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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Momentaufnahme: August 2014

Herr Silencer im August 2014
Eigentlich is ja Moppedwetter

Wetter: Zum Monatsbeginn mit um die 30 Grad sehr warm, am 04. sintflutartige Regenfälle, um den 20. rum herbstlich-kühle 13 Grad und Sturm, Ende des Monats Nebel bei 7 Grad. Von Hochsommer zu Herbst in vier Wochen.
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Lesen:

Tim Parks: Italian Ways: On and Off the Rails from Milan to Palermo
Die italienische Bahn, und warum sie so ist wie sie ist. Parks beleuchtet die Rolle eines Verkehrsmittels, das mit der italienischen Volksseele unvereinbar ist und nur gebaut wurde, weil es in der Vereinigungszeit politisch gewollt war. Heute mag niemand die Bahn, aber sie wird gebraucht und genutzt um Posten zu verteilen, um bei Mama und Papa wohnen bleiben zu können, während die Arbeitsstelle am anderen Ende des Stiefels liegt, und um die Inflation in den Griff zu bekommen. Teuerungstatistiken sind an die Preise der Regionalbahnen geknüpft, was die günstigen Ticketpreise erklärt. Daneben gibt es feine Beobachtungen von Menschen und Situationen aus 20 Jahren Pendelei zwischen Verona und Mailand.

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Hören:


Yann Tiersen Ameliè (Soundtrack) [MP3]
Nette Melodien, passen im Film perfekt zu den Bildern. Für sich allein kann man das aber nicht lange hören bis es nervt.

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Sehen:

Moulin Rouge [DVD]
Knallbunter Quatsch, keine Ahnung wie sowas zustande kommt. Vorheriger Drogenkonsum sinnlos, durch die wirbelnden Bilder wird einem auch so schlecht.

The Winter Soldier [BluRay]
Wie kann es eigentlich sein, dass eine Comicverfilmung das EINZIGE Blockbustermedium ist, der ein klares Statement zum Überwachungswahn und eine Haltung zu wuchernden Geheimdiensten hat? Captain America, eigentlich eine absolut alberne Comicfigur, trägt hier einen Film mit durchaus düsteren Momenten, der allseitige Überwachung “zur Sicherheit” und “gegen Terroristen” als Einschränkung der Freiheit problematisiert. Sehr sehenswert.

Operation Walküre [Watchever]
Die Geschichte des Graf von Stauffenberg, dem Attentat auf Hitler und wie die Verschwörer mit einem geheimen Heer fast Berlin einnahmen. Kannte ich noch nicht. Sehr sehenswert, nicht mal Tom Cruise stört.

Egde of Tomorrow [Konserve]
Nochmal Tom Cruise. In der Zukunft wird die Erde von egalen Viechern angegriffen. Tom Cruise ist ein schnöseliger Propaganda-Man. Als der einem General dumm kommt, schickt der ihn zum D-Day an die Front. Irgendwas geht dabei schief, und Cruise muss den gleichen Tag immer und immer wieder erleben wenn er stirbt. “Edge of Tomorrow” ist eine Mischung aus “Starship Troopers” und “Täglich grüßt das Murmeltier” – und zwar eine verdammt gut gemachte! Alleine die vielen Tode des Tom Cruise sind schon sehenswert, aber erst die verschiedenen Zeitverläufe und das Mitfiebern (hat er eine Chance, dadurch das er den Tag auswendig lernt?) machen den Film zum Erlebnis. Dazu gibt es jede Menge Schauwerte und explodierende Sachen. Der beste Sci-Fi-Film seit Minority Report.

The Lego Movie [PSN]
Schlimmstes ADHS-Gehampel, größtenteils Slapstickhhumor. Kaum erträglich. Was den Film besonders macht: Die Liebe, die allerorten darin steckt. Der Helm des 80er-Jahre Astronauten, der genau dort gebrochen ist, wo die Dinger IMMER kaputt gegangen sind. Die Geschichte. Das Ende.
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Spielen:

Infamous 2 [PS3]
Cole ist Fahrradkurier und fährt Dinge von A nach B. Eines dieser Dinge explodiert, und seitdem hat er Superkräfte. In Infamous, dem ersten Teil der Reihe, entdeckte man diese Kräfte und konnte sich entscheiden, ob man die zum guten oder zum Bösen einsetzen wollte. Das hatte Auswirkungen auf die Spielewelt und war recht unterhaltsam. Infamous 2 ist just more of the same. Statt durch New York flitzt man jetzt durch New Orleans, statt gegen die Polizei kämpft man nun gegen eine Miliz. Nett, graphisch schöner als Teil 1., spielerisch aber exakt das selbe.

Infamous: Second Son [PS4]
Delsin Rowe lebt in den Tag hinein. Seine Hauptbeschäftigung ist die Anfertigung von Grafitti. Das ändert sich, als vor seiner Haustür ein Gefangenentransport verunglückt. Als er einem der Verunfallten helfen will und ihn berührt, verwandelt er sich in ein Rauchwölkchen. Und das ist erst der Anfang…
In der Welt von Infamous ist ein merkwürdiges Dingsi explodiert, und nun haben manche Menschen Superkräfte. Delsin kann die übernehmen, und gerät dadurch unversehens in einen Konflikt zwischen den Mutanten und einer staatlichen Armee, die alle Mutierten einfangen und wegsperren will. Klingt nach X-Men mit einem Schuß 1984, und ist storytechnisch gut erzählt. Spielerisch nur ein Aufguß der ersten “Infamous”-Teile: In repetitiven Aufgaben befreit man Stadtviertel um Stadtviertel von Besatzern, immer wieder. Das simulierte Seattle sieht auf der PS4 natürlich toll aus, und es macht einen irren Spaß als Rauchgeist, Neonblitz oder Videosignal durch und über die Stadt zu rauschen. Dabei hat man die Wahl, ob man seine Kräfte zum Wohl aller einsetzen will, oder doch lieber seine Wut auslebt und randaliert. Je nachdem wie man sich als Spieler entscheidet, verändert sich Delsin und die Stadt. Ist man gut, wird alles heller und die Menschen in den Straßen jubeln einem zu. Ist man böse, gibt es diabolische Ringe unter den Augen, die Stadt versinkt im Chaos und Passanten laufen schreiend davon. Seht kurzweilig, schön umgesetzt, aber beim “Third Son” bitte mehr spielerische Abwechselung. Wenn man es nämlich realistisch betrachtet, macht Sucker Punch hier nach “Infamous” und “Infamous 2″ hier das gleiche Spiel zum dritten Mal.

