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Impressionen eines Wochenendes (15): Affenwald

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Spätsommer in Thüringen: Die Felder sind abgeerntet, die Bäume hängen voller Lemuren.
Wait. What?!

Ja, wirklich. In Straußberg, südlich von Nordhausen, am Harzrand, gibt es ein eingezäuntes Stück Wald. Darin leben Berberaffen, verschiedene Lemurenarten und sogar Kängurus. Letztere sind hinter Draht und verstecken sich auch schon mal, aber die Affen bewegen sich vollkommen frei im Wald, durch den man als Besucher wandert. War ein Ausflugtip der schönen Nachbarin, die vor zwei Wochen da war und lustige Bilder davon mitgebracht hat, wie ihr ein paar schwarzweiße Varis die Füße ablecken.

Der Tag in Bildern.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 28. August 2016 in Reisen

 

Kuhhof, Nachtrag

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Ein Nachtrag zum kleinen Kuhhof mit glücklicherweise guten Nachrichten. Gerade kam eine Mail aus Accumoli hier rein:

„Per fortuna stiamo tutti bene, spaventati e tristi ma vivi.
Anche le strutture hanno retto bene, qualche crepa ma sono agibili.“

„Wir stehen immer noch unter Schock und sind traurig, aber zum Glück sind wir am Leben und es geht uns gut. Unsere Gebäude haben etliche Risse, aber sie haben gehalten und wir können den Betrieb weiterführen.“

Ich mache mal ein ganz lautes PUH der Erleichterung. So eine Katastrophe wird doch ganz schlimm greifbar, wenn man die betroffenen Orte und vielleicht sogar Leute dort kennt.

 
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Verfasst von - 27. August 2016 in Ganz Kurz

 

Kartenzahlungsverfahren im Überblick

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Eigentlich wollte ich einfach durch die Absperrung rauschen. So wie immer. Durch das schnelle Personenvereinzelungssytem in der Londoner U-Bahn kann man nämlich einfach so durch zu laufen, ohne den Schritt verlangsamen zu müssen. Man muss nur seine Plastikkarte in einer fließenden Bewegung vor das Lesegerät halten, Zack, die Absperrung schwuppt zur Seite, und schon ist man in der Tube.


An diesem Morgen klappte das nicht, ich lief mit vollem Schwung gegen das Gitter. Meine Oystercard wollte nicht. Eine freundliche Angestellte von Transport for London war sofort zur Stelle und fand auch gleich die Ursache: Das Guthaben auf der Karte war aufgebraucht. Am Abend zuvor waren noch über 20 Pfund darauf gewesen. Die waren nun weg. Aber warum?

Aktuelle EC- und Kreditkarten sind kein dummes Stück Plastik mehr. Im Chip sitzt ein kleiner Computer, und in die Karte eingebacken ist eine Kupferantenne. Außerdem gibt es immer noch den Magnetstreifen und die Kartennummern, mit denen bezahlt werden kann.

Ein Zahlungskarte der Gattung der Kredit- oder Debitkarten angehören hat heute nicht nur eine, sondern gleich mehrere Bezahlfunktionen. Was die eigene Karte kann, erkennt man auf den darauf abgebildeten Symbolen. Und ja, es lohnt sich, die mal genauer anzugucken, wie meine London geschichte verrät.

Kreditkarte: Gibt es seit 1894, und so sicher sind sie auch. Insbesondere die Kreditkartenfunktionen, bei denen der Magnetstreifen ausgelesen wird oder mit einem Imprinter ein Abdruck(!) der erhabenen Kreditkartennummern genommen wird sind hoffnungslos unsicher, werden aber nur noch sehr selten verwendet. Bei Kreditkarten wird meist per Nummer plus Unterschrift oder PIN oder mit der Nummer plus Sicherheitsnummer bezahlt. Abrechnung erfolgt monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Das Verfahren ist bei deutschen Händlern unbeliebt, weil die Teilnahme am Kreditkartennetzwerk und die Gebühren höher sind als bei nationalen Debitkarten. Die EU hat zwar das Interbankenentgeld auf 0,3% des Preises gedeckelt, aber das macht leider nur einen Teil der Kosten für den Händler aus.

Girocard/Electronic Cash: Nationale Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft. Bis 2007 hieß die EC-Karte, jetzt Girocard. Debitkarten belasten, anders als Kreditkarten, zeitnah das eigene Konto. Identifikation erfolgt mittels PIN und Onlineabfrage der Bankensperrdatei im Hintergrund. Ist recht sicher und für den Einzelhandel günstiger als Kreditkarten. Giropay hat damit nichts zu tun, dass ist das Überweisungsverfahren im Internet.

Electronic Cash Chip: Genau wie Giropay, aber normalerweise offline. Hier wird im Chip der Karte ein monatlicher Kreditrahmen definiert. Der Chip sagt der Kasse, für wie viel Kredit er noch gut ist. Ist ds Limt noch nicht erreicht, entfallen die Kosten für Onlineabfrage. Die erfolgt nur, wenn das Limit im Chip erreicht ist oder über einen definierten Zeitraum keine Verbindung zwischen Bank und mehr aktiv war.

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Maestro oder V PAY: Debitfunktion von Mastercard (Maestro) oder VISA (V Pay). Verhält sich genauso wie Electronic Cash. Unterschied: Maestro wird weltweit nahezu überall akzeptiert, speichert aber wichtige Infos im Magnetstreifen und ist deshalb anfällig für Skimming, dem Datenklau am Lesegerät. V PAY speichert die Infos im Chip der Karte und ist deshalb Skimmingsicher, wird aber nur in Europa, und hier auch nicht in allen Ländern, akzeptiert. Bei beiden Verfahren ID mittels PIN.

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Elektronische Lastschrift: Weil die Einzelhändler sich gerne die Gebühren für die Banken sparen wollen, verwenden sie das Lastschriftverfahren mit Unterschrift als Identifikation. Hierbei wird über den Magnetstreifen die Kartennummer gelesen und dann die Unterschrift aus dem Kassenbon mit der auf der Karte verglichen. Oder auch nicht. Nachteil: Unsicher, auch für Händler, denn Lastschriften können ins Leere laufen und der Händler auf den Kosten sitzen bleiben. Für Kunden ist es auch unsicher, denn die Unterschriftprüfung ist ungefähr so sicher wie Homöopathie eine Wissenschaft. Mit dem ELV können auch geklaute Karten belastet werden.

Elektronische Lastschrift Online:
Für den Kunden ändert sich nichts, auch hier wird lediglich mit der Unterschrift identifiziert. Im Hintergrund wird abgefragt, ob die Karte gesperrt ist. Allerdings nicht bei den Banken, sondern bei der Firma Ingenico, was das Ganze für den Einzelhandel billiger als die Abfrage der Sperrdatei bei den Banken macht.

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Geldkarte: Hier wird ein Betrag der eigenen Wahl vom Bankkonto in den Chip der Karte übertragen und von da aus quasi abtelefoniert. Nennt sich auch elektronische Geldbörse. Hat bei meiner Volksbankkarte nie funktioniert, mittlerweile nutzt außer Rauchern am Zigarettenautomaten und Herrn S. aus G. an der L. niemand mehr diese Funktion.

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NFC: Die Near Field Communication erlaubt kontaktloses bezahlen. Karten werden nur noch oder an ein Lesegerät gehalten und nicht hineingesteckt. Man braucht sie nicht mal aus dem Geldbeutel zu holen, sondern hält den einfach ans Gerät. Auch manche Handys können bereits NFC-Bezahlung. Vorteil: Der Bezahlvorgang geht schneller. Nachteil: Keine Identifikation oder Bestätigung. Eine PIN wird erst bei Beträgen über 25 Euro verlangt. VISA nennt NFC „PayWave“, Mastercard „Pay Pass“ und die Deutschen Banken „GiroGo“. Apple hat eine NFC-Bezahlung über seine Geräte entwickelt, die den Fingerabdruckleser einbezieht. ApplePay gibt es in Deutschland aber noch nicht (Stand: 08/16).

