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Archiv der Kategorie: Reisen

Mein erstes Mal: Fernbusfahrt

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Zum Weltwieseltag wollten das Wiesel und ich standesgemäß mit einem Riesenauto und eigenem Chauffeur in Hamburg vorfahren. Also nahmen wir einen Fernbus.

Fernbusse waren in Deutschland lange Zeit nicht erlaubt, weil der Gesetzgeber die Bahn schützen wollte. Das ist seit Kurzem vorbei, und jetzt expandieren Fernbusunternehmen. In Deutschland sind das vor allem “MeinFernbus”, “Flixbus” und neuerdings der ADAC. Von Fernbussen hatte ich nur Gutes gehört: Viel günstiger als die Bahn, bequem, mit WLAN-Austattung und allem Komfort sollten die sein. Das musste ich ausprobieren, und buchte daher einen Fernbus der Firma Flixbus, Göttingen-Hamburg und Retour für 19 Euro pro Fahrt.

Das erste Problem tauchte sofort nach der Buchung auf. Die Seite mahnte, man solle auch ja rechtzeitig an der richtigen Haltestelle sein. Nur: Welche Haltestelle das ist, das verrät sie nicht. Das steht klein auf dem Busticket, und wenn man das auf einem altersschwachen Schwarz/weiß-Laserdrucker ausdruckt, ist der Hinweis kaum lesbar. Apropos Website und App: Die sollten eigentlich die Standorte der Haltestellen anzeigen. Tun sie oft ach, aber gelegentlich (= immer wenn man es wirklich braucht) ist die Integration von Google Maps einfach kaputt und es gibt statt Landkarte nur Fehlermeldungen. Zum Glück bekam ich am Tag vor der Abfahrt noch raus, von wo es los ging, und freute mich auf die Fahrt in der rollenden WLAN-Butze.

Die Ernüchterung erfolgte recht schnell. Den QR-Code auf der App konnte der Fahrer mangels Lesegerät nicht kontrollieren, aber zum Glück hatte ich aber den altersschwachen Ausdruck des Tickets dabei. Mit dem Komfort war es nicht weit her. Ich kann mich täuschen, aber mir schien, als wären in dem Bus die Standardsessel durch enger stehende Versionen ersetzt, um mehr Personen unterbringen zu können. Unbequem sind die nicht, aber das geht halt auf Kosten der Beinfreiheit. Einen Rucksack in den Fußraum zu stellen, was bei der Bahn problemlos möglich ist, ist im Bus nicht drin. Snacks und Getränke kann man theoretisch im Bus kaufen, allerdings wird man gebeten passend zu zahlen, da der Fahrer das auf eigene Rechnung macht. Uh.

Den Bus, den ich erwischt hatte, war dreckig. Die Scheiben waren verschmiert und die Netze der Sessel waren voller Müll. In Göttingen hat der Bus 20 Minuten Aufenthalt, aber die nutzte der Fahrer nicht, um mal durchzugehen und den größten Ranz einzusammeln. WLAN gab es übrigens ebensowenig wie Durchsagen des Busfahrers. Dabei wäre es durchaus interessant gewesen mal zu erfahren wie lange er Pause zu machen gedachte oder wann wir wohl am Ziel ankommen würden, hatten wir doch durch einige Staus und Baustellen ordentlich Zeit verloren. Am Ende kamen wir mit 2 Stunden Verspätung in Hamburg an.

Die Rückfahrt war ähnlich, aber mit Problemen auf anderen Ebenen. Der Zentrale Omnibusbahnhof in Hamburg ist groß und modern, und im Minutentakt kommen dort Busse an und fahren wieder ab. Es gibt ein elektronisches Anzeigesystem, welcher Bus an welchem Bussteig hält. Dummerweise wird die Anzeige aber nicht an die aktuellen Gegebenheiten angepasst, falls ein Bus an einem anderen Steig steht als geplant. Und das Flixbus auf Busnummern verzichtet, macht es nicht einfacher. Während MeinFernbus eindeutige Nummern für seine Routen hat, heisst die bei Flix nur “Startstadt – Endstadt”. Das steht aber nicht auf den Tickets. Dort steht nur der Teil der Fahrt, den man gebucht hat. Ich musst ealso raten, ob mein Ticket für “Hamburg – Göttingen” jetzt für die zeitgleich abfahrenden Linien “Hamburg – Frankfurt” oder für “Hamburg-Berlin” gedacht war.

Am Hamburger ZOB kann man sehr schön sehen, wie unterschiedlich die Unternehmen organisiert sind. Der ADAC hat “Bodenpersonal”, das einen kleinen Check-In-Tisch an den Bussteig rollt. Den Fahrgästen wird das Gepäck abgenommen, alle steigen gesittet ein. Bei Flix gab es einfach nur riesiges Chaos. Mein Bus kam und kam nicht, obwohl ich laut Anzeige am richtigen Steig stand. Das machte mich nicht unerheblich nervös, leider half die Flix-App mit der Rubrik “Aktuelle Meldungen” auch nicht weiter. Irgendwann kämpfte sich ein Mann durch das Getümmel der vielen hundert Menschen, die am Sonntag Nachmittag dicht an dicht durch den ZOB schoben, und sagte zu der Frau neben mir, dass der Bus heute ganz woanders fahren würde.

Tatsächlich stand acht Haltebuchten weiter ein blauer Flixbus mit einem Schild “Hamburg-Frankfurt über Göttingen” hinter der Scheibe. Hätte ich nicht durch Zufall das Gespräch der beiden Fahrgäste mitbekommen, ich hätte den Bus verpasst.

Vor dem Bus war eine Menschentraube, und in deren Mitte ein Fahrer, der laut brüllte “Jetzt hört dochmal auf, ihr macht mich ja verrückt hier!” Währenddessen wuppten Fahrgäste ihre Koffer und Rucksäcke bereits selbst in den Laderaum, was dem Fahrer nicht gefiel – prompt verkündete er, dass alles nochmal raus und auf der ANDEREN Seite wieder in den Bus eingeladen werden sollte. Tickets wurden auch diesmal nicht wirklich kontrolliert, was dazu führte, dass der Flixbus auch Fahrgäste von “Mein Fernbus” mit an Bord nahm, in deren Haltebucht er laut Anzeige stand. Dafür blieben vermutlich etliche Flixbus-Kunden in Hamburg zurück, die brav am Gate mit der Flix-Anzeige warteten.

Der Bus war zwar nicht voller Müll, aber die Toilettentanks waren voll und rochen erbärmlich. WLAN zeigte sich nur in Form eines Accesspoints, aber der hatte sich wohl aufgehangen, denn schon die Startseite des APs zu laden dauerte Minuten, und Internet war gar nicht möglich.

Mit einer halben Stunde Verspätung ging es dann los, und meinem Sitzplatz in der zweiten Reihe und dem Mitteilungsbedürfnis des Fahrers ist es zu verdanken, dass ich mehr über sein Seelenleben mitbekam als es mir lieb war. Zum einen versuchte er die verlorene Zeit schon im Stadtverkehr wieder rauszuholen, was natürlich genauso sinnlos wie gefährlich war und lediglich zu einer Vollbremsung und dem Überfahren Kirschgrüner Ampeln führte. Auf der Autobahn beschäftigte sich der Mann dann mit dem, ihm nicht wirklich vertrauten, Busmodell, was diverse Flüche und merkwürdige Handlungen nach sich zog. Wer wollte, konnte meine Fahrt auf Twitter in Echtzeit miterleben:

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Als die Spielerei mit dem Fahrzeug langweilig geworden war, gab sich der Fahrer der Verkehrserziehung anderer Verkehrsteilnehmer hin, hupte langsame Kleinwagen aus dem Weg oder bedrängt Wohnmobile in Baustellen, wenn er nicht gerade Telefonierte, mit seinem Handy rumspielte oder der Teenagerin in der ersten Reihe Knöpfchen erklärte.

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Höhepunkt der Fahrt war dann Hannover, was den Fahrer in der Peripherie schon so durcheinanderbrachte, dass er der Teenagerin das Navi in den Schoß warf und rief: “Hier, sag mir mal wo´s lang geht.”

Die zückte dann ihr Telefon und navigierte damit den Bus erstaunlich souverän durch die Großstadt, bis zu dem Zeitpunkt, als Baustellen die Navianzeige nichtig machten. Ab da begannen Fahrgäste Vermutungen zu äußern, wo es lang gehen könnte, und so wurde der Bus nach Mehrheitsentscheid navigiert.