Dantes Inferno [XBOX 360]
Dante begeht schlimmste Verbrechen, im festen Glauben, dass alle seine Sünden vergeben würden, denn er ist ja Kreuzfahrer. Wieder zu Haus ein Florenz stellt er fest, dass Absolution nicht nur eine Lüge der Kirche ist, sondern auch, dass sein Verrat seine wahre Liebe in die Hölle gebracht hat. Also reist er in durch die neun Kreise der Hölle, auf der Suche nach Vergebung – und Beatrice.
Ziemlich kranker Mist. Das Artwork ist toll, optisch macht die Reise durch die Hölle viel her. Spielerisch krankt es: Die Steuerung ist ungenau, was für ein Action-Adventure mit Hack-And-Slay-Einlagen tödlich ist. Dazu kommen haufenweise unfaire Stellen und Uraltgamedesign mit getimten Sprungeinlagen. Ganz Schlimm: Im letzten Drittel hatte man wohl keine Zeit und kein Geld mehr, und baute deshalb die gleiche Arena als “Challenges” 10 Mal (!) hintereinander. Sollen die Gamedsigner in der Hölle schmoren.

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Machen:
Außer dem Weltwieseltag: Nichts spannendes.
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Neues Spielzeug:
Schuhe (Ecco Expediton II). Hepatitisimpfung. Eine Jeans. Eine Cranford-Jacke von Vintage Industries.


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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
4 Kommentare

Verfasst von - 28. August 2014 in Ganz Kurz, Momentaufnahme

 

Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

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“Lieblingsschuhe sind so eine Sache, auch bei Männern, sie werden gepflegt und wenn die ersten Alterserscheinungen auftreten, schaut man wohlwollend darüber hinweg. Dann kommt irgendwann der Punkt, wo sie keinen näheren Blick mehr standhalten, aber mann ist noch nicht soweit. Und dann wird es nur noch peinlich.”

- Rüdiger, Thatblog.de

Oh, Rüdiger hat ja so recht. Meine Lieblingsschuhe sind die auf dem Bild oben. Trekkinghalbschuhe von Bama, waren vor drei Jahren ein gigantischer Glücksgriff (sieht man davon ab, dass ich sie zuerst in der verkehrten Größe gekauft habe und damit doppelt bezahlt habe). Leder,leicht, bequem, stabil und mit funktionierender Klimamembran, was bei Bama nicht selbstverständlich ist. Die graue, mit braun abgesetzte Farbe ist nicht der Brüller, aber immerhin sind sie dezent und nicht bunt. Schuhe für jedes Wetter, jede Jahreszeit und jede Gelegenheit. Egal ob Städtetour, Motorradfahrt oder Bergwanderung: Die Bamas haben es weggesteckt. Tausende von Kilometern bin ich darin gelaufem. Dabei sahen sie so dezent aus, dass ich sie auch im Alltag ständig trug.

Als die ersten Auflösungserscheinungen auftraten, passierte das in Form aufgeribbelter Nähte. Nichts, was mein persönlicher Q und Ausrüstungshersteller nicht wieder hinbekommen hätte. Insgesamt waren sie bestimmt 4 oder 5 Mal bei Meister Neda, der hochkonzentriert und mit der Zunge in den Mundwinkeln Reparaturen vornahm.

Vor zwei Wochen begannen der linke Schuh plötzlich zu zischen, und meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Die Sohle, deren Profil u.a. in den Straßen von Florenz, Rom, Barcelona und London abgelaufen wurde, hat einen Riss. Das ist definitiv irreparabel.

Also hieß es: Neue Schuhe kaufen. Vorzugsweise wieder ein fester Halbschuh, mit Membran, in Größe 41. Und weil ich immer nur ein paar Schuhe mit auf Reisen nehme, bitte wieder möglichst Dezent. Ich mag es, wenn die Schuhe zwar funktional sind, dabei aber so unauffällig, dass ich damit Notfall auch in die Oper käme.

Nun gab es zwei Probleme: 1. Ich mag es nicht, Schuhe zu kaufen. 2. Der deutsche Einzelhandel, wieder mal

Es stellte sich nämlich als schlicht unmöglich heraus, in Götham Trekking- oder Hikinghalbschuhe mit Membran und in gedeckter Farbe zum Preis von um die 100 Euro in Größe 41 zu kaufen. In zwei Wochen der Suche führte mich meine Odysee…

