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Motorradreise 2016 (7): Sommer in Siena

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Die Sommerreise mit der Renaissance.

Donnerstag, 16. Juni 2016, San Vincenzo

Schon ist eine ganze Woche in San Vincenzo vorbei. Ich verabschiede mich von Licio und Franca und I Papaveri, dann geht es mit der, wieder bepackten, Renaissance gen Norden.

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Ungefähr 40 Kilometer vor Pisa gibt es eine weite Hügellandschaft mit Feldern, umschlossen von Bergketten. Da will ich hin, denn auf Luftbildern habe ich da einen See entdeckt, der da eigentlich nicht sein dürfte.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 3. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Familiäre Dialoge -VII-

„Dann habe ich da angerufen und gesagt, dass das Nötigung ist! Nötigung! Oder Erpressung! Hier, so Drohbriefe schreiben! Ich glaub´ es hackt!“

„Vater, das waren keine Drohbiefe, das waren Mahnungen. Sowas bekommt man nun mal, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt.“

„Du bist ein technischer Witzbold! Ich war doch gar nicht da, und das wussten die ganz genau!“

„Wieso hätte jemand, der Dir eine Rechnung schickt, wissen müssen, dass Du nicht zu Hause bist?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Die Rechnung war von der gleichen Klinik, die mich direkt nach der OP in die Reha geschickt hat. Die wussten ganz genau, dass ich in der Reha und nicht zu Hause war, und trotzdem schicken die diese bösen Briefe! Ich glaub mein Schwein pfeift!! Also habe ich die angerufen und habe diese Erpresser zusammengefaltet. So geht´s ja nicht. Da gehe ich nicht wieder hin, wenn die Buchhaltung da so unfähig ist.“

„Da hast Du es dem einzigen Krankenhaus im weiten Umkreis ja richtig gegeben. Aber würdest Du wirklich wollen, dass die Angestellte in der Buchhaltung Deine Krankenakte liest, nur um dann Dir dann die Rechnung dahin zu schicken, wo Du gerade bist?“

„Das ist ja wohl das Mindeste! Alles andere ist Nötigung! Zumal ich auch die Post storniert hatte!“

„Du hast die Post storniert?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach, was macht man denn, wenn man längere Zeit nicht da ist oder verzogen!?“

„Man stellt einen Nachsendeantrag?!“

„Was soll das denn sein? Nein, man storniert die Post! Dann kriegt man keine mehr. Sag mal, Du kennst Dich auch mit nichts aus, oder? “

Verdammt. Hätte ich das eher gewusst. Dann hätte ich schon lange alle Rechnungen storniert.

Nötigungsdialog
Tantenmonolog
Mehr Dialog
Noch ein Dialog
Anderer Dialog
Noch ein anderer Dialog

 
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Verfasst von - 1. Dezember 2016 in Familienbande

 

Für mehr Cyber im Cyber!

„Das war, meine Damen und Herren, ganz klar ein gezielter, terroristischer Anschlag auf unsere Land“, brüllt der Hinterbänkler ins Mikrofon. Seine Stimme überschlägt sich, und fast kann man durch´s Radio sehen, wie dabei Speichelfetzen durch den Bundestag fliegen.

NEIN, war es nicht, Du Napfnase. Der Ausfall von fast 900.000 Routern der Telekom war kein gezielter Anschlag auf Deutschland, das war einfach ein ganz normaler und weltweiter Versuch, Hintertüren in billigen und schlecht gesicherten Geräten auszunutzen. Das machen Leute, um danach die Geräte zu übernehmen und mit Ihnen ein Botnetz zu bauen, das vermietet wird um damit z.B. Denial of Servcie-Attacken zu fahren. Solche Übernahmeversuche gibt es bei alllen Geräten im Netz, und deshalb ist es so wichtig, z.B. bei der Webccam, die man sich bei Aldi gekauft hat, wenigstens das Standardpasswort zu ändern.

Nein, erschreckend sind lediglich die Reaktionen der Politik darauf. Der Innenminister faselt prompt was von „Verantwortung von Herstellern und Bürgern“ für Sicherheit bei ihrem Netzkram zu Sorgen, und koalitionsübergreifend wird mehr „Cyber“ gefordert. Das ist synonym für „Ich habe keine Ahnung, irgendwas mit Internet“. Da werden dann der Aufbau von „Cyberarmeen“ gefordert, oder auch hartes Vorgehen gegen „Cyber Kriminalität“ und „Cyber Terrorismus“, und letztlich will man selbst „Cyber Angriffe“ starten. Die ganz abgehängten Politiker fordern einfach mehr Cyber im Cyber und sind sich damit schon genug.

Was man mal ganz klar sagen muss: Das sind genau die gleichen Politiker, die nicht müde werden Sicherheitsmaßnahmen zu torpedieren oder unter Strafe zu stellen. Es wird nämlich ständig gefordert, dass für die staatlichen Geheimdienste Hintertüren in Geräte und Dienste eingebaut werden soll. In den USA ist das Gang und gäbe, bei jedem Skypechat liest quasi die NSA mit. Sowas wollen unsere Cyberpolitiker auch, und nach Möglichkeit auch gleich Hintertüren in Routern, Kameras und allem anderen, was so im Netz hängt.

Damit ist die Politik genau Teil des Problems. Denn Hintertüren sind nicht sicher. Sind sie erstmal implementiert, wird früher oder später eben nicht nur der eigene Geheimdienst den Schlüssel dafür haben, sondern auch der von Trumpland oder der böse Russe oder der eines anderen Landes oder irgendwelche Kriminellen. Das ist unausweichlich. Die einzige Gegenmaßnahme: Sowas gar nicht erst einbauen. Aber mit solchen vernünftigen Forderungen lässt sich weniger Speichel im Bundestag verteilen. Cyber!

 
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Verfasst von - 30. November 2016 in Betrachtung

 

Momentaufnahme: November 2016

Herr Silencer im November 2016
„Achtung, noch drei Montage bis Weihnachten!“ (Kalesco am 29.11.)

Wetter: Regen, grau, zu Monatsbeginn Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad. Dann ein kurzer Absturz in den leichten Minusbereich, in der dritten Woche aber wieder trocken und mit 12 Grad mild. Am Monatsende dann wieder Temperatursturz auf Minus 8 Grad.

