Lesen Sie unsere Artikel, sie sind sehr relevant.

Aus dem Blogbriefkasten:

Guten Tag,
Ich hatte vor einiger Zeit eine Anfrage betreffend einer Publikaiton auf Ihrer Homepage gesendet.

Wir würden Ihnen gerne einen sehr relevanten redaktionellen Artikel anbieten, der für Ihre Leser zugleich interessant und aktivierend ist und auf natürliche Weise zur Website meines Partners verlinkt ist.

Wir sind offen für verschiedene Arten von Kooperationsmöglichkeiten, um einen Artikel zu platzieren. Ich freue mich auf Ihre Antwort, falls dies für Sie interessant ist.
Leder habe ich noch keine Rückmeldung gekriegt und möchte deswegen auf diesem Anfragen, ob die Mail gut angekommen ist und ob es bereits eine Rückmeldung gibt?
Allerbesten Dank im Voraus und freundliche Grüsse, ….

(Alle Fehler im Original)

Sehr geehrte Werbemenschen,

Ne.
Einfach nur: Ne.

Zwar ist hier im Blog mangels Zeit gerade wenig los, aber ich bin mit Sicherheit nicht so verzweifelt, dass ich „sehr relevante redaktionelle interessante und aktivierende Artikel“ von Außerhalb einladen müsste. Mal ganz abgesehen davon, dass es gegen meine eigenen Regeln wäre. (ich bezahle viel Geld, um die Kiste hier komplett werbefrei zu halten).

Was mich aber schon mal interessieren würde: Ob diese hochwertigen Publikaitonen (SIC) von der gleichen, sehr relevanten Redaktion verfasst werden, die auch diese Mails schreibt. Falls ja, hier ein Tip: Macht die Schule zu Ende. Lernt was Vernünftiges. In Influencermarketing liegt leder (SIC) keine Zukunft, nicht allgemein und für Euch speziell mal gar nicht.

Allerbeste Grüsse,

Ihr aktivierender und sehr interessanter
Silencer

Momentaufnahme: Oktober 2018

Herr Silencer im Oktober 2018

Oktoberliebe

Wetter: Monatsanfang bis Monatsmitte gemischt von kühl bis hochsommerlich, Nachttemperaturen 2-4, tagsüber 12-25 Grad, dabei trocken und sonnig. Als ich am Monatsende zurückkomme, sind es nur noch 3 bis 5 Grad.


Lesen:

Anja Rützel Lieber allein als gar keine Freunde [Kindle]
Anja Rützel ist gerne allein. Sie kann sich gut mit sich selbst beschäftigen, braucht keine anderen Menschen um Bestätigung zu finden und ist auch nicht auf der Suche nach Zweisamkeit. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben.

„La Rützel“ ist schon seit Jahren eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Beobachtungen zu „Dschungelcamp“ und anderen Trash-TV-Formaten sind hoch amüsant, sprachlich faszinierend und so ziemlich die letzten Artikel, die man auf Spiegel Online noch lesen kann. „Lieber Allein“ hat mein Herz höher schlagen lassen, zum einen, weil ich eben schon lange Rützel-Fan bin, zum anderen, weil endlich mal jemand über das Thema „Alleinsein“ schreibt, ohne das als hartes Los, Ungerechtigkeit oder generell als Zustand zu empfinden, der schnellstmöglich geändert werden muss.

Anja Rützel geht das Thema dabei nicht abstrakt, sondern am Beispiel Rützel an – das sind sehr intime und oft auch lustige Einblicke in ihr Leben. Das liest sich hinreissend, und auf beinahe jeder Seite habe ich mich wieder- oder zumindest verstanden gefunden. Endlich schreibt mal jemand darüber, dass Einsamkeit auch etwas sehr Tolles sein kann und es Menschen gibt, die dafür gemacht sind, und die allein nicht unglücklich sind. Anja Rützel sehnt sich nicht insgeheim nach einer Prinzenbrust zum Ankuscheln, sondern ist mit tiefster Zufriedenheit erfüllt, wenn sie im Stillen und nur für sich Gürteltiere aus Ton kneten kann.

Leider ergaben die Einblicke in die Rützel-Seele wohl noch keine Buchlänge, also wurden vorne noch endlose Passagen über Liedtexte zum Thema Einsamkeit und hinten Kapitel über Klon-Hunde angeflanscht. Das ergibt nur begrenzt Sinn, aber selbst wenn man diese Teile des Buchs ausblendet, bleibt noch genügend Interessantes übrig. Vor allem, weil endlich ausgesprochen wird, was nur für wenige Menschen eine Wahrheit ist: Allein sein muss nichts schlechtes oder gar bedauernswertes sein.


Hören:


Heinz Strunk: Jürgen [Hörbuch itunes]
Jürgen Dose ist etwas naiv, aber immer gut drauf. Und: Er weiß alles über Frauen. Zumindest in der Theorie, in der Praxis will es mit dem anderen Geschlecht nicht so richtig klappen. Da kommt sein Freund Bernd auf eine Idee: Warum nicht die Liebe bei einer Partnervermittlung in Polen suchen?

Ich mochte den Film nicht, und das Hörbuch ist auch nicht besser. Heinz Strunk pappt hier Versatzstücke aus seiner eigenen Biographie aneinander und dichtet die einem unglaubwürdigen Charakter an. Wirklich, über weite Passagen finden sich Beschreibungen und Ereignisse genau so bei den Vorgängerbüchern „Fleich ist mein Gemüse“, „Fleckenteufel“ und „Junge rettet Freund aus Teich“ wieder. Diese Wiederholungen mixt Strunk mit endlosen Einlassungen aus der Populärpsychologie und schickt dann unglaubwürdige Charaktere in einen seltsam blutleeren Plot. Was dabei rauskommt ist über lange Phasen schlicht langweilig. Selbst Strunks Stimme nervt bei diesem Hörbuch, denn er versucht Jürgen so zu sprechen, als hätte er immer ein Lachen auf den Lippen. Schlimm. Bitte dieses Buch weiträumig umfahren und eines seiner anderen Werke ansteuern.

Heinz Strunk: In Afrika [Hörbuch itunes]
Heinz Strunk macht mit einem Freund über Weihnachten in Afrika Urlaub. So der Plan. Leider kommt ihm dann zuerst sein Koffer, dann besagter Freund abhanden. Allein und ohne Rasierzeug findet er sich aber auch ganz gut zurecht.

Ein unsicherer Neurotiker auf Reisen. Was als Fish-out-of-the-Water-Geschichte beginnt, wandelt sich schnell in eine Story darüber, wie man sich selbst gutes tun sollte. Strunk-typisch steht diese Geschichte dabei aber nicht im Vordergrund, sondern scheint zwischen vielen feinen Beobachtungen und Miniaturen immer wieder durch. Sehr lustig, sehr hörenswert, zumal Strunk das Hörbuch wieder selbst liest, mit seinem typisch Harbuger Akzent.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru Apokryphen [Hörbuch itunes]
Kleinkünstler Marc-Uwe lebt mit einem Känguru zusammen, das behauptet Kommunist zu sein, am Liebsten Schnapsparlinen futtert und Schnick-Schnack-Schnuck mit der Sonderregel „Meteoriten sind erlaubt“ spielt.

Alles, was in der Bibel keinen Platz hatte, wurde in die Apokryphen verklappt. So ähnlich auch hier: Die Trilogie aus „Känguru Chroniken“, „Känguru Manifest“ und „Känguru Offenbarung“ bleibt in sich geschlossen und findet hier keine Fortsetzung. Die Apokryphen enthalten kurze Stories, die vor, nach oder während der Trilogie spielen. Wer die letzten beiden Bücher nicht mochte, weil der große Handlungsbogen gegen Ende etwas überdreht war (Ja, es gibt Menschen, die kommunistische Kängurus akzeptieren, aber Pinguine mit Weltherrschaftsplänen als absurd abtun), der wird hier wieder glücklich. Die Apokryphen lesen sich exakt so wie die „Chroniken“ und haben mich laut lachen lassen. Wie immer gilt auch hier: Unbedingt die Hörbuchfassung nehmen. Klings Intonation des Kängurus ist einfach großartig.


Sehen:

Zukunft für immer [Theater im OP]
Unzusammenhängende Erinnerungen dreier Schauspielerinnen des Dresdner Schauspielhauses an die DDR. Toll vorgetragen, aber leider zusammenhanglos, verwirrend und langweilig. Gut, dass das Elend nicht länger als eine Stunde ging.


