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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Abgrund Schuhe kaufen (III): Die Erlösung

Wir erinnern uns: Meine Lieblingsabenteuerschuhe haben mich über die Straßen von London, Barcelona und anderen Traumstädten sowie drei Jahre im Alltag ständig begleitet. Nach vielen Reparaturen haben die BamaTex dann aber letztlich den Weg allen Irdischen genommen.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Kaputt: Lieblingsabenteuerschuhe.

Die Suche nach Ersatz gestaltete sich überraschend schwierig: Stabile Halbschuhe mit Mebran und Stadt-/Landtauglicher Sohle in dezenter Farbe in 41 waren im Einzelhandel quasi nicht zu bekommen. Letztlich entschied ich mich dann für diese hier von Ecco.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Im Dauereinsatz schwer wie ein Panzer und mit schlechtem Sitz.

Ganz glücklich wurde ich in den kommenden Wochen damit aber nicht. Die Eccos erwiesen sich als Panzer: Mit 500 Gramm als recht schwer, außerdem ist die Sohle sehr steif und an der Ferse ist eine “patentierte Fersenhalterung”, die bei längerem Tragen scheuert. Außerdem schwitzt der Fuß, trotz GoreTex-Membran, wie irre.

Bei meiner langen Suche war ich noch über ein zweites Modell von Ecco gestolpert. Leichter, eleganter, auch mit Membran. Und in einem Anfall von Kaufrausch und Verzweifelung legte ich mir auch die zu.

Ecco light drei: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt trotz Membran.

Ecco light III: Stabil und elegant, aber der Fuß schwitzt, trotz Membran.

Elegant sind sie, leicht zu tragen auch, und eine kleine scheuernde Stelle am Zeh, das läuft sich sicher noch ein. Aber: Auch in diesen Schuhen ist der Fuß nach kurzer Zeit nass. Das muss man auch erstmal hinbekommen: Eine echte Goretex-Membran verbauen und dann trotzdem Schwitzkästen aus den Tretern machen.

Meine Verzweifelung war mittlerweile noch größer, denn die nächsten, langen Fußstrecken stehen kurz bevor und keine meine Neuerwerbungen ist dafür tauglich.
Heute nun kam ich an der örtlichen Reno-Filiale vorbei, die zuvor wochenlang wegen Umbaus geschlossen war. Das Ganze war wie eine Erlösung in zwei Stufen: Zunächst die Erfahrung, dass es doch noch fähige, freundliche Verkäuferinnen gibt.

Und dann fand ich im Regal ein paar BamaTex, die die Ur-Enkel meiner Lieblingsschuhe sein müssen. Die Sohle ist identisch, die Form ähnlich, und die Farbe exakt so, wie Abenteuerschuhe sein müssen.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Links das 2014er, rechts das 2011 Modell.

Die Sohle ist identisch.

Die Sohle ist identisch.

Beim Reinschlüpfen war es so, als ob meine Füße ein wohliges und erleichtertes “aaah” von sich geben würden. Die Schuhe passen perfekt. Bis auf eine Stelle am Zeh, aber das war bei den anderen auch so und trägt sich ein. Klimatechnisch sind die auch spitze, da schwitzt nichts. Mit 400 Gramm sind sie sehr leicht, und preislich kosten sie nur zwei Drittel eines Ecco-Paares.

Ich werde mir wohl wirklich gleich ein zweites Paar zulegen und die auf Lager halten. Allerdings erst nächsten Monat, in diesem habe ich – durch die, nunja, mehr oder weniger ungeeigneten Käufe, über 300 Euro für Schuhe ausgegeben. So viel habe ich die letzten 8 Jahre zusammen nicht für normale Schuhe ausgegeben. Aber egal, dafür bin ich jetzt wieder für jede Gelegenheit ausgestattet, und die neuen Bamas machen mich gerade sehr glücklich.

Die nächsten Städtetouren können kommen.

