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Archiv der Kategorie: Reisen

Motorradreise 2014 (6): Das vergessene Fürstentum

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am sechsten Tag der Reise sorgen Taxifahrer für Ärger und das Wiesel bezieht einen Grenzposten.

Mittwoch, 11. Juni 2014, Saint Cyr sur Mer, Provinz Alpes Cotes d´Azur, Frankreich

Mit Maut oder ohne?, überlege ich, während ich im Zimmer des “Villes des Pines” auf und abgehe, in der einen Hand das Navigationsgerät, in der anderen einen Klappbecher Instantkaffee. Der stammt aus dem kleinen Vorrat des Motorrads. Ich brauche morgens nicht viel, und die 12 Euro, die hier für ein französisches Frühstück (= 1 Croissant und 1 Kaffee) aufgerufen werden, spare ich mir lieber.

Auf Konferenzen genauso praktisch wie Im Urlaub: Kaffeebecher von Sea to Summit.

Auf Konferenzen genauso praktisch wie Im Urlaub: Kaffeebecher von Sea to Summit.

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Das Fenster zum Hafen ist offen. Die Blätter der Palmen an der Mole pendeln träge in einem kleinen Luftzug. Das Thermometer zeigt 22 Grad, und das um kurz vor Sieben. In der Nacht ist die Temperatur nur wenig runtergegangen, ich habe sogar bei offenem Fenster geschlafen – was ich sonst nie kann und tue. Aber anders war es nicht aushalten, und das plätschern des Meeres und das gelegentliche “ding” einer Bootsglocke war schon sehr angenehm.

Hat die Nacht im Hotelhof verbracht: Mopped.

Hat die Nacht im Hotelhof verbracht: Mopped.

Heute soll es weiter nach Westen gehen. Ohne Mautstrecken, sagt das Navi, brauche ich dafür achteinhalb Stunden. Wenn ich bis zur italienschen Grenze die Mautgebühren bezahle, nur sechs Stunden.
Die Vorstellung an der sonnenumspielten Code d´Azur entlangzufahren, von einem Fischerdorf zum nächsten, ist romantisch. Aber eben nur das: Eine romantische Vorstellung. Ich kenne die Strecke, sie ist schlimm verbaut, und wenn man Pech hat schiebt man sich im Schrittempo am Mittelmeer entlang, weil alle anderen zeitgleich auch romantisch sind. Nee, dann lieber Autobahn heute morgen. Soll es halt mal 9 Euro kosten, dafür kann ich mir später länger schöne Orte angucken.

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Nach einem Tankstop geht es auf die Autobahn, und nach kurzer Zeit kommt schon das erste Schild, das auf eine Mautstation hinweist: “Gare du Péage”. Das System in Frankreich kenne ich schon. Man zieht zu Beginn eines Mautabschnitts ein Ticket, und wenn man abfährt oder der Abschnitt endet, muss man wieder an einer Mautstation per Karte oder Bargeld bezahlen. Dabei kann es durchaus hektisch werden, denn nicht alle Zahlungsmethoden sind an jeder Fahrspur verfügbar. Manchmal kann man auch nur mit einer französischen Debitkarte bezahlen oder mir einem Télépass-Mautabo.

Als ich auf die Mautstation zurolle, bin ich das erste mal irritiert. Ich weiß, dass nicht an jeder Spur Motorräder bedient werden, aber hier… steht über JEDER geöffneten Spur ein “Motorrad verboten” Schild. Was soll das? Ich drücke auf die Bremse, und die Kawasaki kommt mitten im Einflugkanal eines Schalters zum stehen. Ich gucke. Und gucke nochmal. Dann vergleiche ich die Anzahl der geöffneten Schalter mit der Anzahl der “Motorrad verboten”-Schilder. Dann gucke ich nochmal. Keine Chance, es wird nicht besser. Motorräder sind nirgends zugelassen.

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Verfasst von - 29. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2014 (5): Totes Wasser und die Kathedrale der Bilder

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Heute steht ein Gewaltakt bevor: Es geht an einem Tag durch das Herault, die Carmargue und die Provence.

