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Gesichter in Dingen

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Es gibt Sie doch, die legendäre Wassereule!

 
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Verfasst von - 24. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Ein Eis

Wenn man krank ist, darf, nein, MUSS man ein Eis essen.

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Das ist ein Gesetz. Oder eine alte Bulle. Vielleicht auch nur Hörensagentradition. In jedem Fall aber lecker.

 
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Verfasst von - 23. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Wie ich mal im Juli Geburtstag hatte

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“Viel Glück und viel Segen
auf all Deinen Wegen…”

Ich glotze Nachbarin und Vermieterin verständnislos an, wie sie da vor meiner Wohnungstür stehen und singen, in den Händen offensichtlich Geschenke. Nach einem langen Moment bemerkt die Nachbarin meinen Schafsblick und verstummt. Dann drückt sie mir ein Glas ihrer weltbesten Erdbeermarmelade in die Hand und sagt. “Alles Gute zum Geburtstag!!” und die Vermieterin überreicht eine Flasche Wein und gratuliert ebenfalls.Im Hintergund drückt sich einer der Nachbarn an den beiden vorbei und geht die Treppe hinauf.

Ich bin kurz überfordert und so fällt aus meinem Kopf nur ein “Geht es Ihnen gut? Ich habe im Februar Geburstag, das wissen Sie doch auch! Wie kommen Sie denn darauf, dass ich heute hätte?”

Die Vermieterin rückt ihr Brille zurecht und sagt: “Das hat uns ihre Mutter verraten! Die habe ich gerade getroffen!” Dabei guckt sie ganz stolz, als hätte sie was Geheimes rausgefunden. Im Hintergrund kommt der Nachbar wieder zurück und trägt einen Kasten Bier und eine Ladung Grillwürstchen die Treppe runter.

“Ich weiß nicht, WEN sie getroffen haben, aber meine Mutter bestimmt nicht”, sage ich und mache Anstalten, den beiden die Präsente zurück zu geben. Im Hintergrund trägt die Nachbarin einen Geburtstagskuchen durchs Treppenhaus.

“Och nee, behalten Sie das man. Wenn SIE heute nicht Geburtstag haben, dann bestimmt der Gewöhnliche. Und der hat das nicht verdient”, sprachs, und schon waren die beiden wieder verschwunden.

Ja, und nun habe ich hier Geburtstagskonfitüre und Geburtstagswein und werde beides benutzen, noch vor dem nächsten Februar.

 
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Verfasst von - 22. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Durchgestanden

Das Krankenhaus in der Morgensonne. OP-Termin 6.45 Uhr. Ist um die Zeit der Arzt überhaupt schon wach?

Das Krankenhaus in der Morgensonne. Mein Antrittstermin ist 6.45 Uhr, OP-Zeit 7.30 Uhr. Ist um die Zeit der Arzt überhaupt schon wach?

“Gleich sollte es sich komisch anfühlen”, sagt der beige Fleck. Mehr sehe ich ohne Brille nicht vom Anästhesisten. Es ist aber nicht Dr. Olungo. Wäre es Dr. Olungo, dann hätte der Fleck eine andere Farbe. Der Gedankengang wird unterbrochen, weil plötzlich jeder Nerv in meinem Körper anfängt in Wellenbewegungen hoch- und runter zu wubbeln. Ich weiß, dass Nerven nicht wubbeln können, aber so fühlt es sich an. “Jetzt fühlt es sich komisch an”, sage ich dem Anästhesiefleck. “Gut”, kommt es vom Ende des Operationsbetts, wo ich nicht mehr hinsehen kann. “Dann gebe ich Ihnen jetzt noch was anderes”.

Klick. Aus.

“Nur noch fünf Minuten”, denke ich und versinke wieder in Halbschlaf. Es ist zwei Stunden später. Zwei Stunden, die ich nicht mitbekommen habe. Alles ist warm und weich und gemütlich. Ich fühle mich gut, wie nach einer langen Nacht voller erholsamen Schlaf. Nichts tut weh, alles ist gut. Ich weiß, dass ich im Aufwachraum des Krankenhauses bin. Ich bekomme alles um mich herum mit, aber die Welt soll noch fünf Minuten ohne mich klarkommen…

Schnitt.