 
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Verfasst von - 20. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

501 Black

//Modeblogmodus an
Bei Jeans kommt bei mir nur eine in Frage: Die 501 von Levis. Seit Jahrzehnten ein unverwüstlicher Klassiker, die Essenz von allem, was eine Jeans ausmacht, zeitlos und passend zu allem. Kennt man Bundweite und Beinlänge, kann man die 501 kaufen ohne sie anzuprobieren – sie passt immer.
// Modeblogmodus aus

Jaja, wenn das man so wäre. Tatsächlich trage ich das Modell seit Jahren, weshalb sich hier eine veritable Kollektion an 501 in unterschiedlichen Verfallsstadien angesammelt hat. Einige sind im Geschäft gekauft, andere über Onlinehändler, wieder andere gebraucht. Was mir immer schon aufgefallen ist: Die Größe unterscheidet sich eben doch. Ich hatte das darauf geschoben, dass die gebrauchten mal zu heiß gewaschen wurden o.ä. Aber weit gefehlt – tatsächlich ist es so, dass an dem zeitlosen Klassiker alle paar Jahre Modelländerungen gemäß dem Modegeschmack vorgenommen werden – und das auch noch je nach Markt unterschiedlich. Das erklärt nicht nur den unterschiedlichen Sitz, sondern auch die stark unterschiedliche Haltbarkeit.

Amazon verkauft z.B. neue 501 ganze 30 Euro billiger als in deutschen Geschäften. Dafür ist deren Stoff leichter, Labels sind anders und die Größe ist etwas labberiger. Es handelt sich aber definitiv um Originalware – nur vermutlich in einem anderen Markt eingekauft.

501b

Ich habe genau EINE 501, die seit 10 Jahren hält und perfekt passt. Sie besteht aus schwerem Stoff und ribbelt nirgends auf, wie ihre ausgefranzsten Schwestern. Das ist meine Abenteuerjeans, die alles mitmacht und die vor allem auf jede Reise mitkommt. Mit einer schwarzen Jeans ist man immer richtig gekleidet – egal ob man in den Bergen rumklettert oder ins Theater will. Selbst einen Motorradsturz hat sie schon überstanden. An einer Stelle am Knie ist der Stoff etwas rauer, dort, wo das Gewicht von Motorrad und mir drauf lag, als wir über den Asphalt geschlittert sind.

Diese 501 hält alles aus, allerdings bleicht sie im Laufe der Zeit aus – aber diese spezielle Jeans hat es sich verdient, dass sie alle zwei Jahre in der Waschmaschine nachgefärbt wird. Jetzt war es mal wieder an der Zeit. Und, was soll ich sagen?

Sieht aus wie neu, siehe oben. Black is beautiful.

 
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Verfasst von - 11. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bumm-Bumm-Bumm

BUMM. BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMBUMM.

Das Haus, in dem ich wohne, ist über die Jahrzehnte und Jahrhunderte zig mal umgebaut und erweitert worden. Der Westflügel meiner Wohnung, in dem das Arbeitszimmer und die Küche liegen, sind noch Bestandteil des alten Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert. Niedrige Decken, Holzfußboden, tolles Raumklima durch Lehmwände.

BUMM. BUMM. BUMMBUMM.

Der Ostflügel, in dem Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer ist Teil eines Neubaus aus den 1970er Jahren, zumindest zum Teil. Das Badezimmer liegt in einem Anbau aus den 1890er Jahren. Höhere Decken, andere Wände, Parkettfußboden. Die Umbauten sorgen dafür, dass alles herrlich verwinkelt ist. Alle Wohnungsteile gehen mit kleinen Stufen ineinander über, und allen ist gemein, dass ihre Decke mal das Dach war, den das Stockwerk über mir ist erst in den 1980ern draufgebaut worden. Die dicke Decke ist der Grund, weshalb ich von der Wohnung über mir so gut wie nichts mitbekomme. Bis jetzt.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMMBUMMBUMMBUMMBUMM. SCHEPPER.

Vor sechs Wochen sind in der Wohnung über mir neue Mieter eingezogen. Dem Vernehmen nach ein junges Paar. Gesehen habe ich sie noch nicht. Also, vielleicht schon, während des mehrtägigen und mehrnächtigen Umzugs tobten hier ein Dutzend Helfer durchs Haus, und dem ein oder anderen stand ich dann schon mal gegenüber. Da die aber nur dullig glotzten und sich nicht vorstellten, weiß ich nicht, ob einer von denen zur neuen Nachbarschaft gehört. Wie auch immer: Allein durch die Lautstärke des Umzugs und das nächtliche Möbelrücken habe ich schon einen ziemlich unguten Eindruck bekommen. Aber egal, dachte ich mir, so ein Umzug ist irgendwann vorbei, irgendwann steht auch das letzte Möbelstück an seinem Platz, und dann kehrt wieder Ruhe ein.

BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM. BUMM-BUMM-BUMM-BUMM.

Tja, verkehrt gedacht. ER ist nämlich ein Trampeltier vor dem Herrn. Ich habe echt gedacht ich höre nicht richtig, als ich von einer Dienstreise zurück kam, abends auf die Couch sank und wieder hoch schreckte, als es plötzlich BUMM machte und die Gläser im Schrank klirrten. Ohne scheiß – in der Wohnung über mir trat jemand so fest auf, dass ich nicht nur den Fußtritt hörte, sondern die Erschütterungen spüren konnte. Der junge Mann hat einen so dermaßen festen Tritt, als ob er den Fußboden hasst und ihn das mit jedem Schritt spüren lassen will.

BUMMBUMMBUMMBUMM. BUMM-BUMM. BUMM-BUMM.

Wenn er durchs Treppenhaus geht, ächzt und stöhnt das Holz der Stufen unter seinen Schritten und es klingt, als wenn gleich alles zusammenfällt. Dazu kommt noch eine andere Eigenart: Der Typ sitzt nicht still. Der kommt Abends nach Hause und beginnt in seiner Wohnung auf und ab zu laufen, und hört damit in den nächsten drei bis fünf Stunden nicht mehr auf!
Man stelle sich das mal vor: KEINE. SEKUNDE. PAUSE.
Immer durch die Wohnung, BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von links nach rechts, dann wieder BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM-BUMM von rechts nach links. Was soll das? Warum macht man das?

Mein Problem dabei: Ich konnte mich nicht dazu durchringen was zu sagen. Ist ja nicht so, dass die da oben die ganze Nacht Party machen würden. Das ist halt der normale Tritt des Typen. Vielleicht waren auch die Vormieter einfach besonders leise und ich daher von Ruhe verwöhnt? Obwohl… selbst durch die Gegend springende Kinder waren da oben nicht zu hören. Ich war im Zweifel… Kann man das echt bringen, zu klingeln und zu sagen: “Hallo, ich bin ihr Nachbar, und können´se mal aufhören hier rumzutrampeln wie ein Geistekranker?” Vielleicht würde ich mich ja auch dran gewöhnen, dachte ich.

Über die letzten Wochen ist dann was ganz erstaunliches passiert. Ich wurde porös. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich entwickelte mich zu einem buckligen, bösartigen Nachbarnhasser. ALLES an den neuen Nachbarn nervte mich. Das Auto, ein oft geflickter Polo aus den 80ern, das direkt vor dem Haus parkt? Eine rollende Asikiste, und die Fahrer sind zu faul drei Schritte zu Fuß zu gehen. Die Restmülltonne voller Alkopop-Flaschen? Versoffenes Pack, dem noch niemand das Konzept der Mülltrennung erklärt hat. Die Fleischreste in der Biotonne? Widerliche fleischfressende Vollidioten, die Ratten für erstrebenswerte Haustiere halten. Die laute Waschmaschine, die gerne mal um kurz vor 22 Uhr angestellt wurde? Zu bequem das Ding richtig hinzustellen, und von Nachtruhe haben die auch nicht nichts gehört.

Dazu kamen die ausgedehnten Öffnungszeiten der Trampelbude, denn das Tier arbeite wohl im Schichtdienst und schlief tagsüber. Damit blieb mehr Zeit um Nachts bis um halb Eins, Morgens dann wieder ab 05.30 Uhr rumzutrampeln.

