Tech Air 5 Plasma (2026)

Tech Air 5 Plasma (2026)

Ich bin ja ein großer Freund von tragbaren Airbagsystemen für Motorradfahrer. Mein aktuelles Lieblingssystem ist das Alpine Stars Tech Air 5 von 2022. Das hat nun einen Nachfolger bekommen, das Tech Air 5 Plasma. Das neue System adressiert alle Kritikpunkte des Vorgängers. Warum ich es mir dennoch auf keinen Fall kaufen würde. (Alle Bilder: Alpine Stars)

Ich bin seit 2018 mit einem autonomen Airbag am Körper unterwegs. Erst mit einer Tech Air Street-Jacke, seit 2022 mit einer Tech Air 5 Weste, beide vom italienischen Hersteller Alpine Stars.

An beiden gab es Kritik, meistens von Personen, die noch nie mit einem solchen System gefahren sind. In erster Linie war das:

1. “öööh, was ist, wenn ich offroad fahre, dann löst das doch bestimmt aus Versehen aus” (Alternativ: “Was ist, wenn ich umfalle, dann löst das doch bestimmt auch aus, oder?”)

2. “öööh, das trägt zu dick auf und ist mir zu warm”

3. “öööh, nach einer Auslösung muss es zum Hersteller für eine neue Befüllung. Das willichnich, ich will das selbst machen können”

4. “öööh, der Hersteller schlägt einen Service alle zwei Jahre vor, der ist mit 99 Euro zu teuer”

Alle Kritikpunkte wurden laut und leidenschaftlich vorgetragen und vertreten, dabei sind sie eher theoretischer Natur.

Der Herstellerservice bspw. ist keine Pflicht, sondern ein Angebot, weil sich damit jedes Mal auch die Garantie um zwei Jahre verlängert.
“Zu warm” ist teils in der Natur der Sache, der Airbag ist nunmal ein Plastikbeutel, den man um den Wanst trägt.
Ich habe noch keine Fehlauslösungen erlebt, auch nicht in rauen Terrain und auch von noch keiner gehört oder gelesen.
Und wenn das Ding WIRKLICH auslöst, und es rettet mein Leben, dann schicke ich es mit Freude zum Hersteller und lasse es dort prüfen und neu befüllen.

Aber Alpine Stars hat sich des teilqualifizierten Gejammers angenommen und im Tech Air 5 Plasma berücksichtigt. Das neue System hat einen dedizierten Offroadmodus, zusätzlich zu den bereits im Vorgänger vorhandenen Modi Street und Race. Zwischen allen Modi kann man per App oder direkt an der Weste umschalten. Das geht übrigens kostenfrei, anders als bei Konkurrenzprodukten, wo man teils erst neue Abos abschließen muss. Der Schalter an der Weste bietet haptisches Feedback, hat (endlich wieder!) einen mechanischen Aus-Schalter und lädt (endlich!) über USB-C, und nicht mehr über das uralte Mikro-USB-mit-Magneteinsatz.

Das Plasma ist mit ungefähr 1,5 Kilogramm rund 25% leichter als der Vorgänger (1.900 Gramm), ultradünn und trägt praktisch nicht mehr auf. Im Bauchraum ist der Airbag weggelassen, so das von vorne leichter Luft an den Körper kommt. Auch der Rücken ist flach gebaut:

Nutzer können es nach Auslösung selbst neu befüllen, die Kartusche mit dem Treibgas ist hinter einer Klappe am Rücken zugänglich, Ersatz im Handel erhältlich. Das Plasma hat nur eine Kartusche, der Vorgänger hatte zwei, die zudem auch größer waren. Die konnten im Race-Modus zwei mal auslösen, im Street-Mode ein mal, dafür aber schneller und mit mehr Druck. Das Plasma löst weniger stark aus und füllt weniger Volumen.

Der (nicht verpflichtende) Service kostet mit 59,- Euro alle zwei Jahre jetzt deutlich weniger als vorher. Der Service beinhaltet auch eine Wäsche, wer möchte, kann das Plasma 5 aber auch selbst zerlegen und waschen.

