RSS

Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Sapiosexualität

Wieder einen neuen Begriff gelernt. Sapiosexualität.

 
2 Kommentare

Geschrieben von - 15. April 2014 in Service

 

Motorradreise 2013 (18): Ausgerechnet Verona

headerP1150696

Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am neunzehnten Tag macht ausgerechnet Verona mich fertig und das Wiesel entdeckt seine romantische Ader.

Donnerstag, 20. Juni 2013, Agriturismo Al Bagolaro, Volta Mantovana, Lombardei

Als der Wecker klingelt könnte ich ruhig noch eine Stunde Schlaf gebrauchen – dank des ausgezeichneten WLANS hier sei dank habe ich letzte Nacht bis spät mit Leuten aus Deutschland gechattet, bei denen gerade die Welt mit Unwetter und Starkregen untergeht. Hier nicht, über den Kiwifeldern des Agriturismo Al Bagolaro, rund 15 Kilometer südlich des Gardasees, strahlt die Sonne.

Im Frühstücksraum des Agriturismo wartet ein frisch gebackener Kuchen, eine Anzahl Joghurts und ein warmes Cornetto, ein Croissant, auf mich. Chiara hat all das aufgefahren, obwohl ich heute der einzige Gast auf dem Hof bin. Nach dem Frühstück schwinge ich mich auf die Kawasaki, die direkt vor dem Häuschen am Rande des Agriturismo parkt, und steuere über den Feldweg vom Haus auf die Landstraße, biege dort ein und gebe Gas.

Die Straßen sind lang und übersichtlich und ebenso einfach wie langweilig zu fahren, aber ich beklage mich nicht. Die ganze Po-Ebene ist voller grüner Felder, hier wird Wein, Reis, Kiwis, Getreide und Salat angebaut. Wassersprenger tackern auf den Feldern im Kreis und sprühen Nebel in die Luft, womit sie in der Morgensonne jede Menge Regenbögen zaubern. Wasser gibt es hier durch die Nähe zu den Alpen immer genug, und im Moment ganz besonders. Die Gräben und Kanäle sind bis zu den Oberkanten gefüllt, eine Folge der starken Regenfälle. Die übrigens vor genau zwei Wochen, als ich das erste Mal den Fuß auf italienischen Boden gesetzt habe, aufgehört haben. Das sagte auch Stefano in Siena: Acht Monate hat es in der Toskana geregnet, aber seit dem 2. Juni: Nichts mehr. Ha, das muss ich den Leuten zu Hause auf die Nase binden, die immer behaupten ICH würde das schlechte Wetter anziehen.

An dieser Stelle kein Bild von den langweiligen Straßen, stattdessen lieber Blümchen.

An dieser Stelle kein Bild von den langweiligen Straßen, stattdessen lieber Blümchen.

Ich fahre nach Verona, der Stadt Julias. Shakespeares Julia, wissen schon. Wie um alle Großstädte ist auch um Verona ein Geflecht aus Schnellstraßen, Zubringern, Kreiseln, Rampen und Tunneln gewuchert. Das Navi lotst mich da sicher durch, und schnell nähert sich das Motorrad dem Stadtzentrum. Was mich überrascht ist das Ausmaß des Fremdenverkehrs. Von Stefano weiß ich, wie man Mietwagen am Kennzeichen erkennt (die haben rechts kein Erstzulassungsjahr und keine Region eingedruckt), und davon sind hier VIELE unterwegs. Der Stadtverkehr ist sowieso sehr dicht, und die große Anzahl an ortsunkundigen und schlechten Fahrern macht die Sache nicht einfacher.

Plötzlich legt ein voll bepackter Skoda Oktavia mit Dachbox grundlos eine Vollbremsung hin und bleibt einfach mitten auf der Straße stehen. Ich hänge dem Wagen beinahe im Heck, nur ein beherzter Griff in die Bremsen verhindert Schlimmeres. Es sind Deutsche, die augenscheinlich nicht mehr weiter wissen, und deshalb einfach mal mitten auf der Straße anhalten und erstmal auf die Karte gucken. Ich mache im Geiste eine Notiz, das Fahrzeuge mit dem Kürzel WAF (Kreis Warendorf in NRW) im Kennzeichen gefährlich sind und in eine Gefahrenstufe mit EIC und ESW fallen.

Ich ziehe an den Bremsern vorbei und suche mir weiter meinen Weg durchs Verkehrsgewühl. Das ist wirklich nicht einfach, denn zusätzlich zu der unübersichtlichen Straßenführung gibt es jetzt jede Menge Baustellen, Straßensperren und Umleitungen, die das Navi natürlich nicht kennt. Außerdem ist irre viel los. Ich recke den Kopf und sehe mich um. Links, rechts, geradeaus, alles voller Autos, Roller und Radfahrer, die in dichten Knäulen voranschieben. Dazu kommt die Hitze, es ist früher Vormittag, und das Thermometer steht schon wieder bei über 30 Grad im Schatten. Um diesen Molotovcocktail aus Gedränge, Hitze, ortsunkundigen Fahrern, schlimmer Straßenführung, Baustellen und noch mehr Hitze zu entzünden und alle Verkehrsteilnehmer komplett in den Wahnsinn zu treiben gibt es in Verona: Ampeln.