Es war, als hätte das dauernde Getrampel nicht nur an meinen Nerven gesägt, sondern auch jegliche Verständnis und Toleranz aus mir rausgeschüttelt und einen hässlichen Prinzipienreiter in mir geweckt. Ich konnte die Leute nicht ausstehen, und dabei hatte ich sie noch nichtmal gesehen, geschweige denn kennengelernt! Das machte mir selbst ein wenig Angst, und so beschloß ich die Mördergrube, die mein Herz mittlerweile war, zu öffnen. Vorgestern war es soweit. Ich hatte tagelang überlegt wie ich es formulieren sollte, und hatte am Ende eine leicht verständliche, nicht sarkastische und freundliche Variante von “Hörense auf rumzutrampeln wie ein Elefant” gefunden. Trotzdem war ich ein wenig nervös, aber der Vorsatz stand: Ich musste das jetzt ansprechen, sonst würde ich noch an meinen eigenen, giftigen Gedanken ersticken. Oder zu einem Blockwart oder ähnlich schlimmen mutieren.

An der Haustür fing mich an diesem Abend meine Vermieterin ab. Die alte Dame hatte eine Trauermiene aufgesetzt. Im ersten Moment dachte ich, dass etwas mit ihrem schwerkranken Mann sei. “Nein, mit dem ist alles in Ordnung”, sagte sie. “Aber haben sie es noch nicht gehört? Die von oben, die ziehen wieder aus.” Ich starrte sie mit offem Mund an.
“Die hatten noch nie davon gehört, dass zur Miete auch Nebenkosten kommen, und jetzt stellt sich raus, dass sie sich das nicht leisten können. Stattdessen ziehen sie wieder zu ihren Eltern”, sagte die Vermieterin und schüttelt den Kopf. “Manche denken auch nicht für zehn Pfennig nach. Und ich habe jetzt den Ärger mit dem Mieterwechsel, ach, ach, ach.”

Vielleicht bin ich wirklich ein schlechter und verbiesterter Mensch. Vielleicht bin ich nicht besser als die kleinkarierten Knöllchenhorsts dieser Welt. Vielleicht steckt das aber in jedem von uns, und es ist die Kunst, den inneren Blockwart und Paragrafenreiter im Zaum zu halten. Wie auch immer. In dem Moment, als ich diese Nachricht hörte, tat mein Herz einen kleinen Freudensprung. Seitdem habe ich unkontrolliert gute Laune, und wenn es wieder BUMM-BUMM-BUMMert, lächele ich still vor mich hin und denke: Nicht mehr lange…

 
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Verfasst von - 7. September 2014 in Betrachtung, Gnadenloses Leben

 

Gefahrenstoffel

Strickjacke über Amazon bestellt.
Passt nicht.
Kein Drama, kann man ja zurücksenden. Müsste man denken.

Rücksendeantrag nicht möglich, sagt Amazon, weil:

“Aus Sicherheitsgründen können Artikel, für deren Betrieb Batterien oder leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase benutzt werden oder die als Gefahrengut klassifiziert sind, nicht an Amazon.de zurückgegeben werden.”

2014-09-04 19_45_44-Amazon.de - Rücksendezentrum

Öh. Aha. Na gut, dann schreibe ich dem Amazon halt mal:

Bei dem Artikel handelt es sich um eine Strickjacke. Ich habe sie sorgfältig geprüft, sie enthält keine leicht entflammbaren Flüssigkeiten oder Gase und benötigt auch keine Batterien. Diese skurrile Meldung taucht nur bei Größe 48 des Artikels auf. Wie kann ich einen Rücksendeantrag an den Verkäufer richten?

Worauf sich Amazon prompt für nicht zuständig erklärte. Eine Mail an den Verkäufer wurde allerdings prompt telefonisch bearbeitet. Herrliches Telefonat, denn der gute Mann sprach in schnellem sächsisch Sätze wie “Das kennen was schon von Amazon, diese Matschbirnen und Flitzpiepen kriegen das einfach nicht auf die Reihe”. Ich musste echt ein Lachen ob des sächselnden Gemütsausbruchs unterdrücken. So sorgt man für gute Laune bei Käufern :-)

 
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Verfasst von - 5. September 2014 in Gnadenloses Leben

 

Sans papiers

…bin ich nicht mehr. Ich habe jetzt nämlich endlich einen Reisepass! Ich hatte noch nie einen. Warum auch, bislang brauchte ich nie einen, bin ja nie aus Europa rausgekommen, sieht man mal von Ausflügen nach Bayern und in die Schweiz ab. Das ich jetzt einen beantragt habe, hat nicht mal einen aktuellen Grund. Es steht keine Reise außerhalb der EU an. Ich finde es mittlerweile nur gut, ein zweites Ausweisdokument zu besitzen. Außerdem hatte ich gerade Zeit und 59,- Euro Ausstellgebühr übrig.

