Herr Silencer im Februar 2026
Wetter:
Der Februar beginnt, wie der Januar geendet hat: Viel Schnee und frostig kalt, bei -2 Grad tagsüber und teils zweistelligen Minuswerten in den Nächten. Nur kurz drehen die Temperaturen auch mal über den Gefrierpunkt und der Schnee taut, aber in der dritten Woche geht es lustig weiter mit dem weißen Zeug und Minustemperaturen. Dabei ist es die ganze Zeit düster, als ob es nie mehr Tag werden wollte. Erst in der letzten Woche springen die Temperaturen auf zweistellige Werte und man sieht mal kurz die Sonne.
Lesen:

Terry Pratchett: Wintersmith [2006, Kindle]
Tiffany Aching ist immer noch Hexe-in-Ausbildung, jetzt aber bei der unheimlichen und über 100 Jahre alten Ms. Treason. Versehentlich tanzt Tiffany mit dem Wintersmith, der Verkörperung des Winters. Mit schlimmen Folgen: Der Winter verliebt sich in sie, überschüttet die Welt mit eisigen Liebesgeschenken und will nie wieder dem Sommer weichen. Die Nac MacFeegle bekommen das mit, können aber nicht viel tun.
Endloser Winter? Genau das richtige Buch für diesen Monat. Wunderschöne Parabel auf Verantwortung, die Konsequenzen des Fehlens davon und dem Gleichgewicht der Dinge. Sehr poetische Bilder und sehr schön und spannend zu lesen, denn auf jeder Seite ist zu spüren, was hier auf dem Spiel steht.
Hören:
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Sehen:

Die dunkelste Stunde [2017, BluRay]
Mai 1940: Winston Churchill ist unbeliebt, und das vor allem in seiner eigenen Partei. Seit einer fehlgeschlagenen Militäroperation unter seiner Führung trauen ihm andere Politiker nicht und unterstützen seine harte Haltung gegen Hitlerdeutschland nicht. Die Parlamentarier im Unterhaus wollen lieber mit Deutschland, das bereits ein Land nach dem nächsten überfällt, verhandeln. Auf mögliche Aliierte ist auch kein Verlass. Die Amerikaner wollen sich nicht in den Krieg einmischen und bieten als Unterstützung sechs alte Flugzeuge, die allerdings mit Pferden über die Grenze nach Kanada geschleppt werden müssten um nicht geltende Verträge zu verletzen, und die Franzosen haben keinen Abwehrplan, als die Wehrmacht das Land überrollt.
Dann wird nahezu die gesamt britische Armee am Strand von Dünkirchen eingekesselt und der Druck, mit Hitler einen Frieden auf Kosten Westeuropas zu schließen, wird immer größer. Wahrhaft eine dunkle Stunde, die in Churchills Rede „We Shall Fight on the Beaches“ mündet.
Ich kenne die Räume des Kriegskabinetts unter London, ich war im Unterhaus und viel von dem, was hier im Film gezeigt wird, hatte ich mir bereits selbst schon erarbeitet. Aber WIE es hier gezeigt wird, so verdichtet und toll gespielt, das ist wirklich bewegend. Die Maske von Gary Oldman ist etwas befremdlich, aber sein Schauspiel extrem gut – die Einsamkeit von Churchill und seinen Entscheidungen ist hier mit Händen greifbar.
Schöner aber: Jetzt verstehe ich endlich “Dunkirk”. Dem Film von Christopher Nolan fehlt ja jeglicher Kontext – den liefert “Die dunkelste Stunde”. Wirklich bewegend.