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Mit dem erwartbaren Ausgang, nach wenigen Minuten standen wir verkehrt rum in einer Einbahnstraße. Der Fahrer war tödlich genervt, hupte Autos aus dem Weg, versuchte Fußgänger bei Ampelquerungen zu verängstigen und forderte gleichzeitig die Fahrgäste auf, sich die Kennzeichen von Autos zu merken, die er nich anzuzeigen gedachte.

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Als wir endlich am ZOB Hannover ankamen, schickte der Fahrer die Fahrgäste, die nach einer Toilette fragten, in eine Fantasierichtung und war umso erstaunter, als die tatsächlich erleichert zurückkamen – ein Hotel hatte Gnade mit ihnen gehabt. Aber wenigstens einen englischen Touristen, der nach dem Bus nach Berlin fragte, konnte er nachhaltig verwirren.

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Ohne weitere Zwischenfälle ging es dann zurück nach Göttingen.

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Mein Fazit: Fernbusse sind tatsächlich ein Erlebnis. Man muss sich allerdings darüber klar sein, dass lediglich der Preis für sie spricht – wenn man früh genug bucht, kurz vor der Abfahrt sind Busfahrkarten und Bahn-Spezialangebote auf ähnlichem Niveau. In Punkto Sauberkeit, Komfort und Pünktlichkeit kam diese Busfahrt hier nicht an die Bahn heran. Mit “meinem” ADAC werde ich noch eine Fernfahrt wagen, von der Nutzung von Flix werde ich zukünftig absehen.

 
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Verfasst von - 18. August 2014 in Reisen

 

Unverknittert! Alles für die Businessreise

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Dienstreisen, das musste ich neulich mal wieder feststellen, unterscheiden sich von privaten Reisen doch sehr. Ich bin ja am liebsten mit leichtem Gepäck unterwegs, denn zum einen brauche ich wirklich nicht viel, zum anderen bin ich gerne mobil. Bei einer Dienstreise kommt man aber nicht umhin mehr mitzuschleppen. Zum Beispiel das größere Notebook, geschäftliche Unterlagen und mehr Wäsche. Mit letzterer muss zudem anders umgegangen werden, denn es ist durchaus ein Unterschied, ob man eine Jeans oder einen Anzug dabei hat.

Ich bin gerne beweglich, und deshalb bin ich auch kein Fan von Rollkoffern. Deren Vorteil liegt darin, dass man seine Sachen nicht tragen muss -man zieht sie ja hinter sich her-, was aber auch gleichzeitig ihr größter Nachteil ist. Das die Masse der mitgeschleppten Dinge nicht wirklich spürbar ist, verleitet gefühlt die Hälfte aller Trolleybesitzer/-innen weitaus mehr mitzuschleppen, als sie tatsächlich bräuchten. Außerdem sind Rollkoffer Platzverschwendung – im Inneren hat man weniger Platz, weil die Griffmechanik ja auch irgendwo hin muss, und nach Außen sowieso – eine Chantalle kann durch Trolleys eine Spurverbreiterung auf locker 2,5 Meter erfahren und dadurch zum unüberwindbaren Hindernis auf Bahnsteigen werden… aber ich schweife ab.

Ich besitze selbst einen kleinen Rollkoffer, mit dem war ich aber nie wirklich glücklich. Zu wenig Platz darin, zu sperrig, zu langsam. Letztlich hatte ich ihn nur deswegen angeschafft, weil er die Ryan-Air-typischen Maximalmaße von 55 x 40 x 20 Zentimetern für Handgepäck erfüllt. Lange Zeit dachte ich, dass Trolleys für Flugreisen ohne Alternative wären, bis mich Kalesco (wer sonst) auf die Rucksäcke der Cabin Max-Reihe aufmerksam machte (Danke!). Ich bin großer Rucksackfan, denn damit kann man viel Kram schnell transportieren, und die Cabin Max sind nicht nur aus superleichtem, dabei aber reißfestem, Cordura gearbeitet und haben sehr praktische Innentaschen, sondern haben auch genau die maximal erlaubten Airlinemaße! Klar, dass ich mir gleich mal einen zugelegt habe.

Ja, der ist personalisiert. Statt dem Cabin Max-Logo ist ein anderes aufgenäht. Ich finde es spannend zu beobachten, welcher der Mitreisenden den kleinen Nerd-Gag erkennt.

Ja, der ist personalisiert. Statt dem Cabin Max-Logo ist ein anderes aufgenäht. Ich finde es spannend zu beobachten, ob jemand der Mitreisenden den kleinen Nerd-Gag erkennt.

Dazu gab es eine Runde TSA-Locks. Das sind nicht wirklich sichere Vorhängeschlösser, mit etwas Werkzeug bekommt man die sofort auf. Sie schützen nur vor Gelegenheitsdieben und deren schnellen Griff in die Tasche. Da besondere an diesen Schlössern: Unsicherheitspersonal* an Flughäfen (in den USA die Transport Security Agency, TSA) hat spezielle Schlüssel, um sie zu öffnen und den Rucksackinhalt zu begutachten. Ich habe mich für Schlösser mit Indikator entschieden. Wurden sie von Unsicherheitspersonal geöffnet, zeigen sie das durch einen roten Punkt an.

Noch ist der Pubkt Grün, das Schloß wurde von keinem Sicherheitsfascho geöffnet.

Noch ist der Punkt Grün, das Schloß wurde noch nicht von Unsicherheitspersonal geöffnet.

Ich habe nicht vor, so bald in die USA zu reisen, aber der Sicherheitswahn breitet sich auch in Europa aus – die Taschenkontrollen in den Bahnhöfen in England sprechen da eine deutliche Sprache – und mir ist lieber, die Unsicherheitsschergen kriegen die Schlösser auf als das sie den Rucksack aufschneiden oder wasweißich was denen einfällt.

Weil ich eh gerade einkaufen war, habe ich mir eine neue Kofferwaage gegönnt. Handgepäck darf maximal 10 Kg wiegen, und ohne Waage ist es schwer zu bestimmen, ob der Wackerstein als Souvenir jetzt noch mit ins Gepäck darf oder doch zurückbleiben muss. Eine gute Kofferwaage zu finden ist nicht einfach. Die meisten sind billiger Chinaquatsch und gehen im Bereich um 1000 Gramm verkehrt (kein Witz, ich habe etliche ausprobiert!), andere sind selbst so groß und schwer, dass man sie nicht mit auf Reisen nehmen mag. Bei meiner Suche schoß den Vogel eine Waage ab, die bei Amazon auf Verkaufsplatz 1 in Reisezubehör stand, die aber selbst 350 Gramm wog und beim Ausprobieren bis 7 Kg eine Abweichung von 800 Gramm aufwies (das schwankte aber bei jedem Wiegevorgang) und ab 7 Kg gar nichts mehr anzeigte. Dafür leuchtete sie toll blau und piepte ganz laut, ws vermutlich der Grund war, dass nach einem Dutzend Wiegevorgänge die Batterien alle waren. Eine dermaßene Schrottkonstruktion muss man auch erstmal hinkriegen.

Letztlich habe ich mich für die Soehnle Travel entschieden. Die ist winzig, und zudem die leichteste, eleganteste und genauste Waage, die ich gefunden habe. Preislich ist sie dabei mit 17 Euro im Mittelfeld, und allein die schöne Verarbeitung macht mich gerade sehr glücklich.

Ist kaum größer als die Handfläche, wiegt nur 95 Gramm und ist irre genau: Soehnle Travel.

Ist kaum größer als die Handfläche, wiegt nur 95 Gramm und ist irre genau: Soehnle Travel.

Glücklich macht mich auch eine andere Neuerwerbung, der Pack-It Folder von Eagle Creek. Das ist im Prinzip eine Tasche mit vier großen, überlappenden Klappen und einer Plastikschablone. Um die Schablone herum faltet man seine Hemden, damit sie genau die richtige Größe haben, dann legt man sie in die Tasche, schliesst die Klappen und transportiert damit seine Klamotten. Die, so das Versprechen, kommen dann unzerknittert als Ziel. Und was soll ich sagen – es funktioniert!

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Natürlich haben Hemden beim Auspacken Knickfalten, aber bestenfalls verschwinden die, wenn man die Kleidung einige Stunden auf einen Bügel hängt, schlimmstenfalls bleiben die, sind aber unter einem Anzug nicht zu sehen. In jedem Fall gibt es keine Knitterei, und das ist es ja, was einen schlampig aussehen lässt und ich auf den Tod nicht leiden kann – ich bin sogar im Besitz eines Reisebügeleisens. Kein Witz. Den Pack-It gibt es in zwei Ausführungen, klassisch und als “Spectre”. Letzterer soll eine Ulraleichtausführung sein, ist faktisch aber zu klein um mehr als ein Hemd zu fassen und zu instabil, um das ordentlich zu transportieren.
Besser, weil größer und stabiler, ist die normale Ausführung. In die sollen bis zu sieben Hemden passen, und das kommt locker hin.

