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Archiv der Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: Februar 2015

Herr Silencer im Februar 2015
Ich. Will. SOMMER!

Wetter: Zu Beginn einstellige Plustemperaturen, Mitte des Monats leichte Minustemperaturen und Schnee. In der vierten Woche Sonnenschein und Schnee abwechselnd bei knapp über Null bis 10 Grad.
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Lesen:

Tim Parks: Italian Neighbours: An Englishman in Verona [Kindle]
Der Engländer Parks zieht in ein Mehrfamilienhaus im Veneto und versucht sich mit den Eigenheiten der italienischen Nachbarn, der italienischen Gepflogenheiten und der italienischen Volksseele auseinander zu setzen.
Parks erreicht in seinem Erstling noch nicht das fein-ironische Niveau seiner späteren Werke. “Neighbours” hat deutliche Längen, bietet aber immer wieder Perlen an Alltagsbeobachtungen und interessante Erklärungen für Eigenheiten der Italiener, die nur aussenstehenden auffallen.

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Hören:

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Sehen:

House, Staffeln 6 und 7 [DVD]
Serie über einen Arsch, der zufällig ein gutes Gespür für Diagnosen hat.
Staffeln 6 und 7 kannte ich noch nicht. Erstaunlicherweise sind die gut – ich hätte erwartet, dass die Serie nach hinten raus krass schlechter wird.

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Spielen:

The Order: 1886 [PS4]
London im Jahr 1886, in einer leicht veränderten Realität. Die Tafelrunde existiert noch, und die modernen Ritter (und Ritterinnen) sind die schnelle Eingreiftruppe der Königin. Nikola Tesla baut ihnen Elektrogewehre und ähnliche Gadgets, mit denen sie das Empire gegen Vampire und Werwölfe verteidigen. Soweit das Tagesgeschäft, seltsam wird es, als eine Mordserie in Whitechapel beginn und Ritter Galahad Indizien für eine Verschwörung innerhalb des Empires findet. Er ermittelt auf eigene Faust und hat plötzlich seinen eigenen Orden zum Feind. Als Gejagter hat er keine Chance, also nutzt er sie.

Moderne Ritter! Steampunkwaffen! Luftschiffe! Schnauzbärte! London! Ein wenig “Assassins Creed”, viel “Underworld”, dazu ordentlich Steampunk: “The Order: 1886″ wartet mit einer zusammengeklauten, aber unterhaltsamen Story auf. Die ist allerdings vorhersehbar, wird gelegentlich holprig und nicht immer logisch erzählt und endet mit Cliffhangern.

Kern des Spiels ist die lineare Inszenierung. Ich bin ein großer Fan davon, weil man, anders als in dem Open-World-Krempel, Geschichten wirklich gut und dicht erzählen kann. “The Order” setzt dabei allerdings die Prioritäten nicht ganz richtig. Optik, Kamera und Schnitt sind auf Filmniveau. Auf der Strecke bleibt bei der cineastischen Erzählung das Gameplay. Viel zu oft muss man als Spieler nur einen Knopf zwischen zwei Zwischensequenzen drücken. Andere Passagen, in denen geschlichen und geschossen werden soll, sind dagegen deutlich zu lang und repetitiv, mit teilweise nervigen Speicherpunkten. Auch wenn die Grafik das bislang beste ist, was man bislang auf der PS4 gesehen hat, das Spiel ist dennoch keine Augenweide. Mit seinen vielen Bewegungsunschärfen und Farbfiltern ist die Optik schön, aber unterkühlt und zu dunkel, und in Kombination mit einem zu niedrigen Kamerafokus führt dazu, dass man als Spieler dauernd den Kopf verrenkt und denkt, man habe was an den Augen.

In der Summe ist “The Order: 1886″ eine schöne Idee mit einem tollen Szenario. Jetzt bitte noch ein wenig mehr Fokus auf eine gute Geschichte, eine vernünftige Steuerung und ein ordentliches Gameplay, dann wird da ein ähnlich erfolgreiches Franchise draus wie “Assassins Creed”. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf “The Order: 1887″.

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Machen:
Kurzurlaub in Genua!

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Neues Spielzeug:

Diverse Batterien und Akkus und ein Garmin ZUMO 590, dass den TomTom Urban Rider ersetzen wird.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 27. Februar 2015 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Januar 2015

Herr Silencer im Januar 2015
Ich würde jetzt gerne Winterschlaf halten. Nunja, mit kaputten Zeh auf dem Sofa rumliegen kommt dem recht nahe.

Wetter: Zu Beginn einstellige Plustemperaturen, dann zwei Tage leichten Schneefall, Mitte des Monats dann eine Woche Sturm und Temperaturen im zweistelligen Plusbereich. In der dritten Woche der Absacker knapp unter Null Grad, am Monatsende abwechselnd Sturm, Sonnenschein, Regen und Schnee – an einem Vormittag.
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Lesen:

Cheryl Strayed: Wild: A Journey from Lost to Found [Kindle]
Eine wahre Geschichte: Cheryl Strayed ist Mitte Zwanzig, als ihre Mutter unerwartet stirbt. Das wirft die junge Frau total aus der Bahn, sie versucht ihre Trauer mit One-Night-Stands, Alkohol und später Heroin zu betäuben – die Abwärtsspirale scheint unstoppbar. Eines Tages bekommt sie einen Reiseführer über den Südpazifik-Trail in die Hände und beschliesst den 1.600 Meilen langen Weg zu Fuß zu laufen, um sich selbst zu finden und “wieder der Mensch zu werden, zu dem meine Mutter mich erzogen hat”. Unerfahren, mit viel zu viel Gepäck und immer der Verzweifelung nahe geht Cheryl Schritt für Schritt vorwärts, durch glühende Hitze und über schneebedeckte Berge, immer im Kampf mit dem Weg, sich selbst und dem eigenen Körper – der irgendwann so am Ende ist, dass es “eine Erleichertung ist, sich die Zehennägel abzureißen”.
Interessanter Reisebericht, auf jeden Fall. Handwerklich wirkt es, als hätten zwei verschiedene Autorinnen daran geschrieben. An manchen Stellen ist die Geschichte zu poliert und verwendet filmreife und nachgerade unglaubwürdige Bilder, an anderen Stellen klingt es wie das Tagebuch eines Teenagers. Das sind meist auch die Stellen, die ziemliche Längen haben – wenn zum gefühlt hundertsten Mal der Verlust der Mutter beklagt wird oder sich die Gedanken um den Junkiesexbuddy drehen, möchte man einfach nur rufen “JA! Wir haben es ja verstanden, Du Zimperliese!”
Trotzdem ein lesenswertes Buch, zumal für die 5 Euro, die die englische Kindleausgabe kostet.

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Hören:


Awesome Mix Vol. 1 [MP3]
Interessanter Mix alter 70s Songs, Soundtrack zu Guardians of the Galaxy.

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Sehen:

Guardians of the Galaxy [BluRay]
Eine Bande Gauner rettet das Universum. Schön, schräg, humorvoll, actionreich – macht Spaß.

Die zauberhafte Welt von Oz [PSN]
Ein schlitzohriger Jahrmarktzauberer gerät um die Jahrhundertwende in Kansas in einen Tornado und findet sich in Oz wieder. Dort wurde die Ankunft eines Zauberers prophezeit, und prompt schlüpft der Trickbetrüger in diese Rolle um die hübsche Hexe des Nordens zu verführen. Und ihre Schwester. Und eine andere Hexe. Das bricht der Nordhexe das Herz, und sie wird grün und böse und dann geht´s los.

Nette Idee, ein Prequel zu “Der Zauberer von Oz” zu drehen. Stellenweise ist das auch mit originellen Ideen recht gut gelungen, an anderen Stellen hat der Film deutliche Längen und ist schlecht getrickst. In der Summe durchwachsene Unterhaltung.

