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Heutiger Desktop: Logitech verteilt Malware

Es gehört schon einiges dazu, in die Rechner der eigenen, zahlenden Kunden einzubrechen. Logitech besitzt diese Unverschämtheit und schmuggelt durch ein Update seiner aufgeblähten Treiber allen Ernstes eine Kundenumfrage auf meinen PC. Aber dann greift die Firmenphilosophie: Auf die letzten Meter wird nochmal herzhaft verkackt. Das hier ist ein Screenshot vom Desktop:

Einbruch gelungen, Kundenumfrage nutzlos.

Meine Meinung gibt´s hier kostenlos: Ey Logitech, ich bin NICHT zufrieden damit, dass ihr Malware über irgendwelche Hintertürchen und mit eurem Updater auf mein System packt. Werbeumfragen gehören für mich nämlich schon in die Kategorie, und wenn Euer Updater mal wer hijacked, dann ist es ganz vorbei.

 
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Verfasst von - 29. Juni 2017 in Berufsleben

 

Reflexion auf Steroiden: Passivlichtsystem

Eine Joggerin, mitten in der Nacht, auf der unbeleuchteten Waldstraße. Zum Glück hat sie reflektierende Nähte an ihrer Laufhose, die sehe ich aus 300 Metern Entfernung. Als ich sie mit dem Auto überhole, plötzlich der Schreck: Da ist noch eine Läuferin! Ganz in schwarz, praktisch unsichtbar. Zum Glück läuft das Leuchtwunder außen, trotzdem habe ich einen mittleren Herzkasper.

Sichtbarkeit ist im Straßenverkehr ist ein extrem wichtiges Thema. Es gibt keine andere Möglichkeit, mit so wenig Mitteleinsatz die eigene und die Sicherheit von anderen so deutlich zu erhöhen. Reflektierende Elemente und Signalfarben an Kleidung und Fahrzeug kosten quasi nichts, erhöhen aber die Sichtbarkeit signifikant.

Auch als Motorradfahrer kann man so einiges tun, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Was sinnvoll ist, ich persönlich aber nicht trage, sind diese neongelben Warnwesten. Meine (schwarze) Textilkombi hat rundherum reflektierende Besätze, aber in so eine grellfarbene Weste bekommt mich keiner rein.

Was ich dagegen super finde ist mikroprismatisches Markierband. Das ist ein selbsttklebendes, reflektierendes Geweband. Wer bei dem Stichwort an die die Reflektoraufkleber denkt, die wir in den 80ern an Schulranzen hatten oder an Reflektoren, wie man sie von Fahrrädern kennt, der ist auf dem Holzweg. Mit diesen Funzeldingern hat mikroprismatisches Band nichts gemein. Zum einen ist es technisch anders aufgebaut, zum anderen reflektiert es um ein vielfaches stärker. Normale Reflektoren wirken gegen die Leuchtkraft von Mikroprismen wie Kerzen, die mit einem Flutlichtscheinwerfer verglichen werden. Das Zeug ist Reflexion auf Steroiden.

Mikroprismatisches Band reflektiert Licht in mehreren Ebenen und aus unterschiedlichsten Winkeln, wie ein Prisma eben. Die reflektierenden Flächen sind, anders als bei normalen Reflektoren, fast spiegelnd und daher viel heller. Selbst schwaches Streulicht wird von diesem Band eingefangen und so zurückgeworfen, das es wirkt, als wäre es selbst eine Lichtquelle. Diese Art von Band wird zur Markierung von LKW-Silhouetten gedacht, kommt aber nicht bei flächendeckend zum Einsatz. Was vermutlich an den Kosten liegt. Das Kram ist teuer. Auf Ebay kostet der laufende Meter zwischen 6 und 10 Euro, das ist mal nicht ohne.

Ich habe dieses Band vor Jahren entdeckt, als ich mich über meine GIVI-Koffer geärgert habe. Der italienische Hersteller geht normalerweise immer die Extrameile bei seinen Produkten, aber bei den Koffern hatte man statt echter Reflektoren nur silberfarbene Aufkleber verwendet. Sollen sowas? Diese Fake-Reflektoren sind auch an den neuen Koffern dran, die ich neulich erst erstanden habe:

Da reflektiert genau gar nichts. Das geht deutlich besser, also Scotch 3M Diamondgrade Konturmarkierung nach ECE 104 bestellt.

Das Band ist schwer zu verarbeiten. Gemacht ist es halt, um auf LKW-Planen und Aufbauten zu kleben, also auf einem flexiblen, Wind- und Wetter ausgesetzten Untergrund. Dementsprechend stark ist die Klebeseite. Als ich vor 4 Jahren zum ersten Mal mit dem Band arbeitete, habe ich eine Schere verwendet. Die musste alle 20 Zentimeter mit Aceton gereinigt werden, so dermaßen klebt das. Dieses Mal war ich schlauer und hatte vorab ein Skalpell und ein Metalllineal besorgt.

Mit diesem Werkzeug heißt es dann: Messen, anzeichnen, schneiden. Messen, anzeichnen, schneiden. Immer und immer wieder.

Das Band ist 55 Milimeter breit. Die äußeren Ränder sind für mich auf einer Breite von 1mm nicht zu gebrauchen, vom Mittelteil brauche ich Streifen zu 23mm Für den kleinen Koffer und 35mm für den großen. Jede Kofferbeklebung besteht aus 7 Teilen, die Milimetergenau passen müssen. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, aber allein diese Mess- und Schneidarbeiten werden so um die 8 Stunden gedauert haben.

Ergebnis Zwischenstand.

Die Reflektoren-Fakes habe ich auf den Koffern gelassen, die bekommt man nicht ab. Ich habe allerdings Lufteinschlüssen und Falten aus denen rausgeschnitten.

Dann wird alles gründlich mit Alkohol gereinigt.

Danach kommt die Fummelarbeit. Das Aufkleben des Bandes muss absolut präzise passieren, und weil der Klebstoff so stark ist, lässt es sich von Sekunde 1 an nicht mehr korrigieren. Versucht man es doch, bricht das Band. Ist mir mehr als einmal passiert, zum Glück war der Verschnitt eingeplant.

Auch die schmalen Zierstreifen an den Seiten der Koffer werden entfernt und durch Reflexband ersetzt.

Nach insgesamt ca. 10 Stunden und lauten Fluchorgien ist alles fertig beklebt, allerdings sehen die Stoßkanten unschön aus.

Um die zu kaschieren und das Ganze etwas edler zu machen, wird scharzes Ducttape auf einen Reststreifen Markierband geklebt.

Daraus werden schmale Streifen geschnitten…

…die dann auf die Übergänge gesetzt werden:

Fertig! Die nach hinten gerichteten Flächen sind rot, die vorderen und die Zierstreifen an den Seiten sind weiß.

So, und was bringt das Ganze nun? Wie eingangs beschrieben: Das mikroprismatische Band fängt selbst schwächstes Streulicht ein und wirft das so zurück, als würde es selbst von innen leuchten. Meine so veredelten Koffer haben also quasi ein Passivlichtsystem. Auf Fotos lässt sich das nur sehr schwer einfangen, aber hier der Versuch mit dem Unterschied vorher/nachher. Ist ein wenig plakativ, weil halt doch ein Blitz verwendet wurde, aber auch der macht die Wirkung deutlich:

Vorher:

Foto mit Blitz.

Nachher:

Die Arbeit war nervig und hat keinen Spaß gemacht, aber das Ergebnis spricht für sich: Wie breit das Motorrad mit den Koffern ist, lässt sich so viel besser erkennen – und die Sichtbarkeit insgesamt wird auch deutlich erhöht.

