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Top 3 Roaming-Fallen in Europa

Wenn mal wieder jemand fragt, was die EU für uns getan hat, dann weise man diese Person bitte (als eines von VIELEN Beispielen) auf die Regelungen zum Roaming hin.

Bis vor wenigen Jahren konnte man sich in heftige Schulden katapultieren, wenn man sein Telefon zum Telefonieren oder für die Datennutzung im Ausland verwendete. War man damit zu sorglos, standen bei der Rückkehr schlimmstenfalls hunderte oder gar tausende Euro auf der Telefonrechnung. Die EU führte dann erst den „Kostenairbag“ ein, eine Obergrenze von ca. 60 Euro, bei deren Erreichen man deutlich informiert wurde. So wusste man wenigstens, dass man für das Abrufen von Mails und einmal Wetter-App öffnen gerade den Gegenwert eines luxuriösen Abendessens verbrannt hatte.

Seit Juni 2017 gibt es Obergrenzen für einzelne Leistungen und es gilt das RLAH-Prinzip, Roam-like-at-Home. Das besagt im Wesentlichen: Was man zu Hause an Vertragsleistungen inklusive hat, soll (mit wenigen Ausnahmen) auch im EU-Ausland gelten. Das heißt, man kann eigentlich in den Einstellungen von Smartphone und Tablet den „Roaming“-Knopf immer auf „an“ lassen, oder?

Leider nicht, denn es gibt immer noch Fallen. Bei einer Fahrt durch Europa kommt man durchaus in Ecken, die nicht Europa sind. Denkt man aber meist nicht dran, weil man sich ja so an eine Welt ohne Grenzen gewöhnt hatte. Ich persönlich kenne drei fiese Fallen, in die ich selbst, Freunde oder Bekannt getappt sind. Hier sind sie, geordnet nach Grad der Perfidität:

Platz 3: Die Schweiz
Die Schweiz ist nicht Europa. Ist eigentlich klar, denkt man vielleicht sogar noch dran. Aber: Schon im Dreiländereck bei Basel versagt die deutsche Telekom, und mein Telefon switchte auf Schweizer Mobilfunkbetreiber um. Vorher aber auf Französische. Mehrfach. Über jeden Switch gab es Info-SMS. Bei EU-Betreibern steht dann nur drin: Alles gut, kostet jetzt nicht so viel. Und zwischen all den „Alles gut“-SMS steckt dann eine von einem Schweizer Unternehmen. Übersieht man die, wird es Übel: 50 KB Daten kosten in der Schweiz 0,49 Euro. Das bedeutet: Ein Mal Spiegel Online aufrufen kostet 12 Euro. Halleluja! Hey Schweiz, die 90er haben angerufen, die wollen ihre Preise wiederhaben. Odr.

Platz 2: Fähren
Fährste auf ner Fähre von einem EU-Land ins andere, hast die ganze Zeit tollen Mobilfunkempfang eines Mobilfunkbetreibers aus der EU, kann gar nichts passieren, oder?
Denkste. Sobald sich das Schiff außerhalb der Sieben-Meilen-Zone bewegt, ist es in internationalen Gewässern und nicht mehr in der EU. Der gute Handyempfang kommt daher, dass das Schiff selbst einen GSM-/LTE-Mast mit sich rumfährt. Der hängt aber an einer Satellitenverbindung, und kann die Sache teuer machen. Ein Mal Wetterkarte geguckt, zack, 40 Euro weg. Man sieht das nicht mal, denn der Mobilfunkbetreiber des Mastens am Schiffs ist der gleiche wie auf dem Festland. Wer also auf einem Schiff ohne kostenloses WLAN auf dem Meer unterwegs ist, der sollte am Besten den Flugmodus von Telefon und Tablet nutzen.

Platz 1: Monaco
Ehrlich gesagt habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass die Stadtstaaten in Südeuropa eben nicht zu Europa gehören. Warum auch? San Marino, Seborga, der Vatikan und Monaco sind zu klein um relevant zu sein. Dementsprechend haben sie auch keine eigene Währung und keine eigene Infrastruktur. Sie nutzen die Infrastruktur der sie umgebenden Länder, dazu gehört auch der Mobilfunk. Im Fall von Monaco muss man allerdings die Vergangenheitsform verwenden, denn das pissige Mini-Herzogtum hat sein eigenes Mobilfunknetz hochgezogen. Schon 2016, was an mir völlig vorbeigegangen ist. Früher konnte man in dem zähflüssigen Verkehr aus Nobelkarossen, der den Felsen der Reichen und Adligen umschwappt wie Teer, einfach an Monaco vorbeieiern. Heute empfiehlt sich ein kurzer Stopp weit vor dem Felsen, um das Roaming abzuschalten. Ansonsten wird es schnell teuer: 1 MB GPRS-Verbindung kosten 10 Euro, und da jeder von uns in seinem Bekanntenkreis Spezialisten hat, die per Mail oder Whatsapp unkomprimierte, 5 Megabytegroße Bilder ihres Mittagessens oder HD-Videos ihrer brabbelnden Kinder versenden, wird eine Vorbeifahrt am Fürstentum recht schnell sehr teuer. Das Perfide: Man merkt den Landeswechsel ja nicht mal, denn Grenzen, die gibt es zumindest zu Monaco nicht mehr.

Kennt ihr weitere Roamingfallen? Ich bin gespannt auf Kommentare!

 
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Verfasst von - 20. Juli 2018 in Reisen, Service

 

Das Alpine Stars Tech Air-System in der Praxis: 7.500 Kilometer Update

Wie fühlt es sich eigentlich an, auf einem Motorrad mit einer Jacke zu fahren, die rund herum einen Airbag eingearbeitet hat? Wie ist es, auf dem Rücken Gaskartuschen und einen Computer durch die Gegend zu tragen? Irritiert es, das am Unterarm Status-LEDs leuchten? Und am wichtigsten: Ist das alltagstauglich? Ich habe in den vergangenen zwei Monaten rund 7.500 Kilometer Erfahrung mit dem Tech Air-System von Alpine Stars gesammelt, im Alltag, auf Kurzstrecken und während einer Fernreise nach Südeuropa. Jetzt bin ich von der Reise zurück, aber das Tech Air hat es nicht mit mir zusammen nach Hause geschafft. Das kam so.

Disclaimer: Ich habe den Tech-Air-Kram selbst und ganz regulär zum Ladenpreis gekauft. Ich habe keine Geschäftsbeziehungen zu Alpine Stars, und dies ist auch kein Kooperations- oder Werbartikel. Sowas verpöne ich.

Seit Mitte Mai bin ich Besitzer eines Tech-Air-Systems. Das besteht aus zwei Teilen: Einer Tourenjacke und einer Airbagweste. Die Jacke ist ein fast ganz normales Kleidungsstück aus Polyamid und Leder, mit einem herausnehmbaren Membran- und einem Thermofutter.

Ganz genauso wie fast alle anderen Tourenjacken auch. Die Unterschiede zu normalen Kleidungsstücken sind kaum sichtbar: Die Jacke hat im Rückenteil zwei Datenkabel, am Frontreissverschluss einen Magnetschalter und linken Unterarm drei Status-LEDs.

Das eigentlich aufregende ist das „Chassis“, wie Alpine Stars die Weste mit dem Airbag nennt. Die wird in die Jacke eingeknöpft und mit den Kabeln verbunden und fühlt sich erstmal an wie eine normale Protektorenweste. Der Rückenprotektor trägt ein wenig auf, genau wie die bekannten „Schildkröten“, die umschnallbaren Schaum- oder Hartschalenprotektoren.

Im Chassis steckt rund herum der eigentliche Airbag, der Brust, Bauch, Nieren, Seiten, Rücken und Oberarme schützt. Im Rückenpanzer stecken zwei Gaskartuschen und der Rechner samt Steuergeräten sowie ein Gyroskop, an jeder Schulter der Weste sitzt ein Beschleunigungssensor.

Wenn man die Jacke schließt, wird damit auch der Magnetsensor am vorderen Reißverschluss aktiviert. Jetzt beginnen die LEDs am Jackenärmel zu blinken und zeigen nacheinander Funktionsbereitschaft und Ladestand der Batterie. Dann beginnt das System mit einem Startcheck und einer Kalibrierung. Während der Kalibrierung sollte man nicht still stehen, aber auch keine Treppe runterspringen, denn der Computer prüft nun die Sensoren und ermittelt so Lage und „Normalzustand“ des Systems.

Nach 20 bis 60 Sekunden ist alles eingepegelt und das System ist einsatzbereit. Ist der Magnetschalter am Frontreissverschluss nicht geschlossen oder die Kalibrierung schlägt fehl oder einer der Sensoren meldet Merkwürdigkeiten, ist der Airbag nicht aktiv. Es kann also nicht passieren, dass man unversehens zum Michelinmännchen wird, weil das System versehentlich auslöst.

Bei Trockenübungen im heimischen Wohnzimmer dauerte die Kalibration oft sehr lange und klappte nur in 80 Prozent der Fälle, weshalb ich schon argwöhnte, dass das ein Nervfaktor sein könnte. Deshalb war ich gespannt, wie sich das Tech Air in der Praxis macht.

Ich habe Jacke und Chassis nun in unterschiedlichsten Situationen und auf zwei verschiedenen Motorrädern getragen. Zum einen auf einer sportlichen ZZR 600, mit der ich 1.000 km kurze Strecken in der Stadt und auf dem Land und Tagestouren gefahren bin, zum anderen auf einer Reiseenduro, mit der ich 1.000 km so rumgekurvt bin und mit der es dann auf eine wochenlange Fernreise in den Süden ging. Da hieß es: Jeden Tag ein Dutzend mal Jacke auf, Jacke zu. Über eine Fahrstrecke von 5.500 Kilometern. Mit Regenkombi. Ohne Regenkombi. Bei Temperaturen von fünf Grad in Regen und Nebel bis hin zu 40 Grad in sengender Sonne. In sehr trockene Luft genauso wie bei Luftfeuchtigkeiten von 100 Prozent, dazu Höhenwechsel von zweitausend Metern binnen kurzer Zeit, und und und.

Ich bin in der Jacke unter allen Bedingungen gefahren, dazu damit gewandert, auf Stadtmauern rumgerannt und durch Höhlen geklettert. Drei Wochen lang habe ich das Tech Air jeden Tag fünf bis 10 Stunden getragen. Ein echter Härtetest, und bei Dauernutzung würde sich selbst die kleinste Kleinigkeit, die nicht hundert Pro passt, zum handfesten Ärgernis auswachsen. Ich hatte im Vorfeld ein wenig bedenken, dass ich über irgend was stolpere, das mich ärgert oder Aufwand verursacht. Als bequemer Mensch wäre ich dann vermutlich sehr schnell wieder bei normalen Protektoren gelandet. Aber:

Good News, everyone!

Die gute Nachricht: Die Elektronik in der Jacke nervt in der Praxis nicht.

