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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Momentaufnahme: Januar 2016

Herr Silencer im Januar 2016
Hust-Schnauf-Röchel. Krank gewesen, deshalb viel Zeit für Medienkonsum.

Wetter:  Bis Monatsmitte sowas wie Plusgrade, dann Temperatursturz auf -5 bis -15 Grad. Dabei meist trocken, nur wenig Schnee.
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Lesen:

Frank Panthöfer: Krad-Vagabunden – Licht- und Schattenseiten einer Weltreise, Teil 2: Süd-Ost-Asien, Himalaya, Orient und Resozialisierung [Kindle]
Der zweite Teil der Weltreise von Frank “Pany” Panthöfer und Freundin “Simon”. Wie der Name schon sagt: Es geht über die Inseln Süd-Ost-Asiens, Indien, Pakistan, den Iran und die Türkei bis zurück nach Deutschland. Im letzten Kapitel versuchen sich die Heimkehrer wieder in den deutschen Alltag einzufinden.

Wie schon bei Teil 1 angemerkt: Mir persönlich gefällt Panthöfers Schreibstil nicht. Zu Anfang ist die raubatzige Direktheit erfrischend, sehr schnell wird die Sprache aber dem Thema nicht mehr gerecht. Die Schattenseiten der Weltreise werden oberflächlich, aber häufig geschildert, während die schönen Erlebnisse stark verkürzt beschrieben werden – meist in Form von “wir werden mit einer tollen Aussicht belohnt”. Hätte mich ja schon mal interessiert, was genau an der Aussicht denn toll war. Das Buch ist voller solcher Verkürzungen und hinterlässt in der Summe den Eindruck, dass Pany die Hälfte der Zeit mit dem Kampf gegen Betrüger, korrupte Beamte und dem Flicken von Reifen beschäftigt war und stets vor dem Explodieren stand, während Simon quasi nur hinterherfuhr und ein paar Mal umfiel. Durch diese Gewichtung bleibt in der Summe der Eindruck zurück, dass Motorradreisen in erster Linie eine Qual ist. Über ein Reisetagebuch auf eine Weltreise mitgenommen zu werden ist toll, aber dem (mittlerweile hauptberuflichen) Autor wünsche ich einen guten Lektor, der hilft, die Erlebnisse in ansprechendere Form zu gießen – ich hätte mir ernsthaft eindrücklichere Beschreibungen und ein paar Fotos mehr gewünscht. [Update: Ich sehe gerade, dass es jetzt auch eine Special Edition des Buchs gibt, mit mehr Bildern]

Marc Haddon: The Curious Incident with the dog in the Night-time [Kindle]
Christopher ist 15 und Autist. Seit dem Tod seiner Mutter lebt er allein mit seinem Vater in der englischen Stadt Swindon. Er mag: Primzahlen, komplexe Formeln, Astronauten, allein sein, Sherlock Holmes-Geschichten, rote Dinge, seine zahme Ratte Toby und Wellington, den Hund der Nachbarin. Was Christopher nicht mag: Andere Menschen, berührt werden, laute Geräusche, Gefühle, Gedichte, Sir Arthur Conan Doyle, gelbe und braune Dinge. Christophers Tagesablauf ist streng in in Ritualen organisiert, das gibt ihm Sicherheit. Alles gerät durcheinander, als er eines Morgens den Hund Wellington tot auf dem Gehweg findet. Jemand hat den Hund mit einer Forke umgebracht, und Christopher ist fest entschlossen herauszufinden, wer das war. Auch wenn das bedeutet, dass er mit fremden Menschen sprechen muss.

Die Geschichte ist vollständig aus der Sicht von Christopher geschrieben. Das lässt die Leser tief eintauchen in die Art, wie ein autistisches Kind die Welt wahrnimmt und ist faszinierend, weil die Regeln, die Chrisopher sich selbst aufgestellt hat und nach denen er funktioniert, plötzlich sichtbar werden. Über die einfache Grammatik (Aneinanderreihung von Sätzen durch “und”) sowie den Verzicht auf die Schilderung von Emotionen, die Christopher nicht zu begreifen in der Lage ist, ist der Stil ziemlich einzigartig.

“The Curious Incident” ist ein bittersüßes Vergnügen. Das Buch ist überaus witzig.
Zwischen den einfachen Worten und Sätzen verbergen sich allerdings Abgründe. So schildert Christopher Ereignisse und Handlungen, die für ihn eine inhärente Logik aufweisen, die aus Sicht Außenstehender aber geradezu verheerend chaotisch wirken. Oder er verkürzt Dinge stark, weil sie für ihn nicht wichtig sind, man als Leser aber ahnt, dass sich hier in Wirklichkeit ein Jahre dauerndes Drama abgespielt haben muss, dass seine Eltern bis über die Grenzen hinaus belastet haben muss.

Ich habe das Buch vor 10 Jahren schon einmal und nun, als Vorbereitung auf das Musical, noch einmal gelesen. Zurück bleibt Mitleid mit dem Protagonisten genauso wie der Respekt vor dem Mut und den Strategien, mit denen er sein Leben meistert und eine Hochachtung vor dem Autor: Marc Haddon behandelt alle Charaktere in dieser sorgfältig erzählten Geschichte mit großem Respekt und gerät nie in die Versuchung, den leichten Weg zu gehen und zu verurteilen oder Partei zu ergreifen. Unbedingt lesen- nach den ersten Seiten kann man es nicht mehr aus der Hand legen! Auf Deutsch ist es erhältlich unter dem sperrigen Titel “Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone”.

