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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Schweinische Nachbarschaft

Tritt man aus meiner Haustür und geht eine Minute geradeaus, steht man inmitten von hügeligen Wiesen, von denen einen Pferde doof anglotzen. Hält man sich rechts und geht an den Galloway-Rindern vorbei und Richtung Fluß, führt der Weg nach 5 Minuten leicht bergan und in den Wald. Die Wälder hier sind voller Wildschweine und Rehe, und weiter oben am Weg hat man ein Stück Wald eingezäunt. Dort kann man eine ganze Rotte sehen und auch füttern, ab März auch mit ihren Frischlingen.

Vor Jahren ist einer dieser Frischlinge verloren gegangen. Das passiert dauernd, und normalerweise tauchen die irgendwann wieder auf*. Dieser besondere Frischling hat es aber irgendwie ins Dorf geschafft, sich dort durch eine offene Kellertür geschlichen und es sich dann im Körbchen eines Dackelwelpen bequem gemacht. Als die Besitzerin des Dackels das kleine Schweinchen entdeckte, brachte sie es nicht über Herz es zu töten. Das Wildschwein wuchs gemeinsam mit dem Dackel auf, und lernte Dinge wie Stubenreinheit, Gehorsam und Tricks wesentlich schneller als er.

Das war vor 10 Jahren, und wenn ich heute aus dem Küchenfenster blicke, dann bietet sich mir manchmal so ein Anblick:

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Nun haben aber Wildschweine die Eigenschaft recht groß, um nicht zu sagen: furchteinflößend groß, zu werden. So auch dieses Wildschwein, das jetzt eine Höhe von ca. 120 Zentimetern hat. Da seine Besitzerin selbst nur um die 1,55 m ist, bieten die beiden ein skurriles Bild, wenn sie gemeinsam unterwegs sind: Ein Schwein, das fast größer ist als seine Besitzerin. Gefolgt von einem Dackel. Willkommen in Mumpfelhausen.

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* In den meisten Fällen an der Seite von Rotkohl und Kartoffeln im örtlichen Landgasthof.

 
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Verfasst von - 30. September 2014 in Gnadenloses Leben, Historische Anekdoten

 

Momentaufnahme: September 2014

Herr Silencer im September 2014
September ist der BESTE Monat um Urlaub zu machen. Leider muss ich arbeiten.

Wetter: Zu Monatsbeginn kühl, neblig, herbstlich, 15 bis 20 Grad. In der Mitte dann ein paar Tage Hochsommer mit Sonne und Temperaturen um 23 Grad, dann sackt das Thermometer auf 10 Grad ab und verliert sich im Grau. Das letzte Wochenende erstrahlt im Altweibersommer: Sonne satt und 15-20 Grad.
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Lesen:


Bill Willingham Fables (20): Camelot
Bereits in den letzten Bänden versuchten die Autoren zu schocken: Winter wird zum Nordwind, Therese zu Kannibalin, ihr Bruder stirbt. Und dann wird auch noch Bigby von einem absurden Pophans getötet. Im neuesten Band versucht die Belegschaft des 13. Stocks Bigby wieder zu vereinen, während der im Jenseits seine Jagdgründe erkundet. Derweil wird im Diesseits das Ensemble um Rose und Snow in ein Remake der Artussage gepresst. Schlecht geschrieben, langatmig erzählt und unnötig. “Fables” hätte einen Neustart nötig, die Serie läuft schon mindestens 5 Bände zu lang und hat total den Fokus verloren.
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Hören:

U2 Songs of Innocence [MP3]
Zwangsweise, als iPhone-Nutzer kriegt man das Album zwangsweise in den Account gepusht. Dabei war ich ohnehin interessiert, denn U2 habe ich früher -so Anfang der 90er- geliebt. Die letzten Alben waren eher so meh bis peinlich und bestanden hauptsächlich aus Bonos rumgeheule. Das neue ist, nach ersten drüberhören, dagegen regelrecht… gut. Es ist rockiger und kraftvoller als seine Vorgänger. Eine positive Überraschung.
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Sehen:

Lilyhammer S1 & 2 [Watchever]
Jede Mafiagruppe hat einen “Fixer”, einen Mann für alle Fälle, der Probleme schnell und dezent beseitigt und dafür in der Hierarchie der Organisation ganz oben steht. So einer ist Frank Tagliano – zumindest bis zu dem Tag, an dem eher die New Yorker Mafia verpfeift und ins Zeugenschutzprogramm wechselt. Er kann sich einen Ort für ein neues Leben aussuchen, und weil er die olympischen Spiele so schön fand, wählt er das verschlafene Lillehammer in Norwegen als Unterschlupf. Ganz abschütteln kann er seine Vergangenheit aber nicht, und sein Wesen ändert sich auch nur langsam.

Klingt wie eine typische “Clash of Cultures”-Komödie, ist es aber nicht – jedenfalls nicht in der erwartbaren Richtung. Die Macher sparen sich komische Situationen, die dadurch entstehen, dass ein Amerikaner auf norwegische Eigenarten trifft. Frank Tagliano stapft durch den Schnee im vollen Bewusstsein was er tut und wie es in Norwegen läuft. Die absurden Momente entstehen dann, wenn er Mafiamethoden anwendet und damit die gesetzestreuen Norweger schockiert. Eine feine Umkehrung, und es macht einfach Spaß zu sehen, wie der Mafiosi zum Paten von Lillehammer aufsteigt. Das die Nebenfiguren allesamt einen leichten “Twin Peaks”-Touch haben, macht das ganze nur besser. Lieblingsfigur: Der Rocker mit Rücken, der sich für einen Zumbakurs einschreibt, weil er vermutet das sei eine fernöstliche Kampfsportart. Eine der besten Serie der letzten Jahre.

Snowpiercer [PSN]
In der Zukunft: Die Erde ist erkaltet und meterdick mit Eis überzogen. Bevor die Menschheit über den Deister gegangen ist, hat sie noch fix alle Eisenbahnstrecken der Welt miteinander vertüddelt. Die letzten überlebenden Menschen sitzen nun in einem Hightech-Zug, der mit wahnsinniger Geschwindigkeit immer um den Globus rast. An Bord gibt es ein strenges Klassensystem. Im hinteren Zugteil sind die armen Schlucker untergebracht, je weiter man nach vorne kommt, desto luxuriöser wirds. Eines Tages startet die Revolution, und der hintere Zugteil macht sich auf dem Weg zu Lokomotive.
“Snowpiercer” wurde im Vorfeld als ScFi-Offenbarung abgefeiert. Keine Ahnung warum. Abgenudelt wird hier die alte “Revolutionär kämpft sich durch, am Ende bekommt er die Verantwortung und wird zu dem, was er bekämpfen wollte”-Geschichte. Der Cast ist zwar prominent, aber Captain America und John Hurt wirken irgendwie abwesend und telefonieren ihre Rollen nur durch, Tilda Swinton versteigt sich in eine Sketchup-Nummer mit falschen Zähnen und Goldfischbrille und Ed Harris trägt so dicke Eier zur Schau, dass man ihm sofortiges Ableben wünscht. Dazu kommt hammerschlechtes CGI und die Tatsache, dass die Grundidee von Snowpiercer für mich einfach nicht funktioniert. NIEMAND, der das Ende der Welt überleben will, tut das, in dem er wie blöde in einem Zug um die Welt rast. Die Idee ist Schwachsinn, und der Film tut wenig sie glaubwürdig darzustellen – s´is halt so. Leider fällt dadurch alles quasi ab Start auseinander und wirkt albern.

