Reisetagebuch (11): Yogagleiter

Reisetagebuch (11): Yogagleiter

Reisetagebuch mit der Morrigan durch Italien. Heute mit mehr Text als Bildern, weil ich vor lauter Action vergesse Fotos zu machen.

Sonntag, 13. Juni 2025, Mondaino
Auch wenn er gerade alles in allem einen ziemlich frustrierten Eindruck macht, seinen Sinn für Humor hat Marco noch nicht verloren. “So kann sich jeder ein Stück in einer Größe nehmen die ihm zusagt” – er hat den Frühstücks-Karottenkuchen auf unnachahmliche Art geteilt.

Wenig später braust die V-Strom durch das neue Tor des Gasthofs und verschwindet in den Bergen westlich von Mondaino.

Es geht stramm nach Westen, auf den Appenin zu und in ihn hinein. Ich möchte heute einen Deutschen besuchen, der in der Nähe von Arezzo haust, im wahrsten Sinne des Wortes. “Jörg Yogagleiter” nennt er sich selbst, auch wenn ich bezweifele, dass das sein echter Nachname ist.

Jörg ist ein skurriler Typ. Wir haben zusammen einen italienischkurs an der Volkshochschule besucht. Der Italienischkurs wurde online abgehalten, von einer jungen Frau aus und in Palermo. Gerade in den Wintermonaten, wo in den überheizten Klassenräumen der Volkshochschulen gerne Grippe- und Corona-Infektionen ausgetauscht werden, schien ein Onlinekurs eine gute Idee zu sein.

Außer mir nahmen noch vier Frauen daran teil, und eben Jörg. Der meldete sich in Zoom immer mit dem Namen “Yogagleiter” an, denn er ist ein Yogalehrer-Lehrer. Also jemand, der andere Yogalehrer ausbildet und dazu auch Klangschalen streichelt, handauflegt und Tantrasachen und sowas macht, und dafür auch mal durchs Land fahren muss.

Das führte dazu, dass man im Hintergrund von Jörgs Webcam mal ungemachte Betten sah, mal kleine Hotelzimmer, und einmal saß er mit einer Stirnlampe auf dem Kopf in seinem VW-Bus an einer Autobahnraststätte und nahm so am Kurs teil. Häufig hockte er aber in einer Pension mitten im Wald hinter Arezzo, in der Nähe “seines” “Häuschens”.

Dieses “Häuschen” war der Grund, weshalb er den Kurs mit großer Disziplin durchzog, weil er unbedingt italienisch lernen MUSSTE, um mit Anwälten und Behörden klar zu kommen. Jörg hatte nämlich ein “altes Bauernhaus mit Grundstück in der Toskana” von einer Bekannten gekauft. Klingt wildromantisch, aber was er so nebenbei erzählte, klang nur noch wild.

Zum einen bestand das “Häuschen” wohl nur aus ein paar groben Steinmauern mit einem baufälligen Dach darüber.

Jörgs Liegenschaft.

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Reisetagebuch (10): Hundstag

Reisetagebuch (10): Hundstag

Samstag, 12. Juni 2025

“Mamma, ich habe Dir doch gesagt, er bleibt nur einen Tag. Ja, er fährt wirklich gleich wieder los!”, höre ich Mauro in der Küche.
“Aber warum macht er denn sowas!”, entrüstet sich Anna.

Ach, schon schön, wenn die Gastwirte traurig sind, wenn man abreist. Aber das war hier halt nur eine Zwischenstation auf dem Weg weiter in den Norden. Hmm, selbstgemachte Konfitüre. Und Kuchen!

Anna streckt den Kopf aus der Küche “Warum fährst Du heute schon wieder?”, fragt sie.
“Ich habe versprochen, einem Bekannten in Arezzo zu treffen”, nuschele ich mit Kuchen im Mund.

Sie schüttelt den Kopf und verschwindet wieder.

Draußen steht bereits die fertig bepackte V-Strom. Die wird heute morgen belagert. Von Gigi…

…Fioretta…

…und von Jack.

Jack ist mein Lieblingshund hier, und ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Als ich mich Jack nähere, bekomme ich ein kurzes, aber sehr aggressives Bellen.

