Reisetagebuch Sardinien (5): Lost Places: Troposcatter

Herbstreise nach Sardinien. Heute ist Montag, der 22. Oktober 2018. Das hier ist Teil zwei eines langen Tages. Zurück zum ersten Teil.

Nach einer halben Stunde Mittagsdöserei am Straßenrand bin ich wieder etwas fitter. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und fahre weiter.

Hier im Norden ist Sardinien grüner, die Hänge sind mit Bäumen bewachsen. Das gibt eine Ahnung davon, wie die Insel früher mal aussah, bevor Römer und andere das Holz hier weggeplündert haben.

Eroberer kamen im Laufe der Jahrhunderte immer nach Sardinien, und jedes Mal nahmen sie der Insel etwas. Das Holz. Die Bodenschätze. Dabei hatten die Einheimischen hier schon gelernt, mit der Natur in Einklang zu leben. Das beweist die Korkeichenproduktion, was man sich am Besten im Bergort in Calangianus ansehen kann. Hier steht das Korkmuseum.

Ich bin der einzige Gast, und eine freundliche Dame namens Antonella führt mich durch die Ausstellungsräume und zeigt mir, wir Korken geschnitzt werden.

Moment, was? Ich habe immer gedacht, das Kork ein besonders leichtes Holz ist, das geschreddert und dann zu Flaschenkorken gepresst wird. Nein, lacht Antonella und klärt mich auf.

Kork ist die Rinde von besonderen Eichen, den Korkeichen. Die wachsen hier überall im Nordwesten von Sardinien. Es dauert 25-30 Jahre, bis eine Korkeiche ausreichend groß und die Rinde dick genug ist, um sie zum ersten Mal geerntet werden kann. Dabei wird die Rinde vom Baum geschält und verarbeitet.


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Gegen Topcaseschusseligkeit: Verliersicherer Schlüsselbund

Ganze Schlüsselbunde verlieren mittels Topcaseschusseligkeit ist ein beliebter Sport: Topcase aufschließen, Rumfuddeln, Topcase zumachen, Schlüsselbund am Deckel vergessen, losfahren.

Zack, feddich: Schlüsselbund weg.

Geht ganz leicht, hat gerade erst wieder jemand aus meinem Bekanntenkreis geschafft. Der kleine Moment der Schusseligkeit bringt einem dann wahlweise stundenlanges Abfahren des zurückgelegten Wegs in der Hoffnung den Schlüsselbund wiederzufinden, oder jede Menge Lauferei um Ersatz zu beschaffen.

Ich habe das natürlich auch schon geschafft, und nachdem ich 25 Kilometer in der Dämmerung nach den absenten Schließeisen gesucht hatte, schwor ich mir: Das passiert mir nie wieder.

Deswegen habe ich mir einen Schlüsselbund gebastelt, mit dem das Verlieren durch Topcaseschusseligkeit völlig ausgeschlossen ist. Das hier ist mein Motorradschlüsselbund:

Das Besondere: Der ist teilbar, Topcaseschlüssel und Zündschlüssel lassen sich einfach per Druck auf einen Federstift abklippen. So einen teilbaren Schlüsselring gibts überall, auch bei den üblichen Motorradfachhandelsketten, für ca. 2 Euro.

Und das ist schon der ganze Trick. Den Topcaseschlüssel an den Zündschlüssel, und schon ist es nicht mehr möglich loszufahren, während noch was im Topcaseschloss hängt. So einfach kann es sein.

Der eigentliche Schlüsselbund hat dann noch einen neongelben Schnippel Gurtband dran.

Die Idee dahinter: Fällt mir der Schlüsselbund aus der Tasche, ist er einfacher zu finden. Selbst wenn er ins Gras fällt, sieht man ihn noch:

Zumindest ist die Idee sinnvoll, ich hoffe nur, sie muss sich nie in der Praxis bewähren. Denn Schlüssel verlieren ist und bleibt: Riesenmist.

Bild: Kika
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Die Wahrheit über Notre Dame

Ich war echt erschrocken, als vorgestern die ersten Bilder der brennenden Kirche Notre Dame durch Twitter liefen. In der Kirche hatte ich seltsame und tolle Erlebnisse und interessante Begnungen, ich bin ihr auf´s Dach gestiegen und habe lange die Innenausstattung bewundert.

Gestern und heute beherrscht das Feuer alle Schlagzeilen, die Welt (oder zumindest die Medien) scheinen kollektiv im Schockzustand. Ich bin nur heilfroh, dass das kein religiös motivierter Anschlag war – sonst wäre das ein zweites 9/11 gewesen.

So sehr sich jetzt auch alle freuen, dass die Fassade noch steht, der wahre Schatz von Notre Dame sind für mich die Fenster. Meine Güte, sind diese Fenster schön. Bis dahin war mir nicht bewusst, dass im Jahr 1250 Handwerker sowas hier konnten:

Die Dinger sind echt mehr als 750 Jahre alt! Nach der Blaupause der Fensterrosen von Notre Dame entstanden praktisch alle anderen Kathedralenfenster in Europa.

Der nun eingestürzte Mittelturm ist dagegen ist ziemlich egal. Die Wahrheit ist: Der gehörte gar nicht originär zur Kirche, sondern war praktisch ein Fake. Genauso wie die Gargoyles, die tatsächlich erst nach einer Renovierung im 19. Jahrhundert hinzugefügt wurden – von einem Mann, der den Auftrag historische Bauwerke zu restaurieren immer mißinterpretierte als „Bau einfach was Du willst“.

Die Rede ist von Eugene Violet Le-Duc. Wenn man zu dem sagte: „Hier, kaputtes Bauwerk, erhalte mal die Bausubstanz“ kam bei ihm an „Hier, das Bauwerk da, das würde mit zusätzlichen Türmchen, einem absurden Dach und jede Menge Fabelwesen an der Fassade viel besser aussehen. Und wo Du gerade dabei bist, NOCH schöner wäre es, wenn Deine Visage mindestens 8 Mal in der Fassade verewigt wäre.“

Die ganze Geschichte von dem marodierenden Restaurator und Notre Dame habe ich schon mal im „Reisetagebuch: Paris“ aufgeschrieben. Hier ist der Text nochmal in Auszügen:
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Review: Nolan N100-5 mit N-Com B901L

Nolan hat 2018 einen neuen Tourenklapphelm rausgebracht, den N100-5. Dazu passend: Das B901L, die nächster Iteration des Kommunikationslösung mit Rücklicht im Helm. Ich habe mir beides im August vergangenen Jahres zugelegt und eine Meinung dazu.