Hier drin sind drei Hemden, drei Krawatten, ein Anzug und ein Jackett. Sicher verpackt und knitterfrei.

Hier drin sind drei Hemden, drei Krawatten, ein Anzug und ein Jackett. Sicher verpackt und knitterfrei.

Bei meiner letzten Reise hatte ich darin: Einen kompletten Anzug, ein Jackett, drei Krawatten und drei Hemden. Alles kam am Ziel in perfektem Zustand an, und das, obwohl ich mit Rucksack unterwegs war. Hat sich also bewährt, wird weiter Verwendung finden.

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* Oder fühlt sich irgendjemand sicher, beim Gang durch Securitychecks?

 
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Verfasst von - 5. August 2014 in Reisen

 

7.187

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So, ich wäre dann auch mal wieder im Lande. In den vergangenen dreieinhalb Wochen habe ich im Sattel des Motorrads insgesamt 7.187 Kilometer zurückgelegt und dabei 6,25 Länder besucht – in der Summe war das noch länger und weiter als die LANGE REISE im vergangenen Jahr. Dabei bin ich über die schönste Autobahnbrücke Europas gefahren, habe das surrealste Gebäude Spaniens besucht und mich in der mich in der Kathedrale der Bilder verzaubern lassen.

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Unterwegs habe ich interessante Leute getroffen, wie die Zuckerbäckerin getroffen, deren Schwiegervater seit 40 Jahren eine Höhle unter der Bäckerei buddelt, oder die Linsenbauern, die ihre Felder mitten im Gebirge haben. Außerdem sind das Wiesel und ich Mythen nachgegangen: Wie haben den Eisernen Baron gefunden, sind über die Teufelsbrücke gegangen, haben dem Klagen des Verräters gelauscht und die Diana gesucht.

Die Teufelsbrücke und das Wiesel. Devil May Cry.

Die Teufelsbrücke und das Wiesel. Devil May Cry.

Ich würde gerne schreiben, dass Motorrad, Wiesel und ich ohne einen Kratzer wieder da sind, aber das wäre gelogen. Hier ist er, der zum Glück einzige Kratzer, den wir uns zugezogen haben:

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Wie der zustande kam und was noch so passiert ist, das gibt es dann im Reisetagebuch. Ich muss jetzt erst einmal Erinnerungen und Bilder sortieren. Oh, und ich muss noch ergründen wie Huhu es geschafft hat seinen… Diätplan zu sprengen. Bis ich dazu komme steht allerdings erstmal noch eine Dienstreisewoche an. Bis es hier im Blog weitergeht wird es noch einen Moment dauern.

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P.S.: Ja, ich habe Euch auch vermisst :-)

 
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Verfasst von - 7. Juli 2014 in Meta, Motorrad, Reisen

 

Nur noch 36 Stunden

Jetzt gibt es ein ganzes Jahr keine Motorradreise mehr. EIN GANZES JAHR!!! Das ist EINE EWIGKEIT.
Dachte ich bei mir.

Dann schaltete die Zeit den Turbo ein, und das Jahr flog vorüber und ich bin nicht mal dazu gekommen die Bücher über mögliche Reiseziele zu lesen, die ich im Oktober 2013 gekauft hatte. Zu dem Zeitpunkt, also 8 Monate vor der Fahrt, stand der grobe Verlauf der Motorradreise 2014 schon fest. Ich hatte im Kopf wo ich hinwollte, hatte die Strecke ergoogelt, in Tagesetappen teilt und schon die drei Viertel der Unterkünfte gefunden und gebucht.

Dann kam Weihnachten, dann das neue Jahr, und ZAPP ist plötzlich Juni. Die letzten drei Monate habe ich wieder fünf Mal die Woche das Fitnessstudio besucht, schon um die über Weihnachten angefressenen 8 Kilo (! Swwas ist mir noch nie passiert!) los und wieder fit zu werden. Muskelaufbau- und Ausdauertechnisch ging´s diesmal auch schneller als im vergangenen Jahr, vermutlich weil ich auch zwischendurch regelmäßig im Fitti war und das nie ganz habe schleifen lassen.

Am Ende passte die Planung für die Vorbereitung ganz genau, aber viel Luft war nicht mehr. Das Motorrad musste noch unerwartet oft in die Werkstatt, zuletzt wegen Problemen an den Bremsen. Softwareprobleme legten vorübergehend die Naviplanung lahm, und die letzten Tagestouren sind auch erst gestern fertig geworden. Dazu kam tagsüber viel Arbeit, nachts Sachen packen und eine längere Abwesenheit vorbereiten. Ich habe gerade nicht Ringe unter den Augen, sondern tiefe Gräben.

In 36 Stunden kann es also losgehen. Das Wiesel wird mich begleiten. Es ist mindestens so aufgeregt wie ich. Bei mir ist es eine Mischung aus Vorfreude und Angst vor der eigenen Courage. Auch wenn die 2014er Tour nicht auf die Auslotung von Extremen ausgelegt ist, sondern auf eine Mischung aus Entdeckung und Vertiefung, habe ich en wenig Respekt ob der schieren Größe. Komisch. Im Vorfeld komt mir das immer als zu lang, zu viel, zu groß, unschaffbar vor – und im Nachgang war alles ein Klacks. Nun, fast alles.

Im Blog herrscht während meiner Abwesenheit Sendepause. Hinter den Kulissen sorgt, wie üblich, Blogpinguin Huhu für die Aufrechterhaltung basaler Funktionen im Maschinenraum von WordPress. Vermutlich ist er ganz froh mich erstmal eine Zeitlang nicht zu sehen. Ich bin nämlich nicht der einzige, der über das Jahr zugenommen hat, allerdings ist Huhu der Meinung, das eine Diät mit Enzug seiner über alles geliebten Fischstäbchen eine Verletzung seiner Grundrechte darstellt. Dementsprechend schmollt er gerade ein wenig, ich habe ihn schon seit Tage nicht gesehen (aber irgendwo bimmelt es gerade). Huhu ist schon merkwürdig. Er liebt zwar die Reiseberichte im Blog und träumt vermutlich auch von anderen Orten, allerdings würde er nie im Leben freiwillig einen Fuß vor die Tür setzen. Tja, jedem das seine.

Ich sage dann mal tschüss und verabschiede mich. Neuigkeiten gibt es vielleicht auf Twitter (siehe Box am rechten Bildschirmrand), vielleicht auch nicht. Bis die Tage, man liest sich!

 
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Verfasst von - 4. Juni 2014 in Huhu, Meta, Reisen, Wiesel

 

Renaissance 2014

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Mein Motorrad, die Renaissance. Eine Kawasaki ZZR 600. Tourentaugliche Supersportlerin, 98 PS, 240 km/h Spitze, Baujahr 2003.

Gerade ist die Maschine frisch aus der Werkstatt zurück. Große Inspektion, Ventile eingestellt, neue Reifen, neue Tachowelle, komplett neuer Sekundärantrieb (hört sich geiler an als “Kette und Ritzel wurden gewechselt”), neue Bremsbeläge, Vorderradbremse auseinandergebaut und gereinigt. Die Kette muss übrigens bei der Eskapade in den Bergen im vergangenen Jahr beschädigt worden sein, die war noch nicht alt, sah aber so aus wie bei jemandem, der des öfteren mal Wheelies macht.

Auch in der 2014er Version fährt die Renaissance mit einigen Modifikationen, die das Leben bequemer und einfacher machen oder die ich auf langen Touren gerne dabeihaben möchte.

Allzu viel gab es im Gegensatz zum 2013er Modell nicht mehr zu verbessern, nachdem ich schon in den vergangenen zwei Jahren mit der Maschine auf großer Tour war. Das auffälligste Merkmal des Modelljahres 2014: Die Carbonpanzerung um den Motor ist jetzt schwarz. Eine kulante Geste der Bayreuther Werkstatt Carbonadi.de, nachdem sich die silbernen Protektoren im vergangenen Jahr plötzlich doof verfärbt hatten. Außerdem neu ist ein Zündunterbrecher unter der Sitzbank.