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Lesen:

Marc Elsberg: Blackout
In Europa fällt der Strom aus. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag, sondern wesentlich länger. Ein italienischer Computerexperte findet heraus, dass es sich um einen Angriff von Außen handelt. Jemand hat anscheinend die Smartmeter in Italien und Schweden verwendet um das Stromnetz zu sabotieren. Während Behörden und Unternehmen alles versuchen, um die Kraftwerke wieder ans Netz zu bringen, versinken die Länder in Chaos und Anarchie.

„Blackout“ ist eines der spannendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Das liegt vor allem an dem stets spürbaren Zeitdruck. Die Kapitel sind mit „1. Tag, 2.Tag“, usw. üüberschrieben, und mit jedem weiteren Tag ohne Strom bricht die Gesellschaft weiter in sich zusammen. Was als Unannehmlichkeit beginnt, steigert sich schnell zur Existenzbedrohung. Ist an Tag 1 noch die schlimmste Konsequenz das Dinner bei Candlelight und ein wenig Ärger über nicht funktionierende Toiletten, Heizungen und Tankstellen, geht es ab Tag 3 zur Sache. Menschen kämpfen um Wasser und Benzin, in Krankenhäusern und Altenheimen wird Sterbehilfe geleistet, ohne funktionierende Melkmaschinen platzen Kühen die Euter. Ab Tag 5 werden Kernkraftwerke kritisch und Städte zu Seuchenherden. Autor Elsberg entwirft hier ein glaubwürdiges Katastrophenszenario, dass durch seine Details ebenso erschreckt wie fesselt – man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

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Hören:

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Sehen:


The Revenant
[Amazon Video]
1823. Leonardo di Caprio ist ein Trapper im Wilden Westen. Dort jagt er mit anderen Trappern Tiere, und die Indianer jagen die Trapper. Dann kommt auch noch ein Bär und reisst ihm die Gurgel raus. Der angekaute Trapper wird amtlich für tot erklärt und in der Wildnis zurückgelassen. Ist er aber nicht. Halbtot und mit offenem Hals robbt er sich während eines strengen Winters zurück in die Zivilisation.

„Revenant“ heißt auf Deutsch soviel wie „Wiedergänger“. Genau wie ein Untoter ist auch dieser Film dreckig und unhygienisch. Er stinkt geradezu durch die Leinwand, denn gefühlte drei Stunden lang gibt es hier nur Kälte, Schlamm, Scheiße und Blut. Die Entbehrungen bei den Dreharbeiten müssen enorm gewesen sein, da nur vor Ort und im Schnee gedreht wurde. Die Caprio bekam dafür endlich einen Oscar, aber ehrlich gesagt: Ihm dabei zuzusehen, wie er sich drei Stunden lang blutend durch Schnee und Dreck robbt, hat nur begrenzten Unterhaltungswert – wenn man nicht total voyeuristisch veranlagt ist.


Der Zauber von Malena
[DVD]
Sizilien, in den 1930er Jahren. Malena ist die schönste Frau im Dorf. Alle Männer sind verrückt nach ihr, aber sie lebt zurückgezogen und wartet darauf, dass ih Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Als die Nachricht kommt das er gefallen sei, beginnen die Männer des Dorfes ihr „Angebote“ zu machen, während die neidischen Frauen Mutmaßungen und Gerüchte über Malenas Lebenswandel streuen und sie damit isolieren. Malenas Schönheit macht sie in den Augen der anderen zur Hure. Letztlich wird die schüchterne Frau dadurch in ein Leben gedrängt, das sie selbst hasst und alle anderen ihr ohnehin unterstellen. Das führt zu einem Ende, gegen das der „Walk of Shame“ in Game of Thrones Kindergarten war.

Ein seltsam Ding, dieser Film. Beginnt recht locker und ist lustig anzusehen, wie ein ganzes Dorf dem Charme von Monica Bellucci verfällt. Ab der Mitte wird es dann erst tragisch, dann dramatisch und endet schlimmer und gewalttätiger als der „Shame!“-Walk in Game of Thrones. Unverständlicherweise wurden dann noch leicht versöhnliche Szenen hinten drangeflanscht, aber die machen es nicht besser. Das alles aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen erzählt wird, der zu Phantasien von Malena onaniert und dessen Tagträume sich mit der Realität vermischen, macht den Film nicht zugänglicher. Was bleibt? Ein leeres und trauriges Gefühl und die Erinnerung an schöne Bilder.


Der Butler
[Amazon Video]
Die Südstaaten der USA, in den 1920er Jahren: Der farbige Cecil Gaines wächst auf einer Baumwollplantage auf. Hier muss er mit ansehen, wie seine Mutter vom Besitzer der Plantage vergewaltigt und sein Vater erschossen wird. Cecil überlebt und bekommt sogar ein wenig Bildung, was ihm die Arbeit im Herrenhaus ermöglicht. Später wird er Portier in einem Hotel in Washington DC. Dort wird ein Rekruter des Weißen Hauses auf ihn aufmerksam und stellt ihn als Butler ein. Gaines dient den Präsidenten Eisenhower, Kenendy, Nixon, Ford, Carter und Reagan und bekommt unmittelbar und unverfälscht ihre jeweilige (Rassen-)politik mit.

Als Zuschauer erlebt man eine acht Jahrzehnte umspannende und wahre(!) Geschichte mit. Die beginnt in einer Zeit, in der Afroamerikaner keine Rechte hatten, als Sklaven gehalten wurden und die ohne Strafverfolgung jederzeit getötet werden durften. Sie endet mit dem ersten farbigen Präsidenten der USA. Erzählt wird diese Geschichte von einem Farbigen, der sie im Weißen Haus und durch seine Kinder erlebt. Denen steht er entfremdet gegenüber, denn mit den Forderungen nach Gleichberechtigung und Black-Panther-Aktionen kann er nichts anfangen.

