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Impressionen eines Wochenendes (16): Barbarossahöhle

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Ich schlafe nicht gut in letzter Zeit. Ich habe die Arbeit im Kopf. Egal wie spät ich ins Bett gehe, jede Nacht schrecke ich um 5:30 Uhr aus einem Traum mit arbeitsbezogenem Inhalt hoch und kann dann nicht wieder einschlafen.

Um den Kopf frei zu bekommen habe ich mich heute Morgen auf´s Motorrad geschwungen. Noch bevor die ganzen Freizeitbiker mitbekommen hatten wie schön das Wetter heute ist, zischte die Renaissance schon über die Landstraßen von Nordthüringen. Mit 13 Grad war es nicht warm, aber der Tag würde hochsommerlich werden – 25 Grad und mehr, bei strahlendem Sonnenschein.

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In den Tälern stand noch der Frühnebel, und die Bergrücken sahen aus wie Schiffe, die über ein Meer fahren.

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Verfasst von - 25. September 2016 in Motorrad, Reisen

 

Reserviert

Hannover. Bahnhof. Ich falle in einen Sitz im Großraumwagen des Intercitys. Hinter mir piepen die Türen und schließen sich, dann fährt der Zug an. Ich hole das Buch raus und stecke die Nase rein. Aus dem Ohrenwinkel höre ich, wie sich zwei junge Frauen nähern. „Guck mal da… Das passt doch, oder? Hannover Göttingen und ah, da ab Göttingen… der müsste doch“ „Komm, wir fragen mal“.

Die tuscheln über meinen Platz, fällt mir auf. Und tatsächlich spricht mich die mutigere der beiden an. „Entschuldigen Sie?“ Ich blicke auf. Junge Frau ist fast schon zu hoch gegriffen, sie ist eher noch ein Mädchen. Ein vielleicht 18jähriges Blondie mit einer dieser gigantischen Nerdbrillen, im Schlepptau einen Rollkoffer, der doppelt so groß ist wie sie.

„Ja?“, sage ich. „Die Plätze hier sind reserviert“, sagt Blondie. Ich sehe sie fragend an. Was will die von mir? Der Platz auf dem ich sitze ist erst ab dem nächsten Halt reserviert. Sie merkt meine Begriffsstutzigkeit und hilft mir auf die Sprünge „Also, der neben ihnen ist ja reserviert für Leute, die von Hannover nach Frankfurt fahren. Und ich fahre von Hannover nach Frankfurt, also darf ich mich da hinsetzen. Und ihr Platz, der ist ja für Leute, die von Göttingen nach Frankfurt fahren. Wir sind ja noch nicht in Göttingen, deshalb müsste der ja jetzt leer sein, und deshalb könnte da jetzt meine Freundin sitzen.“

Ich muss an mich halten, um nicht vor Lachen rauszuplatzen. Nie hätte ich gedacht, dass jemand das Reservierungssystem so krass missverstehen kann. Die Logik weltfremder Teenagerinnen. Zum Brüllen komisch.

 
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Verfasst von - 24. September 2016 in Ganz Kurz

 

Das ist nur ihre Meinung!

Die Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es Informationen zu sammeln über:

  • Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder
  • gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder
  • durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen auswärtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder
  • gegen den Gedanken der Völkerverständigung (Art. 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind.

Kann man dann davon ausgehen, dass die CSU vom Verfassungsschutz beobachtet wird? Die Seehofersche Kasperltruppe fällt aktuell mal wieder besonders unangenehm auf. Die von ihr vehement geforderte Obergrenze für Flüchtlinge verstösst genauso gegen das Grundgesetz wie der „Vorrang für Zuwanderer aus unserem christlich-abendländischen Kulturkreis“. Zu letzterem sagt das Grundgesetzt nämlich was eindeutiges: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Und was sagt die CSU dazu? Die pulled einen Didi und sagt: „Das ist nur ihre Meinung.“

 

Nein, ehrlich! Hier, im Interview mit der ARD stellt sich Andreas Scheuer, der Generalsekretär, hin und sagt exakt das:

Moderatorin: „Also es steht die Obergrenze natürlich automatisch wieder drin, klar, obwohl das Grundgesetz sagt, wer politisch verfolgt ist, genießt Asyl. Da ist keine Rede von einer Obergrenze.“

Scheuer: „Das ist Ihre Meinung.“

Moderatorin: „Nee, das ist das Grundgesetz.“

Scheuer: „Nee, das ist Ihre Meinung.“

 

Nun muss Scheuer anscheinend die alte Frisur von Guttenberg auftragen, und unter der kann es schon mal heiß werden, aber wie notieren mal: Die bayerischen Gurkenköpfe halten UNSER GRUNDGESETZ FÜR EINE UNVERBINDLICHE EMPFEHLUNG, DIE MAN EINFACH IGNORIEREN KANN.

Wenn das keine zersetzenden Bestrebungen gegen unsere Grundordnung ist, dann weiß ich auch nicht. Verfassungsschutz, übernehmen Sie!

Und abseits davon: Wie dumm kann man denn bitte noch sein? Anscheinend ist die Seehofer-Skala nach oben hin offen, wenn die CSU allen Ernstes mit Slogans in den Wahlkampf zieht, die genau so auch von der AFD kommen könnten. 

Dabei zeigt uns die Geschichte, vor allem die jüngste in Österreich, doch klar eins: Wenn die Wähler merken, dass die Mainstream-Parteien den Rechten hinterherlaufen oder deren Ziele umsetzen, dann wählen sie beim nächsten mal gleich rechts. Von daher: Wenn es im Land nach rechts ruckt, dann dürfen wir uns dafür auch bei diesen Weißwurschtkaspern bedanken.

 
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Verfasst von - 16. September 2016 in Meinung, Rant

 

Doof, vong Hirn her

Die Sparkasse macht gerade das mit den Fähnchen: Weil für eine konzertierte und seriöse Internetkampagne kein Geld ausgegeben wird, darf bei denen jetzt irgendwie jeder mal ran.

