RSS

Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Balkonien!

Vorher:

P1060803

Nachher:

IMG_5768

DamnunHerrn, ich präsentiere: Balkonien!

Wobei “nachher” bedeutet: Nach mehreren Stunden putzen, nach zwei Besuchen und drei Bestellungen bei IKEA und einer bei Ebay sowie 4 Besuchen im Gartenmarkt. Aber egal, ich habe da gerade voll Freude dran. Ist immerhin das erste Mal, dass ich den Balkon der neuen Wohnung nutzen kann.

IMG_5764

IMG_5769

Es ist schön, wieder einen Balkon zu haben. Auch, wenn mehr Sonne sein dürfte. Ich habe nämlich einen Berg vor der Haustür, und der sorgt dafür, dass es hier Abends sehr früh dunkel wirkt. Nunja.

IMG_5767

 
9 Kommentare

Verfasst von - 16. Mai 2015 in Gnadenloses Leben

 

Optiker (1)

In meiner Familie reichen wir von Generation zu Generation diverse Dinge die genetischer Leiter herauf. Dieses Erbe haben sich meine Geschwister und ich reihum aufgeteilt. Ich habe die extrem schlechten Augen geerbt, weshalb ich seit dem 5. Lebensjahr eine Sehhilfe trage – und zwar, bis auf eine kurze Versuchsphase mit Kontaktlinsen, eine Brille.

Ich mag Brillen. Sie visualisieren angeborene Sexiness und Intelligenz (zumindest bei mir), und man hat keine lange Fummelei damit wie bei Kontaktlinsen. Nun ist eine Brille nichts Besonderes, sollte man meinen. Über 40 Millionen Menschen, also mehr als die Hälfte der Bevölkerung, braucht eine Sehhilfe. Spannend wird es aber dann, wenn der Sehfehler extrem ist oder kompliziert. Bei mir ist beides der Fall, weshalb für mich die Wahl des Optikers absolute Vertrauenssache ist.

Nun hatte ich das Glück, dass ich seit meinem fünften Lebensjahr von ein und demselben Optiker betreut wurde. Herrn Wirtmann lernte ich kennen, als er bei einem anderen Optiker angestellt und die Tinte auf seiner Meisterurkunde noch feucht war. Ich blieb ihm treu, als er sich selbstständig machte, und nahm zuletzt ganze Tagesreisen auf mich, um ihn in seinem Geschäft am Rand des Harzes zu besuchen.

In den letzten Jahren wirkte er mit seinen sprunghaften Ticks und hektischem Gebahren immer mehr wie der verrückte Hutmacher aus “Alice im Wunderland”, und an manchen Tagen fragte ich mich ernsthaft ob er wohl heimlich Lösungsmittel schnüffelte. Aber er war ein Meister seines Faches, und schwierige Fälle wie meinen sah er als Herausforderung an. Allerdings war er auch mal eigensinnig und verweigerte schlicht die Arbeit bei Dingen, die er doof fand, etwa, als ich eine randlose Brille haben wollte. Dafür bekam ich ein anderes Mal eine Brille einen ordentlichen Preisnachlass, obwohl er extrem lange an der gearbeitet hatte. Aber er hatte an der Arbeit so einen Spaß, dass er sich dafür mit einem günstigeren Preis bedankte.

Wobei “günstiger” halt relativ ist. Wenn ich normale Kunststoffgläser mit einem Brechungsindex von 1,5 nehmen würde, was der Standard für Brillen bis 3,5 Dioptrien ist, wären meine Brillengläser 2-3 Zentimeter dick. Das sind die berühmten Colaflaschenböden, von denen Stephen King immer schreibt. Sowas bekommt man im Karnevalszubehör als Scherzbrille.

Für Normalsichtige ein Scherzartikel, für mich bittere Realität: Eine Brille mit billigen Kunststoffgläsern in meiner Stärke sähe so aus.

Nein, um halbwegs normal auszusehen brauche ich spezielles Glas, das so schwer herzustellen ist, dass die deutschen Markenhersteller Zeiss und Rodenstock dafür ein gemeinsames Werk unterhalten. Für den Wert eines dieser Gläser bekommt man einen gebrauchten Ford Fiesta von 1997 oder eine Apple Watch, und zwar nicht das Einstiegsmodell. Dementsprechend selten leiste ich mir eine neue Brille.

Nun musste es aber mal wieder sein. Nach vier Jahren blättert die Farbe von meiner jetzigen Brille ab. Also ins Auto gesetzt und die mittlerweile 60 Km zu Herrn Wirtmann gefahren. Leider stand ich dort vor verschlossener Tür, denn der Herr Wirtmann ist heimlich, still und leise von uns gegangen. In Rente. Verdammt. Und nun? Ich kam mir ziemlich allein gelassen vor. Klar, ich gönne ihm dem Ruhestand, aber nach 35 gemeinsamen Jahren hätte ich eine kurze Benachrichtigung nett gefunden.