Ah, Okay, Message angekommen: Anders als Fioretta ist Jack definitiv kein Streicheltier. Er ist ein abruzzesischer Schäferhund. Als solcher patroulliert er die Grenzen der Farm, manchmal tagelang und immer auf eigene Faust. Die Abruzzeser sind extrem loyal, kräftig und unglaublich mutig – die nehmen es sogar mit Bären auf.

Ich winke dem Team der Vecchia Fontana zu, dann rollt die Morrigan zwischen den Hunden hindurch und den steilen und kaputten Weg hinab, um sich dann über die Bröckelstrecke zur Straße hochzukämpfen.


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Momentaufnahme: Januar 2026

Momentaufnahme: Januar 2026

Herr Silencer im Januar 2026

Wetter: Wir starten ins neue Jahr mit ordentlich Schnee, Regen und dann mehr Schnee, bei +2 bis -11 Grad. Nach einem kurzen Hüpfer über die Null-Grad-Grenze frostet es dann weiter, wieder bis -7 Grad. Und es beginnt zu schneien und hört nicht mehr auf, in einer Nacht 20 Zentimeter, dann immer 5 hinterher plus gelegentlichen Eisregen. Ungemütlich.


Lesen:


Terry Pratchett: The Wee Free Men [2003, Kindle]
Tiffany Aching ist neun Jahre alt und lebt im Kreideland, den Hügeln voller Schafe am Fuße der Spitzhornberge. Sie ist gut in der Herstellung von Käse, und sie sieht DINGE. Allerdings nicht Dinge, die nicht da sind – das tun alle Menschen, ständig. Sie sieht Dinge, wie sie wirklich sind. Das macht sie zum idealen Material für eine Hexe.

Geschichten von der Scheibenwelt sind mein cosy Ort, mein Hygge, mein Safespace – und weiß Gott, sowas kann gerade jeder brauchen.

Vor 22 Jahren habe ich meiner Ziehtochter die Geschichte der “Wee Free Men” vorgelesen, damals auf Deutsch. Über die “kleinen freien Männer” konnte ich mich damals wie heute amüsieren. Die versoffenen, rauflustigen und gerade mal 10 Zentimeter großen schottischen “Feen” sind sowas wie Pumuckls unflätige Cousins. Schon klar, dass der friesische Dialekt, der in der deutschen Übersetzung verwendet wurde, nicht ganz so gut rüberkommt wie der schottische im Original, aber Crivens!, die englische Version ist auf so vielen weiteren Ebenen einfach nochmal so viel besser mit ihrem “Nae ken” (Ich weiß nicht) oder “Waily! Waily! Waily!” (Oh je!) von Daft Wullie.

Die deutsche Fassung wurde damals, meine ich, auch als Buch für Kinder und Jugendliche beworben, weil der Young Adult-Markt durch Harry Potter gerade boomte. Mag sein, dass die Übersetzung sich dem angepasst hat, in der englischen Version ist das hier kein Kinderbuch. Besser noch: Tiffany Aching führt vor, was der Unterschied zwischen Zauberern und Hexen ist. Das ganze Buch über sucht sie eine Schule oder eine Universität, in der sie lernen kann, wie eine Hexe sein soll – und findet dann heraus, dass das echte Leben die Schule ist.

Terry Pratchett: A Hat Full of Sky [2005, Kindle]
Die Ausbildung beginnt. Auch wenn Tiffany Aching die böse Feenkönigin mit nichts weiter als einer Bratpfanne besiegt hat, eine Hexe ist sie noch lange nicht – und vielleicht wird sie auch keine werden, denn selbst einfachste Magie will ihr nicht gelingen. Sie beherrscht nur einen Trick: Sie kann für sehr kurze Zeit ihren Körper verlassen.

Als sie das tut und wieder zurück will, ist der Körper allerdings besetzt von einem Hiver, einem sehr alten und sehr mächtigen Wesen. Zum Glück bekommen die Nac MacFeegle das mit und schmieden einen “PLN”.