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Hören:
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Die Sprechkabine [Podcast]
Timo Hetzel und Phillip Seidel reden über Dinge. Was ihnen gerade so einfällt. Ein klassischer Laberpodcast. Das Besondere: Beide Sprecher haben überaus angenehme und ruhige Stimmen, sind spontan wirklich lustig und dennoch immer fokussiert auf das, was sie gerade erzählen – anders als bei den Tim-Pritlove-Podcasts, bei denen man sich die Hälfte der Zeit fragt, ob der Host überhaupt geistig anwesend ist und nicht nebenbei Nachrichten guckt oder Kuchen backt.

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Sehen:

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Kingsman [Bluray]
Eggsy ist ein Teenager in England. Er ist clever, aber mit Schulbildung ist es nicht weit her. In der Perspektivlosigkeit der britischen Arbeiterklasse oszilliert er zwischen Kneipenschlägereien und der Trostlosigkeit von Sozialhilfebauten. Das ändert sich, als ein Gentlemen in feinem Tuch auftaucht und Eggsy für einen sehr geheimen Geheimdienst rekrutieren will: Die Kingsmen.

So sähe “Bond” im Jahr 2015 aus, wenn man in nicht in ein weinerliches Weichei rebootet hätte, das Buchhaltern und Immobilienmaklern hinterherlaufen muss. Bei “Kingsman” gibt es sie noch, die megalomanischen Superverbrecher (ein lispelnder und nur schwer zu ertragender Samuel L. Jackson), eine weltweite Verschwörung zum Untergang der Zivilisation, riesige Setpieces und Actionszenen und dazu mit “Gazelle” (Sofia Boutella) die coolste, schrägste und tödlichste Bodyguard seid Odd Job.

Die Britishness ist far over the top und mit Michael Caine UND Colin Firth fast schon zu gut besetzt. Ab der Hälfte des Filmes agiert Firth ein einer ungewohnten Rolle: In einer atemberaubenden und scheinbar ohne Schnitt gedrehten Sequenz muss er sich als Actionstar behaupten, und richtet dabei das größte Gemetzel an, dass man seit “300” auf der Leinwand gesehen hat. Die Geschichte hinter dem Ganzen ist zudem überaus clever, so daß sich zusammengefasst sagen lässt: “Kingsman” ist pure, seeligmachende Unterhaltung für alle, die als Kind die Abenteuer von 007 toll fanden.

Morgen hör´ ich auf [ZDF]
Jochen Lehmann hat finanzielle Probleme. Der Familienvater hat die Druckerei seiner Schwiegereltern übernommen und den Laden an die Wand gefahren. Als die Bank ihm einen weiteren Kredit verwehrt, sieht er in seiner Verzweifelung nur einen Ausweg: Er nutzt die modernen Maschinen seiner Firma, um ein paar Scheine Falschgeld herzustellen. Nur ein paar, da ist er sich sicher, und morgen hört er auf.

Im Vorfeld war die Serie als “das deutsche Breaking Bad mit Bastian Pastewka” angekündigt worden. Mit dem Vergleich haben sich die Macher keinen Gefallen getan, wie das kollektive Aufstöhnen genervter Kritiker und Serienfans zeigte. Zu schlecht sind die Erinnerungen an schlimme deutsche Plagiate von US-Serien. Machwerke wie “Hilfe, meine Familie spinnt” als Plagiat von “Eine schrecklich nette Familie” haben eine so traumatischen Eindruck hinterlassen, dass man sich auch mehr als 20 Jahre später noch an sie erinnert.

Dabei stimmt der Vergleich im Kern, denn hier wie da handelt die Geschichte von einem Normalo, der seiner Familie zuliebe in die Kriminalität abrutscht und immer tiefer in den Morast einsinkt, je stärker er versucht wieder herauszukommen. Darin liegt auch der Charme: Der Geschichte bei der Eskalation zuzusehen, die schon in Folge zwei vollkommen ausser Kontrolle gerät. Das Ganze Größtenteils gut gespielt und bedient sich technisch z.T. an der Machart des großen Vorbilds – was z.B. beim Schnitt und den Szenenteilern überaus erfrischend rüberkommt. Eine feine, 5-teilige Serie, die aktuell jeden Samstag Abend auf ZDF läuft, in der Mediathek abrufbar und ab dem 20.02. auf DVD und BluRay verfügbar ist.

Italy – Love it or Leave it [Watchever]
Rom. Das Journalistenpaar Luca und Gustav hat in den letzten Jahren den Wegzug ihres Freundeskreises erlebt. Hohe Lebenshaltungkosten, Monsterbürokratie, schlechtes Bildungssystem und hohe Arbeitslosigkeit treiben eine ganze Generation von Italienern ins Ausland. Die beiden müssen sich nun entscheiden: Verlassen auch sie das sinkende Schiff?

Der in Südtirol geborene und von Italien desillusionierte Gustav will, dass beide nach Berlin ziehen. Lucamöchte in Rom bleiben. Sie geben sich sechs Monate für die Entscheidung. In dieser Zeit reisen sie durch das Land und sehen sich vor Ort an, wie Italien nach 20 Jahren unter Berlusconi aussieht. Gustav zeigt die Schattenseiten auf, Luca versucht das Schöne zu finden, was ihm nicht leicht fällt.