  • …in den Trekkingladen, der NUR Schuhe in den Größen 37/38 und 45-56 verkaufte. Quasi Rudis Resterampe.
  • …in einem Sport- und Bergwanderladen, der was leidlich ansprechendes rumstehen hatte, in dem das Personal aber lieber Stundenlang quatschend in der Ecke stand und auch auf Anfrage nicht behilflich sein wollte. Sowas toleriere ich nicht mehr, da gehe ich einfach.
  • …in einem Karstadt-Instore, dessen Aushilfsverkäuferin sich meine Anforderungen genau anhörte, um sie dann zu ignorieren und Glattlederhalbschuhe mit glatter Ledersohle zu empfehlen. Ich suche zivilisierte Wanderschuhe, sie empfiehlt Tanzschuhe.
  • …vor einer Reno-Filiale (die Bama verkaufen). Reingehen konnte ich leider nicht, wegen Umbau sind die frür vier Wochen geschlossen. Die Reno-Website wiederum ist so kaputt, dass ich nichtmal sehen kann, ob die gerade was ansprechendes im Programm haben.
  • …in einem Nobelschuhgeschäft, dass mir allen Ernstes und trotz vorher geäußerter Preisvorstellung Schuhe aus Yakleder für 260,- Euro verkaufen wollte. Immerhin: Die passten super.
  • …in einem Schuhgeschäft, in dem die Verkäuferin fragte, was eine Membran sein und was ich damit wolle. Sie hätte keine Schuhe damit, aber sie könnte mal gucken, ob man die als Zubehör extra bestellen könnte.
  • …in dem Schuhgeschäft mit dem Nummerngirl, das bei Zalando bestellt.
  • …in vielen, vielen Schuhgeschäften in denen es nur quietschbunten Scheiß gab. Vermutlich wollen Schuhdesigner ausprobieren, mit welchen Hässlichkeiten Menschen wohl noch rumzulaufen bereit sind.
  • Während dieser kleinen Odysee habe ich ernsthaft das Gefühl, dass in Schuh- und Klamottenläden mehrheitlich nummernhörige Kundenvergrämerinnen arbeiten.

    Am Ende hatte ich dank Internet meine Suche auf zwei Modelle des Herstellers Ecco eingegrenzt. Die konnte ich sogar in einem Eccoladen vor Ort anprobieren, vor den Augen einer Verkäuferin, die die meiste Zeit glotzend in der Gegend stand und sich im “Verkaufsgespräch” sichtlich keine Mühe gab. “Nä, wenn die jetzt nicht passen wird das auch nix mehr, die weiten sich nicht”, oder “Nä, in Schwarz und Größe 7 kann ich die nicht bestellen”. Trotzdem habe ich dort ein Paar “Xpedition II” gekauft. Für 13 Euro mehr als im Internet, DENN ICH WILL JA DEN LOKALEN EINZELHANDEL UNTERSTÜTZEN. Wollen mal hoffen, dass sich die Eccos noch ein wenig einlaufen und das Zwicken an der Ferse und der Druck auf dem Spann im Laufe der Zeit nachlässt. Ach, ich werde nie mehr solche Schuhe finden wie meine Bamas. Ich weiß es.

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    Obwohl. Ich glaube, die Bamas haben anfangs auch gedrückt. Von daher könnte das Nicht-Passen das Zeichen für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Oder dafür, dass ich aus schlichtem Unwillen, noch länger nach Schuhen zu suchen, gerade 125 Euro zum Fenster rausgeworfen habe.

    Abgrundbeleuchtung (1): Mauve
    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe Kaufen I
    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

     

    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe kaufen

    Nicht viel besser als bei der Mauveerkundung läuft es beim Kauf von Schuhen.

    Ich will einfach nur robuste Halbschuhe, vorzugsweise mit Klimamembran, in gedeckter Farbe, Größe 41. Kein quietschbunter Bergsteigermist, sondern Schuhe, die für Städtetouren tauglich sind und mit denen ich auch ins Theater gehen kann, die aber auch mal eine Wanderung im Gelände aushalten. Je nach Hersteller sind das dann bessere Sneaker oder was aus dem Hiking- oder Trekkingsegment.

    Nachdem ich ein Dutzend Geschäfte in drei Orten abgeklappert hatte, kenne ich das Angebot auf dem Markt besser als die meisten Verkäufer/-innen. Zusammen mit ein wenig Internetrecherche weiß ich bereits, dass für mich nur eines von zwei Modellen eines bestimmten Herstellerin Frage kommen – so schlecht ist die Auswahl gerade. Im Internet bestellen wäre schell und einfach, aber nun, lokale Wirtschaft unterstützen und so, wissen schon. Und Zalando darf man nun schon mal gar nicht unterstützen, großer Konzern, Samwer-Brüder, usw.

    Also ab in den größten Schuhladen von Götham City, der laut Website zumindest den Hersteller der Schuhe von Interesse führt.”Guten Tag, ich hätte gerne Mal die Modelle “Xpedtion II” und “Light III” von Ecco gesehen”, spreche ich eine eine lächelnde, mittelalte Dame in mauvefarbenem Kleid* an.

    Sie starrt mich groß an, mit eingefrorenem Lächeln. Gut, damit habe ich gerechnet, man kann nicht voraussetzen, dass das Personal alle Modellnamen im Kopf hat.

    “Das sind so Trekkinghalbschuhe, von Ecco”, versuchte ich zu erklären.
    Jetzt kommt wieder Bewegung in die Mimik der Verkäuferin. Die Mundwinkel sacken gen Fußboden, wodurch sie ein wenig wie ein Merkel aussieht.

    “Mit diesen Fantasienamen der Hersteller können wir hier nichts anfangen”, sagt sie spitz, “Für uns sind Schuhe nur unter der Nummer des Systems bekannt”. Sie spricht das System fast ehrfürchtig aus.
    “Ja, OK”, sage ich, “Die Nummer in Ihrer Warenwirtschaft kenne ich jetzt nicht, wenn Sie mir einfach zeigen wie die Eccos stehen, ich erkenne die Modelle dann schon”.