Herzallerliebst und sehr, sehr spannend. Pratchett erzählt hier in Hochform: Gefahr und Risiko sind hoch, die Helden erleben eine echte Heldenreise und die Charaktere sind so herzig, dass es wirklich berührt, wenn der Hiver beginnt die zu töten.


Hören:


Sehen:

Tron Ares [2024, Disney+]
Ein cholerisches Jüngelchen hat einen 3D-Drucker erfunden, der aus Luft und Liebe rote Autos, schlecht gelaunte Leute und Jared Leto druckt. Dummerweise zerfällt das alles nach 29 Minuten wieder. Als eine Frau auf einem Gletscher Orangen pflückt, soll Jared Leto ihr Geheimnis klauen.

Ach, man möchte sich nach Ansehen von “Ares” das Hirn ausspülen. Die Story ist knackedoof, die Schauspieler einfach nicht gut und alles ist erkennbar als Jared Leto-Vehikel gebaut. Irgendwie denkt Hollywood immer noch, der sei ein Star und Kassenmagnet – dabei hat man als informierter Zuschauer bei dem Namen eher den Geruch von kaltem Sperma und Bilder von toten Ratten im Kopf. Assoziationen, die sich der Typ nach dem Dreh von “Suicide Squad” eingefangen hat, nachdem bekannt wurde, dass Teil seines “Method Actings” war, Kolleginnen benutzte Kondome und tote Kleintiere zu schicken.

Dieser Jared Leto steht also in einer kackdummen Handlung rum und hat sichtlich keine Ahnung, was er hier eigentlich spielt. Seine Figur handelt erratisch und guckt permanent, als sei hinter der Stirn einfach kein Licht an.

Da hilft es dann auch nicht, dass die Musik von Nin Inch Nails selten zu den Szenen passt, über die sie drübergeklebt ist. Beim Vorgängerfilm “Tron Legacy” gaben Daft Punkt dem Film einen besonderen Vibe und schwangen im Flow mit dem Film, bei “Ares” spielt sich NIN permanent und unangenehm unpassend in den Vordergrund.

Schick ist das rote Produktionsdesign, aber das reisst es nicht mehr raus.
“Ares” ist pfui.
Und auf Disney+ ist der Ton schon wieder unter aller Sau.

Automata [2014, BluRay]
In einer Art Billo-Blade Runner Welt gibt es nur noch wenige Menschen. Die vegetieren in Riesenstädten dahin, die von Robotern am Laufen gehalten werden. Diese Roboter haben zwei unumgängliche Direktiven:
1. Es ist ihnen verboten, ein Lebewesen zu verletzen oder die Verletzung zuzulassen.
2. Es ist ihnen verboten, sich selbst oder einander zu verändern.

Als ein Roboter dabei erwischt wird, wie er doch heimlich an sich herummanipuliert, wird Antonio Banderas eingeschaltet. Der glaubt nicht daran, das Roboter ein Bewusstsein entwickeln können, erfährt dann aber, dass die beiden Roboter-Direktiven nicht von Menschen stammen und so komplex programmiert sind, dass auch kein Mensch sie jemals wird verstehen können.

Interessanter SciFi-Mystery mit einer coolen Prämisse und teils intensiven und gut geschriebenen Szenen. Leider kommt auf jede gute Szene zwei, die zu lang ausgewalzt oder zu kompliziert sind, und vermutlich ist der Film deshalb ziemlich gefloppt.

Das ist schade, denn er sieht besser besser aus als das Budget vermuten lässt und ist gespickt mit Stars, neben Banderas kommen auch Dylan McDermott und Melanie Griffith kurz vor. Letztere war damals noch mit Banderas verheiratet, vermutlich hing sie zu oft am Set rum und musste dann mit vor die Kamera.

White Out [2009, BluRay]
Kate Beckinsale ist US-Marshal und hat ein ungewöhnliches Revier: Den Südpol. Dort hat sie zwei Jahre ruhigen Dienst auf der Amundsen-Scott-Station hinter sich gebracht, nun geht es in wenigen Tagen nach Hause. Oder auch nicht, denn plötzlich liegt mitten im Eis ein toter Geologe. Der erste Mord in der Antarktis!

