Herbst! Saisonende 2020

Eigentlich ist das jetzt die Stelle, an der jedes Jahr das Herbstwiesel verkündet, dass nun der offizielle Teil der Motorradsaison rum ist und sich ab jetzt niemand mehr dafür schämen muss auf dem Sofa rumzuliegen und Netflix zu gucken. Nur: In 2020 ist auf der Couch rumlümmeln, die Wohnung nicht verlassen und zusehen das es einem gut geht eigentlich alles, was man überhaupt sinnvoll tun sollte. Von daher sparen wir uns jetzt die Ode an das Herbstwiesel und gehen gleich zur persönlichen Rückschau auf das Moppedjahr 2020 über.

Das Pandemiejahr 1 hatte natürlich auch auf die Motorradsaison Auswirkungen. Die begann eigentlich recht früh, was vor allem daran lag, dass es keinen richtigen Winter gab.

So freute ich mich deshalb schon im Februar darauf, endlich wieder auf ein Mopped zu steigen, zumal die Ausrüstung wieder in 1A-Zustand war: Die Maschinen waren ohnehin komplett gewartet in den Winterschlaf gegangen, die Airbag-Jacke hatte im Dezember in Italien eine Wartung erfahren und selbst der früher ungeliebte N104 Nolan-Helm ist mir so an s Herz gewachsen, dass er über den Winter im Werk mit einer neuen Sonnenblende und einem neuen Federmechanismus ausgestattet worden ist.

Damit hält der N104 hoffentlich noch ein wenig, denn der Nachfolger, der Nolan N100-5, ist, mit Verlaub, Dreck aus der Hölle.

Aus Zeitgründen kam ich trotzdem erst Mitte März dazu, zumindest die nachtschwarze Suzuki DL 650 V-Strom, Rufname „Barocca“, mal wieder auf die Straße zu bringen.

Als dann aber klar wurde, dass COVID-19 eine echte Pandemie wird, mottete ich im April die Motorräder wieder ein. Ich hielt es nämlich für keine gute Idee, einem nicht ungefährlichen Hobby ausgerechnet zu dem Zeitpunkt nachzugehen, an dem die Intensivstationen mit COVID-Patienten völlig überlastet waren.

Schweren Herzens sagte ich denn Ende April auch den geplanten Urlaub ab. Die vierwöchige Fahrt mit der V-Strom hätte nämlich eine Schiffspassage bedingt, und mehrere Tage zusammengepfercht mit Hunderten anderen Menschen auf einem Schiff unterwegs zu sein, das konnte ich mir beim Besten Willen nicht vorstellen.

Als sich im Juli die Lage wieder etwas entspannte und auch die innereuropäischen Grenzen wieder geöffnet wurden, holte ich die Barocca und die Kawasaki ZZR 600 Renaissance aus dem Dornröschenschlaf.

Eine kurze Tour mit der V-Strom führte nach Tschechien und Polen. Das war sehr cool, denn damit erfüllte ich mir gleich mehrere, lang gehegte Wünsche: Ich kam ins Erzgebirge, ins Riesengebirge, nach Kutna Hora und Guben und ich lernte NachtPhil in Dresden endlich mal persönlich kennen. Das war super.

Mit der ZZR und gab es lediglich einige Tagesausflüge an Orte, an denen nicht viel los oder viiiiel Raum zum Abstandhalten war. Einer davon war Bergen-Belsen, genauer: Die dortige KZ-Gedenkstätte.

Das zog eine längere Beschäftigung mit der Geschichte von Anne Frank nach sich, und währenddessen kam die Idee auf, einen Ausflug nach Osteuropa zu machen und neben Auschwitz in Polen auch einen Ort zu besichtigen, den ich von Herzen gern in meinem Leben sehen würde: Den Transfăgărășan-Pass in Rumänien.

Quelle: Internet.

Also voller Vorfreude eine dreiwöchige Reise im Herbst bis ans Schwarze Meer geplant. Doch wie alles in diesem Jahr kam auch das hier anders. Kaum war ich Anfang September mit der Planung fertig, wurde Rumänien zum Risikogebiet erklärt. Ich wäre schon noch da hingekommen, aber nicht mehr aus dem Land raus – Ungarn, Österreich und Deutschland hatten Quarantäne für Personen aus Rumänien eingeführt.

Also wieder alles abgeblasen. Stattdessen einfach ein wenig mit der Renaissance um Götham herumgefahren. Lächerliche 700 Kilometer. Eine Schande für die wunderschöne ZZR, die schon halb Europa gesehen hat.

Ende September hielt ich es dann aber endgültig nicht mehr aus. Ich wäre irre geworden, hätte ich nicht eine längere Pause von der Arbeit eingelegt. Ich musste raus, und so sattelte ich die Barocca und fuhr gen Süden und an Orte die ich kannte und von denen ich wusste, dass ich dort alleine war, fernab von Menschen.

So ging es noch einmal nach Italien, was stellenweise auch etwas abenteuerlich war. Ich sage nur: Sieben Stunden im Dauerregen, teils im Gebirge und bei null Grad.

Dort erwischte mich dann, was statistisch gesehen irgendwann passieren musste: Eine Reifenpanne, verursacht durch einen geschenkwilligen Hund.

Davor lief auch alles nicht ganz so supi, das Motorrad machte erst einen unfreiwilligen Ausflug und kippte dabei um, dann zog es sich bei einem weiteren Umfaller Schäden an der Bremse und am ABS zu. Die Folge war ein Ausflug mit einem unfähigen Abschlepper in eine Werkstatt, die keinen Bock hatte zu helfen, worauf hin ich eine Irrfahrt mit plattem Reifen in den Stadtverkehr einer italienischen Großstadt machte.

Die Barocca hat zum Glück nur dort minimalst gelitten, und nur dort wo sie im Vorjahr zusätzlich verstärkt wurde. Die Handschützer und der Motorschutzkäfig haben ihre Funktion erfüllt, wie die Einschläge zeigen.

Am Ende habe ich es doch wieder unbeschadet nach Hause geschafft, und das ist es ja, was letztlich zählt.

Außerdem die Erkenntnis: Seit dem Moment, als ich Ende 2016 das erste Mal beim Händler auf der damals schon 5 Jahre alten V-Strom saß, bin ich in sie verliebt. Sie ist eigentlich zu groß für mich, sicher keine Schönheit, ihr Motor rappelt wie ein Traktor und ihre 70 PS ziehen keine Wurst vom Teller, aber ich liebe sie, weil sie so perfekt für Reisen ist.

Mit der V-Strom habe ich dieses Jahr zumindest 9.000 Kilometer zurückgelegt, was die Werkstatt gar nicht glauben wollte – „Du hast doch zwischendurch die Reifen gewechselt!“ nee, habe ich nicht.

Die Metzeler Tourance Next haben tatsächlich 9.000 Kilometer mitgemacht, davon 3.500 Autobahn, und hatten trotzdem noch 4 bzw. hinten 6 mmm Profil – das bedeutet, dass sie gerade mal etwa 2 mm Profil verloren haben.

Dabei sind das keine extrem harten Reifen, im Gegenteil – gerade auf nasser Fahrbahn haften die hervorragend. 9.000 km und eigentlich noch mehr als gut – trotzdem wurden die Reifen jetzt gewechselt. Die nächste Tour wird hoffentlich wieder genauso lang, und 18.000 Kilometer mit nur einem Satz Reifen – nein, das will ich nicht.

Was mir dieses Jahr viel Freude gemacht hat ist eine kleine Tasche von Enduristan (Danke Olpo für den Tip!). Auf den Soziaplatz geschnallt, fahre ich darin die Regenkombi spazieren – und man, hat sich das in diesem Jahr bewährt! Klein, wasserdicht, einfach super.

Sehr gut – wie immer – auch die Arbeit von Sattler Bernhard.

Die V-Strom liegt ja nun wieder normal hoch, nachdem die Tieferlegung in den vergangenen Jahren nur Probleme gemacht hat: Aufsetzen in den Kurven, kein Hauptständer möglich, Funkenschlag am Motorschutz, you name it. Also raus damit.

Eigentlich sollte die Barocca nur drei Zentimeter höher liegen, tatsächlich sind es aber satte fünf Zentimeter ohne die Tieferlegung. Das hört sich nach nicht viel an, sind aber in Sachen Handling Welten. Bei Motorrädern entscheidet manchmal schon ein Zentimeter darüber, ob einem die Hände einschlafen, die Knie lange Fahrten mitmachen oder ob der Fahrer die Maschine noch einparken kann oder schlicht im Stand umfällt.

Das ich die Barocca noch im Stand manövrieren kann, liegt neben mehr Geschick meinerseits auch an der Sitzbank, die Bernhard, der Mann, der die „Hallo, Spencer!“-Puppen gebaut hat, an den Seiten schlanker und einen Zentimeter weniger hoch gestaltet hat. Damit ist sie immer noch bequem genug für 12 Stunden fahren am Stück, trotzdem falle ich mit der Riesenkiste an der Ampel nicht um.

2020 war auch das Jahr, in dem beide Maschinen erstmals Tuningteile ohne jeglichen Nutzwert bekamen: Metallringe um die Anzeigen, handgefertigt in einer kleinen Manufaktur in Polen.

Hier die Renaissance ohne Verzierung:

Und hier mit polierten Aluringen im Cockpit:

Sieht doch fast aus wie der Klassiker, der sie nun mal ist!

Ebenso die Barocca im Orginalzustand:

Und mit gebürsteten Aluringen um Drehzahlmesser und Tacho:

Wie gesagt, kein Nutzwert, nur Optik. Ich persönlich finde die aber so toll, dass ich gleich noch ein paar verschenkt habe.

Nun ist es wieder Zeit für Statistik, einfach mal die Daten der Maschinen angucken und wirken lassen.

Die Detailaufstellungen folgen nach dem Klick. Wer sich Einzelheiten angucken möchte, findet die Daten beider Maschinen online:

ZZR 600 Renaissance bei Spritmonitor.de
DL 650 Barocca bei Spritmonitor.de
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Corona-Tagebuch (20): Die zweite Welle ist da

Weltweit: 40.485.384 Infektionen, 1.119.545 Todesfälle
Deutschland: 377.068 Infektionen, 9.844 Todesfälle

Tag 222 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Das Problem an vorbeugenden Schutzmaßnahmen: Wenn sie wirksam sind, wird im Nachgang gerne so getan als wären Sie überflüssig gewesen. So auch hier und jetzt, mitten in der Pandemie. Über den Sommer hat sich in vielen Köpfen festgesetzt das es einen „Lockdown“ gegeben habe und der übertrieben gewesen sein muss, weil: Wir leben ja noch und guck, alles wieder offen.

Nun gab es zum einen aber gar keinen „Lockdown“, und zum anderen: Wer auch nur den Wikipediaartikel zur Spanischen Grippe von 1918 gelesen hat, konnte ganz sicher sein, dass im Herbst eine zweite Welle kommen würde. Und nun ist sie da:

Von weniger als 300 Neuinfektionen pro Tag im Juli auf 8.500 jetzt. Muss man auch erstmal hinkriegen, wobei es besonders die ganz Jungen und die Älteren sind, die das Risiko nach wie vor nicht ernst nehmen. Ich musste am Freitag mein Auto von einer Werkstatt abholen und habe dafür spät am Abend den Nachtbus genommen, um möglichst wenig Leuten zu begegnen. Obwohl Bus und Stadt eigentlich leer waren: Wo Menschen unterwegs waren, klumpten die dicht zusammen und hatten keine Masken auf.