    “Wenn sie die Nummer kennen würden, würde ihnen das auch nichts nützen. Das ist ja eine andere Nummer als die vom Hersteller”, sagt die Verkäuferin und sieht mich schräg an, “Oder von Karstadt. Es kommen ja oft Leute, die wollen die Nummer von einem Schuh wissen und den dann bei Karstadt kaufen. Dabei hat Karstadt ja ganz andere Nummern.”
    “Äh, die Nummer ist mir eigentlich egal, ich will doch nur….”, entgegnete ich ein wenig hilflos, in vollem Gewahr, das unter der explodierten Dauerwelle wohl gerade etwas ausgehakt. Ich blicke mich im Laden um und gehe ein paar Schritte auf eine Präsentationsfläche zu. Die Verkäuferin trippelt mir hinterher.

    “Unsere Nummern sind auch anders als die vom Internet, Wenn sie die bei Google eingeben, kommt da nichts”, sagt die Verkäuferin, und fast schwingt sowas wie Stolz in ihrer Stimme mit. “Und unsere Nummern sind anders als von anderen Schuhgeschäften.”
    “Ja….” “
    Nur innerhalb UNSERES Unternehmens und des Systems sind die Nummern die selben.”
    “Aha.”
    “Wissen Sie, hier habe ich im System für einen Schuh die gleiche Nummer wie unsere Filiale am Kornmarkt”
    “Aha”
    Sie legt den Kopf schief und scheit zu überlegen. “Und wie in der Filiale in Hannover. Wo immer sie hingehen in unsere Filialen, immer die gleichen Nummern.”
    “Aha”
    “Und wie…”
    “Ich bin mir sicher das SIE die schönstem Nummern haben”, unterbreche ich diese Monty Pythoneske Vorstellung der Dauerwelle, “Wo sind denn jetzt Herrenschuhe in 41?”.
    “Wenn Sie die Nummer haben wollten, kann ich ihnen die geben, aber die wird ihnen halt nichts nützen!”, sagt die Verkäuferin, jetzt leicht wütend wegen meines offensichtlichen Nummernfetischismus, den sie so gar nicht versteht.

    Mir reicht es jetzt. Ich drehe den Spieß um und spiele auch ein Zahlenspiel.
    “Außer in der Filiale am Kornmarkt”
    “Was?”
    “Sie sagten, die Nummer nütze mir nichts. Aber in der Filiale am Kornmarkt, da gilt die Nummer auch, weil die auch DAS SYSTEM haben”.
    “Ja.”
    “Und in der Filiale in Hannover gilt die doch auch?”
    “Ja,aber…”
    “Ach wissen sie”, sage ich, “Ich habe es mir überlegt. Extra nach Hannover fahren ist mir jetzt zu anstrengend. Schönen Tag noch.”

    Wir schütteln beide den Kopf und gehen in unterschiedliche Richtungen davon. Im Rausgehen sehe ich, wie Ware geliefert wird. Darunter mehrere große Kartons von…. ZALANDO!
    Oh. Mein. Gott.

    Der deutsche Einzelhandel. Steigert jetzt sogar den Umsatz der erklärten Konkurrenz, gegen die sie sich eigentlich durch Service, Fachberatung und Präsenz zur Wehr setzen müssten.

    Abgrundbeleuchtung (1): Mauve
    Abgrundbeleuchtung (2): Schuhe Kaufen I
    Abgrundbeleuchtung (3): Schuhe kaufen II

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    * Zumindest war es wage Violett. Mit einem Schuß Curry abgesetzt. Hey, wenn man Fremdworte schon kennt, muss man se auch benutzen.

     

    Momentaufnahme: Juli 2014

    Herr Silencer im Juli 2014
    Ou est-ce que je peux acheter un carnet de tickets?

    Wetter: Sehr warm, in der Mitte wochenlang heiß und schwül, am Monatsende Regen bei Temperaturen um die 20 Grad. Hey, in Italien sind gerade 14 Grad.
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    Lesen:
    Reiseführer und -berichte, historische Aufzeichnungen. Ich verrate aber nicht von wo. Tatsache ist, dass ich gerade die nächsten vier Reisen plane.

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    Hören:


    Lana del Ray Ultraviolence [MP3]
    Mag ich. Mehr kann ich gar nicht dazu schreiben, schon weil mir für Musikrezensionen Hintergrund und Terminologie fehlen. Für mich ist “Ultraviolence” more of the same des ersten Albums. Gut arrangierte Stücke zu einem ruhigen Gesang.

    Garbage Not your kind of Garbage [MP3]
    Frontfrau Shirley-Ann Manson als T-1000 in SCC zu sehen hat das Bedürfnis ausglöst mal wieder Garbage zu hören. Die mag ich sehr, besaß aber nur ein Album (Beautiful Garbage) von denen. “Not your Kind of Garbage” ist von 2012, klingt soundtechnisch aber wie durch ein Zeitloch aus den 90ern gefallen. Inhaltlich ist es ziemlich uninteressant und stellenweise einfach nur …schlecht.

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    Sehen:

    2014-07-30 16_24_57-Terminator2014-07-30 16_25_26-Terminator_ The Sarah Connor Chronicles - Die komplette zweite Staffel 6 DVDs_ A

    Terminator: SCC – The Sarah Connor Chronicles (S01/S02) [Watchever]
    Die Geschichte von Terminator sollte eigentlich nach den Geschehnissen in “T2″ von 1991 abgeschlossen sein. Ist sie aber nicht: Der Judgement Day kommt trotzdem, die Maschinen übernehmen die Kontrolle und die Menschheit geht vor die Hunde. Im Jahr 2027 kämpfen die letzten überlebenden Menschen unter der Führung von John Connor. Die Maschinen schicken deswegen Killerroboter zurück in unsere Gegenwart, in der John noch ein Teenie ist, und versuchen ihn hier zu töten. Dagegen hat Johns Mutter, Sarah Connor, verständlicherweise etwas. Verstärkung erhalten die Connors durch eine Teenie-Terminatorin, die der Zukunfts-John zurückgeschickt hat um dem Teenie-John zu helfen.