Doch, ich habe schon echt schöne Augen.

Doch, ich habe schon echt schöne Augen. Leider sind sie vor der Vergabe vom LKW gefallen. Damaged Goods. Da zählen nicht mal die Inneren Werte. Bild: Augenhintergrund mit Sehnerven.

Ich kann in Punkto Optiker nicht einfach zu Fielmann oder einem anderen Filialisten gehen kann. Bei denen kommt es auf Durchsatz und Masse an, sprich, wie viele Kunden man pro Stunde durchprügeln kann. Eine Brille für mich anzufertigen braucht Zeit und Können. In Göttingen gibt es zwar etliche nicht-Filialisten, aber auch die Einzelunternehmen sind oft nur noch reine Verkaufsflächen ohne eigene Werkstatt. Manche sind gar nur noch Outlets von Brille.de oder ähnlichen Internetservices. Ein halbes Jahr habe ich immer mal wieder Bekannte gefragt und ab und an unverbindlich Optikerläden besucht, hatte aber nie das Gefühl irgenwo richtig zu sein.

Die anderen Optiker schienen mir nicht kompetent, wollten mir in erster Linie teure Fassungen aufdrängen und interessierten sich nur periphär für banale Dinge wie Hornhautverkrümmung. Allen gemein war, dass sie nicht Herr Wirtmann waren.

Da die Stichproben nichts brachten, startete ich vergangene Woche eine systematische Suche im Internet. Mein neuer Optiker sollte in der Göttinger Innenstadt sein, was 16 Treffer ergab. Filialisten kamen nicht in Frage, was die Anzahl auf 10 reduzierte. Die Geschäfte sollten eine eigene Werkstatt haben (blieben noch 6), mir noch nicht dumm gekommen sein (noch 4) und am Besten ein Familienunternehmen mit mehreren Generationen und einem alten Meister.

Am Ende waren nur noch zwei übrig, bei denen ich tiefer bohrte. Das Internet wusste zu berichten, dass in einem der beiden Geschäfte ein brummeliger Patriarch den Laden schmiss, der auch schon mal gerne Kunden beleidigte oder abgegebene Brillen verbaselte und dann behauptete, sie nie erhalten zu haben.

Das andere Geschäft hat einen überaus guten Internetauftritt, dem man sogar entnehmen kann, dass der Junior Optometrie studiert hat – bis dahin wusste ich nicht mal, dass das überhaupt möglich ist. Ich fasste mir ein Herz und ging da am vergangenen Samstag einfach mal hin.

Am Samstag Morgen war der Laden erwartungsgemäß gut besucht. Pluspunkt Nummer 1: Trotzdem gut zu tun war, kam binnen einer Minute kam jemand zu mir, um sich nach meinem Anliegen zu erkundigen. Es war der Senior, der alte Augenoptikermeister. Er liess sich meine Werte sagen, und als er hörte, dass ich eine neue Brille und einen neuen Optiker bräuchte, lächelte er und meinte, dass er ja nur noch aushelfe, wenn es voll sei – ich möge bitte Platz nehmen, der Junior wäre sofort da.

Der Junior stellte sich als schlaksiger, todernster und überaus penibler junger Mann heraus. Er prüfte zuerst meine jetzige Brille, murmelte “interessant, sehr interessant” und bat mich dann in den Messraum, wo er meine Augen tatsächlich nach der ganz alten Methode, mit Prüfgläsern und Farbtests, vermaß. Pluspunkt Nummer zwei. Wo er gerade dabei war, machte er auch gleich noch eine Augenhintergrundspiegelung und eine Glaukomuntersuchung – Dinge, von denen ich bis dahin dachte, sie seien Augenärzten vorbehalten. Pluspunkte drei und vier.

Dabei erläuterte Junior jeden Schritt, und dabei waren Dinge, die ich tatsächlich noch nicht über meine Augen wusste. Ich ging da raus und hatte was gelernt! Es regnete weitere Pluspunkte: Ordentliche Beratung zu Fassungen (Vor- und Nachteile verschiedener Marken, geeignete und weniger geeignete Designs, Vorteile von Titan) und Gläsern (Brechungsindex, Größe, Gewicht, Entspiegelung, Abkantung)

Zwei Stunden nahm sich Junior dafür Zeit, und ich habe in der Tat das Gefühl, den für mich richtigen Optiker gefunden zu haben. Er beherrscht sein Handwerk, nimmt sich Zeit und sieht meinen Fall als Herausforrderung an sein handwerkliches Können und intellektuelles Geschick. Ich bin mal gespannt wie es nun weitergeht.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 11. Mai 2015 in Gnadenloses Leben

 

Verwest

“Riecht´s bei Dir im Bad auch so komisch, irgendwie verwest?”, fragte die Nachbarin neulich. Unsere Badezimmer teilen sich einen Lüftungsschacht. Nein, bei mir roch es nicht, und schon gar nicht nach Aas.

