RSS

Archiv der Kategorie: Betrachtung

Lara Croft exklusiv hinter Gittern

lclocked

Ich bin leidenschaftlicher Spieler von Computer- und Videospielen. Das Spielen eines schönen Spiels am Ende eines langen Tages hat bei mir den TV-Konsum ersetzt, der im Gegenzug fast auf Null gefallen ist. Ich mag am liebsten Abenteuerspiele mit einer guten Erzählung. Ist die Präsentation entsprechend, ist so ein Spiel wie ein gutes Buch oder ein guter Film – allerdings ein 20 Stunden langer Film mit MIR mitten drin.

Früher habe ich gerne auf dem PC gespielt, bis ich von den ständigen Treiberupdates, Inkompatibilitäten und dem Hardwarehunger genervt war. Eine Stunde Spielen am PC bedeutet eine halbe Stunde Updates machen, und das nervte so, dass ich mir eine Konsole zulegte.

Als Konsolenspieler begrüßte ich sehr, dass nach acht Jahren Ende 2013 endlich eine neue Konsolengeneration startete. Microsoft präsentierte seine XBOX One, Sony seine Playstation 4. Die XBOX One liegt im Rennen um die Spielergunst seitdem weit hinten, was vor allem an der verkorksten Idee und der fehlenden Strategie liegt. Während die PS4 ganz auf Spiele zugeschnitten ist und nebenbei noch 3D-Bluray-Player und Mediencenter ist (mit Watchever, Amazon Prime, Windows Mediaserver und allem Duttendeubel), wurde die XBOX One als Mediencenter konzipiert. Sie ist dafür designt, alle anderen Geräte im Wohnzimmer durchzurouten und zu steuern, und zwar über ihre Kameras und Mikrofone. Man stelle sich das vor: In Post-Snowden-Zeiten sollte man sich ein amerikanisches Gerät ins Wohnzimmer stellen, das IMMER eingeschaltet und online ist, das PERMANENT die Wohnung mit Mikros und 3D-Nachtischtkameras Nachtsichtkameras überwacht! “Aber damit kann man ganz toll TV und Sport gucken”, sagte Micosoft. Das interessierte aber schon niemanden mehr, zumal die Konsole auch in anderen Belangen an den Spielern vorbeigeht. Eine Konsole an de Start zu bringen, die in Spielen keine Full-HD-Auflösung schafft, das ging schon in 2013 nicht mehr.

Seit dem Verkaufsstart bekommt Microsoft dafür die Quittung. Selbst altgediente XBOX-Fans (wie ich) wandern zur Playstation ab, was sich in Zahlen ungefähr im Verhältnis 1:3 bemerkbar macht. Auf jede verkaufte XBOX One kommen drei abgesetzte Playstation 4s. Genaues weiß man nicht, weil Microsoft keine Zahlen veröffentlicht. Aber das denen der Arsch auf Grundeis geht, sieht man an den ständigen Strategiewechseln. Der Onlinezwang der XBOX wurde abgeschafft, mittlerweile läuft die Konsole auch ohne die Kinect-Kamera (und wird auch ohne sie verkauft) und jeden Monat wird an der Software rumgedoktert, um die Konsole mehr auf Spieler zuzuschneiden.

Ein klassisches Mittel um Leute ins eigene Lager zu locken, von dem ich gehofft hatte, dass es ausstirbt, ist die Exklusivität von Spieletiteln. Die meisten Spiele erscheinen plattformübergreifend, also sowohl für PC als auch für Xbox oder Playstation. Aber manche Titel gibt es halt nur auf einer Plattform. Die Produktionen des Studios Naughty Dog, zu denen die großartige “Uncharted”-Reihe oder das herausragende “The Last of US”gehören, sind nur auf Sonys Konsole spielbar. Oder “MarioCart”, was es exklusiv auf der Wii von Nintendo gibt. Im besten Fall sind solche großen Titel Systemseller, d.h. die Leute kaufen eine Konsole nur, um ein bestimmtes Spiel spielen zu können.