Also rundum: Verbesserungen, Vereinfachungen, mehr Service UND Günstiger.

Warum ich das Tech Air 5 Plasma dennoch nicht kaufen würde?

Nun, wenn man mal direkt die Schutzfläche des neuen Systems….

…mit dem alten vergleicht…

wird SEHR deutlich, dass das Tech Air 5 Plasma sein geringeres Gewicht und seine bessere Lüftung mit einer deutlich geringeren Schutzfläche erkauft. Einer der Vorteile der Tech Air-Systeme war für mich immer, dass sie auch Brustkorb und Organe im Bauchraum schützen – exakt hier hat man den Schutz nun aber deutlich zurückgefahren.

Das wird auch in der Zertifizierung deutlich: Das originale Tech Air 5 ist als Level 2 Airbag für Rücken (nicht Brust) nach EN1621-4 zertifiziert. Das Tech Air 5 Plasma ist im Rücken noch lediglich nach Level 1 zertifiziert und das auch nur in Kombination mit dem passiven Rückenprotektor.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Das neue Tech Air 5 Plasma bietet nur den minimal nötigen Schutz im Rückenbereich um sich gerade noch Schutzkleidung nennen zu dürfen, im Bereich von Schultern und Brust schützt es nicht sondern bietet lediglich eine Polsterung, und überhaupt keinen Schutz für den Bauchraum. Empfehlen kann man sowas niemandem. Das Ding ist ein Placebo.

Das hat dazu geführt, dass ich nach einem initialen “Oh mein Gott wie cool shut up and take my money”-Moment, in dem ich fast zum Händler gerannt wäre um mir die Nase am Schaufenster platt zu drücken, nun sagen muss: Nee. Das ist kein gelungenes Update.

Alpine Stars hat hier zwar ein rundum modernes, leicht zu tragendes Produkt rausgebracht, das die – teils berechtigten, teil mumpitziösen – Kritikpunkte am Vorgänger adressiert. Der verringerte Schutz ist in meinen Augen aber ein No-Go. Die mit Abstand häufigste Unfallart ist der Frontaleinschlag, zum Beispiel in ein Auto, das einem die Vorfahrt nimmt. Ein geschlossener Schutz von Brust- und Bauchbereich kann hier die schwersten Verletzungen verhindern. Das Tech Air 5 Plasma bietet aber genau dort überhaupt keinen Schutz mehr. Die 749 Euro Straßenpreis für das Ding kann man sich sparen, wenn man schon ein anderes Airbag System hat.

Protipp: Um alte Bestände des Vorgängers loszuwerden, gibt es das original Tech Air 5 gerade für 499,00 Euro zu kaufen – und DAS ist seinen Preis absolut wert.

6.431

6.431

Güdn Tach, ich wäre dann auch wieder da.

Drei Wochen war ich mit der Suzuki V-Strom 800, der Morrigan, unterwegs.

Nicht jeden Tag woanders, aber auch nicht gänzlich unambitioniert:

6.431,5 Kilometer im Sattel sind dabei am Ende zusammengekommen.

Die Krökeligkeit dieser Tour erklärt sich aus der Entstehungsgeschichte. Irgendwann im vergangenen Winter guckte ich auf ein Bild eines der fantastischsten Gebäude, die es auf diesem Planeten gibt: Das Guggenheim Museum in Bilbao.

Immer wenn ich das Ding angucke, gibt es ein komisches Geräusch, und dann sehe ich mich irritiert um und merke: Ach, das Geräusch habe ich ja gemacht! Ein tiefes Seufzen, die Verkörperung von “Das würde ich ja mal gerne in Echt sehen”.

Tja, und dann platzte der trotzige Gedanke rein: Wenn Du das so gut findest, warum fährst Du da da nicht einfach mal hin?
Nun, weil es gute Gründe dagegen gibt.

