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Bis einer heult

Ich finde es total super, wenn Paare eine eigene und auf ihre Weise zivilisierte Streitkultur haben. Es ist das höchste Achievement, was man in einer Beziehung erreichen kann: Aussprechen was einen stört, sich so richtig streiten das die Fetzen fliegen OHNE dabei persönlich zu werden, und sich anschließen wieder zu vertragen ohne jemals nachtragend zu sein. Das ist so unfassbar schwierig, dass es kaum jemand hin bekommt.

Das Paar, dass als Nachfolger in der Wohnung über mir eingezogen ist*, kenne ich nicht. Unser Haus ist nicht groß, die wohnen da schon zwei Monate, aber irgendwie sind wie uns noch nicht einmal über den Weg gelaufen. Sie trampeln nicht, aber sie pflegen ihren ganz eigenen Tagesablauf: Morgens brüllt Er Sie an, Abends Sie Ihn. Das ist Streitkultur.

Allerdings kann das keine gesunde Form des Streitens sein, denn die beiden treiben das so weit bis einer heult. Damit ist der Streit aber nicht vorbei, denn nun stellt sich der Agressor/die Agressorin daneben und verhöhnt denjenigen/diejenige der/die gerade in Tränen ausgebrochen ist. Ein erniedrigendes Schauspiel.

Die beiden sind ein junges Paar, zum ersten Mal zusammengezogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die den jetzigen Zustand noch lange durchhalten wollen, ist mir auch egal und geht mich nichts an. Was bleibt ist die Feststellung, dass es gar nicht einfach ist, ein junges Paar als Mieter zu finden, das auch alle Latten am Zaun hat.


* Als Nachfolger der Trampeltiere, die, wir erinnern uns, das Haus so hassten, dass sie alle Wut der Welt am Fußboden ausgelassen haben. Zum Glück sind die Trampeltiere nach vier Wochen ausgezogen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass zu einer Kaltmiete auch Nebenkosten kommen.

 
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Verfasst von - 18. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

Äh, Deutsche Bahn?

Bei der Deutschen Bahn gibt es ja schon ewig so ein System, wo man für jeden Euro Umsatz 0,314829192 Punkte bekommt. Ist man zwei Mal um den Erdball gefahren und hat der Bahn eine fünfstelligen Betrag nachgeworfen, kann man drei Trilliarden Punkte gegen eine Freifahrt oder ein Knibbelbild einlösen. Haupteffekt der Teilnahme am Nimmt man am “Bahnbonus”-Programm ist, dass man jeden Tag ein- bis zwei fünfseitige Briefe von Bahnchef Grube und der verantwortlichen Bonustante im Briefkasten hat. Da steht dann drin wie weit man noch davon entfernt ist ein Knibbelbild besitzen zu dürfen und dass man ganz viel Bahn fahren soll, wenn man nicht ausgelacht werden will, weil man kein Knibbelbild hat.

So weit, so bekannt. Die Glasperlenwährung unserer Zeit heißt Punkte sammeln. Ganz neu ist aber bei der Bahn Punkte sämmeln. Ja wirklich: sämmeln.

2014-11-14 19_40_38-bahn.bonus - Säm & Mel
Quelle: https://www.bahnbonus-saemmeln.de

Die Bahn schreibt auf www.bahnbonus-saemmeln.de:

Säm und Mel, die frechen bahn.bonus-Punkte, laden zum großen Jagen und Sämmeln ein. Sämmeln? Na klar. Das ist wie Sammeln. Nur mit mehr Punkten, viel mehr Spaß und am Ende mit tollen Prämien.

So sehen die “frechen bahn.bonus-Punkte” (SIC) aus:

2014-11-14 19_20_16-bahn.bonus - Säm & Mel

Äh, hallo, Deutsche Bahn? Ist wer zu Hause?
Säm und Mel? So ein mieses Wortspiel sieht doch auch nur auf einem Paper beim koksnasigen Pitch einer Berliner Werbeagentur gut aus. “Sämmeln” ist ja in einer Liga mit “Junited Autoglas”.

