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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Wird langsam (3)

Erkenntnis der vergangenen Woche: My, das ist noch VIEL Arbeit bis die neue Wohnung fertig ist. Mittlerweile ist alles umgemeldet und bereit zum Umschalten, magisches Datum ist Freitag, der 12.12. Danach stehen Restarbeiten an. ich habe das Gefühl diesem Datum entgegen zu trudeln oder besser: Darauf zuzustürzen. Viel zu schnell als das ich bis dahin alles schaffen könnte was noch ansteht.

Zum Glück ließ sich vergangene Woche ein Tag frei einrichten, und der war auch dringend nötig.
Einen Einkauf beim Elchhändler später konnten 30 weitere Regalböden verbaut werden und das Arbeitszimmer damit komplett umziehen. Schon merkwürdig: Die neue Wohnung ist noch in jedem Raum Baustelle, aber wenn ich die eine Tür öffne – dann stehe ich mitten in meinem Arbeitszimmer, das fast so aussieht wie vorher aber am falschen Ort ist und sich irgendwie fremd anfühlt. Früher hatte es honigfarbene Holzdielen, jetzt Birkenlaminat. Es sind diese Details, die dafür sorgen, dass es sich gerade anfühlt als wäre es mein Arbeitszimmer aus einem Paralleluniversum.

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Außerdem habe ich einige der merkwürdigen Hinterlassenschaften des Vormieters beseitigt, von denen immer neue aufzutauchen scheinen. Gipfel des Irrsinns: eine Armatur für ein Vorhängeschloss. An der Balkontür. AUßEN an der Balkontür. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem das wirklich sinnvoll ist.

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Einen Teil des Novembers hatte ich damit verbracht einen Kleiderschrank zu planen. Ikea hat dafür ein nettes Tool, mit dem man sich alles so hinschieben kann wie man es braucht und dann spuckt es einem die Liste der einzukaufenden Teile aus. Sowas zu planen ist eine Sache, es zu bauen eine andere.

Ich mag Ikea-Möbel ja sehr. Die sind wie ein großes Überraschungsei oder ein Legobausatz für Erwachsene: Viel Bastelei nach Anleitung, und wenn man sich nur an die hält, wird auch was draus. Ich erinnere mich noch mit Grauen an den Tag im Jahr 1989, als für einen Teil meines Konfirmationsgeldes mein “Jugendzimmer” geliefert wurde. Schrankwand mit Schreibtisch, Bett, Kleiderschrank und Sideboard sollten das sein. Theoretisch. Praktisch wurde ein Haufen Sperrholz geliefert, mit einer unverständlichen Kauderwelschanleitung. Der Aufbau erforderte jede Menge Zusägen, Leimen und Bohren, und wäre mein Großvater nicht Tischler gewesen, dieses Zimmer hätte vermutlich erst gestanden als ich aus der Pubertät schon wieder draußen war.

Ikea ist da viel einfacher, aber im Fall eines Kleiderschranks doch aufwendig. Allein das Gewicht ist heftig: Über 50 Kilo wiegt allein der Korpus, die Türen und die Innenausstattung ungefähr sie Hälfte. Außerdem muss sehr genau gearbeitet werden, damit die Türen nicht später drei Zentimeter Versatz haben oder die ganze Kiste umfällt. Genau Arbeit und sperrige, schwere Dinge exakt zusammenfügen, dass ist schon eine logistische Herausforderung wenn man allein arbeitet. Ich weiß, dass ich mir jederzeit Hilfe hätte holen können, aber einige Hilfskonstruktionen sorgten dafür, dass ich es auch allein geschafft habe. Anders als die Anleitungen behaupten IST es möglich die Riesenschränke allein aufzustellen.

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Am Ende ist es genau so geworden wie ich es mir vorgestellt hatte. Sieht nicht übel aus und ist vor allem funktional mit Attention to Details: Die Türen und Schubladen gleiten ganz langsam zu, es gibt einen Glasboden, unter dem Uhren, Manschettenknöpfe und Krawatten in einem eigenem Boden liegen, und die sich ständig vertüddelnde Bettwäsche hat einen eigenen Korb, in dem sie sich so viel vertüddeln kann wie sie will. Der Zeitaufwand war allerdings heftig. Als ich den Bogen raus hatte, dauerte ein Korpus nur noch eine Stunde, aber bis alles stand, Türen dran waren und das Innenleben eingebaut war, dauerte es in der Summe eineinhalb Tage. Der Rest des Wochenendes ging für Bodenpflege drauf: Das Parkett und das Laminat wurden sorgfältig gesaugt, gewischt und anschliessend mit einer Intensivppflege versiegelt. Das ist so Profizeug, bekommt man als Endkunde gar nicht zu kaufen, das schenken einem meine Vermieter beim Einzug.