Überhaupt kein Problem ist die Akkulaufzeit. Der Akku hält mit einer Ladung sogar länger als die von Alpine Stars angegebenen 25 Stunden. Ich bin einmal über 30 Stunden gefahren und hätte noch Reserve für mindesten 4 Stunden gehabt. Selbst wenn man pro Tag 8 bis 10 Stunden fährt, muss man damit nur alle 3 Tage ans Aufladen denken.

Auch die Status-LEDs, die mir durch vermeindlich übertriebene Helligkeit unangenehm aufgefallen waren, stellten sich als praktisch heraus. Die hohe Leuchtstärke sorgt dafür, dass selbst bei direkter Sonneneinstrahlung oder durch die Regenkombi hindurch der Status des Systems ablesbar ist.

Das vermeintliche Sorgenkind, der Kalibrationsvorgang, funktioniert im Alltag zuverlässig. Sehr schnell hat sich bei mir ein Automatismus eingeschliffen, dass ich lediglich beim Schließen der Jacke ein mal auf den Ärmel gucke ob die LEDs aufleuchten, ansonsten kann man das System weitgehend ignorieren.

Das Aufblinken der LEDS ist das ist das Zeichen, dass der Magnetschalter in der Reißverschlussleiste richtig geschlossen ist – meine Jacke hat noch nicht, wie bei den späteren Modellen, einen gelben Klettverschluss an dieser Stelle. Mit Klettverschluss entfällt vermutlich sogar dieser Prüfblick. Ist die Jacke zu, startet die Kalibrierung. Ist die erfolgreich, leuchtet ein grünes Licht und alles ist gut. Im Alltag klappt die Kalibrierung in nahezu hundert Prozent aller Fälle.

Hell wie eine Taschenlampe.

Nur selten funktioniert die Kalibrierung nicht auf Anhieb. Dann muss man sie noch einmal neu starten, indem man die Jacke öffnet und wieder schließt. Mit der Zeit merkt man schon, was man in der Kalibrierungsphase machen darf und was nicht. Typische Fälle, in denen die Kalibration ziemlich sicher nicht klappt: Situationen, in denen man sich um mehrere Achsen bewegt. Beispiel: Wenn man auf dem Bike sitzend die Jacke aktiviert und sofort eine sehr kurvige Straße mit schnellen Richtungswechseln fährt. Oder wenn man während der Kalibrierung eine Wendeltreppe runter läuft. Oder sich währenddessen bückt, um noch mal schnell den Zustand der Kette zu prüfen. Das sind so Bewegungen, wo man nach einiger Zeit schon ahnt, dass das jetzt nicht geklappt haben kann.

Ich hatte damit aber keine Probleme. Mein Standardablauf ist: Jacke schließen, prüfender Blick auf die LEDs, dann Helm aufsetzen, Handschuhe anziehen. Meist ist die Kalibrierung jetzt schon erfolgreich abgeschlossen. Falls nicht, egal – ich setze mich auf´s Motorrad und fahre los (wenn die Straße nicht gerade superkurvig ist). Spätestens nach ein paar hundert Metern ist das System dann fertig kalibriert und läuft. Anfangs habe ich immer nochmal in den Rückspiegel geschaut, ob an meinem Unterarm die grüne LED leuchtet. Da sie das nahezu immer tut, habe ich diesen zweiten Kontrollblick immer öfter vergessen.

Ein Blick beim Anziehen, mehr Aufmerksamkeit erfordert das Tech Air nicht.

Die Kalibrierung nervt also nicht, und die Jacke ist bequem. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass sie im Vergleich zu meiner alten Jacke sehr eng sitzt, aber das muss so und ist Konzept.

Die vielen Taschen sind für Reisen ideal, und die wasserdichten Reißverschlusstaschen sind auch WIRKLICH wasserdicht (für Sie getestet, bitte gerne).

Wasserdichte Innentasche. Zwei der „WP Compartments“ gibt es auch Außen.

Dank der wirklich guten Belüftung schwitzte ich während der Fahrt auch bei hohen Temperaturen nicht mal richtig. Es gibt aber auch keinen spürbaren Luftzug in der Jacke, da das Chassis wie eine zusätzliche Weste wirkt – Jacke und Airbagweste sind sehr gut aufeinander abgestimmt.

Belüftung auf der Brust.

Armlüftung.

Bei sportlicher, nach vorne geneigter Sitzhaltung, wie auf der ZZR, funktioniert die Lüftung übrigens einen Tucken besser, weil mehr Luft in die Armöffnungen einströmen kann. Das geht bei der aufrechteren Sitzhaltung und dem besseren Windschutz auf der V-Strom nur in geringerem Umfang, reicht aber immer noch aus. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Entsorgung der Abwärme problematisch werden kann, wenn das Motorrad ein so großes Windschild hat, das dahinter gar kein Fahrtwind mehr zu spüren ist. Aber wer so eine rollende Schrankwand fährt, will das auch so.

In der Summe ist das Zusammenspiel und der Sitz von Jacke und Chassis so gut und angenehm, dass ich nach kurzer Zeit vergessen hatte, dass ich einen Airbag am Körper habe. Prüfblick beim Anziehen, dann Vergessen das ich es trage.

Das ist, glaube ich, das Beste, was man über das Tech Air-System sagen kann: Man vergisst, das man es trägt. Es macht keinen Aufwand, es stört nicht, aber es ist da, wenn es gebraucht wird.

The good, the bad and the stinky

Nun gehöre zu den Tourenfahrern, die sich auf Reisen gerne Dinge angucken. Ich strolche in Museen und Burgen rum, ich gehe in meinen Motorradklamotten spazieren, gucke mir Städte an, manchmal klettere ich damit sogar auf Berge. Zugegeben, sehr kleine Berge, aber immerhin. Bei solchen Aktivitäten macht sich das Tech Air dann unangenehm bemerkbar. Zum einen ist da das Gewicht. Die Valparaiso-Jacke wiegt ohne Chassis und ohne Thermo- und Membranfutter, aber mit Protektoren, nur rund 1.800 Gramm. Das ist sehr leicht.

Das Chassis dagegen wiegt rund 2 Kilogramm. Noch hier ein Bißchen Geraffel in den Jackentaschen und dort einen Schlüsselbund und das Handy und zack, trägt man viereinhalb bis fünf Kilo Jacke am Körper. Ich kann Gewicht durchaus ab, was mich aber richtig stört ist die Hitze im Inneren der Jacke. Sicher war die Situation auf der gerade absolvierten Reise extrem, denn wir reden hier von Außentemperaturen von über 30 Grad, bei denen ich in der prallen Sonne rumgelaufen bin. Das ist mit dem Tech Air eine Tortur. Das Chassis enthält halt rundum einen Airbag aus Polyamid und hat damit die Atmungsaktivität einer Plastiktüte.

Auch wenn rundum Mesh ist, nach kurzer Zeit kocht man im eigenen Saft, wenn die Belüftung durch den Fahrtwind fehlt. Anziehen kann man die Jacke bei solchen Temperaturen und bei körperlichen Aktivitäten eigentlich nicht. Sie zu tragen ist aber auch nicht einfach, denn durch das hohe Gewicht und den breiten Rückenprotektor lässt sie sich auch nicht einfach über die Schulter hängen oder über dem Arm tragen. Man schleppt sich im wahrsten Sinne daran kaputt. In ein Topcase passt sie wegen des festen Rückenteils aber auch nicht, und ich bin nicht jemand, der seine Jacke auf dem Motorrad lässt – auch dann nicht, wenn sie mit einem Stahlkabelschloss gesichert ist. Zumal Jacke und Chassis zusammen rund 1.900 Euro kosten, sowas lässt man nicht einfach rumliegen.

Separat aufgehängt: Oben Jacke, unten Chassis.

Ich habe mir also täglich einen abgeschleppt und wirklich literweise Schweiß in das Chassis geschwitzt, das nach wenigen Tagen anfing zu riechen wie ein Berg alter Socken. Nach zwei Wochen, in denen ich es jeden Tag 5-10 Stunden und bei hohen Temperaturen trug, roch es wie ein ganzer Schweinestall, in dem die Güllepumpe explodiert ist. Wirklich, der Geruch war abartig. Ich habe am Ende das Chassis abends aus der Jacke ausgebaut und auf den Balkon zum Auslüften gehängt, aber das brachte irgendwann auch nur noch bedingt was. Das Mesh und die Innenpolsterung sind aus Polyester, und das hält den Schweißgeruch zuverlässig mehrere Tage. Das hat mich etwas erstaunt, bei dem Preis hätte ich Material mit Anti-Müffel-Ionen oder sowas erwartet.

Ich möchte aber betonen: Bei normaler Nutzung auf dem Motorrad und in unseren Breitengraden hatte ich mit Schweißgeruch keinerlei Probleme. Das Chassis fing erst an zu müffeln, als ich bei sehr hohen Außentemperaturen Dinge darin anstellte, für die es nicht gemacht ist.

Fehlfunktionen

Mein Tech Air ist tatsächlich kaputt gegangen. Es sich begann nach zweieinhalb Wochen auf Reisen, dass plötzlich dauernd die rote LED ansprang und damit zeigte, dass sich das System abgeschaltet hatte. Entweder direkt nach Beginn der Kalibrierung oder während der Fahrt wechselte das System von Grün auf Rot. Plötzlich merkte ich sehr deutlich, wie angenehm und unkompliziert die Handhabung vorher war, denn nun musste ich ständig nachschauen, ob das Ding wirklich noch lief oder schon wieder rumzickte. Das nervte tierisch, aber dass das nicht normal war, war mir schnell klar.

Nun hat das Chassis am Rücken einen Mikro-USB-Port, der nicht nur zum Aufladen dient, sondern auch zur Diagnose.

Jedes TechAir-Chassis wird auf seinen Besitzer registriert. Als Kunde habe ich Zugriff auf ein Serviceportal, in dem mir auch eine Diagnosesoftware (nur Windows) zur Verfügung gestellt wird. Die hatte ich auf meinem Netbook.

Also Rechner an das Chassis angeschlossen und die Daten ausgelesen. Im Ernst, im Jahr 2018 schließe ich einen Computer an meine Kleidung an, um deren Fehlerspeicher auszulesen.

Neben Infos zu meiner Person, bei welchem Händler ich das Chassis gekauft habe und aktuellen Messwerten gibt es auch ein Errorlog, in dem das TechAir-System Fehler speichert. Hier war dann sehr deutlich zu sehen, dass der Sensor in der linken Schulter Fehler produzierte. Das tat er einmal recht am Anfang, als das Chassis fast neu war, ab Betriebsstunde 82 kamen die Fehler dann aber massiv und gehäuft.

„Bei Alpine Stars bist Du jetzt Premiumkunde“, hatte mir der Händler beim Kauf erklärt, und ich hatte das als dummes Gelaber abgetan. Dennoch wollte ich jetzt mal wissen, wie gut der Support für das TechAir wirklich ist.