Veronica Mars – Der Film [BluRay]
Veroncia Mars hat alle Privatdetektivambitionen begraben. In den letzten 8 Jahren hat sie ihr Jurastudium durchgezogenen und arbeitet an einer Karriere als Rechtsanwältin, als die Freundin ihres alten Freudes Logan ermordet wird. Noch einmal kehrt Veronica nach Neptune zurück und trifft alte Bekannte.
Acht Jahre nach dem unvermittelten Ende der Serie bekommen Fans mit diesem, per Kickstarter finanzierten und von Kristen Bell selbst produzierten, Film eine Gelegenheit, sich in Ruhe und Würde von den Charakteren zu verabschieden. Dabei muss man die Serie nicht unbedingt kennen, ohne Vorkenntnisse ist es ein kurzweilig Who-Dunnit. Kennt man aber die drei Staffeln, ist es eine liebevolle Hommage.

Lucy [BluRay]
Der Mensch nutzt nur 10 Prozent seines Gehirns. Lucy nur 7. Das ändert sich, als sie mit einer blauen Wunderdroge in Kontakt kommt, die sie stückweise auf 100 Prozent bringt. Am Ende verwandelt sie sich erst in Gott, dann in einen USB-Stick.
“Lucy” ist ganz großer Quatsch, und keiner von der unterhaltsamen Sorte. Der Film ist geradezu unanständig dumm. Das fängt bei der platten wie falschen Grundannahme (10 Prozent) an, geht über die Ästhetik (Spielfilm wird ständig unterbrochen von Dokumentarfilmbildern), die Schauspielerei (Scarlett Johannsonn telefoniert ihre Rolle nur durch) und die Charaktere (alle unsympathisch außer Morgan Freeman) und vom Plot wollen wir erst gar nicht anfangen: Nachdem Lucy gehackten Schlumpf geschnupft hat, kann sie sofort fliegen, elektronische Geräte fernsteuern und Leute durchleuchten. Am Ende scrollt sie durch Zeit und Universum, um dann … allen ernstes ein göttlicher USB-Stick zu werden. What. The. Fuck.
Ich mag SciFi- Unsinn, aber dieser Quatsch lässt mich ratlos zurück. “Lucy” ist Luc Bessons “2001”, und den finde ich auch doof.
Rausgeschmissenes Geld.

Genova [DVD]
Bei einem Unfall verliert ein amerikanischer Uniprof seine Frau. Um der Trauer zu entfliehen nimmt er eine Stelle an der Universität von Genua an und zieht mit seinen beiden Töchtern nach Italien. Dort versuchen alle drei auf ihre Art mit dem Verlust und dem neuen Leben klar zu kommen.
Ein äußerst ärgerlicher Film, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es ist ärgerlich, dass die Kamera gewollt Artsy-Fartsy ständig in Nahaufnahme im Gesicht der Schauspieler herumwackelt. Es ist ärgerlich, dass die Figuren allesamt egal sind – von der Hauptfigur bleibt bis zu Ende des Films nicht mal der Name hängen. Es ist ärgerlich, dass alles so gewollt auf Arthaus gemacht ist und dabei überstilisiert wird: Der Uniprof hat nichts anderes zu tun als mit 8 Studenten in einem Riesensaal zu sitzen und Gespräche auf Kaffeehausniveau zu führen, wenn er nicht gerade mit Studentinnen flirtet. Die große Tochter pubertiert und schmeisst sich jedem Loverboy an den Hals. Und die kleine Tochter geht stiften, was man ihr bei der Baggage auch nicht verübeln kann. Und es ist ärgerlich, das wirklich so gar nichts passiert.
Ein absurd schlechter, belangloser und langweiliger Film, dessen einziges Highlight die schauspielerische Leistung der damals 11jährigen Perla Haney-Jardine ist.

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Spielen:

Middle Earth: Shadow of Mordor [PS4]
Vor den Ereignissen von “Herr der Ringe”: Talion ist ein Ranger von Gondor. Er hält am schwarzen Tor Wache und passt auf, dass es in Mordor ruhig bleibt. Das bleibt es nicht, ein Überraschungskommando von Urukhs tötet ihn und seine Familie. Aber Talion bleibt nicht tot: Ein Ringgeist ergreift von ihm Besitz und bringt ihn zurück. Beide, Ranger und Wraith, sind fortan eins – und können nicht sterben. Gemeinsam versuchen sie die Vergangenheit des Ringgeists zu ergründen und einen Weg zur letzten Ruhe zu finden. Dabei kommen sie Sauron in die Quere, der im Verborgenen seine Rückkehr vorbereitet.

Was war ich bereit das Spiel zu verachten – es hat nichts eigenständiges, sondern klaut hemmungslos von meinen Lieblingsfranchises, seine Geschichte ist kurz, platt und schlecht erzählt, und die Mechaniken repetitiv. Und trotzdem hat es mich gefesselt. Das Schleichen und Klettern aus Assassins Creed funktioniert in Kombination mit dem Kampfsystem aus den “Arkham”-Spielen besser als in “Unity” und macht sogar mehr Spaß. Ab der Hälfte des Spiels wird es taktisch: Die Urukh-Gesellschaft mit ihren Rängen wird simuliert. Unbedeutende Orks werden zu Captains, Captains zu Wachen von Kriegsherren.

Talion kann diese Veränderungen direkt beeinflussen, Konflikte schüren und sogar Orks mit Hilfe des Ringeistes manipulieren. Das funktioniert hervorragend und führt zu tollen Situationen. Etwa, wenn Talion einen Kriegsherren stellt, der seine Bodyguards ruft und plötzlich begreift, dass diese ihm nicht helfen werden, weil sie unter Talions Bann stehen.

Jeder Ork sieht anders aus, und jeder hat eine eigene “Persönlichkeit”. Sie erinnern sich an frühere Begegnungen, tragen manchmal Narben von Wunden, die ihnen Talion zugefügt hat, und kommentieren das entsprechend. Dieses System ist auch auf anderer Ebene überaus motivierend: Talion kann zwar nicht dauerhaft sterben, aber wenn ein Ork ihn im Kampf besiegt, wird er mächtiger und steigt in den Rängen von Saurons Armee auf. Wenn man nicht aufpasst und einen der gleiche Ork immer und immer wieder besiegt, steht man am Ende tatsächlich einer mächtigen Nemesis gegenüber. Ein hervorragendes und motivierendes Actionadventure.

Assassins Creed Unity: Dead Kings [PS4]
Wenige Tage nach dem Ende der Terrorherrschaft der französischen Revolution: Arno ist von der Trauer um Elise gebrochen und säuft sich durch die Tage und Nächte, als der Marquis de Sartre ihn um einen Gefallen bittet. Arno begibt sich nach St. Denis, einem Vorort von Paris, und steigt hinab in die alten Königsgrüfte, in denen Grabräuber nach etwas suchen.
Exakt wie das Hauptspiel ist auch “Dead Kings” optisch eine Schau, Storytechnisch aber mau. St.Denis ist düster in Szene gesetzt, hier unterscheidet sich der DLC vom Feeling deutlich von “Unity”. Erzählerisch geht es nur um einen McGuffin, die Story trägt für maximal drei Stunden. An Gameplay wurden absurderweise die schlechtesten Elemente des Hauptspiels genommen und prominent in Szene gesetzt – wer einmal versucht hat mit der Parcours-Steuerung eine Verfolgungsjagd durch eine viel zu enge Katakombe zu spielen, weiß, was ich meine: Alle zwei Meter klettert die Spielfigur einen Türrahmen hoch statt hindurchzulaufden. Das lässt einen vor Frust ins Gamepad beißen, zumal dieser Mist ein Showstopper sein kann. In der Summe: Mehr Zeit in der Welt von Unity, aber kein guter DLC.

