Der Pförtnerbär

Diesmal gibt es keinen Rechenzentrumsbären, aber gleich der Pförtner scheint ein Verwandter von ihm zu sein. Statt der netten, älteren Dame hockt eine unförmige Gestalt mit einem un-glaub-lichen Riesensschnäuzer in dem kleinen Pförtnerkasten. Ich muss unwillkürlich an den berühmten Ausspruch von Bruce Willis denken: „Der liebe Gott nimmt Dir die Haare vom Kopf und lässt sie an anderen Stellen wachsen.“ In diesem Fall ist annähernd die gesamte Kopf-Haarpracht unter die Nase gerutscht.

Pförtnerbär (in breitestem Elsässisch): „Gruüaatzi! Wohuwollsnhi?“
Ich: „Zu Herrn Ralf Kaszowik“
PB: „Wuhusn?“
Ich: „Kaszowik! Gehört zur Abteilung von Frau Röttler!“

Er guckt mich verzweifelt an. Offensichtlich ist ihm der Name noch nie untergekommen.

PB: „Fühuuilsndasmaaus“

Ers schiebt mir eine Besucheranmeldung zu und fängt an, planlos in einem Telefonverzeichnis zu blättern.

Ich sehe mir den Passierschein A39 an und muss grinsen.
Den Rechenzentrumsbären gibt es nicht mehr, aber er hat Spuren hinterlassen. Auf dem Anmeldeformular für Besucher steht doch jetzt tatsächlich:

Haben Sie einen eigenen Rechner dabei?
[ ] Nein
[ ] Ja –> KEIN ZUGANG ZUM NETZ! ZUGANG VERBOTEN!!!

Das stand da beim letzten Mal noch nicht. Vermutlich wehrt sich das Rechenzentrum auf diese Weise noch mit den letzten Zuckungen gegen die bösen „Externen“.

Auf dem Besucherschein muss man auch angeben mit welchem Auto man da ist. Ich war ja wieder mal mit der Bahn am Rumgondeln, also habe ich das nicht ausgefüllt.

Der Pförtnerbär nimmt den Schein in Empfang und hat anscheinend auch meinen Ansprechpartner durch wahlloses Rumstöbern im Verzeichnis entdeckt. Zumindest hellt sich seine Miene auf als er donnert:

„Uffi Kasch?“
Ich: „Was?“
PB: „Uffi Kasch?“
Ich: „Hä?“

Was will der bloss? Oh, vielleicht sagt man ja so zu Ralf Kaszowik, da, wo der Bär herkommt.

Ich: „Ra-lf? Ka-szo-wik?“
PB (nickt und strahlt): „Uffi Kasch!“

Ach, wie schön das wir das heute noch klären konnten. Ich drehe mich um und warte auf das Empfangskommando.

PB: „Haschnaud´da?“
Ich: „Gesundheit!“
PB: „Audo?“

Ach so.

Ich: „Nee, bin zu Fuss da.“
PB: „Suuu Fuuuuuss! Aus D´ütschla oda? Hahaha! Derisguuut“

Als ich die Pförtnerloge des Grauens verlasse, hängt der Pförtnerbär immer noch schenkelklopfend und prustend an der Scheibe. Zum unter den Tisch rollen ist in seinem Glaskasten auch nicht genug Platz. Mal gucken, vielleicht hat er sich ja totgelacht.

Kategorien: Berufsleben, Gnadenloses Leben, Reisen | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Der Pförtnerbär

  1. Klasse, wenn man sich die „Wörter“ mal so durchbuchstabiert hat, fließt das richtig gut!
    Der IST aber auch gut, Silencer! 😉

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  2. Hihi…die Situation war aber auch skurril – ich habe kein Stück von dem was er sagte verstanden, und er machte sich nicht die Mühe deutsch zu sprechen. Stattdessen wiederholte er das Genuschel nur noch lauter. Und das „Uffi“ die Verniedlichungsform von Ralf ist bzw. der Spitzname dieses speziellen Ralfs – das muss einem echt gesagt werden.

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  3. Beim „Uffi“ hatte ich auch kapituliert!

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  4. Tolles Gedächtnis, weil Du es auch noch hingeschrieben bekamst. 🙂

    Ein weinig saarländisch verstehe ich ja, so dachte ich die räumliche Nähe färbt etwas ab. Weit gefehlt: http://de.wikipedia.org/wiki/Els%C3%A4sserdeutsch

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