Tech Air Support

Ich schickte an einem Sonntag Abend um 22:00 Uhr eine Mail an die, im Serviceportal angegebene, Adresse. In der beschrieb ich den Fehler und hängte das Errorlog an. Montag Morgen um 07:30 Uhr, also quasi unmittelbar und sofort, hatte ich eine Antwort: Ich möge bitte das Chassis einschicken, Alpine Stars wolle gerne eine Inspektion machen. Nun sitzt Alpine Stars in Norditalien, und da ich eh gerade für zwei Tage in der Region war, fragte ich an, ob ich nicht vorbeikommen könnte. Innerhalb von Minuten kam die Antwort vom Support: Man habe keine Vor-Ort-annahme für Endkunden, aber ich könne gerne vorbeikommen und man würde versuchen, innerhalb der zwei Tage, die ich in der Region wäre, das Chassis zu prüfen und zu reparieren.

Gesagt, getan. Also in den heiligen Hallen der Alpine Stars-Zentrale vorbeigefahren, die erstaunlicherweise – obwohl es sich mittlerweile um ein Weltunternehmen handelt – relativ klein wirken.

Der Umgang in der Firmenzentrale ist familiär, aber auch hoch professionell. Ich traf mich mit einem Supportmitarbeiter, der das Chassis entgegennahm und mir für die Zwischenzeit einen normalen Rückenprotektor lieh – dadurch, dass die keinen Endkundenservice in der Zentrale haben, war kein Austausch-Chassis verfügbar.

Verbesserungsvorschläge

Im Gespräch konnte ich dann gleich noch ein paar Anregungen loswerden, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Wochen. Zuvorderst: MACHT VERSION 2 AUS MATERIAL, DAS NICHT NACH EINIGEN TAGEN ANFÄNGT ZU STINKEN WIE EIN PFERD AUS DEM HINTERN.

Und: Der Ladeport muss definitiv anders platziert werden, so dass er besser erreichbar ist. Oder das Ladesystem muss generell anders, denn der Mikro-USB-Anschluss ist zu fummelig. Der sitzt nämlich versenkt zwischen den beiden Datenkabeln zur Jacke. Damit ist er schwer zu erreichen, und man läuft Gefahr in den fragilen Datenkabeln hängen zu bleiben und sie aus den Stecker zu reißen.

Ich habe mir, nach Anregung von Kalesco, ein Magsafe-System da dran gebastelt.

Es gibt mittlerweile Magneteinsätze für Mikro-USB-Ports. Ein Teil kommt in die Buchse und bleibt dort, auf den USB-Stecker kommt ein Magnetaufsatz. Ab dem Moment braucht man das Ladekabel nur noch in die ungefähre Nähe des Ports bringen, dann klickt das von alleine ein, wie rum ist egal. Zum Aufladen reicht das, für Datenübertragung aber leider nicht – zumindest mein Rechner erkennt kein USB-Gerät, wenn der Magsafe-Anschluss an einem zwei Meter langen Kabel sitzt.

Mit dem Support vereinbarte ich dann, dass sie sich Zeit lassen sollten für Prüfung und Reparatur des Chassis und es mir dann nach Hause schicken. Ich bin dann mit dem geliehenen Rückenprotektor nach Deutschland zurückgekehrt. Über das Kundenportal konnte ich sehen, das unmittelbar am Tag nach meinem Besuch schon mit der Reparatur begonnen wurde, und sogar, welcher Techniker welches Teil ausgetauscht hat. Alpine Stars macht dabei keine Gefangenen, im Sinne von: Die doktorn daran irgendwie rum und tauschen nur ein Teil aus. Nein, nicht nur der defekte Beschleunigungsmesser wurde ausgetauscht, sondern gleich alle Schultersensoren, und das Steuergerät gleich noch dazu. Und wo man schon mal dabei war, wurde auch gleich noch die neue Firmware aufgespielt und das Ganze 24 Stunden getestet.

Eine Woche später wurde mir das Chassis per UPS geliefert.

Auch hier ist nochmal dokumentiert was gemacht wurde. Gereinigt wurde es leider nicht, es müffelt immer noch ein wenig, aber das man muss schon sehr genau hinriechen um das zu merken. Der Schweißgeruch verfliegt also nach einer Zeit.

Über den Hardwaredefekt habe ich mich gar nicht groß geärgert, gab er mir doch die Gelegenheit den Service von Alpine Stars auszuprobieren. Für einen Praxistest war das fast ein Glücksfall. Technik kann immer mal kaputt gehen, und wie das Log deutlich zeigt, hatte der Sensor von Anfang an einen weg. Daraus würde ich nicht generell auf die Qualität der verbauten Komponenten schließen wollen. Technik kann kaputt gehen, und die Qualität eines Dings macht sich heute auch daran fest, wie der Hersteller dann mit dem Defekt umgeht.

Alpine Stars geht damit vorbildlich um, besser kann man es eigentlich nicht machen. Die Responsezeiten des Tech Air-Supports sind erstklassig, ich bekam keine Textbausteine und kein Geschwafel zurück, die Kommunikation ist direkt und persönlich und am anderen Ende sitzt Fachpersonal, das sich wirklich auskennt. Die Reparatur ging superfix, und da es innerhalb der zweijährigen Garantie war, war das auch alles kostenlos.

Die Garantie verlängert sich übrigens um 24 Monate, wenn man einen Inspektionsservice bei Alpine Stars durchführen lässt. Bei dem werden alle Komponenten gecheckt und das Chassis gereinigt. Kostet 99 Euro, dafür hat man dann die Gewissheit, dass alles OK ist und jegliches Problem auf Kosten von Alpine Stars behoben wird. Bis zu fünf mal lässt sich die Garantie verlängern, damit kommt man in Summe auf 10 Jahre Herstellergarantie. Alpine Stars begreift Tech Air als eine Kombination aus Hardware und Dienstleistung, und die Dienstleistung hat ordentlich durchdefinierte Prozesse.

Erkenntnisse

Meine Meinung nach zwei Monaten und insgesamt 7.500 Kilometern mit dem Tech Air: Das Ding ist praxistauglich, ohne Frage. Es sitzt bequem, es nervt nicht, man vergisst nach einiger Zeit, dass man es trägt. Beim Motorradfahren spürt man es nicht mal. Das ist super, besser geht es eigentlich kaum.

In unseren Breitengraden, bei normalen Außentemperaturen und für kurze und mittlere Fahrten sehe ich überhaupt keine Einschränkungen oder Probleme.

Man erkauft sich mit dem Tech Air ein Mehr an Sicherheit, das mit wenig zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Den prüfenden Blick beim Schließen der Jacke, ansonsten ab und zu aufladen, das war es. Das der Ladeanschluss fummelig ist, lässt sich mit einem Magnetconnector für 5 Euro ausgleichen.

Das Tech Air ist absolut geeignet für fast alles, was mit Motorradfahren zusammenhängt. Kurztourer, Schön-Wetter-Biker, Brot&Butter-Fahrer und Leute, die gelegentlich die Rennstrecke besuchen, werden damit sehr glücklich. Langstreckentourer mit Hang zu südlichen Ländern und einer Affinität zu Aktivitäten ohne Motorrad sollten sich vorher sehr gut überlegen, ob sie mit dem hohen Gewicht, ggf. starker Wärme klarkommen. Für die meisten Motorradreisenden wird das eher nichts sein.

Nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind die Klamotten, um am Ziel einer Fahrt kilometerweit darin zu wandern oder in den Bergen rumzuklettern, schon gar nicht bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke. Tut man das trotzdem, schwitzt man sich darin kaputt oder schleppt sich einen Wolf. Vermutlich ist das aber ein Randgruppenproblem. Gibt ja nicht viele Bescheuerte, die in Motorradklamotten so bewegungsintensiven Quatsch machen, und bei normaler Nutzung fängt das Chassis nicht an unangenehm zu riechen.

Von daher: Ich kann für mich sagen, dass das Tech Air absolut OK für mich ist. Es gibt während der Fahrt nichts, was mich stören oder Aufwand verursachen würde, weshalb die alte Jacke mit den Standardprotektoren im Schrank bleibt. ABER: Wenn ich aber nochmal vorhabe in den Bergen rumzuwandern, werde ich aber zusehen, dass ich vorher eine Möglichkeit finde die Jacke nicht mitschleppen zu müssen.

 
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Verfasst von - 16. Juli 2018 in review, Service, Meinung, Motorrad

 

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So, ich wäre dann auch mal wieder da. 6.737 Kilometer habe ich in den letzten Wochen auf dem Motorrad. Ich hatte mit einem höheren Kilometerstand gerechnet, aber das hier war tatsächlich nur die drittlängste Reise, sagt das Blog. Egal, es war trotzdem toll, dreieinhalb Wochen in sieben Ländern unterwegs zu sein.

Dabei habe ich interessante Menschen getroffen und seltsame Dinge besucht, wobei die Adjektive tauschbar sind. Dabei ging es durch sengende Hitze genauso wie durch Wolken und die Mutter aller Starkregengebiete, das sogar meine garantiert wasserdichten Stiefel versenkt hat.

Unfälle oder Pannen hat es dieses Mal zum Glück nicht gegeben – das Motorrad ist wohlauf und hat nicht rumgezickt. Wunderbar zuverlässig, die V-Strom. Ist auch gut so, sonst wäre das jetzt das vierte Jahr in Folge mit Problemen gewesen, und dann hätte ich vermutlich die Lust an Motorradreisen verloren.

Auf der Strecke geblieben ist nur ein Ding: Ausgerechnet das Innenleben der Tech Air-Jacke hat es nicht zurück nach Hause geschafft. Warum und wieso, das erzähle ich demnächst hier im Blog. Genau wie alles andere auch. Jetzt muss ich erstmal auspacken und Wäsche waschen und sowas.

