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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Letzte Meile

Umzug heisst auch: Telefon und Internet muss umgemeldet werden. Läuft ja normalerweise so: Man füllt Formulare im Netz aus, bekommt dann per Post Bestätigungsschreiben, muss die unterschrieben zurückschicken, bekommt dann einen groben Termin genannt der mit Sicherheit NICHT passt (Am 24.12., irgendwann zwischen 07.00 und 14.00 Uhr), muss sich quasi einen Tag frei nehmen, und dann kommt der Techniker entweder gegen 18.00 Uhr der gar nicht.

Ich bin bei einem kleinen, lokalen Telefonanbieter. Der ist ein paar Euro teurer als die großen Konzerne, und schnelles 50 MB-Internet gibt´s auch nicht, weil weder Vectoring noch Glasfaser gemacht werden kann. Aber dafür können die anderes: Zum Beispiel den Internetanschluss per Handarbeit und über Wochen auf die maximal machbare Geschwindigkeit testen und einregeln, was dazu führt, dass ich zumindest DSL6000 habe, in einer Nachbarschaft, in der die Telekom alles über 2000 für unmöglich hält.

Und was sie auch können: Einen Termin machen und einhalten. Ein Anruf, sofort und ohne Warteschleife beim richtigen Ansprechpartner gelandet, für den Folgetag für 13.30 Uhr verabredet.

13.29 Uhr fährt der Wagen vor. Leitungen werden gemessen, am Hausanschluss was umgesteckt, nach 10 Minuten ist der Käse gegessen.

SOLCHE Leistungen sind mir die paar Euro pro Monat durchaus wert, die finanzieren nämlich fähiges Personal, das gut organisiert ist. Und DSL6000 reicht vorerst auch noch.

 
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Verfasst von - 27. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bis einer heult (2)

“Ist alles in Ordnung?”, frage ich. Durch den kleinen Spalt, den sie ihre Haustür geöffnet hat, sieht mich meine Vermieterin irritiert an. Sie hat Tränen in den Augen.

Frau Holzer ist 96 Jahre alt. Körperlich ist von ihr nicht mehr viel übrig. Sie ist ein mageres, gebrechlich aussehendes Mütterchen, die Jahre haben sie auf 1,50m Körpergröße geschrumpft. Ihr Mann ist genauso alt wie sie. Geistig sind beide Holzers noch absolut klar, bis vor wenigen Jahren haben die beiden gelernten Buchhalter sogar noch Buchführung für kleine Unternehmen in der Umgebung gemacht.

“Kommen Sie rein”, sagt sie und öffnet ihre Wohnungstür, während sie vorsichtig ins Treppenhaus lugt. Ich betrete das Wohnzimmer, und wir setzen uns an einen großen Buchentisch mit Marmorplatte.

“Die machen mich total fertig, ich weiß gar nicht mehr was ich noch machen soll”, sagt Frau Holzer und lässt jetzt den Tränen freien Lauf. Es tut mir fast körperlich weh, die alte Frau so aufgelöst zu sehen. Auf dem Tisch liegt noch der Brief vom Bundespräsidenten, den die Holzers vor wenigen Tagen bekommen haben. Joachim Gauck gratuliert ihnen darin zur Eisernen Hochzeit. 65 Jahre sind die beiden jetzt verheiratet. Der Brief hat noch einmal schmerzlich bewusst gemacht, dass es keinen nächsten Hochzeitstag mehr geben wird. Herr Holzer hat Lungenkrebs, und bei einem 96jährigen ist eine Therapie weder sinnvoll noch möglich. Er hat nur noch wenige Wochen, vielleicht nur noch Tage.

“Können sie sich das vorstellen? Die haben mir mit dem Anwalt gedroht! Mit dem Anwalt!”, schluchzt Frau Holzer und setzt ihre Lesebrille ab, um sich die Augen mit einem Stofftaschentuch abzutupfen.

