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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Aus, Schluss, Vorbei

Ich bin mit meiner alten Bank schon lange unglücklich. Dokumentiert ist das hier in der “Könn´se nich´ mal vorbeikommen”-Anthologie. Spätestens nach der Geschichte, in der sich die Bank wie ein gekränkter Bürstenverkäufer aufführte hätte ich eigentlich in den Sack hauen sollen. Habe ich aber nicht.

Ich verlegte zwar mein Girokonto zu einer anderen Bank, behielt das alte aber noch – auch aus Nostalgiegründen, aber vor allem weil eine Mastercard, die ich als Zweitkarte für Notfälle habe, an dem Konto hing. Über das alte Konto lief quasi kein Zahlungsverkehr mehr, und ich konnte Monat für Monat dabei zugucken wie der geringe Betrag auf dem Konto weniger wurde. Jeden Monat genehmigte sich die Bank 3,50 Euro Kontoführungsgebühren. Wenn ich mal wieder vergaß Kontoauszüge zu ziehen – was bei einem Konto ohne Bewegung schnell passiert – auch gerne das doppelte. Wegen der “Erstellung von Zwangsauszügen”, die per Post zugestellt werden.

Ende letzten Jahres erhöhten sich diese Gebühren nochmal ordentlich, aber dafür wird jetzt auch weniger Leistung geboten. Am ärgerlichsten sind die neuen “Online Kontoauszüge”. Ich hatte gehofft, dass mit denen dieser Zwangsauszug-Blödsinn vorbei wäre und staunte nicht schlecht, als mir SCHON WIEDER welche per Post zugestellt und doppelte Gebühren abgebucht wurden.

“Weil sie die nicht quittiert haben”, sagt die Bankmitarbeiterin am Telefon. WTF? “Ja, sehen sie, wenn sie die nicht online quittieren, müssen wir die ausdrucken und per Post schicken” Aha. Und warum nötigt mich die Bank zu andauernden Logins und Klickereien? “Aus rechtlichen Gründen.” Interessant, und wieso müssen andere Banken das nicht? “Ja, äh, die haben vielleicht ein anderes System?” Ist aber schon interessant, wie graue, alte Herren in Hinterzimmern Produkte entwickeln, die so völlig an der Zeit vorbeigehen.

Aus, Schluss, vorbei. Ich habe die Faxen dicke. Nach 30 Jahren wird das nun das Konto gekündigt. Um weiterhin eine Notfallkreditkarte zu haben, ist eine Mastercard bei der Bahn beantragt. Die kommt mit einem dicken Packen Zusatzleistungen, kostet die Hälfte der Kontoführung bei der alten Bank und das beste: Ich muss nicht dauernd irgendwas quittieren, runterladen oder ausdrucken.

Schade ist es schon, nach so langer Zeit wegzugehen, aber die Bank hat sich wirklich alle Mühe gegeben mich zu vergraulen.

 
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Verfasst von - 16. März 2015 in Gnadenloses Leben

 

Let there be LED

“Wir haben alle Beleuchtungselemente gegen LEDs ausgetauscht, und damit sparen wir pro Jahr 400.000 Euro Stromkosten ein”, sagt die Führerin im Aquarium von Genua und freut sich sichtlich. Ob über die Stromeinsparung oder darüber, dass die Aussage den gewünschten Effekt hat und das Publikum beeindruckt murmelt, ist nicht erkennbar.

LED-Lampen sind ja auch super. Hell, geringer Stromverbrauch, kurze Schaltzeiten und, anders als ihre bucklige Verwandschaft, die Energiesparlampe, nicht giftig. Energiesparlampen enthalten Quecksilber, die sind nach Gebrauch als Sondermüll zu behandeln und müssen bei der Giftannahmestelle vorbeigebracht werden. Kein Witz.Natürlich donnern alle Leute alte Energiesparlampen in Altglascontainer. Vermutlich sterben uns in den nächsten Jahren die Altglascontainersammler alle an Quecksilbervergiftung weg.