 
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Verfasst von - 23. Juni 2017 in Motorrad

 

Zweite Version

„Wie kommt es denn, das ihr Kennzeichen so kaputt ist?“, fragt die Frau auf der anderen Seite der Scheibe. Die Scheibe ist albern, das wirkt so, als müsste man die Bedienstete der KFZ-Zulassungstelle hinter Glas halten. Dabei ist das bei der netten Frau bestimmt nicht nötig. Sie ist Anfang dreißig, ein wenig korpulent und trägt ein Sommerkleid mit Blumendruck und eine Pagenfrisur, die sie ein wenig mädchenhaft scheinen lässt. Das passt alles zu ihrem strahlenden Lächeln und ihren freundlichen Augen.

Ich winke ab. „Ist ne lange Geschichte“, sage ich. Sie lacht und fragt „Wollen Sie wissen, was meinem Sohn passiert ist?“. „Klar“, sage ich.

„Der kam letzten Freitag jubelnd nach Hause, der hatte seinen Führerschein für die 125 bestanden. Das Mopped stand schon seit einem halben Jahr bei uns zu Hause. Jetzt durfte er es offiziell fahren“.

Sie nimmt Plaketten von einem Stapel und dreht die so, dass sie die richtige Position haben, dann zieht sie die Schutzfolien ab. „Zwei Stunden hat die Freude gehalten. In einer Kurve lag wohl Dreck oder sowas, darauf ist er weggerutscht, Motorrad Totalschaden.“ Sie klebt die Plaketten auf, dann nimmt sie einen Spachtel. „Ihm ist zum Glück nichts passiert. Wir sind dann auch noch zur Werkstatt gefahren, weil wir nicht gesehen hatten, dass die Gabel vorne gebrochen war. Ist nichtmehr zu reparieren, und 125er sind richtig teuer.“

„Das tut mir leid“, sage ich. Sie nickt und kratzt mit dem Spachtel auf dem Siegel am alten Schild herum. Ich sage: „Aber wenn es sie tröstet: JEDER Motorradanfänger baut im Übermut einen Abflug oder einen Unfall, früher oder später. Und ALLE benutzen die die Ausrede „da lag Dreck/Rollsplit/Kuhscheiße“, oder die Straße war naß oder sonstwas war Schuld. Dabei war es ein derber Fahrfehler, meistens im Übermut zu doll am Hahn gerissen. Ihr Sohn hat diese Lektion jetzt sehr schnell hinter sich gebracht, aber wenigstens ist er OK. Zukünftig wird er vorsichtiger sein.“

„Echt? Jeder Anfänger?“, fragt sie und reicht mir die Schilder durch das Ausgabefenster. Ich nehme das alte und das neue Kennzeichen der V-Strom entgegen und sage „Ja, jeder. Der erste Unfall ist unvermeidlich, die Frage ist nur, wie er ausgeht.“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen“, sagt sie und wünscht mir noch einen guten Tag.

In Göttingen ist die KFZ-Zulassung echt gut. Auch ohne Termin und inklusive Wartezeit hat die ganze Aktion „Ersatzkennzeichen“ nur 15 Minuten und 4,10 Euro an Verwaltungegbühren gekostet. Plus 10 Euro für das Blech, aber nun. Wollen wir mal hoffen, dass Version 2.0 des Kennzeichens länger hält als drei Monate.

Version 1.0:

Version 1.1:

Version 2.0:

 
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Verfasst von - 22. Juni 2017 in Motorrad

 

Garmin Zumo 590: Akkuprobleme beheben – und warum überhaupt noch ein echtes Navi?

Motorradnavigation ist ein Thema für sich. Navigationsgeräte für Moppeds sind auch im Jahr 2017 groß, schwer, langsam und teuer. Nur mal als Beispiel: Mein Garmin Zumo 590 wiegt 400 Gramm, kostet 700 Euro und braucht für die Berechnung einer Route von hier bis Italien über Österreich ohne Mautgebühren und Vignette satte 8 Minuten.

In Zeiten von Google Maps fragt man sich da „WTF???“ und kommt natürlich sofort auf den Gedanken: Wäre es nicht viel effizienter, einfach das Smartphone ans Zweirad zu klemmen? Wasserdichte Halterung, USB-Anschluss, fertig ist die Laube?

Leider ist es nicht so einfach. Die Lösung mit dem Smartphone am Lenker funktioniert genau so lange gut, wie man bei norddeutschen Temperaturen mit einem kleinen Android-Handy und nicht allzu lange unterwegs ist. Denn so verlockend die Navigation mit dem Handy auch ist: Dafür ist es nicht gemacht, und das merkt man.

Zunächst: Das Handy muss wasser- und staubdicht eingepackt werden, in eine wasserfeste Tasche, eine Halterung oder das transparente Fach eines Tankrucksacks. Darin bekommt es aber keine Luft, und wenn die Sonne drauf scheint wird das Handy schnell zu heiß. Meint: Die innere Temperatur bewegt sich in Regionen, in denen sich bessere Geräte abschalten und nicht ganz so tolle schlicht schmelzen. Kein Witz.

Kälte tut den Dingern aber auch nicht gut: Iphones bis zum 6s gehen auch gerne mal aus, wenn ihnen nur ein Bißchen zu kühl ist, und das kann im Regen und bei Fahrtwind schnell passieren.

Auch die Stromversorgung ist ein Problem. GPS verbraucht viel Strom, nur auf Batterie kommt man nicht weit. Kleine Android-Geräte lassen sich gerade noch über eine Bordsteckdose mit Strom versorgen, aber schon ein normales iPhone zieht mehr Saft als die Steckdose der meisten Moppeds liefert und lädt deshalb nicht.

Schließlich ist die Bedienung umständlich: Man kann Handys in wasserdichten Hüllen meist nicht oder nur umständlich bedienen. Und zum Schluss: Was die stetigen und oft heftigen Vibrationen mit den Telefonen machen, will ich lieber gar nicht wissen.

Also: Für kurze Strecken bei gemäßigtem Wetter kann man schon mal auf ein Smartphone als Navi zurückgreifen, für echte Reisen taugt das aber nicht. Alles Gründe, die für ein dediziertes Navigationsgerät sprechen – und gleichzeitig erklären, warum die Dinger groß und schwer sind: Sie sind wasserdicht, halten Vibrationen, Hitze und Kälte aus und lassen sich auch mit Handschuhen bedienen. Normalerweise.

Hersteller TomTom hat es tatsächlich geschafft, Motorradnavigation seiner 4er-Serie mit einem kapazitiven Touchscreen zu kreuzen, wie er in Handys verbaut ist. Das hört sich erstmal gut an, aber das Ergebnis ist ein Navi für Schönwetterfahrer. Die fizzeligen Iconslassen sich schlecht treffen und Wischgesten sind mit Handschuhen auch unpräzise zu machen. Viel schlimmer aber: Wenn Regentropfen über das Display rollen, lösen die es aus!

Das waren für mich die auschlaggebenden Gründe um vor zwei Jahren zu Garmin zu wechseln, zumal deren ZUMO-Reihe auch als Bordrechner dient und sich Kameras und Reifendruckkontrollsystem anschließen lassen, ein Tank- und Servicebuch drin ist und das Ding so ganz nebenbei noch als Hub und Medienzentrale zwischen Smartphone und Helm funktioniert.

Mein ZUMO 590 hatte allerdings von Anfang an das Problem, dass der Akku kaum 30 Minuten durchhielt. Nun ist das 590 explizit auf den Anschluss ans Bordnetz ausgelegt, aber dafür, dass Garmin eine Akkulaufzeit von 4 Stunden versprach, war das doch ein Bißchen wenig.