Jetzt tut es das schon, aber das fällt in die Rubrik “Selbst schuld, warum musste ich das ausprobieren”:

IMG_5737

Wer den süßlich-fauligen Geruch eines verwesenden Körper noch nie erlebt hat und mal wissen möchte wie das ist, hänge sich einfach einen WC-Tab mit der Geruchsmischung “Hibiscus-Cranberry” ins Klo. Augenblicklich riecht es überall nach verwesendem Marder.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 1. Mai 2015 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: April 2015

Herr Silencer im April 2015
Hust, Röchel, wo ist der Frühling?

Wetter: zu kalt und zu trocken. Zu Beginn des Monats 15 Zentimeter Schnee und Temperaturen, die um wenige Grad um den Nullpunkt osziliieren. Ab der zweiten Woche zumindest zweistellig, am Wochenende sogar mit Sonnenschein. Die dritte und vierte Woche werden verregnet und wieder eisig: Nachtfrost, morgens nur 2 Grad. Ein Monat zum im Bett bleiben.
——————————————————————————————————————————————————-
Lesen:

– Diverse Reiseführer. Eigentlich sogar diverseste. Mehr wird nicht verraten.

——————————————————————————————————————————————————-

Hören:

aprilsound

Nightwhish: Endless Forms most beautiful [MP3]
Darf man diese Band eigentlich noch mögen, so wie die mit ihren Sängerinnen umgeht? Wie zuvor Tarja erfuhr auch die kleine Olson eine Nacht vorher, dass sie morgen beim Konzert nicht mehr dabei sein wird, weil hinter ihrem Rücken eine andere Frontfrau engagiert wurde. Sowas geht gar nicht. Allerdings ist die neue wesentlich besser als Olson. Floor Jansen ist eine Metalgöttin, die sowohl die Songs der Tarja- als auch der Olson-Ära sehr gut performt. Das Album klingt auch wie ein Mix aus beiden und kommt durchgehend sehr kraftvoll daher.

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

Aprilmovies

Game of Thrones, Staffeln 1-4 [BluRay]
Auf dem Kontinent Westeros dauern die Jahreszeiten unvorhersehbar lang. Der jetzige Sommer geht schon 9 Jahre, und unter seiner Sonne kämpfen die Herrscher von Westeros um den eisernen Thron. Es passiert allerhand Mord und Totschlag, Sex, Intrigen und Inzest. Während die Könige sterben wie die Fliegen, kommt aus Süden eine Sklaven- und aus dem Norden eine Zombiearmee anmarschiert. Und der Winter kommt auch…

GoT ist DIE Serie der letzten Jahre. Auch wenn man mit Fantasy nichts am Hut hat, packt einen hier der hohe Production Value (deshalb nur 10 Folgen pro Jahr) und das Element des Unvorhersehbaren: Protagonisten sterben in Massen, kein Charakter ist sicher. Quasi Herr der Ringe in erwachsen und in Serie. Sehr toll.

Paddington [PSN]
Ein kleiner Bär kommt aus dem tiefsten, dunklen Peru nach London und wird am Bahnhof Paddington von Familie Brown aufgelesen. Denen zieht er den Stock aus dem Hintern, und es passiert Marmelade.

Ich liebe ja Paddington und die alte Animationsfilmserie aus den 70ern, die sehr langsam, aber gewaltig witzig und liebenswürdig war. Dementsprechend unterwältigt war ich nach den ersten Trailern, die einen krachlauten, computeranimierten Pippi-Kacka-Bären zeigten, der in Slapsticksituationen mit Ohrenschmalz herumfuhrwerkt und von Nicole Kidman gejagt wird. Umso angenehmer ist die Überraschung, dass die 2015er Auflage von “Paddington” ein wirklich feiner Film geworden ist, an dem Erwachsene und Kinder Spaß haben können. Einer der großen Verdienste des Filmes ist, dass endlich gezeigt wird, warum Paddington sprechen kann und wieso er so feine Manieren hat. Kann man sich gut an verregneten Sonntagnachmittagen angucken.

Furious 6 [PSN]
Dom und Paul Walker fahren Auto in Spanien. Dann kommt The Rock und sagt, sie sollen in London Auto fahren, aber am Ende explodiert in Amerika ein Panzer.
Echt, keine Ahnung um was es in dem Film ging. Aber das mit dem Autofahren, das können die schon.

