Review: „Wanted“ (2008)

Der Film „Wanted“ verhält sich zur Comicvorlage exakt wie der Film „Wing Commander“ seinerzeit zu den Spielen. Wer weiß, was das zu bedeuten hat, darf heute eher Feierabend machen und jetzt ins nächste Blog skippen. Alles klar?
Nein? Tja, dann heisst es wohl weiterlesen…

„You high or somethin´?“
Timur Bekmambetov ist ein fülliger Kasache mit schlimmen Depressionen.
Die hat er, weil er als Kind nie richtig spielen durfte.
Timur ist heute Regisseur und Drehbuchschreiber und hat schon einen Film gedreht.
Und den bereits drei Mal.
Einmal kam der Film unter dem Namen „Wächter der Nacht“ in die Kinos, dann als „Wächter des Tages“ und jetzt nochmal als „Wanted“. Was genau das für ein Film ist weiß man nicht, aber stets läuft darin die Zeit ganz komisch vor- und rückwärts, geht Glas kaputt und rote Autos fahren an Hauswänden oder auf Bussen rum oder fliegen einfach so durch die Gegend. Dabei ist es Timur völlig egal, dass hinter den Titeln ziemlich großartige literarische Vorlagen stehen, die viele Leute kennen und lieben. Nein, er spielt lieber mit seinen, in Zeitlupe fliegenden, Autos rum.
Nur fliegende Autos zeigen ist doof, sagt das Filmstudio, also muss der Timur auch Leute in seinen Film reinmachen. Weil er aber Leute nicht leiden kann, die in seinen fliegenden Autos sitzen dürfen, filmt er die so hässlich wie es geht.

Autos, kaputtes Glas und Pistolenkugeln fliegen darum in „Wanted“ ästhetisch durch die Gegend, während Morgan Freeman so aussieht als wäre er seit Monaten nicht beim Friseur gewesen, Hauptfigur James McAvoy durch die Leinwand hindurch müffelt und Angelina Jolie so abgemagert und ausgezehrt aussieht, dass sie sich eigentlich auf der Stelle selbst adoptieren müsste.

„Want some?“
Wer übrigens jetzt loszieht und sich die Vorlage des Films, den Graphic Novel, holt, weil er die absurde Geschichte um die webstuhllesende Bruderschaft der Killer, in die ein Versagertyp aufgenommen wird, so interessant findet, wird enttäuscht. Die kommt nämlich im Buch gar nicht vor.

Das Buch handelt vom Nine-to-Five-Looser Wesley (gezeichnet als Eminem), dessen Freundin von seinem besten Freund gepoppt wird, dessen lesbische Chefin ihn quält und der eines Tages von einer geheimnisvollen Frau namens „Fox“ (gezeichnet als Halle Berry) vor die Wahl gestellt wird: rote oder blaue Pille? Verharren im Looserleben oder in die Fusstapfen des Vaters treten? So weit, so Film.
Allerdings ist im Orginal der Papi ein Superschurke, der im Verbund mit anderen Superbösewichten (inkl. Spandex-Kostümen, Todeslasern und allem Schisselaweng) zuerst alle Superhelden und dann die Erinnerung der Menschen an selbige ausgelöscht hat und seitdem die Welt im Geheimen regiert. Nun schlagen einige der Superschurken quer, weil sie nicht mehr im Verborgenen evil sein wolllen, bringen die etablierte Ordnung durcheinander und Wesleys Vater um. Per Erbrecht wird dieser nun berufen und in einer Tour de Force erst psychisch zerstört, dann zum Bösewicht umgekrempelt, um im Showdown die Superschurken und den Super-Superschurken kalt zu machen. Wirklich interessante Geschichte, super in Szene gesetzt – nur sehr kurz.

Fazit
Wie gesagt, Timur hält Vorlagen für dummes Zeug und dreht lieber nochmal seine fliegenden Autos. Dabei liefert er in der Regel etwas ab, was schon nach 15 Minuten hinten und vorne auseinanderfällt. „Wanted“ bildet da keine Ausnahme. Im ersten Drittel so-naja, in der Mitte strunzlangweilig mit Karate-Kid-Flair und zum Ende hin OMG-Fremdschäm-Bäh, alles garniert mit hübschen Effekten aus dem Rechner. Die coolen „Wow!“-Szenen kennt man allerdings schon sämtlichst aus den Trailern, so dass man sich das Geld für die Kinokarte sparen kann.

„Wanted“ ist nur zu einem Gut: Die von mir postulierte Regel „Ein Film, der einen Einleitungstext samt Voice-Over nötig hat, ist Grütze“ zu bestätigen.
Und um wieder die Kurve zum Anfang zu bekommen: Auch bei „Wing Commander“ gab es eine gute und geliebte Vorlage. Verfilmt wurde dann aber letztlich was gänzlich anderes. Nämlich Murks.

Kategorien: Film, review | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Review: „Wanted“ (2008)

  1. Owley

    Klingt interessant. Auf eine beängstigende, aber sehenswerte Art und Weise. Und ist gut geschrieben. Die Vorlage empfehlest du also? Ist ja Millar.

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  2. Die Vorlage empfehle ich absolut. Ich werfe Millar zwar gerne vor, dass er eine faule Sau ist, der das volle Potential seiner Ideen nie ausschöpft, aber „Wanted“ gehört definitiv zum Kanon der Bücher, die man als Comicfan kennen muss.

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  3. Owley

    Find ich gut. Und dann muss ich ja auch noch Nemesis lesen. Mhm.

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