Wobei Deutschland im europäischen Vergleich noch gut da steht, andernorts sind die Infektionszahlen viel höher. Wer einmal eine französische Schulklasse auf Klassenausflug gesehen hat, ahnt auch, woher das kommt. Sport der Kids war es, sich von Angesicht zu Angesicht aufzustellen und sich gegenseitig in den offenen Mund zu spucken oder zu husten. E-kel-haft.

Non sole mio

Nun komme ich gerade aus Italien zurück. Die Menschen dort haben ihre Lektion auf die harte Tour gelernt, Italien hatte nämlich wirklich einen Lockdown. Vier Monate durften die Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen. In den Straßen patrouillierte Polizei und Militär, und wer ohne Grund außerhalb seiner vier Wände unterwegs war, bekam eine Anzeige und wanderte im Wiederholungsfall oder bei „Coronaleugnung“ schlicht in den Bau.

Resultat: In Italien trägt jeder Einwohner seine Maske, vom Kind bis zum Greis, über Mund UND Nase, und selbstverständlich auch draußen und in den Straßen. Das wird gar nicht diskutiert, Maskenverweigerer sieht man nicht. Nur deutsche und britische Touristen erkennt man sofort. Die Deutschen tragen gar keine Maske und die Briten tragen Masken als Einstecktuch oder am Revers spazieren oder setzen sie sich – LUSTIG LUSTIG – auf den Kopf. Als ob Corona im Urlaub Pause hätte.

U-S-A!

In den USA melden Kliniken jetzt nicht mehr die Fallzahlen an das Gesundheitszentrum, sondern an das Weiße Haus. Das „bereinigt“ dann die Daten veröffentlicht sie erst dann. Prompt sanken seitdem die Infektionszahlen, aber seitdem es Trump selbst und mit ihm das halbe Weiße Haus erwischte, steigen selbst die gelogenen Zahlen wieder. Trump spinnt daraus aber eine Heilandserzählung: Er habe überlebt und an ihm wurden neue Medikamente getestet, die er nun dem Volk schenkt. Krass, wie schlimm das gerade alles entgleist.

„Nicht ausreichend“

Nochmal zurück nach Deutschland: Während die Länderchefs sich im Klein-Klein verlieren und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reihenweise Schutzmaßnahmen wegklagt, weil Umsatz wichtiger ist als Menschenleben, warnt der Bundeskanzler Frau Merkel davor, dass die verabredeten Maßnahmen „nicht ausreichend seien um Unheil abzuwenden“ und das alles „zu keinem guten Ende führe“.

Konservative Kommentatoren, die in gerade in Deutschland an einer ähnlichen Spaltung der Gesellschaft arbeiten wie in den USA, verspotten sie dafür als „Schreckgespenst“ (Nikolaus Blome auf Spiegel Online).

Vernünftigen Menschen fällt dagegen jetzt noch einmal verstärkt auf, wie schlimm Merkel mit Sprache umgeht, und das sie nie agiert als habe sie Macht und Gestaltungsspielraum. Stattdessen richtet sie ihre Politik immer nach Umfragen und Zahlen aus, und die Zahlen sagen gerade: Was noch kommt wird richtig Scheiße.

Der Bundeskanzler Frau Merkel weiß das. Die Altherrenrunde der Kanzlerkandidaten ignoriert es und tut so, als könnten sie Covid-19 mit bloßen Händen besiegen. Deppen.

Deppen

Apropos Deppen: Die Deutschen hamstern schon wieder. Vielerorts sind die Klopapierregale erschreckend leer.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

Kategorien: Corona-Tagebuch | 4 Kommentare

5.575

Ich habe es Ende September nicht mehr ausgehalten, bin einfach auf´s Motorrad gestiegen und losgefahren. Dorthin, wo mehr Schafe, Bären und Wölfe leben als Menschen: In die Abruzzen. Und noch ein wenig in die Toskana. Und die Marken.

Ich weiß, das mag inkonsequent klingen, weil ich doch vergangenes Jahr lang und breit erklärt habe, das ich Italien nun durchgespielt hätte und es 2020 woanders hingehen sollte. Aber dann kam die Pandemie, und als ich jetzt spontan weg wollte, kamen als Reiseziele nur Orte in Betracht, für die ich das Infektionsrisiko sehr genau abwägen konnte. Also doch nochmal auf den Stiefel und an Orte, von denen ich weiß, dass dort wenig Menschen unterwegs sind und ich dort meine Ruhe habe.

Das war durchaus nicht unabenteuerlich: Neben unfreiwilligen Ausflügen unter einen Berg und in einen Graben hat mich endlich auch das erwischt, was statistisch gesehen früher oder später kommen musste: Eine Reifenpanne. Dazu habe ich, trotz aller Menschenvermeidungsversuche, nette und interessante Personen kennengelernt, von denen sich schön skurril erzählen lässt.

Dazu demnächst mehr. Jetzt erst mal wieder zu Hause ankommen.

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Fünftausendfünfhundert Kilometer, das ist eine nette Tour – wenn auch eine der kürzesten der vergangenen Jahre.

2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

Kategorien: Motorrad | 6 Kommentare

Momentaufnahme: September 2020

Herr Silencer im September 2020

Einen Monat keinen Blogeintrag? Gibt es auch selten.

Wetter: Als hätte jemand mit dem Finger geschnippt ist sofort am 01. September der Sommer vorbei. Mit morgens 9 Grad, Frühnebel und tagsüber 17 Grad fühlt sich alles nach Herbst an. Eben noch Hochsommer, jetzt fast Winter. Mitte des Monats wird es dann kreislaufstressig: Morgens nur 9 Grad, Nachmittags plötzlich über 30. Aber auch diese Hitzewelle geht vorbei, und dann kommt der Hebst wirklich.


Lesen:

Stephen King: If it bleeds
Vier Kurzgeschichten, die vierte davon ist „Rat“. Eine klassische Pakt-mit-dem-Teufel-Geschichte, aber in diesem Band die atmosphärisch dichteste Story. King beobachtet hier genau das Innere eines Schriftstellers, der so gerne einen Roman schreiben möchte, aber daran schon mehrfach gescheitert ist und Angst hat, dass sich das wiederholt – obwohl er doch dieses Mal so eine tolle Story im Kopf hat. Wenn da nicht die vielen Wörter wären!

Bob Woodward: Rage
"Fear" war Woodwards letztes Buch, und an dem verweigerte Trump die Mitarbeit. Das hat er wohl später bereut, weshalb er Anfang des Jahres dauernd bei Woodward anrief und ihn Stundenlang zutextete. Eine er Erkenntnisse: Trump wusste schon im Januar, dass COVID-19 über die Luft übertragbar ist, und er hat auch verstanden was das bedeutet – er hatte nur schlicht keinen Bock, sich damit zu beschäftigen.

Zwei Fragen: Wie schafft es Watergate-Urgestein Woodward immer wieder, intime Einblicke ins Weiße Haus zu bekommen und darüber brisante Bücher zu verfassen? Und: Wie schafft Trump es Kraft seines Willens, eine Paralelrealität zu erschaffen, in der er wirklich machen und sagen was er will und es ist egal? Darauf liefert auch dieses Buch keine Antwort.


Hören:


Sehen:

The good Liar [2019, Prime]

Ian McKellen ist ein Gentleman-Trickbetrüger, der auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt. Sein letzter großer Coup soll die Witwe Helen Mirren werden. Er umgarnt sie, erst auf Datingportalen, dann im echten Leben, und ehe man sich versieht wohnt er in ihrem langweiligen Londoner Reihenhaus und schlägt vor, ein gemeinsames Konto zur Alterssicherung anzulegen. Aber dann.

Am Ende fragt man sich, was man da gerade gesehen hat. Der im Deutschen mit „Das alte böse“ passend, aber ungelenk betitelte Film beginnt wie ein Gentlemen-Heist-Movie, überrascht zwischendurch mit krass grausamen Szenen und wird in seinem letzten Drittel so dunkel und bitter, dass man als Zuschauer ob der emotionalen Gemengelage leicht verwirrt zurückbleibt. Durch seine seltsame Kombination und die Art, wie die beiden Protagonisten in Szene gesetzt werden, wirkt der Film unfokussiert und als wüsste er nicht, was er sein möchte. Außerdem hätte aus geschichtlichen Gründen die Geschichte in den frühen 2000ern spielen müssen. So verkörpert die 71 jährige Helen Mirren und der 81jährige Ian McKellen Charaktere, die beide über 90 sein müssten, was nicht funktioniert. Immerhin sind die beiden Schauspieler, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera stehen, absolut großartig, genau sowie die Aufnahmen von London.

They Shall not Grow Old [Prime]
Sie zogen in den ersten weltweiten Krieg, der für die meisten an der Frontlinie zwischen Frankreich und Deutschland in blutigem Brei endete. 1918 gab es schon Filmaufnahmen, und nun hat Peter Jackson die genommen, colorieren und auf HD-Qualität mit 25 Frames pro Sekunde umrechnen lassen. Nun sieht man junge Männer, britische Freiwillige, die aussehen wie die Dorfdeppen von nebenan, die unbefangen und nichtsahnend in den Krieg ziehen, sicher, dass man binnen zwei Wochen wieder zu Hause sei. Dann gehen sie durch die Hölle, und die, die wiederkommen, sind Wracks und finden nicht mehr ins Leben zurück.

Die Originalbilder mit dem Voiceover der Veteranen hat erstaunlich wenig Impact bei mir gehabt. Aber gut, zum einen habe ich mich mit dem Thema schon lang und breit beschäftigt, zum anderen erkenne ich halt, wenn zum Dritten Mal die gleiche Sequenz in anderer Skalierung verwendet wird, weil sie so gut zur Erzählung passt. Technisch beeindruckend, sonst aber nicht.

Das letzte Wort [Netflix]
Gerade noch singt Anke Engelke „Ich kenn´Dich besser als Du Dich selbst“ auf der Geburtstagsfeier Ihres Mannes, da liegt der auch schon tot am Boden – und es stellt sich raus, das sie ihn gar nicht kannte. Nicht nur, das er ein Doppelleben führte, die Familie ist auch faktisch pleite. Engelke versucht sich daraufhin als Trauerrednerin bei einem Bestatter, der aber selbst Probleme hat.