“Die” sind dieses merkwürdige Paar, das über mir eingezogen ist. Und ja, kann ich mir vorstellen das die gedroht haben, ich habe es sogar mitbekommen. Ich war nämlich unfreiwilliger Ohrenzeuge. Als ich heute Abend nach Hause gekommen bin, standen gleich vier Leute in der Eingangshalle um Frau Holzer herum. Ein sicher zwei Meter großer und 120 Kilo schwerer Mann Anfang zwanzig, eine 1,60m große Frau, die aussah wie 16, und ein Paar Anfang 50 guckten mich dullig an, bis ich die Treppe hinauf verschwunden war. Der riesige Kerl und die kleine Minderjährige sind wohl das neue Mieterpärchen.

Offensichtlich hielten sie gerade inne, in einem schon länger dauernden Gespräch. Kaum war ich außer Sichtweite, legten sie wieder los. Zu viert redeten sie auf die kleine Frau Holzer ein, und durch die geschlossene Wohnungstür hörte ich Fetzen wie “Wir bleiben auf den Kosten nicht sitzen!”… “Wir werden sie verklagen…” “…Lebensgefährlich…” “…Mietminderung…”.
Bis ich irgendwann die Tür von Frau Holzers Wohnung zufallen hörte und die Vierergruppe unter empörten Geschnatter durch das Treppenhaus nach oben getrampelt war. Weil ich weiß, wie schlecht es den Holzers gerade geht, musste ich jetzt erst mal schauen ob alles in Ordnung ist, und deswegen habe ich bei den beiden geklopft.

“Was bitte haben “die” denn für ein Problem?”, frage ich, während Frau Holzer sich umständlich schneuzt und tief durchatmet. Die Holzers sind die besten Vermieter, die man sich vorstellen kann. Wenn man bei Holzers wohnt, zahlt man sehr wenig Miete, weil sie mit der Vermietung nicht reich werden, sondern nur ihr Haus erhalten wollen. Wichtig ist ihnen ein gutes Klima im Haus: Alle sechs Parteien sollen gut miteinander auskommen und miteinander leben können, alles andere ist nachrangig.

Ist irgendwas zu reparieren, sagt man einfach Bescheid, und am nächsten Tag steht der Handwerker vor der Tür. Hat man einen Wunsch, erfüllen sie ihn, falls möglich. Wohnen bei Holzers, das heisst: Sie mischen sich in nichts ein, bieten aber Service. Beim Einzug hilft Klempner Holger die Waschmaschine anzuschließen und erklärt einem die Heizung, die über Raumthermostate gesteuert wird, und Elektrikermeister Börne hilft auf Kosten der Holzers beim Anschluss von großen Elektrogeräten. Bessere Vermieter sind sicher schwer zu finden, deswegen wundert es mich doch sehr, dass die Mieter, die gerade mal sechs Wochen hier wohnen, mit Mietminderung und Rechtsanwalt drohen.

“Deren Problem”, sagt Frau Holzer und rückt ihre Brille zurecht, “ist, dass sie fürchterlich gewöhnlich sind”.

Gewöhnlich. Was für ein schöner Ausdruck. Der Wortfan in mir jubiliert. Frau Holzer drückt es nochmal anders aus, für den Fall, dass ich mit dem altmodischen Ausdruck nichts anfangen kann: “Die sind so doof wie er lang ist. Die meinen alles selbst machen zu können, dabei können die nix! Die haben unseren Holger weggeschickt und Herrn Börne auch. Und dann war es kalt und die Heizung ging nicht, und ich musste einen Notdienst rufen, am Wochenende. Und was war? Die waren zu doof die Thermostate zu bedienen. Hatten alles verstellt, aber von Holger wollten sie sich ja nichts zeigen lassen. Und jetzt…”, sie schnauft kräftig und holt Luft, “Jetzt wollen die von mir einen neuen Herd haben!”