Mit LEDs kann das nicht passieren. Also alles super? Eigentlich ja, aber… LED-Lampen haben sich rasend schnell verbreitet (was gut ist), und in einigen Bereichen wurde vorher einfach nicht nachgedacht. In den USA stellte man in diesem Winter erstaunt fest, das LEDs kaum Wärme produzieren. Hätte man vorher wissen können, fiel aber erst auf, als sich pappiger Schnee auf Ampeln festsetzte und nicht, wie bei konventionellen Leuchtmitteln, wegtaute. Damit waren die Lichtsignalanlagen effektiv verdeckt und es gab haufenweise Unfälle. Hier hatte man schlicht vergessen das Ampeldesign anzupassen.

Das beste Beispiel habe ich vor der Haustür. In Mumpfelhausen wurde im vergangenen Jahr die Straßenbeleuchtung auf LEDs umgestellt. Auf superhelle LEDs, die warmes Licht verbreiten. Das ist dem Tageslicht nicht unähnlich. Für mich war das seltsam, aber die Tierwelt hat es ganz aus der Bahn gekickt. Vögel singen nun auch des Nachts, weil sie nicht mitkriegen dass die Sonne untergegangen ist. Am Schlimmsten aber hat es den Hahn getroffen, der gegenüber meines Schlafzimmerfensters wohnt. Das arme Tier sollte ja zum Sonnenaufgang mit Gejodel anfangen, aufgrund der komischen Lichtverhältnisse beginnt er manchmal schon um Mitternacht, spätestens aber um 03.00 Uhr Morgens mit seinem durchdringenden “Kickerikiii”. Und das ist harte Arbeit, denn er macht das alle 10 Sekunden und bis zum späten Nachmittag. Das Viech bekommt kaum noch Schlaf und stirbt vermutlich bald an Burnout. Nunja, in dem Fall könnte ich mal wieder ohne Ohrenstöpsel schlafen.

Das ist aber alles kein Grund LEDs doof zu finden. Ich habe gerade gestern die letzte konventionelle “Birne” entsorgt und gegen ein LED-Leuchtmittel ausgetauscht. Ich will nämlich auch 400.000 Euro im Jahr sparen. Sie dürfen jetzt beeindruckt Murmeln.

 
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Verfasst von - 6. März 2015 in Gnadenloses Leben, Skurril

 

Momentaufnahme: Februar 2015

Herr Silencer im Februar 2015
Ich. Will. SOMMER!

Wetter: Zu Beginn einstellige Plustemperaturen, Mitte des Monats leichte Minustemperaturen und Schnee. In der vierten Woche Sonnenschein und Schnee abwechselnd bei knapp über Null bis 10 Grad.
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Lesen:

Tim Parks: Italian Neighbours: An Englishman in Verona [Kindle]
Der Engländer Parks zieht in ein Mehrfamilienhaus im Veneto und versucht sich mit den Eigenheiten der italienischen Nachbarn, der italienischen Gepflogenheiten und der italienischen Volksseele auseinander zu setzen.
Parks erreicht in seinem Erstling noch nicht das fein-ironische Niveau seiner späteren Werke. “Neighbours” hat deutliche Längen, bietet aber immer wieder Perlen an Alltagsbeobachtungen und interessante Erklärungen für Eigenheiten der Italiener, die nur aussenstehenden auffallen.

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Hören:

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Sehen:

House, Staffeln 6 und 7 [DVD]
Serie über einen Arsch, der zufällig ein gutes Gespür für Diagnosen hat.
Staffeln 6 und 7 kannte ich noch nicht. Erstaunlicherweise sind die gut – ich hätte erwartet, dass die Serie nach hinten raus krass schlechter wird.

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Spielen:

The Order: 1886 [PS4]
London im Jahr 1886, in einer leicht veränderten Realität. Die Tafelrunde existiert noch, und die modernen Ritter (und Ritterinnen) sind die schnelle Eingreiftruppe der Königin. Nikola Tesla baut ihnen Elektrogewehre und ähnliche Gadgets, mit denen sie das Empire gegen Vampire und Werwölfe verteidigen. Soweit das Tagesgeschäft, seltsam wird es, als eine Mordserie in Whitechapel beginn und Ritter Galahad Indizien für eine Verschwörung innerhalb des Empires findet. Er ermittelt auf eigene Faust und hat plötzlich seinen eigenen Orden zum Feind. Als Gejagter hat er keine Chance, also nutzt er sie.

