Reisetagebuch (3): Sssseisse! Kaputte! Verdamme!

Reisetagebuch (3): Sssseisse! Kaputte! Verdamme!

Sommertour mit der V-Strom. Heute mit einem See den keiner leiden kann, und ich werde zum Geisterfahrer und zum Katzenquäler. Eines davon in echt.

Sonntag, 01. Juni 2025
Die Katze will doch mit, oder? Die guckt so, als wollte sie mitfahren!

Das ist doch was für Mastodon. Social Media liebt Katzen!

Magliano di Marsi ist quasi das letzte Dorf vor Avezzano, der zweitgrößten Stadt der Abruzzen – mit nur 40.000 Einwohnern. Sie liegt am Rand einer großen Ebene, die mit hohen Bergen gesäumt ist. Die Ebene ist so groß, dass man Sie aus dem Weltraum erkennen kann. Sie liegt völlig geschützt und abgelegen, und natürlich war das hier früher mal ein See.

Der Fuciner See war das größte Binnengewässer Italiens. Erstaunlicherweise hatte der See, der sich eigentlich immer nur um seinen Kram kümmerte, viele Feinde. Der älteste bekannte ist Julius Cäsar, der den See so hasste, das er ihn trockenlegen wollte. Klappte aber nicht.

Spätere römische Herrschen konnten den See auch nicht leiden und versuchten, ihm das Wasser abzugraben. Erst 1875 vernichtete ein schweizer Ingenieur im Dienst eines römischen Bankiers endgültig den See. Die daraus entstandene Ebene ist heute eine der fruchtbarsten Regionen Italiens. Die Ebene ist dicht an dicht von Feldern bedeckt, und zwischen denen rollt im Morgenlicht die Morrigan entlang. Wasser gibt es im Untergrund wohl noch genug, überall malen Sprinkler glitzernde Regenbögen in die Luft.


Weiterlesen Weiterlesen

Impressionen eines Wochenendes (37): Weimar

Impressionen eines Wochenendes (37): Weimar

Lange nichts mehr zum Vergnügen am Wochenende unternommen. Das Wochenende war auch kein Spaß, aber zumindest fand es in Weimar statt. Aus wenig erfreulichen Gründen, es musste halbanaloge Datenforensik betrieben werden. In einem Nachlass, dessen digitaler Teil sich auf rund 50 USB-Sticks befand. Das hier ist nur ein kleiner Teil davon.

Aber immerhin blieb ein wenig Zeit die Stadt zu bewundern. Weimar ist der Himmel für alle Fans von Klassizismus. Und von Bauhaus. Und von Kultur im allgemeinen. Die Stadt birst fast vor Kultur, an jeder Ecke gibt es Konzerte, Lesungen, Theater.


Weiterlesen Weiterlesen

Reisetagebuch (2): Golden Girls

Reisetagebuch (2): Golden Girls

Sommertour 2025 mit der V-Strom 800. Heute bin ich kurz nach dem Po am Arsch und die Morrigan findet eine neue Freundin.

Samstag, 31. Mai 2025, San Biaggio die Callalta
Kurzes Frühstück, kurze Verabschiedung von La Famiglia, dann geht es um 08:30 Uhr los.

Die Morrigan rollt über den schmalen Gartenweg, taucht dann mit Druck durch das tiefe Kiesbett vor der Offiziersvilla und biegt auf die dicht befahrene Regionalstraße ab.

Das hier ist das Veneto, und die Fahrt… nervt.

Nach einer kurzen Strecke durch kleine Dörfer geht es auf die Autobahn 27, die schon wieder knapp vor Stauinfarkt steht. Immerhin, so komme ich nicht in Versuchung zu schnell zu fahren – ein System namens “Tutor 3.0” scannt hier die Fahrzeuge und ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit für ganze Autobahnabschnitte. Ist man also irgendwo, nicht nur vor einem Blitzer, zu schnell, gibt es ein Knöllchen. Die sind seit Anfang 2025 nochmal deutlich teurer und werden auch in Deutschland vollstreckt.

Die Autobahn führt nach Marghera, die gesichtslose Hafen- und Industriestadt, in der heute die Venezianer leben.

In Venedig selbst, das über eine Brücke mit Marghera verbunden ist, wohnen nur noch 30.000 Menschen. Grund: Es gibt einfach keinen Lebensraum mehr. Nahezu jede Wohnung und jeder Palazzo der frei wird, wird als AirBNB genutzt oder zum Spekulationsobjekt. Venedig, so wie es früher mal war oder auch noch vor 15 Jahren mal war, gibt es nicht mehr. Übrig geblieben ist eine Kulisse voller Touristen, ein Freiluftmuseum mit Disneyland-Ambiente.

Zum Glück verschwindet Marghera bald im Rückspiegel, aber nun es geht in den dichten Verkehr der SS309, an der Lagune entlang nach Chioggia und von dort straight nach Süden. Jetzt ist es richtig warm, und ich halte an und öffne alle Lüftungen in meinem Anzug. Quasi die ganze Front der Jacke lässt sich aufzippen um Fahrtwind vorne rein und hinten wieder rauszulassen. Bringt nur nicht so viel, wenn man unter der Jacke eine luftdichte Airbagweste trägt…

Kurz nach der Überfahrt über die Etsch und den Po geht es am Valli di Comacchio entlang. Links und rechts ist Wasser, und auf dem Damm der Straße viele Radfahrer. Das ist schön und entspannt zu fahren.

Die Entspannung hält leider nicht lange an, denn je näher es auf Ravenna zugeht, desto dichter wird der Verkehr. Dann kommt er schlagartig gang zum erliegen, und ich stehe inmitten glühendheißer Autos.


Weiterlesen Weiterlesen

Momentaufnahme: November 2025

Momentaufnahme: November 2025

Herr Silencer im November 2025

Wetter: Anfang des Monats feucht und mild, bei 7-13 Grad. Ab Monatsmitte dann plötzlich 3 Grad und Graupel, Tendenz fallend bis runter auf -8 Grad und geschlossene Schneedecke. An den letzten Tagen wieder Regen und +9 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: The Farmers Dog
Geschichten von Clarksons Farm. Jeremy Clarkson schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Sunday Times, das hier ist die 284. jährliche Sammlung. Routiniert geschrieben, wie immer sehr polterig und endlich gibt es ja wieder eine Labour-Regierung, der Clarkson für alles die Schuld geben kann. Teilweise ärgerlich, aber meistens unterhaltsam geschrieben und in den besten Momenten ein Blick hinter die Kulissen von “Clarksons Farm”.


Hören:

Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf
Herr Dr. Roth nimmt sich eine Auszeit. Im Ostseebad Niendorf will er die Geschichte seiner Familie aufarbeiten, die ihm sein Vater auf Tonbändern hinterlassen hat. Aber dazu kommt es nicht, denn das kleinbürgerliche Niendorf zieht den Karrierejuristen in seinen Bann. Immer mehr verliert sich Roth in Alkoholexzessen, Fantasien über junge Kellnerinnen und Verfolgungswahn.

Es gibt Bücher, die muss man einfach hören. Weil sie der Autor selbst liest, mit genau der Betonung und dem Dialekt, die er beim Schreiben im Kopf hatte. Marc-Uwe Klings “Kängurus” gehören dazu, und von Heinz Strunk muss man auch alles hören, was er geschrieben hat.
Strunk trägt seine Geschichte in teils hektischem Stakkato mit Harburger Zungenschlag und leichtem Lispeln vor. Das gab schon “Fleisch ist mein Gemüse” eine besondere Note, und auch bei “Niendorf” funktioniert das ganz hervorragend.

Inhaltlich ist “Ein Sommer in Niendorf” tatsächlich strukturiert wie “Der Tod in Venedig”. Hier wie dort verschlägt es einen gutsituierten Kleinbürger in eine Situation, in der er beginnt sich selbst zu zerstören und gleichzeitig die Nähe von denen zu suchen, die ihm wenig Gutes wollen.

Damit folgt Strunk seinen früheren Werken, an jeder Ecke riecht es hier nach “Goldener Handschuh” und stellt Typen in den Mittelpunkt, die versuchen ihr kleines Glück ganz am unteren Rand der Kleinbürgerlichkeit zu finden.

In seinen besten Momenten ist Heinz Strunk ein deutscher Bukowski. Vielleicht wäre er gerne ein deutscher Hemingway, aber Charles fand ich immer schon interessanter.


Sehen:

Fantastic 4: First Steps [2025, Disney+]
Die USA in den 60ern: Eine Astronautenfamilie fliegt ins All und wird versehentlich genetisch verändert. Fortan ist einer von ihnen aus Gummi, einer aus Stein, einer aus Feuer und die Frau kann sich unsichtbar machen. Zusammen müssen sie sich gegen eine silberne Surferin und einen Eimerkopf behaupten, der sie vor die Wahl stellt: Entweder er isst ihr Baby – oder den Planeten Erde.

