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Archiv der Kategorie: Betrachtung

Nachtrag

Kleiner Nachtrag zum gestrigen Artikel: Der Mißbrauch der Geschehnisse in Paris zur Durchsetzung eigener Ziele ist nach wie vor in vollem Gange. Sogar der ewige Wiedergänger “Kriminologe” Pfeiffer kommt aus seinem Loch gekrochen und nutzt die Attenate als Werbung für seine
“Expertisen”: Es sei denkbar, dass sich die Attentäter virtuell am Töten berauscht hätten. Und wo? Auch das weiß Pfeiffer: In World of Warcraft. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Ernstzunehmender sind die lautstarken Forderungen der Politik, die Überwachung der Bevölkerung zu verstärken und Verschlüsselung zu verbieten oder einzuschränken, denn sicherlich wurden nur dadruch die Anschläge möglich.

Und was stellt sich nun heraus? Die Attentäter von Paris nutzten weder Apples verschlüsseltes Nachrichtensystem noch kommunizierten sie über den Gamechat der PS4. Sie nutzten gar keine verschlüsselte Kommunikation.

Sie verwendeten SMS.

Ganz einfache, doofe, unverschlüsselte SMS. Die wird in Frankreich schon lange, und nun auch hierzulande inklusive der Inhalte, also im Volltext, von den Geheimdiensten abgegriffen. Vielleicht einfach mal im Hinterkopf behalten, wenn das nächste Mal die Aufstockung der Überwachungsmaßnahmen mit Paris begründet wird.

 
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Verfasst von - 19. November 2015 in Betrachtung

 

Paris Aftermath

Vor einem Jahr erlebte ich Paris als offene, unbeschwerte Stadt – ganz anders als London, wo man sich schon wie in einem Polizeistaat fühlt, weil die Sicherheitsmaßnahmen komplett überdreht sind und mit Ernsthaftigkeit am Rande zur Hysterie betrieben werden. Paris dagegen war angenehm locker und entspannt.

Das es damit vorbei sein würde, war mir schon im Januar klar, als erste Anschläge stattfanden. Spätestens jetzt, nach Bombenattentaten und Geiselnahmen mit 130 Toten, ist sicher, das Paris eine dunkle Zeit bevorsteht.

Ausgerechnet der französische Präsident Francois Hollande, bislag nicht als Hardliner aufgefallen, verhängte sofort den Ausnahmezustand, schloß die Außengrenzen und kündigte harte Reaktionen an. Als nächstes bringt er Gesetzentwürfe ein die den Ausnahmezustand praktisch unbegrenzt verlängern und fordert mehr Überwachung. Dazu verkündet Hollande, dass Frankreich im Krieg sei, und belässt es nicht nur bei dieser Rhetorik, sondern ruft den EU-Bündnisfall aus.

Ich finde die aktuellen Entwicklungen so unfassbar, dass ich aktuell mit hängender Kinnlade daneben stehe.

Wie kann es sein, dass der Präsident eines europäischen Landes so unbeherrscht reagiert? Es muss doch klar sein, dass gegen Gruppen wie den IS kein echter Krieg geführt werden kann. Es handelt sich dabei nicht um einen Staat oder ein Land, dass man bombardieren oder in das man Einmarschieren könnte. Das wissen sogar die USA, weshalb sie sich weigern, Bodentruppen in Syrien einzusetzen.

Der IS ist in allererster Linie eine Idee und eine Ideologie, und Ideen kommt man nicht mit Bomben und Schußwaffen bei. Das sollte die Lehre aus der Geschichte sein, in der noch nie ein Krieg gegen Guerillas gewonnen wurde. Das sollte aber auch die eigentliche Lehre aus den Attentaten sein. Versucht man die Ausbreitung einer Idee mit Bomben zu stoppen, wie Frankreich und die USA es seit einem Jahr in Syrien tun, bringt man auch unbeteiligte Menschen in eine so verzweifelte Lage, dass sie verzweifelte Taten begehen.

Militärische Kriegsführung gegen den IS ist keine Handlungsoption, und dass das überhaupt in Erwägung gezogen und als Lösung verkauft wird, ist erschreckend.