Beckinsale versucht den Fall zu lösen, hat dafür aber nicht viel Zeit: In 48 Stunden setzt ein Sturm ein, die Temperatur fällt auf minus 70 Grad und der antarktische Winter beginnt, weshalb sich die Station für ein halbes Jahr einigeln und den Kontakt zur Außenwelt verlieren wird.

Spannender Thriller der Dark Castle Studios, die schon coole Dinge wie “13 Ghosts”, “Ghost Ship”, House of Wax” oder “Suburbicon” gemacht haben. Die Filme folgen immer dem Muster: ein bis zwei Stars, gute Geschichte, niedriges Budget, kreative Umsetzung. In “White Out” springt denn auch neben Kate “Seline” Beckinsale auch Tom Skerrit (Top Gun) herum. Das Setting ist unverbraucht, die Story ist gut – einzig die Inszenierung haut hier in den Sack.

Die Regie ist sich nämlich nicht sicher, ob sie die Forschungsstation im Eis als düsteren, klaustrophobisch engen Ort zeichnen möchte, oder als Erstsemester-Saufparty von männlichen Wissenschaftlern – und macht einfach beides. Das wirkt seltsam und tonal daneben, kriegt zum Glück aber kurz vor Schluss die Kurve auf die Action-Thriller-Bahn. Man spürt das verschenkte Potential, geht aber trotzdem zufrieden aus dem Film. Kein Top-Hit, aber spannend und gut schaubar.


Spielen:

Resident Evil 4: Separate Ways [2023, PS5]
Geheimagentin Ada Wong arbeitet für den bösen Umbrella Konzern. Der hat Pläne mit “La Plaga”, der Seuche auf einer spanischen Insel. Während Ada hinter dem Kern der Plage her ist, stolpert zeitgleich auch Leon Kennedy über die Insel.


Netter kleiner, rund sechsstündiger, DLC zum Resident Evil 4 Remake von 2023. Er bildet die Parallelhandlung zum Hauptspiel ab, in dem die geheimnisvolle Ada ja immer wieder mal auftauchte und dem Helden half. In “Separate Ways” wird erklärt, wie es dazu kam und was Ada in der Zwischenzeit machte. Schön umgesetzt, nichts wird ausgewalzt bis es nervt, wenige Bosskämpfe, sehr spannend und definitiv die 8 Euro wert.

Resident Evil Village: Shadow of Rose [2022, PS5]
16 Jahre sind seit den Ereignissen von Resident Evil Village vergangen. Rose Winter, die Tochter der damaligen Hauptfigur, wächst allein und einsam auf. Sie trägt immer noch das Metamycel in sich, dass ihr besondere Kraft verleiht, sie aber auch zur Außenseiterin macht. Dann erhält sie die Chance, diese Kräfte los zu werden und ein normales Leben zu führen. Dazu muss sie gedanklich nur tief ins Mycel-Netzwerk eindringen.

Ein netter, kleiner, dreistündiger DLC, der im Wesentlichen aus drei Teilen besteht: Erkundung eines recycelten Schloss Dimitrescu, Horror in einem recycelten Haus der Puppenmacherin und Rumrennen in einem recycelten Dorf.

Dank neuer Spielmechaniken und cleverer Puzzle fühlt sich das aber nicht nach Recycling an und macht durchgehend ziemlich Laune.

Leider bündelt der kleine DLC auch unnütze Erweiterungen wie den Multispielermodus und eine Third-Person-Ansicht auch für das Hauptspiel (Dann doch. Endlich hört wer auf mich. First Person ist halt IMMER eine schlechte Idee bei 3D-Spielen!) und wird deshalb immer noch für 20-30 Euro gehandelt. Das ist zu viel Geld für lediglich drei Stunden Spiel. Er ist aber auch Bestandteil der RE VIII-Goldedition.


Machen:

  • Arbeiten. Es gibt einfach keine Ruhephasen mehr.

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Eine Miniratsche der englischen Firma SaberCut, eine MRSC07.

Die ist sehr klein…

…es gibt eine Verlängerung…

…der Kopf lässt sich abwinkeln…

… und die Verlängerung lässt sich als T-Stück nutzen.