Spielen:

In Mittelamerika macht Lara Croft Jagd auf Trinity, die geheimnisvolle Organisation, die mutmaßlich für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Tatsächlich schafft sie es, den Chef der Dunkelmänner aus der Reserve zu locken und ihm ein Artefakt vor der Nase wegzuschnappen. All zu clever war diese Aktion aber nicht, denn mit dem Diebstahl löst Croft versehentlich die Apokalypse der Inkas aus. Während die Welt von Erdbeben und Tsunamis geschüttelt wird, sucht sie verzweifelt nach einem Weg die Katastrophe zu stoppen.

Das ist nun der dritte Teil der Reboot-Reihe, die den Aufstieg von Lara Croft zum Tomb Raider zeigen soll. Die ersten beiden Spiele von 2013 und 2015 sind echte Highlights, die ich immer wieder gerne spiele. Sie haben eine tolle Geschichte, in der man sich gerne verliert.

Um es mal kurz zu machen: Anstatt die Trilogie mit einem Höhepunkt abzuschließen, ist „Shadow of the Tomb Raider“ einfach liebloser Müll, der an vielen Stellen einfach hingerotzt wirkt und dem alles egal ist. Das gilt für die Story und die Figuren genauso wie für das Gameplay. Nichts wird hier besser gemacht als in den Vorgängern, stattdessen demontiert man sich selbst.

Das Gameplay, eigentlich aus den Vorgängern bekannt und erprobt, wurde dieses Mal völlig lieblos umgesetzt. So lieblos, das manche der wichtigen Systeme erstaunlicherweise nicht mehr funktionieren: Das Craftingsystem ist nun völlig egal, die Händler verkaufen nur noch unnützen Blödsinn, und auch das Skillsystem enthält nur noch unbrauchbaren Müll. Man kann das Spiel durchspielen, ohne sich ein einziges Mal mit diesen Mechaniken zu befassen.

Selbst im Kerngameplay gibt es Probleme: Dank engerer Zeitfenster sind Counter im Nahkampf kaum noch möglich, und Kletterpassagen enden manchmal in Abstürzen, weil Mountpoints nicht vernünftig sitzen. Das sieht nach fehlendem Polishing aus, und das, obwohl „Shadow“ ein sattes Jahr länger in der Entwicklung war als sein Vorgänger. Die Probleme können auch daran liegen, das hier erstmals das Entwicklerstudio Eidos Montreal ein Tomb Raider vorlegt, die Vorgänger waren allesamt von Crystal Dynamics.

Der Wechsel des Entwicklungsstudios erklärt vielleicht auch die narrativen Schwächen und einen Plot, der nach 5 Minuten in sich zusammenklappt. Die Geschichte fängt zwar stark an, spielt aber nach der ersten halben Stunde keine Rolle mehr. So wird Begleiter Jonah anfangs als wichtige Bezugsperson eingeführt, der als eine Art gutes Gewissen versucht Lara klar zu machen, dass sie in krankhafte Besessenheit abzugleitenden droht und ihre unüberlegten Handlungen schlimme Konsequenzen für anderen Menschen haben.

Da denkt man als Spieler: „Hu, Obsession, schlimme Konsequenzen, das ist ja interessant“ – nur wird aus diesem Thema in der Folge nichts mehr gemacht. Im weiteren Verlauf wird Jonah zum Hanswurst degradiert, der nur noch nervt, während Croft mit allem, was sie tut, stets richtig liegt. Krassestes Beispiel: Zu Anfang macht Jonah die deutliche Ansage, das sich nicht immer alles nur um Lara dreht, und sie nicht immer versuchen soll die Welt zu retten – und am Ende dreht sich eben doch alles um Lara, die als Auserwählte die Welt im Alleingang rettet. Bleh.

Der Weg bis zum Finale ist dabei völlig uninteressant. Wo in den Vorgängern eine halbwegs spannende Geschichte inszeniert wurde, schert sich „Shadow“ nicht um eine Story. Man latscht halt durch den Dschungel, WEIL. Weltuntergang. McGuffins. Egal.

Trinity? Auch egal, am Ende stirbt dessen gesamte Führung des Kults Offscreen(!). Das wird aber nur in EINEM SATZ erwähnt, vermutlich bekommen das 90 Prozent der Spieler gar nicht mit. Der Oberbösewicht? Wird stark eingeführt, verschwindet dann aber komplett aus dem Spiel und meldet sich erst am Ende als halbgarer Bosskampf zurück. Laras Heldenreise? Egal, Charakterentwicklung findet nicht statt. Im Gegenteil: Lara Croft ist hier die personifizierte ludonarrative Dissonanz, die verkörperte Differenz zwischen Geschichte und Gameplay. Sie guckt permanent waidwund, bringt dabei aber dutzende Menschen auf brutalste Weise um. Damit schafft „Shadow of the Tomb Raider“ es erstaunlicherweise, seinen Hauptcharakter zu einer Person zu degradieren, die zutiefst unsympathisch ist und die man nicht gerne spielt.

Auch die Handlungsorte sind uninteressant bis grob ärgerlich. Wo die Vorgänger mit Schauwerten protzten, wie einer sturmumtobten Insel oder versteckten Städten im sibirischen Eis, bietet der dritte Teil nur – Grünzeug. Ja, toll modelliertes und animiertes Grünzeug, aber ein Dschungel ist nun mal ein Dschungel und sehr schnell sehr langweilig.

In Sibirien gab es so spektakuläre Szenen wie die hundert Meter hohe Eiswand, in der ein altes Segelschiff steckte. Das sah irre aus und machte neugierig, wie es da wohl hingekommen ist. Im peruanischen Urwald von „Shadow“ lösen die Ruinen der Tempel nur ein „ach, nicht NOCH ein verstecktes Grab“ aus. Alles ist unspektakulär, und der Schauplatz der Versteckten Stadt ist nachgerade ärgerlich. Schon architektonisch macht die Stadt überhaupt keinen Sinn und wirkt deswegen nur wie eine dumme Kulisse. Noch schlimmer sind aber ihre Bewohner. Die nerven, alle. Die meisten NPCs stehen dumm im Weg rum, einige geben Kalendersprüche von sich, einige sind auch Questgeber. Leider sind alle Nebenmissionen dummer Murks. Die Indios beauftragen Lara mit allem, was Ihnen einfällt: Fetchquests, dem Lösen von Nachbarschaftsstreitigkeiten und der Aufklärung von Morden. Und die Kinder! Verlorene Kinder, verlaufene Kinder, und jeder zweite Questgeber ist selbst ein Kind. Wer hat DAS denn für eine gute Idee gehalten? Kinder nerven in Spielen, IMMER!

Nicht besser wird es übrigens, wenn man die „Originalsprache“ einschaltet. Dann reden im Spiel Spanier wirklich spanisch und Indios wirklich eine indigene Sprache. Das ist eine nette Idee, nervt aber nach zwei Minuten kolossal. Grund: Gerade die indigenen Texte werden von unmotivierten Sprechern vom Blatt abgelesen. Das hört sich, pardon, schlicht scheiße an. Mal ganz abgesehen davon, dass die Grundaussage der Missionen – die doofen Eingeborenen sind zu dumm ihr Kram selbst zu regeln, dass muss die weiße Frau für sie machen – sehr zweifelhaft ist, macht das alles auch null Spaß.

Damit fügen sich die Nebenmissionen in den Rest ein, denn der macht auch keinen Spaß. Story nicht vorhanden, Charaktere egal – da spielt es schon fast keine Rolle, dass Immersion durch riesige, nicht abschaltbare Hints und im Sekundentakt tickernde XP-Einblendungen verhindert wird. Ist halt alles egal. „Shadow of the Tomb Raider“ schert sich um nichts, außer um hübsch animierten Dschungel. Aber um so ein Spiel, das sich um nichts schert, muss man sich umgekehrt auch nicht scheren. Im Gegenteil. Das ist das erste Tomb Raider, das ich vor Enttäuschung schon von der Platte gelöscht habe, bevor der Vorspann ganz abgelaufen war.

Wer starke Frauenfiguren in einem Urwaldabenteuer möchte, greift besser zu „Uncharted: The Lost Legacy“. Das ist toll geschrieben, spannend und sieht auch noch besser aus. Da kann man sich ansehen, was „Shadow“ hätte werden können und müssen.


Machen:
10 Tage in einem Fiat 500 auf Sardinien rumkurven.


Neues Spielzeug:
Eine Fenix LD15R, eine Taschenlampe aus deutscher Produktion. Ersatz für die verloren geglaubte Angel Light. Die Fenix ist winzig, mit 500 Lumen gefühlt so hell wie ein Autoscheinwerfer und so toll gearbeitet, dass selbst das Anfassen Freude bereitet.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Herbst! Saisonende 2018

Also höret und lobet das Herbstwiesel, das Euch wissen lässt, dass nun die Zeit für lange Abende bei Netflix und guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist! Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde! Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr, denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei! Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2018 ist damit offiziell beendet.
Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben.