Mindestens ebenso erschreckend sind die Versuche, die Attentate für die eigene Agenda zu instrumentalisieren. In Großbritanninen versucht David Cameron, seine auf Gedankenpolizei hinauslaufenden Gesetze jetzt im Schnellverfahren durchzupeitschen, weil nach Paris ja besondere Dringlichkeit geboten ist. In den USA nutzt man die Gunst der Stunde, um die unliebsamen Techkonzerne als Helfer des Terrorismus darszustellen, und entblödet sich nicht mal,die Playstation als Werkzeug von Terroristen darzustellen.

Hierzulande stehen die konservativen Politiker dem in nichts nach. Es vergingen nur wenige Stunden, bis lautstarke Einzeltäter ihre eigenen Begehrlichkeiten an die Ereignisse knüpften, angefangen bei der Forderung zur Schließung der Grenzen bis hin zur Forderung nach mehr anlassloser Überwachung der Bevölkerung. Die zynische Schlußfolgerung: Wenn die Überwachung von Telefon und Internet, die in Frankreich umfangreicher erfolgt als in Deutschland, die Attentate nicht verhindern konnte, dann muss eben NOCH MEHR überwacht werden. Wie Schmeißfliegen, die ihre Eier in Kadaver ablegen, heften Politiker ihre eigenen Forderungen an die Toten von Paris. Widerlich.

Die Spirale dreht sich weiter. Militärisches Eingreifen wird weiter Attentate nach sich ziehen, und zur Steigerung der gefühlten Sicherheit werden Grundrechte weiter eingeschränkt. Ich kann nur hoffen, dass sich nach einem Abklingen der ersten Welle aus Trauer und Wut genügend aufrechte Menschen finden, die die Kriegsretorik als das entlarven, was sie ist: Ein Placebo. Aufrechte Menschen wie Jens Stoltenberg, den norwegischen Ministerpräsidentwn, der nach dem Attenat von Utoya sagte:

„Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.“

 
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Verfasst von - 18. November 2015 in Betrachtung, Politik

 

Lage der Welt, kurz kommentiert

Herr Silencer zur Lage der Welt:

VW hat betrogen. Millionen Dieselfahrzeuge produzieren viel mehr Schadstoffe als erlaubt. VW-Chef Winterkorn tritt zurück.
Merke: Wenn Ferdinand Piech jemanden weg haben will, dann kommt der auch weg.

Großkonzerne, die bescheißen? Wo gibt es denn sowas?
Ab einer gewissen Unternehmensgröße, -ausrichtung und Beförderungskultur wird Beschiss zum Bestandteil der Unternehmenskultur. Und Technologie ist selten so sauber, wie die Unternehmen gerne glauben machen. Bevor hier noch jemand überrascht ist: Das Fracking der Ölkonzerne vergiftet Grundwasser und löst Erdbeben aus. Lebensmittelkonzerne privatisieren Wasser und importieren es von Afrika nach Europa. Softwarekonzerne klauen Technologie und setzen sie ohne Rücksicht auf Endkunden ein. Das ist so, in der Welt.


Die Bundesregierung hat vom Abgasskandal gewusst.

Wenn schon diejenigen, die die Gesetze machen (VW) davon wussten, wieso nicht auch die Exekutive (Bundesregierung)? Die beiden liegen doch ohnhin im selben Bett, solche kleinen Geheimnisse flüstert man sich postkoital ins Ohr.

Donald Trump fährt bei den Wahlen in Amerika riesige Erfolge ein. Wird der polternde Wischmop jetzt Präsident?
Natürlich nicht. Das sind erst die Vorwahlen, die bestimmen, wer als Kandidat der Parteinbündnisse überhaupt zur Päsidentschaftswahl antreten darf. Auch, wenn Pöbel-Donald hier mediale Aufmerksamkeit erfährt: Präsidentschaftskandidaten werden in den USA von Lobbyorganisationen gemacht. Ohne deren Rückhalt kann man noch so viel Geld haben, man wird nicht Präsident. Geniesst die Trump-Show, der ist harmlos.