Was jeder von einem Helm erwarten kann:

  1. Sicherheit
  2. Bequemer Sitz

Was ich persönlich noch möchte:

  1. Klappmechanismus
  2. Pinlock-Visier
  3. Sonnenblende
  4. Bluetooth
  5. möglichst leise

Bei Klapphelmen gelten allgemein die teureren Helme der Firma Schuberth als Referenz. Leider habe ich keinen Schuberth-Kopf, die Dinger passen mir einfach nicht. Perfekt passen dagegen die Helme der italienischen Traditionsfirma Nolan. So landete ich 2012 bei einem N90, einem günstigen Klapphelm, der aber eigentlich für die Stadt und nicht für Touren gemacht ist. 2016 waren dessen Visierdichtungen hinüber, und so gesellte Sich ein N104 Tourenhelm der zweiten Generation, der N104 Evo, dazu. Fortan nutzte ich den N90 für kurze Strecken, den N104 für Reisen.

Richtig warm geworden bin ich mit dem N104 aber nie. Das liegt nicht nur an dem gewöhnungsbedürftigen Design der Front, mit dem der Helm irgendwie aussieht wie ein Fisch, der bekifft vor sich hin grinst.

Vor allem mag ich den N104 deswegen nur so mittel, weil ich gerne mit leicht offenem Visier fahre. Das geht mit dem N104 ab einer bestimmten Geschwindigkeit schlicht nicht. Dessen Visier ist nämlich riesig und rund und instabil. Ab ca. 80 km/h beginnt es zu schwingen. Dann wird die Sicht so verzerrt, dass man es komplett schließen muss. Macht man das nicht, schlägt es irgendwann mit einem Knall von alleine zu.

Nolan hat den N104 seit 2012 in drei Revisionen angeboten (Original, Evo und Absolute), wobei bei jeder Iteration die Schalldämpfung verbessert wurde. Anfang 2018 kam nun der echte Nachfolger des 104, der N100-5. Wieder ein Tourenklapphelm, aber in neuem Design, mit neuer Technik und vor allem, so Hersteller und Fachpresse: Noch leiser! Aber: Stimmt das?
(Hinweis: Wenn in Überschriften von Zeitungsartikeln Fragen gestellt werden, lautet die Antwort in 99 Prozent aller Fälle: Nein. Hier verhält es sich ähnlich.)

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Reisetagebuch Sardinien (4): Lost Places found

Korsika!

Herbstreise nach Sardinien. Heute finde ich einen Toilettenbaum und gerate an Orte, die in der Zeit verloren gegangen sind.

Montag, 22. Oktober 2018, Agriturismo Salmarina
Ich werde früh wach, weil mir der unangenehme Geruch von Mörtel in die Nase steigt. Das Zimmer auf dem Agriturismo Salmaria ist groß und der Bau neu, aber irgendwas riecht hier ganz eklig nach nassem Mauerwerk. Ich schlafe wieder ein, nur um kurz darauf von einem lauten Geräusch geweckt zu werden. Ich muss im Schlaf gepupst haben, und das hat in dem großen, leeren Raum wie ein Donnerschlag wiedergehallt und mich geweckt. Die Vorstellung ist so absurd, dass ich lachen muss. Von dem Lachflash werde ich endgültig wach. Na, dann kann ich auch aufstehen.

Ich schwinge mich aus dem Bett und versuche die wirren Träume abzuschütteln. Zum Glück habe ich nicht von der Arbeit geträumt, nur von einer Ex-Freundin. Aber warum? Was wollte mir das Hirn damit sagen? Egal. Die Traumfetzen wehen davon, und schon im Bad weiß ich nicht mehr, worum es eigentlich ging.

Ich gehe zum Haupthaus hinüber. Nemo, ein großer, alter Schäferhund, guckt mir träge nach. Kein Schweinshund, wie Zeus gestern.

Im Erdgeschoss des Haupthauses befindet sich der Frühstücksraum. Wieder fallen mir die Augen raus ob dieser Pracht. Sardisches Frühstück unterscheidet sich definitiv von Kontinentalitalienischem.

Zwei große Tische biegen sich unter der Last von fünfzehn(!) verschiedenen Kuchen und Torten, Tellern mit gekochten und gebratenen Eiern, Schüsseln mit Schinken und Speck und Salami und und Filata-Käse (Cargocult: Kein Brot oder Brötchen zum Darauflegen in Sicht) und aufgeschnittenen Melonen und Ananas. Dazu gibt es eine Auswahl von sieben verschiedenen Säften und natürlich alle Kaffeespezialitäten, die Italien zu bieten hat. Wahnsinn. Vor allem, weil das hier kein Luxushotel ist, sondern eigentlich „nur“ ein Bauern- und Ferienhof.

„Silencer, che cosa da bere, Silencer?“, fragt Aneta auf ihre merkwürdige Art, während ich immer noch mit hängendem Unterkiefer vor den überladenen Tischen stehe. „Prendo un Doppio, per favore“, antwortet mein interner Anrufbeantworter. „Silencer, Café Lungho, Silencer?“ Nun wecken die Ohren den Rest des Hirns aus der Paralyse. Ich drehe mich um, blicke ihr direkt in die Augen und sage „Aneta, no, Aneta“. Sie lacht und verschwindet hinter einer monströsen Kaffeemaschine.

Die 15 Kuchen sind nicht ganz alleine nur für mich. Gestern Nacht sind noch ein halbes Dutzend Autos gekommen, eine Hochzeitsgesellschaft und zwei niederländische Studentinnen.

Nach dem Frühstück mache ich den Fiat startbereit, dann geht es los. Nicht lange und nicht weit, schon nach einer halben Stunde bin ich am Capo d´Orso, dem Cap des Bären.

Bild: Google Earth 2019

Den Namen trägt es seit Urzeiten wegen des riesigen Felsens auf dem Cap, dem Roccia dell´Orso, der tatsächlich wie ein Bär geformt ist. Auf diesem Bild sieht man ihn, oben links auf dem Felsen:

Den Bären kenen die Menschen hier seit ewigen Zeiten. Ganz früher verehrten sie ihn als Gott, dann nutzen sie ihn als Navigationspunkt, und heute ist er eine Touristenattraktion.

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Superalbtraum Passat

Man stelle sich vor, man fährt in Zeitlupe auf ein anderes Fahrzeug auf. Man sieht das Meter entfernt, tritt auf die Bremse und NICHTS passiert. Immer weiter und weiter fährt man auf das Auto vor einem zu, bis es rummst.

Sowas ist mir gerade passiert. IN EINER WASCHSTRASSE. Unglaublich, aber wahr.

Als ich um die Ecke kam, stand ein nagelneuer Passat irgendwie komisch auf dem Schleppband der Waschanlage. Anscheinend hatte der Fahrer es geschafft, sich vom Personal einweisen zu lassen und dann, als er auf dem Band stand, hat er entweder den Motor ausgemacht und vergessen den Gang einzulegen ODER er hat nicht dran gedacht, dass diese neuen Passats von selbst die Handbremse anziehen.

