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Archiv der Kategorie: Reisen

Motorradreise 2014 (19): Die Papiermacher

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 21. Tag geht es um Papier, Wasserzeichen und mein erstes Katzenvideo.

Donnerstag, 26. Juni 2014, Castelluccio, Umbrien

Eine Stunde vor dem Weckerklingeln schrecke ich aus dem Schlaf hoch und lausche ins Halbdunkel. Außer einem Hund, dessen Bellen sich in der Ferne verliert, ist nichts zu hören. Das ist gut. Ich tappe zum Dachfenster, aber das ist beschlagen. Das ist nicht so gut. Offensichtlich ist es kalt draußen.

Tap-Tap-Tap. Ich öffne die Fensterläden des großen Fensters, das zur Hochebene hinausgeht, und blicke in einen grauen Morgen. Nebel treibt zwischen den Bergausläufern herum – oder sind das Wolken die sich verlaufen haben und jetzt im Tal gefangen sind? Egal, wichtig ist, was NICHT da ist: Regen und Sturm glänzen beide durch Abwesenheit. Das Wetter ist feucht und klamm, aber friedlich und weit entfernt von dem Unwetter, dass gestern über die Piana Grande hinweggefegt ist. Mit einem Lächeln auf den Lippen packe ich mich wieder ins Bett und döse noch ein wenig. Um kurz vor Acht mache ich mich auf den Weg zum Frühstück in der Gaststube des Il Guerrin Meschino. Ruckzuck ist danach die Bezahlung erledigt, die Koffer am Motorrad befestigt und die Maschine startklar.

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Es ist kühl, gerade mal 9 Grad sind es noch. Der Hausberg von Castelluccio hüllt seinen Gipfel noch in dunkle Wolken, aber um ihn herum zeigt sich sogar hier und dort mal blauer Himmel. Es weht nur ein leichter Wind. Der ist kein Vergleich zu dem Sturm gestern und wird kein Problem beim Fahren darstellen.

Ich starte das Motorrad und manövriere aus dem kleinen Ort heraus, eine gut ausgebaute Bergstraße entlang und vorbei an den sanften, grünen Hügeln mit den Linsenfeldern, die unvermittelt in große, felsige Berge übergehen. Ich werfe einen Blick zurück auf die Hochebene. Von so weit weg vergisst man leicht, WIE riesig die ist. Von hier wirkt die Piana Grande wie eine Wiese und sieht nicht aus als wäre sie sieben Kilometer lang. Allenfalls wenn ein Campingmobil über die Talstraße kommt oder eine Schafherde in Sichtweite ist, hat Auge eine bekannte Größe zum Vergleich und kann abschätzen, mit welchen Maßstäben es hier oben tun hat.

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Ich lasse das letzte Stück der Hochebene hinter mir und steuere die Kawasaki die Bergstraße hinauf und über den Pass. Der führt nicht, wie die Straße gestern, aus den Bergen heraus, sondern tiefer in sie hinein. Im Schutz der Berge geht dann durch den Parco Nationale de Monte Sibillini, über end-, aber harmlose, Serpentinen, hinab unter die Baumgrenze und dann weiter ins Tal. Die Straße führt durch dichte Wälder, schmale Täler und Tunnel über Landstraßen nach Norden.

Mein Tagesziel heute ist Urbino, die Hauptstadt der Region Marken. Ich war schon einmal in dieser Stadt, aber nur ganz kurz, und diesmal möchte ich sie mir genauer ansehen und den halben Tag dort verbringen. Vor allem will ich endlich Nerys Lieblingsgelateria besuchen. Die in Mailand lebende Waliserin hat in Urbino studiert und liebt diese Eisdiele, aber bei meinem ersten Besuch habe ich schlicht vergessen die aufzusuchen.

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Verfasst von - 28. März 2015 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2014 (18): Episches Wetter

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 20. Tag komme ich nicht vom Fleck und es gibt kein Wiesel. Dafür episches Wetter.

Mittwoch, 25. Juni 2014, Castelluccio, Umbrien

Gegen 04.30 Uhr schrecke ich aus einem unruhigen Schlaf hoch. Regen prasselt auf das Dachfenster über meinem Bett im “Guerrin Meschino”. Erschöpft von der Kotzorgie vor einigen Stunden schlafe ich sofort wieder ein.

Als ich um 08.00 Uhr im Frühstücksraum sitze und zaghaft an einem Stück Zwieback herumknabbere, haben sich Magen und Wetter ein wenig beruhigt. Es regnet nicht mehr, und mir geht´s einigermaßen. Durch die großen Fenster vor dem Frühstückstisch kann ich über die Hochebene schauen. Rasend schnell ziehen dunkle Wolken darüber hinweg kommt. Es sieht so aus, als ob jemand den Zeitraffer eingeschaltet hat. Wenn die Sonne durch die Wolken bricht, gibt es einen Lichtfleck auf der Ebene, der schnell darüber hinweg wandert. Wenn man längere Zeit die Muster auf der Ebene ansieht, sieht es aus wie der Welt größte Lavalampe.

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Das Kinn auf auf die Hand gestützt blicke ich aus dem Fenster und überlege. Soll ich mich auf´s Motorrad wagen? Es ist stürmisch, aber richtig regnen soll es erst später, und es besteht zumindest die Chance das es bis zum Nachmittag trocken bleibt. Aber will ich bei dem Wind wirklich vor die Tür? Schließlich siegt die Neugierde, und ich mache das Motorrad fertig für eine Fahrt in den, eine Stunde entfernten, Ort Ascola Pienca, der angeblich den schönsten Platz Mittelitaliens vorzuweisen hat.

Vorsichtig steuere ich die Kawasaki von dem Felsen herunter, auf dem Castelluccio liegt. Am Fuß des Berges geht der Motor aus. Zum Glück startet die Maschine gleich wieder, aber da war ich wohl zu sparsam mit dem Choke. Ein deutliches Zeichen dafür wie kalt es hier ist – das kleine Thermometer zeigt 15 Grad, vermutlich ist es aber kühler. Etwas weiter oben am Berg liegt noch Schnee, und ich trage die dicken Winterhandschuhe.

Die Renaissance zischt über die Hochebene, biegt dann nach Nordosten ab und folgt der Passtrasse aus dem Talkessel heraus. Es ist sehr windig. Wieder und wieder reißen Windböen an der Kawaski herum, die durch ihre Vollverkleidung eine breite Angriffsfläche bietet. Ich muss sehr aufpassen, aber fahrerisch lässt sich das gerade noch machbar. Das ändert sich, als die Paßstrasse durch eine Lücke in der Bergkette, die die Hochebene umgibt, führt. Kaum habe ich den ersten der schützenden Berge umfahren, wird das Motorrad von der vollen Wucht des Windes getroffen. Die Maschine wird hin- und hergeworfen, und kann nur mit Mühe den Blick nach vorn gerichtet halten, weil eine unsichtbare Kraft den Helm von links nach rechts reisst.

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An einem Aussichtspunkt kurz hinter der Bergkette halte ich an – der Ausblick in die umliegenden Täler ist ehrfurchtsgebietend, schon deshalb weil es fast senkrecht eineinhalb Kilometer in die Tiefe geht – ohne Leitplanke! Leider liegt die Kamera liegt wasserdicht verpackt im Topcase, deshalb gibt es davon kein Bild. Aber selbst wenn ich sie jetzt in Griffweite hätte, würde ich mich nicht trauen sie zu benutzen. Der Sturm hier schüttelt mich so dermaßen durch, dass ich keine Hand vom Lenker nehmen kann. Fasziniert beobachte ich die Plexiglasscheibe des Motorrads, die so schnell im seitlich einfallenden Wind vibriert, dass sie fast nur als Schemen zu sehen ist.