“Wieso das?”, will ich wissen. “Weil die dumm sind! Die hatten einen Herd, haben den selbst angeschlossen und Bumm, war der kaputt. Dann sind die losgefahren und haben noch einen Herd gekauft, haben den genauso angeschlossen, Bumm, auch kaputt. Ich habe Herrn Börne Bescheid gesagt, der hat alles geprüft und hat eine Überbrückung im Anschluss gefunden. So ein Kabel, dass da nicht hingehört. Dadurch hat der Herd 400 Volt in die verkehrte Buchse gekriegt. Aber DIE behaupten jetzt, die ganze Hauselektrik wäre verkehrt und auf allen Steckdosen wäre Starkstrom. Ich soll denen den zweiten Herd bezahlen, dafür würden sie mir auch den ebenfalls kaputten Kühlschrank erlassen, und sie würden mich auch nicht verklagen, weil ich sie in Lebensgefahr gebracht habe und sie beinah gestorben wären und jetzt keine Freude mehr am Leben haben, weil sie in ständiger Angst leben.”
“Wie großzügig”, sage ich. Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

“Das ist so gewöhnlich“, stöhnt Frau Holzer. “Mein Mann liegt nebenan und stirbt, und die machen mich fertig mit so einem Tinneff, nur weil sie zu dumm sind. Ich habe die gebeten wieder auszuziehen, wenn sie so unzufrieden sind, aber das wollen sie nicht. Sie wollen Geld von mir oder klagen”.

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, mir tut die alte Frau einfach nur leid. Niemand hat es verdient sich mit so dummen Leuten rumärgern zu müssen. Das Problem mit dummen Leuten ist ja meistens, dass sie sich selbst vollkommen überschätzen (der Kruger-Danning-Effekt) UND sich immer im Recht wähnen und das, dank Rechtsschutzversicherung, auch ohne Rücksicht durchzusetzen versuchen. Das kostet Zeit und Nerven, mal abgesehen davon, dass es einfach für schlechtes Karma sorgt.

“Wir wollen doch nur, dass alle zufrieden sind”, seufzt Frau Holzer. “Und die machen mich so fertig… naja, morgen bekommen die erstmal Briefe”, sagt Frau Holzer, “Herr Börne ist auch Gutachter, der hat den Pfusch fotografiert und dokumentiert und schreibt denen, dass alles in Ordnung war bis die dran rumgefummelt haben. Dann schreibt ihnen noch unser Versicherungsbüro. Müssen die ja nicht wissen, dass der Chef davon der Neffe vom Bruder unseres Horsts seiner Marion ist. Darin wird er alle Ansprüche verneinen. Und wenn das nicht hilft, dann würde ich ihnen Bescheid sagen.”

“Mir?”, frage ich erstaunt. “Ja, sie können mal bei Ihrer Arbeit eine Etage tiefer gehen, und dem Anwalt, der dort sein Büro hat, Bescheid sagen, dass seine Frau ihre Großtante ihre Schwester ihre Elisabeth hier ein paar Lümmel hat, die den Hintern versohlt brauchen. Und wenn er ihnen dabei noch ein blaues Auge verpasst oder versehentlich die Nase bricht, habe ich da auch nichts dagegen.”

Jetzt lächelt Frau Holzer kämpferisch. Die Frau hat einen Krieg überlebt, drei Kinder aufgezogen und Unternehmen geführt und gecoacht. Außerdem sollte man IMMER vorsichtig sein sich mit Leuten anzulegen, die einem über siebzig Jahre Lebenserfahrung voraus haben. Ich bin kurz am Überlegen, ob mir die “Gewöhnlichen” leid tun sollten.

“Warum schütteln sie den Kopf?”, fragt Frau Holzer. “Ach nichts”, sage ich und denke: Was zählt ist, wer am Ende heult.

 
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Verfasst von - 20. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Wird langsam

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Man könnte ja denken das ich dieser Tage einfach nur auf der Couch rumliege und Assassins Creed spiele bis mir die Augen zufallen. Das würde ich auch gerne, aber gerade ist anderes wichtiger. Stattdessen bin ich nach Feierabend und insb. an den Wochenenden mit dem Renovieren einer neuen Wohnung beschäftigt.

Kurioses Fundstück: Die Klingel der Wohnung trägt unter der Abdeckung den Hinweis, man möge sie nicht ölen.