Jedenfalls hing der komisch auf dem Band, und ein Mitarbeiter musste ihn nochmal einweisen. Ich fuhr direkt hinter ihm rein, schon dichter, als mir lieb war. Weil mir das ganze komisch vorkam, stellte ich das Handy auf´s Armaturenbrett und ließ eine Videoaufzeichnung laufen.

Alles lief normal, bis der Wagen vor mir in den Trocknungsbereich kam. Da ging die Waschstraße plötzlich aus. Eine Bürste war wohl aus der Halterung gesprungen. Ein Angestellter kam und drückte die wieder rein.

Die Anlage lief wieder an, das Laufband ruckte weiter. Der Wagen vor mir aber nicht.

Der Fahrer hatte zwischenzeitlich den Motor an- und wieder aus gemacht, und nun bewegte sich seine Kiste keinen Millimeter. Ich konnte sehen, wie sich der Passat schüttelte, als das Laufband versuchte ihn gegen den Widerstand der Bremse weiter zu ziehen. Währenddessen bewegte sich mein Wagen immer weiter auf das stehende Hindernis zu.

Ich krallte mich ins Lenkrad. Irgendwann musste der doch merken, was da gerade passierte, oder??!? Nein, tat er nicht. Passatfahrer sind merkbefreit. Sollte ich eigentlich wissen (1,2).

Ich bin schon seit Jahren der Überzeugung, dass mich irgendwann ein Passat erwischen wird. Auf meinem Grabstein wird einst stehen „Der Passat war sein Schicksal“.

Ich latschte auf die Bremse und merkte, wie sich nun mein Wagen gegen die Bewegung der Schleppkette stemmte. Ich konnte hören, wie das Metall des Laufbands (und hoffentlich nicht meines Wagens) ächzte und stöhnte, aber trotzdem ging es unaufhaltsam weiter. Auffahrunfall in Zeitlupe, und ich konnte überhaupt nichts dagegen tun – eine Situation wie aus einem Albtraum.

Der Passatfahrer bekam das nicht mit. Mein Wagen wurde weiter geschoben. Ich stemmte den Fuß in die Bremse und murmelte nur „Neinneinnein“, weil ich nicht glauben konnte, dass das hier wirklich passiert. Dann hing ich ihm im Heck.

10, 20, 30 Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, dann starte der Passatfahrer vor mir seinen Motor und fuhr einfach durch die restlichen Stationen durch und aus der Anlage raus.

Ich löste die Bremse und wartete bis mein Wagen am Ausgang war.

Passiert ist nichts, außer einer kleinen Beule am Nummernschild und einem Kratzer am Spiegel, der aber nichts mit dem Passat zu tun hat. Ich werde darauf verzichten irgendwen anzuzeigen. Trotzdem: Traumatisches Erlebnis, so zur Tatenlosigkeit verdammt zu sein.

Und was lehrt uns die ganze Sache? Autowaschen ist gefährlich. Sollte man ganz sein lassen.

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Review: XL-Zelt von Renn Moto

Ich habe versucht mich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren, aber trotzdem hat mir die Firma Renn Moto ein Moppedzelt aufgedrängt. Unser Dorfpaketzusteller hat deswegen jetzt Rücken. Das Zelt kommt nämlich in drei Paketen, die zusammen etwas über 300 Kilogramm wiegen.

Das hohe Gewicht ist in erster Linie den sehr wertigen Materialien geschuldet. Allein die gut gearbeiteten Standfüße, von denen vier Stück beiliegen, bringen ordentlich was auf die Waage.

Der Aufbau ist denkbar einfach. Alle Zeltteile sind farblich codiert, so dass auch ohne Anleitung klar ist, was wohin gehört

Einfach die Teile ineinanderstecken und dann die tragenden Stützen nach Außen ziehen, schon steht der ganze Bumms.

Wer schlau genug war, die Zeltplane VORHER auf die Außenteile zu legen, ist jetzt schon fast fertig. Ich habe das eingangs vergessen und stand dann davor und dachte: Scheiße, hier fehlt doch was. Aber gugge da, im dritten Paket war die Zelthaut.

Einfach über die Seitenteile werfen, feströdeln, fertig.

Schon kann man sich ins muckelige Zeltinnere setzen. Gemütlich!

Wer will, kann jetzt noch die Seitenteile anbringen, dann ist man rundum geschützt. Positiv vermerken muss man die Sicherheitsfeatures. Gerade Moppedfahrer werden es zu schätzen wissen, dass das Zelt mit Reflexbarken und einer Beleuchtung geliefert wird. Perfekt für die dunkle Jahreszeit!

Auf dem Bild ist gut zu sehen, dass das XL Zelt wirklich groß ist. Kleiner Nachteil: Die Seitenteile sind zwar sehr schwer und wertig gearbeitet, was die Sicherheit erhöht, aber leider so designed, dass man kein Mopped reinstellen kann. Das tut der Freude aber keinen Abbruch.

Außerdem praktisch ist die mitgelieferte Tragetasche:

Die scheint mir zwar zu klein zu sein scheint, aber ich teste das nochmal für Euch.

In der Summe ist das XL Zelt wirklich groß. Bemängeln kann man allenfalls die Ästhetik, aber irgendwas ist ja immer. Da es das Ding gerade im Sonderangebot gibt, sage ich mal: Kaufen! Ganz egal ob man es braucht oder nicht! Hauptsache, man hat ein Zelt im Keller, wer weiß schon, wozu es mal gut ist.
Am Besten kaufen, gleich wegwerfen und noch eins kaufen!


[DISCLAIMER: Gem. des Urteils 13 O 38/18 KfH des Landesgerichts Karlsruhe vom 21.03.2019 müssen Influencer Werbung auf ihrer Website kennzeichnen. in Instagram-Post, bei dem in das Foto eingebettete Tags mit Marken-Herstellerseiten verlinkt sind, stellt eine geschäftliche Handlung im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG dar. Durch sie fördert der Betreiber des Accounts – i.d.R. ein sog. Influencer – die beworbenen Unternehmen ebenso wie sein eigenes, auf Werbeeinahmen zielendes Unternehmen. 2. Die Kennzeichnung eines solchen Instagram-Auftritts als Werbung ist nicht entbehrlich. Insbesondere ist der werbliche Charakter nicht für alle – oft jugendlichen, teilweise kindlichen – Nutzer offensichtlich. Dies gilt umso mehr, als es das Geschäftsmodell von Influencern darstellt, (scheinbar) private mit kommerziellen Posts zu mischen. Das hat überhaupt nichts mit dem Inhalt dieses Blogposts zu tun, weil es ich hier weder um Instagram, noch um Werbung handelt. Denn das hier ist ein Blog, und ich bin kein Influencer, sondern ein Silencer, aber da niemand Disclaimer bis zum Ende liest, kann ich hier hinschreiben was ich will. Lalala, Erbse, Erbse, oh, meine Pizza brennt an. ]

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Reisetagebuch Sardinien (3): Nackt

Herbstreise nach Sardinien. Heute mit Schildkröten, Luxusorten, James Bond und blanker Haut.