Wir Deutschen können keine Kreisel. Irgendwie haben wir das Konzept nicht verstanden. Wir lieben Ampeln, aber Kreisel können wir einfach nicht. Die bauen wir entweder gar nicht, und wenn doch, dann meist zu klein, oft zu doof und manchmal sogar mit Ampeln, was das schlechteste aus allen Welten kombiniert. So wenig wie wir Kreisel können, können die Italiener Ampeln. Die Umlaufzeiten sind IMMER zu lang, zwischen 3 und 5 Minuten sind keine Seltenheit. Manchmal scheint es so, als hätte man die Ampeln aus der Verpackung genommen, an eine Kreuzung gestellt und sich nicht mal im Ansatz die Mühe gemacht die einzustellen. So stehe ich 5 Minuten bei Rot an einer Ampel. Schon nach Minute Zwei habe ich den Motor ausgestellt, weil ich sicher war, dass das hier wieder länger dauert. Mir tropft der Schweiß die Nasenspitze herab, dann wird die Ampel Grün. Ich fahre sofort los, und mit mir kommen noch zwei weitere Autos über die Kreuzung, dann ist sie für diese Richtung wieder 5 Minuten rot. Dabei ist es nicht so, als wäre die Straße nicht befahren, der Verkehr staut sich schon auf mehreren Hundert Metern.

Kurverei durch Verona

Kurverei durch Verona

Read the rest of this entry »

 
9 Kommentare

Geschrieben von - 12. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Heartbleed erklärt

Gerade geht “Heartbleed” durch die Medien. Die benutzen teils drastische Worte für die Sicherheitslücke in der SSL-Bibliothek. Ich kann mir vorstellen, dass bei nicht-technikaffinen Menschen nur hängenbleibt

“blablablaOPENSSLblalaHORRORBUGblablablaSUPERGAUblablablaALLESUNSICHERblabla”. Nunja. Verständlich. Dabei kann man die Sicherheitslücke auch so erklären, dass sie jeder versteht. Man muss ich nur Mühe geben, wie die Leutchen hinter dem Comic XKCD:

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 11. April 2014 in Service

 

London bei Nacht

P1030282

Aus der Serie “Städte bei Nacht”. Ich liebe es ja, nach Einbruch der Dunkelheit durch eine Stadt zu stromern, die Atmosphäre aufzusaugen und Leute zu beobachten. Die folgenden Bilder sind mit der kleinen Lumix Tz41 aus der Hand geschossen und nicht nachbearbeitet.

Zu früheren Teilen:
Rom bei Nacht
Florenz bei Nacht
Venedig bei Nacht

P1020953

P1020956

P1020957

P1020962
Read the rest of this entry »

 
5 Kommentare

Geschrieben von - 9. April 2014 in Foto, Reisen

 

Schlagwörter:

Reisetagebuch London 2014 (7): Der Weg nach Hause

headerP1020442
Im Februar 2014 verirrten sich Silencer und das Wiesel nach London. Eine Woche lang durchstreiften sie die uralte Metropole an der Themse und entdeckten erstaunliche Dinge, aber heute ist es an der Zeit wieder nach Hause zurückzukehren.

Mittwoch, 12. Februar 2014, London

Der Tag beginnt schon wieder ohne Würstchen. Zumindest für mich, nicht aber für das ältere Ehepaar, das entrückt lächelnd ein rundes Dutzend davon auf diversen Tellern davonbalanciert. Dafür bastele ich mir eine Bacon Roll, das ist ein Hamburgerbrötchen, in das gebratener Speck geklemmt wird. Gar nicht schlecht, wenn auch zu fettig für meinen Geschmack. Ich kann schon verstehen, dass britische Touristen regelmäßig in tiefe Verzweifelung stürzen, wenn sie nach Italien oder Frankreich kommen und dort statt des fetten Mittagessens, mit dem sie zuhause den Tag beginnen, nur einen Keks und einen Kaffee bekommen. Das muss ein echter Kulturschock sein.

Eine halbe Stunde später sind meine Sachen gepackt und ich verabschiede mich von dem Zimmerchen, dass die letzten sechs Tage mein Zuhause war.

Vor der Zimmertür wird Baumaterial gelagert.

Vor der Zimmertür wird Baumaterial gelagert.

Dann checke ich aus dem Cardiff Hotel aus, schultere den Rucksack, der sehr viel voller und schwerer ist als bei meiner Ankunft in London, und wandere den Norfolk Square hinauf zur Paddington Station.

P1030364

P1030370

______________________________________________________________________________________________________________________________________

Das folgende Video zeigt einige Stationen des Londontagebuchs, in Zeitraffer und z.T. in Tiltshift-Optik. Alles aus der Hand mit der Lumix TZ41 gedreht.

______________________________________________________________________________________________________________________________________
Read the rest of this entry »

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 9. April 2014 in Reisen, Wiesel

 

Schlagwörter:

Wetten, dass…?

Oh, “Wetten, dass…?” wird eingestellt.
Hm-Hm.
Soso.
Naja. Ich muss zugeben, dass ich das schon sehr, sehr lange nicht mehr komplett gesehen habe, allenfalls Ausschnitte. Das liegt an drei Dingen:

1. Habe ich generell an Samstag Abenden Besseres zu tun
2. Das biedere und langsame Konzept der Show. Das einzig spannende waren lange Zeit die Wetten – bis zu dem Spungfederunfall, danach wurde alles bis zur Schläfrigkeit entschärft und damit zum Teil unspannend.
3. Den un-er-träglichen Moderatoren. Gottschalk konnte einfach nicht aufhören und war am Ende nur noch ein mild verwirrter, oft peinlicher Herrenwitz, der von seinen Assistentinnen in der Bahn gehalten werden musste. Gottschalk trägt aber wenigstens Entertainment im Blut, anders als Markus Lanz. Der ist leider so unterhaltsam wie ein Aktenordner, und ihm dabei zuzusehen wie er im Rektum der Promis verschwand verursachte körperliche Schmerzen. Aber das ist das Lanzprinzip: Abliefern von Feelgood-Luftnummern, die bis zur Irritation sinnfrei sind.