Aber wer wird denn dann Präsident der USA?
Das kann man auf zwei Personen eingrenzen: Hillary Clinton und Jeb Bush. Einer von beiden wird es, aber wer, lässt sich vorher nicht sagen. Anyway, Pest oder Cholera.

Flüchtlingskrise!
Ja, schlimm. Ich wusste, dass irgendwann Flüchtlingstreks von Afrika nach Europa ziehen werden. Dass das noch zu meinen Lebzeiten und aus diesen Gründen passiert, hätte ich nicht gedacht.


Woher kommt denn diese Krise?

Hausgemachtes, aus dem Jahr 1953. England und den USA gefiel damals nicht, dass in der Region und besonders im heutigen Iran (korr.) moderne, aufgeschlossene und selbstbewusste Gesellschaften entstanden. Also ermordete der CIA den demokratisch gewählten Staatschef und installierte die Diktatur unter dem Schah. Seitdem geht es da drunter und drüber, und nach wie vor tun westliche Staaten alles dafür, die Region zu destabilisieren. Merke: Wo immer der Westen sich in die Entwicklung anderer Staaten eingemischt hat, kommen am Ende Katastrophen raus (Vgl. Irak, Afghanistan, …)

Durch die EU geht ein tiefer Riss, wie man mit den Flüchtlingen umgehen soll.
Oh, und nicht nur bei dieser Frage ist man gespalten. Daran zeigt sich, dass nach der schnellen Osterweiterung keine weitere Integrationspolitik gefahren wurde. Man hat die Oststaaten mit ihrem tiefen Mißtrauen gegen die Welt allein gelassen, das rächt sich nun in Form von Trollen wie Orban.

Der Zustand von Europa ist gerade…
…ziemlich angeschlagen. War er vorher auch schon, denn die aktuelle Politikergeneration hat aus irgend einem Grund Europa als Gegeben angesehen und deshalb darauf rumgetrampelt und dagegen opponiert, als wäre es eine Festung. Ist es nicht. Europa ist ein fragiles Gebilde und ein wunderbares Projekt, aber keineswegs selbstverständlich und unverwüstlich. Das haben die Staats- und Regierungschefs zum Glück GESTERN NACHT auch mitbekommen. Immerhin. Wenn die sich jetzt mal zusammenreißen, kann Europa stärker als zuvor aus der Krise hervorgehen.

 
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Verfasst von - 24. September 2015 in Betrachtung

 

Meine Geschichte mit Amazon: Kaufverhalten im Wandel

Amazon-einkaufe

Shopping im Netz hat einen Namen: Amazon.
Was es bei Amazon nicht gibt, kann man vermutlich nicht kaufen.
Bei Amazon gibt es die besten Preise und die schnellste Lieferung.
Es gibt überhaupt keinen Grund woanders hin zu gehen.

Ja, ich weiß was Sie jetzt denken. Und Sie haben recht.

Diese Sätze sind nicht nur Quatsch, wenn man sie hinterfragt, sie sind auch gefährlich. Denn mit ihnen geht das Geständnis einher das es im Onlinehandel ein Monopol gibt, was aktuell nicht zu schlagen ist. Tatsächlich ist aber genau das die Realität. Es ist nun mal eine Tatsache, das Amazon DER Versandhändler im Netz ist. Selbst andere Onlinehändler bieten über die Amazon-Plattform an – skurrilerweise teils zu besseren Konditionen als in ihren eigenen Shops.

Schleichend ist Amazon als der Onlinehändler in immer mehr Bereiche meines Lebens eingesickert und heute nicht mehr wegzudenken. Würde mein Kundenkonto gesperrt, es wäre eine Katastrophe. Denn längst ist Amazon nicht nur die ultimative Shoppingmaschine, auch meine Musik und meine Bücher liegen in der Amazon-Cloud. Ohne Kundenkonto könnte ich nicht mal meinen eReader benutzen.

Obwohl es für mich persönlich so wichtig ist, weiß ich erstaunlich wenig über Amazon. Über das Unternehmen selbst erfährt man ohnehin nicht viel, aber auch über die andere Seite, MEINE Seite, weiß ich erstaunlich wenig. Seit wann bin ich eigentlich Amazon-Kunde? Und: Wie viel Geld gebe ich da aus?