Vorsichtig setze ich den Weg fort. Der Sturm greift in Böen und mit Fallwinden an, und trotz des nicht ganz langsamen Tempos reisst es das Motorrad immer wieder quer über die Straße, und ich kann sie nur mit Mühe halten. So muss es sich anfühlen, wenn man auf einem bockenden Pferd sitzt.

Nein, beschließe ich, dass geht zu weit. So fahren zu müssen ist selbst auf der relativ breiten Passstrasse gefährlich, und später wird die Straße schmaler und hat wieder Kehren, und DIE bei Sturm fahren zu müssen ist extrem. Ich würde das hinkriegen, wenn ich müsste, aber das ist genau der Punkt: Heute MUSS das halt nicht sein. Auf einem Schotterplatz wende ich und fahre zurück nach Castelluccio. Auch auf der geschützen Hochebene hat der Wind zugenommen, und ich bin ganz froh, als ich die Maschine wieder vor dem Guerrin Meschino abstellen kann.

Weit bin ich heute nicht gekommen...

Weit bin ich heute nicht gekommen…

In Jeans und der Jacke der Regenkombi und wandere ein wenig um das Dorf herum. Allzuweit komme ich aber auch hier nicht, der kalte Wind schmerzt an den Ohren, und es fängt es an zu regnen. Es stürmt, und die Wolken jagen über den Bergen dahin. Wo sich eine Lücke auftut, wandern Lichtsäulen über die Piana Grande, die Hochebene. Das sieht abartig cool und einfach nur episch aus und macht deutlich, wie winzig und machtlos man als Mensch hier oben ist.


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Verfasst von - 21. März 2015 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2014 (17): Das verborgene Tal

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 19. Tag geht es in eine seltsame Welt hoch oben.

Dienstag, 24. Juni 2014, Siena, Toskana

Viele hatten diesen Ort vergeblich gesucht, aber er hatte ihn gefunden. Eine sprechende Schlange hatte ihm, den die Leute nur Il Guerrin Meschino nannten, den jämmerlichen Ritter, den Weg gewiesen. Tief in den Bergen des Apennin, unweit des Tals, in dem Pontius Pilatus seine letzte Ruhestätte gefunden hat, lag die Höhle der Sibylla am Fuße des Monte Vettore.

Die Schlange hatte ihm davon abgeraten die Höhle zu betreten, aber der Ritter wagte sich trotzdem ins Innere des Berges vor. Die Antworten die er suchte, würde er nur hier finden. Die Sibylla empfing den Ritter und zeigte ihm ihr Reich unter dem Berg. An einem magischen See lagen Schlösser und Türme, so wunderbar wie es die größten Königshäuser über der Erde nicht waren. Sie zeigte ihm auch, was mit den Menschen passierte, die ein Jahr in ihrem Reich blieben.

Diejenigen, die rein waren von Schuld wurden befreit. Sie konnten die Höhle verlassen und lebten fortan ein glückliches, zufriedenes und langes Leben. Oder Sie konnten im Königreich der Sibylla bleiben, wo sie jeden Tag die Freuden der Sinne genießen und ohne Krankheit oder Alter ewig leben konnten. Neben diesen Freuden hielt die Höhle aber auch unaussprechliches Leid für die sündigen unter den Besuchern bereit, denn diese wurden in Tiere verwandelt und waren auf ewig verdammt, wie die sprechende Schlange.

Die Sibylla selbst war die Königin der Verdammten, denn sie selbst war in Gottes Ungnade gefallen, als sie gegen die Wahl Marias protestiert und sich selbst zur Mutter Gottes hatte machen wollen. Seitdem war sie eingeschlossen unter dem Berg Vettore, und ihr unterirdisches Reich grenzte sowohl an die Ausläufer der Hölle als auch an die elysischen Felder am Rande der sieben Himmel, auf denen die Helden und Krieger ruhen und die ein Paradies sind.

Sie stellte den Ritter vor die Wahl, ein Jahr in ihrem Reich zu verweilen. Der Ritter erschrak, als er erkannte, dass das Verweilen bei der ausgestoßenenen Sibylla selbst eine Sünde in den Augen Gottes sein würde. Der Weg zu der Antwort, die er suchte, durfte nicht sündhaft sein. So floh er aus der Höhle und dem Reich der Sibylla.

Dann fängt es auch noch an zu regnen. Das passt zu meiner Laune. Heute morgen bin ich wieder müde und gerädert aufgestanden, als hätte alle Kraft meinen Körper verlassen. Als alle anderen Gäste des Casa Brescia ausgeflogen waren, hatte ich noch mit Stefano geplaudert, und dann mit sehr gedämpfter Laune und schwerem Herzen die Koffer zum Motorrad getragen. “Stesso tempo, prossimo anno!”, nächstes Jahr zur selben Zeit, hatte ich mich verabschiedet und ein muffeliges “Ich bin immer hier!” zur Antwort bekommen. Stefano hatte schlechte Laune gehabt, weil das Casa Brescia schon wieder ausgebucht war.

Mit jedem Kilometer, den sich das Motorrad nun von Siena entfernt und tiefer zurück nach Umbrien vorrückt, sinkt meine Stimmung. Ich bin müde, und eigentlich möchte ich – um es mal ganz ehrlich zu sagen – nach Hause. Ich bin seit fast drei Wochen unterwegs, ständig woanders, und habe so viel gesehen und erlebt wie andere nicht in drei Jahren. Ich sehne mich danach auszuschlafen, rumzuhängen und ein wenig Leerlauf zu haben. Das es jetzt auch noch anfängt zu regnen und mein Reiseziel wettertechnisch ebenso eine Sackgasse ist, macht das ganze nicht besser. Ich fühle mich, als wäre ich am Ende meiner Kräfte, und dabei liegt jetzt nochmal eine der fordernsten Etappen überhaupt vor mir. Heute geht es ins Gebirge, in ein Gebiet, das total isoliert liegt und abgeschnitten von der Außenwelt ist. Dorthin zu kommen ist nicht einfach, mit einem Motorrad schon gar nicht. Und dummerweise ist für die nächsten zwei Tage dort Sturm und Regen angekündigt, was bedeutet: Ich sitze da unter Umständen fest und kann nichts machen.

Über der Tiefebene von Umbrien ballen sich die Wolken:

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Lustlos stromere ich durch den Ort Spello, der am Rand der Ebene und am Fuße eines Berges hockt. Dort gibt es eine Kunsthandlung an der nächsten, aber erstaunlicherweise im Großteil der Stadt kein Café. Schön ist der Ort, aber gerade habe ich da nicht so das Auge für.

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Verfasst von - 14. März 2015 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Tips für Rom

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Wissenswerte Dinge für den Besuch der italienischen Hauptstadt.

1. Gute Tage, schlechte Tage
In Italien sind nahezu alle Museen und Sehenswürdigkeiten am Montag geschlossen. Ausnahme: Kirchen.

