtheilige von Bologna und Mittelerde.

Das war der frühere Begriff für die Poebene, und im Laufe der Zeit wurde daraus das Mittelland, dann Midland, und schließlich Milan, also Mailand. Mailand ist Mittelerde. Des Ambrosius wegen heißt auch der Karneval in Mailand “Carnivale Ambrosiana” und dauert statt bis zum Aschermittwoch bis zum darauffolgenden Samstag. Warum das so ist, konnte mir aber niemand sagen.

Die Ambrosiana, Heimat des Codex Atlanticus von Leonardo da Vinci.

Die Ambrosiana, Heimat des Codex Atlanticus von Leonardo da Vinci.

Die Ambrosiana jedenfalls ist eine Bibliothek und Pinakothek, und das bereits seit dem Jahr 1600. Hört sich nach Gemischtwarenladen an, ist aber eine der bedeutendsten und am sorgfältigsten kuratierten Sammlungen der Welt. Die Bibliothek hatte im Laufe der Zeit viele bedeutende Leiter, die zu ihrer jeweiligen Zeit Großes geschaffen haben. Gemeinsam sorgte dieser Club of extraordinary Gentlemen über die Jahrhunderte dafür, das die Ambrosiana das kulturelle und künstlerische Zentrum Norditaliens wurde und bis heute eine der wichtigsten Blibliotheken der Welt ist, wenn es um alte Dokumente geht.

Im Inneren ist das Fotografieren leider verboten. Eine Schande, denn das Haupthaus ist schon beim Betreten eine Schau. Große Säulen aus grauem Stein säumen die Eingangshalle, in der ein Begrüßungscounter aus altem Kirschholz steht. Dahinter führt ein breites Treppenhaus hinauf in die Ausstellungsräume. Die zusammenhängenden Räume sind elegant und edel eingerichtet und enthalten eine große Zahl wirklich schöner Gemälde und Statuen aus der Renaissancezeit. Während man durch die Austellung läuft, wechselt man unbemerkt und Übergangslos von einem Gebäude ins nächste, bis man in die Kirche gelangt, die mitten in der Ambrosiana steckt.
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Verfasst von - 22. August 2015 in Reisen, Wiesel

 
 
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