Die Berliner Sparkasse hat anscheinenend einen Hipster aus dem Café gezerrt und geschüttelt, und aus dem Man-Bun ist dann rausgefallen:

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Nun wird mir 2016 sowieso als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Menschheit einen riesiegen Schritt in Richtung Idiocracy gemacht hat. Gefühle sind wichtiger als Fakten, der kleinste und dümmste gemeinsame Nenner wird zum Ideal erhoben, auf Doof sein ist man stolz und Intelligenz wird verachtet. Die Sparkasse tut alles dafür, um das voran zu treiben:

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Nun ist aber nicht nur die Hauptstadt doof und kaputt, auch vor Ort ist es nicht besser. Der Webauftritt der hiesigen Sparkasse wurde von Fleischereifachverkäufergehilfe Kevin (16) nach Feierabend erstellt. Kevin (voll Held vong Skillz her) hat die komplett auf seinem Android Handy mit songer App gemacht und auf anderen Geräten nie getestet, weil: „Mobile First“ . Mit dem Ergebnis, das auf einem normalen Dekstopmonitor alles so riesig, pixelig und in ausklappbaren Untermenüs versteckt ist, dass man es nicht mehr bedienen kann.

Und weil Kevin (7,50 Lohn vong Stunde, die volle Gönnung) so teuer war, blieb auch kein Geld für passende Stockfotos mehr. Aber kein Problem, der Kevin kann ja Photoshop. Also fast. Eigentlich kann er nur Paint, aber das reicht ja, um dem Model eine Brille ins Gesicht zu kleben, damit der Werbespruch auch passt. Sieht doch voll echt aus, oder? Oder? Beurteilen Sie selbst:

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Verfasst von - 9. September 2016 in Rant

 

Reisetagebuch Shorties (2): Sofisia will kein Eis

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Februar 2016, London
Ich sitze im Gielgud Theatre im West End und rechne fieberhaft. Warum? Weil mir im Theater oft komische Sachen passieren. In „How to become a Parisien in one hour“ in Paris musste ich auf die Bühne, in „Book of Mormon“ wäre ich fast rausgeflogen, und heute ist schon wieder etwas merkwürdiges passiert.

Das Stück „The curious incident with the dog at the night time“ handelt von einem autistischen Jungen mit einem Faible für Primzahlen. Zufällig hat mein Sessel eine Primzahl als Platznummer, und deshalb war daran ein Briefumschlag befestigt. 

Ich sollte doch bitte meinen Namen in Zahlen umrechnen und die addieren. Käme dabei eine Primzahl raus, hätte ich was gewonnen. Und deshalb sitze ich nun in der Pause des Stücks hier und rechne hier im Kopf Buchstaben in Zahlen um, während die anderen Besucher ins Foyer gehen um sich einen Drink zu gönnen oder was man halt sonst so macht.

Mein Platz ist direkt an der Balustrade des „Dress Circles“, des ersten Balkons. Solche Plätze mag ich, da kann sich nämlich kein großer Mensch davorsetzen.


Hinter mir sitzt ein junges Paar. ER hat offensichtlich keine Ahnung wo er hier gelandet ist, aber SIE hat anscheinend das Buch gelesen und kann ihm deshalb die Lücken erklären, die das Theaterstück lässt. Dafür hat sie meinen vollen Respekt, die Handlung ist nicht einfach. Außerdem hat sie eine angenehme Stimme und ein kehliges, sehr sympathisches Lachen. Als ER sich zum Austreten und Drink holen verabschiedet, beschließe ich, mir das kehlige Lachen mal anzusehen.

Ich drehe mich um und tue so, als ob ich das Rund des Theaters mustere. SIE sitzt genau im Sessel hinter mir, hat lange, schwarze Haare und schaut gerade auf ein Smartphone. Sie ist nicht groß, scheint aber zu mindestens 50 Prozent aus Beinen zu bestehen. Der Eindruck wird durch die hochhackigen Stiefel und die schwarze Lederleggings noch betont. Sie kann sich Leggings tatsächlich leisten, sie ist durchtrainiert und fit, das sieht man sogar durch das weite, ebenfalls schwarze Jacket, das sie trägt.

Jetzt hebt sie kurz den Kopf. Innerlich fällt mir fast die Kinnlade runter. Das kann doch nicht sein? Oder doch??

Vor 6 Wochen habe ich den Film „Kingsman“ geschaut. Das ist quasi ein moderner Bondfilm, hätte man nicht zwischendurch Bond in ein weinerliches Weichei rebootet. Eine der beeindruckendsten Figuren ist Gazelle, die Bodyguard des Bösewichts. Eine beinamputierte Frau, die statt auf Unterschenkeln auf Klingen läuft und Gegner mit eleganten Tritten um die Ecke bringt.

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Bildrechte: Twentieth Century Fox

Gespielt wird Gazelle von Sofia Boutella, einer armenisch-französischen Tänzerin. Sie ist keine klassische Schönheit, sondern sieht ein wenig seltsam aus und ein bißchen exotisch. Und: Sie ist keine klassische Schauspielerin, sondern eine Sportlerin und Selfmade-Frau. Hat sich aus den verschwitzten Tanzhallen von Paris hochgearbeitet. Ihre harte Arbeit wurde irgendwann von Nike entdeckt. Der Sportartikelriese drehte einen Spot mir ihr, der sie 2007 schlagartig berühmt machte.

Boutella wurde Backgroundtänzerin von Stars wie Madonna und Rihanna, und nun ist sie beim Film gelandet. Vor „Kingsman“ hat Sofia Boutella nur einen Film gedreht, und der ist noch schlechter als sein Cover es vermuten lässt.


Bildrechte: Sony Entertainment

Der einzige Lichtblick in dem kruden Machwerk ist Boutella, ansonsten darf man echt keinem erzählen das Ding geguckt zu haben. Ich bin also gerade in einer Phase akuten Boutella-Interesses, und die Frau, die hier im Theater hinter mir sitzt, sieht der Tänzerin ein wenig ähnlich…

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Bildrechte beim Rechteinhaber, Urheber unbekannt.

Ich gucke nochmal hin. Nee, das ist sie nicht. Die Frau hier sieht ganz anders aus. Oder liegt das jetzt an dem Schummerlicht und den wirren Haaren? Ich gucke wieder weg. Das KANN sie nicht sein, immerhin lebt Sofia Boutella in Kalifornien. Soll ich sie ansprechen? Habe ich eigentlich keine Lust drauf, aber wenn ich es nicht tue, dann werde ich ewig rätseln.