Nach Besuchen vom Piedmont bis nach Sizilien und Gesprächen mit Politikern, Schriftstellern, Philosophen und Fließbandarbeitern stellen sie fest: Nach Außen ist Italien schön, aber alles hinter der Fassade ist runtergekommen und in schlimmen Zustand. Hoffnung gibt es nur in einzelnen Menschen: Denen, die nicht bereit sind, ihren Platz aufzugeben und zu flüchten, die gegen Korruption und für eine Zukunft kämpfen.

Der Film ist sehr persönlich, ohne dabei jemals die Distanz zu verlieren. Die Reise von Gustav und Luca zeigt Italien im Jahr 2013 ohne jede Schönfärberei: Zu Beton geronnenen Fördermittelbetrügereien werden ebenso wenig ausgelassen wie der wirtschaftliche Niedergang, das Wirken der N´Dragheta oder das Bild der Frauen in Berlusconis Sendungen. Aufgelockert wird das Ganze durch originelle und informative Animationssequenzen. Italienanfänger sind vielleicht geschockt vom Ausmaß der Probleme, Italienkenner freuen sich über die Hintergrundinfos und die ungewöhnlichen Bilder.

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Spielen:

AKsoI

Arkham Knight – Season of Infamy [PS4]
Vor der Ostküste Bleake Islands ist die “Iron Heights” abgestürzt. Das Luftschiff war ein Hochsicherheitsgefängnis und beherbergte u.a. Killer Croc, nun liegt es geborsten im Gotham River. Klar, dass sich der dunkle Ritter den entflohenen Insassen ebenso annimmt wie der Frage, wer eigentlich gerade Victor Fries erpresst, warum sich Mad Hatter freiwillig gestellt hat und was mit Ras al Ghul passierte.

“Sechs Monate lang ständig Nachschub an Content” versprach der Publisher und rechtfertigte damit den saftigen Preis von 40 Euro für den Season Pass zu “Arkham Knight”, verriet aber nicht, was genau dieser Content denn sein sollte. Eine fragwürdige Politik. Ich war skeptisch und habe da die Finger von gelassen, und das nicht bereut: Tatsächlich kam zwar im Monatstakt neuer Downloadable Content (DLC), aber der war Mist: Ein paar Challengekarten und Storymissionen mit einer Länge von 15 Minuten rechtfertigen keine Ausgabe in der Höhe.

“Season of Infamy” ist da zum Glück anders, da stecken mehrere Stunden Spielspass und echte Stories drin, die sich auch direkt in das Hauptspiel integrieren – mit einer kuriosen Folge: Um nach der Installation das Knightfall-Protokoll auszulösen, muss man das Spiel nicht mehr zu 100, sondern zu 120 Prozent schaffen. Einzeln lässt sich die Erweiterung für 9,99 Euro kaufen, und das ist sie in jedem Fall wert.

wiiihos

The Witcher III: Hearts of Stone [PS4]
Geralt von Rivia hat ein Problem. Ein Kontrakt ist spektakulär schief gelaufen, und nun findet sich der Witcher eingekerkert im Bauch eines Schiffes wieder, auf dem Weg zu einem fernen Kontinent und seiner Hinrichtung. Da taucht ein Fremder an seiner Zelle auf und bietet Geralt freundlich lächelnd an, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien. Im Gegenzug verlangt er nur einen Gefallen. Geralt hat keine Wahl und willigt ein, stellt danach aber schnell fest, das hinter dem Fremden mehr stecken muss, als er auf den ersten Blick vermutet hat. Langsam, aber stetig wird deutlich, dass Geralt sich mit dem Teufel persönlich eingelassen haben muss. Der Witcher wird zu einer Spielfigur in einem Schachspiel mit dem Leibhaftigen, an dessen Ende er die Entscheidung fällen muss, was mit den Herzen aus Stein geschieht.

CD Projekt Red, die polnischen Entwickler von “The Witcher III”, sind ein Phänomen. Seit dem Erscheinen des Spiels im Mai vergangenen Jahres sind 13 Updates erschienen sind, die nicht nur Bugs fixten, sondern das Spiel in Sachen Usability verbesserten und um Spielmodi erweiterten. Dazu wurde ein halbes Jahr lang DLC verschenkt. Gut, nur Charakterskins und Ausrüstungsgedöns, dafür wollen andere Publisher Geld haben. CDPR dagegen pflegt das Spiel und verschenkt Content, um die Leute bei der Stange zu halten. Für “Hearts of Stone” wollten sie nun erstmals Geld haben. Das konnte man quasi blind investieren, denn wenn man das fantastische Hauptspiel kennt und weiß, das Kleinkram verschenkt wird, ist klar: Hier kommt etwas Großes, das sein Geld wert sein muss.

Das ist auch so: “Hearts of Stone” erweitert die Spielwelt von Witcher III um einen ganzen Landstrich, führt neue Charaktere und Mechaniken ein und ist für Spieler ab Stufe 32 gedacht (wer nach Abschluss der Hauptkampagne nicht so weit ist, wird automatisch hochgelevelt). Absolut fantastisch sind die Experimente, die im DLC gewagt werden: Ein kompletter Heist im “Oceans Eleven” Stil muss durchgezogen werden, ein Toter muss eine Party mitmachen und am Ende muss sich Geralt aus der Erinnerungswelt einer Toten befreien. Die Geschichte ist auf den Punkt geschrieben, abwechselungsreich und voller Anspielungen. So begegnet der Witcher einer Figur, die dem TOD aus den Scheibenweltromanen verdächtig ähnlich sieht – Bienenstöcke, Pferd und Katze inklusive. Vor der Geschichte und deren Inszensierung kann man nur den Hut ziehen, da stimmt einfach alles.