Spanien ist einfach forking weit weg, man braucht mit dem Mopped allein drei Tage, um dort hinzukommen. Schlimmer aber: Zwischen Deutschland und Spanien liegt -ausgerechnet!- Frankreich.

FRÜHER fuhr der Autozug von Hildesheim, was bei mir um die Ecke liegt, nach Narbonne an der spanischen Grenze. DAS war super – es hat Reifen und Motor geschont, man war in 13 Stunden im Süden und man musste sich nicht mehr mit Frankreich abgeben als unbedingt nötig.

Dementsprechend beliebt war der Autoreisezug: Ausgebucht mindestens 12 Monate im voraus, obwohl die Tickets arschteuer (bis zu vierstellig) waren. Ist klar, was passiert ist, oder? Richtig: Die Bahn hat das Angebot eingestellt. Offizielle Begründung “mangelnde Rentabilität”, ich denke: Alexander Dobrindt. Der war zu dem Zeitpunkt Verkehrsminister und hat neben der episch verkackten Autobahnmaut auch die Bahn so unattraktiv wie möglich gemacht.

Anyhow, ich bin also auf die altmodische Art nach Spanien gefahren, und das war kein Spaß: Los ging es bei Temperaturen von drei Grad und im strömenden Regen, der dann auch bis Spanien nicht mehr aufhören wollte. Im Gegenteil, auf meiner Strecke war sogar Schnee angesagt. Mitte Mai! Wenn man im Helm die eigenen Zähne laut klappern hört, ist das Spaßpotential beschränkt.

Vor lauter Erleichterung, es trotzdem bis nach Spanien geschafft zu haben, ließ ich die Suzuki dann erstmal stehen und fuhr Zug…

…und schaffte es zum Objekt der Begierde:

Und ich ging zu Fuß. An sehr coole (6 Grad) Orte, an denen es (manchmal) auch nicht geregnet hat.

Ein als mondän angepriesener Badeort entpuppte sich dann als 360 Grad-Familienabzockparadies inkl. knallbunter Eisbuden wo “Gelatti” (SIC!) verkauft wurde, mit angeschlossenem Dauerrummelplatz und Touristenfressmeile.
Schauderhaft.
War natürlich in Frankreich.

Die nächste Idee war dann: Wenn schon Frankreich, warum dann nicht die Route de grandes Alpes mit dem höchsten Straßenpass Europas fahren?

Die Idee an sich war super, scheiterte aber an den Franzosen. “Nononon, Monsieur, wir ma´hen den Colle d´Isserain noch nöcht auf, es ist noch nicht der zweite Samstag im Juni um 10:00 ´Ühr”.
Na, dann halt nicht.

Überhaupt, die Franzosen: Beziehen viel Öl aus dem nahen Osten, deckeln aber die Benzinpreise der staatlichen Tankstellen auf 1,99 Euro pro Liter für alles außer Tiernahrung. Die Folge: Niemand spart Sprit, alle fahren weiter als wäre nichts. In manchen Regionen gab es an bis zu einem Viertel der Tankstellen Engpässe. Meist war Diesel ausverkauft, manchmal gab´s aber auch kein Benzin. Und manchmal gab´s einfach keine Tankstelle, auch das passiert in diesem bemerkenswert schlecht organisierten Land.

Immerhin bin ich auf den Mont Ventoux gekommen. Der hat auch ne hybsche Aussicht.

Immer nice ist auch die Gorge du Verdon.


Auch Clèmentines “Große Scheune” steht noch, ein gigantisches Bauwerk, in das im Inneren Plattformen und kleine Zimmer, wie Kästen, hineingebaut sind.

Weil ich dann gerade ohnehin in der Nähe war, habe ich noch auf einer anderen Farm vorbeigeschaut. In Italien.
Was man im Mai eigentlich nicht tun sollte, denn in der Region Emilia-Romagna gab es in den vergangenen Jahren immer wieder heftige Fälle von Grandine.
Das ist Hagel, aber auf Steroiden. Auf Grund des wärmeren Meereswasser fallen im Mai gerne von Rimini bis in die Berge südlich von Mailand tennisballgroße Eisklumpen aus dem Himmel.