2. Essen und Trinken

  • Man geht im Restaurant auf das Personal zu und lässt sich platzieren, einfach irgendwo hinsetzen ist nicht üblich.
  • Einzelzahlung ist nicht üblich und verpönt! Ist man mit mehreren Unterwegs, bekommt man die Rechnung für den ganzen Tisch. Es wird erwartet, dass das auch im Ganzen bezahlt wird. Wie die Gruppe das unter sich aufteilt ist nicht das Problem des Kellners. In der Regel schmeisst jeder Geld auf einen Haufen, bis die Rechnungsumme erreicht ist.
  • Trinkgeld gibt man in der Regel nicht, Bediengeld ist im Rechnungspreis enthalten. Nur wenn der Service exorbitant gut war (in Rom quasi nie) lässt man ein paar Münzen auf dem Tisch zurück.
  • In der Alstadt sollte man besser nicht essen. Hier ist alles auf Touristen ausgelegt, die ein Mal dort speisen und dann nie wieder. Dementsprechend unfreundlich ist das Personal, die Preise sind hoch und das Essen oft echt schlecht.
  • Meiden sollte man Pizza. Pizza können die Römer einfach nicht. Was man bekommt ist in der Regel ein etwas von der Konsistenz und dem Geschmack eines verbrannten Kekses.
  • Anfänger erkennt man daran, dass sie Wasserflaschen mit sich rumtragen. Rom-Profis nutzen die Nasones: Überall in Rom plätschert Wasser aus kleinen Brunnen am Wegesrand, die wegen Ihrer gebogenen Form “Nasones”, Nasen, genannt werden. Man hält den Auslauf mit der Hand zu, dann kommt oben eine Fontäne raus, von der man ganz hygienisch trinken kann. Es gibt sogar eine App, die den Weg zum nächsten Nasone weist. In Rom ist übrigens in jedem Brunnen Trinkwasser von höchster Qualität (es sei denn, es steht auf großen Schildern “Non Potabile”, aber sowas habe ich nicht gesehen). Karte der Trinkwasserbrunnen.

3. Verkehr

Anreise:

  • Anreise mit dem eigenen Auto: Ist Quatsch. Parkplätze gibt es nicht, der Straßenverkehr unterliegt ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten und die Wahrscheinlichkeit der Beulenbildung ist sehr hoch.
  • Per Flugzeug: Vom Flughafen Fiumicino (Aeroporto Leonardo da Vinci) fährt zwischen 06.30 Uhr und 23.30 alle halbe Stunde der “Leonard Express”, der Reisende in 35 Minuten bis zum Hauptbahnhof Roma Termini bringt. Kostet ca. 15 Euro. Wer auf die Westeseite des Tiber muss, z.B. nach Trastevere, nimmt die FR1 (Eine Mischung aus Nahverkehrszeug und Straßenbahn) Richtung Tiburtina. Das dauert zwar länger, dafür ist man näher am Ziel. Fährt von 06.00 bis 23.30 Uhr alle 15 Minuten. Das FR-Ticket kostet um die 10 Euro und ermöglicht den Umstieg in andere FRs, nicht aber Busse. Die günstigste Möglichkeit vom Flughafen in die Stadt und zurück zu kommen sind Busse (Terravision, ca. 5 Euro eine Fahrt, Fahrzeit 1 Stunde, Abfahrt in der Via Marsala 29, Mehr hier: http://www.terravision.eu/tedesco/airport_transfer/bus-flughafen-fiumicino-rom-zentrum/?noredirect=de_DE)
    Die teuerste Variante vom Flughafen in die Stadt sind Taxis: Der gesetzlich festgelegte Pauschalpreis für eine Taxifahrt vom Flughafen zu einem beliebigen Ziel in der Stadt kostet 49 Euro (Stand Herbst 2014).
  • Per Bahn: Ist aus Deutschland eine gute Alternative, per Nachtzug von München aus kommt man ausgeruht um 08.35 Uhr in Roma Termini an und ist schon mitten in der Stadt.

In der Stadt:
Zu den römischen Verkehrsbetrieben gehören Bus, U-Bahn und Straßenbahn. Fahrkarten sind für alle drei Vehikel gültig. Es gibt sie in Tabakläden (“Tabacchi”, weißes T außen am Geschäft) oder am Automaten. Wichtig: Fahrkarten in Bus und Bahn vor Fahrtantritt am Bahnsteig oder im Bus entwerten und sorgfältig wegstecken! Wenn eine Kontrolle stattfindet, dann am Ausstieg oder am Zielbahnsteig – also das Ticket unbedingt behalten bis man die Zielhaltestelle verlassen hat!
Sorten:

  • Einzeltickets: heißen BIT (Biglietto Integrato a Tempo), sind 100 Minuten gültig und kosten 1,50 Euro. Umstiege zwischen Metro und Bus sind erlaubt, allerdings darf man die Metro nicht zweimal innerhalb 100 Minuten verlassen und betreten. Beispiel: Bus-Metro A- Metro B – Bus ist erlaubt, Bus – Metro A – Bus – Metro B aber nicht.
  • Tageskarten (BIG, Biglietto Integrato Giornaliero) kosten ca. 6 Euro und müssen vor der ersten Benutzung entwertet werden, dann läuft die Zeit. Sie gelten NICHT 24 Stunden, sondern nur bis zum Ende des Tages, an dem man sie entwertet hat
  • 3-Tages-Karten BIT (Biglietto Turistico Integrato) für 16,50 Euro, müssen vor der ersten Benutzung entwertet werden, dann läuft die Zeit.
  • Wochenkarten CIS (Carta Integrata Settimanale) für 24 Euro, Daten des Nutzers müssen darauf notiert werden, müssen vor der ersten Benutzung entwertet werden, dann läuft die Zeit.
  • U-Bahn: Es gibt nur zwei U-Bahn-Linien. Eine dritte ist seit Jahren im Bau, der kommt aber nicht voran, weil alle zwei Meter tote Römer im Untergrund gefunden werden. Die ziehen Rudel von wilden Archäologen an, die die Baustellen lahmlegen. Die U-Bahnlinien eignen sich gut für weite Querungen, um z.B. vom Hauptbahnhof zum Vatikan zu kommen. Ansonsten lieber zu Fuß gehen oder Busse nehmen.
  • Busse: Rom hat ein dichtes Busnetz. Alle par Minuten kommt ein Bus, manchmal kommt auch 30 Minuten kein Bus und dann drei auf einmal, feste Pläne gibt es nicht.
  • Zu Fuß: Rom lässt sich gut zu Fuß erkunden. Alle Sehenswürdigkeiten liegen in einem Radius von 1,5 Kilometern um das Pantheon herum. Hat man eine Unterkunft in Laufweite, braucht man gar keine öffentlichen Verkehrsmittel.

4. Rabatte und Touristenkarten

  • In diesen Museen muss man keinen Eintritt zahlen: Accademia Nazionale di San Luca, Museo Carlo Bilotti a Villa Borghese, Museo della Repubblica Romana e della memoria garibaldina, Museo delle Mura, Museo di Scultura Antica Giovanni Barracco, Museo Napoleonico, Museo Pietro Canonica a Villa Borghese, Villa di Massenzio.
  • Roma Pass: Ist ein Touristenpaket und beinhaltet eine 3-Tages-Fahrkarte (Biglietto Turistico Integrato), die aber nicht für Fahrten vom/zum Flughafen gilt. Die beiden ersten besuchten Museen/Ausgrabungen sind kostenlos, auf andere gibt es evtl. Ermäßigung. Außerdem bekommt man einen kleinen Stadtplan und ein Heft mit Sehenswürdigkeiten, an denen der Romapass gilt. Der normale Romapass kostet 36 Euro. Der Rompass kann sich rechnen, das hängt aber stark davon ab was man besuchen will. Infos unter http://www.romapass.it/
  • Romapass48hours: Gilt halt nur zwei Tage, kostet 24 Euro ansonsten wie Romapass. Kann sich rechnen, das hängt aber stark davon ab was man besuchen will. Infos unter http://www.romapass.it/

5. Hotels
Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten ist die Preisstruktur in Rom fast moderat. Allerdings ist unter dem angebotenen viel Schrott. Günstige Unterkünfte sind meist im Bahnhofsviertel zu finden, aber da ist es hässlich. Zwar nicht unsicherer als in anderen Gegenden, aber hässlich und laut. Dem Vernehmen nach sind viele B&Bs ziemlich gammelig, Bewertungen von 5 oder 6 bei Booking sprechen da eine deutliche Sprache.

Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit dem Viertel hinter der Engelsburg gemacht. Das liegt 10 Minuten zu Fuß vom Vatikan entfernt, ist nicht touristisch überlaufen und spiegelt das typisch römische Leben wieder. In den Wohn-Palazzi sind die Wohnungen in der Regel eine Vierteletage, also ca. 150 Quadratmeter und 4 bis 5 Zimmer, groß. Es gibt Anbieter, die diese Wohnungen in schicke Minipensionen umgebaut haben und Einzel- und Doppelzimmer, jeweils mit eigenem Bad, vermieten. Dafür gibt es keine 24h-Rezeption und gefrühstückt wird im Café um die Ecke. Hier habe ich gute Erfahrungen gemacht: http://www.adaroomsbb.com/
Günstigere Hotels gibt es auch in Trastevere (wörtlich: Über den Tiber), einem weniger auf Touristen fixierten Teil von Rom auf der westlichen Tiberseite. Sehr natürlich und typisch römisch, was aber auch heisst: Kaum jemand außerhalb der Hotels spricht etwas anderes als italienisch, und der Weg in die Altstadt ist kein Katzensprung mehr.

6. Online buchen
Generell ist es immer eine gute Empfehlung vor der Reise online Tickets zu kaufen. “Fare la Fila” nennen die Italiener das Schlangestehen, und bei manchen Sehenswürdigkeiten stehen die Schlangen kilometerweit die Straßen entlang, auch außerhalb der Saison. Das kann man vermeiden oder minimieren, in dem man Gruppenführungen oder vorab per Internet bucht. Onlinebucher nutzen fast immer einen separaten Eingang und sind sofort drin (“skip the line”). In die Galleria Borghese, das Domas Aurea und die Nekropole unter dem Vatikan kommt man ohne Voranmeldung per Internet Monate im Voraus gar nicht rein (s. Punkt 10).

7. Handy und Internet
Hotel-WLANs sind Glücksache. Rom baut gerade ein Stadtweites und kostenloses WLAN auf, für dessen Benutzung man seine Handynummer angeben muss. Ob das auch mit deutschen Nummern funktioniert kann ich nicht sagen.

Es empfiehlt sich eine Prepaid SIM-Karte von TIM, die haben ein gut ausgebautes und sauschnelles Netz. Die SIM bestellt man vor der Reise bei beim netten Team von Kühn&Laimer auf der Seite Messaxio.com, die erledigen Registrierung, Freischaltung, Test der Karte und schicken sie zu einem nach Hause. In Italien legt man die SIM nur noch ein und hat fast überall, selbst auf dem Land, rasend schnelles 4G oder LTE. Anfang 2015 gibt es 10 GB für 30 Tage für 25 Euro.

8. Reisezeit
Im Oktober und November sowie Januar und Februar ist weniger los, Attraktionen wie das Pantheon, das Colosseum oder die vatikanischen Museen sind aber trotzdem überlaufen. Im Juli und August ist es fast zu heiß um überhaupt was zu unternehmen. Das wissen auch die Römer und hauen alle ab, die Stadt wird dann nur noch von Touris bevölkert und ist komplett unerträglich.

9. Post
Briefmarken (Francobolli) kauft man in Tabacchi, den Tabakläden. Gibt es an jeder Ecke, sind von Außen am weißen “T” auf dunklem Grund zu erkennen. Porto für eine Postkarte (Cartolina) nach Deutschland bzw. Zentraleuropa kostet Anfang 2015 95 Cent. Aber: Die italienische Post nimmt Postkarten nicht ernst, in 50% aller Fälle kommen die nicht an. Besser: Karten in Briefumschlag stecken, damit steigt die Wahrscheinlichkeit des Ankommens auf 90%, und es kostet das gleiche.

Briefkästen sind feuerwehrrot und tragen die Aufschrift “Poste”. Sie haben manchmal zwei Schlitze: Der linke ist für Post innerhalb einer Stadt (“Per la Citta”) oder einer Kommune, der rechte für alles, was darüber hinausgeht, auch Post ins Ausland (“Per tutte le altre destinazioni”). Sehr selten gibt es an sehr großen Poststellen blaue Briefkästen mit zwei Schlitzen, die beide die Aufschrift “Estero” tragen. Das bedeutet Ausland, auch hier kann man seine Post für die Heimat loswerden.

10. Museen, Kirchen, Sehenswürdigkeiten
Rom ist eine Stadt voller Wunder und eine Stadt des Schlangestehens. Mit ein paar Tricks kann man das Anstehen minimieren. Im folgenden sind nur die Sehenswürdigkeiten aufgeführt, die schwierig zu erreichen sind, die erhöhten logistischen Aufwand erfordern oder zu denen ich einen praktischen Tip habe. Ansonsten gibt es tausend Dinge, die man in Rom machen oder ansehen kann – der sehr gute Reiseführer Rom aus dem Michael Müller Verlag hilft bei der Auswahl weiter.