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Verfasst von - 8. Juli 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Shorties (6): Das schnutigste Kartoffelgesicht

  • Man sollte Sprachen lernen. Damit nimmt man Leuten im Ausland, die keine Ausländer mögen, schlagartig den Wind aus den Segeln.
  • Manchmal führt fremde Sprachen können auch zu netten Abenden mit sehr freundlichen Menschen, die einem Eis servieren. Amarenaeis.
  • Note to myself: Mehr als vier Stunden am Strand macht Sonnenbrand.
  • Die Lüftung im Bad an einen Bewegungsmelder zu koppeln ist eine interessante Idee, die leider gar nicht funktioniert. Man muss die ganze Zeit wie ein Derwisch durchs Bad hüpfen und dabei winken, damit der Ventilator läuft.
  • Protipp: Hotelzimmer mit Verbindungstür meiden. Das geht NIE gut. Im Nebenraum zieht immer ein Dauersabbelndes, laut scharchendes Pärchen ein, das gerne morgens um 6 anfängt zu Heimwerken. Zumindest hört es sich so an. Bekommt man so ein Zimmer zugewiesen, sofort versuchen gegen ein anderes zu tauschen.
  • Der schmierige Sender Mediaset hat sich zur WM ein Ivanka-Trump-Double als „Co-Moderatorin“ (= lebende Deko) ins Sportstudio gestellt. Mediaset gehört Berlusconi, der sich für sein geplantes Comeback in der Politik so schon mal an Trump ranwanzen will. Bunga-Bunga mit einem Double der eigenen Tochter, wissen schon.
  • Solche Strecken zu fahren ist harte Arbeit:

    Die potentiellen Belohnungen machen das aber mehr als wett.
  • Auf Schiffen übers Meer fahren ist toll. Wenn dabei das eigene Motorrad im Bauch der Bestie mitfährt, macht das ein komisches Gefühl im eigenen.
  • Selfies gehen mir auf die Nerven. Da fragt eine Touristin, ob man sie fotografieren würde. Aber nicht ein Foto. Dreizehn. In unterschiedlichen Statien des Kulleraugens aufreissens und Lippen spitzens. Und anschliessend soll man noch bei der Auswahl helfen, welches Duckface das schnutigste ist. Zum Glück war ich nicht „man“, ich hätte die Alte mit der Kim-Kardashian-Gedenkfresse sofort über die Brüstung geschubst. Früher fotografierte man ein Objekt, heute geht es darum, sich vor dem Objekt möglichst gut zu inszenieren. Die Ich-Gesellschaft. Mir geht das völlig ab.
  • Amerikaner nerven. Echt. Beim inszenieren von dem, was sie für authentisch Europäisch halten, sind sie genauso fake wie im Rest ihres Lebens auch. Beim Anblick solcher Leute beschleicht mich manchmal der Verdacht: Hat die US-Gesellschaft Trump vielleicht verdient? Oder sogar nötig? (Der Gedanke kommt nur ganz kurz, dann geht´s wieder
  • Amerikaner getroffen, die sich im Ausland als Kanadier ausgeben. So weit ist es schon.
  • Ich habe noch nie. Noch NIE. so geschwitzt wie dieser Tage. 32 Grad und 93% Luftfeuchtigkeit, in Klamotten, die die Atmungsaktivität einer Plastiktüte haben. My own personal Sauna.
  • Polen im Urlaub fahren wie die Kartoffeln mit ihren SUVs. Die einzigen die noch schlimmer sind: Deutsche Rentner mit Wohnanhängern mit Aufklebern „Oma und Opa auf Tour“. SO macht man sich beliebt!
 
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Verfasst von - 30. Juni 2018 in Reisen

 

Momentaufnahme: Juni 2018

Herr Silencer im Juni 2018

Vorherrschendes Gefühl: Ich brauch mal Urlaub. Oh, da isser ja!

Wetter: Monatsanfang weiterhin sehr warm, um die 20 Grad und drüber und wenig Regen. Zur Monatsmitte etwas kühler, um die 15 Grad und bedeckt, mit schweren Unwettern in Süddeutschland. ab Monatsmitte bin ich unterwegs, immer be 26-35 Grad.


Lesen:

Trevor Noah: Born a Crime
Der kleine Trevor wächst in den Townships von Kapstadt auf, in den schlimmsten Jahren des Apartheitregimes. Seine Mutter wollte ein Kind, aber keinen Mann. Ihre Wahl des Samenspenders fiel ausgerechnet auf einen Weißen, und da in der Zeit des stattlichen Rassismus auf gemischtrassigen Sex eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren stand, ist schon Trevors Geburt ein Verbrechen gegen den Staat.

Das Buch erzählt zwei Geschichten: die von Trevor selbst, wie er durch Schulen stolpert, Häuser anzündet, in den Townships raubkopierte CDs vertickt und letztlich im Knast landet. Und die seiner Mutter, einer Frau, sie so einen starken Willen hat, das man sie schon als verrückt ansehen kann.

Trevor Noah schätze ich als Host der Daily Show sehr. Seitdem ich weiß, dass er aus Südafrika kommt, wollte ich mehr über seine Geschichte wissen. Das die so krass ist, konnte ich nicht ahnen. Ich habe bei der Lektüre viel gelernt – über Staaten, die Rassismus als Konstruktionsprinzip haben und ihn an allen Ecken und Enden als Werkzeug einsetzen. Über Südafrika. Und natürlich über die Realität in de Townships.

Die Geschichte der Familie Noah ist noch nicht vorbei, aber schon jetzt so interessant, dass sie eine Buch rechtfertigt. Dem hätte ein besserer Lektor gut getan. Die Kapitel sind nicht unverständlicherweise nicht chronologisch, und die Zeitsprünge sind beim nachträglichen editieren entstanden, das merkt man. Das stört beim Lesen – manchmal werden Menschen erst vorgestellt, nachdem sie in einem der vorherigen Kapitel schon tragende Rollen hatten. Macht aber nix, das Buch bleibt trotzdem gut. Es ist spannend, es gibt Drama, es gibt Fremdscham – nur lustig will das Buch nie sein. Ist es aber trotzdem, denn wenn Trevor einen Tänzer Namens Hitler in eine jüdische Schule schickt, dann ist das brüllend komisch – aber das Buch erklärt dann gleich, warum Hitler für Afrikaner kein schlimmer Mensch ist. Aus all diesen Erlebnissen und kulturellen Clashes leiten sich viele Weisheiten ab – allein darum sollte man dieses Buch lesen.


Hören:

Leonard Cohen: You want it Darker

Seltsames Ding.

Sehen:

Gelbe Wüste, rosa Raum [Theater im OP]
Vor 20 Jahren war der Vater in der gelben Wüste im Kriegseinsatz. Nun ist er mit seinen beiden erwachsenen Söhnen hier her zurückgekehrt, um für die Länge seines Jahresurlaubs Selbstjustiz zu verüben. Schwer bewaffnet streifen die drei durchs Land und suchen Terroristen, die sie umbringen können. Nur: Die lassen sich gar nicht so leicht finden, und je länger die Suche dauert, desto mehr driften alle Beteiligte ab: Einer der Söhne in Paranoia und Mordlust, der andere in Krankheit und Erschöpfung, und der Vater in Erinnerungen an Geschehnisse, die es nie gab. Schicht für Schicht schmirgelt der allgegenwärtige Wüstensand Fassaden weg, bis blanker Irrsinn in Form eines rosa Raumes übrig bleibt.

Eine verstörende und erschreckende Inszenierung von Barbara Korte. Kaum zu glauben, dass dieses krasse Stück eine Studentin geschrieben hat, die damit beim Nachwuchswettbewerb gewann. Faszinierend ist allein schon die Idee, 12 Personen als „Du“ permanent auf der Bühne präsent zu haben. Die Personen erzählen das Innenleben der Protagonisten, verkörpern ihre Sehnsüchte und Erinnerungen. Das funktioniert genial, und wenn gegen Ende „Du“ eine neue Perspektive auf alle Handelnden eröffnet, ist das ein wirklich schockierender Twist.


Spielen:

Detroit: Become Human [PS4]
Die USA, 20 Jahre in der Zukunft. Arbeiten wie Altenpflege, Hausputz und Bauarbeiten werden von Androiden übernommen. Die lebensechten Roboter verändern die Gesellschaft: Die Arbeitslosigkeit steigt rasant, viele Menschen ziehen die Beziehung zu einem Sexandroiden einer echten Beziehung vor. In dieser Umbruchsituation häufen sich Berichte über Androiden, die sich seltsam verhalten – gerade so, als hätten sie Gefühle.

Das Spiel läuft episodisch ab und wechselt dabei zwischen drei Protagonisten: Haushaltshilfe Kara, die urplötzlich gegen ihre Programmierung verstößt und ein kleines Mädchen vor häuslicher Gewalt schützt; Altenpflegerdroid Markus, dem sein Schützling immer wieder sagt, er sei mehr als die Summe seiner Teile; Connor, ein Prototoyp, der in Sachen Androidenzwischenfälle ermitteln soll.

Alle drei haben unterschiedliche Wege, die der Spieler durch seine Handlungen bestimmt. Je nach Entscheidung verlaufen die Stories krass unterschiedlich – Protagonisten können sterben, es kann zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Maschinen kommen, oder es kann am Ende Hoffung geben. Wie schon die Vorgänger „Beyond Two Souls“, „Heavy Rain“ und „Fahrenheit“ ist auch „Detroit“ eine, stets bis ins Detail durchinszenierte, Aneinanderreihung von Szenen, deren spielerischer Wert gering ist, die aber eine Geschichte erzählen wollen.

Dem steht leider im Weg, dass der Macher, David Cage, kein guter Autor ist. Der Franzose mit dem amerkanischen Künstlernamen hält sich für eine Art Autorenfilmer der Videospiele. Leider hat er kein Händchen für Dialoge, die allermeisten seiner Ideen sind geklaut und gegen Ende driften seine Stories meist in ärgerlichen Unfug ab.

Zumindest war das in den Vorgängerspielen so, in „Detroit“ passt aber alles. Die Figuren handeln nachvollziehbar, die Handlung bleibt spannend und alle Entscheidungen haben ernste Konsequenzen. „Detroit“ bewegt sich zwar auf Terrain, was schon durch Werke wie „Blade Runner“, „AI“, „I, Robot“, „Humans“ und viele andere beackert wurde, gewinnt dem Thema aber noch neue Aspekte ab.

Sicher, David Cage ist völlig schmerzbefreit und wenig subtil bei der Vermittlung seiner Gesellschaftskritik: In diesem Spiel tragen Androiden quasi Judensterne und kommen am Ende ins KZ! Das hätte leicht schiefgehen und respektlos werden können, aber hier funktioniert es. Das unverschämte Spiel auf der emotionalen Klaviatur verfehlt nicht seine Wirkung, am Ende meines ersten Spieldurchgangs habe ich geweint, weil mich das Schicksal der Charaktere so berührt hat. Das kommt auch durch die Technik: Die Grafik ist lebensecht und jenseits des Uncanny Valleys, und das Performance Capturing solch toller Schauspieler wie Lance Henriksen oder Clancy Brown funktioniert perfekt. Wer eine PS4 hat und Telltale-ähnliche Spiele mag, wird mit „Detroit“ sehr glücklich. Wer weniger auf Story und mehr auf Gameplay steht, sollte die Finger davon lassen.


Machen:


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. Juni 2018 in Momentaufnahme

 

Reisetagebuch Shorties (5): Toxische Hassbayern und Geisterglocken

Auf Fernreise mit der Barocca.

  • Plötzlich tauchte bei 5.000 Touren ein helles Klingeln auf, das mich fast wahnsinnig werden liess. Was ist das? Die Ventile? Irgendwas lose? Kurze Zeit später war dann Eigenfacepalmierung angesagt, hatte ich doch schlicht vergessen, dass seit Neuestem die Guardian Bell am Gepäckträger hängt.