DAS ist mein Superalbtraum – mit dem Mopped unterwegs sein, und plötzlich passiert sowas. Regen? Kann ich. Aber Meteore aus Eis?

Nun, ich WAR mit dem Mopped unterwegs, als es mich nun tatsächlich erwischt hat.

(Nicht meine Hand)

Glücklicherweise aber auf einer gewissen Farm, und ich konnte die Morrigan schnell unter eine Tetta, ein Vordach, schieben, so dass sie keinen Schaden nahm.

Das erzählte ich wenig später stolz einer gewissen Farmerin, die mich dann lachend darüber aufklärte, dass ich die Suzuki wohl hoffentlich unter ein “Tetto” verbracht hätte. Eine “Tetta” ist nämlich ein weibliches sekundäres Geschlechtsmerkmal, und eine Tetta von der Größe, dass ein ganzes Motorrad darunter passt, das wäre, nun, beeindruckend.
Ach, ich und Sprachen.

Wie auch immer, der Regen kam und ging erstmal nicht wieder weg. Giulie erklärte daraufhin spontan Regen-Watching und Schneckchen sammeln (und in Sicherheit tragen) zu offiziellen Sportarten, und die Leutchen im Ort freuten sich darüber, dass ihr Dorf nun auch am Meer lag. Nebenbei wurde ich häufig gefragt, wann ich wohl wieder abreisen würde.

Der Rückweg nach Deutschland war dann durchaus interessant, denn ausgerechnet an dem Tag, an dem ich ENDLICH Varatweety von maedchenmotorrad.de hätte treffen wollen, wurde der Brenner gesperrt.

Tiefes Verständnis für die Anwohnenden des Wipptals, die unter Lärm und Feinstaub leiden und dagegen demonstrierten. Ihr Protest ist mehr als berechtigt, führt aber dazu, dass das Treffen mit Varatweety wieder nicht klappte, denn sie lebt hinter dem Reschenpass, der als Ausweichroute zum Brenner völlig überrannt wurde. Ganz Tirol erwog Einreiseverbote, und selbst die Tauernautobahn warnte vor Stau durch Überlastung.

Ich schlich mich dann tatsächlich über eine Kopfsteinstraße über die Alpen: Die Tremola, die alte Gotthard-Passtraße. Dort war ich quasi alleine.

Es gab nur ein weiteres Problem: Rund um den Gotthard herum ist die Schweiz. Wirft man der nicht sein Betriebsvermögen oder Spendernieren in den Rachen, darf man weder Autobahnen fahren noch menschenwürdig übernachten.

Mit den superstrengen Tempolimits von meist 80 km/h habe ich keine Schmerzen, aber das tatsächliche Durchschnittstempo von 25 km/h ist unerträglich und sorgt vermutlich im Nachgang für einen oder mehrere Strafzettel.

Das ist aber nichts gegen die unfassbare Wurstigkeit schweizer Hoteliers! Für eine ordentliche dreistellige Eurosumme gibt´s halt nur das unisolierte Dachzimmer mit besenschrankgroßem Gemeinschaftsklo. Während in der Etage drunter selbst die Flure klimatisiert waren, bin ich vor Hitze in dieser Sauna fast gestorben. Schlafen war da nicht drin, zumal die Leuchtreklame vom Dach taghell durchs Fenster strahlte.

Dagegen ist Deutscheautobahn fast entspannend gewesen, auch wenn – natürlich! Zehn Kilometer vor zu Hause das hier passierte:

Und ja, ich bin da mitten reingeraten, in Starkregen und Sturm. Aber die Morrigan segelt durch so ein Wetter einfach elegant hindurch und ist auf ihren zwei Rädern viel souveräner und sicherer unterwegs als die meisten Autofahrer.
Die V-Strom und ich, wir haben halt mehr Übung mit Regenfahrten.

