Silencers Jahresrückblick (4): Das war 2009

Jahresrückblicke auf alte, abgelaufene, gammelige Jahre sind langweilig. Hier der exklusive Rückblick auf das 4. Quartal des kommenden Jahres.

05. Oktober
Hubert Weizenkeim aus Oberurgl findet die Lösung, um zukünftig internationale Finanzkrisen zu verhindern: Der Freizeitökonom macht den Vorschlag, dass an den Börsen der Welt mit Spekulationen spekuliert werden darf. Auch das spekulieren mit Spekulationen über Spekulationen soll erlaubt werden, genau wie der Handel mit zusammengefassten und gerateten Spekulationspaketen. Diese dürfen aber nur auf dem Parkett der Börse gehandelt werden. Aus Sicherheitsgründen muss das Börsengebäude zu jeder Zeit fest verschlossen und mit Sicherheitsleuten umstellt sein, Telefon und Internet nach draußen sind verboten. Sobald Spekulanten das Gebäude verlassen, müssen sie aufgegessen werden. Auf diese Weise sind die Banker beschäftigt und richten in der echten Welt keinen Schaden an. Die Regierungen der Welt sind begeistert und beauftragen Jack Bauer mit der sofortigen Umsetzung.

14. Oktober
„Das bringt doch auch nichts mehr“ ist der Titel des, mittlerweile sehr unregelmäßig erscheinenden, S.PIEGELs als Reaktion auf die Spekulationsspekulationen, „Wir werden ALLE untergehen“. Illustriert wird die Schlagzeile mit einem Bild der einstürzenden Twin-Towers, auf die jemand mit Edding „Finanzmarkt“ geschrieben hat.

23. Oktober
In seiner Dankesrede aus Anlass der Entgegennahme des „Nobel-Sonderpreises für ungewöhnliche und absurde Finanzideen“ bedankt sich Hubert Weizenkeim bei einem gewissen „Wiesel“ für die Inspiration. Beobachter halten das für einen Insidergag, den kein Schwein versteht.

09. November
20 Jahre Wiedervereinigung und deutsche Einheit werden heute gefeiert. Interessiert eigentlich keine Sau, es passiert halt das Übliche mit viel Blabla und so. Einzig der notorische Spinner, der den Wiederaufbau der Mauer fordert, besitzt einen gewissen Unterhaltungswert und wird von Talkshow zu Talkshow gereicht. Niedersächsische Schüler sind von soviel Geschichte in Tateinheit mit Geografie verwirrt und verängstigt. Die Eltern unterzeichnen den „Wolfsburger Aufruf“ und fordern den Schutz der Kinder.

16. November
Der Spieg.el erreicht einen neues Auflagentief. Nur noch 14 Leser hat das Blatt, dass mittlerweile nicht mehr am Kiosk erhältlich ist, sondern manchmal Nachts unter der Tür durchgeschoben wird. Er erscheint auf schlechtem Matrizenpapier, das Cover ist mit Wachsmalstiften gestaltet. Es zeigt in riesigen Lettern das Wort „Erwachet!!!!!!!!!“, darunter ein Strichmännchen mit Hitlerbärtchen, neben dem „Der UNTERGANG“ steht. Ganz links in die Ecke hat der Künstler eine kleine Maus gemalt.

28. November
Die Zeit der Jahresrückblicke und Bestenlisten beginnt. In der Blogosphäre wird Lisa Krabutznik über Nacht berühmt, weil sie auf ihrer Seite „Die besten Bestenlisten 2009“ und „Rückblick auf die Jahresrückblicke 2009“ anbietet – eine Idee, die bisher noch niemand hatte. RTL kauft die Lizenzrechte und macht eine wöchentliche Show mit Olliver Geißlein daraus.

02. Dezember
Ein Jahr voller Pannen bei der Deutschen Bahn geht zu Ende: Erst hatte im September der ICE nach Konstanz 8 Minuten Verspätung, nun gibt es auch noch einen schrecklichen Zugunfall mit prominentem Opfer: Im ICE 78BRATZ auf der Strecke von Hannover nach Dortmund rutscht Oliver Putzlkat beim Versuch, im Stehen zu Pinkeln, aus und prellt sich den Ellenbogen. Der Verband Pro Bahn fordert Konsequenzen. Bahnchef Helmut Mehrkorn bleibt hart und baut, als Zeichen seiner Entschlossenheit, ein verkrumpeltes Metallpferd vor den Bahnhof von Nürtingen.