Monument Men [PSN]
Im zweiten Weltkrieg gründen die USA eine spezielle Gruppe im Militär. Die “Monument Men” tragen Uniform, sind aber eigentlich Kunstexperten und Historiker. Ihre Aufgabe: Von den Nazis geraubte Kunstwerke in den Wirren des Kriegsendes aufspüren und schützen.
Was für ein Stoff! Was für ein Cast (Clooney, Goodman, Murray, etc.)! Es ist allerdings nie ein gutes Zeichen, wenn das Studio und der Verleih die Veröffentlichung ewig verschleppt, und im Fall von “Monument Men” wissen wohl alle Beteiligten, dass sie Mist abgeliefert haben. Leider weiß der Film nicht, was eher sein will: Mal fühlt er sich an wie ein Kriegsdrama, mal wie Oceans Eleven im WWII, mal wie eine Komödie. Damit reitet Regisseur Clooney das Ding voll gegen die Wand und lässt das Ganze wirken wie eine Nummernshow und ein Starvehikel. Sehr schade, zumal ich weiß wieviel Aufwand in dem Film steckt – er wurde zu großen Teilen hier um die Ecke, im Harz, gedreht.

Guardians of the Galaxy [Kino]
Ein kleiner Junge wird von der Erde entführt. 20 Jahre fliegt er in einem eigenen Raumschiff rum und klaut Sachen, weshalb ihm nicht nur die Polizei, sondern auch Kopfgeldjäger auf den Fersen sind. Mit letzteren und ein paar Zufallsbekanntschaften ergibt es sich, dass er die Galaxie vor der Zerstörung schützen muss.
Meine Güte, was für ein cooler Film. Seine Strärke ist gar nicht die egale Story, sondern das Zusammenwirken der unfreiwilligen Heldengruppe. Die tollen Charaktere agieren zu sehen ist eine wahre Freude – und da einer von ihnen ein sprechender Waschbär und ein anderer eine humanoide Pflanze ist, ist das schon eine große Leistung. Bislang bester Blockbuster in diesem Jahr, noch knapp vor Captain ´murica 2
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Spielen:

Heavenly Sword [PS3]
Der Legende nach soll im Jahr des kotzenden Pferds ein großer Krieger geboren werden, der mit einer mythischen Waffe für Frieden im Lande China sorgt. Tatsächlich wird kein Uberkrieger geboren – es gibt nur eine Geburt, und die lässt ein Mädchen das Licht der Welt erblicken. Ihr Vater ist davon so enttäuscht, dass er das Kind töten will. Er entscheidet sich dagegen, lässt das Mädchen aber ihr ganze Leben spüren, was für eine Enttäuschung sie ist. Nariko, so ihr Name, wird isoliert und zum einsamsten Menschen in ihrem Clan. Menschen, die niemanden haben, haben auch nichts zu verlieren, und als Kaiser Bohans Truppen das Land überrollen, ergreift sie das Heavenly Sword und nimmt den Kampf auf.

Heavenlyl Sword ist aus dem Jahr 2007, und das merkt man. Es sieht immer noch super aus, aber das Gameplay ist teilweise gruselig, Rücksetzpunkte sind unfair gesetzt und ein großer Teil der Zwischensequenzen lässt sich nicht überspringen. Ich MAG Zwischensequenzen, aber nicht, wenn ich nach jedem Exitus erst wieder zwei Minuten Film gucken muss, bis ich eine Stelle erneut versuchen kann. Die Steuerung ist träge und unpräzise, in Kämpfen geht die Orientierung schnell verloren und der Schwierigkeitsgrad ist enorm. Warum ich es trotzdem durchgespielt habe? Wegen den Charakteren. Die werden nämlich von Anna Torv (“Fringe”) und Andy Serkis (“Herr der Ringe”) gespielt, wobei das Skript zum Spiel auch von Serkis stammt. Seinen künstlerischen Einfluss merkt man dem Spiel an, sowohl was die Präsentation der Cutscenes als auch die generelle Aufmachung angeht. Unterlegt ist dieses kleine Kunstwerk mit Musik des Prager Philharmonieorchesters.