So, und wo sind nun meine 20 Pfund in der Londoner U-Bahn hin verschwunden?

Ganz einfach. Die U-Bahn-Karte verwendet die gleiche NFC-Technologie wie meine Kreditkarte, und die Tube akzeptiert inzwischen beides als Fahrschein. Man kann also entweder die Oystercard oder die Kreditkarte verwenden, um durch die Absperrung zu kommen.

Ich habe beide Karten im selben Portemonnaie, und nun war Folgendes passiert: Am Vorabend hatte die Tube die Oystercard eingelesen, als ich eine Fahrt begann. Beim Verlassen der U-Bahn hatte die Auslassschranke aber nicht die Osyster-, sondern die dahintersteckende Kreditkarte angefunkt. Die war nicht eingestempelt, also wurde von der gleich mal der Maximalbetrag für 24 Stunden wildes Fahren abgebucht. Als am nächsten Morgen die Oystercard zum Einchecken verwendet wurde, stellte das U-Bahnsystem fest, dass der Checkout vom Vorabend fehlte – und nahm an, ich sei die ganze Nacht über alle Zonen Londons umhergefahren. Dafür wurden dann 20 Pfund abgebucht.

Was lehrt uns das? Zahlungsmethoden sind vielfältig und werden immer bequemer und schneller. Aber damit steigt leider auch das Fehler- und Mißbrauchspotential. Als Endnutzer kann man außer Totalverweigerung dagegen nicht viel machen, denn zugunsten der Bequemlichkeit entfallen Möglichkeiten der Kontrolle.

 
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Verfasst von - 26. August 2016 in Service

 

Girocard oder VPay oder Maestro?!?

Und dann stand ich da wie Max-inne-Möhren, glotzte auf das PIN-Pad an der Kasse und versuchte zu enträtseln, was es von mir wollte. Als ich es verstanden hatte, kam ich aus dem Fazialpalmation nicht mehr raus, denn ich hätte NIE gedacht, dass die EU diesen Quatsch durchsetzt.

Ich bin ja glühender Europafan, aber manchmal geht mir die EU auf den Saque. Nämlich immer dann, wenn die Kommission Dinge auf den Weg bringt, von denen von vornherein klar ist, dass sie nicht nur Rohrkrepierer sind, sondern ein fetter Blattschuss ins eigene Knie.

Die Cookieregelung auf Webseiten ist so ein Beispiel. Die nervigen „Wir verwenden Cookies“-Meldungen waren zum Schutz und der Sensibilisierung der Besucher gedacht, haben aber exakt das Gegenteil erreicht: Man hat sich einfach dran gewöhnt, beim erstbesten Popup auf einer Webseite stumpf „OK“ zu klicken ohne es zu lesen. Da könnte auch „wollen sie wirklich ihre Festplatte löschen“, ich würde es nicht sehen und gleich bestätigen.

Das gleiche Kaliber falsch verstandener Transparenz sorgt jetzt für maximale Verwirrung bei Kartenzahlungen. Moderne Karten tragen nämlich etliche Zahlungsmöglichkeiten mit sich rum. Welche an der Kasse verwendet wird, entschied bis vor Kurzem der Händler. Seit Juni gibt es eine Vorschrift, dass der Kunde die Zahlungsmethode auswählen soll, denn „Der Kunde soll Entscheidungsfreiheit haben“. Das ist einigermaßen sinnfrei, denn die meisten Kunden wissen nich mal, das ihre Karte mehr als ein Zahlungssystem hat, geschweige denn was die Unterschiede sind.

Für die meisten Deutschen ist ihre Zahlungskarte „Die Eurocheque-Karte“. Punkt.

Was grandioser Quatsch ist, denn die Eurocheque-Karte gibt es seit 2001 nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt stand EC für Electronic Cash, wobei das seit 2007 Girocard heißt*. Ausgegeben und betrieben wird das Girocard Netz von der Deutschen Kreditwirtschaft, es handelt sich also um eine nationale Debitkarte.

Die ist den international agierenden Finanzkonzernen ein Dorn im Auge, weshalb Mastercard und VISA eigene Debitsysteme geschaffen haben. Die heißen „Maestro“ (Mastercard) und „V Pay“ (VISA). Da diese beiden Konzerne die größten Ausgeber von Karten sind, ist ihre eigene Funktion meist zusätzlich zu Giropay enthalten.

Je nachdem mit welchem Unternehmen die eigene Bank kooperiert, hat die eigene Bankkarte also mindestens zwei Zahlungsfunktionen: Giropay oder Maestro/V Pay. Bei den Zahlungsarten Giropay/Maestro/V Pay entschied bis vor Kurzem der Händler was genutzt wurd. Nun soll man als Kunde selbst entscheiden, welches Zahlungsverfahren man verwenden möchte. Was einigermaßen sinnfrei ist, denn für den Kunden entstehen keine Zusatzkosten, egal für welches Verfahren er sich entscheidet.

Für die Händler gibt es aber sehr wohl einen Unterschied, denn je nach Verfahren sind die Gebühren für ihn bis zu doppelt so hoch. Bei Giropay bezahlt der Händler 0,2 Prozent des Umsatzes an die Bank, bei VPAY/Maestro sind es 0,3 bis 0,4 Prozent. Will man seinem Einzelhändler was Gutes tun, sollte man also die Giropay-Funktion verwenden. Will man ihn ärgern, V Pay/Maestro.

Bis sich rumgesprochen hat, dass dieser ganze Auwahlquatsch völlig Mumpe ist, dürfte das zu Verwirrung, Erkläraufwand und damit längeren Wartezeiten an den Kassen führen. Danke, EU! (Ich habe Dich aber trotzdem lieb)

In Teil II: Alle Verfahren, die eine Karte so können kann.

*(Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte nämlich schlicht vergessen sich den Markenterm „EC“ zu sichern und musste die Karten deshalb umbenennen.)

 
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Verfasst von - 25. August 2016 in Ganz Kurz, Service

 

Der kleine Kuhhof

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Und dann war da noch der kleine Agriturismo. Mit war kar, dass ich noch eine Zwischenstation auf dem Weg von den Marken ins Veneto brauchen würde, also hatte ich gezielt nach einer Übernachtungsmöglichkeit am Rand des Monte Sibellini gesucht und den Hof mit den Kühen gefunden.

Der Weg von der Landstraße zum Agriturismo war sogar noch steiler als es auf Streetview ausgesehen hatte. Vorsichtig steuerte ich das, zu dem Zeitpunkt schon stark angeschlagene, Motorrad um die Schlaglöcher herum, und irgendwann hatten wir das Ziel erreicht: Einen kleinen Bauernhof mit angeschlossenem Gasthaus, einen Agriturismo.

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Die Begrüßung war herzlich, und die Atmosphäre entspannt. Mein Zimmer war schlicht, aber völlig ausreichend, und auf der Wiese vor dem Fenster spielten Schweine.

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Beim Abendessen in der Gaststube kam ich ein wenig mit dem Ehepaar ins Gespräch, das den Hof führte. Der Region ginge es mies, erzählten die beiden. Junge Leute gehen aus der ohnehin dünn besiedelten Region weg. Die, die blieben, können von der Landwirtschaft kaum Leben. Die beiden versuchten wirklich alles, um über die Runden zu kommen. Gastwirtschaft, Landwirtschaft, Kooperationen mit umliegenden Höfen, gemeinsame Vermarktung von ökologischen Produkten wie Fleisch und Wurst auf Märkten.