Apropos: Die Reifen. Die haben jetzt rund 14.000 Kilometer runter, bestimmt die Hälfte davon Autobahn und ansonsten Pyrenäen- und Alpenasphalt. Trotzdem haben sie noch Klebekraft bei Regen und das Profil ist mit 4mm hinten und 3,5 vorne (Neu: Hinten 8,5mm, vorn 5mm) noch bemerkenswert gut. Kann ich nur empfehlen, die Metzler Tourance Next 2.

Jetzt muss ich erstmal eine neue Suzuki-Werkstatt finden, denn die Morrigan hat sich neue Reifen und eine Durchsicht redlich verdient. In den vergangenen 26 Monaten haben wir 30.000 Kilometer abgerissen – und das ohne Panne, ohne Unfall. (Über die Sache mit dem Bremsscheibenschloss sprechen wir nicht).
Das ist auch schonmal was.

Ausführlich gibt es diese Stories dann natürlich im Reisetagebuch, aber das dauert noch bis zum Spätherbst – jetzt hat mich erstmal der Alltag wieder mit seinen großen Sorgen und den vielen Dingen, die Aufmerksamkeit erfordern.

2025: 5.420
2025: 7.851
2023: 6.142
2023: 5.853
2022: 5.679
2022: 6.338
2021: 7.306
2020: 5.575
2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

Momentaufnahme: Mai 2026

Momentaufnahme: Mai 2026

Herr Silencer im Mai 2026

Das Wetter will mich doch verarschen!

Wetter: Regen. Bei 2 bis 10 Grad. Dann Sonne. Bei 33 Grad. WTF?


Lesen:

Terry Pratchett: Witches Abroad [1991, Kindle]
Magrat Knoblauch, eine nah am Wasser gebaute Junghexe mit Hang zur Esoterik, erbt einen Zauberstab – und ist damit von jetzt auf gleich eine gute Fee. Teil des Erbes ist auch, dass sie eine arme Magd auf dem Weg zur Prinzessin begleiten muss. In der fernen Stadt Genua. Und Granny Wetterwachs und Nanny Ogg, die verschrobendsten Hexen der Spitzhornberge, dürfen auf keinen Fall mitkommen. Klar, dass sie wenig später zu Dritt auf Reisen gehen – und dabei entdecken, dass irgendjemand Geschichten manipuliert.

“Witches Abroad” ist eines der ersten Bücher über die Hexen der Scheibenwelt. Das ist deutlich zu merken – der große, wegen seiner Klugheit und Hintergründigkeit beeindruckende Stil der späteren Jahre von Pratchetts Schaffen findet sich hier noch nicht.

Hier gibt´s die billigen Lacher a la “Per Anhalter durch die Galaxis”, wenn die Hexen in Fish-out-of-Water-Manier durch bekannte Sagen und Märchen stolpern und die in Ordnung bringen, was bis hin zu durch Feminismus verhinderten Märchenhochzeiten reicht. Das ist lustig und immer noch toll lesbar – und ein kurzlebige Aufheiterung ist ja nichts Falsches.

Anette Dittert: Dear Britain [2026, Kindle]
Annette Dittert ist nicht mehr für die ARD tätig (leider), aber arbeitet weiterhin. Eines der Ergebnisse ist “Dear Britain”, quasi der Nachfolger des von mir sehr gemochten “London Calling”.

An dessen Qualität kommt das neue Buch für mich leider nicht ran. In “London Calling” schätzte ich sehr die vielen, kleinen Einsichten aus Gesprächssituationen, die dabei halfen, Großbritannien und seine Insassen besser zu verstehen. Solche kleinen “Aha”-Momente fand ich in “Dear Britain” wenig. Das Buch versucht sich an größeren Zusammenhängen – Fremdenfeindlichkeit, die Rolle des Haus of Lords, das Verhältnis der vier Länder zueinander usw. Zwischen diesen Kapiteln finden sich immer wieder welche, die sich mit kleineren Dingen wie Gartengestaltung befassen. Das liest sich alles nicht so interessant weg wie im Vorgänger, den ich in wenigen Tagen verschlungen habe – und das liegt nicht daran, dass die Themen in “Dear Britain” zu schwer sind.

