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Erste Erfahrungen mit Airbagkleidung: Alpine Stars Valparaiso mit Tech Air Street

Secret Confession: Ich HASSE es, Klamotten zu kaufen. Das Drama um die Anschaffung einer neuen Motorradjacke werde ich mit Sicherheit nie vergessen, so abgrundtief verabscheuenswert war das Ganze. Am Ende hat es fast drei Monate gedauert. Warum ich jetzt eine Jacke trage, die mehr wert ist als meine ZZR 600, wieso ein Stück Technik aus der Zukunft gefallen ist und warum es trotzdem nervt, erzähle ich hier.

Es begab sich vor zwei Jahren, das ich dachte: Mensch, meine Mohawk Sympatex-Kombi, die hat schon ordentlich was mitgemacht. Regen, Wind, wochenlange Touren in salziger Luft, teils extreme UV-Einstrahlung, hohe Temperaturen… wer weiß wie lange der Kunststoffkram das aushält. Spätestens 2018, wenn es in die siebte Saison geht, sollte ich die mal austauschen.

Was ich wollte, stand schnell fest…

Also begann ich nach einer Nachfolgerin für die Mohawk zu suchen. Es sollte wieder eine Textilkombi sein, die ich hauptsächlich auf Reisen tragen würden. Sie sollte tauglich sein um damit zu fahren, aber auch um damit bei großer Hitze durch Städte zu laufen, auf Berge zu steigen oder in Höhlen herumzuklettern. Das bedeutete: Außen Cordura oder etwas in der Art, aber die sturzgefährdeten Stellen sollten bitte wieder mit Leder verstärkt sein. Membran wünschenswert, Thermofutter nicht nötig.

Schnell stellte sich raus: Leder/Textil-Kombis waren gerade total out. Das, was ich wollte, gab es in ansprechender Qualität nur von der Firma Alpine Stars. Das ist nicht schlimm, die genießen einen hervorragenden Ruf und statten in der Moto GP jeden zweiten Fahrer aus. Die erstklassige Qualität lassen sie sich auch angemessen vergüten, die Jacke, die ich wollte, sollte 700 Steine kosten. Aber nun, ich hatte noch zwei Jahre Zeit bis zur Neuanschaffung, also fing ich an zu sparen. Auf eine Alpine Stars Valparaiso-Jacke.

Bild: Louis.de

Dann kam der Unfall im vergangenen Jahr, bei dem zum Glück nicht viel passiert ist, der mich aber zum Nachdenken brachte. Ich ertappte mich dabei, wie ich ernsthaft abwog, ob ich von meiner Wunschjacke nicht das Sondermodell nehmen sollte. Die Valparaiso gibt es nämlich auch in einer Ausführung, in der sie für die Aufnahme eines Airbagsystems vorbereitet ist.

Airbags bei Motorrädern sind noch sehr selten. Das merkt man schon an den Diskussionen, die darum noch geführt werden. „Airbagjacken sind für Pussies“ hört man genauso oft wie „Die verleiten zu falschem Sicherheitsdenken! Wer sowas trägt, geht nur noch höhere Risiken ein“ oder „die schränken mich nur ein, ohne das Kram bin ich effizienter“. Das sind natürlich genau die Art von Blödargumenten, die wir schon bei der Einführung der Helmpflicht gehört haben. Oder, die Älteren erinnern sich, als bei Autos die ersten Airbags aufkamen. Oder noch früher, als Sicherheitsgurte und Kopfstützen Pflicht wurden. Immer die selben, dummen Sätze, immer die gleichen Pseudoargumente. Darf man gar nicht hinhören, kriegt man nur Blutdruck von.

Tragbare Airbagsysteme sind heute technisch möglich, und sie werden sich nur noch weiter verbreiten. Aktuell gibt es im Einsteigersegment schon Systeme, die man wie Rettungswesten über dem Fahreranzug trägt und die mit einer Reissleine oder einem Sensor ans Motorrad gekoppelt werden. Die Idee dabei: Macht man einen Abflug über den Lenker, soll die Leine oder der Sensor die Weste auslösen. Problem dabei: Die Auslösezeit ist mit gemessenen rund 200 Millisekunden sehr lang. In der Zeit kann es sein, dass schon ein Einschlag stattgefunden hat und man muss sich wirklich schon im Flug befinden. Dafür sind diese Systeme recht günstig, rund 500 Euro muss man für so ein Ding in Schwimmwestenoptik hinlegen..

Ästhetischer sind die Systeme, die gleich in die Klamotten eingebaut werden. Die lösen über Sensoren und einen Computer im Inneren aus, und zwar wesentlich schneller als die Reissleinenkollegen. Problem dabei: Die Teile gibt es nur von zwei Herstellern und sind unfassbar teuer.

Bild: Alpine Stars.

Mir sagte das Airbag-System der italienischen Firma Alpine Stars sehr zu. Das „Tech Air“ ist komplett autark, also unabhängig vom Motorrad. Außerdem ist es modular: Der ganze Airbagkram steckt in einer Weste, dem sogenannten Chassis, und das kann in verschiedene Jackenmodelle eingesetzt werden. Wie in die Valparaiso, in die ich mich ja ohnehin verguckt hatte.

Ein weiteres Jahr, eine kleine Steuerrückzahlung und gespartes Weihnachtsgeld später stand die Entscheidung fest: Ich wollte so ein Airbagdingens.

Damit fingen die Probleme an, denn die Teile kann man nicht einfach online bestellen. Airbags enthalten immerhin pyrotechnische Ladungen, Lithium-Ionen-Akkus und und Gaskartuschen, die explosionsartig ihre Inhalt freigeben. Sowas wird nicht verschickt. Man kann sie aber auch nicht einfach überall kaufen; Jeder Verkäufer muss von Alpine Stars an dem System geschult werden.

Louis, eine der führenden Ketten für Motorradbekleidung und Zubehör, hat in Deutschland nur sechs Filialen, in denen sie das Tech Air-System verkaufen, und nur eine davon ist in Mittel- bzw. Norddeutschland.

Glücklicherweise ist die nächste Filiale von meinem Wohnort aus „nur“ 130 Kilometer entfernt, das hätte schlimmer kommen können. So kam es, dass ich mich eines Samstag morgens im Februar ziemlich spontan auf den Weg nach Hannover machte, denn Louis hatte genau die Jacke, die ich wollte, an diesem Wochenende im Preis gesenkt. Dazu kam eine Gutscheinaktion und irgendwelches Bonuspunktegehökere und am Ende sollte das Ding 330 Euro kosten. Also, nur die Jacke, ohne Airbag. 330 Euro für ein Kleidungsstrück, das ist viel Geld, aber hört sich schon anders an als 700.

Die Odyssee begann

Vor Ort musste ich dann erst mal eine Stunde warten, bis der einzige Verkäufer, der dort die Airbag-Ausbildung hat, zum Dienst kam. Dann begann der Teil am Klamottenkaufen, den ich so sehr hasse. Denn ich wusste zwar welche Jacke ich wollte, aber nicht in welcher Größe.

Das Problem mit der Größe hat drei Facetten. Zunächst mal: Mein Körperbau ist ziemlich dumm. Ich bin mit 1,70 m nicht groß. Dick bin ich auch nicht, aber ein wenig füllig, und vor allem habe ich einen breiten Brustkorb. Ich bin halt kein schlanker Athlet, sondern eher ein Shetlandpony – klein, kräftig und ausdauernd. Das war Problem Nummer eins.

Problem Nummer zwei ist, das bei Alpine Stars in der Schneidereiabteilung alle durchgeknallt sind. Anders ist es nicht zu erklären, das eine Größe auf „Bella Figura“ getrimmt ist, eine Größe drüber aber auf „nasser Sack“.

Problem Nummer drei ist der Schichtaufbau der Valparaiso-Jacke. Die besteht nämlich aus drei Einzeljacken: Unter die eigentliche Lederjacke kommt eine Jacke aus Membranmaterial, und darunter bei kaltem Wetter noch ein Thermofutter. Und DARUNTER noch der Airbageinsatz.

Schichtkuchen. Thermofutter in Membranfutter in Jacke, darunter noch der Airbag. Ächz.

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Verfasst von - 21. Mai 2018 in Motorrad, review

 

Reisetagebuch Städtetour (5): Wolfsoniana und der ängstliche Löwe

Februar 2018: Tag fünf einer Städtereise südlich der Alpen. Heute mit aufdringlichen Wächtern, einer schönen Frau, die unbedingt in mein Bett will, und dem einen oder anderen Mißverständnis. Außerdem: Warum alles nach Gorgonzola riecht.

13. Februar 2018, Genua
Heute schlafe ich aus.
Völlig ohne schlechtes Gewissen.
Wofür habe ich ein eigenes Appartement, wenn ich darin nicht mal faul rumliegen kann? Feste Termine stehen nicht auf dem Programm, Tickets mit vorher gebuchten Eintrittszeiten habe ich auch nicht in der Tasche. Heute möchte ich nur ein paar Museen besuchen. Aus irgendeinem Grund sind die vor die Stadt verbannt worden. Nach Nervi, einen Vorort von Genua. Oder ist das einfach ein weit entferntes Stadtviertel? Schwer zu sagen bei einer Stadt, deren Ausdehnung 35 Kilometer umfasst. Wie auch immer, abgelegene Museen in Februar, da wird sich der Andrang in Grenzen halten. Ich drehe mich nochmal rum und schlafe eine halbe Stunde weiter.

Vom Bahnhof Brignole aus kommt man in weniger als 20 Minuten nach Nervi, die 100-Minuten-U-Bahn/Bus/Fahrstuhltickets sind auch dafür gültig. Auch hier gilt wieder: Entwerten vor Besteigen des Zugs, mit einem der Trenitalia-Stempler, Ticket ganz links einführen.

Das Wetter ist grandios, Sonnenschein und 10 Grad, und als ich gegen 10:00 Uhr in Nervi aus dem Zug falle, habe ich spontan gute Laune. Der blaue Himmel und das glitzernde Meer sind nur ein Vorgeschmack auf einen schönen Tag.

Hinter dem Bahnhof beginnen große Parkanlagen. Palmen wiegen sich im leichten Wind, ein paar Rentner sitzen auf Bänken, eine Mutter spielt auf den Wiesen mit ihren Kindern. Idyllisch. Zumal, was man nicht vergessen darf, es gerade Mitte Februar ist. Zuhause haben wir Minusgrade, und tagsüber wird es kaum richtig hell.

