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Archiv der Kategorie: Medienschau

Wetten, dass…?

Oh, “Wetten, dass…?” wird eingestellt.
Hm-Hm.
Soso.
Naja. Ich muss zugeben, dass ich das schon sehr, sehr lange nicht mehr komplett gesehen habe, allenfalls Ausschnitte. Das liegt an drei Dingen:

1. Habe ich generell an Samstag Abenden Besseres zu tun
2. Das biedere und langsame Konzept der Show. Das einzig spannende waren lange Zeit die Wetten – bis zu dem Spungfederunfall, danach wurde alles bis zur Schläfrigkeit entschärft und damit zum Teil unspannend.
3. Den un-er-träglichen Moderatoren. Gottschalk konnte einfach nicht aufhören und war am Ende nur noch ein mild verwirrter, oft peinlicher Herrenwitz, der von seinen Assistentinnen in der Bahn gehalten werden musste. Gottschalk trägt aber wenigstens Entertainment im Blut, anders als Markus Lanz. Der ist leider so unterhaltsam wie ein Aktenordner, und ihm dabei zuzusehen wie er im Rektum der Promis verschwand verursachte körperliche Schmerzen. Aber das ist das Lanzprinzip: Abliefern von Feelgood-Luftnummern, die bis zur Irritation sinnfrei sind.

Ich trauere der Show nicht wirklich hinterher, dazu ist sie mir zu egal. Ich hätte es aber gerne gesehen, wenn man einen mutigen Neuanfang gewagt hätte, mit einer Barbara Schöneberger oder Ina Müller als Moderatorin. Stattdessen versenkt das ZDF lieber das Showschiff “Wetten, dass..?” als den Kapitän Lanz auszutauschen. Denn das hieße ja sich einzugestehen, dass der von Anfang an eine absolute Fehlbesetzung war. Die Zuschauer zu schelten und ihnen mangelndes Interesse vorzuwerfen ist da wohl einfacher.

 
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Verfasst von - 7. April 2014 in Betrachtung, Medienschau

 

Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß

Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß auf allen Kanälen, in allen Blättern,sogar als Liveticker neben dem Logo des Fernsehsenders. Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß im Internet, auf allen Portalen ganz oben. Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß hat 3,5, nein 18,5, nein 23 Millionen Euro Steuern hinterzogen, Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß, den Edmund Stoiber als Freund bezeichnet, den er in schweren Zeiten nicht im Stich lässt. Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß, überall Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß.

Kleine Erinnerung: Das ist nicht wichtig.

Wieviel Steuern ein bayerischer Manager hinterzogen hat spielt ÜBERHAUPT KEINE ROLLE.

Wichtig sind Fragen wie: Wie geht es auf der Krim weiter? Wie können wir Europa gestalten? Und: Wie schaffen wir es, die allumfassende Kontrolle der Geheimdienste zu brechen? DAS sind die wichtigen Fragen, nicht die nach den Erdnüssen eines aufgequollenen Wurstfabrikanten. Ich wünschte, auch nur EIN Medium hätte den Arsch in der Hose die Niete in Nadelstreifen zu ignorieren und dem Gatekeeper-Selbstverständnis gerecht zu werden und ein anderes Agenda-Setting zu betreiben.

Aber nein, Hoeneß-Hoeneß-Hoeneß.

 
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Verfasst von - 11. März 2014 in Medienschau

 

Einmarschiert

Einmal kurz Nachrichten hören reicht dieser Tage ja schon wieder für heftige Lachanfälle.

Verkehrsminister Dobrindt kündigt mit seriösestem Gesichtsausdruck an, jetzt aber wirklich mal die Deutschen ins Interweb zu bringen, und dafür eine “Netzallianz” gründen zu wollen. “Allianzen” sind Neusprech aus Schwarz-/Gelben-Zeiten und bedeuten, dass man keinerlie Kohle für irgendwas asuzugeben gewillt st, und sich statt dessen mit den großen Unternehmen hinsetzt und Kaffee trinkt und dann darauf hofft, dass ich alles irgendwie von allein regelt. Tut es natürlich nicht, ist aber genau das Aktivitätslevel, was man von Mutti Merkel erwartet: Eisenhartes, brutalstmögliches Abwarten. Weil´s ja in der Vergangenheit schon so gut geklappt hat, weshalb die Bundesrepublik aktuell in Punkto Netzausbau hinter Ungarn und knapp vor der Slowakei oder Russland liegt. Ohne Scheiß.