In der Summe recht erfolgreiche drei Tage. Allerdings kann ich jetzt nicht mehr laufen. Der rechte große Zeh brüllt bei jedem Schritt vor Schmerz. Entweder mochten es die Gelenke nicht, dass ich drei Tage in einer unbeheizten Wohnung rumgekrautet habe, oder er nimmt es mir Übel, dass ich Schränke auf ihm abgelegt habe.
Nunja. Ein wenig Verlust ist immer.

 
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Verfasst von - 7. Dezember 2014 in Gnadenloses Leben

 

Wird langsam (2)

Kurzer Zwischenstand von der Baustelle: Wände sind gestrichen, alle Steckdosen und Lichtschalter wieder montiert und ein Teil des Streichmülls schon entsorgt. Außerdem weiß ich jetzt wie man Löcher in Holz repariert. Der Vormieter war ein Mann für´s grobe und hat nicht nur hunderte Nägel und Schrauben, und damit auch Löcher, in den Wänden zurückgelassen, sondern auch in den Tür- und Fensterrahmen. Am krassesten hatte es den Fensterrahmen im Schlafzimmer getroffen. Ich hatte mich gewundert, dass es durchs geschlossene Fenster so zieht – bis ich dann zwei Löcher mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern im Rahmen entdeckte. Hatte der Kerl irgendwelche Kabel durch verlegt. Jetzt sind die Löcher zu und alle Fensterrahmen neu lackiert.

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Außerdem hat IKEA mehrere Festmeter Holz hier abgeworfen. Meine bisherigen Bücherregale waren eigentlich Lagerregale, die ich seit meiner ersten Studentenbude mit mir rumschleppe. Da das neue Arbeitszimmer kleiner ist als das alte, mussten neue und höhere Regale her. Aus Kostengründen bin ich dann tatsächlich -nachdem ich dort jahrelang nichts gekauft hatte- wieder bei den Elchköppen gelandet. Ein erster Überschlag ergab, dass ich allein für die Regale ca. 50 Böden brauchen würde. Außerdem lege ich mir zum ersten Mal einen richtigen, großen Kleiderschrank zu. So ein “Pax” -Korpus wiegt allein mal lockere 52 Kilo, und ich brauche allein drei davon, das wollte ich nicht unbedingt selbst schleppen. Mal abgesehen davon das mehrere Einkaufsgänge nötig gewesen wären. Also eine Spedition beauftragt. Kostet zwar Geld, aber nicht so viel als wenn ich selbst einen Transporter mieten und einen Tag frei nehmen würde.

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Nur ein kleiner Teil der Lieferung.

Nur ein kleiner Teil der Lieferung.

Die Arbeiten am neuen Arbeitszimmer haben schon begonnen. Dabei hat sich dann rausgestellt, dass die 50 Böden mal gerade für zwei Drittel reichen. Muss ich wohl nochmal zum schwedischen Möbelhaus. Ich mache drei Kreuze wenn alles fertig ist. Aber dann werde ich PLATZ haben, SO VIEL PLATZ. So sieht das ehemals rosa Puffzimmer jetzt aus:

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Seit heute ist auch Vertragstechnisch alles gesichert. In den kommenden zwei Wochen kann ich mich jetzt um die Entsorgung der Altlasten des Vermieters kümmern, Stück für Stück Dinge fertig machen und langsam umziehen. Das muss alles Abends und am Wochenende passieren und ist zeitlich etwas auf Kante genäht, aber …es wird.

 
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Verfasst von - 2. Dezember 2014 in Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: November 2014

Herr Silencer im November 2014
Pax

Wetter: Zu Beginn 15 Grad warm und sonnig, ab Monatsmitte 5-12 Grad, Monatsende um die Null Grad oder drunter. Insgesamt sehr trocken.
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Lesen:

Jasper Fforde: The Eyre Affaire [Kindle]
In einem Paralelluniversum, in dem Käse illegal und die Bevölkerung lesesüchtig ist: Thursday Next ist bei der Literaturpolizei. Normalerweise jagt die hartgesottene Kommissarin und Kriegsveteranin Fälscher von Sonetten oder argumentiert gegen Baconisten. Das ändert sich, als sie in eine Jagd nach einem Meisterverbrecher hineingezogen wird, der unsterblich scheint, nach belieben Menschen manipulieren kann und im Vorbeigehen und aus Spaß tötet. Aus der Jägerin wird schnell die Gejagte. Als Thursday Next in Lebensgefahr gerät, erfährt sie unerwartet Rettung durch Mr. Rochester, den Hauptdarsteller im Buch “Jane Eyre” von Charlotte Brontë. Er nimmt sie mit ins Buch, und das ist nur der Anfang einer skurrilen Reise.