Auf dem Papier hört sich das nach einem spannenden Film an, das stimmt aber nur begrenzt. Die Geschichte zieht sich sehr die 160 Minuten Laufzeit. Das liegt zum einen am Pacing, denn viel zu oft wird in Nebendramen der Familiengeschichte der Gaines umgeschnitten, was den Film auf der Stelle treten lässt. Das liegt aber auch an den Schauspielern. Der Film ist vollgepackt mit Stars, und das ist ein Fehler. Forest Whitaker guckt, wie immer, mit seinem einen Gesichtsausdruck waidwund in die Kamera. Als Cecil Gaines ist er eine Fehlbesetzung, und er spielt so, als ob er das auch weiß. Seine Ehefrau wird von Oprah verkörpert, die ihre Rolle nicht im Griff hat und für die sie deutlich zu alt ist – die 72jährige kann nicht mehr glaubwürdig eine Dreißigjährige spielen. John Cusack als Nixon gibt sich redlich Mühe, wird aber immer als „hihi, guck mal, John Cusack mit Gumminase“ in Erinnerung bleiben. Lediglich Alan Rickmann channelt einen glaubwürdigen Ronald Regan. In der Summe ist das schade, eine Verfilmung mit unbekannten und besser gecasteten Schauspielern hätte deutlich mehr Wirkung erziehlt. Unverständlich, warum man eine so wichtige Geschichte als Starvehikel aufzuziehen versucht.

The Grand Tour [Amazon Video]
Anfang 2015 wurde Jeremy Clarkson wegen tätlichen Angriff auf einen Assistenten seiner Show „Top Gear“ von der BBC gefeuert. Aus Sympathie gingen die Co-Hosts James May und Richard Hammond gleich mit. Während die BBC Top Gear mit einem Pumuckl und Joey aus „Friends“ rebootete, wurde es still um die drei Ex-Stars. Dann war zu vernehmen: Sie entwickeln eine neue Autoshow, und das für Amazon!

Nun sind Clarkson, Hammond und May sind zurück. Und wie! Die große Tour ein Mal um die Welt, jede Woche in ein anderes Land. Das Konzept ist großartig, die Einspieler schön gefilmt und die Moderation zum Umwerfen komisch. Die drei Moderatoren sind Freunde, die sich ständig vor der Kamera aufziehen, das ist der Reiz der Show. Dass das Budget sehr viel höher liegt als bei der BBC ist in jeder Szene zu merken. Das Team zieht um die Welt, jede Woche ist das Studio in einem anderen Land. Und die Aktionen der drei werden immer absurder. Zuletzt spielten sie auf einem Truppenübungsplatz einen Antiterroreinsatz nach, den sie immer wieder von vorne beginnen mussten, sobald einer von ihnen starb. „Wie in diesem Tom Cruise-Film…“ „Cocktail? Rain Man?“


Fantastische Viecher und wo sie zu finden sind
[Kino]
Ausführliche Besprechung hier.


Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal
[DVD]
Signora Rambaldi ist tot – und mit ihren drei Kindern sehr unzufrieden, wie sie ihnen per Videobotschaft ausrichten lässt. Das millionenschwere Erbe soll nur antreten, wer innerhalb eines Jahres ein Kind zeugt. Das finden der ältere Sohn (homosexuell) und die Tochter (sterilisiert) zu Recht unfair und greifen ihrerseits zu unfairen Mitteln: Sie engagieren die schöne und vollkommen gefühlskalte Killerin Monica Belluci, die den jüngsten Sohn heiraten, mit ihm ein Kind zeugen und ihn dann töten soll. Als wäre dieser Plan nicht schon bescheuert genug, muss noch ein Embryo in einer Glaskugel großgezogen werde und die Zwillingsschwester der Killerin Plätzchen backen.

„What. The. Fuck.“, denkt man unweigerlich beim Sichten dieses absurden Films. Dieser üble Italo-Klamauk war tatsächlich nur in den 80er Jahren möglich, heute würde man schon aus Gründen des guten Geschmacks darauf verzichten einen solchen Unfug zu verfilmen. Einziger Lichtblick ist Monica Belluci in einer Doppelrolle als Todesengel mit Dominaappeal und ihrer herzensguten Zwillingsschwester, dank der es sogar ein Happy End gibt. Unbedingt meiden, diesen SChwachfug.

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Spielen:

Mafia III
1968: Lincoln Clay kommt aus dem Vietnamkrieg zurück und wird von seiner Familie freudig begrüßt. Seine Familie, dass ist eine Gang von Afroamerikanern, die für einen italienischen Mafiaboss ein Stadtviertel von New Orleans kontrollieren. Eines Tages hintergeht der Pate die schwarzen Kleingangster und bringt alle um. Lincoln überlebt das Massaker schwer verletzt und schwört Rache. Stück für Stück beginnt er die Mafia zu demontieren. Dabei ist er keinesfalls ein Engel, im Gegenteil: Er nutzt seine Verbindungen zum FBI um seine Gegner auszuforschen, schaltet sie aus und übernimmt dann selbst Glücksspiel, Drogen und Prostitution. So arbeitet er sich von den Unterbossen über die Capos bis zum Paten vor.

Was für ein faszinierendes Spiel: New Orleans mit seinen unterschiedlichen Stadtvierteln und dem Bayou ist eine faszinierende und detaillierte Kulisse, Lincoln Clay als farbiger Kriegsveteran eine interessante Figur und die Idee, die Mafia auszuschalten und damit ein eigenes, kriminelles Imperium aufzuziehen ist originell. Genauso wie der Blickwinkel, denn die Gschichte von Clay ist eine Rückblende, die in den 80ern von einem Staatsanwalt und einem Priester erzählt wird. Diese Erzählung funktioniert hervorragend. Was nicht funktioniert, ist der Open World-Ansatz, der gerade so angesagt ist. Sicher, New Orleans ist atemberaubend detailliert, aber die Tätigkeiten und Aufgaben darin sind repetitiv und öde. Das wirkt sich auf´s Gameplay aus: Viel zu viele Missionen erfordern immer wieder Fleissaufgaben, so dass sich das Spiel eher nach Pflichtarbeit anfühlt als nach Abenteuer. Die fehlende Schnellreisefunktion und die Notwendigkeit, rund 300(!) Einzelteile zur Aufdeckung der Karte zu finden, macht es da nicht besser. Ich behaupte mal: Wäre Mafia III nicht Open World, es wäre ein besseres Spiel. Schlecht ist es deshalb aber nicht. Die Storymissionen sind großartig, die Kulisse 1a, aus den Radios dröhnen Originalsongs von Jimi Hendrix, den Stones und anderen, Animation und Aussehen von Gesichtern in den Zwischensequenzen gehören zum Besten, was es gerade gibt. Genau das richtige für lange Winterabende. Sehr. Lange. Winterabende.

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Machen:
Besuch in Hamburg! Abendessen mit der Wunderbaren Welt des Wissens und der nicht weniger wunderbaren @FrauZimt. Achja, und Miniatur Wunderland, natürlich.