Dienstag, 10. Juni 2014, Leucate-Plages, Mittelmeerküste, Frankreich

Es ist kurz vor Sieben, als ich vor das Appartement trete. Ein herrlicher Morgen: Die Straße runter rauscht das Meer, und die Sonne steht am Himmel und wirft fast weißes Licht durch die Bäume. Die Sachen sind gepackt, die Kawaski ist startbereit.

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Ich wecke Monsieur Vermietör und drücke ihm den Schlüssel in die Hand, dann lasse ich Leucate-Plages hinter mir. Das Appartement hatte mir zuletzt gut gefallen, bis auf das Diethyl-Phtalat-Faß, aber trotzdem will ich jetzt weiterfahren. Woanders wartet was besseres auf mich, und da gibt es auch Meer.

Die Renaissance zieht in der trüben Morgensonne durch die Weinberge des Hérault Richtung Narbonne, dann weiter nach Béziers und schließlich wieder auf die Meridienne, die Autobahn A75. Heute liegt ein weiter Weg vor mir.

Von Leucate über Aigues-Mortes, durch die Carmargue in die Provence, dort nach Les Baux, von dort hinter Toulon.

Die Tour des heutigen Tages: Einmal fast komplett an der französischen Mittelmeerküste entlang, von Leucate über Aigues-Mortes, durch die Carmargue in die Provence, dort nach Les Baux, von dort weiter hinter Toulon.

Es geht flüssig und auf schönen Landstraßen bis Montpellier, dort gerate ich dann in den morgendlichen Berufsverkehr. Die Stadt hat viele Ampeln, daher geht es nur langsam voran. Während einer Rotphase hält plötzlich ein dreirädriger Roller von Peugeot neben mir. Der Fahrer nickt mir zu und schaut nach vorne. Dann besinnt er sich plötzlich eines Besseren und schiebt sein Gefährt ein Stück zurück, lehnt sich hinüber und ruft “Deutscher, ja?” “Qui, suis Allemand, ça va?”, entfährt es mir automatisch, während ich aus meinen Gedanken gerissen werde. “Ich! Bin aus der Schweiz”, ruft der Peugeotfahrer.
“Mit DEM DING?”, frage ich verblüfft und deute auf das Dreirad. “Nein”, lacht der Schweizer, “wohnhaft hier”. Aha. “Wie fährt sich denn das so, mit drei Rädern?”, will ich wissen. “Gaaanz super für die Staahaaaadt”, ruft der Schweizer im Anfahren und ist schon im Stadtverkehr verschwunden.

Stadtmauer von Aigues-Mortes.

Stadtmauer von Aigues-Mortes.

Um kurz nach 10 komme ich in Aigues-Mortes an. Hier war ich schon einmal, aber nur kurz, und ohne wirklich Augen für die Stadt gehabt zu haben. Damals war ich zu sehr mit was ganz anderem beschäftigt als das ich mich hierauf hätte einlassen können. Irgendwie habe ich seitdem das Gefühl, in dieser merkwürdigen Stadt noch was Unerledigtes zurückgelassen zu haben.

Aigues-Mortes heisst so viel wie "totes Gewässer"

Aigues-Mortes heisst so viel wie “totes Gewässer”

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Die Geschichte von Aigues-Mortes
Im Jahr 1240 beschloss der König von Frankreich, dass er jetzt doch mal Ländereien am Mittelmeer bräuchte. Gesagt, getan: Er erwarb Land von den dortigen Mönchen und baute einen Turm, den Tour Constance. Dann folgte eine viereckige Stadtmauer, dann ein Hafen. Aufgrund der strategisch geschickten Lage wurden viele Zölle eingenommen, und Aigue-Mortes blühte auf. Von hier starteten Kreuzzüge, hier wurde der Friedensvertrag von Nizza verhandelt.