God of War 3 [PS3]
Kratos ist ein Krieger von Sparta und ein ausgesprochener Kotzbrocken, der auf den Olymp klettert und reihenweise die Götter umbringt.
Wait, what? Die Vorgeschichte der ersten Spiele wird nur kurz angerissen: Irgendwas mit kaputter Familie und einem tricksenden Kriegsgott. Egal. Die Präsentation ist gigantisch: Kratos kletter, rennt und metzelt auf berggroßen Titanen herum, würgt griechische Sagengestalten und verhackstückt einen Gott nach dem nächsten. Das bleibt nicht ohne Folgen: Nach Helios Tod wird es dunkel, nach Poseidons Ableben wird die Welt geflutet. Als Spieler hat man irgendwann keine Lust mehr, die Welt mit diesem egoistischem Unympathen ins Chaos zu stürzen, der nur seine Rache im Kopf hat. Erst am Ende kommt der große Erkenntnismoment, wenn Kratos über die Reste der Welt schaut, die nun für die Menschen die Chance gibt, sich frei vom Joch der Götter zu entfalten.
Bis dahin gibt es 8 Stunden tollste Kletter und Kampfunterhaltung – das, was “Kampf der Titanen” im Kino hätte sein können, wird hier in Spielform beeindruckend zelebriert.

God of War: Ascension
Der Vorgänger, God of War 3, endete mit dem Suizid Kratos. “Acension” ist ein Prequel, das erzählt, wie Kratos vor seinem Aufstieg zum Kriegsgott den Fängen der Furien entkam.
Tolle Schaupltze, wieder großartige Präsentation, in der Summe großer Spass.

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Machen:
Das Übliche im September.
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Neues Spielzeug:
-
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. September 2014 in Momentaufnahme

 

Verzweifelt

Verzweifelung macht sich breit. Ich bin todmüde. Sobald das Licht an ist, fallen mir die Augen zu. Der Körper kann nicht mehr, will nicht mehr, braucht Schlaf. Aber im Hirn rasen die Gedanken. Ein Ohrwurm dudelt im Hintergrund, während Bilder, Gesprächsfetzen, Überlegungen vorbeirauschen. Das Hirn feuert aus allen Rohren, es läuft im Overdrive, lässt keine Ruhe zu.

Ich bin extra früh ins Bett gegangen, weil ich kaputt war und der morgige Tag wichtig wird. Und jetzt ist es sechs Stunden später, und ich habe immer noch kein Auge zugemacht. Seit sechs Stunden wälze ich mich hin und her und schrecke wieder hoch. Mache das Licht an, tappe durch die Wohnung. Versuche zu lesen und finde das Buch unsäglich doof. Die rasenden Gedanken plärren was von Zeitverschwendung und das Schlaf gebraucht wird. Jaja, wem sagen die das. Verzweifelung macht sich breit. Was für eine Katastrophe, ausgerechnet heute nicht schlafen zu können.

Draußen wird es schon wieder hell, als ich doch endlich eindöse. Für eine Stunde, mehr ist von der Nacht nicht übrig. Am nächsten Tag bin ich gerädert, fahrig, unkonzentriert, abwesend. Das war schon die zweite durchwachte Nacht in diesem Jahr. Ich hoffe, das häuft sich in Zukunft nicht.

 
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Verfasst von - 23. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

Abgrund Schuhe kaufen (III): Die Erlösung

Wir erinnern uns: Meine Lieblingsabenteuerschuhe haben mich über die Straßen von London, Barcelona und anderen Traumstädten sowie drei Jahre im Alltag ständig begleitet. Nach vielen Reparaturen haben die BamaTex dann aber letztlich den Weg allen Irdischen genommen.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Die Suche nach Ersatz gestaltete sich überraschend schwierig: Stabile Halbschuhe mit Mebran und Stadt-/Landtauglicher Sohle in dezenter Farbe in 41 waren im Einzelhandel quasi nicht zu bekommen. Letztlich entschied ich mich dann für diese hier von Ecco.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Ganz glücklich wurde ich in den kommenden Wochen damit aber nicht. Die Eccos erwiesen sich als Panzer: Mit 500 Gramm als recht schwer, außerdem ist die Sohle sehr steif und an der Ferse ist eine “patentierte Fersenhalterung”, die bei längerem Tragen scheuert. Außerdem schwitzt der Fuß, trotz GoreTex-Membran, wie irre.