Infamous: First Light [PS4]
Fetch sitzt im Gefängnis und erzählt ihre Geschichte. Sie und ihr Bruder waren drogenabhängig und lebten auf der Straße. Ein letzter Deal sollte ihnen den Ausstieg ermöglichen, aber der ging natürlich schief und der Bruder wurde entführt. Was keiner wusste: Fetch ist ein Conduit und verfügt über Übermenschliche Kräfte. Das macht sie zur Zielscheibe für die Geheimpolizei und Gangsterbanden, die ihre Gabe jeweils für sich nutzen wollen.
Standalone-DLC zu Infamous: Second Son, dreht sich ganz um die junge Fetch. Die war im Hauptspiel ein Nebencharakter, nun erfahren wir ihre Geschichte. Schöne Variation, interessante Geschichte, sehr gut inszeniert. So muss DLC!

GTA V [PS4]
Los Santos ruckelfrei und in HD, mit Egoperspektive und vielen optischen Aufhübschungen. Zwar habe ich die Geschichte um die drei Gauner Michael, Trevor und Franklin schon vor einem Jahr auf der XBOX 360 gespielt, aber auf der PS4 geht das Ganze erst richtig ab. Der Nachbau von Los Angeles ist unfassbar detailliert, die Spielewelt so mit Leben gefüllt und so eine Augenweide, dass es eine Freude ist einfach nur durch die Stadt zu fahren. Die Missionen sind abwechselungsreich, und die Heists großartig. GTA ist verdientermaßen das bislang größte Videospiel. Schade ist, dass inhaltlich die Satire nicht weiß was sie will und die Welt mit sexistischen Pipikacka-Witzen überfrachtet ist – GTA ist die Leinwand für große Erzählungen, aber genau hier versagt es und ruft keine Emotionen außer Ekel hervor.

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Machen:
Diverse Ärzte besuchen.

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Neues Spielzeug:

House – die komplette Serie. Günstig gebraucht geschossen. Eine sichere Geldanlage, die Box wird sonst für 90 – 150 Euro gehandelt, Tendenz steigend.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Januar 2015 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Das war das Jahr, das war (2014)

Im Februar 2014 lag das Jahr ausgeplant vor mir und ich war damit zufrieden, ahnend, das ich später dafür keine Zeit finden würde. Und so kam es auch: Ab März schaltete das Jahr den Turbo zu, und -WUSCH!- war der Sommer hin, der Herbst abgearbeitet, und dann startete ein stressiger Winter.

Ich habe meine Vorsatz eingelöst und mir weiterhin Europa angeguckt. Und das mit Volldampf, die vergangenen 12 Monate führten mich mit dem Motorrad durch Frankreich, Spanien, Seborga und Italien, und mit der Bahn war ich in London, Prag und Paris. Das war alles sehr, sehr großartig. Am Ende des Jahres wurde es privat noch einmal anstrengend, ein Umzug in eine andere Wohnung kam unverhofft und überraschend, war aber der richtige Schritt.

Ansonsten war 2014 seltsam. Die Welt brennt an vielen Ecken und überraschenderweise brechen alte, längst überwunden geglaubte Konflikte wieder auf. Die Ukraine dient als Mittel zum Zweck für eine neue Runde Der Westen vs. Russland, NSA, CIA und BND spionieren munter weiter, die Wirtschaftskrise in Europa wird immer schlimmer. Derweil macht die Bundesregierung strenggenommen gar nichts und lässt sich für eine schwarze Null im Haushalt feiern, während ringsum Schulen und Infrastruktur in sich zusammenfallen und Leute gegen nicht vorhandene Zuwanderung auf die Straße gehen. Stattdessen wurden politische Quatschprojekte forciert, wie die europafeindliche Autobahnmaut für Ausländer. Schlimm. Ich dachte wir wären inzwischen weiter.

Und sonst noch?

Worte des Jahres:

Zugenommen oder abgenommen? Im Schnitt gleich, aber in der Summe aktuell zugenommen.

Haare länger oder kürzer? Die Frage streichen wir ab jetzt, die ergibt keinen Sinn mehr.

Mehr Kohle oder weniger? Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr. Auf Reisen spare ich nicht, und zum Jahresende musste eine Riesenrenovierung, neue Möbel, Ablöse und dopelte Miete gestemmt werden.

Mehr bewegt oder weniger? Gleichgeblieben, würde ich sagen. Besonders vor Motorradabenteuern immer noch viel Fitnessstudio. Die letzten Wochen aber Zwangspause, zu viel zu tun. In der Zeit habe ich mir die Bewegung über Möbelschleppen geholt.

Die hirnrissigste Unternehmung? 5 Stunden im kalten Paris rumstehen.

Ort des Jahres? Paris.

Die teuerste Anschaffung? Die größten Investitionen gingen in Reisen, Autoreparaturen und Möbel. Die teuerste Einzelanschaffung war tatsächlich ein Kleiderschrank.

Das leckerste Essen? Wildschweinsugo auf hausgemachter Pasta im Guerrin Meschino.

2014 zum ersten Mal getan? Während einer Reise kotzend über der Schüssel gehangen. Einen Reisepass beantragt.

2014 nach langer Zeit wieder getan? Eine Wohnung renoviert und Impfungen aufgefrischt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Das Wetter in Umbrien. Das Füße-plattstehen in Paris. Die Zehenentzündung im Dezember.

Gereist? Oh ja.

2014 war in einem Wort…? Für mich privat super, aber gefühlt seltsam kaputt. (Diese Formulierung borge ich mir von Modnerd)

Überraschendster Film des Jahres: Maleficient. Hatte nicht erwartet, dass der mich so umhaut weil er einfach schön ist. Der teilt sich aber den Platz mit Captain America 2 (Comicverfilmung thematisiert Abhörskandal!) sowie den Serien Veronica Mars (Toll!), Lillyhammer (Skurril!) und Game of Thrones (Staffel 4, totaler Mindfuck)

Album des Jahres: “Die Känguruoffenbarung” von Marc-Uwe Kling.

Spiel des Jahres: “Wolfenstein: The New Order”

Enttäuschung des Jahres: “Watch Dogs”. Trotz Verschiebung um 6 Monate halbgare Grütze ohne Spannung.

Buch des Jahres: Bin nicht viel zum Lesen gekommen, und von dem was ich gelesen habe, war “The eye of Zoltar” von Jasper Fforde noch am Besten. Kurzweiliger Quatsch der Spaß macht.

Bestes Musikstück des Jahres: “Everybody wants to Rule the World” von Lorde.

Spielzeug des Jahres: Ein kleines Asus EeeBook X205.

Das schönste Konzert? … war ein Musical: “Book of Mormons” in London.

Die meiste Zeit verbracht mit…? Planungen.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Fremde Orte zu erkunden.

Vorherrschendes Gefühl 2014? Alles ist im Fluß, nichts stagniert. (Aber ist die Flußrichtung eine gute?)

Erkenntnis des Jahres: Ich bin mit mir und meinem Leben sehr zufrieden. Gefunden in einer Mondscheinnacht am Strand von Frankreich.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2015!

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2014 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Dezember 2014

Herr Silencer im Dezember 2014
“Nur noch mal schnell…”

Wetter: Grau, aber nicht kalt. Zwischendurch mal kurz um den Gefrierpunkt, aber kurz vor Weihnachten wieder 10 Grad Plus. Und: Eine Krankheitswelle sondergleichen, alle liegen mit grippalen Infekten am Boden. Alle außer mir.
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Lesen:

Panny: Krad-Vagabunden – Licht – und Schattenseiten einer Weltreise, Teil 1: Die Amerikas, Neuseeland und Australien [Kindle]

Frank “Panny” Panthöfer war ein Banker mit Schlips und Krawatte. Unter dieser Fassade: Tattoos und der Drang nach Freiheit. Irgendwann schmiss er seinen gutbezahlten Job hin und brach gemeinsam mit Partnerin Simone zu einer Weltreise per Motorrad auf.
Das Buch will Licht und Schattenseiten einer langen Motorradreise zeigen, leider hebt es aber zu sehr auf letzteres ab: Ärger mit Werkstätten, Probleme mit Grenzübertritten, schwierige Strecken, Krankheit… das nimmt alles sehr viel Raum ein. Motorradreisen SIND harte Arbeit, dass weiß ich aus eigener Erfahrung: Ständig um die Maschine kümmern, tägliches auf- und abgerödel des Gepäcks, jede freie Sekunde was angucken oder das angeguckte Dokumentieren – das schlaucht. Aber diese Reisen sind auch sehr belohnend – die Freiheit des Reisens, die wunderbaren kleinen Momente, die tollen Eindrücke, die man mitnimmt. Das kommt mir bei den Kradvagabunden zu kurz, was sicher aber auch dem Schreibstil geschuldet ist. Panny erzählt in schroffem, kurzem, fast stenohaften Stil, der nicht besonders fantasieanregend ist und keine Bilder im Kopf macht.