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Verfasst von - 19. Mai 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch Städtetour (4): Goethe vs. Altered Carbon oder „Wer fremde Sprachen nicht kennt…“

Februar 2018: Tag vier einer Städtereise südlich der Alpen. Heute besuche ich alte Freunde, entdecke Orte, von denen sich M.C. Escher inspirieren ließ und habe überraschende Erkenntnisse.

Montag, 12. Februar 2018, Genua

Das Elternhaus der Jugend.
Die erste eigene Wohnung.
Der Ort, an dem man seine erste Liebe geküsst hat.

Von wie vielen Orten kann man sagen, dass sie einen nie wieder los lassen und für den Rest des Lebens begleiten werden? Einer der Orte, die sich in mein Herz gebrannt haben, ist unzweifelhaft Staglieno. Oder genauer: Der Cimitero Monumentale di Staglieno.

Gelegen etwas oberhalb im östlichen Tal von Genua, links und rechts des Sturzbachbetts des Bisangno, ist die Ortschaft Staglieno eine der ältesten Siedlungen Italiens. Aus ihr entwickelte sich Genua, von dem Staglieno heute ein Stadtteil ist. Hier liegt auch der Cimitero Monumentale, der Monumentalfriedhof.

Das erste Mal war ich 2012 hier, und damals bin weggefahren mit dem Gefühl zu wenig gesehen zu haben. Deshalb habe ich mir drei Jahre später ein Hotel in Genua genommen und bin einen halben Tag auf Staglieno rumgelaufen. Und jetzt, wieder drei Jahre später, zieht es mich wieder hier hin.

Als ich aus dem Bus der Linie 13 nach Prato steige, schiebt sich die Morgensonne gerade erst über den Bergkamm.

Ein Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht, als ich mich dem Eingang nähere. Endlich wieder hier… es ist, als ob ich alte Bekannte besuchen würde.

Am Eingang des Geländes spreche ich einen der Pförtner an. Ein alter Brummbär mit Bart und Brille, der aussieht wie ein ergrauter Bud Spencer. Er sieht mich sofort missmutig an, aber davon lasse ich mich nicht abschrecken. „Hätten Sie vielleicht eine Karte für mich?“, frage ich, und der Brummbär guckt mich an, dann lächelt er. „Natürlich, natürlich“, sagt er und bittet mich in das kleine Pförtnerbüro, dass ich schon kenne.

Er kramt hinter dem Tresen herum und holt eine Karte heraus. Offensichtlich muss selbst die Genueser Verwaltung sparen. Die Karte ist aus billigem Papier, viel weniger wertig als die lackierte Karte, die ich von meinem letzten Besuch noch im Rucksack habe.

Ein anderer Friedhofswächter kommt vorbei, stoppt kurz, sieht mich direkt an, kneift die Augen zusammen, dann verschwindet er wieder. Ich muss ein Grinsen unterdrücken. Ich hatte gehofft den hier zu treffen!

„Interessiert Sie etwas besonders?“, fragt der Brummbär hinter dem Tresen. „Ähm, ja, das Grab der Familie Riba-Udo“, sage ich. Der Brummbär guckt einem Moment verwirrt, dann sagt er, „Ach, Riba_udo“.

Mist, leicht verkehrt ausgesprochen und schon versteht es keiner mehr. „Joy Division!“, sagt der Brummbär, und jetzt leuchten seinen Augen richtig. Offensichtlich freut er sich, dass ich Interesse an seinem Arbeitsort zeige.

Er holt einen Ordner unter dem Tresen hervor und schlägt ihn auf. Er ist voller alter Fotos von Grabstätten, sorgfältig per Hand beschriftet und in Klarsichthüllen untergebracht. „Hier, das hier war das zweite Albumcover von Joy Division“, sagt er und erklärt mir dann ganz genau den Weg dahin. Einen Weg, den ich schon im Schlaf finden würde. Wieder kommt der andere Pförtner vorbei, guckt mich einen Moment an, kneift die Augen zusammen, als ob er sich an etwas zu erinnern versucht und haut wieder ab. Ein kleiner, drahtiger Mann Anfang 50, mit grauen Haaren. Er wirkt etwas schmutzig, aber das sind Pigmentstörungen.

„Wie sind sie auf Staglieno gekommen? Über das Internet, was?“, fragt der Brummbär. „Jaja“, sage ich. Nichts könnte der Wahrheit ferner sein, immerhin bin ich es , der das Internet mit Sachen über Staglieno vollschreibt und durchaus schon andere zum Besuch motiviert hat.

Ich bedanke mich bei dem Brummbären, der nun fast im Kreis grinst, weil er mir so toll helfen konnte, dann trete ich ins Sonnenlicht vor dem Büro. Der andere Pförtner wartet draußen und fängt mich ab. „Sind sie Engländer?“, fragt er und schiebt seine Brille auf die Stirn. „Nein… Moment… Sie sind Deutscher!“, sagt er und zuckt kurz mit dem Gesicht, wodurch seine Brille wieder auf der Nase landet. Er macht das dauernd.

Ich nicke und sage dann auf Deutsch: „Wer fremde Sprachen nicht kennt…“

„…der weiß nichts über seine eigene“ vollendet der Pförtner das Zitat von Goethe und guckt leicht verblüfft, dann müssen wir beide lachen. „Wir sind uns schon begegnet“, sage ich. Vor drei Jahren hat der Mann mich mit seinen Sprachkenntnissen beeindruckt, und mit eben diesem Zitat, das mich seitdem begleitet.

„Kennen sie auch die italienische Übersetzung? Chi non conosce le lingue straniere non sa nulla del proprio! Man muss seine Sprache propria beherrschen!“ ich grinse. Jetzt habe ich die Gelegenheit die Fragen beantwortet zu bekommen, die ich vor drei Jahren nicht stellen konnte. „Wo haben Sie so gut Deutsch gelernt?“, frage ich. „Ich spreche nicht nur deutsch. Auch englisch, französisch und spanisch spreche ich auf diesem Niveau“, sagt er und beantwortet die Frage damit genau: Gar nicht. „Weil es so ein Vergnügen ist, Sprachen zu erlernen“ Er ergreift meine Hand. „Ich bin Giovanni. Oder Hans, auf Deutsch. Oder Jean, auf französisch!“ „Angenehm“, lache ich und erkläre, woher mein Name kommt, und das es für mich eine Qual ist Sprachen zu lernen und ich überhaupt kein Talent dafür habe. Aber Italienisch fasziniert mich, weil die Sprachmelodie einfach schön ist. Wir sprechen über dies und das, aber wie und wo Giovanni-Jean-Hans nun Deutsch gelernt hat, bekomme ich nicht aus ihm heraus.

„Haben sie schon unseren illegalen Führer getroffen?“, fragt Giovanni. „Ein Rentner, schon seit 25 Jahren. Er bittet um ein paar Euro für eine Führung. Ist natürlich illegal.“ „Klar“, sage ich und weiß nicht, ob Giovanni mich vor einem Nervfaktor warnen oder Werbung machen will.

„Ich habe noch ein Geschenk für Sie“, sagt Giovanni dann. „Und noch eines“. Er verschwindet kurz im Friedhofsbüro, dann kommt er mit zwei kleinen Büchern wieder. „Berühmte Persönlichkeiten im Pantheon“ und „Tourenempfehlungen für Staglieno“. Das ist toll, diese Bücher hat nicht jeder. Zusammen mit dem „Kunstführungen auf Staglieno“, das ich vom letzten Mal noch habe, besitze ich jetzt Werke, die nicht jeder hat.

Eines der Werke ist auf italienisch. „Super, dann kann ich üben“, sage ich und schüttele zum Abschied die Hand dieses ungewöhnlichen Mannes.

Dann trete ich durch den unscheinbaren Torbogen. Wie überall blättert auch hier die Farbe von den Wänden. Das gehört zu Staglieno, das gehört zu Genua. Beautiful Decay.

Ich betrete den ersten von mehreren Gängen. Grabnischen ziehen sich den den Gängen entlang, jede mit einer Marmorplatte davor. Der Gang ist dunkel und wirkt unheimlich, aber das sind nur die ersten Meter.

Als ich den Gang gequert habe, öffnet sich das Bauwerk zu einem Säulengang, einer Arkade, die an einer Seite offen ist und von Sonnenlicht geflutet wird. Zu beiden Seiten stehen, sitzen, liegen und schweben menschengroße Figuren.

“Città delle ombre”, Stadt der Schatten, oder “Città senza tempo”, Stadt ohne Zeit, so nennen die Italiener Staglieno.

Mark Twain schrieb über den Monumentalfriedhof: „An diesen Ort werde ich mich erinnern, selbst wenn ich die Paläste vergessen habe. Ein breiter Säulengang aus Marmor umgibt eine große leere rechteckige Fläche; auch der Boden ist aus Marmor, und auf jeder einzelnen Platte ist eine Inschrift. Auf beiden Seiten entlang des Ganges kann man Denkmäler, Grabmäler und Skulpturen bewundern, die bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sind und Harmonie und Schönheit ausstrahlen.“

Herr Twain hat recht.
Auch für mich ist dieser Ort einer der besondersten auf der Welt. Dieser Ort ist ein Teil von mir geworden, in genau dem Moment, als ich ihn das erste mal betrat. Vielleicht, weil er das schon immer war. Es hört sich dumm an, aber schon die erste Begegnung fühlte sich an wie nach Hause kommen. Staglieno ist ein ruhiger, stiller, in sich gekehrter Ort voller Reflexion. Ganz allein durch schier endlosen die Säulengänge zu laufen und Szenen aus dem Leben zu sehen, fühlt sich ein wenig an, als ob ich durch einen Teil meines Geistes laufe. Eben auch den stillen, reflektierten Teil, der den Kern meiner Persönlichkeit ausmacht.

Das hier ist Staglieno für mich:

und hier noch ein längeres Video von 2015:

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Verfasst von - 12. Mai 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch Städtetour (3): Alles rund ums Wasser

Februar 2018: Tag drei einer Städtereise südlich der Alpen. Heute gibt es Duschkopfdesaster, Aquarien und Meeresgeschichte.