Moderne Ritter! Steampunkwaffen! Luftschiffe! Schnauzbärte! London! Ein wenig “Assassins Creed”, viel “Underworld”, dazu ordentlich Steampunk: “The Order: 1886″ wartet mit einer zusammengeklauten, aber unterhaltsamen Story auf. Die ist allerdings vorhersehbar, wird gelegentlich holprig und nicht immer logisch erzählt und endet mit Cliffhangern.

Kern des Spiels ist die lineare Inszenierung. Ich bin ein großer Fan davon, weil man, anders als in dem Open-World-Krempel, Geschichten wirklich gut und dicht erzählen kann. “The Order” setzt dabei allerdings die Prioritäten nicht ganz richtig. Optik, Kamera und Schnitt sind auf Filmniveau. Auf der Strecke bleibt bei der cineastischen Erzählung das Gameplay. Viel zu oft muss man als Spieler nur einen Knopf zwischen zwei Zwischensequenzen drücken. Andere Passagen, in denen geschlichen und geschossen werden soll, sind dagegen deutlich zu lang und repetitiv, mit teilweise nervigen Speicherpunkten. Auch wenn die Grafik das bislang beste ist, was man bislang auf der PS4 gesehen hat, das Spiel ist dennoch keine Augenweide. Mit seinen vielen Bewegungsunschärfen und Farbfiltern ist die Optik schön, aber unterkühlt und zu dunkel, und in Kombination mit einem zu niedrigen Kamerafokus führt dazu, dass man als Spieler dauernd den Kopf verrenkt und denkt, man habe was an den Augen.

In der Summe ist “The Order: 1886″ eine schöne Idee mit einem tollen Szenario. Jetzt bitte noch ein wenig mehr Fokus auf eine gute Geschichte, eine vernünftige Steuerung und ein ordentliches Gameplay, dann wird da ein ähnlich erfolgreiches Franchise draus wie “Assassins Creed”. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf “The Order: 1887″.

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Machen:
Kurzurlaub in Genua!

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Neues Spielzeug:

Diverse Batterien und Akkus und ein Garmin ZUMO 590, dass den TomTom Urban Rider ersetzen wird.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 27. Februar 2015 in Momentaufnahme

 

Vierzig

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Irgendwann im vergangenen Jahr kam mir plötzlich der Gedanke: An meinem nächsten Geburtstag, der zufälligerweise auch der vierzigste ist, möchte ich gerne am Leuchtturm von Genua stehen und ganz allein auf´s Meer hinausblicken. Genau das habe ich getan. Diese Zeilen entstehen in einem kleinen Hotelzimmer in Genua. Das Bild oben zeigt übrigens NICHT den Blick vom Leuchtturm aus, sondern die andere Seite von Genua. Der Leuchtturm steht inmitten eines Containerhafens, von dort aus kann man das Meer nur erahnen. Man lernt halt nie aus.

Ich meine, ich hätte mal irgendwann gelesen, dass man mit 40 innehalten und in den Spiegel sehen und sich dann fragen sollte, wie man seinem 8jährigen Ich erklären würde, was aus einem geworden ist.

Das soll wohl ein schockierender Augenöffner sein, nach dem Motto “Als Achtjähriger wollte ich Astronaut werden, und nun bin ich Büroangestellter und mache mir nur noch Gedanken darüber, wie ich die Reihenhaushälfte und den Passat abzahlen soll”. Nun, das trifft auf mich so nicht zu. Zum einen habe ich keinen Passat und zum anderen hatte ich als 8jähriger überhaupt keinen Plan was ich beruflich werden sollte. Vielleicht hätte ich Astronaut oder Pilot werden wollen, aber schon mit 5 klar war, dass solchen Karrieren aufgrund der schlechten Augen nichts werden würde. Ich wusste als achtjähriger nur eines: Ich wollte unbedingt volljährig werden. Weiter dachte ich nicht. Erstmal volljährig und unabhängig werden. Und dann? Sachen machen, halt. Ohne das wer dagegen was sagen kann. Was für Sachen, das wusste ich nicht, aber bis 18 war ja noch soooo lange hin, da würde sich schon was finden.

Tatsächlich habe ich dann mit 14 angefangen in Nebenjobs zu arbeiten, was mir ermöglichte sofort nach Abschluss der Schule von Zuhause wegzugehen. Nicht, dass ich es in meinem Elternhaus schlecht gehabt hätte, aber ich wollte auf eigenen Beinen stehen. Unabhängig sein. Das war ich dann auch. Tagsüber Studium, Nachts und am Wochenende im Systemgastrononmiemanagement arbeiten. Beides gehörte zu meinem Leben. Nur Studium hätte mich genauso irre gemacht wie nur Arbeit, aber beides zusammen, das war Balance und machte Spaß. Aber es gab halt nur das: Körperliche Arbeit und geistige Arbeit, aber immer Arbeit.