Sonntag, 21. Oktober 2018, Agriturismo Jannis, in der Nähe von Orgosolo
Kuchen. Noch ein Kuchen. Joghurt. Brötchenimitat. Käse. Gekühlte Bananen. Äpfel. Weintrauben. Eine geschälte Honigmelone. Völliger Irrsinn, was Rita hier an Frühstücksbuffet aufgefahren hat.

„Capuccino?“, fragt sie, als ich vor dem riesigen Tresen stehe und mich nicht entscheiden kann. „Caffé Doppio, bitte“, sage ich geistesabwesend. „Meinst Du…“, fragt sie und guckt mich zweifelnd an. Ich muss lachen. „Nein, nicht „Americano“ oder „Lungho“, wirklich Doppio!“, sage ich, und Rita freut sich und haut mir auf die Schulter.

Kaffeebestellen in Italien sollte man drauf haben, und die Leute freuen sich, wenn man zumindest das kleine Kaffee Ein mal Eins beherrscht. Capuccino nur zum Frühstück, ansonsten immer Espresso. Will man die volle Dröhnung, dann einen doppelten Espresso, eben einen Doppio. Touristenkaffee ist der „Americano“ oder „lungho“, das ist dann Espresso mit viel Wasser. Für Italiener ein völlig unverständlicher Frevel, aber es kommt dem Filterkaffe, den insbesondere die Deutschen immer noch toll finden, am nächsten. Latte Macchiato trinkt niemand, der kein verweichlichter Großstädter ist. Caffe Macchiato trinken alte Leute mit Magenproblemen, das ist Espresso mit mehr Milch drin.
Ich trinke überall nur Doppio. Der dröhnt, und man muss davon nicht so schnell auf´s Klo.

Am Buffett ignoriere ich Brötchen und Käse. Das würde ich in Deutschland frühstücken, aber hier ist herzhaftes Frühstück nur eine Art Cargo-Kult. Die Italiener wissen, das es sowas wie herzhaftes Frühstück gibt, aber sie verstehen es nicht. Käse und Wurst, das packt man in Italien nicht auf ein Brot oder ein Brötchen. Warum sollte man? Diese Dinge haben für Italiener überhaupt keinen Bezug zueinander. Käse und Wurst isst man zu Wein oder als Vorspeise und am Abend, Brötchen und Brot tut man am Besten in Suppe.

Aber die Gäste vom Kontinent stehen nunmal darauf, und deshalb stellen die Gastgeber ihnen Dinge hin, die wie ein herzhaftes Frühstück aussehen, aber einfach nicht funktionieren. Brötchen werden sich in aller Regel als zuckersüß entpuppen, der Käse als zu kräftig oder Bröckelhart, und oft stimmt die Form einfach nicht. Mein persönliches Highlight war, als ein Herbergsvater malfreudestrahlend eine Schale gestiftelten Pizzakäse und ein Rosinenbrötchen hinstellte. „Brötchen mit Käse, genau wie ihr Deutschen das mögt“. Ja, nee, lass mal.

Nein, ich gehe heute morgen an die Croissants, das passt gut zu einem Espresso. Es sind Schokocroissants, frisch selbst gemacht, noch warm, mit Nutella gefüllt und mit Puderzucker bestreut. Das wird wieder Sodbrennen geben. Egal. Lecker ist es trotzdem.

Direkt nach dem Frühstück verabschiede ich mich. „Immer diese Geschwindigkeit“, stöhnt Rita hinter ihrer Bar. „Du hast Dich doch nicht mal an die Landschaft gewöhnt!“ „Ja, aber jetzt weiß ich ja, wo ich Dich finde! Und wenn ich wiederkomme, dann für länger und mit dem Motorrad!“ sage ich und lächele. In dem Moment ertönt direkt vor mir, auf dem Empfangstresen, ein schnarrendes Geräusch, und mit einem leisen „Pffft“ jaucht mir einer der Luftbedufter eine Ladung Raumparfum in die Fresse. „Oh“, sagt Rita.

Wenig später kurvt der kleine Fiat 500 durch die Bergwelt. Es ist kühl, gerade mal 14 Grad, und ich habe die Fenster oben und die Heizung an.

Ich muss ja sagen: So sehr ich es vermisse, nicht mit einem Motorrad auf diesen perfekten Kurvenstraßen unterwegs zu sein: So ein Autochen hat auch seine Vorteile. Das Gepäck muss nicht militärisch genau gepackt sein, ich kann meinen ganzen Krempel einfach in den Kofferraum werfen. Auch einfach mal viel einkaufen ist möglich, 10 Liter Wasser und dazu Proviant für 3 Tage habe ich aktuell an Bord. Und: ich kann unterwegs Hörbücher und Podcasts hören. Oder schnell mal anhalten, ein Foto machen und weiterfahren, und dabei muss ich nicht mit Handschuhen oder sonstwas rumhantieren.

Die Temperatur steigt schlagartig, als ich durch einen Tunnel fahre und auf der anderen Seite einer Bergkette herauskomme, einige Hundert Meter über dem Meer. Hier strahlt die Morgensonne, und plötzlich sind es fast 30 Grad. Ich lasse die Fenster runter und konzentriere mich auf die Serpentinen, die zur Küste hinunterführen.

Bild: Google Earth 2019

Am Fuß der Berge, im Golf von Orosei, liegt Cala Gonone. Der Ort ist bekannt für seine Höhle, die Grotta del Bue Marino, die Höhle der Meerochsen. Das ist eine Mönchsrobbenart, die hier früher mal lebte, aber seit den 80ern ausgestorben ist.

Heute kann man ihre Höhlen besuchen, was tatsächlich die allermeisten Sardinienbesucher tun. Allerdings geht das nur per Boot, und ich habe keine Lust, den halben Tag mit jeder Menge Leute auf einem Schiffchen zu verbringen. Nein, ich bin hier, um das Aquarium anzugucken.


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Pinguin-Card

Apple führt jetzt eine eigene Kreditkarte ein. Verfügbar nur in den USA. Aber aus Alooominum! Mit ohne Unterschrift! Was den Fanboys gerade einen Pflaumensturz beschert, über das kann Huhu nur müde lächeln. Was ich gerade erst rausgefunden habe: Huhu, der Pinguin, der hier im Blog hinter dem Kommentarkasten wohnt, hat längst seine eigene Kreditkarte!