Im 16. Jahrhundert änderten sich die Wasserströmungen, und die Zufahrten versandeten. Aigues-Mortes wurde aufgegeben, und 400 Jahre lang lag die Stadt vollkommen intakt, aber vergessen, in der Camargue. Nach ihrer “Wiederentdeckung” wurde sie Touristenmagnet und Zentrum der Salzherstellung. Aigues-Mortes liegt heute sechs Kilometer vom Mittelmeer entfernt, verfügt über einen vollkommen intakten, mittelalterlichen Kern und ist weltweiter Exporteur der Fleur de Sel, der “Salzblumen”: Salzkristalle, die durch die Verdunstung von Meerwasser in den flachen Teichen um die Stadt gewonnen werden. Gibt´s auch hier in jedem besseren Supermarkt, auf dem Siegel am Deckel steht Aigues-Mortes.

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Verfasst von - 22. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2014 (4): Surreal

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am vierten Tag ist Ausruhen angesagt. Eigentlich.

Montag, 09. Juni 2014, Leucate-Plages, Mittelmeerküste, Frankreich

Als der Wecker um 06.45 Uhr klingelt ist es noch viel zu früh. Ich fühle mich nicht ausgeruht, sondern immer noch müde und erschöpft. Die letzten drei Tage mit der Dauerfahrerei waren anstrengend, und die vielen Eindrücke sorgen für unruhigen und leichten Schlaf – das Hirn hat einfach zu viel zu verarbeiten und träumt viel zu viel. Außerdem war ich gestern zu lange wach. Ich schlurfe ins Bad des Appartements am Meer und blicke in den Spiegel. Eine müde Person blickt mir mit hängenden Lidern entgegen.

Eine Rasur später mixe ich mir einen dreifachen Instantkaffee. Das Pulver kommt aus dem kleinen Notvorrat des Motorrads, das Wasser brüllend heiß aus dem Hahn. Anscheinend hat der Hobbyklempner den Wasserhahn direkt an ein Atomkraftwerk angeschlossen oder so. Das Gebräu sorgt sofort für Pulsbeschleunigung und Herzklabastern, aber auch für wach.

Ich klettere auf´s Motorrad und fahre die morgentlich-leeren Straßen am Strand von Leucate entlang.

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Dann geht es nach Westen, und dort auf die Schnellstraße gen Süden. Die wird immer schmaler, je weiter ich komme, und teilt sich nach einer Stunde in kleine Bergstraßen auf, die sich durch die Ausläufer der Pyrenäen ziehen.

Von Leucate (nördlichster Punkt) über einen Ausläufer der Pyrenäen nach Figueres in Spanien (ganz im Süden), dann über die Küstenstraße zurück.

Von Leucate (nördlichster Punkt) über einen Ausläufer der Pyrenäen nach Figueres in Spanien (ganz im Süden), dann über die Küstenstraße zurück.

Durch enge Felsentäler geht es weiter bis nach Le Perhus, den letzten Ort auf französischer Seite vor der Grenze zu Spanien. Dort stoppe ich das Motorrad und ziehe das Navigationsgerät aus der Halterung. Es ist ab hier nutzlos und der Grund, weshalb ich etwas übernächtigt bin. Gestern Abend habe ich erst gemerkt, dass das TomTom den heutigen Zielort einfach ausge-Xt hat. Statt die Route anzuzeigen gibt es nur Xse auf weißem Hintergrund. Ein schneller Check am Netbook bestätigte die Befürchtung: Der Grund dafür ist fehlendes Kartenmaterial.

TomTom hat so ein superdummes Kartenkaufmodell, bei dem man sich für eine Kartenkombination entscheiden muss. Einzelne Länder kaufen geht nicht, man muss immer für 12 oder 18 Monate ein Paket kaufen. Aus Kostengründen hatte ich mich für Zentraleuropa entschieden. Genau das richtige für mich, dachte ich, alles relevante drin, und nach Spanien würde ich mit dem Motorrad sowieso NIE fahren. Ist ja viel zu weit weg, so verrückt bin ich ja nicht. Dachte ich.

Spanien.

Spanien.