Microsoft hätte sowas auch gerne. Und so schlimm ich diesen Exklusivitätsquatsch auch finde, so legitim ist natürlich der Wunsch nach einem Systemseller. Im Unterschied zu Sony oder Nintendo hegt und pflegt Microsoft aber keine kleinen Studios, baut sie auf und bringt deren Titel dann groß raus. Microsoft geht los und kauft Spiele vom Markt weg, um sie in ihrer Plattform einzusperren. Das wurde schon einmal so gemacht: “Halo” war 1999 einer der am meisten erwarteten Titel auf dem PC. Alle gierten darauf, die Ringwelt zu erobern, die das Studio Bungie auf zahlreichen Messen zeigte. Und dann kam Microsoft und machte einen Exklusivdeal, und der Titel erschien nur auf der ersten XBOX. Seitdem wird die Serie als XBOX-Seller gehyped. Die XBOX One liegt aber so am Boden, das auch die Aussicht auf ein 2015 erscheinendes Halo 5 den Absätzen nicht hilft, und deshalb hat Microsoft wieder sein Portmonnaie gezückt und eine der besten, ambitioniertesten und erfolgreichsten Spiele vom Markt gekauft: Tomb Raider.

Ja, Lara Crofts nächstes Abenteuer wird exklusiv für die XBOX One erscheinen, weil, so XBOX-Chef Phil Spencer, er “die nächste Generation um jeden Preis gewinnen will”. Das ist ein ziemlicher Schock.

Seit der GameCon-Enthüllung das Gesicht des Bösen: Phil Spencer, XBOX-Chef.

Seit der GameCom-Enthüllung das Gesicht des Bösen: Phil Spencer, XBOX-Chef.

Tomb Raider hat eine breite Fanbasis über alle Systeme hinweg, und den nächsten Teil auf der XBOX One einzusperren, stösst allenthalben auf Unverständnis. Selbst bei der Microsoft Pressekonferenz auf der Gamescom in Köln, auf der heute diese Ankündigung gemacht wurde, gab es von den versammelten XBOX-Fans und Journalisten nur vereinzelt Applaus. Jeder wünscht “seinem” System Erfolg, aber schon Sekunden nach der Ankündigung war den Versammelten klar, dass das nicht der richtige Weg ist.

Möglicherweise haben wir es hier mit einer temporären Exklusivität zu tun – Tomb Raider erscheint vielleicht im Herbst 2015 exklusiv für die XBOX One und dann ein halbes oder ein Jahr später für PS4 und PC. Diese Hoffnung besteht, aber die Pressemitteilung von Crystal Dynamics, dem Entwicklerstudio, hört sich nicht danach an. Sie klingt eher so, als ob MS dauerhaft das Studio finanziert, damit sie Systemseller mit Lara Croft produzieren.

Der Wunsch, eine Serie vom Kaliber eines “Uncharted” auf der eigenen Konsole zu haben ist vollkommen legitim. Aber dann wäre in der Tat die Schaffung eines neuen Franchise und der Aufbau eines neuen Studios der richtige Weg gewesen. Ja, das kostet Zeit und Geld, und man geht lieber den einfachen Weg und kauft eine der erfolgreichsten Serien, und schließt dann 3/4 der Spielerschaft aus. Damit benimmt sich Microsoft wie der Schläger auf dem Schulhof, der anderen Kindern das Pausenbrot klaut – und das sehen sogar Microsoft-Anhänger und Fanboys so.

Meine Meinung: Plattformexklusivität gehört generell abgeschafft. Es hat einen Grund, dass es nicht viele Exklusivserien gibt: Exklusivität ist eine schlechte Idee. Die Hardware der neuen Konsolen ist ohnehin fast identisch, das bestimmende Unterscheidungsmerkmal sollten die Services der Hersteller drum herum sein. Diese Exklusivitätsdeals schaden langfristig den Studios und den Plattformen, die ohnehin starke Konkurrenz durch die immer besser werdenden Spielemöglichkeiten auf mobilen Geräten haben und über kurz oder lang von denen verdrängt werden. Exklusivität mag den Herstellern kurzfristig helfen, letztendlich ist es aber eine kurzsichtige Strategie, unter der zuerst die Spieler leiden, dann alle.

[Update 17.08.14] Mittlerweile ist klar, dass es sich um ein “Timed Exclusive” handelt. Rise of the Tomb Raider erscheint zunächst exklusiv für XBOX One und XBOX 360, später für andere, noch nicht angekündigte Plattformen. Wie lange die Exklusivität gilt ist nicht klar – zwischen drei Monaten und einem Jahr ist alles drin.

