Silencer boykottiert… (Platz 1)

Platz 1: Das Rechner-Lädchen
Ebenfalls ein Einzelhändler des Grauens (Vergl. Platz 3: Fredis Stereo-Butze) in unserer Stadt, bezeichnet sich auch gerne selbst als „Teile-Diskonter“.

Als Diskonter bzw. Discounter (von engl. discount = Preisnachlass, Rabatt) bezeichnet man Unternehmen des Einzelhandels, die sich durch ein schmales Warensortiment, einfache Warenpräsentation, kleine Verkaufsflächen und durch diese Kosteneinsparungen ermöglichte geringe Preise auszeichnen. (Wikipedia)

Jaha, und beim Besitzer des Ladens wurde sogar am Hirn gespart!

Das ist meine Lieblings-Boykottgeschichte. Es begab sich um das Jahr 2002 herum, dass ich mal wieder einen neuen Computer bauen wollte. Das „Rechner-Lädchen“ bot die nötigen Einzelteile feil.

Hinter dem Tresen stand ein schlacksiges Verkäufersurrogat, der Anzahl der Ellenbogen und Pickel nach zu urteilen mitten in der Pubertät. Irgendwie brachte ich ihn dazu, mir trotz seiner eindeutigen Abneigung gegen Kunden die Teile zu verkaufen, löhnte eine Menge Kohle und konnte wenig später ein neues Mainboard samt Prozessor und Lüfter aus dem Laden zerren. Die Freude des Rechnerbaus währte nicht lange, beim ersten Probelauf brannte nach ca. 8 Sekunden der neue, und mit 150 DM nicht ganz billige, AMD-Prozessor durch.

Woran das lag?

Der Kühler hatte ein Wärmeleitpad, von dem man vor dem Einbau die Folie entfernen sollte. Hatte ich getan. Das die darunterliegende Schicht keineswegs das Leitpad, sondern eine ZWEITE Folie war, die da eigentlich nichts zu suchen hatte und auch hätte entfernt werden müssen, stand nirgends und ahnte ich auch nicht.

Also wieder zum Rechner-Lädchen getrabt. Diesmal war Chef persönlich da, ein kleiner blonder Derwisch in den Dreißigern, hyperagil, konnte kaum über die Theke gucken. Während der Pubertäts-Hiwi wie abgeschaltet in einer Ecke stand und nur die Speichelbläschen auf seinen Lippen sichtbare Vitalzeichen darstellten, zeigte Chef Verständnis und verkaufte mit nicht nur einen neuen Chip, sondern Versprach auch, den durchgebrannten einzuschicken und zu schauen, ob er da „irgendwas drehen könnte“, über Kulanz, Rabatt, wasauchimmer. Er würde sich melden.

Die Wochen zogen ins Land, niemand meldete sich. Was ich nicht schlimm fand, letztlich war durch meinen Fehler der Prozessor zerstört worden, und das war halt Lehrgeld. Trotzdem schaute ich mal rein als ich in der Gegend war, nur um die Sache abschließen zu können.

„Öhm, wegen dem AMD-Prozessor, den Sie einschicken wollten um zu schauen ob da was auf Kulanz geht…“
„AMD-PROZESSOR???“, rief der Derwisch,
„Ich zeig Dir AMD-Prozessoren!“
Er verschwand unter der Theke. Als er wieder auftauchte, hatte er ein Körbchen voller Chips in der Hand.
„HIER! Alles kaputt! Wenn ich die alle einschicken wollte hätte ich den ganzen Tag nichts anderes zu tun! Hier – durchgebrannt“, rief er, und war mir einen Chip zu.
„Hier – DIE beschädigt!“, wieder segelte ein Prozessor in meine Richtung
„HIER- Pin abgebrochen!“, sprachs und warf wieder.

Ich brauchte einen Moment um zu begreifen was gerade passierte. Ich stand mitten im Laden und wurde offensichtlich von dem blonden Kobold in ziemlicher Lautstärke angepflaumt und gleichzeitig mit Chips beworfen!

Ich wünschte, ich könnte behaupten ich hätte was schlagfertiges gesagt. Habe ich aber mit Sicherheit nicht. Ich weiß es nicht mehr.
Nach dieser Episode wollte ich den Laden nie wieder betreten.

Bis der neue Lüfter zu quietschen begann. Was nicht gut ist, denn so kündigt sich ein Lagerschaden an, der zum Ausfall und damit zur Zerstörung des Prozessors führen kann.
Also ab in den Laden, umtauschen.
Der Derwisch sah mich mißtrauisch über die Theke an, im Hintergrund eiterte der Pubertätswurm vor sich hin.

Ich schilderte das Problem und bat um einen Austausch.
Der Thekengremlin warf nicht mit Gegenständen, erklärte aber, warum das seiner Ansicht nach nicht in Frage kam: ich hätte bestimmt vergessen den Lüfter zu ölen, in dem Fall müsste er gar nichts. Ja, es wäre zwar wenigen Leuten geläufig, aber Lüfter, die den ganzen Tag in staubiger Luft arbeiteten, müssten alle vier Wochen geölt werden, sonst würden sie quietschen.

