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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

New Hatch

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So, jetzt wo die Sache mit den Schuhen geklärt wäre, können wir uns einem anderen Fortbewegungsmittel widmen. Damit das hier nicht wirklich noch zum Modeblog verkommt, wird es jetzt dezidiert und ureigenst männlich. Man stelle sich jetzt bitte Benzingeruch in der Luft vor, denn nun geht es um: Autos! Jawoll.

Autos sind ja eigentlich voll unspannend. Müssen halt vier Räder haben und fahren. Meine vier Räder hängen an einem Kleinen Gelben AutoTM, und das kommt leider so langsam in die Jahre. Die Zentralverriegelung funktioniert nicht mehr, durch die Türen dringt seid Jahr und Tag Wasser ein, manchmal lässt sich der Kofferraum tagelang nicht öffnen, die Frontscheibe pfeift. Das neueste Ungemach ist ein Scheibenwischer, der sich nur noch in Zeitlupe bewegt, weil sich das Metallgestänge in die Alubuchsen eingearbeitet hat.

Wenn Sie auf diesem Bild ZWEI gelbe Autos sehen, sollten Sie ihrne Optiker kontaktieren.

Wenn Sie auf diesem Bild ZWEI gelbe Autos sehen, sollten Sie ihren Optiker kontaktieren.

Ein Jahr TÜV hat das Kleine Gelbe AutoTM noch, und bis dahin muss ein Nachfolger her, denn ganz ohne Auto geht es hier auf dem Dorf halt nicht. Ehrlich gesagt habe ich kaum Lust mich damit zu beschäftigen – aber es muss sein, das KGATM hat schon 14 Jahre auf dem Buckel, sieben davon in meinem Besitz. Auch der Nachfolger sollte auch ein Gebrauchter sein. Bei dem Wertverlust in den ersten vier Jahren lohnt sich ein Neuer nicht, und außerdem kenne ich mein Glück: Wenn ich mir ein neues Auto kaufe, sind am nächsten Tag die fossilen Brennstoffe alle. Nee, nee, so nicht.

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Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Da ich einen großen Penis habe und nicht kompensieren muss, kann es ein kleines Auto sein. Möglichst sparsam, ich bin hauptsächlich allein und in der Stadt unterwegs. Da ich gelegentlich auch mal Autobahn fahren muss, sollte es nicht in der Microklasse von Smart und Aygo sein, sondern eins drüber. Ganz doof aussehen sollte es nach Möglichkeit auch nicht.

Damit, man glaubt es nicht, habe ich bereits Anforderungen definiert, die kaum ein Wagen sinnvoll umsetzt.

Ich hätte es ja echt nicht gedacht, aber anscheinend haben die Automobilhersteller die letzten 15 Jahre mit dem Kopf im eigenen Rektum verbracht.

1. Verbrauch.
Während das Öl immer knapper wird, bauen die kleine Autos, die Verbräuche jenseits von gut und böse haben. Vielleicht sind die Motoren effizienter geworden, aber das wird wieder aufgefressen, weil die Autos mehr wiegen – neben der Sicherheitstechnik braucht ja jede kleine Kasperbude heute drei Klimanlagen und Gedöns. Kleinwagen von der Größe eines Polo verbrauchen immer noch 6 bis 9 Liter. Das ist Inakzeptabel. Früher war immer die Rede vom DreiLiterAuto. Wo ist das? Nicht in Sicht. Stattdessen verbrauchen die Kisten heute immer noch genauso viel wie mein jetziges Auto, und das ist 15 Jahre alt.

2. Aussehen
Alles, was in den letzten 10 Jahren rausgekommen ist, sieht furchtbar und gleich aus, vieles sogar ausgesprochen peinlich. Da gefällt mir exakt gar nichts. Man merkt halt einfach, dass alle Hersteller die gleiche Bezier-Software zur Gestaltung der Karosserien verwenden. Was natürlich keine Entschuldigung für einen Fiat Multipla ist, aber wie der passieren konnte, weiß ja eh niemand.

Es gibt noch ein drittes Problem, aber das liegt nicht bei den Autoherstellern, sondern bei mir. Ich bin nämlich verwöhnt. Das Kleine Gelbe AutoTM ist das, was die Engländer gerne als Hot Hatch bezeichnen. Eine Kiste, die nach Serie aussieht, aber deutlich anderes unter der Haube hat.