Jetzt, zwei Jahre nach dem Kauf, funktionierte der Akku praktisch gar nicht mehr. Ein neuer kostet um die 50 Euro, weshalb ich die Anschaffung vor mir hergeschoben habe. Nun bin ich durch Zufall im V-Strom-Forum über eine wichtige Info gestolpert: Die Akkus der Generation 2015 waren angeblich OK, nur die Stecker waren fehlerhaft. Die fehlerhaften 2015er Akkus sind übrigens weiß (s. Bild) und aus Korea. Später kamen die ZUMO-Akkus aus Japan, die sind grau und haben das Problem nicht.

Mangelnder Kontakt führt dazu, dass das Navi die Kapzität des Akkus verkehrt berechnet und ihn nicht nutzt. Das lässt sich aber leicht beheben, einfach in dem mann die Steckkontakte nachbiegt.

1. Navi öffnen: Einfach den D-Ring auf der Rückseite drehen und den Deckel abheben.

2. Den Stecker hier zusammendrücken und nach oben abziehen.

3. Mit einem sehr kleinen Schraubendreher oder einer Nadel die Kontakte des Steckers vorsichtig von oben nachbiegen:

4. Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.

Mein Akku hält nun mehrere Stunden durch, was er vorher noch nie geschafft hat. Einen Versuch ist es also allemal wert!

Übrigens: Wenn man das Batterieicon in der Statusleist am oberen Bildschrimrand drei Sekunden lang drückt, bekommt man Diagnoseanzeigen. Unter anderem zum Batteriestatus:

oder auch einen psychedlischen Screentest:

und wenn man auf das Empfangsbalkenicon drei Sekunden drückt, bekommt man GPS-Ortungsdaten angezeigt.

Aber das nur als Skurrilität am Rande. Wichtig ist: Besitzer eines ZUMO 590 LM mit Akkuproblemen sollten den Trick mit dem Nachbiegen der Steckerkontakte probieren!

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Mit Dank an AlterSchwede aus dem V-Stromforum, der auf ein niederländisches Youtube-Video zum Thema aufmerksam gemacht hat.

 
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Verfasst von - 21. Juni 2017 in Motorrad

 

Ich packe meine Koffer….

Die Überschrift ist irreführend. Ich packe meine Koffer leider nicht, zumindest nicht im Moment. Zwar bringt mich das Fernweh gerade um, und in der Freizeit dreht sich jeder zweite Gedanke um „wo wäre ich jetzt gerade, wenn nicht…“ aber die Sucht nach Orten in der Ferne muss gerade noch ein wenig zurückstehen. Jetzt ist nicht die Zeit um weg zu fahren. Zum einen sind meine bevorzugten Ziele in den kommenden Wochen schon lange ausgebucht, zum anderen beginnt die Ferienzeit, und damit ist mir zu viel los auf den Straßen.

Außerdem lässt die Reparatur der V-Strom auf sich warten, denn bis zum heutigen Tag – fast drei Wochen später – hat mein Unfallgegner seiner Versicherung den Schaden noch nicht gemeldet, und ohne kann die Werkstatt nicht anfangen. Die Versicherung hat den Typen schon versucht anzurufen und zu -schreiben, aber der rappelt sich nicht und stellt sich tot.
Was für ein Arsch.

Wenn er sich weiterhin nicht rührt, nimmt seine Versicherung übrigens an, dass meine Ansprüche berechtigt sind und holt sich dann die Polizeiakte, um den Mann final anzuzeigen. Mein Recht bekomme ich auf jeden Fall, aber sowas daaaauert. Würde ich auf die Strom angewiesen sein, ich würde mich schwarzärgern.

Gut, dass ich hier eine Bürgemeinschaft mit der besten Verkehrsanwältin der Stadt habe. Tip von der ist übrigens: Unfälle, an denen man keine Schuld trägt, NICHT der EIGENEN Versicherung melden. Denn sonst würde man prophylaktisch hochgestuft. Interessant, oder?

***

Aber es gibt Hoffnung. Im September, wenn die Ferienzeit durch ist und es wieder ruhiger wird, wollte ich eigentlich für einige Tage Sardinien angucken. Ich merke aber gerade wie sehr mir die Reise mit dem Motorrad fehlt, und deshalb werde ich die Flugtickets verfallen lassen und mit der, dann hoffentlich wieder reparierten, V-Strom losfahren.

Bis dahin freue ich mich, dass ich jetzt überhaupt wieder Koffer zum zukünftigen Packen habe. Wir erinnern uns: Beim Auffahrunfall war die V-Strom auf der Seite und damit auf dem linken Seitenkoffer gelandet. Der unverwüstliche Givi E45 hat das zwar überlebt, ist aber nun zerschrammt, und wer weiß, ob nicht die Monokey-Halterung was abbekommen hat.

Doof nur: Die Dinger gibt es nicht mehr neu zu kaufen, und WAS es neu zu kaufen gibt, ist in allen Belangen schlechter. Vielleicht bezahlt mir die Versicherung des Unfallgegners brandneue Abenteuerkoffer. Die will ich aber gar nicht. Ich hätte gerne wieder einen E45, aber was man da so gebraucht zu kaufen bekommt, ist nicht nur sauteuer, sondern sieht meistens erbärmlich aus: Ausgeblichen, zerkratzt, verbastelt.

Bild: Nutzer Constantin auf Ebay-Kleinanzeigen.

Selten hat man Glück und bekommt gebrauchte E45s in gutem Zustand. Und dieses Glück hatte ich nun! Ein junger Mann hatte drei GIVI-Koffer von seinem Vater geerbt, der die praktisch nie benutzt hatte. Bei einer der ersten Fahrten hatte der junge Mann dann einen Unfall, dabei wurde einer der Koffer zerstört. Die beiden restlichen stellte der Mann in den Keller. Dort standen sie jahrelang, geschützt vor Witterung und Verfall. Bis jetzt.

Der junge Mann war sich sicher, dass kaum jemand die Koffer haben wollte, denn das übriggebliebene Duo ist asymmetrisch: Einer der Koffer ist ein E45, der andere ist schmaler und fasst nur 36 Liter. Genau DIESE Kombination passt aber perfekt an die Vrau Strom, die selbst auch asymmetrisch ist. Auf die Seite mit dem Auspuff kommt der kleinere Koffer, und zack, ist die Maschine auf beiden Seiten (fast) gleich breit. Das beide Koffer das gleiche Schließsystem haben und ein Schlüssel beide öffnet, ist ein sehr willkommener Bonus.

Ironie des Schicksals: Die Koffer mussten im Odenwald abgeholt werden, was bis auf 50 Kilometer genau dort ist, wo mich der Autofahrer aus dem Sattel geschossen hat. Also bin ich am vergangenen Samstag um 6 Uhr aufgestanden und SCHON WIEDER 300 Kilometer A7 und A45 gefahren, habe die Koffer eingeladen und bin die gleiche Strecke 300 Kilometer zurückgedüst. Damit habe ich den Weg innerhalb von zwei Wochen 6 Mal zurückgelegt. Kleine Abwechselung dieses Mal war ein Kaffee bei IKEA in Hanau.

Die langweilige Fahrt hat sich aber gelohnt, denn nun stehen sie hier: Zwei praktisch neue GIVIs, ein E45 und ein E36.