Überhaupt, Fleisch und Milchviehwirtschaft: Stellte sich raus, dass die Dame des Hauses eine Vorliebe für Kühe hatte, jedweder Art. Überall lagen, standen, saßen und hingen Kühe. Natürlich war auch das Logo des Betriebs eine Comickuh mit dick rotem Lippenstift, und jede Zimmertür trug einen Kuhaufkleber.

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Sogar die Klobürste im Bad stand in einer Kuh.

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Rührend, irgendwie, dass eine ältere Dame und knallharte Bäuerin ausgerechnet Comickühe liebte.

Nach einem langen Abend bei einfachem, aber sehr gutem Essen und noch besserem Hauswein machte ich mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg, runter von dem steilen Berg und weg von Accumoli, mit dem Gedanken im Kopf hier unbedingt wieder hinzukommen, würde es mich noch einmal in diese Gegend verschlagen. Das war vor 8 Wochen.

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Seit gestern gibt es Accumoli nicht mehr. Der Ort lag im Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 6,2, und wenn es stimmt, was die Nachrichten sagen, dann ist das Dorf völlig zerstört worden. Mein Hirn hat gerade Probleme zu begreifen, dass ein ganzer Ort weg sein soll.

Ich weiß nicht, ob und wie schlimm es den Bauernhof getroffen hat. Auf Mails und Whatsapps kommt keine Antwort. Das bedrückt mich gerade, und ich hoffe, dass es der Familie gut geht. Und den Kühen natürlich auch.

 

[Update 27.08.:] Es gibt Nachrichten aus Accumoli. Der Hof hat es überstanden, alle dort haben überlebt. Puh.

 
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Verfasst von - 24. August 2016 in Reisen

 

„A Night to Remember“ und andere Witcher-Trailer

„The Witcher – Wild Hunt“ ist vermutlich das beste Fantasy-Spiel, das bislang gemacht wurde. Der Launch im Mai 2015 ging an mir vorbei, genau wie die vielen, unfassbar coolen Trailer. „A night to remember“ gehört dazu: In einem drei Minuten werden alle relevanten Spielmechaniken gezeigt, und dabei sieht das Ding aus wie ein spannender Kurzfilm. DAS, Freunde, ist Kunst.

Aber Witcher III kann noch mehr.

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Verfasst von - 23. August 2016 in Ganz Kurz

 

Wie Trailer Filme kaputtmachen

Trailer schneiden ist eine hohe Kunst, und wenn man es richtig machen will, extrem zeitaufwendig. Wenn man beim Trailer aber schludert, kann das Filme schwer beschädigen. Drei Fallbeispiele.

Beispiele für schlechte Trailer gibt es zuhauf. Gestern im Kino lief bspw. der Trailer „SMS für Dich“, dem neuen Karoline-Herfurth-und-Nora-Tschirner-Vehikel. Er begann recht verheissungsvoll, glitt dann aber ab in „Ich erzähle den kompletten Film in drei Minuten“, inklusive der Preisgabe storyentscheidender Wendungen. So einen Trailer guckt man und denkt am Ende „OK, danke, jetzt brauche ich den Film nicht mehr zu sehen“.

Ein besonders schlimmer Fall von „Ich erzähle den Film und anhschliessend guckt den keiner mehr“ war übrigens Terminator GeniSYS. Kein schlechter Streifen, aber der Plotpivot, das John Connor nun böse ist, der gehörte nicht vorab verraten.

In letzter Zeit trifft man vermehrt auf schlechte Trailer der Marke: Hat mit dem Film nichts zu tun. „Ghostbusters“ gilt mit fast einer Million Dislikes als grottigster Trailer, der je auf Youtube veröffenlicht wurde. Zu recht, denn er ist mies geschnitten, hat ein lausiges Pacing und der Einsatz der Musik ist unteirdisch. Vor allem stellt er aber die Charaktere falsch dar und behauptet, das Reboot sei eine Fortsetzung. In meinen Augen ist das Ding kein Trailer, das ist Sabotage.

Anderer Fall der jüngsten Vergangenheit: Der erste Trailer zu „Star Trek: Beyond“. Ebenfalls schlimm geschnitten, völlig vergurkte Musikauswahl und seltsamste Aneinanderreihung von Bildern, so dass das fast nach einem neuen „Fast & Furious“ als nach Star Trek aussah. Der Trailer war so schlimm, dass Drehbuchautor Simon Pegg sich dafür entschuldigte und Regisseur Justin Lin beteuerte eiligst, dass der Film ganz anders sei. Was stimmt.

Warum kommt ein Trailer ins Netz und in die Kinos, den nicht mal die Filmmacher gut finden? Ganz einfach: Weil Trailererstellung aufwendig ist, wird das immer öfter an Externe outgesourced und von Schlipsträgern vom Studio beaufsichtigt. Es gibt Firmen, die sind auf Trailer spezialisiert, und etliche sind auch extrem gut darin*. Ein Trailer sollte nach Möglichkeit die Tonalität und das Feeling des Werks einzufangen und wiedergeben. Manchmal gelingt das aber nicht, und dann kommt ein Trailer zu einem völlig anderen Werk dabei heraus.

Den krassesten Fall von so einem „Thema verfehlt“-Trailer dürfte der zu „Suicide Squad“ sein. Der Film fährt gerade vernichtende Kritiken ein. Unter anderem deshalb, weil er wirkt, als hätte man versucht zwei verschiedene Filme zusammen zu kleben. Der Witz dabei: Genau das ist der Fall.

Wenn stimmt, was man aktuell liest, ist Folgendes passiert: Der Film wurde gedreht mit dem Ziel einen düsteren und erwachsenen Streifen abzuliefern. Dann hat eine externe Firma aus dem Rohmaterial einen Trailer zusammengeschnitten, der massiv auf Musikuntermalung setzte und zudem einen recht locker-spaßigen Grundton vermittelte:

Der Trailer kam massivst gut an, jeder mochte ihn – und dem Regisseur und dem Studio war plötzlich klar, dass sie hier einen Film  anpriesen, den es so nicht gab. Hektisch wurden zwei Schnittfassungen des Films erstellt. Eine Fassung war so düster und ernst wie ursprünglich intendiert, die andere spaßiger und anders mit Musik unterlegt, so wie der Trailer. In Fokusgruppentests kam die lockere Fassung besser an, und so wurde die Trailerfirma beauftragt massive Nachdrehs zu leiten, um die andere Tonalität irgendwie umgesetzt zu bekommen. Die nachgedrehten Szenen wurden dann eiligst in das vorhandene Material eingepasst und plakative Popmusik über jede zweite Szene gelegt.

Das Resultat ist ein Film, der zwei Visionen folgt, und das immer abwechselnd. Ein Frankenstein-Film, der aus unterschiedlichsten Teilen zusammengepatcht wurde und nun vorne und hinten auseinanderfällt.

Trailer können also Filme auf mehrer Arten zerstören. Sie können dem Werk wirtschaftlich massiv schaden (Ghostbusters), vollkommen andere Erwartungen wecken (Star Trek) oder sogar den Aufbau und den Ton des Films komplett über den Haufen werfen, wenn die Schlipsträger des Studios kalte Füße bekommen (suicide Squad).
Schön ist das alles nicht.

————–
* Gehört hier nicht hin, aber die Rendertailer von Digicpictures sind Kunstwerke, die eine eigene Geschichte erzählen, dem Werk treu bleiben UND Informationen liefern.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 21. August 2016 in Ganz Kurz

 

Bundeswehrputsch in Deutschland

„Sommer 2015. Flüchtlinge kamen ungesteuert nach Deutschland, die politische Führung war ohne Plan. Der Stab ging von Staatsversagen aus. Deshalb beschloss die Führung der Bundeswehr… den Putsch“.