Bei meiner langen Suche war ich noch über ein zweites Modell von Ecco gestolpert. Leichter, eleganter, auch mit Membran. Und in einem Anfall von Kaufrausch und Verzweifelung legte ich mir auch die zu.

Ecco light drei: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt trotz Membran.

Ecco light III: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt, trotz Membran.

Elegant sind sie, leicht zu tragen auch, und eine kleine scheuernde Stelle am Zeh, das läuft sich sicher noch ein. Aber: Auch in diesen Schuhen ist der Fuß nach kurzer Zeit nass. Das muss man auch erstmal hinbekommen: Eine echte Goretex-Membran verbauen und dann trotzdem Schwitzkästen aus den Tretern machen.

Meine Verzweifelung war mittlerweile noch größer, denn die nächsten, langen Fußstrecken stehen kurz bevor und keine meine Neuerwerbungen ist dafür tauglich.
Heute nun kam ich an der örtlichen Reno-Filiale vorbei, die zuvor wochenlang wegen Umbaus geschlossen war. Das Ganze war wie eine Erlösung in zwei Stufen: Zunächst die Erfahrung, dass es doch noch fähige, freundliche Verkäuferinnen gibt.

Und dann fand ich im Regal ein paar BamaTex, die die Ur-Enkel meiner Lieblingsschuhe sein müssen. Die Sohle ist identisch, die Form ähnlich, und die Farbe exakt so, wie Abenteuerschuhe sein müssen.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Die Sohle ist identisch.

Die Sohle ist identisch.

Beim Reinschlüpfen war es so, als ob meine Füße ein wohliges und erleichtertes “aaah” von sich geben würden. Die Schuhe passen perfekt. Bis auf eine Stelle am Zeh, aber das war bei den anderen auch so und trägt sich ein. Klimatechnisch sind die auch spitze, da schwitzt nichts. Mit 400 Gramm sind sie sehr leicht, und preislich kosten sie nur zwei Drittel eines Ecco-Paares.

Ich werde mir wohl wirklich gleich ein zweites Paar zulegen und die auf Lager halten. Allerdings erst nächsten Monat, in diesem habe ich – durch die, nunja, mehr oder weniger ungeeigneten Käufe, über 300 Euro für Schuhe ausgegeben. So viel habe ich die letzten 8 Jahre zusammen nicht für normale Schuhe ausgegeben. Aber egal, dafür bin ich jetzt wieder für jede Gelegenheit ausgestattet, und die neuen Bamas machen mich gerade sehr glücklich.

Die nächsten Städtetouren können kommen.

 
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Verfasst von - 20. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

501 Black

//Modeblogmodus an
Bei Jeans kommt bei mir nur eine in Frage: Die 501 von Levis. Seit Jahrzehnten ein unverwüstlicher Klassiker, die Essenz von allem, was eine Jeans ausmacht, zeitlos und passend zu allem. Kennt man Bundweite und Beinlänge, kann man die 501 kaufen ohne sie anzuprobieren – sie passt immer.
// Modeblogmodus aus

Jaja, wenn das man so wäre. Tatsächlich trage ich das Modell seit Jahren, weshalb sich hier eine veritable Kollektion an 501 in unterschiedlichen Verfallsstadien angesammelt hat. Einige sind im Geschäft gekauft, andere über Onlinehändler, wieder andere gebraucht. Was mir immer schon aufgefallen ist: Die Größe unterscheidet sich eben doch. Ich hatte das darauf geschoben, dass die gebrauchten mal zu heiß gewaschen wurden o.ä. Aber weit gefehlt – tatsächlich ist es so, dass an dem zeitlosen Klassiker alle paar Jahre Modelländerungen gemäß dem Modegeschmack vorgenommen werden – und das auch noch je nach Markt unterschiedlich. Das erklärt nicht nur den unterschiedlichen Sitz, sondern auch die stark unterschiedliche Haltbarkeit.