Während sich die erste Frage noch leicht über einen Blick auf “Meine Bestellungen” im Kundenkonto beantworten lässt, rückt Amazon aggregierte Zahlen zur Anzahl von Bestellungen und ausgegebenen Summen nicht so einfach raus. Mit ein wenig Handarbeit am Browser und einem Skript, das sich die Infos aus Amazon zusammensammelt, kann man sich die Informationen aus Amazon zusammentragen lassen.

Ein Skript übernimmt den Browser und parst nacheinander alle alten Amazon-Bestelljahre durch. Anders bekommt man keine vollständige Bestellübersicht.

Ein Skript übernimmt den Browser und parst nacheinander alle alten Amazon-Bestelljahre durch. Anders bekommt man keine vollständige Bestellübersicht.

Das habe ich mal auf mich genommen, und am Ende hatte ich eine Liste mit einer kompletten Kundenhistorie in den Händen. Die Spurensuche darin fördert die Geschichte eines Konsumwandels zu Tage.

Mein Leben aus der Sicht von Amazon

Laut meiner Bestellübersicht bin ich seit 2001 Kunde bei Amazon. Am 5. Februar 2001 kaufte ich den Film “Dogma”, den UK-Importfilm “Wyrd Sisters” und die Titelmusik der TV-Serie “Angel” auf CD. Alles Dinge, die man im Einzelhandel nicht kaufen konnte.

Das erste Buch folgte kurz danach, eine englische Originalfassung. DamalsTM gab es im deutschen Buchhandel nahezu ausschließlich Übersetzungen zu kaufen. Bücher im Original mussten umständlich über spezielle Händler bestellt werden, und oft klappte die Bestellung gar nicht oder es dauerte Wochen, bis die Lieferungen ankamen.

Erstebestellung

Amazon war in den ersten Jahren primär meine Quelle für schwer erhältliche englische Bücher, sowohl für´s Vergnügen als auch für das Studium, sowie für DVDs, die nur im Ausland erschienen waren. Dabei blieb es dann auch erst einmal. Ich weiß, dass ich Anfang der 2000er Jahre sehr viele Bücher und Filme gekauft habe, aber anscheinend alle in Ladengeschäften. Amazon habe ich offensichtlich nur genutzt um Dinge zu kaufen, die in normalen Geschäften nicht oder nur schwer zu bekommen waren.

2003 stehen plötzlich medizinische Nachschlagewerke und Bücher über Homöpathie in der Bestellhistorie. Eine neue Frau mit Hang zur Esoterik ist in mein Leben getreten, und zu Weihnachten überrasche ich sie mit “Fachliteratur”. Mehr als 9 Bestellungen im ganzen Jahr sind es trotzdem nicht.

2005 sind es schon 20 Bestellungen, ein Drittel davon sind Weihnachtsgeschenke, ein Drittel Fachbücher zu BWL, Buchführung, Marketing – Einarbeitung in einen neuen Job. Privat entdecke den Schriftsteller Jasper Fforde und arbeite mich durch seine bisher erschienenen Bücher, schaue “Star Wars – The Clone Wars” und kaufe das Buch “Endlich Nichtraucher”. Bis ich es lese, werden weitere fünf Jahre vergehen.

2006 bestelle ich am Stück 12 Bände von Neil Gaimans “Sandman”, 2007 wird die erste, gebrauchte Plastikgitarre für “Guitar Hero” angeschafft. Amazon versorgt mich primär mit Unterhaltung: Filme, Comics, Bücher, das ein oder andere Elektrozubehör, z.B. Kabel. Pro Jahr jeweils 20-30 Bestellungen.

Das ändert sich 2009, da schnellt die Anzahl auf 56 hoch. Das ist im Schnitt mehr als eine Bestellung pro Woche. Grund: Musikspiele, vor allem “Band Hero” und “Rock Band”. Ich begeistere den Bekanntenkreis dafür und organisiere Plastic Rock Parties, bei Amazon bestelle ich Erweiterungen und das nötige Zubehör.