 
7 Kommentare

Verfasst von - 13. August 2014 in Betrachtung, Games

 

CSU vs. Europa

Die CSU geht mir auf den Sacque. Ein Blödsinnsprojekt nach dem nächsten quillt aus der nach unten offenen Lederhose, immer ganz wie es der aktuelle Wahlkampf gerade erfordert. Autobahnmaut für Ausländer? CSU-Bundestagswahlkampf. “Wer betrügt, fliegt?” – Europawahlkampf der CSU.

Nun müsste dieser rechtsdrehende Quatsch eigentlich nach der Wahl schnell vergessen sein, aber aus irgendeinem Grund wird an den bekloppten Wahlfürzen aus München festgehalten. Anscheinend ist die Große Koalition ein idealer Nährboden für großen Mist. Und so kommt es, dass ein “Verkehrsminister” Dobrindt einen Gesetzentwurf für eine Autobahnmaut nur für Ausländer in die Kamera hält. Dabei verrät seine Körpersprache schon, dass er weiß, dass das alles Unfug ist: Dieses Mautmodell ist nämlich nicht mit EU-Recht vereinbar und ist bloßer Populismus. Sollte es dem Verkehrsministerium WIRKLICH um Geld zum Erhalt der Straßen gehen, sollte man dort evtl. erst einmal die Schulden des Toll-Collect-Mautkonsortiums eintreiben. Die Betreiberfirmen schulden dem Bund nämlich rund sieben Milliarden, dagegen nehmen sich die prognostizierten 660 Millionen aus der Ausländermaut wie Peanuts aus – aber so wie es aussieht, erlässt der Bund der Telekom und dem Daimler diese Schuld. Einfach so.

Stand heute legt die CSU übrigens den Gesetzentwurf zur Umsetzung ihrer ureigensten Erfindung, der Armutszuwanderung, vor. Wir erinnern uns: Im Europawahlkampf verbreiteten Seehofer und Konsorten die Mär von den Bulgaren und Rumänen, die nach Deutschland strömen und es sich in den hiesigen Sozialsystemen gemütlich machen würden. Das ist zwar reine Fantasie und nicht belegbar, aber aus irgendeinem Grund wird dieser Blödsinn nun durchgedrückt. In Form einer Einschränkung der Freizügigkeit.

Ich bin gerne Europäer und habe Ü-ber-haupt kein Verständnis dafür, wie die aktuelle Politikergarnitur, und zuvorderst unsere eigene Bundesregierung, auf dem fragilen Gebilde, das Europa immer noch darstellt, herumspringt und an seinen Fundamenten sägt. Eine der tollsten Sachen in Europa ist das Recht auf Freizügikeit: Ich darf aus meinem Heimatstaat ausreisen und mich in einem anderen Land niederlassen, wenn ich dort Selbstständig bin, Arbeit habe, mich als Arbeitssuchend melde oder genügend Kohle im Gepäck habe, um dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen.

Das ist eine super Sache, und ich bin sehr froh darüber, dass die Freizügigkeit vertraglich auf Völkerrechtsebene garantiert ist. An eben dieser Idee, und damit über kurz oder lang an diesem EU-Vertrag, sägt die CSU jetzt schon wieder rum. Die Freizügigkeit soll nämlich dahingehend eingeschränkt werden, dass EU-Ausländer nach max. 6 Monaten der erfolglosen Arbeitssuche das Land wieder verlassen müssen. Ich frage mich ja schon, warum sich unsere Politiker überhaupt mit solchen isolationistischen Ideen bayerischer Hinterwäldler beschäftigen und damit das politische Klima in Europa weiter vergiften.

Leider haben die EU-Verträge immer noch keinen Verfassungsstatus, sonst könnte man mit Fug und Recht behaupten: Die CSU agiert verfassungsfeindlich. Dann könnte man den ganzen Laden dichtmachen und damit sicherstellen, dass so ein europafeindlicher Quatsch gar nicht erst in die Gesetzgebungsverfahren kommt.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 12. August 2014 in Betrachtung

 

Gelbe Säcke

Wo wir gerade bei Tricksereien sind: In Deutschland wird ja Müll fein säuberlich getrennt. Verpackungsmüll trägt ein Logo, den sogenannten Grünen Punkt, und alles was den Grünen Punkt trägt, kommt in den Gelben Sack (Logisch, ne?). Der wird dann von weißen Müllautos abgeholt. Die gehören einer von neun Firmen, die in Deutschland Verpackungsmüll einsammeln. Die nennen sich Duale Systeme, so wie auch die Sammlung von Verpackunsgmüll zum sonstigen Hausmüll als Duales System bezeichnet wird. Eines der Unternehmen, das erste, das 1991 gegründet wurde, heißt sogar DSD, Duales System Deutschland.