Und jetzt stehe ich mit der Kawasaki auf einem Parkplatz an der Grenze und blicke über die weite Landschaft aus braunen Hügeln, die schon zu Spanien gehört, und mein Navigationsgerät zeigt nur noch weißes Rauschen an. Ich stecke es in seine Halterung im Topcase, dann ziehe ich das iPhone aus der Tasche und werfe die Navigon-Software darauf an. Das HAT Karten von ganz Europa zur Verfügung, und seit gestern Nacht ist auch Spanien darauf und das heutige Reiseziel programmiert.

Das Telefon koppelt sich an meinen Helm, und schon kann ich nach den Sprachanweisungen der App steuern. Das klappt auch ganz gut, ich finde den Ort Figueres auf Anhieb. Figueres ist eine kleine Stadt im katalanischen Küstenland. Drum herum sind Hügel, die wie gefaltet wirken, bedeckt mir grünen Wiesen und vereinzelten Bäumen, die nicht gerade wachsen sondern sich wie Breakdancer jeder in eine andere Richtung lehnen. Diese Landschaft ist surreal und vielleicht ist sie mit daran Schuld, das einer der größten Surrealisten von hier kommt.

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Im Gewirr der Gassen der Altstadt von Figueres fehlt dann aber doch ein Display mit einer optischen Anzeige, so dass ich etliche Ehrenrunden durch immer gleiche Einbahnstraßen drehen muss, bis ich mein Ziel finde: Das Theater von Dalí. Freunde waren vergangenes Jahr dort und brachten Bilder mit, die mich zum Staunen und dann zu der spontanen Reaktion “da muss ich hin” verleiteten. Ein ehemaliges Theater, von Dalí erworben und selbst zum Kunstwerkt umgestaltet wurde.

Das Theater von Dalì

Das Theater von Dalì


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Verfasst von - 15. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2014 (3): Nutella und Diethylphthalat

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Heute geht´s weiter quer durch Frankreich, bis an die Mittelmeerküste.

Sonntag, 08. Juni 2014

Der Tag beginnt mit… Nutella. Ich habe keine Ahnung wie lange ich schon kein Nutella mehr gegessen habe. Das letzte Mal ist gefühlt ein Jahrzehnt her, aber als der Gastwirt ein Gals Nutella zur Tür des Frühstücksraums reinhält, zaghaft grinst und den Kopf fragend schief legt, muss ich lachen und kann gar nicht anders, als heute Morgen Nutella zu essen. Ich bin der einzige Gast in einem großen, alten Esssaal, in den ganze Hochzeitsbanketts passen würden. Der Saal ist ganz in Weiß gehalten und mit blauem Lack abgesetzt, ganz anders als die Kneipe und das Café einen Raum weiter, die in warmen Gelb- und Organgefarben gehalten sind. Wie das ganze Hotel Magne wirkt auch der Festsaal alt, aber auch vornehm, eine dörfliche 30er-Jahre-Art von Vornehm.

Ich mache dem Wirt ein Kompliment über sein Haus, und in seinen Augen blitzt es freudig auf. Gastwirte freuen sich immer, wenn man ihr Haus lobt. Er lächelt. “Das Haus ist drei Häuser in einem”, sagt er stolz, ” Hotel, Restaurant und Festsaal. Es ist seit vier Generationen im Besitz meiner Familie.” Das erklärt auch das altertümliche Bettgestell, das wurde bestimmt noch von den Gründern angeschafft.

Nach einem großen Metallkrug voll gutem Kaffee und einem halben Baguette mit, hihi, Nutella packe ich meine sieben Sachen und trage die Koffer zur Renaissance. Die hat die Nacht im Schuppen des Hotels verbracht hat, zwischen Bierfässern, einem Weltkriegsmofa und unter einem Vogelpärchen, das im Gebälk nistet. Monsieur öffnet die Torflügel, und das Motorrad rollt hinaus in die Morgensonne.