Leider arschteuer. Zu spät habe ich gemerkt, dass es genau das Teil auch von KS Tools gibt, da kostet es nur die Hälfte.

Zusammen mit dem Mini-Zangenschlüssel (links), der Maulschlüssel bis Größe 23 ersetzt, schrumpfen die beiden Dinger das Bordwerkzeug der V-Strom etwas.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisetagebuch (9): Tödliche Geschwindigkeit

Reisetagebuch (9): Tödliche Geschwindigkeit

Mit der V-Strom durch Italien. Heute vom Molise in die Abruzzen.

Mittwoch, 11. Juni 2025
Der Topfkuchen ist von allein und über Nacht schon wieder kleiner geworden. Egal. Für mich reicht´s noch, denke ich, als ich wieder allein, im Halbdunkeln von Nonna Vincenzas Wohnzimmer sitze, unter den Blicken von unzähligen Puppen und Keramikfiguren. Ich bin nicht unfroh, dass ich heute Nacht woanders verbringen werden – bei Freuden, die sich schon auf mein Kommen freuen.

Die Morrigan rauscht über perfekt ausgebaute Straßen durch das grüne Molise und überholt nur gelegentlich mal einen Lieferwagen oder vereinzelte Radfahrer.


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Alternativen zu Gmail, iCloud & Co: Weg von US-Services!

Alternativen zu Gmail, iCloud & Co: Weg von US-Services!

Die USA prägten jahrzehntelang Kultur und Politik in Europa. Das hatte Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen von uns. Wir sind mit amerikanischer Musik, amerikanischen Filmen und amerikanischen Produkten aufgewachsen. Die USA waren ein Teil europäischer Identität, und dementsprechend hatten die meisten von uns wenig Berührungsprobleme, als aus dem Silicon Valley coole und meist kostenlose Services in die Welt getragen wurden. Die wurden schnell Teil unseres Alltags.

Wir kommunizieren über Whatsapp oder verbringen Zeit auf Facebook oder Instagram, die allesamt Marc Zuckerbergs “Meta” gehören. Wir nutzen Gmail, Google Maps oder Google Docs. Wir sehen dabei zu, wie die KI Copilot immer tiefer in Microsoft Windows und Office integriert wird und immer mehr Dateien nach OneDrive überträgt. Wir syncen Fotos über Apples iCloud und lesen Bücher über Amazons Kindle. Aber ist das alles wirklich noch zeitgemäß?

Alle diese Dienste haben zwei Gemeinsamkeiten:
1. Sie sind in der Hand von Konzernen. Deren Daseinszweck ist Steigerung des Shareholder Value und damit per Definition: Gier.
2. die US-Regierung kann auf alle Daten dieser Unternehmen zugreifen.

Für Letzteres sorgt der Cloud Act von 2018, der besagt, dass die Behörden der USA auf alle Daten amerikanischer Unternehmen zugreifen dürfen, selbst dann, wenn deren Server in Europa stehen. Es bringt also nicht, wenn Microsoft beteuert, dass seine Cloudserver in Frankfurt stehen – wenn die US-Regierung es will, greift sie auf die dort gespeicherten Clouddaten von deutschen Nutzern zu. Dazu gehören Arbeitsdokumente genauso wie private Dateien und persönliche Fotos.

Apple behauptet aktuell noch, dass iCloud-Daten so verschlüsselt sind, dass niemand außer den Nutzer drankommt. Aber wie lange ist das noch der Fall? Die USA sind im vergangenen Jahr in eine faschistische Autokratie abgerutscht. Apple-Chef Tim Cook bringt Trump goldene Präsente und küsst gemeinsam mit den anderen Chefs von Big Tech seinen Ring.

Redefreiheit und Grundrechte sind außer Kraft gesetzt oder unterliegen der Willkür. So müssen Einreisende in die USA aktuell ihre Social Media-Konten angeben, die dann von einer KI fünf Jahre rückwirkend ausgewertet und auf Regimekonforme Einstellungen geprüft wird.