Ich stehe auf und beuge mich über den roten Plüschsessel zu der Frau in Schwarz hinüber. „Entschuldigen Sie, sie sind nicht zufällig Sofia Boutella? Ah, dachte ich mir. Sorry, dass ich gefragt habe, sie sehen nur so ähnlich…“ Und dann macht das Hirn eine erneute Auswertung von dem, was die Ohren gerade aufgenommen haben, und kommt zu dem Schluss, dass die leise Antwort der Frau auch ein „I am“ hätte sein können. „Wait… you ARE?“ Sie nickt.

He, unfassbar – da finde ich nach langer Zeit mal wieder eine Schauspielerin, die ich ECHT interessant finde, und dann treffe ich die auch noch im echten Leben! Wie wahrscheinlich ist DAS denn?

Boutella sieht mich an. Sie guckt fast ein wenig erschrocken und wartet, was ich als nächstes tue. Sie ist privat und mit ihrem Freund hier, und ich finde, dass auch Promis ein Recht auf Privatsphäre haben. Zumal sie außer mir auch niemand erkannt hat. Jetzt ein Foto von ihr zu machen, das wäre mir unangenehm. Ich bin auch nicht der Typ, der Selfies mit Promis haben muss. Sie soll ihre Ruhe haben und den Abend genießen. Aber ich würde schon gerne los werden, dass ich ihre Arbeit schätze.

„I REALLY love your work“, sage ich leise. „Wissen Sie, ich würde mir normalerweise keinen Tanzfilm angucken, aber NUR WEGEN IHNEN habe ich sogar „Street Dance“ angeguckt. Ich wünsche Ihnen noch weiterhin ganz viel Erfolg und tolle Rollen!“ Boutella guckt immer noch unbewegt, dann macht sich plötzlich ein herzliches Lächeln in ihrem Gesicht breit. Sie beugt sich nach vorne, greift blitzschnell meine Hand und schüttelt sie unversehens. Sie hat einen kräftigen und warmen Händedruck. Ich bin ganz perplex, so eine spontane Geste habe ich nicht erwartet.  „Thank you“, sagt sie. Ein Hägen-Dazs-Verkäufer drängelt sich eine Reihe weiter oben durch die Sitze. „Darf ich Sie vielleicht auf ein Eis einladen?“, frage ich. Sie lacht und schüttelt den Kopf, und in diesem Moment kommt ihr Freund mit Drinks zurück.

Ich nehme wieder Platz und muss grinsen. Ich habe gerade Sofia Boutella auf ein Eis eingeladen. Das glaubt mir doch wieder keiner.

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@Sofisia ist Sofia Boutellas Name bei Twitter.

„Kingsman“ war der Turbo für ihre Filmkarriere. Im aktuellen Star Trek spielt Sofia Boutella die Außerirdische Jaylah („Ich wähle schreien und wummern“, wissen schon), aktuell steht sie in der Hautprolle für das Remake von „Die Mumie“ vor der Kamera.

Alle Bilder: Rechte bei den jeweiligen Rechteinhabern

 
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Verfasst von - 4. September 2016 in Reisen

 

Momentaufnahme: August 2016

Herr Silencer im August 2016
DumdiDum.

Wetter: Total pervers: Nachts einstellige Temperaturen von bis 7 Grad, tagsüber dann fast 25 Grad. Dabei aber fast den ganzen Monat trocken. In der vorletzten Woche dreht der Hochsommer auf und liefert tagsüber 35 Grad, nach Starkregen geht es dann mit 12/28 Grad weiter.

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Lesen:

Ernest Cline: Ready Player One
Die Zukunft. Alle Menschen hängen an einem 3D-Facebook, dessen Schöpfer irgendwo einen Schatz versteckt hat. Den findet nur, wer alle möglichen 80er-Jahre-Eastereggs versteht.

Von Kritik und Leserschaft für seine Hommage an die 80er gefeiert, erweist sich „RP1“ schnell als one-Trick-Pony, denn mehr als 80er Jahre Nostalgie bleibt kaum. Für die Vorstellung des Grundsettings, einer Schnitzeljagd in der virtuellen Welt OASIS, wird fast 1/5 des Buchumfangs als Exposition verschwendet. Danach schleppt sich die Handlung dahin und verstrickt sich immer wieder in ausschweifender Prosa. Wieviel besser (und kürzer) das Buch mit der harten, kurzen und präzisen Sprache eines William Gibson gewesen wäre, lässt sich nur erahnen. Bin erst zur Hälfte durch, bislang ist es liest es sich aber zäh und ist für meinen Geschmack zu sehr verhaftet in der 8-Bit-Heimcomputerära der 80er. Deren willkürliche Referenzen nerven.

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Hören:

Tarja: The brightest Void und The Shadow Self [iTunes]
Erst jahrelang kein neues Studioalbum, und nun gleich zwei in kurzer Folge? Fast. „The shadow Self“ ist wirklich ein neues Album mit ausgesuchten Songs und Texten. Roher und wieder stimmgewaltiger als die überproduzierten Vorgänger und dadurch das beste Tarja-Album seit Langem.

„The brightest Void“ hingegen ist Tarjas Resterampe. Alles, was nicht gut genug für „Shadow Self“ war und eigentlich weggeschmissen gehört, hat man in ein eigenes Album gepackt. Das ist seinen Preis nicht wert. Hier wird versucht, die Reste vom Boden des Schneideraums zu verhökern, und so hört sich der seichte Mischmasch auch an.

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Sehen:

Dexter, S.7 & 8 [Netflix]
Dexter Morgan ist ein sozial gut funktionierender Psychopath und Serienkiller. Er bringt nur andere Serienkiller um, und davon gibt es in Miami viele. Als er sich in eine Giftmischerin verliebt und seine Vorgesetzte hinter seine Machenschaften kommt, wird nicht nur Dexters Verhältnis zu seiner Schwester auf eine harte Probe gestellt.

Eigentlich hatte ich angenommen das „Dexter“ zu lange lief. Dem ist aber nicht so, in den letzten beiden Staffeln wird nochmal ordentlich auf- und am Rad gedreht. Mit hervorragenden Charakteren wie dem George-Clooney-Lookalike Isaak oder Charlotte Rampling als Dexters „Schhöpferin“. Eingige Wendungen sind total überdreht, mangelnde Spannung kann man der Serie aber nicht vorwerfen. Umso seltsamer ist es, auf was für einer bittersüßen und wenig dramatischen Note sie endet. Als wäre den Machern am Ende der Mut ausgegangen.