Das Geheimnis meines Erfolge$ [1987, Bluray]
Collegeabsolvent Michael J. Fox kommt aus der Provinz kommt nach New York, um dort einen Job zu suchen. Er findet keinen und fängt deshalb in der Poststelle eines multinationalen Konzerns an. Von dort aus steckt er seine Nase in Dinge, die ihn nichts angehen, hat Sex mit seiner Tante und rutscht in die Welt der “Schlipsträger”.
“Uninspiriert, als wäre das Skript in den 50ern geschrieben worden und als hätte es niemand vor der Verfilmung aktualisiert” – so urteilten bei Veröffentlichung bekannte Kritiker über den Film.
Dieses Urteil mag im Kontext seiner Zeit verständlich sein, denn im Umfeld von “Geheimnis meines Erfolges” erschienen “Good Morning, Vietnam”, “Drei Männer und ein Baby”, “Robocop”, “Beverly Hills Cop II”, “Lethal Weapon”, “Mondsüchtig”, “Platoon”, “Die Reise ins Ich”, “Der letzte Kaiser”, “Crocodile Dundee”, “Der Hauch des Todes” und “Dirty Dancing” – ja, 1987 war ein tolles Kinojahr.
Aus der Rück-Sicht ist der Film ein Kind seiner (Cashgeilen-)Zeit und weist sogar Parallelen zu “Wall Street” (auch 1987!) auf. Hier wie dort geht es um Yuppietypen, die im Raubtierkapitalismus der Achtziger nach oben kommen wollen, und dafür in schäbigen Mietwohnungen Hausen, kein Privatleben haben und seltsame Methoden anwenden, um nach oben zu kommen.
Auf der erzählerischen Ebene funktionieren beide aber ganz anders, und “DGmE” ist eine Screwballkomödie mit schnellen Dialogen und cleveren Comedyeinlagen. Allein die Montage der Vorstellungsgespräche zu Beginn (“Sie kommen gerade vom College, sie haben keinerlei Erfahrung” vs. “Am meisten beeindruckt mich, wieviel Erfahrung sie auf dem Collge sammeln konnten”) verrät auch heute noch so viel über die Arbeitswelt. So geht es weiter, allein die viele Wahrheiten über “Die Schlipsträger” möchte man nur feiern.
Ich mochte “DGmE” schon immer. In unserem Haushalt gab es ab 1988 die VHS-Fassung, und offensichtlich habe ich den Film in meinen jungen Jahren so oft gesehen, dass ich auch fast 40 Jahre später noch jeden Satz mitsprechen kann. Fremdschämig ist er heute nur an den Stellen, die das auch damals und mit Absicht schon waren – Stichwort “Tante Vera”. Deren lüsterne Jagd im Pool des Landhauses mit der Originalmusik aus “der weiße Hai” zu unterlegen ist aber schon wieder ein mittlerer Geniestreich.

Ein Concierge zum Verlieben [1993, BluRay]
Michael J. Fox ist Concierge eines New Yorker Nobelhotels kassiert üppige Schmiergelder für klandestine Nebentätigkeiten mit dem Ziel sich selbstständig zu machen.
“For Love or Money”, so der Originaltitel des Films, wirkte vermutlich schon 1993 aus der Zeit gefallen. Hier wird eine typische 80er-Jahre-Geschichte erzählt und anscheinend ist “Das Geheimnis meines Erfolges” die Vorlage, aber ohne sich wirklich darauf festzulegen, dass man eine Komödie sein möchte. Klar macht es Spaß, Michael J. Fox zu zusehen, aber wirklich lustig ist das nicht und der Mut zu schrägen Figuren wie “Tante Vera” fehlt völlig. Der Film ist nett, aber leider völlig egal.

Johnny English (I-III) [2003, 2011, 2018, BluRay]
Mr. Bean arbeitet beim britischen Geheimdienst und ist aus Gründen immer der einzige, der noch den Tag retten kann.
Kannte ich noch gar nicht, aber die Reihe hat mir SEHR viel Spaß gemacht, vom leichten Schmunzeln bis zum rausplatzenden Lachen. Die “Johnny English”-Filme sind deutliche Parodien auf das Bond-Franchise, allerdings ohne in Pipikacka-Witzen abzusaufen wie “Austin Powers”.
Stattdessen gibt es hier Slapstick – mit dem grandiosen Timing und Gespür für Komik, dass man von Rowan Atkinson gewohnt ist. Über die Filme hinweg macht die Figur sogar eine Charakterentwicklung durch, vom völlig unfähigen Trottel hin zum durchaus kompetenten Agenten, der aber immer wieder an den Umständen scheitert.
Dazu kommen die tollen Nebenfiguren, z.B. John Malkovich als rachsüchtiger Franzose (Teil I), Gillian Anderson als Geheimdienstleiterin zwischen Job und Familie (Teil II) oder Emma Thompson als versoffene Premierministerin mit Elon-Musk-Fetisch (Teil III), das ist schon cool geschrieben und gespielt.
Sehr, sehr gut gemacht und wirklich nice, wenn man Bondfilme oder “Die Nackte Kanone” mag und Aufheiterung nötig hat.