11. Februar 2018, Genua
Lo Zenzero, mein Appartement in Genua, ist super, aber auch etwas in die Jahre gekommen. Man merkt, dass das hier eine echte Wohnung ist, in der immer echte Menschen gelebt haben. Sie wurde wohl zuletzt Ende der 80er saniert, und gerade im Bad ist das zu merken.

Die Gastherme liefert nur so lange warmes Wasser, wie man den Duschkopf nicht über 1,5 Meter hoch hebt. Jedes Mal, wenn ich den Duschkopf über Brusthöhe hebe, wird das Wasser eiskalt und schießt seitlich aus der Brause und irgendwo hin, ohne dabei vorher den Umweg über meinen Körper zu nehmen. Nunja. Davon lasse ich mir die Laune bestimmt nicht verderben.

Kurz nachdem ich die Tür der Haus Nummer 13 hinter mir zugezogen habe ist mir auch schon zu warm. Die Sonne scheint an diesem 11. Februar aus allen Knopflöchern, und mit 10 Grad sind die Temperaturen nicht wirklich winterlich. Ich stecke die Wollmütze und die Lederhandschuhe in den Rucksack und trabe in die Stadt.

Der Bahnhof Brignole, hinter dem Lo Zenzero liegt.

Schließlich komme ich am Hafen an und stehe vor dem Aquarium, dem zweitgrößten Europas.


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Verfasst von - 5. Mai 2018 in Reisen

 

„Yeah, I can Blog“ zum Zehnten

Erster „Hello World“-Eintrag vom 03.05.2008.

„Yeah, I can Blog“, so lautete der Titel des ersten Posts in diesem Blog, damals, am 03.05.2008. In der Rückschau immer noch gute erste Worte für einen „Hello World“-Beitrag, analog zu Tony Starks Bemerkung „Yeah, I can Fly“ in „Iron Man“, der gerade im Kino lief.

Wir schrieben das Jahr 2008, und gefühlt hatte JEDER ein Blog. Die meisten drehten sich thematisch um den Bereich des eigenen Alltags, und wenn sich der vornehmlich um bestimmte Dinge wie den Job oder die Aufzucht der eigenen Brut drehte, war das eben ein Jobblog oder eine Mamablog oder so. Die meisten Blogger/-innen waren untereinander vernetzt und kommentierten einander fleißig, weshalb sie ihre jeweiligen Sphären gerne als „Kleinbloggersdorf“ bezeichneten. Bloggen und Kommentieren kostet viel Zeit, aber das ist genau die, die heute in Whatsapp und Facebook fließt.

Die große Blogwelle hatte 2008 ihren Zenith sogar schon überschritten, die ersten Blogs bröselten schon wieder weg. In dieser Situation versuchte mich meine Freundin zu nötigen, doch endlich ein eigenes Blog zu starten. Wollte ich aber nicht. Denn beim Bloggen kommt es auch auf Kontinuität an, und ich war mir nicht sicher, ob ich länger als drei Wochen Spaß daran hätte.

Eines Abends, am Küchentisch meldete sie mich quasi nebenbei bei WordPress an, und wenige Minuten später gab es ein Blog mit dem sperrigen Titel „Nonstop Action from a different Perspective“. Tja. Und wo es schon mal da war, schrieb ich dann mal was rein.

Weil mir die Alltagsblogs auf die Nerven gingen, die sich betont bescheiden oder individuell gaben („Willkommen in Inges kleinem Gedankenfluß. Taucht ein in meine kleine Welt, das ist aber immer nur die Sicht einer Freiträumerin“) stellte sich das Blog hier gleich mal selbstbewusst hin und sagte von sich im Untertitel: „Ich bin das relevanteste Blog der Welt“. Das stimmt selbstverständlich, auch heute noch.

Jetzt hatte ich also ein Blog. Und was sollte ich da nun reinschreiben? Sollte ich mich auf ein Thema einschießen? Oder ein Berufsblog aufmachen? Argh, ich hatte ein Blog! Hilfe! Ich fing dann einfach mal an. Filmrezensionen hatte ich schon woanders aufgeschrieben, dementsprechend wollte ich damit beginnen. Aber dann kam es anders.

Tatsächlich landete das Blog dann aber gleich zu Beginn einen Scoop, wie wir Medienleute sagen. Es begab sich, das Trickbetrüger Abmahnbriefe wegen eines angeblichen Verkehrsunfalls verschickten. Einen davon bekam meine Freudin. Ich recherchierte dem hinterher und stellte das Ergebnis ins Blog. Suchte man nach Infos zu diesem Abmahnschreiben, fand man NUR meinen Blogeintrag – und Boom, in den ersten vier Tagen hatte das Blog eine vierstellige Anzahl an Besuchern und war aus dem Stand wirklich relevant.

Also, so richtig, selbst das Fernsehen fragte an, ob ich den Fall vor laufenden Kameras erklären wollte. Wollte ich nicht. Außerdem brachte mich das Ganze ein wenig in die Klemme. Der sperrige Name „Non-Stop Action usw.“ war eigentlich nur als Platzhalter gedacht gewesen, bis mir was besseres eingefallen wäre. Aber nun war das Blog über Nacht unter diesem Titel berühmt geworden.

Ich bloggte dann mal weiter vor mich hin. Alltagsbeobachtungen, Netzfundstücke… halt allen möglichen Kram, meist zwei kurze Einträge pro Tag, einer morgens, einer abens. Das mag aus heutiger Sicht erstaunen, aber wie gesagt: Die Leute hingen damals permanent in Blogs rum und nicht auf Facebook, ein bis zwei kurze Artikel pro Tag, das konnte man schon machen. Nach Themen suchen musste ich übrigens nie. Im Gegenteil: Anstatt dass das Blog nach Themen suchen musste, fanden die Themen das Blog.

2009 fand ein Knallerthema das Blog. Ich hatte Spaß an Musikspielen gefunden, damals vor allem „Guitar Hero“ auf der PS2, später dann auch „Rock Band“ auf der XBOX. Ich verbloggte Neuigkeiten über Spiele, Rezensionen und Songlisten und nannte das als Oberbegriff „Plastic Rock“. Eines Tages probierte ich aus, welche Musikinstrumente an welchem Spiel funktionierten und schrieb das mal auf.

Damit landete ich wieder einen Scoop. „Die ultimative Kompatibilitätsliste“, eine Tabelle, die Konsolenplattform, Instrument und Spiel umfasste, war von Tag 1 an ein Kracher. Tausende Besucher fanden den Weg ins Blog auf der Suche nach den darin zusammengestellten Infos, diskutierten, halfen beim weiteren Ausbau. Über 500 Kommentare hat der Artikel.

Darin vernetzten sich auch die Besucher, und irgendwann kamen Blogkollegin Wortkomplex und rstockm auf die Idee, ein Forum als Spin-Off dieses Blogs zu gründen. Gesagt, getan. „PlasticRock.de“ wurde zur deutschen Plastic Rock Zentrale, mit wöchentlichen Musikwettbewerben, Live Events, Forumstreffen und einer großen Community, von denen viele angefangen haben echte Instrumente zu spielen und heute noch befreundet sind.

Plasticrock.de gibt es heute noch.

Von Anfang an dabei war übrigens das Wiesel. Jeden Freitag gab es sogar dedizierten Wieselcontent, meist ein Suchbild oder ein Foto. Das noch jemand im Blog wohnt, merkte ich erst 2009, als ich durch Zufall einen gewissen Blogpinguin hinter dem Kommentarkasten entdeckte. Huhu und das Wiesel sind also Blogurgesteine, wobei das Wiesel kurzzeitig eine echte Internetberühmtheit war.

Ab Herbst 2008 reiste es erst durch zahlreiche Blogs, dann mit Bloggern um die Welt. Es steuerte ein Kreuzfahrtschiff, stand mit Prominenten auf der Bühnen, war auf jedem Kontinent und fand nur schwer wieder nach Hause zurück. Zwischenzeitlich ging es dann nochmal mit Kenny auf Tour, der als (einziger!) Gastautor hier eine eigene Serie hatte. Bis heute reist das Tier gerne, allerdings hat es nun sein eigenes Blog: „Travelingweasel.wordpress.com„, hier ist es nun noch gelegentlicher Gaststar.

Das Wiesel war schon fast überall.

Ach ja, die turbulenten Anfangsjahre. Das Blog wurde zur Spielwiese, in dem ich durchaus mal journalistische Darstellungsformen ausprobieren konnte. Wichtig sind mir bis heute zwei Dinge:

Erstens: Das Blog sollte Meinungsstark auftreten. Kein verhuschtes „Das sind nur meine zwei bescheidenen Cent, und vielleicht kann man das auch anders sehen“, sondern zugespitzt und pointiert, dabei aber durchaus lernfähig.

Zweitens: Ich wollte das Blog für niemanden anderes schreiben als mich selbst. Wenn andere mitlesen freue ich mich, aber eigentlich blogge ich, als ob mir keiner zuguckt. Nicht falsch verstehen: Ich freue mich immer über Kommentare, die motivieren viel mehr als ihr glaubt. Aber wenn ich meine Motivation nur aus Kommentaren gezogen hätte, hätte sie mich schon vor langer Zeit verlassen. Die Kommentarkultur ist schon vor einiger Zeit den Bach runtergegangen – statt einem Kommentar hinterlassen die meisten heute maximal ein „gefällt mir“, und das war´s. Damit kann ich leben, und mit dem Ansatz „Ich blogge nur für mich selbst“ kann ich im Zweifel auch die gewisse Beliebigkeit, die man dem Blog berechtigterweise unterstellen kann, rechtfertigen.

Diese beiden Maximen haben zwei tolle Effekte:

Zum einen wird mir nie langweilig, weil sich das Blog ändert. Es ändert sich mit mir. Es hat kein festes Thema, das irgendwann auserzählt ist oder dessen ich überdrüssig werden könnte. So, wie sich mein Leben ändert, ändert sich das Blog. Und das ist sichtbar. Ging es in den Anfangsjahren um Popkulturkram und Plastic Rock, ging es später erst um Reisen, dann um Motorräder und aktuell im Schwerpunkt um beides.