Ghostbusters
[Kino]
Weibliche Ghostbusters, doofe Männer. Muss man nicht gut finden, kann man aber – und dabei lachen. Der Film ist viel besser als ihn viele gemacht haben. Besprechung siehe hier.

Batman V. Superman [X]
Aus nicht nachvollziehbaren Gründen will Batman dem Dings ans Leder. Die Auseinandersetzung dauert 8 Minuten, der Film drei Stunden, kann man sich ausrechnen wie gut das funktioniert.

Ich hatte Batman V. Superman nach den ersten Reviews boykottiert. Meine Verweigerung an der Kinokasse sollte Warner Bros. signalisieren: So nicht! Nehmt dem Eulenfilmman bitte das DC-Universum weg! Zack Snyder ist der Anti-Midas!

Scheint leider nicht gefruchtet zu haben, er darf auch die „Justice League“ gegen den Baum fahren. Das Grundproblem aller Snyderfilme, das ich seit Jahren anprangere: Er denkt nur in Momenten. Dagegen interessieren ihn Szenen, Story oder Charaktere überhaupt nicht. Für Snyder ist nur wichtig, dass ein Moment in dramatischen Bildern dargestellt wird. Dabei kommt dann sowas raus wie ein schießener und tötender Batman, saudumme Hauptfiguren (ich sage nur: Martha) und in der Summe einfach strunzdumme Filme, die überhaupt keinen Spass machen. Watchman, der Eulenfilm, Man of Steel, nun Batman v. Superman, demnächst die Justice League – alles, was Snyder anfasst, wird zu Scheiße.


Suicide Squad
[Kino]
Noch ein Trottelfilm aus dem Warner Bros-Irrenhaus, bei dem Der Eulenfilmmann mitgeredet hat. Nicht ganz so eine Katastrophe wie BvS, aber dennoch bitte weiträumig umfahren. Besprechung hier.

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Spielen:

Dragon Age: Origins [XBOX 360]
Das Land Ferelden: Die Grey Wardens, eine kleine Bruderschaft von Kämpfern, verteidigt die Welt gegen fiese Ekelviecher aus anderen Dimensionen. Dann werden sie verraten, und nur der Spieler bleibt übrig, um eine neue Allianz der zerstrittenen Völker zu schmieden, den Ruf der Grey Warden wieder herzustellen und die Welt vor den Drachen zu retten.

DA:O lag hier schon Ewigkeiten auf dem Pile of Shame. Im Fahrwasser des großartigen „Witcher 3“ habe ich mich nun an das als episch geltende Dragon Age gewagt und bin damit knap zur Hälfte durch. Leider merkt man „Origins“ sein Alter deutlich an. Beim Erscheinen vor 7 Jahren war das Spiel wohl bombig, mittlerweile sind die Grafik total veraltet, die Bedienung ist fummelig und unintuitiv, das Inventar geht heutzutage problemlos als Frechheit durch und die Userexperience ist inkonsistent. Als Spieler wird man von Optionen erschlagen, dabei bleibt vollkommen unklar, was eigentlich relevant ist. Muss mein Zauberer Dinge craften können? Benötigt der Kämpfer wirklich Taktiken, oder reicht Zweihandkampf? Wozu dient Herbalism, wenn es doch nie eingesetzt wird?

Nicht gealtert ist der tolle (englische) Voicecast und die fein ausgearbeitete Geschichte, von der leider immer wieder durch die tumben Nebenquests abgelenkt wird. Auch der Schwierigkeitsgrad ist extrem unbalanciert, immer wieder musste ich auf „leicht“ zurückschalten, weil manche der nicht-umgehbaren Kämpfe einfach zu schwer waren.

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Machen:
Motorrad-Perfektionstraining in Gründau. Affenwald besuchen. Seit langer Zeit mal wieder im Kino gewesen, und das gleich zwei Mal.

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Neues Spielzeug:
Einen Sumo und einen Bilderrahmen

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. August 2016 in Momentaufnahme

 

Brotkäfer

Es begann im vergangenen Oktober. Plötzlich war mein Arbeitszimmer voller kleiner, brauner Punkte, die sich bewegten. Winzigkleine Käfer, vielleicht ein bis zwei Millimeter groß und fast kugelrund.

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Sie krabbelten über die Wände, auf dem Fußboden, und im Schein der Schreibtischlampe rotteten sie sich zu Klumpen zusammen. Es war widerlich, überall bewegte sich was.

Eine kurze Internetsuche identifizierte die Invasoren als Brotkäfer. Sind mancherorts recht verbreitet und eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Was mich aber irritierte: Das sind Fressschädlinge, die normalerweise dort vorkommen, wo Lebensmittel gelagert werden. In meinem Arbeitszimmer gibt es aber keine Lebensmittel, da gibt es nur große Regale voller Bücher und Filme. Wovon ernährten sich die Brotkäfer also? Und woher kamen sie?

Zunächst kontrollierte ich alle alten Bücher, die in Leinen und Leder gebunden sind oder eine alte Leimung haben. Nichts. Dann untersuchte ich die Pflanzen im Raum und stellte die Theorie auf, dass die auf dem Balkon mit Käfern infiziert worden waren und beim Einwintern des Grünzeugs die Viecher mit ins Haus gezogen waren. Also entsorgte ich die Pflanzen. Die Brotkäfer blieben.

Als letztes hatte ich den Apfelbaum vor dem Haus im verdacht. Der hatte reichlich getragen, Fallobstreste gammelten noch auf der Wiese rum. Vielleicht ernährten sich die Brotkäfer dort und kamen dann durch Spalten im Fensterrahmen ins Haus.

Dann fuhr ich zwei Wochen weg, und als ich zurückkam, lagen tausende von Brotkäfern tot auf dem Boden. Das große Krabbeln hatte ein Ende gefunden. Dachte ich.

Im Mai, fast genau 200 Tage später, ging es wieder los, was dem Brutzyklus der Käfer entspricht. Die erneute Invasion war nicht so schlimm wie die erste, nur ein paar hundert Käfer wuselten über die Wände. Trotzdem Bäh, und ihre Herkunft und Nahrungsquelle blieben ein Rätsel. Bis gestern.

Gestern wühlte ich auf der Suche nach was ganz anderem eine Archivkiste mit Urlaubserinnerungen durch. Zwischen Stapeln von Fotos, alten Quittungen und Landkarten steckte ein kleines Lebkuchenherz, dass das Wiesel mal aus München mitgebracht hatte. Als ich das Herzchen sah, war mir klar: DAS musste Brotkäfer-City gewesen sein!