Die Pinguin-Card ist, genau wie die Apple-Card, ebenfalls exklusiv nur in einem Land verfügbar. Statt aus billigem Cola-Dosenmaterial ist die Pinguin-Card aber aus edlem Titan. Natürlich ist sie auch Unterschriftsfrei.

Huhu steckt voller Überraschungen. Und er ist uns allen weit voraus.

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Momentaufnahme: März 2019

Herr Silencer im März 2019

Mal ne Nacht im eigenen Bett wäre auch schön.

Wetter: Anfang des Monats sonnig und mit 6-12 Grad warm, nur vereinzelt bedeckt und Regen. Das changiert, bleibt aber im Wesentlichen so.


Lesen:

Ben Aaronovitch: Rivers of London [Kindle]

Peter Grant ist kurz vor dem Ende seiner Probezeit als Polizeibeamter in London. Eines Nachts passieren bei einem Einsatz komische Dinge, und kurz darauf wird er zu einer Spezialeinheit versetzt. Sein neuer Vorgesetzter erklärt ihm, dass er nun bei einer paranormalen Ermittlungseinheit arbeite und erstmal zaubern lernen müsse. Abgelenkt wird Grant durch die hübschen Töchter von Mutter Themse, den Flüssen von London. Letztlich kommt es aber doch zu einer Konfrontation mit Mr. Punch, der Personifizierung häuslicher Gewalt.

Tja, hört sich erstmal ganz interessant an, liest sich aber murksig. Das Buch strotzt vor netten Ideen, angefangen von den den sexy Personifizierungen der Flüsse von London über den kauzigen Chefinspektor Nightingale bis hin zum Antagonisten, der Leuten das Gesicht von Innen zertrümmert. Dummerweise werden die dramatischen Ereignisse um diese Ideen herum von einem Ich-Erzähler vorgetragen, der seiner Rolle zu keiner Zeit gerecht wird. Abgeklärt und im Duktus einer Bedienungsanleitung für Videorekorder wird die Geschichte erzählt. Sich durch diesen spannungsleeren und öden Brei zu quälen war eine Tortur. Deshalb habe ich auch drei Jahre bis zum Ende des Buchs gebraucht. Immerhin habe ich es bis zum Ende geschafft – an „Glass Book of the Dreameaters“ lese ich schon seit 11 Jahren.


Hören:

Lästerschwestern
Robin Blase und David Hain kommentieren die Youtub- und Influencerszene. Interessante Einblicke in ein Paralleuniversum, fast so gut wie eine Soap. Irgendwie erwische ich mich aber die ganze Zeit dabei zu denken, dass die vorkommenden Personen ja alle irgendwie nicht echt sind, so weit ist deren Lebenswirklichkeit und Szene entfernt.


Sehen:

Christopher Robin [Prime]
Auch die schönste Kindheit geht irgendwann vorbei, und Christopher Robin verlässt den 100Morgenwald und zieht nach London. Zurück bleiben seine alten Spielkameraden I-Ah, Tigger, Ru, Ferkel und natürlich der Bär von geringem Verstand, Winnie Puh. Jahre später ist Robin erwachsen und hat eine Familie, einen Job und viele Sorgen. Winnie macht sich auf, Freude und Glück zurück in das Herz seines alten Freundes zu bringen und den Heffalump aus ihm zu vertreiben.

Bei Disney wird gerade alles als Realverfilmung wieder aufgelegt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. So auch „Winnie the Pooh, und das ist creepy as fuck.

Puh, Tigger, Ferkel und der andere Gedöns sehen aus, als wären sie gerade vom Friedhof der Kuscheltiere zurückgekehrt. Sie wirken real, was schon gruselig genug ist – sich bewegende Stofftiere sind nunmal nur eine Handbreit von Chucky, der Mörderpuppe entfernt. Gerade Puh wirkt dazu, als hätte er die Räude, und da er Knopfaugen hat, blinzelt er auch nicht. Und nun stellen wir uns einen zerfledderten Stoffbären vor, er mit kalten, toten Augen auf uns zugewankt kommt und mit der Stimme eines 100 Jahre alten Katastraten murmelt „Wir müssen spiiiiiielen… Spiiiiielen“. GRU-SEL-IG!!

Die Assoziation habe wohl nicht nur ich. Hier ist der „Puh Horrortrailer“:

Als Bleistiftzeichnung in den Büchern von A.A. Millne funktionierte Puh toll, als Zeichentrickfigur nur noch so mittel und in dieser Realverfilmung gar nicht mehr. Auch der Rest passt einfach nicht zusammen. Selbst gute Schauspieler wie Ewan McGregor, Hayley Atwell oder Mark Gatiss geben sich kaum Mühe und telefonieren ihre schlecht geschriebenen Rollen nur durch, und die Story ist das reinste Ärgernis. Natürlich hat Christopher Robin vor lauter Erwachsensein keinen Funken Freude im Leben, natürlich ist seine kulleräugige Tochter ständig enttäuscht von ihm und natürlich müssen die Stofftiere aus dem Jenseits ihm wieder die Lebensfreude zurückgeben. Klassisch Disney, die Geschichte könnte direkt so aus den 60ern gefallen sein. Ganz großer, anachronistischer Käse.

Performance, writing, CGI, Regie – jedes einzelne Teil von „Pooh“ ist schlecht, und in der Summe ergibt das einen so unterirdischen Film, das allenfalls Kiffer daran Freude haben werden, wenn die ihn völlig high als Horrorfilm gucken. „Pooh“ ist immer nur einen zusätzlichen Buchstaben vom Scheißbär entfernt gewesen, hier hat er die Grenze überschritten. Ich habe jede einzelne Minute von diesem Drecksfilm inbrünstig gehasst.

Captain Marvel [Kino]
Irgendwo auf einem fernen Planeten verhaut Jude Lawson die arme Brie Larson, natürlich zu ihrem eigenen Besten. Sie soll davon nämlich eine ganz dolle Heldenkriegerin werden. Bei einem Außeneinsatz geht dann aber was schief, und Larson fällt durch das Dach einer Videothek in die 90er Jahre von Los Angeles. Hier trifft sie auf Bösewichte mit dreiteiligen Polyesteranzügen und einen jungen Samuel L. Jackson. Gemeinsam finden sie raus, das die Heldenkriegerin eigentlich von der Erde kommt und eine wandelnde Neonreklame ist, die voll hell funkeln kann.