Ich bin nicht sicher, was mich am Ende genau an dem Buch gestört hat. Vielleicht ist es die Vermengung zu vieler Ebenen – Themen werden anhand von Gesprächssituationen behandelt, die viel Atmo mitbringen, und über allem liegt die Suche nach der Identität Großbritanniens und dem Platz der Autorin darin. Vielleicht geht da ein wenig zu viel durcheinander für meinen Geschmack.

Zur Ordnung trägt auch nicht bei, dass das Buch merkwürdig aufgebaut ist – immer wieder werden gewisse Dinge wiederholt, wie z.B, die Erklärung, wer oder was Emilia eigentlich ist. Gerade so, als wäre das Buch darauf angelegt, dass man es Kapitelweise, aber ohne Reihenfolge liest. Oder als würde es aus einer Sammlung von Kolumnen bestehen. Ein wenig besseres Lektorat hätte vielleicht geholfen, aus einem netten ein hervorragendes Buch zu machen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Ditterts Erkenntnis, dass das House of Lords wichtige Expertenarbeit leistet. Das hat mir vor Jahren ein Guide dort erzählt und ich dachte, der flunkert.


Hören:


Sehen:

Australia [2008, BluRay]
Australien, in den 1930ern: Die britische Adlige Nicole Kidman reist ihrem Mann nach Australien hinterher. Dort angekommen entdeckt sie, dass ihr Mann ermordet wurde – vermutlich, weil jemand die 30.000 Quadratkilometer große Rinderfarm haben will. Kurzentschlossen übernimmt Kidman selbst das Anwesen und versucht sich mit Hugh Jackman am Viehtrieb. Dann passieren Dinge. VIELE Dinge.

“Australia” ist ein Baz Luhrmann-Film. Das muss man wissen um zu begreifen, mit was man es hier zu tun hat und warum der Film wirkt, als sei er das uneheliche Kind von “Moulin Rouge” und “Vom Winde verweht”. Denn exakt das ist der Fall!

Von “Moulin Rouge” stammt die überdrehte Optik, die visuelle Wundertüte an Bildern und die skurrilen Kameraeinstellungen, wie in “Vom Winde verweht” wird hier eine epische Geschichte erzählt, die einfach nicht aufhören will. Damit tut der Film sich keinen Gefallen, weder mit der Optik noch mit der Länge der Geschichte.
Wenn Kidman und Jackman endlich die Rinder durch Wüsten und Unwetter bis zum Hafen gebracht haben, sich in de Armen liegen und das kleine Aborigines-Kind glücklich grinst, dann könnte der Film eigentlich gefühlt vorbei sein – aber zu diesem Zeitpunkt hat man die Hälfte der fast drei Stunden Laufzeit noch vor sich!

Ähnlich wie einst Tara muss auch “Faraway Down”, so der Name der Farm, erst noch brennen, die Japaner Australien angreifen und das Kind erschossen werden und und und… Das ist alles in einer Sekunde hoch dramatisch und in der nächsten Sekunde wieder total cheesy gefilmt und wirkt deshalb tonal all over the place. Schade, denn der Film möchte gerne eine ernsthafte Message rüberbringen. Schon im Titeltext verweist er auf die “gestohlenen Generationen” von Aborigines, aber dann kann Lurhmann nicht anders als Luhrmann-Sachen zu machen und dadurch ständig neue Dinge auzuhäufen, ohne die Kernstory wirklich aus zu erzählen.

Kunterbunt, entgleist tonal dauernd, viel zu lang.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Die bizarre Anreise von Kidman inklusive Känguruballerei.


Spielen:


Machen:

  • Im Regen bei 3 Grad Mopped fahren
  • In glühender Hitze Mopped fahren
  • Mopped fahren!