Kurioses Fundstück: Die Klingel der Wohnung trägt unter der Abdeckung den Hinweis, man möge sie nicht ölen.

Ich mache das ganz alleine. Schon meine jetzige Wohnung habe ich vor dem Einzug im Alleingang renoviert. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen damals und heute. Vor drei Jahren war diese Arbeit ein Teil einer ganz persönlichen Buße. Bis zum Umfallen auf der Leiter zu stehen und am Ende des Tages vor Muskelschmerzen keine Bewegung mehr machen zu können war sowas wie eine Selbstbestrafung. Ich hatte gerade eine Beziehung beenden müssen und einem geliebten Menschen damit sehr weh getan, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich keine Hilfe bei dem Weggang verdient hätte.

Stattdessen musste ich durch Renovierung allein durch, als ob das ein Weg zur Absolution wäre. Tatsächlich war es der Ausweg aus einer ganz persönlichen Hölle. Ich war damals ohne ein eigenes Zuhause, ohne einen ganz eigenen Rückzugsort, und das ist für eine eher introvertierte Persönlichkeit so ziemlich das Schlimmste was es gibt. Die Renovierung der Wohnung war nicht nur Buße, sondern auch ein Sinnbild dafür, wie ich mir Stück für Stück einen neuen Ort für mich selbst und einen anderen Lebensentwurf baute.

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Seitdem ist die jetzige Wohnung ein Zuhause geworden. Die neue Wohnung renoviere ich jetzt wieder allein, weil sie so fremd ist. Mein jetziges Zuhause gefällt mir gut, es ist MEIN, und die neue Wohnung ist das nicht. Sie riecht noch nach anderen Leuten und Zigarettenrauch, zum Teil stehen noch Möbel und Pflanzen der Vormieter herum, die Wände sind rosa und gelb und grün.

Ich brauche die Zeit während des Renovierens, um die neue Wohnung in Gedanken zu meiner zu machen. Steckdosen und Schalter demontieren, alles abkleben, alte Nägel und Dübel entfernen, Löcher verspachteln Ecken und Kanten vorstreichen, dann die Flächen und schließlich die Decke streichen. Ich hasse es Überkopf zu arbeiten, aber Pinselstrich für Pinselstrich und Rolle für Rolle akzeptiere ich die neuen Räume ein wenig mehr, und mit jedem zugespachtelten Loch und jeder reparierten Steckdose kann ich mich mehr damit anfreunden hier einzuziehen. Das klappt so gut, dass die anfängliche Skepsis schon einer leichten Vorfreude gewichen ist. So langsam wird die Wohnung und auch meine Einstellung zu ihr, und das ist gut und wichtig. Dafür muss dann der Ausflug in die Welt von Unity noch ein wenig warten.

Wird lansam.

Wird lansam.

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Teleskopdings mit Farbtank im Stiel. Die Farbe pumpt man durch die Rolle raus. Hört sich gut an, funktioniert aber so unpräzise, dass man sich das auch echt sparen kann.

Teleskopdings mit Farbtank im Stiel. Die Farbe pumpt man durch die Rolle raus. Hört sich gut an, funktioniert aber so unpräzise, dass man sich das auch echt sparen kann.

 
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Verfasst von - 19. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bis einer heult

Ich finde es total super, wenn Paare eine eigene und auf ihre Weise zivilisierte Streitkultur haben. Es ist das höchste Achievement, was man in einer Beziehung erreichen kann: Aussprechen was einen stört, sich so richtig streiten das die Fetzen fliegen OHNE dabei persönlich zu werden, und sich anschließen wieder zu vertragen ohne jemals nachtragend zu sein. Das ist so unfassbar schwierig, dass es kaum jemand hin bekommt.

Das Paar, dass als Nachfolger in der Wohnung über mir eingezogen ist*, kenne ich nicht. Unser Haus ist nicht groß, die wohnen da schon zwei Monate, aber irgendwie sind wie uns noch nicht einmal über den Weg gelaufen. Sie trampeln nicht, aber sie pflegen ihren ganz eigenen Tagesablauf: Morgens brüllt Er Sie an, Abends Sie Ihn. Das ist Streitkultur.