Ich fand die Fantastischen Vier schon immer irgendwie meh, war aber sehr gespannt auf diese Verfilmung mit Pedro Pascal und Vanessa Kirby (die weiße Witwe aus “Mission Impossible” 6 und 7). Ein guter Cast, dazu Retro-Charme – was kann da schiefgehen?

Stellt sich raus: Alles.

Als die letzte Szene lief, entfuhr mir spontan ein “Was für ein reaktionärer Scheiß!” – und das trifft es ganz genau. Der Film ist nicht Retro auf eine charmante Art, also im Artdesign, sondern tatsächlich völlig rückwärtsgewandt was Charaktere und Erzählung angeht.

Hier wird das Bild der USA in den 60ern als heimeliger Ort gezeigt, wo Frauen noch wussten, dass sie hauptsächlich zum Kinderkriegen da sind und die Familie aus Mutti, Vati und den Kindern besteht besteht. Wie eine Werbereklame aus den 50ern wirkt das. Die Revoluzzer-Elemente, die die realen 60er prägten, werden völlig ausgelassen, und auch Ironie findet nicht statt. Die Welt von “First Steps” ist der feuchte Traum aller US-Republikaner und Rechtskonservativer anderer Länder.

So besteht Sue Storms gesamter Charakter aus schwanger und später Mutter sein, und der zentrale Plotpoint des Films ist ein Baby. Das ist dann ab dem ersten Drittel auch in nahezu jeder Szene, oder es wird darüber geredet. Baby hier, Baby da, Rabääääh.

Das ist für normale Zuschauer nervig, für Menschen mit z.B. meinem Hintergrund oder mit unerfülltem Kinderwunsch ist es schlicht unerträglich. Aber nun, es passt halt gut zum Zeitgeist in den USA. Die Familie als Keimzelle der heilen Welt.

Auch erzählerisch wird hier auf Nummer sicher gegangen und eine Geschichte vorgetragen, die bitte bloß niemandem auf die Füße treten soll. Das Ergebnis ist völlig langweiliger und irgendwie muffig riechender Quark.

Crocodile Dundee [1986, Bluray Neuauflage 2025]
Ein Krokodil hat einem Mann ein Bein abgebissen, und der hat dann drei Tage allein im Dschungel überlebt – so steht es zumindest in einer australischen Kleinstadtpostille. Eine amerikanische Journalistin recherchiert die Räuberpistole und trifft dabei auf Mick “Crocodile” Dundee, einen von Aborigines großgezogenen Abenteurer. Er zeigt ihr seinen Busch, sie nimmt ihn dafür mit nach New York.

“Das ist doch kein Messer. DAS ist ein Messer”

– Wunderbare “Fish out of Water”-Geschichte, hier in einer ganz frisch erschienenen BluRay-Neuauflage. Man muss die kleine, deutsche BluRay-Manufaktur Winkler-Film wirklich loben: Das Bild ist knackscharf und voller Details, der Ton ist selbst in der Synchro sehr gut und die Extras reichlich – So ist bspw. der Dokumentarfilm “Love of an Icon” komplett enthalten.

Ich finde den verschmitzten Charme, den Witz und die Chemie zwischen Paul Hogan und der (20 Jahre jüngeren) Linda Kozlowski nach wie vor großartig und kann mich über den Film immer noch genauso amüsieren wie zu der Zeit, als ich ihn in den Achtzigern im Kino sah. Sicher würde man einige Szenen so heute nicht mehr drehen, wie etwas die am Fluß, wo die Kamera etwas zu lange auf Kozlowskis teilentblößtem Hintern verweilt. Das sind aber absolute und seltene Ausnahmen, der Film ist auch heute nicht peinlich.

Die einzig WIRKLICH peinliche Szene ist nicht mehr im Film zu finden. Das war die mit dem Moment, als Dundee in New York auf eine Transfrau trifft und der zwischen die Beine fasst, um sich anschließen darüber lustig zu machen. Diese Szene darf nicht mehr gezeigt werden und ist weltweit in keiner Schnittfassung mehr enthalten. Dafür haben aber keine woken Aktivisten gesorgt, sondern Paul Hogan und Regisseur Peter Fairman selbst haben das so verfügt. Sie fanden die Szene Out-of-Character, denn es passt einfach nicht zum Gentlemen Dundee, dass der einfach so fremde Frauen by the Pussy grabbed. Recht haben sie.

Crocodile Dundee II [1988, Bluray Neuauflage 2025]
Linda Kozlowski gerät in New York in Gefahr und wird von kolumbianischen Drogenhändlern gejagt. Mick Dundee bringt sie an den Ort, an dem er sie beschützen kann: Den australischen Outback.

Reverse-Fish-Out-of-the-Water, wenn Stadtganster durch Australien stolpern und Stück für Stück aus dem Verkehr gezogen werden. Actionreicher als Teil 1, kann man immer noch gut gucken. Die Chemie der Darsteller stimmt immer noch – nicht umsonst heirateten Kozlowski und Hogan nach den Dreharbeiten und blieben 25 Jahre zusammen. Bemerkenswert: Die “Dundee”-Filme funktionieren tatsächlich für ein Publikum von 7 bis 70 Jahren – das waren wirklich noch Familienfilme.


Spielen:

Ghost of Yotei [PS5]
Japan, ca. 1580: Eine Bande maskentragender Unholde schlachtet auf Hokkaido eine ganze Familie gnadenlos ab. Selbst Atsu, die kleine Tochter, wird nicht verschont, sondern mit einem Schwert an einen Baum gepfählt und in Brand gesetzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie das Massaker und flieht nach Honshu, wo sie auf den Straßen Osakas und auf den Schlachtfeldern des gerade beginnenden Edo-Shogunats zu einer kampferprobten Söldnerin wird.

Nach 20 Jahren kehrt sie zurück nach Hokkaido und macht dort Jagd auf die Mitglieder der Bande. Die regieren mittlerweile die gesamte Insel, aber als totgeglaubter Onryo, als Geist, nimmt sich Atsu einen Verbrecher-Lord nach dem nächsten vor. Für sie ist klar: Sie wird jeden einzelnen der “Yotei Six” zur Strecke bringen, und am Ende dieser Reise sterben. Aber das Schicksal hat andere Pläne.

Vor fünf Jahren war “Ghost of Tsushima” ein Überraschungserfolg. Quasi ein Assassins Creed in Japan, nur in schöner, ohne die Altlasten der Ubisoft-Games und mit einem Protagonisten, der nachvollziehbar handelte und bei den Spielern äußerst beliebt wurde. Nun also der Nachfolger, der nicht nur anders heißt, sondern auch 330 Jahre(!) nach dem Vorgänger spielt. Das ist mutig, denn das bedeutet auch, dass es eine neue Geschichte und einen neuen Hauptcharakter gibt.

Das Entwicklungsstudio Suckerpunch muss man dafür echt loben, allerdings dürften die sich mittlerweile schon mehrfach in den Hintern gebissen haben. Zum einen, weil im Kernmarkt USA mittlerweile Frauen als Hauptfiguren nicht mehr gut ankommen (ja, an DEM Punkt sind wir schon wieder!) und zum anderen, weil früher im Jahr “Assassins Creed: Shadows” rauskam und EXAKT DIE SELBE Geschichte erzählt, also auch tote Familie, Maskenheinis, Tochter überlebt und macht Jahre später Jagd auf die Bande. Sind sich beide Spiele auch abseits der Ausgangslage der Story ähnlich?

Nun, “Assassins Creed: Shadows” ist deutlich anzumerken, dass die Macher keinen Plan hatten, wo sie mit ihrer Geschichte hinwollten, und selbst die verschiedenen Spielmechaniken wirken so grob aneinandergenäht, bis der Frankenstein kaum noch laufen konnte. Bei “Ghost of Yotei” ist alles simpler, dafür aber eleganter ineinander verwoben – ganz wie in den frühen “Assassins Creeds”, bevor die zu Rollenspielen werden wollten.

Atsu ist ein toller Hauptcharakter. Als einsame, latent wütende und gleichzeitig tief traurige Rächerin zieht sie, wie in einem Western, durch Hokkaido und hilft Menschen in Not, wenn sie nicht gerade ihre eigene Rache vorantreibt.

“Yotei” bietet tatsächlich mal wieder eine Open World die nicht nervt, sondern die ich gerne erkundet habe und die mich häufig überrascht hat. Immer wieder stolpert man unvermittelt über Sidequests und besondere Orte. Mal folgt man einem goldenen Vogel und findet dabei eine Heilquelle, mal kommt man an einer Höhle vorbei, vor der ein Wolf die Zähne fletscht. Folgt man ihm, findet man Wilderer, die seine Wolfkumpels eingefangen haben. Befreit man die, sieht man später den Wolf wieder und freundet sich langsam mit ihm an, bis er immer öfter in Kämpfen auftaucht und einem hilft.