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Der Ort Saurier liegt eingeklemmt zwischen zwei großen Bergen, und durch die Schlucht steuere ich das Motorrad hinaus aus einem kleinen Gebirge. An hohen Felswänden führt die Straße entlang, und zu meiner Verwunderung finde ich mich plötzlich im Dorf Perrier wieder. Das mit dem Wasser, wissen schon. Hier aus der Auvergne kommt das meiste Flaschenwasser Frankreichs. Bei Issoire geht es auf die Südautobahn A75, die aus irgendeinem Grund mautfrei ist. Sie hört auf den schönen Namen “Meridienne”. Ich habe keine Abneigung dagegen Kilometer zu machen, und dafür eignet sich die A75 hervorragend. Zumal sich die Meridienne für eine Autobahn ungewöhnlich abwechselungsreich benimmt: Mal verläuft sie auf 1.000 Meter Höhe und ermöglicht atemberaubende Blicke ins Umland und in tiefe Schluchten, dann führt sie an Sehenswürdigkeiten vorbei, wie der spektakulären Tarn-Schlucht oder dem Ort Chaudes-Aigues mit seiner riesigen Festung und seinem 82 Grad heißen Thermalquellen. Ein anderes Mal windet sie sich in engen Kurven um Felsmassive und verschwindet in langen Tunneln. Manchmal sind nur noch 70 Km/h erlaubt, und man tut gut, sich daran zu halten.

Überhaupt, das französische System für Geschwindigkeitbegrenzungen ist äußerst fair. Im Ort ist halt 50, Außerorts 90. Ganz einfach. Wenn außerorts auf 70 km/h oder weniger reduziert wird, dann kommen garantiert auch enge Kurven, unübersichtliche Kreuzungen oder anderes, was das rechtfertigt. Ganz anders als in Deutschland, wo auf vielen Strecken überängstlich oder WEIL MAN ES KANN begrenzt wird und auch anders als in Italien, wo vielerorts die Höchstgeschwindigkeit um den Faktor Größenwahn zu hoch oder willkürlich auf Schleichfahrt begrenzt ist. Nein, angemessene Geschwindigkeit können die Franzosen. Genauso wie das Rechtsfahrgebot beachten, Kreisel, Reißverschlussverfahren und blinken. Oh, das Blinken. Viele Franzosen blinken so gerne, dass sie auf der rechten Spur mit Blinker links fahren. Vollkommen hirndübelig, aber anscheinend ist der Akt, den Blinker wieder aus zu machen, für viele Franzosen doch zu kraftraubend.

Die Meridienne führt über die Brücke von Millau, dem Vernehmen nach die schönste Autobahnbrücke Europas.

Brücke von Millau.

Brücke von Millau.


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Verfasst von - 8. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

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Motorradreise 2014 (2): Im Reich des Gummimanns

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Heute geht´s quer durch Frankreich.

Samstag, 07. Juni 2014, Remiremont, Region Vogesen, Frankreich

So unwirklich übersättigt die Farben der Landschaft in der Abendsonne gewirkt haben, so ausgeblichen wirken die Vogesen jetzt im kühlen, weißen Licht der Morgensonne. Erstaunlich, wie sich die Landschaft und die Stimmung durch das Licht verändert. Es ist acht Uhr, als die Renaissance Remiremont verlässt und über eine Schnellstraße nach Süden saust. Autobahnen vermeidet das Navi, weil die mautpflichtig sind. Aber auf den Schnellstraßen, die um diese Zeit noch leer sind, kommt man genauso schnell voran – und kostenlos. Auf den zweispurigen Schnellstraßen ist Tempo 110 erlaubt, auf Autobahnen geht es mit Tempo 130 nur unwesentlich schneller. Schnellstraßen werden allerdings gelegentlich gekreuzt, aber da es in Frankreich kaum Ampeln, aber jede Menge sehr guter Kreisel gibt, fließt der Verkehr fast immer flüssig.

Der Luftdruck der Reifen und die festsitzende Bremse machen mir immer noch Sorgen. Bin ich vielleicht schon mit viel zu wenig Luft gestern von Deutschland bis nach Frankreich gefahren? Die Luftmeßgeräte waren sich da ja nicht einig, und der Vorderreifen schien laut Messung sogar Luft zu verlieren. Mme. Kieffer, die eine Stunde zuvor noch um mich herumgesprungen ist, bedauerte zutiefst, nicht mit einer Luftpumpe aushelfen zu können.

