Nicht wirklich, oder? Der Christliche Aktien Index

Ich musste wirklich auf den Kalender gucken, ob nicht doch schon wieder der 1. April ist, als im Radio die Meldung kam, das es nun einen „Christlichen Aktien Index“ gebe. Wie bitte?
Was soll der denn?

„…der als Benchmark für glaubenskonforme Anlagen dient. Wie das Joint Venture der Deutschen Börse und des Schweizer Marktbetreibers Six Group mitteilte, heißt das Produkt Stoxx Europe Christian Index. Der Index messe die Performance von Aktien des Stoxx Europe 600, die entsprechend der Werte und Prinzipien der christlichen Religion ausgewählt würden.“

Quelle: Börsenzeitung

Aha. Welche Unternehmen prinzipientreu sind und welche nicht, das legt ein Gremium fest, dem u.a. der Vatikan, selbst als nicht gerade zimperlich bekannt was Investitionen angeht, angehört, aber auch „viele Experten“ wie die Sprecherin der Stoxx nicht müde wurde im Interview zu beteuern.

Firmen, die bspw. Verhütungsmittel produzieren, haben keine Chance in den Index aufgenommen zu werden. Ölkonzerne wie BP und Dutch Oil und Großbanken wie HSBC tummeln sich dagegen auf den vorderen Plätzen des Index. Auf die Frage, wie man denn bspw. prüfe, dass eine Großbank nicht in Geschäfte mit Waffen, Glücksspiel, Tabak oder ähnlichen Ausschlusskriterien verwickelt sei, antwortete die Stoxx-Sprecherin in verschwörerischem Tonfall, dass sie überall Experten haben, in allen Unternehmen, und die würden sie informieren.

Eigentlich genial, oder? Nur damit fromme Christen eine moralische Richtschnur beim Anlegen ihrer Kohle haben, wäre die Gründung eines eigenen Aktienindex etwas viel Aufwand – wenn es keine Hintergedanken gibt. Und die gibt es natürlich, denn immerhin haben wir es hier mit Börsenleuten und Bankern zu tun.

Also, wenn ich Großgrundbesitzer wäre, würde ich auch einen eigenen Aktienindex gründen. In Silencers Aktienindex (SAX) würde ich dann auch Aktien ranken und empfehlen. Nach meinem eigenen, geheimen Katalog. Und welche Werte würde ich besonders hypen? Na klar: Die, an die ich sowieso schon ganz fest glaube, weil ich bereits in sie investiert habe. Was für mich gut ist, kann für andere nicht schlecht sein. Und wenn es dann so nebenbei dem Kurs der Unternehmen, an denen ich Beteiligungen halte, gut tut – dann haben wir doch alle was davon.

Empfohlene Lektüre: Die Vatikan AG

Kategorien: Meinung | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Nicht wirklich, oder? Der Christliche Aktien Index

  1. Stefan O.

    Kirche UND Finanzen? Das ist ja böse im Quadrat 😉

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  2. da fällt mir doch sofort wieder die Vatikanbank ein, die in so moralisch hervorragende Werte von Kondom-, Waffen- und Antibabypillenherstellern investiert hatte.
    🙂

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