Grüner Punkt, Gelber Sack, 10 Duale Systeme – man merkt, dass hier einiges verwirrend ist, oder? Aber es wird noch besser. Die neun Firmen sind sich untereinander spinnefeind und bekämpfen sich bis auf´s Blut. Sie unterstellen sich gegenseitig, gesetzliche Schlupflöcher auszunutzen, Zahlen zu manipulieren und wer-weiß-was-noch. Wie überall, wo sich Unternehmen beschimpfen, geht es um Geld, und zwar zu wenig davon.

Das Duale System (das große, also eigentliche System) funktioniert eigentlich so, dass Hersteller ihre Produkte beim Dualen System Lizensieren. Sie kaufen den Grünen Punkt, schlagen die Kosten auf die Produkte auf und haben damit das Einsammeln und die Entsorgung bezahlt. So weit, so Theorie, in der Praxis schlagen Händler und Hersteller oft die Kosten für den Grünen Punkt auf, die die Endkunden auch bezahlen, lizensieren aber die Einsammeln und die Entsorgung nicht. Stattdessen weisen sie die Entsorgung als “Eigenrücknahme” aus. Hersteller können nämlich auch selbst Müll entsorgen, und auch der Handel kann über “Eigensysteme” seine Verpackungen selbst zurücknehmen. Tatsächlich kann man aber davon ausgehen, dass die große Zahl der gemeldeten Eigenrücknahmen so nie stattfand, sondern als solche deklarierte Verpackungen eben doch im Gelben Sack beim Endkunden landete. Kann aber keiner beweisen.

Dieses Schlupfloch im Gesetz hat dazu geführt, dass nur noch für ein Drittel aller Verpackungen Entsorgungsgebühren gezahlt wurden. Jetzt müsste man natürlich denken, dass die Einsammelfirmen, also die neun “Dualen System” diese Mauschelei von Verpackungsherstellern und Handel anprangern. Taten sie in der Vergangenheit aber nicht. Weil sie daran mitverdienten. Und das ging so:

Es gibt eine Clearingstelle, die die gemeldeten Lizenzen der neun Firmen sichtet und danach ausrechnet, was die Einsammelfirmen für die Entsorgung des Mülls in Verbrennungs- und Recyclinganlagen bezahlen müssen. Die Beträge zur Finanzierung der Entsorgung stellt die Clearingstelle den Einsammelfirmen, die ja Lizenzgebühren von den Herstellern der Verpackungen bekommen haben, in Rechnung. Die Kalkulation ist nun ganz einfach: Je mehr “Eigenrücknahmen”, desto weniger Lizenzen, desto weniger muss eine Einsammelfirma am Gesamtaufkommen für die Müllentsorgung zahlen. Die neun Firmen rechneten auch selbst die gemeldeten Mengen künstlich klein.

Dieser jahrelanger Mißbrauch hat dazu geführt, dass nun rund 100 Millionen Euro für die Entsorgung des Mülls fehtlen – und die neun Einsammelfirmen stritten darum, wer welchen Anteil bezahlen muss. Zudem wird ab nächstem Jahr Lücke der “Eigenentsorgung” durch eine Gesetzesnovelle geschlossen, was zusätzlich dazu führt, dass die Einsammler ihre Felle davonschwimmen sehen.

Heute findet ein weiteres Schlichtungsgespräch statt, bei dem es darum, das DSD und andere Firmen eine Restsumme von 20 Millionen aufbringen sollen. Das können die angeblich nicht, behaupten sie, und schwärzen sich lieber gegenseitig an. Das ist ungefähr so, als wenn bei einer Versammlung der Mafia die Cosa Nostra der Gamorra vorwirft, in illegale Machenschaften verwickelt zu sein. Aus der Ferne betrachtet ist das alles Müll.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 7. August 2014 in Betrachtung

 

Preis für Realitätsverlust

Thomas Oppermann. Bild von Moritz Kosinsky, CC-BY-SA-NC 3.0

Der dieswöchige Preis für Realitätsverlust geht an, Taadaa, den Thomas Oppermann von der SPD.
Der Oppermann kommt aus der Stadt in der ich wohne, und hier fiel er schon unangenehm auf, weil er ü-ber-all auftauchte um sein Gesicht in die Kamera zu halten.