Seat Leon 20V Turbo, der BMW-Killer. Bildquelle: Nicht von mir.

Seat Leon 20V Turbo, der BMW-Killer. Bildquelle: Nicht von mir.

Das KGA ist ein Seat Leon. Der Spanier kommt aus dem VW-Baukasten, ist aber eine ganz besondere Zusammenstellung. Er basiert auf der Bodengruppe des VW Golf IV, die wertige Innenausstattung mit guten Sitzen kommt vom Audi A3, und das Fahrwerk und der Motor von einem Audi TT für Fortgeschrittene: Ein turbobeatmeter Zwanzigventiler mit 180 PS, der das Gelbe Dings in 7,7 Sekunden auf 100 bringt und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 Km/h bringt. Der Leon 20VT “Top Sport” ist so selten, dass die Lehrlinge zum Anschauungsunterricht zusammengerufen werden, wenn der Wagen in die Werkstatt rollt. Um Gewicht zu sparen, verfügt der Wagen dafür über keinerlei Extras, sieht man von einer Sitzheizung ab. Keine Klimaanlage, kein Bordcomputer, nicht mal elektrisch einstellbare Außenspiegel. Das spart Gewicht.

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Diese Hot Hatch-Austattung sorgt dafür, dass das Kleine Gelbe AutoTM bis auf die geringere Bodenfreiheit aussieht wie ein Serienfahrzeug mit 60 PS, aber so unglaublich viel Leistung freisetzen kann, das 90 Prozent aller Spinner auf der Autobahn nur noch die Rücklichter sehen. Ich fahre meistens zügig, aber sinnig. Aber wenn ich mal mehr Leistung will, kommt die sofort – Der Wagen hängt am Gas und explodiert förmlich, wenn man das Pedal durchtritt. Dabei liegt der Wagen wie ein Brett auf der Straße und wird immer ruhiger, je schneller er fährt. Da wackelt und klappert nichts, weder im Innenraum noch sonstwo. Noch schneller als er beschleunigt steht er auch wieder: Die Bremsen des Leons sind griffig, ein Tipp und die Kiste steht. Wenn ich mal andere Wagen fahre, bin ich immer wieder überrascht was für lange Wege die Bremspedale haben und wie gering die Bremsleistung ist.

Das hat nun leider echt dazu geführt, dass ich so schäbig verarbeitete und untermotorisierte Autochen nicht mehr ertrage. Ein 55 PS Seat IBIZA der Einstiegsklasse klappert, wackelt, fällt gefühlt in Kurven fast um und braucht ewig, um in den Quark zu kommen und noch ewiger zum Bremsen. Damit sind wir also bei Problem drei und vier:

3. Verarbeitung
Was viele Hersteller im Kleinwagensegment zusammenpfriemeln ist eine ziemlich Unverschämtheit. Viel Mühe geben sich z.B. die Koreaner, aber was bei Opel, Seat, Skoda und Konsorten angeboten wird, ist in Punkto Qualität und Schalldämmung auf einem Niveau mit einem Trabant.

4. Leistung in Relation
Hey, ich habe nichts gegen wenig PS. Mein Golf I hatte auch nur 55 PS, aber die Kiste wog auch nur 800 Kilo und war daher sehr agil. Heute sind nahezu alle Autos irrsinnig schwer und die Einstiegsklasse im Verhältnis untermotorisiert – und trotzdem sind die Verbräuche zu hoch. Muss man auch erstmal hinkriegen, so eine Fehlkonstruktion.

Wir fassen zusammen: Ein neues Auto wird in absehbarer Zeit gebraucht, und überraschenderweise gibt es wenige Wagen, die meinen ästhetischen und ökonomischen Ansprüchen gerecht werden. Dennoch: Die Suche beginnt jetzt. Und wenn ich mir ansehe, was so an rotnasigem Verkaufspersonal in Autohäusern unterwegs ist, dann wird da noch der ein oder andere lustige Artikel bei rausspringen.