13. Dezember
Endlich gelingt es, den Bunker unter der Brandstwiete zu öffnen. Den Rettungskräften bietet sich ein Bild des Grauens: Die Redaktion des SPI.EGEL hat sich, offenbar um dem selbst herbeigeschriebenen Weltuntergang zu entkommen, zum größten Teil selbst entleibt. Die wenigen Überlebenden hocken im Halbdunkel, trinken Matrizenflüssigkeit und kichern irre in absurde Bärtchen.

17. Dezember
Das Wiesel schafft es auf das Cover der News York Times, auf dem Arm von Jack Bauer. Es wird es als „Wiesel of the Year“ ausgezeichnet, weil es den Wohlfühlfaktor der Menschen gesteigert und die Welt sicherer und besser gemacht hat. Im Forbes-Ranking belegt es zudem Platz 8 der reichsten Personen der Welt. Manche Blogprojekte laufen halt etwas aus dem Ruder.

24. Dezember
Völlig unerwartet steht plötzlich Weihnachten vor der Tür. Die BIL.D wittert einen Skandal, die Eichsfelder protestieren. Verbraucherschützer fordern eine deutlichere Kennzeichnungspflicht. Der „Aufruf von Dabergotz“ wird von 1.000 Prominenten unterzeichnet. Was da drin steht, weiß nur Annegret Fröhn.

29. Dezember
Silencer veröffentlicht den völlig zutreffenden und unfreundlichen Jahresrückblick auf 2010. WordPress bricht unter dem Ansturm der Besucher zusammen.

31. Dezember
2009, die alte Sau, ist endlich rum.
Alle atmen auf und hoffen, dass 2010 besser wird.
Bis auf diejenigen, die Silencers Blog lesen.
Die wissen: Es kommt gaaaaaanz anders. Und damit rechnet keiner!

Jahresrückblick 2009: Januar – März
Jahresrückblick 2009: April – Juni
Jahresrückblick 2009: Juli – September

Kategorien: Fun, Satire | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Silencers Jahresrückblick (4): Das war 2009

  1. Frohes neues Jahr 🙂

    (OffTopic): So ein dickes Buch wie Tintenherz, lässt sich natürlich nicht 1:1 filmisch umsetzen, aber von den Figuren, den Bauten und der Handlung einfach herrlich. Man vermisste eigentlich nichts bzw. nicht viel. „Staubfinger“ war echt klasse, Elenore schön schrullig wie im Buch. Was als „Minuspunkt“ gezählt werden kann: Capricorn war zu farblos und wenig furchteinflössend und die „Elster“ hatte recht wenig zu sagen im Film. Die Figur ging ein wenig unter.
    Ich werde mir den film sicherlich noch einmal ansehen.

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  2. Wiesel rettet Jack Bauer, very tough, damn it! 😀

    Sehr gelungene Rückschau auf das neue Jahr. 😀 Wo es doch gerade mal zwei Tage alt ist (streichelt dem kleinen Jährchen über den Kopf… )

    Aber das Sie eine längere Blogpause einlegen werden, werter Herr Silencer, dass erschreckt mich über die Maßen. 😯 Das geht doch so nicht! Wie soll ich denn ohne das relevanteste Blog der Welt auskommen? Menno.

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  3. Ich bekomme wirklich Angst, wenn ich diesen Jahresrückblick lese. Ein kalter Schauer fröstelt mir den Rücken, wenn ich nur daran denke, dass diese Highlights aufgrund Verwicklungen im Zeit-Raum-Kontinuum doch nicht werden geworden sein hätten und 2009 stattdessen grau und trist wird (geworden sein hätte).

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  4. Na, wenn Du nur Angst davor hast, dass die Ereignisse NICHT eintreten werden…keine Bange – Sie werden tun… getan… seien werden.
    …bis auf die Blogpause – Also keine Angst, holde Maid.

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  5. Wie jetzt? Dann haben Sie gelogen, um die Krümmung des Raum-Zeit-Kontinuums zu begradigen, damit der Rückblick getan tun hätte, was er jemals nie nicht zu tun täten würde? 😯
    Scheiß Zeitparadoxa, echt jezz ma. Menno. Ich werd hier noch wuschig.

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  6. Ich habe die Raum-Zeit betuppt, als sie gerade nicht aufgepasst hat. Keine Bange, das Paradoxon manifestiert sich nur durch einen kleinen Zartbitter-Doughnut, der plötzlich in meinem Kühlschrank aufgetaucht ist.

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  7. Hu, ein Zartbitter-Doughnut als event horizon einer Quantumsingularität? 😎 Respekt!

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  8. …und lecker!

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  9. schildmaid, du wirst wuschig? *ohlala* 😉

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