Außerdem: Ausrüstung saubermachen und einmotten.

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Neues Spielzeug:
Ein Skandika X-1000. Ich komme gerade nicht ins Fitnessstudio, und so kann ich wenigstens zwischendurch mal was wegradeln. Da Skandika ist sehr preiswert, ohne billig zu sein: die faltbare Konstruktion ist überraschend stabil und absolut lautlos.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. November 2016 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Rent a…

„Rent a Sozi“ ist gerade der große Aufreger. Ist ja nichts für mich. Was soll ich mit der „umgelegt“ Nahles, dem „Anzug“ Maas oder Siggi Pop?

Dann die Entdeckung: Man kann Promis schon über Amazon bestellen. Habe ich gleich mal ausprobiert. Allerdings nicht mit Sozenquatsch.

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Verfasst von - 27. November 2016 in Ganz Kurz

 

Motorradreise 2016 (6): Von der Bildfläche verschwunden

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Die Sommerreise mit der Renaissance.

Dienstag, 14. Juni 2016, San Vincenzo

Es stürmt, und zwar so richtig. Die Bäume im Vorgarten von „I Papaveri“ biegen sich, und die Jasminhecke wird ordentlich durchgeschüttelt. Gelegentlich gibt es sogar Regenschauer, und das aus blauem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein. Sehr seltsame Kombination. An Strand ist bei dem Sturm nicht zu denken, da wird man sandgestrahlt.

Ich schwinge mich auf das Motorrad und fahre von San Vincenzo aus nach Norden, am Küstenort Cecina vorbei und durch hügelige, sonnengelbe Felder. In der Ferne schimmern blaue Berge, und nach einer Stunde bin ich in Pisa. Im Vorort Pontedetra liegt das Werksmuseum von Piaggio. Es ist nicht groß, bietet aber einige Kuriositäten. Die sind nicht aufwendig erklärt, die stehen da einfach nur etwas lieblos rum. Dafür kostet das Museum keinen Eintritt.

Seit 1884 gibt es die Piaggio Werke. Die meisten Ausstellungsstücke sind aus den letzten 70 Jahren. Zu sehen sind merkwürdige Sondereditonen von Piaggos größtem Hit, der Vespa, aber auch Apes (gesprochen Ah-Pe, das heisst „Biene“) oder Porters, die besonders in Indien gerne als „Tuk-Tuks“ eingesetzt werden. Daneben gibt es Schienenbusse, Flugzeuge und das Firmenarchiv mit tausenden von Akten zu sehen. Alles keine tagesfüllende Beschäftigung, aber für Vespa-Fans das Mekka.

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Ein Schienenbus.

Ein Schienenbus.

Das Werksarchiv mit tausenden von Akten.

Das Werksarchiv mit tausenden von Akten.


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Verfasst von - 26. November 2016 in Motorrad, Reisen

 

Pest/Cholera

Wenn die Pest auch gleich noch die Cholera ins Haus schleppen will:

 

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Verfasst von - 23. November 2016 in Ganz Kurz

 

Hinter den Kulissen des Miniatur Wunderlandes

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Schön, dass ich dieses Blog führe. So konnte ich schnell mal nachgucken, wann ich das letzte mal im Miniatur-Wunderland in Hamburg war. Gefühlt war das vorletztes Jahr, aber das Blog sagt: Das ist schon vier Jahre her! Seitdem hat sich einiges getan auf der größten Modellanlage der Welt.

Selbst wenn man kein Verhältnis zu Modelleisenbahnen hat, beeindruckt das MiWuLa. Die Anlage ist wirklich gigantisch, sie füllt jetzt zwei komplette Stockwerke in einem alten Kaffeelager in der Hamburger Speicherstadt aus. Der Harz, Hamburg, Mitteldeutschland, die USA, Skandinavien, die Schweiz und, im Oktober erst eröffnet, Italien sind hier mit ihren wichtigsten Merkmalen nachgebaut. In den USA gibt es z.B. den Grand Canyon, Las Vegas und Miami zu sehen, jeweils auf ´s Wesentliche reduziert und wiedererkennbar.

Das MiWuLA kennt sogar Tag- und Nachtwechsel. Alle 12 Minuten wird es für 3 Minuten Dunkel, und in dieser simulierten Nacht sehen manche Teile der Anlage erst richtig toll aus.

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Im Abschnitt von Hamburg ist sogar schon die Elbphilharmonie eröffnet. Und geöffnet: Ds Gebäude klappt auf und gibt einen Blick ins Innere frei.

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Das Auge kann die Fülle an winzigsten Details des MiWuLas gar nicht fassen. Es ist ein gigantisches, dreidimensionales Wimmelbild, bei dem es auf jedem Quadratzentimeter was zu entdecken gibt. Viele der Miniaturszenen erzählen in einem Bild eine ganze Geschichte.

Manchmal sind es Geschichten aus dem Alltag…

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…manchmal spielen sich ganze Dramen ab…

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…und manchmal wird es superschräg, wie bei diesen Aliens, die im Amerika-Abschnitt unweit von Roswell ein altes Flugezeug umbauen zu… äh.

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Hier schlagen Brecher an den Strand:

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Und im Sonnenblumenfeld gibt es gleich mehrere Geschichten zu entdecken.

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Manchmal wird es auch mystisch.
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Verfasst von - 20. November 2016 in Reisen

 

Motorradreise 2016 (5): Cinque Terre

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Sommerreise.
Montag, 13. Juni 2016, San Vincenzo

Im Slalom schießt die ZZR über die Autobahn. Die Strada Statale 01 ist gefährlich. Nicht, weil sie kurvig ist oder unübersichtlich oder rutschig. Nein, das ist es nicht. Sie führt schnurgerade von Süd nach Nord, die maximale Geschwindigkeit ist 110, und die Verkehrsdichte ist übersichtlich.

Die SS 01 ist gefährlich, weil man allein vom Drüberfahren ein Halswirbelschleudertrauma bekommen kann. Vielleicht auch schon, wenn man die Straße nur ansieht. Durch die heißen Sommer und die oft kühlen Winter ist der Asphalt an vielen Stellen zerbrochen, Unterspülungen haben tiefe Kuhlen und Löcher im Belag hinterlassen, und das die vielen LKW handtiefe Spurrinnen hinterlassen haben, macht die Sache nicht besser. Ich versuche so gut es geht um die größten Schlaglöcher rumzukurven, aber alle zu vermeiden ist schlicht unmöglich. Immer wieder kracht die Renaissance in Löcher und Querrillen, jedesmal tut es einen heftigen Schlag durchs ganze Fahrwerk, jedesmal leide ich mit zusammengebissenen Zähnen mit.