Zum anderen kann ich mein Leben in diesem Blog nachlesen. Wieviele Details gibt es, die ich im Laufe von 10 Jahren schon wieder vergessen habe und hier nachschauen kann. Z.B. das ich 2009 mit dem Rauchen aufhörte. Wie ich 2010 mit Modnerd das erste mal auf Reisen ging. Dann das turbulente Jahr 2011 mit gleich zwei Umzügen. 2012, als ich mir die ZZR ausstattete und das erste mal auf Motorradreise ging. Wie das Blog Wörter erfand (z.B. „Nurk“, wenn man nichts mehr riecht). Und und und.

Schön ist auch die Serie der monatlichen „Momentaufnahme“, die seit Anbeginn läuft. Über 120 Mal habe ich schon aufgeschrieben, welche Bücher ich in einem Monat gelesen habe, welche Filme ich gesehen habe und anderes mehr. Dabei offenbart sich auch so mancher schwarzer Fleck. So versuche ich offenbar schon seit 2009 Gordon Dahlquists „The Glass Book of the Dreameaters“ zu lesen und komme einfach nie über die ersten 100 Seiten hinaus.

Natürlich habe ich zwischendurch mal Abstecher auf andere Plattformen gemacht. Einige habe ich wieder verworfen (Instagram, Facebook) andere nutze ich sporadisch (Tumblr). Diese Plattformen kannibalisieren das Blog, und sie sind nicht gut durchsuchbar. Man wirft Content hinein, zack, rauscht er durch die Timelines und ist verschwunden. Was gut funktioniert, ist das Blog in Kombination mit Twitter. Das eignet sich gut für kurze Shoutouts, während das Blog etwas aufbereiteteren Content erhält.

Ich hatte übrigens mal ernsthaft überlegt ein Videolog, ein Vlog, analog zum Blog zu machen. Aber das würde bedeuten, die Anonymität komplett aufzugeben und tatsächlich mit Bild und Ton in Erscheinung zu treten. Das möchte ich, schon aus beruflichen Gründen, lieber nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, das Blog hier ist alt. Und es wird noch älter, denn ich habe immer noch Spaß daran, Dinge aufzuschreiben. Was mich beim bloggen hält, ist die Veränderung. Als dieses Blog startete, dachte ich noch, es würde sich um Filmrezensionen, Bücher und Wiesel drehen. Aber es veränderte sich: Im Lauf der Zeit machte das Blog etliche Wandlungen durch und erfand sich mehrfach neu. Ganz von allein.

Heute ist es so eine merkwürdige Mischung aus Meinung, Dokumentation und Reiseblog. Und natürlich Wiesel. Warum auch immer: Das Wiesel scheint die Konstante zu sein. Hm. Vielleicht ist das Thema dieses Blogs Wiesel.
Egal.
Alles Gute zum Geburtstag, kleines Blog, auf die nächsten 10 Jahre.

 
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Verfasst von - 3. Mai 2018 in Meta

 

Momentaufnahme: April 2018

Herr Silencer im April 2018
„Einfach so durchgerauscht, der Monat“

Wort des Monats: „Fiorum“

Wetter: Am Monatsanfang kreislaufstressend: Nachts -1 Grad, tagsüber Sonnenschein und über 20 Grad. In der zweiten Woche kontinuierlich zwischen 15 und 25 Grad und nur gelegentliche Schauer, was die Natur schlagartig explodieren lässt und Allergiker in den Pollenwahn treibt. Die Dritte Woche nimmt sich etwas zurück, nachts landen wir wieder im einstelligen Temperaturbereich, Frost gibt es aber nicht. Tagsüber pendelt es zwischen 13 und 17 Grad und zwischen bewölkt und heiter. Am Monatsende kommt der Sommer zurück, mit Sonnenschein und über 20 Grad.


Lesen:

Heidi Benneckenstein: Ein deutsches Mädchen
Die kleine Heidi wächst wohlbehütet in einem Dorf bei München auf. Sie hat zwei Schwestern, die Mutter ist Hausfrau, der Vater Beamter. Bei den Benneckensteins scheint ein wenig die Zeit stehengeblieben zu sein. Es ist Mitte der 90er, aber die Kinder tragen ausschließlich Dirndl und geflochtene Zöpfe. Wie sehr die Zeit stehen geblieben ist, erfährt außerhalb der Familie niemand.

Tatsächlich ist Heidis Vater ein glühender Verehrer des Nationalsozialismus, der seine Kinder zu zivilem Ungehorsam erzieht, auf den kommenden Systemumsturz und den Krieg vorbereitet. Dazu werden die Kinder in den Ferien in Trainingscamps verfrachtet, die als katholische Wandergruppen auftreten, in Wahrheit aber Nazi-Organisationen angehören.

Als Heidi erwachsen wird, spielen rechte Kameradschaften weiterhin eine tragende Rolle in ihrem Leben. Über die kommt sie zur NPD, in der sie aktives Mitglied wird. Eines Tages beschließt sie auszusteigen, doch der braune Sumpf ist klebrig.

Ein mutiges Buch, das Heidi Benneckenstein hier vorlegt. Sie erzählt ihre Lebensgeschichte ganz undramatisch, so dass sie an vielen Stellen fast trivial scheint, aber in der Summe deutlich macht, was sie zu erleiden hatte. Darüber hinaus, und das ist der größere Verdienst des Buches, erhält man als Außenstehender Einblicke in das Funktionieren der rechten Szene: Die straffe Organisation und enge Vernetzung der lokalen „Kameradschaften“ in ganz Deutschland; der Erwerb von Liegenschaften im Osten, getarnt als Biobauern oder Freizeitzentren; die Verliererpersönlichkeiten, aus denen die Szene besteht, die aber oft sofort aussteigen, wenn sie etwas haben, auf das sie stolz sein können; wie Sprache („völkisch“) und Musik zur Identifikation benutzt wird; wie unter dem Anstrich von Bürgerlichkeit mit Konsensthemen („gegen Kinderschänder“) Propaganda gemacht wird.

Von der Organisation über die Denkweise bis hin zu den Charakteren werden die Mechanismen deutlich und welche Gefahr diese wenigen, aber lauten und unnachgiebigen Stimmen für die Demokratie bedeuten. Nach der Lektüre kann man als Leser nur einen Schluss ziehen: Diese Neonazi-Szene hat sich nun unter dem Dach der AfD versammelt, die mit genau diesen Mechanismen nun sehr laut Propaganda macht. Das ist die eigentliche Erkenntnis: Lies die Lebensgeschichte von Heidi Benneckenstein, ziehe Deine Schlüsse und komme zu der Erkenntnis, dass die AfD eine rechtsradikale Partei ist.

Petra Reski: Bei aller Liebe
Ein deutscher Staatsanwalt wird in Palermo von einem Transgenderprostituierten ermordet. Er hat im neuesten Geschäftsfeld der Mafia ermittelt: Flüchtlinge. Von der Unterbringung in Heimen über die Sicherheit bis hin zur Verpflegung oder der Einschleusung in andere EU-Länder, überall verdient die Mafia mit. Gesteuert wird das ganze aus Deutschland, von ausgewanderten Mafiosi. Die haben nur zwei Dinge unterschätzt: 1. Den Fremdenhass der Deutschen und 2. die palermitanische Staatsanwältin Serena Vitale, die nun zu ermitteln beginnt.

Petra Reski ist eine deutsche Journalistin und lebt und arbeitet seit den 80ern in Italien. Sie schrieb regelmäßig und sehr gut über Enthüllungsstories über das Wirken der Mafia, auch in Deutschland. Dafür verklagten sie die hier ansässige „erfolgreiche Geschäftsleute mit italienischen Wurzeln“ und gewannen vor Gericht. Reskis Verlag ließ sie im Regen stehen, sie verlor bis auf den letzten Cent alles. Sie kann aber nicht vom Thema lassen, und deshalb verpackt sie die Ergebnisse ihrer Recherchen nun in Romanform, denn im Fall einer Klage kann sie sich mit „Ist alles Fiktion“ rausreden. Ich halte Petra Reski für eine absolut brilliante Journalistin und bewundere sehr, dass sie immer weiter kämpft und sich nicht unterkriegen lässt. Ihre Zeitungs- und Blogartikel sind spitze recherchiert und spannend zu lesen, wirklich großartig. Aber dieser Roman, der ist zum Gruseln.

Das beginnt bei den Charakteren die ins comichafte überzeichnet sind und endet bei Erzählpassagen, die dumm und irrelevant sind und so verbittert klingen, als wären sie mitten in der Nacht nach einer Flasche Rotwein entstanden. Wenn ich lese, wie die Ökofreundin eines Reporters mit dem Namen „Wolfgang Widukind Wienecke“ eine Blumenkohlbar aufmacht, oder die wunderschöne, blonde, hochbeinige Staatsanwältin ständig Lippenstift nachzieht… dann möchte ich das Buch direkt wieder weglegen.

Habe ich aber nicht, denn die Machenschaften der Mafia im Flüchtlingsgeschäft sind erschreckend und detailliert beschrieben. Flüchtlinge als Geschäft, an denen jeder verdient: Mafia, Kommunen, Politiker nehmen gemeinsam die EU aus. Das ist spannend und eröffnet neue Perspektiven. Der Nachteil: Für einen Roman braucht es nicht nur Fakten, es brauch eine ordentliche Geschichte. Die verheddert sich auf halbem Weg, und am Ende franst sie einfach aus und verpufft.

Ich bin extrem zwiegespalten. Die Erkenntnisse aus dem Buch sind interessant. Für die muss man sich aber durch dumme Charaktere, ständige Übertreibungen und uninteressante Erzählpassagen kämpfen. Es gibt noch zwei weitere Romane von Reski, aber bis ich mir die antue, brauche ich eine Pause.


Hören:


Sehen:

A Series of Unfortunate Events (Season 2) [Netflix]
Violet, Sunny und Klaus Baudelaire haben es nicht leicht: Erst kamen bei einem Feuer ihre Eltern ums Leben, nun werden sie vom bösen Grafen Olaf gejagt. Dem Bösewicht ist jedes Mittel recht um an das Vermögen der Waisen zu kommen. Er nutzt die seltsamsten Verkleidungen, um die Kinder durch eine von In&Out-Listen verdrehte High Society, ein bizarres Internat, ein komisches Krankenhaus und einen grausamen Zirkus zu jagen.