Kaum hatte ich das Buch Kalesco als Reiselektüre empfohlen, überkam mich der Drang es selbst noch einmal zu lesen. Kannte ich bislang nur auf deutsch, natürlich ist es im Original nochmal witziger. Fforde hat in seinem Erstlingswerk von 2001 noch Ecken und Kanten, ganz zu sich selbst findet er erst in den Fortsetzungen. Nichts desto trotz ist auch die “Affaire Jane Eyre” schon ein ebenso spannendes wie skurriles Buch. Plock-Plock, wie der Dodo Pickwick sagen würde.
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Hören:
Beim tagelangen Renovieren haben mich Podcasts begleitet:

Die Mikrodilettanten [Podcast]
Un schlechter Qualität aufgezeichnetes Stammtischgesabbel ohne Nährwert. Stellenweise unterhaltsam.

Freakshow [Podcast]
Tim Pritlove-Vehikel. Pritlove-typisch moderiert er es nicht, weil er nebenbei andere Dinge macht, und lässt den Rest der Gruppe einfach reden. Das führt dann schonmal dazu, dass eine dreiviertel Stunde über ein Buch zu FreeBSD geredet wird. Allerdings immer nur die gleichen drei Sätze. Ermüdend, langatmig, größtenteils langweilig. Das versendet sich aber fast, denn der ganze Käse ist mehr als vier Stunden lang. Sowas hört man zum Einschlafen.

Bits & So [Podcast]
Unterhaltsamer Technikpodcast, stellenweise witzig.

Fanboys [Podcast]
Klassiker: Technik, Spiele und Konsum-Podcast aus München. Kompetent und unterhaltsam.
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Sehen:

Maleficient [BluRay]
Die Fee Maleficient wächst im La-la-Land auf. Dann wird sie von Menschen betuppt und so doll grummelig, dass sie die Tochter des Königs mit einem Fluch belegt: An ihrem 18. Geburtag soll die sich an einer Spindel stechen und sterben. Dann kommt aber alles anders.

Die amerikanische Dornröschenfassung wird hier aus einem neuen Sichtwinkel interpretiert: Warum wurde die böse Fee böse? Was ist ihre Motivation, warum handelt sie so? Großartig getrickster und gespielter Film, der mit erstaunlich ruhigen und nachdenklichen Tönen daherkommt. Alleine Angelina Jolie als Maleficient ist das Ansehen wert.

Grand Budapest Hotel [PSN]
Ein fiktives Grandhotel in einem fiktiven Landstrich zur Zeit eines fiktiven Kriegs: Concierge Ralph Fiennes hat sein Haus und die Gäste im Griff. Das ändert sich, als der Verdacht aufkommt er habe eine reiche Besucherin des Hotel ermordet, und sich deren faschistischen Erben an seine Fersen heften.

Abgefahren-surrealer Film, der wirkt, als würde er in der gleichen Welt wie “Lemony Snickets Rätselhafte Geheimnisse”, “Delikatessen” oder “Amélie” spielen. Alle Charaktere sind wild überzeichnet, die Geschichte schräg und die Ausstattung pompös. Der Film macht in erster Linie viel Spaß, und die Überzeichnung macht die Hintergrundthematik (Sudetenlandkonflikt, zweiter Weltkrieg) nicht nur erträglich, sondern entlarvt sie auch: Als Kindergartenkonflikt verbohrter Egoisten.

Veronica Mars, Staffel 01 [DVD]
Veronica Mars ist 17 und Tochter eines Privatdetektivs und einer verschwundenen Alkoholikerin. Sie geht auf eine Highschool, die sowohl von superreichen Kids als auch von Schülern aus armen Verhältnissen besucht wird. Dort passieren immer wieder Dinge, und Veronica ermittelt als Juniordetektivin.