Dschungelcamp 2026
Einmal im Jahr kurbele ich den TV-Receiver an, und zwar um “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” zu gucken. Aber meine Güte, war das in diesem Jahr unangenehm.
Das Teilnehmerfeld bestand aus allerlei egalen Nasen, erzählt wurde nur die Geschichte von irgendeiner dauerkreischenden Ariel und von Gil Ofarim.
Letzterer hat diese brettbescheuerte und saugefährliche Aktion gebracht, falsche Antisemitimusanschuldigungen zu erfinden und das auch bis vor Gericht durchzuziehen. Dort kam es dann zu einem Vergleich, aber anstatt das als Güte der Justizia und des Anklägers gegen ihn zu sehen, wurde Ofarim im Dschungel so richtig unangenehm und raunte am Lagerfeuer davon, dass er “Antworten vom Justizsystem” wolle und impliziert mit Andeutungen, dass “die Zuschauer ja nicht alles wissen” und er zu unrecht angezeigt wurde.
Das ist absolut schmierlappiges Verhalten und bespielt die Klaviatur, die das AFD-Lied vom Zweifel an den Institutionen in die Welt trägt. Und das alles gestützt von RTL, die Ofarims Halb- oder Unwahrheiten weder einordneten noch Sendezeit kürzten.
Aus dem Innern des Dschungels wurde damit am Rechtsstaat gesägt und Demokratie ausgehöhlt. Das ist keine Einbildung oder Übersensibilisierung meinerseits. Der Jubel über Ofarims Verschwörungsgeraune war so laut, dass er in Telefonvotings weit vorne lag und am Ende sogar das Camp gewonnen hat.
Ich hätte brechen können und habe folgerichtig die Staffel nicht mal mehr zu Ende gesehen. Toll gemacht, RTL. Große Leistung, Wurstnase.
Spielen:

Metaphor: ReFantazio [2024, PS5]
Der König wurde ermordet, der Thronerbe liegt im Koma. Nun soll der Gewinner eines Wettkampfs der nächste Herrscher werden. Es treten an: Ein fanatischer Kampfpriester, ein eloquenter Kriegsprinz, diverse NPCs und ein seltsamer Underdog.
Ich hatte mit “Metaphor” vor einem Jahr begonnen und schon 60 Stunden auf der Uhr. Damals fand ich den Mix aus “Persona”-Gamemechanik und Fantasy-Setting erfrischend, mittendrin zog es sich aber ein wenig und ich legte es zur Seite. Nun also wieder angefangen und zu Ende gespielt, und leider: Das Spiel reisst nach hinten raus alles ein, was mich vorne so begeistert hat. Und zwar einfach deshalb, weil es urplötzlich sauschwer und überkomplex wird.
Das “Persona”-System mit seinen. vielen Permutationsmöglichkeiten bei der Magiekombination ist schon echt komplex, aber bei “Metaphor” ist alles auf Eleven gedreht. Hier hat jede der 8 Spielfiguren gleich 25 Personas zur Auswahl, mit jeweils 20 Stufen, die aber nur durch Kreuzabhängigkeiten und dem Vorleigen von zig Voraussetzungen erreichbar sind.
Das ist leider viel zu viel und funktioniert auch nicht gut, denn es es gibt keine wirkliche Freiheit zur Kombination, sondern einen ziemlich schmalen Critical Path von “richtigen” Entscheidungen ud Kombinationen. Verlässt man diesen Pfad, baut seine Charaktere nach eigenem Gusto und entscheidet sich, aus Sicht der Spielentwickler, für die “verkehrten” Personas und Skills, dann kann man das Spiel nicht schaffen. Wie dieser Pfad verläuft, das sagt einem aber niemand.
So fehlten mir um Stunde 70 rum plötzlich gut 15 Level bei jedem Charakter, was dazu führte, das selbst meine gut gerüstete Heldentruppe plötzlich wieder extreme Probleme bei Feld-, Wald- und Wiesengegnern hatte. In der Folge dauern selbst Nebenkämpfe ewig, Bosse waren gar nicht mehr zu machen und selbst auf Schwierigkeitsgrad “Leicht” war alles eine Herausforderung.
Gleichzeitig lief die Zeit weg, weil meine schwachen Charaktere dauernd Pausen brauchten. Denn leider kann man nicht beliebig Level grinden, durch das “Persona”-Spielgerüst ist die Anzahl der möglichen Aktionen ist begrenzt, ein Kalender läuft mit und bei einem Enddatum kommt es zu einem Bosskampf. Bei “Persona” war das Okay, weil jeder Spielcharakter genau eine Persona zum Aufleveln hatte. Aber 25?!
Dazu kam, das ich erst spät verstanden habe, dass ich die wirklich alle Figuren mit sehr speziellen Personas leveln muss, auch bei Figuren, die ich gar nicht aktiv in der Party habe. Tut man das nicht, hat man im letzten Viertel keine Chance mehr, die Voraussetzungen zu erfüllen die Figuren so stark zu machen, dass sie den Endboss überstehen.
Fledermauskumpel Heismay bspw. kann sehr mächtig werden – aber NUR, wenn er zuvor in Summe 9 Personas bis Maximum aufgelevelt UND dick mit diversen Charakteren befreundet ist. Was man aufleveln muss, sagt einem das Spiel nicht – bzw. erst, wenn man es ohnehin schon getan hat. Ohne seine mächtige Form ist Heismay nutzlos.
Dazu kommen weitere unfaire Elemente, wie Bossgegner, die sich über die bis dahin etablierten Regeln der Spielwelt hinwegsetzen. Kurz vor Ende gibt es Gegner, die sich bis zu 16 Aktionen herbeizaubern – sobald die am Zug sind, kann man erstmal Kaffee trinken gehen, und wenn man wiederkommt, ist die eigene Heldentruppe tot.
Oder der Drache, der ab Kampfminute drei alle Spielfiguren so verzaubert, dass sie nie zum Zug kommen, und sie dann einfach mit einem Atomschlag von 10.000 Schadenspunkten verbrennt (zum Vergleich wie heftig so ein Treffer ist: Eine Figur hat ungefähr 400 Lebenspunkte). Manchmal gibt es auch hier supersimple Taktiken. So kann man dem Drachen mit einer bestimmten Figuren auf einem bestimmten Level und einem bestimmten Spruch eine Schwäche gegen Feuer anhexen, und wenn man dann noch Items oder Zaubersprüche hat, die sein Feuer reflektieren, verbrennt er sich instantan selbst. Nette Idee, aber woher zum Geier soll man das wissen??
Oder das Viech, das einfach mit einer allmächtigen Smartbombe alle Figuren des Spielers schlicht wegsprengt. Keine Verteidigung möglich. Das tut der Gegner aber nicht gleich, sondern nachdem man sich EINE FUCKING STUNDE an ihm abgearbeitet hat. Sein letzter Move vor seinem Exitus ist dann, einfach alles wegzuhauen – aber NUR, wenn eine der Spielfiguren ein bestimmtes Kleidungsstück trägt. WTF??
Vom Endgegner will ich gar nicht erst anfangen. Der Kampf gegen den Typen ist elegant, fair und sinnvoll – IN DER ERSTEN RUNDE. Leider steht der Penner immer wieder auf, wird jedesmal mächtiger und setzt man Ende Techniken ein, zu denen mir nicht mehr einfällt.
Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf der allereinfachsten Schwierigkeitsstufe “Storyteller”, die ist noch unter “Leicht”, und ich hatte sehr gut aufgelevelte Figuren. Und trotzdem hat der Typ meine gesamte Party mit zwei Zügen plattgemacht.
Nun können auf “Storyteller” alle Figuren sofort wieder mit vollem Lebensbalken aufstehen, sobald die gesamte Heldentruppe gefallen ist, aber dieser Typ ist so mächtig, dass er bereits wieder alle gekillt hatte noch bevor sie einen Zug ausführen konnten. Nein, sowas macht keinen Spaß – und wenn man den Kampf mangels Items oder wegen “falscher” Skills gar nicht bestanden werden kann, dann ist das schlechtes Spieldesign.
Solche Dinge und diese fragwürdigen Designentscheidungen mit den möglichen Sackgassen, in die man nach 80, 90 Stunden hineinlaufen kann, sind einfach nur ärgerlich. Was soll sowas? Haben sich die Designer gesagt “Na, beim zweiten oder dritten Durchlauf weiß der Spieler es dann?”
Danke, da verzichte ich. Ich hatte mit “Metaphor” viel Spaß, bis es urplötzlich komisch wurde, kippte und sich alles nach Arbeit anfühlte. Am Ende war es mir dann auch völlig egal, was da passiert. Ich wollte nur noch, das es vorbei ist.
Ich spiele ein Spiel weil ich Spaß möchte, ich will es weder studieren müssen, noch Arbeit damit haben.
TL, DR; “Metaphor” sieht toll aus, hat ein feines Artdesign und sehr besondere Musik, nices Gameplay und eine gut geschriebene Geschichte. Da steckt viel Liebe und Können drin. Das bewährte “Persona”-System wurde aber leider extrem verkompliziert und mit weiteren Systemen überladen, und, wie gesagt: Die Sackgassen! Wenn Spielerinnen nach 90 Stunden Spielzeit das Ende aber nur auf Youtube erleben können (ist einer Freundin von mir so ergangen), dann stimmt da grundlegend was nicht.