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“Und wenn ich nach Hause komme”, sagt Erwin, “Dann trinke ich als erstes ein Bier. Und dann… noch eins. So´n richtig schönes Weizen. Man, wie ich DAS hier vermisse.” “Hier” ist das Krankenhaus, Erwin heisst wirklich so und ist einer meiner beiden Zimmergenossen. Er ist fast siebzig, und seine lebenslange Liebe zum Bier ist ihm deutlich anzusehen. Ein gewaltiger Bauch wölbt sich unter dem Sport-T-Shirt und setzt sich in der Jogginhose fort. Das Körpergewicht in Tateinheit mit 47 Arbeitsjahren als Fleischer hat ihm “Rücken” beschert, genauso wie dem Dachdecker im Nebenbett. Beide sind an der Wirbelsäule operiert worden und schon 10 Tage im Krankenhaus. Sie sind quasi auf Expertenlevel, kennen alle Abläufe und die Schwestern beim Vornamen. Beide sind begierig hier so schnell wie möglich rauszukommen. Wenn sie über “hier” reden, klingt das, als reden sie über den Knast. So empfinden sie das auch.

Ich nicht. Ich finde es hier ganz OK. Die Zimmernachbarn nerven nicht, es gibt Service am Bett, und ich muss mich um überhaupt nichts kümmern. Aber ich bin auch 1. noch nicht so lange hier wie Erwin und der Dachdecker und 2. kann ich mich quasi ewig mit mir selbst beschäftigen, wenn ich nur was zum Lesen und oder Internet habe.

Mein rechter Fuß. Ich bin der einzige mit einem roten Verband. Das ist das Zeichen, dass ich von einem externen Arzt operiert wurde und die Schwestern da nicht dran gehen sollen.

Mein rechter Fuß. Ich bin der einzige mit einem roten Verband. Das ist das Zeichen, dass ich von einem externen Arzt operiert wurde und die Schwestern da nicht dran gehen sollen.


(Keller-) Zimmer mit Aussicht.

(Keller-) Zimmer mit Aussicht.

Mit Internet ist es hier allerdings nicht weit her, das Patienten-WLAN reicht nur nachts und bei gutem Wetter bis in Zimmer 11, und selbst dann werden keine Bilder und Stylesheets geladen. SPIEGEL Online im Quelltext lesen, das habe ich schon seit den Zeiten des 28.8er Modems nicht mehr gemacht. Also muss die Bücherei auf dem Kindle und das Spielchen “Batman” auf der Playstation Vita für Unterhaltung sorgen, während Erwin “Erstma´eine rauchen” geht und mit seinem quietschenden Rollator durch die Tür verschwindet.

Schnitt.

“Heute ist Wochenende, kommen keine regulären Patienten”, sagt Schwester Elizabeth, während sie mir ein Thermometer ins Ohr steckt. Die hübsche Frau hat afrikanische Eltern. Sie spricht sehr gut deutsch, verschluckt aber manchmal Wörter. “Sonntags nur Notfälle. Kaputte Motorradfahrer haben wir am Wochenende sehr viel”. Glaube ich gerne. Der Harz ist um die Ecke, da wird jedes Wochenende menschliches Material in mehr oder weniger intaktem Zustand aus den Felswänden gepuhlt. Im Sommer vor allem Niederländer, für die ist der Harz das nächstgelegende Gebirge. Und dann rasen die untrainierten, dicken, alten Männer auf ihren überdimensionierten Maschinen über die Straße der Selbstüberschätzung, bis sie aus der Kurve des eigenen Könnens getragen werden. Oder ein Passat im Weg ist.

Tag der Anreise: Mein Gepäck. Mit Krücken. Ich weiß, wenn ich hier rauskomme, werde ich die sechs Wochen lang brauchen.

Tag der Anreise: Mein Gepäck. Mit Krücken. Ich weiß, wenn ich hier rauskomme, werde ich die sechs Wochen lang brauchen.

Der Dachdecker und ich sehen zu Erwins Bett hinüber. Er ist gestern rausgekommen. Als sein Rollator um die Ecke verschwand, hörten wir nur noch “Weizen, ich ko-mme!!!”. Wenn wir Pech haben, wird das Bett irgendwann heute Nacht wieder von einem Notfall belegt.

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Ich mache schon kleine Spaziergänge, an Krücken, den operierten Fuß in einem Fixierschuh. Damit laufe ich aus Station für Unfallchirurgie raus, fahre mit dem Fahrstuhl aus dem Keller, wo Station 5.01 liegt, zwei Stockwerke nach oben. Dann laufe ich durch den wirklich hübschen Park und gucke die kaputten Raucher in ihrem Pavilion an und bin wieder mal so dankbar das ich nicht mehr rauche.