Genau diese Haltung kommt natürlich auch bei der Krim-Problematik zum Tragen. Das man gar keine ernsthaften Sanktionen gegen Russland als wichtigen Gaslieferanten einleiten kann, dürfte sich ja schon rumgesprochen haben. OK, bis zu den Schergen von SPIEGEL Online, die allen Ernstes ein militärisches Eingreifen fordern und was vom Import von Flüssiggas per Schiff aus Afrika fantasieren, aber wer weiß, ob die nicht vor der Niederschrift andere Flüssignahrung zu sich genommen haben.

Der richtige Lacher kommt aber von unseren Sportlern in Sotchi. Ich musste wirklich laut loslachen, als eine junge Frau, die zur Eröffnung der Paralympischen Spiele die Fahne tragen darf, mit dem üblichen bayerischen Zungenschlag, der für Athleten anscheinend Pflicht ist, ins Mikrofon brunzte:

“Es ist eine Ehre, hier für´s Vaterland einzumarschieren.”

Das ist der Beweis, dass es nicht nur auf den Inhalt ankommt, der technisch ja richtig sein mag, sondern auch auf die Verpackung in sorgfältig gewählte Worte.

 
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Verfasst von - 7. März 2014 in Medienschau

 

ADAC-Bashing

Ich finde es nachgerade unerträglich wie gerade auf den ADAC eingeprügelt wird. Anlass des Ganzen war ja, dass sich ein Mitarbeiter die Abstimmungszahlen zum “Auto des Jahres” aus dem Hintern gezogen hat.

Natürlich geht das nicht, der Mann gehört gefeuert, und eine öffentliche Entschuldigung ist auch angebracht. Das ist tatsächlich auch passiert, aber was dann folgte, ist bemerkenswert: Nahezu jedes Medium, ganz vorneweg der SPIEGEL, berichtete in geradezu tendenziöser Weise über die “Machenschaften” des Vereins. Der Vorstand wurde zu Terminen mit Helikoptern geflogen! Mitarbeiter sollen Pannenopfer überteuerte Batterien aufgeschwatzt haben! Skandal! Skandal!
Natürlich nutzten die üblichen Verdächtigen aus der Politik, insb. Herr Seehofer, dass Kielwasser der Berichterstattung, um gleich mal sowas wie die Verstaatlichung des ADAC zu fordern.

Das zeigt vor allem eines sehr deutlich: Der ADAC ist mächtig. So mächtig, dass die Medien anscheinend alle noch mindestens eine Rechnung mit ihm offen haben, und sie nutzen die Gelegenheit, um mal ordentlich loszudreschen. Er ist sogar so mächtig, dass er Politikern auf den Sack geht, die ihn deshalb gerne unter der eigenen Kontrolle hätten. Letzteres überrascht nicht wirklich, der ADAC ist halt die Autofahrerlobby, so schlecht das auch ist, aber wenn die Damen und Herren Abgeordneten endlich mal die Gesetze zur Korruptions- und Lobbyismusbekämpung durchbringen würden, die sie schon seit Jahren blockieren, hätte sich das Thema vielleicht auch schon erledigt.

Dennoch wird mir bald schlecht, wenn ich die Art und Weise der Berichterstattung sehe und wie sich jetzt an Kleinigkeiten hochgezogen wird. Ich habe es in der Vergangenheit schon hier kund getan und tue es jederzeit wieder: Der ADAC ist der einzige Verein, bei dem ich stolz bin Mitglied zu sein, obwohl ich ihn nicht selbst gegründet habe. Wer einmal gesehen hat, wie erleichert Menschen sind, denen der Verein mit seinen Rettungshubschraubern, Krankentransporten oder, ganz simpel, der Pannehilfe geholfen hat, der weiß was ich meine.

Und ehrlich gesagt ist es mir scheißegal, ob der Vorstand einen Hubschrauber, der gerade gewartet wurde und eh aus dem Verkehr ist, für Diensttermine nutzt. Das sehe ich nicht als Verschwendung von Mitgliedsbeiträgen. Falls es das doch ist, kann auch das Medien und Poltik egal sein: Es ist ein Verein, der kann tun und lassen was er will.