Ich mag gute Comicverfilmungen, ich mag Frauen in starken Rollen. Dieser Film ist und hat leider beides nicht. Was er hat, sind starke Nebenfiguren und einen coolen Samuel L. Jackson. Beide sind toll geschrieben und haben die besten Szenen im Film. Jacksons digitales Makeup ist dabei der Hammer, er sieht glatte 30 Jahre jünger aus und spielt seine Rolle mit sichtlicher Freude. Dieser junge Nick Fury hat bereits Erfahrungen als Spion, aber noch nicht allen Shit der Welt gesehen. Er ist noch kein Zyniker, sondern knuddelt gerne mal und bedroht Außerirdische mit einer geladenen Katze.

Leider kann der Rest des Films nicht mithalten. Die Story ist spannungsarm und schleppt sich durch die ersten zwei Drittel der Laufzeit, ohne dass es um etwas anderes ginge als eine McGuffinjagd. Brie Larsons Charakter wird als als kaum verwundbar und supermächtig eingeführt. Solche Charaktere, zu denen auch Superman gehört, haben generell ein Problem, denn sie sind langweilig. Bei ihnen geht es um nichts, man fiebert nicht mit ihnen mit. Diese Captain Marvel macht auch keine Heldenreise durch, bei der sie im Mittelteil eine echte Herausforderung hätte. Nein, sie sucht nur ihr Gedächtnis und trifft dabei auf Leute, die Dinge von ihr behaupten, die wir aber nie sehen. So beschreiben Nebenfiguren den Charakter als tolle Type und wamherzige Person, aber das wird nie gezeigt. Stattdessen bekommt Brie Larson vom Drehbuch nicht viel zu tun und nur grottige Dialoge, und so zieht sie sich die meiste Zeit darauf zurück, muffig oder selbstgefällig zu gucken.

Nun bietet Rummuffeln, selbstgefällig Gucken und ab und zu Funkeln und Leuchten keine abendfüllende Unterhaltung. Auch wenn das letzte Drittel durch eine Wendung in der Geschichte wieder etwas interessanter wird, so ist „Captain Marvel“ einer der schwächsten Filme des Marvel Universums.

The Umbrella Academy [Netflix]
Zur gleichen Zeit werden überall auf dem Planeten Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Ein englischer Lordzausel adoptiert sieben von ihnen und bildet sie zu Verbrechensbekämpfern aus. Jahre später sind die Kinder erwachsen, und die Erwachsenen sind doof und normal. Da taucht plötzlich ein Mitglieder der Familie wieder auf, das vor Jahren verschütt gegangen ist. Im Schlepptau: Killerin Mary j. Blige. Die versucht mit aller Macht zu verhindern, dass jemand verhindert, dass die Welt untergeht.

Mit viel TamTam beworbene Eigenproduktion von Netflix. Offensichtlich großes Budget, was an Ellen Page in der Hauptrolle und einem gut gemachten CGI-Affen erkennbar ist. Ändert leider nichts daran, dass der dramaturgische Aufbau der Serie vollkommen für den Hintern ist. Man bekommt unsympathische bis egale Charaktere vorgesetzt, von denen man nichts weiß und von denen die Regie dennoch voraussetzt, dass einem ihr Schicksal am Herzen liegt. Tut es aber nicht, Bätsch. Erst gegen Ende der 10teiligen Staffel versteht man ungefähr worum es geht, aber in exakt dem Moment, in dem es spannend wird, ist die Serie vorbei. Das ganze ist also eine meeeeeeegalange Exposition – Zeitverschwendung, das zu gucken.

Damit reiht sich „Umbrella Academy“ in eine Vielzahl von Netflix-Produktionen ein, deren Idee interessant klingt und die hervorragend besetzt sind, die sich dann aber als unfassbar langweilig herausstellen, weil ein straighter zwei-Stunden-Film statt einer zehnstündiger Serie gereicht hätte.


Spielen:

Red Dead Redemption [XBOX One]
Die USA im Jahr 1907. Nach den Ereignissen von Read Dead Redemption II ist John Marston ehrbar geworden und hat sich mit Frau und Kind eine Existenz als Farmer aufgebaut. Acht Jahre später holt ihn seine Vergangenheit ein. Die Detektei Pinkerton spürt ihn auf, entführt seine Familie und stellt ihm ein Ultimatum: Das Leben von Abigail und Jack gegen die Köpfe seiner ehemaligen Kumpane Bill Williamson, Javier Cuella und Dutch van der Linde. Widerwillig zieht Marston los, um seine ehemaligen Outlaw-Kollegen zu jagen. Dabei gerät er in die Wirren der mexikanischen Revolution, die Arme einer schönen Rancherin und in die Mühlen der Justiz.

„Red Dead Redemption“ habe ich zuletzt 2010 gespielt und war beeindruckt. Das bin ich immer noch. Klar ist mittlerweile die Grafik etwas angestaubt, auch wenn sie auf der XBOX One in Full HD läuft. Was aber nicht vergeht ist die toll geschriebene Geschichte. Ebenfalls beeindruckend: Durch die Vorgschichte, die in Red Dead Redemption 2 erzählt wird, werden viele Plotholes in Teil 1 gefüllt und manche Dinge ergeben jetzt erst einen Sinn. Wüsste ich es nicht besser, ich würde denken, das war von Anfang an alles so geplant. Dabei ist es nur umsichtiges Writing. Teil zwei macht seinen Vorgänger also besser, und davor kann man nur den Hut ziehen.


Machen:

Eintrittskarten im Wert von 600 Euro gebucht, für den 04. April 2020. „Das verwunschene Kind“? Das ist platt falsch, das Kind ist verflucht.


Neues Spielzeug:

Ein Cabin Max Upgrade, den Metz XL.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Reisetagebuch Sardinien (2): Das Dorf der Bilder

Herbstreise nach Sardinien. Heute geht es an das Eisencap, die roten Klippen und in ein Dorf, das einem Erinnerungen entgegenschreit.

Sonntag, 20. Oktober 2018, Hotel Maggio di Fiore, Villasimius
Lange vor dem Weckerklingeln bin ich wach, aufgeschreckt aus einem Traum, der irgendwie mit der Arbeit zu tun hatte. Die ist noch tief in meinem Kopf. Kein Wunder, gestern Mittag saß ich in irgendwelchen Meetings.

Ich liege noch ein wenig im Bett rum und mache mir bewusst, dass ich Urlaub habe und heute echt nichts machen muss. Keine Deadlines, keine Termine, keine Papers.

Ich bin auf Sardinien, ich bin frei zu machen was ich will. Sardinien, was ist das eigentlich für ein seltsamer Name? Klingt unappetitlich, so wie Sardine. Wer ist bloß auf die Idee gekommen, die Insel nach Dosenfisch zu benennen? Ich gleite wieder ab in einen Halbschlaf, in dem Traumfetzen auftauchen und durch den Dosenfisch schwimmt.