Hört sich bescheuert an, ist aber eine der erfrischendsten Serien, die ich in den letzten Jahren gesehen habe – und dabei ist die von 2004! Kristen Bell, die ich als Lucy aus “Assassins Creed” kannte, spielt die Hauptrolle der cleveren, toughen Juniordetektivin, die anderen immer einen Schritt voraus ist. Dabei schlägt die Serie, trotz der leichten Inszenierung, sehr ernsthafte und erwachsene Töne an. Veronica ist deswegen so tough und bemüht sich immer besser zu sein als alle anderen, weil sie von ihren eigenen Dämonen geplagt wird: Dem Verschwinden ihrer Mutter, dem Geheimnis um den Mord an ihrer besten Freundin und dem Trauma einer Vergewaltigung unter Drogen. Reichlich harter Stoff für eine Jugendserie. Aber es kommt noch besser: Die Highschool, traditionell in US-Serien das Vehikel für harmlose Konflikte mit Lehrern und Cheerleadern, dient hier als Hintergrund für soziale Konflikte zwischen Spoiled Brads und Ghettokids. In der Summe ist das wirklich interessant, spannend und gut gemacht. Die Welt bräuchte mehr so emanzipierte Serienheldinnen vom Schlag einer Veronica Mars.

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Spielen:

Watch Dogs: Bad Blood [PS4]
Nachdem sich die Aufregung um Aiden Pearce in Chicago langsam legt, gerät T-Bone ins Visier der Blume Corporation. Gemeinsam mit dem verrückten Tobias Frewer versucht er herauszufinden warum man den beiden ans Leder will.

Der DLC zu Watchdogs hat lange auf sich warten lassen. Geliefert wird eine spannende und umfangreiche Geschichte, die besser inszeniert ist als das Hauptspiel – Grummelfreak T-Bone und der Suchti Frewer sind interessanter als die Rauhfasertapete Aiden Pearce, und die Geschichte ist gut erzählt und füllt einige Lücken des Hauptspiels. Dazu kommen neue Gimmicks, wie das ferngesteuerte Auto, mit dem man aus der Ferne hacken kann. Nichts weltbewegendes, das im Gedächtnis bleiben würde, aber nette Unterhaltung und die 10 Euro allemal wert.

Far Cry 3 [PS3]
Ein Jugendlicher eiert mit seinen neureichen Freunden über eine tropische Insel und wird dabei von Piraten gefangen genommen. Der Typ flieht, wird von den Einheimischen zum Krieger ernannt, unter Drogen gesetzt und räumt dann im Alleingang unter den Piraten auf.

“Far Cry 3″ habe ich lange gemieden, weil es einem gleich zu Anfang sein ganze Repertoire in die Fresse haut. Wie ein Jahrmarktschreier brüllt es einem entgegen: Laufen! Schießen! Schleichen! Ablenken! Waffen! Fahren! Jagen! Crafting! SkillPoints! Blumensammeln! Tätowierungen! Wettrennen! Customisation! Artefakte! Stützpunkte einnehmen! Freunde befreien! Briefe sammeln! Funktürme hochklettern!

Das alles prasselt in den ersten Minuten auf den Spieler ein, und sorgt für das Gefühl gepflegter Überforderung. Das machen Spiele wie AC:U oder Arkham City zwar auch nicht besser, aber nie so kontextlos und in so schierer Masse wir FC3. So viel auf einmal zu lernen ohne zu wissen warum, das schreckt ab.

Nach einiger Eingewöhnung hat man dann verinnerlicht, was das Spiel von einem will, und stellt schnell fest: Das meiste ist Mumpitz, den man machen kann, aber nicht muss. Konzipiert ist das Spiel mit einem Open World-Ansatz, der aber im Fall von Far Cry 3 nur heisst: Es gibt eine große Karte, die man jederzeit frei bereisen kann, und jede Menge unzusammenhängende Rummelaktivitäten. Ansonsten passiert nicht viel, die tropische Inselwelt sieht hübsch aus, leben tut sie aber nicht. Es gibt keine Random Events oder zusammenhängende Nebenquest, die z.B. in Red Dead Redemption für eine glaubhafte Welt sorgten. Far Cry 3 fällt hier in zwei Teile auseinander: Einerseits ist die Welt grafisch sehr realistisch, andererseits ist sie unbelebt und künstlich. Höhepunkt der Immersionbrechung: Im Urwald liegen Steine herum, auf denen riesengroß die Highscores von Onlinespielern stehen.

Von der Geschichte her ist FC3 ein echtes Ärgernis. Es gibt nur eine Story, und die ist streng linear und stellenweise fürchterlich banal. Entscheidungsfreiheit und Auswirkungen gibt es nicht, und auch hier hat das Spiel wieder das Problem mit der Glaubwürdigkeit: Die Geschichte um mystische Tattoos, drogenvernebelte Krieger, wilde Piraten und Sklavenhändler ist so dermaßen verquast und so schlecht erzählt, dass man sich unweigerlich fragt, ob das hier jetzt Satire sein soll. Dabei gibt es durchaus Highlights: Piratenführer Vaas ist so gut gelungen, dass Ubisoft ihn als Blaupause für den Bösewicht in Far Cry 4 hergenommen hat, und das Thema “kann man nach solch traumatischen Erlebnissen noch in die gewohnte Zivilisation zurückkehren” ist durchaus ernsthaft. Allein, es geht alles unter im Gewalt- und Mystikbrei.
Wirklich gut funktioniert das Gameplay, als Shooter und Fahrsimulation macht FC3 eine gute Figur.