Rund 20 Stunden kann man im DLC verbringen. Anderswo wäre das ein Vollpreisspiel, bei CD Projekt Red gibt es das für 9,99 Euro. Die nächste Erweiterung ist schon am Horizont zu sehen: “Blood and Wine” soll ähnlich umfangreich wie “Hearts of Stone” werden und die Geschichte von Geralt von Rivia zu Ende führen.

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Machen:
Kranksein. Ausrüstung basteln.
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Neues Spielzeug:
Ein neues Mifi für´s Motorrad. Der Huawei 5377s ist mit 150 MBit ein rasend schneller LTE-Accesspoint für bis zu 10 Geräte, der auch als Fileserver taugt. Dabei ist das Ding viel kleiner als vergleichbare Modelle, bringt aber trotzdem noch ordentliche Akkulaufzeit mit. Auf sowas will ich im Ausland nicht mehr verzichten. Ob der Neue wirklich ein würdiger Nachfolger für den heiß geliebten E585 ist, wird sich bald zeigen.

huawei 5377

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. Januar 2016 in Momentaufnahme

 

Kinderwelt

Wer auch immer die Filmecke im hiesigen Supermarkt betreut, trifft genau meine Art von Humor:

kinderwelt

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 5. Januar 2016 in Ganz Kurz, Gnadenloses Leben

 

Das war das Jahr, das war (2015)

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Im Januar schleppte mich über die Schwelle des neuen Jahres, ausgepowert und körperlich nicht wirklich gut drauf. Der Umzug im Dezember 2014 hatte Spuren hinterlassen, in Form von Erschöpfung und Fußaua. 2015 begann mit Schmerzen und wurde nur noch schlimmer. Geliebte Menschen im Umfeld wurden schlimm krank oder starben, und weltpolitisch konnte man 2015 Europa beim Auseinanderbrechen zusehen.

Trotzdem ließ ich mich nicht entmutigen und besuchte erst im Februar Mailand, Genua und Turin, im Sommer Norditalien und im Herbst folgte eine kleine Weltreise. Dazwischen ein kurzer Krankenhausaufenthalt, der das Fußaua beseitigte, mich aber für Monate zur Couchkartoffel werden ließ, die sich nur an Krücken rumbewegen konnte. Alles in allem: 2015 war persönlich kein schönes Jahr, aber es könnte alles viel schlimmer sein.

Und sonst noch?

Worte des Jahres: “the 02/11 is ok”

Einschneidenstes Erlebnis:
Einschneidend, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Fußgelenks-OP. Nichts schlimmes, aber hat mich lange Zeit körperlich unbeweglich gemacht.

Zugenommen oder abgenommen? Im Schnitt gleich, aber in der Summe aktuell zugenommen.

Mehr Kohle oder weniger? Mehr, was sehr cool ist.

Mehr ausgegeben oder weniger? Gleich geblieben. In diesem Jahr war zwar kein Umzug zu stemmen, aber die Fahrzeuge brauchten erhöhten Pflegeaufwand, und auf Reisen ist Sparen doof.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger, zwangsverordnet.

Die hirnrissigste Unternehmung? Erzähle ich in Kürze an dieser Stelle. Der Quatsch kostete enorm viel Nerven und Geld und irritierte Menschen in drei Ländern nachhaltig.

Ort des Jahres? Genua.

Die teuerste Anschaffung? Eine neue Brille. Sehr teuer, aber sehr gutes Stück.

Das leckerste Essen? Das schlichte Bauernessen in der kleinen Taverna von Granitsa.

2015 zum ersten Mal getan? Nach Asien gereist.

2015 nach langer Zeit wieder getan? Star Wars im Kino geschaut und dabei Spaß gehabt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Die Fuß-OP, 5 Kilo mehr auf den Hüften, Nachmietersuche für Nachbarn im Dezember.

Gereist? Oh ja.

2015 war in einem Wort…? Beh.

Überraschendster Film des Jahres: Mad Max: Fury Road.

Album des Jahres: “Schmidt” von Femme Schmidt

Spiel des Jahres: “The Witcher III: The Wild Hunt”

Enttäuschung des Jahres: “Assassins Creed: Syndicate”

Buch des Jahres: Tery Pratchetts “The Shepherds Crown”.

Bestes Musikstück des Jahres: Ach, dazu habe ich zu wenig gehört.

Spielzeug des Jahres: Ein kleiner Elektrogrill, der den neuen Balkon gleich nochmal viel angenehmer machte und so manche Abendstunde lecker gestaltete.

Die meiste Zeit verbracht mit…? Arbeit-Planung-Reisen, in der Reihenfolge und guter Mischung.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Fremde Orte zu erkunden.

Vorherrschendes Gefühl 2015? Die Welt zerfällt und ich gleich mit.

Erkenntnis des Jahres: Bestimmte Landschaften können Glücksgefühle auslösen.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2016!

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2015 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Dezember 2015

Herr Silencer im Dezember 2015
Mein Mitgefühl gilt tapferen Paketbotinnen und Paketboten dieser Republik.

Wetter:  Absurd warm, teilweise bis zu 15 Grad (und damit doppelt so warm wie manche Tage im Juni).
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Lesen:

Oliver Bowden: Underworld
Indien, 1860: Ethan Frye bildet eine jungen Adepten zum Assassinen aus. Sein Schüler ist der schnellste und geschickteste, den Frye jemals unterrichtet hat – doch beide scheitern auf spektakuläre Weise an ihrem Leben. Wenige Jahre später findet sich der Inder in London wieder. Namen- und Identitätslos hilft der “Geist” beim Bau der ersten U-Bahn der Welt.