BBB Leaks enthüllt die geheimen Pläne und das Scheitern des Bundeswehrputsches im Sommer 2015:

 
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Verfasst von - 20. August 2016 in Webvideo

 

Review: Suicide Squad (2016)

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Superman war ein nettes Alien, aber was, wenn das nächste Wesen mit übermenschlichen Kräften den Menschen nicht so wohlgesonnen ist? Um für so einen Fall gewappnet zu sein, tut die US-Regierung das selbstverständlich völlig naheliegendste: Sie stellt exakt so eine Gruppe von bösen Metawesen mit übermenschlichen Kräften zusammen. Allesamt sind fies und gemein oder haben einen an der Waffel oder beides. Tatsächlich taucht kurze Zeit später mit Cara Delevingne ein nur mit CGI-bekleidetes Supermodel mit einem furchtbaren Plan auf: Sie will eine Schlechtwettermaschine bauen und damit überall auf der Welt dunkle Wolken machen. Was in Deutschland niemand bemerken würde, erregt die Amerikaner so dermaßen, dass sie ihre Beklopptentruppe losschicken.

Ach, DC. Ich würde es dem Verlag ja so gerne gönnen, dass er gemeinsam mit Warner Bros sein eigenes „Cinematic Universe“ (DCU) auf die Beine gestellt bekommt: Superheldenfilme, die miteinander verwoben sind, genau wir Konkurrent Marvel das auch macht. Aber es soll wohl nicht sein, denn „Suidice Squad“ ist schon der dritte von drei Film im DCU, der einfach nur… Grütze ist.

Dabei ist das Problem nicht die Ausstattung, die Schauspieler oder die Effekte – alles, was man für Geld kaufen kann, ist wirklich top notch. Nein, dem DCU mangelt es an Charakteren und Geschichten. Kein Wunder, wenn man sich ausgerechnet den Eulenfilmmann Zack Snyder als Mastermind an Bord holt.

Snyder liefert zwar tolle Standbilder, aber spätestens seit „Watchmen“ wissen wir, dass er sich kein Stück um Geschichten und Charaktere schert. Folgerichtig lieferte Snyder mit „Man of Steel“ und „Batman v. Supermann“ zwei strunzdumme und hässliche Filme ab. Das einzig verwunderliche ist, dass er mit der Masche weitermachen darf und nicht gefeuert wurde: Sofort nach dem letzten Flop darf Snyder nun „Justice League“ kaputtmachen und „kreative Kontrolle“ über andere Filme ausüben.

Wie das aussieht, kann man nun am Beispiel von Suicide Squad gut sehen. Der Film hat viele Probleme, am Schlimmsten ist aber der fehlende Fokus. Er mäandert irgendwo zwischen Buddy- und Kriegsmovie, hat keinen richtigen Plot, bekommt die große Anzahl an Charakteren nicht sinnvoll unter und geht zudem lieblos mit seinen Figuren um. Warum sollen die mich, als Zuschauer, scheren, wenn der Film selbst sich auch nicht für sie interessiert?

Dabei fängt es nicht schlecht an: Einige Charaktere werden gut eingeführt, und der erste Akt beeindruckt mit einem dreckigen und realistischen Look. Gewalt ist im DCU, anders als bei Marvel, wirklich fühlbar – und Jared Letos Version des Jokers ist so fruchteinflößend wie zuvor nur Gruselfiguren wie Hannibal oder Scarface. Der aktuelle Joker ist ein offensichtliches Monster, das wirklich Angst beim Zuschauer erzeugt.

Im ersten Akt nerven offensichtlich wirklich nur die willkürlich und offenbar nach dem Erfolg von „Bohemian Rapsody“ im Trailer hastig über den Film geklebten 80er-Jahre-Popsongs. Alle zwei Minuten liegt ein Musikstück über Szenen und Dialogen, egal ob es passt oder nicht, und meistens passt es nicht.

Ist aber auch egal, denn spätestens im dritten Akt fällt alles hinten und vorne auseinander. Der Mangel an Story sorgt dafür, dass alle noch schnell ihr Ding zu Ende machen und dann wird ausgestempelt und nach Hause gegangen. Der Film verabschiedet sich damit genauso schnell von der Leinwand wie aus dem Gedächtnis. Was OK ist, denn so vergisst man als DC-Fan wenigstens schnell die Schmach, die den Figuren hier angetan wurde. Dann lieber den Animationsfilm „Assault on Arkham“ gucken. Da hat das Suicide Squad einen coolen Einsatz und zeigt, was aus der Realverfilmung hätte werden können.

 
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Verfasst von - 20. August 2016 in Film, review

 

N26 oder: Wenn die Bank auf´s Vertrauen pfeift

Man stelle sich einen privaten Postdienst vor. Dem übergibt man Briefe, denkt sich nicht weiter, und natürlich kommen die beim Empfänger an. Was für ein Gefühl ist es, wenn man Monate später feststellt, dass der Postdienst alle Briefe geöffnet, gelesen und den Inhalt kategorisiert hat? Und nicht nur dass, er hat über all seine Briefkunden hinweg eine Auszählung der Kategorien gemacht und veröffentlicht diese zu Werbezwecken: Hey, guckt her, wir haben soundsovieltausend Briefe befördert! 12 Prozent waren Liebesbriefe, 45 Prozent Rechnungen, 23 Prozent Mahnungen und in 10 Prozent aller Briefe wurde der Ex verflucht?

Undenkbar? Die junge Bank N26, formerly known as Number 26, macht genau das. Die Geschäfte des FinTech („Financial Tech“)-Startups konzentrieren sich auf das Banking mittels einer App. Mit der ist es auch möglich, anderen N26-Kunden in sekundenschnelle Geld zu überweisen. Die Bank nennt das „Moneybeam“. Bei jedem Geldstrahl lässt sich auch ein Betreff bzw. Kommentar beifügen, und genau diese Kommentare hat N26 nun ausgewertet, mit anderen Daten in Beziehung gesetzt und aggregierte Statistiken ins Netz gepackt.

Auf dieser Seite erfährt nun jeder interessierte, dass der Großteil der Leute sich anscheinend Auslagen für Mittag und Abendessen zurückerstattet, sind doch die am häufigsten verwendeten Kommentare „Essen“ oder „Lunch“, dicht gefolgt von „Pizza“. Auf weiteren Plätzen: „Bier“, „Burger“, „Döner“.

Auch die Zeit analysiert N26, und tatsächlich, zur Mittagszeit und am Abend wird das meiste Essen bezahlt. Aber auch zwischenmenschliches passiert in Moneybeams. „Ich liebe Dich“ und „Kuss“ sind nur einige der Schlagworte, die die Häufigkeitsauszählung anführen. Es gibt auch noch zwischenmenschlicheres, das… tiefer geht:

N26 wertet aus. So tief es geht.

N26 wertet aus. So tief es geht.

Mit der gibt sich N26 aber nicht zufrieden. Sie machen eine echte, sozialwissenschaftliche Analyse und Clustern Transferhäufigkeiten und Betreffe, um ihre Kunden dann in Profiltypen einzuteilen. Wie zum beispiel den „Sozialen“, der häufig Geld zwischen wechselnden Personen versendet und dabei überproportional häufig den Betreff „Drink“ verwendet.

Da passt es auch ins Bild, dass N26 nicht weiß, wie „Privacy Policy“ geschrieben wird.

"Privat Policy" (Sic!) Quelle: https://n26.com/moneybeam/

„Privat Policy“ (Sic!)
Quelle: https://n26.com/moneybeam/

Nach Orten ausgewertet führt Berlin. Aus all diesen Daten ergibt sich ein gutes Bild der N26-Nutzergruppe: Abgebrannte Berliner, die sich von Freunden und verwandten Geld schicken lassen, um das bei Döner und Bier auf den Kopf zu hauen.