Unterm Strich ein netter Shooter mit guter Grafik, der mit viel zu vielen bedeutungslosen Sammel- und Fleißaufgaben nervt und dessen Geschichte verworren ist.

Assassins Creed: Rogue [XBOX 360]
More of the same im Nordatlantik, http://silencer137.com/2014/11/25/review-assassins-creed-rogue-2014/

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Machen:
Renovieren.
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Neues Spielzeug:
Eimer voll Farbe zählen wohl nicht? Na dann: Diehttp://silencer137.com/2014/11/16/assassins-creed-unity-guillotine-collectors-case-edition-unboxing/
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. November 2014 in Momentaufnahme

 

Letzte Meile

Umzug heisst auch: Telefon und Internet muss umgemeldet werden. Läuft ja normalerweise so: Man füllt Formulare im Netz aus, bekommt dann per Post Bestätigungsschreiben, muss die unterschrieben zurückschicken, bekommt dann einen groben Termin genannt der mit Sicherheit NICHT passt (Am 24.12., irgendwann zwischen 07.00 und 14.00 Uhr), muss sich quasi einen Tag frei nehmen, und dann kommt der Techniker entweder gegen 18.00 Uhr der gar nicht.

Ich bin bei einem kleinen, lokalen Telefonanbieter. Der ist ein paar Euro teurer als die großen Konzerne, und schnelles 50 MB-Internet gibt´s auch nicht, weil weder Vectoring noch Glasfaser gemacht werden kann. Aber dafür können die anderes: Zum Beispiel den Internetanschluss per Handarbeit und über Wochen auf die maximal machbare Geschwindigkeit testen und einregeln, was dazu führt, dass ich zumindest DSL6000 habe, in einer Nachbarschaft, in der die Telekom alles über 2000 für unmöglich hält.

Und was sie auch können: Einen Termin machen und einhalten. Ein Anruf, sofort und ohne Warteschleife beim richtigen Ansprechpartner gelandet, für den Folgetag für 13.30 Uhr verabredet.

13.29 Uhr fährt der Wagen vor. Leitungen werden gemessen, am Hausanschluss was umgesteckt, nach 10 Minuten ist der Käse gegessen.

SOLCHE Leistungen sind mir die paar Euro pro Monat durchaus wert, die finanzieren nämlich fähiges Personal, das gut organisiert ist. Und DSL6000 reicht vorerst auch noch.

 
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Verfasst von - 27. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bis einer heult (2)

“Ist alles in Ordnung?”, frage ich. Durch den kleinen Spalt, den sie ihre Haustür geöffnet hat, sieht mich meine Vermieterin irritiert an. Sie hat Tränen in den Augen.

Frau Holzer ist 96 Jahre alt. Körperlich ist von ihr nicht mehr viel übrig. Sie ist ein mageres, gebrechlich aussehendes Mütterchen, die Jahre haben sie auf 1,50m Körpergröße geschrumpft. Ihr Mann ist genauso alt wie sie. Geistig sind beide Holzers noch absolut klar, bis vor wenigen Jahren haben die beiden gelernten Buchhalter sogar noch Buchführung für kleine Unternehmen in der Umgebung gemacht.

“Kommen Sie rein”, sagt sie und öffnet ihre Wohnungstür, während sie vorsichtig ins Treppenhaus lugt. Ich betrete das Wohnzimmer, und wir setzen uns an einen großen Buchentisch mit Marmorplatte.

“Die machen mich total fertig, ich weiß gar nicht mehr was ich noch machen soll”, sagt Frau Holzer und lässt jetzt den Tränen freien Lauf. Es tut mir fast körperlich weh, die alte Frau so aufgelöst zu sehen. Auf dem Tisch liegt noch der Brief vom Bundespräsidenten, den die Holzers vor wenigen Tagen bekommen haben. Joachim Gauck gratuliert ihnen darin zur Eisernen Hochzeit. 65 Jahre sind die beiden jetzt verheiratet. Der Brief hat noch einmal schmerzlich bewusst gemacht, dass es keinen nächsten Hochzeitstag mehr geben wird. Herr Holzer hat Lungenkrebs, und bei einem 96jährigen ist eine Therapie weder sinnvoll noch möglich. Er hat nur noch wenige Wochen, vielleicht nur noch Tage.

