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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Momentaufnahme: August 2015

Herr Silencer im August 2015
Immobil.

Wetter: Heiß, über 30 Grad, zumindest die ersten zweieinhalb Wochen. Dann Temperatursturz auf 12 Grad und Herbstwetter, Ende des Monats wieder sonnig und nicht zu heiß bei 25 Grad.
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Lesen:

Jasper Fforde: The Eyre Affair
Thursday Next ist Agentin bei Special Operations, Abteilung 29. Dort kümmert sich die ehemalige Soldatin und Heldin des Krim-Kriegs um Literaturverbrechen. Die Jagd nach gefälschten Shakespeare-Manuskripten in der englischen Provinz ist langweilige Routinearbeit. Das ändert sich, als der Schwerverbrecher Archeron Hades das Buchportal von Thursdays Onkel MyCroft stiehlt. Mit diesem, von Bücherwürmern angetriebenen, Gerät kann man direkt in Geschichten hineinspringen. Thursday Next folgt Hades in das Originalmanuskript von Jane Eyre, was zu einer Katastrophe führt.

Jasper Ffordes erster “Thursday Next” Roman ist klassische Bildungsbürgerliteratur, der man die Hosen runtergezogen hat und die nun auf Speed über eine Straße torkelt und bei dem Versuch “Stirb Langsam” zu imitieren von Monty Python über den Haufen gefahren wird. “Die Affäre Jane Eyre” ist nur eine Fingerübung im Vergleich zu dem, was in den folgenden sechs Bänden der Trilogie passiert. Nichtsdestotrotz ist schon der erste Band ein reines Lesevergnügen, wenn man mit absurden Wortspielen etwas anfangen kann und Spaß an skurrilem Humor hat.

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Hören:

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Sehen:

Drachenzähmen leicht gemacht 2 [DVD]
Einige Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils: Alle Wikinger von Berk reiten mittlerweile auf Drachen, mit denen sie friedlich zusammenleben. Dadurch wird ihre Welt größer, und Häuptlingssohn Hicks entdeckt, dass in der großen, weiten Welt durchaus noch andere Interesse an Drache haben.

DZLG2 ist ein sehr feiner Film, der sich Zeit für seine Charaktere nimmt. Tolle Figuren, anrührende Geschichte, viel intelligente Action. 90 Minuten superfeinste Unterhaltung, die einen mit dem Gefühl entlässt, gerade was Berührendes gesehen zu haben.

Die Reise ins Labyrinth [DVD]
Mit 16 sind alle Teenager egoistisch und hassen die Welt. So auch Sarah, die beim Baysitten so in Rage gerät, dass sie leichtfertig ihren Babybruder verflucht. Der wird prompt von Koboldkönig David Bowie entführt. Sarah bereut den Fluch sofort, aber nun bleiben ihr nur 13 Stunden um ein lebendes Labyrinth zu meistern und ihren Bruder zu retten.

Was für ein fantastisches Abenteuer! In jeder einzelnen Szene steckt mehr Kreativität und Fantasie als in so manchem Film über die ganze Laufzeit. Seien es die sprechenden Hände, die tanzenden Goblins, die putzenden Zwerge – “Labyrinth” sprotzt die Fantasie aus den Ohren heraus UND hat eine tolle Geschichte und tolle Darsteller. David Bowie als singender Koboldkönig ist gleichermaßen albern (die Socken in der Spandexhose!) wie creepy (das Escher-Labyrinth!), in Jennifer Connellys Augen habe ich mich damals schon verliebt und die Kreaturen sind einfach nur herzallerliebst. Gerade weil hier mit Gummipuppen gefilmt wurde, ist der Film erstaunlich gut gealtert. Der war 1986 toll – und ist es dreißig Jahre später immer noch.

Mission Impossible: Rogue Nation [DVD]
Tom Cruise hüpft total gerne von Sachen runter (Hochhäuser, Hubschrauber, noch höhere Hochhäuser) oder klammert sich an Sachen (Motorräder, Felsen, Züge). Irgendwann sieht sein Arbeitgeber, ein Geheimer Geheimdienst, nicht mehr ein, dass er für all das runterhüpfen und dranklammern zahlen soll, und setzt Cruise vor die Tür. Der zieht sich flugs einen noch geheimeren Geheimdienst als Gegner aus dem Hintern und findet so tolle Sachen zum Dranklammern (Flugzeug), dass er auch ohne Bezahlung oder Auftrag weitermacht.