Das fühlt sich cool an und nach echter Progression: Meine Spielfigur erlebt etwas, weil ich mich dafür entschieden habe, und das hat Einfluss auf spätere Ereignisse und Begegnungen. Dabei sind die Nebenmissionen meist in fünf Minuten erledigt – keine endlosen und schlecht geschriebenen Questketten, mit denen Ubisoft bei “Star Wars Outlaws” und “Assassins Creed” nervte (ich sage nur: 45 Minuten Spiel für “Finde 5 Eier damit eine Frau furzen kann”), sondern kurze, knappe, abwechslungsreiche und oft überraschende Stories, die man gerne nebenbei erledigt. Die sind zum guten Teil sehr gut geschrieben und bringen sogar tiefe mit – wenn Atsu der Legende eines verrückt gewordenen Geistergenerals nachgeht und unvermittelt einen trauernden und einsamen Mann vorfindet, der versehentlich seine eigene Tochter getötet hat, ist das nicht nur ein Spiegel von Atsus eigener Quest, sondern versprüht “Roter Baron”-Vibes aus Witcher III.

Das Gameplay mit Katana und Co. ist easy to learn, hard to master und bietet bis zum Ende neue Variationen und Abwechselung. Beeindruckt hat mich die Präzision der Steuerung und wie wuchtig und kraftvoll sich alles anfühlt.

Die Grafik ist nicht der allermodernste Hammer, sieht aber sehr gut aus, und die Art Direction ist wirklich gelungen. Da ich selbst schon um den namensgebenden Berg Yotei rumgekurvt bin kann ich sagen: Die Landschaft dort ist auch in echt unrealistisch schön, und im Spiel eine überirdische Augenweide. Lediglich die Charaktermodelle der NPCs sehen aus etwas, was einen schlimmen Autounfall hatte.

Ansonsten gibt es technisch nichts zu meckern. Es gibt praktisch keine Ladezeiten, die Haptikfunktionen des Controllers werden gut unterstützt, Glitches oder Bugs hatte ich während der gesamten 56 Stunden Spielzeit nicht.

In Erinnerung bleiben wird mir aber das Writing der Hauptstory. Die Geschichte scheint so simpel und dumm wie in “Assassins Creed Shadows” zu sein, aber das täuscht. Sie ist sehr gut geschrieben und wendungsreich und schwingt in Richtung “Last of Us II”, während sie mit Charakteren jongliert, die einem ans Herz wachsen.

Mit “Ghost of Yotei” hatte ich sehr viel Spaß. Das erste Spiel seit langem, wo ich mich tagsüber direkt drauf freute, nach Feierabend wieder in die Welt des Spiels eintauchen zu können.

Assassins Creed Shadows: Claws of Awaji [PS5 DLC, 2025]
Ich hatte mich ja HIER schon über “AC: Shadows” geärgert und mich verwundert gezeigt, dass die Handlung in dem Moment abbrach, als es spannend zu werden schien. Stellt sich raus: Das war System, das eigentliche Ende wurde nun als DLC nachgereicht.

Ist nicht das erste Mal, das Ubisoft einzelne Kapitel eines “Assassins Creed” nachreicht – schon 2009 wurde ein wichtiger Teil aus dem Hauptspiel entfernt und später einzeln verkauft. Aber das FUCKING ENDE DES SPIELS für 30 Ocken extra verkaufen? Und das ein halbes Jahr nach Release des Hauptspiels, wo man als Spieler schon lange die überladene Steuerung und die egale Geschichte vergessen hat? GEHT´S NOCH?

“Claws” spielt in einem neuen Gebiet, der Insel Awaji vor Oasaka. Für die haben sich die Entwickler bei Ubisoft was ganz besonderes ausgedacht. Denn wie wäre es, wenn so ein neues Gebiet aussieht wie der Rest des Spiels aber einfach… grundfeindlich wäre? Wenn jeder NPC jederzeit die Spielerfigur angreifen kann? Superidee, oder?

Natürlich nicht. In der Realität ist der DLC ein einziger Pain in the Ass. Von Anfang an fährt er mit angezogener Handbremse. Das beginnt beim Intro, in dem man eine Figur in einem Puppenspiel spielt. Sieht nett aus, dauert aber viel zu lange und ist nervtötend, weil sich die Puppe sich nur in Zeitlupe bewegt.

Das geht weiter mit den NPCs, die in Siedlungen völlig unvermittelt aggro werden oder in menschenleeren Wäldern gerne einfach mal so aus dem Boden ploppen und sofort angreifen. Man kann praktisch keine fünf Meter laufen, ohne dass man vom Pferd geschossen wird und sich in einem minutenlangen Gefecht wiederfindet. Wenn es schlecht läuft, ziehen diese Encounter die Stadtwache an, und am Ende ist die ganze Map hinter einem her und man muss das Game neu starten.

Es endet bei der Spielstruktur, bei der man sich wieder einmal erst um X Nebenaufgaben kümmern muss, bis man endlich die eigentliche Mission angehen darf.

Beispiel: Der große Bösewicht hat einen Leibwächter, der soll ausgeschaltet werden. Damit man überhaupt erstmal an den rankommt, muss man 12(!) seiner eigenen Sheriffs assassinieren. Und wo sind die? Die laufen irgendwo random in der Welt rum, jeden einzelnen von denen muss man erstmal finden und dann zu denen hinstoffeln!

Die einzige echte Neuerung ist ein Kampfstab, und ohne den geht es auch gar nicht. Die Gegner auf Awaji haben nämlich alle Steroide gefrühstückt und sind selbst auf einfachstem Schwierigkeitsgrad so stark, dass es Minuten dauert, bis man einen der Random-Aggro-Bauern verhauen hat, der nur mit einem Lendenschurz und einem Strohhut bekleidet ist. Der Lendenschurz hat wohl Rüstungsklasse 60, und das Moveset und die Angriffsmuster der Bauern entspricht denen der Ninjameister aus dem Hauptspiel. Was für ein Unfug!

Gerade bei den zufälligen Gefechten fällt der Hauptunterschied zwischen “Ghost of Yotei” und “Shadows” besonders auf: Das Kampfsystem. In “Yotei” ist es präzise, wuchtig und schnell, kleine Encounter dauern nur eine Minute und machen auch nach dem Hundertsten Mal noch Spaß. “Shadows” ist dagegen verpfriemelt, überladen und völlig wurschtig. Die Hälfte der Zeit macht die Spielfigur einfach nicht was sie soll, reagiert viel zu spät auf Eingaben oder rollt in Wände oder bleibt an Gegenständen hängen.

Dazu kommen inhaltliche und technische Fehler. Mal gibt es nicht nachvollziehbare Handlungsbrüche, mal fällt auf der PS5 der Ton aus, mal spielen die Gesichtsanimationen nicht ab, mal tauchen Questgiver nicht auf oder NPCs einer ganzen Stadt geraten unvermittelt in Panik und kriegen sich nicht mehr ein. Mein liebster Glitch: Explodierende Blätterhaufen. Kein Witz! Und dabei ist “Claws” schon zwei Monate draußen!

Grundlegende Probleme des Hauptspiels, wie elendige Ladezeiten und laggende Eingabe in überladenden Menüs, adressieren auch die letzten Funktionsupdates nicht. Wie unpoliert “Claws” veröffentlicht wurde, merkt man auch daran, dass man nach einem Tod im Leibwächter-Bosskampf nicht unmittelbar wieder einsteigen kann. Nein, man wird aus der Arena geworfen und muss erst wieder einen Questgiver ansprechen und DANN wieder eine Cutscene angucken und dann geht es erst wieder los. Je-Des-Mal der gleiche Mist, jedesmal mit ordentlich Ladezeiten dazwischen.

Nein, “Claws” macht keinen Spaß. Die Geschichte ist ein Dreizeiler auf einem Bierdeckel, und wird mit Arbeitsaufgaben so gestreckt und verdünnt, bis es halt doch wieder alles nur “Content” ist, der einem merklich nur die eigene Lebenszeit rauben will. Vermutlich, damit Ubisoft seinen Shareholdern was von langer Spielzeit erzählen kann.

Um die oben gestellte Frage abschließend zu beantworten: Obwohl “Ghost of Yotei” und “Shadows” das gleiche Setting und die gleiche Hintergrundgeschichte haben, ist Yotei das eindeutig bessere Spiel. “Shadows” ist ein überladender Homunkulus, der schlecht funktioniert und der statt einer Geschichte nur Fleißaufgaben zum Abhaken hat. Bei “Yotei” funktioniert das Kampfsystem besser, alles ist gestreamlined, die Welt organisch und am Wichtigsten: Es erzählt eine echte Geschichte, die bis zum Ende gedacht ist.

