7 – Hinter dem Spiegel

Death by N. Gaiman

Die Worte waren noch nicht verklungen, ich zuckte zusammen und die Haut kribbelte und die Welt wurde ganz leise. Alles war gedämpft und langsam und in Zeitlupe. Das Licht, das auf den alten Holzfußboden fiel, war warm und Honigfarben. Das Gefühl zu fallen, aber nicht tief und nicht lange, denn überall war Wärme, Zuversicht und Gewissheit, die auffingen und umhüllten. Plötzlich war alles anders und besser. Der Fluss wand sich und fand ein neues Bett, eine neue Richtung. Die Freude war groß und die Neugier auf alles, denn alles würde anders sein und müsste neu gebaut werden. Das geschah, die Fundamente waren fest und Stein für Stein entstand etwas Neues, das wuchs und größer wurde und besser und schöner werden sollte als alles andere. Der Fluss lag da im Sonnenlicht und Hummeln summten in der Wiese und die Steine waren warm von der Sonne.

Die Worte waren noch nicht verklungen, da zuckte die Welt, und alles wurde still. Das Licht war weg und nichts summte mehr. Das Gefühl zu Fallen, und nichts dämpfte den Sturz. Da war nur Angst und Verzweiflung. Der Weg, das Haus, das Sonnenlicht, alles war unerreichbar, wie jenseits eines Spiegels. Der bekam plötzlich Risse und splitterte und brach in sich zusammen. Als wäre die neue Wirklichkeit nur eine Illusion gewesen, ein Trugbild, ein seltsamer Scherz. Die Splitter waren riesig und scharf und hinter dem Scherbenhaufen lag nur eine graue Einöde, dunkel und staubig und still, wie auf dem Mond, und atmen konnte man auch nicht. Alles was eben noch da war, war nun weg, es war verloren, und das blieb es auch.

Der Fluss suchte sich ein neues Bett.

Vielleicht, in einer anderen Welt, war das Ganze kein Trugbild. Vielleicht, in dieser anderen Welt, gibt es das alles noch, und es ist Wirklichkeit geworden. Dort steht das Haus auf der Wiese am Fluss, und es ist voller Leben, alles summt und es ist warm. In dieser anderen Welt ist die unsere die Welt hinter den Spiegeln, die Welt, die es nur in Albträumen gibt, das Trugbild eines Schreckens, der zum Glück nie Wirklichkeit wurde und an den man nicht mal zu denken wagt, weil er zu schlimm ist.

6 – Im Limbus
5 – Erinnerungen an andere Welten
4 – Heute Nacht, und jeden verdammten Tag

Kategorien: Gnadenloses Leben | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „7 – Hinter dem Spiegel

  1. ssuchi

    Fühl dich mal geknuddelt!

    Gefällt mir

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