Amazon verkauft z.B. neue 501 ganze 30 Euro billiger als in deutschen Geschäften. Dafür ist deren Stoff leichter, Labels sind anders und die Größe ist etwas labberiger. Es handelt sich aber definitiv um Originalware – nur vermutlich in einem anderen Markt eingekauft.

501b

Ich habe genau EINE 501, die seit 10 Jahren hält und perfekt passt. Sie besteht aus schwerem Stoff und ribbelt nirgends auf, wie ihre ausgefranzsten Schwestern. Das ist meine Abenteuerjeans, die alles mitmacht und die vor allem auf jede Reise mitkommt. Mit einer schwarzen Jeans ist man immer richtig gekleidet – egal ob man in den Bergen rumklettert oder ins Theater will. Selbst einen Motorradsturz hat sie schon überstanden. An einer Stelle am Knie ist der Stoff etwas rauer, dort, wo das Gewicht von Motorrad und mir drauf lag, als wir über den Asphalt geschlittert sind.

Diese 501 hält alles aus, allerdings bleicht sie im Laufe der Zeit aus – aber diese spezielle Jeans hat es sich verdient, dass sie alle zwei Jahre in der Waschmaschine nachgefärbt wird. Jetzt war es mal wieder an der Zeit. Und, was soll ich sagen?

Sieht aus wie neu, siehe oben. Black is beautiful.

 
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Verfasst von - 11. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bumm-Bumm-Bumm

BUMM. BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMBUMM.

Das Haus, in dem ich wohne, ist über die Jahrzehnte und Jahrhunderte zig mal umgebaut und erweitert worden. Der Westflügel meiner Wohnung, in dem das Arbeitszimmer und die Küche liegen, sind noch Bestandteil des alten Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert. Niedrige Decken, Holzfußboden, tolles Raumklima durch Lehmwände.

BUMM. BUMM. BUMMBUMM.

Der Ostflügel, in dem Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer ist Teil eines Neubaus aus den 1970er Jahren, zumindest zum Teil. Das Badezimmer liegt in einem Anbau aus den 1890er Jahren. Höhere Decken, andere Wände, Parkettfußboden. Die Umbauten sorgen dafür, dass alles herrlich verwinkelt ist. Alle Wohnungsteile gehen mit kleinen Stufen ineinander über, und allen ist gemein, dass ihre Decke mal das Dach war, den das Stockwerk über mir ist erst in den 1980ern draufgebaut worden. Die dicke Decke ist der Grund, weshalb ich von der Wohnung über mir so gut wie nichts mitbekomme. Bis jetzt.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMMBUMMBUMMBUMMBUMM. SCHEPPER.

Vor sechs Wochen sind in der Wohnung über mir neue Mieter eingezogen. Dem Vernehmen nach ein junges Paar. Gesehen habe ich sie noch nicht. Also, vielleicht schon, während des mehrtägigen und mehrnächtigen Umzugs tobten hier ein Dutzend Helfer durchs Haus, und dem ein oder anderen stand ich dann schon mal gegenüber. Da die aber nur dullig glotzten und sich nicht vorstellten, weiß ich nicht, ob einer von denen zur neuen Nachbarschaft gehört. Wie auch immer: Allein durch die Lautstärke des Umzugs und das nächtliche Möbelrücken habe ich schon einen ziemlich unguten Eindruck bekommen. Aber egal, dachte ich mir, so ein Umzug ist irgendwann vorbei, irgendwann steht auch das letzte Möbelstück an seinem Platz, und dann kehrt wieder Ruhe ein.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM.