 
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Verfasst von - 21. September 2014 in kleines gelbes Auto

 

Abgrund Schuhe kaufen (III): Die Erlösung

Wir erinnern uns: Meine Lieblingsabenteuerschuhe haben mich über die Straßen von London, Barcelona und anderen Traumstädten sowie drei Jahre im Alltag ständig begleitet. Nach vielen Reparaturen haben die BamaTex dann aber letztlich den Weg allen Irdischen genommen.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Die Suche nach Ersatz gestaltete sich überraschend schwierig: Stabile Halbschuhe mit Mebran und Stadt-/Landtauglicher Sohle in dezenter Farbe in 41 waren im Einzelhandel quasi nicht zu bekommen. Letztlich entschied ich mich dann für diese hier von Ecco.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Ganz glücklich wurde ich in den kommenden Wochen damit aber nicht. Die Eccos erwiesen sich als Panzer: Mit 500 Gramm als recht schwer, außerdem ist die Sohle sehr steif und an der Ferse ist eine “patentierte Fersenhalterung”, die bei längerem Tragen scheuert. Außerdem schwitzt der Fuß, trotz GoreTex-Membran, wie irre.

Bei meiner langen Suche war ich noch über ein zweites Modell von Ecco gestolpert. Leichter, eleganter, auch mit Membran. Und in einem Anfall von Kaufrausch und Verzweifelung legte ich mir auch die zu.

Ecco light drei: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt trotz Membran.

Ecco light III: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt, trotz Membran.

Elegant sind sie, leicht zu tragen auch, und eine kleine scheuernde Stelle am Zeh, das läuft sich sicher noch ein. Aber: Auch in diesen Schuhen ist der Fuß nach kurzer Zeit nass. Das muss man auch erstmal hinbekommen: Eine echte Goretex-Membran verbauen und dann trotzdem Schwitzkästen aus den Tretern machen.

Meine Verzweifelung war mittlerweile noch größer, denn die nächsten, langen Fußstrecken stehen kurz bevor und keine meine Neuerwerbungen ist dafür tauglich.
Heute nun kam ich an der örtlichen Reno-Filiale vorbei, die zuvor wochenlang wegen Umbaus geschlossen war. Das Ganze war wie eine Erlösung in zwei Stufen: Zunächst die Erfahrung, dass es doch noch fähige, freundliche Verkäuferinnen gibt.

Und dann fand ich im Regal ein paar BamaTex, die die Ur-Enkel meiner Lieblingsschuhe sein müssen. Die Sohle ist identisch, die Form ähnlich, und die Farbe exakt so, wie Abenteuerschuhe sein müssen.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Die Sohle ist identisch.

Die Sohle ist identisch.

Beim Reinschlüpfen war es so, als ob meine Füße ein wohliges und erleichtertes “aaah” von sich geben würden. Die Schuhe passen perfekt. Bis auf eine Stelle am Zeh, aber das war bei den anderen auch so und trägt sich ein. Klimatechnisch sind die auch spitze, da schwitzt nichts. Mit 400 Gramm sind sie sehr leicht, und preislich kosten sie nur zwei Drittel eines Ecco-Paares.

Ich werde mir wohl wirklich gleich ein zweites Paar zulegen und die auf Lager halten. Allerdings erst nächsten Monat, in diesem habe ich – durch die, nunja, mehr oder weniger ungeeigneten Käufe, über 300 Euro für Schuhe ausgegeben. So viel habe ich die letzten 8 Jahre zusammen nicht für normale Schuhe ausgegeben. Aber egal, dafür bin ich jetzt wieder für jede Gelegenheit ausgestattet, und die neuen Bamas machen mich gerade sehr glücklich.

Die nächsten Städtetouren können kommen.

 
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Verfasst von - 20. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

501 Black

//Modeblogmodus an
Bei Jeans kommt bei mir nur eine in Frage: Die 501 von Levis. Seit Jahrzehnten ein unverwüstlicher Klassiker, die Essenz von allem, was eine Jeans ausmacht, zeitlos und passend zu allem. Kennt man Bundweite und Beinlänge, kann man die 501 kaufen ohne sie anzuprobieren – sie passt immer.
// Modeblogmodus aus

Jaja, wenn das man so wäre. Tatsächlich trage ich das Modell seit Jahren, weshalb sich hier eine veritable Kollektion an 501 in unterschiedlichen Verfallsstadien angesammelt hat. Einige sind im Geschäft gekauft, andere über Onlinehändler, wieder andere gebraucht. Was mir immer schon aufgefallen ist: Die Größe unterscheidet sich eben doch. Ich hatte das darauf geschoben, dass die gebrauchten mal zu heiß gewaschen wurden o.ä. Aber weit gefehlt – tatsächlich ist es so, dass an dem zeitlosen Klassiker alle paar Jahre Modelländerungen gemäß dem Modegeschmack vorgenommen werden – und das auch noch je nach Markt unterschiedlich. Das erklärt nicht nur den unterschiedlichen Sitz, sondern auch die stark unterschiedliche Haltbarkeit.