Ein letztes Wort noch zum Thema “teure Batterien”: Ich selbst habe meine 2011 verstorbene Batterie auch gegen eine ausgetauscht, die ich direkt am ADAC-Wagen gekauft habe. Ja, die Varta hat 10 Euro mehr gekostet als im Geschäft. Aber dafür hatte ich keine Lauferei, keinen Hassel mit dem Einbau und brauchte mich nicht um die Entsorgung der alten Batterie kümmern. Dafür habe ich eine Batterie bekommen, bei deren Werte die Werkstatt später staunte “wir haben noch nie eine mit so irre guten Werten gesehen”. Man bekommt also eine Dienstleistung UND ein hochwertiges Produkt für einen vernachlässigbaren Aufpreis. Und DAS soll jetzt ein Skandal sein? Kommt mal klar, SPIEGEL und Co.

 
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Verfasst von - 5. Februar 2014 in Medienschau, Meinung

 
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Kein Zusammenhang(?)

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Verfasst von - 4. Februar 2014 in Foto, Fun, Medienschau

 

Puppenjournalismus

Berlin: Fernsehgeräte der Marke “LG” mit einem Internet-Anschluss haben Informationen über die Sehgewohnheiten der Nutzer an einen Server des Herstellers gesendet. Das hat der südkoreanische Elektronikkonzern eingeräumt. Die Daten können dazu verwendet werden, personalisierte Werbung auf dem Smart-TV zu ermöglichen. Das Unternehmen betonte, es habe sich nicht um personenbezogene Daten, sondern um Informationen zum Sehverhalten gehandelt. “LG” will nun möglichst schnell eine aktualisierte Software-Version zur Verfügung stellen, die das Problem behebt.

(NDR Info, Nachrichten vom 22.11.13, 8.45 Uhr)

Oh wie ich es HASSE wenn die Nachrichten einfach die Pressemitteilungen nachplappern! Was der Kollege Redakteur in dieser nur mild umformulierten Pressemitteilung tut ist nichts anderes, als sie wie eine Sprechpuppe zu verhalten. Jemand anders sagt vor, er wiederholt es, mit nur homöopathischen Abweichungen.

Zu den Fakten: Was ist passiert? LG produziert “Smart TVs”, die einen Internetanschluss haben. Die Geräte empfangen darüber nicht nur Informationen wie Programmführer oder ähnliches, sie senden auch – und zwar was gerade geschaut wurde, wie lange, wann umgeschaltet wurde und wohin. Werden zugespielte Medien wiedergegeben, werden deren Namen und Format nach LG gemeldet. Der Nutzer, der das Verhalten des TVs entdeckte, testete mit einer Datei mit dem Namen “Midgetporn”, weil ihm gleich noch eine zusätzliche Dimension klar wurde: Natürlich wird auch nach außen weitergemeldet, wenn Nutzer sich Pornos oder sonstwas angucken.

Was will LG mit solchen Daten? Sie werten sie aus. Um auf der Bedienoberfläche des Fernsehers Werbung anzuzeigen. Im Ernst! Man gibt viel Geld für einen Fernseher aus, und der Hersteller schnüffelt einen damit aus, um mit WERBUNG ein zweites Mal an den Nutzern zu verdienen! Guckt jemand dauernd National Geographic, werden ihm Reisen angeboten. Sieht jemand regelmäßig Top Gear, dann Werbung für Autos. So ungefähr muss es laufen.

Im obigen Fall ist nun besonders ärgerlich, dass mit einem so sensiblen Thema so lax umgegangen wird. Mit nur zwei Minuten Recherche und der Investition von einmal kurz nachdenken kann man nämlich

1. zu dem Schluss kommen, dass der Satz von den “Wir übertragen keine personenbezogenenen Daten” einen feuchten Pups wert ist. Alle modernen Geräte erfordern ein Nutzerkonto mit persönlicher Registrierung und ermöglichen mithin aus den übertragenen Daten eben doch Verknüpfungen zum einzelnen Zuschauer oder zumindest Haushalt ermöglichen.

2. Der Satz “aktualisierte Softwarefassung, die das Problem behebt” vollkommener Schwachsinn ist, weil er impliziert, dass der Fernseher durch einen unbeabsichtigten Fehler oder ein Versehen in ein Schnüffelinstrument verwandelt wurde. Stattdessen war das pure Absicht, und jetzt, wo LG mit der Hand in der Keksdose erwischt wurde, werfen die Nebelkerzen.