Um 09.00 Uhr entdecke ich endlich eine große AVIA-Tankstation und fahre sie sofort an. Der Luftautomat funktioniert und hat sogar ein Ventil, und so stelle ich die Kawasaki davor ab und warte darauf das die Reifen abkühlen.

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Warten ist nicht meine Stärke, und als nach 15 Minuten kaum noch Restwärme zu spüren ist, werde ich ungeduldig. Also den Schlauch angepöppelt und… Überraschung! Der Vorderreifen HATTE den richtigen Luftdruck. Jetzt, wo er noch ein wenig Warm ist, steht der bei 2,7 Bar. Hinten ist etwas zu wenig, ich erhöhe auf 3.2, das sollte 2,9 im kalten Zustand entsprechen. So, das Problem mit den Reifen wäre gelöst. Die Bremse quietscht noch nicht, das macht sie erst wenn sie wärmer wird, sich ausdehnt und dann irgendwann dauernd schleift, also fahre ich weiter.

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Es geht durch verschiedene Provinzen, alle stark von der Landwirtschaft geprägt. Grüne Felder liegen links und rechts der Straße. Die Rapsblüte ist vorbei, für Getreide ist es noch zu früh – also ist alles grün. Plattes Land, wohin man schaut, und mitten hindurch die Straße, oft schnurgerade bis zum Horizont. Manchmal führt sie über eine leichte Bergkuppe, und aus irgendeinem Grund erwarte ich immer, auf der anderen Seite das Meer zu sehen. Es liegt wohl an dem harten Licht und dem tiefblauen Himmel, was ich beides mit Meer in Verbindung bringe, dass ich gerade Seesucht habe.

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Verfasst von - 1. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

TOAZ: Paris

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So, wieder da. Eine Woche bin ich durch die Straßen von Paris gelaufen und habe die unterschiedlichen Seiten gesehen, die diese Stadt zu bieten hat. In diesem Jahr standen alle Zeichen auf Paris, sowohl arbeits- als auch spieltechnisch, und wer bin ich, die deutlichen Hinweise zu ignorieren?

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Sieben Tage auf dem Hügel von Montmarte zu wohnen, direkt zwischen Moulin Rouge und Chat Noir, das war schon etwas wirklich besonderes. Viel zu sehen gab es überall, dazu Besuche hoch über und unter der Erde, seltsame Kollisionen mit der fabelhaften Welt der Amélie, Chimären und Gargoyles, den Sonnenkönig und den schwarzen Tod und natürlich… das Wiesel.

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Der Tollste Oktober aller Zeiten (Edition 2014) neigt sich damit dem Ende zu, und mit ihm auch die Reisezeit. Das war mein letzter Ausflug in diesem Jahr, aber das ist OK. Ich freue mich jetzt schon auf regnerische Winterabende, die viel Zeit lassen zur Planung neuer Reisen, und für das Spielen von Videospielen. Ich kann es kaum noch erwarten, bis in zwei Wochen “Assassins Creed Unity” erscheint. Das versetzt den Spieler in das Paris des Jahres 1789 und ermöglicht es, auf Notre Dame herumzuklettern oder in den Katakomben herumzukriechen.

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Das ist das erste Mal, das ich am Schauplatz eines Assassins Creed war, bevor ich das zugehörige Spiel gespielt habe, und mit den noch frischen Erinnerungen wird es doppelt Spaß machen, das virtuelle mit dem echten Paris zu vergleichen. Die Übereinstimmung war übrigens Zufall: Die Reise nach Paris stand schon seit Februar fest, “Unity” wurde erst im Juni angekündigt.

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Zu Paris wird es auch ein Reisetagebuch geben. Ich weiß aber noch nicht wann – zwei Reisen parallel zu veröffentlichen, wie zuletzt im Februar London und die Motorradtour, ist ein wenig viel. Aber irgend wann kommt das. Wer gerne erste Eindrücke möchte: Drüben bei travelingweasel.wordpress.com gibt´s ab Sonntag ein Best-Of.