Ja, hm. Einerseits nett gemacht und gut gespielt mit schönen Szenen, andererseits weiß die Serie nicht, wo sie in den ersten 5 Folgen, aus der die Staffel besteht eigentlich hin will. Ist das alles nur Setup für Staffel zwei? Oder hat hier wirklich einfach jemand „Six Feet Under“ und das „Bestatterweblog“ in den Mixer geworfen und hatte keinen Plan was ihn erwartet? Das Ergebnis ist auf jeden Fall weichgespült und belanglos, kein Faden wird zu einem Ende geführt. Es wird deutlich, dass die Hauptfiguren alle ihre Arten von Trauer entdecken, aber dann versackt alles. Staffel zwei sollte dringend ein Ziel haben – und Anke Engelke bitte Augenbrauen, ohne sieht sie extrem seltsam aus. Wunsch Nummer drei: Schluss mit der verdammten Quarzerei. Ich haben mal nachgezählt, bis auf den minderjährigen Sohn rauchen praktisch alle Hauptcharaktere und zahlreiche Nebenfiguren. Das geht nicht.

Der Spion von Nebenan [Prime]
Dave Bautista ist sein Leben lang Soldat gewesen, nun arbeitet er für die CIA – und ist richtig schlecht in seinem Job. Darum wird er zur Überwachung einer langweiligen Sache abgeschoben, doch auch die kriegt er nicht hin. Und dann wird er noch von der achtjährigen Tochter des Zielobjekts erpresst.

Lockerer Spaßfilm, der mich ein paar Mal sehr zum Lachen gebracht hat. Das liegt vor allen an den Hauptdarstellern. Dem Hünen Bautista nimmt man den grimmen Soldaten genauso ab wie dem Kind seine Cleverness, und zwar ohne das es nervt.

Bad Boys for Life [Prime]
Irgendwas mit Will Smith, war nicht gut und hat mich auch nicht wirklich interessiert.

Dr. Doolittle [Prime]
Dr. Doolittle und seine Tiere müssen die englische Königin retten und dafür eine Frucht finden die nur an einem Baum auf einer weit entfernten Insel wächst.

Zu wenig Pinguine (Lies: Gar Keine!) – das geht gar nicht! Immerhin, der Eisbär ist niedlich. Und die Geschichte fantasievoll, aber definitiv für kleine Kinder. Die haben ihren Spass dran, alle anderen sind genervt von den ADHS-Viechern.


Spielen:

Yakuza 4 [PS4]

Kamurocho, Tokyo: Ein ungewöhnlicher Finanzdienstleister trifft eine außergewöhnliche Frau. Ein zum Tode Verurteilter bricht aus dem Gefängnis aus. Ein Straßenpolizist ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Irgendwo eiert Kiryu Kazuma rum. Und alles hängt mit einem Ereignis im Jahr 1985 zusammen.

Der Remaster von Yakuza-Teil 4, der im Original für die PS3 im Jahr 2009 erschien. Sieht nicht so fürchterlich Grütze aus wie Teil 3. Die Story ist elaboriert und dreht sich zum Glück nicht mehr darum, hinter Arschlochkindern auf Okinawa herzulaufen. Stattdessen gibt es wieder eine düstere Erzählung in den Straßen Tokios.

Ich sehe, was die Macher hier versucht haben, als sie mit gleich vier Protagonisten rumjonglierten. Allein: Die Technik gab das damals nicht her, und der Remaster ändert daran leider nichts. Außer 1080P-Auflösung gibt es hier nichts Neues, im Untergrund werkelt die alte, kaputte Engine. Das ist schade, denn so machen die Spielsequenzen schlicht keinen Spaß. Was nützen die schönsten Zwischensequenzen, wenn sich die Spielfiguren in den Kampfsequenzen allesamt steuern wie Tanker, auf Eingaben nicht oder zu spät reagieren und streckenweise einfach unspielbar lahm sind? Dass diese fiesen Schnitzer im Remaster nicht behoben wurden ist eine Schande. Bislang zu zwei Dritteln durch, mal sehen, wie das endet.


Machen:

ArbeitArbeitArbeit, nebenbei Maßstäbe in Sachen Online-Kongresse gesetzt und zum Streaming-Experten geworden, dann: Motorradherbst!


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Momentaufnahme: August 2020

Herr Silencer im August 2020

Keine Lust zu bloggen

Wetter: Mitte des Monats Hitzwelle mit teils über 30 Grad, dann unerträglich schwül. In der letzten Woche kühlt es sich merklich ab.


Lesen:

Stephen King: If it bleeds
Vier Kurzgeschichten: Ein iPhone als Verbindung in die Welt der Toten, der Geist eines Mannes als Universum, andere Outsider wie ES.

Schon lange keinen King mehr gelesen und nach dem Film „Dr. Sleep“ (s. vergangenen Monat) mal wieder lust drauf gehabt. „If it bleeds“ enthält vier Novellen, von denen ich drei gelesen habe und die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Totalausfall für mich war eine Story, die von einem Amerika erzählt, dass durch Klimawandel und faschistische Politik in sich zusammenbricht, und es den handelnden Personen schlicht egal ist. Das klingt nach einer Situationsbeschreibung im Jahr 2020, und gewinnt weder durch den im Vorfeld lange durchtelegraphierten Twist noch dadurch, dass die Geschichte rückwärts erzählt wird. Eine andere Geschichte ist nett, trägt aber zu viel Speck mit sich rum und langweilt durch elendig lange Abschweifung. Insgesamt ein nettes Buch, dem etwas mehr Lektorat gut getan hätte, das aber auch zeigt, dass Stephen King auch mit seinen mittlerweile 72 Jahren in der heutigen Zeit lebt und immer noch Lust auf Experimente hat.


Hören:


Sehen:

Bombshell [2019, Prime Video]
1996 startet Roger Ailes den Sender „Fox News“, der fortan „alternative Fakten“ aus einem straff konservativen Paralleluniversum in die Welt posaunt. Um die Zuschauer bei Laune zu halten, setzt Ailes auf die weiblichen Reize von hübschen, jungen Moderatorinnen. Frauen sind Eye Candy und Zierrat, und so werden sie auch behandelt.

2016 wagt eine von ihnen aufzubegehren und zieht gegen Ailes vor Gericht. Dessen Verbündete, allen voran „Richterin“ Geannine Shapiro und die stramm rechten Moderatoren wie Sean Hannigan oder Lou Dobbs, stellen sich vor Ailes und organisieren sogar eine „Women for Fox News“-Kampagne. Durch mehrere Zufälle beginnt die Mauer des Schweigens dann aber doch zu bröckeln und legt ein toxisches Arbeitsklima frei, in dem Frauen freiwillig oder unfreiwillig Sex gegen Karrieren eintauschen. Am Ende ist Ailes als Chef von Fox News für Rupert Murdoch nicht mehr zu halten.

Spannend! Ein Blick hinter die Kulissen von Trumps Propagandasender, mit erfrischenden Details. So erfährt man, dass Fox News oft und gerne mit der von Ailes erfundenen „Leg Cam“ die Beine der Moderatorinnen in Szene setzt, oder dass das Tragen von Hosen für Frauen lange verboten war. Highlight des Films sind aber die Lookalikes der Personen, die man real aus Fox-Ausschnitten kennt. Dabei sind das weniger die männlichen Moderatoren, denn die Darsteller von Widerlingen wie Tucker Carlson oder Sean Hannity haben wenig mit den Originalen gemein. Es sind aber Charlize Theron als Megyn Kelly und Nicole Kidman als Gretchen Carlson, die auf den Punkt wie die Vorbilder zurechtgemacht sind und hervorragend spielen. Dazu kommt ein hervorragender Malcolm McDowell als ein absolut genialer Rupert Murdoch und John Lithgow als Roger Ailes. Sehenswert!

Her [2019, Prime]
Joaquin Phoenix ist ein empfindsamer Mensch, lebt gerade in Scheidung und wird damit nicht so einfach fertig. Zur Ablenkung installiert er ein neues, KI-getriebenes Betriebssystem auf seinem Rechner, dass ihn fortan als Stimme im Ohr überall hin begleitet. Schnell baut er eine emotionale Beziehung zu der körperlosen Präsenz auf.

Schöne Ideen, gut gespielt. Der Film spielt 5 Minuten in der Zukunft und wirkt wie eine überlange „Black Mirror“-Folge, wenn er Menschen zu Postkartenschreibern degradiert, während KIs die wirklich anspruchsvollen und wichtigen Dinge leisten. Oder wenn er große Themen aufmacht wie Transhumanismus, Liebe in Zeiten von körperlosen Bewusstseinsformen und letztlich der Frage, was menschlich ist. Allzu viel beantwortet er davon nicht, stattdessen kneift er auf der Zielgraden den Schwanz ein und biegt in die Büsche ab. Trotzdem originell und schön anzusehen.

The good Place, Staffel 4 [2020, Prime]
Vor vier Jahren ist Kristen Bell gestorben und kam in den „Good Place“, eine idyllische Nachbarschaft im Leben nach dem Tod, die von Ted Danson geleitet wird. Das Problem dabei: Sie war zu Lebzeiten ein richtig schlechter Mensch und ist nur aus Versehen im „Himmel“ gelandet, der sich gegen die Anwesenheit der verkommenen Seele wehrt und auseinanderfällt. Später stellt sich raus, dass der „Good Place“ nur eine besonders perfide Art der Folter und Ted Danson ein Dämon ist. Irgendwann geht das Ganze hin und her im Leben nach dem Tod einer allmächtigen Richterin so auf die Nerven, dass sie erst Kirsten Bell experimentell die Leitung des „Good Place“ überträgt, nach dem Resultat aber die Menschheit auslöschen will.

Ach, ich mag diese knuffige, kleine Serie, die seit vier Jahren zuverlässig in der Sommerpause mit 10 bis 12 neuen, je rund 25 Minuten langen Folgen aufpoppt. Sie ist witzig, extrem gut geschrieben und macht in jeder Staffel eine andere Frage auf, zum Beispiel: Können moderne Menschen heute noch so Leben, dass ihr Karma unbelastet bleibt, wenn globale Zusammenhänge doch dafür sorgen, dass es am Ende immer jemandem schlecht geht? Die vierte Staffel bringt das philosophische hin und her zu einem sehr befriedigendem Ende.

Last Samurai [2003, BluRay]
Das Abschlachten von Ureiwnohnern und das Massaker am Little Big Horn haben US-Armee-Captain Tom Cruise so traumatisiert, das zu einem versoffenen und zynischen Wrack geworden ist. Trotzdem gilt er als Kriegsheld und wird deshalb 1877 vom japanischen Kaiser angeheuert. Der will sein Land nach Jahrhunderten der Isolation modernisieren, aber dabei stehen ihm die Überreste des feudalen Systems, oder besser: Dessen Samurai, im Weg. Tom Cruise soll nun kaiserliche Truppen an Schußwaffen ausbilden und damit gegen die Schwertkämpfer vorgehen. Kaum in Japan, wird er aber von Samurai entführt und lernt ihre Lebensart kennen.

Wenn es den Aufstand der Samurai nicht wirklich gegeben hätte, wirkte die Story als an den Haaren herbeigezogen. Gut, zumindest der Tom Cruise Teil ist das auch, und natürlich ist alles vorhersehbar. Ändert aber nichts daran das der Film toll gespielt und schön fotografiert ist: Tolle Schauspieler, wundervolle Landschaften, knallige Szenen. Alles an diesem Film strotzt vor Detailreichtum. Das Beste aber: Er ist der vermutlich letzte Film mit Tom Cruise, der kein Tom-Crouise-Vehikel ist. Seine Figur steht zwar im Mittelpunkt, aber hier ist er eben nicht der Sonnyboy-Superheld.