Ich trauere der Show nicht wirklich hinterher, dazu ist sie mir zu egal. Ich hätte es aber gerne gesehen, wenn man einen mutigen Neuanfang gewagt hätte, mit einer Barbara Schöneberger oder Ina Müller als Moderatorin. Stattdessen versenkt das ZDF lieber das Showschiff “Wetten, dass..?” als den Kapitän Lanz auszutauschen. Denn das hieße ja sich einzugestehen, dass der von Anfang an eine absolute Fehlbesetzung war. Die Zuschauer zu schelten und ihnen mangelndes Interesse vorzuwerfen ist da wohl einfacher.

 
5 Kommentare

Geschrieben von - 7. April 2014 in Betrachtung, Medienschau

 

Motorradreise 2013 (17): Bologna-Prozession

P1150648header

Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am achtzehnten Tag geht es über die blauen Berge, nicht durch einen langen Gang und ich bekomme ein Häuschen.

Mittwoch, 19. Juni 2013, Casa Brescia, Siena, Toskana

Es ist 8.00 Uhr. Stefano ist nicht da, weil er einen Gerichtstermin in Brecia hat. Sein Vater passt so lange auf´s Haus auf, versucht aber den Kontakt zu den Gästen zu vermeiden und randaliert deshalb bereits seit einer Stunde im Garten herum, während die Australier versuchen ihre Chianti-Experimente auszuschlafen. Ich habe erstaunlicherweise gut geschlafen, und eine Inventur ergibt nur zwei neue Mückenstiche. Bene.

Ich packe die restlichen drei Sachen zusammen, trage die Koffer zur Kawasaki und begegne dabei Stefanos Vater. Für einen promovierten Arzt im Ruhestand guckt er mich ganz schön erschreckt an, aber als ich ihn auf italienisch begrüße, entspannt er sich ganz schnell wieder. Seine Abwehrhaltung ist kein Wunder, er spricht keine drei Worte englisch, und die Australier haben ihn gestern Abend mit ihrer Frage nach einem Korkenzieher nicht nur überfordert, sondern anschließend auch noch verspottet, nach dem Motto “na, ist dein erster Tag hier, was?”. Eine Unverschämtheit, die leider keine Seltenheit ist. Insbesondere deutsche und amerikanische Touristen behandeln ihre Gastgeber gerne mit Kolonialherrenattitüde.

P1150283

Ich gratuliere dem Dottore zu seinem Sohn und wie der das beste Bed and Breakfast von ganz Siena aufgebaut hat, aber Papa rümpft die Nase. “Das beste B&B? Beh! Dafür mäht er aber nicht oft genug den Rasen. Und die Hecken müssten auch schon seit einer Woche geschnitten werden.” Ich verabschiede mich mit den Worten, dass Stefano stolz auf seine Familie sein kann, die ihn so unterstützt und wichtige Dinge wie Rasenmähen teilt, dann klinke ich die Koffer ans Heck der Kawasaki ein und starte den Motor. Ein letztes Mal rollt die Renaissance die kleine Strasse auf dem Bergrücken vor Siena hinab, der zur Corona, der “Krone Sienas” gehört.

Mein erster Weg führt mich zur Tankstelle um die Ecke. Benzinaio Fausto begrüßt mich schon, als ich auf den Hof fahre. Ich öffne den Tankverschluss, und während er Benzin einfüllt, entspinnt sich ein kurzes Gespräch über das Wetter. Ja, Sonnne ist schön, und heute soll es nicht mehr so warm werden wie gestern, sondern nur noch 34 Grad. Ich werde das nicht mehr mitbekommen, denn heute ist der Tag der Abreise, sage ich. Wohin es geht, will er wissen. Mantova? Oh, da wurde das Volk über Jahrhunderte geknechtet und dumm gehalten, sagt er. Aber jetzt ist es ein kulturelles Zentrum, und schön sei die Stadt ohnehin. Hm. Irgendwas sagt mir, dass dieser Benzinao mehr drauf hat als die meisten seiner Kollegen. Nach der Bezahlung streckt er mir die Pranke hin und sagt: “Du kommst ja wieder. Bis nächstes Mal.” Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.Öh.

P1150639

Es geht direkt auf die Strada Statale, die mautfreie Autobahn. Aber nicht lange, schon hinter Monterrigioni geht es ab, dann über die grünen Hügel des Chianti nach Norden, gen Florenz, schließlich wieder durch die staubverhangene Einöde bei Empoli. Dahinter wird es etwas besser, die Straße schraubt sich in die Berge hinauf, vorbei an Berghängen voller Olivenbäume. Diese Straße habe ich zuletzt im vergangenen Oktober befahren, allerdings in einem Bus, und tatsächlich schießt die Renaissance wenig später am Ortsschild von Vinci vorbei. Sono da vinci, denke ich und kichere albern. HIER ist jeder “da Vinci”.

