Euroumstellung

Disclaimer: Der Text ist wieder mal viel zu lang geworden. Aber es kommen Gewalt, nostalgische Erinnerungen, Blut und Sex darin vor.

Wenn man dann doch, nach sieben Jahren, mal das Flusensieb der Waschmaschine saubermacht, dann hat man was zu erzählen. Nicht nur über ekeligen Schmodder.

Beim Anblick der vielen D-Mark und Pfennigstücke die sich da so angesammelt hatten (und nach einem Kommentar bei Schon-Zeit) musste ich an die Euroumstellung zurückdenken. Die habe ich seinerzeit an vorderster Front mitgemacht – und überlebt, so daß ich nun davon berichten kann wie es dazu kam, dass der Euro erhebliche Schäden an der Bausubstanz zweier Gebäude verursacht hat.

Es begab sich zu einer Zeit…

Ich arbeitete 2001 bei einer seeeehr großen Schnellrestaurantkette. Personaleinsatz, Bestellungen – das machte unser Chef, ansonsten schmissen die „Assistent Managers“ den Laden damals weitgehend eigenverantwortlich. Neben denen die das hauptberuflich machten gab es auch noch die Teilzeitler. Von dem Job konnte ich nicht nur prima mein Studium finanzieren und ein Leben in Luxus führen – meistens machte es sogar Spass.

Und nun sollte also am 01.01.2002 die alte Währung durch eine neue ersetzt werden. Da das Restaurant natürlich auch am Neujahrstag geöffnet hatte, waren wir die erste Anlaufstelle für den Geldumtausch.

Die alte D-Mark sollte bei Bezahlvorgängen angenommen und Euros dafür rausgegeben werden. Das erforderte nicht nur, dass das Kassennetzwerk und die Back-Office-Computer damit umgehen konnten, sondern auch, das alle Abrechnungen in zwei Währungen gemacht werden mussten sowie eine irre Logistik für die Entsorgung der D-Mark-Einnahmen und dem Vorhalten von genug Euro-Wechselgeld.

Von geregelter Ver- und Entsorgungslogistik durch tägliche Bankbesuche hielt unser Chef jedoch gar nichts. Er wollte Vorräte haben, und die bekam er auch. Per LKW.
Der lieferte mit qualmenden Achslagern ca. drei Kubikmeter gerolltes Münzgeld an!

Da der normale Tresor nicht ausreichte um diese Mengen zu verstauen, wurde flugs ein alter Panzerwürfel, in dem normalerweise Dokumente aufbewahrt wurden, ausgeräumt und mit Münzen vollgestopft. Weil auch das nicht ausreichte organisierte man von irgendwoher einen zweiten Würfel und stapelte ihn auf den ersten.

Nun sind diese Schnellrestaurants aus fertigen Betonelementen zusammengeschustert. Sehr schnell aufstellbar, aber das hat seinen Preis. Nach ein paar Jahren, wenn z.B. der Untergrund sich an manchen Stellen etwas gesenkt hat, bekommen die Dinger Risse. Und auf genau so einem Riss standen die Panzerwürfel.

Dezente Hinweise wurden von Chef ignoriert. Und so kam es, dass am Morgen des ersten Januars 2002 die staunenden Restaurantmitarbeiter nicht nur das erste Mal Euros zu sehen bekamen, sondern auch ein mächtiges Loch in der Decke, durch das die Panzerwürfel in der Nacht vom ersten Stock ins Erdgeschoß gerauscht waren. Zu dem Zeitpunkt war zum Glück niemand im Restaurant (was wieder die alte philosophische Frage aufwirft: hat es wohl ein Geräusch gegeben?).

Die Schäden an der Bausubstanz waren erheblich, aber nicht dramatisch.
Witzigerweise schaffte Chef es wenige Tage später noch ein weiteres Gebäude mit seinen Eurovorräten zu zerlegen.

Lesen sie morgen in Teil zwei: wie Chef es schaffte noch ein zweites Gebäude mittels Kleingeld zu verwüsten, warum Physik grausam ist und wie das mit dem Blut und dem Sex bei der Euroumstellung war.

Kategorien: Berufsleben, Historisches | Schlagwörter: , , , , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Euroumstellung

  1. rstockm

    Gib zu – da kommt kein Sex mehr. Alles Masche, durchschaubare.

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  2. Ich halte immer meine Versprechen.

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  3. Das wäre ein prima Film. Besser als Indianer Jonas.

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  4. ich hab immer noch Tränen in den Augen. Großartig.

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  5. Silke

    bin durch Zufall hier, aber der hat sich gelohnt.
    Großartig, habe fast keine Luft mehr, vor lauter lachen bekommen.

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