Außerdem kaufe ich 2009 erstmals Musik als Downloads bei Amazon, auch das zählt als Bestellung. Im Juni 2009 habe offensichtlich “Endlich Nichtraucher” gelesen, denn ich bestelle den Folgeband “Für immer Nichtraucher”. Weil das mit dem Rauchen aufhören so gut geklappt hat, ordere ich noch ein halbes Dutzend anderer Ratgeberbücher, die aber bis heute ungelesen im Regal stehen.

Im nächsten Jahr, 2010, sind es schon wieder 50% mehr Bestellungen, jetzt schon 79. Zum ersten Mal bestelle ich Dinge des Alltags bei Amazon, vom Duschvorhang bis zum Sexspielzeug, auch Kleinmöbel sind dabei. Technik kaufe ich mittlerweile nur noch online, nachdem mich der örtliche Mediamarkt zum Boykott getrieben hat. Vom Speicherstick über eine Handyhalterung und PC-Bauteile bis hin zur Spielekonsole kommt jetzt alles von Amazon. Mein Kaufprofil lässt plötzlich sehr detaillierte Rückschlüsse auf meine Lebensumstände zu. Es braucht keinen superschlauen Algorithmus, ein Blick in meine Bestellungen des Jahres verraten fast alles über mich.

Das Profil wird immer detaillierter. 2011 sind es 119 Bestellungen, im Schnitt also mehr als zwei pro Woche. Die Lebensumstände ändern sich in dem Jahr gleich mehrfach Mal radikal. Ich ziehe zwei Mal um und entdecke den Spaß am Reisen. Die Bestellliste trägt dem Rechnung: Neben Herzschmerzmusik, Lampen und Möbeln stehen viele Reisebücher auf dem Bestellzettel. Außerdem das größte und schwerste Item, dass Amazon mir bis dato liefert: Eine Waschmaschine. Der Umsatz geht dadurch durch die Decke, erstmals lasse ich mehr als 3.700 Euro/Jahr bei Amazon.

2012 schlägt sich ein altes, neues Hobby im Kaufprofil nieder: Plötzlich steht Motorradkram und -literatur und jede Menge Reisezubehör in der in der Bestellliste. Auch Kleidung bestelle ich jetzt zum ersten Mal online, zunächst nur Shirts, ab 2013 dann auch Jacken, denn zu dem Zeitpunkt versagt der lokale Einzelhandel auch in der Beziehung.

Seither findet sich alles Mögliche in den Bestellungen: Bilder, Bücher, Filme, Musik, Klebstoff, Uhren, Kabel, alle Arten von Geräten, Bastel- und Baumaterial, Kleidung, Schuhe Dinge des täglichen Bedarfs… bis auf Nahrungsmittel habe ich schon so gut wie alles bei Amazon bestellt, und es wird jedes Jahr mehr.

2014 waren es 204 Bestellungen, im Schnitt also 4 pro Woche. Das muss man sich mal vergegenwärtigen: Von zwei Bestellungen mit 4 Items in 2001, sind es nun, 15 Jahre später, über 200 Bestellungen mit 240 Produkten. Der Durchschnittswert eines Produkts hat sich dabei wenig geändert, er zirkelt seit 2001 so um die 20 Euro.

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Was sich natürlich dementsprechend verändert hat ist der Umsatz, den Amazon mit mir macht. Von 89 Euro in 2001 auf fast 3.700 Euro in 2014.

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Insgesamt, und das hat mich wirklich erstaunt, habe ich in 15 Jahren fast 27.000 Euro bei Amazon gelassen, in 980 Bestellungen und für 1.280 Produkte. Schon interessant, dass mal so schwarz auf Weiß zu sehen. Ich hatte im Vorfeld überlegt, wie viel Geld ich im Laufe der Jahre bei und über Amazon wohl ausgegeben habe, und hatte weder eine Idee noch auch nur ein grobes Gefühl dafür.

Die Zahlen zeigen einen grundlegenden Wandel im Kaufverhalten auf. Ich gebe nicht unbedingt mehr Geld aus als früher. Gut, vielleicht ein wenig, aufgrund größerer Auswahl. Aber Ich gebe es jetzt vor allem woanders aus. Anfang der 2000er war das Ladengeschäft durch nichts zu ersetzen. Der Onlinehandel füllte lediglich die Lücken, die der Einzelhandel nicht füllen wollte oder konnte.