P1150638
Read the rest of this entry »

 
7 Kommentare

Geschrieben von - 5. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Der dritte Molar

molar002

“Heute… werden wir Zeuge der Extraktion des dritten Molaren”, sagt Ian McKellen mit seiner tiefen, rauhen Gandalfstimme in meinem Kopf. Irgendwie hört sich ja “der dritte Molar” an wie ein Begriff aus einem Fantasyroman. Gandalf schaut also in die Runde der versammelten Krieger, während er langsam um den Tisch in der Mitte der Ratshalle geht und mit bedeutungsschwerem Unterton sagt: “Wenn im Zeitalter des Flughunds, wenn der Mond im achten Haus steht und der Erbe Calendulas den Sitz der sieben Schilde für sich beansprucht, dann wird der dritte Molar extrahiert werden.”

Hihi.

Tatsächlich denkt sich mein Hirn nur so einen Quatsch aus um mich davon abzulenken wie nervös ich bin. “Extraktion des dritten Molaren” hört sich auch viel besser an als “wir ziehen einen Weisheitszahn”. Davon habe ich zum Glück nur einen, oben rechts, und der bereitet nicht mal akute Probleme. Allerdings wächst er immer weiter – weil er im Unterkiefer kein Pendant hat, und deshalb kriege ich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes den Mund nicht mehr ganz zu. Also raus damit.

Da ich fantastisch gesunde Zähne habe, ist dass das erste Mal, dass mir ein Zahn gezogen wird, und deshalb bin ich nervös. Zumal ich nicht weiß wie das mit der Betäubung wird. Kann ich danach noch was machen? Oder werde ich, ähnlich wie nach der Vollnarkose im vergangenen Jahr, dumm wie ein Brötchen sein? Das spielt durchaus eine Rolle. Auf die Folgezeit habe ich mich schon vorbereitet. Gestern Abend habe ich den alten Gefrierschrank wieder angeworfen und Wasser eingefroren, also Kühlpakete gemacht. Dabei kam ich mir ein wenig vor wie Tom Cruise in Minority Report, bei der Sache mit der Augen-OP. Dabei fällt mir ein, dass ich meinen Kühlschrank mal wieder ausmisten und sauber machen müsste.

molar001

“Wollnwer mal”, sagt der Zahnarzt und beginnt irgendwas zu machen, ich spüre gar nichts. “Wenn die Extraktion des dritten Molaren bevorsteht, sind die Sinne vernebelt. Dann, nur dann wird der Dolch des Schicksals angesetzt und…” Ach Gandalf, HALTS MAUL.

Der Zahnarzt würgt und ruckelt und zieht an dem Zahn rum, und erklärt dann mehrere Minuten, dass der Zahn ungewöhnlich fest sitzt und ein SO fester Sitz ja selten sei und *Kruspel* *Knirsch* *Zack* ist er dann doch draußen. “Ein Schreibtischzahn”, ruft der Zahnarzt freudig und zeigt den extrahierten Molar aufgeregt im Raum rum. Ich frage nicht nach was das sein soll, Gandalf kann mit “Schreibtisch” nichts anfangen. “Ja, hier, guckense, der ist geformt wie ein kleiner Backenzahn, ganz untypisch.”
Der Zahnarzt ist niedlich, wenn er sich so freut.

Plötzlich ist eine Helferin da und hält mir beide Hände hin. In den Handflächen liegen eingepackte Pillen. Auf eine ist mit Edding ein “S” gemalt. Wie Morpheus in “Matrix” steht die Helferin da. Ich überlege, ob ich die rote oder die blaue Pille will, aber ich soll dann doch beide nehmen. Die mit dem “S” ist für die starken Schmerzen.

Und jetzt sitze ich hier und warte darauf, dass die Schmerzen einsetzen. Die Matrix-Pillen liegen vor mir, das Minority-Eis ist im Gefrierschrank, und Gandalf liest mit seiner Gandalfstimme diesen Text Korrektur.
Hm. Und ich hatte irgendwann mal gedacht ich wäre gar kein Film-Nerd mehr.

Achtung, Bild des extrahierten Molaren nach dem Klick.

Read the rest of this entry »

 
4 Kommentare

Geschrieben von - 4. April 2014 in Gnadenloses Leben

 

*Schnief*

Mein Immunsystem ist aus Stahl. Ach, was sage ich: Es ist aus Adamantium. Ich werde so gut wie nie krank, und selbst in Regionalzügen, den Seuchenschiffen der Neuzeit, prallen Viren an mir ab. Allergien sind mir unbekannt, und mit Heuschnupfen hatte ich noch nie zu tun.

Naja.

Bis auf dieses eine Jahr, als plötzlich die Nase lief und die Augen tränten. Aber das war wirklich nur ein Frühjahr lang, und dann nie wieder.

Bis jetzt.

Die Nase kitzelt, der Rachen kribbelt, die Augen brennen und gelegentlich bricht eine Nieskaskade aus mir hervor. Eine milde Form des Heuschnupfens? Hm. Ich mache mir da jetzt erst einmal keine großen Sorgen. Vermutlich ist das keine allergische Reaktion, sondern einfach mechanische Belastung. Pollen in Atemwegen stelle ich mir vor wie Sand im Getriebe. Da aktuell alles gleichzeitig blüht und es seit Wochen nicht mehr geregnet hat, ist eine solche Menge Dreck in der Luft, dass selbst das stärkste Getrieb mal knirscht. Das darf es dann auch. So lange wie das nicht zum Dauerszustand wird. Das Geschniefe nervt nämlich, und alle, die chronisch unter Heuschnupfen leiden, haben mein Mitgefühl.