Die beiden sind so gut erhalten, dass sogar noch die Original-Gepäckgummis drin sind, die normalerweise nach der zweiten Benutzung reissen:

Ich freue mich wie Bolle. Hitzschutzbleche werden die beiden nicht verpasst bekommen, weil die an der V-Strom, anders als an der ZZR, nicht nötig sind. Aber ein Passivlichtsystem kommt auf alle Fälle dran, denn die silbernen Aufkleber, die Givi statt echter Reflektoren da dran geklebt hat, sind eine unreflektierende Frechheit:

„Die im Dunkeln sieht man nicht“:

Die Bastelei mit dem LKW-Markierungsband wird zwar wieder Pain in the Ass-ige Fleißarbeit, aber ohne fahre ich keine schwarzen Koffer mehr. Außerdem hilft die Bastelarbeit die Zeit bis zur Herbstreise zu überbrücken.

Lange Rede, folgender Sinn: Ich habe gerade Fernschmerz, ganz heftig, und nutze die Zeit bis zur nächsten Fahrt um mich über neue Koffer zu freuen.

 
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Verfasst von - 20. Juni 2017 in Motorrad

 

Vorüber

Die beste physikalische Gesetzmäßigkeit in unserem Teil des Universum, gleich nach der Schwerkraft, ist der lineare Ablauf der Zeit. Sie tickt unaufhaltsam vor sich hin, und auch wenn es uns manchmal vorkommt als ob sie verfliegt oder sich ewig zieht: In jedem Moment wird aus Zukunft Gegenwart, aus Gegenwart Vergangenheit.

Der Nachteil dieses Konzepts: Schöne Momente lassen sich nicht anhalten und ewig bewahren. Der nicht zu unterschätzende Vorteil: Alles hat einmal ein Ende, alles geht irgendwann vorüber. Ein Leben genauso wie die schwersten aller Tage, denen man voller Angst und Sorge entgegensieht. Alles kommt und geht und dann ist es irgendwann vorüber. 

Die Abschiednahme von einem geliebten Menschen fällt auch in diese Kategorie. Ich habe noch nie jemanden verloren der mir so nahestand, und ich wusste nicht, was der Tag der Beisetzung mit mir machen würde. Der Tag dräute in der Zukunft, düster und schwarz, dann kam er, und nun ist er Vergangenheit. Die Lücken, die in Leben hinterlassen wurden, werden erst kommende Jahre füllen, aber dieser eine Tag, der ist vorüber.

Gedankt sei dem linearen Zeitablauf.

 
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Verfasst von - 19. Juni 2017 in Ganz Kurz

 

Noch zu retten

Wow, ich bin gerade ein wenig überwältigt. Ganz dicken Dank für die vielen lieben und aufmunternden Kommentare und die Anteilnahme in Mails und Tweets! Die haben mich wirklich gefreut und aufgebaut. Im Moment geht es mir ganz okay – traurig, aber okay.

Mittlerweile gibt es auch gute Nachrichten zu vermelden. Ich hatte zwei Tage nach dem Unfall mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Fühlte sich an wie Muskelkater. Fand ich erstmal nicht unlogisch, immerhin hatte ich beim Aufprall nicht nur einen Schlag in den Nacken bekommen, sondern das vollbepackte Motorrad auch alleine hochgewuchtet. Das kann die Muskeln schon mal strapazieren. Als nach 4 Tagen aber Kopfschmerzen dazukamen, suchte ich mal Tante Doktor auf – die mich prompt in die chirurgische Notaufnahme des örtlichen Klinikums verwies.

Dort habe ich dann den Freitag Vormittag verbracht. Nach mehrfachem Röntgen dann aber die Entwarnung: Alles OK, nur eine leichte Prellung an der Schädelbasis.

Die zweite gute Nachricht: Nach einer Woche des bangen Wartens kam ein Anruf von der Werkstatt. Die V-Strom wurde dort zerlegt und vermessen, mit dem Ergebnis: Weder Rahmen noch Schwinge, Achse oder Hinterrad sind verzogen. Anscheinend hat das Auto die Frau Strom genau so erwischt, dass zwar möglichst viel eingedrückt wurde (hinterer Kotflügel und Kennzeichen hatten sich ein Mal um die Strebe des Kofferhalters gewickelt und klebten oben auf dem Hinterrad), aber dadurch, dass der Treffer in den „Weichteilen“ landete, wurde die Energie des Aufpralls nicht direkt über das Hinterrad in das Fahrwerk geleitet. Glück im Unglück, könnte man sagen. Die Strom ist kein Totalverlust, sie wird wieder fahren.

Der Unfallgegner war niedlicherweise der Überzeugung, dass er „das verbogene Metallding“ (die Strebe des Kofferträgers) aus eigener Tasche bezahlen würde. Nun, mit dem Metallding ist es nicht getan. Der ganze Kofferhalter ist verzogen und muss komplett getauscht werden, ebenso Sturzbügel, Lenker und Handprotektoren. Hinzu kommen Stornokosten für Hotels und Kosten für die Rückholung meines Gepäcks aus dem Odenwald. Alles in allem wird der kleine Bumser über 2.200 Euro kosten. Was ich mit dem beschädigten Koffer mache weiß ich noch gar nicht, denn die guten Givi E45 gibt es gar nicht mehr neu zu kaufen, und andere will ich nicht.

Aber das wird sich finden. Jetzt warte ich erstmal darauf, dass die gegnerische Versicherung sich meldet. Das dauert, sagt die Werkstatt, gerne mal zwei bis drei Wochen. Dann werden die einen Gutachter schicken wollen, weil der Schaden größer als 1.000 Euro ist. Bis dann die Freigabe zur Reparatur kommt, wird es Mitte/Ende Juli sein.
Aber egal, ich will gerade eh nirgendwo hin.

Und so habe ich wenigstens genug Zeit, um das Andenken hier gegen ein gültiges Kennzeichen auszutauschen: Read the rest of this entry »

 
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Verfasst von - 12. Juni 2017 in Motorrad

 

Abgeschossen

So, bin wieder da. Die diesjährige Sommerreise verlief etwas anders als geplant. Statt nach 8.000 Kilometern und 25 Tagen endete sie nach exakt 348 Kilometern und 6 Stunden in Wiesloch, einem Kaff kurz hinter Heidelberg. Das kam so.

Der vergangene Freitag war eigentlich der perfekte Starttag für eine Reise. Es war warm, und während ich auf dem Balkon frühstückte, spielten Nachbars Hühner auf der Wiese vor dem Haus im Schein der Morgensonne.

Im Flur standne schon die gepackten Koffer, und um kurz nach 9 zog ich die Haustür hinter mir zu.

Die Wohnung war im Abwesenheitsmodus, der Kühlschrank abgetaut, Heizung aus, alle Sicherungen raus. Ich trug die Motorradkoffer zur Garage, in der die V-Strom schon seit Tagen startbereit stand. Ich hatte sie zuletzt gar nicht mehr gefahren – fehlte mir noch, dass kurz vor der 3-Wochen-Reise eine Umfaller oder ein unachtsamer Autofahrer das Motorrad ruinierten, an dem ich nun seit 3 Monaten rumbaute.

Ich schob die große Suzuki auf die Straße, klippte die Koffer daran und checkte die Maschine. Alles OK. Schnell noch den Gehörschutz in die Ohren, dann den Helm auf, Bluetoothverbindung angeschmissen und los ging´s!


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Verfasst von - 6. Juni 2017 in Motorrad

 

 
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Verfasst von - 3. Juni 2017 in Ganz Kurz

 
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Sendepause

 
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Verfasst von - 1. Juni 2017 in Meta

 

On the Road. Again.

Auf Tour, mit dem Motorrad.