Aus diesen Nischen heraus wucherte das Onlinegeschäft in andere Bereiche hinein und war dort erfolgreich, weil es Mehrwert bot: Größere Auswahl, besserer Service, schnellere Lieferung, und oft auch bessere Preise – obwohl die bei mir selten der ausschlaggebende Faktor waren. Dazu entfallen gewisse Notwendigkeiten – ich muss nicht ins Auto steigen und losfahren, einen Parkplatz suchen, ins Geschäft gehen und dort feststellen, dass das Ding, was ich gerade brauche, ausverkauft ist. Oder noch schlimmer: Erst einmal zig Geschäfte abklappern und gucken, ob überhaupt eines das Gesuchte im Sortiment hat. Da ist der Griff zum Smartphone und die Onlinebestellung deutlich einfacher.

Das schlägt sich halt nieder. Nahezu alles, was ich benötige, kaufe ich online, und das zu 95 Prozent bei Amazon. Den örtlichen Einzelhandel frequentiere ich fast nur noch für den Kauf von Lebensmitteln, oder wenn ich auf der Suche nach was Besonderem bin. Das gefällt mir nicht besonders, denn prinzipiell finde ich lokale Infrastruktur super wichtig, und “nur” höhere Preise würden mich nicht davon abhalten in Geschäften zu kaufen. Aber der Einzelhandel wirtschaftet seit 15 Jahren an meinen Bedarfen vorbei, und das zeigt die Amazon-Historie sehr deutlich.

Highlights – Skurrile Bestellungen

2006 ein iPod hifi. Das war eine echt gute Lautsprecherkombination mit iPod-Dock:

2015-08-18 14_33_10-Apple iPod Hi-Fi Lautsprecher-System_ Amazon.de_ Elektronik

2010: Klodeckel

-BAMBUS WC-Sitz Toilettensitz Klodeckel Klobrille Natur_ Amazon.de_ Baumarkt

2011: Waschmaschine
2015-08-18 19_46_13-Whirlpool AWO 5446 Waschmaschine Frontlader _ AAB _ 1400 UpM _ 5 kg_ Amazon.de_

2013: Alkotester für Urlaub in Frankreich

Einweg Alkoholtest Alkomat Alkoholtester Alkotest Test_ Amazon.de_ Elektronik

2014: Taktischer Kugelschreiber mit Glasbrecher

TECH Tactical Pen mit Glasbrecher, Kubotan + Kugelschreiber special Edition gu

——————————————
Wer gerne selbst mal seine Amazon-Historie exportieren will: Anleitung und Skript gibt es hier: http://jhein.net/2013/08/04/liste-mit-amazon-bestellungen-exportieren/
Wichtig: Das aktualisierte Skript nehmen, das ganz unten im Artikel verlinkt ist, NICHT das, was gleich am Anfang in der Anleitung erwähnt wird. Das funktioniert nämlich nicht mehr.

 
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Verfasst von - 19. August 2015 in Betrachtung

 

Priscillas Song

Am Pfad meiner Narben ruht Deine Hand
den Sternen zuwider in Ewigkeit verbunden


Öffne die Wunden und heil sie wieder
bis sich unser Schicksals wirres Muster bildet
Am Morgen fliehst Du aus meinen Träumen

Ich spiele gerne Computerspiele. Und zwar solche, die nicht nur auf Gameplay ausgelegt sind, sondern die von einer Geschichte angetrieben werden. Stimmt die Narration, können solche Spiele zu etwas werden, was ähnlich fesselt wie ein gutes Buch oder ein guter Film. Gegenüber diesen Medien haben Videospiele aber einen entscheidenden Vorteil, denn sie können sich anderer Medien – Musik, Film, Text, etc. – bedienen, um daraus ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, wie es sonst nicht entstehen könnte, und das die Rezipienten – den Spieler oder die Spielerin – mitten ins Geschehen hineinzieht und evtl. bis dato unbekannte Dinge vermittelt.