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Der Lebkuchen war quasi von oben bis unten durchlöchert. Nach der Entsorgung juckten übrigens die Hände wie irre. Entweder die Freßüberreste oder der Kot der Käfer scheint sehr reizend zu sein.

Zusammen mit einigen anderen Infos ergibt das ganze nun einen Sinn: Die Käfer waren zu mir im Inneren eines Gast-Stofftieres gekommen. Das hatte eine Dinkelfüllung und verlor weißes Puder, was ich damals schon seltsam fand. Das muss Dinkelmehl gewesen sein, das die Brotkäfer im Inneren erzeugten. Das Gaststofftier lag kurz in der Archivbox, dort gründeten die Brotkäfer dann eine Kolonie im Lebkuchenherz und starteten ihre Invasionen.

Damit ist das Geheimnis der Brotkäfer gelöst, und ich hoffe sehr, dass ich von weiteren Attaken veschont bleibe. Faszinierend ist es aber schon, wie sich solche Viecher immer wieder neue Wege und Behausungen suchen.

 
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Verfasst von - 30. August 2016 in Ganz Kurz

 

Impressionen eines Wochenendes (15): Affenwald

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Spätsommer in Thüringen: Die Felder sind abgeerntet, die Bäume hängen voller Lemuren.
Wait. What?!

Ja, wirklich. In Straußberg, südlich von Nordhausen, am Harzrand, gibt es ein eingezäuntes Stück Wald. Darin leben Berberaffen, verschiedene Lemurenarten und sogar Kängurus. Letztere sind hinter Draht und verstecken sich auch schon mal, aber die Affen bewegen sich vollkommen frei im Wald, durch den man als Besucher wandert. War ein Ausflugtip der schönen Nachbarin, die vor zwei Wochen da war und lustige Bilder davon mitgebracht hat, wie ihr ein paar schwarzweiße Varis die Füße ablecken.

Der Tag in Bildern.

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Verfasst von - 28. August 2016 in Reisen

 

Kuhhof, Nachtrag

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Ein Nachtrag zum kleinen Kuhhof mit glücklicherweise guten Nachrichten. Gerade kam eine Mail aus Accumoli hier rein:

„Per fortuna stiamo tutti bene, spaventati e tristi ma vivi.
Anche le strutture hanno retto bene, qualche crepa ma sono agibili.“

„Wir stehen immer noch unter Schock und sind traurig, aber zum Glück sind wir am Leben und es geht uns gut. Unsere Gebäude haben etliche Risse, aber sie haben gehalten und wir können den Betrieb weiterführen.“

Ich mache mal ein ganz lautes PUH der Erleichterung. So eine Katastrophe wird doch ganz schlimm greifbar, wenn man die betroffenen Orte und vielleicht sogar Leute dort kennt.

 
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Verfasst von - 27. August 2016 in Ganz Kurz

 

Kartenzahlungsverfahren im Überblick

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Eigentlich wollte ich einfach durch die Absperrung rauschen. So wie immer. Durch das schnelle Personenvereinzelungssytem in der Londoner U-Bahn kann man nämlich einfach so durch zu laufen, ohne den Schritt verlangsamen zu müssen. Man muss nur seine Plastikkarte in einer fließenden Bewegung vor das Lesegerät halten, Zack, die Absperrung schwuppt zur Seite, und schon ist man in der Tube.


An diesem Morgen klappte das nicht, ich lief mit vollem Schwung gegen das Gitter. Meine Oystercard wollte nicht. Eine freundliche Angestellte von Transport for London war sofort zur Stelle und fand auch gleich die Ursache: Das Guthaben auf der Karte war aufgebraucht. Am Abend zuvor waren noch über 20 Pfund darauf gewesen. Die waren nun weg. Aber warum?

Aktuelle EC- und Kreditkarten sind kein dummes Stück Plastik mehr. Im Chip sitzt ein kleiner Computer, und in die Karte eingebacken ist eine Kupferantenne. Außerdem gibt es immer noch den Magnetstreifen und die Kartennummern, mit denen bezahlt werden kann.

Ein Zahlungskarte der Gattung der Kredit- oder Debitkarten angehören hat heute nicht nur eine, sondern gleich mehrere Bezahlfunktionen. Was die eigene Karte kann, erkennt man auf den darauf abgebildeten Symbolen. Und ja, es lohnt sich, die mal genauer anzugucken, wie meine London geschichte verrät.

Kreditkarte: Gibt es seit 1894, und so sicher sind sie auch. Insbesondere die Kreditkartenfunktionen, bei denen der Magnetstreifen ausgelesen wird oder mit einem Imprinter ein Abdruck(!) der erhabenen Kreditkartennummern genommen wird sind hoffnungslos unsicher, werden aber nur noch sehr selten verwendet. Bei Kreditkarten wird meist per Nummer plus Unterschrift oder PIN oder mit der Nummer plus Sicherheitsnummer bezahlt. Abrechnung erfolgt monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Das Verfahren ist bei deutschen Händlern unbeliebt, weil die Teilnahme am Kreditkartennetzwerk und die Gebühren höher sind als bei nationalen Debitkarten. Die EU hat zwar das Interbankenentgeld auf 0,3% des Preises gedeckelt, aber das macht leider nur einen Teil der Kosten für den Händler aus.

Girocard/Electronic Cash: Nationale Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft. Bis 2007 hieß die EC-Karte, jetzt Girocard. Debitkarten belasten, anders als Kreditkarten, zeitnah das eigene Konto. Identifikation erfolgt mittels PIN und Onlineabfrage der Bankensperrdatei im Hintergrund. Ist recht sicher und für den Einzelhandel günstiger als Kreditkarten. Giropay hat damit nichts zu tun, dass ist das Überweisungsverfahren im Internet.


Prepaid-Kreditkarte:
Sieht aus wie eine Kreditkarte, steht auch Mastercard oder Visa drauf, ist aber eine Debitkarte. Allerdings kann man damit nur ausgeben, was man auf dem Konto hat, man bekommt also keinen Kredit im eigentlichen Sinne. Das macht bei 95% aller Zahlungen keinen Unterschied und ermöglicht Kostenkontrolle, weil man sich nicht in Schulden stürzen kann. Allerdings akzeptieren Mietwagenfirmen diese Karten in der Regel nicht um Kautionen zu hinterlegen. Mitarbeiter solcher Firmen werden regelmäßig darauf trainiert Prepaid-Karten zu erkenne, um sie dann abzuweisen.