Amazon verkauft z.B. neue 501 ganze 30 Euro billiger als in deutschen Geschäften. Dafür ist deren Stoff leichter, Labels sind anders und die Größe ist etwas labberiger. Es handelt sich aber definitiv um Originalware – nur vermutlich in einem anderen Markt eingekauft.

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Ich habe genau EINE 501, die seit 10 Jahren hält und perfekt passt. Sie besteht aus schwerem Stoff und ribbelt nirgends auf, wie ihre ausgefranzsten Schwestern. Das ist meine Abenteuerjeans, die alles mitmacht und die vor allem auf jede Reise mitkommt. Mit einer schwarzen Jeans ist man immer richtig gekleidet – egal ob man in den Bergen rumklettert oder ins Theater will. Selbst einen Motorradsturz hat sie schon überstanden. An einer Stelle am Knie ist der Stoff etwas rauer, dort, wo das Gewicht von Motorrad und mir drauf lag, als wir über den Asphalt geschlittert sind.

Diese 501 hält alles aus, allerdings bleicht sie im Laufe der Zeit aus – aber diese spezielle Jeans hat es sich verdient, dass sie alle zwei Jahre in der Waschmaschine nachgefärbt wird. Jetzt war es mal wieder an der Zeit. Und, was soll ich sagen?

Sieht aus wie neu, siehe oben. Black is beautiful.

 
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Verfasst von - 11. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

My Blog is my Castle

Laura ist wieder da (was mich sehr freut!), und sie macht sich in ihrem Blog HowlAtTheMoon Gedanken über “Wenigerwertbloggen”, als dass das klassische vor-sich-hinbloggen mittlerweile von manchen wahrgenommen wird. Aus einem Kommentar bei Laura ist dieser Blogeintrag entstanden, weil ich ohnehin schon länger Lust hatte, das mal aufzuschreiben.

Es stimmt schon, die Blogszene hat sich verändert. Gefühlt, und nicht durch Fakten belegt, würde ich sagen: Vor ca. 10 Jahren probierten viele Menschen Blogs mal aus, kamen aber über ein “Hallo Welt” kaum raus. Ansonsten hatten viele Blogs Tagebuchcharakter. Sie dienten zum Festhalten von Trivialitäten. Die Masse der Bloggenden waren Teenager oder Twentysomethings. Zeiten ändern sich, und spätestens wenn Kinderkriegen, Hausbau oder Karriere ansteht, bleibt keine Zeit mehr für´s bloggen. Oder die Lust lässt nach, immer das gleiche zu machen.

Dazu kamen Plattformen wie Studi.VZ (lacht nicht), dann Facebook, Instagram, Twitter, Tumblr, Youtube oder auch FourSquare (RIP). Die Trivialitäten des Alltags, die vorher, wenn überhaupt, in Blogs stattfanden, wurden von diesen Plattformen aufgesogen. Essensfotos zu Instagramm, “OMG ich geh ins Kino” auf FourSquare, Lebenseinträge auf Facebook, Anleitungen auf Youtube.

Blognutzung wandelt sich, und Blogs suchen sich ihre Nischen. Dabei hat sich die Art des Bloggens geändert. Laura weist zu Recht darauf hin, dass heute wenig persönliches verbloggt wird, dafür gibt es eine große Anzahl an Blogs die “Service” bieten, oft in Form von Kosmetik- und ModeTips, und das zu monetarisieren versuchen.

Wenn ich mir meinen Feedreader so ansehe, stimmt das absolut. Zwei Drittel aller Streams kommen aus Blogs, die sich auf irgendwas spezialisiert haben und was mich interessiert. Und das ist super. Blogger haben mehr Zeit als Journalisten. Sie beschäftigen sich gerne und über die Jahre mit einem Thema und können viel besser über ihre Nische schreiben als jeder Bezahlautor.