Wirklich, Oppermann, oder, wie wir ihn hier nennen, Oppermann, ist als Photobomber berüchtigt. Egal was, ob Supermarkteröffnung, Museumseinweihung oder Geburtstag von Oma Traudel: Zack, tauchte der Opperman auf und griente in die Kamera. Nichtmal Selfies im abgeschlossenen Badezimmer konnte man machen, weil auf dem Bild mit Sicherheit irgendwo der Oppermann hinter dem Duschvorhang hervorgrinste.

Seit er seine merkwürdige Auffassung von Politiksimulation auf Bundesebene betreibt, hält er seinen gebräunten Teint gerne in Berlin in die Kameras. In dieser Woche strömten dann Worte aus seinen gebleachten Zähnen, die von fortschreitender Hirnzersetzung künden. Der SPIEGEL, in dieser Woche bereits durch ein menschenverachtendes Cover unangenehm aufgefallen ist, hat das Oppermann´sche Gestammel mal kommentarlos aufgeschrieben:

“Nach der Spähaffäre des US-Geheimdienstes NSA müsse nun weiter an einer Normalisierung der deutsch-amerikanischen Beziehungen gearbeitet werden, mahnte Oppermann. Allerdings gebe es noch keine gemeinsame Wahrnehmung. “Die Amerikaner können offenkundig unser Problem nicht verstehen.”

Oppermann argumentierte: “Wir müssen jetzt zunächst damit leben, dass wir in einer wichtigen Bündnisfrage nicht einer Meinung sind. Es geht nun darum, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen und das bewährte Bündnis mit den Amerikanern fortzusetzen”, betonte er.”
Quelle

Oppermann erklärt die massenhafte Überwachung aller Menschen zur “Affaire” und die faktisch für beendet und erhebt USA-Schmuserei zum wichtigsten Task. Wie, bitte, soll man Vertrauen wiederherstellen, wenn man weiterhin abgehört und ausgeforscht wird? Daran hat sich nämlich in der Tat nichts geändert, wir werden nach wie vor ALLE ausgespäht, über die Geräte die wir tagtäglich benutzen. Die US-Regierung weigert sich sogar, mit unserer “Bundesregierung” auch nur darüber zu sprechen. Und da will Oppermann was “normalisieren”? Ich würde das ja als Zeichen der Verzweifelung und Resignation werten, ich fürchte nur: Der Oppermann, der glaubt wirklich was er da sagt.

 
8 Kommentare

Verfasst von - 2. August 2014 in Betrachtung, Internet

 

Square

“Square”, heisst eigentlich viereckig, aber Englischsprechende sagen das auch, wenn sie etwas seltsam finden. Seltsam ist auch FourSquare, eine kleine App, die seit 2009 die Mobiltelefone eroberte. Die App bestimmt den eigenen Standort, guckt nach Sehenswürdigkeiten in der Nähe und erlaubt den “Check-In” dort, was nichts anderes heisst als: Die Nutzer teilen anderen FourSquare-Nutzern mit, wo sie sich gerade aufhalten. “Silencer checked in at Landesmuseum Hannover” ist so eine Ansage. Sehenswürdigekeiten und Orte werden von den Nutzern selbst angelegt, mit der Möglichkeit weitere Infos zu hinterlassen. “Im Café Otto gibt es tollen Kirschkuchen”, zum Beispiel. Damit alle auch fleissig ihre Standorte weitergeben und Orte und Infos in FourSquare eintickern, und damit quasi für das Unternehmen Informationen sammeln, nutze der Dienst den Spieltrieb der Nutzer. Für jeden geteilten Standort gab es Punkte, für bestimmte Dinge gab es Medaillen und wenn man oft genug bei einem Objekt eincheckte, konnte man dessen Bürgermeister werden. Das war im echten Leben natürlich exakt gar nichts wert, aber ich fand es trotzdem nett, dass die Welt (bzw. andere FourSquare-Verwender) sehen konnten, dass ich der Mayor des Casa Brescia in Siena war.