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere [PSN]
Nach zwei langen Filmen hat Zwergenkönig Zottelbart mit seiner Bande aus Pimpi, Mimpi, Pupsi, Hupsi und dem Dicken endlich den Berg eingenommen. Vermutlich aus Langeweile wird er nach 5 Minuten verrückt, und vor dem Berg marschiert jeder und seine Mutter mit einem Heer auf. Dann gibt´s aufs Maul, der blonde Frodo steht doof daneben, und am Ende kommen die Adler.

Achje. Irgendwer hätte Peter Jackson mal sagen sollen, wann es genug ist. Dieser Film hat von allem zu viel. Zu viel Overacting, zu viel Colorgrading, zu lange und weilige Kampfszenen, eine zu lange Laufzeit. Zuwenig hat er nur an Geschichte. Das ist vor allem daran zu merken, das Bilbo in seinem eigenen Film die meiste Zeit nur rumsteht und betroffen guckt. Dabei geht es die ganze Zeit nur darum, dass ein Zwerg in einem Berg hockt! Nix mit fühlbarer Bedrohung, kein Ende der Welt oder eine große Gefahr, wie sie seinerzeit von Sauron ausging. Hier geht es um nichts, die Charaktere sind egal, und das merkt man sehr schnell. Postiv: Es gibt wenigstens keine Klötenkobolde oder Gopro-Wasserrutschen, Negativ: Es gibt schon wieder Adler! ARG! Egal welche Abenteuer unterwegs sind, vier der sechs HDR-Filme enden mit Adlern! Ob in “Zwei Türme”, “Rückkehr des Königs”, “Eine unerwartete Reise” oder jetzt in der “Schlacht der fünf Heere”: Fünf Minuten vor Ende kommen die Adler und retten den Tag. Das ist nicht nur ärgerlich, das entwertet auch die bis dahin überstandenen Strapazen. Wenn sie so toll sind, hätten nicht die doofen Adler den Ring in den Vulkan werfen können?!

Avengers: Age of Ultron [Kino]
Robert Downey Junior manipuliert an Tom Hiddlestons Stab herum und erschafft dadurch ein künstliches Arschloch namens Ultron. Der fängt sofort an rumzupupen und erst das das Internet und dann die Menschheit kaputt zu machen. Tja, mit Vorratsdatenspeicherung wäre DAS nicht passiert!

Avengers II ist ein sehr cooler Film mit jeder Menge Schauwerte. Die Eröffungssequenz wird später in Lehrbüchern auftauchen, und die Effekte, Kamera und Schauspieler sind alle 4fach A. Glücklicherweise hat Joss Whedon jemand gesagt wann es genug ist, und er hat den Film von über 3 Stunden auf 160 Minuten runtergeschnitten. Dennoch sind manche Szenen zu lang, manchmal holpert das Pacing, und ich werde das Gefühl nicht los, das manche der Holperszenen das Requiem Whedons auf seine Zeit mit den Avengers ist.

———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Aprilgames02
Assassins Creed Chronicles: China [PS4]
China, 1530: Der Assassinenorden ist vernichtet. Die letzte Assassinin ist die junge Shao Yun. Sie macht sich auf den Weg nach Italien, um von Mentor Auditore zu lernen, wie sie die Bruderschaft neu Aufbauen kann. Zurück in China macht sie sich auf einen Rachefeldzug gegen intrigante Schlüsselfiguren.

“AC: Chronicles” ist kein normales Assassins Creed, sondern ein Minispiel und Bestandteil des Season Pass von Unity. Es handelt sich im Kern um einen 2,5D Stealth-Sidescroller, sehr linear, kaum Story, kein AC-Überbau. Steuert sich präzise, macht Spass. Das Besondere ist die Optik: Zwischensequenzen, Figuren und Hintergründe sehen aus wie Tuschezeichnungen, was dieses kleine Spiel zu einer Perle macht. Wenn AC II “Poetry in Motion” war, ist ACC: China “Art in Motion”.

