Beating a dead horse
Die Hypo Real Estate ist ein totes Pferd.
Schon bei ihrer Zeugung war klar, dass sie nie wirklich gesund sein würde – was ihre Eltern bewusst in Kauf nahmen, um ihre Bilanzen zu schönen.
Trotzdem setzten sie der Hypo Real Estate einen Sattel auf und liessen sie zum Rennen antreten. Das ging eine Zeit lang gut: So lange die Türen der Startboxen geschlossen blieben, merkte keiner was. Im Zuge der Finanzkrise fiel dann aber recht schnell auf, dass es irgendwie muffig roch, und als mal jemand nachsah, lag das Pferd schon tot am Boden.
Bis kurz vor diesem Zeitpunkt jubelten die Herren Vorstände noch vom hohen Ross herunter, während das Pferdchen unter ihnen stolperte und hustete. Keiner kam auf die Idee, das Pferd mal zu pflegen. Bis es zu spät war. Einer der Herren stieg ab, bevor alles zusammenbrach, die beiden anderen mussten mit der Brechstange, sprich: fristloser Kündigung, vom Ross geholt werden.
Seither wuseln stattliche Retter um das verwesende Pferd herum, stopfen es mit Geldscheinen aus, schienen die Beine mit Holzbalken und halten den Kopf mit Seilzügen oben. Ein Zombiegaul, der alle paar Tage wieder umfällt.
So weit, so bekannt.
Und jetzt das Unglaubliche: Drei von denen, die das Pferd zu Tode geschunden haben, Klagen vor Gericht und stellen Forderungen – auf das man sie für ihre gute Arbeit entlohnen möchte. Bei einem geht es nur um Geld, aber die anderen beiden, darunter der ehemalige Finanzvorstand, klagen – man halte an sich! – auch auf Rücknahme Ihrer Kündigungen.
Man stelle sich das mal vor: Die drei sind für die Vernichtung von wer-weiß-wie-viel Kapital zuständig. Sie haben ihre Holding so gründlich gegen die Wand gefahren, dass 102.000.000.000 Euro nicht ausreichen um das Ding zu retten. Und nun haben die auch noch genug Eier in der Hose, um nicht nur weitere (Bonus-) Zahlungen zu beanspruchen, sondern sich auch noch juristisch gegen ihren Rauswurf zu wehren. Respekt! So sind deutsche Manager – hart in der Sache. Wenn die Sache das eigene Portemonnaie ist.
Man stelle sich vor, was passiert, wenn die damit durchkommen und die Kündigungen als unwirksam erkannt werden. Dürfen die dann in ihren alten Job zurück? Kann man sowas allen Ernstes wollen?
Oder soll nur der Lebenslauf geschönt werden? (“MIR wurde noch nie gekündigt”)
Aber wer stellt solche Flachpfeifen überhaupt noch ein? Obwohl – vielleicht ist das die verkehrte Frage. Thom.as Middelho.ff, nur mal als Beispiel, kriegt ja auch immer wieder neue Unternehmen zum kaputt spielen, wenn er mal wieder eins mit Schmackes gegen die Wand gedonnert hat.
3 Gedanken zu „Beating a dead horse“
Aus festen Arbeitsverhältnissen lässt sich vielleicht noch abfindungstechnisch mehr Reibach machen. Also kurz mal rein und wieder raus. Wir haben ja einen Rechtsstaat.
Mir ein Rätsel, warum die Arbeitsagenturen das noch nicht als sparsames (Abbauherren-)Modell erkannt und ins Programm genommen haben. Einfach mal nix tun, das schädigt vielleicht noch weniger Volksvermögen als das Versprühen von Inkompetenz – nach turnusgemäßem Rauswurf hätte so ein Hartz-IV-Empfänger ausgesorgt und käme nie wieder in den Genuss von SGB-Leistungen. Aber so ist das in diesem, unserem Lande. Als Bank lässt man sich gerne von der Gesellschaft helfen. Umgekehrt funktioniert das irgendwie nicht.
Das frage ich mich ohnehin schon die ganze Zeit – warum nicht auf die Gesetze des Marktes vertrauen? Aktuell versucht jede Klitsche ihre Fehlentscheidungen der letzten Jahre wegsubventionieren zu lassen.