Leider kommt man in der Nordtoskana nur auf der SS01 wirklich voran. Die Alternative wäre, bei Tempo 50 über Dorfstraßen zu schleichen, die in ähnlichem Zustand sind wie die Strada Statale. Die Sonne ist hier unerbittlich und zerbröselt selbst die besten Straßen in wenigen Jahren.

Egal. Ich genieße die Fahr trotzdem. Es ist warm, die Sonne scheint und das Beste: Das Motorrad springt nach der gestrigen Reparatur völlig problemlos an und läuft wie eine Eins.

Nach 80 Kilometern, kurz vor Pisa, geht die SS 01 fast nahtlos in eine mautpflichtige Autobahn über, und ab da ist der Straßenbelag allererste Sahne. Kann man für den Preis auch verlangen, die 140 Kilometer zwischen Cecina und Levanto kosten mich fast 17 Euro Maut.

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An der Ausfahrt kommt es zu unerwarteten Problemen. Der Mautautomat will das Ticket nicht annehmen, und ich muss das Motorrad rückwärts aus der Mautspur herausschieben. Hinter der Maschine steht bereits ein SUV, darin eine Frau mit Sonnenbrille, die guckt wie eine Eule. Italien produziert anscheinend eine nie versiegende Anzahl an sonnenbebrillten Eulen in großen Autos, und alle fahren mir hinterher.

Sei´s drum. Ich bin von San Vincenzo aus fast 200 Km nach Norden gefahren. Hier liegen die Cinque Terre. Das sind fünf kleine Fischerdörfer, die hier in die Felsen der Steilküste kleben.

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Verfasst von - 19. November 2016 in Ganz Kurz, Motorrad, Reisen

 

Fantastic Beasts and where to find them (2016)

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New York, 1926. Auf Staten Island stolpert ein junger Mann aus dem Bauch eines Schiffes. Sein einziges Gepäckstück: Ein abgewetzter Koffer. Was niemand bei der Einreisekontrolle bemerkt: Dieser harmlos aussehende Koffer beinhaltet lebende Biowaffen, die New York in Schutt und Asche legen könnten. Der Besitzer des Koffers: Ein junger Zauberer namens Nude Scaramanga. Der mutmaßliche Terrorist braucht lediglich 5 Minuten auf offener Straße bis das US-Zauberministerium mit allem, was es hat, hinter ihm her ist. Nebenbei gibt es noch liebeskranke Nashörner, irgendwas mit Brennen muss Salem und – Carrie.

OK, das war jetzt nicht wirklich die Story des Films. Aber von der darf man auch nicht mehr als drei Worte schreiben, sonst hat man schon den halben Film erzählt. Kein Wunder, geht „Fanatische Viecher und wo zu finden“ doch auf ein Lehrbuch in Hogwarts, dass in „Harry Potter“ mal erwähnt wurde und das J.K. Rowlings, als ihr nach dem 7. Teil wirklich gar nichts mehr einfiel, einfach mal verfasst hat. Herausgekommen ist dabei ein dünnes Büchlein ohne Substanz. Und nun ein Film, basierend auf dieser Nullnummer?

Nicht ganz. Lediglich die Figur des Njut Salamander und einige der lustige Kreaturen borgt sich der Film, der Rest ist eine neue Story. Auch die ist allerdings so dünn, dass man problemlos durchgucken kann. Ich bin ja bekennender Narrationsjunkie, deshalb dürfte ich den Film eigentlich nicht mögen. Das er mich trotzdem gut unterhalten hat liegt an der tollen Art, wie die dünne Story erzählt wird.

Auch wenn sie im Harry-Potter-Universum spielt, ist die Handlung von „Phantastische Tierfabeln und wo sie verlegt wurden“ wesentlich erwachsener und düsterer als alles, was man woher im Potterverse gesehen hat, einschliesslich der „Heiligtümer des Todes“. Zusätzliche Schwere – oder Leichtigkeit, je nach Situation – verleihen der Story die Schauspieler. Die sind durch die Bank einfach fantastisch gecastet und spielen mit einer Performance, dass man gar nicht weggucken mag, weil man sonst was verpassen könnte. Eddie Redmayne spielt den Protagonisten vielschichtig. Im Umgang mit anderen Menschen linkisch, Augenkontakt meidend, an der Grenze zu leichtem Asperger. Im Umgang mit Tieren dagegen blüht er auf, ist Spezialist und in seinem Element. Richtig umwerfend sind aber die Sidekicks Allison Sudol (aka Sängerin „A fine Frenzy“) als leicht weltfremde Gedankenleserin Queenie und Dan Fogler als Muggel Jacob.

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Was die beiden sich zusammenspielen sorgt in einer Minute für Tränen der Rührung und in der nächsten für Lachanfälle – einfach großartig! Das Sudol in ihren größten Momenten das Beste von Cameron Diaz zu channeln scheint, macht das Ganze nur noch besser.

Diese, recht unbekannten, Schauspieler scheinen es zu schaffen, zuletzt so lustlose Recken wie Colin Ferrell und Ron Perlman zu erstklassig-fiesen Performances zu motivieren.

Dann sind da natürlich noch die titelgebenden Viecher. Alles CGI, aber so gut und liebevoll gemacht, dass es nicht stört. Es sind Fantasieviecher in einer Zauberwelt, das stört das Zuschauerhirn nicht, dass alles aus dem Computer ist. Die Gestaltung der Unterschiedlichen Spezies ist äußerst gelungen, so viel Kreativität hat man seit „Hellboy II“ nicht mehr auf der Leinwand gesehen.

Bleibt in der Summe ein äußerst unterhaltsamer Film, der von einem interessanten Setting, detailverliebter Ausstattung, Kreativität und tollen Schauspielern getragen wird. Das kann man sich gut angucken. Klar ist aber auch, dass „Fantastische Viecher 2“ mehr Substanz brauchen wird, um zu funktionieren. Aber das weiß Rowling auch – „Viecher 1“ ist nur der Prolog für eine weitaus düstere Geschichte um die Frage, ob Zauberer die überlegenere Rasse sind. Mehr als genug Potential für große Konflikte, zumal in deren Zentrum eine Figur steht, die Dumbledores große Liebe sein wird. Das macht direkt Vorfreude auf die Fortsetzung!