Ach ja, die übliche Bowden-Auftragsarbeit zu “Assassins Creed: Syndicate”. Fluffig geschrieben, geschickt eingewobene Details der Zeit, ergänzt das Spiel um interessante Backstories. Kann man lesen, man kann es auch lassen. Der Unterschied ist derselbe.

Judith Flanders: The Victorian City: Everyday Life in Dicken´s London
Der Alltag in London zur Zeit der industriellen Revolution: Armut, Slums, Kinderarbeit sind die Schattenseiten einer Welt, die mit Siebenmeilenstiefeln den Weg zur Moderne entlangeilt.

Flanders ist Fan von Charles Dickens, und das schon über die Grenze zur Verehrung hinaus. Die Lobhudelei auf den Schriftsteller ist schwer erträglich, der Rest des Buchs sperrig. Dennoch liefert es interessante Einblicke wie der Alltag in London vor 170 Jahren aussah.

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Hören:

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Sehen:

Airwolf [Bluray]
Ein amerikanischer Geheimdienst baut Anfang der 80er den ultimativen Hubschrauber: Überschallschnell, fürs Radar unsichtbar, schwer bewaffnet. Dummerweise wird Airwolf, so der Codename des Prototypen, von seinem Erbauer gestohlen und nach Libyen entführt. Airwolfs Testpilot, ein Vietnamveteran, holt die Kiste aus Ghaddafis Klauen, versteckt den Heli dann aber und verkündet, ihn erst wieder rauszurücken, wenn er erfährt was mit seinem vermissten Bruder im Vietnamkrieg wirklich passiert ist. So lange liefern sich Geheimdienst und Testpilot ein Katz- und Mausspiel.
“Das uneheliche Kind von “Knight Rider” und “Das fliegende Auge”” sei Airwolf, steht auf der BluRay-Box, und das trifft es gut. Wichtigster Unterschied ist aber, dass im Gegensatz zu Knight Rider hier durchaus ernste Themen verhandelt werden, und das sowohl grimmig ernst als auch stilvoll. Die guten Drehbücher und die tollen Schauspieler, allen voran Alex Cord als Archangel, Ernest Borgnine als Hubschrauberverleiher Dominik Santini und Jan-Michael Vincent als Einzelgänger Stringfellow Hawke, sind es denn auch, die haarscharf verhindern können, dass die Serie auf ein Niveau wie der hingerotzte 80er-Trash “Streethawk” hinabgleitet. Denn die Production Values sind nicht nur gering, sie sind schlicht nicht vorhanden: Gedreht wird stets in drei Kulissen und alle (!) Kampfaufnahmen in jeder(!) Folge stammen aus dem Pilotfilm.

Codename U.N.C.L.E [PSN]
Ein russischer und ein amerikanischer Agent müssen zusammenarbeiten um die Welt in den 60ern vor einer schlimmen Bedrohung zu schützen. Remake einer alten TV-Serie.
“Mad Men” trifft Agentenfilm. Dem Film trieft der Style aus jeder Pore, und genau das ist sein Problem. Außer für Optik und Ausstattung interessiert er sich für kaum etwas, weder für die Story noch für seine Charaktere. Die Actionpieces sind OK, die Dialoge aber grauenhaft. Trotz aller betonten Unterschiede haben die Protagonisten eines gemeinsam: Sie sind nervige Arschgeigen, derem unsympathischen Getue man nicht wirklich zusehen will. Das fällt einem aber erst auf, wenn man zu drei Vierteln durch ist – der Film unterhält gut.

Ripper Street [Watchever]
London, 1889: Jack the Ripper treibt sein Unwesen in Whitechapel. Eine Gruppe Polizisten jagt ihm hinterher, muss sich aber immer wieder mit anderen Verbrechen beschäftigen. Zu deren Aufklärung gehen sie neue Wege und halten sich u.a. einen Polizeiarzt, der Leichen untersucht – damals revolutionär!
Interessante Serie mit guten Drehbüchern und schickem Setdesign. Das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist dreckig, laut, eng, Gewalt nur eine Straßenecke entfernt. Das kommt gut rüber. Weniger gut kommt der Cast. Zwar verkörpert Jerome Flynn (Bronn aus “Game of Thrones”) einen Kriegsveteranen und Sergeant absolut glaubhaft. Die Hauptperson der Serie wird aber von Matthew Macfadyen verkörpert, und das ohne jegliches Charisma. Zu oberflächlich spielt er seine Figur, der von den Drehbüchern Tiefe verlangt wird. Ähnliches gilt für Adam Rothenberg, der den Pinkerton-Arzt in keiner Sekunde glaubhaft rüberbringt. Schade, mit etwas mehr Sorgfalt beim Casting wäre “Ripper Street” ein echter Knaller.

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Spielen:

Assassins Creed: Unity [PS4]
Paris, 1785: In den Straßen fliesst das Blut, die französische Revolution frisst ihre Kinder und alles andere gleich mit. Vor diesem Hintergrund kämpft der junge Arno Dorian gegen seine Schuldgefühle und gegen einen Feind, der Assassinen und Templer gegeneinander ausspielt.

War ja nicht alles schlecht an Unity, als das vor einem Jahr erschien. Die Grafik ist viel schöner als im diesjährigen Nachfolger “Syndicate”, Paris ist viel detailreicher und belebter als London. Nach dessen enttäuschender Story musste ich “Unity” nochmal vorkramen. Und siehe da: Wenn man die Kampagne halbwegs stringent durchspielt und sich nicht zwischendurch in einer den hunderten von Open-World- und Online-Koop-Aufgaben verliert, bietet “Unity” eine okaye Story und macht sogar Spaß.