Allerdings kann das keine gesunde Form des Streitens sein, denn die beiden treiben das so weit bis einer heult. Damit ist der Streit aber nicht vorbei, denn nun stellt sich der Agressor/die Agressorin daneben und verhöhnt denjenigen/diejenige der/die gerade in Tränen ausgebrochen ist. Ein erniedrigendes Schauspiel.

Die beiden sind ein junges Paar, zum ersten Mal zusammengezogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die den jetzigen Zustand noch lange durchhalten wollen, ist mir auch egal und geht mich nichts an. Was bleibt ist die Feststellung, dass es gar nicht einfach ist, ein junges Paar als Mieter zu finden, das auch alle Latten am Zaun hat.


* Als Nachfolger der Trampeltiere, die, wir erinnern uns, das Haus so hassten, dass sie alle Wut der Welt am Fußboden ausgelassen haben. Zum Glück sind die Trampeltiere nach vier Wochen ausgezogen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass zu einer Kaltmiete auch Nebenkosten kommen.

 
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Verfasst von - 18. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Weselsky Mitarbeiter des Monats

Für Werbeanzeigen nutzt der Autoverleih Sixt oft Prominente. Meist ist das Unlustig, oft sogar verletztend. Das hier finde ich aber gerade zum Schreien komisch:

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Danke an @Funkwellen für´s Finden!

 
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Verfasst von - 7. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: Oktober 2014


Herr Silencer im Tollsten Oktober aller Zeiten, Edition 2014
Geh ran, verdammt!

Wetter: Zu Beginn trocken, aber kühl. In der zweiten Woche nochmal sommerlich, mit Temperaturen bis 20 Grad und Sonnenschein. In der dritten Woche grau und dunkel bei 15 Grad, danach wird es nur kälter und grauer.
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Lesen:

Jasper Fforde: Song of the Quarkbeast (Last Dragonslayer Book 2)
Heute, aber in einer Parallelwelt: Im unvereinigten Königreich leitet die 16jährige Waise Jennifer den Zaubereiservice “Kazam”. Fünf ausgebildete Zauberer bieten magische Dienstleistungen, wie die Suche nach vermissten Gegenständen, dem Versetzen von Häusern oder Rohreinigungen an. Aber dann soll das Unternehmen verstaatlicht werden, ein Duell mit der Konkurrenzfirma Industrial Magic steht an und Jennifer muss mit ansehen, wie einer ihrer Zauberer nach dem anderen verhaftet wird. Wäre doch nur ihr Chef und Mentor da, aber der erscheint nur alle paar Monate für wenige Minuten, und niemand weiß vorher wo.

Fforde entwirft herrlich schräge Welten. In seinen Thursday Next-Romanen ist es die Buchwelt, die aus Buchstaben besteht und deren Charaktere Eigenleben entwickeln. In “Shades of Grey” ist es eine Welt, in der Farbe ein seltener Rohstoff ist. In der Welt von “Dragonslayer” ist Magie das Pendant zu Elektrizität und Computerprogrammen: Etwas alltägliches, was wie Technik aufgebaut und genauso genutzt wird. Es ist schon großes Gelächter, wenn eine Zauberin einen Spruch nicht analysieren kann, weil dessen Betriebssystem so alt ist, dass sie den Code nicht mehr lesen kann. Oder wenn das Mobilfunknetz zusammenbricht, weil es mit Magie betrieben wird, aber die langsam aus der Welt schwindet. Daneben bringt Ffordes “Dragonslayer” einen auch in den vielen, kleinen Details zum Schmunzeln, etwa, wenn er in einem Nebensatz erwähnt, dass Führerscheine nach persönlicher Reife vergeben werden – was dazu führt, dass kein männliches Wesen unter 26 in der Lage ist einen zu bekommen.