Irgendwann war auch das Studium vorbei, das dank vieler Experimente lange dauerte. Damals, vor Einführung der Bachelorstudiengänge, war es noch möglich über den Tellerrand zu schauen, und hey, ich war ja unabhängig und damit niemandem Rechenschaft schuldig.

Nach dem Studium hatte ich die Chance ein Hobbyprojekt zum Beruf zu machen, stark vereinfacht gesagt.Aber das ging mit der Pflicht einher, die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen und alle darin beschäftigten Menschen zu übernehmen. Zum Glück war ich nicht allein, aber wir hatten damals etliche schlaflose Nächte. Ich hätte mich aber in den Hintern gebissen, wenn ich es nicht probiert hätte. Denn vor Verantwortung laufe ich nicht davon. Das Streben nach Unabhängigkeit und die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, das sind wohl zwei Leitmotive in meinem Leben.

Ich war auch irgendwann bereit die Verantwortung für eine Familie zu übernehmen und habe das auch getan. Es war eine der schönsten Phasen in meinem Leben. Letztlich kam es dann vor dreieinhalb Jahren dazu, dass ich mich von vielem lossagte. Es war eine schwere und schmerzhafte Zeit, an deren Ende viele Taue gekappt waren.

Ich bin seitdem so unabhängig wie man es nur sein kann, ich trage privat nur für mich Verantwortung, und ich kann jetzt Sachen machen, und zwar was auch immer, ohne von Pflichten oder schlechtem Gewissen anderen gegenüber eingeschränkt zu werden: Ich kann an der Volkshochschule lernen was ich will, ich kann aus Spass an der Freude Themen meiner Wahl journalistisch oder wie auch immer angehen oder mich genauso gut am Abend in ein Videospiel vertiefen.

Ich kann tun und lassen was ich will, weil ich alleine bin. Das ist in der jetzigen Lebensphase genau das richtige und passt gut zu meiner Persönlichkeit: Ich bin eher introvertiert, d.h. ich kann gut und lange mit mir allein sein. Ich habe gerne Geheimnisse. Ich plane gerne. Also tue ich seit diesem Umbruch vor dreieinhalb Jahren etwas, dass ich vorher noch nie getan hatte: Nach kurzer Starthilfe sah ich mir die Welt an und machte Sachen. Wobei WELT relativ ist – ich mag Europa, und so lange der Körper noch mitmacht, möchte ich das intensiv erfahren. Deshalb baute eine Kawasaki zum Reisemotorrad um, nannte Sie Renaissance, passend zur Rückbesinnung auf den Menschen als Mittelpunkt, und ging mit ihr auf Reisen. Amerika kann ich mir auch noch ansehen, wenn die Kniegelenke nicht mehr mitmachen.

In den letzten dreieinhalb Jahren habe ich gut 25.000 Km durch Europa zurückgelegt, mit dem Motorrad und per Bahn. Ich habe neue Sprachen gelernt. Ich habe mir das Kochen beibringen lassen. Ich habe coole Plätze entdeckt und kenne mich jetzt in etlichen der faszinierendsten Städte unseres Kontinents so gut aus, das ich nicht nur keinen Stadtplan brauche, sondern auch weiß, wo es den besten Kaffee gibt.

Durch das Entdecken von anderen Orten habe ich auch viel über mich selbst rausgefunden. Ich bin verdammt gut in der Vorplanung und noch viel besser im Improvisieren. Ich bin im Laufe der zeit härter geworden, ertrage weniger Bullshit und trenne mich schneller von Allem, was mir nicht gut tut. Wenn ich mit etwas unzufrieden bin, dann jammere ich nicht, dann ändere ich es. Wenn ich etwas will, sorge ich dafür das es passiert. Der beste Beweis dafür ist, dass diese Zeilen in einem Hotelzimmer in Genua enstehen. Ich tue Dinge gerne alleine, weil ich dann weiß, dass alles nach meinen Vorstellungen läuft und ich mich nicht auf andere verlassen muss. Ich weiß nun was ich kann, komme mehr als gut alleine klar und habe meine Grenzen immer noch nicht wirklich gefunden und bin immer wieder erstaunt, was noch alles so geht.