Krankenhaushumor: Rundwege durch den Park. Die “Weltreise” ist 230 Meter lang, und ja, an Krücken ist das ganz schön weit.

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Oder ich stehe dann auf der Galerie, von wo aus man auf die Eingangshalle hinabsehen kann. Von dort lassen sich trefflich die Besucher und Patienten beobachten. Ihre Körper erzählen manchmal Geschichten. Wie bei dem jungen Paar, das Hand in Hand durch das Gebäude läuft. Beide haben die Venenkatheter an den Handgelenken, was auf einen Aufenthalt in der Intensivpflege oder eine kürzlich zurückliegende OP schliessen lässt. Er, ein aufgepumpter Muskeltyp, hat ein Blutergüsse an den Armen und im Gesicht. Sie, schlank und hübsch, hat Abschürfungen die ganzen Beine und Arme hinauf. Ich tippe auf einen Zweiradunfall, bei dem er einen Abgang über den Lenker gemacht hat und sie über die Straße gerutscht ist. Zumindest passen diese Anzeichen. Unfallhergänge raten. Womit man sich so die Zeit vertreibt.

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Die Zeit rast. Frühstück-Visite-Mittagessen-Mittagsschlaf-Kaffee-Abendessen. Und wieder ist ein Tag vorbei, ohne das ich sagen könnte, was ich eigentlich gemacht habe. Das langweilige Buch ist immer noch nicht durch, und auch Batman kommt nicht voran.

Schnitt.

Ein Golf fährt vor, während ich vor dem Haupteingang der Klinik sitze und das langweilige Buch zu Ende lese. Ein junges Paar steigt aus, sie trägt ein Mädchen von vielleicht zwei Jahren auf dem Arm. Die beiden zünden sich Zigaretten an, plaudern über Bekannte, Autos, das Wetter. Sie haben alle Zeit der Welt, vielleicht wollen sie Omma besuchen oder so.

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Ich klappe den Kindle zu und greife meine Krücken. Als ich durch die automatische Drehtür bin, folgt mir das Paar. Auf dem Weg durch die Eingangshalle beschleunigen sich ihre Schritte. An der Rezeption wird der junge Mann laut: “SCHNELL! Wo ist hier die Notaufnahme?? Meiner kleinen Tochter geht es gar nicht gut!!” Vielleicht sollten wir doch eine Eignungsprüfung für Eltern einführen.

Schnitt.

Wieder zu Hause. Wieder Internet.

In der kurzen Zeit meiner Abwesenheit hat die Rose, die ich bei der Übernahme der Wohnung auf dem Balkon gefunden habe, angefangen zu blühen.

In der kurzen Zeit meiner Abwesenheit hat die Rose, die ich bei der Übernahme der Wohnung auf dem Balkon gefunden habe, angefangen zu blühen.

Danke an alle, die an mich gedacht, die Daumen gedrückt oder sich nach meinem Befinden erkundet haben. Es ist alles gut gegangen, die OP ist gut verlaufen. Die Aussichten, dass der Fuß wieder so funktionieren wird wie normal, sind zwar nicht so dolle. Aber zumindest habe ich keine Schmerzen, zumindest so lange ich mich nicht bewege, und vielleicht klappt es ja doch. Dafür muss der Fuß jetzt sechs Wochen fixiert und am Besten hochgelegt werden. Sechs Wochen immobil. Meh. Aber die werden auch irgendwie rumgehen, und im Moment geht es mir gut, und das ist schon mal viel wert.

 
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Verfasst von - 21. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Gleich geht´s los

  

Schon ein merkwürdiges Gefühl, nicht weiter als bis Freitag denken zu können. Alles nach Morgen ist im Dunkel, danach geht erst einmal ganz viel nicht mehr (pun intended). Viele Dinge mache ich gerade zum letzten Mal, zumindest für einige Wochen.

Wird nicht einfach, aber eine Alternative zu dem morgigen “Augen zu und durch” gibt´s nicht. Merke ich gerade wieder. In den letzten Tagen dachte ich noch “Ob die konservative Therapie nicht doch ausreicht?” und heute dann: Aua-Aua-Aua, nein, tut sie nicht. Ist also die richtige Entscheidung. Doof wird die Zeit danach trotzdem.