Ich habe in befreundeten Foren gleich von zwei Fällen gelesen, in denen ein Schraubendreher durch das Zündschloss gestochen und das Motorrad damit vom Hof gefahren wurde, und zwar in Gegenden, in die es mich diesmal verschlägt. Der neue Schalter legt die gesamte Elektrik lahm – da kann man so viel Schloß knacken oder kurz schließen wie man will, die Maschine startet einfach nicht. Dem Alter der Renaissance ist es zu verdanken, dass das möglich ist. Moderne Motorräder mit ihren Bordcomputern vertragen Stromausfälle weitaus weniger gut. Außerdem neu: Die selbst zusammengepatchte Software des Navis. Aber der Reihe nach:

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1. Navigationsgerät
– Das TomTom Urban Rider ist bestückt mit den neuesten Karten für Zentraleuropa. In der 2014er-Fassung habe ich ein wenig an der Software rumgefuckelt und einen Höhenmesser sowie die Blitzerdatenbank von SCDB eingepatcht. Das Motorrad führt also ein Verzeichnis aller Blitzampeln und stationärer Radaranlagen mit sich und kommuniziert mit dem Helm per Bluetooth.

2. Heizgriffe
– Schwachbrüstig im Vergleich zu heutigen BMW-Heizungen (die einem die Finger durch die Handschuhe verbrennen), schützt aber dennoch vor Erfrierungen.

3. Thermometer
– Nicht schön, aber wasserdicht und 2014 mit Hitzeschutz.

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4. Motorprotektoren
– 2014 in Schwarz, nach dem sich im vergangenen Jahr die silbernen Protektoren verkokelt haben

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5. Custom Sitzbank mit Gelsitzfläche
– Speziell für mich angefertig bei der Sattlerei Schmidt-Design in Hameln. Darin: alle wichtigen Papiere in Kopie, Ersatzkreditkarte, Unfallbericht.

6. Kofferhalterung mit Gepäckbrücke
– Bestückt mit Givi 45 Koffern und einem umlaufenden Passivlichtsystem. Der unzerstörbare Klassiker. Im linken Koffer befindet sich ein kleines Ersatzteilager, inkl. aller Bowdenzüge, Fußrasten, einem Lichtmaschinenregler und Kupplungs- sowie Bremshebel. Alles Teile, die bei einem Sturz gerne mal kaputt gehen.

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Im rechten Koffer steckt ein Netbook und eine 1 Terabyte-Platte, die die Aufzeichnungen der Bordkamera speichert.

7. Crashpads
– GTM-Crashpads mit zusätzlichen Aufschlagkappen, schützen den Motor

8. Kamerahalterungen
– Für eine Rollei 5S HD-Kamera, einen GoPro-Klon.

9. Scottoiler
– Automatisches Kettenschmiersystem

10. Zusätzlicher Ladeanschluss
– verborgen in einem Luftauslass

11. Tourenreifen
– Pirelli Angel GT

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12. Zündunterbrecher (2014)
– Neu: Schaltet die gesamte Elektrik ab.

13. Verbandskasten
– Erweitert um den, in Frankreich nötigen, Alkoholtester

14. Bordwerkzeug
– enthält Maul- und Imbusschlüsselsätze und das Bordwerkzeug
(allerdings ausgetauscht gegen vernünftige Versionen)

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15. Zweite Bordtasche
Enthält:
– Reifenpannenset
– Ersatzsicherungen
– Ölnachschub für den Scottoiler
– Pressluft
– Ersatzschlüsselset

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16. Givi-Topcase
Enthält:
– Wasser in zwei 1-Liter Flaschen
– Warnweste
– WiFi
– GPS
– Kleinkram, Besteck und Becher
– Leuchtsignal
– Bremsscheibenschloss

17. Seitenfach
enthält
– Warndreieck
– Ankerplatte zum Parken auf Schotter
– Gashilfe

So. Das Motorrad wäre dann soweit. Ich brauche noch einen Moment.

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Verfasst von - 27. Mai 2014 in Motorrad, Reisen

 

Übersicht

Seit 2010 reise ich gerne. Bislang vornehmlich in Europa, und seit 2011 immer mit einem kleinen Trackingerät, dass die Wegstrecke aufzeichnet. Das funktioniert nicht immer, aber meistens. Die Gesamtübersicht aller Tracks der vergangenen 3 Jahre ist schon ganz beeindruckend – in Norditalien bin ich an fast jedem Dorf zumindest schon mal vorbeigefahren.

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Liebenswerte und günstige Unterkünfte und gute Restaurants werden übrigens in der Karte “Silencers Empfehlungen für wohlfeiles Speisen und Nächtigen” aktualisiert, zu finden HIER. Gerade bei den Übernachtungsmöglichkeiten kann man mit den Tips nichts falsch machen.

 
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Verfasst von - 25. Mai 2014 in Reisen

 

Utrecht (2014)

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Es gibt Phasen in denen ich beruflich viel unterwegs bin. Meist nur innerhalb von Deutschland, gelegentlich aber auch mal im Ausland. Ganz selten bin ich in Utrecht. Das ist eine Stadt in den Niederlanden. Die wird gerade von irren Investoren und Architekten heimgesucht, schon seit Jahren wird dort gebaut wie bekloppt und direkt am Bahnhof wuchert, einem Geschwür gleich, ein Einkaufszentrum über eine Schnellstraße hinweg und bis in die Stadt hinein.

Größenwahnsinnige Banker-Architekur. nicht nur in Utrecht, überall in den Niederlanden enstehen solche Megabauten.

Größenwahnsinnige Banker-Architekur. Nicht nur in Utrecht, überall in den Niederlanden enstehen solche Megabauten.

Aber die Altstadt von Utrecht ist einfach wunderschön. Alte Backsteinbauten mit bezaubernden, kleinen Geschäften liegen dicht an dicht in den Gassen.

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Die Altstadt ist durchzogen von Grachten, an denen Cafés und Restaurants liegen. Bei gutem Wetter sitzt die ganze Stadt ab dem späten Nachmittag in der Sonne und genießt Kroketjes oder die ein oder andere alkoholische After-Work-Betäubung. Das ganze wirkt sehr französisch, was wohl nicht von ungefähr kommt.

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Die größte Sehenswürdigkeit ist der Dom, dessen Turm hoch aufragt und dessen mächtiges Querschiff – abrupt aufhört. Der gesamt Längsbau fehlt nämlich.

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Endet im Nichts: Querschiff des Doms. Der Turm steht 50 Meter weiter, dazwischen fehlt alles.

Endet im Nichts: Querschiff des Doms. Der Turm steht 50 Meter weiter, dazwischen fehlt alles.

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Bemerkenswert ist diese Kirche. Die wurde in Studentenwohnungen umgewandelt. Hinter den hohen Fenstern kann man auf verschiedenen Ebenen Leute herumlaufen sehen.

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Und natürlich ganz wichtig in den Niederlanden: Die Fietzer (Gnihihi), oft fantastisch geschmückt. Mopeds heißen übrigens Bromfietzer (Fietzer die Brumm machen, Wahahaha).

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Skurrile Architektur:

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Fitnesstudio in alter Burg und ein besonderer Dutch-Gag:

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Niederländischer Humor.

Niederländischer Humor.

Fritten. Lecker, aber irgendwie unappetitlich, dass die Kette, die laut Eigenwerbung die besten Fritten der Niderlande macht, ausgerechnet “Mennecken Pis” heisst und tatsächlich mit dem Brunnenbengel als Logo wirbt, der dem geneigten Frittenliebhaber seinen tropfenden Dödel entgegenwedelt.

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Verfasst von - 10. Mai 2014 in Ganz Kurz, Reisen

 

Motorradreise 2013 (21): Das Ende einer Reise

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am zweiundzwanzigsten Tag riecht es nach Hagebuttentee, und die Reise endet.

Sonntag, 22. Juni 2013, Augsburg, Bayern

Augsburg nervt mich, und diese Jugendherberge nervt ebenfalls. Ich bin grummelig und will hier weg. Mein Plan daher: Ganz früh aufstehen, frühstücken bevor die anderen Gäste auf den Beinen sind, und dann so schnell wie möglich auf die Autobahn. Frühstück gibt es an diesem Sonntag zur unchristlichen Zeit zwischen 06.00 und 09.00 Uhr. Eigentlich eine Unverschämtheit, aber heute kommt mir das entgegen.

Schon um drei Minuten nach Sechs betrete ich den Frühstückssaal – und stehe vor einer langen Schlange. Der Raum ist voller verschlafener Schülerinnen und Schüler, die wie Zombies durch die Gegend schlurfen. Vom Schlafmangel gezeichnete Mütter und Väter in Outdoorklamotten versuchen Brei in Kleinkinder zu stopfen, und Senioren lassen die letzten hartgekochten Eier in Hand- und Manteltaschen verschwinden, vermutlich als Reiseproviant für später. Über allem liegt der Geruch von Hagebuttentee. Wenn ich es nicht ohnehin wüsste, wäre das hier ein eindeutiger Hinweis darauf, dass das “Designhotel”, in dem ich übernachtet habe, nur ein Bestandteil einer Jugendherberge ist. Seit den 1950er Jahren riechen Jugendherbergen IMMER nach Hagebuttentee.