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Bemerkenswert übrigens:

  • Die Schnelligkeit, mit der Passbeantragung und Abholung dieser Tage beim Amt ging. Jeweils 3 Minuten Wartezeit, 5 Minuten Bearbeitung durch superfreundliche Mitarbeiterinnen, nach 10 Minuten wieder draußen. Ich war ganz verwirrt und wusste nicht, was ich mit dem Rest des Vormittags machen sollte.
  • Die Schnelligkeit der Bundesdruckerei. Weniger als 3 Wochen hat die Ausstellung gedauert, und die kennen noch einen Expressmodus.
  • Bei der Ausstellung geht ALLES digital. Die Abnahme der Fingerabdrücke, die im Chip gespeichert werden, sowieso. Selbst das Bild bekommt man wieder, weil es gescannt wird. Auch die Unterschriften, die zu leisten waren, habe ich auf Digipads gemacht.
  • Apropos Fingerabdrücke: Früher steckte man als erstes den Pass in die Mikrowelle, um den darin befindlichen RFID-Chip ungültig zu machen. Heute ist das eine dumme Idee, weil mittlerweile an nahezu jeder Grenze der Chip gelesen werden kann. Nach den neuen Verordnungen ist der Pass ungültig, wenn der Chip defekt ist.
  • Wusste ich nicht: Der Pass ist rechtlich Eigentum der Bumsrepublik Deutschland. Ich habe ihn mir nur von ihr ausleihen dürfen. Und ich Dummerjahn dachte das wäre meiner. Nur weil mein Bild und meine Unterschrift drin ist.
  • Die Hinweise auf der letzten Seite sind witzig: “Dieser Reisepass enthält sensible Elektronik und sollte mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden wie andere elektronische Geräte. Zur Erhaltung der Funktionalität insbesondere daher bitte nicht biegen, perforieren oder extremen Temperaturen oder extremen Temperaturen aussetzen.” Klingt, als hätte das ein Bayer formuliert.
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    Verfasst von - 5. September 2014 in Gnadenloses Leben, Reisen

     

    Momentaufnahme: August 2014

    Herr Silencer im August 2014
    Eigentlich is ja Moppedwetter

    Wetter: Zum Monatsbeginn mit um die 30 Grad sehr warm, am 04. sintflutartige Regenfälle, um den 20. rum herbstlich-kühle 13 Grad und Sturm, Ende des Monats Nebel bei 7 Grad. Von Hochsommer zu Herbst in vier Wochen.
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    Lesen:

    Tim Parks: Italian Ways: On and Off the Rails from Milan to Palermo
    Die italienische Bahn, und warum sie so ist wie sie ist. Parks beleuchtet die Rolle eines Verkehrsmittels, das mit der italienischen Volksseele unvereinbar ist und nur gebaut wurde, weil es in der Vereinigungszeit politisch gewollt war. Heute mag niemand die Bahn, aber sie wird gebraucht und genutzt um Posten zu verteilen, um bei Mama und Papa wohnen bleiben zu können, während die Arbeitsstelle am anderen Ende des Stiefels liegt, und um die Inflation in den Griff zu bekommen. Teuerungstatistiken sind an die Preise der Regionalbahnen geknüpft, was die günstigen Ticketpreise erklärt. Daneben gibt es feine Beobachtungen von Menschen und Situationen aus 20 Jahren Pendelei zwischen Verona und Mailand.

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    Hören:


    Yann Tiersen Ameliè (Soundtrack) [MP3]
    Nette Melodien, passen im Film perfekt zu den Bildern. Für sich allein kann man das aber nicht lange hören bis es nervt.

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    Sehen:

    Moulin Rouge [DVD]
    Knallbunter Quatsch, keine Ahnung wie sowas zustande kommt. Vorheriger Drogenkonsum sinnlos, durch die wirbelnden Bilder wird einem auch so schlecht.