“Können sie sich das vorstellen? Die haben mir mit dem Anwalt gedroht! Mit dem Anwalt!”, schluchzt Frau Holzer und setzt ihre Lesebrille ab, um sich die Augen mit einem Stofftaschentuch abzutupfen.

“Die” sind dieses merkwürdige Paar, das über mir eingezogen ist. Und ja, kann ich mir vorstellen das die gedroht haben, ich habe es sogar mitbekommen. Ich war nämlich unfreiwilliger Ohrenzeuge. Als ich heute Abend nach Hause gekommen bin, standen gleich vier Leute in der Eingangshalle um Frau Holzer herum. Ein sicher zwei Meter großer und 120 Kilo schwerer Mann Anfang zwanzig, eine 1,60m große Frau, die aussah wie 16, und ein Paar Anfang 50 guckten mich dullig an, bis ich die Treppe hinauf verschwunden war. Der riesige Kerl und die kleine Minderjährige sind wohl das neue Mieterpärchen.

Offensichtlich hielten sie gerade inne, in einem schon länger dauernden Gespräch. Kaum war ich außer Sichtweite, legten sie wieder los. Zu viert redeten sie auf die kleine Frau Holzer ein, und durch die geschlossene Wohnungstür hörte ich Fetzen wie “Wir bleiben auf den Kosten nicht sitzen!”… “Wir werden sie verklagen…” “…Lebensgefährlich…” “…Mietminderung…”.
Bis ich irgendwann die Tür von Frau Holzers Wohnung zufallen hörte und die Vierergruppe unter empörten Geschnatter durch das Treppenhaus nach oben getrampelt war. Weil ich weiß, wie schlecht es den Holzers gerade geht, musste ich jetzt erst mal schauen ob alles in Ordnung ist, und deswegen habe ich bei den beiden geklopft.

“Was bitte haben “die” denn für ein Problem?”, frage ich, während Frau Holzer sich umständlich schneuzt und tief durchatmet. Die Holzers sind die besten Vermieter, die man sich vorstellen kann. Wenn man bei Holzers wohnt, zahlt man sehr wenig Miete, weil sie mit der Vermietung nicht reich werden, sondern nur ihr Haus erhalten wollen. Wichtig ist ihnen ein gutes Klima im Haus: Alle sechs Parteien sollen gut miteinander auskommen und miteinander leben können, alles andere ist nachrangig.

Ist irgendwas zu reparieren, sagt man einfach Bescheid, und am nächsten Tag steht der Handwerker vor der Tür. Hat man einen Wunsch, erfüllen sie ihn, falls möglich. Wohnen bei Holzers, das heisst: Sie mischen sich in nichts ein, bieten aber Service. Beim Einzug hilft Klempner Holger die Waschmaschine anzuschließen und erklärt einem die Heizung, die über Raumthermostate gesteuert wird, und Elektrikermeister Börne hilft auf Kosten der Holzers beim Anschluss von großen Elektrogeräten. Bessere Vermieter sind sicher schwer zu finden, deswegen wundert es mich doch sehr, dass die Mieter, die gerade mal sechs Wochen hier wohnen, mit Mietminderung und Rechtsanwalt drohen.

“Deren Problem”, sagt Frau Holzer und rückt ihre Brille zurecht, “ist, dass sie fürchterlich gewöhnlich sind”.

Gewöhnlich. Was für ein schöner Ausdruck. Der Wortfan in mir jubiliert. Frau Holzer drückt es nochmal anders aus, für den Fall, dass ich mit dem altmodischen Ausdruck nichts anfangen kann: “Die sind so doof wie er lang ist. Die meinen alles selbst machen zu können, dabei können die nix! Die haben unseren Holger weggeschickt und Herrn Börne auch. Und dann war es kalt und die Heizung ging nicht, und ich musste einen Notdienst rufen, am Wochenende. Und was war? Die waren zu doof die Thermostate zu bedienen. Hatten alles verstellt, aber von Holger wollten sie sich ja nichts zeigen lassen. Und jetzt…”, sie schnauft kräftig und holt Luft, “Jetzt wollen die von mir einen neuen Herd haben!”