    Cheesy Idee, und ich war der Meinung, dass das nur eine Katastrophe werden konnte. Terminator als Teenie-Soap? OMG! Angenehm, dass es eine wirklich gute Serie geworden ist. Die Autoren wenden einen cleveren Trick an, um Sarah und John in die Gegenwart des Jahres 2014 zu bekommen. Staffel 1 mäandert noch ein wenig herum und setzt zu sehr auf das “Monster of the week”-Rezept, ist aber mit 8 Folgen zu kurz um lanweilig zu werden. Staffel 2 dreht dann richtig auf und hat lange Handlungsbögen, Flüchtlinge aus der Zukunft, eine Terminatorin mit Dachschaden, Shirley Manson als T-1000 und natürlich: Die großartige und bildschöne Leena Headly (die Inzestschwester aus Game of Thrones) als Hauptdarstellerin.
    Sehr unterhaltsam, leider war nach der zweiten Staffel Schluß mit der Serie.

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    Spielen:

    Watchdogs [PS4]
    Wie befürchtet: Watchdogs ist ein Open-World-Spielkasten, der mit einem simulierten Chicago und der Idee, dass alles miteinander vernetzt ist und gehackt werden kann, protzen will. Dummerweise war es zu lange in der Entwicklung. Alles, was Watchdogs Welt an Assets bietet, brachte GTA V im letzten Jahr besser und schöner – auf die letzte Konsolengeneration. Zur Vernetzungsidee mit all ihren Gefahren hat Watchdogs gar keine Meinung. Es wirkt geradezu, als hätte man das halbe Jahr, um das sich das Spiel verschoben hat, genutzt, um im Nachgang der Snowden-Enthüllungen jegliche Haltung gegenüber Überwachung, Vernetzung und der Frage, wer eigentlich die Wächter überwacht, aus dem Spiel zu entfernen. Lediglich im Abspann kommen noch Elemente vor, die eine kritische Haltung verraten und mit denen das Spiel mehr Sinn ergibt- aber irgendwie hat man das alles vor dem Release kastriert.

    Vielleicht liegt es daran, dass Watchdogs Geschichte belanglos und der Spielercharakter uninteressant ist, vielleicht liegt es an der Tateinheit mit einer absolut ärgerlichen Physik, teilweise nervigem Missionsdesign und vielen offenen Enden, aber als Fazit bleibt: Das war nichts.

    Wolfenstein – The New Order [PS4]
    1946 – der zweite Weltkrieg tobt, und die Alliierten verlieren. “Das Regime” (der Nazis) gewinnt dank überlegener Technologie, von der niemand weiß woher sie kommt, und unterwirft die Welt. Im letzten Kampf wird der Soldat B.J. Blazkowicz verwwundet und fällt ins Koma. Als er in einem polnischen Sanatorium wieder aufwacht, sind 14 Jahre vergangen. Widerstand gegen das Regime gibt es nicht mehr, und so macht sich Blazkowicz daran, einen aufzubauen.

    Ich mag ja alternative Realitäten, und die von Wolfenstein erzeugt Gänsehaut – schon wegen der Thematik an sich (Nazis gewinnen den zweiten Weltkrieg), aber vor allem auch wegen der Umsetzung: Gruselige Experimente und Technologie wie “Panzerhunde” lassen einem Schauer über den Rücken laufen. Dazu kommt die Story: Obwohl “nur” ein Shooter, erzählt New Order sehr detailliert eine nicht unkomplizierte Geschichte, in der ausgefeilte Charaktere im Kontext der Welt glaubwürdig handeln. Wer einmal die tristen Betonwüsten von Berlin oder die Kommandantin Frau Engel oder Krankenschwester Anja gesehen hat, weiß, wovon ich rede. Außerdem ist die historische Geschichte glaubhaft verbogen, was durch Zeitungsartikel und Bücher, die in der Spielwelt herumliegen, ausgeführt wird. So wurden in den 1950ern die USA wurden durch den Abwurf einer Atombombe auf New York zur Kapitulation gezwungen, Japan durch Verhandlungen über den Tisch gezogen. Alles schrecklich, alles gruselig, und darauf bezieht Wolfenstein seinen Reiz.

    Grafisch ist das Ganze auf der PS4 einfach nur eine Wucht – bei den Figuren sieht man jedes Haar, jede Narbe, jede Pore in den Gesichtern. Die ZWischensequenzen sind das beste, was ich je an Zwischensequenzen gesehen habe. Dabei ist das Gameplay eine Mischung aus neu- und altmodisch: Es gilt Medizinpäckchen aufzusammen, Autoregenerierung gibt es nicht, und Achievements schalten Fähigkeiten frei – BJ wird anhand der eigenen Spielweise in den Bereichen, die man als Spieler bevorzugt, so immer besser.
    “Wolfenstein – New Order” ist der beste Shooter seit Bioshock 1 und steht mit dem verdient auf einer Stufe.

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    Machen:
    Einen Vortrag halten. Auf Englisch. In Paris. Mache ich nicht jeden Tag, war schon was Besonderes.
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    Neues Spielzeug:
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    Archiv Momentaufnahmen ab 2008

     
    9 Kommentare

    Verfasst von - 31. Juli 2014 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

     

    Wohngeräusche: Hämmern, Rumpeln, Nageln.

    My Home is my Castle, und mehr als das. Als eher introvertierter Mensch laugt mich die Gesellschaft der meisten Menschen aus. Nach einer gewissen Spanne unter Leuten brauche ich Zeit für mich allein, und die finde ich in der Geborgenheit meines Zuhauses. Hier laden sich meine Akkus wieder auf.