    The Winter Soldier [BluRay]
    Wie kann es eigentlich sein, dass eine Comicverfilmung das EINZIGE Blockbustermedium ist, der ein klares Statement zum Überwachungswahn und eine Haltung zu wuchernden Geheimdiensten hat? Captain America, eigentlich eine absolut alberne Comicfigur, trägt hier einen Film mit durchaus düsteren Momenten, der allseitige Überwachung “zur Sicherheit” und “gegen Terroristen” als Einschränkung der Freiheit problematisiert. Sehr sehenswert.

    Operation Walküre [Watchever]
    Die Geschichte des Graf von Stauffenberg, dem Attentat auf Hitler und wie die Verschwörer mit einem geheimen Heer fast Berlin einnahmen. Kannte ich noch nicht. Sehr sehenswert, nicht mal Tom Cruise stört.

    Egde of Tomorrow [Konserve]
    Nochmal Tom Cruise. In der Zukunft wird die Erde von egalen Viechern angegriffen. Tom Cruise ist ein schnöseliger Propaganda-Man. Als der einem General dumm kommt, schickt der ihn zum D-Day an die Front. Irgendwas geht dabei schief, und Cruise muss den gleichen Tag immer und immer wieder erleben wenn er stirbt. “Edge of Tomorrow” ist eine Mischung aus “Starship Troopers” und “Täglich grüßt das Murmeltier” – und zwar eine verdammt gut gemachte! Alleine die vielen Tode des Tom Cruise sind schon sehenswert, aber erst die verschiedenen Zeitverläufe und das Mitfiebern (hat er eine Chance, dadurch das er den Tag auswendig lernt?) machen den Film zum Erlebnis. Dazu gibt es jede Menge Schauwerte und explodierende Sachen. Der beste Sci-Fi-Film seit Minority Report.

    The Lego Movie [PSN]
    Schlimmstes ADHS-Gehampel, größtenteils Slapstickhhumor. Kaum erträglich. Was den Film besonders macht: Die Liebe, die allerorten darin steckt. Der Helm des 80er-Jahre Astronauten, der genau dort gebrochen ist, wo die Dinger IMMER kaputt gegangen sind. Die Geschichte. Das Ende.
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    Spielen:

    Infamous 2 [PS3]
    Cole ist Fahrradkurier und fährt Dinge von A nach B. Eines dieser Dinge explodiert, und seitdem hat er Superkräfte. In Infamous, dem ersten Teil der Reihe, entdeckte man diese Kräfte und konnte sich entscheiden, ob man die zum guten oder zum Bösen einsetzen wollte. Das hatte Auswirkungen auf die Spielewelt und war recht unterhaltsam. Infamous 2 ist just more of the same. Statt durch New York flitzt man jetzt durch New Orleans, statt gegen die Polizei kämpft man nun gegen eine Miliz. Nett, graphisch schöner als Teil 1., spielerisch aber exakt das selbe.

    Infamous: Second Son [PS4]
    Delsin Rowe lebt in den Tag hinein. Seine Hauptbeschäftigung ist die Anfertigung von Grafitti. Das ändert sich, als vor seiner Haustür ein Gefangenentransport verunglückt. Als er einem der Verunfallten helfen will und ihn berührt, verwandelt er sich in ein Rauchwölkchen. Und das ist erst der Anfang…
    In der Welt von Infamous ist ein merkwürdiges Dingsi explodiert, und nun haben manche Menschen Superkräfte. Delsin kann die übernehmen, und gerät dadurch unversehens in einen Konflikt zwischen den Mutanten und einer staatlichen Armee, die alle Mutierten einfangen und wegsperren will. Klingt nach X-Men mit einem Schuß 1984, und ist storytechnisch gut erzählt. Spielerisch nur ein Aufguß der ersten “Infamous”-Teile: In repetitiven Aufgaben befreit man Stadtviertel um Stadtviertel von Besatzern, immer wieder. Das simulierte Seattle sieht auf der PS4 natürlich toll aus, und es macht einen irren Spaß als Rauchgeist, Neonblitz oder Videosignal durch und über die Stadt zu rauschen. Dabei hat man die Wahl, ob man seine Kräfte zum Wohl aller einsetzen will, oder doch lieber seine Wut auslebt und randaliert. Je nachdem wie man sich als Spieler entscheidet, verändert sich Delsin und die Stadt. Ist man gut, wird alles heller und die Menschen in den Straßen jubeln einem zu. Ist man böse, gibt es diabolische Ringe unter den Augen, die Stadt versinkt im Chaos und Passanten laufen schreiend davon. Seht kurzweilig, schön umgesetzt, aber beim “Third Son” bitte mehr spielerische Abwechselung. Wenn man es nämlich realistisch betrachtet, macht Sucker Punch hier nach “Infamous” und “Infamous 2″ hier das gleiche Spiel zum dritten Mal.