“Wieso das?”, will ich wissen. “Weil die dumm sind! Die hatten einen Herd, haben den selbst angeschlossen und Bumm, war der kaputt. Dann sind die losgefahren und haben noch einen Herd gekauft, haben den genauso angeschlossen, Bumm, auch kaputt. Ich habe Herrn Börne Bescheid gesagt, der hat alles geprüft und hat eine Überbrückung im Anschluss gefunden. So ein Kabel, dass da nicht hingehört. Dadurch hat der Herd 400 Volt in die verkehrte Buchse gekriegt. Aber DIE behaupten jetzt, die ganze Hauselektrik wäre verkehrt und auf allen Steckdosen wäre Starkstrom. Ich soll denen den zweiten Herd bezahlen, dafür würden sie mir auch den ebenfalls kaputten Kühlschrank erlassen, und sie würden mich auch nicht verklagen, weil ich sie in Lebensgefahr gebracht habe und sie beinah gestorben wären und jetzt keine Freude mehr am Leben haben, weil sie in ständiger Angst leben.”
“Wie großzügig”, sage ich. Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

“Das ist so gewöhnlich“, stöhnt Frau Holzer. “Mein Mann liegt nebenan und stirbt, und die machen mich fertig mit so einem Tinneff, nur weil sie zu dumm sind. Ich habe die gebeten wieder auszuziehen, wenn sie so unzufrieden sind, aber das wollen sie nicht. Sie wollen Geld von mir oder klagen”.

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, mir tut die alte Frau einfach nur leid. Niemand hat es verdient sich mit so dummen Leuten rumärgern zu müssen. Das Problem mit dummen Leuten ist ja meistens, dass sie sich selbst vollkommen überschätzen (der Kruger-Danning-Effekt) UND sich immer im Recht wähnen und das, dank Rechtsschutzversicherung, auch ohne Rücksicht durchzusetzen versuchen. Das kostet Zeit und Nerven, mal abgesehen davon, dass es einfach für schlechtes Karma sorgt.

“Wir wollen doch nur, dass alle zufrieden sind”, seufzt Frau Holzer. “Und die machen mich so fertig… naja, morgen bekommen die erstmal Briefe”, sagt Frau Holzer, “Herr Börne ist auch Gutachter, der hat den Pfusch fotografiert und dokumentiert und schreibt denen, dass alles in Ordnung war bis die dran rumgefummelt haben. Dann schreibt ihnen noch unser Versicherungsbüro. Müssen die ja nicht wissen, dass der Chef davon der Neffe vom Bruder unseres Horsts seiner Marion ist. Darin wird er alle Ansprüche verneinen. Und wenn das nicht hilft, dann würde ich ihnen Bescheid sagen.”

“Mir?”, frage ich erstaunt. “Ja, sie können mal bei Ihrer Arbeit eine Etage tiefer gehen, und dem Anwalt, der dort sein Büro hat, Bescheid sagen, dass seine Frau ihre Großtante ihre Schwester ihre Elisabeth hier ein paar Lümmel hat, die den Hintern versohlt brauchen. Und wenn er ihnen dabei noch ein blaues Auge verpasst oder versehentlich die Nase bricht, habe ich da auch nichts dagegen.”

Jetzt lächelt Frau Holzer kämpferisch. Die Frau hat einen Krieg überlebt, drei Kinder aufgezogen und Unternehmen geführt und gecoacht. Außerdem sollte man IMMER vorsichtig sein sich mit Leuten anzulegen, die einem über siebzig Jahre Lebenserfahrung voraus haben. Ich bin kurz am Überlegen, ob mir die “Gewöhnlichen” leid tun sollten.

“Warum schütteln sie den Kopf?”, fragt Frau Holzer. “Ach nichts”, sage ich und denke: Was zählt ist, wer am Ende heult.

 
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Verfasst von - 20. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Wird langsam

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Man könnte ja denken das ich dieser Tage einfach nur auf der Couch rumliege und Assassins Creed spiele bis mir die Augen zufallen. Das würde ich auch gerne, aber gerade ist anderes wichtiger. Stattdessen bin ich nach Feierabend und insb. an den Wochenenden mit dem Renovieren einer neuen Wohnung beschäftigt.

Kurioses Fundstück: Die Klingel der Wohnung trägt unter der Abdeckung den Hinweis, man möge sie nicht ölen.

Kurioses Fundstück: Die Klingel der Wohnung trägt unter der Abdeckung den Hinweis, man möge sie nicht ölen.

Ich mache das ganz alleine. Schon meine jetzige Wohnung habe ich vor dem Einzug im Alleingang renoviert. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen damals und heute. Vor drei Jahren war diese Arbeit ein Teil einer ganz persönlichen Buße. Bis zum Umfallen auf der Leiter zu stehen und am Ende des Tages vor Muskelschmerzen keine Bewegung mehr machen zu können war sowas wie eine Selbstbestrafung. Ich hatte gerade eine Beziehung beenden müssen und einem geliebten Menschen damit sehr weh getan, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich keine Hilfe bei dem Weggang verdient hätte.