Der Leuchtturm [2019, Prime]
Robert Pattinson und Daniel Defoe sind Leuchturmwärter und schieben Dienst auf einer abgelegenen Inseln. Beide haben ihre Geheimnisse und sind ungehobelt, es kommt zu Spannungen und Psychospielchen. Als ein Unwetter das Verlassen der Insel unmöglich macht, liegen die Nerven blank und es kommt zu surrealen Ereignissen und blutiger Gewalt.

Viel gelobter Horrorfilm, mit dem ich Null anfangen kann. Er beginnt langsam, schleift einen dicken Mittelteilbauch durch die Gegend, um am Ende metaphysisch zu werden und sich in Sagenbildern zu ergehen. Das alles ist mal überdreht, mal holzschnittartig inszeniert und ergibt in der Summe wenig Unterhaltung. Ist was für Pseudointellektuelle mit Horrorneigung, die ungewaschene Schauspieler, schwarzweiß-Bilder und reingeprügelte Motive der griechischen Mythologie für Kunst halten.

Birds od Prey – The fabulous emancipation of one Harley Quinn [2020, Prime]
Something something somethin Harley Quinn.

Absurder Müll. Wirklich. Ich mag Filme mit emanzipatorischen Themen und starken Frauenfiguren, ich mag Action- und Superheldenfilme. „Birds of Prey“ ist nur leider nichts davon. Die Charaktere sind egal, durchgehend alle Männer sind böse, die Story ist wurscht und, die Action und die Kameraarbeit auf dem Niveau einer billigen Fernsehserie. Einzig Margot Robbie und Ewan McGregor sind Lichtblicke. Und ich meine die Schauspieler, nicht die Charaktere, die sie verkörpern. Die Schauspieler wissen genau, wo sie in diesem Film gelandet sind und overacten wie Hölle, weil halt einfach alles egal ist. Die Charaktere können einem dagegen Leid tun – Victor Zsasz in seinem ersten und vermutlich einzigen Auftritt in einem DC-Film zu einem schwulen Comicrelief zu machen, ist genauso ein Tritt in die Eier wie der ganze Film. Nicht angucken, ist genau so eine Lebenszeitverschwendung wie „Suicide Squad“.


Spielen:

Ghost of Tsushima [PS4]
Im Jahr 1274 greift eine mongolische Armee Japan an und erobert als erstes Tsushima, die große Insel zwischen dem chinesischen Festland und den japanischen Hauptinseln.
Schon beim ersten Angriff werden die Samurai, die Beschützer der Insel, abgeschlachtet, weil die Mongolen sich nicht an die Regeln des „ehrenvollen Kampfes“ halten. Nur einer der Samurai überlebt schwer verletzt und versucht nach seiner Genesung die Insel zu befreien. Da er allein ist, muss er zu Guerillataktiken greifen. Die sind eines Samuraikriegers eigentlich unwürdig, aber effektiv. Als ungesehener Meuchelmörder wird er zum namensgebenden Geist von Tsushima, dessen bloße Erwähnung die mongolischen Besatzer zittern lässt.

Ein Assassins Creed im feudalen Japan, aber ohne die AC-typischen Altlasten und must-Haves. Das fühlt sich befreit und leicht an. Weniger leicht ist der knackige Schwierigkeitsgrad in den ersten Stunden und die Überladene und gewöhnungsbedürftige Steuerung sowie die störrische Kamera, die immer wieder in Bäumen und Gebäuden hängenbleibt. Das Game ist nicht so poliert, wie man es von Sony-eigenen Studios kennt. Animationen sind manchmal blockig, Charaktere haben Botox-Gesichter, es gibt gelegentlich Clippingfehler und die Texturen sind auch nicht die Welt.

Trotzdem wurde die richtigen Schwerpunkte gesetzt. Das Kampfsystem ist gut und die Progression und Fähigkeiten steigen bis zum Ende, was motivierend und kurzweilig ist. Weitere Pluspunkte: Die schönen, japanischen Landschaften und eine sehr gelungene Darstellung der historischen Ereignisse: Hier die mongolische Armee, die mit geschlossenen Reihen, Gift- und Feuerpfeilen und Knallkörpern vorrückt, dort die japanischen Samurai, die auf einen „ehrenvollen“ Kampf Mann gegen Mann vorbereitet sind und in der Folge wie die Fliegen fallen, dazwischen der Protagonist, der immer wieder damit zu kämpfen hat, dass seine Methoden als „Geist“ unehrenhaft und eines Japaners nicht würdig sind.

Tolles Spiel mit simpler Geschichte und etwas langem Mittelteil, aber einem süchtig machendem Gameloop aus Exploration, sehr einfachem Stealth und Kampf, der bis zum Ende hin immer noch Neues bietet und darum motiviert. Toll.


Machen:

Planen.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Corona (19): Alltagsmüdigkeit vs. Reiselust

Weltweit: 24.446.482 Infektionen, 831.827 Todesfälle
Deutschland: 240.573 Infektionen, 9.293 Todesfälle

Tag 169 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Blogeintrag zur Pandemie sind zwei Monate vergangen. Seitdem ist die Zahl der Infizierten von unter 10 Millionen auf 25 Millionen gesprungen, die der Toten hat sich verdoppelt. Nach wie vor sind die USA am Schlimmsten betroffen, politisch gibt es da auch immer noch keine Strategie. Es ist Wahlkampf, und Trump wurde gerade beim Parteitag der Republikaner als derjenige gefeiert, der durch sein schnelles und entschlossenes Eingreifen das Schlimmste verhindert hat. Wirklich, die Republikaner erklären Corona für besiegt und tun so, als ob es die bislang 180.000 Toten in den USA nicht gäbe. Stattdessen wurden die Testprozedere gerändert, und neuerdings erfolgt Reporting direkt an die Trump-Regierung und nur das Weiße Haus, nicht mehr das Gesundheitsamt, veröffentlicht Statistiken. Man kann sich vorstellen, was passiert: Die Zahl der Infektionen sinkt urplötzlich. Ein Wunder.

COVIDioten

In Deutschland sieht es besser aus, hier frisiert die Politik keine Zahlen, und in den letzten zwei Monaten gab es gerade mal 300 Todesfälle. Das Infektionsgeschehen ändert sich aber gerade, zum Schlechteren. Das liegt nicht in erster Linie an den „COVIDioten“, die für sich ein Phänomen sind: Da marschieren stramm Linke, Hippies, Esoteriker und Bildungsbürger Seite an Seite mit Reichsbürgern und Neonazis gemeinsam auf „Hygiene-Demos“ herum, aus Protest gegen die Anordnungen zum Tragen von Masken. Das deuten Sie als Einschränkung der Meinungsfreiheit oder ihrer freien Entfaltung oder wasweißich.

Sie alle eint das diffuse Gefühl, dass „die da oben“ in der Pandemie machen was sie wollen, und wittern überall Verschwörungen. Das ist eine normale, menschliche Reaktion: Die Bedrohung ist so groß und so wenig fassbar, dass der menschliche Geist es nicht begreift und annimmt, dass da mehr dahinterstecken muss als ein unsichtbarer Virus. In der Außenansicht ist es natürlich absurd dumm, ändert aber nichts daran, dass Verschwörungstheorien gerade starken Zulauf haben, und sich die Rechtsradikalen auf dieses Thema setzen. Die Politik ist in einer Zwickmühle: Damit nicht wieder 20.000 maskenverweigernde Covidioten unter der Führung von „Querdenkern“ aus Stuttgart durch Berlin marschieren, muss tatsächlich ein Grundrecht eingeschränkt werden: Das der Demonstrationsfreiheit. JETZT, wo keine Rechten Verschwörungsgläubigen mehr unter den Linden marschieren dürfen, jault sogar die BILD und fährt eine Kampagne dagegen, aber als die Demo zum Gedenken der Opfer des rechten Attentats von Hanau trotz Hygienekonzept abgesagt wurde: Schweigen im Wald.

Reiserückkehrer

Nein, die wahre Gefahr geht von den Reiserückkehrern aus. Viele, viele Menschen sind den Sommer über zu Hause geblieben, waren vorsichtig und haben lieber eine Veranda gebaut als weg zu fahren, aber eine ordentliche Zahl ist doch in den Sommerferien ins Ausland geflogen oder war in der Bahn unterwegs. Genau das sind für mich die kritischen Punkte. Die Züge sind schon wieder überfüllt und die Bahn nicht Willens Abstandsregeln einzuhalten und die Maskenpflicht durchzusetzen. Das hat dazu geführt, dass meine Firma die Bahncards der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt hat. Nicht viel besser ist es in Flugzeugen. Auch hier sitzen die Leute dicht an dicht, und Aerosole werden über die Umluft der Kabine flächendeckend verteilt. Wenn man dann noch so Spezialisten da rumhocken hat, die „Ich habe ein Attest“ spielen oder den ganzen Flug über an einem Stück Brotrinde rumkauen weil „Zum Essen muss ich keine Maske tragen“, dann kann man sich denken, was passiert.

Und tatsächlich sind die Zahlen an Neuinfektionen stark gestiegen, seitdem die Leute aus den Ferien zurückkommen. Hatten wir im Juli tageweise nur 200 Neuinfektionen, sind es nun 1.500 bis 2.000. Das entspricht dem Stand vom April.

Reiselust

Aber ach, man kann es ja niemandem verdenken, dass es einen in die Ferne zieht. Geht mir ja nicht anders. Nachdem die lange Sommertour mit dem Motorrad ausgefallen ist, hatte ich mit der Idee geliebäugelt, im September nach Rumänien zu fahren und endlich den Transfagarsan-Pass zu sehen. Wochenlang habe ich zu Rumänien recherchiert und eine geile Tour geplant. Kaum war die Planung fertig und die ersten Unterkünfte gebucht, gab es einen heftigen Ausbruch der Seuche und Rumänien wurde zum Krisengebiet. Also wieder verworfen. Und nun plagt mich Reisesehnsucht, verbunden mit einer tiefen Alltagsmüdigkeit. Ich habe zu nichts Lust, nicht mal zum bloggen. Ist schon oft gesagt worden: Dieses Jahr fühlt sich an wie der längste März aller Zeiten. Das jetzt schon Herbst sein soll kann ich kaum glauben.

Lasst mich hier liegen, ohne mich schafft ihr es vielleicht.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

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Reisetagebuch Japan (19): Montag ist Ruhetag!

Reise nach Japan. Heute mit einer Übernachtung in einem Kapselhotel und dem Ende einer Reise.

Montag, 18. November 2019, Osaka

Kurz nach halb fünf. Der Wecker klingelt praktisch mitten in der Nacht. Rasch und ohne viel Worte zu wechseln packen Modnerd und ich unsere letzten Dinge zusammen, dann verlassen wir das kleine Appartment in Süd-Osaka und fahren mit der U-Bahn bis zum Fernbahnhof Shin-Osaka.