Kann ich auch brauchen. Keine Ahnung, was in diesem Jahr los ist, aber das gesamte Frühjahr durch bis jetzt bin ich schlecht gelaunt, leicht reizbar, unfit und dauernd müde. In den vergangenen Wochen bin ich quasi nach Hause gekommen, habe noch ein, zwei Stunden was gemacht und bin dann ins Bett gefallen – um am nächsten Morgen müder wieder aufzustehen als ich beim Einschlafen war. Für andere Aktivitäten, Side- und Blogprojekte oder sogar Sport, war keine Kraft da.

Körperliche Ursachen, sagt Tante Doktor, gibt es angeblich nicht, das ist aber nicht wirklich ein Trost. In anderen Jahren hat mein Körper vor einer Sommerreise gesummt vor Energie, in diesem Jahr schleppe ich mich bildlich über die Ziellinie des Urlaubs und frage mich, wie ich die körperlichen Herausforderungen der Reise meistern soll. Aber vielleicht ist es genau das, was ich brauche kann: Herausgefordert werden, in Kombination mit Konzentration auf was anderes.

Dafür ist Motorradfahren nämlich gut geeignet: Das Bewusstsein konzentriert sich ganz auf´s Fahren, für alle anderen Gedanken ist gar kein Platz. Erst ab dem dritten, vierten Tag auf der Straße stellt sich ein Zen-artiger Zustand ein, bei dem der Körper schön weiter Motorrad fährt, aber ein Teil der Gedanken auf Wanderschaft geht. Der Kopf wird dabei angenehm leer, Prioritäten werden zurechtgerückt und die Sicht auf´s eigene Leben wieder etwas klarer.

***

Ist schon merkwürdig. Obwohl ich jetzt schon zum sechsten Mal auf Fernreise mit dem Zweirad bin, habe ich kurz vorher immer noch ein komisches Gefühl in der Magengegend. Es kann hat halt viel passieren, wenn man wochenlang und allein unterwegs ist. Dazu kommt, dass es diesmal mit einem Mopped losgeht, dass ich noch gar nicht richtig kenne – ich kann die V-Strom zwar fahren, aber die Ticks und Eigenarten von Maschinen bekommt man erst nach einiger Zeit raus.

Wer wissen möchte, ob es mich noch gibt, kann ab und an mal in auf twitter.com/silencer137 reingucken, da gibt es mit Sicherheit den ein oder anderen Eintrag.

So, und nun drückt mal die Daumen, dass mir keine Passatfahrer in die Quere kommen und schlechtes Wetter und Pannen an mir vorbeigehen.
Man liest sich!

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Verfasst von - 31. Mai 2017 in Ganz Kurz, Meta

 

Hand drauf

Jeder Handschlag ein Duell: Wenn Donald Trump anderen die Hand gibt, lohnt es sich genau hinzusehen. Der orangefarbene Primat hat nämlich eine ganz besondere Handschütteltechnik. Erst hält er seine Hand ausgestreckt, geöffnete Handfläche nach oben, als würde er seinem Gegenüber ein Stück Torte präsentieren. Dann grabscht er blitzschnell zu, greif die andere Hand, dreht sie um 90 Grad und reisst gleichzeitig mit aller Kraft seinen Arm bis an die Hüfte zurück und zieht die Leute an sich heran. Im ungünstigsten Fall bringt er damit die Leute aus dem Gleichgewicht und sie stolpern auf ihn zu, im merkwürdigsten Fall machen beide eine Reissbewegung, und es zieht aus, als wollten Trump und der „Begrüßte“ Holz sägen. Dann beginnt Trump sein Gegenüber zu tätscheln, während er gönnerhaft grinst.

Das sieht schon sehr schräg aus:

Ist natürlich alles eine Kraftprobe. Durch seinen Handschlag versucht Trump andere zu dominieren. Er unterwirft seine Gäste bereits bei der Begrüßung. Den japanischen Premier hat er damit vollkommen überrumpelt, spätestens seitdem ist die Masche aber bekannt. Für ausländische Staatschefs ist Händeschütteln mit Trump seitdem eine Feuerprobe. Gut gemacht hat das Justin Trudeau, der Kanadier, der sich einfach mit der linken Hand an Trump abgestützt hat, damit der ihn nicht an sich heranreissen konnte. Oder Macron, der Trumps Hand mit stählerndem Griff packte und keinen Millimieter bewegte. Großartig!

Das ein simpler Handschlag eine Kraftprobe und ein Ritual zur Unterwerfung sein kann, ist mir persönlich erst Anfang des Jahres klar geworden. Es war auf einer IT-Tagung. Fast alle Teilnehmenden waren Männer, Anteil der Frauen ca. 1 Prozent. Einer der Frauen gab ich die Hand – und war im nächsten Moment sehr verblüfft. Anstatt eines normalen Handschlags setzte Sie ihre Hand in einem spitzen Winkel an meine, und drückte dann von oben mit ihrem Daumen in mein Daumengelenk. Das war nicht nur sehr unangenehm, weil an der Stelle Nerven zusammenlaufen, sie drückte meine Hand auch von oben einfach runter. Das war kein Handschlag unter zwei Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen, das war absolute Dominanz.

Hatte ich so noch nie erlebt, war sehr unangehem und macht in der Rückschau die Dame zu einem Menschen, mit dem ich nichts weiter zu tun haben möchte.
Seitdem achte ich genauer auf Handschläge.

 
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Verfasst von - 30. Mai 2017 in Ganz Kurz

 

Momentaufnahme: Mai 2017

Herr Silencer im Mai 2017
„Gleich geht es los.“

Wetter: Monatsanfang einstellige Temperaturen und Regen, Monatsmitte morgens 0-4 Grad, tagsüber 10-12 und trocken. Gegen Ende des Monats zeigt der Mai dann, was er wirklich kann: Sonne und 12 bis 20 Grad, an den letzten Tagen sogar Hochsommer mit 30 Grad und Sonne.

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Lesen:

Neil Gaiman: Amercian Gods
Shadow hat allen Grund schlechte Laune zu haben: Er kommt gerade aus dem Knast, er hat erfahren das seine Frau verstorben ist, er hat keine Perspektive. Deprimiert und am Boden nimmt er das Jobangebot eines gewissen Mr. Wednesday an, ihn auf einem Roadtrip durch die USA zu begleiten. Schon bald merkt Shadow, dass irgend etwas merkwürdig ist an Mr. Wednesday und den Menschen, die sie auf ihrer Reise besuchen. Sind es wirklich Menschen? Oder sind es alte Götter, halbvergessen und mangels Anhängern ihrer Macht beraubt?

Habe ich vor 16 Jahren das letzte Mal gelesen. Tolles Buch über sich ändernde Zeiten und alte Erinnerungen, über Dinge, die wir verehren und wie Götter leiden. Die Geschichte ist schwer zu verorten. Ein Mysterthriller? Ein Fantasykrimi? Irgendwie sowas. Und dazwischen auch ganz anders, denn wie schon in „Sandman“ streut Gaiman auch hier immer wieder kleine, für sich stehende Kurzgeschichten in die Hauptstory ein. Ein Buch wie ein Roadtrip, und zwar ein sehr guter.

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Hören:

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh
In den 70er Jahren ermordete Fritz Honka mehrere Prostituierte im Hamburger Trinkermilieu. Seine Opfer lernte er in der Kneipe „Der goldene Handschuh“ kennen. Die Leichen zerstückelte und versteckte er auf Altona und in seiner Wohnung.