Oder anders: “Yotei” ist ein Stück Kunst und wird getragen von wirklich gutem Handwerk. “Assassins Creed Shadows” ist “Checkliste, The Game”, wo sich alles nach Arbeit und Excellisten anfühlt. Die Story von “Shadows” bekam ich schon beim Ende des Spiels nicht mehr zusammen. Die Reise mit Atsu und unsere gemeinsamem Erlebnisse werde ich so schnell nicht vergessen.


Machen:

  • Entrümpeln

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Anfang 2025 sind mir beim Jasmin die Blütenansätze erfroren, weil ich den zu früh auf den Balkon gebracht hatte. Das hatte ich aber nicht freiwillig getan, sondern weil die Pflanzen nach Sonne dürsteten und schon Eimerweise Blätter verloren. Im Arbeitszimmer gibt es halt nur ein Nordfenster, und da kommt keine Sonne durch.

Neulich fiel mir dann ein: Gibt es wohl auch UV-Lampen für Pflanzen? Ja klar gibt es die! Besonders gelobt werden die UV-Strahler des deutschen Unternehmens “Meine Orangerie”. Aus deren Programm habe ich jetzt den dicksten Strahler samt Stativ und Zeitschaltuhr beschafft, und nun gedeihen Jasmin, Olivenbaum, Erdbeeren, Agathe und Oleander im Licht der künstlichen Sonne.

Nun, vielleicht sind 50 Watt doch etwas viel – zumindest sieht es von Außen aus, als hätte Gozer der Gozerianer in meinem Arbeitszimmer ein Portal geöffnet, so hell scheint das Licht aus dem Fenster. Ich warte noch, was zuerst passiert: Ob die Nachbarn sich über das helle Licht beschweren, oder ob gleich eine Polizeistreife auf der Suche nach einer illegalen Cannabisplantage vor der Tür steht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisetagebuch (1): Leere Batterien

Reisetagebuch (1): Leere Batterien

Donnerstag, 29. Mai 2025, irgendwo in Südniedersachsen
Endlich ist es soweit! Ich kann hier raus! Ich kann ENDLICH weg! Ich muss mich um nichts kümmern als mich selbst!
Dem heutigen Tag habe ich entgegengeschmachtet! Voller Energie springe ich aus dem Bett, als um kurz nach fünf der Wecker klingelt.

Nicht, dass es den Wecker gebaucht hätte. Viel geschlafen habe ich nicht, und wenn ich doch mal weggedöst bin, habe ich geträumt, ich könne nicht einschlafen. Erholsam ist anders, aber erholsamen Schlaf hatte ich seit Wochen nicht mehr. Mein Körper ist permanent im Alarmmodus.

Egal.
Ich will hier raus.

Kurz einen Kaffee getrunken, dann die Sicherungen raus und die Wohnung abgeschlossen und dann ab zur Garage. Die ist in einen Berghang eingelassen, und hier wartet schon die Morrigan. Die nachtschwarze V-Strom 800 ist bereits voll bepackt. Links und rechts hängen die beiden großen, 45 Liter fassenden Givi Monokey Koffer und am Heck klemmt das passende Topcase.

Es hat gerade geregnet. Jetzt nicht mehr, aber es ist kühl – sieben Grad, sagt Anna, das Garmin Zumo, das in der Mitte des Lenkers sitzt und den Ton angibt. Ich überlege kurz, dann ziehe ich die Stormchaser-Regenjacke aus der Satteltasche, die auf den Sozia-Platz geschnallt ist. Die wird ein Auskühlen im Fahrtwind verhindern, mehr Schutz oder Isolation brauche ich dann nicht.

Garagentor zu, in den Sattel geklettert und schon rollt die V-Strom die Dorfstraße hinunter, biegt um die Ecke und verschwindet im Morgenlicht.

Es ist Christi Himmelfahrt, und um diese Zeit ist die Autobahn noch leer. Es geht auf der A7 Richtung Süden.
Wieder einmal.
Eigentlich hatte ich ja immer gesagt: Sobald ich eine neue V-Strom habe, geht es nach Norwegen und zum Nordkap. Nun ist die V-Strom 800 erst ein Jahr alt und gerade mal richtig eingefahren, aber die Wahrheit ist: Nach dem Japan-Abenteuer im vergangenen Herbst und einigen kommenden Unwägbarkeiten in naher Zukunft muss ich finanziell ein wenig aufpassen. Und Norwegen ist nunmal arschteuer. (Auch) deswegen geht es nach Süden.
Und der Sehnsucht wegen.

Weiterlesen Weiterlesen

Eine Legende geht in Rente

Eine Legende geht in Rente

Der beste Suzukihändler der Region geht in den Ruhestand. Der, ohne den ich die Morrigan in ihrer heutigen Form nicht hätte. Die HNA hat einen Artikel dazu und schreibt:

In ein paar Wochen werden sich die Türen des in der Region bekannten Fachhandels jedoch erst einmal schließen. Ein kleines Detail weist bereits darauf hin: Ein Holzschild mit der Aufschrift „Eine Legende geht in Rente“ thront auf dem Tresen. Jochen Schlaak lächelt und sagt: „Das habe ich von einem ganz netten Stammkunden geschenkt bekommen.“

Das Schild, dass er da so stolz in den Händen hält – das hat er tatsächlich von mir. 😢

Serviceoase Deutschland

Serviceoase Deutschland

An der linken Seite meiner V-Strom 800 sitzt normalerweise eine Werkzeugbox. Sie ist geschützt unter dem Kofferträger angebracht und enthält lediglich Reifenflickzeug, Panzerband und ein Erste-Hilfe Set, also nichts von Gewicht. Trotzdem brach im Herbst bei normaler Fahrt über unspektakuläre Straßen eine der drei Halterungen. Einfach bei der Fahrt durch ein Schlagloch zerbröselt, zumindest sah es so aus.

Ärgerlich, zumal das kein billiges Ding von Temu war, sondern eine 140 Euro teure Werkzeugbox aus der Traxx-Linie des deutschen Herstellers SW-Motech. Dass dann so eine Halterung anscheinend aus billigem Alu-Druckguss gefertigt ist, ist mehr als ärgerlich. Immerhin kaufe ich die Premium-Klasse an Zubehör, damit ich auf ewig meine Ruhe habe. So schlechte Qualität kenne ich auc gar nicht, zumal nicht von SW-Motech, von denen die Morrigan auch Motorschutz, Koffer- und Gepäckträger sowie Handprotektoren und Kupplungs- und Bremshebel trägt. MoTech-Zubehör ist normalerweise so stabil gefertigt, dass es mich überleben sollte.

Die Werkzeugbox hatte ich vor eineinhalb Jahren über Louis gekauft, Kaufbeleg natürlich nicht mehr vorhanden. So machte ich mir auch gar keine Illusionen: Reklamation oder Umtausch würden völlig ausgeschlossen sein, da war ich mir sehr sicher.

Trotzdem schrieb ich im Oktober SW-Motech an. Ganz freundlich und nett. Ich schilderte einfach meine Erfahrung mit deren Produkten im allgemeinen und der Werkzeugbox im Speziellen und regte an, stabileres Material für die Aufhängungen zu verwenden. Ich hatte halt bei dem Ding die Arschkarte gezogen, aber wenn der Hersteller nicht weiß, dass es ein Problem mit einem Produkt gibt, dann kann er nichts daran verbessern. Oder?

Der Support von Motech antwortete blitzschnell und sehr freundlich: Ja, man habe auch schon mitbekommen, dass es Qualitätsprobleme mit dem Teil gab. Deshalb hätte man die Halterung komplett neu designed und in späteren Versionen aus einem anderen Material gefertigt. Die nette Supportmitarbeiterin fügte sogar Zeichnungen bei, auf der alte und neue Halterung zu sehen waren…

…betonte aber, dass sie leider nichts weiter für mich tun könnte, weil ich die Box halt nicht direkt bei SW-Motech gekauft hatte.
Tja. Irgendwie wie erwartet. Aber warum nicht einfach mal Louis anschreiben, denen erzählen was Motech zu den Qualitätsproblemen sagt und freundlich und unverbindlich fragen, ob Louis vielleicht für mich beim Hersteller einen Austausch anfragen könnte.

Der Louis-Support meldete sich praktisch sofort und versprach zwar nichts, ließ sich aber auf seine Kosten die kaputte Box schicken. Ohne weitere Fragen zu stellen und ohne Diskussionen über fehlende Kassenbons oder Originalverpackungen oder sonstwas vom Zaun zu brechen. Ich sollte einfach die kaputte Box schicken und gut.

Und nun, keine drei Woche später, war das hier im Briefkasten: Eine nagelneue Traxx-Toolbox der zweiten Revision.