Wir trinken schnell noch gemeinsam einen Kaffee…

…dann springe ich in einen Shinkansen-Schnellzug. Modnerd bleibt in Osaka – er will sich heute einen Spa-Tag in eine Badehaus mit mehreren Sentos gönnen, die alle unterschiedliche Themen haben. Die Website sieht schon echt verlockend aus…

…aber letztlich habe ich mich dagegen entschieden mit zu gehen. Die Zeit hier in Japan ist mir zu wertvoll, als das ich einen ganzen Tag in der Badewanne verbringen wollen würde. Der Zug schießt Richtung Nordosten aus der Stadt heraus, zischt an Kyoto vorbei und biegt dann nach Südosten ab und hält in Nagoya, einer weiteren Mega-Stadt an Japans Küsten.

Als ich den Zug verlasse, stehe ich gleich erstmal vor einem Problem. Ich möchte meinen Rucksack einschließen, aber es gibt kein einziges freies Schließfach im Schließfachraum. Ich schaue auf eine elektronische Karte des Bahnhofs. Dankenswerterweise gibt es mehrere Räume mit Gepäckaufbewahrung, und es wird sogar die Auslatung angezeigt. Hm. Seltsam. Die meisten Räume sind gesperrt, die wenigen offenen sind fast voll belegt. Nur in einem einzigen scheint es noch ein paar freie Fächer zu geben.

Ich stürme los und schaffe es mit meinem unnachahmlichen Orientierungsinn erst einmal in die verkehrte Richtung zu laufen. Ok, andersum. Und dann da und jetzt hier und unter dem Säulengang durch und – äh. Hier bin ich doch hergekommen? Tatsächlich, ich stehe wieder vor der elektronischen Karte. Ach, Mist. Ich nehme mit etwas mehr Zeit um mit den Weg einzuprägen, dann gehe ich überlegt los und finde am Ende tatsächlich den letzten Schließfachraum in einem etwas runtergekommenen Kellergeschoss, hinter einer Baustelle. Aber auch hier scheint alles belegt zu sein, an jedem Fach ist ein rotes „belegt“-Zeichen.

„Das ist so nervig“, sagt eine ältere Dame, die plötzlich neben mir steht. Sie hatte mit mir zusammen auf die elektronische Karte geguckt und sucht wohl auch ein Schließfach. „Alles nur wegen G20!“. Was? Ich brauche einen Moment, dann fällt der Groschen. Klar, das hatte ich doch gelesen – nächste Woche ist der G20-Gipfel in der Stadt. Und deswegen sperren die jetzt schon alle Schließfachräume?

Am Ende finde ich noch genau ein freies Schließfach.

Leider ist es eines von den winzigen, aber allzu viele große Fächer gibt es ohnehin nie. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich den im Frühjahr neu gekauften Rollkoffer nicht benutze: Es gibt einfach zu wenige Schließfächer, hatte ich bei der Vorrecherche herausgefunden, in die der reinpasst. Der Hauptgrund ist allerdings, dass ich Rollkoffer nicht ausstehen kann und Rucksäcke schon deshalb mag, weil sie leicht und leise sind und man die Hände frei hat. Hier, in dieser Situation, ist es nun ein weiterer Vorteil, das ich mit Minimalgepäck reise. Der Cabinmax passt tatsächlich locker in das kleine Schließfach.

So, das wäre erledigt. Ich trete vor den Bahnhof und bin gleich erstmal erschlagen. Hier gibt es viele futuristisch anmutende Neubauten. Eckige, runde, in sich verdrehte oder kühn geschwungene Gebäude aus Glas und Stahl erheben sich in den Himmel. Oder, wie Modnerd sagen würde: Hier hat´s krasse Architektur.


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Reisetagebuch Japan (18): Coney Island, bei Paris

Reise nach Japan. Heute mit den Hinterlassenschaften einer Weltausstellung.

Sonntag, 17. November 2019, Wohnung in Osaka

Den Luxus eines eigenen Appartements nutze ich, um zu Wäsche waschen. Nicht zum ersten Mal auf dieser Reise, immerhin ist mein Reisekonzept: Wenig Klamotten mitnehmen, dafür dann aber mal waschen. Modnerd reist anders, er nimmt immer Wäsche für die komplette Reise mit. Ich bin halt lieber leicht unterwegs und mache dafür ab und an mal Haushaltsarbeiten.

Ein guter Teil meiner Leibwäsche, also Unterhemden, -hosen und Socken, ist eh aus Merinowolle. Die müssen selten gewaschen werden, weil die Wolle selbst antibakteriell ist und deshalb nicht nach Schweiß riecht. Wäscht man sie doch mal, trocknet sie schnell. Außerdem trage ich gerne Hemden aus Baumwolle, die sind auch leicht und trocknen gut.

Normalerweise ziehe ich meine Wäsche ein Mal mit Rei-in-der-Tube durch das Waschbecken, aber das Appartement in Osaka verfügt sogar über eine Waschmaschine. Die ist, wie in Japan üblich, ein Toploader, wird also von oben befüllt.

Ebenfalls wie in Japan üblich wäscht sie nur ganz kurz und nur mit kaltem Wasser. Danach hänge ich die gewaschene Wäsche in das fensterlose Badezimmer und stelle dessen Lüftung auf „Trocknen“ ein. Ein heißer Luftstrom vom Typ Scirocco fegt nun wie ein Föhn durch die Naßzelle, die keine separate Dusche hat. Der ganze Raum IST die Dusche. Die heiße Trocknungsluft trocknet im Nu das Duschwasser weg und auch meine Hemden sind in null Komma nix trocken.

Nach diesen morgendlichen Hausarbeiten wandern Modnerd und ich noch einmal durch Osaka. Zuerst durch die runtergekommene Einkaufspassage von gestern Abend. Die wirkt bei Tageslicht nicht mehr ganz so gruselig, an der Runtergekommenheit ändert aber auch der sonnige Sonntag Morgen nichts.

Hinter dem Einkaufszentrum liegt das Viertel Abenobashi, ein Geschäftsviertel mit, äh, krasser Architektur.

Mittendrin steht der Abeno Harukas, ein Wolkenkratzer.

Mit exakt 300 Metern Höhe ist er das höchste Bürohaus Japans. In dem wird auch am Sonntag gearbeitet, und Modnerd und ich fahren hoch in den 95. Stock und schauen von einer Aussichtsplattform auf Osaka hinab.


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Momentaufnahme: Juli 2020

Herr Silencer im Juli 2020

Was soll das heißen, das Jahr ist zu mehr als der Hälfte rum?!

Wetter: Anfang des Monats regnerisch bei Temperaturen um 14 Grad. Zweite Monatshälfte durchwachsen mit Tendenz zu sonnig, aber mit 12-23 Grad auch nicht übermäßig warm.


Lesen:

Sid Jacobson & Ernie Colón: Anne Frank. The Authorised Graphic Biography
Otto und Edith Frank geht es super: Die beiden haben gerade geheiratet, die kleine Familienbank läuft und langsam arbeiten sich die beiden in die Oberschicht von Frankfurt vor. Doch dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Der Rassismus zwingt die Franks 1934 nach Amsterdam auszuwandern. Otto leitet dort erfolgreich ein Gewürzgeschäft, obwohl der Rassismus die Gesellschaft auch in den Niederlanden toxisch werden lässt. Erst als Edith Frank 1942 einen Deportationsbefehl erhält, wird die Situation untragbar. Die Franks tun so, als wären sie ins Ausland geflüchtet, tatsächlich verstecken sie sich in aber in einem Hinterhausanbau mitten in Amsterdam.

Acht Personen leben dort auf 50 Quadratmetern, und das drei Jahre lang. Es gibt Reibungen und Spannungen. Insbesondere die jüngste Tochter, Anne, streitet permanent mit ihrer Mutter und wird im Laufe der Zeit sogar depressiv. Kurz vor Kriegsende werden die Franks verraten und in die Konzentrationslager Ausschwitz und Bergen-Belsen deportiert. Anne Frank und ihre Schwester verhungern in dem Lager kurz hinter Hannover, als der Krieg praktisch schon vorbei ist. Otto überlebt als einziger und hat fortan ein Ziel: Er möchte den Traum seiner Tochter, eine Schriftstellerin zu werden, erfüllen. Also veröffentlicht er „Das Tagebuch der Anne Frank“.

Illustrierte Biographie von Anne Frank. Toll ist der Kontext, den das Buch gibt. Immer wieder werden in kurzen Einschüben politische und gesellschaftliche Entwicklungen erklärt. Zudem erfährt man viel über die Charaktere und Konstellationen der „Hinterhäusler“, wodurch die Konflikte und Belastungen während des Lockdowns umso greifbarer werden. Die Aufarbeitung als Graphic Novel bringt als Mehrwert mit, das die Bilder eine sehr genaue Darstellung geben wie räumliche Verhältnisse aussahen – von der palastartigen, ersten Wohnung der Franks über Risszeichnungen, über den Aufbau des Amsterdamer Hinterhauses bis hin zu der beklemmenden Enge der kleinen Zimmer sorgen die Zeichnungen für Klarheit. Der unprätentiöse Zeichenstil ist dem Thema angemessen. Sehr gutes Buch für alle, denen (wie mir) Anne Frank außer „hat Tagebuch geschrieben und sich hinter einem Schrank versteckt“ nichts sagt.


Hören:

Kid Kasino: Slaughter in the Suburbs
Caro Emerald hat praktisch im Alleingang eine neue Musikrichtung geschaffen: Electric Swing. Das ist Gesang, der klingt als ob er aus den 50ern kommt, dazu aber moderne Rythmen und Soundsamples. Mittlerweile gibt es zahlreiche Bands die diesen Stil kopieren, Kid Kasino ist eine der besseren – zumindest im Zusammenspiel mit Sängerin Shea.

Hört sich gut an, und die Texte sind teils bitterböse – was Titel wie „I wanna be Evil“ oder „Headless Horseman“ erahnen lassen. Letztern habe ich – wie passend – zuerst in Kutna Hora gehört. Kid Kasino sind für mich also ein Reisemitbringsel.


Sehen:

Warrior Nun [Netflix]
Seit Jahrhunderten schützt ein Orden von Kriegernonnen die Welt vor dem Bösen. Bei einem Überfall auf das spanische Kloster, das als Trainingslager und Hauptquartier dient, wird die Anführerin der Nonnen lebensgefährlich verletzt, worauf eine heilige Reliquie Gefahr läuft, in die Hände der Dämonen zu fallen. Bei der Relique handelt es sich um einen Heiligenschein, den eine Nonne auf der Flucht ausgerechnet in einer Leiche einer behinderten Teenagerin versteckt. Die erwacht daraufhin wieder zum Leben, was zu mehr als einem Problem führt. Der Pater des Klosters hält sie für eine Auserwählte, die Nonnen für eine Konkurrenz und der Vatikan für eine Gefahr. Ungeachtet dessen muss sich die Teenagerin erst einmal selbst finden, und sich so ganz nebenbei mit Dämonen prügeln.

Ui, das ist mal originell. Eine spanische Serie, die eine coole Grundidee, ausgearbeitete Charaktere und gute Schauspieler hat und dazu ordentlich Anleihen bei „Buffy“ nimmt, das hatten wir noch nicht. Leider hat die erste Staffel das typische Netflix-Problem: Zäher Anfang, wer bis Folge drei durchhält kriegt furiose Dinge zu sehen, dann Durchhänger von 5 Folgen, bis es am Ende wieder spannend wird. Das nervt.