    Mein Zuhause, das ist eine relativ große und wunderbar verwinkelte Wohnung inmitten von viel Grün, umgeben von Dorf. Ich mag das, es ist ruhig und abgeschieden. Eine Wohnung heißt aber auch, dass da noch mehr Leute im Haus wohnen. Das waren bislang alles nette und vor allem ruhige Leute, aber das ändert sich nun. Die vergangenen zwei Wochen war ich viel unterwegs, und das war gut so – denn von Ruhe oder gar Geborgenheit ist im Haus gerade nicht mehr viel übrig.

    Über mir ziehen neue Mieter ein – dem Geräuschpegel nach eine Kompanie aus mindestens 10 Leuten in Springerstiefeln, die eingesprungene Wurfübungen mit Bierflaschen durchführen und nebenbei herauszufinden versuchen, wer am lautesten gröhlen kann.

    Man kann einen Umzug durchaus nachbarschaftsverträglich gestalten, aber das hat diesen Leuten keiner gesagt. Bislang hat sich niemand bei mir als neuer Nachbar vorgestellt, es wird bis weit nach Mitternacht rumgerumpelt, ein riesiger Hund springt frei durchs Haus, alle Parkplätze sind quer zugeparkt, der Hauseingang ist voller festgetretener Farbe und die Tapete der Treppenhauswände hängt in Fetzen, aufgeschlitzt während des Hochtragens von sperrigen Dingen.

    Die Situation ist wirklich einzigartig: Zum ersten Mal entwickele ich Vorurteile, ohne die Personen auch nur gesehen zu haben. Und sie werden es verdammt schwer haben, aus der Schublade “prollige Vollhonks” wieder rauszukommen.

    In der Wohnung unter mir hämmert es die letzten Tage. Sind alte Leute, die Erdgeschosswohnung wird auf Behindertengerecht umgebaut, mit Krankenbett und Rollstuhlgeeignet.

    Besser geht es dem Nachbarn links von mir, auf der gleichen Etage. Der ist 64, seine Frau ist vor zwei Monaten gestorben, alle sind besorgt um den armen, gebeutelten Mann, der jetzt ja niemanden mehr hat, achgottachgottachgott.

    Vermutlich weiß niemand außer mir, WIE GUT es ihm eigentlich geht. Schon seit einigen Wochen schmuggelt er spätabends seine neue Freundin ins Haus. Die ist im gleichen Alter wie er, und woah, ich wusste nicht, dass man Mitte 60 noch so… aktiv sein kann.

    Da der Nachbar Zeitpläne liebt und Frühaufsteher ist, geht es jeden Abend um 19.00 Uhr und jeden Morgen pünktlich um 07.20 Uhr zur Sache, Schätzchen. Die Wochenenden verbringen die beiden auch gerne mal komplett im Bett, dann vereinigt sich das faltige Fleisch im Zweistundentakt-Takt-Takt. Da unsere Schlafzimmer aneinandergrenzen, bekomme ich mehr davon mit als mir lieb ist.

    Ist gerade nichts mit Ruhe, hier. Ich brauch mal Urlaub. Nein, im Ernst: Ich hoffe sehr, dass nach dem endgültigen Umzug die “neuen von oben” sich als eigentlich nette Leute herausstellen und die Libido des Nachbarn den Gang alles irdischen in Beziehungen geht und diese Teenie-Phase schnell vorbei ist.

    Nachtrag: Das Blog weist mich gerade darauf hin, dass es was ähnliches schon mal gab: Die Krachfelds. hatte ich schon ganz verdrängt.

     
    5 Kommentare

    Verfasst von - 30. Juli 2014 in Gnadenloses Leben

     

    Momentaufnahme: Juni 2014

    Herr Silencer im Juni 2014
    On the Road.

    Wetter: Anfang des Monats so mitteltrüb, in der zweiten Monatswoche plötzlich brüllend heiß, danach gleich wieder Temperatursturz und ab da Aprilwetter.
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    Lesen:


    William E. Bowman: The Ascend to Rum Doodle [Kindle]
    Im viktorianischen London bekommt eine Gruppe Gentlemen die Mission das größte Gebirgsmassiv der Welt, den Rum Doodle, zu besteigen. Leider sind sie dafür vollkommen ungeeignet: Der Missionsleiter verfügt über keinerlei Führungsqualitäten, der Expeditionsarzt ist ständig krank, der Diplomat streitet sich mit allen und der Navigator verläuft sich ständig. Außerdem ist da noch der Expeditionskoch Pong, vor dem es zu flüchten gilt, und 30.000 yogistanische Sherpas…
    Der britische Humor und Steife, mit der diese Liga der außergewöhnlichen immer wieder montypythonesk scheitert, ist staubtrocken. Das die Geschichte nie so over-the-top geht wie sie könnte liegt auch daran, dass sie bereits 1956 verfasst wurde. Ich hatte beim Lesen meinen Spaß und habe ein paar mal herzhaft gegnichelt, der Burner ist es allerdings nicht.

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    Hören:

    Lorde: Everybody wants to rule the World [MP3]
    Song zum Trailer des nächsten Assassins Creed und ganz schön cool. Der Trailer übrigens auch.

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    Sehen:

    School of Rock
    Seinerzeit hoch gelobt, letztlich aber nur belangloser Quatsch und eines der schlechteren Jack-Black-Vehikel.

    Mad about you (Season 5)
    Die Buchmans waren kurz vor der Trennung, nun sind sie schwanger. Nach der anfänglichen Freude im Geheimen bekommen sie es aber schnell mit Kontrollverlust zu tun, Jamie hängt noch an ihrem alten Job und Paul versucht sich als Freelancer durchzuschlagen, was aber nicht gut klappt.
    Auch die 5. Staffel von MAY ist einfach nur – goldig. Helen Hunt und Paul Reiser sind großartig, und einige Gastauftritte lassen einen vor Lachen über den Boden rollen (Kevin Bacon knows!).