Was lernen wir daraus?
1. Im journalistischen Tagesgeschäft haben unsere Gatekeeper weder Zeit noch Muße aus Fakten oder Pressemitteilungen eine Nachricht zu machen, in der die Inhalte stimmen und evtl. für zwei Cent auf Implikationen hingewiesen wird. (OK, DAS ist nicht neu.) und

2. Stelle Dir kein Gerät ins Wohnzimmer, was nach Außen kommunizieren kann. Letzteres wird sich im Laufe der Zeit kaum vermeiden lassen, aber man muss ja nicht jede neue Technik sofort umarmen. Natürlich kommuniziert selbst eine netzverbundene, 8 Jahre alte Spielkonsole schon mit dem Hersteller des gerade im Laufwerk liegenden Spiels. Allerdings werden dabei nur Telemetriedaten übertragen, was für mich OK ist.

Das heisst aber noch lange nicht, dass ich mir einen skyepfähigen Fernseher mit Mikro und Kamera ins Wohnzimmer stelle. Oder eine XBOX ONE, deren Sensoren Gesichtsregungen erkennen können sollen und deren Kamera angeblich durch Kleidung hindurch die Genitalien ablichten kann. Wer weiß, wohin diese Daten übertragen werden…

 
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Verfasst von - 25. November 2013 in Medienschau

 

Tagesschaum

Erinnert sich noch jemand an Friedrich Küppersbusch? Der hat in den Neunzigern in der ARD “ZAK” gemacht, ein sehr schnelles Format, dass Aktuelles aus Zeitgeschehen und Kultur (Daher der Name) an der Grenze zur Satire präsentierte. Kpüppersbusch war der Star der Sendung, und ich habe später nie wieder jemanden gesehen, der auch nur im Ansatz seine Moderations- und Denkgeschwindigkeit, geschweige denn seine Vorbereitung in Interviews erreicht hat.

Nach ZAK kam “Privatfernsehen”, das mit Livepublikum und mehr Zeit nicht wirklich was anzufangen wusste, aber auch hier brillierte Küppersbusch in längeren Interviewsequenzen. Er lockte seine Gesprächspartner nicht mal unbedingt in Fallen, er stellte oft auch einfach nur Fragen, die so simpel waren, dass sie sonst keiner zu stellen wagte – und die oft nicht beantwortet werden konnten. Unvergessen die Szene, in der ein Spitzenfunktionär der deutschen Wirtschaft nicht erklären konnte, was die Bruttoverschuldung ist.

Dann wurde es still. 1997 zog sich Küppersbusch hinter die Kamera zurück und ist seitdem als Produzent tätig. Zudem schreibt er eine Kolumne in der taz und macht ein wenig Radio. Ich habe ihn vermisst – aber jetzt ist er wieder da!

Bis zur Bundestagswahl begleitet er uns im ersten deutschen Fernsehen bzw. dem WDR mit dem “Tagesschaum”, einem viertelstündigen Format. Vor minimaler Kulisse kommentiert er das Tagesgeschehen. Zur Redaktion gehört der von mir überaus geschätzte Stefan Niggemeier, und was die so produzieren, legt ein hohes Tempo an den Tag und stellt echte Ansprüche an die Zuschauer. Erfrischend, wo doch sonst im Fernsehen alles dreizehn Mal durchgekaut wird, bis auch der dümmste es verstanden hat. Nicht so hier, und zudem ist Tagesschaum sehr Meinungslastig, was allerdings Hand in Hand mit einem Bildungsauftrag daherkommt. Wenn in 60 Sekunden erläutert wird, wie Starbucks Steuern vermeidet oder wie der Stand der Piratenpartei ist, dann ist das große Kunst. Und genau zur richtigen Zeit, denn wo die etablierten Qualitätsjournalismusssendungen unreflektiert jeden Müll wiederkäuen, nimmt Tagesschaum eine Sonderstellung ein – wie in Amerika der Colbert-Report oder mim ZDF die heute-Show. Anscheinend braucht es Satiresendungen, um die Wahrheit zu berichten.

Tagesschaum, jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag um 23.15 Uhr im WDR oder zeitsouverän auf Youtube.