Tja. Tom Cruise-Filme sind mein Guilty Pleasure. Er arbeitet bei seine Produktionen mit den Besten zusammen und macht stets eine gute Figur. So auch in M:I:V, der zudem mit einem cleveren Gegner, Actionsequenzen und einem weiblichen Lead daherkommt, die es so bislang noch nicht gab. Nicht so over the Top wie der Vorgänger “Phantom Protocol”, in dem Cruise Humor für sich entdeckte, aber gerade dieser Verzicht auf Wiederholung macht den 5 zu einem der wirklich guten Teile der Reihe.

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Spielen:

The Witcher 3: Wild Hunt [PS4]
Geralt von Riva ist ein Witcher, eine Art Ghostbuster-Söldner in einem Fantasy-Setting. Er jagt Monster und Geister, natürlich nur gegen Geld. Im Augenblick ist er jedoch auf der Suche nach seiner Ziehtochter Ciri. Und er ist nicht alleine: Eine Gruppe übernatürlicher Jäger ist der jungen Witcherin auf den Fersen. Die “Wild Hunt” ist Geralt mehr als einen Schritt voraus und hinterlässt eine Spur der Zerstörung – aber was wollen die überhaupt von Ciri?

Bislang sind die “Witcher”-Rollenspiele an mir vorbeigegangene. Die Welt des Witchers stammt aus einer Serie polnischer Fantasyromane und unterscheidet sich deutlich von Tolkien und Co: Hier ist alles dreckig, die Fantasywelt zerrissen von blutigen Kriegen, die Menschen haben Angst. Wie immer, wenn Menschen Angst haben, blüht Rassismus und Ausgrenzung gegenüber andersartigen. In den größeren Städten der Welt sind Pogrome gegen Magier und Diskriminierung von Elfen an der Tagesordnung. “Witcher” erzählt diese Geschichten, und noch viele andere. Haupt- und Nebenquests in der offenen Welt sind gleichermaßen mit anspruchsvollen Stories vollgestopft: Häusliche Gewalt, Folgen von Abtreibungen, verstoßene Kinder – die ganze Palette menschlicher Schicksale wird hier durchdekliniert. Dabei fehlen auch politische Machtspiele, Sex und eine Liebesaffaire nicht. Witcher III erzählt erwachsene Geschichten. Ein sehr großes, sehr schönes, sehr gutes Spiel.

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Machen:
Nix, zwangsweise.
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Neues Spielzeug: Eine Menage von Auerhahn.
Bislang kannte und schätzte ich nur die Menage-à-trois, die hat aber normalerweise nicht so viel mit Essen zu tun. Dabei ist eine Menage (à quattre?) eigentlich eine Vorrichtung um Essig & Öl, Salz & Pfeffer zum Salat zu reichen. Diese hier ist von Auerhahn. Habe ich auf Dienstreise in einem Restaurant gesehen und mich spontan reinverliebt. Essig und Öl sind in zwei großen Pipetten. Drückt man oben drauf, tropft unten die Flüssigkeit auf den Salat. Großartig.

  
Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 

Stand der Dinge

Tag 42.

Ich werde porös. Echt jetzt. Es geht mir gerade an die Substanz. Ich bin unkonzentriert und schlecht gelaunt, fahrig und habe Kopfschmerzen. Außerdem tut mittlerweile der Fuß weh.

Das hat, zumindest zum Teil, vor allem eine Ursache: Frühes Aufstehen. Jeder Mensch hat seinen Biorhythmus. Ich bin normalerweise eine Nachteule, die sich zu gewöhnlichen Zeiten ins Büro quält. Nicht so superfrüh, 08.30 Uhr ist aber eine OKaye Zeit.