    Die kleine Glocke sorgt dafür, das böse Geister, die sich am Motorrad festsaugen, durch das Gebimmel irre werden und abfallen. Immer wenn ein Moppedgeist auf den Asphalt aufschlägt, hinterlässt er ein Schlagloch. Es gibt viele Schlaglöcher hier. Guardian Bells soll man nicht kaufen, man muss sie geschenkt bekommen. Wie gut, dass mein Sternzeichen Wassermann ist. Wassermänner sind nicht abergläubisch 🙂 Danke für das Geschenk, Mobbedzwerch!

  • Am Strand. Nebenan hat eine Familie aus Bayern drei Generationen an stattlichen Wampen in Liegestühlen geparkt. Die Sonne scheint, ein mildes Lüftchen weht, das Meer lädt zum Baden ein. Ein Tag zum Entspannen und genießen. Was macht die Familie? Die sicher 80jährige Oma Wampe erklärt über Stunden und lang und breit, welchen Nachbarn sie wegen welcher Kleinigkeit angezeigt hat, mit welchem Anwalt, wie ihre Versicherung für alles zahlt, und wer im Dorf als nächster dran ist. Sohn Wampe, irgendwo in den 50ern, bekräftigt minütlich, dass das „Recht so“ sei. Und Enkel wampe, sicher auch schon in den 20ern, glotzt ungeniert und minutenlang Leute an. Weil eine Sonnenbrille ja unsichtbar macht. Wie kann man so leben? Wie halten die es mit sich selbst aus? Müssten die Leute nicht an dem Hass, den sie permanent versprühen, selbst ersticken?

    Das sind toxische Menschen, von sowas muss man sich fernhalten, sonst wird allein vom Anhören dieses ganzen Hasses die eigene Seele schmutzig.

  • Auch in Italien gibt es OBI:

    Dort werden hemmungslos deutsche Waren mit deutschen Verpackungstexten und ohne Übersetzung verkauft. Ratlose Italiener stehen vor Regalen und befragen ihre Smartphones, was wohl ein „Filzzuschnitt selbstklebend“ ist.

  • Ich fand diesen Laden ja schon immer super gruselig:

    Vorne Süßwarenautomaten und Reittiere und Musik aus den 80ern, dahinter ein schummriger Laden, der sich irgendwo im Dunkel verliert. Sieht aus wie eine Fassade, um Kinder in die Untiefen des Hauses zu locken, auf das sie nie mehr gesehen werden.

    Nun ist wenige Meter entfernt ein zweiter Laden aufgepoppt.

    Was ist das? Eine Phänomen a la „Needful Things“? Oder eine Lebensform, die sich von Kindern ernährt und aussieht wie ein Laden? Stephen King, übernehmen Sie!

  • Die Vorliebe der Italiener für deutsche Worte kennt keine Grenzen. Neu: Das Modelabel „Doppelgänger“, das gerade rapide expandiert.

    Das Wort mögen die Amis auch, aber die nutzen das nicht für Mode, sondern für Stephen King Geschichten.

  • Apropos Amis: Die exportieren mittlerweile ihren Hass. So wie die Amerikanerin, die sich mitten in Florenz über eine Frau mit Kopftuch beklagte. Ob es denn hier keine Security gäbe, oder warum könnten Muslime sich hier, mitten in einer Touristenstadt, frei bewegen? Ich wollte gerade was sagen, dann holte ich innerlich das Popcorn raus und wartete, bis die vermeintliche Muslima sich umdrehte. Zum Glück hatte die ältere Nonne die Hassrede nicht gehört. Ich ergriff dann die Gelegenheit, die der Amerikanerin ohnehin gerade etwas peinlich war, um ihr zu erklären, dass sie hier nicht in Trumpland ist und SELBSTVERSTÄNDLICH auch Muslime sich frei bewegen dürfen, auch zwischen texanischen Wabbelärschen.
  • Nachdem meine Tankbuch-App nicht mehr supported wird, bin ich mit der ganzen Baggage zu Spritmonitor.de umgezogen. Das ist ein nettes Tankbuch, das on the fly brauchbare Statistiken rauswirft. Das Besondere: Die Plattform dazu vergleicht Modellübergreifend den Verbrauch und ordnet den ein. Die Barocca liegt da nur so mittel, aber die große Überraschung ist die Renaissance: Von allen registrierten ZZR600 (mindestens 60) ist meine Maschine mit 4,25 Litern auf 100 km die mit dem geringsten Verbrauch. Der größte Heizer im Vergleich braucht mit 9,86 Litern mehr als doppelt so viel.

    Kann man mal sehen, was vorausschauendes Fahren, viel Landstraße und ein gut gepflegter Motor so ausmachen.

 
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Verfasst von - 20. Juni 2018 in Ganz Kurz, Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (9): Countdown

Februar 2018: Tag acht Städtereise südlich der Alpen. Heute verbringe ich den Tag auf den Straßen Venedigs, gucke einem murmelnden Packzwerg zu und mache eine Reise mit dem Nachtzug.

Samstag, 17. Februar 2018

„Kann ich meinen Rucksack hierlassen?“, frage ich, „natürlich gegen Bezahlung!“
„Nein, nein, nein, keine Bezahlung, bitte!“, sagt der eine Hotelier, und sein Bruder fällt ihm ins Wort „Selbstverständlich können Sie Ihr Gepäck kostenlos hierlassen, wir passen bis heute Abend darauf auf“.

Dann streckt einer mir seine Bärenpranke entgegen und sagt „Verehrter Gast, seien Sie nicht traurig Venedig verlassen zu müssen. Sie können jederzeit wiederkommen, und wir werden dann hier sein und würden uns freuen, wenn Sie wieder zu uns kämen“. Er strahlt, als ich seine Hand schüttele. Das ist das erste Mal das ich ihn lächeln sehe seit ich hier bin, und ich habe ihn jeden Tag an der Rezeption gesehen. Tja, man kann eben in familiengeführten Hotels den Leuten eine Freude machen, wenn man ihre Arbeit und ihr Haus lobt. Das Caprera hat das Lob wirklich verdient: Alle geben sich richtig Mühe, die Zimmer sind schön, sehr sauber und ruhig – und damit das auch so bleibt, greifen die Gastwirte schon mal durch und machen chinesischen Brillenmädchen klar, dass dies ein Hotel ist und keine Disko, in der man nächtelang lautstark rumgröhlt. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, und das habe ich den beiden gerade gesagt und mich für den angenehmen Aufenthalt bedankt. Jetzt strahlen sie um die Wette.

Ich stelle meinen Rucksack in einen Nebenraum und verlasse das Hotel. An der Rezeption tut gerade ein chinesischer Gast recht laut und auf schroffe Art kund, dass er gedenke sein Gepäck hier zu lassen. „Natürlich“, entgegnet der Mann an der Rezeption reserviert, „Macht 5 Euro“. Der Gast schnaubt und ruft „FÜNF EURO!??“
„Pro Stunde“, sagt der Hotelier. Ich kann ihn in dem Moment nicht sehen, aber ich vermute, dass er eine Augenbraue dabei hochzieht.

Ich mache mich auf den Weg ins Sestiere Dorsoduro. Heute geht es nach Hause, aber der Nachtzug fährt erst um 21:00 Uhr. Das sind noch 12 Stunden hin, aber die Zeit rum zu bekommen sollte nicht schwer sein. Fühlt sich komisch an, dass meine Zeit in der Stadt so sicht- und fühlbar wegtickert. Ab jetzt, nehme ich mir vor, mache ich jede Stunde ein Bild und twittere das. Venedig liegt noch ruhig in der Sonne. Der Lieferverkehr bringt Ware für die kleinen Geschäfte an den Kanälen. Ein Boot lädt Container mit sauberer Betwäsche und Handtüchern für ein nahegelegenes Hotel aus.

Städtische Arbeiter laden von einem Boot kleine Wägelchen aus, mit denen sie durch die Gassen ziehen und Müll einsammeln werden. Zu festgelegten Zeiten treffen sie sich wieder mit dem Boot an vorher ausgemachten Haltestellen, um die Wagen wieder zu leeren. Ein routiniertes und eingespieltes System, angepasst an die Besonderheiten von Venedig und ganz anders als auf dem Festland.

Eine Möwe schaut interessiert zu.

Ich laufe langsam, denn ich bin ohnehin zu früh dran, und schaue mir die Plätze und Gassen des Univiertels an, die noch leer sind.


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Verfasst von - 16. Juni 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch Städtetour (8): Supermond legt Venedig trocken!!1!


Februar 2018: Tag acht der Städtereise südlich der Alpen. Heute mit einem Phoenix, einer Kristallziege und Nereïden.

16. Februar 2018
Trocknete ein Supermond Venedig vor einigen Wochen aus? Das behauptet zumindest dieser seltsame Artikel von strangeounds.org vom 02. Februar und illustriert das dann auch noch mit einem Bild:

Von einem „ungewöhnlich trockenen Jahr“ ist in dem Artikel die Rede, und von „Wasserständen auf rekordverdächtigem Niedrigstand“, die nun in Kombination mit einem Supermond dafür gesorgt hätten, dass die Gondeln traurig am Boden ausgetrockneter Kanäle lagen.

Ich bekomme über das Internet ums Verrecken nicht raus, ob die Geschichte stimmt. Was macht man da? Man fragt jemanden, die sich damit auskennt! In diesem Fall frage ich Frau Eckert, die in Venedig jede Ecke kennt und auch das tolle Blog „Unterwegs in Venedig“ betreibt.

Frau Eckert antwortet auf meine Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieser Meldung postwendend und findet deutliche Worte. „Natürlich ist das grober Unfug und Socialmediamist sondergleichen“, schreibt sie, und dass es bei Ebbe, insb. bei Wintermonden, völlig normal sei, das die kleinsten Kanäle trocken liegen. Nur würden heute die Leute Bilder davon machen, die auf Facebook stellen, und irgendwelche anderen denken sich einen Text dazu aus.

Guck an, das wußte ich noch nicht! Also, das mit den trockenen Kanälen, das mit dem Mist auf Facebook schon. Außerdem weist Frau Eckert darauf hin, dass auch der ganze Rest des Artikels Unfug ist, angefangen von Verkehrten Einwohnerzahlen bis hin zu der krassen These, dass die Stadt Venedig die Abwanderung der Einwohner durch Tourismus kompensieren muss – dabei ist es umgekehrt, der Tourismus vertreibt die Einwohner, denn die Vermietung einer Wohnung als Air BnB bringt 3-10 mal so viel Geld wie ein fester Mietvertrag. Traurig, aber wenigstens weiß ich nun, dass kein Supermond die Stadt ausgetrocknet hat. Danke, Frau Eckert!

Nach einem kurzen Frühstück zwischen einer Gruppe kichernder Teenagerinnen mit Bierdeckelgroßen Brillengläsern verlasse ich das Caprera und wandere zum „Teatro la Fenice“, dem „Theater des Phönix“.

Das heißt so, weil es schon zwei Mal aus seiner eigenen Asche wieder auferstanden ist. Beim letzten Brand, 1996, wurde nahezu alles, bis auf die Außenmauern, zerstört. Sieben Jahre und 6 Millionen Arbeitsstunden mit 24/7-Arbeit später steht nun wieder was zum Angucken. Das Theater ist ganz im Stil des Rokoko gehalten. Die klaren Linien der Treppenhäuser sind elegant.