Ach, herrlich! Schon die erste Staffel glänzte durch hervorragende Ausstattung und tolle Schauspieler, und die vorliegende Staffel 2 setzt hier nochmal einen drauf: Die Schauplätze sind größer, die Stammschauspieler absolut in ihren Rollen und die Gäste (wie Nathan Fillion als Jaques Snicket!) hervorragend besetzt. Wieder wurden 4 Bücher verfilmt, jeweils in zwei Teilen. Dabei sind die Produzenten mutiger geworden, was dem Ganzen gut tut: Ein neuer Handlungsstrang zeigt nun die Bemühungen der geheimnisvollen Organisation „FF“ den Waisen zu helfen. Das bringt wohltuende Abwechselung und verhindert, dass die Serienepisoden ähnlich holzschnittartig ablaufen wie die Bücher. Sehr gelungene Fortsetzung, bei der allein schon jede Sekunde Screentime von Neil Patrick Harris („How I met your Mother“) als Graf Olaf ein böse kicherndes Vergnügen ist.

A Couch in New York [Theater im OP]
Psychanalytiker Harriston ist genervt. Das Leben des New Yorker Psychologen könnte so akkurat geordnet sein, wenn nicht seine durchgeknallten Patienten wären. Kurzentschlossen gibt er eine Anzeige auf, um sein Appartment am Central Park für einige Wochen gegen eines in Paris zu tauschen. Auf die Anzeige meldet sich Mademoiselle Sauniere, eine chaotische Tänzerin, die ihre ganz eigenen Gründe hat aus Paris zu fliehen.

Angekommen in der jeweils anderen Stadt übernehmen die beiden nicht nur die Wohnung des jeweils anderen, sondern hinterlassen auch Spuren in den Fußstapfen des anderen Lebens.

Schön gespielt, funktionales Bühnenbild. Leider fehlt der Punch, den ein solch komödiantischer Stoff erfordert. Die Inszenierung ist zu träge, zu langatmig. Das man nach 10 Minuten weiß, wie die Story ausgehen wird – geschenkt. Aber das viele Gags wird aus drei Kilometern Entfernung angekündigt und dann in zäher Langsamkeit ausgewalzt werde, bis sie nicht mehr lustig sind, das ist bitter. Die Laufzeit beträgt zweieinhalb Stunden, und ist damit rund eine Stunde zu lang. Hätte man hier und da etwas gerafft, wäre die „Couch“ das lustigste Stück seit langem im ThOP gewesen. So wird es leider in Erinnerung bleiben als die Vorstellung, die dank langer Laufzeit, zuspäten Beginns und überzogener Pause insgesamt dreieinhalb Stunden Sitzfleisch verlangte.

Im Nachgang zum Stück habe ich mir übrigens die Verfilmung des Stoffs von 1996 mit Juliette Binoche und William Hurt angesehen. Die ist erstaunlicherweise unerträglich lahmarschig und einfallslos inszeniert, die Dialoge grenzen an Schwachsinn und manche Szenen sind so absurd umgesetzt, dass es zur Qual für die Darsteller wird. Am ThOP hat man den Film Szene für Szene nachgespielt, allerdings all dessen Schwächen mitgenommen UND das Tempo weiter gedrosselt – das tut dem Stoff nicht gut. Nach „irreversibel“ ist „Eine Couch in New York“ übrigens der 2. Film in meinem Leben,. den ich nicht zu Ende geguckt habe, weil ich es nicht ertragen konnte. Wenn auch aus krass unterschiedlichen Gründen.

So lange ich lebe (Jab Tak Hai Jaan) [DVD]

Shah Rukh Khan ist Bombenentschärfer, und zwar der beste in ganz Indien. Ohne Schutzanzug fordert der verschlossene Mann bei jedem Einsatz Gott und das Schicksal heraus, nur um sich danach wieder in die Einsamkeit zurück zu ziehen. Als eine junge Journalistin eine Reportage über „Den Mann, der nicht sterben kann“ dreht, entdeckt sie versehentlich sein Geheimnis. Dessen Spur führt nach London und in eine Zeit, in der Khan ein anderer Mensch war.

Ich mag diese dreistündigen Bollywood-Filme ja, zumindest, wenn sie angemessen episch und gut erzählt sind. Das ist hier der Fall: London ist eine großartige Kulisse, die Geschichte umspannt mehrere Jahrzehnte, die Tanznummern sind großartig und die Geschichte rührt zu Tränen. Ganz großes Kino, bester klassischer Khan-Film nach „Om Shanti Om“ und den Dons („Meine Name ich Khan“ läuft außer Konkurrenz).


Spielen:

Assassins Creed Origins: Curse of the Pharaohs [PS4]
In Ägypten erheben sich die Pharaonen aus ihren Gräbern und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Bayek geht dem nach und versucht herauszufinden, was die Ruhe der Gottkönige stört. Dabei muss er auch den Duat, das Jenseits der Ägypter, besuchen.

Nach dem langweiligen, ersten DLC „The Hidden Ones“ folgt nun die zweite und letzte Erweiterung für „Assassins Creed Origins“. Die hat es in sich und dreht alle Regler auf 11: Mit Theben, Luxor und dem Tal der Könige kommt ein großes Gebiet hinzu, in dem es wieder viel zu erkunden und zu tun gibt. Leider ist das meiste davon wieder trivialer Mist. Die üblichen, hässlichen und schlecht gesprochenen NPCs, die mehr nach Verkehrsunfall als nach Personen aussehen, geben einem doofe Fetchquests oder jammerlappige Suchmissionen. Das nervt, und um es mal ganz klar zu sagen: Wenn ich noch ein Mal ein verschwundenes Kind finden und aus einer Höhle tragen soll, werde ich Balg von der nächsten Klippe werfen.

Zum Glück belässt es der DLC dabei nicht. Er erzählt eine stimmige Hauptgeschichte und eröffnet mit dem Jenseits ganz neue und abstrakte Szenarien. Leider ist die Story wieder nicht besonders gut erzählerisch in Szene gesetzt, dennoch macht es Spaß ihr zu folgen. Herausfordernd ist es allemal, das Levelcap wurde auf 55 angehoben, was im Kampf gegen Nofretete oder Ramses auch nötig ist. „Curse of the Pharaohs“ ist daher empfehlenswert für alle, die das Hauptspiel mochten, die aber nicht einfach nur more of the same wollen.

Assassins Creed: Rogue [PS4]
Die amerikanischen Kolonien im 18. Jahrhundert: Der Assassine Shay Cormac wird von der Bruderschaft auf geheime Missionen geschickt, in denen er Tempel der Vorfahren aufspürt. Diese speziellen Tempel enthalten Artefakte, die seismische Beben auslösen können. Durch Shays Mission wird ein Erdbeben ausgelöst, das 1755 Lissabon vernichtet und tausende Menschen das Leben kostet. Daraufhin fleht Shay die Assassinen an, diese Artefakte in Ruhe zu lassen – ohne Erfolg. Um zukünftige Katastrophen zu verhindern, flieht Cormac aus der Bruderschaft und macht Jagd auf seine alten Freunde und Kollegen.

„Rogue“ erschient 2014 zeitgleich mit „Unity“. Während letzteres auf der neuen Konsolengeneration grandios floppte, weil es neue Dinge wagte, aber buggy veröffentlicht wurde, setzte „Rogue“ auf PS3 und XBOX 360 auf Bewährtes: Die Engine von „Assassins Creed III“ mit den Seefahrtsmechaniken aus „Black Flag“, neue Texturen drüber, fertig. Damit war es nicht das bessere Spiel, wie viele Kritiker irrtümlicherweise annehmen. Es war nur runder.

Die jetzt veröffentlichte „Remastered“-Version für PS4 und XBOX One unterscheidet sich nicht groß von der vier Jahre alten Fassung. Die Grafik ist etwas höher aufgelöst, aber nicht schöner. Spaß macht es dennoch, mit der „Morrigan“ den Hudson enthochzusegeln und im Nordatlantik das Polarlicht anzugucken. Die Story trägt dabei gerade mal für 6 Stunden, bis man das Schiff entsprechend aufgelevelt und die Karte aufgedeckt hat, braucht es rund 20 Stunden. Kompletionisten werden irre ob der Vielzahl an Sammelaufgaben, bis man alles Gedöns beieinander hat, vergehen rund 50 Stunden. Wert ist es das freilich nicht, als Belohnung gibt es nur ein paar pottenhässliche Skins.


Machen:

Eine kleine OP.

Neues Spielzeug:

Eine neue Schreibtischplatte. Yay! hat ja nur 7 Jahre gebraucht bis ich mich dazu aufgerafft habe.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. April 2018 in Momentaufnahme

 

Reisetagebuch Städtetour (2): Supermodel-Samstag

Februar 2018: Tag zwei einer Städtereise südlich der Alpen. Heute mit Euphemismen in Verona, einer duftenden Überschwemmung und einer schlimmen Befürchtung.

Samstag, 10.02.2018, Verona
Langsam strampele ich mich aus der erholsamen Dunkelheit eines tiefen Schlafes frei und lasse mich mit der Strömung an die Oberfläche des Wachseins treiben. Ausreichend guter, tiefer Schlaf, der hat mir die letzten Tage gefehlt. Vor 05:00 Uhr aufzustehen bekomme ich zwar hin, was ich aber meist eher nicht hin bekomme ist das zugehörige frühe ins Bett gehen. Auf Dauer laugt das aus. Aber jetzt ist es kurz nach Acht, ich habe eine Nacht erholsamen Schlafes hinter mir, die Energie ist wieder da.

In dem riesigen Badezimmer des B&B Lady Verona nehme ich eine ausgedehnte Dusche, dann packe ich meine Sachen zusammen und schaue in den Frühstücksraum. Anna, die Rezeptionistin von gestern, wirbelt hier schon zwischen den Frühstückstischen herum. Dazu trägt sie wieder die hochhackigen Overknee-Stiefel von gestern, dazu ein hautenges, gänzlich schwarzes Ensemble inklusive Lederjacke. Interessante Arbeitskleidung für die Tätigkeit in einem B&B. Mit heruntergezogenen Mundwinkeln stellt sie mir einen Caffé Doppio hin.