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    Spielen:
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    Machen:
    Quer durch Europa fahren, am Strand liegen, Leute kennenlernen, Abenteuer erleben.
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    Neues Spielzeug:
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    Archiv Momentaufnahmen ab 2008

     
    2 Kommentare

    Verfasst von - 15. Juli 2014 in Momentaufnahme

     

    Momentaufnahme: Mai 2014

    Herr Silencer im Mai 2014
    Noch so viel zu tun, so wenig Zeit.

    Wetter: Sehr wechselhaft. Sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regenphasen ab, teilweise ist es über Tage stürmisch. Temperaturen sinken morgens nochmal auf 5 Grad, tagsüber 10-15. Um den 20. rum plötzlich fast 30 Grad, die nach kurzer Zeit aber in Gewitter und Schmuddel bei einstelligen Temperaturen übergehen.
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    Lesen:

    Eoin Colfer: WARP: The reluctant Assasin [Kindle]
    Das FBI hat ein Zeugenschutzprogramm, das Personen in der Vergangenheit versteckt. Shit hits the Fan als ein viktorianischer Trickmörder in einen Quantentunnel gerät, in dem gerade ein Wissenschaftler explodiert. Das Ergebnis: Einer der gruseligsten Psychokiller der jüngeren Literatur. Colfer möchte gerne von Artemis Fowl weg, probiert hier aber nicht wirklich was neues aus, und ein wenig nervt der Fimmel, nach dem “Per Anhalter”-Flop unbedingt Kinderbücher schreiben zu wollen. Zumal der der Killer aus der Vergangenheit wirklich gruselig ist.

    Eoin Colfer:Artemis Fowl: The Last Guardian [Kindle]
    Opal Koboi explodiert und wird zu einem Quantenwesen, dass Armageddon auslösen will. Haven wird zerstört, und Artemis und Holly haben alle Hände voll zu tun um Koboi aufzuhalten und sich gegen 10.000 Jahre alte Berserker, die in den Körpern von Kaninchen und 4jährigen Jungen festsitzen, zu erwehren. Zum Glück hat Mulch Diggums Blähungen.
    Der achte und letzte Teil der “Artemis Fowl”-Reihe ist wieder vollgestopft mit Hightech, Action und bizarren Situationen – ein schöner Abschluss.

    Bill Willingham:Fairest: The Maharadscha [Graphic Novel]
    Ein indisches Dorf wird von Wildhunden überfallen. Als nur noch die Alten, Kinder und Frauen über sind, macht sich die junge Nalayani auf den Weg, um den Maharadscha Sha Ah-Ming um Hilfe zu bitten. Der erweist sich für Fables-Kenner überraschend als alter Bekannter.
    Schöne, wenn auch langsame Geschichte, die allerdings mittendrin einen echten Hänger hat, aus dem sie nur mit einem kruden Plot Device wieder herauskommt. Die Reaktivierung von Prince Charming hätte es aber nicht wirklich gebraucht – sein Überleben schmälert retrospektiv das große Opfer, dass er eigentlich erbracht hat, und Charming ist ein zu gefährlicher Charakter, als dass man den einfach so durch die Welt laufen lassen könnte.

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    Hören:

    Marc-Uwe Kling: Die Känguruh-Offenbarung [Hörbuch]
    Kleinkünstler Marc-Uwe geht es gar nicht gut, denn ohne Känguru langweilt er sich zu Tode. Das Känguru, wir erinnern uns, ist ausgewiesen und abgeschoben worden, und selbst das asoziale Netzwerk scheint tot. Aber dann tritt eine Veränderung mit einem großen Schnautzbart in Marc-Uwes Leben, und eine Jagd um die Welt beginnt, an deren Ende am Strand von Griechenland die unfassbare Wahrheit offenbart wird…

    Die Geschichten um das sprechende, kommunistische Känguru sind brilliant, ich könnte in einem Fort über den Boden rollen vor Lachen. Die “Offenbarung” ist zum Glück so gut wie seine Vorgänger, die “Känguru Chroniken” und das “Känguru Manifest”. Dabei zerfällt das Werk selbst in zwei Teile. Während der erste in Setting und Ton die Vorgänger weiterführt, verändert sich im zweiten Teil sowohl Umgebung als auch Handlungsbogen. Das ist eine willkommene Abwechselung, und auch wenn es dann letztlich alles total absurd wird: Hey, es sind Geschichten mit einem SPRECHENDEN KäNGURU!
    Tip: Nicht das Buch kaufen, sondern das Hörbuch hören. Das wird von Kling selbst vor Livepublikum gesprochen, und viele Gags funktionieren nur in diesem Medium. Abgesehen davon ist seine Intonation des Kängurus einfach nur genial.

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    Sehen:

    Warhorse [Watchever]
    Eigentlich eine total bekloppte Geschichte: Sie folgt dem Leben eines Pferds in der Zeit des ersten Weltkriegs. Was total nervig hätte sein können, ist erstaunlicherweise ein spannender Film mit tollen Bildern geworden. Das allerdings sogar das Pferd mehr Charakter in seiner Rolle entwickelt als Tom Hiddleston und Benedict Cumberbatch in ihren Kurzauftritten, ist ein wenig seltsam.

    No Country for old man [Bluray]
    Tolle Schauspieler, großartig gespielt. Ganz super, bis zu dem Moment, wo die Leinwand mittendring schwarz wird. Diese Macke der Coen-Brüder, nichts mehr zu Ende zu bringen, lässt einen unbefriedigt zurück.