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Raten Sie mal…

Raten Sie mal…

…wer am 30.05. über die Alpen fahren muss.

Ernsthaft, da muss ich ein Mal im Jahr durch Südtirol – und an genau diesem Tag wird da der Notstand aufgrund der Brennersperrung ausgerufen.

Wie ich das nur immer hinkriege!

Trailer: Motorradjahr 2025

Trailer: Motorradjahr 2025

Das war das Jahr 2025: Ich war sechs Wochen und über 13.000 Kilometer on the Road mit der Morrigan, der Suzuki V-Strom 800. Fast nur an Orten, die ich schon kannte – aber genau das brauchte ich in dem Jahr. Das Gefühl zu haben, alte Freunde wieder zu besuchen.

Motorradsommer 2025

Mit der V-Strom längs bis nach Süditalien, durch Kalabrien, Kampanien, die Basilicata und das Molise. 7.851 Kilometer in drei Wochen.

Motorradherbst2025

Nach Sardinien und in die Toskana, 5.420 Kilometer in drei Wochen.

Reisetagebuch Motorradherbst (8): Memento Mori

Reisetagebuch Motorradherbst (8): Memento Mori

Motorradherbst mit der Morrigan. Heute geht es nach Hause, aber vorher wird es traurig.

Donnerstag, 16. Oktober 2025
Ein letztes Mal steuere ich die V-Strom den verkorksten Weg hinab.
Das war es dann, mit den Ferien in der Toskana.
So schön es hier war, und so sehr sich langsam auch Routine eingestellt hat: Diesen Weg werde ich nicht vermissen.

Folgerichtig habe ich mich von der netten Wohnung in dem alten Bauernhaus auch mit den Worten “Tschüss, machs´ gut, wir werden uns nie wiedersehen” verabschiedet, und nun geht es schon hinaus auf die Landstraße und ab gen Norden.

Kurz vor Arezzo biege ich nach Osten ab und steuere die V-Strom in den Apennin. Es ist bewölkt und sehr herbstlich, und ein Gefühl von Traurigkeit macht sich in meiner Brust breit. Ein diffuses Gefühl von Verlust. Das Ende des Sommers lässt sich nun endgültig nicht mehr leugnen. Mit ihm geht auch diese Tour zu Ende, und ich werde mich wieder dem Alltag stellen, in dem nichts Erfreuliches wartet, sondern nur mehr Verlust, mehr Traurigkeit, mehr Anspannung. Ich trauere ein wenig um die vergangenen Wochen.

Von den ersten Ausläufern der Berge aus kann ich auf den Lago Montedoglio hinabblicken. Wie ein totes Ampelmännchen liegt der künstliche See in der Landschaft.


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Reisetagebuch Motorradherbst (7): Goldenes Inferno

Reisetagebuch Motorradherbst (7): Goldenes Inferno

Motorradherbst mit der Morrigan.

Dienstag, 14. Oktober 2025
So sehr ich AirBNB verachte, so sehr mag ich es, eine ganze Wohnung zur Verfügung zu haben. Für ein paar Tage genieße ich das Gefühl, in einem anderen Land zu leben.

Heute morgen mache ich mir in “meiner” Küche nur einen Kaffee und ein Stück Baguette mit frischer Mortadella, dann setze ich mich an den Tisch vor der Tür und frühstücke, während ich über die Landschaft des Val d´Orcia schaue.

Kurze Zeit später frickele ich mich über die verdrehte und kaputte Schotterstraße von dem Hügel runter, auf dem das Landhaus liegt. Der Weg ist echt nicht ohne, mit den tiefen Rillen. Anhalten möchte ich hier nicht, wenn ich das Bein auf den Boden stelle und dabei so eine Rille oder ein Schlagloch erwische, liegen wir auf der Seite.

Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als von Vorne ein Auto kommt. Ja, war ja klar!