 
3 Kommentare

Geschrieben von - 3. April 2014 in Gnadenloses Leben

 

Reistagebuch London 2014 (6): Sherlocked

headerP1020992

Im Februar 2014 verirrten sich Silencer und das Wiesel nach London. Eine Woche lang durchstreiften sie die uralte Metropole an der Themse und entdeckten erstaunliche Dinge. Am sechsten Tag dinieren sie beiden wie Sherlock und fahren Skilift in London. Verrückt.

Dienstag, 11. Februar 2014, London

Der heutige Tag will zelebriert werden! Es ist der 11. Februar, und selbst durch das miesepetrige Wetter lasse ich mir die Laune nicht verderben.

Blick aus dem Frühstücksraum des Cardiff. Es regnet.

Blick aus dem Frühstücksraum des Cardiff. Es regnet.

Ich lasse das Frühstück im Cardiff ausfallen und fahre mit der Tube zwei Stationen weiter zum Euster Square. Die U-Bahnstation Euster ist umbaut mit gläsernenden Büropalasten, aber mittendrin, wie ein anachronistisches Überbleibsel, steht ein geducktes, dreigeschossiges Gebäude mit einem Café im Erdgeschoß.

Das ist zu einigermaßen Berühmtheit gelangt, weil dieses Gebäude in der Serie “Sherlock” die Bakerstreet 221b ist, und das Café regelmäßig auftaucht. Hier nehmen Sherlock. Mycroft und Dr. Watson gerne mal einen Kaffee.

Eingerahmt von gläsernen Bürotürmen duckt sich das kleine Gebäude in der North Gower Street in die Ecke. Im Erdgeschoß: Speedys Restaurant. Für die Serie Sherlock wird die Tür rechts  ausgetauscht und das Gebäude  die Baker Street 221B deklariert.

Eingerahmt von gläsernen Bürotürmen duckt sich das kleine Gebäude in der North Gower Street in die Ecke. Im Erdgeschoß: Speedys Restaurant. Für die Serie “Sherlock” wird die Tür rechts ausgetauscht und das Gebäude zur Baker Street 221B deklariert.

P1020992

Innen erwartet mich eine Überraschung. Ich hatte erwartet, dass das Restaurant, ähnlich wie das Café aus dem Film Amelié, total überlaufen ist von Sherlock-Pilgern. Aber nichts dergleichen – am Tresen holen sich Menschen auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee oder ein Sandwich zum mitnehmen, an den wenigen Tischen und Stühlen sitzen vereinzelt Rentner über einem Tee und lesen Zeitung. Keine Spur von Touris, nur ein Foto an der Wand verrät, dass dieses Lokal ein Filmstar ist. Das Bild zeigt den Wirt zusammen mit Martin Freeman, Bendict Cumberbatch und Steven Moffat. Das hier zu den Dreharbeiten die gerade populärsten Schauspieler der Welt ein- und ausgehen hat wohl keinen Einfluß auf´s Tagesgeschäft.

Ansonsten wirkt alles sogar ein wenig schmuddelig. Die Holzverkleidung der Wände ist vielfach übergestrichen, die Fliesen des Bodens sind abgelaufen und die Stühle wackelig.
Read the rest of this entry »

 
6 Kommentare

Geschrieben von - 1. April 2014 in Reisen, Wiesel

 

Schlagwörter:

Momentaufnahme: März 2014

Herr Silencer im März 2014
“Das war der Spiegel.”

Wetter: Ohne Umweg über den Frühling direkt in den Sommer: Bis zu 20 Grad und so gut wir kein Regen. Erst in der letzten Monatswoche nochmal einstellige Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. ——————————————————————————————————————————————————–
Lesen:

Terry Pratchett:Making Money [Kindle]
Lord Vetinari hat großes mit der Stadt vor, aber dafür braucht er Geld. Leider befinden sich die Banken in desolatem Zustand und in der Hand weniger Familien, und Gold kann man auch nicht beliebig vermehren. Folgerichtig installiert Vetinari den ehemaligen Trickbetrüger und erfolgreichen Postmeister Moist von Lipwig im Vorsitz der größten Bank von Ankh-Morpork. Der denkt sich sofort eine radikale Neuerung aus: Geld aus Papier! Natürlich gefällt das etlichen Leuten nicht, weshalb Lipwig und sein Vorgesetzter, ein altersschwacher Hund mit dem Namen Mr. Fuzzpot, bald auf der Abschussliste landen.

Die späten Pratchett-Romane haben nichts mehr mit der Slapstick-Fantasy-Comedy der frühen Jahre zu tun. So auch hier: Die ganze Geschichte um Moist von Lipwick dient eigentlich nur dazu, Dinge wie Marktwirtschaft, Münz- und Papiergeld und das Bankenwesen an sich zu betrachten. Allerdings aus Pratchetts “The Lion Upside Down”-Blickwinkel, der dem Leser ganz neue Perspektiven eröffnet – u.a. wie manche Personen es schaffen, aus Gier ein ganzes System zu beschädigen.
———————————————————————————————————————————————————

Hören:


Andrew Lloyd Webber: Phantom of the Opera [BluRay]
Angefixt vom Livebesuch des Musicals, klar.