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Hören:

Assassins Creed: Rogue Soundtrack [Podcast]
Elitsa Alexandrova variiert und mischt die Scores von “Revelations” und “Black Flag” sehr schön und mischt einen guten Schuß irische Musik hinzu. Super gelungen.

Hoaxilla [Podcast]
Beim tagelangen Umziehen hat mich Hoaxilla begleitet, zweifellos eine der Perlen der deutschen Podcastszene. Alexa und Alexander Waschkau nehmen sich jede Woche ein Thema vor, dass aus den X-Akten kommen könnte, und sezieren es wissenschaftlich und skeptisch. Von Prästronautik über Xenozoologie bis hin zur Homöopathie erklären die beiden “unerklärliches”. Unterhaltsam und gut!

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Sehen:

Veronica Mars, Staffel 02 [DVD]
Veronica Mars ist 17 und Tochter eines Privatdetektivs. Als ein Schulbus, in dem sie sitzen sollte, über ein Klippe stürzt und ihre Mitschüler getötet werden, redet sie sich ein, dass es ein Anschlag war und der ihr gegolten habe. Daran zerbricht sie fast, während um sie herum die Welt aus den Fugen gerät: Ihr Vater wird vom Bürgermeister unter Druck gesetzt, der Böse aus Staffel 1 kommt aus dem Gefägnis frei, Veronicas Freund hat ein Kind mit einer anderen und verschwindet. Halt findet sie ausgerechnet bei Logan, der in der ersten Staffel noch der Unsympath war. Unsympathisch ist er immer noch, aber zumindest ist auf ihn verlass. Sogar bis zum bitteren Ende, als das sich das Staffelfinale ebenso überraschend wie düster präsentiert.

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Spielen:

Assassins Creed: Unity [PS4]
Viel Häme wurde über Unity ausgekippt, das zum Start auf dem PC stark verbuggt war. Medien und Spieler tendieren immer noch dazu Unity auf die Summe seiner Fehler zu reduzieren. Das tut dem Spiel unrecht, denn sowohl grafisch als auch Spielmechanisch wird hier vieles neu und gut gemacht – in vielerlei Hinsicht ist es das beste Assassins Creed seit Teil II, und der ist 5 Jahre her. Ärgerlich hingegen ist eine kaputte Schleichmechanik und die dumme Geschichte. Man merkt einfach, dass der Serie ein Erzähler wie Patrice Desilets fehlt, der das große Ganze im Blick hat.

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Machen:
Renovieren und Umziehen
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Neues Spielzeug:

Mein Weihnachtsgeschenk an mich selbst: Ein neues Netbook, ein Asus eeBook. Eigentlich als F205 gelabelt, steckt aber ein amerikanisches X205 mit besserem Akku drin. Löst das alte Acer Aspire D125 Reisenetbook ab, das leider mittlerweile zu lahm für meine Ansprüche ist. Das X205 und macht mich gerade sehr glücklich: Es ist schnell, leicht (950 Gramm), hat eine tolle Chicklet-Tastatur, 8 Stunden Akkulaufzeit, keine beweglichen Teile und ist sehr wertig verarbeitet. Nachteil: Es hat keine Festplatte oder SSD, sondern nur 32 GB internen Flashspeicher, Windows BING ist vorinstalliert und das matte(!) Gehäusefinish zieht Fingerabdrücke an. DAS muss man auch erstmal hinkriegen. Trotzdem: Zum Preis von 200 Euro bekommt man gerade nichts besseres.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 27. Dezember 2014 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: November 2014

Herr Silencer im November 2014
Pax

Wetter: Zu Beginn 15 Grad warm und sonnig, ab Monatsmitte 5-12 Grad, Monatsende um die Null Grad oder drunter. Insgesamt sehr trocken.
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Lesen:

Jasper Fforde: The Eyre Affaire [Kindle]
In einem Paralelluniversum, in dem Käse illegal und die Bevölkerung lesesüchtig ist: Thursday Next ist bei der Literaturpolizei. Normalerweise jagt die hartgesottene Kommissarin und Kriegsveteranin Fälscher von Sonetten oder argumentiert gegen Baconisten. Das ändert sich, als sie in eine Jagd nach einem Meisterverbrecher hineingezogen wird, der unsterblich scheint, nach belieben Menschen manipulieren kann und im Vorbeigehen und aus Spaß tötet. Aus der Jägerin wird schnell die Gejagte. Als Thursday Next in Lebensgefahr gerät, erfährt sie unerwartet Rettung durch Mr. Rochester, den Hauptdarsteller im Buch “Jane Eyre” von Charlotte Brontë. Er nimmt sie mit ins Buch, und das ist nur der Anfang einer skurrilen Reise.

Kaum hatte ich das Buch Kalesco als Reiselektüre empfohlen, überkam mich der Drang es selbst noch einmal zu lesen. Kannte ich bislang nur auf deutsch, natürlich ist es im Original nochmal witziger. Fforde hat in seinem Erstlingswerk von 2001 noch Ecken und Kanten, ganz zu sich selbst findet er erst in den Fortsetzungen. Nichts desto trotz ist auch die “Affaire Jane Eyre” schon ein ebenso spannendes wie skurriles Buch. Plock-Plock, wie der Dodo Pickwick sagen würde.
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Hören:
Beim tagelangen Renovieren haben mich Podcasts begleitet:

Die Mikrodilettanten [Podcast]
Un schlechter Qualität aufgezeichnetes Stammtischgesabbel ohne Nährwert. Stellenweise unterhaltsam.

Freakshow [Podcast]
Tim Pritlove-Vehikel. Pritlove-typisch moderiert er es nicht, weil er nebenbei andere Dinge macht, und lässt den Rest der Gruppe einfach reden. Das führt dann schonmal dazu, dass eine dreiviertel Stunde über ein Buch zu FreeBSD geredet wird. Allerdings immer nur die gleichen drei Sätze. Ermüdend, langatmig, größtenteils langweilig. Das versendet sich aber fast, denn der ganze Käse ist mehr als vier Stunden lang. Sowas hört man zum Einschlafen.

Bits & So [Podcast]
Unterhaltsamer Technikpodcast, stellenweise witzig.

Fanboys [Podcast]
Klassiker: Technik, Spiele und Konsum-Podcast aus München. Kompetent und unterhaltsam.
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Sehen:

Maleficient [BluRay]
Die Fee Maleficient wächst im La-la-Land auf. Dann wird sie von Menschen betuppt und so doll grummelig, dass sie die Tochter des Königs mit einem Fluch belegt: An ihrem 18. Geburtag soll die sich an einer Spindel stechen und sterben. Dann kommt aber alles anders.

Die amerikanische Dornröschenfassung wird hier aus einem neuen Sichtwinkel interpretiert: Warum wurde die böse Fee böse? Was ist ihre Motivation, warum handelt sie so? Großartig getrickster und gespielter Film, der mit erstaunlich ruhigen und nachdenklichen Tönen daherkommt. Alleine Angelina Jolie als Maleficient ist das Ansehen wert.