Heinz Strunk ist sonst er für lustige Erinnerungen aus den 80ern gut. Hier schlägt er einen ganz anderen Ton an. Akribisch hat er Honka und seinen Opfern hinterherrecherchiert, sich in das Trinkermilieu hineinversetzt und daraus eine bedrückende Erzählung gemacht, die über jede Grenzen hinausgeht. Ungeschönt und unerträglich sind die Schilderungen der kaputten Trinker, der Menschen ohne Gedächtnis, ohne Identität, ohne Willen, die für eine Flasche Korn alles machen. Strunks Studie zeigt, wie Honkas Verbrechen möglich wurden und wie es sein konnte, dass niemand die getöteten Frauen vermisste. Ein soziokultureller Abgrund. Das ist wirklich, wirklich harter Stoff. Ich konnte das nur in Etappen hören und habe Monate dafür gebraucht.

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Sehen:

Guardians of the Galaxy Vol. 2 [Kino]
Die selbsternannten „Beschützer der Galaxie“ nehmen als Freelancer Kammerjägerjobs an. Als sie für eine goldene Trulla arbeiten, klaut der Waschbär alte Radioröhren. Dann findet Peter Quill seinen Vater, der das ganze Universum aufessen möchte.

Um es mal kurz zu machen: „Guardians Vol. 1“ war ein super Film, dieser hier ist es nicht. Dafür gibt es zu wenig wichtige Dinge, alles plätschert irgendwie vor sich hin, und alles, was in Teil 1 cool war, wird bis zum erbrechen wiederholt. Teil 1: Die 3 Sekunden Baby-Groot waren cool. Teil 2: 5 Minuten Babygroot-Solo. Teil 1: Die zwei Szenen mit Yondus Gedankenpfeil waren cool. Teil 2: Gedankenpfeil wird gefühlt 20 Minuten am Stück gezeigt. Apropos gefühlte Zeit: Guardians II ist mit 2,5 Stunden nicht nur gefühlt viel zu lang. Am Ende will man nur noch, dass es vorbei ist. Einer der schlechtesten Marvel-Filme bislang.

American Gods [Amazon Video]
„American Gods“ ist als Serie wunderbar Twin-Peaks-est umgesetzt. Charakterschauspieler, HDR-Optik, schräge Blickwinkel. Manchmal bleibt man der Vorlage auf die Dialogzeile treu, manchmal wird zeitgemäß variiert. Große Kunst, auf jeden Fall, und ich hoffe auf weitere Staffeln – die 8 Folgen der ersten bilden nur einen Teil des Buches ab.

Arrival [Amazon Video]
Überall auf dem Planeten landen Raumschiffe. Wissenschaftler gehen an Bord und stehen erstmal im Nebel. In dem stecken Außerirdische, die komische Zeichen in die Luft malen. Weil die Aliens nichts machen als rumkrakeln, beschliesst das Militär sie wegzubomben. Eine Linguistin findet das nur so mitteltoll.

„Es gibt noch SciFi für Erwachsene“ und „der beeindruckstende Science Fiction Film seit „Insterstellar“, jubelte es allerorten beim Erscheinen von „Arrival“. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was die Kritiker zu solchen Begeisterungsstürmen hingerissen hat. „Arrival“ hat exakt eine Idee, die den Film tragen soll. Die findet man aber gar nicht mehr so supi, wenn bis zur Auflösung 2 Stunden schnarchlangweiliges Rumgeflenne ertragen musste. Auf die letzten 5 Minuten wird der Film dann noch spannend, blendet dann aber schnell aus – als wäre es pfui, wenn auf der Leinwand mal was passiert. Das die zugrundeliegnende Prämisse der Filmtragenden Idee rotzedoof und von ähnlicher Glaubwürdigkeit ist wie seinerzeit das „Scarlett Johannson wird zu einem göttlichen USB-Stick“-Desaster, gleicht die verlorene Lebenszeit kaum aus. In der Heimkinofassung hat der Film zu dem das Problem, dass das Bild so dunkel und kontrastarm ist, dass stellenweise die Augen schmerzen. Ja, „Arrival“s Bilder sollen dunkel sein, aber das hier wirkt, als hätte man vergessen einen Filter für Kinoanlagen zu entfernen: Selbst sonnige Szenen wirken, als wäre sie im Dezember gegen 16.00 Uhr aufgenommen, und in den wirklich gewollt dunkelen Szenen an Bord der Raumschiffe ist stellenweise kaum noch was zu erkennen.
Merke: Schnarchiges Rumgefuddel, tränenreich in Kamera blicken und schlechte Lichtverhältnisse definieren NICHT SciFi für Erwachsene.

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Spielen:

Mass Effect: Andromeda [PS4]
Das Ding lappte über den Rand des Vormonats. Da hatte ich ja schon heftig geschimpft, und es wird nach hinten raus nicht besser. ME: Andromeda ist in Deckungsshooter, bei dem das Deckungssystem nur so mittel bis nicht funktioniert. Es ist ein Rollenspiel, bei dem sich der eigene Charakter null entwickelt und seine Skills nutzlos sind. Die NPCs sind allesamt nervige Unsympathen oder flennende Weicheier. Das Craftingsystem ist sinnlos. Es gibt 5 verschiedene Ingame-Währungen, die auch alle sinnlos sind, weil einen das Spiel damit zuschmeisst. Die Dialoge sind unerträglich schlecht. Die Story ist völlig Banane.

Am Schlimmsten aber: „Andromeda“ ist von allem zu viel. Nahezu jeder verdammte NPC erzählt nicht nur ausführlich seine uninteressante und langweilige Lebensgeschichte, er hat auch eine Quest parat. Ich habe keine Ahnung wieviele Sidequests es insgesamt gibt, gefühlt sind es mehrer Hundert, und zwar von der bescheuertesten Sorte: Sammele Kräuter. Scanne Schrott. Fahre Wegpunkte ab. Alles garniert mit VIEL Backtracking. Die Hälfte der Zeit glotzt man auf Ladebildschirme, weil die Kräuter über die halbe Galaxis verteilt sind. Das Schlimmste: Hinter manchen der Doofquests verbergen sich wichtige Storyinfos. Das ist vom Spieldesign her so ein Müll, dass ich irgendwann keine NPCs mehr angesprochen habe, um nicht noch mehr Gejammer hören und Blümchen pflücken zu müssen. Oh, und Bossfights. Ja, richtig: Mass Effect Andromeda hält wirklich im Jahr 2017 Bossfights für eine gute Idee. Aber nicht, weil es dabei um irgendwas ginge. Das sind auch so Nebenaufträge, nach dem Motto „Geh da mal hin, mach mal das Ding weg. Oder halt nicht, ist auch egal“.

Da stellt sich das Gefühl von „Wann ist das Elend endlich vorbei?? Warum hört da nicht endlich auf???“ ein. Von Allem bietet Mass Effect zu viel, kein Wunder, dass es den Fokus verloren hat.

Full Throttle [PS4]
Die USA, in einer alternativen Zeitlinie. Ben ist ein harter Biker und Anführer einer Motorradgang. Das ändert sich jedoch schnell, Ben wacht in einer Mülltonne auf, seine Gang ist weg, und er hat einen Mord am Hacken. Auf sich allein gestellt versucht Ben herauszufinden was passiert ist.

„Full Throttle“ habe ich vom ersten Moment an geliebt. Damals, 1995, als rauskam. Beindruckende Inszenierung, röhrende Motoren, Rockmusik – das gab es in einem Point & Click-Adventure bis dahin nicht, und später nie wieder. Jetzt, 22 Jahre später, gibt es eine aufgefrischte Version für Konsolen und PC. Und die hat es in sich: Die Grafik ist überarbeitet, der Sound gesäubert und das Interface angepasst. Besonder schön: Auf Tastendruck kann man zwischen neuer und alter Version umschalten. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar der Macher, der einen interessanten Einblick in die damalaigen Produktionbedingungen gibt. Einziger Wehrmutstropfen: Das Spiel ist nach wie vor kurz. Nach knapp 10 Stunden erklingt der Schlussakkord. Aber die Reise bis dahin ist allemal die 14 Euro wert, die aktuell dafür aufgerufen werden.