Assassins Creed Syndicate: Jack the Ripper [PS4]
London, 1888. Jack the Ripper mordet in Whitechapel, die Assassinen von London versuchen ihn zu stoppen. Das gelingt nicht, Jack dezimiert die Bruderschaft auf Null. Evie Frye reist aus Indien an um der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was mit ihrem Bruder geschehen ist.

DLC bei “Assassins Creed” sind seit Teil 3 eine Spielwiese für neue Ideen. Das ist gut, denn auf diese Weise hat man als Kunde nicht das Gefühl, zuvor aus dem Hauptspiel entfernte Inhalte nachkaufen zu müssen. Auch “Jack the Ripper” bietet viel neues. NPCs können sich jetzt in mehreren Stufen fürchten, was interessante Effekte hat. Will Evie irgendwo eindringen, kann sie Wachen so dermaßen verängstigen, dass diese sich verstecken und damit Wege freimachen. Großer Teil der Schnitzeljagd nach dem Ripper ist die Auswertung von Tatorten, was ähnlich wie im Hauptspiel funktioniert, aber erweitert wurde. Ein ums andere Mal kommt man sich als Spieler vor wie in einer guten Folge “Sherlock”. Sehr lohnender DLC, der eine bessere Geschichte besser erzählt als das Hauptspiel – und bei dem es tatsächlich auch emotional um etwas geht.

Rise of the Tomb Raider [XBOX360]
Niemand glaubt den Crofts. Lord Croft suchte nach einer “göttlichen Quelle”, wurde dafür von der Öffentlichkeit für verrückt erklärt und in den Selbstmord getrieben. Seiner Tochter Lara geht es nicht besser. Die hat nach den übernatürlichen Erlebnissen auf der Insel Blut geleckt und will beweisen, dass ihr Vater nicht verrückt war. Ihre Reise führt sie auf die Spuren alter Geheimorden, eines seltsamen Propheten und ins äußerste Sybirien.

Microsoft hat sich “Rise of the Tomb Raider” als zeitexklusiven Titel eingekauft, um die Veröffentlichung auf der PS4 für ein Jahr aufzuhalten und so den lahmenden Absatz der XBOX One anzukurbeln. Tja, da hätten sie mal besser nicht Nixxes mit einem Port für die XBOX 360 beauftragen sollen. Was die Portierungsexperten aus Utrecht aus der 10 Jahre alten Konsole rausholen, ist amtlich beeindruckend. “Rise” ist eines der hübschesten Spiele für die 360 und sieht auf der fast genauso aus wie auf der One.  Im Gegensatz zur XBOX One-Version wurden lediglich einige Grafikeffekte durch unaufwändigere ersetzt. So werden die Bewegungen von Laras Haaren auf der One physikalisch korrekt berechnet, auf der 360 aber nur durch eine Animation dargestellt – das kann man verschmerzen! Gameplaytechnisch unterscheidet sich das Spiel nicht von der CurrentGen-Version. Hier wie da wird erkundet, gejagt, gebastelt und in Feuergefechten Gegnerhorden erledigt. Das spielt sich nicht nur super, dabei wird auch eine sehr gut ausgearbeitete Geschichte erzählt, in deren Narration die Actionpieces geschickt eingewoben sind. Super Spiel, unbedingt empfehlenswert – aber den Kauf einer XBOX One kann man sich sparen.
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Machen:
Rumlungern
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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. Dezember 2015 in Momentaufnahme

 

Parkreise

Das hier kam gerade per Mail reingeflattert: Werbung von einem italienischen Parkhausverband. Anbei: Ein Gutschein, um verbilligt in einer italienischen Großstadt parken zu können. Hm. 1.800 Kilometer fahren um 10% billiger parken zu können? Verlockend! Ich bin dann mal weg, tschöhöööö!

2015-12-02 16_22_47-iCloud Mail - Eingang (16523 E-Mails)

 
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Verfasst von - 2. Dezember 2015 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: November 2015

Herr Silencer im November 2015
Danke, Rosa!

Wetter: Bis Mitte des Monats im Ausland gewesen, dort zwischen -2 und +23 Grad. In Deutschland wechselhaft: Anfang des Monats Sommerwetter, ab dem 22. Minusgrade und der erste Schnee des Jahres.
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Lesen:

Asa Akira: Insatiable – A porn love story
Asa Akira ist erst dreißig, hat aber bereits viel zu erzählen. Als einziges Kind japanischer Eltern in New York geboren und aufgewachsen, entdeckt sie als Studentin an der United Nations International School ihre Liebe zu Sex und Pornographie. Mit 19 arbeitet sie als Domina, mit 22 drehte sie Pornofilme und wird zu einem der größten Stars der Pornoindustrie.

Das Buch ist clever aufgebaut – es springt chonologisch in Akiras Leben vor und zurück, fokussiert mal auf bestimmte Themen wie Drogen oder den Aufbau der Pornooindustrie, mal kreisen Kapitel um Anekdoten aus der Arbeit einer Domina. Freimütig erzählt die Autorin dabei auch über ihre eigenen Neurosen und Abhängikeiten. Ein intelligentes und unterhaltsames Buch mit (wörtlich zu nehmenden) tiefen Einblicken.