    Brave [BluRay]
    Auch eine schottische Prinzessin im 9. Jahrhundert pubertiert mal. Highlanderin Merida gerät an eine Hexe, die nur Bären kann, und gibt bei der eine Überarbeitung der nervenden Königinmutter in Auftrag. Es passieren… Bären. Der Film ist schon drei Jahre alt, war aber bislang an mir vorbeigegangen. Weil “Frozen” im vergangenen Monat meine romantische Seite angesprochen hat, nun also mal Merida angeguckt. Die Geschichte ist total banal und viele Gags vorhersehbar, ABER: Meine Güte, JEDES EINZNE BILD IST EIN KUNSTWERK! Und dann diese Animationen! Großartig.

    Angel, Staffel 3-4 [DVD]
    Das Spin-Off zu Buffy wurde seinerzeit von ProSieben, wie es damals noch hieß, regelrecht verstrahlt: Ab Staffel 3 gabe es mal hier eine Folge, mal da, oft nach Mitternacht oder auch mal ein Jahr gar nicht. Dabei wird die Serie erst in der 3. Staffel richtig gut: Allein für die Idee, dass die finsteren Mächte heutzutage als Anwaltskanzlei unterwegs sind und böse Taten als casual nine2five-Job ansehen, verdient Lobpreisungen.

    Wreck-it Ralph [BluRay]
    Figuren aus Computerspielen führen ein Eigenleben, wenn niemand ihr Spiel spielt. Ralph ist der Bösewicht in einem uralten 8Bit-Spielautomaten. Er hadert damit, dass niemand ihn leiden kann. Bei einem Ausflug in andere Spiele stolpert er unversehens in ein seltsames Abenteuer hinein.
    Ja, ich arbeite gerade die Animationsfilme der letzten Jahre auf. “Ralph reicht´s” ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und einer der Filme, die einen wirklich zu Tränen rühren kann. Als Gamer hat man besondere Freude an den vielen Cameos und Anspielungen auf Videospiele, von Supermario bis hin zu Mass Effect.

    Frozen [PSN]
    Eine Prinzessin entwickelt eisige Superkäfte und wird dadurch einsam und unglücklich, bis sie vor den Menschen flüchtet. Ihre kleine Schwester macht sich auf die Suche nach ihr.
    Ui, was für ein interessanter Film. Elegant animiert, witzig, starke Frauenbilder und ein gekonntes Spiel mit Disney-Klischees. Der Zeichenstil gefällt mir persönlich nicht, weil alles ein wenig zu sehr nach “Lissy und der letzte Kaiser” aussieht, aber dennoch absolut sehenswert.
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    Spielen:

    Spec Ops: The Line [PS3]
    Dubai ist durch einen Sandsturm von der Außenwelt abgeschnitten. Die Amis schicken eine Armee rein, die geht verschütt. Also schickt man ein Dreierteam Aufklärer rein. Die klettern im Auge des Sturms in der Luxusstadt herum und entdecken grässliche Greultaten der amerikanischen Armee.
    Spec Ops: The Line spielt sich wie ein klassischer Shooter, ist aber ein Antikriegsspiel. Die Aufklärer, deren Anführer man spielt, machen eine Reise mit, die an “Apocalypse Now” angelehnt ist und wie diese verstörende Bilder bietet. Der richtige Hammer kommt am Ende in Form eines Twists, der Stunden vorher mit Fanfaren und Trompeten angekündigt wurde und innerhalb der Spielwelt einen Sinn ergibt, dem Spieler gegenüber aber unfair ist. Die eigentliche Wirkung setzt vorher ein: Man fühlt sich schlecht, während man Spec Ops spielt. Das mag für Shooterfans eine Offenbarung sein – da ich diesen ganzen Modern Warfare- und Battlefield-Quatsch aber eh schlimme scheiße finde, hat mich das nicht umgerissen. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem Antikriegsspiel in Analogie zum Antikriegsfilm zu tun – und DAS kann man den Machern von Yager nicht hoch genug anrechnen.

    Watch Dogs [PS4]
    Aiden ist Hacker. Gut für ihn: In der nahen Zukunft ist alles mit allem vernetzt, und Aiden nutzt das, um die Mörder seiner Nichte zu jagen.
    Lange drauf gewartet, nun ist Watch Dogs mit einem halben Jahr Verspätung erschienen. Die habe man gebraucht, um das Spiel zu polieren, heisst es. Wenn ich mir ansehe was jetzt dabei rausgekommen ist, muss es im vergangenen Jahr eine Katastrophe gewesen sein, denn auch im heutigen Zustand ist das Spiel eine Ansammlung von Features und ein einziger Activity-Overkill in einem mittelmäßig aussehenden Open-World-Sandkasten. Watch Dogs wurde vor 5 Jahren konzipiert und hätte ein starkes Statement zu einer allüberwachten und vernetzten Welt sein können. Leider hat es dazu keine Meinung, und versucht mit dem Vernetzungsgedanken zu beeindrucken. Das zieht aber in der Post-Snowden Welt nicht mehr, und da auch die Story belanglos und schlecht erzählt ist, haut Watch Dogs mich nicht wirklich um. Allerdings gibt Ubisoft seinen Franchises Zeit zum wachsen. Das erste “Assassins Creed” war spielerisch auch ein Totalausfall und die Story völlig Banane, erst der zweite Teil wurde ein Meisterwerk. Ich würde Watch Dogs wünschen, dass es das auch schafft. Das Potential ist da.
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    Machen: Vorbereiten. Planen. Tarja.

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    Neues Spielzeug: Eine Eagle Creek Hemdentasche.

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    Archiv Momentaufnahmen ab 2008

     
    6 Kommentare

    Verfasst von - 30. Mai 2014 in Momentaufnahme

     
     
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