Das die Statistiken diesmal anscheinden hauptsählich Hipsterlis getroffen hat, macht das alles aber nicht besser. Denn, mit Verlaub, das Verhalten von N26 ist creepy. Eine junge, aufstrebende Bank mit innovativen Ideen ist toll und hat mich selbst vor 6 Monaten zum Number 26-Kunden gemacht. Aber niemand kann es ernsthaft gut finden, wenn die Bank relativ kleinteilig seine Kunden analysiert und deren Daten NUR UM EINES LAUNIGEN BLOGPOST WILLENS INS NETZ STELLT. Wann wird wir häufig was von welchem Personencluster gekauft, das sind Daten, die auch aggregiert nicht in soziale Netzwerke gehört. Nicht jeder Kunde ist Anhänger der Spackeria.

Im Gegenteil. Für mich ist das ist wie ein Bruch des Briefgeheimnisses oder auf einer Stufe mit dem Vermieter, der heimlich durch die Wohnung schleicht und dann Statistiken über Hausbewohner ins Netz stellt. „26% all unserer Mietparteien trägt schwarze Socken“ lässt bei genügend großer Stichprobe keinen Rückschluss auf einzelne zu, aber dennoch: Sowas will man nicht. Sowas will ICH nicht. Gut, dass die Kündigungsfrist bei N26 kurz ist. Schade ist es dennoch, denn innovativ ist die Bank. Aber bei Stalkern lasse ich mein Geld nicht, egal wie erfindungsreich sie sind. Egal wie jung die Bank ist, um Geldgeschäfte zu machen braucht es Vertrauen.

 
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Verfasst von - 19. August 2016 in Betrachtung

 

Perfektionstraining

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Ein Motorradtraining sollte jede Fahrerin und jeder Fahrer mal mitgemacht haben. Die, die jetzt sagen „Hö? Wieso? Ich kann doch fahren!“ ganz besonders. Nee, könnta eben nicht. Zumindest nicht so, dass es nichts mehr zu verbessern gäbe. Drei gute Gründe für Trainings:

1. Kein Motorradfahrer kann und weiß alles, und selbst wenn es so wäre: Ein guter Fahrer ist man nicht einfach und bleibt das bis in alle Ewigkeiten. Fahrtechnik muss immer wieder aufgefrischt werden, Theorie genauso wie Praxis. Selbst wenn es bekannte Übungen sind: Dinge wie Notfallausweichen muss man in das Gedächtnis des Körpers eintrainiert werden, damit er im Notfall schon richtig handelt während das Hirn noch mit runtergeklappter Kinnlade danebensteht.

2. Im Alltag schleifen sich falsche Dinge ein, die man selbst gar nicht mehr bemerkt. Bei einem Training guckt sich ein erfahrener Ausbilder die eigene Fahrweise an und gibt gezielte Hinweise zur Verbesserung.

3. Übung von Dingen, die man sonst normalerweise im Alltag nicht macht. Im Straßenverkehr turnt man nicht auf dem Bike rum oder legt einfach mal so eine Vollbremsung hin. Im Training kann man sich und seine Maschine ausprobieren.

Ich mache gerne jährlich ein Training, wenn es geht zu Beginn der Saison. Wie nützlich die sind, zeigt ein Blick zurück hier im Blog: Das Kurventraining bei Peter Schoustall (Teil 1, Teil 2) hat mich gelehrt, Kurven überhaupt richtig zu fahren, mir damit die Angst genommen und die Freude am Fahren wiedergegeben. Das Geländetraining dagegen hat mich an die Grenzen gebracht und ein Motorrad lang gelegt. Beim ADAC gibt es verschiedene Trainings. Damit es nicht langweilig wird, bauen die aufeinander auf. Neben Anfänger- und Wiedereinsteigertrainings gibt es noch das Basis-, das Aufbau- und das Intensivtraining. Nur wer das absolviert hat, darf am Perfektionstraining teilnehmen.

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Gründau-Lieblos ist nur einer von vielen Orten mit merkwürdigen Namen mitten in Hessen. Rundrum liegen z.B. noch Ortschaften wie Linsengericht, Großkrotzenburg, usw. Den albernen Namen mal beiseite mag ich Gründau sehr gerne: Der angrenzende Spessart ist nett zum drin rumkurven und im nahegelegenen Bad Orb kann man wunderbar günstig Übernachten, fürstlich Speisen und durch tolle Parkanlagen flanieren.

In Gründau selbst liegt das ADAC-Trainingszentrum Hessen/Thüringen, ein moderner Bau mit interessanter Architektur.

Kreisrunde Beton-Engangsschleuse.

Kreisrunde Beton-Engangsschleuse.

Edelstahl und Beton Brute allerorten, aber immer mit Stil.

Edelstahl und Beton Brute allerorten, aber immer mit Stil.

Empfangstresen: Definitiv ein Einzelstück. Aus ganz vielen Einzelstücken.

Empfangstresen: Definitiv ein Einzelstück. Aus ganz vielen Einzelstücken.

Hier versammelten sich am vergangenen Sonntagmorgen um kurz vor Acht Auto- und Motorradfahrer/-innen. Drei getrennte Trainings fanden an dem Tag statt.

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Bei sonnigem Wetter und mehr als 25 Grad stand ein Tag auf dem Trainingsgelände bevor. Das sieht schon aus der Luft imposant aus. Neben mehreren Übungsplätzen und Kreisbahnen sieht man von oben deutlich die Schleuderkurse und Rutschbahnen (weiß). Nicht alles ist so eben, wie es auf dem Bild wirkt; auch Gefälleabschnitte sind ins Gelände eingebettet.

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Beim Perfektionstraining ist eine Gruppe nicht größer als 12 Personen. Das Grundlagenwissen wird voraus gesetzt und nur bei Bedarf oder auf Nachfrage noch einmal erläutert. Das sowas wie der paradoxe Lenkimpuls nicht nur bekannt ist, sondern auch genutzt werden kann, ist wichtig, denn generell ist die Leine lockerer als in den vorhergehenden Trainings. Übungen werden vom Trainer aufgebaut und in der Gruppe erläutert, dann heißt es: Tobt Euch aus!

Zum Glück gab es in meiner Gruppe keine heißblütigen Angeber, die unbedingt was beweisen mussten. Solche Vollpfosten stören mit ihrem Wettbewerbsgehabe die Arbeit. Allerdings findet man diesen Typus bei Fortgeschrittenentrainings ohnehin recht selten, weil „Hö, wir können doch fahren“.

Gefeit ist man freilich nicht vor „Ich hab´schon alles gesehen und alles mitgemacht“ Besserwissern, aber das ist wohl unvermeidlich, wenn alte Männer zusammenkommen. So einer ist IMMER dabei. Meine Gruppe war erfreulich gut gemischt, ein Viertel Frauen (darunter sogar eine ältere Dame), viele Tourenfahrer mit Fahrleistungen zwischen 3.000 und 30.000 Kilometern im Jahr und unterschiedlichsten Maschinen, von einer kleinen Xj600 über ausgewachsene Brummer wie eine Ducati Monster oder Motoguzzi Norge bis zum Reisedampfer BMW K1200.

Zum Warmwerden ging es bei meiner Gruppe gleich in Übungen wie den Langsamfahrwettbewerb mit Stützgas, das Anfahren mit Volleinschlag und das Zirkeln um superenge Kurven. Dabei behielt der Trainer immer ein Auge auf jeden einzelnen, zog immer wieder Maschinen raus und gab Verbesserungsvorschläge.

Dann wurde es heftiger: Ausweich- und Bremsübungen. Ganz ähnlich denen aus den vorangegangenen Trainings, aber nun mit selbstgewählten und wesentlich höheren Geschwindigkeiten im Bereich von 80 bis 100 km/h.