Jasper Fforde: The Eye of Zoltar (Last Dragonslayer Book 3)
Jennifer Strange wird von Shandar vor die Wahl gestellt: Entweder die Drachen werden ausgerottet oder sie besorgt ihm einen McGuffin. Natürlich geht sie unfreiwillig auf eine Expedition in ein Königreich, dessen Ökonomie auf Entführung und schnelle Touristentode aufbaut. Bei ihrer Suche trifft sie Kannibalen, die ihre Opfer nach Verzehr ausstopfen, Engel, gähnende Saurier und einen Urmenschen namens Ralph.
Wieder spannend und total absurd. Die Geschichte ist zwar eine Art Nummernrevue, aber sie ergibt einen logischen Sinn und bereitet die Bühne für wirklich große Veränderungen im unvereinigten Königreich.

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Hören:

logo anycast

Bruhns/Moorhart/Kater Anycast [Podcast]
Schräger Podcast, mal nett, mal nervig. Geht über Befindlichkeiten, Rechtsfragen und die Bahn. Nervige Intros. Gelegentlich verwirrte Hosts. Mostly Harmless, gelegentliche Goldnuggets an interessanten Informationen.
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Sehen:

Star Gate: Universe [DVD]
Die Ikarusbasis wird angegriffen und muss evakuieren. Als Zieltor ist gerade eines ausgewählt, dass neun Koordinaten statt der üblichen sieben hat. Und tatsächlich verschlägt es die Truppe aus Zivilisten und Militärs auf ein uraltes Raumschiff, das irrsinnig weit weg in anderen Galaxien herumspringt. Zusammengepfercht auf engsten Raum, mit knappen Ressourcen und ohne Hoffnung auf Rückkehr gehen sich beliebiger Nerdjunge, Chefärztin Blondie, General Schlechtgelaunt, Leutnant Schlitzauge und der Wissenschaftstyp schon bald an die Gurgel.

Es sagt alles über eine Serie, wenn die einzigen Schauwerte dick benippelt an einer Nebenfigur hängen, die auch bei Minusgraden im Tanktop rumrennt. SC:U ist ein Fall von “zu viel gewollt, nix hingekriegt”. Der Cast ist gut (Robert Carlyle!), aber die Charaktere bleiben flach und nervig. Die interessanteste Figur ist noch Major Oberweite. Die ist nicht zumindest nicht flach, aber selbst die größten Brüste können alleine keine ganze Serie tragen.
So interessant die Idee der Gruppe Überlebender fernab der Heimat auf dem Papier auch klingt: Das Setting ist bestenfalls merkwürdig, in Details vollkommen vergurkt. Ein Raumschiff, das durch das Weltall hüpft und nie länger irgendwo bleibt als 60 Minuten? Das sich eigentlich um seine Besatzung kümmert, dann aber irgendwie doch nicht? “Kommunikationssteine” als billiges Plot-Device, um die Charaktere auf die Erde zu bringen? Intrigen und Ränkespiele ohne nachvollziehbare Entwicklung? Das ist alles so Meh und billig. Dazu kommen unfassbar schlechte Episodendrehbücher. So einen Müll gibt es in anderen Serien erst ab Staffel 6, wenn die Luft raus ist. Die dummen Inhalte werden nicht dadurch besser, dass alles extrem humorlos und gritty inszeniert wird: Die Kamera wackelt und zoomt und über jedem zweiten Bild liegen Schmutzfilter, was nahezu ein zu eins Look & Feel von “Battlestar Galactica” kopiert. Nee, SC:U ist nichts. Ein Wunder, dass es noch eine zweite Staffel gab, bevor der Käse eingestellt wurde.