Das ist großartiger Service, finde ich. Es gab keine Diskussionen, keine endlosen Nachweisforderungen, kein Gemecker, dass das Kaufdatum schon 18 Monate her war – das Ding wurde ausgetauscht und gut. Zurück bleibt ein glücklicher Kunde (ich), der in Zukunft jedes Mal wieder dieses Erlebnis im Hinterkopf hat, wenn der Kauf von Zubehör im Einzelhandel ansteht. Da ein negatives Serviceerlebnis bis zu acht mal weitererzählt wird, ein positives aber maximal ein Mal, wollte ich das hier einfach mal aufschreiben, wie gut manche deutsche Händler und Hersteller mittlerweile in Sachen Service und Kulanz sind.

Bei Louis hat die Steigerung der Kundenzufriedenheit System, mit ungeahnten Überraschungen. Gerade jetzt wieder: Alle zwei Jahre gehen meine Airbagwesten über Louis zu Alpinestars nach Italien und werden dort gewaschen, kontrolliert und ggf. mit neuen Komponenten bestückt. Das dauerte in der Vergangenheit ungefähr sechs Wochen und kostete 109 Euro.

In diesem Jahr? Waren die Westen nach drei Wochen wieder da, und der Service kostete 30 Euro weniger als sonst.
Ich bin erstaunt und erfreut. Beklagen werde ich mich darüber sicher nicht. Aber mal loben, das lasse ich mir nicht nehmen.

Agathe 2025/26

Agathe 2025/26

Agathe geht´s voll gut, und deshalb blüht sie in diesem Jahr schon Mitte November.

Sie hat den Sommer auf dem Balkon verbracht, aktuell steht sie im Nordfenster des Arbeitszimmers.

Wir erinnern uns: Agathe, das war ein gigantischer Weihnachtskaktus, den der Vormieter hier in der Wohnung zurückgelassen hatte. Jahrelang sah Agathe das ganze Jahr über aus wie knotiges Gemüse aus dem Weltall, bis sie dann im November anfing, sich in einen rosafarbenen Wasserfall zu verwandeln.

Dann kam ich auf die grandiose Idee, sie nach über 10 Jahren mal von ihrem Mitbewohner, dem teuflichen Drachenbaum, zu befreien. Das ging so gründlich schief, das nur kleine Teile von Agathe zu retten waren. Diese mickrigen Reste bekamen dann auch noch Nachtfrost ab, und mehr tot als lebendig vegetierte Agathe in einem Topf mit einem japanischen Maulbeerbaum dahin. Die beiden hatten ganz unterschiedliche Ideen, wie gute Versorgung auszusehen hat, und Agathe krepelte rum.

In einem eigenen Topf ging es ihr besser, im letzten Dezember blühte sie zaghaft.

Nun, bis Sie ihre frühere Form erreicht…

…dauert es noch ein paar Jahre, aber sie ist auf einem guten Weg.

Frühere Agathes:
Agathe 2024/25
Agathe Adele 2023/24
Die dicke Agathe 2022/23
Die dicke Agathe 2021
Die dicke Agathe 2020
Die dicke Agathe 2019
Die dicke Agathe 2018
Die dicke Agathe 2017

Herbst! Saisonende 2025

Herbst! Saisonende 2025

Also höret und lobet das Herbstwiesel,
das Euch wissen lässt,
dass nun die Zeit für lange Abende bei Filmen, Serien, guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist!

Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde!
Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr,
denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei!
Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2025 ist mit dieser Proklamation offiziell beendet.
Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Der Segen des Herbstwiesels entbindet Euch vom Drang, nochmal auf´s Mopped zu müssen.

Die Ode an das Herbstwiesel beendet die Saison. Bei mir geht ein sehr interessantes Motorradjahr zu Ende, geprägt von (teuren) Fehlern.

Die Saison begann im Februar, als die ZZR 600 Renaissance ohne Mecker durch den TÜV kam.

Dooferweise habe habe ich dummer Mensch ihr den Tankgeber kaputt gemacht, als ich den Tank auspumpen wollte – seltendämlich, aber Dank der ZZR-Forenlegende Korn21, der die Ersatzteilversorgung für alle ZZRs in ganz Deutschland macht, war zumindest ein gebrauchter Tankgeber schnell organisiert. Dumm war es trotzdem – ich wollte der Werkstatt das Abnehmen des Tanks erleichtern, aber dadurch habe ich mal locker 140 Euro Reparaturkosten verursacht.

Trotz dieser Misshandlung muckte die ZZR nicht rum und war den Sommer über mein Brot&Butter-Gefährt, bis sie im September sogar die 100.000 Kilometer vollmachte.

Pünktlich zum Jubiläum machte sie dann prompt den Lichtmaschinenregler kaputt. ZZRs zerstören alle paar Jahre entweder ihre Lichtmaschine oder den Regler, dieses mal war es halt der Regler. Quasi ein Verschleißteil. Erfahrene ZZR-Fahrer haben sowas im Regal liegen und ordern direkt nach dem Aufbrauchen wieder einen neuen Ersatz bei Korn21.

Nochmal zurück in den Februar. Da gab es neue Moppedklamotten für mich. Ich fand eine richtig tolle, perfekt passende und sehr günstige IXS-Jacke, dummerweise mit Neon-Applikationen. Nach der Erkenntnis “Sichtbarkeit ist nichts Verwerfliches” ging ich all in und legte mir neben einer guten Hose auch einen Nolan N100-6 in Signal grün-gelb zu und war ab dem Moment der Neon-Rider.

Die V-Strom 800 Morrigan ging im April verfrüht durch die 12.000er Inspektion, damit sie gut vorbereitet in eine Tour starten konnte. Ihre erste große Tour.

Da es nun ernst wurde, wollte ich Ersatzhebelei und -Pedalerie mitführen, weshalb sie Kupplungs- und Fußbremshebel von SW-Motech bekam. Die Originale stecken nun im Gepäck.

Über 8.000 km kamen bei der Rundreise bis nach Kalabrien und in die Basilicata zusammen.

Dort holte sich die V-Strom ihre ersten Kampfspuren ab. Ironischerweise aber nicht während der ungeplanten Fahrten über Geröll oder einen Olivenberg hinauf, sondern weil ich mit einem Bremsscheibenschloss im Vorderrad losgefahren bin. Wenn das Hinterrad schiebt während das Vorderrad steht, gibt das nicht nur lustige Spuren im Asphalt, sondern auch einen sofortigen Sturz.

Auf den ersten Blick dachte ich: Okay, der Sturzbügel und das Crashpad am Lenker haben alles abgefangen, nichts passiert. Auch die Bremse tat genau was sie sollte. Gerade nochmal gut gegangen. Puh.

Tja, denkste. Einige Tausend Kilometer später rubbelte es beim starken Bremsen erst ein wenig, dann ein wenig mehr, und dann so richtig dolle- Schon beim leichten Verzögern hoppelte die ganze Maschine. Diagnose: Die Bremsscheibe hatte einen mitgekriegt. Bedeutete: Beide vorderen Scheiben und die Beläge neu, alles zusammen 650 Euro. Teures Lehrgeld. Nicht machen lassen wäre keine Option gewesen, weil das Bremsen an jeder Ampel zur Qual wurde und potentiell das ständige Eintauchen irgendwann die Gabel in Mitleidenschaft gezogen hätte.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein dummer Mensch bin? Da passte es ins Bild, dass ich kurz nach dem Vorfall mit dem Bremsscheibenschloss versehentlich Diesel getankt habe. Zwar nicht viel, aber: Dumm.

Immerhin bin ich auf der Tour auch den Stelvio gefahren. Nach den ganzen Videos von umfallenden Motorradfahrern wollte ich mich mal selbst davon überzeugen, wie schwierig der wirklich ist.

Stellt sich raus: Fahrerisch absolut machbar, der erschwerende Faktor sind immer die anderen Fahrzeuge. Der Stelvio ist ein Disneyland für Boomer und ihre Spielzeuge. Supersportwagen, fette Moppeds, Radrennfahrer, amerikanische Ambulanzfahrzeuge, uralte Oldtimer, Wohnmobile und sogar Trecker – alles dabei, und DAS macht das Fahren schwierig.

Was mich während und nach der Tour beschäftigte, war das Windschild. Ein konstantes Ärgernis und ein klassischer Problembär bei V-Stroms, schon immer. Das Standard-Windschild der 800er macht zumindest bei langsamer Fahrt einen halbwegs okayen Job, ballert mir aber bei flotter Fahrweise Luftwirbel an den Helm. Gerade bei Autobahnfahrten ist es nicht schön, wenn einem der Fahrtwind dauernd am Kopf herumreisst und auf die Ohren ballert.

Gegen die Ohrenballerei gab es eine Otoplastik, mehr dazu hier.