Nun haben wir in der Firms Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit, d.h. jeder kann kommen und gehen wann er will (also, außer mir, jetzt). Unter unseren Leuten ist nur EIN absoluter Frühaufsteher, und das ist auch der Kolllege, der mich mit zur Arbeit nimmt. Normalerweise fängt er spätestens um 6 Uhr an zu arbeiten. Für die Zeit, in die er mich mitnimmt, hatten wir uns auf 7 Uhr als Kompromiss geeinigt. Auch schon doof früh, ging aber gerade noch.

Seit dieser Woche ist ihm das allerdings zu spät – was dazu führt, dass mein Wecker nun jeden Morgen um 5.45 Uhr klingelt. Wäre ja nicht so schlimm, aber gerade bekomme ich es einfach nicht hin um 22 Uhr einzuschlafen. Oder um 23 Uhr. Oder um 0 Uhr.

Früher habe ich auch Frühschichten mit Aufstehen um 4.30 Uhr gearbeitet, da bin ich dann halt abends um 20 Uhr ins Bett gegangen. Alles eine Sache der Gewöhnung. Nur: Der Übergang fällt mir gerade schwer, und das ich gefühlt einen halben Werktag verpasse, weil ja 14.30 Uhr schon wieder Feierabend ist, macht die Sache nicht besser. Das um 14.30 Uhr noch viel vom Tag übrig ist, ist übrigens eine Illusion. Mehr als fertig durch die Gegend stolpern und kaum aus den Augen gucken können kriege ich nicht wirklich hin, weil: Zu müde. Und abends dann zu müde zum Schlafen. Doof.

Von daher: So dankbar ich dem Kollegen für den Fahrdienst bin, Drei Kreuze, wenn ich wieder ein wenig später los kann. Wenn alles klappt, bin ich ab Montag wieder mobil. Und damit selbstbestimmt.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 27. August 2015 in Berufsleben, Gnadenloses Leben

 

Stand der Dinge

Tag 35.

Läuft.
Das ist die Kurzfassung. In lang: Die Cheilektomie mit Mikrofrakturierung zur Heilung des Hallux Rigidus (Googlen sie das nicht, die Bilder machen Albträume!) ist jetzt 35 Tage her. Ich humpele an Unterarmgehhilfen durch die Gegend und trage den riesigen Vorderfußentlastungsschuh, in dem der verbundene Fuß steckt. Scheint gut zu heilen, wenn ich das richtig sehe. Ärztliche Kontrolle gibt´s gerade nicht, der Orthopäde seit drei Wochen in Urlaub.

Manchmal tut der ein wenig weh (der Fuß, nicht der Orthopäde), besonders bevor das Wetter umschlägt, aber alles im Rahmen des Erträglichen. Allerdings bin ich unfit. Acht Stunden Arbeiten am Schreibtisch gehen gerade so, wenn der Fuß hoch liegt, aber danach bin ich erschöpft und so müde, dass ich sofort ins Bett falle, wenn ich nach Hause komme.

Ansonsten habe ich mich mit Allem arrangiert. Großartig Weggehen oder spontan etwas machen geht zwar nicht, aber ein Arbeitskollege fährt mich zur Arbeit und zurück nach Hause, und dort habe ich immer was zu Lesen, zu Schreiben oder anderweitig zu tun. ZU Anfang dachte ich ja, ich komme ohne die Möglichkeit zum Autofahren nicht zurecht, aber das geht so gut, dass ich es gerade gar nicht vermisse.

Das einzige wirkliche Problem, dass ich habe, ist, dass ich keine vernünftigen Socken besitze, die groß genug sind um über den Verband zu passen. Dabei wäre die nötig, es ist nämlich über Nacht hier so kalt geworden, dass die ersten schon wieder die Heizung anstellen. Mit anderen Worten: Ich habe nichts Schlimmeres als einen kalten Fuß.