Deadpool [XBOX 360]
Deadpool ist ein genetisch veränderter Söldner im X-Men-Universum. Deadpool legt Leute um. Und Deadpool ist verrückt. Er ist schizophren, manisch, hat eine multiple Persönlichkeit und Halluzinationen. Und: Er ist sich bewusst, dass er eine Comicfigur in einem Computerspiel ist. Das führt zu absurden Situationen, etwa, wenn er direkt mit dem Spieler redet, vor der Kamera wegläuft, sein eigenes Spiel umgestaltet oder er mittendrin so viel Kram in die Luft jagt, dass den Produzenten das Budget ausgeht und alles auf 8-Bit zurückgsschaltet wird. Das ist irrsinnig komisch und sehr schön inszeniert. Ein ums andere Mal musste ich laut loslachen ob der absurden Situationen und Einfälle. Mit die absurdeste: Deadpool spielt eine zentrale Rolle bei der Rettung der Welt, verkündet ein Botschafter aus der Zukunft, denn… Ja, und ab diesem Punkt hört Deadpool schon nicht mehr zu und als Spieler erfährt man nie worum es eigentlich geht. Bei so viel Skurrilität sehe ich gerne über repetitives Gameplay im Arkham-Asylum-Stil hinweg.

Life is Strange [PS4]
Nach Jahren kommt die junge Max in ihre Heimatstadt zurück um dort zu studieren. Plötzlich wird sie von Visionen geplagt, in denen der Ort von einem Sturm zerstört wird. Noch merkwürdiger: Max kann plötzlich die Zeit manipulieren.

“Life is strange” ist ein Adventure im Episodenformat vom französischen Studio Dontnod, die mit dem großartigen, aber kommerziell erfolglosen, “Remember Me” bereits bewiesen haben das sie was können. Ihr neuestes Werk wird gerne mit “Twin Peaks” verglichen, hat aber außer einer abgelegenen Kleinstadt, sehr langsamer Erzählweise und vieeelen Dialogen wenig mit der Kultserie gemein. Sehr schick ist der Einfall, dass man nach Durchlaufen der adventuretypischen Dialoge und Entscheidungen die Zeit zurückdrehen kann, um zu gucken, was passiert wäre, wenn man anders gehandelt hätte. Nach der zweiten von fünf Episoden zeigt sich das Spiel als langsam und stellenweise in der Bedienung sperrig, aber auch atmosphärisch und spannend. Hier wird die Bühne für etwas Großes gebaut, und ich hoffe sehr, dass mit der nächsten Episoden das ganze an Fahrt gewinnt.

Back to the Future [PS3]
1986, ein Jahr nach den Ereignissen der Filme: Marty McFly erfährt, dass Docs alte Garage versteigert werden soll, weil der alte Mann seit einem Jahr verschollen ist. Auf dem Weg zur Auktion wird Marty fast vom DeLorean überfahren, dessen Notfallschaltung ihn aus dem Jahr 1930 in Martys Gegenwart geschickt hat. Zusammen mit Einstein macht sich Marty auf in die Zeit der Prohibition, nur um festzustellen, dass Doc im Knast sitzt, die Stadt in der Hand des Alkoholschmugglers Tannen ist, der junge Doc Anwalt werden soll und eine gewisse Miss Strickland das moralische Gewissen der Stadt ist.

Einige Verwicklungen später springt die Zeitmaschine wieder ins Jahr 1986, das sich aber radikal verändert hat. In der Vergangenheit haben Doc und Edna geheiratet und Hill Valley zu einer total überwachten, moralisch einwandfreien Gesellschaft gemacht. Marty muss zusammen mit der Punkerin Jennifer Parker eine Revolution anzetteln und noch einmal in die Vergangenheit, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Aber in der Vergangenheit existiert Hill Valley nicht mehr…

“Back to the Future – The Game” ist eine der ersten Lizenzumsetzungen von Telltale und schon 2011 rausgekommen. Das Studio ist auf Adventures spezialisiert, die in kurzen Episoden herauskommen. BTTF ist ein klassisches Point-and-Klick-Adventure in 3D mit den üblichen Macken, wie einer leicht orientierungslosen Steuerung und einem umständlichen Inventar. Das verzeihe ich aber gerne, denn das Spiel ist excellent geschrieben, von den Originalautoren der Filme, und super vertont. Das Spiel ist eine würdige Fortsetzung der Filmgeschichte. Wer schon immer mehr Marty, mehr Doc, mehr Einstein und mehr DeLorean wollte, der ist hier richtig.

———————————————————————————————————————————————————

Machen:
Nochmal gepflegt krank sein. Einen Balkon einrichten. Dinge vorbereiten.
———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:

Einen Elektrogrill, einen Severin PG 8523. Und den dazu passenden Balkon, für den jede Menge Möbelzeug und Blumen gekauft werden wollten.

severgrill

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
3 Kommentare

Verfasst von - 30. April 2015 in Momentaufnahme

 

Blogbilder vom Eiffelturm bei Nacht

Allgemein gilt: Wenn Du Bilder ins Internet stellst, dann nicht ohne Erlaubnis desjenigen, der die Rechte am Bild hat. Schreibt man z.B. einen Blogartikel und packt irgendein Bild dazu, was man über die Google-Bildersuche gefunden hat, kann es ganz schnell sein, dass man eine Abmahnung im Briefkasten hat. Dabei müssen das nicht mal künstlerisch wertvolle Bilder sein. Zu trauriger Berühmtheit kam etwasdie Seite “Marions Kochbuch”, die Leute teuer abmahnen liess, weil die Bilder von trockenen Brötchen weiterverwendeten. Das kann sehr schnell sehr teuer werden.