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

Warehouse 13, Staffel 3 [DVD]
Im Warehouse werden übernatürliche Artefakte eingelagert. Das erste Warehouse war die Bibliothek von Alexandria, Version 13 steht in einer Wüste in Ohio und beherbergt in seinen Kilometerlangen Regalen z.B. Indiana Jones Bundeslade. Superspannendes Setting, Ausführung aber vergurkt. Konnte sich die Serie in den letzten Staffel nicht entscheiden ob sie eher Akte-X-mäßig ernst oder doch eher lustig daherkommen wollte, ist Staffel 3 nur noch Comedy. In Kombination mit den wirklich schlechten Schauspielern (Ausnahme: Allison Scagliotti als Claudia) leider nichts für mich.
———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Saints Row IV [PS3]
Der Anführer der Straßengangs Saints ist nach den Ereignissen in Saints Row – The Third zum Präsident der USA – allerdings nicht lange, Außerirdische überfallen die Erde und versklaven die Menschen in eine virtuelle Welt. Zum Glück gibt es Helfer, die die Simulation hacken und die eigene Spielfigur mit Superkräften ausstatten.
Wer schon immer mal wissen wollte wie es wäre Neo in der Matrix zu sein – hier kann man es ausprobieren. Die Open-World-Stadt Steelport wird zur Spielwiese für 200-Meter-Sprünge, Sprints an Hochhäusern hinauf und Massenkeilereien gegen außerirdische Agenten. Das Ganze mit absurdem Humor und komischen Dialogen angereichert. Großer Spass.

———————————————————————————————————————————————————

Machen: Städtereise nach Hamburg, Phantom der Oper angucken!

———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:

- Zwei neue Sommerreifen :-(

———————————————————————————————————————————————————

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Hinterlasse einen Kommentar

Geschrieben von - 30. März 2014 in Momentaufnahme

 

Frühling!

IMG_3391

Höret und preiset das Frühlingswiesel! Das Frühlingswiesel sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder Frühling ist! Hiermit verkündet es zudem den Beginn der Motorradsaison! Der Winter war lang und kalt und dunkel, aber nun macht das Wiesel Frühling und gutes Wetter, dass es nur so kracht! Passt auf Eure morschen Knochen auf, fahrt vorsichtig und huldigt dem Frühlingswiesel!

Um ehrlich zu sein roch es hier das erste Mal Ende Februar nach Frühling und war auch frühlingshaft warm. Spätestens Anfang März hätte die erste Fahrt mit dem Motorrad stattfinden können, aber ach, es fehlte die Zeit aber jetzt ist es soweit…

Read the rest of this entry »

 
1 Kommentar

Geschrieben von - 29. März 2014 in Gnadenloses Leben, Motorrad

 

Motorradreise 2013 (16): Begegnung mit dem Sensenmann

2014-03-26 19_28_40-Windows Media Player

Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am siebzehnten Tag ist es sehr heiß, ich verwandele Silber in Gold und habe eine Begegnung mit dem Sensenmann.

Dienstag, 18. Juni 2013, Casa Brescia, Siena, Toskana

Der sechste Tag in Siena, und wieder strahlt die Sonne vom Himmel und verbreitet eine ohrenbetäubende Hitze. Ich bin mir schon am Morgen, als die Renaissance aus dem Tor des Casa Brescia rollt, nicht sicher, ob es eine gute Idee ist heute eine weite Tour zu unternehmen. Ich habe mir vorgenommen die Städte Montepulciano und Montalcino zu besuchen. Die berühmten Weinstädte liegen 40 Km südlich von Siena. Die wollte ich vergangenes Jahr schon besuchen, aber da gab es erst in Montepulciano keinen Parkplatz, und in Montalcino hatte ich dann spontan keine Lust mehr die Stadt anzusehen. Es ist kurz nach neun, und das Thermometer (also die offizielle Wetterstation, nicht das am Motorrad) zeigt bereits fast 30 Grad an. Im Topase im Heck der gluckern insgesamt 3,5 Liter Wasser in zwei Feldflaschen und einer zusätzlichen PET-Flasche, und ich vermute stark, dass ich alles brauchen werde.

Windows Media Player_2013-09-22_17-10-17

Es geht Richtung Süden. Erst zieht sich eine Landstraße durch eine Reihe kleiner und ziemlich hässlicher Trabantendörfer. Aber dann führt die Straße kurvenreich eine Anhöhe hinauf, und plötzlich wird die Landschaft zu dem, was man von Postkarten aus der Toskana kennt.

Bildschirmfoto 2014-03-28 um 19.52.26

Links und rechts liegen sanfte, grasbewachsene Hügel, von denen manche eine Zypressenallee und ein Bauernhaus tragen. Durch diese Landschaft gleitet die Renaissance, und ich befinde mich in einem fast meditativen Zustand. Unter dem Helm und auf der Straße ist man stets allein mit sich und seinen Gedanken, und die Weite der Landschaft trägt dazu bei den Verstand und den Geist zu öffnen.

Noch weiter südlich führt die Landstraße in einen langen Tunnel. Exakt den, den regelmäßige Leser und Gucker der Videos aus dem Vorspann der Reisevideos kennen.