Alle Bilder: Rechte bei Warner Bros.

 
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Verfasst von - 16. November 2016 in Film, review

 

Kalte Knochen

Das Haus ist alt. Als es gebaut wurde, hielt man Isolierung in den Wänden für mumpitziösen Firlefanz, und bei Fenstern war der letzte Schrei eine Doppelverglasung. Allerdings keine Thermopen-Doppelverglasung, sondern einfach zwei dünne Fensterscheiben hintereinander, was ziemlich genau gar nichts bringt.

Mein Schlafzimmer hat nun dreieinhalb Meter dieser Un-Isolationsfenster, die in undichten Rahmen stecken, dazu zwei nicht-isolierte Außenwände und einen zu klein dimensionierten Heizkörper. In den Raum kann man Wärme reinkippen wie man will, die ist quasi sofort wieder weg. Das hat in den vergangenen Jahren, wenn es draußen zweistellige Minusgrade hatte, schon dazu geführt, dass ich das Schlafzimmer aufgegeben und im Wohnzimmer übernachtet habe. Ich hatte sogar schon überlegt, diesen Teil der Wohnung von November bis Februar unter zu vermieten, an eine Pinguinfamilie.

Aber nicht in diesem Jahr!

Zwar ist die Raumtemperatur aktuell auch schon wieder weit unter der Wohlfühlmarke, aber dieses Jahr habe ich aufgerüstet!

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Schon im vergangenen Jahr kamen dicke,lichtundurchlässige und passgenau abschliessende Thermovorhänge vor die Fenster. Die machen zumindest, dass es nicht wie Hechtsuppe zieht. Im vergangenen Monat wurde eine dicke Dauenbettdecke angeschafft, und wow, was für ein Unterschied! Die alte Decke war gefüllt mit einer Thermo-Synthetik-Mischung, aber gegen die Naturdaunen ist das überhaupt kein Vergleich! Unter dem Federdeckbett schläft es sich wesentlich angenehmer, und ich wache nachts vor Kälte nicht mehr auf.

Einziger Nachteil: jetzt habe ich Rückenschmerzen. Unter der alten Decke schlief ich immer auf der Seiten, gegen die Kälte eng zusammengerollt. Unter der neuen liege ich vollkommen entspannt und alle Viere davongestreckt auf dem Rücken. Der kennt das nicht und macht Aua, aber da muss er jetzt durch.

Nächste Aufrüstungstufe: Microfleece-Bettwäsche und Bettlaken. Kannte ich gar nicht, ist aber eine weitere Wärmestufe mehr, und kuschelig noch dazu.

Und seit letzter Woche bin ich nun stolzer Besitzer einer Heizdecke. Ja, wirklich. Wie so ein Opa. Aber es ist einfach großartig: Diese Decke liet unter dem Bettlaken. Anstatt die ersten Minuten im eisekalten Bett zu liegen, bis die Körperwärme es auf Temperatur gebracht hat, stelle ich einfach kurz vor dem Zubettgehen die Heizdecke an und kann mich dann in ein muckelig-warmes, vorgeheiztes Bett legen.

So lässt sich der Winter hoffentlich ohne Frostbeulen überstehen.

 
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Verfasst von - 16. November 2016 in Gnadenloses Leben

 

Geschichten machen Geschichte

Warnung: Text macht schlechte Laune.

Ich kann sie nicht mehr hören, diese ewig gleichen Statements deutscher Politiker über die Wahl von Trump. „Das ist ein Schock, den wir erst mal verdauen müssen“ oder „das ist ein Warnsignal“. Ich fürchte, dass die Phase der Warnsignale und der Aufrüttelei und dem Überdenkens des eigenen Verhaltens schon über den Punkt hinaus ist, an dem sich noch irgend etwas ändern ließe.

Trump ist nur die neueste Figur in einem Spiel, bei dem alle paar Jahrzehnte eine neue Partie gespielt wird. Die letzte Partie endete vor etwas über 70 Jahren. Genug Zeit, um aus den Familiengedächtnissen zu verschwinden. Sieht man in die Geschichte, dann bekommt man durchaus einen Blick für das, was nun passiert.

Es ist nämlich nicht zum ersten Mal, dass westliche Demokratien erstarrt sind. Ihre führenden Politiker begeistern nicht mehr, sie vermitteln nicht, dass sie Ideen oder Ideale oder auch nur ein Ziel haben, außer dem eigenen Machterhalt. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass nur von links nach rechts verwaltet wird. Jetzt folgt der Auftritt von Rechtspopulisten, die behaupten, sie würden verkrustete Strukturen aufbrechen und dafür Sorgen, dass es „dem Volk“ besser gehen wird, weil man was gegen „die da oben“ oder „die anderen“ unternehmen wird. Kaum an der Macht weht ein stark nationalistischer Wind, es werden demokratische Freiheiten beschnitten und das Land in eine Autokratie umgebaut. Und dann? Dann knallt es.

Auch das zeigt die Geschichte: Krieg ist eigentlich der Normalzustand, Frieden ist die Ausnahme. Um Frieden zu erhalten sind große und gemeinsame Anstrengungen nötig. Warnsignale hätten schrillen müssen, als Orbán und Kacynzki die Macht in Ungarn und Polen übernommen haben. Ein Schock hätte sein müssen, dass Nationalisten das Vereinigte Königreich aus der EU katapultiert haben. Zu verhindern wäre gewesen, dass die Türkei zu einer faschistischen Diktatur wurde.

Nun ist es, fürchte ich, zu spät. In den Niederlanden bläst Geert Wilders zum Sturm, in Deutschland steht die AfD bereit, in Frankreich haben sich die etablierten Parteien so sehr selbst zerlegt, dass Marie Le Pen von der Nationalfront nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich geworden ist. Die EU ist geschwächt und splittert hörbar, und nun ist die größte Demokratie der Welt in die Hände eines rassistischen Faschisten mit psychopathischen Zügen gefallen.