Das ich nun vierzig geworden bin bedeutet mir nichts. Ich habe Leute in meinem Bekanntenkreis, die glaubten, dass damit quasi das Leben vorbei sei, und seit der großen 4 ihr wahres Alter verleugnen oder der Jugend hinterhertrauern. Um Himmels Willen, ich will alles, aber bloß nicht noch einmal jung sein. Ich bin froh, dass ich den ganzen Unsinnskram der Teen- und Twen-Zeit hinter mir habe. Ich bin froh, dass mein Leben so ist wie es ist. Ich bin in einer privilegierten Situation, das ist mir klar.

Das der Kilometerzähler nun auf eine runde Zahl umgesprungen ist hält den Motor nicht davon ab, weiter die beste Leistung zu bringen. Ich habe noch viel vor.

Ich glaube, mein achtjähriges Ich wäre ziemlich zufrieden mit mir.

 
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Verfasst von - 11. Februar 2015 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: Januar 2015

Herr Silencer im Januar 2015
Ich würde jetzt gerne Winterschlaf halten. Nunja, mit kaputten Zeh auf dem Sofa rumliegen kommt dem recht nahe.

Wetter: Zu Beginn einstellige Plustemperaturen, dann zwei Tage leichten Schneefall, Mitte des Monats dann eine Woche Sturm und Temperaturen im zweistelligen Plusbereich. In der dritten Woche der Absacker knapp unter Null Grad, am Monatsende abwechselnd Sturm, Sonnenschein, Regen und Schnee – an einem Vormittag.
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Lesen:

Cheryl Strayed: Wild: A Journey from Lost to Found [Kindle]
Eine wahre Geschichte: Cheryl Strayed ist Mitte Zwanzig, als ihre Mutter unerwartet stirbt. Das wirft die junge Frau total aus der Bahn, sie versucht ihre Trauer mit One-Night-Stands, Alkohol und später Heroin zu betäuben – die Abwärtsspirale scheint unstoppbar. Eines Tages bekommt sie einen Reiseführer über den Südpazifik-Trail in die Hände und beschliesst den 1.600 Meilen langen Weg zu Fuß zu laufen, um sich selbst zu finden und “wieder der Mensch zu werden, zu dem meine Mutter mich erzogen hat”. Unerfahren, mit viel zu viel Gepäck und immer der Verzweifelung nahe geht Cheryl Schritt für Schritt vorwärts, durch glühende Hitze und über schneebedeckte Berge, immer im Kampf mit dem Weg, sich selbst und dem eigenen Körper – der irgendwann so am Ende ist, dass es “eine Erleichertung ist, sich die Zehennägel abzureißen”.
Interessanter Reisebericht, auf jeden Fall. Handwerklich wirkt es, als hätten zwei verschiedene Autorinnen daran geschrieben. An manchen Stellen ist die Geschichte zu poliert und verwendet filmreife und nachgerade unglaubwürdige Bilder, an anderen Stellen klingt es wie das Tagebuch eines Teenagers. Das sind meist auch die Stellen, die ziemliche Längen haben – wenn zum gefühlt hundertsten Mal der Verlust der Mutter beklagt wird oder sich die Gedanken um den Junkiesexbuddy drehen, möchte man einfach nur rufen “JA! Wir haben es ja verstanden, Du Zimperliese!”
Trotzdem ein lesenswertes Buch, zumal für die 5 Euro, die die englische Kindleausgabe kostet.

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Hören:


Awesome Mix Vol. 1 [MP3]
Interessanter Mix alter 70s Songs, Soundtrack zu Guardians of the Galaxy.

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Sehen:

Guardians of the Galaxy [BluRay]
Eine Bande Gauner rettet das Universum. Schön, schräg, humorvoll, actionreich – macht Spaß.

Die zauberhafte Welt von Oz [PSN]
Ein schlitzohriger Jahrmarktzauberer gerät um die Jahrhundertwende in Kansas in einen Tornado und findet sich in Oz wieder. Dort wurde die Ankunft eines Zauberers prophezeit, und prompt schlüpft der Trickbetrüger in diese Rolle um die hübsche Hexe des Nordens zu verführen. Und ihre Schwester. Und eine andere Hexe. Das bricht der Nordhexe das Herz, und sie wird grün und böse und dann geht´s los.