Electronic Cash Chip: Genau wie Giropay, aber normalerweise offline. Hier wird im Chip der Karte ein monatlicher Kreditrahmen definiert. Der Chip sagt der Kasse, für wie viel Kredit er noch gut ist. Ist ds Limt noch nicht erreicht, entfallen die Kosten für Onlineabfrage. Die erfolgt nur, wenn das Limit im Chip erreicht ist oder über einen definierten Zeitraum keine Verbindung zwischen Bank und mehr aktiv war.

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Maestro oder V PAY: Debitfunktion von Mastercard (Maestro) oder VISA (V Pay). Verhält sich genauso wie Electronic Cash. Unterschied: Maestro wird weltweit nahezu überall akzeptiert, speichert aber wichtige Infos im Magnetstreifen und ist deshalb anfällig für Skimming, dem Datenklau am Lesegerät. V PAY speichert die Infos im Chip der Karte und ist deshalb Skimmingsicher, wird aber nur in Europa, und hier auch nicht in allen Ländern, akzeptiert. Bei beiden Verfahren ID mittels PIN.

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Elektronische Lastschrift: Weil die Einzelhändler sich gerne die Gebühren für die Banken sparen wollen, verwenden sie das Lastschriftverfahren mit Unterschrift als Identifikation. Hierbei wird über den Magnetstreifen die Kartennummer gelesen und dann die Unterschrift aus dem Kassenbon mit der auf der Karte verglichen. Oder auch nicht. Nachteil: Unsicher, auch für Händler, denn Lastschriften können ins Leere laufen und der Händler auf den Kosten sitzen bleiben. Für Kunden ist es auch unsicher, denn die Unterschriftprüfung ist ungefähr so sicher wie Homöopathie eine Wissenschaft. Mit dem ELV können auch geklaute Karten belastet werden.

Elektronische Lastschrift Online:
Für den Kunden ändert sich nichts, auch hier wird lediglich mit der Unterschrift identifiziert. Im Hintergrund wird abgefragt, ob die Karte gesperrt ist. Allerdings nicht bei den Banken, sondern bei der Firma Ingenico, was das Ganze für den Einzelhandel billiger als die Abfrage der Sperrdatei bei den Banken macht.

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Geldkarte: Hier wird ein Betrag der eigenen Wahl vom Bankkonto in den Chip der Karte übertragen und von da aus quasi abtelefoniert. Nennt sich auch elektronische Geldbörse. Hat bei meiner Volksbankkarte nie funktioniert, mittlerweile nutzt außer Rauchern am Zigarettenautomaten und Herrn S. aus G. an der L. niemand mehr diese Funktion.

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NFC: Die Near Field Communication erlaubt kontaktloses bezahlen. Karten werden nur noch oder an ein Lesegerät gehalten und nicht hineingesteckt. Man braucht sie nicht mal aus dem Geldbeutel zu holen, sondern hält den einfach ans Gerät. Auch manche Handys können bereits NFC-Bezahlung. Vorteil: Der Bezahlvorgang geht schneller. Nachteil: Keine Identifikation oder Bestätigung. Eine PIN wird erst bei Beträgen über 25 Euro verlangt. VISA nennt NFC „PayWave“, Mastercard „Pay Pass“ und die Deutschen Banken „GiroGo“. Apple hat eine NFC-Bezahlung über seine Geräte entwickelt, die den Fingerabdruckleser einbezieht. ApplePay gibt es in Deutschland aber noch nicht (Stand: 08/16).

So, und wo sind nun meine 20 Pfund in der Londoner U-Bahn hin verschwunden?

Ganz einfach. Die U-Bahn-Karte verwendet die gleiche NFC-Technologie wie meine Kreditkarte, und die Tube akzeptiert inzwischen beides als Fahrschein. Man kann also entweder die Oystercard oder die Kreditkarte verwenden, um durch die Absperrung zu kommen.

Ich habe beide Karten im selben Portemonnaie, und nun war Folgendes passiert: Am Vorabend hatte die Tube die Oystercard eingelesen, als ich eine Fahrt begann. Beim Verlassen der U-Bahn hatte die Auslassschranke aber nicht die Osyster-, sondern die dahintersteckende Kreditkarte angefunkt. Die war nicht eingestempelt, also wurde von der gleich mal der Maximalbetrag für 24 Stunden wildes Fahren abgebucht. Als am nächsten Morgen die Oystercard zum Einchecken verwendet wurde, stellte das U-Bahnsystem fest, dass der Checkout vom Vorabend fehlte – und nahm an, ich sei die ganze Nacht über alle Zonen Londons umhergefahren. Dafür wurden dann 20 Pfund abgebucht.

Was lehrt uns das? Zahlungsmethoden sind vielfältig und werden immer bequemer und schneller. Aber damit steigt leider auch das Fehler- und Mißbrauchspotential. Als Endnutzer kann man außer Totalverweigerung dagegen nicht viel machen, denn zugunsten der Bequemlichkeit entfallen Möglichkeiten der Kontrolle.

 
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Verfasst von - 26. August 2016 in Service

 

Girocard oder VPay oder Maestro?!?

Und dann stand ich da wie Max-inne-Möhren, glotzte auf das PIN-Pad an der Kasse und versuchte zu enträtseln, was es von mir wollte. Als ich es verstanden hatte, kam ich aus dem Fazialpalmation nicht mehr raus, denn ich hätte NIE gedacht, dass die EU diesen Quatsch durchsetzt.

Ich bin ja glühender Europafan, aber manchmal geht mir die EU auf den Saque. Nämlich immer dann, wenn die Kommission Dinge auf den Weg bringt, von denen von vornherein klar ist, dass sie nicht nur Rohrkrepierer sind, sondern ein fetter Blattschuss ins eigene Knie.

Die Cookieregelung auf Webseiten ist so ein Beispiel. Die nervigen „Wir verwenden Cookies“-Meldungen waren zum Schutz und der Sensibilisierung der Besucher gedacht, haben aber exakt das Gegenteil erreicht: Man hat sich einfach dran gewöhnt, beim erstbesten Popup auf einer Webseite stumpf „OK“ zu klicken ohne es zu lesen. Da könnte auch „wollen sie wirklich ihre Festplatte löschen“, ich würde es nicht sehen und gleich bestätigen.