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Machen:
Eine V-Strom reisefertig machen.

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. Mai 2017 in Momentaufnahme

 

V-Strom (5): Elektrik & Gedöns

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In einer Miniserie werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt. Im letzten Teil: Gedöns!

Elektrik
Keine Ahnung wie lange die Batterie in der Maschine war. Vermutlich war es noch die erste. Zwar war die noch gut, aber nach 7 Jahren darf mal eine neue her. Wieder eine Yuasa.

Licht
Der Vorbesitzer hat Givi S310 „Trekker“ Zusatzscheinwerfer an den Sturzbügel gebastelt. In meinen Augen eine Spielerei, weil die Dinger trotz Halogen recht funzelig sind und die V-Strom schon zwei große Hauptscheinwerfer hat. Aber hey, wenn es die Sichtbarkeit erhöht, warum nicht.

Um die Sichtbarkeit WIRKLICH zu erhöhen, hat die V-Strom Osram Nightracer 50-Lampen bekommen. Wie der Name schon sagt, sind die 50 Prozent heller als andere H4-Lampen, halten dafür aber weniger lange. Ist ein Kompromiss. Eine Alternative wäre die Nightracer 110 gewesen, die irre hell sind, aber nur 160 Stunden halten. Das war mir ein Bisschen zu wenig.

Auch die anderen Leuchtmittel wurden einmal durchgetauscht. Sowohl die Blinker als auch die Standlichtbirnchen sind gegen neue ausgetauscht wurden, und gleich viel sichtbarer. Richtig sichtabr wäre man natürlich mit hellen LED-Birnchen. Die gibt es am Markt, die Nutzung ist aber in Deutschland verboten.


Heizgriffe

Hätte ich auch nicht missen wollen, hat sich zum Glück schon der Vorbesitzer drum gekümmert: Heizgriffe. Die Guten, von Daytona. Dazu Handprotektoren von Suzuki. Geschützte und warme Hände, was will man mehr.


Reifen, Reifendruckkontrolle und Ventile

Ein Reifendruckkontrollsystem ist normalerweise ein Luxus, der den ganz dicken BMWs vorbehalten ist. Aber nicht bei mir. Von Garmin gibt es Ventilkappen, in denen Bluetooth-Sensoren stecken. Die vernetzen sich mit dem Navi und zeigen den jeweiligen Status an. Das ist ein gutes Maß an Beruhigung, wenn man zwischendurch mal den Reifendruck checken kann, besonders, wenn man gerade über spitze Dinge gefahren ist.

Die Reifendruckradkappen sind zwar mit 9 Gramm recht leicht, aber an einem schnell laufenden Rad reicht das Gewicht, um normale Gummiventile aus der Felge zu reissen. Deshalb wurden Metallventile verbaut, die diese Kräfte aushalten.

Das Reifendruckkontrollsystem in den Ventilkappen wurde allerdings von der Renaissance transferiert. Die kleinen Dinger sind mittlerweile mehr als doppelt so teuer wie früher, ein Satz kostet aktuell 180 Euro. Das tut nicht not.

In dem Zug kamen gleich mal neue Reifen drauf. Statt meiner geliebten Angel GTs fährt die V-Strom auf Tourance Next von Metzler. Das Marketing nennt die „Straßen-Enduro-Reifen“, aber Enduro ist daran mal gar nichts. Tourentauglich sind sie aber, und bringen dazu Spitzenwerte für Haftung auf nassem Asphalt mit. Ich bin gespannt wie die sich machen, bislang gefallen mir die Eigendämpfung, das Kurvenverhalten und die Tastache, dass der Reifen nicht dazu neigt Längsrillen nachzulaufen.

Vom Vorbesitzer: Kotflügelverlängerung.

Die Metallventile sind übrigens recht lang, was das Nachfüllen der Reifen noch schwerer macht als ohnehin schon. Winkelventile wären ideal, um das etwas leichter zu machen, aber die funktionieren nicht im Zusammenspiel mit den Reifendruckkappen.

Eine gute Alternative ist dieses Ding hier: Ein Winkeladapterdapter.

Sehr wertiges, CNC-gefrästes Teil, das mit der großen Rändelschraube aufs Ventil geschraubt wird. Das rote Drehrad öffnet und schliesst das Ventil dann. Damit kann man ganz bequem und ohne Luftverlust den Reifen nachfüllen.

Luft stellte sich in der Vergangenheit ohnehin gelegentlich als Problem raus. Gerade im Ausland haben Tankstellen oft gar keine Luftstationen, und wenn doch, dann sind sie häufig defekt. Sehr glücklich macht mich gerade diese kleine, aber sehr leistungsfähige Fußluftpumpe von Bikers Dream.

Die ist minifuzziklaan, wie wir Kölner sagen, und wiegt so gut wie nix. Mal gucken, vielleicht nehme ich die mit, damit wäre die nervige Suche nach Tankstellen mit funktinierender Luft Geschichte. Dafür könnten auch die Pressluftpatronen aus dem Reifenreparaturset zu Hause bleiben. Denen traue ich ohnehin nicht, und vom Gewicht nehmen sich Pumpe und Patronen nichts.

Navigation
Natürlich wird an der V-Strom auch das Garmin Zumo 590 verwendet. Da die Originalhalterung fest an der ZZR 600 verbaut ist, wurde in der V-Strom eine zusätzlich beschaffte Cradle verlegt.

Testaufbau im Winter.

Die ist nun fest eingebaut und versorgt das Navi mit Strom über geschaltetes Plus. Meine V-Strom hat das eine oder andere Relais mehr als eine Standardmaschine, da liess sich das gut anklemmen.

Die Cradle sitzt übrigens am Lenker. Die meisten V-Strom-Piloten bevorzugen eine Position an der Frontscheibe, weil dann der Blickweg nicht so weit ist. Geht bei mir aber nicht, zum einen komme ich während der Fahrt nicht mit den Armen bis an die Scheibe, zum anderen ist der Madstad-Scheibenhalter dafür nicht geeignet.

Gedöns
In die Rubrik Gedöns fallen noch der GPS-Tracker und der WLAN-Access-Point, die nun auch der V-Strom stecken. Genauso wie das kleine Thermometer, das nun im Cockpit klebt. Ist ja immer wieder erstaunlich… Es gibt keine kleinen, wasserdichten und batteriebetriebenen Thermometer mit Fühler für Motorräder. Das hier ist selbstgebaut, aus einem Termomodul, einem Elektronikgehäuse und Teilen eines Mini-Kamerastativs.

Ebenfalls Gedöns: Die Kamerahalterungen. Erstaunlicherweise hat die V-Strom gar nicht so viele Punkte, wo man eine Kamera sicher und vibrationsarm anbringen kann. Ich probiere es mal so:
Die VIRB XE klebt mit einem Saugnapf auf der vorderen Verkleidung. Sie zeichnet nicht nur Bilder, sondern auf, sondern auch Position, Lage, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Temperatur (über einen Sensor im Heck).

Gesteuert wird sie mit einer kleinen Fernbedienung am Lenker.

Davon unabhängig gibt es noch die kleine Rollei, die im Fahrwerk hängt.

So. Damit wäre das Motorrad dann soweit. Ich will hoffe, dass die Frau Strom genauso zuverlässig ist wie die ZZR 600. Wie sie sich schlägt, werde ich ab kommender Woche erfahren – dann geht es auf Tour. Mehrere Wochen lang.