Trotzdem musste an der Scheibe was gemacht werden. MRA hat eine Tourenscheibe im Programm, etwas höher und schlanker als das Original und leicht getönt.

Nach vielen, vielen Testfahrten merkte ich: Die macht es nicht besser. Generell herrscht in Foren und bei Gesprächen ja immer die Meinung: Größere Scheibe = Besser.

Windschutz. Regenschutz. Insekten.
Wissen schon.

Deshalb bauen sich der Rudi und der Karl teils absurd gigantische Scheibenkonstruktionen ans Mopped, bis die Kiste den CW-Wert einer Schrankwand hat und sie dahinter während der Fahrt eine rauchen können.

Nur: Das bedeutet auch, wirklich dauernd durch´s Fenster zu gucken und dabei die Haltekonstruktion eines Spoileraufsatzes oder den Knick einer Givi-Airflow immer im Blickfeld zu haben. Außerdem sorgt man dafür, das Helm- und Klamottenlüftung nicht mehr funktioniert – die sind halt auf den Fahrtwind angewiesen.

Ich überlegte lange hin und her und kam dann darauf, dass ich mich eigentlich am Wohlsten fühle, wenn die Scheibe so niedrig wie möglich ist. Ich mochte bei der Vorgängerin, der Barocca, auch das winzig kleine PowerBronze-Windschild, bis sie eine verstellbare MRA in Standardgröße bekam.

Um das auch bei der 800er mal auszuprobieren, versuchte ich ein gebrauchtes Windschild einer V-Strom 800 DE zu kaufen. Deren Geländeschild ist besonders klein. Leider habe ich keines gefunden, aber dafür ein kleines Windschild von Puig. Das ist wirklich winzig im Vergleich zu den anderen Scheiben:

Die Morrigan sieht damit irgendwie aus, als ob oben was fehlt:

Das kleine Schild macht, dass der Fahrtwind bei Geschwindigkeiten von 80 bis ca. 140 km/h (genau das Fenster für meine bevorzugte Reisegeschwindigkeiten) von meinem Oberkörper abgehalten wird, während der Helm frei im Wind liegt. Natürlich habe ich den Winddruck von vorne, aber der ist halt konstant. Keine Wirbel die am Helm ballern und reissen, sondern ein ruhiger, gleichmäßiger Windstrom.

Ich war mir trotzdem etwas unsicher, ob die kleine Puig für weite Touren taugt, gerade im Herbst. Wird das nicht zu kalt? Und Regenschutz bietet sie wenig. Andererseits: Regenschutz durch ein Windschild ist bei RICHTIGEM Regen, so wie er mich gerne begleitet, ohnehin eine Illusion. Es heißt halt auch Windschild, und nicht Regenschild.

Also wagte ich es, und siehe da: Auf 5.000 Kilometern durch wechselhaftes Herbstwetter mit Regen, Kälte und Hitze hatte ich nicht ein Mal das Gefühl, ich würde mir jetzt eine höhere Scheibe wünschen. Im Gegenteil. Dass ich über die Kurze absolut drübergucken kann und keine Kante und keinen Mechanismus im Sichtfeld habe, empfand ich gerade bei schwierigen Sicht- und Wetterverhältnissen als echten Vorteil.

Und an die Optik gewöhnt man sich auch.

Doch, ich mag die Puig.
Was anderes: Jemand Interesse an einer MRA-Tourenscheibe? Kaum gebraucht. 🙂

Ach ja, die Herbsttour im Oktober. Das war Urlaub. Keine Reise, um neue Dinge zu entdecken, sondern schlicht Urlaub. Drei Wochen mit dem Mopped unterwegs, das war nice.

Lediglich die SW-Motech Toolbox hat es zerbröselt. Tatsächlich weiß der Hersteller um die schlechte Qualität und hat in einer neuen Revision die Halterung nicht mehr aus Alu-Druckguß gemacht. Mal gucken, ob der Händler die auf Kulanz austauscht.

Ende Oktober ging es für die V-Strom noch einmal in die Werkstatt, bei kühlen sieben Grad, noch im Dunkeln und über regennasse und Laubbedeckte Straßen. Der dritte Wartungstermin in diesem Jahr. Grund: Die geniale Werkstatt schließt, und ich weiß noch nicht, wo ich stattdessen hin soll. Nun hatte die Morrigan aber schon 23.500 Kilometer runter, und bei 24.000 ist eine recht große Inspektion mit Ventilspieleinstellung nötig. Das sollte die bewährte Werkstatt noch machen.

Nach der Inspektion war alles Okay, aber kurz vor der Einwinterung dann noch ein Schreck: Die Ventile klapperten vernehmlich! Stellte sich raus: Wenn man in einen halbleeren Tank zu viel Benzinstabilisator gibt, passiert das. Tankt man dann voll, ist das Klappern wieder weg. Wieder was gelernt.

Über 16.000 Kilometer auf zwei Rädern sind in diesem Jahr zusammengekommen. So viel wie noch nie. Maßgeblich verantwortlich waren dafür die drei Wochen Motorradtour im Sommer und drei Wochen im Herbst. Sechs Wochen on the Road – Ich habe nochmal alles ausgekostet.

Ich bin wieder einmal froh und dankbar, dass ich so viel auf zwei Rädern unterwegs sein durfte, und dass alles gut gelaufen ist. Es gab keine Panne, keine Verletzungen und vor allem: Keinen Unfall.

Dafür bin ich enorm dankbar.

Ich fahre gerne zügig, bin aber gerade auf Bergstrecken nicht der Schnellste, das ist mir auf der Herbsttour wieder klar geworden. Was mir aber auch bewusst geworden ist: Ich fahre jetzt in meinem 34. Jahr Motorrad, und in der ganzen Zeit hatte ich fünf Umfaller im Stand, bin ein Mal während der Fahrt weggerutscht, was aber weder für mich noch für das Mopped Folgen hatte, und wurde einmal von einem Auto von hinten angebummst. Angesichts des Zeitraums und der abgerissenen Kilometer (vermutlich um die 250.000) ist das praktisch nichts – und noch nie hatte ich einen echten Unfall, bin verletzt worden oder habe eine Maschine zu Klump gefahren.

Klopf auf Holz. Ich hoffe, dass das so weitergeht. Denn dazu gehört neben dem Glück, das man selbst macht (auch bekannt als Training und vorausschauender und vorsichtiger Fahrweise) ist es eben immer auch eine gute Portion Zufall, ob es einen erwischt oder nicht. In dieser Saison war alles gut.

Die Renaissance und die Morrigan sind sauber, vollgetankt und abgedeckt. Sie träumen von sonnenwarmen Landstraße, während sie dem Frühling entgegenschlummern.

Nun ist es wieder Zeit für Statistik. Die Detailaufstellungen folgen nach dem Klick. Wer sich Einzelheiten angucken möchte, findet die Daten beider Maschinen online:

Suzuki V-Strom 800 Morrigan bei Spritmonitor.de
Kawasaki ZZR 600 Renaissance bei Spritmonitor.de

Weiterlesen Weiterlesen

Momentaufnahme: Oktober 2025

Momentaufnahme: Oktober 2025

Herr Silencer im Oktober 2025

Winterschlaf, das wäre es jetzt.

Wetter: In Deutschland: Keine Ahnung. Auf Sardinien war es recht kühl. Tagsüber 23 Grad waren nett, aber nachts knappe 10 Grad, da fror ich im unbeheizten mobile Home doch ein wenig. Ab dem 20.10. wieder zurück in Deutschland, und brrrr ist das kalt mit 3 Grad im Thüringer Wald und 07-13 Grad in Götham. Dazu Nieselregen und Dunkelheit. Die letzten Tage nochmal deutlich kühler, bis auf 2 Grad, dabei aber sonnig.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
Eine junge Frau zieht zur Adventszeit in ein Haus im Wald, in dem einst schreckliche Dinge passiert sein sollen. Sie selbst trägt auch schlimme Erinnerungen mit sich herum, denn sie wurde in ihrer Jugend von einer sadistischen Internatsleiterin 24 Tage lang, nach Art eines Adventskalenders, gequält und gefoltert. Zeitgleich sucht eine Wissenschaftlerin nach einer Knochenmarksspenderin für ihre kranke Tochter.

Uargh-bäh-was für ein gequirlter Unsinn. “Geschicktes Spiel mit den Zeitebenen” und “Raffinierte Geschichte” schrieb die Kritik, für mich ist das Buch unfokussiert und völlig over the Top.

Das fängt bei der 24tägigen Adventsfolter an, von der niemand was gemerkt haben will, und endet damit, dass jeder irgendwie mit jedem verwandt ist und DANN noch mal 10 Seiten Exposition nachgeschoben werden müssen, um den hanebüchenen Unfug auf den Seiten davor zu erklären.