Das gleiche Kaliber falsch verstandener Transparenz sorgt jetzt für maximale Verwirrung bei Kartenzahlungen. Moderne Karten tragen nämlich etliche Zahlungsmöglichkeiten mit sich rum. Welche an der Kasse verwendet wird, entschied bis vor Kurzem der Händler. Seit Juni gibt es eine Vorschrift, dass der Kunde die Zahlungsmethode auswählen soll, denn „Der Kunde soll Entscheidungsfreiheit haben“. Das ist einigermaßen sinnfrei, denn die meisten Kunden wissen nich mal, das ihre Karte mehr als ein Zahlungssystem hat, geschweige denn was die Unterschiede sind.

Für die meisten Deutschen ist ihre Zahlungskarte „Die Eurocheque-Karte“. Punkt.

Was grandioser Quatsch ist, denn die Eurocheque-Karte gibt es seit 2001 nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt stand EC für Electronic Cash, wobei das seit 2007 Girocard heißt*. Ausgegeben und betrieben wird das Girocard Netz von der Deutschen Kreditwirtschaft, es handelt sich also um eine nationale Debitkarte.

Die ist den international agierenden Finanzkonzernen ein Dorn im Auge, weshalb Mastercard und VISA eigene Debitsysteme geschaffen haben. Die heißen „Maestro“ (Mastercard) und „V Pay“ (VISA). Da diese beiden Konzerne die größten Ausgeber von Karten sind, ist ihre eigene Funktion meist zusätzlich zu Giropay enthalten.

Je nachdem mit welchem Unternehmen die eigene Bank kooperiert, hat die eigene Bankkarte also mindestens zwei Zahlungsfunktionen: Giropay oder Maestro/V Pay. Bei den Zahlungsarten Giropay/Maestro/V Pay entschied bis vor Kurzem der Händler was genutzt wurd. Nun soll man als Kunde selbst entscheiden, welches Zahlungsverfahren man verwenden möchte. Was einigermaßen sinnfrei ist, denn für den Kunden entstehen keine Zusatzkosten, egal für welches Verfahren er sich entscheidet.

Für die Händler gibt es aber sehr wohl einen Unterschied, denn je nach Verfahren sind die Gebühren für ihn bis zu doppelt so hoch. Bei Giropay bezahlt der Händler 0,2 Prozent des Umsatzes an die Bank, bei VPAY/Maestro sind es 0,3 bis 0,4 Prozent. Will man seinem Einzelhändler was Gutes tun, sollte man also die Giropay-Funktion verwenden. Will man ihn ärgern, V Pay/Maestro.

Bis sich rumgesprochen hat, dass dieser ganze Auwahlquatsch völlig Mumpe ist, dürfte das zu Verwirrung, Erkläraufwand und damit längeren Wartezeiten an den Kassen führen. Danke, EU! (Ich habe Dich aber trotzdem lieb)

In Teil II: Alle Verfahren, die eine Karte so können kann.

*(Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte nämlich schlicht vergessen sich den Markenterm „EC“ zu sichern und musste die Karten deshalb umbenennen.)

 
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Verfasst von - 25. August 2016 in Ganz Kurz, Service

 

Der kleine Kuhhof

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Und dann war da noch der kleine Agriturismo. Mit war kar, dass ich noch eine Zwischenstation auf dem Weg von den Marken ins Veneto brauchen würde, also hatte ich gezielt nach einer Übernachtungsmöglichkeit am Rand des Monte Sibellini gesucht und den Hof mit den Kühen gefunden.

Der Weg von der Landstraße zum Agriturismo war sogar noch steiler als es auf Streetview ausgesehen hatte. Vorsichtig steuerte ich das, zu dem Zeitpunkt schon stark angeschlagene, Motorrad um die Schlaglöcher herum, und irgendwann hatten wir das Ziel erreicht: Einen kleinen Bauernhof mit angeschlossenem Gasthaus, einen Agriturismo.

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Die Begrüßung war herzlich, und die Atmosphäre entspannt. Mein Zimmer war schlicht, aber völlig ausreichend, und auf der Wiese vor dem Fenster spielten Schweine.

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Beim Abendessen in der Gaststube kam ich ein wenig mit dem Ehepaar ins Gespräch, das den Hof führte. Der Region ginge es mies, erzählten die beiden. Junge Leute gehen aus der ohnehin dünn besiedelten Region weg. Die, die blieben, können von der Landwirtschaft kaum Leben. Die beiden versuchten wirklich alles, um über die Runden zu kommen. Gastwirtschaft, Landwirtschaft, Kooperationen mit umliegenden Höfen, gemeinsame Vermarktung von ökologischen Produkten wie Fleisch und Wurst auf Märkten.

Überhaupt, Fleisch und Milchviehwirtschaft: Stellte sich raus, dass die Dame des Hauses eine Vorliebe für Kühe hatte, jedweder Art. Überall lagen, standen, saßen und hingen Kühe. Natürlich war auch das Logo des Betriebs eine Comickuh mit dick rotem Lippenstift, und jede Zimmertür trug einen Kuhaufkleber.

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Sogar die Klobürste im Bad stand in einer Kuh.

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Rührend, irgendwie, dass eine ältere Dame und knallharte Bäuerin ausgerechnet Comickühe liebte.

Nach einem langen Abend bei einfachem, aber sehr gutem Essen und noch besserem Hauswein machte ich mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg, runter von dem steilen Berg und weg von Accumoli, mit dem Gedanken im Kopf hier unbedingt wieder hinzukommen, würde es mich noch einmal in diese Gegend verschlagen. Das war vor 8 Wochen.

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Seit gestern gibt es Accumoli nicht mehr. Der Ort lag im Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 6,2, und wenn es stimmt, was die Nachrichten sagen, dann ist das Dorf völlig zerstört worden. Mein Hirn hat gerade Probleme zu begreifen, dass ein ganzer Ort weg sein soll.

Ich weiß nicht, ob und wie schlimm es den Bauernhof getroffen hat. Auf Mails und Whatsapps kommt keine Antwort. Das bedrückt mich gerade, und ich hoffe, dass es der Familie gut geht. Und den Kühen natürlich auch.

 

[Update 27.08.:] Es gibt Nachrichten aus Accumoli. Der Hof hat es überstanden, alle dort haben überlebt. Puh.