Dennoch: Tolle Schauspielerinnen, der Cast ist fast durchgehend weiblich und divers, dazu frische Ideen und tolle Bilder von Spanien. Kann man gucken.

Doctor Sleeps Erwachen [Amazon Video]
Danny hat das „Shining“, eine Art Drittes Auge. Als Kind sah er die Geister, die seinen Vater im Spukhotel verrückt gemacht haben. 35 Jahre später ist Dan schwerer Alkoholiker, der versucht sein Shining mit Whiskey zu betäuben. Als er begreift, dass er ein Wrack ist, versucht er sein Leben in den Griff zu bekommen. Dadurch gerät er in den Fokus einer Bande von Tramps, die Menschen mit Shining töten und sich von dessen Lebensenergie ernähren. Zusammen mit der Teenagerin Abra, die ebenfalls ein starkes Shining hat und auf der Speisekarte der Tramps steht, dreht Dan den Spieß jedoch um: Die Jäger werden zu den Gejagten, und die finale Falle ist das Overlook-Hotel, in dem Jack Nicholson geduldig seit 40 Jahren wartet.

Eine Fortsetzung von „Shining“? Dem Stanley-Kubrik-Film aus dem Jahr 1980 nach der Buchvorlage von Stephen King, die ich beide fürchterlich langweilig fand? Hat mich nicht wirklich in Erregung versetzt, von „Doctor Sleep“ habe ich null erwartet. Tatsächlich ist das aber ein sehr guter und völlig unterschätzter Film, der mit einer coolen Geschichte daher kommt und exzellent gespielt ist – alleine Ewan McGregor als Dan Torrance ist eine Wucht. Besonders mag ich die Idee, dass die „Guten“ so viel Schlimmes erlebt haben, dass sie den „Bösen“ Angst machen können. Sehr toll.

Gemini Man [Prime Video]

Will Smith ist ein alternder Auftragsmörder. Als er in Rente gehen will, wird er von einem anderen Auftragskiller gejagt – der sich als sein jüngeres Ich herausstellt. Irgend jemand züchtet Klone.

High Concept-Film, der aus seiner Grundidee nichts, aber auch gar nichts macht. Nachdem man sich durch 30 totlangweilige erste Minuten gequält hat, mutiert dieser Müll zu einem generischen Actionprügler. Völlig Banane, und den jungen Will Smith komplett im Computer zu generieren war eine bescheuerte Idee – man sieht das einfach in jeder Szene.

The Old Guard [Netflix]
Charlize Theron führt eine Söldnerbande an. Das Besondere: Weder sie noch ihre Männer können sterben oder altern. Durch die Jahrhunderte tun die Unsterbliche Gutes, bis sie in unserer Gegenwart in eine Falle laufen. Ein Pharmahersteller will das Geheimnis ihrer Unsterblichkeit entschlüsseln und macht Jagd auf Theron. Die hat in ihren Reihen einen Verräter, der nur eines möchte: Endlich sterben.

Die Parallelen zu „Gemini Man“ sind frappierend: Hier wie da ein High Concept Film mit viel Action. Aber wo „Gemini Man“ seine Prämisse nach zwei Minuten vergisst und in der Folge alles verschenkt, dreht „The Old Guard“ die richtigen Räder. Was der Film macht, kann nur mit dem Konzept Unsterblichkeit funktionieren. Egal ob Charlize Theron wie in „Live – Die – Repeat“ zig mal umgebracht wird und immer wieder zum Leben erwacht, ob sie sich aus Situationen befreit in dem sie ein Flugzeug abstürzen lässt und als einzige überlebt oder ob sie als Mentorin einer neuen Unsterblichen per Kopfschuss eine Lektion erteilt – „Old Guard“ ist permanent erfrischende, weil besondere, Action. Die findet nie zum Selbstzweck statt, sondern trägt den Film, ist toll choreografiert, sauber geschnitten, und Charlize Theron mit ihren 45 Jahren kicked Ass wie keine Zweite.

Hat man sich als Zuschauer daran gewöhnt, dass die Heldin nicht sterben kann, legt der Film eine Schippe drauf und zeigt, was schlimmer ist als der Tod – und sofort ist der Einsatz wieder so hoch, dass man mitfiebert. Gelungener Film, der endlich mal wieder aus der alten „Highlander“-Idee – was macht es mit Menschen, wenn sie nicht sterben können? – was Ordentliches macht.


Spielen:

Persona 5 Royal [2019, PS4]
(Fortsetzung der von Mai und Juni). Das Ende der alten Version von „Persona 5“ ist der Anfang der Erweiterung der 2019er Royal-Version: Kaum haben die Phantom Thieves ihr großes Abenteuer bestanden, geht es mit einem noch größeren weiter. Irgendeine mysteriöse Macht hat die Realität verändert – und zwar zum Besseren! Fortan leben alle Menschen in einer für sie perfekten Welt, ohne Verletzungen, ohne Verluste, ohne Enttäuschungen. Aber ist das wirklich das, was Menschen brauchen? Machen uns nicht gerade Verlust und Trauer aus? Schweren Herzens ziehen die Phantom Thieves los, um wieder Leid in die Wrlt zu bringen und ein allerletztes Mal ein Herz zu stehlen – ausgerechnet das eines alten Freundes.

Ohne Atempause geht es weiter, und das fühlt sich seltsam an. Der Endkampf der normalen „Persona 5“ Edition ist sehr schwer und sehr lang, und anstatt den Sieg angemessen zu feiern und erstmal durchzuatmen, geht es sofort mit der „Royal“-Erweiterung weiter. Da fehlt ein wenig die Belohnung. Aber sei´s drum, die Erweiterung ist natürlich auch sehr cool, bietet eine tolle Story und neue und schwere Gegner. Von daher alles OK, und wenn die Geschichte dann wirklich endet, gibt es auch lange und emotionale Abschiede.

Die sind mir tatsächlich nicht leicht gefallen. Bombige 135 Stunden habe ich am Ende mit Persona 5 Royal verbracht, und es hätten noch mehr sein dürfen. Sämtliche Spielmechaniken machen auch nach über 100 Stunden noch Spaß, und von den Geschichten der Personen bekommt man auch nicht genug. Hänger gab es zwischendurch wenig, ich war nur an zwei Stellen von einem Levelgrind angenervt, der aber nicht nötig gewesen wäre und den ich mir selbst auferlegt habe. Ein so gut geschriebenes und umgesetztes Spiel wie Persona 5 ist sehr, sehr selten. In meinen persönlichen Top Ten der besten Spiele aller Zeiten ist es auf Platz 3, gleich nach „Horizon: Zero Dawn“ und „Assassins Creed 2“.

The Last of Us Part II [2020, PS4]
Die Welt 25 Jahre nach Ausbruch einer Pandemie: Die letzten Menschen kämpfen bis auf´s Blut, entweder gegeneinander oder gegen mutierte Infizierte. Nach ihrer Reise durch die USA in „The Last of Us“ leben Ellie und Joel in einem relativ geschützten Ort in den Bergen von Montana. Das ändert sich, als ein Gewaltverbrechen Ellie dazu bringt, auf einen blutigen Rachefeldzug zu gehen.

Ich möchte bitte nie wieder eine Rachegeschichte spielen müssen. Normalerweise wird in Spielen Rache als starke Motivation des Hauptcharakters die Grundlage für heroische Taten. In „The Last of Us Part 2“ verschlingt Rache die Menschen, zerstört ihr Leben und alle Personen die ihnen wichtig sind. Dieses Spiel zeigt Trauer, die tiefe Verzweifelung und das Leid, das aus Rache und Gewalt entsteht und wiederum für mehr Leid sorgt. Das macht gerade zum Ende hin wenig Spaß, zumal ein narrativer Kniff dafür sorgt, dass man als Spieler aus anderer Perspektive miterlebt, was die eigenen Taten für Folgen haben.

Die Geschichte ist schwierig und sperrig, die Motivationen der einzelnen Charaktere im ersten Moment nicht immer nachvollziehbar und die Darstellung von Gewalt teilweise unerträglich. „The Last of Us Part 2“ kann erzählerisch und emotional seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen. Beides sind Spiele, in denen es im Kern um die Beziehung zwischen Menschen geht, und letztlich um Liebe. Wo der erste Teil die Verbindung von Liebe und Trauer verhandelte, geht es nun um Liebe und Zorn. Das ist psychisch alles andere als schön, aber Part II ist es ein erzählerisch wichtiges Werk und technisch sogar eine Meisterleistung, da es wohl eines der grafisch schönsten Spiele für die PS4 ist.


Machen:

Kleine Moppedtour durch den Osten, 2.200 Kilometer.


Neues Spielzeug:

Ein neues Netbook, ein Akoya E2292 (Süd) Convertible von Medion. „Akoya“ ist eine japanische Perle, und das Alu-Netbook schimmert tatsächlich recht hübsch. Außerdem ist es mit 11,6 Zoll klein, leicht, lüfterlos und mit 249 Euro vor allem: Günstig.

Ob es mein geliebtes ASUS XT201 von 2014 als Reisenetbook ablösen kann, dessen 32 GB eMMC-Speicher für den Betrieb von Windows kaum noch ausreicht, wird sich zeigen – das Akoya ist zwar besser ausgestattet (4GB Hauptspeicher, 128 GB SSD, schnellerer Prozessor) als das ASUS, aber die Tastatur ist signifikant schlechter, der Akku hält statt 12 nur 7 Stunden, der Sound ist indiskutabel und durch den Touchscreen wiegt es mit 1.140 Gramm rund 200 Gramm mehr als das Asus.

Diese 200 Gramm machen erstaunlicherweise den Unterschied zwischen „ist federleicht“ und „Wer soll das alles schleppen“. Es ist witzigerweise das erste Gerät, auf dem ich mal „Cortana“, die Sprachassistentin von Microsoft, ausprobiert habe, und sagen wir mal so: Ich werde nie wieder was gegen Siri sagen.

„Cortana, wie wird das Wetter morgen?“ – „Ich habe diesen Wikipediaeintrag über Wetter gefunden“.

Ein Soundcore Flare 2 von Anker. Netter 360-Grad Bluetoothlautsprecher, wasserdicht, 12 Stunden Laufzeit. Hat ordentlich Bass trotz geringer Größe, klingt aber in den Mitten etwas dumpf und den Höhen unsauber. Ist aber OK zum Podcast und gelegentlich Musik hören. Die LED-Lichtshow ist Quatsch und nervt schnell, lässt sich aber zum Glück abschalten.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Reisetagebuch Japan (17): Das Erklär-Schnabeltier*, das Kontaktlinsenküken* und Crêpes mit Durchfall

Reise nach Japan. Heute mit Erklärschnabeltier, Kontaktlinsenküken und Schulmädchenunterwäsche aus Automaten.

Samstag, 16. November 2019, Osaka
Das Appartement, in dem Modnerd und ich wohnen, liegt in einem modernen, zehnstöckigen Wohnhaus, das umgeben ist von kleinen, zweigeschossigen Häuschen.

