Schlüsselgeschichten (2)
So ein Schlüsselbund etwas sehr persönliches. Man hat ihn ständig bei sich (wenn alles nach Plan läuft), er ist ein jahrelanger Begleiter und nimmt irgendwie die persönliche Note des Trägers an. Manchmal hängt auch nicht nur Gebömsel dran, sondern auch Geschichten.
Dies ist Teil 2 des Schlüsselstöckchens von Rüdiger, und in dem geht es um meinen Schlüsselbund für´s Motorrad. An dem hängt wirklich Geschichte.
Im Bild zu sehen: Zündschlüssel sowie Schließeisen für Lenkradschloss, Koffer und Werkzeugrolle. Bemerkenswert ist daran der kleine Stift, der links zu sehen ist.
Nein, das ist NICHT der Sicherungsstift einer Handgranate. Es ist der Sicherungsstift des Feuerlöschers. Mit dem habe ich mal ein Restaurant davor bewahrt in Flammen aufzugehen. Und das kam so:
Jemand der die Friteusen reinigte hatte das Fett abgelassen und vergessen, das Gerät abzuschalten. Dadurch entzündeten sich die Fettreste an den Innenwänden, und durch die hohe Temperatur geriet die Elektronik in Brand. Im Nu schlugen hohe Flammen aus dem großen Gerät, direkt in die Abluftanlage darüber. Die hat normalerweise Filtereinsätze, sog. Flameguards, die das zurückschlagen der Flammen verhindern sollen, aber in just diesem Moment waren diese Teile in der Reinigung – etwas, das NIEMALS passieren darf. Das ist deshalb so richtig schlimm, weil sich die Abluftschächte durch das ganze Gebäude ziehen und mit Fettrückständen behaftet sind, die erst am Auslass ausgefiltert werden. Wenn sich die Fettbeschichtung in einer Abluftanlage entzündet, kann man nichts mehr machen. Man kommt nicht an den Brandherd heran und kann nur noch dem Gebäude beim Abfackeln zusehen.
Ich sah nur die hochschlagenden Flammen und das Loch, wo die Flammensicherung sein sollte und wusste sofort was zu tun war. Glasklar sah ich vor mir, was ich tun würde und was passieren würden, wenn ich es nicht täte. Mein Chef stand daneben und sagte sowas wie “Hol´mal einen Eimer Wasser, da kokelt es”, da war ich schon auf dem Weg zum nächsten Feuerlöscher. Um mich herum geschah alles wie in Zeitlupe. Chef stand etwas hilflos in der Gegend rum, ein Kollege befüllte einen Eimer Wasser. Ich brüllte ihn an, dass er das lassen sollte und war schon am Feuerlöscher angekommen. Nicht umsonst hatte ich mir immer wieder dessen Handhabung eingeprägt. Und nun, da es soweit war, fiel er mir erstmal auf den Fuss als ich ihn aus der Halterung wuchtete- das Biest war viel schwerer als gedacht.
Ich schleifte das Teil zur Brandstelle, zog den Sicherungsstift, schnippte die gelbe Kappe weg, hielt auf das Feuer und drückte ab.
Es machte laut “Pschuuu”, und nach einem kurzen, Bruchteile von Sekunden dauernden Pulverstoss war das Feuer aus. Vom anwesenden Unterchef bekam ich Schimpfe, weil der gute Feuerlöscher ja nun neu befüllt werden müsste und ein Eimer Wasser es doch auch getan hätte. Also ER würde die Neubefüllung nicht aus seiner Tasche bezahlen, soviel war mal klar. Das sagte er auch unserer obersten Chefin, als er sich über mich beschwerte und ihr die Story erzählte, wie ich mich seiner ausdrücklichen Anweisung, Wasser auf einen Fett- und Elektrobrand zu schütten, widersetzt hatte. Sie nickte daraufhin und schenkte mir spontan eine goldene Uhr mit der Gravierung “DANKE!”.
Um mich immer daran zu erinnern, dass ich in Notsituationen ganz kühl und rational handeln kann, auch wenn ich das manchmal nicht unbedingt von mir erwarten würde, habe ich den Sicherungsstift des Feuerlöschers behalten.
Mit dem hatten wir übrigens noch sehr viel Spass, mit der Restfüllung haben wir Ameisen weggepustet oder Raketentriebwerk (auf einem Bürostuhl mit Rollen) gespielt.

8 Gedanken zu „Schlüsselgeschichten (2)“
Du Held!
Hat der Unterchef schon jemals brennendes Fett mit Wasser gelöscht? Sollte er unbedingt mal ausprobieren. Aber möglichst nicht in Anwesenheit anderer Menschen oder in brennbaren Gebäuden.
War das in dem Etablissement, in dem auch die Story von der Euroumstellung spielte?
Das ist wirklich heldenhaft.
Aber dank diverser Fernsehberichte sollte doch inzwischen jeder wissen das man brennendes Fett nicht mit Wasser löscht, weil das sonst ganz böse ins Auge geht.
Das ist doch mal ein Grund für den Sicherungssplint am Schlüsselbund zu behalten. #kudos
ich hätte jetzt ‘du Held’ geschrieben, aber das steht da ja schon.
der Geschichte nach vermute ich, du hast mal in der Gastronomie gearbeitet?
Danke für die Lorbeeren!
In der Tat habe ich neben Schule und Studium ganz schön lange Jahre in Schnellrestaurants gearbeitet. Das sind unter anderem auch diese http://silencer137.wordpress.com/2008/05/31/bei-der-arbeit-vor-der-kamera/ und diese http://silencer137.wordpress.com/2008/05/24/euroumstellung/ Geschichten passiert.
Dein Unterchef ist ein Vollhonk! Beste Schlüsselgeschichte, die ich je gehört habe.
Merci! 🙂