Grand Budapest Hotel [PSN]
Ein fiktives Grandhotel in einem fiktiven Landstrich zur Zeit eines fiktiven Kriegs: Concierge Ralph Fiennes hat sein Haus und die Gäste im Griff. Das ändert sich, als der Verdacht aufkommt er habe eine reiche Besucherin des Hotel ermordet, und sich deren faschistischen Erben an seine Fersen heften.

Abgefahren-surrealer Film, der wirkt, als würde er in der gleichen Welt wie “Lemony Snickets Rätselhafte Geheimnisse”, “Delikatessen” oder “Amélie” spielen. Alle Charaktere sind wild überzeichnet, die Geschichte schräg und die Ausstattung pompös. Der Film macht in erster Linie viel Spaß, und die Überzeichnung macht die Hintergrundthematik (Sudetenlandkonflikt, zweiter Weltkrieg) nicht nur erträglich, sondern entlarvt sie auch: Als Kindergartenkonflikt verbohrter Egoisten.

Veronica Mars, Staffel 01 [DVD]
Veronica Mars ist 17 und Tochter eines Privatdetektivs und einer verschwundenen Alkoholikerin. Sie geht auf eine Highschool, die sowohl von superreichen Kids als auch von Schülern aus armen Verhältnissen besucht wird. Dort passieren immer wieder Dinge, und Veronica ermittelt als Juniordetektivin.

Hört sich bescheuert an, ist aber eine der erfrischendsten Serien, die ich in den letzten Jahren gesehen habe – und dabei ist die von 2004! Kristen Bell, die ich als Lucy aus “Assassins Creed” kannte, spielt die Hauptrolle der cleveren, toughen Juniordetektivin, die anderen immer einen Schritt voraus ist. Dabei schlägt die Serie, trotz der leichten Inszenierung, sehr ernsthafte und erwachsene Töne an. Veronica ist deswegen so tough und bemüht sich immer besser zu sein als alle anderen, weil sie von ihren eigenen Dämonen geplagt wird: Dem Verschwinden ihrer Mutter, dem Geheimnis um den Mord an ihrer besten Freundin und dem Trauma einer Vergewaltigung unter Drogen. Reichlich harter Stoff für eine Jugendserie. Aber es kommt noch besser: Die Highschool, traditionell in US-Serien das Vehikel für harmlose Konflikte mit Lehrern und Cheerleadern, dient hier als Hintergrund für soziale Konflikte zwischen Spoiled Brads und Ghettokids. In der Summe ist das wirklich interessant, spannend und gut gemacht. Die Welt bräuchte mehr so emanzipierte Serienheldinnen vom Schlag einer Veronica Mars.

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Spielen:

Watch Dogs: Bad Blood [PS4]
Nachdem sich die Aufregung um Aiden Pearce in Chicago langsam legt, gerät T-Bone ins Visier der Blume Corporation. Gemeinsam mit dem verrückten Tobias Frewer versucht er herauszufinden warum man den beiden ans Leder will.

Der DLC zu Watchdogs hat lange auf sich warten lassen. Geliefert wird eine spannende und umfangreiche Geschichte, die besser inszeniert ist als das Hauptspiel – Grummelfreak T-Bone und der Suchti Frewer sind interessanter als die Rauhfasertapete Aiden Pearce, und die Geschichte ist gut erzählt und füllt einige Lücken des Hauptspiels. Dazu kommen neue Gimmicks, wie das ferngesteuerte Auto, mit dem man aus der Ferne hacken kann. Nichts weltbewegendes, das im Gedächtnis bleiben würde, aber nette Unterhaltung und die 10 Euro allemal wert.

Far Cry 3 [PS3]
Ein Jugendlicher eiert mit seinen neureichen Freunden über eine tropische Insel und wird dabei von Piraten gefangen genommen. Der Typ flieht, wird von den Einheimischen zum Krieger ernannt, unter Drogen gesetzt und räumt dann im Alleingang unter den Piraten auf.

“Far Cry 3″ habe ich lange gemieden, weil es einem gleich zu Anfang sein ganze Repertoire in die Fresse haut. Wie ein Jahrmarktschreier brüllt es einem entgegen: Laufen! Schießen! Schleichen! Ablenken! Waffen! Fahren! Jagen! Crafting! SkillPoints! Blumensammeln! Tätowierungen! Wettrennen! Customisation! Artefakte! Stützpunkte einnehmen! Freunde befreien! Briefe sammeln! Funktürme hochklettern!

Das alles prasselt in den ersten Minuten auf den Spieler ein, und sorgt für das Gefühl gepflegter Überforderung. Das machen Spiele wie AC:U oder Arkham City zwar auch nicht besser, aber nie so kontextlos und in so schierer Masse wir FC3. So viel auf einmal zu lernen ohne zu wissen warum, das schreckt ab.

Nach einiger Eingewöhnung hat man dann verinnerlicht, was das Spiel von einem will, und stellt schnell fest: Das meiste ist Mumpitz, den man machen kann, aber nicht muss. Konzipiert ist das Spiel mit einem Open World-Ansatz, der aber im Fall von Far Cry 3 nur heisst: Es gibt eine große Karte, die man jederzeit frei bereisen kann, und jede Menge unzusammenhängende Rummelaktivitäten. Ansonsten passiert nicht viel, die tropische Inselwelt sieht hübsch aus, leben tut sie aber nicht. Es gibt keine Random Events oder zusammenhängende Nebenquest, die z.B. in Red Dead Redemption für eine glaubhafte Welt sorgten. Far Cry 3 fällt hier in zwei Teile auseinander: Einerseits ist die Welt grafisch sehr realistisch, andererseits ist sie unbelebt und künstlich. Höhepunkt der Immersionbrechung: Im Urwald liegen Steine herum, auf denen riesengroß die Highscores von Onlinespielern stehen.

Von der Geschichte her ist FC3 ein echtes Ärgernis. Es gibt nur eine Story, und die ist streng linear und stellenweise fürchterlich banal. Entscheidungsfreiheit und Auswirkungen gibt es nicht, und auch hier hat das Spiel wieder das Problem mit der Glaubwürdigkeit: Die Geschichte um mystische Tattoos, drogenvernebelte Krieger, wilde Piraten und Sklavenhändler ist so dermaßen verquast und so schlecht erzählt, dass man sich unweigerlich fragt, ob das hier jetzt Satire sein soll. Dabei gibt es durchaus Highlights: Piratenführer Vaas ist so gut gelungen, dass Ubisoft ihn als Blaupause für den Bösewicht in Far Cry 4 hergenommen hat, und das Thema “kann man nach solch traumatischen Erlebnissen noch in die gewohnte Zivilisation zurückkehren” ist durchaus ernsthaft. Allein, es geht alles unter im Gewalt- und Mystikbrei.
Wirklich gut funktioniert das Gameplay, als Shooter und Fahrsimulation macht FC3 eine gute Figur.

Unterm Strich ein netter Shooter mit guter Grafik, der mit viel zu vielen bedeutungslosen Sammel- und Fleißaufgaben nervt und dessen Geschichte verworren ist.

Assassins Creed: Rogue [XBOX 360]
More of the same im Nordatlantik, http://silencer137.com/2014/11/25/review-assassins-creed-rogue-2014/

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Machen:
Renovieren.
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Neues Spielzeug:
Eimer voll Farbe zählen wohl nicht? Na dann: Diehttp://silencer137.com/2014/11/16/assassins-creed-unity-guillotine-collectors-case-edition-unboxing/
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. November 2014 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Oktober 2014


Herr Silencer im Tollsten Oktober aller Zeiten, Edition 2014
Geh ran, verdammt!