Ricky Gervais, bspw., halte ich für einen der besten Satiriker und Stand-Up-Comedians der heutigen Zeit. Kennengelernt habe ich ihn, weil die Spielfigur in Grand Theft Auto IV (2007) als Abendbeschäftigung eine Comedyshow aufsuchen kann. Und dort spielte dann eben… Ricky Gervais!

Ein anderes Beispiel für einen gelungenen Mix findet sich im Rollenspiel “The Witcher III”. Das Spiel ist ohnehin reich an berührenden Geschichten und aktuellen Bezügen und unbedingt spielenswert, besonders ins Auge fallen aber die kunstvoll ausgearbeiteten, kleinen Szenen, in denen die Geschichte kurz innehält und durch einen Exkurs verblüfft. Wie etwa das Lied, dass die Bardin am Abend in einer Kneipe zum Besten gibt, und das… berührt. In einem solchen Moment wird aus einem Videospiel Kunst.

Oben gibt es die multilinguale Variante aus dem Trailer zu sehen, und hier die volle Version und die Lyrics auf englisch, weil ich mit dem deutschen “Stachelbeere und Flieder” nicht klarkomme:

The Wolvenstorm

These scars long have yearned for your tender caress
To bind our fortunes, damn what the stars own
Rend my heart open, then your love profess
A winding, weaving fate to which we both atone

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

The wolf I will follow into the storm
To find your heart, its passion displaced
Amidst the cold to hold you in a heated embrace

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

I know not if fate would have us live as one
Or if by love’s blind chance we’ve been bound
The wish I whispered, when it all began
Did it forge a love you might never have found?

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

 
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Verfasst von - 24. Juli 2015 in Betrachtung, Ganz Kurz

 

Göttinger Blau

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Göttingen ist eine nette Stadt. Nett im Sinne von “nicht komplett doof”, was angesichts der Tatsache, dass ein Fünftel der 125.000 Einwohner Studierende sind, nicht selbstverständlich ist.

Göttinger fahren am Liebsten überall mit dem Fahrrad hin, und wer was für die Radfahrer tut, wird von ihnen gewählt. Das führt in der Lokalpolitik des öfteren zu merkwürdigen Aktionen, insbesondere wenn Wahlen in Tateinheit mit abgreifbaren Fördermitteln anstehen, die Beschaffung von Wahlstimmen also praktisch zum Nulltarif passieren kann.

Exakt diese Situation hatten wir im vorvergangenen Jahr in Südniedersachsen. Es standen Wahlen an, und zeitgleich förderte der Bund die Elektromobilität. Nun hat Göttingen mit Elektroautos nicht viel am Hut, aber eben mit Radfahrern. Aus dieser unheiligen Konstellation erwuchs der “eCycle Superhighway Göttingen”, auf Deutsch “eRadschnellweg”. Die Idee: Vom Bahnhof bis zum vier Kilometer entfernten Nordcampus der Universität wird eine vier Meter breite Radspur eingerichtet, auf der dann glückliche Studis auf Elektrorädern hin- und hersausen können. Die Elektroräder sind allerdings nicht im Preis inbegriffen. Man könne aber auch mit normalen Rädern auf dem eRadweg fahren, und damit viel schneller und sicherer als bisher durch die Stadt flitzen, teilte die Stadt Göttingen mit und fuhr mit dem Antrag eine Million Euro an Fördergeldern ein.

eCycle Superhighway.

eCycle Superhighway.

Allerdings liegt zwischen Bahnhof und Norduni ein Teil der Innenstadt und ein Wohnviertel, und Häuser abreißen wollte man für die Fahrradschnellstraße dann doch nicht. Das Resultat: Der eHighway führt nun zum Teil über alte Radwege, aber auch über Busspuren, Abbiegestreifen, Spielstraßen, im 45 Gradwinkel über eine vielbefahrene Kreuzung und schließlich auf einer stattlichen Länge von zwei Kilometern über die Gegenfahrbahn des motorisierten Straßenverkehrs.