Ich bin erstaunt. Der Anzahl der Tische nach muss das B&B Kapazität für rund 20 Gäste haben. So groß hätte ich das Haus gar nicht geschätzt. Aber tatsächlich trudeln nach und nach immer mehr Personen ein. Italienische Pärchen, chinesische und britische Touristen, japanische Studentinnen. Binnen Kurzem ist fast jeder Tisch besetzt und vielsprachiges Schnattern erfüllt die Luft. Ich trinke meinen Caffé aus, drücke der Lady Verona meinen Zimmerschlüssel in die Hand und verabschiede mich.

Vor dem Stadhaus trete ich in den Sonnenschein auf die Straße. Es ist kühl, aber der Himmel ist strahlend blau, kein Wölkchen zu sehe. Ich schließe für einen Moment die Augen und spüre die Wärme auf dem Gesicht. Die Sonne hat noch nicht viel Kraft, aber man, wie ich die vermisst habe!

Meine Hand wirft einen Schatten! Das… das muss dieses „Sonne“ sein, von dem meine Großmutter immer erzählte!

Die Innenstadt von Verona liegt in einer Schleife der Etsch, und die Lady Verona liegt genau an einer der Brücken über den Fluß. Dumme Witze a la „livin´on the Etsch“ erspart mir mein Hirn zum Glück in diesem Moment, da kommt es erst später drauf. Im Moment ist es viel zu sehr damit beschäftigt, die wirklich tolle Kulisse zu bestaunen. Der Fluß im Sonnenlicht, die großen Statuen an der Brücke, das Römerkastell in der nächsten Flußbiegung, das sind schon beeindruckende Bilder.


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Verfasst von - 28. April 2018 in Reisen

 

Follow me! Der Trackimo

Trackingtechnologie finde ich faszinierend. Vielleicht, weil sie wie für mich gemacht ist. Zu meinen geheimen Superkräften gehört es ja, dass ich mich überall verlaufen kann, selbst im kleinsten Ort. Seitdem ich einen kleinen Tracker mit mir rumtrage, ärgere ich mich in solchen Situationen nicht mehr, sondern denke nur noch „Na, das wird später ein interessantes Bild abgeben“. Abends gucke ich mir dann am Rechner an, wie und wo ich mich verlaufen oder verfahren habe. Meist muss ich dann selbst schmunzeln, wenn ich sehe, wo genau ich nun wieder vom rechten Weg abgekommen und überall rumgeeiert bin.

Auf Reisen begleitet mich immer ein kleiner Tracker der BT-Baureihe. Gibt es schon lange nicht mehr neu zu kaufen.

Der Hauptvorteil ist, dass der Nokia-Akku mehr als 24 Stunden durchhält, während der Tracker alle 5 Sekunden Koordinaten, Richtung und Geschwindigkeit speichert. Der Nachtteil: Um diese Infos auszulesen, muss das Gerät per Kabel an einen Rechner geklemmt werden.

Mittlerweile gibt es kleinere Tracker, die ihren Standort online mitteilen. Einer der besten, laut c´t, ist der Trackimo. Da das Ding mit knapp 70 Euro sehr günstig ist, habe ich mir mal einen bestellt. Der deutsche Importeur reagiert schnell und freundlich. Das er Schwabe ist, merkt man SEHR deutlich am Dialekt. Das er dennoch die Werbevideos von Trackimo selbst übersetzt und vertont, hat bei mir für ein breites Grinsen gesorgt.

Fix flatterte der winzige Karton hier ein, wobei kleiner = besser ist. Der Trackimo ist tatsächlich winzig, gerade mal 47x40x17 mm groß und dabei 42 Gramm leicht.

In der Schachtel befindet sich noch eine Silikonhülle, eine Rückseite mit Klettverschluss sowie passende Klett-Klebepads, ein Klett-Magnet und ein Micro-USB-Kabel.

Der Silikonüberzieher wird bei Outdooreinsätzen als Spritzwasserschutz benötigt. Wasserdicht ist der Trackimo nämlich nicht.

Im Inneren des Trackimos werkelt eine SIM-Karte. Genau die ist auch der Grund, weshalb man unbedingt vom Importeur kaufen sollte, und nicht über Amazon oder ähnliches. Dem Vernehmen nach ist bei Drittanbietern die Chance relativ hoch z.B. einen polnischen Trackimo zu bekommen, der sich in Deutschland nicht oder nur unter Würgen aktivieren lässt.

Das der Trackimo über ein eigenes GSM-Modul verfügt, hat zwei Vorteile:
1. kann er zur Standortbestimmung Funkzellen auswerten, was die Ortung schneller und genauer macht und
2. kann er damit nach Hause telefonieren.

Das Gerät meldet seine Daten ständig an den Trackimo-Server, die Meldeintervalle lassen sich zwischen 1 mal pro Minute bis 1 Mal alle zwei Stunden einstellen. Je nachdem hält der Akku zwischen 3 und 5 Tagen.

Einmal registriert, kann man sich als Anwender in eine App auf dem Smartphine (iOS/Android) oder auf einer Website einloggen. Dort werden die Standortdaten, Akkuladung und die Geschwindigkeit angezeigt. Der Verlauf lässt sich Tage- oder Stundenweise aufrufen, so lässt sich genau sehen, wann der Trackimo wo war. Je nach Vorliebe kann man die Website mit Open Street Maps, Map Box oder Google Maps und Google Satellite nutzen, wo vorhanden funktioniert sogar Street View.

In der Weboberfläche lassen sich Geofences anlegen, bei deren Überschreitung der Tracker eine Infomail an eine zuvor definierte Webadresse sendet. Ebenso lässt sich ein Bewegungsalarm einstellen. Bewegt sich der Tracker bei aktiviertem Alarm, versendet er eine SMS an eine zuvor hinterlegte Telefonnummer.

Auch die drei Tasten auf der Vorderseite lassen sich mit Telefonnummern vorkonfigurieren.

Ein Druck auf den „SOS“-Button in der Mitte oder die beiden Seitentasten löst dann eine SMS mit einem vorher festgelegten Hilfetext und den Koordinaten aus. Bis zu 10 SMS pro Monat sind im Service enthalten. Der ist im ersten Jahr ab Aktivierung kostenlos und kostet danach 5 Dollar pro Monat.

Die Standortbestimmung nach dem Einschalten ist dank der Funkzellenpeilung rasant, teilweise hat das Gerät schon 10 Sekunden nach dem Einschalten seine Position gefunden. Die Positionsbestimmung ist für ein Gerät von der Preisklasse OK, in bebauten Gebieten liegt sie bei rund 5-10 Metern.

Die eigene Datenverbindung macht den Trackimo als Tracker in vielen Situationen nützlich. Besitzer renitenter Haustiere können den Vierbeiner damit verfolgen (es gibt spezielle Halsbänder), auf Flugreisen lassen sich Koffer tracken und Helikoptereltern können die Kinder verwanzen. Mein Anwendungsfall ist naturgemäß ein anderer, bei mir kommt der Trackimo in den fahrbaren Untersatz.

Ich mache mir dabei gar keine Illusionen; Ich fahre keine neuen Motorräder, dementsprechend gering ist auch die Wahrscheinlichkeit, das eines meiner Moppeds gestohlen wird. Welcher professionelle Dieb klaut eine 7 Jahre alte Suzuki, wenn der Schwarzmarkt nach brandneuen BMWs giert?

Trotzdem mag ich es, immer noch ein Ass im Ärmel zu haben. Es gibt halt auch genügend unprofessionelle Diebe. Die Renaissance hat deshalb einen versteckten Hauptschalter, mit dem man die gesamte Elektrik der Maschine einfach abschalten kann. Das ist das kleine Quentchen mehr an Beruhigung, das ich möchte wenn die Maschine in zwielichtigen Hafengegenden am Mittelmeer parkt.

Die V-Strom hat sowas nicht, was aber beide Maschinen haben ist eine Halterung für das Garmin ZUMO. Die bringt einen ziemlichen Kabelbaum mit, in dem unter anderem auch ein wassergeschützter USB-Anschluss ist.

Damit ist es ein leichtes, den Trackimo mit Ladestrom zu versorgen und ihn unauffällig in eine Seitenverkleidung zu stopfen. Unauffälliger als hier, das war nur zur Probe.

Damit kann ich sehen wo ich mit dem Motorrad war. Parkt es in zwielichtigen Gegenden, kann ich den Bewegungsalarm aktivieren. Wird es gestohlen, bekomme ich sofort eine SMS und kann sehen wo es sich befindet.

Der Trackimo im Motorrad ist hoffentlich nur ein Gimmick, das nie im Ernstfall gebraucht wird. Man kann das natürlich zu recht albern finden, aber wie ich eingangs schrieb: Trackingtechnologie fasziniert mich.

Worüber man sich vor dem Kauf im Klaren sein sollte: Vermutlich ist der Trackimo-Webservice billig zusammengeklebter Kram, der irgendwo in der AWS-Wolke läuft und von Chinesen kontrolliert und von der NSA abgeschnorchelt wird. Man sollte sich vorher bewusst machen, dass man hier persönlichste Bewegungsprofile aus der Hand gibt. Zum einen werden diese Daten irgendwann abhanden kommen, zum anderen hat der Trackimo im Gehäuse auch Löcher, die verdächtig nach Mikrofonöffnungen aussehen. Wer also solchen Dingen mißtraut, sollte die Finger davon lassen. Dafür ist der Trackimo mit seinen Webservices bequemer als einen eigenen Trackingserver aufzusetzen. Muss letztlich jeder selbst wissen, meine Kinder würde ich damit aber sicher nicht tracken.

 
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Verfasst von - 26. April 2018 in Motorrad

 

Der bildungsferne Jedi

„GameTwo“ ist eine lustige, kleine und dabei hochprofessionelle Internetsendung über, eben, Games. Eine Rubrik in der Sendung heisst „Wünsch Dir was“, und Redakteur Michi hat sich ein neues Star Wars-Spiel mit Lichtschwertduellen und einer frischen Grundidee und Story gewünscht. Zum Beispiel „Die Hauptfigur könnte ein bildungsferner Jedi sein, der seine Macht mißbraucht, bis er einen Meister findet.

Wie das aussehen kann, spielt er gleich mal selbst vor, und ICH KANN NICHT AUFHÖREN DIESES VIDEO ZU GUCKEN BITTE MACH JEMAND DIESES VIDEO AUS ICH MACH MICH SONST EIN VOR LACHEN OMG LOL ROFL!!!!!