Stattdessen musste ich durch Renovierung allein durch, als ob das ein Weg zur Absolution wäre. Tatsächlich war es der Ausweg aus einer ganz persönlichen Hölle. Ich war damals ohne ein eigenes Zuhause, ohne einen ganz eigenen Rückzugsort, und das ist für eine eher introvertierte Persönlichkeit so ziemlich das Schlimmste was es gibt. Die Renovierung der Wohnung war nicht nur Buße, sondern auch ein Sinnbild dafür, wie ich mir Stück für Stück einen neuen Ort für mich selbst und einen anderen Lebensentwurf baute.

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Seitdem ist die jetzige Wohnung ein Zuhause geworden. Die neue Wohnung renoviere ich jetzt wieder allein, weil sie so fremd ist. Mein jetziges Zuhause gefällt mir gut, es ist MEIN, und die neue Wohnung ist das nicht. Sie riecht noch nach anderen Leuten und Zigarettenrauch, zum Teil stehen noch Möbel und Pflanzen der Vormieter herum, die Wände sind rosa und gelb und grün.

Ich brauche die Zeit während des Renovierens, um die neue Wohnung in Gedanken zu meiner zu machen. Steckdosen und Schalter demontieren, alles abkleben, alte Nägel und Dübel entfernen, Löcher verspachteln Ecken und Kanten vorstreichen, dann die Flächen und schließlich die Decke streichen. Ich hasse es Überkopf zu arbeiten, aber Pinselstrich für Pinselstrich und Rolle für Rolle akzeptiere ich die neuen Räume ein wenig mehr, und mit jedem zugespachtelten Loch und jeder reparierten Steckdose kann ich mich mehr damit anfreunden hier einzuziehen. Das klappt so gut, dass die anfängliche Skepsis schon einer leichten Vorfreude gewichen ist. So langsam wird die Wohnung und auch meine Einstellung zu ihr, und das ist gut und wichtig. Dafür muss dann der Ausflug in die Welt von Unity noch ein wenig warten.

Wird lansam.

Wird lansam.

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Teleskopdings mit Farbtank im Stiel. Die Farbe pumpt man durch die Rolle raus. Hört sich gut an, funktioniert aber so unpräzise, dass man sich das auch echt sparen kann.

Teleskopdings mit Farbtank im Stiel. Die Farbe pumpt man durch die Rolle raus. Hört sich gut an, funktioniert aber so unpräzise, dass man sich das auch echt sparen kann.

 
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Verfasst von - 19. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Bis einer heult

Ich finde es total super, wenn Paare eine eigene und auf ihre Weise zivilisierte Streitkultur haben. Es ist das höchste Achievement, was man in einer Beziehung erreichen kann: Aussprechen was einen stört, sich so richtig streiten das die Fetzen fliegen OHNE dabei persönlich zu werden, und sich anschließen wieder zu vertragen ohne jemals nachtragend zu sein. Das ist so unfassbar schwierig, dass es kaum jemand hin bekommt.

Das Paar, dass als Nachfolger in der Wohnung über mir eingezogen ist*, kenne ich nicht. Unser Haus ist nicht groß, die wohnen da schon zwei Monate, aber irgendwie sind wie uns noch nicht einmal über den Weg gelaufen. Sie trampeln nicht, aber sie pflegen ihren ganz eigenen Tagesablauf: Morgens brüllt Er Sie an, Abends Sie Ihn. Das ist Streitkultur.

Allerdings kann das keine gesunde Form des Streitens sein, denn die beiden treiben das so weit bis einer heult. Damit ist der Streit aber nicht vorbei, denn nun stellt sich der Agressor/die Agressorin daneben und verhöhnt denjenigen/diejenige der/die gerade in Tränen ausgebrochen ist. Ein erniedrigendes Schauspiel.

Die beiden sind ein junges Paar, zum ersten Mal zusammengezogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die den jetzigen Zustand noch lange durchhalten wollen, ist mir auch egal und geht mich nichts an. Was bleibt ist die Feststellung, dass es gar nicht einfach ist, ein junges Paar als Mieter zu finden, das auch alle Latten am Zaun hat.


* Als Nachfolger der Trampeltiere, die, wir erinnern uns, das Haus so hassten, dass sie alle Wut der Welt am Fußboden ausgelassen haben. Zum Glück sind die Trampeltiere nach vier Wochen ausgezogen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass zu einer Kaltmiete auch Nebenkosten kommen.

 
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Verfasst von - 18. November 2014 in Gnadenloses Leben

 
 
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