Die Motorradsaison 2018 wird mir immer in Erinnerung bleiben als die mit dem tollsten Sommer seit Ewigkeiten. Wichtiger noch: Als eine ohne Probleme! Beide Maschinen, weder die kleine, schnelle ZZR 600 Renaissance noch der Reisedampfer DL 650 Barocca haben rumgezickt. Keine Ausfälle, keine Pannen, und am allerwichtigsten: Keine Unfälle. Ein Jahr ohne Nervkram, muss man ja dankbar für sein.

Statt in diesem Jahr in die Moppeds zu investieren habe ich meine persönliche Schutzausrüstung erneuert oder aufgelevelt. Die gute Mohawk-Sympatex-Kombi hatte halt schon sieben Jahre auf dem Buckel, und ich kann mir vorstellen, das insb. die Nähte bei der Verbindung zwischen Leder und Kunststoff nicht besser werden durch UV-Licht und Salzluft.

Deswegen waren im Frühjahr eine neue Jacke und eine neue Hose geplant. Weniger geplant waren neue Stiefel und Handschuhe, aber was muss, das muss. Als Gimmick kam am Ende noch ein neuer Helm. Jetzt bin ich also rundrum neu eingekleidet.

Ausprobieren konnte ich einen Teil des Krams gleich auf der Sommerreise im Juni, die dieses Mal bis auf den Balkan führte. Das Reisetagebuch dazu kommt in Kürze.

Danach standen nur noch Kurztouren an, für mehr blieb keine Zeit. Immerhin konnte ich einen Gutteil des Sommers mit dem Motorrad zur Arbeit fahren, auch angenehm. Ach, und ich habe versucht sozialer zu werden, bei einer Gruppentour im Juli im Spessart und beim ZZR-Herbsttreffen im September im Harz.

War also in der Summe ein schönes Motorradjahr mit einem eklatanten Mangel an Dingen, die man sich ohnehin nicht wünscht. Gut so!

Der Oktober ist zwar gerade noch golden, aber ich werde keine Zeit mehr zum Fahren haben bis in den November rein. Deshalb wurde die ZZR schon ordentlich geputzt und schlafen gelegt, die V-Strom wurde durchgewartet und feucht abgewischt. Jetzt träumen sie dem nächsten Frühjahr entgegen.

Damit wäre jetzt mal wieder Zeit die Daten aus den Maschinen auszulesen und ein wenig Statistik zu betreiben.

Management Summary: Die Saisondauer war ähnlich wie in den Vorjahren, von Anfang April bis Mitte Oktober. Mit beiden Maschinen habe ich ziemlich genau die gleichen Kilometer wie 2017 zurückgelegt, rund 11.500.

Mit der V-Strom war ich auf Fernreise, mit der ZZR fast nur im Stadtverkehr und auf kurzen Ausflügen unterwegs. Das macht sich bemerkbar, der Verbrauch der ZZR ist leicht höher als in den Vorjahren. Bei Spritmonitor.de ist sie aber über die Lebenszeit immer noch Verbrauchskönigin. Dafür war der Spritpreis pro Liter für die ZZR günstiger als bei der DL650, im Ausland ist der Sprit halt meist teurer. Das der Durchschnittsverbrauch der Suzuki dieses mal höher ist, erklärt sich durch mehr Autobahnstrecken, die schneller gefahren wurden – im Vorjahr war ja die Kette so fertig, das ich einen Großteil der Fahrleistung nicht schneller als 100 unterwegs war.

Wartungs- und Reparaturarbeiten standen nicht groß an. Gut so, nach den enormen (Anschaffungs-)Kosten im Vorjahr. Jetzt ist der Kilometerpreis auf erträgliche Maße gefallen.
Es sei denn natürlich, man rechnet auch die neuen Klamotten dazu.

Die Detailaufstellungen:

Weiterlesen „Herbst! Saisonende 2018“

Impressionen eines Wochenendes (23): Oktoberliebe mit Eule, Strunk, Weserbergland, Engelke & Berben

Mein linkes Auge zuckt. Der Rücken so verspannt, das ich mich kaum rühren kann. Lange Arbeitstage, nachts wirre Träume. Ich wusste gar nicht, dass man eine Knirschschiene kaputtbeißen kann, aber das habe ich gerade geschafft.

Ich muss mal raus. Eigentlich stand jetzt am Wochenende Haus- und Blogarbeit an, aber dann kam der Sommer zurück. Sonne, 14 bis 25 Grad, wer kann da widerstehen. Raus, auf´s Motorrad, an Orte, die mir gut tun.

Nach dem ersten Kaffee runter in die Garage. Die ZZR schläft schon den Winterschlaf, aber die V-Strom steht frisch gewartet und vollgetankt da und ist bereit für einen Ausflug.


Weiterlesen „Impressionen eines Wochenendes (23): Oktoberliebe mit Eule, Strunk, Weserbergland, Engelke & Berben“

Ausgeglüht

„Öl gewechselt, Kupplungszug gewechselt, neue Reifen, Auspuff nachgezogen – das ist wichtig bei den Viechern“, der Meister blickt kurz auf, dann liest er weiter, „Kühlflüssigkeit und neue Kerzen hatten wir im letzten Jahr erst. Lager gecheckt, Bremsen gecheckt, Kette auch erst letzten Jahr neu, Motor gecheckt, Kühlsystem gecheckt… Keine Undichtigkeiten, Gabel ist auch OK. Die DL ist in einem sehr guten Zustand.“ Sehr schön. Die Barocca ist jetzt schon bereit für die Reise im kommenden Jahr. Und dieses Mal war die Wartung gar nicht teuer. Eine Erleichterung, nach den irren Kosten im vergangenen Jahr.

„Wir kriegen den Bremssattel nicht wieder hin“, sagt der Meister. „Immer wenn wir den los haben, sitzt er nach einer Umdrehung wieder fest. Und die Dinger sind teuer.“ Ich blicke ihn an. Jetzt weiß ich, was der Techniker im Frühjahr beim Reifen umstecken mit „da sitzt was fest“ meinte. Und warum der Spritverbrauch des Kleinen Gelben AutosTM trotz Sommerreifen so hoch war. Ich bin mit angezogener Bremse gefahren!

„Wie teuer“, will ich wissen.

„Über 220 Euro allein der eine Sattel. Das reicht aber nicht. Die Bremse ist ausgeglüht, die Scheibe ist Blitzeblau, total hin. Das kann man nur paarweise wechseln. Da brauchen Sie hinten komplett neue Bremsscheiben und Klötze, dann mindestens den einen Sattel, dazu die Arbeitszeit, das macht…“

Mir fällt das Essen aus dem Gesicht. Tja, Fahrzeuge sind teuer. Scheiße ist es trotzdem. Es macht keinen Spaß, so viel Geld nur für die Erhaltung des Status Quo auszugeben.

Kopfsache: Albrechts Armee und warum Jethelme verboten gehören

Albrecht hat´s erwischt.

Motorradfahrer/-innen sind heute in Foren organisiert, nach Marke und Modell. Folgerichtig bin ich im ZZR600-Forum genauso unterwegs wie im V-Strom-Forum. Dort tauscht man sich aus, über Technik, Touren und – Unfälle.

Nach dem, was ich in den letzten Jahren da so gelesen habe, ist die häufigste Unfallursache, dass Motorräder an Kreuzungen/Einmündungen/Ausfahrten von Autos übersehen werden und die Zweiräder aus voller Fahrt heraus mit der fast noch stehenden „Dose“ kollidieren. Gefühlt sind 8 von 10 Unfällen, von denen in den Foren berichtet wird, genau nach diesem Muster: Unvermittelt biegt ein Wagen, der eigentlich die Vorfahrt achten müsste, in die Hauptstraße ein. Oder ein Kombi setzt schwungvoll aus einer Einfahrt zurück. Und schon schlagen Motorrad und Fahrer in die Seite des Auto ein.

Der Effekt dabei ist beängstigend. Das Beste, was gerade noch passieren kann, ist, dass sich der Möpfahrer aufrichtet. Dann kracht die Maschine ins Auto, der Mensch segelt darüber hinweg. Das schaffen aber nur die wenigsten, das verlangt einen Plan, Mut und Reflexe. Viel häufiger passiert es, das auch der Fahrer in das Auto einschlägt, und dann in der Regel mit dem Kopf in den Dachholm – eine der stabilsten Stellen eines Autos. Da hilft auch keine Airbagjacke, da kommt es maximal auf den Helm an.

Das hier ist der Helm von Albrecht, dem gestern genau das passiert ist. Autofahrerin nahm ihm die Vorfahrt, er krachte ihr in die Seite, schlug mit dem Kopf in den Dachholm und rutschte dann übers Dach.