Ich mag Fitzek, das sind typische Bücher die man gut im Urlaub lesen kann, aber “Kalendermädchen” war nicht meins.

Noraly Schoenmaker: Free Ride
Noraly wurde betrogen. Ihr langjähriger Partner ist fremdgegangen. Beziehung, das gemeinsame Haus, Zukunftspläne – alles dahin. Auch der Job nervt sie an. Also verkauft sie ihr Hab und Gut und macht sich auf eine kleine Selbstfindungsreise mit dem Motorrad durch Indien. Unterwegs kommt ihr die Idee: Warum nicht die Reise mit Youtube-Videos dokumentieren und so vielleicht finanzieren? Das ist der Beginn von “Itchy Boots”, einem der erfolgreichsten Motorradreisechannels der Welt.

Ich mag Itchy Boots und war gespannt auf dieses Buch. Noraly hat ein enormes Arbeitspensum, gefühlt veröffentlich sie alle zwei Tage ein Video aus irgendeiner Ecke der Welt. Da sie das Editing während ihrer Reise macht, ist viel rohes und authentisches Material dabei – und genau diese Authentizität, die häufig auch von der Begegnung mit anderen Menschen lebt, fehlt dem Buch bzw. es fällt deutlich gegenüber den Videos ab.

Sehr deutlich wird das bei einer Begegnung in Kasachstan, wo sie von einigen Frauen vergorene-Ziegenmilch-zum-Lutschen bekommt. Die darauffolgende Szene ist im Video sehr nah dran und sehr lustig, im Buch aber eher hölzern beschrieben.

Neues erfährt man leider kaum. Im Wesentlichen ist “Free Ride” eine Nacherzählung von Schoenmakers erster Reise, aber die ist halt schon in 129(!) Youtube-Videos dokumentiert. Dazu kommt: Sie begann das Buch, als sie mit gebrochenen Knochen darnieder lag und nicht Motorrad fahren konnte. Das, so meine ich, ist deutlich zu merken. Der Anfang des Buchs beschreibt die Reise sehr ausführlich, aber ab der Mitte geht es dann sehr rasch-rasch, wie im schnellen Vorlauf. Der Verdacht liegt nahe, dass Noraly da wieder fit war, zurück in den Sattel wollte und alles schneller runtergetippt hat.

Nein, “Itchy Boots” sollte man sich im Bewegtbild geben, nicht als Buch.
Zum Youtube-Channel.

Dan Brown: The Secret of Secrets
Robert Langdon, der Deuter von Symbolen, stolpert durch Prag und in extrem seltsame Zufälle. Nachdem er in einen Fluss fällt, wird er von allen Seiten mit Exposition zugeschissen und muss sich dann aus dem Netz der Geheimdienste herausdeuten.

“Illuminati”, “Da Vinci Code”, “Lost Symbol”, “Inferno” oder zuletzt, 2017, “Origin”: Kennste einen Dan Brown, kennste alle.

Stets bedient er sich einer europäischen Stadt als Hintergrund, in “Illuminati” Rom, in “Da Vinci Code” Paris, in “Inferno” Florenz und Istanbul, in “Origin” Barcelona.

Immer schleicht ein unheimlicher Spinner durch die Gegend und bringt Leute um (“Da Vinci”: Selbstgeisselnder Albinomönch, “Inferno”: Kampfamazone, “Origins”: Eine KI).

In jedem Buch geht es um eine populärwissenschaftliche These, die am Ende enthüllt wird – nachdem der Hauptcharakter ca. 400 Seiten absurden Hinweisen hinterhergestolpert ist, in einem fragmentierten Plot, in dem sich alle zwei Seiten parallele Handlungsstränge abwechseln. Der Schreibstil ist dabei genau an das amerikanische Publikum angepasst und teils naiv-kindlich.

Die Zielgruppenanpassung sieht man z.B. an der ausführlichen Erklärung europäischer Orte und Gepflogenheiten, und das rund ein Viertel des Textes immer wieder ein redundantes “Was bisher geschah” ist.

Kindlich-naiv ist auch Browns Vorstellung von wissenschaftlicher Arbeit sowie der absurde Kniff, Exposition über die Gedanken der Figuren zu liefern. Beispiel: Da stürzt eine Frau aus dem Himmel, und sie denkt “Wie kommt es das ich, eine weltweit renommierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Noetik, die in den letzten Jahren in einem renommierten Privatinstitut forschte und lehrte, abstürze? “. – Solche Art von schlimmer Schreibe passiert nicht einmal, sondern alle 3 Seiten. Brown liefert Kontext und Fundament für seinen Plot, in dem er zu den unpassendsten Zeiten seine Figuren die Exposition denken lässt – das ist so doof, da muss man auch erstmal drauf kommen.

Auch ansonsten ist das Buch stellenweise ärgerlich. Etwa, wenn der Buchkonzern Random House, der zufällig auch im echten Leben Dan Brown verlegt, ausführlich vorgestellt wird – als Ort, in dem ausnahmslos Buchliebhaber und generell grundgute Menschen arbeiten und der seine Autoren auch mit “Military Grade Firewalls” und Leib und Leben schützt. Oder wenn wirklich jede Figur als modelhaft schön und sportlich beschrieben wird.

Lustig ist zudem, das Brown mit seinem eigenen Hauptcharakter nichts mehr anfangen kann. Robert Langdon darf nur noch Symbole wie das eines Notausgangs deuten (ja, wirklich jetzt!) und stolpert ansonsten nur einer Dame hinterher, die eine reine Expositionsmaschine ist und ihm ständig die Welt erklärt. Nunja. Dan Browns Bücher sind halt Trash. Edeltrash, aber halt Trash.

Immerhin ist “Secret of Secrets” ob seiner phantastischen These ab der Mitte recht spannend und deutlich plausibler aufgebaut als seine direkten Vorgänger “Inferno” oder “Origins”, mit 675 aber satte 225 Seiten länger als es sein müsste. (Silencer´sche Grundregel: Jede Geschichte lässt sich auf 450 Seiten erzählen, jede Seite mehr ist überflüssig). Satte 120 Seiten spielen übrigens nach der eigentlichen Handlung und sind nur noch Geblubber, und DANN kommt noch ein Epilog hinten dran. Das fühlt sich an wie die sechs Enden von “Death Stranding”: Überlanges Rumgewichse des Autors, bei dem der Leser nur noch wegdämmert.
Insgesamt: Kann man lesen, an langen und kalten Winterabenden. Man verpasst aber nichts, wenn man es im Buchladen liegen lässt.


Hören:


Sehen:

Long Way Home [2025, Apple TV+]
Ewan McGregor und Charly Boormann gehen noch einmal gemeinsam auf Tour.

Ach. Ach. Ach.

“Long Way Round”, die erste gemeinsame Reisedoku von Mcgregor und Boorman, war 2004 eine wegweisende Dokumentation über eine Weltumrundung von England über Europa und durch Russland bis nach New York. Die ließ nicht nur mich, sondern Motorradbegeisterte rund um die Welt von Motordadreisen träumen, und sorgte in vielen Fällen dafür, dass die Leute tatsächlich den Hintern von der Couch zu bekamen, zu reisen begannen und dann von ihren Erlebnissen schrieben oder sie filmten.

“Long way Down” führte 2007 einmal längs durch Afrika und war immer noch abenteuerlich, aber schon ein Bisschen peinlich (weil McGregors damalige Frau UNBEDINGT mitwollte und dann in jeder Kurve umfiel) und deutlich mehr Promo – McGregor und Boorman besuchten häufig Unicef-Lager oder gemeinnützige Projekte.

“Long Way Up” war 2020 ein nachgetropftes Apple TV-Exclusive, führte von Feuerland quer durch Südamerika bis in die USA und hatte als besonderen Twist, das die Strecke auf Elektromotorrädern zurückgelegt wurde. Das war schon ein wenig Altherrenfernsehen, nicht nur weil die Aufregung herbeigescripted werden musste und die Protagonisten halt mittlerweile älter sind, sondern auch weil “Mad Dog” Boormann sich zwischenzeitlich bei schlimmen Unfällen jeden Knochen im Leib zwei Mal gebrochen hatte, nur noch von Drahtklammern und Titanbügeln zusammengehalten wird und quasi auf´s Motorrad gehoben werden muss.

Nun also “Long Way Home”, und das ist Altherrenfernsehen mit Extra viel Fremdscham. Hier geht es wirklich um gar nichts mehr.

Früher waren die (echten oder inszenierten) Entbehrungen und Widrigkeiten einer Motorradreise das, was die “Long Way”-Reihe interessant machte. Das gibt es nun schlicht nicht mehr – Boorman und McGregor dödeln unter permanentem “Woohoo!!” und “Amaaaaaaaazing!”-Rufen einmal von England nach Skandinavien und zurück, nehmen dabei Volksfeste und Sportwettbewerbe mit, essen Fischbrötchen und hüpfen nackig in die Sauna. Das war´s, mehr passiert hier nicht.