Zehn Tage noch.
In Zehn Tagen ist der Termin, bei dem sich rausstellt, ob der ganze Zirkus überhaupt was gebracht hat. Und nach dem ich hoffentlich wieder mobil bin.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 21. August 2015 in Gnadenloses Leben

 

Stand der Dinge, Zusammenfassung

Tag 28

Arrangements
Rumhantieren mit den Gehhilfen, Tragen des Vorderfußentlastungsschuhs, Duschen mit Behindertenhilfe – irgendwie geht alles, und sogar besser als gedacht. Einkaufen ist halt potentiell ein Problem, bislang aber ein theoretisches. Ich muss mich nur dran gewöhnen, das nicht alles immer und überall verfügbar ist. Die schnelle Fahrt in den Supermarkt ist halt nicht drin, und ich muss manche Sachen auf Vorrat kaufen.
Ich bin froh und glücklich, dass es noch den kleinen Dorfladen gibt, zu dem ich zu Fuß hinhumpeln kann. Auch wenn er nur zwei Mal die Woche Nachmittags offen hat. Da gibt es nicht alles, aber so alle zwei Wochen fahre ich dann gemeinsam mit jemandem zum Einkaufen in einen größeren Markt.

Mobiles
Der Verzicht auf´s Auto lässt sich mit unerwartet wenig Hilfe von Außen kompensieren. Zur Arbeit nimmt mich jemand mit. Bei anderen Fahrten tut es der Bus, in dem ich nun immer einen Sitzplatz habe.

Auf meinen Krücken bin ich fix unterwegs, in vertrautem Gelände wie zu Hause oder im Büro brauche ich nicht mal beide. Die Unterarmgehhilfen sind echt sperrig, und ein Gedanke war: Vielleicht reicht ja ein Gehstock aus. So zum Draufstützen. Das sieht dann zwar ein wenig nach Dr. House aus, aber zumindest wird das Ein- und Aussteigen in Auto einfacher. Tja. Netter Gedanke, funktioniert aber nicht so worklich gut, nur auf minimalkurzen Strecken oder beim Rumstehen.

Uberstruktur
Die zwei Wochen zu Hause waren geprägt von davonfliegenden Tagen. Es fehlte an Struktur, stattdessen überall Prokrastination. Klar, ein paar Dinge habe ich erledigt bekommen, aber wenn etwas nicht muss und alles egal ist wann es erledigt wird – dann fehlt halt auch Struktur.

Darüber kann ich mich jetzt nicht mehr beschweren. Statt null Struktur habe ich jetzt mehr davon als nötig. Ich darf kein Auto fahren, und ein freundlicher Arbeitskollege nimmt mich mit zur Arbeit. Nur: Wir haben ein Gleitzeitmodell, und der Kollege gehört zu der Sorte, die gerne spätestens um sechs anfangen zu arbeiten. Ich konnte ihn auf Sieben runterhandeln, immerhin, aber das bedeutet trotzdem früh aufstehen und diszipliniert früh ins Bett gehen. Also, für meine Verhältnisse. Sehr strukturiert gerade, diese Tage.

Hell it´s over
Endlich ist das tägliche Spritzen vorbei. Das fiel mir ja am Anfang sehr schwer, aber nach zwei Wochen war es Routine und am Ende wirklich nicht mehr schlimm. Man gewöhnt sich ja an alles.

Ärztliche Versorgung
Bislang scheint alles gut zu heilen. Da gerade ALLE Ärzte in Urlaub sind und ich zum Verbandswechsel allen Ernstes in die nächste Stadt müsste, mache ich das halt selbst. Die freundliche Helferin beim Orthopäden hatte mir Verbandsmaterial zugesteckt. Um herauszufinden, wie man den Verband richtig anlegt, habe ich gefilmt, wie ich den “Profiverband” aus der Praxis vom Fuß abwickle, und dann den Film rückwärts laufen lassen und ihn genau so wieder angelegt. Klingt nerdig, wichtig ist aber der outcome.

Was fehlt
Bewegung. Definitiv.
Mir fehlt echte, körperliche Bewegung, mir fehlt Sport. Immer nur rumsitzen und körperlich nichts tun nervt mich total an, ich kann praktisch zusehen wie ich zu Gummi werde.
Und Rasieren. Ich vermisse echt eine ordentliche Rasur. Rasieren verträgt sich er aber nur so mittel mit Thromboseprophylaxe. Habe ich gerade wieder gemerkt: Minimal mit dem Tesaabroller in den Finger gepiekt, schon blutet es eine Stunde lang.