  • Kirchen sind per Dekret immer frei von Eintritt. Wenn es davor Schlangen gibt, dann nur wegen der Sicherheitschecks. WICHTIG: Es gilt eine Kleiderordnung! Keine Hüte, und die Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Personen in sehr kurzen Hosen, Männer mit nacktem Oberkörper und Frauen mit ärmellosen Tops dürfen Kirchen nicht betreten. Für letztere gibt es in den größeren Kirchen Einwegumhänge aus Papier, die Frau sich über die Schultern legen muss. Fotografieren ohne Blitz ist fast immer erlaubt, nur im Dom von Mailand muss man eine Fotoerlaubnis kaufen.
  • Museen kosten in der Regel Eintritt und haben Montags geschlossen. Online vorab buchen ist bei den größeren dringend anzuraten, bei den kleineren Kunstgallerien in der Regel weder nötig noch möglich.Fotografieren ohne Blitz ist in den staatlichen Sammlungen meist erlaubt, in den kleineren in der Regel verboten.
  • Colosseum: Hier sind immer lange Schlangen. Um die zu Umgehen gibt es drei Möglichkeiten:
    1. Vom Colosseum geht man nach Westen die Via Sacra entlang zum Forum Romanum, das sind die Ruinen von Rom. Dort ist ein Kassenhäusschen, das Eintrittskarten für das Forum Romanum und den Palatin verkauft. Der Clou: Die Tickets gelten auch für das Colosseum! Am Forum Romanum gibt es kaum lange Schlangen und verhältnismäßig kurze Wartezeiten. Mit dem Ticket geht man zurück zum Colosseum und geht durch den Eingang und folgt der linken Spur an der langen Warteschlange vorbei und geht durch den Eingang (Pre-Order/Online Booking/Prenotazione/Reservations) 2. Man hat einen Roma Pass. In dem Fall nimmt man die mittlere Spur am Eingang und geht direkt zu den Kassen, die einem ein Ticket verkaufen. 3. Man hat Online bestellt und einen Gutschein (Voucher) ausgdruckt. Mit dem geht man auch durch die mittlere Spur und kommt sofort zu den Kassen, wo man den Gutschein gegen ein Ticket umtauscht. Hat man eine Gruppenführung gebucht, erhält man jetzt einen Aufkleber mit der Aufschrift “Meeting Pont” und einem Buchstaben. Mit dem geht man nach rechts weiter bis links mehrere Schilder mit Buchstaben auftauchen. Man stelle sich unter das passende Schild und warte auf die Führerin.
    Anmerkung: Ohne Führung sieht man nur einen winzigen Teil des Colosseums. Nur mit Führung kommt man in den dritten Stock und das Hypogäum im Keller. Einzeltickets kosten bei Resellern ca. 16 Euro, z.B, hier: http://www.rome-museum.com/de/kolosseum-eintrittskarten.php Preise für Touren liegen bei ca. 23 Euro, Buchung z.B. über http://www.rome-museum.com/
  • Forum Romanum: Sehenswert. Kombiticket gilt auch für Colosseum und Palatin, kosten 16 Euro und gibt es hier
  • Galleria Borghese: Kleine, exklusive Kunstgallerie mit erlesendster Kunst. Etwas vergleichbares gibt es sonst in Europa nur noch im Louvre, und das was dort steht, hat Napoleon aus der Galleria Borghese geklaut. Um die Kunst auch angemessen genießen zu können ist die Besucherzahl stark limitiert. Ohne Vorabreservierung kommt man nicht mal ins Foyer. Tickets kosten 11 Euro und sind hier unter Auswahl der Besuchszeit zu bestellen: http://www.galleriaborghese.it Montags geschlossen.
  • Nekropolis: Die Nekropole unter dem Vatikan ist ein echtes Erlebnis – und eines, dass nicht alle machen dürfen. Die Personenzahl ist streng limitiert, man muss vorher eine Erlaubnis zum Besuch beantragen. Ist die gewährt, hat man ein Zeitfenster, in dem man online ein Ticket (13 Euro) kaufen darf. Am vereinbarten Tag sollte man 30 Minuten vorher am Ende des linken Säulengangs des Petersplatz sein und dort an der Sicherheitsschleuse bei der Schweizer Garde vorstellig werden. Von dort geht man Richtung vatikanische Gärten und dann links unter dem Torbogen ins Kartenbüro des Ufficio Scavi. Dort startet die Führung durch die Totenstadt unter dem Vatikan. Hier ist ein Bild davon. Das Procedere wird durch die neue Website vereinfacht: http://www.scavi.va
  • Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle: Ein Must-See, alles was die Kirche in Jahrtausenden zusammengeklaut geschenkt bekommen hat ist hier ausgestellt. Unbedingt vorab buchen, sonst kilometer- und stundenlanges Anstehen. Einzelticket für Museen plus sixtinische Kapelle kostet 20 Euro. Zu Hause druckt man sich einen Gutschein aus. Damit kann man direkt zum Eingang gehen und durch das Tor mit dem Schild “Online Booking” laufen. Im Inneren der Empfangshalle sucht man sich einen Tresen an dem nichts los ist, weil es so aussieht, als ob sich da niemand anstellen darf. Nicht irritieren lassen: Das sind die “Cassa Online e Gruppi”-Tresen, und die Angestellten dahinter sind froh, mal was machen zu dürfen. Hier tauscht man den Gutschein gegen das richtige Ticket ein.
  • Vatikan: Der Vatikan bietet verschiedene Touren: Vatikanische Museen + Sixtinische Kapelle + Basillika des Petersdoms (37 Euro), nur Vatikanische Gärten (32 Euro) oder nur Museum und Kapelle (32 Euro). Tickets unter musei.vatican.va. Der Eintritt in den Petersdom ist kostenlos, aber die Schlange an den Sicherheitschecks ist lang. Vorne rechts neben dem Haupteingang geht es zur Kuppel. Die besteigen zu dürfen kostet 5 Euro, Online buchen oder skip the line gibt es nicht. Am besten vor 09.30 Uhr da sein, da gibt es noch keine Schlangen. Es sind 551 Stufen bis nach oben, wer das schafft, hat die beste Aussicht über Rom.
  • Castel Sant´Angelo: Einen Besuch wert, schon wegen der tollen Aussicht. Tickets 7 Euro, Online Buchung nicht nötig, schadet aber auch nicht: http://www.galleriaborghese.it/castello/en/einfo.htm
  • Domus Aurea: Neros goldener Palast ist eine Grabungsstelle, die man nur mit Gruppenführungen nach vorheriger Reservierung besuchen darf. Phasenweise ist die Sehenswürdigkeit ganz geschlossen. Aktuelle Infos hier.
  • Catacomba Domitilla: Die erste Katakombe des Christentums liegt ein wenig außerhalb. Mit Metro B Richtung Laurentina bis nach Garbatella, von dort zu Fuß (3 Kilometer) zur Via delle Sette Chiese 282 oder mit Bus 716 Richtung Ballarin bis Haltestelle Caffaro, von dort noch 400 Meter zu Fuß. Nicht reservierbar, aber die Ordensbrüder sind auf viele Personen eingerichtet, ständig fahren Reisebusse aus aller Herren Länder vor. Alle halbe Stunde gibt es eine Führung, auch auf Deutsch, je nach Bedarf. Als Allreinreisender schliesst man sich einer größeren Gruppe an, die ad hoc gebildet wird.

11. Weiterführende Informationen

12. Tips für Besichtigungstouren
…finden sich im Reisetagebuch Rom:

  • Reisetagebuch (1): Die lange Nacht der Papstschützerin
  • Reisetagebuch (2): Nackt erzählte Geschichte (Villa und Galleria Borghese, Spanische Treppe)
  • Reisetagebuch (3): Dekorateure des Todes (Flohmarkt Porta Portense, Angelusgebet mit dem Papst, Piazza del Popolo, Villa Borghese, Kapuzinergruft, Trajanssäule, Giolitti)
  • Reisetagebuch (4): Unter dem Vatikan (Nekropole, Vatikanische Museen, Sixtinische Kapelle)
  • Reisetagebuch (5): Vesuv, Neapel und Pompeji
  • Reisetagebuch (6): Engel und Sklaven (Engelsburg, Colosseum, Forum Romanum, Palatin)
  • Reisetagebuch (7): Der Mund, das Schlüsselloch und die Schwaben (Catacomba Domitilla, Schlüsselloch der Malteser, Circus Maximus, Bocca della Verità, Santa Aecoli, Nationalmonument mit Museo Risorgimento)
  • Rom bei Nacht
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    4 Kommentare

    Verfasst von - 10. März 2015 in Reisen, Service

     

    Motorradreise 2014 (16): Lose Enden

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    Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 18. Tag gibt es Geldsorgen, Abhöranlagen und einen Berg, den niemand ernst nimmt.

    Montag, 23. Juni 2014, Siena, Toskana

    Nach 18 Tagen on the road bin ich ein wenig reisemüde. Ich habe das Gefühl in den vergangenen dreieinhalb Wochen so viel erlebt zu haben wie sonst in einem Jahr nicht. Obwohl ich zwischendurch immer mal wieder Ruhetage hatte, fühle ich mich nun… erschöpft. Ich hätte nichts dagegen, jetzt so langsam den Heimweg anzutreten.

    EIGENTLICH hätte die Reise jetzt auch enden sollen, aber dann… fand eine Leserin des Blogs noch diesen einen Ort, schickte mir ein Bild davon und ich beschloss auf der Stelle: Den muss ich sehen. Tja, und deshalb dauert das Ganze hier noch etwas länger. Die Etappe zu diesem Ort flößt mir übrigens Respekt ein. Es geht hoch ins Gebirge, und als ob das nicht schon fordernd genug wäre, ist für den Zeitraum und die Region eine Unwetterwarnung rausgegeben worden. An diesen speziellen Ort geht es aber erst Morgen, heute bin ich noch einen letzten Tag in Siena und will endlich ein paar Sachen machen, die ich bei meinen Besuchen zuvor nie geschafft habe.

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    Zuerst aber heißt es Tanken, und das an der AGIP-Tankstelle von Fausto, dem alten Benzinao, der wegen seiner schlechten Zähne immer so langsam und deutlich spricht, dass ich ihn prima verstehe. Er war es, der mir das wort “pieno”, volltanken, und das System des “Fai da te” (do it yourself-Tanken) beigebracht hat. Ich erwarte nicht, dass er mich wiedererkennt, als ich ihn mit Namen anspreche. Dann sieht er mich einen Moment an, streicht sich mit den Händen übers Gesicht und sagt: “Wusste ich doch, dass ich Dich schon mal gesehen habe. Ich habe dir doch letztes Jahr gesagt, dass Du wieder nach Siena kommen wirst!”.
    Erstaunlich, der Mann.