Foursquare war also ein Spiel, mit dem das Unternehmen Daten sammelte. Mit denen stellte es so halbwegs nützliche Dienste zur Verfügung, z.B. konnte man schnell nach guten Restaurants in der Nähe gucken. Vor einigen Wochen vielen die Gamification-Elemente in Foursquare weg, was die App schlagartig uninteressant machte. Keine Punkte, keine Achievements – warum soll ich das Ding dann noch nutzen? Sollte ich gar nicht, stellte sich raus. Statt FourSquare sollte man doch bitte Swarm nutzen, die neue App der Firma. Erst wurde man über Wochen sanft darauf hingewiesen, am Wochenende wurde Foursquare dann praktisch stillgelegt.

Swarm wiederum ist zu hundert Prozent auf soziales Netzwerk ausgelegt, und zwar auf die schlimmste Sorte: Es will Freunde enger vernetzen, die sich ohnehin am gleichen Ort aufhalten. ARGH. Gefühlte 90 Prozent der App drehen sich darum, dass man in die Gegend trötet “Ich gehe jetzt in den Park, chillen” und Freunde in der Nähe sagen können “Oh super, ich komme mit”. Das hört sich in der Theorie und beim Venture-Capital-Gespräch bestimmt toll an, praktisch funktioniert das bei mir exakt Nullo und bei anderen vermutlich nur unwesentlich besser. Denn: Die drei Freunde, die ich auf Foursquare hatte und die nun bei Swarm sind, sind in anderen Teilen der Welt. Da nützt es gar nichts, wenn Herr X postet, dasss er jetzt Kaffeetrinken geht, denn das ist 800 Kilometer entfernt. Und abgesehen davon: Interessiert mich das? Wenn mich jemand beim Kaffee dabei haben möchte, dann kann er mich dazu einladen. Das ist nämlich der widerlichste Punkt an Swarm: Es ist dafür designt worden, sich anderen Leuten aufzudrängen. Und das kann ich nicht leiden. Ich dränge mich nicht auf, und wenn ich mit jemandem essen gehe, dann will ich nicht, dass sich jemand spontan mein Bekanntenkreis anschliesst.

Ich sehe keinerlei Nutzen mehr in der App, zumal man nun auch die Spielelemente so verbogen hat, dass sie nicht mehr funktionieren. Das Mayorship-Konzept bei Swarm dahingehend überarbeitet wurde, dass man Bürgermeister eines Objekts nur noch innerhalb seines Freundeskreises ist – der Rest der Welt bekommt davon nichts mit, und unter Umständen gibt es für ein Objekt tausende Teilzeitbürgermeister. Damit ist das Mayorship auch gefühlt überhaupt nichts wert.

Nee, FourSquare und Swarm sind damit für ich gestorben. Der Kram bietet präzise keinen Nutzwert mehr, Mehrwert schon gar nicht, und damit sehe ich auch nicht ein, dass ich die Geodatenbank des Unternehmens weiter füttern soll. Vielleicht benutze ich es nochmal aus nostalgischen Gründen, weil es schon nett ist zu wissen wann man das letzte Mal an einem Ort war, aber Spaß, den macht das Ganze nicht mehr.

 
12 Kommentare

Verfasst von - 21. Juli 2014 in Betrachtung, Internet, Rant

 

Radlerin gesucht

Gerade in der Zeitung gelesen: Die hiesige Polizei sucht eine Radlerin, die bei Rot über eine Ampel gefahren ist und dabei telefoniert hat.

Wäre das eine Stellenausschreibung, müssten sich Hunderte darauf bewerben. Im Ernst: Götham ist eine Fahrrad- und Studentenstadt. Hier wird traditionell und schon immer scheiße gefahren. Bei Nacht unbeleuchtet zu Dritt nebeneinander verkehrt rum durch die Einbahnstrasse? Standardsituation hier. Besoffen in Blitztempo durch die Fußgängerzone? Alltag. Bei rot über die Ampel? Völlig normal.

Als Autofahrer, selbst als Radfahrer und sogar als Fußgänger kann man sich hier nur sehr, sehr vor- und umsichtig bewegen. Auch als Fußgänger gehört ein Schulterblick vor abrupten Bewegungen und Richtungswechseln einfach dazu, weil man sonst umgefahren wird.