 
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Verfasst von - 26. Mai 2017 in Motorrad

 

V-Strom (4): Gepäck

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In lockerer Folge werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt.

SW-Motech Evo QuicklLink Koffersystem
Die gebrauchte V-Strom hatte schon einen Kofferhalten montiert. Zuerst habe ich mich total gefreut, als ich gesehen habe, dass es sich dabeium ein SW-Motech-Teil handelt. Die deutsche Zubehörschmiede geniesst einen ausgezeichneten Ruf, und das „Evo“-System ist wirklich ein Meisterstück. Mit Adapterkits lässt es sich so umrüsten, dass sowohl meine Givi-Koffer als auch Hepco & Becker, Steed und andere Koffer an die Maschine passen. Super, das spart den Kauf eines Kofferträgers, und ich kann meine Koffer weiterverwenden.

Die Kehrseite: Das Evo ist ein Quicklink-System. Man dreht die Schraubverbindungen um 90 Grad und zack, hat man den Träger demontiert. Ist für Leute, die Kofferträger unästhetisch finden.

Ist ja auch eine nette Idee, wenn man den Träger nicht dauernd dranhaben möchte. Allerdings lässt er sich ohne spezielles Werkzeug lösen. Auch dann, wenn die Koffer dran sind. Für Diebe ist es daher sehr einfach, durch Lösen von vier Clickverschlüssen eben mal das Gepäck wegzutragen.

Suboptimal. Abhilfe schaffen spezielle Haltebolzen mit Schlössern drin, die ich nachträglich montiert habe.

Wesentlich fester ist da schon die Halteplatte von Givi. Die wird mit fummeligen Halterungen direkt auf die Gepäckbrückde der Suzuki geschraubt und ist ohne passendes Werkzeug und ausgerenkte Finger nicht mehr abzubekommen. Dummerweise ist sie recht dicht an der Sitzbank moniert, geht aber nicht anders.

Die V-Strom hat nur einen Auspuff, der an der rechten Seite weit hochgezogen ist. Dadurch ist die ohnehin breite Maschine asymetrisch, und der rechte Koffer steht 6 Zentimeter weiter nach Außen ab als der linke.

Ich hatte erst überlegt ein asymetrisches Kofferset zu montieren. Nachdem ich mir einige Sets genauer angesehen habe muss ich sagen: Diese Art von Koffer sind meist irre teuer und lenken erst recht den Blick auf die Asymetrie. Und noch schlimmer: Bei manchen muss man echt den Nutzwert anzweifeln, anscheinend zählt die Optik mehr als der praktische Nutzen.

So ein Fall sind die „Trekker“ von Givi. Mit denen hatte ich heftig geliebäugelt, als ich dann aber einen der 46 Liter-Modelle zu Hause hatte, war ich ziemlich negativ überrascht. So schön die neuen auch sind, mit ihren schwarzen Aluminiumplatten und dem geteilten Deckel: Sie sind am Ende des Tages halt auch nur Plastikkoffer, und dafür mit 6 Kilogramm Gewicht einfach zu schwer.

Der Motech-Träger kann 12,5 Kilo pro Seite tragen, wenn die Koffer schon 6 davon mit Eigengewicht belegen, bleibt nicht mehr viel für den eigentlichen Inhalt übrig. Nach reiflicher Überlegung bin ich tatsächlich zu dem Schluss gekommen: Meine alten E45-Givis sind tatsächlich das Beste, was es in dem Bereich gibt. Sie machen vielleicht optisch nicht so viel her, aber sie sind stabil, leicht ( wiegen 3 Kg) und dicht.

Ein weiterer Punkt für die Weiterverwendung der alten E45 ist das selbstgebaute Passivlichtsystem, das für die Sichtbarkeit unschlagbar ist. Das umlaufende Diamond Grade Markierungsband, das ich in mühsamer Handarbeit nachgerüstet habe, macht, dass die Maschine selbst in finsterster Nacht bei geringstem Streulicht leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.

Ganz zu schweigen vom Topcase, das im doppelten Boden nicht nur eine Warnweste mitbringt, sondern in sich nochmal ein Gepäcksystem mit Wasserflaschen und Kleinteiletaschen hat.

Das Topcase fahre ich übrigens meistens genauso leer durch die Gegend. Dann passt nämlich der Helm rein. Ich erlaube mir den Luxus, denn Helm durch die Gegend schleppen ist doof.

Vermutlich brauche ich die 90 Liter Stauraum der beiden E45 Givis gar nicht mehr. Bei den Reisen mit der ZZR war der rechte Koffer zum Großteil mit Werkzeug und Ersatzteilkram beladen. Das brauchte wenig Volumen, brachte aber viel Gewicht auf die Waage. Bei der V-Strom kann ich mir das Mitführen von Ersatzteilen hoffentlich sparen. Anders als die ZZR ist die Suzuki dafür gemacht auch mal Umfaller wegzustecken. Bei einem Sturz brechen nicht sofort die Fußrastenhalter, sondern verbiegen sich und lassen sich vom Dorfschmied wieder in Form dengeln. Und das Werkzeug lässt sich anders unterbringen:

Tooltube

Auf der rechten Seite der V-Strom verläuft zwischen Hinterrad und Kofferträger der Auspuff, aber links war da – nichts. Bis jetzt. Ein Dokumentenzylinder aus einem John-Deere-Traktor wurde zu einer Tooltube, einer Werkzeugröhre.

Halterungen bringt das Plastikding schon mit, und nach einigem Experimentieren und mit Alberts Hilfe (Geht´s nicht M8 und V2A?“) hatte ich dann auch irgendwann die passenden Schrauben zur Verbindung mit dem Gepäckrahmen gefunden, der praktischerweise noch unbenutzte Löcher hatte.

In der Röhre befinden sich nun Ersatzhebel, Werkzeug, ein Warndreieck und eine starke Taschenlampe. Abschließen kann man sie nicht, aber ich würde mich stark wundern, wenn da wer dran geht.

Rechts Auspuff, links Tooltube.

Fällt kaum auf, das Ding:

Sitzbank
Die beste Investition in die ZZR 600 die ich JEMALS getätigt habe war die Sitzbank, die eine kleine Sattlerei in Hameln für mich gefertigt hat. Durch die Form und die Geleinlage kann ich 8 Stunden am Stück fahren ohne das mir der Hintern abfällt. Die V-Strom hat eine 4Seat Sitzbank von Baehr mitgebracht.

Das Teil kostet mit 500 Steinen mehr als drei Mal so viel wie das Unikat aus der Sattlerei. Ob das Ding die viele Kohle, die ich persönlich nicht ausgegeben hätte, wirklich wert ist, muss sie erst noch beweisen. Sehr vertrauenserweckend ist der erste Eindruck nicht: Einer der Haltehaken zum Chassis ist schon gebrochen. Der Vorbesitzer hat sich wohl draufgesetzt, als das Kunststoff-Ding nicht richig eingerastet war. Das dürfte aber keine Rolle spielen, solche wichtigen Teile müssen aus Metall sein und dürfen nicht brechen, nie! Schon gar nicht an einem 500 Euro-Sitz.

Unter der Sitzbank bringt die V-Strom auch noch erstaunlich viel Stauraum mit. Da lagern bei mir jetzt Papiere (Eintragungen, Zulassungen, Unfallbericht, grüne Karte), ein Verbandskasten sowie das, was man als Moppedfahrer immer für Reperaturen braucht: Klebeband und Kabelbinder.

Mit Tooltube und Sitzbankstauraum kann ich mir jetzt tatsächlich die Werkzeugtasche im Koffer sparen.

 
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Verfasst von - 25. Mai 2017 in Motorrad

 
 
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