Abgesehen davon vermisse ich erstaunlich wenig.

Grenzen
Manchmal juckt und kribbelt die Narbe, manchmal puckert der Fuß. Alles im Rahmen. Ich merke aber auch recht deutlich, wenn ich es übertrieben habe – zu lange am Schreibtisch gesessen oder zu viel oder zu schnell rumgelaufen äußert sich in Knochenschmerzen, und die haben es in sich. Also übertreibe ich es besser nicht.

Das Ende
Ist in sichtbarerer Nähe. Noch zweieinhalb Wochen. Dann stellt sich raus, ob der Ganze was gebracht hat oder ob der Aufwand für die Katz war. In jedem Fall bin ich dann wieder mobil und kann wieder körperlicher Ertüchtigung nachgehen.

 
 

Momentaufnahme: Juli 2015

Herr Silencer im Juli 2015
Immobil.

Wetter: Warm, zumindest die ersten drei Wochen. Dann Temperatursturz auf 20 Grad und Regen und Sturm.
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Lesen:

Joschau Sauer: Nicht Lustig 6
Der Titel lügt. Das Buch ist IRRE lustig.

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Hören:

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Sehen:

Jupiter Ascending [Blu-Ray]
Mila Kunis hält eine Klobürste wie einen Staubwedel. Diese ungeschickteste Klofrau der Welt gerät in das Fadenkreuz von Killern, die sich als Außerirdische entpuppen. Die wollen ihr ans Leder, weil ihr die Erde gehört. Zum Glück hilft ihr ein spitzohriger Werwolf-Supersoldat. Zusammen mit dem Möter mischt die intergalaktische Putze ein altes Imperium auf.

Was für ein grandioser Schwachsinn! Was sich die Wachowskis hier zusammenfantasieren ist das Kreativste, was sie seit Matrix abgeliefert haben. Jedes einzelne Actionpiece ist innovativ und erstaunlich in Szene gesetzt. Leider ist die Erzählung episodenhaft, und harte tonale Sprünge von “Star Wars” nach “Brazil” dürften nicht jedermanns Sache sein. Außerdem ist er mit drei Stunden zu lang, und Mila Kunis wie immer ein Ärgernis. Dennoch: Ein unterschätzter Film, der zu Unrecht im Kino floppte.

Die Piraten! [Watchever]
Der Piratenkapitän (das IST sein Name) möchte Pirat des Jahres werden. Aber wie soll er nur gegen die wirklich erfolgreichen Piraten wie Entermesser-Liz ankommen? Da trifft er auf einen gewissen Charles Darwin, der ihm den größten Schatz überhaupt verspricht. Dumm nur: Dafür muss der Piratenkapitän samt Schiff, Crew und Dodo nach London, und Königing Viktoria hasst Piraten über alles.

Was die Aardman-Studios (“Wallace & Gromit”, “Shaun das Schaf”) hier abgeliefert haben ist der verdammt lustigste Film, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die Dichte an hervorragenden Gags ist enorm hoch. “Die Piraten” ist das filmgewordene Kind von “Monkey Island” und den “Fluch der Karibik”-Filmen. Super!

The Dark Knight Returns [Blu-Ray]
Gotham City, 20 Jahr in der Zukunft: Die Superhelden sind vergessene Geschichte, die Kriminalität ist auf einem Allzeithoch, die Politik korrupt und die Bürger lethargisch. Nach einem traumatischen Erlebnis beschliesst ein alter und müde gewordener Bruce Wayne, noch einmal den Mantel der Fledermaus anzulegen, um etwas zu verändern. Die Geschehnisse eskalieren, als die USA in einem nuklearen Winter versinken. Im ganzen Land herrscht Chaos, nur in Gotham hält Batmans Armee die zivile Ordnung aufrecht. Das bringt die Regierung dazu, ihre mächtigste Waffe auf den Vigilanten anzusetzen: Es kommt zum Duell Batman vs. Superman.