Bildschirmfoto 2014-03-28 um 19.37.50

Als das Motorrad am anderen Ende wieder hinaus ins Licht schießt, sind wir tief in der Crete Senesi, dem Ödland hinter Siena. Das heisst nicht etwa so, weil es eine Wüste wäre – zumindest nicht ganz, auch wenn es tatsächlich eine kleine Wüste und sogar Sandstürme in dem Gebiet gibt – sondern weil es eine weite, sehr spärlich besiedelte Landschaft ist. In den Niederungen wird Getreide angebaut, und auf den Hügeln wächst Gras. Das ist zum Teil schon geerntet, und die gepressten Ballen liegen in der Landschaft verstreut wie Riesenspielzeug.

Ich liebe diese Gegend, und auch jetzt entlockt sie mir unter dem Helm Ausrufe der Begeisterung. Keine Ahnung, ob die Hügel hier dem goldenen Schnitt entsprechen oder woran es sonst liegt, alles hier wirkt dem Auge gefällig und begeistert die Sinne bis in die letzte Synapse. Hier ein Haus haben… ach, das wär´s.

Windows Media Player_2013-09-22_17-00-17

Windows Media Player_2013-09-22_16-40-44

Read the rest of this entry »

 
4 Kommentare

Geschrieben von - 29. März 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch London 2014 (5): Stonehenge

headerP1020874

Im Februar 2014 verirrten sich Silencer und das Wiesel nach London. Eine Woche lang durchstreiften sie die Hauptstadt des britischen Empires und stellten dabei dummes Zeug an. Am fünften Tag geht es auf’s Land.

Montag, 10. Februar 2014, London

Montag. Es muss Montag sein. Erst frisst das ältere Ehepaar am Frühstücksbuffet alle Würstchen auf einmal weg, dann graut mir der Morgen. Eigentlich hatte ich für Sonntag eine Tour gebucht, die der Reiseveranstalter aber verlegen wollte: Auf entweder Samstag, den 08., oder Montag, den 10. Die Mail hatte mich Ende vergangener Woche erreicht, und ich hatte mir den Montag gewünscht, in einem Anfall von geistiger Umnachtung aber “Montag den 07.” geantwortet.

Heute ist Montag, aber nicht der 07. Als ich beim Frühstück nochmal die Bestätigung checke, fällt mir das Essen aus dem Gesicht: Der Reiseveranstalter hatte den 07.02. bestätigt. Das bedeutet, dass die Fahrt, auf die ich mich die ganze Zeit freue, bereits vor drei Tagen war! Hektisch schreibe ich eine Mail und hoffe, dass sich das noch umbuchen lässt. Auf die Fahrt habe ich mich die ganze Zeit gefreut, und wenn das jetzt wegen so eines dusseligen Datumsfehlers nichts wird…

Gegen halb Zehn stehe ich vor der Westerminster Abbey, jener Kirche, in der alles wichtige in England passiert. Hier werden Königinnen und Könige gekrönt und verstorbene Berühmtheiten beigesetzt. Das Innere der Abtei ist vollgestopft mit Nebenkapellen, Gräbern und Denkmälern. Elisabeth die erste liegt in einem Flügel, ihre Rivalin Mary, Queen of the Scotts, in einem anderen. Letztere wurde von ersterer übrigens 16 Jahre gefangen gehalten und am Ende hingerichtet, und erst als Elisabeth auch abgenippelt war und der englische Thron an den Schotten James fiel, der zufällig der Sohn von Mary war, bekam sie eine würdige Beisetzung und ein Grabmal, dass Elisabeth ebenbürtig war.

P1020783

Auch ansonsten findet sich alles, was in der britischen Geschichte Rang und Namen hatte. Lange verweile ich vor dem Sarkophag von Isaac Newton. Das Grab habe ich selbst entdeckt, der Audioguide erwähnt es nicht. Passt ins Bild, denn der ist SCHLECHT. Ein guter Audioguide kommt sofort auf den Punkt und ist klar strukturiert, erzählt die wesentlichen Fakten und ordnet die in den Kontext ein. Die ein oder andere Anekdote oben drauf, fertig ist der Lack. Schlechte Audioguides Rabimmeln und Rabammeln erst einmal ewig in der Gegend rum um zu zeigen wie aufwendig sie produziert sind, bewerfen einen dann mit nebnsächlichen Personen und einer Flut von Jahreszahlen, um den Zuhörer dann mit sinnlosen Details ganz in die Wüste zu führen und ihn da stehen zu lassen. Von der Sorte ist auch der Westminster Abbey Guide, dessen Rabimmeln und Rabammeln in Gregorianischem Mönchsgejodel vor und nach jedem Point of Interest besteht. Jeweils 20 Sekunden Gregorianergestöhne, macht bei 20 Tracks rund 400 Sekunden oder sechseinhalb Minuten sinnloser Lebenszeitverplemperung. Wäre er nicht eh kostenlos, der Guide wäre das Geld nicht wert. Wobei, kostenlos stimmt ja nicht. Was ich ja faszinierend finde, ist, dass die Briten ALLES anders machen müssen als der Rest der Welt. Da ist es nur Folgerichtig, dass der Eintritt in Museen kostenlos ist, für den Besuch einer Kirche -im Rest der Welt ein kostenloses Vergnügen- aber stets um die 20 Pfund (fast 25 Euro in echtem Geld) berappt werden müssen.

P1020790

Als ich die Westminster Abbey verlasse ist eine Mail von Premiumtours eingetrudelt. Meine Umbuchung sei OK, und ich möge bitte um 12.15 an der Victoria Coach Station sein. Nichts lieber als das! Ich begebe mich zum großen Busbahnhof, und wenig später sitze ich mit nur einem Dutzend anderer Touris in einem großen Reisebus.