Wetter: Zu Beginn trocken, aber kühl. In der zweiten Woche nochmal sommerlich, mit Temperaturen bis 20 Grad und Sonnenschein. In der dritten Woche grau und dunkel bei 15 Grad, danach wird es nur kälter und grauer.
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Lesen:

Jasper Fforde: Song of the Quarkbeast (Last Dragonslayer Book 2)
Heute, aber in einer Parallelwelt: Im unvereinigten Königreich leitet die 16jährige Waise Jennifer den Zaubereiservice “Kazam”. Fünf ausgebildete Zauberer bieten magische Dienstleistungen, wie die Suche nach vermissten Gegenständen, dem Versetzen von Häusern oder Rohreinigungen an. Aber dann soll das Unternehmen verstaatlicht werden, ein Duell mit der Konkurrenzfirma Industrial Magic steht an und Jennifer muss mit ansehen, wie einer ihrer Zauberer nach dem anderen verhaftet wird. Wäre doch nur ihr Chef und Mentor da, aber der erscheint nur alle paar Monate für wenige Minuten, und niemand weiß vorher wo.

Fforde entwirft herrlich schräge Welten. In seinen Thursday Next-Romanen ist es die Buchwelt, die aus Buchstaben besteht und deren Charaktere Eigenleben entwickeln. In “Shades of Grey” ist es eine Welt, in der Farbe ein seltener Rohstoff ist. In der Welt von “Dragonslayer” ist Magie das Pendant zu Elektrizität und Computerprogrammen: Etwas alltägliches, was wie Technik aufgebaut und genauso genutzt wird. Es ist schon großes Gelächter, wenn eine Zauberin einen Spruch nicht analysieren kann, weil dessen Betriebssystem so alt ist, dass sie den Code nicht mehr lesen kann. Oder wenn das Mobilfunknetz zusammenbricht, weil es mit Magie betrieben wird, aber die langsam aus der Welt schwindet. Daneben bringt Ffordes “Dragonslayer” einen auch in den vielen, kleinen Details zum Schmunzeln, etwa, wenn er in einem Nebensatz erwähnt, dass Führerscheine nach persönlicher Reife vergeben werden – was dazu führt, dass kein männliches Wesen unter 26 in der Lage ist einen zu bekommen.

Jasper Fforde: The Eye of Zoltar (Last Dragonslayer Book 3)
Jennifer Strange wird von Shandar vor die Wahl gestellt: Entweder die Drachen werden ausgerottet oder sie besorgt ihm einen McGuffin. Natürlich geht sie unfreiwillig auf eine Expedition in ein Königreich, dessen Ökonomie auf Entführung und schnelle Touristentode aufbaut. Bei ihrer Suche trifft sie Kannibalen, die ihre Opfer nach Verzehr ausstopfen, Engel, gähnende Saurier und einen Urmenschen namens Ralph.
Wieder spannend und total absurd. Die Geschichte ist zwar eine Art Nummernrevue, aber sie ergibt einen logischen Sinn und bereitet die Bühne für wirklich große Veränderungen im unvereinigten Königreich.

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Hören:

logo anycast

Bruhns/Moorhart/Kater Anycast [Podcast]
Schräger Podcast, mal nett, mal nervig. Geht über Befindlichkeiten, Rechtsfragen und die Bahn. Nervige Intros. Gelegentlich verwirrte Hosts. Mostly Harmless, gelegentliche Goldnuggets an interessanten Informationen.
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Sehen:

Star Gate: Universe [DVD]
Die Ikarusbasis wird angegriffen und muss evakuieren. Als Zieltor ist gerade eines ausgewählt, dass neun Koordinaten statt der üblichen sieben hat. Und tatsächlich verschlägt es die Truppe aus Zivilisten und Militärs auf ein uraltes Raumschiff, das irrsinnig weit weg in anderen Galaxien herumspringt. Zusammengepfercht auf engsten Raum, mit knappen Ressourcen und ohne Hoffnung auf Rückkehr gehen sich beliebiger Nerdjunge, Chefärztin Blondie, General Schlechtgelaunt, Leutnant Schlitzauge und der Wissenschaftstyp schon bald an die Gurgel.

Es sagt alles über eine Serie, wenn die einzigen Schauwerte dick benippelt an einer Nebenfigur hängen, die auch bei Minusgraden im Tanktop rumrennt. SC:U ist ein Fall von “zu viel gewollt, nix hingekriegt”. Der Cast ist gut (Robert Carlyle!), aber die Charaktere bleiben flach und nervig. Die interessanteste Figur ist noch Major Oberweite. Die ist nicht zumindest nicht flach, aber selbst die größten Brüste können alleine keine ganze Serie tragen.
So interessant die Idee der Gruppe Überlebender fernab der Heimat auf dem Papier auch klingt: Das Setting ist bestenfalls merkwürdig, in Details vollkommen vergurkt. Ein Raumschiff, das durch das Weltall hüpft und nie länger irgendwo bleibt als 60 Minuten? Das sich eigentlich um seine Besatzung kümmert, dann aber irgendwie doch nicht? “Kommunikationssteine” als billiges Plot-Device, um die Charaktere auf die Erde zu bringen? Intrigen und Ränkespiele ohne nachvollziehbare Entwicklung? Das ist alles so Meh und billig. Dazu kommen unfassbar schlechte Episodendrehbücher. So einen Müll gibt es in anderen Serien erst ab Staffel 6, wenn die Luft raus ist. Die dummen Inhalte werden nicht dadurch besser, dass alles extrem humorlos und gritty inszeniert wird: Die Kamera wackelt und zoomt und über jedem zweiten Bild liegen Schmutzfilter, was nahezu ein zu eins Look & Feel von “Battlestar Galactica” kopiert. Nee, SC:U ist nichts. Ein Wunder, dass es noch eine zweite Staffel gab, bevor der Käse eingestellt wurde.

American Hustle [PSN]
1978: Christian Bale ist dick, hat eine Glatze und trickst gemeinsam mit einer angeblichen Lady arme Leute aus. Eines Tages steht das FBI vor der Tür und will, dass er für sie trickst. Das läuft aber irgendwie nicht so gut.
“American Hustle” protzt mit der authentischen Darstellung der 70er Jahre. Da gibt es Polyesterkleider, Brusthaare und Dauerwellen en Masse, was nicht immer schön anzusehen ist. Die Charaktere sind toll und werden hervorragend gespielt – es ist eine Freude, dem Ensemble (Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Bradley Cooper) zuzusehen. Dummerweise ging das auch dem Regisseur so, der seine Schauspieler mal machen, sprich: Improvisieren, liess. Dadurch kommt die ohnehin dünne Story aus dem Tritt, und der Film holpert und stolpert sich durch seine, mit 134 Minuten überdimensionierte, Lauflänge. Muss man nicht gesehen haben, trotz der ganzen Oscarnominierungen.

Now you see me [Konserve]
Vier Straßenzauberer erhalten eine geheime Botschaft und einen Plan für eine Show, ein Jahr später rauben sie eine Bank in Paris aus während sie in Vegas auf der Bühne stehen. Die Beute verteilen sie an ihre Zuschauer. Aber warum? Ihnen auf den Fersen sind Morgan Freeman, der Typ der den Hulk gespielt hat und eine blonde Frau, aber die Magier sind ihren Häschern immer einen Schritt voraus.
Sehr schicke uns stylische Kombination aus Heist-Movie und Magieshow. Super fotografiert, adrenalintreibender Soundtrack, fantastische Schauspieler. Dem Katz- und Mausspiel zuzusehen ist bis zum Ende spannend. Einzige Schwachpunkte: Inhaltlich versteigt sich der Film mittendrin in einen schrägen Mythos und kommt von dem nicht mehr ganz runter. Optisch leiden die tollen (echten) Bilder darunter, dass sie stellenweise mit echt richtige schlechten digitalen Effekten aufgemotzt wurden. Leider sehen die fliegenden Tücher und gerenderten Seifenblasen aus, als hätte sie der Praktikant mit iMovie zusammengefickelt. Das ist schade, denn der Film hat den CGI-Quatscht eigentlich nicht nötig.