Was Frank Miller Mitte der 80er mit dem Graphic Novel “The Dark Knight returns” ablieferte, ist mit “episch” noch nicht groß genug beschrieben. Eine kaputte Gesellschaft, nukleare Ängste, ein alter Mann in einer Rüstung… hier ist alles anders als man es aus dem DC-Universum kennt. Der darauf basierende Film ist nicht weniger episch und genauso wenig zimperlich – sowohl Geschichte als auch Darstellung richtet sich definitiv an ein volljähriges Publikum. Der Film kam originär in zwei Teilen heraus, denn eine so riesige Story lässt sich nicht auf 90 Minuten eindampfen. Stattdessen wird auf der BluRay nun in rund 2,5 Stunden eine Geschichte erzählt, an deren Ende eine Ära zu Grabe getragen wird. Nicht ohne vorher Gänzehauterzeugende Dialoge abzufeuern…

“Ich hätte Dich töten können. Ich bin der einzige, der Dich je besiegt hat, Clarke. Ich bin der Mann, dem Du Dein Leben zu verdanken hast. Ich will, dass Du das weißt und jeden Tag daran denkst.”

John Wick [PSN]
Keanu Reeves ist der beste Killer der Welt, im Ruhestand und gerade in Trauer. Dann klaut ihm Theon “Reek” Greyjoy das Auto, und dann macht es Peng und hört nicht mehr auf.

Keanu Reeves ballert sich durch ca. 587 generische Söldner. Mehr passiert eigentlich nicht. Allerdings ist hier alles sehr präzise auf den Punkt gebracht: Reeves hat ja nur einen GEsichtsausdruck, und um diesen hat man den Film gebaut. Beeindruckende Performance, coole Stunts, eine clandestine wie interessante Gangster-Subkultur mit eigener Infrastruktur, stylistisch in der Folge von Mel Gibsons “Payback” – nett anzusehen, aber leider auch schnell wieder vergessen.

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Spielen:

Arkham Knight [PS4]
Neun Monate nach den Ereignissen von Arkham City: Der Joker ist tot (und bleibt das auch!), Gotham erholt sich langsam. Da tritt ScareCrow auf den Plan und droht damit, Angsttoxin in der Stadt freizusetzen. Die Einwohner werden evakuiert. Kaum sind alle Zivilisten weg, marschieren schwer bewaffnete Truppen mit Panzern ein. Ihr Anführer nennt sich Arkham Knight, und der hat noch ein ganz persönliches Hühnchen mit Batman zu rupfen. Der rüstet seinerseits auf: Mit einem Panzeranzug und einem Batmobil, das sich in einen Tank verwandeln kannt, räumt er Stück für Stück in den Straßen von Gotham auf. Eine Sisyphusarbeit, wie er bald erkennen muss. Die Konsequenz daraus: Die Legende von Batman muss ein Ende finden.

Lange mussten Fans auf den letzten “Arkham”-Teil von Rocksteady warten. Trotz der mehrfachen Verschiebungen ist leider nicht alles Supi: Gerade die neuen Elemente funktionieren nur so mittel. Der neue Charakter des Arkham Knight telegrafiert schon nach 5 Minuten seine wahre Identität durch, und das Batmobil wird eingangs zu sehr gepusht und fährt sich dann wie eine Wurst auf Rädern. Das ändert aber nichts daran, dass “Arkham Knight” ein sehr, sehr gutes Spiel ist. Die Story ist lang, dicht und voller Wendungen, die Missionen spannend, und das Ende lässt einen mit offenem Mund und befriedigt zurück. Dabei ist die Spielgrafik auf dem Niveau der Renderfilme der Vorgänger. Nicht mein persönliches “Spiel des Jahres”, wie es die beiden Vorgänger waren, aber ein würdiger Abschluss des Arkham-Universums. Als nächstes dann bitte die Sucide Squad als Spiel, das wird immerhin schon seit 2013 angeteasert.