Das weiße Haus in der Mitte.

Die Etage, auf der wir uns befinden, wirkt vom Flur her eher wie ein Gefängnis: Schwere Türen, unverputzter Beton.

Aber die Béton-Brut-Anmutung ist Show. Das ist kein echter Beton, sondern Kunststoffverkleidungen, die auf die Wand aufgeklebt sind. Selbst einige der Bohrlöcher sind nur Aufkleber. In Japan werden Dinge bis zur Perfektion gestaltet, und echter Sichtbeton wirkt wohl nicht echt genug.

Was lustig ist, ist das seltsame Erklärschnabeltier*. Das Haus ist auf Vermietung an Touristen eingestellt, und deshalb gibt es überall Erklärungstexte, die von einem unterwürfigen Comic-Platypus präsentiert werden.

* Anm.: Leser oder Leserin Snoeksen weißt darauf hin, dass es sich hier nicht um ein Schnabeltier handelt, sondern um die Comicversion eines Kappa, eines Wassergeistes. Der ist in Japan voll bekannt und in den letzten Jahren so zum Kult geworden, dass er jetzt sowas wie ein Maskottchen des Landes geworden ist. Tatsächlich ergibt ein Comic-Kappa viel mehr Sinn als ein Schnabeltier. Danke, Snoeksen! Das finde ich am Reisetagebuch so toll: Im Nachgang einer Reise lerne ich immer noch dazu.

Ja, die allgegenwärtigen Feuermelder sollte man nicht einfach so angrabbeln.

Der morgendliche Blick über die Dächer der kleinen Häuschen. Die sehen echt schäbig aus, sind aber eigentlich gut gepflegt. Das slummige Aussehen kommt daher, dass jedes Häuschen anders gebaut ist und weil sie so eng zusammenstehen und weil in Japan halt nicht für die Ewigkeit gebaut wird. Wohnhäuser bestehen aus leichten Materialien und werden alle paar Jahrzehnte abgerissen und neu gebaut.

Nach einem Instant-Kaffee laufen Modnerd und ich los, zunächst durch die Wohnviertel in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Es ist faszinierend einfach die schmalen Straßen entlang zu schlendern und dabei alltägliche Dinge an zu schauen. Wie dieser alte Herr hier in seiner winzigen Werkstatt, ein Bild wie ein Gemälde oder zumindest aus einer anderen Zeit.


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Reisetagebuch Japan (16): Willkommen zum Weihnachtsmarkt

Reise nach Japan. Heute mit einer Kirche in luftiger Höhe und überraschenden Erkenntnissen.

15. November 2019, Iya Valley, Guesthouse Yoki

Sehr früh klingelt der Wecker. Es ist erst kurz vor 6:00 Uhr, aber heute haben Modnerd und ich einen weiten Weg vor uns. Ich halte die Nase aus dem Federbett. Uh, kalt. Wo ist meine Brille? Ich schaue aus dem Fenster. Die Welt außerhalb des kleinen Zimmers ist noch dunkel und wirkt ein wenig eingefroren, so kalt ist es. Oder scheint es zumindest, denn es sind noch 3 Grad – aber die Luft hier oben, im Iya Valleys, ist sehr feucht und fühlt sich dadurch noch kälter an.

Es ist früh, kalt und dunkel, aber Gott, hilft ja nichts. Wir werden abreisen, noch bevor unsere Gastgeberin aufsteht. Als Usin gestern erfahren hat, wann wir los müssen, hat sie ein empörtes Gesicht aufgesetzt und sowas gesagt wie „Na, wenn ihr meint so früh los zu müssen, macht das, aber ohne mich“. Verständlich, Frühstück gibt´s normalerweise nicht vor 08:00 Uhr. Rasch packen Modnerd und ich unser Kram zusammen.

Wieder einmal fühlt sich alles so seltsam normal an, und da trifft mich unvermittelt eine Erkenntnis, die aus unsortierten und noch wirr von Träumen der Nacht durcheinandergewürfelten Träumen entspringt: Die meisten Vorurteile der Europäer gegenüber Japan stammen aus den den 80ern, als die japanische Wirtschaft durch die Decke ging und boomte wie irre.

Damals wurde alles auf einen Schlag modernisiert, denn das Land hatte viel aufzuholen. Daher stammen auch viele der Bilder über Japan, mit denen ich aufgewachsen bin und die mein Bild über Japan geprägt haben: Das es ein überdrehtes, technikbesessenes Land sei, voller immer lächelnder, aber leider verrückter Menschen, die europäische Produkte kopieren, aber das ganz kompetent hinbekommen.

Diese Bilder haben natürlich auch die Journalisten aus meiner Generation geprägt, die heute über Japan berichten – und für ihre Berichte genau wegen dieser Vorprägung oft überdrehte Einzelfälle suchen und die verallgemeinert darstellen, um zu zeigen, wie crazy Japan doch ist. Damit bestätigen sie wiederum genau meine Vorurteile.

In den 80ern war Japan das verrückte Zukunftsland, guckt man sich heute Dokus über Japan an, gewinnt man schnell den Eindruck, dass jeder zweite hier verkleidet als Animefigur durch die Gegend springt, Sex mit Robotern will oder gleich gar nicht mehr aus seiner Wohnung kommt. Dabei ist Japan, da bin ich mir nach mehr als zwei Wochen hier sehr sicher, nicht überdrehter als Deutschland. Im Gegenteil.

Als Modnerd und ich abreisebereit und mit dem Gepäck in den Händen die kleine Gaststube von „Yokis Guesthouse“ betreten, sehen wir Usin zusammengesunken auf einem Hocker an der Bar sitzen, den Kopf auf die Arme gebettet. Als sie uns hört, richtet sie sich auf. Sie ist offensichtlich kurz vorher aus dem Bett gefallen, die Haare sind noch ganz verstrubbelt und stehen nach allen Seiten ab. Schlaftrunken blickt sie Modnerd und mich an und nuschelt: „Ich habe Euch doch Kaffee gemacht, auch wenn ihr verrückt seid“. Ihre Stimme klingt noch rauchiger als gestern.

„Du bist ein Engel!“, sage ich und könnte sie jetzt umarmen. Sie lacht und meint „Das höre ich gerne. Los, mach mir mehr Komplimente“. Wir plaudern noch kurz über die anderen Gäste (Usin: „Chinesen! Habt ihr das gehört? Die haben eine Drohne in ihrem Zimmer fliegen lassen! EINE DROHNE!“), dann verabschieden wir uns. Usin geht nochmal schlafen, Modnerd und ich steigen in den Mietwagen.

Während Modnerd den Demio über die engen Straßen steuert, schiebt sich langsam die Sonne über den Rand der Berge. Bis das Licht im Tal ankommt, dauert es aber noch ein wenig. Die Lichtgeschwindigkeit ist hier geringer, das Licht schwappt über die Berge und füllt ganz langsam die Täler. Während oben am Berg schon die Sonne scheint, liegt der Fuß noch im Dunkel. Gerade beginnen die Berggipfel beginnen zu leuchten, während der Mond noch scheint.

Die Täler hängen voller Morgennebel.

Die Fahrt geht, wie gestern, über die größte Doppelstockbrücke der Welt, wieder kostet die Maut über 40 Euro. Bereuen tun diese Ausgabe weder Modnerd noch ich, wie wir uns gegenseitig versichern.


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Ich! Ich ganz allein!

  • Zehn Euro aus dem EC-Automaten gezogen.
  • Sparkasse (Automatenbesitzerin) berechnet 3,95 Euro Gebühr.
  • Meine Bank (LBB) berechnet 7,50 Euro Bargeldauszahlungsgebühr.

Macht zusammen also 11,45 Euro Gebühren für eine Abhebung von 10,00 Euro.

Falls also jemals jemand fragt, wer die notleidenden Banken in der Corona-Krise von 2020 gerettet hat: DAS WAR ICH!!! ICH GANZ ALLEIN!!!

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Reisetagebuch Japan (15): Iya Valley

Reise durch Japan. Heute gehen Modnerd und Silencer sich gegenseitig auf die Nerven. Außerdem: Es gibt mehrere POMPPFs, aber kein KLONK, dafür eine Reise in ein Tal mit Geisterdörfern und ganz besonderen Brücken.

Donnerstag, 14. November 2019, Hiroshima, Hotel Vista

Es ist kaum kurz vor Acht, als Modnerd und ich das ungeliebte Hotel hinter uns lassen und die Straße zum Bahnhof von Hiroshima laufen. Modnerds Rollkoffer rumpelt durch die Straßen, ich huste bei jedem dritten Schritt. Immerhin fühlt sich mein Hals definitiv besser an, und die erhöhte Temperatur ist ganz weg. Nochmal Glück gehabt, es hat mich nicht richtig erwischt.

Auf die Minute pünktlich fahren die Züge hier, und sie fahren auf den Meter exakt von der richtigen Stelle am Bahnsteig ab und immer in der richtigen Wagenreihung. Und wenn das einen Deutschen noch nicht genug verwirrt, dann wird er bestimmt beim Anblick des rosafarbenen Hello Kitty-Shinkansen konfus.

Seltsame Kombination, ein High-Tech-Zug der aussieht wie ein Raumschiff, aber in rosa und mit einer Comickatze. Aber nun, Japan halt, hier gibt es ALLES mit Hello Kitty-Motiven.

Wir nehmen heute Morgen einen etwas älteren Shinkansen. Der sieht von außen aus wie eine Ente, im Inneren wie Wohnzimmer von Omma.

Wieder bewundere ich das japanische System, am Endbahnhof nicht den Zug, sondern die Sitze herumzudrehen – so schauen alle immer in Fahrtrichtung und die Beschriftung der Wagendiagramme stimmt auch immer.

Der Shinkansen bläst uns in 30 Minuten von Hiroshima nach Okayama. Das sind rund 150 Kilometer. Dieses Mal ist der Bullett Train wirklich rasend schnell unterwegs, auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke, die wie mit dem Lineal zwischen die beiden Orte gezogen ist.

Bild: Google Earth 2020.

In Okayama angekommen laufen wir mitsamt Gepäck eine Straße hinunter.


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Reisetagebuch Japan (14): Kriminelle Rehe und das frustrierendste Getränk der Welt

Reise nach Japan. Nach der schweren Kost in der letzten Folge geht es heute um Vereinigungen verbrecherischerer Rehe, eine gepflegten Torkelei über eine Insel mit tödlicher Fauna und eine der dümmsten Produktverpackungen der Welt.

Mittwoch, 13. November 2019, Hiroshima

Modnerd hat schlechte Laune. „Das war nur eine 6 von 10 Nacht“, klagt er beim Aufstehen und hebt zu einem großen Lamento an: Durch das Fenster zog es kalt rein, das (Doppel)bett war zu kurz und zu eng und das Schlimmste: Seine SIM ist gedrosselt, nachdem er in Kyoto darüber Netflix für 20 GB geguckt hat, weil das Hotel-WLAN nur SD-Qualität geliefert hat. Anscheinend heißt bei dem Provider, von dem wir unsere Travelsims haben, „unbegrenztes Datenvolumen“, dass man nach 20 GB auf eine nicht mehr sinnvoll nutzbare Geschwindigkeit gedrosselt wird. Japan und Deutschland haben eben viele Gemeinsamkeiten.