Nette Idee, ein Prequel zu “Der Zauberer von Oz” zu drehen. Stellenweise ist das auch mit originellen Ideen recht gut gelungen, an anderen Stellen hat der Film deutliche Längen und ist schlecht getrickst. In der Summe durchwachsene Unterhaltung.

Veronica Mars – Der Film [BluRay]
Veroncia Mars hat alle Privatdetektivambitionen begraben. In den letzten 8 Jahren hat sie ihr Jurastudium durchgezogenen und arbeitet an einer Karriere als Rechtsanwältin, als die Freundin ihres alten Freudes Logan ermordet wird. Noch einmal kehrt Veronica nach Neptune zurück und trifft alte Bekannte.
Acht Jahre nach dem unvermittelten Ende der Serie bekommen Fans mit diesem, per Kickstarter finanzierten und von Kristen Bell selbst produzierten, Film eine Gelegenheit, sich in Ruhe und Würde von den Charakteren zu verabschieden. Dabei muss man die Serie nicht unbedingt kennen, ohne Vorkenntnisse ist es ein kurzweilig Who-Dunnit. Kennt man aber die drei Staffeln, ist es eine liebevolle Hommage.

Lucy [BluRay]
Der Mensch nutzt nur 10 Prozent seines Gehirns. Lucy nur 7. Das ändert sich, als sie mit einer blauen Wunderdroge in Kontakt kommt, die sie stückweise auf 100 Prozent bringt. Am Ende verwandelt sie sich erst in Gott, dann in einen USB-Stick.
“Lucy” ist ganz großer Quatsch, und keiner von der unterhaltsamen Sorte. Der Film ist geradezu unanständig dumm. Das fängt bei der platten wie falschen Grundannahme (10 Prozent) an, geht über die Ästhetik (Spielfilm wird ständig unterbrochen von Dokumentarfilmbildern), die Schauspielerei (Scarlett Johannsonn telefoniert ihre Rolle nur durch) und die Charaktere (alle unsympathisch außer Morgan Freeman) und vom Plot wollen wir erst gar nicht anfangen: Nachdem Lucy gehackten Schlumpf geschnupft hat, kann sie sofort fliegen, elektronische Geräte fernsteuern und Leute durchleuchten. Am Ende scrollt sie durch Zeit und Universum, um dann … allen ernstes ein göttlicher USB-Stick zu werden. What. The. Fuck.
Ich mag SciFi- Unsinn, aber dieser Quatsch lässt mich ratlos zurück. “Lucy” ist Luc Bessons “2001”, und den finde ich auch doof.
Rausgeschmissenes Geld.

Genova [DVD]
Bei einem Unfall verliert ein amerikanischer Uniprof seine Frau. Um der Trauer zu entfliehen nimmt er eine Stelle an der Universität von Genua an und zieht mit seinen beiden Töchtern nach Italien. Dort versuchen alle drei auf ihre Art mit dem Verlust und dem neuen Leben klar zu kommen.
Ein äußerst ärgerlicher Film, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es ist ärgerlich, dass die Kamera gewollt Artsy-Fartsy ständig in Nahaufnahme im Gesicht der Schauspieler herumwackelt. Es ist ärgerlich, dass die Figuren allesamt egal sind – von der Hauptfigur bleibt bis zu Ende des Films nicht mal der Name hängen. Es ist ärgerlich, dass alles so gewollt auf Arthaus gemacht ist und dabei überstilisiert wird: Der Uniprof hat nichts anderes zu tun als mit 8 Studenten in einem Riesensaal zu sitzen und Gespräche auf Kaffeehausniveau zu führen, wenn er nicht gerade mit Studentinnen flirtet. Die große Tochter pubertiert und schmeisst sich jedem Loverboy an den Hals. Und die kleine Tochter geht stiften, was man ihr bei der Baggage auch nicht verübeln kann. Und es ist ärgerlich, das wirklich so gar nichts passiert.
Ein absurd schlechter, belangloser und langweiliger Film, dessen einziges Highlight die schauspielerische Leistung der damals 11jährigen Perla Haney-Jardine ist.