Und dann diese Umsetzung! Als hätte ein minderbegabter Computerfan versucht in bekifftem Zustand Tribbles mit Paint zu animieren. Vollkommen unpassend zum knallroten Äußeren wurde dann noch die Grafik einer lebensechten Zunge verwendet, womit klar sein sollte, was die Vorlage für die beiden “frechen” Punkte war: Das Creepy Happy Meal des Todes, das seit einiger Zeit Kindern in den USA ähnlich traumatisiert wie “lustige” Clowns.

Creepy happy meal

Wie kommt sowas bitte in die Öffentlichkeit?! Also, ich hege ja die Vermutung: Der Weselsky hat seine Drogen mit den Leuten bei der Bahn geteilt. Anders ist sowas doch nicht zu erklären. Oder? ODER?! Wie auch immer, ich kann mir gerade noch verkneifen jetzt das Wortspiel zu bringen, dass man den Leuten aus der Werbeabteilung eine sämmeln sollte. Wie wir alle wissen, werden die bei der Revolution ohnehin als erste an die Wand gestellt*.

(Danke an Herrn S. für´s finden!)

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* Vgl. Adams, Douglas: The Hitchhikers Guide to the Galaxy, PAN Verlag, 1978

 
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Verfasst von - 17. November 2014 in Bahnhof, Satire

 

Assassins Creed Unity: Guillotine Collectors Case Edition Unboxing

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So sicher wie der Winter kommt auch ein neues Assassins Creed. Diese Woche erschien nun “Unity”, und anscheinend hat Ubisoft es diesmal verbockt. Das Spiel ist so Nextgen das man eine PS5 dafür braucht, auf Currentgen-Konsolen wie XBOXOne und PS4 läuft es jedenfalls stellenweise ruckelig, und auf dem PC tauchen absurde Glitches auf. Anscheinend hat Ubi das Ding halb fertig aus der Tür geschoben, obwohl es noch ein halbes Jahr Politur gebraucht hätte. Wie schlimm es wirklich ist, werde ich mir selbst angucken.

Fertig geworden ist auf jeden Fall die Collectors Edition des Spiels, die bei Ubisoft ja mittlerweile legendär ist. Nachdem im vergangenen Jahr der Piratenableger in einer Schatzkiste geliefert wurde, die kaum durch die Tür passte und die mittlerweile in meinem Wohnzimmer als Couchtisch dient, ist “Unity” ein bißchen weniger voluminös.

Die Verpackung ist, zum Thema französische Revolution passend, in der Form einer Guillotine gestaltet – inklusive Metalleffekt und Blutspritzern.

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Die Verpackung ist GROß, wenn auch nicht so groß wie die von Black Flag. Hier ein Größenvergleich. Als Maßstab eine normale DVD-Hülle davor.

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Das Fallbeil der Guillotine ist der Deckel der Verpackung und öffnet tatsächlich nach oben, wen man an dem Band mit der Trikolore zieht.

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Verfasst von - 16. November 2014 in Assassins Creed

 

Assassins Creed Rogue: Collectors Edition Unboxing

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Dieses Jahr kommen gleich zwei “Assassins Creed”-Spiele raus. Für die neuen Konsolen ist “Unity” erschienen, das gerade massiv Prügel bezieht. Für die alten Konsolen XBOX 360 und PS3 kam zeitgleich “Rogue” heraus. Das dreht sich um Shay Patrick Cormac, einem abtrünnigen Assassinen, der zu den Templern überläuft und zur Zeit des Sieben-Tage-Kriegs die Bruderschaft in den Kolonien so dezimiert, bis am Ende nur noch Achilles überbleibt – der 20 Jahre später Connor in den Geschehnissen von Assassins Creed III ausbilden wird.

Es handelt sich also um ein Prequel und den Abschluss der Nordamerika Saga. Ubisoft behandelt das Spiel ein wenig stiefmütterlich, aber wenigstens Amazon spendiert ihm eine kleine Collectors Edition.

Bei Rogue zeigt schon das Cover der Eurobox wohin die Reise geht: Das Assassinen-Symbol ist zersplittert und zerstört, die Rückseite zeigt das Symbol der Templer.