    Der erste Ort auf der Liste ist San Quirico d´Orcia, 30 Kilometer südlich von Siena. Das Tal des Flusses Orcia ist vermutlich das meistfotografierte der Welt. Dieses typischen Bilder der Toskana, die immer in Zeitschriften oder auf Postkarten verwendet werden und auf denen man alte Steinhäuser auf sanften Hügel, Sonnenblumen und Zypressenalleen sieht, die sind in der Regel an einer von zwei Straßen in San Quirico aufgenommen. Im Ernst. HIER ist das Bild, dass alle immer von der Toskana im Kopf haben. Der Ort selbst ist winzig, und mit seiner unaufgeregten und aufgeräumten Art fast niedlich.

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    Ein Kommentar

    Verfasst von - 7. März 2015 in Motorrad, Reisen, Wiesel

     

    Tips für Paris

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    Wissenwertes über die französische Hauptstadt:

    1. Gute Tage, schlechte Tage
    Montag und Dienstag sind Shoppingtage. Grund: Am Montag haben fast alle Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen, nur der Louvre ist geöffnet. Will man den besuchen, sollte man früh dort sein, ab Mittags bekommt man keinen Fuß mehr auf den Boden. Am Dienstag hat der Louvre geschlossen, und die Touristenmassen, die er normalerweise absorbiert, stürmen die geöffneten Sehenswürdigkeiten. Was man am Dienstag auf keinen Fall tun sollte: Katakomben oder Versailles besuchen wollen. Beides ist selbst außerhalb der Saison völlig überlaufen.

    2. Essen und Trinken

    • Auch in der Nähe der Sehenswürdigkeiten gibt es erstaunlich wenige Stellen, an denen man zu vernünftigen Preisen (weniger als 3 Euro) eine kleine Flasche Wasser bekommt. Besser immer eine mitnehmen.
    • In Frankreich geht man nicht in ein Restaurant und sucht sich selbst einen Platz. Man wird beim Personal vorstellig und lässt sich platzieren. In Paris wird man beim Personal vorstellig und muss warten bis es aufhört einen zu ignorieren, also die Streiterei mit den Kollegen beendet oder die Untersuchung eines interessanten Flecks an der Wand beendet hat.
    • Kaffee: Wie in Italien. Nimmt man den Kaffee im Stehen an der Bar ist er am günstigsten. Setzt man sich, kommt eine Platzgebühr und Bediengeld hinzu, so dass aus einem Euro für einen Espresso 2,20 Euro werden.
    • Trinkgeld: Man lässt sich passend wiedergeben, Trinkgeld ist im Preis schon enthalten (weil NIEMAND pariser Bedinungen freiwillig ein Trinkgeld geben würde). Aufrunden oder Aufstocken des Rechnungsbetrags ist nicht üblich und irritiert nur. War man mit dem Service exorbitant supergut zufrieden (was in Paris nicht möglich ist), lässt man ein paar Münzen auf dem Tisch liegen wenn man geht.

    3. Verkehr

    • Mit dem eigenen Auto anreisen ist Quatsch. Pariser Stadtverkehr ist die Hölle, die Einbahnstraßen und wundersame Spurvermehrungen stehen dem Verkehr in Rom in nichts nach. Es gibt keine Parkplätze, dafür jede Menge abgerissene Außenspiegel. In Paris ist das Auto ein Gebrauchsgegenstand, und Parkrempler sind egal. Dementsprechend verbeult sehen die Kisten auch aus, und als Tourist braucht man keine Gnade zu erwarten.
    • Metro: Das Verkehrsmittel der Wahl. Statistisch gesehen ist man nie weiter als 500 Meter von einer Haltestelle weg. Das Liniensystem ist Farb- und Nummerncodiert, die Richtungen sind nach den Endstationen benannt. Einfacher geht es nicht. Unbedingt einen Metroplan besorgen (gibt es an den Infohäusschen gratis), der ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand bei einer Parisreise!
    • In Paris gibt es 5 Tarifzonen. Die Innenstadt ist Zone 1 und 2, alle Metrostationen, selbst die weit entfernten, liegen in Zonen 1-3. Versailles ist Zone 4, die Flughäfen Zone 5. Als Touri braucht man in der Regel nur Zone 1-2!
    • Es gibt in der Metro Klappsitze. Wenn es zu Stoßzeiten voll wird, steht man auf um mehr Platz zu machen!
    • Tickets werden an die Eingängen zur Metro in eine Metallsäule neben einem Tor gesteckt. Es verschwindet im Schlitz und kommt weiter vorne wieder raus. Man nimmt es an sich (nicht wegwerfen!) und geht durch das Tor. Man kann beliebig oft innerhalb der Metro umsteigen.
    • In Paris verkehrt nicht nur die Metro, sondern auch Züge (RER) und eine Seilbahn (zum Montmartre). Die Nahverkehrstickets sind auch für Seilbahn und RER gültig und öffnen auch die Toiletten in den Bahnhöfen!
    • Tickets zieht man an den grünen Automaten, über denen “Tickets & Navigo” steht. Steht da nur “Navigo”, ist man dort falsch. Zahlung erfolgt in Münzen oder per Kreditkarte. Die Automaten lassen sich auf Deutsch einstellen und benutzen.
    • Einzelfahrscheine kosten 1,70 Euro und gelten für beliebig viele Umstiege, so lange man die Metro nicht verlässt. Es gibt ein “Carnet” (Heftchen) mit 10 Fahrscheinen für 1,37(!) Euro pro Stück. Nicht kaufen sollte man vom deutschen Schaffner im Zug nach Paris – bei der DB kosten die Metrotickets ab 2,00 Euro aufwärts.
    • Ein Tagesticket (“Mobilis”) für Zonen 1-3 kostet 9,05 Euro, für Zonen 1-4 (Versailles) 11,80. Ein Tagesticket lohnt sich also, wenn man mehr als sieben Fahrten pro Tag macht.
    • “Paris Visiter” ist eine Touristenkarte, bei der man zwischen 1, 2, 3 und 5 Tagen Gültigkeit wählen kann und die Anzahl der Zonen (1-3 oder 1-5) selbst festlegt. Mit dem Ticket bekommt man vielerorts Vergünstigungen auf Eintrittspreise. Das kann sich lohnen, muss aber nicht. Wer vorab viel Online gebucht hat, hat keinen Preisvorteil. Paris Visiter mit 5 Tagen Gültigkeit für Zonen 1-3 kostet 34,80 Euro.
    • Der Navigo-Pass ist eine Wochenkarte und sehr günstig (unter 20 Euro), man braucht aber ein Lichtbild, er lässt sich nur an den orangefarbenen Infohäuschen kaufen und gilt NUR von Montag bis Sonntag und muss dann wieder aufgeladen werden. Ist man also von Mittwoch bis Mittwoch in Paris, braucht man zwei Navigoladungen, das lohnt sich nicht.
    • Tip: Am günstigsten und flexibelsten dürfte das Carnet, das 10er Heft Fahrscheine, sein. Allerdings muss man dann halt mit Einzelkarten rumfummeln und muss dabei einigermaßen organisiert sein, welche man schon verbraucht hat und welche noch gültig sind.