Regelmäßige Blogleser/-innen kennen Albrecht als fleißigen Kommentator, für mich ist er mittlerweile auch ein guter Freund. Er hat den Unfall überlebt, seine Armee von Schutzengeln hat ihm beigestanden, wie er sagt. Lediglich das Schlüsselbein ist gebrochen und die linke Körperseite blitzeblau, mit etwas Glück kommt er schon bald wieder aus dem Krankenhaus. Seine V-Strom ist ein Totalverlust, aber das ist Nebensache.

Auf dem Bild gut zu sehen sind die Stellen, wo der Helm auf dem Auto entlanggeschürft ist. Nicht zu sehen ist, dass die Kinnpartie einen riesigen Teil der kinetischen Energie absorbiert hat. Der Helm als Knautschzone, wie Albrecht lakonisch anmerkt.

Man stelle sich aber vor, was gewesen wäre, hätte er keinen Integralhelm aufgehabt. Was bleibt von einem Gesicht übrig, wenn es mit 50 km/h gegen einen Dachholm rast? Genau das passiert aber, wenn man einen Jethelm trägt.

Man mag mir nachsehen, dass ich diesen Anlass nutze, um mal was Grundsätzliches aufzuschreiben: Jethelme sind Relikte der Vergangenheit. Ihre Hoch-Zeit hatten sie zwischen den 50ern bis 70ern. Damals ließen sich tragbare Integralhelme nicht herstellen, und die Verkehrsdichte war viel geringer. Wer heute noch mit einem Jethelm unterwegs ist, stellt Nostalgie über seine Sicherheit. Ich habe eine ziemlich radikale Meinung dazu: Helme, die nicht oder unzureichend schützen, sollten verboten werden. So ist es mit den „Skullcaps“ passiert, jetzt wird´s auch Zeit für Jethelme zu gehen.

Ich bin jedenfalls froh, das Albrecht einen echten Helm aufhatte, und der seine wertvolle Rübe geschützt hat.
Komm bald wieder auf die Beine, alter Mann!

Blogparade: Tagesgepäck

„Wie sieht Euer Gepäck für eine Tagestour aus, und was ist da drin?“ will X-Fish von 600ccm.info wissen, und macht zur Sicherheit gleich mal eine Blogparade daraus. Hmmm, Tagesgebäck. Hier mein Beitrag.

Was bei mir nicht im Tagesgepäck ist, aber immer mitfährt: Warndreieck und Verbandskasten sowie Bordwerkzeug, Draht, Panzerband, Reifenflickset, Unfallbericht und Reserveschlüssel. Die sind bei meinen Motorrädern, einer ZZR600 und einer V-Strom 650, unter den Sitzbänken und damit sowieso immer dabei.

Ich bin ein großer Fan von Topcases, den Hartschalenkoffern, die oben auf einen Gepäckträger aufgeklippt werden. Ich mag das, weil es weitgehend wasserdicht ist, darin alles seinen Platz hat und es uninteressant aussieht. Softluggage oder Gepäckrollen auf der Sitzbank wirken dagegen gleich viel interessanter und wecken Begehrlichkeiten in Richtung Mitnahmediebstahl oder dem schnellen Schnitt mit einem Messer.

Wohlgemerkt,Topcases sind auch nicht sicherer: Ein gezielter Stich mit einem Schraubenzieher, eine schnelle Drehung und die Kiste ist offen. Ein Topcase weckt aber weniger Begehrlichkeiten, denn was soll da schon drin sein? Leute mit Topcase sind verkappte Rollerfahrer, uninteressant und langweilig, die fahren in ihren Topcase nur ihren Helm oder eine Dose Bohnen spazieren (eine Ausnahme bildet hier die GS-fahrende Alukistenfraktion, aber davon fange ich jetzt gar nicht an).

Andere Moppedfahrer stören sich oft an der Optik:

…aber die ist mir egal. Das hinter mir, wo ich es eh´nicht sehe, eine Kiste von der Größe eines Trolleys angebracht ist, stört mich herzlich wenig. Ich freue mich über einen Kofferraum am Motorrad. Ein Topcase macht ein Motorrad erst alltaugstauglich: Plötzlich lässt sich mit der Kiste zum Einkaufen fahren, und auf Reisen und für Tagestouren ist es gleichermaßen zu gebrauchen. Früher fuhr ich dafür immer mit zwei Koffern rum, dagegen ist ein Topcase noch schlank. Notiz am Rande: Auf gemeinsamen Ausfahrten waren bislang ausgerechnet die Motorradfahrer, die am lautesten über die Optik von Topcases schimpften, auch diejenigen, die als erstes fragten „Kannst Du meine Wasserflasche/Meine Schokolade/meine Kamera mitnehmen?“. Soviel dazu.

Was man vorher wissen muss: Ein Topcase verändert den Schwerpunkt des Motorrads. Das geht nicht bei jedem Motorrad gleich gut, einige werden kippelig, und auch als Fahrer muss man das können. Wobei die Beladung eines Topcases auch nicht zu heftig sein darf. Die meisten Topcases sind für 5 Kilo zugelassen.

Knackpunkt ist aber was was anderes. Die meisten Seriengepäckträger können insgesamt nicht mehr als 5kg tragen, also Topcase + Inhalt sollten 5 Kg nicht übersteigen, und die Grenze sprengt man schnell. Schnallt man sich ein Super-Duper-Ruggedized-Adventure-Topcase aus dem Abenteuershop auf´s Heck, dann kann es passieren, dass man damit den Heckträger schon ausgelastet hat.

Beispiel: Das Givi-Trekker-Abenteuer-Topace mit 54 Litern wiegt ohne jede Beladung schon satte 6 kg und damit ein Kilo mehr, als der Heckträger der aktuellen V-Strom abkann. Darauf MUSS man achten. Denn ein Topcase, auch ein leeres oder nur leicht beladenes, ist der schnellste Weg um sich Gepäckträger oder Teile des Motorradrahmens kaputt zu machen. Will man was anderes fahren als Straßen oder Schotter, ist ein Topcase ein No-Go. Denn im Gelände ist es keine Frage ob, sondern nur wann die Masse des Topcases den Gepäckträger oder seine Halterungen zerstört.

Bei mir geht das aber. Ich fahre nicht im Gelände, jedenfalls nicht freiwillig, und sowohl die Renaissance als auch die Barocca haben Halterungen mit 10kg Tragkraft für das Topcase, das selbst netto nur 3 Kilo wiegt.

Das Topcase liegt, fertig bestückt, immer im Ausrüstungsregal der Garage. Ich muss es nur aus dem Regal nehmen, einrasten lassen, schon kann die Fahrt losgehen.

Gepäckregal: Oben und Mitte E45 Givis, beklebt als Topcase und Koffer, darunter schlankere E36.

Mein Topcase ist ein modifizierter Givi E45-Koffer. Die Dinger wurden über 30 Jahre nahezu unverändert produziert. Sie sind sehr leicht, unkaputtbar, benzinfest (looking at you, BMW!) haben eine stabile und selbstsichernde Halterung und das Beste: Sie sind symetrisch. Einen E45-Koffer kann man links, rechts und oben ans Mopped stecken, die sind immer gleich. Das ist doppelt gut, denn sollte auf Reisen mal ein Seitenkoffer kaputt gehen, kann das Topcase als Ersatz an seine Stelle treten.

Verändert wurde mein Topcase, das ich für Tagestouren bis zu 3 Tagen alleine und für echte Reisen in Kombination mit Koffern nehme, sowohl innen als auch außen. Außen hat es umlaufendes Reflexband aus dem besten LKW-Markierungsband bekommen, das man für Geld kaufen kann. Das Licht einer Kerze wird in der Reflektion der Mikroprismen in dem Zeug zu einem Scheinwerfer. Außerdem hat das Topcase Gummifüße, die auch als Dämpfer am Gepäckträger dienen und gleichzeitig die Halterung unter Spannung setzen. Da klappert nichts, und die Gefahr das Case zu verlieren ist geringer.

Das Innere des E45 bietet normalerweise gleich zwei Integralhelmen Platz. Bei mir ist es nur noch einer, weil ringsrum ein umlaufendes Gurtband angebracht ist, an dem Taschen hängen. Der Abstand zwischen Gurtband und Deckel ist so gebaut, das Taschen mit dem „Molle“-Halterungssystem einhängbar sind. „Molle“ stammt aus dem Militäbereich, deshalb gibt es viele, unterschiedliche Taschen dafür. Das ermöglicht Variabilität: Ich kann verschiedene Taschen und Flaschenhalterungen fast beliebig kombinieren.