Findet sich Trump-Kritisches, wird das als Beleidigung des Führers gewertet und die Einreise kann verweigert werden. Bereits geplant ist, das auf die Konten von Angehörigen auszuweiten. Meine Schwester wird dann nie wieder in die USA reisen können, weil sie einen Bruder hat, der die Gesinnungsprüfung nicht bestehen würde. Oh wait, GENAU sowas ist ja der Grund, weshalb ich pseudonym blogge.

Aber möchte man, dass in Zukunft das rachsüchtige US-Regime auch die eigenen Clouddaten durchsucht, um zu schauen, ob man auf Linie der Faschisten liegt? Und diese Infos vielleicht sogar mit einer AFD-Landesregierung teilt?

Zum Glück gibt es starke und teils sogar bessere Alternativen zu den US-Services. Die sind in vielen Fällen nicht mal funktional schlechter oder weniger gut in Mobilgeräte oder Desktoprechner integriert. Wichtig auch: Da die meisten nicht auf Teufel komm raus Aktionäre zufriedenstellen müssen, Durchlaufen sie keine Phase der Enshittification, bei der die Services immer schlechter werden, bis keiner mehr Freude dran hat.

Die Alternativen sind oft nicht mal weniger zuverlässig. Denn wer glaubt, dass seine Daten ja vor Verlust geschützt seien, weil sie bei einem großen Konzern liegen, der irrt. Erst jüngst hat Microsoft es wieder mal geschafft, Onedrive-Inhalte von Tausenden von Nutzern zu verbaseln, und die Backups gleich mit.

Ich möchte hier kurz vorstellen, welche Alternativen ich nutze, und wo ich vielleicht doch noch nicht ganz von US-Firmen wegkomme oder weg will. Richtig fein raus ist man natürlich, wenn man Ahnung von der Materie hat und einen eigenen Server betreibt, wo man sich dann selbst etwas aus freier Open-Source-Sofware bauen kann. Leider gehöre ich nicht dazu und erschrecke mich schon, wenn ich nur eine Konsole benutzen soll.

Ich komme von der Anwenderseite, und habe trotzdem einige schöne Alternativen entdeckt und kann die gut nutzen. Der Wechsel hat nicht mal weh getan, im Gegenteil: Ich habe eine Freude an den guten neuen Services und meiner wiedergefundenen digitalen Souveränität!

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Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

Montag, 09. Juni 2026, Tropea
Die Sonne knallt vom Himmel, und schon um 08:00 Uhr ist es bereits wieder über 25 Grad warm.

Nachdem ich die Koffer zum Motorrad getragen habe, bin ich schon das erste Mal schweißgebadet und froh, als ich endlich losfahren kann.

Natürlich sucht sich exakt diesen Moment ein Papa mit Kinderwagen aus, um in den Weg zu springen. Das Kind guckt scheel, als ob es sich nicht entscheiden kann, ob es das Motorrad vor seiner Nase nun cool oder unheimlich findet.

Nachdem ich einmal durch die neuen Vororte von Tropea und damit um das Felsplateau mit der Altstadt drauf herumgefahren bin, schwenke ich die Morrigan auf die Küstenstraße ein. Südlicher wird diese Tour nicht mehr, jetzt geht es gen Norden.


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Eisregen 1994

Eisregen 1994

Heute: Alle Mitarbeiter der Firma im Homeoffice. Wir haben uns eingegraben, die Order ist: Nicht vor die Tür gehen, auch nicht als Fußgänger.

Das wird gerade ein wenig belächelt, weil: Ein Bißchen Niesel auf nassen Boden, wie schlimm kann das schon sein? Und tatsächlich scheint der richtige Regen gerade an Götham vorbei zu ziehen.

Trotzdem: Lieber belächelt werden als die volle Wucht eines echten Eisregens aushalten. Ich unterschätze dieses Phänomen nicht, denn ich habe schonmal einen echten Eisregen mitgemacht. Das war 1994, vermutlich im Februar.

Ich hatte am Abend noch unsere Abi-Vorbereitungsgruppe zu Gast, und als wir uns am späten Abend auflösen wollten, stellte sich raus: Es hatte geregnet. Und das nach wochenlangem, niederschlagsfreiem Frost mit einstelligen Temperaturen unter Null.