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Verfasst von - 9. Juni 2018 in Reisen

 

Reisemotorrad, Version 2018

„This Girl is going Places“

Es ist wieder soweit. Bald geht es auf großte Tour, auch in diesem Jahr wieder mit der Suzuki V-Strom DL 650 „Barocca“. Nach dem Kettendesaster im vergangenen Herbst ist die Maschine voll durchgewartet, alle Verschleissteile wurden getauscht, von den Bremsen bis zur Kette. Auch nagelneue Reife sind drauf, wieder die guten Metzeler Tourance Next. Die 2010er V-Strom ist von Haus aus ein sehr gutes Reisemotorrad, und durch einige Umbauten wurde sie noch besser.

Schon im vergangenen Jahr bekam die Tourerin eine Tieferlegung von Alpha, einen breiteren Seitenständerfuß von SW Motech, ein elektronisches Kettenschmiersystem von CLS, ordentlich Sturzbügel von Givi, einen SW-Motech Kofferträger, eine Werkzeugrolle und Madstad-Scheibenhalter verpasst.

Die Pumpe, die Heiko Höbelt von CLS erfunden hat.

Martialisch: Struzbügel von Givi.

Rechts Auspuff, links Tooltube.

Aus den USA importiert: Scheibenhalterung.

Nachlesen kann man die Änderungen des vergangenen Jahres hier: Fernreisetauglich 2017

Auf Reisen würde ich nichts anderes mitnehmen als die superleichten und unkaputtbaren Givi E45-Koffer mit dem starken Reflexsystem und Topcase. Das hat eine Ausstattung mit Wasserflaschen und Ausrüstungstaschen sowie einem doppelten Boden, unter dem eine Warnweste liegt. In diesem Jahr eine echte Moppedweste von XL Moto (Danke für den Hinweis, 600ccm.info!)

Natürlich würde ich auch nicht ohne das Garmin ZUMO 590 fahren, das mit dem Helm, dem Smartphone und dem Reifendruckkontrollsystem gekoppelt ist.

Außerdem verfügt die V-Strom noch über die ein oder andere Spielerei in der Elektrik, wie einen WLAN-Accesspoint und einen Tracker.

Was im Verglich zum letzten Jahr anders geworden ist: Der Unterfahrschutz wurde wieder entfernt. Mit dem habe ich in Kurven aufgesetzt, vermutlich wegen der Tieferlegung. Außerdem röhrte die Strom damit wie irre. Bilder des zerschrappten Teils hier.

Außerdem wurde der Seitenständer nochmal um 2 Zentimeter gekürzt. Die Maschine stand vorher zu aufrecht. Nun hat sie 13 Grad Schlagseite. Das ist immer noch weniger als die meisten anderen Moppeds (die, so ergab eine Feldstudie, meist so um die 15 Grad Neigungswinkel haben), aber einigermaßen OK.

Neu ist eine kurze Scheibe, eine Adventure Sports von Powerbronze. Über die habe ich hier ausführlich geschrieben.

Ebenfalls neu ist dieser Gasgrifffeststeller, quasi ein Tempomat. Den lassen die Weltreisenden bei Time2Ride unter dem Namen „Cruisy Evo“ aus dem 3D-Drucker. Die Gashilfe (im Vordergrund) bei der man mit dem Handballen Gas geben kann, mag ich ja schon seit vielen Jahren nicht missen. Was der „Cruisy“ kann, wird sich noch zeigen. Der Feststeller ist vermutlich genau das richtige für endlose Highways, in Deutschland aber natürlich streng verboten.

Ansonsten wurde ein wenig aufgerüstet: Statt einer Kamera hat das Motorrad nun bis zu drei, an fünf unterschiedlichen Haltepunkten. Zwar hat Garmin mit dem letzten Softwareupdate die Fernsteuerung mehrer VIRBs kaputt bekommen, dennoch finde ich die VIRB XE nach wie vor super.

Die beste Modifikation ever ist nach wie vor die handgefertigte Sitzbank mit dem Gelkissen. Damit habe ich schon 1.100 Kilometer an einem Tag zurückgelegt.

So, und damit kann es dann in einer Woche losgehen. Die längste Reise steht kurz bevor. Wenn ich allein an die zu bewältigende Strecke denke, wird mir ein wenig anders. Aber ich sehe es mal so, wenn ich es dieses Jahr weiter als bis zum ersten Tankstopp komme, kann kaum noch was passieren. Dann geht es Stück für Stück vorwärts und wird schon. Ähem.

 
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Verfasst von - 8. Juni 2018 in Motorrad, Reisen

 

Giganten aus Stahl

Ich bin kein Fan von Einkaufszentren. In jeder Stadt stehen mittlerweile die uniformen Gebilde rum, bis ins letzte durchkonzipiert um Kunden das Geld aus der Tache zu ziehen und gelangweilten Teenies eine Nachmittagsbeschäftigung zu bieten. Das hiesige Einkaufszentrum lockt mich gelegentlich durch Ausstellungen. Meist im monatlichen Wechsel werden auf der Ladenmeile unterschiedlichste Dinge präsentiert, von Oldtimern bis hin zu Kunst.

In diesem Monat wachen die „Giganten aus Stahl“ im Kaufpark. Das sind (über-)lebensgroße, bis zu drei Meter große Skulpturen, die ein Team um den Künstler Walter Willer aus Tausenden von Altmetallteilen zusammenschweißt. Das „Giganten-aus-Stahl-Team“ hat da echt ein Händchen für, die riesigen Gebilde sehen oft total lebensecht aus. Bis auf die Figur von Freddie Mercury. Aber das ist normal, Freddie Mercury als Statue sieht immer lächerlich aus.

Die kleineren Statuen sind oft erstaunlich leicht, das Ghostrider-Motorrad etwas wiegt nur 300 Kilogramm. Die größeren sind aber oft tonnenschwer, und teuer: Statuen von Willer kosten zwischen ein paar hundert Euro und mehreren 10.000. Das teuerste, was ich gesehen habe, war der „Silberpfeil“ mit Fahrer für über 40.000 Euro.
Die Ausstellung läuft noch bis 09. Juni 2018, mehr Skulpturen gibt es auf Willers Webseite.

Ghostrider-Motorrad.


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Verfasst von - 6. Juni 2018 in Kunst & Kultur

 

Reisetagebuch Städtetour (7): Peak Kunst in Disneyland

Februar 2018: Tag sieben Städtereise südlich der Alpen. Heute mit Glitzereinhörnern, Barockkatzen, Brillenmädchen und Peak-Kunst.

15. Februar 2018, Venedig
Es gibt immer wieder warnende Stimmen, die um die „Disneylandisierierung“ von Venedig fürchten. Sie warnen davor, dass die Stadt zu einer Kulisse für posierende Touristen verkommt. Eine Kulisse ohne echte Einwohner, weil die sich den Wohnraum nicht mehr leisten können. Diese Stimmen haben alles eines gemein: Sie sind zu spät.

Venedig ist schon lange das Äquivalent zu Disneyland in Europa, zumindest für Asiaten, und hier ganz besonders Chinesen. Tagestouristen fluten jeden Vormittag die Stadt, posieren, lassen sich in Gondeln durch die Stadt fahren, kaufen nachgemachten Glasschmuck aus China (mit Aufklebern „Made in Venice“) bei einem von hunderten Händlern und verschwinden wieder. Andere bleiben ein paar Tage länger, in der Innenstadt, in der die meisten Wohnungen nur noch für Vermietung über Air BNB angeboten werden. Menschen, die in der Stadt leben wollen, finden keinen Wohnraum mehr – kein Wunder, die Vermietung einer Wohnung an Touristen bringt 10 Mal so viel wie ein fester Mieter.

Im Sommer sieht man an jeder Ecke Brautpaare, die sich auf den Brücke und vor den Palazzi fotografieren lassen. Die Wasserstadt ist dabei nur exotische Kulisse für die Selbstinszenierung.

Und auch jetzt, im Winter, ist die Stadt voller chinesischer Besucher, die sich hier entweder lautstark für die Kamera inszenieren oder mit laufenden Videokameras durch die Museen rennen und alles im Schnelldurchlauf abfilmen, während sie nur auf ihre Handydisplays starren. Ob die sich diese verwackelten Videos wirklich zu Hause in Ruhe angucken? Ich bezweifle das.

Die Galleria dell´Accademia

Ich habe kaum die Galleria dell´Accademia betreten, als wieder ein Chinese an mir vorbeieilt, während er mit ausgestrecktem Arm ein Handy an einem Triptychon von Hieronymus Bosch vorbeiführt. Er filmt die gesamte Ausstellung ab, ohne sie sich anzusehen.

An einer anderen Ecke des Raumes macht es Lautstark Klickgeräusche. Eine chinesische Mutti fotografiert jedes Gemälde, ebenfalls ohne es sich anzusehen, hat dabei ihr XioMi aber auf volle Lautstärke gestellt und Tastentöne und Kamerageräusche aktiviert. Daher kann ich genau hören, wo genau in der Ausstellung in der Accademia dell´Arte Sie herumirrt. Das macht mich geringfügig wahnsinnig, denn die Galleria ist eigentlich ein Ort der Ruhe. Den Tastentonterror nehme ich als grobe Unizivilisiertheit wahr, die die Kontemplation der Ausstellung stört und mir den Blutdruck nach oben treibt.

Die Galerie hat viel zu bieten, fängt aber uninteressant an – Ikonenmalerei des 14. Jahrhunderts finde ich totlangweilig, auch wenn der Audioguide sich alle Mühe gibt, das ein oder andere kuriose Detail einzuflechten.


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Verfasst von - 2. Juni 2018 in Reisen

 

Momentaufnahme: Mai 2018

Herr Silencer im Mai 2018

Vorherrschendes Gefühl: Das ist kein Mai. Das ist Hochsommer.

Wetter: Warm. Sehr warm, mit Temperaturen um die 25 Grad und sehr wenig Regen. Am Monatsende dreht der Frühsommer auf 11, plötzlich hat´s tagelang über 30 Grad. In Spanien ist es kälter als hier. WTF?


Lesen:

James Comey: A higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership
Die Geschichte des Mannes, der Trump zum Präsidenten der USA machte: James Comey hatte viele Jobs und ein abwechselungsreiches Leben: Aushilfe in einem Supermarkt, Student, Lehrjahre als Anwalt bei Versicherungen, dann Strafverfolger unter Rudy Giuliani, Staatsanwalt und Mafiajäger in New York und stellvertetender Generealstaatsanwalt nach 9/11. Unter der Bush-Regierung fällt er über Dispute mit Dick Cheney zu Folter und Überwachung in Ungnade, verlässt den Öffentlichen Dienst und wird letztlich -unerwarteterweise- von Obama zum Chef des FBI gemacht.