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Spielen:

Middle Earth: Shadow of Mordor [PS4]
Vor den Ereignissen von “Herr der Ringe”: Talion ist ein Ranger von Gondor. Er hält am schwarzen Tor Wache und passt auf, dass es in Mordor ruhig bleibt. Das bleibt es nicht, ein Überraschungskommando von Urukhs tötet ihn und seine Familie. Aber Talion bleibt nicht tot: Ein Ringgeist ergreift von ihm Besitz und bringt ihn zurück. Beide, Ranger und Wraith, sind fortan eins – und können nicht sterben. Gemeinsam versuchen sie die Vergangenheit des Ringgeists zu ergründen und einen Weg zur letzten Ruhe zu finden. Dabei kommen sie Sauron in die Quere, der im Verborgenen seine Rückkehr vorbereitet.

Was war ich bereit das Spiel zu verachten – es hat nichts eigenständiges, sondern klaut hemmungslos von meinen Lieblingsfranchises, seine Geschichte ist kurz, platt und schlecht erzählt, und die Mechaniken repetitiv. Und trotzdem hat es mich gefesselt. Das Schleichen und Klettern aus Assassins Creed funktioniert in Kombination mit dem Kampfsystem aus den “Arkham”-Spielen besser als in “Unity” und macht sogar mehr Spaß. Ab der Hälfte des Spiels wird es taktisch: Die Urukh-Gesellschaft mit ihren Rängen wird simuliert. Unbedeutende Orks werden zu Captains, Captains zu Wachen von Kriegsherren.

Talion kann diese Veränderungen direkt beeinflussen, Konflikte schüren und sogar Orks mit Hilfe des Ringeistes manipulieren. Das funktioniert hervorragend und führt zu tollen Situationen. Etwa, wenn Talion einen Kriegsherren stellt, der seine Bodyguards ruft und plötzlich begreift, dass diese ihm nicht helfen werden, weil sie unter Talions Bann stehen.

Jeder Ork sieht anders aus, und jeder hat eine eigene “Persönlichkeit”. Sie erinnern sich an frühere Begegnungen, tragen manchmal Narben von Wunden, die ihnen Talion zugefügt hat, und kommentieren das entsprechend. Dieses System ist auch auf anderer Ebene überaus motivierend: Talion kann zwar nicht dauerhaft sterben, aber wenn ein Ork ihn im Kampf besiegt, wird er mächtiger und steigt in den Rängen von Saurons Armee auf. Wenn man nicht aufpasst und einen der gleiche Ork immer und immer wieder besiegt, steht man am Ende tatsächlich einer mächtigen Nemesis gegenüber. Ein hervorragendes und motivierendes Actionadventure.

Assassins Creed Unity: Dead Kings [PS4]
Wenige Tage nach dem Ende der Terrorherrschaft der französischen Revolution: Arno ist von der Trauer um Elise gebrochen und säuft sich durch die Tage und Nächte, als der Marquis de Sartre ihn um einen Gefallen bittet. Arno begibt sich nach St. Denis, einem Vorort von Paris, und steigt hinab in die alten Königsgrüfte, in denen Grabräuber nach etwas suchen.
Exakt wie das Hauptspiel ist auch “Dead Kings” optisch eine Schau, Storytechnisch aber mau. St.Denis ist düster in Szene gesetzt, hier unterscheidet sich der DLC vom Feeling deutlich von “Unity”. Erzählerisch geht es nur um einen McGuffin, die Story trägt für maximal drei Stunden. An Gameplay wurden absurderweise die schlechtesten Elemente des Hauptspiels genommen und prominent in Szene gesetzt – wer einmal versucht hat mit der Parcours-Steuerung eine Verfolgungsjagd durch eine viel zu enge Katakombe zu spielen, weiß, was ich meine: Alle zwei Meter klettert die Spielfigur einen Türrahmen hoch statt hindurchzulaufden. Das lässt einen vor Frust ins Gamepad beißen, zumal dieser Mist ein Showstopper sein kann. In der Summe: Mehr Zeit in der Welt von Unity, aber kein guter DLC.