    4. Hotels

    • Hotels sind sehr teuer. Ausweichen in die Banlieue, die Vororte, sollte man trotzdem nicht. Der Ort, an dem man während eines Parisaufenthalts wohnen möchte, ist Montmartre: Ruhig, gemütlich, günstiger und schöner als der Rest. Ich habe sehr gute Erfahrungen in zwei Hotels in Montmartre gemacht (Siehe Karte). Von dort ist man mit der Metro in 15 Minuten an der Seine. Zeitweise sind die Hotels recht teuer, bei Booking.com gibt es immer mal wieder Angebote, auch die Hotels selbst machen ausserhalb der Hauptsaison Reduktionen, so dass man mit etwas Glück für ein Einzelzimmer nur ca. 60-70 Euro zahlen muss.
    • Frühstück im Hotel: Kann man sich sparen, ist in der Regel teuer (10 Euro aufwärts) und wenig gehaltvoll (1 Croissant, 1 Stück Baguette, 1 Kaffee). Lieber vor die Tür gehen und stilvoll in einem der allgegenwärtigen Cafés frühstücken, für 4-8 Euro bekommt man in der Regel was Vernünftiges.

    5. Online buchen
    Generell ist es immer eine gute Empfehlung vor der Reise online Tickets zu kaufen. Gerade in Paris sind die Warteschlangen SEHR lang. Aber Achtung: Die Franzosen bekommen Online nicht gut hin. Etliche Sehenswürdigkeiten verkaufen zwar über das Netz Eintrittskarten, ein Skip the Line ist aber nicht möglich und man steht wie alle anderen auch in der Schlange. Andere Sehenswürdigkeiten kann man vorab buchen und es gibt einen Extraeingang für Onlinebucher, aber das Ticket kann nicht zu Hause gedruckt werden, sondern man muss es in der Stadt an einem bestimmten Ort abholen.

    • Eiffelturm
      15 Euro, Website: http://www.toureiffel.paris/
      Gut: Vorab buchbar, Ticket lässt sich zu Hause drucken, Extraeingang für Onlinebucher (ein kleines Häusschen mit einer grünen Fahne am Nordosteingang).
      NICHT GUT: Nach dem Extraeingang steht man mit allen anderen in der Schlange im Turm, aber zumindest konnte man die abkürzen.
      Tip: Unbedingt drauf achten das man “Sommet” (Spitze) bucht, sonst kommt man nur bis zur zweiten Etage.
    • Versailles
      25 Euro all inkl. Tagespass, Website:http://billetterie.chateauversailles.fr/index-css5-chateauversailles-lgen-pg1.html
      Gut: Online Buchbar, zu Hause ausdruckbar. Zugang zum Schloss, den Gärten und den Lustschlösschen lässt sich auch separat buchen, dann ist´s günstiger.
      Nicht gut: Kein Extraeingang, man steht mit allen anderen in der u.U. kilometerlangen(!)Schlange.
      Tip: Eine Tour buchen. Die kostet 7 Euro zusätzlich, aber dadurch umgeht man nicht nur die Schlange, man sieht auch Räume, die normalerweise nicht zugänglich sind. Eingang für Touren ist im vorderen, rechten Gebäude noch vor dem Zaun, ganz schlecht ausgeschildert, hinter einer unscheinbaren, weißen Holztür. Um da hinzukommen nimmt man die Bahn RER C5 von Invalides nach Chateau Versailles Rive Gauche (alle 15 bzw. 30 Minuten, Fahrzeit 30 Minuten). Das normale Metroticket gilt nicht, man braucht eines für Zone 4. Am besten am Automaten ein Tagesticket (“Mobilis”) für Zonen 1-4 kaufen, dann hat man keine Probleme.
    • Louvre
      12 Euro. Tickets gibt es nicht über die Website des Louvre, sondern bei Drittanbietern, z.B. http://ticketmaster.fr
      Gut: Online buchbar, Extraeingang für Onlinebucher. Ticket ist den ganzen Tag gültig, man kann theoretisch zwischendurch rausgehen und später wiederkommen.
      Schlecht: Kein Ausdruck zu Hause, Ticket muss im Falle von Ticketmaster in einem Büro am Pont Neuf abgeholt werden.
      Tip: Online buchen und trotzdem früh da sein, die Schlange der Vorabbucher ist auch für Gruppen und kann lang werden. Unbedingt vorher überlegen, was einen interessiert, einfach nur durchschlendern ist nicht machbar. Für den Besuch mindestens 4 Stunden einplanen, eher den ganzen Tag.
    • Conciergerie und Saint Chapelle
      Website: http://de.parisinfo.com/
      Gut: Online buchbar, einzeln oder kombiniert. Kombiniert ist etwas günstiger.
      Schlecht: Abholung nur im Büro von Paris.Info in Pyramides. Kein Extraeingang, kein Skip the Line.
      Tip: Lohnt sich nicht, besser vor Ort kaufen.
    • Katakomben
      Gut: –
      Schlecht: Nicht Online buchbar. Stundenlanges Anstehen. Ab spätestens Mittags Wartezeit mindestens 4 Stunden, auch außerhalb der Saison. Ab 19.00 Uhr kein Einlass mehr.
      Tip: Sehr früh da sein, am besten um 09.00 Uhr (Öffnet 10 Uhr, Montags geschlossen). Nicht alleine anstellen, sondern mit mehreren, damit einer immer mal zur Toilette gehen oder Verpflegung holen kann.
    • Tour Montparnasse
      Website: http://www.tourmontparnasse56.com/de/
      Gut: Online buchbar, zu Hause druckbar
      Schlecht: Kein Einzeleingang für Onlinebucher, Mittags und Nachmittags lange Schlangen
      Tip: Kurz vor Sonnenuntergang dort sein. Dann sind die Wartezeiten kurz und das Erlebnis noch schöner.
    • Opera Garnier
      Website: http://www.cultival.fr/en/visites/the-opera-garnier-day-tour-01092014
      Gut: Online buchbar, zu Hause druckbar
      Schlecht: Man druckt nur einen Gutschein, der am ersten Fenster gleich gegenüber des Besuchereingangs gegen ein echtes Ticket eingetauscht werden muss. Das erste Fenster ist von der Schlange der normal Anstehenden verdeckt. Hat man eine Führung gebucht, steht auf dem Ticket ein Buchstabe. Man geht dann an allen Kassenschaltern vorbei in den großen, niedrigen, runden Raum mit den vielen Säulen, ganz am Ende des Ganges. An den Säulen stehen Buchstaben. Man stelle sich an die, deren Buchstabe dem auf dem Ticket entspricht und warte auf den Guide.
    • Notre Dame
      Website: http://www.notredamedeparis.fr/
      Der Zugang zur Kathedrale kost nüscht, ab 11.00 Uhr stehen die Schlangen stehen oft über den ganzen Vorplatz. Dabei ist das richtig interessante in der Straße links neben dem Gebäude, dort ist der Aufgang zu den Türmen. Die werden vom Staat gepflegt und kosten deshalb 8 Euro Eintritt. Hier dürfen immer nur 20 Leute auf einmal hoch, was immer und zu jeder Zeit zu Schlangen führt. Infos unter http://notre-dame-de-paris.monuments-nationaux.fr/

    6. Ermäßigungen

    • Es gibt einen “Museumspass”, der freien Eintritt und Skip the Line (falls verfügbar, das ist selten!) in 60 Museen und Sehenswürdigkeiten in und um Paris an 2, 4 oder 6 Tagen ermöglicht. Die Preis liegen zwischen 42 und 69 Euro. Man sollte sehr genau rechnen ob sich das wirklich lohnt. Mehr Infos hier.http://en.parismuseumpass.com/
    • Das Ticket “Paris Visite” ist nicht nur eine Dauerkarte für die Metro, sondern bietet auch Preisreduktionen von bis zu 30 Prozent auf Eintritte in Museen und Sehenswürdigkeiten. Mehr Infos hier.
    • Ab 19 Uhr sind im Centre Pompidou die Ticketautomaten ausgeschaltet, aber die Rolltreppe zum Aussichtpunkt noch offen. Man braucht dann keinen Eintritt dafür zu bezahlen und kann einfach so hochfahren.