Erst um kurz vor Acht stehe ich langsam auf. Im Untergeschoss der Hotelanlage rumort es schon. Hier haben sich in einer Art riesiger Laube schon ein Dutzend französischer Renter um einen Tisch drapiert und schnattern. Ich gucke die missmutig an, diese geballte gute Laune geht mir jetzt schon auf den Sacque.

Neben dem Tisch der Spaßgranaten ist ein, für italienische Verhältnisse, gigantisches Frühstückbuffet aufgebaut. Statt dem üblichen Stück Trockenkuchen und Bröckelzwieback gibt es hier Brötchen, Wurst und Käse sowie Rührei und Schinken und frischen, saftigen Topfkuchen. Wahnsinn! Ich schnappe mit ein frisch gebackenes Croissant und verziehe mich in eine Ecke der Frühstücksveranda, möglichst weit weg von Leuten.

Kurz darauf sitze ich schon wieder im Fiat 500 und rufe die Route auf, die ich mir für heute grob zurechtgelegt habe, und die im Handy gespeichert ist.

Das mit der Routenplanung war gar nicht so einfach. Ich habe unter iOS keine Software mehr gefunden, in der man noch bequem Routen mit mehreren Punkten planen und speichern kann. Meine alte Navigonsoftware läuft zwar noch, aber um da präzise Punkte eingeben zu können, muss man 16stellige Koordinaten eingeben, in einem Untermenü, für das man fünf mal klicken muss, um es zu erreichen. Das ist echt in Arbeit ausgeartet, alle Punkte dieser Reise zu erfassen hat einen ganzen Sonntagnachmittag gebraucht. Das Backup der Dinge, die ich gerne sehen würde, sieht daher etwas merkwürdig aus:

Liste mit Wegpunkten für heute.

Egal. Rein ins Auto, raus auf die Straße und ab durch die Mitte, erst durch Villasimius und dann an die Küste.

Ich bin im äußersten Südosten der Insel gewesen, jetzt geht es nach Norden. Die Straße windet sich direkt an der Küste entlang. Ich muss leider ständig anhalten – um die Landschaft zu bestaunen.

Die Küste ist felsig und fällt steil ins Meer ab. Der Bewuchs besteht aus knotigem, harten Buschwerk, das aus dem rötlichem Sandboden wächst. Am Fuß der Klippen sind oft kleine Buchten, manchmal mit weißem Sand direkt an der Wasserlinie. Ich bin total fasziniert davon, wie das Meer über die kleinen Strände und gegen die Felsen schwappt. Ich mag Berge, ich mag Meer, und hier stehen Berge quasi direkt IM Meer. Für mich ist das sowas wie das Beste aus allen Welten. Für andere ist das halt Steilküste mit Meer, aber mein Hirn steht leicht fassungslos davor und jubelt dauernd „Woah! Guck die das an! Unfassbar!!!“

Eine halbe Stunde die Küste hoch ragt eine besonders große Landzunge mit einem Berg drauf ins Meer. Das ist das „Capo Ferrato“, das Eisen-Cap. Ich versuche darum herumzufahren
scheitere aber, weil mir unterwegs die Straße ausgeht.

Bild: Google Earth 2018

„Fine Asfalto“, soso. Na, dann nicht.
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Schön war aus

Sonnengelb, Bananengelb, Zitronengelb, Butterblumengelb, Limonengelb, Kanariengelb, Goldgelb, Maisgelb, Honiggelb… Es gibt sooo viele schöne Gelbtöne. Sogar Schwefelgelb ist noch nett.

Aber irgendwie schaffen es die Macher der HU-Plaketten, JEDE Farbe scheiße aussehen zu lassen. Nach Schorfbraun, Ferkelrosa, Hustenschleimorange, Erbrochen-Grün und Dreckigblau ist der Reigen der Terrorfarben wieder bei schmutzigem Popelgelb angekommen.

Naja, wurscht. Hauptsache die Plakette noch bekommen, bevor die ganzen Saisonkennzeichenfahrer wieder die Untersuchungsstationen fluten.
Ein Fahrzeug ist damit durch, zwei sind dieses Jahr noch dran.

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Schwarzer Tag

Schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit. Für Urheber/-innen. Für die Demokratie. Für Europa.

Heute wurde die EU-Urheberrechtsreform im Europaparlament beschlossen. Mit dabei: Art.11, 12 und 13. Nicht mal Änderungen wurden angenommen. Das ist schlimm.

Es ist direkt schlimm, weil Art. 12 die Vergütung der Urheber halbiert und Art.13 die Meinungsfreiheit in Europa gefährdet.

Für den Stop der EU-Urheberrechtsreform gibt es noch eine Chance, aber die existiert nicht wirklich. Sie beruht nämlich auf der Bundesregierung, und DIE hat, wie wir seit heute wissen, Gas aus Russland gegen Freiheitsrechet der Zivilgesellschaft eingetauscht. Laut Recherchen der FAZ hat sich Frankreich die Uploadfilter gesichert, im Gegenzug dürfen die Deutschen die russische Pipeline Northstream II weiterbauen.

Die ganze Sache ist aber vor allem deshalb schlimm, weil das Bild, das Europäische Politikerinnen und Politiker abgegeben haben, so ein erbärmliches war.

Das reichte von naiv-doofen Aussagen von Chefverhandler Axel Voss die er fast nach Belieben zu offensichtlichen Lügen steigerte bis hin zu Pöbeleien und unverhohlenen Lobbyaktionen für Verwetugsgesellschaften von Abgegordneten wie der Grünen Helag Trüpel.

Menschen, die gegen die EU-Urheberrechtsreform protestierten, wurden als „Bots“ abgetan, eine Petition mit 5.000.000.000 Stimmen ignoriert und Protest in den Straßen als von Internetfirmen gekauft und gesteuert abgetan. In Interview pöbelten Politikerinnen herum, logen offen oder verbaten sich am Ende komplett, über unliebsame Themen zu reden.

Stattdessen ließen sich die Abgeordneten zu Dinnerveranstaltungen der Verlage und Verwerter einladen und gerieten nicht mal ins Nachdenken, als Verlage ihnen mit schlechter Presse drohten.

Das ist alles so bitter. Was ist denn das für ein Gebaren, Politik OHNE jeglichen Interessenausgleich mit der Zivilgesellschaft und nur im Sinne der Lobbyisten durchzudrücken, und jeglichen demokratischen Protest zu verhöhnen und zu ignorieren?

Was bleibt ist ein Bild von Politik, die die Interessen großer Konzerne vertritt, Desinformation betreibt, Lügen verbreitet und die Zivilgesellschaft, deren Interessen sie vertreten sollte, verhöhnt, bepöbelt und gefährdet.