Neil Gaiman: Sandman Ouverture
Dream ist Herrscher über die Träume von allem. Dummerweise träumt ein Stern den Wahnsinn, und der breitet sich im Universum aus und wird es zerstören. Dream macht sich auf eine schwierige Reise und rüstet sich für einen harten Kampf.

Die “Sandman”-Reihe ist eine der besten Comicreihen, die jemals geschaffen wurde. Sie lief von 1989 bis 1996 und erzählt auf über 2000 Seiten die Geschichte von Dream und seinen Geschwistern Death, Destiny, Despair, Delirium und Desire. Die Beziehungen der Familie und die Ereignisse, die später zum Tod von Dream führen werden, wurden damals nur angedeutet. Heute, 20 Jahre später, gibt es nun ein Prequel – und das hat es in sich. Die Geschichte ist fantastisch, Gaiman-at-his-best, und die Zeichnungen gleichen einem Fiebertraum. Dazu sprüht das Ganze vor Ideen, und wenn man mit dem Sandman-Lore vertraut ist, kann man nicht mehr aufhören zu lesen, wenn Dream seine Eltern besucht, Delight zu Delirium wird und Dinge passieren, die nicht in Destinys Buch stehen. Ganz. Große. Kunst. Bonus: Der nahtlose Übergang zur Serie und die Erklärung, warum Traum überhaupt gefangen werden konnte.

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Hören:

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Sehen:

Minions [PSN]
Minions sind kleine, gelbe Männchen. Sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Bösen – um ihm zu dienen.

Als Sidekicks (oder eben Minions) funktionierten die Minions in den “Despicable me”-Filmen einfach hervorragend. Ihr eigener Film dagegen ist eher so Meh. Die erste Hälfte unterhält noch leidlich, danach verliert man sich aber in unkomischem Slapstick, den Aufzulösen am Ende nicht mal mehr die Drehbuchautoren Lust hatten.

Spectre [Kino]
James Bond versiebt einen Auftrag, wird freigestellt, versenkt Autos und rettet am Ende die Welt vor der Überwachung.

Der neue Bond ist ein seltsam Ding. Ich fühlte mich gut unterhalten, kann aber im Nachhinein nicht sagen warum: Die Schauspieler fahren, mit Ausnahme von Ralph Fiennes, mit angezogener Handbremse, das Drehbuch ist unspannend und der Regisseur hat erkennbar keinen Bock auf Actionsequenzen. Der ganze Film wirkt merkwürdig artifiziell, wenn er sich immer wieder in kammerspielartige Situationen zurückzieht und seinen Helden in jedem Frame als Anzugmodel inszeniert. Die grundlegende Prämisse, dass der MI6 gegen Überwachung kämpft, ist zudem vollkommen absurd, genau wie der Kniff, dass alles Ungemach der Welt auf einen Minderwertigkeitskomplex bei Bonds Halbbruder zurückzuführen ist. In der Mitte hängt der, ohnehin zu lange, Film so durch, dass sein Bauch auf dem Boden schleift. Bis auf die Anfangssequenz fehlt dem Ganzen zudem der Scope, die Größe früherer Filme. Natürlich waren Todeslaser aus dem All immer albern, aber in den Craig-Bonds kämpft ein krank aussehender Bond gegen… Buchhalter (Casino Royal), Immobilienmakler (Quantum) oder versteckt sich in einem Bauernhaus (Skyfall). Da fehlt eindeutig Größe. Immerhin: Mit Monica Belucci hat “Spectre” die heisseste Bondwoman seit… ever.

Terminator: GeniSys [PSN]
Die Zukunft: Der Krieg gegen die Maschinen ist in der Endphase. Supercomputer Skynet schickt einen Terminator zurück durch die Zeit, um Sarah Connnor zu töten. Bei seiner Ankunft in 1984 wird der T800 sofort zerstört – von einem anderen Terminator, der dort schon auf in wartete.

Eine alternative Zeitlinie, ein ganz anderer Outcome. Hier wird Kyle Reese von Sarah Connor gerettet und John Connor ist der Böse. Als Kenner des Terminator-Universums windet man sich die ganze Zeit im Kinosessel und möchte rufen “Das ist so nie passiert! Das ist alles nicht richtig!” Dabei macht “GeniSys” aber ordentlich Spaß und hat viele gute Ideen, allein der gealterte T800 ist schon nett. Ein fader Beigeschmack bleibt, weil das Ende des Films runter geht bis auf Trashniveau, und der Cast zu 50 Prozent echt schlecht ist: Die Darsteller von John Connor und Kyle Reese sind derbe Fehlbesetzungen. Das sieht alles mehr nach einem Piloten für eine TV-Serie aus als nach großem Kino, und tatsächlich gab es wohl solche Pläne, die aber nach dem ausbleibenden Kinoerfolg ad Acta gelegt worden sind.

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Spielen:

Assassins Creed: Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingsgeschwister beschließen, der herrschenden Klasse den Kampf anzusagen. Dazu ermorden sie wichtige Personen, treffen die Charleses Dickens und Darwin, Karl Marx Alexander Bell und Queen Victoria. Nebenbei bauen sie eine kriminelle Vereinigung, ein Syndikat, auf.

Was hatte Ubisoft im Vorfeld nicht rumgetönt: Man wolle sich auf die Ursprünge der Serie besinnen und deren Stärken wieder ans Licht bringen. Deswegen wurden Spielereien wie Multiplayer oder Companion-App, an denen der Vorgänger “Unity” gebrach, ersatzlos gestrichen. Stattdessen gibt es neue Bewegungsmechaniken (Seilwerfer, Kutschen), erstmals die Wahl zwischen männlichem und weiblichem Charakter (überfällig!) und eine Missionstruktur, bei der jede einzelne der jetzt abwechselungsreichen Nebenquest sinnvoll etwas für die Kampagne tut. Soweit die Habenseite.