 
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Verfasst von - 3. Juli 2013 in Medienschau, Service, TV-Serie

 

Prism, Tempora und Snowden

Ich war ja nur dreieinhalb Wochen weg, von der Nachrichtenlage ist das aber wie ein halbes Jahr gewesen. Meine Güte:

Das große Schlimme: Die A-Bombe
Die Amis und auch die Engländer bespitzeln alles im Internet, können direkt auf die Datenbanken der großen Service- und Cloudanbieter zugreifen und belauschen direkt in den Glasfaserknoten. Das hat ein junger Mann namens Edward Snowden an die Presse weitergegeben. Snowden ist selbst bei einem Dienstleister zur Datenanalyse dieses Traffics angestellt gewesen, nach seiner Enthüllung flieht er nun vor den amerikanischen Geheimdiensten.

Dieser Vorfall ist sowas wie die Bekanntgabe, dass es die Atombombe wirklich gibt und sie eingesetzt wird. Im Ernst. Nut übertragen auf die digitale Welt. Wenn zuvor jemand behauptet hat, dass die Geheimdienste alles mitlesen, wurde er zuallererst als Verschwörungstheoretiker belächelt. Die Geheimdienste? Die gleichen, denen einen Panne nach der nächsten passieren? Diese unfähigen Organisationen sollen Zugriff auf mein Apple- (Google-/Yahoo-/Micrsoft-)Postfach haben? Niemals? Diese Geheimdienste sollen alles mitschneiden? Haben die doch gar keine Kapazität für, und wenn doch, sind sie nicht in der Lage das auszuwerten.
Tja.
Haben sie doch. Tun sie doch. Können sie doch.
Keine Kommunikation im Netz, die nicht belauscht wird. Nirgendwo.

Für mich ist Edward Snowden der größte Held dieses Jahrzehnts, und möglicherweise muss man sich in Europa mit dem Gedanken anfreunden, dass die USA mit ihren Verbündeten anders zu sehen sind als als dicke Freunde.

An diesem Fall ist aber noch mehr Bemerkenswertes:

1. Der Umgang der Medien mit den Geschehnissen.
Erstaunlicherweise machen manche Medien nun Jagd auf Snowden, fühlen in seiner Vergangenheit und stellen ihn als Verräter dar, der die Sicherheit der westlichen Welt kompromittiert. WTF? Was stimmt denn bei denen nicht? Oder droht die NSA denen die Butze dicht zu machen, wenn sie anders berichten? Oder ist es so, dass die Journalisten nicht fähig und in der Lage sind, sich mit Prism und Tempora auseinanderzusetzen, und stattdessen lieber eine Homestory zur Person Snowden machen und ihn dabei zerreissen?

2. Der Umgang deutscher Politiker mit den Geschehnissen.
Sie wollen von nichts gewusst haben, in der deutschen Politik. Wer soll das denn glauben. Selbst die Belgier sollen Anfragen an die NSA gestellt und diese beantwortet bekommen haben. Sollten unsere Regierungspolitiker wirklich nichts von Prism gewusst haben, dann gehören sie wegen Unfähigkeit abgesägt. Haben sie davon gewusst, dann gehören sie abgesägt, weil sie die Rasterung unserer Daten zugelassen haben.

3. Der Umgang mit Snowden.
Das ist wirklich schlimm: Der Mann sitzt wer-weiß-wo und hofft auf die Gnade eines Staates wie Ecuador für Asyl. Wie schlimm ist das denn? Warum hat kein europäisches Land den Arsch in der Hose, diesem Mann, der der Freiheit der Menschen einen unschätzbaren Dienst geleistet hat, aufzunehmen und zu schützen? Stattdessen machen wir ein schlechtes Beispiel für nachfolgende Whistleblower: Wenn Du der Welt was mitzuteilen hast, bring Dich daraufhin gleich um – denn niemand wird etwas mit Dir zu tun haben wollen.

4. Die fehlende Empörung.
Wo bleibt die? Wo geht der Sturm durchs Netz? Stattdessen herrscht eine “Ham wa ja schon immer jewusst”-Einstellung vor. WTF? NEIN, haben WIR NICHT. Bis vor Kurzem wurde man dafür belächelt!

In der Summe alles sehr, sehr schlimm was da läuft. Da kann jetzt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe eingeschaltet werden oder Politiker plakativ Aufklärung fordern – hier hat nicht irgendein einzelner eine Verfehlung begangen, hier ist ein kein Fehler passiert, sondern hier ist bewusst System ausser Kontrolle gebracht worden. Europa ist gut beraten, sich unabhängiger von den USA zu machen, die Briten ziehen zu lassen und sich eine souveräne Infarstruktur unter demokratischer Kontrolle aufzubauen.