Damit haben sie den Vertrag gebrochen, wie Jonathan Pie in einem anderen Zusammenhang, aber einem ähnlichen Szenario gesagt hat. Sie haben den Vertrag zwischen Ihnen und uns gebrochen. Wir geben ihnen Geld und Macht, und sie sollten damit etwas für uns tun, und nicht gegen die Interessen der Menschen handeln.

Die Listen mit dem Abstimmungsverhalten der Abgeordneten sind übrigens öffentlich einsehbar, und am 26.05. sind Europawahlen. Ich hoffe sehr, dass Jungwähler in Horden zur Wahl strömen und den Vollversagern im Parlament ihr bequemes Gemüt auf die Füße fällt.

Ich vermute, Abgeordnete wie Trüpel und Voss haben sich bereits gute Jobs bei einem Verlag oder Verwerter gesichert. Ihre Wiederwahl im Mai dürften sie nämlich vergessen können.

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Impressionen eines Wochenendes (25): Wismar

Was fällt einem zu Wismar ein? Fischbrötchen, vielleicht. Das Folgende aber bestimmt nicht.

Arbeitswochenende in Wismar. Wismar ist eine Hansestadt an der Ostsee, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Rostock. Aus irgendwelchen Gründen hält der Zug zwischen Hamburg und Wismar in Bad Kleinen. Das Bad Kleinen mit der RAF-Hinrichtung, wissen schon. Der Zug steht da mindestens eine halbe Stunde rum, manchmal auch eine Stunde. Als Reisender hat man Angst, da nie wieder weg zu kommen.

Wismar selbst ist hübsch und schmuck. Breite Straßen, typisch norddeutsche Backsteinbauten. Zumindest im Stadtzentrum. In der Periphie steht auf der einen Straßenseite Backsteinhäuschen und auf der anderen Plattenbauten. Eine Mischung, die mein Kopf nicht überein bekommt.

Aber wie gesagt, die Innenstadt ist sehr putzig.


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Reisetagebuch Sardinien (1): Motivationsbildkitsch

Herbstreise nach Sardinien. Die Insel im Mittelmeer ist die letzte Region Italiens, die Herr Silencer noch nicht bereist hat. Das muss sich ändern.

Donnerstag, 18. Oktober 2018, irgendwo im Hunsrück
Ich schrecke hoch. Eben war ich noch so müde, dass ich fast eingenickt wäre. Jetzt bin ich plötzlich wieder hellwach. Der Reisebus schaukelt durch die Nacht. Die Fahrt nimmt und nimmt kein Ende. Ich versuche in dem unbequemen Bussitz eine halbwegs erträgliche Position zu finden, was sich als gar nicht so leicht rausstellt. Ich bin sowieso kaputt und verspannt, seit Wochen schon.

Die Sommerreise mit dem Motorrad liegt schon wieder Ewigkeiten zurück. Vier Monate ist es her, dass ich von der Sechsländerreise zurück kam. In diesen vergangenen vier Monaten gab es quasi non-stop viel Arbeit. Der Herbst ist traditionell eine Phase mit hoher Arbeitslast, aber dieses Mal war es heftiger als sonst.

Lange Arbeitstage, nach denen ich kaum zur Ruhe gekommen bin, was Nächte voller wirrer Träume zur Folge hatte. Das geht mal, phasenweise. Aber diese Hochlastphase hält jetzt schon ein Jahr an, mal mehr, mal weniger intensiv. Ungesund ist das schon lange. Ich kriege den Kopf nicht mehr frei, und wenn ich nicht arbeite, bin ich müde und habe keine Lust was zu machen. Sport, Hobbies,… ne, lass mal, keine Energie für.

Der heutige Tag bildet da keine Ausnahme. Früh aufgestanden, drei Stunden Autobahnfahrt, dann fünf Stunden konzentrierte Arbeitsbesprechung. Am späten Nachmittag aus dem Kundentermin raus. Eine Kollegin hat meine Tasche mit Arbeitsunterlagen dankenswerterweise mit zurück nach Hause genommen, ich bin mit meinem Reiserucksack in einen Zug nach Frankfurt gesprungen. Nun sitze ich in diesem Bus.

Neben mit beginnt ein Mann laut zu telefonieren, während ein Sitzreihe vor mir eine Frau mit eingeschalteten Tastentönen „Candy Crush“ oder ähnlichen Unfug spielt und hinter mit jemand in ein stinkendes Wurstbrot beisst. Ich hasse meine Mitreisenden. So ist das, wenn ich zu lange unter Dampf stand. Dann werde ich dünnhäutig und übellaunig. Dann ärgert mich die Fliege an der Wand. Dieser Zustand ist nicht mit einem langen Wochenende im Bett wieder behoben, sowas sitzt tiefer. Die ganze Welt soll mich in Ruhe lassen, das ist alles, was ich jetzt will.

Ich sehe auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis zum Flughafen Frankfurt Hahn. „Frankfurt“, dass ich nicht lache. Wird sich mir nie erschließen, wieso man diesen Flughafen im Dorf Lautzenhausen, das kurz vor Trier liegt, „Frankfurt“ genannt hat. Grimmig starre ich aus dem Seitenfenster.

Viel mehr als vorbeiziehende Leitplanken sind im Dunkel nicht zu sehen. Der Bus kurvt von Frankfurt aus nach Mainz und Wiesbaden und schaukelt dann durch den Hunsrück. Jetzt weiß ich auch, warum die Fahrt so lange dauert… der hält an jeder Milchkanne an.

Der Flughafen „Frankfurt Hahn“ liegt in Lautzenhausen. Das ist näher an Trier als an Frankfurt.
Bild: Google Earth 2018

Es ist schon lange dunkel, als der Bus endlich in Lautzenhausen ankommt.

Bogenlampen werfen gelbes Licht in nebelige Herbstluft. Zuletzt war ich vor 17 Jahren hier, seitdem ist der Flughafen gewuchert.
Meine Güte ist das jetzt riesig hier.

Ich bin leider zu spät dran. Die Schnellrestaurants schließen gerade, zu essen gibt es nichts mehr. Das ist ein wenig doof, denn wegen des langen Arbeitstages bin ich schon nicht zum Mittagessen gekommen. Egal, gibt es heute Abend eben eine Müsliriegelration aus dem Rucksack.

Ich trotte zum BB-Hotel, das direkt vor dem Flughafenterminal steht.

Am Tresen stehen wild gestikulierende Franzosen, die offensichtlich ihren Checkin erst noch ausdiskutieren müssen. Ich schleiche um die Gruppe herum in den Fahrstuhl und fahre in den fünften Stock. Ich brauche keinen Checkin. Der Hotelcomputer hat mir einen Code geschickt, der die Tür zu Zimmer 511 öffnet.

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Kategorien: Reisen | 5 Kommentare

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