Gerade habe ich die vorstationäre Aufnahme hinter mich gebracht. Dabei zirkuliert man einmal durchs Krankenhaus, von Pontius zu Pilatus, und füllt immer den gleichen Fragenbogen aus. Haben sie Vorerkrankungen? Nehmen Sie Medikamente? Hatten Sie bereits Operationen? Den Kram füllt man bei der Erfassung der Stammdaten aus, dann bei der medizinischen Aufnahme durch eine Krankenschwester (Bonus: Blutabnahme, Blutdruckmessung), dann beim Narkosearzt (Bonus: Abhorchen), beim Stationschef (Bonus: Doofe Witze, Thrombosemittel) und beim Stationsarzt (Bonus: Angucken des Fußes).

Ich wusste vorher gar nicht, wie befriedigend es ist, auf die Frage “Rauchen Sie” ganz selbstbewusst mit “nein” und auf “Treiben Sie Sport?” mit “Ja!” antworten zu können.

Einzig der Narkosearzt macht mir gerade ein wenig Sorgen. Der war sauer, weil ich partout keine Rückenmarkpunktion wollte, und las dann auch noch den Allergiepass verkehrt herum: Alles, was ich an Narkosemitteln gut vertrage, notierte er unter “Verboten”, alles, wogegen ich allergisch bin, unter “Möglich”. Als wir das endlich auseinanderklamüsert hatten, verordnete er gleich mal eine Intubation, obwohl eine Maske vermutlich gereicht hätte. Nunja.

Und jetzt – steigt die Spannung. Ich bin ruhig, und das wird alles werden, aber hinter der Coolness ist konzentrierte Anspannung. Also, man liest sich.

 
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Verfasst von - 16. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Aktueller Gemütszustand

Leicht unbeherrscht.

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Kein Symbolbild.

 
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Verfasst von - 14. Juli 2015 in Ganz Kurz

 

Vorplanung

Puh.
Nein, nicht wegen der Wärme der letzten Tage. Ich mag Wärme. In den letzten Nächten habe ich das erste Mal im neuen Schlafzimmer geschlafen ohne Bieberbettwäsche drauf zu haben und trotzdem nicht zu frieren. Sonst ist mir immer zu kalt. Und, nur mal so um die Maßstäbe richtig hin zu rücken: zwischen 35 und 40 Grad hatte es in den vergangenen Jahren auch, als ich in Italien auf irgendwelche Türme und geklettert bin. Und das im Motorradanzug, aus dick Leder und Cordura und mit fetten Stiefeln an den Füßen. Aber ich schweife ab.

Nein, wettertechnisch ist alles supi. Was mich gerade ein wenig Puh-en lässt ist das Maß an Vorplanung, das hier gerade nötig ist. “Dunkel ist die Zukunft”, wie es so schön heisst, und tatsächlich liegt alles ab dem 17.07. im Dunkel. An dem Tag gibt es eine kleine OP.

Die ist nicht schlimm, schlimm wird die Zeit danach:
Sechs Wochen Gehen an Krücken.
Keine Bewegung.
Kein Autofahren.

Ich werde zur Immobilie, und für die Zeit muss ich vorplanen. Vorräte einkaufen, und bei Terminen immer überlegen, wie ich da wohl hinkomme. Ich muss jetzt also für Ereignisse planen, die noch fast zwei Monate hin sind. Und nicht nur wichtige, echte Ereignisse, sondern scheiß-trivialen-Allerweltskram, vom Einkaufen bis zum Putzen der Wohnung.

Positiv: Ich habe schon ganz viel Unterstützung angeboten bekommen, und dafür Danke ich allen ganz herzlich!

Negativ: SECHS. WOCHEN. ABHÄNGIG VON ANDEREN. Das ist vermutlich am Schlimmsten. Unabhängig zu sein ist das Wichtigste für mich, und die Situation wird die Hölle. Ich mag es nicht, auf andere angewiesen zu sein. Es fällt mir schwer Hilfe anzunehmen, auch wenn ich mittlerweile gelernt habe danach zu fragen.

Ganz negativ: Sie müssen jetzt sehr starkt sein: Die Weltwieseltagzelebrierung 2015 in Hamburg wird ohne mich stattfinden müssen. Ich weine schon jetzt bittere Tränen.
Das Wiesel auch.

 
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Verfasst von - 6. Juli 2015 in Ganz Kurz, Gnadenloses Leben

 
 
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