So weit, so normal. In den letzten zwei Jahren ist es aber radikal schlimmer geworden, weil gefühlt jeder zweite Radfahrer während der Fahrt an seinem Smartphone rumfummelt und den Blick darauf hat, und nicht auf der Straße. Was geht in denen eigentlich vor? Wie können die ernsthaft Verkehrsteilnehmer sein, wenn sie während der Fahrt nur eine Hand am Lenker haben während Augen, Hirn und Führungshand Textnachrichten eingeben?

Die Folgen lassen sich in freier Wildbahn gut beobachten. Da wird (unabsichtlich) über rote Ampeln gefahren und dadruch Auffahrunfälle verursacht, und ich habe schon selbst erlebt, wie Radfahrer gegen ein geparktes Autos geknallt und ein anderer in eine Hecke gefallen ist, das Telefon noch fest umklamert. Ein Dritter ist mittig gegen einen Laternenpfahl gefahren. Das war ein Vollpfosten. Auf beiden Seiten.

Ist das in anderen Städten ähnlich schlimm?

 
3 Kommentare

Verfasst von - 4. Juni 2014 in Betrachtung

 

Woody Allen

Herr Silencer macht sich Gedanken über ein vollkommen überschätztes Würstchen, Riesentitten und traurige Spermien.

Woody Allen. Wir müssen über Woody Allen sprechen. Beziehungsweise auch nicht, aber ich muss hier mal was zu ihm aufschreiben. Schon allein damit ich mich daran erinnere, wenn ich das nächste mal Gefahr laufe, auf Woody Allen reinzufallen.

Woody Allen ist ein mittlerweile fast 80jähriger Schauspieler und Regisseur und hat im Laufe seiner langen Karriere mehr als 50 Filme rausgehauen, zuletzt mindestens einen pro Jahr.

Ich interessiere mich schon seit meiner frühesten Jugend für Filme. Ich liebe Filme, interessiere mich für fast jeden Aspekt des Filmemachens und kann mich für viele Genres begeistern. Daher begegnete mir der Name Woody Allens schon sehr früh, meist im Zusammenhang mit überaus positiver Berichterstattung. Als genialer Komiker wurde er beschrieben, als begnadeter Autor und Regisseur und als urkomischer Schauspieler. Dementsprechend erwartete ich großes, als ich das erste mal einen Film von ihm sah. Es muss “Die letzte Nacht des Boris Gruschenko” gewesen sein, und ich war – enttäuscht. Für einen elfjährigen war das einfach kein komischer Film. Albern, ja, aber nicht lustig, weil der Hauptdarsteller im Kern traurig war. Er war selbst das Zentrum eines Films, der mit sehr dumm vorkam. Also quasi eine Wolke Dummheit mit einem Kristallisationspunkt aus Traurigkeit in der Mitte. Was will man denn mit sowas, fragte ich mich.

Witzigerweise hat sich dieser Eindruck bis heute nicht geändert. Ich habe ja gedacht, dass sich mein Verhältnis zu Woody-Allen-Filmen im Laufe der Zeit ändert – vielleicht braucht man ja ein gewisses Alter und eine gewisse Lebenserfahrung, um die gut zu finden. Und so falle ich alle paar Jahre wieder auf Woody Allen herein, denn EIGENTLICH haben seine Filme alles was es bräuchte um mich zu interessieren: Tolle Schauspieler, interessante Orte und Geschichten. Allerdings haben sie nur auf dem Papier. Mit 14 schaute ich heimlich “Was sie schon immer über Sex wissen wollten”, mit der lauernden Geilheit eines Pubertierenden. Selbst Hormonvernebelt kam ich nicht umhin festzustellen, dass mein Biobuch aus der 7. Klasse erotischer war als der wandelnde Herrenwitz, den dieser Schrunzfilm mit der Riesentitte und dem traurigen Spermium darstellt. Der ist einfach nur widerlich.

In den 90ern zappte ich ein ums andere Mal in Allens Filme hinein, die im öffentlich-rechtlichen TV hoch und runter liefen – ohne wirklich von einem interessiert oder gar faszinierd zu sein. Dann folgte nach 2000 Allens “Europäische Phase”: Filme, gedreht in europäischen Städten und mit hochkarätigen Schaupspielerinnen und Schauspielern. 2006 wagte ich mich das nächste Mal bewusst an einen Allen-Film und sah mir “Cassandras Traum” im Kino an. “Was soll´s”, dachte ich. Entweder ich bin jetzt in einem Lebensabschnitt, in dem ich Allen gut finde – oder ich freue mich einfach über einen Film mit Haley Atwell, Colin Farrell und Ewan McGregor. Was kann mit der Besetzung schon falsch laufen?