Die Figuren stehen schon auf dem Spielfeld, mehr kommen in Kürze dazu. Die Stimmung wird immer weiter nationalistisch aufgeheizt werden, die Töne immer schriller. In dieser hasserfüllten Atmosphäre braucht es dann nur noch einen Funken, einen Franz-Ferdinand-Moment, ein relativ kleines Ereignis, dass einen Flächenbrand auslöst. Dann beginnt der Zyklus von neuem und eine lange Phase des Friedens in Europa geht zu Ende.

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so in Sorge um die Zukunft der Welt gewesen zu sein. Es ist bitter, dass all die jetzigen Geschehnisse, zumindest die in Europa, so mutwillig von genau der Politikergeneration herbeigeführt wurde, die nun um ihre Hintern fürchten muss. Einer Generation, die Frieden für etwas selbstverständliches hingenommen haben. Einer Generation, die sich keinerlei Mühe gegeben hat ein vernünftiges Narrativ für ihr Tun zu bauen, eine gute Geschichte zu erzählen die die Leute begeistert.

Das Entstehen von Europa ist eine mitreissende Story voller Visionen und Zukunftsglauben und dem Wirken von Freiheit, nur leider hat sie schon sehr lange niemand glaubwürdig erzählt. Stattdessen wird Europa als Geschichte von hemmungsloser Bürokratie, geheimen Abkommen und undemokratischen Prozessen erzählt. Da haben es die Rechten leicht dazwischen zu flanken, mit ihren Erzählungen von der Schuld der anderen, den Geschichten, in denen früher alles besser war, als man noch abgeschottet und isoliert lebte.

Ja, wirklich. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt sehr deutlich, was als nächstes passieren wird. Die Welt wird in längst überkommen geglaubte Konflikte zurückfallen. Lässt sich dagegen etwas machen? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Der liberale und aufgeklärte Teil der Bevölkerung hat zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte solche Entwicklungen wieder einfangen können.

Alles, was jeder einzelne tun kann, ist immer wieder die Geschichte von Frieden, Nächstenliebe und Miteinander zu erzählen. Dem latenten Hass jeden Tag zu begegnen, im eigenen Freundes- und Familienkreis. Engagement zeigen, bei sozialen Projekten. Menschen, die Hassprediger wie die von der AfD wählen, sind nicht alle Dumm. Die meisten sind einfach wütend und haben Angst. Angst ist nur teilweise rational.

Erzählt Geschichten gegen die Angst der anderen.

 
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Verfasst von - 15. November 2016 in Betrachtung, Meinung

 

Motorradreise 2016 (4): Kein Held, ein Retter & die Eulenfrau

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Die Sommerreise mit der Renaissance.

Donnerstag, 09. Juni 2016, Ferrada, 40 Kilometer südlich von Genua, Italien.

Oma Normas Frühstück ist das beste, und ich habe gute Laune. Wenn meine heldenhafte Reparatur am gestrigen Tag hält, was sie versprach, dann ist das Motorrad wieder in Ordnung. Nach dem Tausch des mutmaßlich defekten Lichtmaschinenreglers und den vielen Autobahnkilometern gestern müsste die ZZR heute morgen sofort anspringen.

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Ich verputze die letzten, öltriefenden Foccaciareste. Heute morgen bin ich der  einzige Gast, und Oma Norma guckt besorgt. „Junge, ohne einen zweiten Caffé kannst Du doch nicht auf die Straße!“ – Recht hat die alte Dame.

Nach dem zweiten Espresso trage ich dann die Koffer zum Motorrad, mache mich fertig und drehe den Schlüssel. Alle Kontrollleuchten sind sofort da und leuchten hell. Sehr gut. Ich drücke auf den Startknopf. Statt eines fröhlichen Orgelns höre ich genau

– nichts.

Nicht mal ein Klacken gibt der Starter von sich.
Die Kiste ist vollkommen leer.

Verdammt.

Ich bugsiere das Motorrad unter Anstrengungen rückwärts auf die Straße hinaus. Die ist gaaanz leicht abschüssig, aber nicht abschüssig genug um die ZZR anrollen zu lassen. Kalt braucht der Motor einen Moment und viel Choke, und den Moment bekomme ich hier nicht hin. Das merke ich aber erst, als ich unter den Augen erstaunter Hausfrauen, die am Straßenrand stehen und ein morgendliches Schwätzchen halten, die Straße runterollere und beim Anlassversuch fast umfalle. Ich steige ab und wende die Maschine, dann schiebe ich sie zurück die Straße hinauf.

Die Fuhre ist schwer, voll betankt und mit Koffern rund 260 Kilogramm, das muss man auch erstmal bewegen. Auch einer der Gründe, weshalb ich vor so einem Urlaub wochenlang intensives Krafttraining mache. Das kommt mir jetzt zugute, bilde ich mir ein, aber auch so bin ich in Minuten schweißdurchtränkt. Die Täler von Ligurien sehen nicht ohne Grund aus wie tropischer Urwald. Das Klima hier ist feucht und warm, und dieses Klima zusammen mit dem ungewollten Frühsport in den dicken Klamotten macht, dass mir der Schweiß in Bächen über das Gesicht rinnt, die Fahrerkombi durchsuppt und in den Handschuhen steht.

Ich mache die Koffer ab und stelle sie bei Oma Norma in die Einfahrt, dann rolle ich auf der ZZR eine Seitenstraße hinab. Die ist zwar steiler, aber zu kurz. Die Kawasaki bockt und schüttelt sich als ich einkuppele, springt aber nicht an. Die Seitenstraße endet auf der Hauptstraße des Orts. Die ist absolut eben. Kann ich die Maschine vielleicht anschieben? Ich schiebe und laufe neben der Kawasaki her, komme aber nicht auf die nötige Geschwindigkeit. Sobald ich die Kupplung loslasse, blockiert einfach das Hinterrad und das Motorrad steht sofort, ohne das sich auch nur ein Zylinder bewegt. Verdammt, mit einer Simson war das einfacher! Aber die hat auch nur gefühlt 50 kg gewogen. Vollgetankt.

Ein Stückchen weiter ist eine Tankstelle. Ob man mir dort helfen kann? Ich schiebe das Motorrad an der Straße entlang und auf die Tankstelle zu. Ein Dorfhund sieht mir hechelnd nach. Nein, die Zapfsäulen wurden schon vor langer Zeit auf Automatenbetrieb umgerüstet, der Schalter der Tankstelle ist geschlossen. Auf einem kleinen Parkplatz versuche ich neben dem Motorrad herzulaufen und es dadurch zu starten. Keine Chance. Und ich bin am Ende meiner Kräfte. Jetzt habe ich nur noch die Wahl entweder den ADAC anzurufen oder Oma Norma um Hilfe zu bitten. Letzteres bringt die alte Dame vermutlich vor Aufregung an den Rand des Herzinfarkts, ist also keine Option.