 
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Verfasst von - 1. Juli 2013 in Medienschau

 

Babyboomer als Feindbild

Früher waren die Alten pragmatisch und die Jungen idealistisch.
Heute sind die Jungen desillusioniert. Sie wagen es nicht einmal mehr zu kämpfen.
Es ist absurd: Während die Jungen vor der Zeit altern, genießen die Alten die Privilegien der Jugend – Unbekümmertheit und Unvernunft.

Einen interessanten Text hat die ZEIT da zusammengeschrieben. Es geht um die Generation der Babyboomer, die Generation von Menschen, die Mitter der 50er bis Mitte der 60er geboren wurden. Sie, so suggeriert der Text, waren schon immer viele, mussten nur im Strom schwimmen, kennen keinen Widerspruch. Sie verachten die Alt-68er, profitieren aber von deren Leistungen, während sie gleichzeitig den Sozialstaat zurückbauen und kommende Generationen kleinhalten. Dafür lässt ihre eigene Generation es richtig krachen: Besetzt wichtige Posten bis ins hohe Alter und stellt Demographie und Erbverhalten komplett auf den Kopf. Anstatt am Lebensende den Stab (und das Vermögen) an die nächste Generation weiterzureichen, werden die Babyboomer aller selbst verkonsumiert haben, erst für Luxus, dann für Ihre Gesundheit.

Money Quote:

Zu jeder Zeit ihres Lebens profitierten sie von gut finanzierten Staatsprogrammen: Als sie jung waren, wurden für sie die Universitäten ausgebaut, das Bafög wurde erfunden. Als Berufstätige freuten sie sich über massive Steuersenkungen. Als Ältere kommen sie in den Genuss eines historisch einmaligen Versorgungswesens. Zum Dank haben sie den Staat zurückgebaut, wo sie nur konnten.

Sicher ist: Wir Jüngeren werden länger und mehr arbeiten müssen für weniger Geld. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, werden wir höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen, aber selbst später kaum mehr als eine Grundsicherung erhalten. Wir werden uns abrupt der Realität des Klimawandels stellen müssen. Und die Kosten der Finanzkrise werden wir auch zahlen.

Früher waren es die Kinder, die eine Party schmissen, und die Eltern, die das Desaster beseitigten. Die Babyboomer haben es geschafft, das Verhältnis umzukehren.

Der Text lässt einem beim Lesen immer wieder mit dem Kopf nicken, und am Ende mit einem guten Stück Wut im Bauch zurück, auf diese egoistische Generation der Blockierer. Den Feind “Babyboomer” hat man so vielleicht noch nicht wahrgenommen, aber die im Text beschriebenen, möglichen Konsequenzen hat jeder von uns schon erlebt.

Aber genau damit habe ich ein Problem. Hier gibt es einfache Antworten auf komplexe Problemstellungen, und damit macht man es sich immer zu leicht. So funktioniert die Welt nicht. “An allem sind die Babyboomer Schuld” ist natürlich eine sehr einfache Antwort. Der Text baut die Generation der Babyboomer als ein Feindbild auf, und schreibt die in eine ungekannte Höhe hinauf, nur um ihnen dann das Unglück der Welt in die Schuhe zu schieben. Das ist ab einem gewissen Maß nicht mehr fair, allerdings sorgt die Überhöhung auch dafür, dass man nach der Lektüre intensiv darüber nachdenkt.

Der komplette Text findet sich hier:
http://www.zeit.de/2013/17/demografie-babyboomer

 
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Verfasst von - 24. April 2013 in Ganz Kurz, Medienschau

 

Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)

Ja, ich gucke #IBES gerne.

Ich mag kein Unterschichten-TV, und verachte Menschen, die sich an Sendungen über die Leben geistig simpler Menschen, die nicht verstehen, was Medien aus ihnen machen, ergötzen. IBES ist da anders, die Sendung spricht mit ihrem Witz nicht (nur) die Unterschicht an, und hier sind die Opfer vor allem geltungssüchtige Selbstdarsteller, die mediale Misshandlung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen WOLLEN und dabei wiederum auf die Nase fallen. Dieses Doppel- und Dreifachbödige, das Spiel mit den Ebenen, ist ein Erfolgsfaktor von IBES. Von daher war der schlichte Joey von Anfang an eine, nun, interessante, weil ungewöhnliche, Besetzung – genau wie die absolut pragmatische Claudelle, die sich mit ihrer geerdeten Art einen Platz in den Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer gesichert hat.