Bei gutem Wetter ist das Topcase, abgesehen von den umlaufenden Taschen, einfach leer. Ich fahre ja meist nicht einfach so durch die Gegend, sondern weil ich irgendwo hin will, Kultur angucken oder auf Berge klettern oder sowas. Dann kann ich in das leere Topcase den Helm einschließen.

Bei ungewissen Wetter ist im Topcase die Vakuum-Rolle mit der Regenkombi.

In den Taschen im Inneren des Topcases ist allerhand Zeugs, das eigentlich immer dabei ist. Die Tasche hinten links enthält eine klein zusammenfaltbare Einkaufstasche und ein winziges Mikrofaserhandtuch. Letzteres dient meist zum Abwischen des Sitzes nach Regen oder zum Befreien der Spiegel von Morgentau. Wenn ich wirklich den ganzen Tag unterwegs sind, stecken ein paar Müsliriegel in der Tasche. Außerdem ist es der Ort, an dem ich das Navi aufbewahre. Naja, „Aufbewahren“… Sie ist halt oben offen, ich kann Anna einfach da reinschmeißen.

Die Tasche, ursprünglich für´s Militär gemacht um Patronen einzusammeln, hat seitliche Einschübe. Darin steckt Campingbesteck: Ein schweizer Messer, ein Opinel, ein Spork und ein Faltbecher. Dahinter, im Gurtband, ein Kuli und eine Winkeltaschenlampe. Winkelig deswegen, weil man sich die einfach an die Jacke stecken kann, dann leuchtet die nach vorne und man hat die Hände frei. Praktisch beim Rumklettern in Höhlen oder dem beidhändigen Rumwühlen in den Innereien des Motorrads.

Dann kommt eine Wasserflasche. Ein Liter ist immer dabei, wenn ich im Sommer auf Reisen bin, steckt daneben noch eine zweite Flasche.

Vorne rechts klemmt ein Resqme und eine Notfalleuchte. Das ResQme ist ein winziges Ding, mit dem man nach einem Unfall Autoscheiben zerschießen und Gurte zerschneiden kann. Ich bin einmal zu oft an frischen Unfallstellen vorbeigekommen um auf sowas zu verzichten. Außerdem kann man damit im Sommer sehr schnell Haustiere aus Autos befreien, weshalb die spanische Polizei sowas als Standardausrüstung am Gürtel hat.

Die Notleuchte ist ein Warnlicht, wasserfest, mit verschiedenen Blitz- und Leuchtmodi. Sie dient dem Sichern von Unfallstellen und ist magnetisch. Unter eine Zierblende am Topcase habe ich einen Neodym-Magneten eingearbeit. Im Notfall kann ich die Leuchte also auf´s Topcase „kleben“. Ist seit der Episode, wo ich bei der ich fast mit dem Motorrad in den Bergen abgestürzt wäre, immer dabei. Zum Glück seitdem noch nie gebraucht.

In der flachen Tasche vorne rechts steckt meine Lumix-Kamera und Kleinkram. Taschentücher, Magnesiumtabletten, was alte Leute halt so auf Reisen brauchen. Vermutlich kommt irgendwann Hämhorrhoidensalbe und Blasenkapseln dazu.

Die große Tasche hinten rechts beinhaltet auf Reisen die Actioncams samt Ersatzakkus sowie eine winzige Pumpflasche mit Sonnenschutz und ein Cap. Ich bin aber kein Capträger, und trage das nur widerwillig bei starker Sonne oder Regen. Jetzt habe ich etwas Besseres gefunden: Im kommenden Jahr fährt dort ein Oilskin-Hut mit, der wasserdicht und knautschbar ist – dank des eingearbeiteten Drahts verliert er seine Form nicht.

Die kleine Tasche hinten links enthält eine Ersatz- bzw. eine Sonnenbrille in meiner Sehstärke. Ohne Brille geht halt bei mir gar nichts, ein Ersatz in Reichweite zu haben ist wichtig. Wenn ich in ganz seltsamen Gegenden unterwegs bin, steckt in der Tasche ein Bremsscheibenschloss.

Die Dokumentenklappe hat ein Warndreieck aus Reflexfolie bekommen, das ist gut sichtbar, wenn der Deckel aufgeklappt ist.

In der Dokumentenklappe befinden sich tatsächlich Dokumente – eine „Missionsmappe“ mit dem Tagesprogramm, der nächsten Hotelreservierung und ggf. Buchungen für den Tag.

Dazu befindet sich noch das hier dahinter:

Im Einzelnen:

Eine Parkscheibe mit eingeklebten Magneten, so dass die an der Kanzel der ZZR und der V-Strom kleben bleibt. Außerdem eine Hülle für Parkscheine, ebenfalls magnetisch. Ziplockbeutel, um kleine Geräte bei Regen wasserdicht zu verpacken. Und ein Wörterbuch, das nur aus Bildern besteht und darum für jede Sprache taugt.

Einen kleinen Clou hat das Topcase noch. Den Boden habe ich aus Kunstleder gemacht und darunter ein Polster eingezogen, damit der Helm nicht verkratzt. Die Polsterung ist aber nicht aus Schaumstoff oder ähnlichem – sie ist aus einer Warnweste gemacht! Im Notfall muss ich nur das Kunstleder aus seinen Klettschlussriegeln rupfen, und habe eine stabile und sehr gute Warnweste in der Hand. Übrigens von XL-Moto, die sind qualitativ sehr gut und zerfleddern nicht nach den ersten Kilometern im Fahrtwind. Auf die hat mich X-Fish gebracht, die ersetzt seit Anfang 2018 die Billigversion aus dem Baumarkt, die ich bis dahin darunter spazieren fuhr.

In mein Tagesgepäck sind also viele Gedanken und Ideen eingeflossen. Was haltet ihr davon? Übertrieben oder cool?
Und wie ist es bei Euch? Was ist bei Euch immer an Bord, und wie sieht Euer Tagesgepäck aus? Macht mit bei der Blogparade!

Impressionen eines Wochenendes (22): Herbstfahrt

Morgens.
3 Grad.
Sonnig, aber kalt.
Kaffee hilft gegen Morgen, dicke Klamotten gegen kalt. Los geht´s. Einen Freund in der Klinik besuchen. Kaltes Morgenlicht auf gepflügten Feldern. Alles grau und leer. Das Land ist bereit für den Winter.

Eine Runde um den Edersee. Andere Motorradfahrer verachten. Nebenarme des Stauwerks führen kein Wasser mehr. Auf dem Grund hat sich leichte Vegetation angesiedelt. Genau wie in den leeren Harzsperren. Die Pflanzen werden dumm gucken, wenn das Wasser wiederkommt.

Kurorte. Die letzten Orte auf der Welt wo es „Tanzlokale“ gibt. In den Toiletten hängen Hinweise, dass man es hier nicht mit seinem Kurschatten treiben soll. Bin überrascht, wieviel Libido so alte Leute noch haben. Das erklärt die geschmacklosen Schilder und Witze. Zeitreise in die 60er Jahre.

Am Tag darauf. Eine kurze Runde durch den Solling. Abseits der Hauptstrecken menschenleer. An den Mauern von Landmaschinenverleihern verwittern Originalschilder von Afri-Cola und Bluna. Strukturschwach, diese Region. Meine Heimat. Zonenrandgebiet. Wir hatten nichts und haben nichts.

Abends wirft die Sonne mit goldenem Licht um sich. Herbstlaub leuchtet gegen blauen Himmel. Kitschig.

Den Benzinhahn zudrehen. Die ZZR bockt und tritt und spuckt auf den letzten Metern. Als sie in die Garage rollt, stirbt der Motor. Tot und mit leeren Vergasern steht sie da.
Unsere letzte Fahrt.
Für dieses Jahr.
Das Schöne am Sterben liegt in der Tatsache begründet, dass eigentlich nichts verloren ist.*


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Momentaufnahme: September 2018

Herr Silencer im September 2018

Wetter: Monatsanfang bedeckt, selten Regen und mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad noch warm, aber die Bäume werden schon bunt. In der dritten Woche noch mal ein kurzes Aufbäumen des Sommers, mit Sonnenschein satt und Temperaturen an die 30 Grad. In der vierten Woche dann aber der Absturz: 3 bis 12 Grad, bedeckt und Regen, stürmisch, überall Blätter. Es ist über Nacht Herbst geworden!


Lesen:

Terry Pratchett: The monstrous Regiment [Kindle]
Pollys Bruder ist verschwunden. Der etwas simple junge Mann ist dem Militär von Borogravia beigetreten, dann hat man nichts mehr von ihm gehört. Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, greift Polly zum letzten Mittel – einer Socke. Mit der in der Hose und einem Kurzhaarschnitt geht sie als Junge durch und mustert ebenfalls im Militär an. Schnell stellt sie fest, dass ihr Regiment als letztes Kanonenfutter in einem bereits endlos dauernden Krieg verheizt werden soll. Auf der einen Seite Borogravia, wegen dümmster religiöser Gründe, auf der anderen Seite Zlobenien, das sich zwar progressiv und weltoffen gibt, dem es aber nur um Landgewinn geht.