Arkham Origins: Blackgate [PS Vita]
Ganz zu Beginn von Batmans Karriere: Alarm im Gefängnis von Blackgate, Stromausfall, Meuterei, Superschurken on the Loose. Batman rein, Zack, Aua-Aua.
Was hier als Origin-Spiel für das Playstation-Handheld rauskam, ist ein 2,5 Metroid im Arkham-Universum. Dabei hat es alle Zutaten der “großen” Ableger: FreeFlow-Kämpfe genauso wie Predator-Szenarien sowie interessante Bosskämpfe und eine halbwegs interessante Story. Damit hätte man ein 3 Stunden langes, wirklich gutes Spiel machen können. Leider ist “Blackgate” neun Stunden lang, wobei mehr als die Hälfte mit sinnlosem Backtracking durch das Labyrinth des Gefängnisses gefüllt sind. Das verleidet einem, in Kombination mit dem völlig unbalancierten Schwierigkeitsgrad, gründlich die Laune.

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Machen:
OP, Krankenhaus, rumhumpeln.

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Neues Spielzeug:
Neue Handschuhe, Xtrafit von Held. Und ein neues Slingpack, ein Mass Sling von Patagonia. Man muss ja auch an die Zeit nach der Rumhumpelei denken.

xtrafit

patagonia mass sling

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
9 Kommentare

Verfasst von - 29. Juli 2015 in Momentaufnahme

 

Vorplanung

Puh.
Nein, nicht wegen der Wärme der letzten Tage. Ich mag Wärme. In den letzten Nächten habe ich das erste Mal im neuen Schlafzimmer geschlafen ohne Bieberbettwäsche drauf zu haben und trotzdem nicht zu frieren. Sonst ist mir immer zu kalt. Und, nur mal so um die Maßstäbe richtig hin zu rücken: zwischen 35 und 40 Grad hatte es in den vergangenen Jahren auch, als ich in Italien auf irgendwelche Türme und geklettert bin. Und das im Motorradanzug, aus dick Leder und Cordura und mit fetten Stiefeln an den Füßen. Aber ich schweife ab.

Nein, wettertechnisch ist alles supi. Was mich gerade ein wenig Puh-en lässt ist das Maß an Vorplanung, das hier gerade nötig ist. “Dunkel ist die Zukunft”, wie es so schön heisst, und tatsächlich liegt alles ab dem 17.07. im Dunkel. An dem Tag gibt es eine kleine OP.

Die ist nicht schlimm, schlimm wird die Zeit danach:
Sechs Wochen Gehen an Krücken.
Keine Bewegung.
Kein Autofahren.

Ich werde zur Immobilie, und für die Zeit muss ich vorplanen. Vorräte einkaufen, und bei Terminen immer überlegen, wie ich da wohl hinkomme. Ich muss jetzt also für Ereignisse planen, die noch fast zwei Monate hin sind. Und nicht nur wichtige, echte Ereignisse, sondern scheiß-trivialen-Allerweltskram, vom Einkaufen bis zum Putzen der Wohnung.

Positiv: Ich habe schon ganz viel Unterstützung angeboten bekommen, und dafür Danke ich allen ganz herzlich!

Negativ: SECHS. WOCHEN. ABHÄNGIG VON ANDEREN. Das ist vermutlich am Schlimmsten. Unabhängig zu sein ist das Wichtigste für mich, und die Situation wird die Hölle. Ich mag es nicht, auf andere angewiesen zu sein. Es fällt mir schwer Hilfe anzunehmen, auch wenn ich mittlerweile gelernt habe danach zu fragen.

Ganz negativ: Sie müssen jetzt sehr starkt sein: Die Weltwieseltagzelebrierung 2015 in Hamburg wird ohne mich stattfinden müssen. Ich weine schon jetzt bittere Tränen.
Das Wiesel auch.

 
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Verfasst von - 6. Juli 2015 in Ganz Kurz, Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: Juni 2015

Herr Silencer im Juni 2015
Ich mache mein eigenes Glück.