Am späten Abend war die Straße so glatt, dass meine Klassenkamerad:innen nicht mehr mit dem Auto nach Hause wollten. Ein weiser Entschluss, denn mein Elternhaus lag auf einem Berg, mit steilen Straßen nach allen Seiten. Kam man da ins rutschen, hatte man nur noch eine Möglichkeit: Den Wagen irgendwie schräg gegen die hohen Bordsteine zu lenken und so vorsichtig wie möglich daran ins Tal gleiten. Damals ging das noch, weil die Felgen stabil, nicht alles vollgeparkt und die Bordsteine frei waren. Ein Vergnügen war es trotzdem nicht.

Es regnete weiter, die ganze Nacht durch. ich hatte nun zwei Probleme: 1. Ich musste um 5:00 Uhr Zeitungen austragen, 2. Steffi.

Steffi war in mich verschossen und hatte es sich in den Kopf gesetzt, mich unbedingt beim Zeitungen austragen zu begleiten und ließ sich das auch nicht ausreden.

Ich hatte im Keller eine komische Konstruktion aus der Zeit meines Großvaters gefunden: Lederriemen, die Ketten und Metallfedern zusammenhielten. Schnallte man sich die über die Schuhe, hatte man die Federn und Ketten unter der Sohle. Wie Schneeketten für die Schuhe. Problem: Davon gab es nur ein Paar, und ihr Nutzen war beschränkt.

Als Steffi und ich mitten in der Nacht vor die Tür traten, lag sie praktisch sofort auf der Nase, ich musste mich am Zaun entlang bis zur Gartenpforte hangeln.

Alles, alles war mit einer dicken Schicht Eis überzogen. Die Straße, Treppen, Zäune, Häuser… einfach alles. Steffi zog sich noch tapfer ein paar Socken über die Schuhe, aber das brachte nichts. Es war praktisch unmöglich, sich auf der dicken Eisschicht und den abschüssigen Wegen und Straßen am Berg fortzubewegen.

Ich schaffte es gerade noch, mich mit den Schuheisen und der schweren Zeitungstasche über der Schulter von Haus zu Haus zu hangeln, hinter mir plumpste Steffi praktisch pausenlos zu Boden. Das manche Dinge voll hybsch aussahen, wie mit Eis überzogene Laternen oder in einen Eispanzer gehüllte Krokusse und Schneeglöckchen, war zwar faszinierend, die Strapazen aber nicht wert.

Wir sprechen hier wirklich von so einem Kaliber an Fuck-Up:

Irgendwie schafften wir es es die Zeitungsrunde zu Ende zu bringen, ohne uns etwas zu brechen. Dann stand nur noch eine Herausforderung an: Wieder zurück zu meinem Elternhaus zu kommen, das ganz oben auf dem Berg lag. Um dorthin zu gelangen, mussten wir uns wirklich an den Gartenzäunen hochziehen, weil fester Stand unmöglich war.

Während wir uns also Meter für Meter den Berg hochkämpften, hörten wir Knack-Laute. Das ungute Geräusch von knackenden Ästen, die dabei waren zu brechen.

Als der Tag anbrach, war die Welt ein vereistes Wunderland, Steffis Hinterteil blitzeblau, ein Apfel- und zwei alte Sauerkirschbäume in unserem Garten unter der Eislast auseinander gebrochen und ich um eine Erfahrungg reicher, die mich lehrt: Unterschätze nie, NIEMALS Eisregen. Lieber ein Mal zu oft zu Hause bleiben als noch einmal in so einen Mist hinein zu geraten.

Das Erlebnis war offensichtlich sehr prägend. Seit diesem Tag liegt unter dem Fahrersitz von jedem Auto, das ich besessen habe, ein kleines Päckchen. Darin: Spikes, die man sich über die Schuhe ziehen kann.

Reisetagebuch (7): Tropea

Reisetagebuch (7): Tropea

Eine sommerliche Fahrt mit der Morrigan durch Süditalien. Heute mit Tartufo-Eis und Zwiebelkonfitüre.

Freitag, 07. Juni 2025
Das war leider bereits meine letzte Nacht im Colledisisto. Heute morgen hat Nadia wieder Frühschicht, und sie war schon beim Bäcker – es gibt eine Quarktasche mit FEIST Quark drin, da brauche ich heute den Rest des Tages nichts mehr zu essen.