Tolles Buch über religiöse Intoleranz, Geschlechterrollen und Krieg. Als ich es bei Erscheinung vor 15 Jahren las, fand ich es einigermaßen doof. Zum einen ist der Kunstgriff, dass ALLE Mitglieder in Pollys Regiment am Ende Frauen sind, eine ziemliche Verrenkung, zum anderen geht der eigentliche Storystrang in Sockenepisoden ein wenig unter. Jetzt bin ich älter und kann mit den verhandelten Themen mehr anfangen.


Hören:

Nix.


Sehen:

Barry Seal [Heimkino]
USA in den 70ern: Barry Seal ist Linienpilot einer großen Fluggesellschaft. Er ist wenig zu Hause, das knappe Gehalt reicht kaum um die Hypothek für das Haus zu bezahlen, seine Frau ist frustriert. Das ändert sich, als ein CIA-Mitarbeiter Barry rekrutiert. Fortan bessert der seine Kasse mit dem Fertigen von Luftaufnahmen von Rebellencamps in Mittelamerika auf. Weil das gut klappt, setzt der Geheimdienst Barry bald für Waffenlieferungen an einen gewissen Major Noriega in Nicaragua ein. Und damit er nicht leer zurückfliegt, beginnt Barry irgendwann Koks für drei junge Geschäftsleute mitzunehmen, die später als das Medellin-Kartell in die Geschichte eingehen werden. Barry ist so erfolgreich, dass das CIA im einen eigenen Transportservice finanziert. Das Ergebnis: Bald weiß Barry nicht mehr, wohin er mit dem ganzen reinkommenden Geld eigentlich soll, er kauft praktisch einen ganzen Ort und geniesst das pralle Leben. Aber das Paradies währt nicht ewig – die Drogenfahndung ist Barry auf den Fersen, und die CIA agiert in Sachen Iran-Kontra zunehmend unfähig.

Was für ein spaßiger Film! Schon die Logos der Produktionsfirmen sind im 70er-Look gehalten, und die immer wieder eingestreuten Originalaufnahmen haben ein Flair von Doku bzw. Forrest Gump. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn „Barry Seal“ schmückt sich mit dem Satz „Nach einer wahren Begebenheit“. Bei dem muss man immer ganz genau hingucken, und wenn man das tut, dann wird man merken: Mit dem echten Barry Seal hat der Film nur den Namen gemein, nahezu alles andere ist hinzuimaginiert auf Basis von Vermutungen. Mit diesem Wissen ist der Film immer noch unterhaltsam, ein Großteil des Reizes aber verflogen. Natürlich muss man auch Tom Cruise ertragen können, der wie immer Tom Cruise spielt und sich durch den Film grinst. Dennoch ist er spannend anzuschauen, und viele Momente sind gleichzeitig plausibel UND lustig, auch wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Beispiel: Barry fliegt Rebellen aus Nicaragua zur Ausbildung in die USA. Kaum sind die in Amerika, desertieren sie in Massen. Das ist glaubwürdig, hat mich laut lachen lassen, und erst im nächsten Moment ist mir aufgefallen, dass das diskriminierend ist.

Problemkind [Theater im OP]
In einem Motelzimmer sitzen Denise und RJ und warten auf einen Anruf. Der Anruf soll Gewissheit bringen, ob die beiden ihr Baby wiederbekommen, das ihnen das Jugendamt nach einem Absturz in Kriminalität und Prostitution weggenommen hat. Die Chancen stehen nicht gut, die Sachbearbeiterin hat mehr als deutlich gemacht, dass sie das Paar für White Trash hält. Denise verzweifelt daran, immerhin hat sie sich nur prostituiert, um das Kind ernähren zu können. Als sie gar nicht mehr ein noch aus weiß, besorgt sie eine Waffe.

Schwerer Stoff. Sehr gut gespielt, aber nur schwer zu ertragen.


Spielen:


Spider Man [PS4]
Peter Parker, New York, Blabla.

Man muss es dem Spiel zugute halten, dass hier keine Origin-Geschichte erzählt wird. Hier wird, ähnlich wie bei den „Arkham“-Games um Batman, ein neues Universum aufgemacht, in dem bekannte Themen neu variiert werden. Der Spinnenbiss ist schon ein paar Jahre her, Peter Parker hat bereits eine gemeinsame Geschichte mit Schurken und gescheiterte Beziehungen mit MJ hinter sich. Das ist angenehm und fühlt sich unverbraucht an, genau wie ein Teil der Spielmechaniken: Das Herumschwingen zwischen Wolkenkratzern in New York ist toll und frisch und ich habe mich immer wieder gefragt, wie die Macher von Insomniac diese Mechanik so gut hinbekommen haben. Auch nach dem Dutzendsten Mal macht das noch Spaß, zumal die Lichtstimmungen im fotorealistischen Neew York toll gesetzt sind.

Nur so Mittel ist das Kampf- und Stealthsystem, was deutlich bei Arkham abgeschaut wurde, aber in Details nicht so gut ist. Insbesondere den Kampf muss man lernen: Spiderman ist schnell, aber er kann nicht viel einstecken. Die ersten Kämpfe sind hektisches Knöpschedrücke und unerwartete Tode, bis man den Rythmus und die Spielweise gelernt hat. Es gibt Bosskämpfe, die aber ziemlich unspektakulär sind. Bis auf den letzten, der völlig aus dem Takt geratener, Over-The-Top-Hektik „Oh man was mache ich hier eigentlich“-Müll ist.

Alle Mechaniken sind gut integriert in eine Story, die zwischen „ach komm, nerv nicht rum“ und „hu, spannend“ changiert. Spannend wird es immer, wenn die Hauptstory weiter eskaliert. Nervig wird es immer, wenn man als Peter Parker oder ohne Superkräfte unterwegs ist. Ich kann mir vorstellen, warum das gemacht wurde: Es ging um Pacing. Funktioniert aber nur so mittel, denn immer wenn die Story richtig rund läuft, steckt Insomniac wieder einen Stock zwischen die Speichen. Das der große Twist am Ende schon in den ersten Spielminuten durchtelegrafiert wird, trägt auch nicht zum Spannungsaufbau bei.

Gänzlich altbacken ist dagegen die Open World, die vollgerümpelt ist mit repetitiven Aufgaben. Man muss allen Ernstes Türme erklimmen, Fetchquests, Stealth und Brawl-Einlagen spielen. Die kommen zwar nicht alle auf einmal, sondern stufenweise, aber am Ende sieht die Karte schlimmer aus als die von Assassins Creed: Unity. Echt, es wirkt, als habe Insomniac das Open-World-Hnadbuch von Ubisoft aus dem Jahr 2010 kopiert. Erstaunlicherweise fühlte ich mich gar nicht so sehr im Hamsterrad, denn die Aufgaben sind zwar repetitiv und schwer, aber durch das gelungene Gameplay und die gute Integration auch sehr spaßig. Lediglich die Challenge-Aufgaben unter Zeitdruck sind Pain-in-the-Asse, und die muss man erledigen um an neue Ausrüstung dran zu kommen – und zwar nicht nur einmal, sondern man muss sie zig mal wiederholen – das ist dumm und ärgerlich. In der Summe reicht das aber für ein spaßiges Spiel, in dessen Welt man gerne nach Feierabend ein paar Stündchen eintaucht. Kein Meilenstein, aber ein sehr gutes – und schweres – Spiel.


Machen:

ZZR-Treffen


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Völliger Irrsinn

Völliger Irrsinn, gerade. Alles.
Auf Wochen von Stress und durchgearbeiteten Wochenenden folgt nun keine etwas ruhigere Phase, sondern es geht mit höherem Tempo und heftigerer Schlagzahl weiter. Ich glaube, ich hatte in den letzte 10 Jahren keine Phase, in der die Arbeit mein Leben so dominierte. Und die Aussicht ist: Es wird noch mehr werden.

Im Moment bestehen meine Tage aus Arbeit-Arbeit-Arbeit, nach Hause kommen, was essen, ins Bett legen, einschlafen.

Mehr läuft gerade nicht, für was anderes bleibt gerade kein Platz. Auch nicht für dieses Blog, das gerade etwas brach liegt. Ist halt manchmal so. Wird auch wieder anders.