Für einen “eCycle Superhighway” gibt es in der StVO keine Regelungen zur Kennzeichnung, und so nahm sich Göttingen einige künstlerische Freiheiten heraus. Man erfand ein neues Schild (s.o.), und ging ansonsten recht offensiv mit blauer Farbe ans Werk. Mal wurden Bordsteine blau angemalt, mal blaue Linien an Wegräder gezogen, mal ganze Flächen und Wege blau getüncht. Für eine Million Euro bekommt man VIEL blaue Farbe.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Etwas befremdet reagierten Anwohner einer Wohnstraße, als sie eines Morgens Bautrupps vorfanden, die ihre Straße blau anmalten. Das sei jetzt eine Fahrradstraße, erklärte man ihnen, und im übrigen sei ab jetzt hier Durchfahrt für Autos verboten. Das sorgte für einigen Unmut unter Anwohnern der Schlumpfstraße und den ansässigen Supermärkten, die sich prompt danach erkundigten, wer die Kosten für die Warenanlieferung per Fahrradkurier übernehmen würde. Daraufhin wurden Anlieferverkehr, Autos und Motorräder wieder erlaubt, was die Fahrradstraße faktisch wieder zu einer normalen Straße macht – nur blauer.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

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Verfasst von - 6. Mai 2015 in Betrachtung, Satire

 

Maximal Unselbstständig

Ich bin ja jetzt in einem Alter, in dem ich gerne mal über die “Jugend von Heute” herziehen darf. Ich will das eigentlich gar nicht, aber manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich zumindest in Gedanken über die Next Generation lästere. Dann schäme ich mich ein wenig, aber nur ganz kurz. Denn, seien wir mal ehrlich, sie geben einem wirklich allen Grund zum Schmunzeln.

Unsere kleinen Prinzessinnen und Prinzen gehen durch die Welt und bersten vor Selbstbewusstsein, sind aber vom Elternhaus offensichtlich in überhaupt keiner Weise auf das Leben ohne Mama & Papa vorbereitet worden.

Die Highlights der letzten Wochen und Monate aus meinem persönlichen Umfeld:

  • Die neuen Hausbewohner. Studi-Pärchen Anfang 20. Verabschieden sich mit den Worten “Wir fliegen 10 Tage nach Ägypten”. Am nächsten Tag waren ER wieder da. War nicht mal in den Flieger gekommen. Er hatte nämlich allen Ernstes versucht, diese Reise mit einem abgelaufenen Personalausweis anzutreten.
  • Das junge Pärchen, die Trampeltiere, die im vergangenen Jahr hier gewohnt haben. Sind wieder ausgezogen, weil die Wohnung zu teuer war. Hat ihnen nämlich vorher niemand gesagt, dass in der Kaltmiete die Kosten für Strom und Telefon nicht mit drin sind.
  • Die Studi-WG, die nach langem Überlegen versucht hat, brennendes Fett mit Wasser zu löschen und dabei fast ein Wohnheim niedergebrannt hat.
  • Die Gewöhnlichen, die allen Müll in die Papiertonne geworfen haben. Auch ein ganz junges Paar, beide gerade 18. Die kannten Mülltrennung schlicht nicht. Die hatten keine Ahnung, wozu gelbe Säcke und diese anderen Tonnen dienen. Den Müll hatte immer Mama weggeräumt, wie Fräulein Gewöhnlich zu Protokoll gab.
  • Die Studierende, die hyperventilierend auf der Facebook-Seite ihrer Hochschule nachfragte, wann und wo sie sich denn hier für das Seminar von Prof. Meier anmelden könnte. Als sich jemand ihrer erbarmte, stellte sich raus, dass sie nicht wusste, dass es ein Internet außerhalb Facebooks gibt.

Meine. Güte. Das ist schon irgendwie niedlich, die benehmen sich wie tappsige, aber strohdoofe Welpen, die gerade aus dem Nest gekullert sind.

Nicht, dass meine Generation viel besser gewesen wäre. Uns musste man auch den Müll hinterheräumen. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wir waren nur faul, wussten aber wenigstens, wie Dinge zu handhaben sind. Die neue Generation hat grundlegende Dinge des Lebens nie beigebracht bekommen. Erzogen zu maximaler Unselbsständigkeit. Das sagt so einiges über die Eltern aus. Ich weiß nur noch nicht was.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 19. April 2015 in Betrachtung

 
 
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