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Im Inneren finden sich neben dem Spiel eine Soundtrack-CD, ein Artbook und ein Briefumschlag

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Verfasst von - 15. November 2014 in Assassins Creed

 

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Motorradreise 2014 (4): Surreal

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Im Sommer 2014 reiste Herr Silencer mit dem Motorrad durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am vierten Tag ist Ausruhen angesagt. Eigentlich.

Montag, 09. Juni 2014, Leucate-Plages, Mittelmeerküste, Frankreich

Als der Wecker um 06.45 Uhr klingelt ist es noch viel zu früh. Ich fühle mich nicht ausgeruht, sondern immer noch müde und erschöpft. Die letzten drei Tage mit der Dauerfahrerei waren anstrengend, und die vielen Eindrücke sorgen für unruhigen und leichten Schlaf – das Hirn hat einfach zu viel zu verarbeiten und träumt viel zu viel. Außerdem war ich gestern zu lange wach. Ich schlurfe ins Bad des Appartements am Meer und blicke in den Spiegel. Eine müde Person blickt mir mit hängenden Lidern entgegen.

Eine Rasur später mixe ich mir einen dreifachen Instantkaffee. Das Pulver kommt aus dem kleinen Notvorrat des Motorrads, das Wasser brüllend heiß aus dem Hahn. Anscheinend hat der Hobbyklempner den Wasserhahn direkt an ein Atomkraftwerk angeschlossen oder so. Das Gebräu sorgt sofort für Pulsbeschleunigung und Herzklabastern, aber auch für wach.

Ich klettere auf´s Motorrad und fahre die morgentlich-leeren Straßen am Strand von Leucate entlang.

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Dann geht es nach Westen, und dort auf die Schnellstraße gen Süden. Die wird immer schmaler, je weiter ich komme, und teilt sich nach einer Stunde in kleine Bergstraßen auf, die sich durch die Ausläufer der Pyrenäen ziehen.

Von Leucate (nördlichster Punkt) über einen Ausläufer der Pyrenäen nach Figueres in Spanien (ganz im Süden), dann über die Küstenstraße zurück.

Von Leucate (nördlichster Punkt) über einen Ausläufer der Pyrenäen nach Figueres in Spanien (ganz im Süden), dann über die Küstenstraße zurück.

Durch enge Felsentäler geht es weiter bis nach Le Perhus, den letzten Ort auf französischer Seite vor der Grenze zu Spanien. Dort stoppe ich das Motorrad und ziehe das Navigationsgerät aus der Halterung. Es ist ab hier nutzlos und der Grund, weshalb ich etwas übernächtigt bin. Gestern Abend habe ich erst gemerkt, dass das TomTom den heutigen Zielort einfach ausge-Xt hat. Statt die Route anzuzeigen gibt es nur Xse auf weißem Hintergrund. Ein schneller Check am Netbook bestätigte die Befürchtung: Der Grund dafür ist fehlendes Kartenmaterial.

TomTom hat so ein superdummes Kartenkaufmodell, bei dem man sich für eine Kartenkombination entscheiden muss. Einzelne Länder kaufen geht nicht, man muss immer für 12 oder 18 Monate ein Paket kaufen. Aus Kostengründen hatte ich mich für Zentraleuropa entschieden. Genau das richtige für mich, dachte ich, alles relevante drin, und nach Spanien würde ich mit dem Motorrad sowieso NIE fahren. Ist ja viel zu weit weg, so verrückt bin ich ja nicht. Dachte ich.

Spanien.

Spanien.

Und jetzt stehe ich mit der Kawasaki auf einem Parkplatz an der Grenze und blicke über die weite Landschaft aus braunen Hügeln, die schon zu Spanien gehört, und mein Navigationsgerät zeigt nur noch weißes Rauschen an. Ich stecke es in seine Halterung im Topcase, dann ziehe ich das iPhone aus der Tasche und werfe die Navigon-Software darauf an. Das HAT Karten von ganz Europa zur Verfügung, und seit gestern Nacht ist auch Spanien darauf und das heutige Reiseziel programmiert.