Die Morrigan rauscht über die Landstraßen der Toskana. Der Weg führt nach Siena, wo in der Via dei Mille schon das bunte Herbstlaub auf den Motorradparkplätzen liegt.

Auf dem Campo muss ich erstmal ein Mobbedzwerch-Gedächtniseis genießen. Das gehört dazu.


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Momentaufnahme: April 2026

Momentaufnahme: April 2026

Herr Silencer im April 2026

Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.

Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.

Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.

Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.


Hören:


Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.

Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.

Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.

Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.

WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?

Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.

Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?

Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.

Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.

Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.

Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.

Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.

“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.

Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.

Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.

Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.

Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?

Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.

Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.

Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.

Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.

“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.

Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.

Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.

Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.

Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?

Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.

Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.

In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.

Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.

Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.

“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.

Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.


Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.

Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.

Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.

Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.

“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.

Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.

Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.

Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.

“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.

Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.

Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.

Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.

Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.

Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.

“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.

Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.

Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.

Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.

In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.

“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.


Machen:

  • In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisetagebuch Motorradherbst (6): Zum Träumen

Reisetagebuch Motorradherbst (6): Zum Träumen

13. Oktober 2025
“Ancora un Caffè?”, fragt Annamaria. “Certo”, sage ich und gucke wieder aus dem Fenster und auf das Bergpanorama. Sie schwankt mit ihrer kaputten Hüfte zu der hausgroßen Kaffeemaschine und schraubt mit routinierten Handgriffen einen doppelten Espresso daraus hervor, dann setzt sie sich zu mir an den Tisch in der kleinen Bar.

“Keine Ahnung was sie aufhält, sie wollte schon vor einer Stunde wieder da sein”, sagt Annamaria und meint damit Giulietta, die heute morgen aufgebrochen ist, um jemanden aus dem Dorf zum Bahnhof in der Stadt vor den Bergen zu bringen.

Ich muss heute schon wieder los und sitze abreisebereit in kompletten Motorradklamotten am Tisch.

“Sie arbeitet viel zu viel. Jetzt geht´s so langsam wieder, aber im Sommer? Von fünf Uhr am Morgen bis Mitternacht, manchmal länger. Über Wochen. Das geht doch nicht! Wo bleibt da das Leben!”

Ich nicke wieder. Da hat sie recht, die Mamma Annamaria. Giulie ist halt extrem pflichtbewusst.
Kommt mir bekannt vor. Wir sind ja gleich alt, in meiner Generation ist das halt so. Erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Im Gegensatz zu mir macht Giulietta aber nie Urlaub, zumindest nicht länger als einen oder zwei Tage, weshalb sie auch nicht mit nach Sardinien wollte.

Wir plaudern noch ein wenig, dann verabschieden wir uns. Ich kann nicht länger warten, ich habe heute noch einiges an Strecke vor mir.
Kurz darauf pöttert die V-Strom aus der Einfahrt der Farm und folgt der Landstraße in die Berge des Apennin.

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Reisetagebuch Motorradherbst (5): Es wird Herbst

Reisetagebuch Motorradherbst (5): Es wird Herbst

12. Oktober 2025
Wieder einmal biegen sich sich die Tische unter der Last von Annamarias Backkünsten.
Topfkuchen.
Orange-Marzipan-Kuchen.
Heidelbeerkuchen.
Kirschkuchen.
Nußtorte.
Erdbeerkuchen.
Nougatplätzchen.
Selbstgemachte Croissants.
Streuselkuchen.

Und, extra für mich: Apfelkuchen mit Nüssen drin. Hmmmm, Apfelkuchen!

Während ich noch diesen Wahnsinn bewundere, wabern vor dem Fenster Nebelfetzen durch die Wälder.

Wenig später taucht die V-Strom durch genau diesen Nebel. Der stellt sich als sehr gehaltvoll heraus. Es dauert keine Minute, und ich bin klatschnass. Aus dem Nebel tauchen unvermittelt Geisterbüsche und Geisterkühe links und rechts der kleinen Straße in den Bergen hinter der Fischfarm auf und sind ebenso schnell wieder verschwunden.

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