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Spielen:

Dead Space 3 [PS3]
Im Jahr 2600 tauchen Artefakte auf, die Menschen in mutierte Viecher verwandeln. Eine merkwürdige Sekte feiert das ab und begrüßt die Ankunft der “Marker” als Beginn der Erlösung, der Ingenieur Isaac Clarke versucht das aufzuhalten.
Sehr atmosphärisches Space Game. Da der Spielercharakter Ingenieur ist und aus herumliegenden Dingen Allerhand brauchbares Zeug basteln kann, kommt ein Hauch von MacGyver auf.
Die Dead Space-Reihe hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und ist als Franchise auch in Medien wie Film und Comic gefiltert. Das hatte im zweiten Teil zu narrativer Verhedderung in einer wirren Geschichte geführt, Teil 3 ist hier stringenter und erzählt wieder eine Geschichte, die auch dann einen Sinn ergibt, wenn man nicht alles an Sekundärliteratur kennt. Dafür krankt es an anderer Stelle. Man merkt deutlich, dass Publisher Electronic Arts hier alles reinwirft was man für hip hält und zugleich austestet, was man Kunden zumuten kann: In der zweiten Hälfte mutiert das Spiel plötzlich zum Deckungsshooter und Actiongeraffel, wofür weder das Bewegungsschema noch das Gameplay ausgelegt sind. Manche Missionen sind nur im (kostenpflichtigen) Co-Op spielbar. Und Rohstoffe und wertvolle Erweiterungen lassen sich kaufen – als DLC gegen Echtgeld. Das hatte dazu geführt, dass das Spiel bei Release nicht wohlgelitten war. Zu Unrecht – man kann es auch spielen ohne zusätzlich zu investieren, und die filmreife Inszenierung mit Horror- und Actionsequenzen ist gelungen. Lediglich das Backtracking und lange Laufwege hätte man sich sparen können, das ist aber angesichts der tollen Grafik, die man gerne mehrfach sieht, kein schwerwiegender Kritikpunkt.

The Force Unleashed II [PS3]
Zwischen Episode III und IV: Darth Vader verschont ein machtbegabtes Kind und zieht es als seinen Schüler auf. Der soll eigentlich erst irgendwelche Leute und dann den Imperator töten. Tatsächlich bringt der Galen Marrek Tod und Zerstörung mit allem, was die Macht zu bieten hat, kommt dann aber ins Grübeln, sagt sich von Vader los und bezahlt das mit dem Leben – nicht ohne vorher Ereignisse in Gang gesetzt zu haben, die zur Gründung der Rebellion führen. So weit die Story vom ersten Teil von “Force Unleashed”. Der Nachfolger spielt einige Jahre später. Galen Marrek erwacht auf Kamino und steht Vader gegenüber. Angeblich ist er ein Klon – aber sagt Vader die Wahrheit? Noch nie ist ein Jedi erfolgreich geklont worden. Galen flieht aus der Anlage und macht sich auf die Suche nach sich selbst, seinem Mentor und seiner Liebe Juno Eclipse.

“Die Geschichte von Force Unleashed ist packender als die der Filme Episode I-III”, urteilte IGN seinerzeit – und hat damit Recht. Die Story ist großartig, und es macht einen irren Spaß, mit Machtkräften und Lichtschwertern Levels zu verwüsten und Sternzerstörer aus dem Orbit zu ziehen(!). Allerdings wird Teil 2 von repetitiven Gameplay, zu kurzer Spieldauer und einer ärgerlich schlecht inszenierten Geschichte geplagt. Das Spiel wurde in nur 9 Monaten entwickelt, und das merkt man. Zwar sind die Assets, Bild und Ton, hervorragend – aber wenn man zum hundertsten Mal einer Welle immer gleicher Gegner gegenübersteht oder zum tausendsten Mal eine schlecht designte Sprungpassage verkackt, dann nervt es nur noch. “Force Unleashed 2″ ist hübsch, aber eine spielerische Qual.
Launig ist der DLC “Schlacht um Endor”. Die Zusatzmission schließt an das alternative Ende des Hauptspiels an und schickt einen bösen Galen Marrek nach Endor, wo er reihenweise Ewoks frittiert und den Stoßtrupp der Rebellen einen nach dem anderen dezimiert und auch vor Han Solo, Chewbacca und Leia nicht halt macht.

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Machen:
Prag besuchen. Eulenfest. Literaturherbst. Lecker essen. Institute besichtigen. Paris. Was für ein TOAZ!
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Neues Spielzeug:
Auto durch die Inspektion, Reisen – das war teuer genug, deshalb kein Spielzeug.
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Oktober 2014 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: September 2014

Herr Silencer im September 2014
September ist der BESTE Monat um Urlaub zu machen. Leider muss ich arbeiten.

Wetter: Zu Monatsbeginn kühl, neblig, herbstlich, 15 bis 20 Grad. In der Mitte dann ein paar Tage Hochsommer mit Sonne und Temperaturen um 23 Grad, dann sackt das Thermometer auf 10 Grad ab und verliert sich im Grau. Das letzte Wochenende erstrahlt im Altweibersommer: Sonne satt und 15-20 Grad.
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Lesen:


Bill Willingham Fables (20): Camelot
Bereits in den letzten Bänden versuchten die Autoren zu schocken: Winter wird zum Nordwind, Therese zu Kannibalin, ihr Bruder stirbt. Und dann wird auch noch Bigby von einem absurden Pophans getötet. Im neuesten Band versucht die Belegschaft des 13. Stocks Bigby wieder zu vereinen, während der im Jenseits seine Jagdgründe erkundet. Derweil wird im Diesseits das Ensemble um Rose und Snow in ein Remake der Artussage gepresst. Schlecht geschrieben, langatmig erzählt und unnötig. “Fables” hätte einen Neustart nötig, die Serie läuft schon mindestens 5 Bände zu lang und hat total den Fokus verloren.
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Hören:

U2 Songs of Innocence [MP3]
Zwangsweise, als iPhone-Nutzer kriegt man das Album zwangsweise in den Account gepusht. Dabei war ich ohnehin interessiert, denn U2 habe ich früher -so Anfang der 90er- geliebt. Die letzten Alben waren eher so meh bis peinlich und bestanden hauptsächlich aus Bonos rumgeheule. Das neue ist, nach ersten drüberhören, dagegen regelrecht… gut. Es ist rockiger und kraftvoller als seine Vorgänger. Eine positive Überraschung.
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Sehen:

Lilyhammer S1 & 2 [Watchever]
Jede Mafiagruppe hat einen “Fixer”, einen Mann für alle Fälle, der Probleme schnell und dezent beseitigt und dafür in der Hierarchie der Organisation ganz oben steht. So einer ist Frank Tagliano – zumindest bis zu dem Tag, an dem eher die New Yorker Mafia verpfeift und ins Zeugenschutzprogramm wechselt. Er kann sich einen Ort für ein neues Leben aussuchen, und weil er die olympischen Spiele so schön fand, wählt er das verschlafene Lillehammer in Norwegen als Unterschlupf. Ganz abschütteln kann er seine Vergangenheit aber nicht, und sein Wesen ändert sich auch nur langsam.

Klingt wie eine typische “Clash of Cultures”-Komödie, ist es aber nicht – jedenfalls nicht in der erwartbaren Richtung. Die Macher sparen sich komische Situationen, die dadurch entstehen, dass ein Amerikaner auf norwegische Eigenarten trifft. Frank Tagliano stapft durch den Schnee im vollen Bewusstsein was er tut und wie es in Norwegen läuft. Die absurden Momente entstehen dann, wenn er Mafiamethoden anwendet und damit die gesetzestreuen Norweger schockiert. Eine feine Umkehrung, und es macht einfach Spaß zu sehen, wie der Mafiosi zum Paten von Lillehammer aufsteigt. Das die Nebenfiguren allesamt einen leichten “Twin Peaks”-Touch haben, macht das ganze nur besser. Lieblingsfigur: Der Rocker mit Rücken, der sich für einen Zumbakurs einschreibt, weil er vermutet das sei eine fernöstliche Kampfsportart. Eine der besten Serie der letzten Jahre.