Wetter: Zu kalt für die Jahreszeit, aber gerade dadurch angenehm: 25 Grad sind OK, 35 müssen es nicht immer sein. Also, in Siena. In Deutschland zittert man derweil bei teilweise einstelligen Temperaturen und Regen vor sich hin. “Ein normaler, deutscher Sommer”, schreibt Jörg Kachelmann.
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Lesen:

Tim Parks: An Italian Education
Parks ist Brite und lebt seit 30 Jahren in Verona. In diesem Buch beschreibt er die ereignisreichen Jahre nach der Geburt seiner Tochter, die mit schlaflosen Nächten, dem Umzug in ein neues Heim und Begegnungen mit dem italienischen Schulsystem und italienischen ELTERN verbunden sind. Die Anekdoten sind Aufhänger für tiefe Einblicke in italienische Denkweisen und Handlungsmuster. Meist vergnüglich und unterhaltsam geschrieben, aber gelegentlich gibt es Kapitel, die sich ohne jeglichen Erkenntnisgewinn dahinziehen wie Kaugummi. Ein guter Lektor hätte mindestens die 15 Seiten über Kinderlieder ersatzlos gestrichen.

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Hören:

Chantal Kreviazuk: Leaving on a Jetplane
Schöner Song, von der Frau mit dem unausprechlichen Nachnamen besser intoniert als das Original von John Denver. Kam im Film “Armageddon” vor, ging mir in den letzten Wochen nicht mehr aus dem Kopf.

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Sehen:

Drachenzähmen leicht gemacht [Aufzeichnung]
So lange sie denken können, kämpfen die wackeren Wikinger gegen einen ganzen Schwarm Drachen, der immer wieder ihr Dorf überfällt. Hicks, Sohn des Clanchefs, soll eines Tages in dessen Fußstapfen treten. Leider ist Hicks überhaupt nicht als Krieger geeignet und zeigt wissenschaftliches Interesse an Drachen. Seine Grundlagenfoschung ermöglich ihm schließlich, was niemand für möglich gehalten hätte: Kommunikation mit dem Feind!
Ein sehr vergnüglicher Animationsfilm – nicht so ADHS-hektisch wie “Lego – Der Film”, aber mit vergleichbarer Cleverness umgesetzt. Das Design der Drachen ist Banane, der Rest des Looks aber sehr knuddelig, die Animationen sehr detailliert und die Story spannend und voller Wendungen. Mehr davon!

Pretty Woman [Aufzeichnung]
Gelangweilter Firmenvernichter mit gestörtem Sozialverhalten hält sich eine Prostituierte als zweckdienliche Begleitung für gesellschaftliche Anlässe.
Pretty Woman, neben “Dirty Dancing” DER Frauenfilm der 80er. Dabei ist die Handlung strunzdumm, die Charaktere wandelnde Klischees und der Plot ebenso sexistisch wie vorhersehbar. “Pretty Woman” ist ein intellektuell unterfordernder wie langweiliger Film, dass habe ich in den 80ern gesagt und auch dreißig Jahre später bleibe ich dabei. Die einzigen Schauwerte sind die Hauptdarsteller, abseits davon kann man sich aus heutiger Sicht noch an den damaligen Auswüchsen im Bereich Mode/Autos/Technik freuen.

Despicable Me 1 & 2 [Aufzeichnung]
Gru ist ein Bösewicht aus einem James Bond Film. Einem ALTEN James Bond Film, in dem noch Katzen gestreichelt werden. Als er Konkurrenz von jungen Bösewichten bekommt, beschliesst Gru, einen großen Coup zu landen: Er will den Mond klauen! Dumm nur, dass er dazu die Hilfe von drei Waisenkindern benötigt. Die quartieren sie prompt bei ihm ein und machen ihn zum Ersatzpapa, was letztlich dazu führt, dass Gru wider Willen zum, uh, Guten wird.
Banana? Die heimlichen Stars der Filme sind natürlich die Minions. Aber auch wenn die mal nicht im Bild sind, beeindruckt die Fülle an Details und Anspielungen in beiden Filmen. “Despicable me” funktioniert ähnlich wie “The Incredibles”, zeigt sich dabei aber familienkompatibler – auf eine weniger überdrehte und herzige Art, die mir sehr gefällt. Und Huhu übrigens auch, der saß ganz gebannt vor dem Bildschirm.

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Spielen:

– Nix, keine Zeit dafür.

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Machen:
Die Sommertour mit dem Motorrad, 5.079 5.479 Kilometer durch 5 Länder.

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Juni 2015 in Momentaufnahme

 
 
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