Ich trinke im Stehen eine Tasse Kaffee, der so dünn ist und so seltsam schmeckt, das es auch Hagebuttentee sein könnte, dann trage ich die bereits gepackten Koffer zur Kawasaki, starte den Motor und rolle vom Hof. Im Gegensatz zu den Gästen der Jugendherberge schläft Augsburg noch. Die Renaissance rollt durch die leeren Straßen. Vor einer Tankstelle hocken die letzten Überbleibsel einer langen Samstagnacht auf dem Boden und lassen eine Bierflasche kreisen.

Kurz hinter Augsburg biegt das Motorrad auf die Autobahn A8 ein. Vor dieser Autobahn bin ich gewarnt worden, denn in der vergangenen Woche hat es hier tote Motorradfahrer gegeben. Durch die starke Hitze haben sich die Betonplatten der A8 bei Augsburg so stark ausgedehnt, dass sie geborsten sind. Betonteile standen aus der Fahrbahn heraus, und etliche Autos wurden beschädigt. Ein Motorradfahrer prallte unglücklich gegen eine der herausstehenden Platten, dass er schwer verletzt wurde und später an seinen Verletzungen gestorben ist.

Die letzte Etappe: Von Augsburg nach Mumpfelhausen, knapp 500 Kilometer.

Die letzte Etappe: Von Augsburg nach Mumpfelhausen, knapp 500 Kilometer.

Die Transitstrecke der  letzten zwei Tage: rund 1.000 Kilometer.

Die Transitstrecke der letzten zwei Tage: rund 1.000 Kilometer.

Heute Morgen ist es kühl, deshalb mache ich mir keine Sorgen – ein merkwürdiges Gefühl ist es aber trotzdem, und als ich die A7 Richtung Norden erreiche bin ich etwas unbeschwerter. Der weit vorausschauende Blick und die ist auf die leeren Asphaltbahn nicht nötig, und meine Gedanken beginnen zu wandern. Motorradfahren ist oft auch Meditation. Man ist allein mit sich und seinen Gedanken, und wenn die zu schweifen beginnen, kommen oft merkwürdige Dinge dabei heraus.

Ich bin unterwegs meist damit beschäftigt mir gedankliche Notizen für´s Blog zu machen – was habe ich gesehen, wie habe ich mich gefühlt während ich unterwegs war? Im Moment gibt es aber nicht viel zu sehen, und ich fühle mich ein wenig… leer. Ich bin zwar noch nicht zu Hause, aber Die LANGE REISE, auf die ich mich so lange vorbereitet habe und die mich drei Wochen durch Österreich und Italien geführt hat, ist gefühlt bereits vorbei.

Kurz nach der Mittagszeit wird die Renaissance das Ortsschild von Mumpfelhausen passieren, und dann… werde ich wieder da sein. Ich habe noch zwei Tage Urlaub, die werde ich auch brauchen um Motorrad und Ausrüstung zu reinigen und zu pflegen, wieder zu Hause anzukommen, und schließlich wird der Alltag wieder beginnen.

Ich kann noch gar nicht glauben, dass das hier das Ende sein soll. Die Fahrt bestand ja nicht nur aus den letzten drei Wochen, die ich auf Achse war. Im Gegenteil: Die vergangenen sieben Monate war ich mit Planung beschäftigt und in den letzten 10 Wochen vor der Abfahrt habe ich mich täglich körperlich auf die Fahrt vorbereitet. Was sich übrigens sehr gelohnt hat, denn zum einen merkt man doch jedes Kilo zu viel, dass man bei der Wärme mit sich herumschleppt, zum anderen lassen einen trainierte Muskeln auch längere Fahrtstrecken gut durchhalten. Dann ging es am 02. Juni endlich los, und die letzten drei Wochen war ich unterwegs… wie schnell diese Zeit doch rumging. Es scheint mir, als wäre das alles einfach an mir vorbeigerauscht. In der kurzen Zeit habe ich so viel gesehen und erlebt, dass in meinem Kopf Vieles zu einem Bilderrausch verquirlt ist. Nun ja, zur Nachbereitung der Reise wird auch die Beschäftigung damit gehören, was ich alles erlebt habe. Deshalb mag ich es so, über Reisen zu bloggen: Weil man die Reise im Kopf nochmal macht, wenn man das Erlebte aufschreibt.

Auspacken: In zwei Koffern findet mehr Platz, als man zum Leben braucht.

Auspacken: In zwei Koffern findet mehr Platz, als man zum Leben braucht.

Das Wiesel in seiner Wiesellounge beäugt etwas misstrauisch unser Zuhause in Mumpfelhausen.

Das Wiesel in seiner Wiesellounge beäugt etwas misstrauisch unser Zuhause in Mumpfelhausen.

Auf Reisen lernt man ja viel, auch über sich selbst. Die erste Motorradreise, im Jahr 2012, hatte ich gemacht um herauszufinden, wer ich eigentlich bin und was ich kann. Ich war zum ersten Mal allein unterwegs, über eine Strecke von 4.500 Kilometern. Tatsächlich habe ich in den zwei Wochen viel über mich selbst gelernt und gemerkt, dass ich oft mehr kann und in Dingen besser bin als ich gedacht habe.

Die LANGE REISE 2013 war darauf ausgelegt Grenzen auszuloten. Sie war um ein sattes Drittel länger als die erste Fahrt und hatte deutlich mehr Herausforderungen. Fahrerisch, intellektuell, kulturell und körperlich war alles auf Maximum ausgelegt, und ich hätte nicht erwartet wirklich alles so durchziehen zu können. Aber das ist das erstaunliche Fazit dieser Reise: Ich habe meine Grenzen nicht gefunden.

Zum Teil liegt das natürlich daran, dass ich mir nicht mehr zugemutet habe als ging – bei der Gluthitze in der Crete Senese umzukehren bevor der Kreislauf kollabiert, das war einfach die richtige Entscheidung. Aber bei Dingen, die ich nicht steuern oder vermeiden konnte, wie die 12stündige Fahrt durch die Bergstraßen der Abruzzen oder, noch schlimmer, die Fahrt den Geröllberg hinauf, musste ich nicht abbrechen und habe nicht schlappgemacht. Das ist die Erkenntnis dieser Reise: Ich bin, wenn es drauf ankommt, konsequent und ausdauernd. Sowas zu wissen ist durchaus wichtig, und wenn es nur gut für´s Selbstbewusstsein ist.

Mitbringsel, so viel wie Platz im Koffer hatten.

Mitbringsel, so viel wie Platz im Koffer hatten.

Huhu freut sich über das Pinguinbuch in Pinguinform, dass ich ihm vom Flohmarkt in Siena mitgebracht habe.

Huhu freut sich über das Pinguinbuch in Pinguinform, dass ich ihm vom Flohmarkt in Siena mitgebracht habe.

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Die LANGE REISE war also auch wieder ein Stück Selbsterkenntnis, aber sie war mehr als das. Sie war ebenso Abenteuer, Anspannung, Anstrengung, ließ aber mehr als genug Raum für Entspannung, Rumlungern, ruhige Momente. Sie war auch Genuss, Spaß und brachte Momente der Ruhe und des Glücks.

Fast siebentausend Kilometer in drei Wochen sind es am Ende geworden. Unterwegs sind mir allerlei seltsame und wundervolle Orte und Menschen begegnet.

Es begann mit dem Untergang von Passau und Fahrten durch 9 Grad kalten Starkregen. Dann kam die Erkenntnis, dass eine Brettljause was tolles ist . Danach folgte der Besuch der Sternstadt, an der Küste der Adria, der erste Kontakt mit meinem Neffen und die Entdeckung einer Gourmetköchin in einer venezianischen Offiziersvilla. Auf das Erlebnis in den Bergen hätte ich gerne verzichtet, auf das Erleben eines abschaltbaren Wasserfalls aber nicht. Auch das kleinste Theater der Welt und der Park der Monster nahe der toten Stadt waren etwas Besonderes, genau wie der Kochkurs in der bei Nonna Ciana .

Hier noch einmal der geniale Trailer zur LANGEN Reise:

Passaus Untergang:

Die Sternstadt:

Die Gola de Furlo:

Der Gran Sasso:

Die Hochebene in den Abbruzzen:

Umbrien:

Unterwegs habe ich Kalesco und Rufus getroffen, Gourmetköchin Sara, DIE SENIORA, Carlo mit seinem Regenbogenhaus, die Abruzzianier Mauro und Monia, Frau Eusebia, Stefano und Chiara und noch viele mehr.