    Dantes Inferno [XBOX 360]
    Dante begeht schlimmste Verbrechen, im festen Glauben, dass alle seine Sünden vergeben würden, denn er ist ja Kreuzfahrer. Wieder zu Haus ein Florenz stellt er fest, dass Absolution nicht nur eine Lüge der Kirche ist, sondern auch, dass sein Verrat seine wahre Liebe in die Hölle gebracht hat. Also reist er in durch die neun Kreise der Hölle, auf der Suche nach Vergebung – und Beatrice.
    Ziemlich kranker Mist. Das Artwork ist toll, optisch macht die Reise durch die Hölle viel her. Spielerisch krankt es: Die Steuerung ist ungenau, was für ein Action-Adventure mit Hack-And-Slay-Einlagen tödlich ist. Dazu kommen haufenweise unfaire Stellen und Uraltgamedesign mit getimten Sprungeinlagen. Ganz Schlimm: Im letzten Drittel hatte man wohl keine Zeit und kein Geld mehr, und baute deshalb die gleiche Arena als “Challenges” 10 Mal (!) hintereinander. Sollen die Gamedsigner in der Hölle schmoren.

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    Machen:
    Außer dem Weltwieseltag: Nichts spannendes.
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    Neues Spielzeug:
    Schuhe (Ecco Expediton II). Hepatitisimpfung. Eine Jeans. Eine Cranford-Jacke von Vintage Industries.


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    Archiv Momentaufnahmen ab 2008

     
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    Verfasst von - 28. August 2014 in Ganz Kurz, Momentaufnahme

     

    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

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    “Lieblingsschuhe sind so eine Sache, auch bei Männern, sie werden gepflegt und wenn die ersten Alterserscheinungen auftreten, schaut man wohlwollend darüber hinweg. Dann kommt irgendwann der Punkt, wo sie keinen näheren Blick mehr standhalten, aber mann ist noch nicht soweit. Und dann wird es nur noch peinlich.”

    - Rüdiger, Thatblog.de

    Oh, Rüdiger hat ja so recht. Meine Lieblingsschuhe sind die auf dem Bild oben. Trekkinghalbschuhe von Bama, waren vor drei Jahren ein gigantischer Glücksgriff (sieht man davon ab, dass ich sie zuerst in der verkehrten Größe gekauft habe und damit doppelt bezahlt habe). Leder,leicht, bequem, stabil und mit funktionierender Klimamembran, was bei Bama nicht selbstverständlich ist. Die graue, mit braun abgesetzte Farbe ist nicht der Brüller, aber immerhin sind sie dezent und nicht bunt. Schuhe für jedes Wetter, jede Jahreszeit und jede Gelegenheit. Egal ob Städtetour, Motorradfahrt oder Bergwanderung: Die Bamas haben es weggesteckt. Tausende von Kilometern bin ich darin gelaufem. Dabei sahen sie so dezent aus, dass ich sie auch im Alltag ständig trug.

    Als die ersten Auflösungserscheinungen auftraten, passierte das in Form aufgeribbelter Nähte. Nichts, was mein persönlicher Q und Ausrüstungshersteller nicht wieder hinbekommen hätte. Insgesamt waren sie bestimmt 4 oder 5 Mal bei Meister Neda, der hochkonzentriert und mit der Zunge in den Mundwinkeln Reparaturen vornahm.

    Vor zwei Wochen begannen der linke Schuh plötzlich zu zischen, und meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Die Sohle, deren Profil u.a. in den Straßen von Florenz, Rom, Barcelona und London abgelaufen wurde, hat einen Riss. Das ist definitiv irreparabel.

    Also hieß es: Neue Schuhe kaufen. Vorzugsweise wieder ein fester Halbschuh, mit Membran, in Größe 41. Und weil ich immer nur ein paar Schuhe mit auf Reisen nehme, bitte wieder möglichst Dezent. Ich mag es, wenn die Schuhe zwar funktional sind, dabei aber so unauffällig, dass ich damit Notfall auch in die Oper käme.