Ich war perplex. Eine solche Unverschämtheit, eine solche Dreistigkeit, einen Kunden direkt und so schlecht ins Gesicht zu lügen – das war mir noch nie untergekommen. Ich kann mich zumindest in dem Fall erinnern was ich sagte. Es war sehr laut, nicht nett und so wenig jugendfrei, dass der pubertierende Teilzeitpups rote Ohren bekam.

Danach verließ ich den Laden und kam nie wieder.

Nach etwas Recherche stellte sich dann auch heraus, warum die Bedienungsanleitung nicht zum Lüfter gepasst hatte und dieser so schnell seinen Geist aufgegeben hatte. Der Derwisch hatte die billigsten Billignachbauten von Billiglüftern, hergestellt aus Wurstresten und alten Bindfäden, in Verpackungen von höherpreisigen Modellen verhökert.

Nunja, ich kaufe dort nicht nur nicht mehr ein: ich erzähle diese Geschichte seit 7 Jahren bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Im Freundeskreis, bei Wirtschaftstreffen, in Vorträgen als Negativbeispiel für Dienstleister, undundund. Angeblich wird ein negatives Kundenerlebnis bis zu acht Mal kommuniziert.

Ich habe die Story bestimmt schon an die 30 Mal erzählt und hoffe, dass dem Derwisch dadurch Hunderte Euro Umsatz flöten gegangen sind.
Sein pickeliger Blödmannsgehilfe ist übrigens immer noch maulfaul, pickelig und ein Waschlappen, arbeitet aber mittlerweile bei der großen Schwesterkette des Mädchenmarkts.
Irgendwie… folgerichtig.

Kategorien: Gnadenloses Leben, Hass, Satire | Schlagwörter: , , | 10 Kommentare

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10 Gedanken zu „Silencer boykottiert… (Platz 1)

  1. Hmm, in welcher Gegend befindet sich denn dieser Laden?

    Ich hätte da auch ein nettes Erlebnis mit diesen sogenannten Schraubern:

    1. Tag, 1. Laden: Ich suche speziellen Arbeitsspeicher für ein altes Medion-Notebook. Gehe zu DEM anerkannten Läden für Einzelteilkauf (in der Nähe von Fredis-Stereo-Butze) in Göttingen:
    „Ich suche 1 GB Arbeitssspeicher für ein Medien MD-5400 Notebook“
    „Hawa nich.“
    „Können Sie das bestellen?“
    „Könnenwa nich. Zu kompliziert, da kommen viel zu viele verschiede Module in Frage“
    „Aber ich habe die genaue Bezeichnung des Notebooks. Können sie das nicht emitteln?“
    „Schaffenwa nich. Gibt es keine Infos zu“.

    1. Tag, 2. Laden: Ich versuche es nocheinmal in einem netten, bisher nicht anerkannten Laden in der Nähe eines großen, irischen Bierauslasses. Der Spicher kan problemlos ermittelt und bestellt werden, soll in drei Tagen da sein.

    2. Tag (ein paar Tage später): Freudig will ich den Speicher abholen.
    „Ist mein bestellter Speicher schon da?“
    „Computer sagt ja. Ich schaue mal.“
    Ich warte.
    „Hier, hab ihn gefunden“
    Ich schaue mit den Speicher an. Sieht anders aus, als das Modul, das ich mir im besagten Notebook eingepägt habe.
    „Das ist aber ein anderer Riegel, Größe stimmt zwar, aber der ist für ein neueres Notebook.“
    Verkäufer wird ungehalten gegenüber seinen Mitarbeiter, die hätten wohl mein Modul an den Kunden verkauft, der jetzt zu Hause sitzt und flucht, weil nix passt.
    Verkäufer verspricht, Modul nachzubestellen oder Kunden anzurufen, ich soll in ein paar Tagen wiederkommen.

    3. Tag (ein paar Tage später): Siehe 2. Tag.

    4. Tag (ein paar Tage später): Halleluja. Das Modul ist da. Hat auch nur zwei Wochen gedauert. Ich wäre wohl doch besser dabei weg gekommen, wenn ich mich eine Stunde ans Internet gesetzt hätte, um das passenden Modul herauszusuchen und selbst zu bestellen. Mache ich nächstes Mal auch.

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  2. Sehr schön :mrgreen: – Einzelhändler des Grauens…

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  3. Hihi, Lüfter ölen ist gut.
    Ich sage ja immer: der einzig gute Computer-Laden in Göttingen war der in dem ICH geschraubt habe. Sonntags. Rekord: 24 Rechner!

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  4. Grnfff – schon wieder dieses miese Gender-Swappig…

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  5. Zimtapfel

    Ach, mach dir nix draus, wir haben doch schon immer sowas geahnt. Kein Grund sich zu schämen heutzutage. 😀

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  6. Gender Swapping? Was meinst Du denn? Glaubst Du der Derwisch war früher mal eine Frau?

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  7. Zimtapfel

    @Silencer: Guckst du hier: http://wortkomplex.blogspot.com/2008/05/quotenfrau.html In den Kommentaren wirst du vielleicht fündig. 😀

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  8. Ah, danke für die Aufklärung.

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  9. Bei Conrad in Raisdorf (bei Kiel) wollte ich mal ein WLAN-Kabel kaufen. Hatten sie ganz überaschend nicht da. Käme aber bestimmt wieder rein.
    Ich hätte mir das wirklich schriftlich geben lassen sollen…

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  10. :mrgreen:

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