Eine wirklich fantastische Reise. Auch in der Rückschau bin sehr froh und dankbar, dass sie ohne größere Probleme, Pannen oder Unfälle verlaufen ist. Mann, Maschine und Wiesel sind wohlbehalten zurückgekehrt. Die tapfere Kawasaki ging gleich in die Inspektion, die ich ihr im Stillen in schwierigen Situationen immer wieder versprochen hatte. In den Folgemonaten habe ich immer wieder skeptisch in den Briefkasten geguckt, aber zum Glück kam kein Bußgeldbescheid an – das ganze Lasern und Blitzen hat dann wohl doch nicht funktioniert.

Hier eine Gesamtkarte der Reise:

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Und noch ein paar Zahlen:

Besuchte Länder: 3
Unterkünfte: 10
Kosten Unterkünfte: 857,- Euro
Gefahrene Kilometer: 6.853
Verbrauchtes Benzin: 300,84 Liter
Kosten Benzin: 488,03 Euro
Durchschnittskosten pro Liter: 1,62 Euro
Durchschnittsverbrauch auf 100 Km: 4,39 Liter

An dieser Stelle übrigens ein ganz herzliches Dankeschön an alle Leserinnen und Leser: Danke für´s Mitreisen! Ich hoffe, dass Lesen und Schauen hat ebenfalls ein wenig Spaß gemacht.

Das Ende des Tages und einer langen Reise.

Das Ende des Tages und einer langen Reise. Sonnenuntergang im Leinetal.

Wer möchte kann selbstverständlich gerne eine Meinung zum Thema “Reiseberichte” in die Kommentare schreiben. War das Okay zum Lesen? Oder zu lang? Zu lanweilig, gar? Zu viele Teile? Was hat besonders gefallen, was nicht? Wer kein Kommentar schreiben mag kann hier abstimmen:

Vielen Dank!



Hier alle Teile der LANGEN Reise im Überblick:
Teaser

- Teil 0: Fehlstart
– Teil 1: Der Untergang
– Teil 2: Brettljause und Buschenschank
– Teil 3: Stromlos in der Sternstadt
– Teil 4: Der mit der appen Nase
– Teil 5: Carlo und das Regenbogenhaus
– Teil 6: Das Schlimmste und das Beste
– Teil 7: Das kleinste Theater der Welt
– Teil 8: Monster und Fussel
– Teil 9: Mit Schlüssel und kurvig weichgespült
– Teil 10: Herumlungern im Taubenschlag
– Teil 11: Wieselwunder auf der Wunderwiese
– Teil 12: Kochen mit Nonna Ciana
– Bonusmaterial: Die Rezepte
– Teil 13: Florenz verkehrt rum
– Teil 14: Bücherflut im Monat der Schildkröte
– Teil 15: Tomb Raider
– Teil 16: Begegnung mit dem Sensenmann
– Teil 17: Die Bologna-Prozession
– Teil 18: Ausgerechnet Verona!
– Teil 19: Schöne Ecken
– Teil 20: Augsburger Puppenkiste
– Teil 21: Das Ende einer Reise

 
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Verfasst von - 3. Mai 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Werkstatt

Die Bibliothek sieht gerade ein wenig wie eine Werkstatt aus, in der gerade ein Motorrad explodiert ist. Überall liegen Einzel- und Ersatzteile rum, Werkzeug ist ausgebreitet und halb auseinandergenommene Geräte liegen auf Tischen und Boden. So sieht
ein Teil der Vorbereitung auf die nächste Fernreise aus.

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Aufmerksame Beobachterinnen werden sicherlich feststellen, dass auf diesem Bild kein Wiesel zu sehen ist. Normalerweise wohnt es in diesem Raum, aber die momentane Situation ist ihm wohl zu ungemütlich – es hat sich schon seit Tagen nicht mehr blicken lassen, keine Ahnung wo es steckt. Jaja, verpönt das ruhig.

 
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Verfasst von - 2. Mai 2014 in Reisen

 

Motorradreise 2013 (20): Augsburger Puppenkiste

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am einundzwanzigsten Tag geht es gen Heimat, aber noch nicht nach Hause.

Samstag, 22. Juni 2013, Agriturismo Al Bagolaro, Volta Mantovana, Lombardei

Die gigantischen Vorräte an Pan di Stelle sind über Nacht nicht verschwunden. Der ganze Kühlschrank ist voller Kekse, Baretta-Riegeln, Meringue-Küchlein und sogar eine ganze Sternchentorte ist dabei.

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Ehrlich, ich habe keinen Schimmer, was sich das Wiesel dabei wieder gedacht hat. Oder hat es gar nicht gedacht? Wäre ja auch nicht das erste Mal. Es ist halt nicht die hellste Laterne, und evtl. ist es wirklich davon ausgegangen das ich nicht merke, wenn es versucht einen Koffer voll Pan di Stelle zu schmuggeln. Mein Argument, dass das viel zu viel Zeug für den Transport über die Alpen ist, wird vom Wiesel einfach ignoriert.

Wie auch immer, erstmal muss ich mich ohnehin von meinen Gastgebern verabschieden. Ich gehe über den Hof zum Wirtschaftsgebäude mit dem Frühstücksraum. Es ist kurz vor acht und ein sonniger und warmer Morgen. Fabio, Chiaras siebenjähriger Sohn, tobt über den Hof und durch den Frühstücksraum und wird von seiner Mutter ermahnt.
“Ts”, sagt sie, “da guckt er den ganzen Morgen Cartoons auf allen sechs Sendern gleichzeitig, aber kaum kommst du zum Frühstück, rennt er mit der Fernbedienung in der Hand über den Hof.”

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Fabio versteckt sich hinter seiner Mutter und guckt vorsichtig hinter ihrem Bein hervor. “Heute ist ein schwerer Tag”, sage ich, “heute muss ich abreisen”. Chiara guckt ehrlich entsetzt. “Nein, das kann nicht sein! Ich habe im Kalender stehen das Du bis Übermorgen bleibst!”. Aber auch wenn es in ihrem Kalender steht, heute ist wirklich mein letzter Tag auf dem Hof. Chiara zieht in gespielter Empörung einen Flunsch und verlässt den Raum um Caffé zu machen. Fabio drückt sich derweil am Nebentisch herum. Ich gucke demonstrativ weg und frage dann in die Luft: “Sooo, Du bist also auch ein Motorradfahrer?”
Fabio macht “*N*”, grinst und schüttelt den Kopf.
“Aber Du hast doch ein Motorrad?”, frage ich und deute nach draußen, wo ein Plastikmotorrad in Bobbycargröße an einem Baum lehnt.

Früh übt sich, wer ein Biker werden will.

Früh übt sich, wer ein Biker werden will.

“*S*” sagt Fabio und grinst. “Magst Du Motorräder?”, bohre ich weiter. Fabio grinst, steckt sich einen Finger in die Nase und macht “*S*”.

Ich ziehe ein kleines Päckchen in buntem Papier hervor, mache “Pst!” und reiche es ihm dann. Fabio reisst die Augen auf, strahlt über beide Backen, lehnt sich zurück, reisst die Arme hoch und brüllt “YEAH!!”, dann nimmt er vorsichtig das Päckchen entgegen, dreht sich um und rennt zu dem Tisch im Frühstücksraum, der am weitestem von meinem entfernt ist, als hätte er Angst, dass ich es mir anders überlege und ihm das Geschenk wieder wegnehme. Er läuft fast seine Mutter um, die in dem Moment einen Kaffee auf einem Tablett hereinbalanziert. “Was ist denn HIER los?!”, fragt sie mit schneidender Stimme. “Ein Geschenk, ein Geschenk für mich!”, ruft Fabio und plappert los. So schnell, dass ich kein Wort verstehe. Er zerfetzt das Geschenkpapier und macht große Augen, als er eine durchischtige Verpackung mit einem Spielzeugmotorrad darin in den Händen hält. Er reicht sie gleich an seine Mutter weiter, damit sie sie öffnet, und hüpft währenddessen auf und ab.

Als Fabio schließlich die rot-schwarze Benelli in den Händen hält, guckt er andächtig und glücklich. “Sogar in den Farben von AC Mailand, seinem Lieblingsverein. Woher hast Du das denn gewusst?”, fragt Chiara und verwirrt mich damit, weil ich nicht gleich verstehe, dass es hier um Fußball geht. Dann legt Chiara und die Stirn in Falten. “Und was bekomme ich?”, fragt sie. “Meine ewige Dankbarkeit”, grinse ich, und sie starrt mich einen Moment böse an, bevor wie beide in Gelächter ausbrechen.