Feld-, Wald- und Wiesenblogs, wie das hier, gibt es nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Jahren. Dabei hat auch dieses Blog Veränderungen durchgemacht. Gut, das Wiesel war von Anfang an da und geht wohl auch nicht mehr weg, aber ansonsten haben sich die Inhalte gewandelt. Begonnen hat es als reines Tagebuch im Stil von Reality-Bloggern wie dem Supermarktblog, durchsetzt mit Filmkritiken und Spaßquatsch, dann wurde es zur Anlaufstelle Nr.1 in Deutschland für alle Fragen rund um PlasticRock (so lange, bis wir PlasticRock.de gegründet haben), und in den letzten Jahren drehte sich viel um Reisen.

Ich betrachte mein Blog als eine Art Tagebuch. Was bleibendes. Anders als Facebook, Twitter und co, die mir immer wieder wie ein reissender Fluß vorkommen: Man wirft seine Gedanken hinein, wusch, sind sie weg und irgendwie verloren, nicht mehr auffindbar. Im Blog sind sie sicher aufbewahrt. Hier werden Erinnerungen, Situationen und manchmal auch Gefühle abgelegt, so wie man sorgfältig Fotos, gepresste Blätter und ähnliches in ein Buch klebt. Und so wie ich mich ändere, ändern sich auch die Bloginhalte. Ob das andere interessiert oder nicht. Aber ein “wenigerwertbloggen”? Das gibt es nicht. Zum Glück.

 
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Verfasst von - 10. September 2014 in Betrachtung, Meta

 

Wollnwa – Wollnwanich

Im Radio zwei aufeinanderfolgende Meldungen gehört und aus dem irren Kichern nicht mehr rausgekommen.

1. Straßenmaut – WOLLNWA, bollert die CSU. Außer ihr will die aber niemand, die EU nicht, die Länder nicht, und auch die CDU auf Bundesebene nicht, weshalb das Finanzministerium einen Bericht an die Presse hat durchsickern lassen, nachdem die Maut nicht wirtschaftlich sei. Ja mei, selbst nach den optimistischsten Modellen der CSU bringt die Maut nur 550 Millionen. Bei dem, was unsere Infrastruktur bräuchte, ist das ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Projekt sollte so schnell wie möglich beerdigt werden. Hier machen sich aktuell gerade ALLE Beteiligten zum Horst. Der heißt mit Nachnamen Seehofer und hat Angst das Gesicht zu verlieren. Peinlich.

2. Ein dänisches Institut hat im Auftrag des Finanzministeriums ein Gutachten erstellt. Ergebnis: Wenn wir in Deutschland eine Finanztransaktionssteuer einführen, bleiben nach Abzug aller Kosten 88 Milliarden an Mehreinnahmen über. Oh, jammern da Konzerne und konservative Parteien, aber was, wenn dann alle, alle den Finanzstandort Deutschland verlassen und nach London gehen? Tja, sagen die Dänen, Wenn wirklich ALLE großen Konzerne weggehen, dann sinken die Mehreinnahmen auf 17 Milliarden. Das ist der Worst-Case. Siebzehn Milliarden. Die Bundesregierung hat bislang die Hälfte davon als Best-Case geschätzt. WTF? Kann man nur vermuten, dass intern die Anweisung herrscht: WOLLNWANICH.

Und DAS,liebe Kinder, ist der Grund, dass extreme Parteien so einen Zulauf haben. Nicht, weil die Wähler sich mit denen identifizieren würden, sondern weil auf Bundesebene nur noch Kasperquatsch im Interesse der Wirtschaft gemacht wird.

 
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Verfasst von - 9. September 2014 in Politik

 

Bumm-Bumm-Bumm

BUMM. BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMBUMM.

Das Haus, in dem ich wohne, ist über die Jahrzehnte und Jahrhunderte zig mal umgebaut und erweitert worden. Der Westflügel meiner Wohnung, in dem das Arbeitszimmer und die Küche liegen, sind noch Bestandteil des alten Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert. Niedrige Decken, Holzfußboden, tolles Raumklima durch Lehmwände.

BUMM. BUMM. BUMMBUMM.

Der Ostflügel, in dem Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer ist Teil eines Neubaus aus den 1970er Jahren, zumindest zum Teil. Das Badezimmer liegt in einem Anbau aus den 1890er Jahren. Höhere Decken, andere Wände, Parkettfußboden. Die Umbauten sorgen dafür, dass alles herrlich verwinkelt ist. Alle Wohnungsteile gehen mit kleinen Stufen ineinander über, und allen ist gemein, dass ihre Decke mal das Dach war, den das Stockwerk über mir ist erst in den 1980ern draufgebaut worden. Die dicke Decke ist der Grund, weshalb ich von der Wohnung über mir so gut wie nichts mitbekomme. Bis jetzt.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMMBUMMBUMMBUMMBUMM. SCHEPPER.