Schließlich: Vollbremsungen. Die wurden bei uns exzessiv lange geübt, wohl über 20 Mal habe ich die ZZR auf einer kurzen Anlaufstrecke im zweiten Gang bis auf 80-100 km/h hochgedreht und dann vollständig auf Null runtergebremst. Absolut materialmordend, die im Frühjahr erst neu gemachten Bremsen und die nagelneuen Reifen und die Kette taten mit leid. Wäre geschickter gewesen die erst nach dem Training zu tauschen. Aber: In dem Moment war mir das egal. Ich wollte mal auf Teufel-komm-raus wissen wie stark ich bremsen kann und was die Maschine wirklich bringt.

Genau aufgezeichnet wird das von einem Bremsschreiber, einem kleinen Gerät, das auf den Tank geklebt wird und den Verlauf der Vollbremsung aufzeichnet. Die Auswertung zeigt dann die gefahrene Geschwindigkeit, den Bremsweg und den Verlauf der Verzögerung.

Bremsweg und Geschwindigkeit aus 80 km/h.

Bremsweg und Geschwindigkeit aus 80 km/h.

Detailverlauf der Bremsung.

Detailverlauf der Bremsung.

Aus den Daten lassen sich zwei Dinge herauslesen:
1. Ich bremse viel zu zaghaft. Selbst als ich mich schon über zwei Versuche rangetastet hatte und voll reinlangte und das Vorderrad bereits zu schrubbeln begann, hätte ich NOCH heftiger bremsen können. Ich erreiche kaum Werte von über 8 m/s^2, möglich sind über 9,5. Hätte nicht gedacht, dass die ZZR solche Kräfte übertragen kann. Ich hatte immer vermutet, dass das Vorderrad viel eher blockiert.

2. Der Unterschied zwischen einem Fahrzeug ohne ABS (wie meiner ZZR600) und mit ABS (ALLE anderen Motorräder bei dem Training) ist gigantisch. Die ABS-Maschinen erreichten problemlos Verzögerungen von über 10 m/s^2, aus solchen Werten ergibt sich auch der theoretische Bremsweg von 25 Metern aus 80 km/h. Die ZZR stand aber erst nach 39 Metern. Ein GIGANTISCHER Unterschied, zumal sich ABS-Fahrer keine Gedanken darüber machen müssen, ob ihnen beim beherzten Bremseinsatz jetzt das Vorderrad blockiert oder nicht. Diese Bremsschreiber-Geschichte macht man nur im Perfektionstraining. Leider. Das gehört eigentlich in jedes Training über Basis.

Zur Entspannung kam dann eine Runde Kreisfahren, wobei die Fahrstile Drücken und Legen und sogar das Hanging-Off (Das im Straßenverkehr nichts zu suchen hat!) geübt wurden. Der Strich, den der Trainier auf´s Hinterrad gemalt hat, war bis auf einen winzigen Rest nicht mehr zu sehen.

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Ich bin mit der Kurvenlage, die sich daraus ablesen lässt, sehr zufrieden – zumal ich nicht alles gegeben habe, denn in der Kreisbahn waren immer auch andere unterwegs und der Belag gerade neu. Auf schwitzendem Bitumen gehe ich kein Risiko ein, und wenn das selbst dem Trainer unheimlich ist, dann mal lieber Piano.

Gefahrenbremsung in Kurven und das Fahren über Hindernisse in Kurven und an Steigungen ist Standardprogramm, dass ich aus vorangegangenen Trainings kannte. Neu war allerdings die Verschiebeplatte, und MAN, ich weiß, warum da kein Anfänger drauf darf.

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Die Verschiebeplatte ist ein Stück Fahrbahn, das in dem Moment, in dem das Hinterrad des Motorrads darauf ist, ruckartig zur Seite gerissen wird. Der plötzliche Versatz durch die Platte sorgt für einen heftigen Schlag im ganzen Fahrwerk, wodurch das Motorrad gefühlt anfängt zu springen. Ich musste ganz schön kämpfen, die bockende Renaissance in der Kreisspur zu halten. Ein wegglitschendes Hinterrad fühlt sich in der Realität zwar anders an, aber dennoch ist es gut, einen plötzlichen Fahrwerksschock in Schräglage mal erlebt zu haben.

Nach 8 Stunden in der Sonne schleppte sich unsere Perfektionsgruppe vom Platz. Alle kaputt (in unterschiedlichen Stadien, der jeweiligen Kondition entsprechend), mit verschlisseneren Motorrädern, aber alle Stolz drauf, es geschafft zu haben.

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Der Heimweg von Gründau nach Götham hat mir dann deutlich gezeigt, wie viel das Training mir persönlich gebracht hat: Selbst durch die fiesesten Kurven bin ich souverän wie ein junger Fuchs geglitten. Falls junge Füchse gleiten können. Ach egal, es war jedenfalls ein Vergnügen.

So anstrengend so ein Training auch sein mag, es gibt einem mehr Sicherheit und Freude am Fahren für den Alltag.

Die letzte ihrer Art: Die ZZR 600 war die einzige Maschine im Teilnehmerfeld ohne ABS.

Die letzte ihrer Art: Die ZZR 600 war die einzige Maschine im Teilnehmerfeld ohne ABS.

 
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Verfasst von - 16. August 2016 in Motorrad

 

Die Barbari-Karte

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Von manchen Personen findet man immer wieder Spuren in der Geschichte, auch wenn sie selbst gar nicht berühmt sind. Die Namen werden kurz erwähnt, verschwinden, tauchen an anderer Stelle wieder auf. Solche Personen scheinen keine bedeutende Rolle zu spielen, aber sie sind bei bedeutenden Anlässen zugegen oder lösen sie sogar erst aus. Diese Personen stehen nicht im Rampenlicht der Bühne der Geschichte, sondern etwas versteckt in den Kulissen. Sie sind Mentoren oder Schüler oder Kollegen, die tragende Nebenrollen spielen und Katalysatoren sein können.

Eine dieser Figuren ist Jacopo de´ Barbari. Er wurde in den 1460er Jahren in Venedig geboren und war Kupferstecher. So weit, so egal, auch zu seiner Zeit.

Interessant ist aber sein Arbeitsleben. Im Jahr 1500 reiste Barbari nach Norden und arbeitete in Deutschland als Hofmaler. Die Renaissance war in vollem Gang, und er wurde bekannt mit perspektivisch korrekten und fast fotorealistischen Bildern. Seine Arbeit hinterliess Spuren, und er prägte Menschen.

Am königlichen Hof zu Nürnberg traf Barbari auf einen jungen Mann, der ihn sofort sehr bewunderte und versuchte ihm nachzueifern. Der Name des jungen Mannes war Albrecht Dürer, aus ihm wurde später der bekannteste deutsche Maler der Renaissance. Ein anderer Fan Barbaris war Hans von Kulmbach, der ebenfalls später ein bedeutender Grafiker wurde.

Später war Jacopo de Barbari Hofmaler in Sachsen. Sein Nachfolger in dem Job wurde ein gewisser Lucas Cranach der Ältere.

Das bekannteste Werk Barbaris ist aber kein Gemälde, sondern eine Karte. Im Jahr 1498 setzte er sich hin und gravierte einen dreidimensionalen Stadtplan von Venedig. Diese Karte ist ein Meisterwerk. Sie ist perspektivisch korrekt und unfassbar detailliert – jedes einzelne Haus der Stadt ist auf dem Plan maßstabsgetreu wiedergegeben. Da sich in Venedig selten etwas ändert, ist der Plan auch heute noch in weiten Teilen korrekt.

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Der Markusplatz mit dem Dogenpalast und der Kirche.