Auf langen Etappen kommt dieses Zusatzstück am Gasgriff zum Einsatz. Damit kann man mit dem Handballen Gas geben und die Hand locker aufliegen lassen, wodurch das Handgelenk entlastet wird.

Auf langen Etappen kommt dieses Zusatzstück am Gasgriff zum Einsatz. Damit kann man mit dem Handballen Gas geben und die Hand locker aufliegen lassen, wodurch das Handgelenk entlastet wird.

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Verfasst von - 26. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2013 (19): Schöne Ecken

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am zwanzigsten Tag hat´s auch schöne Ecken, es gibt einen Schreck und das Wiesel geht einkaufen.

Freitag, 21. Juni 2013, Agriturismo Al Bagolaro, Volta Mantovana, Lombardei

Die Sonne scheint auf die Kiwifelder und die Wassersprenger klackern wieder ihren Takt. Es ist ein strahlend schöner Tag, der achtzehnte in Folge, aber zum Glück nicht mehr ganz so heiß wie gestern. Nachdem Chiara ein weiteres Grandioso-Frühstück gezaubert hat, diesmal sogar noch erweitert um Wurst und Käse, schwinge ich mich auf die Kawasaki und lade die heutige Tour ins Navi. Die ungefähren Touren für jeden Tag habe ich zu Hause am PC grob vorgeplant und im TomTom gespeichert, so dass ich sie jetzt nur noch aufrufen muss. Dadurch entfällt das Gefrickel mit der Suche nach Zielen, und auch um Parkplatzsuche brauche ich mich jetzt nicht kümmern.

Vor dem kleinen Häusschen steht die Renaissance in der Morgensonne.

Vor dem kleinen Häusschen steht die Renaissance in der Morgensonne.

Der heutige Weg führt vom Gardasee aus nach Westen, durch die satten, grünen Felder der Po-Ebene.

Dort liegt Brescia (das wird Breescha ausgesprochen), das große Industriezentrum. Der Norden Italiens ist der wirtschaftliche Motor des ganzen Landes, und die Lombardei ist die reichste der reichen Regionen – nicht nur durch Landwirtschaft, sondern vor allem durch Exportindustrie. Schlechtes, aber passendes Beispiel: In einem Vorort von Brescia stellt die Firma Beretta Handfeuerwaffen her. Ein Exportschlager.

Während das Motorrad durch die unvermeidlichen Auf-, Ein- und Umfahrten in Kreiseln, Tunneln und Brücken düst, erhebt sich Brecia Stück für Stück aus der Ebene vor mir, wie eine glitzernde Fata Morgana aus einem Kohlfeld. So eine Stadt habe ich bislang noch nicht in Italien gesehen. Ein hoher, schlanker Wolkenkratzer erhebt sich über die Stadt, und schimmert im Vormittagslicht irisierend blau. Daneben steht ein kleineres Bürogebäude, dass aussieht wie eine auf den Kopf gestellte Pyramide. Die Spitze steht auf einem kleinen Sockel, dann kommt die Pyramide, und auf derer Basis – die in den Himmel zeigt – steht das eigentliche, würfelförmige Gebäude. Solche mutigen Bauformen gibt es hier noch mehr.

Das Navi lenkt mich durch die Büroviertel hin zur Altstadt, und wenig später fährt die Renaissance eine steile Rampe hinab und verschwindet unter der Piazza Victoria. Kurze Zeit später komme ich über eine Treppe an einer ganz anderen Ecke wieder an die Oberfläche und sehe mich um.

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Die Piazza Victoria ist ein Musterbeispiel für größenwahnsinngen Bau in der Zeit des Faschismus. Ich muss zugeben, dass mich solche Gebäude sowohl wegen ihrer bombastischen und strengen, einschüchternen, ja, ihrer autoritären Art anwidern – und gleichzeitig faszinieren. Um die Piazza Vittoria anlegen zu können, haben die Faschisten einen ziemlichen Kahlschlag in der Stadt veranstaltet. Zum Glück ist aber noch genug vom Centro Storico erhalten, und das ist sogar ausnehmend angenehm.

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Verfasst von - 19. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Motorradreise 2013 (18): Ausgerechnet Verona

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am neunzehnten Tag macht ausgerechnet Verona mich fertig und das Wiesel entdeckt seine romantische Ader.

Donnerstag, 20. Juni 2013, Agriturismo Al Bagolaro, Volta Mantovana, Lombardei

Als der Wecker klingelt könnte ich ruhig noch eine Stunde Schlaf gebrauchen – dank des ausgezeichneten WLANS hier sei dank habe ich letzte Nacht bis spät mit Leuten aus Deutschland gechattet, bei denen gerade die Welt mit Unwetter und Starkregen untergeht. Hier nicht, über den Kiwifeldern des Agriturismo Al Bagolaro, rund 15 Kilometer südlich des Gardasees, strahlt die Sonne.

Im Frühstücksraum des Agriturismo wartet ein frisch gebackener Kuchen, eine Anzahl Joghurts und ein warmes Cornetto, ein Croissant, auf mich. Chiara hat all das aufgefahren, obwohl ich heute der einzige Gast auf dem Hof bin. Nach dem Frühstück schwinge ich mich auf die Kawasaki, die direkt vor dem Häuschen am Rande des Agriturismo parkt, und steuere über den Feldweg vom Haus auf die Landstraße, biege dort ein und gebe Gas.

Die Straßen sind lang und übersichtlich und ebenso einfach wie langweilig zu fahren, aber ich beklage mich nicht. Die ganze Po-Ebene ist voller grüner Felder, hier wird Wein, Reis, Kiwis, Getreide und Salat angebaut. Wassersprenger tackern auf den Feldern im Kreis und sprühen Nebel in die Luft, womit sie in der Morgensonne jede Menge Regenbögen zaubern. Wasser gibt es hier durch die Nähe zu den Alpen immer genug, und im Moment ganz besonders. Die Gräben und Kanäle sind bis zu den Oberkanten gefüllt, eine Folge der starken Regenfälle. Die übrigens vor genau zwei Wochen, als ich das erste Mal den Fuß auf italienischen Boden gesetzt habe, aufgehört haben. Das sagte auch Stefano in Siena: Acht Monate hat es in der Toskana geregnet, aber seit dem 2. Juni: Nichts mehr. Ha, das muss ich den Leuten zu Hause auf die Nase binden, die immer behaupten ICH würde das schlechte Wetter anziehen.

An dieser Stelle kein Bild von den langweiligen Straßen, stattdessen lieber Blümchen.

An dieser Stelle kein Bild von den langweiligen Straßen, stattdessen lieber Blümchen.

Ich fahre nach Verona, der Stadt Julias. Shakespeares Julia, wissen schon. Wie um alle Großstädte ist auch um Verona ein Geflecht aus Schnellstraßen, Zubringern, Kreiseln, Rampen und Tunneln gewuchert. Das Navi lotst mich da sicher durch, und schnell nähert sich das Motorrad dem Stadtzentrum. Was mich überrascht ist das Ausmaß des Fremdenverkehrs. Von Stefano weiß ich, wie man Mietwagen am Kennzeichen erkennt (die haben rechts kein Erstzulassungsjahr und keine Region eingedruckt), und davon sind hier VIELE unterwegs. Der Stadtverkehr ist sowieso sehr dicht, und die große Anzahl an ortsunkundigen und schlechten Fahrern macht die Sache nicht einfacher.

Plötzlich legt ein voll bepackter Skoda Oktavia mit Dachbox grundlos eine Vollbremsung hin und bleibt einfach mitten auf der Straße stehen. Ich hänge dem Wagen beinahe im Heck, nur ein beherzter Griff in die Bremsen verhindert Schlimmeres. Es sind Deutsche, die augenscheinlich nicht mehr weiter wissen, und deshalb einfach mal mitten auf der Straße anhalten und erstmal auf die Karte gucken. Ich mache im Geiste eine Notiz, das Fahrzeuge mit dem Kürzel WAF (Kreis Warendorf in NRW) im Kennzeichen gefährlich sind und in eine Gefahrenstufe mit EIC und ESW fallen.