Statt “der Muddi”, der von allen haushoch favorisierten Olivia Jones, ist nun der erkennbar simple Joey Dschungelkönig geworden. Wenn man Joey zusieht, kann man den Eindruck gewinnen, dass er zu viel Klebstoff geschnüffelt hat – so entwaffnend naiv ist er. Aus dieser Naivität resultiert Authentizität un Ehrlichkeit. Und genau das hat ihm jetzt zum Sieg verholfen, gegen all die kalkulierenden Models, Playmates, Dragqueens und so weiter.

Und bevor jemand anders das mediale Phänomen tauft: Als Medienwissenschaftler gebe ich nach eingehender, äußerst wissenschaftlicher Analyse dem Prozess, dass sich ein schlichter Mensch gegen alle Trends und gegen eine Horde kühler Kalkulatoren durchsetzt, den Namen

“Forrest-Gump-Effekt”

Anscheinend besteht gesamtgesellschaftlich der Wunsch nach Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Ein zeitloser Klassiker, zuletzt zu wenig beachtet, aber halt authentische Lebenswirklichkeit.

 
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Verfasst von - 27. Januar 2013 in Betrachtung, Medienschau

 

Weisheit des Tages

“Anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it.”

- Douglas Adams

Sehr schönes Zitat, aber das ist nur ein Einsprengsel im wohl relevantesten Text der Woche. Verfasst vom, von mir sehr geschätzten, Herrn Kaliban, der mal wieder eine große Stunde hatte. Nachzulesen hier.

In der Folge nimmt er in wenigen, präzisen Sätzen die Netzberichterstattung der Süddeutschen Zeitung auseinander, danach Frau Zehnpfennig, Ihres Zeichens Passauer Professorin und vermutlich entweder Templerin oder CSU-Mitglied, die behauptet, Transparenz und das Netz gefährde die Orte, an denen “Demokratie blüht”: Die Hinterzimmer.

Money Quote:

“Das ist nun wirklich das ungefilterte Denken der Eliten.

Genau so hätten sie’s gern. Keine Mitbestimmung, keine Transparenz, nur der Klüngel und die Hinterzimmer und die großen Zeitungen als ideologischer Türwächter.”

Sofortiger Lesebefehl: “Ach, das Netz ist so gefährlich” von Kaliban.

 
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Verfasst von - 20. November 2012 in Medienschau

 

Journalistisches Highlight des Tages

Wenn der Feelgood-Manager eines Unternehmens im Bereich interaktiver Kundeninformation, Kiosk-Technologie und Digital Signage am POS ein positives Fazit zu seinem Lieblinksplace zieht …dann ist wieder mal Bullshit im Anflug.

Passt aber zu der Einladung zwei Zeilen tiefer, bei der zum “Haxenessen des Mittelstands mit Eckard von Klaeden” eingeladen wird. So stelle ich mir den ersten Kreis der Hölle vor.

 
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Verfasst von - 12. November 2012 in Medienschau

 

Überlegt

Ob RTL-Reporter wohl nachdenken, bevor Sie Sätze aufsagen wie “das unehrenhafte Verhalten des Capitano Dilettante bringt Schande über das gesamte Land”?
Vermutlich nicht.

 
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Verfasst von - 19. Januar 2012 in Medienschau

 

Neues Gesetz: Feiertage ab 2012 nur noch an Wochenenden

Boah, ich habe gerade SO einen Hals. Grund: Diese Meldung, gefunden in der LAZ.
Wenn ihr mich fragt: EIN SKANDAL!

Berlin (dpa) In den vergangenen Jahren fielen Feiertage gehäuft auf Wochenenden. Die Regierungskoaltition plant nun die gesetzliche Verankerung einer solch arbeitgeberfreundlichen Feiertagsgestaltung. Die könnte bereits im nächsten Jahr in Kraft treten.