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Verfasst von - 30. Oktober 2014 in Reisen, TOAZ, Wiesel

 

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Motorradreise 2014 (1): Irreparabel kaputte Luftnummer

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechseinviertel Länder. Die Reise beginnt heute.

Freitag, 06. Juni 2014

Es gibt so Tage, da springt man morgens energiegeladen aus dem Bett, packt´s an, und alles, alles läuft. Dann gibt es so Tage, da wird einem schon sehr bald klar, dass man lieber im Bett hätte bleiben sollen. Heute ist so ein Tag der letzeren Kategorie.

Leider ist heute auch der Tag, an dem ich zur Motorradreise 2014 aufbrechen will. Mehr als drei Wochen, 60 Orte, 6,25 europäische Länder. Wochenlange Planung und Vorbereitung wurden in diesen Tag investiert.

Sorgfältig verpackt. Zwar sollen die Koffer wasserdicht sein, aber starker Regen kommt überall durch. Deshalb sind wichtige Dinge in Ziplock-Beuteln Luftdicht verpackt, Klamotten in dünne Müllsäcke.

Sorgfältig verpackt. Zwar sollen die Koffer wasserdicht sein, aber starker Regen kommt überall durch. Deshalb sind wichtige Dinge in Ziplock-Beuteln Luftdicht verpackt, Klamotten in dünne Müllsäcke.

Jeder Koffer fasst 45 Liter und 10 Kilo Gepäck. Bei der Abfahrt sind sie etwas mehr als halb voll.

Jeder Koffer fasst 45 Liter und 10 Kilo Gepäck. Bei der Abfahrt sind sie nur halb voll.

Alles war fertig gepackt, alles vorbereitet, und nun… nun fummele ich schon zum fünften Mal an diesem verdammten Reifenventil herum!

“Nur nochmal schnell den Luftdruck” hatte ich prüfen gewollt. “Nur noch mal schnell”. Und dann habe ich gemerkt, dass meine kleine Fußluftpumpe ungenau wie Sau war und bei jedem Ansetzen einen anderen Luftdruck im Vorderreifen anzeigte. Jetzt stehe ich vor der örtlichen Polo-Filiale, habe den gerade frisch erworbenen digitelen Luftdruckprüfer angesetzt und vergleiche die Anzeige mit den Werten der komischen Maschine, die die da zum Luft auffüllen haben. Da stellt man den gewünschten Wert ein, dann setzt man das Ventil an, und die Maschine macht laute Geräusche und hört erst auf zu pumpen, wenn der eingestellte Sollwert erreicht ist. Theoretisch. Praktisch tut sie jetzt zum fünften Mal so, als ob sie 2,5 Bar aufgepumpt hat. Tatsächlich zeigt sie beim nächsten Meßvorgang aber nur 2 Bar an.

Verliert der Reifen Luft? Danach sieht es eigentlich nicht aus. Ist die Maschine kaputt? Kann sein. Ich bin genervt, und außerdem wollte ich jetzt schon seit einer Stunde auf der Autobahn sein. Ich bin so dermaßen genervt, dass ich beschließe diesem Mist jetzt nicht mehr nachzugehen. Keine Ahnung wieviel Luft jetzt im Vorderreifen ist – beim letzten Mal zeigt die Maschine 1,8 Bar an und das gerade gekaufte Meßgeräte 2,3. Beides zu wenig, keine Ahnung was stimmt, aber der Reifen ist knüppelhart, und das muss für den Augenblick reichen. Ich will jetzt endlich los, für alles andere gibt es den ADAC.

Abfahrtbereit: Die ZZR600 mit den großen Koffern und dem Topcase.

Abfahrtbereit: Die ZZR600 mit den großen Koffern und dem Topcase.

Schnell zurück nach Mumpfelhausen, die Koffer und das Topcase an die Kawasaki geklemmt, und gegen 10.30 Uhr flitzt das Motorrad ENDLICH über den Zubringer Richtung Autobahn.
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Verfasst von - 25. Oktober 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 
 
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