Rechteinhaber sind meist entweder Agenturen oder Firmen, die Nutzungsrechte an Bildern gekauft haben, oder die Urheber selbst. In Deutschland ist es so, dass das Urheberrecht nicht abgegeben werden kann. Habe ich ein Bild gemacht, bin ich auf ewig Urheber davon. Also sollte man am Besten nur eigene Bilder ins Netz stellen, dann kann einem keiner was.

Zumindest in Deutschland, und zumindest so lange, wie man keine Persönlichkeitsrechte verletzt. Das berühmte “Recht am eigenen Bild” ist ein Mythos, der in die Kategorie Persönlichkeitsrecht fällt, aber das ist ein Thema für sich.

Neben Persönlichkeitsrechten haben wir in Deutschland noch was, dass ich bislang noch nicht kannte: Die Panoramafreiheit. Die besagt, stark verkürzt, dass man alles fotografieren und veröffentlichen darf, was man vom öffentlichen Raum aus sehen kann. Ein Gebäude von der Straße fotografieren – kein Problem. Anders sieht es aus, wenn man auf Privatbesitz ist, dann braucht man ggf. die Erlaubnis des Besitzers, aber generell gilt: Wenn ich von der Straße aus z.B. das Brandenburger Tor fotografiere, dann darf ich das auch veröffentlichen. Und Urheber bin ich sowieso.

Auf die Idee, dass das in anderen Ländern anders sein könnte, bin ich nie gekommen. Erst als Svenja am vergangenen Samstag schrieb

“Nimm lieber die Fotos vom Eifelturm bei Nacht aus dem Artikel, dafür kann man abgemahnt werden (leider kein Witz)”

ging ich dem mal nach. An dieser Stelle nochmal ganz herzlichen Dank, Svenja! Und tatsächlich: In Belgien und Frankreich ist es so, dass es keine Panoramafreiheit gibt. Man darf nicht einfach Gebäude und Kunstwerke auf der Straße knipsen und veröffentlichen. Wer in Brüssel das Atomium fotografiert und die Bilder öffentlich macht, hat schneller eine Abmahnung im Briefkasten als er “Fritten mit Mayo” sagen kann. Und es wird noch schlimmer: Nach französischer Rechtsauffassung ist es so, dass derjenige, der das Foto gemacht hat, nicht der Urheber ist. Sondern derjenige, der das Bauwerk geschaffen hat. Absurd.

Im Fall des Eiffelturms ist es nun so, dass Gustave Eiffel schon lange genug tot ist, als das er Urheber MEINER Bilder sein könnte. Deshalb darf man den Eiffelturm fotografieren wie man will und die Bilder veröffentlichen bis das Netz qualmt. Das gilt aber nur für Bilder des Turms bei Tag, denn die Beleuchtung des Turms bei Nacht ist neuer und als eigenständiges Werk geschützt. Die Rechte hält die SETE (Société d’Exploitation de la Tour Eiffel), eine Firma, die der Stadt Paris gehört und mit deren Behörden zusammenarbeitet. Ohne deren Erlaubnis darf man keine Bilder des Turms bei Nacht veröffentlichen:

“Permission and rights must be obtained from the “Société d’Exploitation de la Tour Eiffel” (the Operating Company, or SETE) for the publication of photos of the illuminated Eiffel Tower.”

heißt es auf ihrer Website. Also habe ich da mal freundlich bei documentation@toureiffel.paris nachgefragt, und dann passierte erstmal 5 Tage – nichts. Dafür stieg der Traffic aus Frankreich auf diesem Blog an zwei Tagen stark an, entweder die Firma oder eine Behörde hat sich hier also umgesehen. Heute kam nun folgende Mail:

Hello Silencer,
Obviously you have the right to share the pictures as long as it’s not with commercial issues.
Moreover, you have to put the copyright : “ Tour Eiffel – illuminations Pierre Bideau “ on it.
Best regards,

SETE

Das bedeutet, ich darf die Fotos hier im Blog veröffentlichen, wenn ich einen entsprechenden Hinweis auf das Copyright der Beleuchter setze. Das freut mich natürlich, und ist eine gute Nachricht, aber kein Freibrief für andere Blogger.