Tja, verkehrt gedacht. ER ist nämlich ein Trampeltier vor dem Herrn. Ich habe echt gedacht ich höre nicht richtig, als ich von einer Dienstreise zurück kam, abends auf die Couch sank und wieder hoch schreckte, als es plötzlich BUMM machte und die Gläser im Schrank klirrten. Ohne scheiß – in der Wohnung über mir trat jemand so fest auf, dass ich nicht nur den Fußtritt hörte, sondern die Erschütterungen spüren konnte. Der junge Mann hat einen so dermaßen festen Tritt, als ob er den Fußboden hasst und ihn das mit jedem Schritt spüren lassen will.

BUMMBUMMBUMMBUMM. BUMM-BUMM. BUMM-BUMM.

Wenn er durchs Treppenhaus geht, ächzt und stöhnt das Holz der Stufen unter seinen Schritten und es klingt, als wenn gleich alles zusammenfällt. Dazu kommt noch eine andere Eigenart: Der Typ sitzt nicht still. Der kommt Abends nach Hause und beginnt in seiner Wohnung auf und ab zu laufen, und hört damit in den nächsten drei bis fünf Stunden nicht mehr auf!
Man stelle sich das mal vor: KEINE. SEKUNDE. PAUSE.
Immer durch die Wohnung, BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von links nach rechts, dann wieder BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von rechts nach links. Was soll das? Warum macht man das?

Mein Problem dabei: Ich konnte mich nicht dazu durchringen was zu sagen. Ist ja nicht so, dass die da oben die ganze Nacht Party machen würden. Das ist halt der normale Tritt des Typen. Vielleicht waren auch die Vormieter einfach besonders leise und ich daher von Ruhe verwöhnt? Obwohl… selbst durch die Gegend springende Kinder waren da oben nicht zu hören. Ich war im Zweifel… Kann man das echt bringen, zu klingeln und zu sagen: “Hallo, ich bin ihr Nachbar, und können´se mal aufhören hier rumzutrampeln wie ein Geistekranker?” Vielleicht würde ich mich ja auch dran gewöhnen, dachte ich.

Über die letzten Wochen ist dann was ganz erstaunliches passiert. Ich wurde porös. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich entwickelte mich zu einem buckligen, bösartigen Nachbarnhasser. ALLES an den neuen Nachbarn nervte mich. Das Auto, ein oft geflickter Polo aus den 80ern, das direkt vor dem Haus parkt? Eine rollende Asikiste, und die Fahrer sind zu faul drei Schritte zu Fuß zu gehen. Die Restmülltonne voller Alkopop-Flaschen? Versoffenes Pack, dem noch niemand das Konzept der Mülltrennung erklärt hat. Die Fleischreste in der Biotonne? Widerliche fleischfressende Vollidioten, die Ratten für erstrebenswerte Haustiere halten. Die laute Waschmaschine, die gerne mal um kurz vor 22 Uhr angestellt wurde? Zu bequem das Ding richtig hinzustellen, und von Nachtruhe haben die auch nicht nichts gehört.

Dazu kamen die ausgedehnten Öffnungszeiten der Trampelbude, denn das Tier arbeite wohl im Schichtdienst und schlief tagsüber. Damit blieb mehr Zeit um Nachts bis um halb Eins, Morgens dann wieder ab 05.30 Uhr rumzutrampeln.