Anhand der Stationen seiner Biografie verdeutlicht Comey seine Vorstellung von guten Führungskräften. Seine eigenen Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt, als die Ermittlungen wegen Hillary Clintosn E-Mails beginnen und er unter politischen Druck gerät. Dann kommt die Wahl, und plötzlich steht Comey einem Präsidenten gegenüber, der ihn politisch vereinnahmen will – als „einen von ihnen“. Im Italienischen hat dieses Verhalten einen Namen: Cosa Nostra.

Das Buch ist überaus clever strukturiert. Nie wird es langweilig: Spannende Kapitel über die Mafia ziehen einen gleich zu Beginn in den Bann, man erfährt viel Privates – aber immer ist deutlich, dass man hier nur das liest, was Comey einen wissen lassen will. Und das, was man erfährt, lässt ihn als Heiligen scheinen: Er allein hat gegen die ersten Überwachungsprogramme der NSA gekämpft, er allein hat sich mit der Bush-Administration angelegt, um zu verhindern, dass die CIA die Erlaubnis zur Folter bekommt. Und natürlich hat er seine Jobs immer verlassen, wenn die gegen seine Prinzipien gingen.

Das Comey sich selbst hier als Heiligen im Auftrag von Recht und Gerechtigkeit stilisiert – Wurst. Das Buch ist deswegen so gut, weil es sehr tiefe Einblicke in das Funktionieren der Politik in Washington erlaubt. Es geht nicht primär um Trump, bis ca. zur Hälfte geht es um 09/11 und die verwerflichen Handlungen der Bush-Administration und deren Versuche, sich die irgendwie als rechtskonform hin zu lügen. Dann kommt die Mailaffäre, und hier lesen wir endlich, was Comey zu dem Handeln veranlasst hat, das mutmaßlich Trump zum Präsidenten machte. Der taucht dann als gleichermaßen clandestin wie verwirrt agierende Person auf, die von Comey Loyalität fordert, die der letztlich nicht leisten will – und darüber gefeuert wird.

Das Buch endet auf einer düsteren Note. Trump, so Comeys Fazit, wird sehr viel Schaden anrichten – weltweit. Aber, so befindet er auf die letzten Zeilen, jeder Waldbrand bietet auch die Chance zum Wachsen für neues. An diesen Gedanken klammere er sich, um nicht irre zu werden.


Hören:


Sehen:

Solo [Kino]
Der junge Han hat einen Traum: Er möchte Feuerwehrmann werden! Auf dem Weg dahin stolpert er immer wieder in erfrischende Abenteuer. Was für ein kecker Draufgänger!

Niemand braucht „Solo“. Die Figur des sarkastischen Schmugglers, der eigentlich ein unheilbarer Romantiker ist, braucht keine Vorgeschichte. Und schon gar keine, deren Verfilmung durch eine Produktionshölle aus Regiewechsel, Skriptänderungen, umfangreichen Nachdrehs u.ä. gegangen ist. Das dann am Ende ein Film dabei rausgekommen ist, der keine Frankensteinige Superkatastrophe wie „Suicide Squad“ ist, grenzt an ein Wunder. Anders als die vergurkte Antiheldenverfilmung wirkt „Solo“ wenigstens aus einem Guss. Man muss sich beim Anschauen nicht mal schämen.

Der mit 140 Minuten rund eine halbe Stunde zu lange Film liefert solide Unterhaltung mit einigen netten Schauwerten, aber ohne echte oder emotionale Highlights. Ein typischer Ron-Howard-Film halt, besetzt mit Schauspielern, die nicht viel können. Solo-Darsteller Alden Ehreich ist ein Totalausfall, hat aber zum Glück auch nicht viel zu tun. Emilia „Khaleese“ Clarke spielt eine eigentlich toughe Frau als kulleräugige Trulla, wie sie eigentlich alles immer als kulleräugige Trulla spielt – warum die Tante überall gecastet wird, ist mir ein Rätsel. Die coolsten Charaktere des Films sind Chewbacca und die um Gleichberechtigung kämpfende Droidin L3-37. Nebenbei beseitigt der Film einige von George Lucas´gröbsten Schnitzern, u.a. wird geklärt, warum der Korsalflug in 12 Parsecs machbar war und ob Han zuerst geschossen hat. Immerhin.

In der Summe: Nett und unterhaltsam, aber schnell vergessen.

Their finest hour [Prime Video]
Im zweiten Weltkrieg in London: Gemma Arterton wird Autorin für einen Propaganadafilm über Dünkirchen. Dabei muss sie sich mit der Bürokratie des Kriegsministeriums und staatlichen Vorgaben genauso auseinandersetzen wie mit einem alternden Star, der hartnäckig die Realtität verweigert. Auch privat läuft´s nur so mittel, aber immerhin hält der Fake-Hochzeitsring von Woolworth mögliche Verehrer ab.

Die Story ist eher dünn, eine „wir ziehen das Projekt gegen alle Widerstände durch“-Geschichte mit ein wenig Selbstfindung hat man schon oft gesehen. Die Stärken des Films liegen woanders: In den hervorragenden Schauspielern und den fragilen Miniaturen, in die sie immer wieder verwickelt werden. Wenn der aufgeblasene Altstar von seiner neuen Agentin beigebogen bekommt, dass er ein alter Sack ist, der wirtschaftlich unrentabel ist und in harten Zeiten jeder selbst sehen muss wo er bleibt, dann ist das eine Szene, in der in jeder Sekunde im Gesicht von Bill Nighys zu sehen ist, wie mit jeder der exzellenten Dialogzeilen sein Weltbild ein Stück mehr in sich zusammenfällt. Umso schöner, das später alle Charaktere ihren Platz finden. Ein schöner, kleiner Film, der aufgrund der eleganten Dialoge und vor allem wegen der Leistungen von Arterton und Nighy im Gedächtnis bleibt.

Avengers: Infinity War [Kino]
Thanos kommt, mit einer Mission: Er will auf seiner Veranda sitzen.

Hier wird nix erklärt. Es geht sofort zur Sache und hört über zwei Stunden nicht mehr auf. Klar, die Exposition geschah ja in den vergangenen 10 Jahren und über 18 Filme. Nur: Wer die nicht mitbekommen hat, für den ist Avengers 4 ein Flickenteppich unverständlicher Szenen, in denen sich komische Leute mit anderen Leuten kloppen. Hat man aber sein MCU auf dem Schirm, ist der Film eine große Show. Die größte Leistung: Es werden gefühlt 30 Charaktere jongliert, und jeder hat einen Platz. Dabei wird die Tonalität der untschiedlichen Ecken des Marvel-Universum gut zusammengeführt: In einer Szene fühlt sich der Film nach „Spiderman: Homecoming“ an, in der nächsten nach „Guardians of the Galaxy“. Großer Spaß, aber: Nur der halbe Film. Alles endet mit einem Cliffhanger von „Empire“-Ausmaßen, die Fortsetzung folgt erst in einem Jahr.


Spielen:

God of War [PS4]
Spartaner Kratos macht einen Deal mit einem griechischen Gott und wird -natürlich- über den Tisch gezogen. Aus Rache zieht er los und killt die gesamte griechische Götterriege einschließlich Zeus, dann setzt er sich zur Ruhe. Soweit die Handlung in den diversen God of War-Teilen bis 2010. Der neue Teil setzt Jahre später an: Wir sehen Kratos als gealterten Mann mit Kind in einer nordischen Sagenwelt. Seine Frau ist gerade verstorben. Ihr letzter Wunsch: Ihr Asche soll vom höchsten Berg in allen neun Welten verstreut werden. Kratos und das Kind, mit dem er nicht viel anfangen kann, machen sich auf den Weg durch Midgard. Dummerweise hat ein Mann ohne Gefühle was dagegen.

Alles anders als früher: Das neue „God of War“ unterscheidet sich komplett von früheren Serienteilen. Hier steht die Erzählung im Vordergrund, und man, ist die gut gelungen. Ist Anfangs die Entfremdung zwischen Vater und Sohn mit Händen zu greifen, wandelt sich die Geschichte im Lauf der (erstaunlich langen) Handlung zu einer Reise, bei der alle Charaktere wachsen und in einer Dualität zu den Antagonisten zeigen wie leicht es im Elternjob ist, falsch abzubiegen und den Kindern die Zukunft zu versauen statt sie zu ermöglichen.

Technisch ist das Game irre, so poliertes Gameplay und Grafik bekommt man wohl nur mit 8 Jahren Entwicklungszeit hin. Das ganze Spiel wird ohne Schnitt erzählt, der Übergang von Gameplay zu Cutscenes verläuft ohne Bruch, die Kamera schwenkt permanent um die Protagonisten herum. Damit ist „GoW“ das „Birdman“ der Spiele, nur in gut. Das ist besonders in den offenen Teilen der Welt gut zu sehen, die nicht nur toll designt ist, sondern auch interessante Nebenquests enthält. Die Geschichte wird irgendwann sogar Dialoglastig, und es ist ein Wahnsinn, wie gut diese Dialoge geschrieben sind. Sie sind logisch, natürlich, snappy, auf den Punkt – diese Leistung von Autoren und den Darstellern (vor allem: Christopher „T´Ealc-aus-Stargate“ Judge als Kratos) ist beeindruckend.

Nicht gut ist leider das Levelingsystem. Es gibt gefühlt 2.000 Rüstungen, Waffenteile, Skills, Buffs, Perks, Kristalle, Talismane, Zauber, usw., deren Nutzung sich schlecht erschließt und deren Bedienung fummelig ist. Zudem ist die Steuerung extrem überladen. Auf 6 Tasten liegen 200 Bewegungskombinationen, da vergisst man stets sieben Achtel im Kampf gegen die (recht wenigen) Gegnertypen. Das ist doof, denn das macht die Lernkurve ordentlich steil, und God Of War ist kein leichtes Spiel – zwar nie auf dem Schwierigkeitsgrad eines „Blood Souls“, aber schon nicht ohne. Man muss Hack & Slays schon mögen, um das Spiel gut zu finden. God Of War in der 2018er Auflage macht es einem leicht: Die toll erzählte Geschichte, die fantastischen Orte, die Dialoge und Charaktere wie der multiphobische Zwergenschmied muss man einfach gut finden.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein Alpine Stars Tech Air.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Mai 2018 in Momentaufnahme

 

Geschichte reimt sich

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich erstaunlich oft“, sagte Mark Twain und brachte es damit auf den Punkt, und Robert Fietzke (@robert_fietzke) hat mal zusammengetragen, was sich heute so reimt. Herausgekommen ist ein Twitterthread (hier der erste Post: https://twitter.com/robert_fietzke/status/1001427148618567685) der mich hat schlucken lassen und dessen Hauptinhalte ich hier nochmal notiere, weil auf Twitter alles so schnell verloren geht. Es sollte aber jeder den Originalthread lesen.