Ich habe auch unruhig geschlafen, aber nicht wegen gedrosseltem Datenvolumen, sondern weil ich tierische Halsschmerzen habe und dauernd Husten muss. Vermutlich hat das maßgeblich zu Modnerds schlechter Nacht beigetragen. Sorry, Kumpel. Ich habe mir das auch nicht aussuchen können, ausgerechnet während einer Reise krank zu werden.

Nach einem Instantkaffee und seltsamen Kuchenzeug aus dem Conbini gurgele ich nochmal mit desinfizierender Salzlösung, dann geht es los. Wir laufen durch das morgendliche Hiroshima und bewundern, wieder einmal, die Detailverliebtheit der japanischen Kultur. Zum Beispiel deren Kanaldeckel.

Natürlich begegnen uns auch heute Morgen wieder deutsche Wörter, die die Japaner einfach nutzen, weil sie sie schön und cool finden:

Hiroshima selbst liegt am Nordende eines Küsteneinschnitts und wird von Flüssen durchzogen. In der Bucht vor der Stadt liegen mehrere Inseln. Die bekannteste davon ist die heilige Insel Miyajima, und die wollen wir uns heute ansehen.


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Kategorien: Reisen | 6 Kommentare

Momentaufnahme: Juni 2020

Herr Silencer im Juni 2020

Wetter: Gemischt, immer mal wieder sonnig, dann Wochenweise auch starker Regen. Temperaturen zwischen 10 und 30 Grad.


Lesen:

Jiro Taniguchi: Venedig

Seine Mutter ist gestorben. Beim Durchwühlen ihres Nachlasses fällt dem Sohn eine Schatulle mit alten Fotos in die Hände. Die Aufnahmen zeigen ihn als Kleinkind, seine Mutter und seinen Vater in Venedig. Der Mann macht sich von Japan aus auf in die Lagunenstadt und begibt sich auf Spurensuche.

Wunderschöne Aquarellzeichnungen von Stadtansichten, Bilder, die für sich stehen und nicht von Worten oder einer Erzählung zusammengehalten werden – Taniguchis „Venedig“ möchte mit Impressionen aus Venedig verzaubern und schafft das auch ganz gut. Die Entdeckungsreise durch die Gassen und Märkte aus der Sicht eines Japaners ist fast magisch. Taniguchi fertigte das Buch als Auftragsarbeit für Louis Vuittons Reisebuchserie an, trotzdem lebt und atmet es viel Seele.


Hören:

Persona 5 OST
Größtenteils feiner, entspannter Jazz, auf englisch von einer Japanerin eingesungen. Die musikalische Untermalung von „Persona 5“ ist ein Meisterwerk, die auch ohne Spiel funktioniert.


Sehen:

Highlander [1986, BluRay]

1536 wird Connor McLeod bei einem Kampf in den schottischen Highlands durch den Schwertstreich eines fremden Kriegers getötet. Zu seiner eigenen und der Überraschung seiner Familie bleibt Connor aber nicht lange tot, sondern steht wieder auf, weshalb sein Clan ihn als Dämon brandmarkt und verstößt.

Im Exil begegnet der Ex-Highlander Sean Connery, der ihm offenbart, dass er zu einer kleinen Gruppe Unsterblicher gehört – nur eine Enthauptung ist das sichere Ende, ansonsten kann ihm keiner was. Enthauptungen sind ein großer Sport unter Unsterblichen, denn am Ende „kann es nur einen geben“. 250 Jahre später, im New York des Jahres 1986, kommt es zum Showdown der letzten Unsterblichen.

Woah, der Film hat echt schon 34 Jahre auf dem Buckel, und ich sage mal so: Der ist zwar gut gealtert, aber da er von Anfang an ziemlicher B-Movie-Trash war, ist er nun alter B-Movie-Trash.

Die Tricks waren damals wie heute unterirdisch, nach der Verpflichtung von Sean Connery war für gute Schauspieler kein Geld mehr da, die Beleuchtung gehört zum Miesesten was man je sah und die Story ist, trotz der genialen Grundidee, an sich ziemlich Banane. Alles an diesem Film schreit „BILLIGER TRASH“. Da passt es auch, dass das Casting irgendwie völlig durchgedreht ist. Der Schotte Connery spielt einen Spanier(!), der kaum englisch sprechende Franzose Christopher Lambert aber einen Schotten mit weirdem Akzent. Trash as Trash can, dazu 80er Jahre Haarfrisuren.

Warum sich „Highlander“ aber doch noch lohnt, ist die Kreativität und die Handwerkskunst, die da reingeflossen sind. Die banale Story wird nicht-linear und unterbrochen durch Zeitsprünge in die Vergangenheit erzählt, die Kameraarbeit ist hervorragend und die Musik ist fast durchgehend von Queen. DAS macht den Film zu einem Erlebnis, das nicht mal Holzfiguren wie Christopher Lambert kaputt kriegen (Der Franzose kann nicht nur nicht schottisch sprechen, er kann auch nicht schwertkämpfen, weil er stark kurzsichtig ist.) Das macht „Highlander“ nicht zu einem Meisterwerk, aber zu einem sehr guten schlechten Film – dessen Grundidee so stark ist, dass sie 4 Fortsetzungen und eine Serie nach sich zog.

Schindlers Liste [1993, BluRay]

1937 kommt Oskar Schindler nach Krakau. Der Unternehmer ist ein Lebemann und eine Verkäuferseele, der sich bei den deutschen Besatzern einschmeichelt und so billig eine Emaillewarenfabrik bekommt, die er als „kriegswichtig“ deklarieren lässt um bessere Geschäfte mit den Nazis zu machen. Aus Kostengründen beschäftigt Schindler in seiner Fabrik jüdische Gefangene aus einem nahegelegenen Konzentrationslager. Mit den Gewinnen aus der Ausbeutung macht sich Schindler die Taschen voll, lebt in Saus und Braus und macht gerne Party mit seinen NSDAP-Parteigenossen. Als deren Vernichtungszug gegen die Juden immer harscher wird, bekommt Schindler Gewissensbisse. Er sorgt dafür, dass er ein KZ-Außenlager in seine Firma bekommt, in der die Menschen würdig behandelt werden. So rettet er 1.100 Menschen vor der Ermordung, wird aber am Ende selbst als Kriegsgewinnler gejagt.

Es ist bestimmt 25 Jahre her, das ich „Schindlers Liste“ das letzte Mal gesehen habe. Sein Alter ist ihm tatsächlich anzumerken. Regisseur Steven Spielberg vertut an etlichen Stellen Chancen, leistet sich handwerkliche oder inhaltliche Schnitzer oder ergeht sich in Pathos, der eigentlich nicht Not tut und der der wahren Geschichte nur die Fahrt und die Wucht nimmt. Das würde er heute anders und besser machen.

Aber sei es drum, auch ein grimassierender Ben Kingsley, ein Liam Neeson der nicht schauspielert und eine unstringente Erzählung der Geschichte von Amon Göth können nicht verhindern, das „Schindlers Liste“ ein großes Werk und ein anrührender Film ist. Einen Gutteil seiner emotionalen Wirkung holt dabei das Ende wieder raus, wenn die überlebenden „Schindlerjuden“ und ihre Nachfahren dem Geschäftsmann gedenken.

L.A. Crash [2004, DVD]
Los Angeles, Anfang der 2000er. Mehrere Personen machen Erfahrungen mit Rassismus. Ihre Geschichten vermischen sich und lösen eine Spirale aus, die auf Gewalt hinausläuft.

Ein sehr cleverer Episodenfilm, toll besetzt und gut gespielt. Sein größter Verdienst ist aber sicher das Drama, das er bereits auf dem Cover verspricht, in der Form nicht durchzuziehen, sondern kurz vorher abzubiegen und quasi zu rufen: Seht ihr, das hätte passieren können! – Diesen Moment der Katharsis vergisst man nicht mehr.


Spielen:

Persona 5 Royal [2019, PS4]

(Fortsetzung vom vergangenen Monat) Der tyrannische Sportlehrer war nur einer kleiner Fisch. Nachdem drei Schüler einer japanischen Highschool festgestellt haben, dass sie in die eine Parallelwelt reisen und dort das Verhalten anderer Leute ändern können, kommen immer größere Ziele auf die „Phantom Thieves“ zu. Der berühmte Kunstmaler, der die Arbeiten seiner Schüler als seine verkauft. Der Großindustrielle, der seine Mitarbeiter ausbeutet. Die Phantom Thieves nehmen sich solcher Fälle an und ändern diese Menschen. Dadurch werden sie berühmt und finden weitere Mitstreiter. Doch dann wird ihnen eine Falle gestellt: Eines ihrer Opfer stirbt, der Anführer der Thieves wird verhaftet. Wer steckt hinter diesem Komplott? Und was hat es mit dem Velvet Room auf sich, einem Ort zwischen Traum und Realität?

100 Stunden habe ich mit der Hauptstory von Persona 5 verbracht und hatte keine Minute Langeweile, jetzt spiele ich noch im Addendum „das dritte Semester“ der Royal-Version herum. „Persona“ ist zur Hälfte Simulator eines japanischen Schulalltags und zur Hälfte rundenbasiertes Actionrollenspiel. Beides wird durch überbordende Fantasie und eine tolle Geschichte zusammengehalten. Die kommt sehr erwachsen daher und scheut auch vor ernsten Themen nicht zurück. Häusliche Gewalt, sexueller Mißbrauch und Suizid werden ebenso ohne Scheu und angemessen ernsthaft behandelt wie Fragen nach Schuld und Sühne.

Ab und zu wird es natürlich Quirky. Da ist z.B. eine Lehrerin, sich nebenbei als Maid betätigt. Das ist an sich schon seltsam, aber da man sie auch noch als Beziehung gewinnen kann und die eigene Spielfigur ein 17jähriger Junge ist, kann man sich im Spiel streng genommen einen Fall von Unzucht mit Minderjährigen schaffen.

Rein Spielerisch ist es auch tatsächlich möglich sich zu verskillen und Charaktere zu schaffen, mit denen man einen bestimmten Gegner, der auch noch völlig neue Gamemechaniken mitbringt, nicht mehr schaffen kann. Das merkt man dann aber erst so um Spielstunde 60 herum, und dann noch mal von Vorne anzufangen wird kaum jemand tun. Ein derber und frustrierender Schnitzer, den die „Royal“-Version eigentlich ausbügeln müsste.

Trotzdem: Tolles Spiel, exzellentes Writing, bombige Spielmechaniken und das ganze Artwork und Design eine Augenweide. Dazu kommt die tolle Lernkurve und die stetige Steigerung von praktisch allen Elementen, bis am Ende sämtliche Regler auf 11 stehen. Dabei ist Persona bis auf diese eine Stellt so gut wie nie unfair, sondern lässt einen stets total zufrieden zurück. Ein Spiel das ernste, erwachsene Themen erzählt und dabei einfach nur Spaß macht – ein echtes Meisterwerk, in meinen Top Ten der besten Spiele ganz vorne mit dabei.


Machen:


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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