 
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Verfasst von - 24. August 2016 in Reisen

 

„A Night to Remember“ und andere Witcher-Trailer

„The Witcher – Wild Hunt“ ist vermutlich das beste Fantasy-Spiel, das bislang gemacht wurde. Der Launch im Mai 2015 ging an mir vorbei, genau wie die vielen, unfassbar coolen Trailer. „A night to remember“ gehört dazu: In einem drei Minuten werden alle relevanten Spielmechaniken gezeigt, und dabei sieht das Ding aus wie ein spannender Kurzfilm. DAS, Freunde, ist Kunst.

Aber Witcher III kann noch mehr.

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Verfasst von - 23. August 2016 in Ganz Kurz

 

Wie Trailer Filme kaputtmachen

Trailer schneiden ist eine hohe Kunst, und wenn man es richtig machen will, extrem zeitaufwendig. Wenn man beim Trailer aber schludert, kann das Filme schwer beschädigen. Drei Fallbeispiele.

Beispiele für schlechte Trailer gibt es zuhauf. Gestern im Kino lief bspw. der Trailer „SMS für Dich“, dem neuen Karoline-Herfurth-und-Nora-Tschirner-Vehikel. Er begann recht verheissungsvoll, glitt dann aber ab in „Ich erzähle den kompletten Film in drei Minuten“, inklusive der Preisgabe storyentscheidender Wendungen. So einen Trailer guckt man und denkt am Ende „OK, danke, jetzt brauche ich den Film nicht mehr zu sehen“.

Ein besonders schlimmer Fall von „Ich erzähle den Film und anhschliessend guckt den keiner mehr“ war übrigens Terminator GeniSYS. Kein schlechter Streifen, aber der Plotpivot, das John Connor nun böse ist, der gehörte nicht vorab verraten.

In letzter Zeit trifft man vermehrt auf schlechte Trailer der Marke: Hat mit dem Film nichts zu tun. „Ghostbusters“ gilt mit fast einer Million Dislikes als grottigster Trailer, der je auf Youtube veröffenlicht wurde. Zu recht, denn er ist mies geschnitten, hat ein lausiges Pacing und der Einsatz der Musik ist unteirdisch. Vor allem stellt er aber die Charaktere falsch dar und behauptet, das Reboot sei eine Fortsetzung. In meinen Augen ist das Ding kein Trailer, das ist Sabotage.

Anderer Fall der jüngsten Vergangenheit: Der erste Trailer zu „Star Trek: Beyond“. Ebenfalls schlimm geschnitten, völlig vergurkte Musikauswahl und seltsamste Aneinanderreihung von Bildern, so dass das fast nach einem neuen „Fast & Furious“ als nach Star Trek aussah. Der Trailer war so schlimm, dass Drehbuchautor Simon Pegg sich dafür entschuldigte und Regisseur Justin Lin beteuerte eiligst, dass der Film ganz anders sei. Was stimmt.

Warum kommt ein Trailer ins Netz und in die Kinos, den nicht mal die Filmmacher gut finden? Ganz einfach: Weil Trailererstellung aufwendig ist, wird das immer öfter an Externe outgesourced und von Schlipsträgern vom Studio beaufsichtigt. Es gibt Firmen, die sind auf Trailer spezialisiert, und etliche sind auch extrem gut darin*. Ein Trailer sollte nach Möglichkeit die Tonalität und das Feeling des Werks einzufangen und wiedergeben. Manchmal gelingt das aber nicht, und dann kommt ein Trailer zu einem völlig anderen Werk dabei heraus.

Den krassesten Fall von so einem „Thema verfehlt“-Trailer dürfte der zu „Suicide Squad“ sein. Der Film fährt gerade vernichtende Kritiken ein. Unter anderem deshalb, weil er wirkt, als hätte man versucht zwei verschiedene Filme zusammen zu kleben. Der Witz dabei: Genau das ist der Fall.

Wenn stimmt, was man aktuell liest, ist Folgendes passiert: Der Film wurde gedreht mit dem Ziel einen düsteren und erwachsenen Streifen abzuliefern. Dann hat eine externe Firma aus dem Rohmaterial einen Trailer zusammengeschnitten, der massiv auf Musikuntermalung setzte und zudem einen recht locker-spaßigen Grundton vermittelte:

Der Trailer kam massivst gut an, jeder mochte ihn – und dem Regisseur und dem Studio war plötzlich klar, dass sie hier einen Film  anpriesen, den es so nicht gab. Hektisch wurden zwei Schnittfassungen des Films erstellt. Eine Fassung war so düster und ernst wie ursprünglich intendiert, die andere spaßiger und anders mit Musik unterlegt, so wie der Trailer. In Fokusgruppentests kam die lockere Fassung besser an, und so wurde die Trailerfirma beauftragt massive Nachdrehs zu leiten, um die andere Tonalität irgendwie umgesetzt zu bekommen. Die nachgedrehten Szenen wurden dann eiligst in das vorhandene Material eingepasst und plakative Popmusik über jede zweite Szene gelegt.

Das Resultat ist ein Film, der zwei Visionen folgt, und das immer abwechselnd. Ein Frankenstein-Film, der aus unterschiedlichsten Teilen zusammengepatcht wurde und nun vorne und hinten auseinanderfällt.

Trailer können also Filme auf mehrer Arten zerstören. Sie können dem Werk wirtschaftlich massiv schaden (Ghostbusters), vollkommen andere Erwartungen wecken (Star Trek) oder sogar den Aufbau und den Ton des Films komplett über den Haufen werfen, wenn die Schlipsträger des Studios kalte Füße bekommen (suicide Squad).
Schön ist das alles nicht.

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* Gehört hier nicht hin, aber die Rendertailer von Digicpictures sind Kunstwerke, die eine eigene Geschichte erzählen, dem Werk treu bleiben UND Informationen liefern.

 
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Verfasst von - 21. August 2016 in Ganz Kurz

 

Bundeswehrputsch in Deutschland

„Sommer 2015. Flüchtlinge kamen ungesteuert nach Deutschland, die politische Führung war ohne Plan. Der Stab ging von Staatsversagen aus. Deshalb beschloss die Führung der Bundeswehr… den Putsch“.

BBB Leaks enthüllt die geheimen Pläne und das Scheitern des Bundeswehrputsches im Sommer 2015:

 
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Verfasst von - 20. August 2016 in Webvideo

 
 
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