Nespresso ist eine Erfindung aus der Hölle

Ab einer gewissen Größen und Struktur werden Unternehmen unmenschlich und damit evil. Nachweislich eines der evilsten Unternehmen der Welt ist der Nestlé-Konzern. Der arbeitet beständig daran den Planeten zu zerstören und das Leben für alle schlechter zu machen – einfach, um die Quartalszahlen zu erreichen.

Wir erinnern uns: Nestlé, das ist der Konzern, der u.a. Menschen in Afrika das Wasser wegnimmt und dann in Europa als Luxusgetränk verhökert. Kommentar des Konzernchefs dazu: Niemand habe einen Anspruch auf Wasser, das sei kein Grundrecht. Verantwortung trägt in einem Konzern mit 330.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niemand mehr, und anscheinend sind diese Strukturen ein Biotop für Soziopathen.

Selbiger Konzern hat das vermutlich böseste Produkt überhaupt im Lebensmittelbereich entwickelt: Nespresso. Wirklich, wenn es ein Produkt aus der Hölle gibt, dann sind es die Kaffeekapseln. Mit seinen Kapseln hat Nestlé es geschafft, Kaffee zum Designobjekt hochzujazzen. Die Kapseln werden in jeder mittleren Stadt in Nobelboutique-ähnlichen Geschäften angeboten, die aus jeder Pore das Imitat von Luxus verströmen. Menschen zahlen dort umgerechnet 60 Euro für ein Kilo Kaffee, der in Kapseln aus Aluminium verpackt ist.

ALUMINIUM! Ein Material, das so energieintensiv in der Herstellung ist wie kaum etwas anderes. Aluminium wird aus Bauxit gemacht, für dessen Abbau werden Regenwälder abgeholzt. Die Herstellung ist giftig, der Strom- und Wasserverbrauch gigantisch. Deutschlands kleinste Alu-Hütte verbraucht so viel Strom wie die Stadt Essen, und bekommt den auch noch subventioniert.

Was mich erstaunt hat: Das funktioniert. „Aber der Kaffee schmeckt gut“, sagt der Nespressomaschinenbesitzer und legt noch eine Kapsel nach. Ja, der Kaffee schmeckt, ohne Frage, aber er ist den Preis nicht wert. Deshalb kommt mir keine Nespressomaschine ins Haus oder in die Firma. Aber das ist Nestlé egal. Sie schmeißen mich trotzdem mit ihren Kapseln aus der Hölle zu. Das hier habe ich gerade aus dem Firmenbriefkasten gezogen:

Eine Probepackung von diesem Kapselmist. Die verschicken ihren Müll allen Ernstes ungefragt, mit dem Slogan „Wachstum beginnt mit dem richtigen Kaffee“. Leck mich anne Füße, Nestlé. Unsere Firma ist groß geworden durch verantwortungsvollen Einsatz von Ressourcen. Währenddessen haben wir an an fair gehandeltem Kaffee aus der Filtermaschine genippt. Und das wird sich auch nicht ändern.

Impressionen eines Wochenendes (21): Herbsttreffen des ZZR-Forums

Jedes Jahr im Juni treffen sich Fahrerinnen und Fahrer von ZZR 600s aus ganz Deutschland vor meiner Haustür, im Harz. Noch nie habe ich daran teilgenommen. Das hat zwei Gründe: Zum einen kann ich die allermeisten anderen Motorradfahrer nicht ausstehen, zum anderen hatte ich im Juni stets Urlaub und war deshalb zum Zeitpunkt des Treffens außer Landes.

In diesem Jahr gab es nun zusätzlich ein „kleines“ Herbsttreffen in Hohegeiß, im Gasthaus Silbertanne.

Da habe ich mich tatsächlich blicken lassen und war SEHR überrascht. Die Leute, die da waren, hatten allesamt keinen Nagel im Kopf. „Nagel im Kopf“ ist ein Synonym für „Leute, die angeben an wie tausend Flöhe, auf der letzten Rille durch die Landschaft rasen und generell Menschen, mit denen ich nichts zu tun haben möchte.“ Gab es hier aber nicht.

Nein, die kleine Truppe war echt voll in Ordnung. Auf Anhieb prima mit allen verstanden, und viel gelernt habe ich auch. Nicht nur über die ZZR. Was mich außerdem beeindruckt hat: Keine ZZR ist gleich, jede sieht anders aus und hat einen anderen Charakter.

Ich hatte auch Gelegenheit den „Caspar“ kennen zu lernen. Das ist quasi eine Legende, eine perfekt in blau abgestimmte und mit mit Airbrush verzierte ZZR, die man in ganz Deutschland kennt.

Kurios: Zur gemeinsamen Ausfahrt wollte der Tourguide auf einer Triumph Sprint ST 1050 unterwegs sein – und bei der drehte sich nach dem ersten Tankstopp das Hinterrad nicht mehr. Vermutlich gebrochenes Hinterradlager. Resultat: Heimreise per ADAC. Armer Kerl.

Trotzdem kam noch eine gemeinsame Ausfahrt zustande.

Bei der kleinen Tour habe ich gemerkt, wie sehr sich mein Fahrstil von dem des Guides unterscheidet. Er war sehr zügig unterwegs, schneller, als ich normalerweise fahren würde. Ich hatte aber keine Probleme dran zu bleiben. Ich war gefordert, aber nicht überfordert. Das hat Spaß gemacht, und ist für eine kurze Tour OK. Dauernd geht das aber nicht. Wenn man so schnell unterwegs ist, konzentriert man sich ausschließlich auf die Straße. Dadurch bekommt man von der Landschaft nur sehr wenig mit, und so ein Level an Konzentration hält man nicht den ganzen Tag. Das ist halt der Unterschied zwischen Spaß-Fahrt und Motorradreise.

Kennengelernt: Kalotta, DeWahat, MeBo_23, Roadrunner91, Mirkomotorrad, Leo77, Pinklady, Korn21, Maddin_HH, Quertreiber318, Mel, Rody0507 und Bratkartoffelsuppe. Letztere ist kein Nickname, aber sehr lecker.

Bei der Rückkehr nach Mumpfelhausen dann noch eine Überraschung. Das GANZE DORF war ein großer Flohmarkt, und was die Bewohnerinnen aus ihren Kellern geholt und nun im Vorgarten zum Verkauf anboten, war eine echte Schau. Tolle Dinge wurden ebenso angeboten wie ausgestopfte Wiesel und… Apfelkuchen! Das war interessant, bot es doch auch Gelgenheit, sich mal näher kennen zu lernen. Ist echt ein tolles Dorf hier.

Skurril auch der Mann, der einen Wetterhahn mit sich rumschleppte.

Manche Leute haben ja auch lustige Hobbies. Wie der Mann zwei Straßen weiter, der den ganzen Winter über Grillzangen bastelt. Eine nach der anderen, und dann weiß er am Ende nicht, was er damit machen soll. Jetzt hat er sie verkauft, und ich habe eine.

In der Summe: Tolles Septemberwochenende. Voll ausgenutzt. Jetzt kann die Oktoberliebe kommen.

Achtundachtzigtausendachthundertachtundachtzig. (Komma Acht).

Ich verpasse ja historische Kilometerstände normalerweise. Gerade noch gedacht „Ach guck, in 63 Kilometern haben wir die x0.000 voll“ und wusch, schon steht der Zähler auf x0.004 oder so. Aber dieses Mal nicht.

Yeah! Die Renaissance hat die 88.888 Kilometer voll!

Das ist für eine Maschine dieser Klasse durchaus beachtlich, damit ist sie eine der ZZR 600s in Deutschland mit den meisten Kilometern auf der Uhr. Der Kilometerstand markiert auch noch ein anderes Jubiläum. 2012 habe ich die Kiste mit 38tausendundeinKeks Kilometern übernommen, d.h. wir haben jetzt 50.000 Kilometer gemeinsam zurückgelegt, den Löwenanteil davon in nur 5 Jahren. Wenn das nicht ein Grund für einen Blogpost ist!

Momentaufnahme: August 2018

Herr Silencer im August 2018

Von Hochsommer auf Herbst in zwei Tagen? Ist das überhaupt erlaubt?

Wetter: Der Monatsanfang ist heiß, selbst um Mitternacht sind es noch um die 30 Grad. In der zweiten Woche sinken die Temperaturen zumindest nachts auf ein erträgliches Maß, aber tagsüber brüllt die Sonne und die Dürre geht weiter. In der dritten Woche kommt leichter Regen, und die Temperaturen sinken tagsüber auf irnswat um die 20 Grad, bei bedecktem Himmel. Am letzten Augustwochenende hat der Sommer keine Lust mehr. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen, und bei 15 Grad und bedecktem Himmel kommt eine Ahnung von Herbst auf.