Ich ziehe an den Bremsern vorbei und suche mir weiter meinen Weg durchs Verkehrsgewühl. Das ist wirklich nicht einfach, denn zusätzlich zu der unübersichtlichen Straßenführung gibt es jetzt jede Menge Baustellen, Straßensperren und Umleitungen, die das Navi natürlich nicht kennt. Außerdem ist irre viel los. Ich recke den Kopf und sehe mich um. Links, rechts, geradeaus, alles voller Autos, Roller und Radfahrer, die in dichten Knäulen voranschieben. Dazu kommt die Hitze, es ist früher Vormittag, und das Thermometer steht schon wieder bei über 30 Grad im Schatten. Um diesen Molotovcocktail aus Gedränge, Hitze, ortsunkundigen Fahrern, schlimmer Straßenführung, Baustellen und noch mehr Hitze zu entzünden und alle Verkehrsteilnehmer komplett in den Wahnsinn zu treiben gibt es in Verona: Ampeln.

Wir Deutschen können keine Kreisel. Irgendwie haben wir das Konzept nicht verstanden. Wir lieben Ampeln, aber Kreisel können wir einfach nicht. Die bauen wir entweder gar nicht, und wenn doch, dann meist zu klein, oft zu doof und manchmal sogar mit Ampeln, was das schlechteste aus allen Welten kombiniert. So wenig wie wir Kreisel können, können die Italiener Ampeln. Die Umlaufzeiten sind IMMER zu lang, zwischen 3 und 5 Minuten sind keine Seltenheit. Manchmal scheint es so, als hätte man die Ampeln aus der Verpackung genommen, an eine Kreuzung gestellt und sich nicht mal im Ansatz die Mühe gemacht die einzustellen. So stehe ich 5 Minuten bei Rot an einer Ampel. Schon nach Minute Zwei habe ich den Motor ausgestellt, weil ich sicher war, dass das hier wieder länger dauert. Mir tropft der Schweiß die Nasenspitze herab, dann wird die Ampel Grün. Ich fahre sofort los, und mit mir kommen noch zwei weitere Autos über die Kreuzung, dann ist sie für diese Richtung wieder 5 Minuten rot. Dabei ist es nicht so, als wäre die Straße nicht befahren, der Verkehr staut sich schon auf mehreren Hundert Metern.

Kurverei durch Verona

Kurverei durch Verona

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Verfasst von - 12. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

London bei Nacht

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Aus der Serie “Städte bei Nacht”. Ich liebe es ja, nach Einbruch der Dunkelheit durch eine Stadt zu stromern, die Atmosphäre aufzusaugen und Leute zu beobachten. Die folgenden Bilder sind mit der kleinen Lumix Tz41 aus der Hand geschossen und nicht nachbearbeitet.

Zu früheren Teilen:
Rom bei Nacht
Florenz bei Nacht
Venedig bei Nacht

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Verfasst von - 9. April 2014 in Foto, Reisen

 

Schlagwörter:

Reisetagebuch London 2014 (7): Der Weg nach Hause

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Im Februar 2014 verirrten sich Silencer und das Wiesel nach London. Eine Woche lang durchstreiften sie die uralte Metropole an der Themse und entdeckten erstaunliche Dinge, aber heute ist es an der Zeit wieder nach Hause zurückzukehren.

Mittwoch, 12. Februar 2014, London

Der Tag beginnt schon wieder ohne Würstchen. Zumindest für mich, nicht aber für das ältere Ehepaar, das entrückt lächelnd ein rundes Dutzend davon auf diversen Tellern davonbalanciert. Dafür bastele ich mir eine Bacon Roll, das ist ein Hamburgerbrötchen, in das gebratener Speck geklemmt wird. Gar nicht schlecht, wenn auch zu fettig für meinen Geschmack. Ich kann schon verstehen, dass britische Touristen regelmäßig in tiefe Verzweifelung stürzen, wenn sie nach Italien oder Frankreich kommen und dort statt des fetten Mittagessens, mit dem sie zuhause den Tag beginnen, nur einen Keks und einen Kaffee bekommen. Das muss ein echter Kulturschock sein.

Eine halbe Stunde später sind meine Sachen gepackt und ich verabschiede mich von dem Zimmerchen, dass die letzten sechs Tage mein Zuhause war.

Vor der Zimmertür wird Baumaterial gelagert.

Vor der Zimmertür wird Baumaterial gelagert.

Dann checke ich aus dem Cardiff Hotel aus, schultere den Rucksack, der sehr viel voller und schwerer ist als bei meiner Ankunft in London, und wandere den Norfolk Square hinauf zur Paddington Station.

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Das folgende Video zeigt einige Stationen des Londontagebuchs, in Zeitraffer und z.T. in Tiltshift-Optik. Alles aus der Hand mit der Lumix TZ41 gedreht.

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Verfasst von - 9. April 2014 in Reisen, Wiesel

 

Schlagwörter:

Motorradreise 2013 (17): Bologna-Prozession

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am achtzehnten Tag geht es über die blauen Berge, nicht durch einen langen Gang und ich bekomme ein Häuschen.

Mittwoch, 19. Juni 2013, Casa Brescia, Siena, Toskana

Es ist 8.00 Uhr. Stefano ist nicht da, weil er einen Gerichtstermin in Brecia hat. Sein Vater passt so lange auf´s Haus auf, versucht aber den Kontakt zu den Gästen zu vermeiden und randaliert deshalb bereits seit einer Stunde im Garten herum, während die Australier versuchen ihre Chianti-Experimente auszuschlafen. Ich habe erstaunlicherweise gut geschlafen, und eine Inventur ergibt nur zwei neue Mückenstiche. Bene.

Ich packe die restlichen drei Sachen zusammen, trage die Koffer zur Kawasaki und begegne dabei Stefanos Vater. Für einen promovierten Arzt im Ruhestand guckt er mich ganz schön erschreckt an, aber als ich ihn auf italienisch begrüße, entspannt er sich ganz schnell wieder. Seine Abwehrhaltung ist kein Wunder, er spricht keine drei Worte englisch, und die Australier haben ihn gestern Abend mit ihrer Frage nach einem Korkenzieher nicht nur überfordert, sondern anschließend auch noch verspottet, nach dem Motto “na, ist dein erster Tag hier, was?”. Eine Unverschämtheit, die leider keine Seltenheit ist. Insbesondere deutsche und amerikanische Touristen behandeln ihre Gastgeber gerne mit Kolonialherrenattitüde.

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Ich gratuliere dem Dottore zu seinem Sohn und wie der das beste Bed and Breakfast von ganz Siena aufgebaut hat, aber Papa rümpft die Nase. “Das beste B&B? Beh! Dafür mäht er aber nicht oft genug den Rasen. Und die Hecken müssten auch schon seit einer Woche geschnitten werden.” Ich verabschiede mich mit den Worten, dass Stefano stolz auf seine Familie sein kann, die ihn so unterstützt und wichtige Dinge wie Rasenmähen teilt, dann klinke ich die Koffer ans Heck der Kawasaki ein und starte den Motor. Ein letztes Mal rollt die Renaissance die kleine Strasse auf dem Bergrücken vor Siena hinab, der zur Corona, der “Krone Sienas” gehört.

Mein erster Weg führt mich zur Tankstelle um die Ecke. Benzinaio Fausto begrüßt mich schon, als ich auf den Hof fahre. Ich öffne den Tankverschluss, und während er Benzin einfüllt, entspinnt sich ein kurzes Gespräch über das Wetter. Ja, Sonnne ist schön, und heute soll es nicht mehr so warm werden wie gestern, sondern nur noch 34 Grad. Ich werde das nicht mehr mitbekommen, denn heute ist der Tag der Abreise, sage ich. Wohin es geht, will er wissen. Mantova? Oh, da wurde das Volk über Jahrhunderte geknechtet und dumm gehalten, sagt er. Aber jetzt ist es ein kulturelles Zentrum, und schön sei die Stadt ohnehin. Hm. Irgendwas sagt mir, dass dieser Benzinao mehr drauf hat als die meisten seiner Kollegen. Nach der Bezahlung streckt er mir die Pranke hin und sagt: “Du kommst ja wieder. Bis nächstes Mal.” Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.Öh.

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Es geht direkt auf die Strada Statale, die mautfreie Autobahn. Aber nicht lange, schon hinter Monterrigioni geht es ab, dann über die grünen Hügel des Chianti nach Norden, gen Florenz, schließlich wieder durch die staubverhangene Einöde bei Empoli. Dahinter wird es etwas besser, die Straße schraubt sich in die Berge hinauf, vorbei an Berghängen voller Olivenbäume. Diese Straße habe ich zuletzt im vergangenen Oktober befahren, allerdings in einem Bus, und tatsächlich schießt die Renaissance wenig später am Ortsschild von Vinci vorbei. Sono da vinci, denke ich und kichere albern. HIER ist jeder “da Vinci”.

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Verfasst von - 5. April 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 
 
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