Das ist fast so gut wie das legendäre „The Slap“:

 
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Verfasst von - 24. April 2018 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch Städtetour 2018 (1): Die Lady Verona

Freitag, 09. Februar 2018
Der Wecker klingelt. Ich öffne ein Auge und schiele auf´s Display.
4:45 Uhr.
Unfair.
Aber ich habe es ja nicht anders gewollt.

Um 5:00 Uhr stehe ich auf, schiebe mir die Zahnbürste zwischen die Zähne und kleide mich an. Dann regele ich die Heizung der Wohnung runter und schalte alle Sicherungen aus. Das Wiesel hebt kurz den Kopf und guckt mich desinteressiert an, dann rollt es sich wieder zusammen und schnarcht weiter. Winterschlaf muss toll sein. Ich schultere den Reiserucksack, dann ziehe ich die Haustür ins Schloss und trete hinaus in die Kälte.

Als ich das Haus verlasse, schlage ich den Kragen der Jacke hoch und ziehe die Mütze über die Ohren. Es ist kalt. Schweinemäßig kalt, in den letzten Tagen hatten wir minus 10 Grad, und das tagsüber, nachts fielen die Temerperaturen noch viel tiefer. Jetzt sind es „nur“ minus sieben Grad. Autos, Gehwege und Bäume sind weiß übergefroren.

So geht das schon seit Wochen. Es ist alles kalt und dunkel. Ich neige nicht zu Winterdepressionen, schon gar nicht wenn ich ständig beschäftigt bin. Und in den letzten Monaten war wirklich viel zu tun. Jetzt ist mir nach Abwechselung. Statt Arbeit bitte Kultur, statt kalt und dunkel zumindest etwas Sonne und frische Luft. Was bietet sich da besseres an als eine kleine Städtereise?

Der Bus bringt mich direkt bis zum Bahnhof, und kurz darauf sitze ich im ICE nach München. Die Welt, die am Fenster vorbeizieht, ist wie erstarrt. Oder wie eingefroren. Auf den Feldern liegt Schnee, Bäume sind mit Rauhreif überzogen.

Bei Fulda wird es langsam hell, aber die blasse Wintersonne schafft es nicht durch die Wolkendecke. Das Licht bleibt fahl und die Welt farblos.

Ich dämmere ein. Müdigkeit ist ohnehin gerade mein ständiger Begleiter. In den letzten Tagen habe ich mich beim Aufstehen schon darauf gefreut wieder nach Hause zu kommen, um dann früh ins Bett gehen zu können. Eine Art von Wintermüdigkeit, so energielos wie die fahle Welt da draußen bin auch ich.

Erst kurz vor München werde ich wieder wach. Hier habe ich eine Stunde Aufenthalt. Ich wandere auf dem kalten Bahnsteig herum und versuche die Zeit rumzukriegen. Ein italienischer Markt steht in der Vorhalle und verkauft Spezialitäten aus Südtirol und dem Aostatal. Käse, Wurst, Schinken.

Eine Werbung fällt mir ins Auge. Ein Süßigkeitenhersteller wirbt mit einem muslimischen Model. Gefällt mir. In einer Zeit, in der die rechtsradikale AFD im Bundestag sitzt und Hetze gegen Muslime zur Normalität zu werden scheint, begrüße ich solche eindeutigen Zeichen. Und sei es nur von einer Süßwarenfirma.

Als der Eurocity endlich in den Bahnhof einfährt, bin ich froh. Endlich wieder sitzen und weiterdämmern. Gott, bin ich müde.

Der Eurocity über die Alpen wird mittlerweile von der ÖBB betrieben. Wie so viele Verbindungen, die die Deutsche Bahn nicht mehr wollte. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren von allem möglichen getrennt: Autozüge, Nachtzüge, Eurocities… das alles gibt es nicht mehr, zumindest nicht von der Deutschen Bahn. Damit geht auch eine besondere Kultur des Reisens verloren. Früher stieg ich in München in den Nachtzug, legte mich ins Bett, und war am kommenden Morgen südlich der Alpen. HEUTE verfrachtet einen die Deutsche Bahn in einen DB-Fernbus, der einen sitzend über den Brenner fährt und viel länger braucht. Was soll sowas?

Immerhin: Einige Strecken hat die Österreichische Bundesbahn übernommen, und darüber bin ich gerade mal wieder sehr glücklich. Der Eurocity, in den ich nun einsteige, ist zwar alt, aber gut gewartet und bequem.

Die Fahrt geht zuerst nach Rosenheim, quasi einem Vorort von München. Dann geht es über Kufstein und Insbruck in die Alpen.

Skifahrer steigen ein und aus und haben Probleme ihr Sportgerät zu bugsieren, alle naselang fällt ein Bündel Skier um oder ein Rucksack aus der Gepäckablage. Ich sitze am Fenster, höre Podcasts und schaue dabei zu, wie vor dem Fenster eine aufregend bergige Landschaft vorbeizieht.

Gegen Mittag fährt der Zug über den Brenner. Ich mag die Strecke über den Brenner ja sehr, und das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie mit dem Zug und bei Tageslicht fahre und wirklich Zeit habe mir die Landschaft anzusehen.

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Verfasst von - 21. April 2018 in Reisen

 

Großes Blogsterben wegen EU DSGVO? Keine Angst vor Datenschutz!

Heute gleich mehrfach Dinge gelesen wie „Das Blog hier muss leider schließen, als kleiner Blogbetreiber kann die EU-Vorgaben für den Datenschutz nicht erfüllen. Bevor ich abgemahnt werde, höre ich lieber auf zu bloggen“. Da schwingt immer ein „Danke, EU!“ mit, was an ätzender Bitterkeit einem „Danke, Merkel!“ gleichkommt. Dabei gibt´s in der Datenschutzgrundverordnung wenig neues, bislang wurden die Regeln nur vielerorts ignoriert.

Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt, jetzt von einigen genutzt wird um halb verwaiste Blogs zu schließen, die schon länger vor sich hinmodern und konsequenterweise schon vor einiger Zeit hätten dichtgemacht werden sollen. Da sollte man aber auch so ehrlich sein sich einzugestehen, dass man keinen Bock mehr auf´s bloggen hat, oder keine Zeit, oder sonstwas. Das ist überhaupt nicht verwerflich.

Verwerflich ist dagegen die Panikmache. Dabei braucht vor der EU DSGVO kein Blogger Angst zu haben.

Ich sag´s mal ganz klar:

  1. Datenschutz ist was Gutes.
  2. Don´t Panic! Kein Blogger muss Angst vor der Europäischen Datenschutzgrundverordnung haben.
  3. Wer vorgibt, wegen der DSGVO mit dem Bloggen aufzuhören, lügt in den meisten Fällen anderen (und vielleicht sogar sich selbst) in die Tasche.

Gerade nicht-kommerzielle Blogs haben wenig Schmerzen mit der DSGVO. Versucht man allerdings durch bloggen Kohle zu erwirtschaften, steigt der Aufwand. Immer noch nicht ins Unermessliche, aber signifikant. Das ist aber auch so gewollt: Die EU DSGVO möchte nichts anderes, als das man sich Gedanken darüber macht, wie man mit möglichst wenig Daten anderer Leute möglichst bewusst und sorgfältig umgehen kann. Sie möchte, dass man sich Gedanken macht, welche Daten erhoben werden und wozu, und wo die liegen und wie lange. Und sie möchte ins Bewusstsein rücken, dass es nicht OK ist, Nutzer heimlich zu tracken, zu profilen und ihre Daten weiter zu geben oder für sonstwas zu gebrauchen.

Ich bin kein Jurist, habe aber beruflich mit der EU DSGVO zu tun. Von daher weiß ich ziemlich genau von was ich rede, dennoch ist das hier natürlich weder eine Rechtsberatung, noch übernehme ich hier Garantien für Vollständigkeit, Aktualität oder Korrektheit der Angaben oder hafte für irgendwas, auch nicht für verletzte Gefühle. Ich gebe nur mal einen groben Überblick.

Wer sich tiefer über die EU DSGVO informieren möchte, findet viele Quellen dazu im Netz. Für den Einstieg gut und informativ ist z.B. fitfuerjournalismus.de und Datenschmutz, angenehm unaufgeregt informiert auch Binary-Butterfly.

Aber Achtung: Je mehr man dort liest, desto mehr Angst bekommt man wieder vor allen möglichen Verstoßszenarien. Deshalb hier nur mal ganz grobe Informationen, was man als kleiner Blogger, ggf. auf einer Plattform, tun sollte um dem Gedanken der EU DSGVO zu entsprechen.

Sagen wir es alle gemeinsam: Datenschutz ist was Gutes!

Wer mal weniger über Abmahn-Horrorszenarien liest und viel mehr die EU DSGVO direkt, der ist vielleicht etwas beruhigter. Denn:

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Verfasst von - 18. April 2018 in Meta

 

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Frühere Meisterwerke der Videokunst

 
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Verfasst von - 17. April 2018 in Reisen, Trailer

 

Impressionen eines Wochenendes (18): Einfach weggepustet

Ein kleiner Ausflug am Wochenende führte mich in meinen Heimatort. Der liegt im Leinetal, Luftlinie rund 30 Kilometer vom Nordwestlichen Harzrand entfernt. Wenn man von oben auf Deutschland guckt, liegt das Leinetal ziemlich genau in der Mitte und ist damit von allen spannenden Orten maximal weit entfernt. Ein bergiges Gebiet mit vielen Feldern, Wiesen und Wäldern, dass man, wenn überhaupt, nur vom durch- oder dran vorbeifahren kennt.

Mit der letzten Bergkuppe vor dem Tal stimmt irgendwas nicht. Ich kenne die typischen Silhouetten des Leinetals mein ganzes Leben lang. An den Berghängen sind Felder, oben drauf dichter Wald. Also, WIRKLICH dichter Wald. Nicht sowas wie das hier, das aussieht wie Zahnbürste von Oppa.

Ich fahre näher ran, stoppte die V-Strom auf einem Feldweg und kAnn kaum glauben, wie es hier aussieht. Vom Wald ist an dieser Stelle praktisch gar nichts übrig. Es sieht aus wie nach einem Krieg. Die Erde ist aufgewühlt, Wurzelballen umgekippter Bäume ragen in der Luft, Baumreste stehen schief in der Mark.