Der Markusplatz mit dem Dogenpalast und der Kirche.

Wahnsinn: Auf der Barbari-Karte ist das Gebäude eingezeichnet, in dem ich 512 Jahre später übernachtet habe. Ok, vielleicht ist es nicht das selbe Haus, aber zumindest steht es am gleichen Fleck.

Wahnsinn: Auf der Barbari-Karte ist das Gebäude eingezeichnet, in dem ich 512 Jahre später übernachtet habe. Ok, vielleicht ist es nicht das selbe Haus, aber zumindest steht es am gleichen Fleck.

Die Karte selbst ist riesig: 140 mal 280 Zentimeter, zusammengesetzt aus sechs hölzernen Druckplatten. Die wurden 300 Jahre lang verwendet, heute sind sie im Museo Correr am Markusplatz in Venedig ausgestellt.

Ich finde die Barbari-Karte fasziniered. Irgendwann hatte ich die in einem Buchgesehen und mich voll in sie reinverliebt. Bei meinem ersten Besuch in Venedig hatte ich das Glück eine Reproduktion in einem Geschäft für Künstlerbedarf ergattern zu können. Nicht in Originalgröße, aber immerhin fast einen Meter breit und einen halben Meter hoch. Schon deshalb war es schwierig, die Karte unverknickt im Rucksack über die Alpen zu bringen. Seitdem verreise ich nur noch mit einer Dokumentenrolle im Gepäck.

Gibt es heute noch im gleichen Geschäft zu kaufen: Künstlerladen neben dem Hard Rock Café.

Gibt es heute noch im gleichen Geschäft zu kaufen: Künstlerladen neben dem Hard Rock Café.

Wieder zu Hause nahm ich mir vor, das schöne Stück zu Rahmen und an die Wand zu hängen. Leider kam dann schnell die Ernüchterung: Rahmen in der Größe sind Maßanfertigungen, und ein Geschäft hier vor Ort schrieb was von 200 bis 300 Euro in den Kostenvoranschlag. Irgendwann, sagte ich mir, wenn ich mal zu viel Geld hätte, würde ich einen Rahmen für die schöne Karte machen lassen.

Leider kam der Tag nie. Seit 2012 lag die Barbari-Karte im Regal. Fünf Jahre lang fiel regelmäßig mein sehnsüchtiger Blick darauf. Wie gerne hätte ich die an der Wand gehabt!

Dann stolperte ich dieser Tage über ein glattgestreamtes Hipster-StartUp-Onlinedings mit dem komischen Namen http://www.perfekte-bilderrahmen.de

Auf der schicken Website kann man sich einfach einen Wunschrahmen zusammenklicken, eine Schreinerei in Merseburg stellt den dann her und versendet ihn, das ganze für überaus kleines Geld. Der Trick, um die Kosten gering zu halten: Statt echtem Glas verwenden die dicke Acrylfolie. Das ist mir sehr recht, denn dadurch ist der Rahmen federleicht und hält sogar an meinen maroden Rigips-Wänden.

Nun hat sie endlich einen Platz an der Wand, die Barbari-Karte, und Jacopo de´ Barbari hat eine weitere Spur in der Geschichte hinterlassen – meiner Geschichte.

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Verfasst von - 12. August 2016 in Historisches

 

August in Deutschland

Äh. Tiefste Temperatur heute Nacht: 4 Grad. Beim Aufstehen: 7 Grad.

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Ey, pass mal auf, Wetter: Wenn es jetzt sogar im Sommer hier so ist, dass ohne Fleecejacke, Wärmflasche und Handschuhe nix mehr geht, dann sind wir fertig miteinander. Dann wandere ich aus, in wärmere Gefilde.

 
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Verfasst von - 11. August 2016 in Ganz Kurz

 

Taschen Sumo

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„June, Du musst sofort alles stehen und liegen lassen und herkommen“, hatte ihr Mann am Telefon gesagt, „Das musst Du dir ansehen!“

June Newton schmiss sich in die Klamotten und eilte in das Hotel drei Straßen weiter, in dem Helmut gerade ein Meeting mit dem Verleger Benedikt Taschen hatte.

Taschen war aus Deutschland nach Los Angeles gekommen, um dem Fotografenehepaar einen Entwurf für ein neues Buch zu zeigen, mit dem er hart an der Grenze zum Größenwahn entlangschrammte. Es sollte nämlich das größte Buch des 20. Jahrhunderts werden. Das Format alles Dagewesene sprengen. Inhaltlich alle Aspekte von Newtons Schaffen zeigen, auf mindestens 400 Seiten. Sorgfältigst kuratiert sollten Newtons Fotografien mit den neuesten Techniken retuschiert, verbessert und gedruckt werden.

Das Buch würde nicht einfach nur ein Bildband werden, sondern ein Opus Magnum, mit dem Umfang einer mittleren Ausstellung, eine nicht überbietbare Würdigung des Schaffens eines der besten Fotografen der Welt. Die Form des Buches würde gleichzeitig eine Verneigung vor der Kunst der Buchherstellung sein. Diese Würdigung von Kunst und Handwerk sollte seinen Preis haben – mindestens einen vierstelligen Betrag wollte Taschen dafür aufrufen.

Als der Verleger seine Vorstellung beendet hatte, war Helmut Newton skeptisch. Aber June zeigte sich begeistert, und so beugte er sich, wie alle guten Ehemänner, und das Projekt nahm Fahrt auf.

Zwei Jahre nach dem Treffen in Los Angeles erschien 1999 „SUMO“. Ein passender Name für einen Koloss von Buch. 464 Seiten im Format 70×50, auf edelstem Papier, Gesamtgewicht über 30 kg. Das Buch wurde mit einem eigenen Lesetisch ausgeliefert, designt von Philippe Starck. Dieses Buch definierte den Begriff „Coffeetable Book“ ganz neu.

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Die Auflage war limitiert auf 10.000 Stück, jedes Exemplar von Helmut Newton handsigniert. Der Verlag verkaufte es für 1.000 D-Mark pro Stück. Die Auflage war innerhalb weniger Stunden vergriffen. Aktuell bekommt man kein gebrauchtes SUMO unter 12.500 Euro. Ein Exemplar, das von allen noch lebenden und darin abgebildeten Künstlern signiert war, ging bei Sotheby für 620.000 Euro über den Tisch. SUMO ist damit nicht nur das größte, sondern auch das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts.

Ich verehre ja Helmut Newton. Schon in meiner ersten Studentenbude hing „Waiting for the Earthquake“ an der Wand, ordentlich herausgetrennt aus einem alten „Stern“-Heft. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt eine nackte Frau, die in einem Sturmkeller an einem Kühlschrank lehnt. Eine seltsame Kombination aus nackter Normalität und lasziver Anspannung. Definitiv ein Bild, das man länger angucken muss, um zu begreifen warum es auf einen wirkt. Für mich ist stellt es den Kern von Newtons Aktaufnahmen dar: Er schafft es, unbekleidete Frauen nicht als Sexobjekte darzustellen, sondern als starke, fordernde Sexsubjekte.

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Helmut Newton hat eine besondere Art, Dinge und Menschen fotografisch festzuhalten. Die unterkühlte Extravaganz der Modeaufnahmen aus den Jahren für die „Vogue“ in Paris, die agressive Sexualität der „Big Nudes“ oder auch die Portraitfotos von Politikern in seinen letzten Jahren: Newton hat über Jahrzehnte Aufnahmen voller Stil und Eleganz produziert und dabei doch immer den Stil und die Personen der Zeit eingefangen.

Hätten Sie ihn erkannt? Das ist Karl Lagerfeld.

Hätten Sie ihn erkannt? Das ist Karl Lagerfeld.