Snowpiercer [PSN]
In der Zukunft: Die Erde ist erkaltet und meterdick mit Eis überzogen. Bevor die Menschheit über den Deister gegangen ist, hat sie noch fix alle Eisenbahnstrecken der Welt miteinander vertüddelt. Die letzten überlebenden Menschen sitzen nun in einem Hightech-Zug, der mit wahnsinniger Geschwindigkeit immer um den Globus rast. An Bord gibt es ein strenges Klassensystem. Im hinteren Zugteil sind die armen Schlucker untergebracht, je weiter man nach vorne kommt, desto luxuriöser wirds. Eines Tages startet die Revolution, und der hintere Zugteil macht sich auf dem Weg zu Lokomotive.
“Snowpiercer” wurde im Vorfeld als ScFi-Offenbarung abgefeiert. Keine Ahnung warum. Abgenudelt wird hier die alte “Revolutionär kämpft sich durch, am Ende bekommt er die Verantwortung und wird zu dem, was er bekämpfen wollte”-Geschichte. Der Cast ist zwar prominent, aber Captain America und John Hurt wirken irgendwie abwesend und telefonieren ihre Rollen nur durch, Tilda Swinton versteigt sich in eine Sketchup-Nummer mit falschen Zähnen und Goldfischbrille und Ed Harris trägt so dicke Eier zur Schau, dass man ihm sofortiges Ableben wünscht. Dazu kommt hammerschlechtes CGI und die Tatsache, dass die Grundidee von Snowpiercer für mich einfach nicht funktioniert. NIEMAND, der das Ende der Welt überleben will, tut das, in dem er wie blöde in einem Zug um die Welt rast. Die Idee ist Schwachsinn, und der Film tut wenig sie glaubwürdig darzustellen – s´is halt so. Leider fällt dadurch alles quasi ab Start auseinander und wirkt albern.

Monument Men [PSN]
Im zweiten Weltkrieg gründen die USA eine spezielle Gruppe im Militär. Die “Monument Men” tragen Uniform, sind aber eigentlich Kunstexperten und Historiker. Ihre Aufgabe: Von den Nazis geraubte Kunstwerke in den Wirren des Kriegsendes aufspüren und schützen.
Was für ein Stoff! Was für ein Cast (Clooney, Goodman, Murray, etc.)! Es ist allerdings nie ein gutes Zeichen, wenn das Studio und der Verleih die Veröffentlichung ewig verschleppt, und im Fall von “Monument Men” wissen wohl alle Beteiligten, dass sie Mist abgeliefert haben. Leider weiß der Film nicht, was eher sein will: Mal fühlt er sich an wie ein Kriegsdrama, mal wie Oceans Eleven im WWII, mal wie eine Komödie. Damit reitet Regisseur Clooney das Ding voll gegen die Wand und lässt das Ganze wirken wie eine Nummernshow und ein Starvehikel. Sehr schade, zumal ich weiß wieviel Aufwand in dem Film steckt – er wurde zu großen Teilen hier um die Ecke, im Harz, gedreht.

Guardians of the Galaxy [Kino]
Ein kleiner Junge wird von der Erde entführt. 20 Jahre fliegt er in einem eigenen Raumschiff rum und klaut Sachen, weshalb ihm nicht nur die Polizei, sondern auch Kopfgeldjäger auf den Fersen sind. Mit letzteren und ein paar Zufallsbekanntschaften ergibt es sich, dass er die Galaxie vor der Zerstörung schützen muss.
Meine Güte, was für ein cooler Film. Seine Strärke ist gar nicht die egale Story, sondern das Zusammenwirken der unfreiwilligen Heldengruppe. Die tollen Charaktere agieren zu sehen ist eine wahre Freude – und da einer von ihnen ein sprechender Waschbär und ein anderer eine humanoide Pflanze ist, ist das schon eine große Leistung. Bislang bester Blockbuster in diesem Jahr, noch knapp vor Captain ´murica 2
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Spielen:

Heavenly Sword [PS3]
Der Legende nach soll im Jahr des kotzenden Pferds ein großer Krieger geboren werden, der mit einer mythischen Waffe für Frieden im Lande China sorgt. Tatsächlich wird kein Uberkrieger geboren – es gibt nur eine Geburt, und die lässt ein Mädchen das Licht der Welt erblicken. Ihr Vater ist davon so enttäuscht, dass er das Kind töten will. Er entscheidet sich dagegen, lässt das Mädchen aber ihr ganze Leben spüren, was für eine Enttäuschung sie ist. Nariko, so ihr Name, wird isoliert und zum einsamsten Menschen in ihrem Clan. Menschen, die niemanden haben, haben auch nichts zu verlieren, und als Kaiser Bohans Truppen das Land überrollen, ergreift sie das Heavenly Sword und nimmt den Kampf auf.

Heavenlyl Sword ist aus dem Jahr 2007, und das merkt man. Es sieht immer noch super aus, aber das Gameplay ist teilweise gruselig, Rücksetzpunkte sind unfair gesetzt und ein großer Teil der Zwischensequenzen lässt sich nicht überspringen. Ich MAG Zwischensequenzen, aber nicht, wenn ich nach jedem Exitus erst wieder zwei Minuten Film gucken muss, bis ich eine Stelle erneut versuchen kann. Die Steuerung ist träge und unpräzise, in Kämpfen geht die Orientierung schnell verloren und der Schwierigkeitsgrad ist enorm. Warum ich es trotzdem durchgespielt habe? Wegen den Charakteren. Die werden nämlich von Anna Torv (“Fringe”) und Andy Serkis (“Herr der Ringe”) gespielt, wobei das Skript zum Spiel auch von Serkis stammt. Seinen künstlerischen Einfluss merkt man dem Spiel an, sowohl was die Präsentation der Cutscenes als auch die generelle Aufmachung angeht. Unterlegt ist dieses kleine Kunstwerk mit Musik des Prager Philharmonieorchesters.

God of War 3 [PS3]
Kratos ist ein Krieger von Sparta und ein ausgesprochener Kotzbrocken, der auf den Olymp klettert und reihenweise die Götter umbringt.
Wait, what? Die Vorgeschichte der ersten Spiele wird nur kurz angerissen: Irgendwas mit kaputter Familie und einem tricksenden Kriegsgott. Egal. Die Präsentation ist gigantisch: Kratos kletter, rennt und metzelt auf berggroßen Titanen herum, würgt griechische Sagengestalten und verhackstückt einen Gott nach dem nächsten. Das bleibt nicht ohne Folgen: Nach Helios Tod wird es dunkel, nach Poseidons Ableben wird die Welt geflutet. Als Spieler hat man irgendwann keine Lust mehr, die Welt mit diesem egoistischem Unympathen ins Chaos zu stürzen, der nur seine Rache im Kopf hat. Erst am Ende kommt der große Erkenntnismoment, wenn Kratos über die Reste der Welt schaut, die nun für die Menschen die Chance gibt, sich frei vom Joch der Götter zu entfalten.
Bis dahin gibt es 8 Stunden tollste Kletter und Kampfunterhaltung – das, was “Kampf der Titanen” im Kino hätte sein können, wird hier in Spielform beeindruckend zelebriert.

God of War: Ascension
Der Vorgänger, God of War 3, endete mit dem Suizid Kratos. “Acension” ist ein Prequel, das erzählt, wie Kratos vor seinem Aufstieg zum Kriegsgott den Fängen der Furien entkam.
Tolle Schaupltze, wieder großartige Präsentation, in der Summe großer Spass.

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Machen:
Das Übliche im September.
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Neues Spielzeug:

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. September 2014 in Momentaufnahme

 
 
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