Es war, als hätte das dauernde Getrampel nicht nur an meinen Nerven gesägt, sondern auch jegliche Verständnis und Toleranz aus mir rausgeschüttelt und einen hässlichen Prinzipienreiter in mir geweckt. Ich konnte die Leute nicht ausstehen, und dabei hatte ich sie noch nichtmal gesehen, geschweige denn kennengelernt! Das machte mir selbst ein wenig Angst, und so beschloß ich die Mördergrube, die mein Herz mittlerweile war, zu öffnen. Vorgestern war es soweit. Ich hatte tagelang überlegt wie ich es formulieren sollte, und hatte am Ende eine leicht verständliche, nicht sarkastische und freundliche Variante von “Hörense auf rumzutrampeln wie ein Elefant” gefunden. Trotzdem war ich ein wenig nervös, aber der Vorsatz stand: Ich musste das jetzt ansprechen, sonst würde ich noch an meinen eigenen, giftigen Gedanken ersticken. Oder zu einem Blockwart oder ähnlich schlimmen mutieren.

An der Haustür fing mich an diesem Abend meine Vermieterin ab. Die alte Dame hatte eine Trauermiene aufgesetzt. Im ersten Moment dachte ich, dass etwas mit ihrem schwerkranken Mann sei. “Nein, mit dem ist alles in Ordnung”, sagte sie. “Aber haben sie es noch nicht gehört? Die von oben, die ziehen wieder aus.” Ich starrte sie mit offem Mund an.
“Die hatten noch nie davon gehört, dass zur Miete auch Nebenkosten kommen, und jetzt stellt sich raus, dass sie sich das nicht leisten können. Stattdessen ziehen sie wieder zu ihren Eltern”, sagte die Vermieterin und schüttelt den Kopf. “Manche denken auch nicht für zehn Pfennig nach. Und ich habe jetzt den Ärger mit dem Mieterwechsel, ach, ach, ach.”

Vielleicht bin ich wirklich ein schlechter und verbiesterter Mensch. Vielleicht bin ich nicht besser als die kleinkarierten Knöllchenhorsts dieser Welt. Vielleicht steckt das aber in jedem von uns, und es ist die Kunst, den inneren Blockwart und Paragrafenreiter im Zaum zu halten. Wie auch immer. In dem Moment, als ich diese Nachricht hörte, tat mein Herz einen kleinen Freudensprung. Seitdem habe ich unkontrolliert gute Laune, und wenn es wieder BUMM-BUMM-BUMMert, lächele ich still vor mich hin und denke: Nicht mehr lange…

 
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Verfasst von - 7. September 2014 in Betrachtung, Gnadenloses Leben

 

Gefahrenstoffel

Strickjacke über Amazon bestellt.
Passt nicht.
Kein Drama, kann man ja zurücksenden. Müsste man denken.

Rücksendeantrag nicht möglich, sagt Amazon, weil:

“Aus Sicherheitsgründen können Artikel, für deren Betrieb Batterien oder leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase benutzt werden oder die als Gefahrengut klassifiziert sind, nicht an Amazon.de zurückgegeben werden.”

2014-09-04 19_45_44-Amazon.de - Rücksendezentrum

Öh. Aha. Na gut, dann schreibe ich dem Amazon halt mal:

Bei dem Artikel handelt es sich um eine Strickjacke. Ich habe sie sorgfältig geprüft, sie enthält keine leicht entflammbaren Flüssigkeiten oder Gase und benötigt auch keine Batterien. Diese skurrile Meldung taucht nur bei Größe 48 des Artikels auf. Wie kann ich einen Rücksendeantrag an den Verkäufer richten?

Worauf sich Amazon prompt für nicht zuständig erklärte. Eine Mail an den Verkäufer wurde allerdings prompt telefonisch bearbeitet. Herrliches Telefonat, denn der gute Mann sprach in schnellem sächsisch Sätze wie “Das kennen was schon von Amazon, diese Matschbirnen und Flitzpiepen kriegen das einfach nicht auf die Reihe”. Ich musste echt ein Lachen ob des sächselnden Gemütsausbruchs unterdrücken. So sorgt man für gute Laune bei Käufern :-)

 
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Verfasst von - 5. September 2014 in Gnadenloses Leben

 
 
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