Am Abenteuerlichsten ist noch, das ein Zündkabel an McGregors alter Motoguzzi nicht richtig sitzt, was sich aber dank Facetime-Anruf auf einem Apple iPhone beheben lässt. Ansonsten sieht man den beiden hier einfach nur noch dabei, wie sie sich von Apple eine kurze Vergnügungsreise finanzieren lassen.

Schön, dass McGregor und Boorman hier ihren Spaß hatten – als Zuschauer hat man den nicht. Man langweilt sich hier gepflegt zu Tode, während man sich über das dauernde “Wooohooo!/AMAZING!!!” ärgert. “Long Way Home” ist hoffentlich der letzte Teil der Reihe – zumindest ist kaum vorstellbar, das sich irgend jemand nach diesem Tiefpunkt noch einmal dafür interessiert.

Mission: Impossible: The Final Reckoning [2025, BluRay]
Tom Cruise muss zwei Dinge verhindern: Die Zerstörung der Welt durch den langweiligsten Bösewicht ever und das Ausrutschen auf ekligem Pathos. Spoiler: Er scheitert.

Als 1996 der erste “Mission Impossible”-Film rauskam, war ich sauer: Statt perfektem Zusammenspiel eines Teams aus Spezialisten, wie das in der TV-Serie der Fall war, stellte sich der Film als bloßes Tom Cruise-Vehikel heraus. Tom Cruise auf Alleingang und als Retter des Tages. Sehr beliebig, immerhin mit einigen spannenden Szenen, aber im Kern nicht das, was Mission Impossible ausmachte.

“M:I2” von 2000 war Jon-Woo-Bonkers und wieder Tom-Cruise-Show, brachte aber Bilder mit, die im Gedächtnis blieben.

Mission Impossible III von 2006 von J.J. Abrams war fast Meta, denn hier war alles runtergestrippt auf die Essentials des Franchises: Es gab wieder ein Team, es gab Heist-Sequenzen, es gab Spannung, aber der Bösewicht hatte kein Motiv und der McGuffin nicht mal mehr einen Namen (“Die Hasenpfote”? Echt jetzt?). Aber er zeigte, was bei Mission Impossible wichtig ist: Es gilt, möglichst kompliziert ein Ding zu klauen, dann gibt es Verfolgungsjagden und am Ende rettet Tom Cruise entgegen jeder Statistik doch noch den Tag. Simple as that. Ich war versöhnt und begann die Reihe zu mögen.

Ab Teil 4 (“Phantom Protocol”, danach “Rogue Nation”, “Fallout”, “Dead Reckoning, Part 1”) reduzierte man es wirklich auf dieses Rezept: Man überlegte sich für jeden Film zwei bis drei wahnsinnig gefährliche und spannende Actionpieces, die Tom Cruise dann selbst machte, und füllte die Zeit dazwischen mit Rennen, Fahren und Heist-Aktivitäten. Ein simples wie aufwendiges Konzept, das kurzweilig ist, Spaß macht, Schauwerte bietet, und das ich sehr feiere.

Was der Reihe nicht fehlte ist philosophischer Tiefgang, die Suche nach tieferem Sinn oder tiefenpsycholgische Analysen von Tom Cruise Charakter.

Genau das macht “Final Reckoning” aber, und zwar endlos und ausschweifend. Von den 170 Minuten Laufzeit werden die ersten 54 (ja, ich habe auf die Uhr geguckt!) nur für Rückblenden auf die ersten sieben Filme und als Exposition genutzt, in der nochmal von verschiedenen Figuren maximal ungelenk erklärt wird, warum Tom Cruise nun wirklich ein ganz besonderer Wunderwuzzi ist.

Nach dieser endlosen Stunde geht es dann endlich los, das Team zieht ins Feld und Tom Cruise rennt und taucht und macht absurde Dinge. Das wird aber immer wieder unterbrochen durch endlose Expositionsszenen und eine ungeschickt herbeifabulierte Bedrohung durch eine böse KI, die aber nie wirklich greifbar ist und so zum langweiligsten Bösewicht der ganze Reihe wird.

Die Retcon-Versuche, also die im Nachgang dahinkonstruierte Erklärung, warum ab Teil 1 alle Filme miteinander zusammenhängen, sind so ungeschickt, das es beinahe niedlich ist. Der ganze Summs endet dann wieder mit viel Lobhudelei per Voiceover auf Tom Cruise und warum er so besonders ist, während der “operierende Titan” (seine Scientology-Bezeichnung) im Gegenlicht auf einem Tafelberg in Afrika steht.

Nein, “Final Reckoning” ist leider kein guter Film. Er sülzt rum. Er nimmt sich viel zu ernst. Er hat ein schlechtes Pacing. Die Tom Cruise Beweihräucherung ist peinlich und langweilig.

Den direkten Vorgänger “Dead Reckoning” gucke ich gerne alle paar Monate wieder, weil der so geile Schauwerte hat. Der Nachfolger fällt dagegen deutlich ab. “Mission: Impossible Final Reckoning” ist freudlos, schwerfällig und rutscht auf seinem eigenen Pathos aus. Er ersäuft in seiner eigenen Wichtigkeit und ich behaupte: Man kann den Streifen um satte 90 Minuten kürzen ohne das etwas fehlt, und man hätte einen besseren Film.

Star Trek: Strange New Worlds Season 3
Jahre vor Captain Kirk: Die Enterprise unter Captain Pike erlebt Abenteuer im Weltraum.

Die zweite Staffel von “SNW” war genial, die dritte ist es nicht. Das liegt vor allem daran, das die Charaktere zu kurz kommen – in einer Plot-driven Show wie “Discovery” ist das Okay, aber SNW ist Charakter-Driven, und da ist das tödlich. Was es stattdessen gibt: Dauernd irgendwelche extravaganten Ausreisserfolgen: Mal verwandelt sich die komplette Kern-Crew in Vulkanier, mal spielen alle in einer Trash-SciFi-Show in den 50ern mit, mal gibt es ein Film-Noir-Mystery in Hollywoods 40ern.

Solche Episoden sind eine gelungene Abwechselung, wenn einer Serie so langsam die Ideen ausgeht und eine Staffel aus 20 Folgen besteht. Dann sind ein oder zwei Folgen mit völligem Nonsense auflockernd, das kann Spaß machen. Aber SNW Staffel 3 besteht insgesamt nur aus 10 Episoden, und die Hälfte davon ist Quatsch! Und nicht mal guter Quatsch, denn anders als die Musicalfolge aus Staffel 2, die etwas über die Charaktere verriet, treten die Bonkers-Folgen der dritten Staffel auf der Stelle und sorgen dafür, dass die Tonalität der Serie all over the place ist.

Dass das nichts war, wissen auch die Showrunner. Die haben schon während der Promo zu Staffel 3 immer wieder betont, wie schlimm der Writers Strike sie getroffen hat, und das Staffel 4 tonal ganz anders werden wird. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe – im ersten Teaser zu Staffel 4 hat sich Pike in einen Muppet verwandelt. Das sieht schon wieder sehr nach Bonkers aus.


Spielen:


Machen:

  • Eine Herbsttour mit dem Motorrad.

Neues Spielzeug:

Hyundai Silent Kompressor SAC55752
Ich habe LANGE überlegt, ob ich einen Kompressor wirklich brauche. Seit Jahren schleiche ich da drum herum. Gleichzeitig war ich permanent, und zwar fast jede Woche, angenervt davon, wie lange doch die kleine Akkuluftpumpe für einen Motorrad- oder Fahrradreifen braucht, oder das ich die Dauerfilter in den Staubsaugern oder die Luftfilter von Auto und Moppeds nicht selbst ausblasen kann. Aber rechtfertigen diese wenigen, zugegeben regelmäßig wiederkehrenden, Aufgaben den Kauf eines Kompressors?

Albrecht brachte es am Ende auf den Punkt: “Das Leben ohne Kompressor ist denkbar, aber schwierig”, sagte er und ich nahm das mal als väterlichen Rat. Am Primeday dann für knapp über 100 Euro den gebrauchten Hyundai geschossen.

Mit 59 DB flüsterleise, gleichzeitig mit einem 24 Liter Kessel, 125 Litern Ansaugleistung und 10 Bar Arbeitsdruck leistungsstark genug für das Aufpumpen von Auto- und Motorradreifen, das Ausblasen von Luftfiltern oder auch für den Betrieb eines Schlagschraubers oder einer (langsamen) Nagelpistole. Macht sehr viel Freude, das Ding.

Weil ich noch einen gebrauchten 10-Meter-Druckluftschlauch auf einer selbstaufrollenden Trommel fand, hat die Garage damit nun sehr günstig ein Druckluftsystem bekommen.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008