Yakuza 3 Kiwami/Dark Ties [2026, PS5]
Ein verurteilter Ex-Yakuza macht auf Okinawa ein Kinderheim auf, nennt es “Morning Glory”, hält da sechs Kinder zwischen 4 und 8 Jahren und überlässt deren Pflege und alle anderen Arbeiten einer Neunjährigen.
Warum ist sowas erlaubt? Wieso macht der angebliche Ex-Yakuza das? Und wieso sollte irgend jemand sowas spielen wollen?
Nun, das weiß niemand, aber Yakuza 3 existiert nun mal.
Das Originalspiel erschien 2008 und war schon damals schräg, ich hatte 2020 das Remaster gespielt und keine Minute Spaß damit. Die Grafik war igitt, das Kampfsystem nervig und langsam, Auseinandersetzungen dauerten Minuten, weil Gegner dauernd blockten, die Steuerung war unter aller Sau, das Pacing völliger Müll, vor allem aber war die Prämisse creepy:
Warum hat ein erwachsener und sehr gestörter Mann mit supergewalttätiger Vorgeschichte so ein Interesse an wildfremden und kleinen Kindern? Warum DARF der die als Vorbestrafter überhaupt betreuen? Warum heißt das Waisenhaus ausgerechnet “Morgenlatte”? (Das bedeutet Morning Glory nämlich im englischen Slang).
Diese fürchterliche Ausgangslage hat sich auch im Remake nicht geändert. Ansonsten wurde aber alles modernisiert und spielbarer gemacht.
Im Kämpfen kommt das Brawler-System der neuen Yakuza-Teile wie “The Man who erased his Name” zum Einsatz, allerdings mit einem schlanken Fertigkeitsbaum. Die Nebenmissionen wurden von 100 auf 31 eingedampft, wobei vor allem der repetitive Quatsch und die dummen Fetchquests entfallen ist. Dafür wurden Fotosafaris, Kontaktsammlung, E-Scooter und blöde Sammelaufgaben aus “Infinite Wealth” hineingestopft, bis es wieder an jeder Ecke zu viel wird.
Das Squad-System hat nach “Pirate Yakuza in Hawaii” seinen zweiten Auftritt hat. Hier managed man keine Schiffsbesatzung, sondern eine Frauen-Motorradgang. Das ist nicht so motivierend wie die Seeschlachten, aber immer noch ganz launig.
Größter Vorteil aber: Die Einzelstories der Waisenkinder sind komplett optional. Im Original gab es Zeitdruck durch die Hauptstory, aber die kam nicht von der Stelle, weil man erst geschlagene zehn Spielstunden lang einhundertundeine Fetchquest für die jammernden Arschlochkinder im Waisenhaus absolvieren musste.
Das ist in der Kiwami-Fassung nun zum Glück anders: Die nervigen Blagen werden kurz eingeführt, aber dann muss man sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen. Falls das doch jemand tun möchte besteht natürlich die Möglichkeit dazu, jetzt sogar mit mehr Abwechslung. In zahllosen Minispielchen kann man den Waisenkindern Taschen nähen, mit ihnen Fische oder Schmetterlinge fangen, einen Kuhstall bewirtschaften, Gemüse pflanzen und damit kochen und einen Hundewelpen groß ziehen.
Zum Kotzen.
Aber wie gesagt: Alles optional.
Wer lieber der Story folgen will, lässt den ganzen Cosy-Mumpitz links liegen und reist einfach sofort wieder von Okinawa nach Tokyo, um in den nächtlichen Gassen des Rotlichtviertels Punks zu verhauen und Geheimnissen um korrupte Politiker auf die Schliche zu kommen. Durch diese Möglichkeiten der Abkürzung ändert sich das gesamte Pacing des Spiels, und zwar zum deutlich Besseren.
Besser sind auch die neuen Figuren, die jetzt halbwegs realistisch aussehen und deren Performances teils echt creepy sind. Was Wunder, ist doch zumindest einer der neuen Schauspieler auch im echten leben ein creepy Frauenschläger.
Kurz gesagt: Yakuza 3 Kiwami ist ein besseres Spiel als das Original und das gewalttätigste Cosy-Game, was es bislang gibt. Das ändert nichts an der absurden und fragwürdigen Prämisse, die beim Spielen dauerndes Unbehagen erzeugt.
Machen:
Neues Spielzeug:

Eine Insta360 X4 Air im Starterbundle. Leicht und klein, nicht so gute Dämmerungsaufnahmen wie das aktuelle Flagschiff X5, dafür eine Akkulaufzeit von rund 90 Minuten und 8K. Für erste Schritte in Sachen 360-Grad Aufnahmen wird´s reichen. Ausschlaggebend war gerade ein sehr niedriger Preis für das Bundle und, im Vergleich zur Konkurrenz DJI Osmo 360, eine ausgefeilte Editing-Software.
Ding des Monats:
Schneeketten! Für die Füße!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008