Vor sechs Wochen sind in der Wohnung über mir neue Mieter eingezogen. Dem Vernehmen nach ein junges Paar. Gesehen habe ich sie noch nicht. Also, vielleicht schon, während des mehrtägigen und mehrnächtigen Umzugs tobten hier ein Dutzend Helfer durchs Haus, und dem ein oder anderen stand ich dann schon mal gegenüber. Da die aber nur dullig glotzten und sich nicht vorstellten, weiß ich nicht, ob einer von denen zur neuen Nachbarschaft gehört. Wie auch immer: Allein durch die Lautstärke des Umzugs und das nächtliche Möbelrücken habe ich schon einen ziemlich unguten Eindruck bekommen. Aber egal, dachte ich mir, so ein Umzug ist irgendwann vorbei, irgendwann steht auch das letzte Möbelstück an seinem Platz, und dann kehrt wieder Ruhe ein.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM.

Tja, verkehrt gedacht. ER ist nämlich ein Trampeltier vor dem Herrn. Ich habe echt gedacht ich höre nicht richtig, als ich von einer Dienstreise zurück kam, abends auf die Couch sank und wieder hoch schreckte, als es plötzlich BUMM machte und die Gläser im Schrank klirrten. Ohne scheiß – in der Wohnung über mir trat jemand so fest auf, dass ich nicht nur den Fußtritt hörte, sondern die Erschütterungen spüren konnte. Der junge Mann hat einen so dermaßen festen Tritt, als ob er den Fußboden hasst und ihn das mit jedem Schritt spüren lassen will.

BUMMBUMMBUMMBUMM. BUMM-BUMM. BUMM-BUMM.

Wenn er durchs Treppenhaus geht, ächzt und stöhnt das Holz der Stufen unter seinen Schritten und es klingt, als wenn gleich alles zusammenfällt. Dazu kommt noch eine andere Eigenart: Der Typ sitzt nicht still. Der kommt Abends nach Hause und beginnt in seiner Wohnung auf und ab zu laufen, und hört damit in den nächsten drei bis fünf Stunden nicht mehr auf!
Man stelle sich das mal vor: KEINE. SEKUNDE. PAUSE.
Immer durch die Wohnung, BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von links nach rechts, dann wieder BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von rechts nach links. Was soll das? Warum macht man das?

Mein Problem dabei: Ich konnte mich nicht dazu durchringen was zu sagen. Ist ja nicht so, dass die da oben die ganze Nacht Party machen würden. Das ist halt der normale Tritt des Typen. Vielleicht waren auch die Vormieter einfach besonders leise und ich daher von Ruhe verwöhnt? Obwohl… selbst durch die Gegend springende Kinder waren da oben nicht zu hören. Ich war im Zweifel… Kann man das echt bringen, zu klingeln und zu sagen: “Hallo, ich bin ihr Nachbar, und können´se mal aufhören hier rumzutrampeln wie ein Geistekranker?” Vielleicht würde ich mich ja auch dran gewöhnen, dachte ich.

Über die letzten Wochen ist dann was ganz erstaunliches passiert. Ich wurde porös. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich entwickelte mich zu einem buckligen, bösartigen Nachbarnhasser. ALLES an den neuen Nachbarn nervte mich. Das Auto, ein oft geflickter Polo aus den 80ern, das direkt vor dem Haus parkt? Eine rollende Asikiste, und die Fahrer sind zu faul drei Schritte zu Fuß zu gehen. Die Restmülltonne voller Alkopop-Flaschen? Versoffenes Pack, dem noch niemand das Konzept der Mülltrennung erklärt hat. Die Fleischreste in der Biotonne? Widerliche fleischfressende Vollidioten, die Ratten für erstrebenswerte Haustiere halten. Die laute Waschmaschine, die gerne mal um kurz vor 22 Uhr angestellt wurde? Zu bequem das Ding richtig hinzustellen, und von Nachtruhe haben die auch nicht nichts gehört.

Dazu kamen die ausgedehnten Öffnungszeiten der Trampelbude, denn das Tier arbeite wohl im Schichtdienst und schlief tagsüber. Damit blieb mehr Zeit um Nachts bis um halb Eins, Morgens dann wieder ab 05.30 Uhr rumzutrampeln.