Lesen:

Terry Pratchett: Thief of Time [Kindle]
Die kleinste, denkbare Zeiteinheit ist der Moment zwischen Zukunft und Vergangenheit, das „Jetzt“. Dieses Jetzt wird permanent zerstört und neu geschaffen. Würde nun jemand eine Uhr bauen, die diese kleinste Zeiteinheit erfassen kann, würde die Zeit selbst in dieser Uhr gefangen. Das wissen die Geschichtsmönche. Die heißen so, weil sie die Geschichte der Welt wieder zusammengeflickt haben, nachdem die Zeit durch eine solche Uhr schon einmal in tausend Stücke zersprungen ist. Nun baut irgendwo jemand eine neue Uhr, was sowohl die Mönche als auch Miss Susan, die Enkeltochter von Tod, verhindern wollen. Leider kommen sie alle zu spät, was die Reiter der Apokalypse dazu zwingt auszureiten. Alle 5. Inklusive dem, der zu früh ausgestiegen ist.

„Thief of Time“ ist 2002 erschienen. Das 26. Buch der Scheibenweltreihe gehört zu denen aus Pratchetts bester Schaffensphase. Hier findet sich kein Slapstik oder Billigwitze wie in den frühen Werken, aber auch noch keine mäandernde Unkonzentriertheit wie in den späteren Büchern. Nein, der „Zeitdieb“ ist eine faszinierende und spannende Geschichte, die auf jeder zweiten Seite mit einer fantastischen Idee oder einer menschlichen Erkenntnis aufwartet. Charakterisierungen gelingen hier mit wenigen Sätzen, die Motivationen nachvollziehbar und das Bild der Zeit als Frau, die durch eine endlose Abfolge von gläsernen Zimmern schreitet, die hinter ihr zersplittern, ein wunderschönes.


Hören:

Nix.


Sehen:

Rick & Morty [Netflix]
Man stelle sich vor, Doc Brown wäre ein misantrophischer Alkoholiker und würde in die Garage von Marty McFly einziehen und dort am laufenden Meter verrückte Dinge erfinden. Damit gehen die beiden dann auf Abenteuerreise. Das ist ungefähr die Ausgangslage von „Rick & Morty“: „Doc & Marty“ auf Drogen.

Völlig absurd, definitiv für erwachsene und ein Riesenspaß.

Mission Impossible: Fallout [Kino]
Tom Cruise macht sein Tom Cruise-Ding inkl. viel Rumrennerei.

Tom Cruise-Filme sind Tom-Cruise-Vehikel. Basta. Macht der Typ irgendwo mit, stellt er sich in den Mittelpunkt und kontrolliert jeden Aspekt der Produktion. Das funktioniert mal besser („Live. Die. Repeat.“) und mal gar nicht („The Mummy“). Bei den „Mission Impossible“-Filmen funktioniert es seit Teil 3 hervorragend. Das sind Actionfilme der alten Schule, die mit unglaublichen Actionpieces aufwarten, die Cruise auch noch fast alle selbst macht. Rumklettern am höchsten Gebäude der Welt, Halo-Sprünge – alles kein Problem für einen „Operierenden Titan der Stufe 7“, wie der Rang lautet, den Cruise bei Scientology bekleidet. „Fall Out“ ist nun der beste der bisherigen „Mission“-Filme. Spannenden und komplizierte Story, gute Charaktere, irre Action. Das Pacing ist gelungen, auch wenn der Film in der Summe 30 Minuten zu lang ist. Macht aber nix, kann man sich trotzdem angucken.

Ant-Man and the Wasp [Kino]
Scott Lang durfte vor drei Jahren für kurze Zeit den Anzug des „Ant-Man“ tragen, der es seinem Träger erlaubt sehr klein oder sehr groß zu sein. Dann stand er in „Civil War“ auf der Verliererseite und steht nun dafür unter Hausarrest. Aber in drei Tagen ist die Bewährungsstrafe rum, dann kann er wieder vor die Tür und mit seiner kleinen Tochter Eis essen. Klar, dass es in diesen drei Tagen zu Komplikationen kommt.

Mal wieder ein „kleiner“ Marvel Film, der sich nicht um die Rettung des Universums oder Magie dreht, sondern um die Probleme einiger weniger Menschen. Scott möchte seine Strafe absitzen, Sidekick Louis möchte eine Sicherheitsfirma gründen, Kirk Douglas möchte seine Frau retten, Laurence Fishburn möchte helfen. Das alles ist nachvollziehbar, gut erzählt und dabei witzig gemacht. In der Summe ein guter Marvel-Film, ABER: Im Kino muss man den nicht gucken. Warum? WEIL JEDE, wirklich ausnahmslos JEDE COOLE ODER WITZIGE ACTIONSZENE IN DEN TRAILERN VORKAM. Echt, wer zwei Trailer von Ant-Man gesehen hat, der hat alle WTF-Staun-Momente gesehen. Der Rest ist immer noch witzig, aber das Kinoticket nicht mehr wert.

Anchorman 1 & 2 [Netflix]
San Diego in den 70ern – Ron Burgundy ist Chauvi, Polyesteranzugträger und Anchorman eines TV-Senders. In Teil 1 wird er damit konfrontiert, dass auch Frauen in Fernsehen kommen, in Teil 2 mit schwarzen Frauen.

Ich musste das jetzt mal gucken, allein schon, weil die beiden Filme popkulturell so oft referenziert werden (man denke an das „That escalated quickly“-Meme). Tatsächlich sind die Filme haarsträubender Nonsense, fast in Monty Python-Tradition. Wenn verfeindete Newsteam mit Keulen und Äxten aufeinander losgehen, Burgundy einen Aussetzer bekommt, weil sein neuer Chef eine farbige Frau ist oder eine ganze Sequenz in völliger Schwerelosigkeite´abläuft, weil ein Wohnmobil sich überschlägt – dann ist das so überzogender Schwachsinn, dass man den kaum noch vergessen kann. Dazu noch Christina „Dumpfbacke“ Applegate und eine umwerfende Linda Jackson, die Machos zeigt, wo die Glocken hängen – macht in Summe sehr viel Spaß.

Alibi [Theater im OP]
Mordgeschichte nach Agatha Christie. Auf einem Landsitz kommt ein Lord ums Leben. Gut, das ins Nachbarhaus gerade Hercule Poirot eingezogen ist! Der rüstige Rentner wollte eigentlich nicht mehr ermitteln und sich der Kürbiszucht widmen, kann es dann aber doch nicht lassen, den gewachsten Schnurrbart in den Kriminalfall zu stecken.

Schön gespielt und stellenweise überraschend. Am meisten überrascht hat mich, wie düster der Stoff ist. Ausnahmslos jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Ich-Erzähler der Geschichte entpuppt sich am Ende als Lügner, der über seine Erzählung an das Publikum ein Alibi bauen wollte. Clever!


Spielen:

Gears of War [XBOX One]
In der Zukunft. Insekten wollen den Planeten von Innen heraus erobern, schwer bewaffnete Hightech-Soldaten, die „Gears“, haben was dagegen.

Deckungsshooter mit knackigem Gameplay und guten Mechaniken. Anspruchsvoll, aber ohne taktische Tiefe.

GTA IV [XBOX One]
Niko Bellic hat im Serbienkrieg unvorstellbare Dinge gesehen und getan. Nun kommt er nach New York, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Leider ist in den USA alles genauso wie daheim: Leute mit Geld haben das sagen, alle anderen müssen springen. Langsam arbeitet sich Niko durch die Hierarchie verschiedener, osteuropäischer Gangstersyndikate.

Fast 10 Jahre ist es her, das ich zuletzt in New York, pardon, „Liberty City“ unterwegs war. Eigentlich hatte ich versucht „Red Dead Redemption“ nochmal zu spielen, aber das war mir nach kurzer Zeit zu langweilig. GTA IV hingegen ist das beste, weil am dichtesten geschriebene, Spiel das Rockstar je gemacht hat. Nikos Story ist dicht erzählt, alles passt zusammen, und dazu diese Stadt: Ein glaubhaft simuliertes New York im Herbst, so schön, das man auch einfach so gerne mal spazieren geht. Die XBOX-One-Version löst lediglich höher auf, was die Texturen leider vermatscht. Und: Jetzt, nach 10 Jahren, laufen Lizenzen für die Musikstücke der Radiosender im Spiel aus. Rockstar patcht die darum Stück für Stück raus. Wer also das Game bei sich installiert hat: KEIN Update machen, dadurch wird Content entfernt!


Machen:

Vorbereitung: Tagung, Projekte, Werkstatt, Urlaub.


Neues Spielzeug:
Ein Nolan N100-5 Classic in Platinsilber mit einem N-Com 901 RL. Nolans neuer Flagship-Helm. Leider alles nicht toll, ausführliches Review dazu demnächst.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008