American Hustle [PSN]
1978: Christian Bale ist dick, hat eine Glatze und trickst gemeinsam mit einer angeblichen Lady arme Leute aus. Eines Tages steht das FBI vor der Tür und will, dass er für sie trickst. Das läuft aber irgendwie nicht so gut.
“American Hustle” protzt mit der authentischen Darstellung der 70er Jahre. Da gibt es Polyesterkleider, Brusthaare und Dauerwellen en Masse, was nicht immer schön anzusehen ist. Die Charaktere sind toll und werden hervorragend gespielt – es ist eine Freude, dem Ensemble (Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Bradley Cooper) zuzusehen. Dummerweise ging das auch dem Regisseur so, der seine Schauspieler mal machen, sprich: Improvisieren, liess. Dadurch kommt die ohnehin dünne Story aus dem Tritt, und der Film holpert und stolpert sich durch seine, mit 134 Minuten überdimensionierte, Lauflänge. Muss man nicht gesehen haben, trotz der ganzen Oscarnominierungen.

Now you see me [Konserve]
Vier Straßenzauberer erhalten eine geheime Botschaft und einen Plan für eine Show, ein Jahr später rauben sie eine Bank in Paris aus während sie in Vegas auf der Bühne stehen. Die Beute verteilen sie an ihre Zuschauer. Aber warum? Ihnen auf den Fersen sind Morgan Freeman, der Typ der den Hulk gespielt hat und eine blonde Frau, aber die Magier sind ihren Häschern immer einen Schritt voraus.
Sehr schicke uns stylische Kombination aus Heist-Movie und Magieshow. Super fotografiert, adrenalintreibender Soundtrack, fantastische Schauspieler. Dem Katz- und Mausspiel zuzusehen ist bis zum Ende spannend. Einzige Schwachpunkte: Inhaltlich versteigt sich der Film mittendrin in einen schrägen Mythos und kommt von dem nicht mehr ganz runter. Optisch leiden die tollen (echten) Bilder darunter, dass sie stellenweise mit echt richtige schlechten digitalen Effekten aufgemotzt wurden. Leider sehen die fliegenden Tücher und gerenderten Seifenblasen aus, als hätte sie der Praktikant mit iMovie zusammengefickelt. Das ist schade, denn der Film hat den CGI-Quatscht eigentlich nicht nötig.

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Spielen:

Dead Space 3 [PS3]
Im Jahr 2600 tauchen Artefakte auf, die Menschen in mutierte Viecher verwandeln. Eine merkwürdige Sekte feiert das ab und begrüßt die Ankunft der “Marker” als Beginn der Erlösung, der Ingenieur Isaac Clarke versucht das aufzuhalten.
Sehr atmosphärisches Space Game. Da der Spielercharakter Ingenieur ist und aus herumliegenden Dingen Allerhand brauchbares Zeug basteln kann, kommt ein Hauch von MacGyver auf.
Die Dead Space-Reihe hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und ist als Franchise auch in Medien wie Film und Comic gefiltert. Das hatte im zweiten Teil zu narrativer Verhedderung in einer wirren Geschichte geführt, Teil 3 ist hier stringenter und erzählt wieder eine Geschichte, die auch dann einen Sinn ergibt, wenn man nicht alles an Sekundärliteratur kennt. Dafür krankt es an anderer Stelle. Man merkt deutlich, dass Publisher Electronic Arts hier alles reinwirft was man für hip hält und zugleich austestet, was man Kunden zumuten kann: In der zweiten Hälfte mutiert das Spiel plötzlich zum Deckungsshooter und Actiongeraffel, wofür weder das Bewegungsschema noch das Gameplay ausgelegt sind. Manche Missionen sind nur im (kostenpflichtigen) Co-Op spielbar. Und Rohstoffe und wertvolle Erweiterungen lassen sich kaufen – als DLC gegen Echtgeld. Das hatte dazu geführt, dass das Spiel bei Release nicht wohlgelitten war. Zu Unrecht – man kann es auch spielen ohne zusätzlich zu investieren, und die filmreife Inszenierung mit Horror- und Actionsequenzen ist gelungen. Lediglich das Backtracking und lange Laufwege hätte man sich sparen können, das ist aber angesichts der tollen Grafik, die man gerne mehrfach sieht, kein schwerwiegender Kritikpunkt.