So ziemlich alles, wie sich herausstellt. Der Film ist so un-fass-bar schlecht, dass ich beinahe das erste Mal überhaupt vor Ende eines Filmes das Kino verlassen hätte. Es hat mir körperliche Qualen bereitet den durchzustehen, so schlecht war die Geschichte, so gestelzt die Dialoge, so unglaubwürdig die Charaktere.

Jüngst bin ich wieder dem gleichen Irrglauben erlegen, diesmal mit Match Point. “Ein Film mit Scarlett Johansson, was soll Woody Allen da schon kaputtmachen können?”, dachte ich. Tja, falsch gedacht. Wieder kann ich einen Film nicht ertragen. Das fängt bei den fürchterlichen Dialogen schon an. KEIN MENSCH würde so sprechen. Die Figuren sprechen gestelzt eine Reihe von One-Linern, die teilweise keinen Bezug aufeinander haben. Dazu lässt Allen lässt alle Charaktere so vor sich hin nuscheln und stottern wie er selbst spricht, was einfach nur absurd ist – wenn eine Scarlett Johansson sich mit “Hallo, Hi, Guten Tag, Hi, wie geht´s, guten Morgen, ja, hier bin ich, hallo”, vorstellt, ist das in höhstem Maße unglaubwürdig.

Weiter geht es mit der statischen Kamera, die an jeweils einer Szene klebt und nur gelegentlich ein wenig zoomt – wenn sie nicht gerade unfreiwillig einen Jump-Cut absolviert. Das ist ein legities Stilmittel, wenn es bewusst eingesetzt wird – Allen rutscht das aber gelegentlich unbeabsichtigt durch, was als Anschlussfehler gelten kann. Dabei ist seine Fotografie nicht mal ästhetisch, sondern sehr altmodisch und mit ihrem 70er-Stil oft an der Grenze zum schmuddeligen bzw. notgeil-voyeuristischen, was heutzutage beides antiquiert und unangenehm ist. Im Ernst: Optisch sind Allens Filme so grausam, dass sie sogar so ausgesprochen schöne Menschen wie die Johansson, Naomi Watts oder Colin Farrell unscheinbar und dumm wirken – das muss man auch erst einmal hinbekommen.

Zum Eindruck der Dummheit steuern nicht nur die schlechte Kamera und die Schmerzen bereitenden Dialoge, sondern auch die schlimmen Geschichten bei. Woody Allen schreibt seine Stories und Drehbücher selbst, und leider sind seine Geschichten nur selten interessant. Was er sich aus seinem Altherrenhirn raussaugt ist banal, unoriginell und in oft in höchstem Maße ärgerlich, weil die Stories auch in sich nicht konsistent sind und die wenigen Plotideen so ausgewalzt und herausgestellt werden, dass sie zur Karikatur werden. Allens Geschichten sind in der realen Welt angesiedelt, aber vollkommen unglaubwürdig und oft weniger Sinn ergebend als eine Folge Spongebob.

Über diese schlecht geschriebenen, schlecht gespielten und schlecht gefilmten Szenen packt der Regisseur drüber, was ihm gerade einfällt – im Fall von “Match Point” ist das Opernmusik, die permanent und aufdringlich unpassend über die Szenen geklebt ist.

Nein, ich komme nicht umhin zu sagen: Woody Allen ist einer der am meisten überschätzen und am wenigsten talentiertesten Filmemacher die es gibt. Quasi der Uwe Boll seiner Liga, nur das Boll oft noch Einfälle hat und Allen durch die schiere Größe seiner Projekte noch tiefer fällt. Ich habe keine Ahnung worauf sich sein Ruf begründet, und vielleicht ist es ein wenig wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider”, wo einfach mal jemand die Wahrheit laut ausprechen muss, damit Sie sich alle anderen auch eingestehen: Woody Allens Filme sind handwerklich und erzählerisch schlecht, er hat kein Gespür für Menschen und Dialoge, und EGAL wer mitspielt oder wie interessant der Ort oder die Handlung klingen mögen – man sollte seine Filme um jeden Preis meiden.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 25. April 2014 in Betrachtung

 
 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 37 Followern an