Ich stelle die Maschine ab und gehe ein Stück die Durchgangsstraße entlang. Was ist das denn? Hinter der Tankstelle, in einem verlassen aussehenden Gebäude, stehen Leute mit den Händen in den Hosentaschen um die offene Motorhaube eines kleinen Transporters herum. Ist da doch eine Werkstatt? Mit neuem Mut greife ich mir das tote Motorrad und schiebe auf die Gruppe zu.

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Verfasst von - 11. November 2016 in Motorrad, Reisen

 

Konkurrenzdemokratie

Das Wahlsystem in den USA ist schräg. Jeder Bundesstaat hat eine Anzahl an Wahlmännern, zusammen sind das 538 für 50 Staaten. Am Wahltag stimmen die Wähler ab, und der Kandidat mit der Mehrheit bekommt ALLE Wahlmänner eines Bundesstaats zugeschlagen. Das ist das „The Winner takes it all“-Prinzip und wird Konkurrenzdemokratie genannt. 

Dadurch kommen so skurrile Dinge zustande wie die jetzige Situation, in der für Clinton zwar mehr Wähler gestimmt haben, Trump aber mehr Wahlmänner gewonnen hat und dadurch Präsident wird.

Die Wahlmänner, so will es die Tradition und das Gesetz, geben am zweiten Mittwoch im Dezember ihre Stimmen für die Präsidentschaftskandidaten ab. Erst dann steht der Präsident fest.

Die interessante Frage ist ja: Warum ist das so kompliziert? Warum haben sich die Gründerväter der USA ein so merkwürdiges und auch undemokratisches Verfahren einfallen lassen? Die Frage hatte ich mir im Studium nie gestellt, nun bin ich der mal nachgegangen.

Stellt sich raus: Das ist deswegen so seltsam, weil die Gründerväter schlicht Angst vor direkter Demokratie hatten! 

Die befürchteten, dass ein böswilliges Subjekt die öffentliche Meinung und die Wahl manipulieren oder das Volk einen Cretin ins Amt des Präsidenten wählen könnte, der für diesen Job moralisch oder fachlich geeignet sein würde.

Die Wahlmänner sollen als Korrektiv dienen, wenn das Volk einem Hetzer oder Verführer auf dem Leim geht. Deswegen sind die Wahlmänner per Gesetz nicht an den Wählerwillen gebunden, was  heute allerdings nur noch in 22 Staaten zutrifft.

Alexander Hamilton, einer der Gründerväter, schrieb sogar:

It was equally desirable, that the immediate election should be made by men most capable of analyzing the qualities adapted to the station, and acting under circumstances favorable to deliberation, and to a judicious combination of all the reasons and inducements which were proper to govern their choice. A small number of persons, selected by their fellow-citizens from the general mass, will be most likely to possess the information and discernment requisite to such complicated investigations. It was also peculiarly desirable to afford as little opportunity as possible to tumult and disorder. This evil was not least to be dreaded in the election of a magistrate, who was to have so important an agency in the administration of the government as the President of the United States. But the precautions which have been so happily concerted in the system under consideration, promise an effectual security against this mischief.

Mit anderen Worten: Wenn das System so funktionieren würde wie vorgesehen, dann müssen die Wahlmänner einen Präsidenten Trump jetzt noch verhindern. Zumindest solange, bis Senat und Kongress Trump direkt wählen.
Abgefahren, oder? Da wurde in den Blaupausen des politischen Systems der USA extra eine Trump-Bremse eingebaut. Ironisch, dass ausgerechnet das System, das einen Trump als Präsident verhindern sollte, ihn dazu gemacht hat. Und sich nun niemand traut, die Trump-Notbremse auch zu betätigen.

 
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Verfasst von - 11. November 2016 in Betrachtung, Politik

 

Keine Vorhersage mehr

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass man mal bitte die Kirche im Dorf lassen sollte. Selbstverständlich würde die Briten nicht aus der EU austreten. Und natürlich würde der irre Trump schon in der Nominierungsrunde des Präsidentschaftswahlkampfes rausfliegen, schließlich würden die Republikaner nicht so verrückt sein, den selbsternannten Milliardär zu ihrem Kandidaten zu machen.
Nun.

Ich mache keine Vorhersagen mehr.

Ich bin angewidert. Auch zwei Tage nach der Wahl schüttelt es mich immer noch vor Abscheu, wenn ich daran denke, dass der orangefarbene Hassprediger in Kürze Präsident der USA sein wird. Wobei das allein noch nicht so schlimm wäre, der Präsident hat weit weniger Macht, als wir Europäer immer denken. Aber im Fall von Trump kommt nun noch hinzu, dass sowohl Senat als auch Repräsentantenhaus republikanisch sind und auch der Highcourt in Kürze stramm rechts sein wird. Damit kann die Justiz nicht mehr als Korrektiv funktionieren.

Das System aus Checks & Balances ist damit zerstört, und die größte Überwachungs- und Mordmaschinerie der Welt ist in den Händen eines Psychopathen und seiner Gefolgschaft aus religiösen Fundamentalisten, die sich von einer Armee aus Hassbürgern treiben lassen.

Und die USA sind ja nicht allein. Überall kommen alte Männer an die Macht, die versprechen, die Zeit um 100 Jahre zurückzudrehen. Die Orbáns, Kacinzkis und Erdogans sind alle Ausdruck einer verzweifelten Sinnsuche in der Vergangenheit. Auch die alten Männer können den Lauf der Zeit nicht entgültig aufhalten, aber sie können so viel Schaden anrichten, dass wir uns global 20, 30 Jahre brauchen werden, um wieder auf dem gesellschaftlichen Stand von 1990 zu sein.

Wie sagt Stephen Colbert so schön: Lachen hilft. Man kann nicht gleichzeitig lachen und Angst haben, und dem Teufel gefällt es nicht, wenn man sich über ihn lustig macht. In diesem Sinne: Hier ein Video, in dem ein Huhn den Trump besiegt.

 
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Verfasst von - 10. November 2016 in Betrachtung

 
 
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