Ganz so “obvious” ist das mit den Rechten nämlich dann doch nicht. Wann bewegt man sich im Bereich von “Commercial Issues”? Wenn ich mein Produkt mit den Bildern bewerbe ganz sicher. Aber sind wir auch schon im kommerziellen Rahmen, wenn ich die Bilder auf einer Blogbplattform wie WordPress.com oder blogger.com verwende? Immerhin wird in normalen Blogs Werbung vom Plattformbetreiber eingeblendet. Oder wie ist das, wenn ich ein Modeblog habe und ständig Haarpflegeprodukte empfehle? Ist das dann ein Werbeumfeld?

Hier ist man also schnell wieder in einer Grauzone, in der alles Auslegungssache ist. Für mich spielt das zum Glück keine Rolle. Hier im Blog gibt es nicht mal Affiliate Links von meiner Leseliste, und tatsächlich ist es so, dass ich im Jahr 140 Euro an WordPress.com bezahle, damit die hier keine Werbung anzeigen. Von daher also alles gut, und ab jetzt gibt es wieder Bilder vom Turm bei Nacht im letzten Artikel, und auch der Teaser ist wieder öffentlich zugänglich.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 24. April 2015 in Gnadenloses Leben

 

Schlag in den Nacken

Da gehe ich ganz gemütlich die Straße entlang und plötzlich macht es KLATSCH und ich kriege so einen Schlag in den Nacken, dass ich mich im nächsten Moment auf allen Vieren auf dem Bürgersteig wiederfinde.

Was war geschehen? Der Nachbar weiter die Straße hoch ist Gärtner und war auf dem Weg nach Hause. Auf der Ladefläche seines Transporters hatte er Bündel von Weidensträucher geladen. Zwei davon waren umgekippt und ragten nach links über das Fahrzeug hinaus. Während er also ganz normal die Straße langfuhr, rauschte seine Ladung in Kopfhöhe über den Gehweg.

Dorf, ey. Kannste Dir nicht ausdenken.

(Mir ist nix passiert, zwiebelte nur noch 5 Minuten)

 
3 Kommentare

Verfasst von - 21. April 2015 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: März 2015

Herr Silencer im März 2015
SCHNIEF.

Wetter: Stark wechselhaft. Zu Anfang normaler März, leichte Plustemperaturen, stetig steigend. Mitte des Monats heftige Schwankungen: Nachts Minusgrade, tagsüber 15 Grad. Dann einen Tag Sonnenschein, den anderen Schneefall. Am Montatsende unfreundliches Sturm/Regenwetter bei einstelligen Temperaturen.
——————————————————————————————————————————————————-
Lesen:

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues [Kindle]
Paul Bäumer bekommt von seinen Lehrern eingeimpft, dass er zur Ehrenjugend gehört und es seine Pflicht ist, in einen kurzen Krieg gegen Frankreich zu ziehen. Er meldet sich freiwillig und wird in die Vernichtungsmaschinerie des ersten Weltkriegs hineingezogen. Das endlose Sterben um ihn herum macht es ihm unmöglich weiter als Mensch zu funktionieren.
Ein Roman, sicher, aber Remarque erlebte den ersten Weltkrieg ab 1917 tatsächlich an der Front mit. Seine Erlebnisse und die von anderen, die er im Lazarett notierte, sind in dem Buch zusammengeführt. Bedrückendes Zeitdokument über den ersten Weltkrieg und was der Krieg mit Menschen anstellt.

——————————————————————————————————————————————————-

Hören:

Femme Schmidt: Femme Schmidt [CD]
Tolle Jazzstimme, aber auf diesem Erstling stimmt der Stil noch nicht so ganz. Die zwischenzeitlich erschienenen Singles “Heart shaped Gun” und “Kill Me” schlagen da bessere Töne an. Vielleicht braucht Frau Schmidt noch bis zum nächsten Album, um zu sich selbst zu finden (wie ich diese Formulierung verabscheue, aber hier passt sie).

Klaas Heufer-Umlauf, Jan Böhmermann: Förderschulklassenfahrt [MP3]
Die Klasse 9c der Claudia-Nolte-Förderschule Vechta macht eine Klassenfahrt nach Berlin. Mit dabei: Zwei Inklusionsschüler, Jerome, Frau Retkowski und der irre Bogdan. Der zweite Teil spielt ein Jahr später: Die Personen sind allesamt nicht mehr an der Schule, treffen sich aber unvermittelt in einem Freizeitpark.
Was kommt dabei raus, wenn zwei der größten Talente im deutschen Fernsehen zusammenkommen und ein “Eventhörspiel” improvisieren? Na klar: Quatsch. Stellenweise ganz guter Quatsch, der mich beim Hören giffeln lies, etwa wenn Jerome die Theorie entwickelt, dass Coolness von Schwerkraft beeinflusst wird und beim beschleunigen im Bus herumschwappt, weswegen die coolen Leute immer hinten sitzen. Über lange Strecken hinweg ist es aber unschöner Quatsch. Gerade die Darstellung der behinderten Mitschüler ist unterträglich, unlustig und einfach nur nervig. Zudem sind die Hörspiele mit 60 Minuten sehr kurz und hören unvermittelt auf. In jedem Fall das Geld nicht wert, selbst wenn man die beiden Autoren mag.