Die Protagonisten sind heute andere, aber was geschieht, ist gerade das selbe wie vor 25 Jahren. Auch in den 90ern standen Wahlen an. Die Politik nutzte die damalige Asyldebatte für den Wahlkampf und hetzte gegen Ausländer. Insb. die CSU fabulierte immer wieder von „Asylmissbrauch“, als Flüchtlinge aus dem Kosovokrieg hier her kamen. Die Medien machten das mit, zu gut verkauften sich Magazin mit Illustrationen zum Slogan „Das Boot ist voll!“.

Nach Monaten dieser Kampagnen war das Klima in Deutschland so vergiftet, dass sich die verängstigte „Volksseele“ in Gewaltsausbrüchen Luft machte.

Deutsche stürmten Gebäude und zündeten sie an, ganz bewusst während Menschen darin waren. Solingen war mit am Schlimmsten, aber es gab ebenso Pogrome in Hoyerswerda, Mölln und Rostock-Lichtenhagen. Die Polizei griff damals nicht ein, während in Rostock-Lichtenhagen ein Haus voller vietnamnesischer Flüchtlinge brannte. Das Landratsamt sagte später dazu: „Es besteht einheitliche Auffassung dazu, dass eine endgültige Problemlösung nur durch Ausreise der Ausländer geschaffen werden kann“.
Die Pogrome rissen nicht ab. Während Teile der Bevölkerung entsetzt waren über die kleinen Mädchen, die in Mölln verbrannten, hetzte die Unionsgeführte Politik weiter und setzte die Kampagne fort.

Bundeskanzler Kohl schwieg lange zu all dem, liess sich am Ende auch nicht auf Trauerfeiern sehen, weil er nicht „in Beileidstourismus verfallen“ wollte. Immerhin schrieb SPD-Mann Rühe damals, seine Partei solle „die Asylpolitik zum Thema zu machen und die SPD dort herauszufordern, gegenüber den Bürgern zu begründen, warum sie sich gegen eine Änderung des Grundgesetzes sperrt“. Leider währte das nicht lange, am Ende kippte die SPD um und stimmte der Drittstaatenregelung zu, die das Recht auf Asyl aushebelt.

Heute beobachten wir exakt die gleichen Entwicklungen. Politiker machen Wahlkampf mit dem Thema Flüchtlinge, die Medien zündeln mit. Der Unterschied zu damals: Diesmal gibt es nicht mal mehr ein klein wenig Opposition dagegen. Die SPD ist genauso auf den Kurs eingeschwenkt wie die Unionsparteien. Und dieser Kurs wird ihnen vorgegeben von einer offen rechtsradikalen Partei, der AFD. Die Partei, die die neue Heimat der Neonazis geworden ist, deutet in eine Richtung, und die etablierten Parteien beginnen zu marschieren.

Wenn dieser Tage an die Ereignisse von Solingen erinnert wird, dann sollten sich alle bewusst sein, dass wir wieder kurz vor einem Punkt in unserer Geschichte stehen, in dem rechte Lynchmobs Flüchtlinge in Brand stecken und „besorgte Bürger“ daneben stehen und johlen.

 
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Verfasst von - 30. Mai 2018 in Betrachtung, Politik

 

New Gear: Ausrüstung 2018

So, der letzte Teil über Klamotten, dann haben wir´s hinter uns. Material altert und leidet, auch wenn man es ihm nicht ansieht. In diesem Jahr habe ich den Austausch aller wichtigen Klamotten beendet. Das war Pain in the Ass, aber vermutlich sinnvoll. Das hier ist, womit ich 2018 fahre.

Helm: Nolan N104 B5 NCOM mit ESS

Tourenhelm vom italienischen Hersteller Nolan. Ein Klapphelm, bei dem die ganze Frontpartie nach oben schwenkt. In der Liga gibt es sonst nur noch Schuberth, aber die passen mir nicht. Der 104 hat ein riesiges Gesichtsfeld, eine Sonnenblende, ein nie beschlagendes Pinlock-Visier, eine Multi-Bluetooth-Anbindung an Helm und Motorrad und eine Notbremsleuchte, die anspringt, wenn ich eine Vollbremsung mache. Ach ja, Radio hat er auch, aber wer will sowas. Mehr lesen…

Der Helm ist laut, besonders bei hohen Geschwindigkeiten. Ist mir aber egal, ich habe fast immer einen Alpine Moto Gehörschutz in den Ohren, und zwar die Race-Variante. Die Ohrstöpsel filtern die tiefen Frequenzen des Windrauschens weg, aber den Motor, Naviansagen und den ganzen Rest vom Straßenverkehr höre ich nahezu ungedämpft.

Jacke: Alpine Stars Valparaiso Tech Air

Bild: Louis.de

Tourenjacke mit Lederbesatz an den sturzgefährdeten Stellen und Level II-Protektoren. Membran- und Thermo-Innenjacke, enthält außerdem ein Airbagsystem. Super Verarbeitung, tolle Lüftung, durch die verbaute Technik aber auch schwer. Mehr lesen…

Hose: Held Matata II

Bild: Held

Leicht, viele Lüftungsöffnungen, Level II-Protektoren an Steißbein, Knien und Hüfte. Passform und Verarbeitung gehen so. Mehr lesen…

Stiefel: Alpine Stars Web Gore Tex

Die Füße stecken in Alpinestars Web-Stiefeln mit Goretex-Membran. Die sind absolut wasserdicht und so sicher, dass sie sogar als Schutzausrüstung für die Rennstrecke zugelassen, dabei aber nicht so klobig wie andere Stiefel. Die passen auch mal unter Jeans und gehen dann als gedeckte Schuhe durch. Außerdem sind sie so leicht, dass man auf Reisen damit auch mal durch Städte laufen oder wandern kann. Ist schon das zweite Paar, weil ich die Sohlen abgelaufen hatte. Mehr lesen…

Handschuhe: Vanucci VTEC und Reusch Summer
Der eine wasserdicht, warm, mit Keramikbesatz und gut gepolstert, der andere aus Leder und für den Sommer gemacht. Gibt es so nicht mehr zu kaufen, deshalb keine weitere Beschreibung. Aber zwei Paar Handschuhe müssen immer mit auf Tour, es gibt keinen Handschuh, der alles kann.

Regenklamotten: FLM Stromchaser

Bild: polo-motorrad.de

Es gibt m.W. keine besseren Regensachen am Markt als die Stormchaser von Polo. Das Zeug ist aus Membrankram, absolut wasserdicht, aber man schwitzt sich darin nicht tot. Gibt es auch als Einteiler, ich fahre aber mit separater Jacke und Hose. Weite Hosenbeine erleichtern den Einstieg, Feststeller sorgen dafür, das wenig flattert, Gummibesatz am Hosenboden für sicheren Sitz. Darin ist man absolut geschützt und super sichtbar, auch wenn ich mir wünschen würde, dass es die Kombi statt in elegantem Schwarz-Weiß auch mal in Neongelb gäbe. Aber nun. Ist schon meine zweite, die erste war nach sieben Jahren zwar noch dicht, aber leicht angegilbt.

Und, wie eingangs beschrieben: Material altert. Aktuell verkauft Polo die Kombi nicht unter dem griffigen Namen „Stormchaser“ sondern unter der sperrigen Bezeichnung „FLM Sports Membran Regenjacke 1.0 Weiss“. Aha.

Unterwäsche: Rukka Moody

Bild: Louis.de

Lange Unterwäsche unter einem Fahreranzug ist Pflicht. Das Merinokram scheint zwar arg teuer, ABER: Es wärmt bei Kälte, es kühlt im Sommer und dank der bakterientötenden Eigenschaften der Merinowolle fängt das Zeug nicht an zu riechen! In Funktionswäsche aus Polyester müffelt man nach einem Tag wie das Wiesel, aber Merinozeug lüftet man kurz aus, und es riecht nach nichts. Einmal Merinozeugs gekauft spart 5 Sätze Funktionsklamotten aus Erdöl. Das Rukka Moody.Kram ist zudem noch günstiger als ähnliches aus dem Outdoor-Segment.

Socken: Pharaoh & Coolmax

Bild: Polo-Motorrad.de

Kniestrümpfe, bedecken den ganzen Unterschenkel, ideal zum Fahren. Die Trekkingsocken haben Silberfäden eingearbeitet, die kann man auch etliche Male tragen, bevor die anfangen zu müffeln. Gibt es schon ewig bei Polo, sehr gutes Material.

So, damit wäre die Ausrüstung einmal durchgetauscht. Vor zwei Jahren neue Stiefel und neuer Helm, dieses Jahr neue Jacke, neue Hose und neue Regenkombi. Damit sollte jetzt erstmal Ruhe sein, und ich hoffe, dass die neuen Klamotten lange halten – und ich ihre aktiven und passiven Sicherheitssysteme nie auf die Probe stellen muss.

KlopfaufHolz

 
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Verfasst von - 29. Mai 2018 in Motorrad, Reisen, Service

 

Albtraumhosenkauf

Die Überschrift ist doppeldeutig. Wer hier ein Drama erwartet wie bei dem Elend des Jackenkaufs, das sich drei Monate hinzog, der wird enttäuscht werden. Die Anschaffung einer neuen Hose ging erstaunlich schnell. Der Hosenkauf war also kein Albtraum, ein Albtraum sind aber die gerade am Markt verfügbaren Hosen. Völlig erstaunlich, was sich die Hersteller trauen für einen Müll in die Geschäfte zu hängen. Gibt es in deren Designabteilungen keine Tourenfahrer? Ich habe mich durch einige Hosen probiert und eine wütende Meinung dazu.

Hintergrund: Nach sieben Jahren in Wind, Wetter und Sonne sollte nun auch meine treue Mohawk Hose in der Sympatex-Version ersetzt werden. Nach Möglichkeit wieder eine Textilhose, nach Möglichkeit wieder mit Leder an den sturzgefährdeten Stellen. Allerdings nicht nochmal eine Mohawk. Grund: Die hat zwar dickes Leder an den Knien, Hüften und am Hintern, was bei einem Unfall und beim Rutschen über den Asphalt die Haut ganz gut schützen sollte.

Der Schwachpunkt sind aber die Übergänge, insb. die Nähte unter und über de Knie, die Leder und Polyamid verbinden. Die doppelten Nähte und das dicke Leder sehen stabil aus, sind es aber an genau diesen Nahstellen nicht unbedingt: In Foren habe ich unschöne Bilder gefunden, die Mohawks zeigen, bei denen beim Sturz das Leder aus dem Cordura oder direkt an den Nähten gerissen ist. Nachdem sich dann die Hose aufgelöst hatte, pellte sich dann Haut und Fleisch wie eine Mandarine vom Knie des Fahrers. Merke: Niemals Materialmix und Nähte unmittelbar vor Gelenken und quer zur Sturzrichtung!

Da Leder-/Textil-Kombis gerade total out sind, gibt es gar nicht all zu viel Auswahl. In der örtlichen Polo-Filiale probierte ich mich dann durch diverse Modelle.

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Verfasst von - 29. Mai 2018 in Motorrad