Infamous: First Light [PS4]
Fetch sitzt im Gefängnis und erzählt ihre Geschichte. Sie und ihr Bruder waren drogenabhängig und lebten auf der Straße. Ein letzter Deal sollte ihnen den Ausstieg ermöglichen, aber der ging natürlich schief und der Bruder wurde entführt. Was keiner wusste: Fetch ist ein Conduit und verfügt über Übermenschliche Kräfte. Das macht sie zur Zielscheibe für die Geheimpolizei und Gangsterbanden, die ihre Gabe jeweils für sich nutzen wollen.
Standalone-DLC zu Infamous: Second Son, dreht sich ganz um die junge Fetch. Die war im Hauptspiel ein Nebencharakter, nun erfahren wir ihre Geschichte. Schöne Variation, interessante Geschichte, sehr gut inszeniert. So muss DLC!

GTA V [PS4]
Los Santos ruckelfrei und in HD, mit Egoperspektive und vielen optischen Aufhübschungen. Zwar habe ich die Geschichte um die drei Gauner Michael, Trevor und Franklin schon vor einem Jahr auf der XBOX 360 gespielt, aber auf der PS4 geht das Ganze erst richtig ab. Der Nachbau von Los Angeles ist unfassbar detailliert, die Spielewelt so mit Leben gefüllt und so eine Augenweide, dass es eine Freude ist einfach nur durch die Stadt zu fahren. Die Missionen sind abwechselungsreich, und die Heists großartig. GTA ist verdientermaßen das bislang größte Videospiel. Schade ist, dass inhaltlich die Satire nicht weiß was sie will und die Welt mit sexistischen Pipikacka-Witzen überfrachtet ist – GTA ist die Leinwand für große Erzählungen, aber genau hier versagt es und ruft keine Emotionen außer Ekel hervor.

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Machen:
Diverse Ärzte besuchen.

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Neues Spielzeug:

House – die komplette Serie. Günstig gebraucht geschossen. Eine sichere Geldanlage, die Box wird sonst für 90 – 150 Euro gehandelt, Tendenz steigend.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Januar 2015 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Mein rechter Fuß

Silencer macht sich nackig bis auf die Knochen:

Mein rechter Fuß.

Mein rechter Fuß.

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Verfasst von - 30. Januar 2015 in Gnadenloses Leben

 

Champagner!

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“Hier, gönnen´se sich mal was”, sagt Frau Holzer und drückt mir eine Flasche Champagner in die Hand. Ich habe noch nie echten Champagner getrunken und eigentlich mag ich süßes Prickelwasser auch nicht, egal ob es aus der Champagne kommt oder profaner Sekt oder Schaumwein ist. Aber diesen hier, den habe ich mir wirklich verdient.

Der Umzug ist geschafft und alle Altlasten entsorgt. Das war aber nicht alles, was in meinem Wohnhaus in letzter Zeit aufregend war. Da gab es auch noch die Gewöhnlichen, die nun nach einigem Hin- und Her ruhige und nette Nachbarn sind, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Im Dezember ist Herr Holzer, der Vermieter, verstorben. In den letzten Wochen habe ich für Frau Holzer dann Tipparbeiten erledigt und Korrespondenz mit verschiedenen Ämtern gepflegt. Die alte Dame hatte da einfach nicht den Kopf für. Da sie darauf besteht, dass alles immer schön ordentlich ist, und Formulare grundsätzlich mit der Schreibmaschine auszufüllen sind, kann ich nun also mit einer elektrischen “Adler” aus den 70er Jahren umgehen und weiß, wie man Tipp-Ex-Blättchen verwendet.

Der letzte Brocken war die Suche nach Nachmietern für meine alte Wohnung. Zum ersten Februar brauchte ich welche, und war dabei in der merkwürdigen Situation mir gleichzeitig meine neuen Nachbarn aussuchen zu können. Über Weihnachten tat sich erwartungsgemäß gar nichts, und Anfang Januar waren gut ein Dutzend Leute da, die entweder selbst komplett verwahrlost waren, riesige Hunde dabei hatten, zu sechst in drei Zimmer einziehen wollten oder merkwürdige Vorstellungen an den Tag legten (“bevor wir hier einziehen legen sie bitte extra Strom in den Keller, wir haben drei Gefriertruhen”). Jetzt haben sich hoffentlich die richtigen gefunden.

Damit sind einige anstrengende Wochen endlich vorbei. Ich habe wieder Zeit mich um andere Sachen zu kümmern. Aber vorher habe ich mir diesen Champagner verdient.

 
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Verfasst von - 12. Januar 2015 in Ganz Kurz, Gnadenloses Leben

 
 
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