Erinnert sich noch wer an Friederike? Das war der Sturm, der am 18. Januar 2018 über Deutschland hinwegzog. Die Bahn machte damals komplett dicht, weshalb später vor allem aus Teilen Süddeutschlands heftige Kritik kam. Nach dem Motto „Soll´n das, bei uns war schönes Wetter, kann doch nicht so schlimm gewesen sein!“ Tja, hm.

Die Aufräumarbeiten sind schon beeindruckend weit, dutzende Baumstämme liegen abholbereit am Forstweg. Die Kerben im Holz zeigen, dass das keine Handarbeit war, sondern automatische Harvester am Werke waren, vermutlich ein ganzes Heer. Hauptsache weg mit dem Holz, bevor sich darin Schädlinge einnisten.

Später erfahre ich von einem Forstwirt, das allein in diesem Flurstück so viel Holz gefallen ist, wie man sonst in 5 Jahren schlagen würde: Über 100.000 Kubikmeter. Von überall her wurden Harvester rangekarrt, um der Holzmenge Herr zu werden. Fast rund um die Uhr karren LKW die Baumstämme auf Züge zu den kleinen Bahnhöfen im Leinetal, die das Holz zur Verarbeitung nach Süddeutschland und Polen bringen. Die Holzpreise sind im Keller, aber für die Forsteigentümer lohnt sich das Ganze trotzdem. Sie bekommen vom Land Förderung und Beihilfen für die Beseitigung der Schäden, außerdem Ausfallsgeld und Entschädigungen. Eher ein Grund zum Frohlocken als zur Sorge.

Dennoch, die Zerstörung, die Friederike hier angerichtet hat, ist enorm. In Anbetracht der Tatsache, dass die ICE-Trasse und die Nord-Süd-Achse des Bahnverkehrs nur zwei Kilometer von hier entlang laufen und nicht klar war, ob der Sturm am Harzrand nach Osten weitergeht oder nach Süden abdreht, war die Sperrung des Bahnverkehrs während Friederike absolut richtig, ganz egal ob in Teilen Bayerns zeitweise die Sonne schien oder nicht.

 
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Verfasst von - 17. April 2018 in Ganz Kurz

 

Scheibenkleister: Powerbronze Adventure an V-Strom 650

Machen wir uns nichts vor, einen Schönheitspreis wird die erste Ausgabe der V-Strom 650 nie bekommen. Ist aber auch egal, die kleine Reisetourerin hat ganz andere, hervorragende Qualitäten. Oder anders rum: Sie hat funktional praktisch kaum eine Schwäche. Für mich sogar genau nur eine, und das ist die Scheibe. Im Auslieferungszustand ist die so mittelhoch und ziemlich problematisch, denn dahinter bilden sich Luftwirbel, die dem Fahrer genau auf den Helm ballern. Keine Ahnung wie sowas passieren kann, es wirkt, als hätten die Konstrukteure die Kiste nie in einem Windkanal getestet. ODER sie haben Testfahrer da drauf gehabt, die gerade mal einen Meter groß waren.

Wie auch immer, die Standardscheibe ist großer Mist und der Abstand Fahrzeugfront/Fahrer so seltsam, dass man die Luftwirbel nie ganz loswerden wird. Es gibt nun zwei Möglichkeiten das in den Griff zu bekommen:

1. Anderer Neigungswinkel der Scheibe.
2. Andere Scheibe montieren.

Um den Winkel zu verändern baut Ingenieur Mark Stadnyk verstellbare Halterungen. Die sind gut und bringen was. Bei mir ist es allerdings so, dass der Winkel der Standardscheibe so flach sein muss, dass es nicht mehr praktikabel ist.

Bei den Scheiben gibt es nun zwei Geschmacksrichtungen. Man kann den Anspruch verfolgen möglichst wind- und wettergeschützt zu sitzen, dann wird man eine hohe Scheibe mit einem Spoiler verwenden. Sowas wie das hier:

Die „Airflow“-Scheibe von Givi ist hier Maß der Dinge. Der Vorteil ist klar: Wetterschutz par Excellence. Die Nachteile: Das Mopped sieht aus wie eine rollende Schrankwand, man hat die Scheibenkante und das Spoilergedöns im Sichtfeld, und auch bei heißem Wetter bekommt man keinen Fahrtwind mehr ab. Damit funktioniert auch die Helmlüftung nicht mehr.

Ich komme eher aus der anderen Richtung. Die ZZR ist eine Sporttourerin, die kann gar keinen Wetterschutz bieten. Die Scheibe dient bei der dazu, die Luft über die Schultern des Fahrers zu lenken. Damit sind Brust und Arme vom Winddruck entlastet, und idealerweise liegt der Helm ohne Verwirbelungen im Windstrom und wird gut belüftet. Der Nachteil ist natürlich: Wetterschutz gibt´s nicht, Regen, Nebel und alles andere geht direkt auf den Helm.

Um so ein Sporttourverhalten bei der V-Strom hinzubekommen gibt es nicht viele Möglichkeiten. Ganz mutige setzen den Dremel an und kürzen ihre Originalscheibe, was natürlich verboten ist. Aber Not macht halt erfinderisch. Von Suzuki gab es nur mal für ganz kurze Zeit eine dunkle Sportscheibe her, die signifikant kürzer war, die aber schon lange nicht mehr verkauft wird.

Sportscheibe vs. Standardscheibe.

Die ist nicht schlecht, leider aber nicht kurz genug und dazu recht schmal: Bei Touren bekommen meine Schultern Windwirbel ab. Das nervt auf Dauer, weshalb ich die erste größere Tour im vergangenen Jahr doch mit der Standardscheibe gefahren bin.

Hellhörig wurde ich, als ein geneigter Leser mich auf die Adventurescheibe der englischen Firma Powerbronze hinwies. Die hat die Breite der Orginalscheibe, ist aber kürzer als die Sportscheibe.

Links die Standardscheibe, Mitte die Powerbronze Adventure, rechts die Suzuki Sportscheibe.

Montiert sieht das Ganze so aus:

Meine Scheibe ist dunkel getönt, es gibt sie aber in über 20 Farben von gelb bis eis blau.

Die Bestellung erfolgt über die Webseite des deutschen Importeurs, dann heißt es warten – die Scheibe wird extra gefertigt. Je nachdem ob die Auftragsübermittlung zeitnah geklappt hat und der Importeur die Ware auch gleich weiterschickt, kommt nach 4 Wochen (Zeit lt. Website) und 12 Wochen (in meinem Fall) eine Scheibe ins Haus. Der liegt ein Kantenschutz und ein Aufkleber mit einer KBA-Nummer bei, der angebracht werden muss. Das entsprechende TÜV-Gutachten dazu kann man sich auf der Website von Powerbronze runterladen und muss es ausgedruckt mitführen.

Die Passform der Scheibe ist so làlà – die Bohrungen sind leicht versetzt. Man bekommt sie fest, aber Hochpräzision sieht anders aus. Was auffällt: Die „Adventure“ ist wirklich der Minirock unter den Scheiben. Sie ist schon fast albern kurz, ein paar Zentimeter mehr hätte nicht geschadet. Weil sie so kurz ist, verträgt sie sich auch mit dem Madstad-Halter nicht hundertprozentig: Der guckt nämlich oben raus.

Nichtsdestotrotz ist das Fahren mit der Scheibe angenehm. Keine Verwirbelungen, die an den Schultern zuppeln, und kein Geballer am Helm. Allenfalls noch leichtes Rauschen und Flappern, aber damit kann ich leben. Vermutlich. Ein wenig Arbeit an den Einstellungsmöglichkeiten mit Höhe und Neigungswinkel wird noch zu tun sein, aber in der Summe ist die Adventure die Scheibe, die meinen Vorstellungen bislang am Nächsten kommt.

 
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Verfasst von - 16. April 2018 in Motorrad

 

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Reisetagebuch London (11): Goldbarren, Custard und das Rennen nach Hause

Die kleine Reise nach London ist fast vorbei. Heute gibt es nur noch einen Geburtstagsapfelkuchen, ich hantiere mit Goldbarren rum, laufe 30 Kilometer durch die Stadt und mache mich dann auf den Weg nach Hause – was sich aber unerwartet schwierig gestaltet und in ein Abenteuer mit einer Wanderdüne ausartet.

Samstag, 11. Februar 2017
Der Tag beginnt frustig – es ist Wochenende, und Transport for London, die Behörde, die für Busse und U-Bahn zuständig ist, hat die wichtige „Circle Line“ der U-Bahn für Wartungsarbeiten stillgelegt. Statt 10 Minuten brauche ich fast eine Stunde, bis ich endlich bei Speedys bin.

Wer Besitzer Chris kennt, weiß, dass Speedy sein Spitzname ist – und pure Ironie. Denn Chris ist vieles, der Schnellste ist er aber nicht. Er nimmt sich gerne viel Zeit, und hat mir schon mal die Vorzüge von langsam gebrauten Café auseinandergesetzt und für diese Erklärung gute drei Minuten gebraucht – länger als besagter Kaffee. Rasend schnell sind aber seine Angestellten, die einem in Rekordzeit Frühstück zaubern.

Heute gibt es den „Full Monty“, ein komplettes Frühstück inkl. „Black Pudding“, gebratenem Kartoffelpüree, Bohnen, Speck, Ei und einer sorgfältig getöteten Tomate, die als Alibi für Gemüse herhalten muss.

Black Pudding ist wohl sowas wie gebratene Blutwurst. Kannte ich beides nicht, weder den Schwarzen Pudding noch Blutwurst, deshalb musste ich das jetzt mal probieren, weil ich mich schon beim Gedanken an eingekochtes Blut ekele. Aber warum reist man? Um neue Dinge kennen zu lernen und sich Sachen zu stellen, die man normalerweise nicht machen würden. Um sich zu überwinden. Erstaunlicherweise schmeckt der Blutpudding dann aber nicht so schlimm wie erwartet. Nochmal brauche ich das aber auch nicht.

Danach gibt es noch einen Geburtstagsapfelkuchen mit Custard, und weil ich diesmal um die Gefährlichkeit der klebrigen Vanillepuddingsauce weiß, halte ich sie weit von meinem Telefon entfernt.

…to me!

Danach laufe ich durch südlich gelegene das Univiertel und bewundere mit mildem Interesse die alten Bauwerke.


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Verfasst von - 14. April 2018 in Reisen

 
 
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