Als Nadia nach dem Frühstück mit geübten Handgriffen die Rechnung zusammenschreibt, fragt sie nebenbei “Und, kommt Du wieder?”
“Auf jeden Fall!”, sage ich, “Aber ich weiß nicht wann – Pomarico ist nicht um die Ecke.”
“Dann sage ich jetzt “Bis zum nächsten Mal”, sagt sie.
“Bis zum nächsten Mal”, erwidere ich.

Draußen steht die V-Strom, schon fertig bepackt, im Schatten des Wirtshauses. Gott, ist es schon wieder heiß!

Als ich das Motorrad anlasse, meine ich ein seltsames Tickern aus dem Motor zu hören. Was ist das denn jetzt? Die Ventile? Doch zu viel Öl, das irgendwo rausdrückt? Ich verdrehe die Augen über mich selbst. Nein, ich WILL MIR JETZT KEINE SORGEN MACHEN, sage ich mir und schiebe das Problem, wenn es denn eines ist, in eine staubige und dunkle Ecke meines Hinterkopfs.

Kurz darauf kurvt die Morrigan die Strecke vom Bergrücken Pomaricos hinab und in den Glutofen der Basilikata. Auf einer Landstraße geht es nach Süden, auf´s Meer zu, und dann daran entlang und nach Westen. Das hier ist die Sohle des italienischen Stiefels.


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Reisetagebuch (6): No Time to Die

Reisetagebuch (6): No Time to Die

Donnerstag, 05. Juni 2025
Heute morgen wartet Nadia persönlich am Fuß der Treppe. Wir haben recht viel Kontakt über Instagram. Sie ist die älteste der Schwestern, die das Colledisisto führen, und geht begnadet mit Social Media um. Auf ihrem Instagram-Kanal kann man immer wieder sehen, wie in der Küche tolle Dinge zubereitet werden, oder wie der Gastraum und der Außenbereich des Restaurants für Feiern dekoriert ist.

Eine frische Iris liegt auf meinem Teller, das ist ein fluffiges Gebäck gefüllt mit sämiger Vanillecreme. Zuckerschock, aber geil!

Als ich vor das Gebäude trete, merke ich, wie heiß es schon wieder ist. 35 Grad sollen es heute werden, und weit weg davon können wir schon jetzt nicht mehr sein. Aber egal, heute oder nie – es geht nach Matera.

Ich gehe zurück ins Haus und ziehe meine Motorradsachen an. Das volle Programm, Jacke, Airbag, Stiefel, Hose. Das Bisschen Hitze ist keine Ausrede, um auf irgend etwas davon zu verzichten. Ich will nicht zu denen gehören, die man mit appem Fuß aus der Leitplanke puhlt und stammeln “Normalerweise trage ich IMMER Stiefel, nur heute war ich in Schlappen unterwegs”.

Es geht von Pomaricos Bergrücken hinunter und Richtung Nordosten, durch die verbrannten Felder und auf die inoffizielle Hauptstadt der Basilikata zu: Matera.

Schnell kommt man hier nicht voran, dazu sind zu viele Autos unterwegs. Viele mit ausländischem Kennzeichen, vermutlich Touristen. Matera ist schon seit Jahren eine Sehenswürdigkeit, aber seit dem der letzte Bondfilm dort spielte, ist die Stadt völlig überlaufen.

Die Fahrt zieht sich, und als die Blase drückt, suche ich mir einen Straßenrand mit einem schönen Busch.

Als ich nach der Erleichterung zum Motorrad zurückkomme, ist das von einer Wolke eingehüllt. Kriebelmücken! Tausende davon!

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Reinheitsgebot

Reinheitsgebot

Was man halt zwischen den Tagen im Büro so macht.

Das ist der Grind von zwei Jahren. Ich bin Nichtraucher, sonst sähe die noch ganz anders aus.
Die Tastatur ist übrigens eine Logitech MX5000 und fast 25 Jahre alt.

Ah, fühlt sich wieder an wie frisch aus der Verpackung.