    Nun gab es zwei Probleme: 1. Ich mag es nicht, Schuhe zu kaufen. 2. Der deutsche Einzelhandel, wieder mal

    Es stellte sich nämlich als schlicht unmöglich heraus, in Götham Trekking- oder Hikinghalbschuhe mit Membran und in gedeckter Farbe zum Preis von um die 100 Euro in Größe 41 zu kaufen. In zwei Wochen der Suche führte mich meine Odysee…

  • …in den Trekkingladen, der NUR Schuhe in den Größen 37/38 und 45-56 verkaufte. Quasi Rudis Resterampe.
  • …in einem Sport- und Bergwanderladen, der was leidlich ansprechendes rumstehen hatte, in dem das Personal aber lieber Stundenlang quatschend in der Ecke stand und auch auf Anfrage nicht behilflich sein wollte. Sowas toleriere ich nicht mehr, da gehe ich einfach.
  • …in einem Karstadt-Instore, dessen Aushilfsverkäuferin sich meine Anforderungen genau anhörte, um sie dann zu ignorieren und Glattlederhalbschuhe mit glatter Ledersohle zu empfehlen. Ich suche zivilisierte Wanderschuhe, sie empfiehlt Tanzschuhe.
  • …vor einer Reno-Filiale (die Bama verkaufen). Reingehen konnte ich leider nicht, wegen Umbau sind die frür vier Wochen geschlossen. Die Reno-Website wiederum ist so kaputt, dass ich nichtmal sehen kann, ob die gerade was ansprechendes im Programm haben.
  • …in einem Nobelschuhgeschäft, dass mir allen Ernstes und trotz vorher geäußerter Preisvorstellung Schuhe aus Yakleder für 260,- Euro verkaufen wollte. Immerhin: Die passten super.
  • …in einem Schuhgeschäft, in dem die Verkäuferin fragte, was eine Membran sein und was ich damit wolle. Sie hätte keine Schuhe damit, aber sie könnte mal gucken, ob man die als Zubehör extra bestellen könnte.
  • …in dem Schuhgeschäft mit dem Nummerngirl, das bei Zalando bestellt.
  • …in vielen, vielen Schuhgeschäften in denen es nur quietschbunten Scheiß gab. Vermutlich wollen Schuhdesigner ausprobieren, mit welchen Hässlichkeiten Menschen wohl noch rumzulaufen bereit sind.
  • Während dieser kleinen Odysee habe ich ernsthaft das Gefühl, dass in Schuh- und Klamottenläden mehrheitlich nummernhörige Kundenvergrämerinnen arbeiten.

    Am Ende hatte ich dank Internet meine Suche auf zwei Modelle des Herstellers Ecco eingegrenzt. Die konnte ich sogar in einem Eccoladen vor Ort anprobieren, vor den Augen einer Verkäuferin, die die meiste Zeit glotzend in der Gegend stand und sich im “Verkaufsgespräch” sichtlich keine Mühe gab. “Nä, wenn die jetzt nicht passen wird das auch nix mehr, die weiten sich nicht”, oder “Nä, in Schwarz und Größe 7 kann ich die nicht bestellen”. Trotzdem habe ich dort ein Paar “Xpedition II” gekauft. Für 13 Euro mehr als im Internet, DENN ICH WILL JA DEN LOKALEN EINZELHANDEL UNTERSTÜTZEN. Wollen mal hoffen, dass sich die Eccos noch ein wenig einlaufen und das Zwicken an der Ferse und der Druck auf dem Spann im Laufe der Zeit nachlässt. Ach, ich werde nie mehr solche Schuhe finden wie meine Bamas. Ich weiß es.

    IMG_4342

    Obwohl. Ich glaube, die Bamas haben anfangs auch gedrückt. Von daher könnte das Nicht-Passen das Zeichen für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Oder dafür, dass ich aus schlichtem Unwillen, noch länger nach Schuhen zu suchen, gerade 125 Euro zum Fenster rausgeworfen habe.

    Abgrundbeleuchtung (1): Mauve
    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe Kaufen I
    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

     
     
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