    6. Handy und Internet
    Die Netzabdeckung in Paris ist absolut lökerig, egal bei welchem Anbieter. Man kann vorab Prepaid SIM-Karten für Mifis kaufen, und die sind auch besser als nichts, aber ordentliche LTE- oder HDSPA-Geschwindigkeit gibt es nirgends, 3G geht, wenn nicht zu viele Leute an einem Ort sind, aber manchmal fällt man aber tatsächlich auf 2G zurück. Vorab kann man Simkarten von Three oder Lebara hier bekommen: http://www.prepaid-global.de/

    7. Reisezeit
    In Paris ist es immer voll, egal wann man fährt. Im Februar und November ist die Packungsdichte bei Touristen geringfügig weniger hoch als im Rest des Jahres, im Juli und August ist dafür die Bevölkerungsdichte niedriger.

    8. Post
    Briefkästen sind knallgelb und tragen die Aufschrift “Poste”. Briefe bis 20 Gramm von Frankreich nach Deutschland kosten 1,35 Euro, Postkarten als “Lettre Prioritaire” 95 Cent (Stand Januar 2015, Tarifrechner auf http://www.laposte.fr/particulier/outils/calculateur-de-tarif). Briefmarken (timbre-poste) gibt es in den Läden zu kaufen die auch Postkarten führen, ansonsten in Tabakwarenläden.

    9. Hilfequellen

    10. Tips für Touren und Besichtigungen
    …finden sich ab April im Reisetagebuch Paris an dieser Stelle.

    Mehr Städtetips:
    London

     
    14 Kommentare

    Verfasst von - 4. März 2015 in Reisen, Service

     

    Motorradreise 2014 (15): Der Geisterfluss

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    Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am 17. Tag geht es nach Volterra.

    Sonntag, 22. Juni 2014, Siena, Toskana

    Siena existiert zwei Mal – ein Mal über der Erde, ein Mal darunter. Die Stadt wurde auf drei Hügeln erbaut. Von dort war jeder Feind in weitem Umkreis leicht zu entdecken. Stolz überblickte die Stadt das Land, und sie wuchs schnell. Damit kamen die Probleme, denn Siena lag weit entfernt von natürlichen Seen und Bächen. Das musste jeden Tag mühsam herbeigeschafft werden, und in heißen Sommern litt das Volk Durst. Man bohrte Brunnen, fand aber kein Wasser. Dabei hörte man des Nachts, wenn es ganz still war, ein Gurgeln und Rauschen von Wasser im Untergrund. Das war, so vermutete man, die Diana, der verborgene Fluß unter Siena.

    Im Laufe der Jahre wurden viele Versuche unternommen die Diana zu finden. Sogar Zauberer und Wünschelrutengänger wurden von der Stadt bezahlt, aber die Diana blieb verborgen. Schließlich baute man unterirdische Viadukte und Aquädukte, die die einheimischen I Bottini nannten, und die das Wasser in den Bergen sammelten und in die Stadt transportierten. Das Geflecht der Kanäle war dutzende Kilometer lang, eine Stadt unter der Stadt.

    Der Bau dauerte drei Jahrhunderte, und die Arbeit war hart. Die Männer unter Tage wurden “Il guerchi” genannt, die Lichtlosen. Durch Jahre der Arbeit im Dunkeln waren sie blind im Tageslicht. Sie waren die Verdammten, denn in diesen Tagen des Mittelalters wusste man, dass, je tiefer man grub, desto näher war man der Hölle. Die Guerchi waren ihr am Nächsten, und im Dunkeln hörten sie die Diana gluckern und rauschen, ohne sie je zu finden.

    Viel später fand der Maler Andrea Brescianino den unterirdischen Fluß, aber noch bevor er sich mitteilen konnte, verschwand er. Ein geheimer Hinweis auf den Zugang zum Fluß hinterließ er in seinem letzten Bild, aber bis heute ist es niemandem gelungen ihn zu entschlüsseln. So ist La Diana nach wie vor unentdeckt. Aber noch immer hört man sie, des Nachts, wenn es still ist in Siena: Diana, den Geisterfluß.
    – Aus: Mystery in Tuscany

    Ich muss wirklich damit aufhören Stefanos Kuchen zum Frühstück zu essen. Das ist nämlich, wie mit heute Morgen aufgeht, nichts anderes als ein Tortenboden, über den er ein Glas Marmelade ausgekippt hat. Und die kleinen Biscuitrollen, das sind einfach Milka Tender mit zusätzlich Schokoladensoße aus der Tube oben drauf. Das Zeug enthält zusammen so viel Zucker, dass ich davon im Kopf ganz schwindelig werde und später Sodbrennen bekomme.

    Heute morgen Sodbrenne ich durch die Montagnola Senese, die Bergkette nordwestlich von Siena. Ein kurzer Abstecher in mein Lieblingsdorf Monteriggioni ist sehr kurz, denn das Festungsdörfchen ist gerade von Besucherinnen des Festivale Viandanza, dem Jahrestreffen der Nordic Walker, überlaufen. Auf dem Marktplatz gibt es Stände mit neuester Nordic-Walking Technologie, und eine überenthusiastische Frau in den mittleren Jahren predigt die Vorzüge des Stöckel-“sports”.

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    Nebenan ereifert sich eine Rentnerin lautstark darüber, dass ihr ein Nippel abhanden gekommen sei. Das kann auch eine Übersetzungsfehlleistung meinerseits sein. Ich suche das Weite.

    Bei einem kurzen Abstecher ins Tourist Office muss ich aber breit Grinsen. Hier liegt jetzt ein Tisch mit “Assassins Creed”-Devotionalien aus. Allerdings den falschen. Hat ja jetzt nur 5 JAHRE gedauert, damit dieses liebenswerte Dorf endlich was daraus macht, das pro Jahr tausende Computerspieler hier her pilgern, weil es 2009 in Assassins Creed II vorkam. Und jetzt liegt im Tourioffice Devotionlienkram zu AC IV aus, ausgerechnet dem Teil der Serie, der nicht hier, sondern in der Karibik spielt. Nunja.

    Ich kaufe als Andenken einen kleinen AC-Pin, und falle fast vom Glauben ab, als mit dafür 23 Euro berechnet werden. WTF?! Ja, der sei versilbert und hier in Italien in Handarbeit… Jaja, schon gut.

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    Ich bin froh, als ich den Walkerinnen und ihrer fanatischen Vorturnerin entkommen bin und wieder der Asphalt der Landstraße unter mir langzieht. In einem Anfall von Wagemut habe ich das Navi auf “Kurvenreiche Straße” eingestellt, und die bekomme ich jetzt auch. An diesem Morgen fahre ich noch wie eine Karre Mist. Da ist kein Flow drin, Motorrad und ich sind nicht eins. Hüftsteif holpere ich durch die Landschaft, verbremse mich, muss in den Kurven nachkorrigieren.

    Das schöne ist: Das ist vollkommen e-g-a-l. Da ich ja allein unterwegs bin, gibt es niemanden, der mir hinterher erzählt was ich alles besser machen könnte. Ein weiterer Vorteil des Alleinreisens: Ich muss auf niemanden warten, und umgekehrt an niemanden Anschluss halten. Ich kann so langsam oder so schnell fahren wie ich will, und in Anbetracht der Landschaft hier will ich gerade GANZ langsam fahren. Volterra liegt auf einer Bergkette, und der Weg dahin liefert abenteuerliche Ausblicke auf die Toskana. Das ist das tolle an dieser Region: Immer sieht man am Horizont Berge, und wenn nicht, dann nur, weil man auf einem drauf ist und von oben über die weiten Felder und Hügel schaut.

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    Verfasst von - 28. Februar 2015 in Motorrad, Reisen, Wiesel

     
     
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