Ich laufe in jede Newton-Ausstellung, die meine Wege kreuzt. Der reiche Mäzen mit der eigenen Kunsthalle hier um die Ecke hat seine Newton-Originale schon mal gezeigt, die Dauerausstellung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Berliner Ostbahnhof ist auf jeden Fall sehenswert, und neulich in Venedig hatte ich das Glück einen ganzen Palazzo voller Newton-Reproduktionen zu finden.

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Newton im Palazzo  Tre Oci in Venedig.

Newton im Palazzo Tre Oci in Venedig.

Bei aller Newton-Bewunderung: Einen echten SUMO kann ich mir natürlich nicht leisten. Aber zum Glück kam 2009, 10 Jahre nach Erscheinen des Original SUMO, eine verkleinerte und günstigere Version heraus, die, O-Ton Verlag, „für eine demokratischere Verbreitung sorgen“ sollte. Seit 7 Jahren tanze ich jetzt um dieses Buch herum, denn auch der „demokratischere“ Preis ist mit 100 Euro immer noch ordentlich hoch.

Jetzt habe ich ihn mir endlich gegönnt. Statt 30 wiegt der „kleine“ SUMO nur noch 10 Kg. Das Format ist mit 50×28 kleiner als das Original, aber immer noch groß. Das Buch wird ein einem Pappkoffer geliefert.

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Ein Tisch von Philippe Stark ist nicht dabei, aber ein sehr edler Ständer aus Plexiglas.

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Ebenfalls liegt ein Begleitheft bei, das von Newtons Werdegang erzählt. 1920 in Berlin geboren, erlebte er den zweiten Weltkrieg hautnah mit. In dem Begleitheft erzählt er davon, genauso wie von seinen andauernden Mißerfolgen. Erst in den 70ern fand er in Paris den Ort, wo alles zusammenkam und seine Kunst gewürdigt wurde.

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Newton starb 2004. Die Veröffentlichung des „kleinen“ SUMO hätte ihn sicherlich gefreut, denn seine Kunst sollte nie Eliten vorbehalten sein. Ich freue mich auf jeden Fall über dieses sehr besondere Stück. Jetzt muss ich nur noch einen Tisch dafür bauen.

 
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Verfasst von - 10. August 2016 in Sexy

 

Wieder zurück

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Sie ist wieder auf der Straße!
Die diesjährige Sommerreise hat der kleinen ZZR ganz schön zugesetzt. In Kürze erzähle ich die Geschichte ausführlich im Reisetagebuch, für den Moment sagen wir einfach mal: Am Ende der Fahrt war sie verkrüppelt, und ich konnte froh sein, dass sie sich gerade noch nach Hause geschleppt hat.

Seitdem war sie schon anderthalb Tage nur für Inspektionsarbeiten im Trockendock der hiesigen Kawasakiwerkstatt. Die, nebenbei gesagt, sehr, sehr gut ist.

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Danach war die Renaissance zwar wieder fahrtauglich, Gepäck konnte die Maschine aber nicht tragen. Es hatte nämlich unter anderem das Trägersystem für das Topcase zerrissen, und dafür Ersatz zu bekommen stellte sich als gar nicht einfach heraus. Die Firma, die den Topcaseträger herstellte, ist nämlich schon lange pleite gegangen. Zwar ist der Träger noch in Restbeständen erhältlich, aber was es da noch gibt, ist krumm und schief geschweißt. Die Halterungen haben nicht den richtigen Abstand und den korrekten Winkel um an´s Motorrad zu passen.

Theorie....

Theorie….

...und Praxis. Hier passt nix.

…und Praxis. Hier passt nix.

Krumm und schief...

Krumm und schief…

Es gibt noch einen anderen Hersteller, aber dessen Topcaseträger passt nicht mit dem Seitenträger zusammen. Statt ein Neuteil zu verbauen wurde deshalb der alte Träger überarbeitet, weswegen ich die letzten Samstage in der Werkstatt verbracht habe. Mit einem Kaffee in der Hand konnte ich durch die Scheibe zur Werkstatt dabei zugucken, wie das Kawasakipersonal sich freute, dass sie mal wieder richtig basteln durften.

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Gebrochene Teile wurden geschweißt und verstärkt, Bohrungen geändert, neue Gewinde eingesetzt und andere Schrauben zu Befestigung verwendet. Dann stießen die Techniker auf einen weiteren, interessanten Konstruktionsfehler: Die Haupthalterung des Topcaseträgers liegt im Auslieferungszustand gar nicht am Rahmen auf. Die hängt einfach in der Luft! Mir war das nie aufgefallen. Die Striche markieren den Spalt zwischen Auflage und Träger.

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Das heißt: Nahezu die GANZE Last wird von zwei lökerigen Befestigungslasschen getragen. Ist also vollkommen klar, dass die irgendwann brechen müssen. Und natürlich bricht die verdrehte, die ohnehin zusätzlich unter Spannung steht, als erste. Die Werkstatt hat jetzt die Halterungen etwas geweitet, damit nichts mehr unter Spannung steht, und etwas Material darunter geschweißt. Jetzt liegt der Träger direkt auf dem Rahmen auf, und nun federt der keinen Zentimeter mehr. Dieser Träger, quasi von Hand an genau mein Motorrad angepasst und zusätzlich verstärkt, sollte nun ewig halten.

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Die Seitenträger für die Koffer wurden komplett ausgetauscht. Die alten sahen, bis auf ein paar Roststellen an den Schweißnähten, zwar noch gut aus, aber nach den Erlebnissen im Sommer befürchte ich da eine nicht sichtbare Materialermüdung.

Außerdem gab es fast das volle Inspektionsprogramm plus Kettennsatz und neuer Reifen, das zweite Paar seit dem Frühjahr. Werkstattmitarbeiterin Mila freut sich über so viel Arbeit:

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Jetzt fährt die Renaissance wieder wie eine junge Göttin. Im Ernst, noch nie zuvor lag die Kiste so ruhig auf der Straße. Fährt wie auf Schienen, quasi. Das ist eine Wohltat, denn ein Großteil des miesen Fahrerlebnisses im Juni ist der Tatsache geschuldet, dass der Lenker flatterte wie Sau. Ich hatte das Lenkkopflager im Verdacht, aber offensichtlich lag es an den Reifen. Die wurden im Frühjahr von der ranzigen Schrauberbutze montiert, mit der es die letzten Male immer Ärger gab, und anscheinend wuchten die mittlerweile Reifen nicht mehr, wenn sie sie aufziehen. Die neuen Pneus hat die Werkstatt des Vertrauens montiert, und nun ist alles gut. So, wie sie jetzt fährt, ist das zutiefst befriedigend. Alles ist wieder sanft und wie geölt.

In der Summe war das ein teures Jahr. Der Wartungsintervall ist mit 6.000 km bei der ZZR 600 sehr kurz, was zu zwei Inspektionen führte, eine unmittelbar vor und und eine nach der Sommerreise. Außerdem zwei Mal neue Reifen, ein neuer Kettensatz, rundherum neue Bremsbeläge und Bremsscheiben, ein neuer Kofferträger, ein neues Schutzblech für das Vorderrad und natürlich etliche Arbeitsstunden.

Aber letztlich ist das alles relativ. Was ich jetzt in Verschleissteile investiert habe, brauche ich im kommenden Frühjahr nicht auszugeben. Und ich habe JETZT den Fahrspaß eines perfekt gewarteten Motorrads.

Im kommenden Jahr werden dann noch die Züge überholt und die Radlager prophylaktisch ausgetauscht, dann sollte die Renaissance wieder für eine etws heftigere Fernreise gewappnet sein. Denn das ich mit ihr noch mindestens ein Mal auf große Tour gehen werden, das steht mittlerweile außer Frage.

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Verfasst von - 8. August 2016 in Motorrad

 
 
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