The Force Unleashed II [PS3]
Zwischen Episode III und IV: Darth Vader verschont ein machtbegabtes Kind und zieht es als seinen Schüler auf. Der soll eigentlich erst irgendwelche Leute und dann den Imperator töten. Tatsächlich bringt der Galen Marrek Tod und Zerstörung mit allem, was die Macht zu bieten hat, kommt dann aber ins Grübeln, sagt sich von Vader los und bezahlt das mit dem Leben – nicht ohne vorher Ereignisse in Gang gesetzt zu haben, die zur Gründung der Rebellion führen. So weit die Story vom ersten Teil von “Force Unleashed”. Der Nachfolger spielt einige Jahre später. Galen Marrek erwacht auf Kamino und steht Vader gegenüber. Angeblich ist er ein Klon – aber sagt Vader die Wahrheit? Noch nie ist ein Jedi erfolgreich geklont worden. Galen flieht aus der Anlage und macht sich auf die Suche nach sich selbst, seinem Mentor und seiner Liebe Juno Eclipse.

“Die Geschichte von Force Unleashed ist packender als die der Filme Episode I-III”, urteilte IGN seinerzeit – und hat damit Recht. Die Story ist großartig, und es macht einen irren Spaß, mit Machtkräften und Lichtschwertern Levels zu verwüsten und Sternzerstörer aus dem Orbit zu ziehen(!). Allerdings wird Teil 2 von repetitiven Gameplay, zu kurzer Spieldauer und einer ärgerlich schlecht inszenierten Geschichte geplagt. Das Spiel wurde in nur 9 Monaten entwickelt, und das merkt man. Zwar sind die Assets, Bild und Ton, hervorragend – aber wenn man zum hundertsten Mal einer Welle immer gleicher Gegner gegenübersteht oder zum tausendsten Mal eine schlecht designte Sprungpassage verkackt, dann nervt es nur noch. “Force Unleashed 2″ ist hübsch, aber eine spielerische Qual.
Launig ist der DLC “Schlacht um Endor”. Die Zusatzmission schließt an das alternative Ende des Hauptspiels an und schickt einen bösen Galen Marrek nach Endor, wo er reihenweise Ewoks frittiert und den Stoßtrupp der Rebellen einen nach dem anderen dezimiert und auch vor Han Solo, Chewbacca und Leia nicht halt macht.

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Machen:
Prag besuchen. Eulenfest. Literaturherbst. Lecker essen. Institute besichtigen. Paris. Was für ein TOAZ!
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Neues Spielzeug:
Auto durch die Inspektion, Reisen – das war teuer genug, deshalb kein Spielzeug.
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Oktober 2014 in Momentaufnahme

 

TOAZ!

Ich mag den Oktober, schon immer. Ich mag es, wenn es morgens schon kalt und tagsüber nochmal richtig warm ist. Ich mag das goldene und rote Laub der Bäume und den typischen Herbstgeruch.

Jetzt beginnt einer der besten Monate des Jahres! Der Oktober ist nicht mehr Sommer, aber noch nicht der naßgraue Winter. Der Oktober ist golden, und er ist toll. Bei mir war es jetzt zwar eher zufällig so, aber tatsächlich ist mein Oktober wieder so vollgepackt mit tollen Dinge, dass ich hiermit den

TOLLSTEN OKTOBER ALLER ZEITEN
(Edition 2014)

ausrufe! Den Oktober nochmal mit ordentlich schönen Dingen voll zu packen liegt in der Verantwortung jeder und jedes einzelnen. Klar sollte sein: Macht alle mit: JETZT ODER NIE! Genießt diesen goldenen Monat in allen Zügen! Geht raus, macht Dinge, ladet Leute ein, fahrt auf Ausflüge oder in Urlaub oder tut sonstiges, was Euch gut tut, aber macht diesen Oktober zu Eurem TOLLSTEN OKTOBER ALLER ZEITEN! Zelebriert ihn in vollen Zügen und bloggt darüber!!

Wer ein Banner für den TOAZ braucht, kann sich hier gerne bedienen.
Ansonsten: Schlagwort und Hashtag: #TOAZ14

 
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Verfasst von - 1. Oktober 2014 in Event, Gnadenloses Leben

 
 
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