Es war, als hätte das dauernde Getrampel nicht nur an meinen Nerven gesägt, sondern auch jegliche Verständnis und Toleranz aus mir rausgeschüttelt und einen hässlichen Prinzipienreiter in mir geweckt. Ich konnte die Leute nicht ausstehen, und dabei hatte ich sie noch nichtmal gesehen, geschweige denn kennengelernt! Das machte mir selbst ein wenig Angst, und so beschloß ich die Mördergrube, die mein Herz mittlerweile war, zu öffnen. Vorgestern war es soweit. Ich hatte tagelang überlegt wie ich es formulieren sollte, und hatte am Ende eine leicht verständliche, nicht sarkastische und freundliche Variante von “Hörense auf rumzutrampeln wie ein Elefant” gefunden. Trotzdem war ich ein wenig nervös, aber der Vorsatz stand: Ich musste das jetzt ansprechen, sonst würde ich noch an meinen eigenen, giftigen Gedanken ersticken. Oder zu einem Blockwart oder ähnlich schlimmen mutieren.

An der Haustür fing mich an diesem Abend meine Vermieterin ab. Die alte Dame hatte eine Trauermiene aufgesetzt. Im ersten Moment dachte ich, dass etwas mit ihrem schwerkranken Mann sei. “Nein, mit dem ist alles in Ordnung”, sagte sie. “Aber haben sie es noch nicht gehört? Die von oben, die ziehen wieder aus.” Ich starrte sie mit offem Mund an.
“Die hatten noch nie davon gehört, dass zur Miete auch Nebenkosten kommen, und jetzt stellt sich raus, dass sie sich das nicht leisten können. Stattdessen ziehen sie wieder zu ihren Eltern”, sagte die Vermieterin und schüttelt den Kopf. “Manche denken auch nicht für zehn Pfennig nach. Und ich habe jetzt den Ärger mit dem Mieterwechsel, ach, ach, ach.”

Vielleicht bin ich wirklich ein schlechter und verbiesterter Mensch. Vielleicht bin ich nicht besser als die kleinkarierten Knöllchenhorsts dieser Welt. Vielleicht steckt das aber in jedem von uns, und es ist die Kunst, den inneren Blockwart und Paragrafenreiter im Zaum zu halten. Wie auch immer. In dem Moment, als ich diese Nachricht hörte, tat mein Herz einen kleinen Freudensprung. Seitdem habe ich unkontrolliert gute Laune, und wenn es wieder BUMM-BUMM-BUMMert, lächele ich still vor mich hin und denke: Nicht mehr lange…

 
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Verfasst von - 7. September 2014 in Betrachtung, Gnadenloses Leben

 

Gefahrenstoffel

Strickjacke über Amazon bestellt.
Passt nicht.
Kein Drama, kann man ja zurücksenden. Müsste man denken.

Rücksendeantrag nicht möglich, sagt Amazon, weil:

“Aus Sicherheitsgründen können Artikel, für deren Betrieb Batterien oder leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase benutzt werden oder die als Gefahrengut klassifiziert sind, nicht an Amazon.de zurückgegeben werden.”

2014-09-04 19_45_44-Amazon.de - Rücksendezentrum

Öh. Aha. Na gut, dann schreibe ich dem Amazon halt mal:

Bei dem Artikel handelt es sich um eine Strickjacke. Ich habe sie sorgfältig geprüft, sie enthält keine leicht entflammbaren Flüssigkeiten oder Gase und benötigt auch keine Batterien. Diese skurrile Meldung taucht nur bei Größe 48 des Artikels auf. Wie kann ich einen Rücksendeantrag an den Verkäufer richten?

Worauf sich Amazon prompt für nicht zuständig erklärte. Eine Mail an den Verkäufer wurde allerdings prompt telefonisch bearbeitet. Herrliches Telefonat, denn der gute Mann sprach in schnellem sächsisch Sätze wie “Das kennen was schon von Amazon, diese Matschbirnen und Flitzpiepen kriegen das einfach nicht auf die Reihe”. Ich musste echt ein Lachen ob des sächselnden Gemütsausbruchs unterdrücken. So sorgt man für gute Laune bei Käufern :-)

 
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Verfasst von - 5. September 2014 in Gnadenloses Leben

 
 
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