Ah, Belgravia ist gar kein osteuropäisches Land.

Ah, Belgravia ist gar kein osteuropäisches Land.

P1020798

Der Busbahnhof.

Der Busbahnhof.

Der Bus zuppelt durch den Stadtverkehr und jökelt dann Überland nach Westen, zwei Stunden lang.

140210london3

Read the rest of this entry »

 
11 Kommentare

Geschrieben von - 26. März 2014 in Reisen, Wiesel

 

Das Phantom der Oper (2014)

IMG_3351

Das dritte Musical in diesem Jahr. Angestupst und in Begleitung von @FrauZimt ging es an diesem Wochenende nach Hamburg in die 2013er Auflage von Andrew Lloyd Webbers “Phantom der Oper”. Tatsächlich ist das Musical schon ziemlich alt – in Hamburg lief es von 1990 bis 2000. Seit Ende 2013 wird es wieder aufgeführt, in dem Haus, das extra dafür gebaut wurde: Der Neuen Flora.

Den Stoff kennt vermutlich jedes Kind, ich zumindest bin mit ihm schon früh in Kontakt gekommen: An der Pariser Oper des Jahres 1871 erhält die junge Sängerin Christine Daeé nächtlichen Besuch von einem Mann mit Maske, der sie heimlich in klassischem Operngesang ausbildet. Das entstellte Phantom lebt in Katakomben unterhalb der Oper und ist nicht nur Musiker, sondern auch ein genialer Techniker, Architekt und hat zudem nicht alle Latten am Zaun. Bevorzugt schreibt es Leuten merkwürdige Wünsch-Dir-Was-Zettelchen und schiebt ihnen die unter der Tür durch. Als das Phantom seinen Willen nicht bekommt wird aus dem Stalker ein Terrorist, and things escalate quickly.

Treppenhaus der Neuen Flora.

Treppenhaus der Neuen Flora.

Die Musik, zumindest das Main Theme, kennt jeder, der die letzten Jahrzehnte nicht mit Käse in den Ohren verbracht hat. Im Gegensatz zur Version aus den 80ern, die oft sehr düdelpoppig mit Synthiklängen herumspielte, hat die 2013er-Fassung eine leichte Modernisierung und Aufrüstung erfahren: Die Themen kommen durch ein größeres Orchester nun extrem bombastisch, und der Einsatz von E-Gitarren erweckt nicht nur den Eindruck von Größe, sondern erzeugt auch Gänsehaut. Insgesamt ist die neue Version härter, wie hier in der Aufführung aus der Royal Albert Hall zu hören ist:

Hier die Ouvertüre, allerdings in der Version von Nightwish und Tarja Turuunen, bei dem Papa Schlumpf den Part des Phantoms übernimmt, am Ende aber schlimmen Brechdurchfall bekommt :

Der Bühnenbau und die Technik ist überaus beeindruckend. Bühnenbilder wechseln oft in Sekunden, und mittels Hebebrücken und schwerer Technik im Bühnenboden wird die Bühne dreidimensional und über mehrere Stockwerke ausgenutzt – mit verblüffenden Effekten. Wenn das Phantom mit Christine durch einen Geheimgang flüchtet, sie durch das Labyrinth der Kellergeschosse führt und unter dem Opernhaus über einen unterirdischen See bis zu seinem Versteck rudert, dann ist das großartig in Szene gesetzt. Die Bühne IST in einem Moment das alte Gemäuer des Fundaments, im nächsten der unterirdische See und im übernächsten die schaurige Höhle. So schnell wie die Bilder wechseln ist auch die Inszenierung: Bis auf zwei Szenen, die etwas lang ausgespielt werden, ist das Pacing sehr flott. Ich habe mich in der zwei Stunden 15 langen Inszenierung keine Sekunde gelangweilt, was auch daran liegt, dass es so viel zu entdecken gibt: In nahezu jeder Szene versteckt sich irgendwo das Phanotm, auch wenn es nicht offensichtlich zu sehen ist. Aber wenn man genau hinguckt…

IMG_3348

Interessant ist übrigens, das es die Pariser Oper Garnier wirklich gibt, und auch der unterirdische See ist keine Erfindung. An der Stelle verläuft unterirdisch ein Arm der Seine, und im Fundament der Oper ist eine Zisterne angelegt. Auch die unterirdischen Kellerlabyrinthe sind keine Erfindung. Tatsächlich gabe es sogar merkwürdige Vorkommnisse in den 1890er Jahren: Merkwürdige Geräusche aus den Kellern und nicht zuletzt ein Unfall mit einem herabgestürzten Kronleuchter inspirierten den Schriftsteller Gaston Leroux zu einer Fortsetzungsgeschichte, die 1910 in der Zeitung abgedruckt wurde. Klassischer Fall von History-Fiction, wie ich sie sehr mag.

Perfekt wurde dieses Musical-Wochenende durch die perfekte Gastgeberin @FrauZimt und die überaus angenehme Begleitung durch die Wunderbare Welt des Wissens (Danke ihr beiden!) und das nicht minder Wunderbare Wiesel, das leider das Blogwiesel etwas vermisste, welches zur Zeit in Sonstwo rumstrolcht. Spätestens zum Weltwieseltag im August werden die beiden sich aber wiedersehen.

 
6 Kommentare

Geschrieben von - 23. März 2014 in Event, Reisen

 
 
Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 34 Followern an