Das Telefon koppelt sich an meinen Helm, und schon kann ich nach den Sprachanweisungen der App steuern. Das klappt auch ganz gut, ich finde den Ort Figueres auf Anhieb. Figueres ist eine kleine Stadt im katalanischen Küstenland. Drum herum sind Hügel, die wie gefaltet wirken, bedeckt mir grünen Wiesen und vereinzelten Bäumen, die nicht gerade wachsen sondern sich wie Breakdancer jeder in eine andere Richtung lehnen. Diese Landschaft ist surreal und vielleicht ist sie mit daran Schuld, das einer der größten Surrealisten von hier kommt.

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Im Gewirr der Gassen der Altstadt von Figueres fehlt dann aber doch ein Display mit einer optischen Anzeige, so dass ich etliche Ehrenrunden durch immer gleiche Einbahnstraßen drehen muss, bis ich mein Ziel finde: Das Theater von Dalí. Freunde waren vergangenes Jahr dort und brachten Bilder mit, die mich zum Staunen und dann zu der spontanen Reaktion “da muss ich hin” verleiteten. Ein ehemaliges Theater, von Dalí erworben und selbst zum Kunstwerkt umgestaltet wurde.

Das Theater von Dalì

Das Theater von Dalì


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Verfasst von - 15. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

Regionalklasse

Ach guck mal an, jetzt zieht die Autoversicherung zur Beitragsberechnung neben dem Alter und Geschlecht des Fahrers, dem Vorhandensein von Wohneigentum, dem Vornamen des Hundes und den Feigwarzen der Großmutter mütterlicherseits auch Schadenstatistiken zu Autotypen und geographischen Regionen mit ein.

Diese Karte hier findet sich bei der RV24, dabei gleich eine Erklärung, was das Ganze zu bedeuten hat.

Leider sind nur die Großstädte aufgeführt. Die Karte verleitet schnell dazu, von der Höhe der Beiträge auf das fahrerische Können der Einwohner zu schließen. Und tatsächlich können Berliner kein Auto fahren. Aber klar, je größer die Stadt, desto mehr Verkehr und desto häufiger kracht´s. In Hannover sind die Beiträge übrigens so niedrig, weil sich da niemand ein neues Auto leisten kann. Wenn´s da mal einen Unfall gibt, zucken die Besitzer der Uraltmöhren mit den Achseln und fahren einfach weiter, kommen aber nicht auf die Idee das der Versicherung zu melden.

Witzig fände ich mal eine Karte mit Beitragshöhen ländlicher Gebiete. Ich vermute mal: Die höchsten Beiträge zahlen Opelfahrer im Eichsfeld und Passatfahrer im Main-Taunus-Kreis.

 
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Verfasst von - 14. November 2014 in Ganz Kurz, Service

 

Innovation in den Grenzen von ´89

Zu welcher Branche gehört Ihr Unternehmen? Die Beantwortung dieser Frage ist notwendig, um mit der Befragung zum Innovationsmanagement fortzufahren.

  • Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
  • Herstellung von Textilien und Bekleidung
  • Herstellung von Holz-/Flecht-/Korb- und Korkwaren
  • Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus
  • Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild-, Datenträgern
  • Kokerei und Mineralölverarbeitung
  • Herstellung von chemischen Erzeugnissen
  • Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren
  • Herstellung von Glas- und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steine und Erden
  • Metallerzeugung und -verarbeitung
  • Herstellung von Metallerzeugnissen
  • Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen
  • Herstellung von elektrischen Ausrüstungen
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen
  • Sonstiger Fahrzeugbau
  • Herstellung von Möbeln
  • Herstellung von sonstigen Waren
  • Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik
    Recycling
  • Energie- und Wasserversorgung

In dieser Aufstellung des Bundesministeriums für Wirtschaft findet sich fast jeder wieder, vom VW-Konzern über den Müllmann bis hin zum Korbflechter. Was sich hier nicht wiederfindet: Alles, was irgendwie mit Internet und “neuen Medien” (man entschuldige diesen 90er-Jahre-Ausdruck) zu tun hat, sei es Softwareentwicklung, Dienstleistung oder Beratung. “Digital” findet halt in Deutschland nicht statt, aber irgendwas mit dicken Maschinen, das können wir. Innovation heisst im Deutschland des Jahres 2014: Ja gerne, aber nur in den Grenzen von 1989. Wir sollten alle Korbflechter werden. >:-(

 
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Verfasst von - 13. November 2014 in Berufsleben

 
 
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