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

House, Staffel 8 [DVD]
Serie über einen Arsch, der zufällig ein gutes Gespür für Diagnosen hat. Nachdem zum Ende von Staffel 7 wieder mal alles den Bach runtergegangen ist sitzt Dr. House nun tatsächlich im Gefängnis. Natürlich kommt er da wieder raus und schafft es irgendwie sogar zurück in die Klinik, aber diesmal ist er so weit über alle Grenzen hinausgegangen, dass die Konsequenzen schlimm sind: Cuddy ist weg, das Team aufgelöst und das Ende naht.
Wow. Was für ein Abschluss einer gelungenen Serie. Die achte Staffel dreht nochmal voll auf, zeigt einen House in ekliger Hochform und bietet ein Ende, das anders nicht hätte sein können. Sehr toll.

I, Frankenstein [BluRay]
Frankensteins Monster lebt schon 250 Jahre und jagt in der heutigen Zeit Dämonen. Die dritte Fraktion in diesem geheimen Krieg ist ein Clan von waffentragenden Engeln, die als Gargoyles Wache auf der Erde halten. Als der Oberdämon beschließt mit Frankensteins Formel Zombies zu erschaffen, kommt es zur offenen Schlacht.

Bei manchen Filmen kann ich mir genau vorstellen wie sie zustande gekommen sind. Im Falle von “I, Frankenstein” hat irgendein 5jähriger eine Geschichte um Frankenstein, Zombies, Dämonen, Gargoyles und Engel mit Wachsmalstiften zu Papier gebracht und ist damit stolz zu seinem Papa gelaufen. Weil der ein arabischer Scheich war und Sohnemann einen Gefallen tun wollte, hat er eine Produktionsfirma, Bill Nighy und Aaron Eckhart gekauft und einen Film daraus gemacht. Ich habe ja großen Spaß an kruden Stories (bin der einzige lebende Fan von “Van Helsing”), aber hier macht es die grauenvolle Inszenierung kaputt. Der Film hat überhaupt kein sinnvolles Pacing, die Effekte sind unterirdisch, und in der Summe hat man immer wieder das Gefühl, hier einer überlangen Folge “Buffy” beizuwohnen, nur ohne clevere Dialoge oder sympatische Charaktere.
———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Valiant Hearts: The Great War [PS4]
Ein junger Deutscher heiratet eine Französin und beginnt ein Leben als Bauer in Frankreich, als der erste Weltkrieg ausbricht. Er wird des Landes verwiesen und muss für Deutschland in den Krieg ziehen, wo er grausamerweise seinem Schwiegervater im Grabenkrieg gegenübersteht. Währenddessen erleben eine belgische Krankenschwester, ein amerikanischer Fremdenlegionär und ein Sanitätshund andere, aber nicht minder schlimme, Abenteuer.

“Valiant Hearts” ist ein Sideproject von Ubisoft. Der Publisher nutzt seine Cashcows wie “Assassins Creed” und die “Far Cry”-Serie, um solche kleinen Spieleperlen zu entwicklen, die sich dann auch schonmal mit schwierigen Themen befassen. Valiant Hearts möchte die Geschichte und das Grauen des ersten Weltkriegs durch persönliche Geschichten vermitteln, und tut das über Comicgrafik, sanfte Klaviermusik und simple Rätselspielchen. Dazwischen gibt es jede Menge Fakten über den großen Krieg. Der Spagat zwischen bewusst anspruchslosen und einfachen Spielelementen und ernster Erzählung gelingt leider nicht immer, aber immer noch gut genug um emotional zu berühren und Wissen zu vermitteln. Wer alles liest, lernt viel – Valiant Hearts ist einen spielerische Geschichtsstunde. Hut ab vor diesem Experiment, die Welt braucht mehr Spiele wie Valiant Hearts.

———————————————————————————————————————————————————

Machen:
Krank sein, das erste Mal in drei Jahren. Bäh.
———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:

Neue Reifen für´s Mopped, wieder Pirelli Angel GT.

—————————————————————————————-

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
17 Kommentare

Verfasst von - 30. März 2015 in Momentaufnahme

 
 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 40 Followern an