Der negative Bereich wiegt leider schwer: Syndicate geht bei allem dem Weg des geringsten Widerstands. Wo “Unity” Mut zeigte und Dinge wagte (und damit auf den Bauch fiel), dreht Syndicate alles eine Stufe runter. Im direkten Vergelich sieht es optisch auf der PS4 schlechter aus als sein Vorgänger, die Charaktere künstlicher, die Straßen sind so sparsam bevölkert wie in Teil 1 von 2007. Vorbei sind die Massenszenen, die Unity zumindest optisch beeindruckend machte. Leider gibt es auch in Syndicate schon wieder keine Gegenwartsstory, schon wieder sind die Charaktere aus nasser Pappe.”Syndicate” ist das am faulsten geschriebene AC bislang. Die Hauptfiguren kommen aus dem Nichts und beschliessen im Vorspann vollkommen unmotiviert “Ey, lass mal London befreien” – “gute Idee, und ich gründe eine Gang”, und dann geht es auch schon gegen Templer. Die sind mittlerweile nicht mehr ambivalent gezeichnet, sondern als grimmig schauende Nazis in schwarzem Leder mit rotem Kreuz. Davon legt man einen nach dem anderen um, und irgendwann ist das Spiel halt vorbei.

Nein, storytechnisch hat man sich hier überhaupt keine Mühe gegeben, die Geschichte passt auf den Zettel in einem Glückskeks. Das teilweise die Missionen der Kampagne konfus erzählt und gelegentlich in der falschen Reihenfolge auftauchen verstärkt den Schludereindruck. Statt historischer Fiktion gibt es entweder Fantasiefiguren, wie den fiktiven Antagonisten Starrick, oder historische Persönlichkeiten, die einfach als Questgeber an irgendeiner Straßenecke stehen. So läuft einem Charles Darwin über den Weg, der Undercover gegen Kinderarbeit ermittelt, Charles Dickens braucht Inspiration für seine Geschichten, und Karl Marx hat Probleme mit sprengwütigen Genossen. Das ist so platt, dass es doof ist.

Dass “Syndicate” doch Spaß macht, liegt an der Welt: Das viktorianische London ist umwerfend detailliert in Szene gesetzt, und sich darin zu verlieren macht einfach Spaß. Dennoch gilt, wie schon seit ACIII von 2012: Ubisoft hat keine Ahnung, wo sie mit der Serie hinwollen. Sie haben nicht zu erzählen, und das merkt man. “Syndicate” stellt aktuell den neuen Tiefpunkt der Serie dar.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
 

Böse, alte Hexe

Die Schlange an der Kasse ist so mittellang. Ist die Kasse in der Mitte auch geöffnet? Nein, die schließt gerade. Um das festzustellen, habe ich einen Schritt aus der Schlange machen müssen, und nun steht an genau der Stelle eine Frau mit einem Einkaufswagen, dessen Inhalt eine mittelgroße Familie drei Wochen ernähren würde. Sie sieht demonstrativ in eine andere Richtung. Ich blicke auf mein Einkaufskörbchen, in dem lediglich eine Flasche Seife und ein Weihnachtsgrün liegt, seufze und reihe mich hinter ihr ein.

Die Frau vor mir ist Mitte 50 und untersetzt. Sie hat kurze, graue Haare und trägt einen Patchworkpullover zu einem schwarzen Rock. Sie wirkt gepflegt, aber ihre Kleidung ist völlig stillos. Lehrerin, schlußfolgere ich.

“Entschuldigen Sie, darf ich bitte mal vorbei?”, wird mein Gedankengang unterbrochen. Hinter mit steht ein Mann mit dem Arm voller Feinkost. Er will nur durch die Kasse und auf´s Parkdeck. “Natürlich, an mir soll es nicht liegen”, sage ich und trete zur Seite. Jetzt steht er vor der untersetzten Frau. “Entschuldigen Sie…”

“Ich bin eine böse, alte Hexe und lasse sie nicht durch”, sagt die Frau. Ganz ruhig spricht sie das aus,  mit einem englischen Akzent, und dabei blickt sie demonstrativ nicht den Fragenden, sondern den Kassierer an. Der sieht zu dem Feinkostmann und zuckt hilflos mit den Schultern. Der Feinkostmann lacht unsicher. Vielleicht hat die Frau einen Scherz gemacht? Sowas meint man doch nicht ernst, oder?

 

Doch, die Frau meint das wirklich so. Sie müsste nur einen Schritt nach vorne machen, aber sie bleibt eisern in dem schmalen Gang stehen und sortiert seelenruhig ihren Großeinkauf. Zwei endlose Minuten steht der Feinkostmann hinter der Grauhaarigen, dann hat sie endlich bezahlt und zuckelt davon.

Ich bin immer noch sprachlos über soviel Schlechtigkeit. Sie hat den Mann gedemütigt, einfach weil sie es konnte. Und nicht mal die Frage nach dem warum konnte gestellt werden, denn die Antwort hatte sie ja schon gegeben: Weil sie eine böse, alte Hexe ist.

Unfassbar. Erster Advent, und pünktlich terrorisieren sich die Leute terrorisieren gegenseitig.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. November 2015 in Gnadenloses Leben

 
 
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