Der Bundeskanzler Frau Merkel werde bereits in der Neujahrsansprache einen entsprechenden Gesetzesvorstoss öffentlich ankündigen, berichten informierte Kreise in Berlin. Vorab äußerte sich Philipp Rössler, Vorsitzender der FDP. Er sei angetreten, so Rösler, um frischen Wind zu verbreiten und alte Paradigmen zu hinterfragen. Dazu gehöre es auch, das Prinzip kalendarisch festgelegter Feiertage auf den Prüfstand zu stellen. Die letzten Jahre, in denen Weihnachten, Nationalfeiertag und Ostern stets auf Wochenenden gefallen waren, hätten die breite Akzeptanz in der Bevölkerung gezeigt. “Wir müssen flexibel sein, wenn wir den Wirtschaftsstandort Deutschland erhalten wollen. Es gibt keinen Grund, warum wir Heiligabend nicht am 20. Dezember feiern können, wenn das ein Freitag ist. Erster und zweiter Weihnachtsfeiertag lägen dann immer auf einem Samstag und Sonntag. Das ist zuverlässig und schafft dauerhaft Planungssicherheit.”

Den Vorwürfen, das hier nur die Interessen der Arbeitgeber bedient werden sollen, begegnet Bundesinnenminister Friedrichs (CSU) mit Hinweisen auf die innere Sicherheit. Er halte die Einführung flexibler Feiertage für alternativlos, insbesondere vor dem Hintergrund der Terrorgefahr führe kein Weg um die Vorratsdatenspeicherung und die Flexibilisierung der Feiertage herum.

Kritik an diesem Vorhaben wird unterdessen aus den Reihen der Koalition laut. Dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel gehen die Vorschläge der Koalition nicht weit genug. “Wenn man hier wirklich etwas für die Wirtschaft und die Sicherheit tun wollte, dann müsste man konsequenterweise auch die Wochenenden abschaffen, wie es die SPD seit jeher fordert. Von dieser Forderung rücken wir auch jetzt nicht ab”, so Gabriel. Aus Reihen der Grünen war zu vernehmen, das man den Vorstoss begrüße, da es Feiertage wie Weihnachen seien, die zur Vermeidung von Konsumterror und Kommerz abgeschafft gehörten. “Das sehen wir als Schritt in die richtige Richtung”, formulierte es der grüne Kanzlerkandidat Jürgen Trittin.

Wenig Widerstand gegen die Koalitionspläne gibt es auch von den Kirchen in Deutschland. Ferdinand Reymann, Bischof der Erzdioziöse Augsburg, betont, das es bei kirchlichen Feiertagen um die Symbolik gehe, und nicht um das Festhalten an konkreten Terminen. Die, so Reymann, seien “ohnehin nur Schätzwerte.”

Über einen Gesetzentwurf zur Feiertagsflexibilisierung soll im Bundestag bereits im Januar abgestimmt werden. Eine entsprechende Regelung könnte voraussichtlich schon im Sommer 2012 in Kraft treten. Die Weihnachtsfeiertage 2012 würden dann auf Samstag und Sonntag, 22. und 23. Dezember, fallen.

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2011 in Medienschau

 

Volksprodukte

Über die Schwemme an Werbe Tie-Ins zwischen der BILD-“Zeitung” und Gott und der Welt hatte ich mich an anderen Stellen schon genügend aufgeregt.

Es gilt die Regel: Irgend ein Kram + BILD-Werbung = Volksprodukt.

Kaffeemaschinen, Waschautomaten, Pizza, Versicherungen, Computer, Kameras, Schuhe, Alkoholika und alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird durch BILD zur Volkskaffeemaschine, Volkswaschmaschine, Volkspizza, Volks-PC, Volks-Notebook, Volkskamera, (…you get the idea…) “veredelt”.

Schlimm genug ist schon, dass die BILD regelmäßig die Trennung von Werbung und redaktionellem Teil vergisst. Eine Stufe schlimmer ist noch die Namensgebung der Aktionen. Mir wird regelmäßig übel wenn ich sowas sehe. Im Ernst, wer hat es sich ausgedacht, ausgerechnet ein “Volks-” davorzuhängen? Hat ausser mir denn niemand Assoziationen bei denen der Begriff nicht positiv besetzt ist?

Musste ich neulich dran denken, als ich diesen Karton hier auf dem Dachboden gefunden im Museum gesehen habe:

Übrigens kann man sich dem Wahnsinn kaum entziehen. Selbst wenn man es eigentlich boykottiert.

 
 
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