Prometheus (2012)

Eigentlich wollte ich nichts zu Prometheus schreiben – Film und Gamerezensionen gibt es in so vielen Blogs, dass ich mich da ein wenig rausgezogen habe. Mit Owley bin ich fast immer einer Meinung, und wenn man darüber hinweg sieht, dass seine ausgefeilten Rezensionen nichts mit seiner Sternchenbewertung zu tun haben, dann kann ich den guten Gewissens empfehlen. Aber zum einen wurde eine Diskussionsgrundlage gewünscht, zum anderen habe ich ein lustiges Filmchen gefunden, das ich unbedingt zeigen muss. Ist natürlich alles nicht ohne Spoiler machbar. Deshalb: Geht in den Film, guckt ihn Euch an, dann kommt wieder und klickt auf weiter.

Bis dahin… Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet. Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est Lorem ipsum dolor sit amet.

Wieder da? OK. Prometheus hat mich eingermaßen ratlos zurück gelassen. Nach „The Dark Knight Rises“ ist das nun schon der zweite Blockbuster in diesem Sommer, mit dem mir das so geht. Diesmal weiß ich aber wenigstens was Schuld ist. Oder genauer gesagt: WER daran Schuld ist.

Die wenigsten Filme sind nur gut oder nur schlecht. Über kleine Macken und Fehler sieht man als Zuschauer fast immer gerne hinweg, wenn die Filme nur in sich stimmig sind. Das ist übrigens was, das Christopher Nolan nicht wirklich verstanden hat. Ein Film ist nicht automatisch dann realistisch, wenn er sich sklavisch an unsere Realität klammert, sondern wenn er eine plausible Welt erschafft. Aber das nur am Rande. Was einem als Zuschauer, zumindest mir, aber mächtig auf den Saque geht, ist, wenn uns man uns verarschen will. Wenn großspurig so getan wird, als wenn der Film was ganz großes will und mich dann am Ende in der Luft hängen lässt, WEIL DIE FILMEMACHER KEINEN PLAN HATTEN. Ich nenne das nicht ohne Grund das „LOST-Dilemma“, weil uns gerade bei dieser Serie, in noch schlimmeren Maße als bei den „Matrix“-Filmen, vorgemacht wurde, dass hinter all dem ein Sinn steckt, den man als Zuschauer nicht geblickt hat. Hunderte von Fragen wurden aufgeworfen, und am Ende gab es keine Antworten darauf. Weil sich herausstellte, dass die Drehbuchautoren wie eine bekiffte, kichernde Schülergruppe zusammen hingen und entgegen anderslautender Beteuerungen weder einen Plan hatten noch Bock, sich für fünf Cent Gedanken für einen vernünftigen Schluss zu machen. Und einer von der Bande hat am Drehbuch von Prometheus rumgewürgt. JA, ICH SEHE IN DEINE RICHTUNG, DAMON LINDELOF!

Prometheus führt das LOST-Dilemma im Extrem vor. Was verheissungsvoll, als stimmiger SciFi-Film startet, wird irgendwann mit Fragen und noch mehr Fragen dermaßen überhäuft, dass er so Kopflastig wird, dass er zwangsläufig damit auf´s Maul fallen muss. Und das auch in einem Maße tut, dass es einem als Zuschauer das Herz zerreist. Nicht weniger als die Frage nach Sinn des Lebens und der Schöpfung wird aufgemacht, und als Antwort gibt es nur schlechtgelaunte Vampirhooligans.

Das ganze ist deswegen besonders ärgerlich, weil es Ridley Scott wirklich noch drauf hat und man immer wieder aufblitzen sieht, was Prometheus hätte sein können: Ein ganz großer Film, der in einer Liga mit Blade Runner spielt. Leider steht da Lindeloffs Erzählfäule im Weg. Irgendwie scheint niemand zu kapieren, wie unbefriedigend es ist, wenn sich Fragen über Fragen auftun, und es am Ende keinen Moment der Erleuchtung folgt. Dann beginnt das eigene Hirn zu rattern und einen Sinn zu suchen, und plötzlich fallen einem vielen anderen, ungeklärten Dinge und Fehler auf. Und davon hat Prometheus eine Menge, und fast alle hängen mit den Figuren zusammen. Nahezu das gesamte Personal im Film besteht aus unsympathischen Hackfressen, deren Tun oder Motivation man nicht für fünf Cent nachvollziehen kann. Ich meine, ein Biologe, der lieber zurück zum Schiff will als Xenobiologie anzugucken? Ein Kartofgraf, der sich in zuvor kartografierten Räumen verläuft? Wo haben die die denn her? Oder ein Multifunktionskrankenhaus in einen Tupperdose, was aber nur bei Männer funktioniert? Ein alter Mann, der es nötig hat so zu tun als sei er tot? Was soll das? Dazu kommen die erzähltechnischen Ungereimtheiten. Warum sollten die Aliens einen Wegweiser zu einer fucking Biowaffenfabrik auf der Erde hinterlassen? Warum spielt das Schiff das Holo-Log zu den unpassensten Momenten und in Echtzeit am Echtort ab? Eine Else, die sich selbst den Bauch zutackert, damit aber drei Minuten später Hochleistungssport vollbringt? Und wieso hat eine so teure Produktion kein Geld für einen ordentlichen Maskenbildner? Guy Pierces Make up ist die schlechteste Maske seit Indiana Jones III.

Diese und noch mehr Fragen habe ich mir schon während des Films gestellt, was generell ein schlechtes Zeichen ist. Wenn ich zur Laufzeit des Filmes schon Zeit zum Denken habe, dann bin ich aus der Handlung ausgeklingt, dann hat mich der Film verloren. Lost, sozusagen. Was mich beschäftigt hat, hat Red Letter Media schön zusammengefasst:

Was die beiden ausklammern ist die christliche Symbolik, mit der ich ein echtes Problem hatte. Gefühlt alle zwei Sekunden wird mit dem Kreuz von Else vor der Kamera rumgebaumelt. Und sie, als einzige wirklich Gläubige, entkommt am Ende und darf ihre Suche fortsetzen. WTF? Was soll das? Und warum kommt sie auf die Idee, dass die Konstrukteure sich gegen die Vernichtung der Menschheit entschieden hätten, wo der Film doch sorgfältig die Grundlage baut, dass die Schöpfer sich mit einer Amok gelaufenen Biowaffe selbst zerlegt haben? Überhaupt, Vernichtung der Menschheit: Wieso kommen die Aliens ausgerechnet zum Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu die Idee, uns ein Päckchen mit Aliens zu schicken?

Nein, Prometheus macht keinen Spass. Er ist anstrengend, weil er behauptet so viel mehr zu sein als ein spannender SciFi-Flick, sich dann aber so fürchterlich doof anfühlt. Er hätte gleichzeitig so wunderbar mehr sein können, wenn er weniger gewollt hätte. Aber wenn ein Film die Frage nach dem Sinn des Lebens aufmacht, muss er sich an den Antworten messen lassen. Wenn sich dann herausstellt, das am Ende aber nicht mal der Filmtitel einen Sinn ergibt, fühlt sich das Ganze hohl und platt an. Wenn dann noch pseudoreligiöses Geschwurbel mit reingemischt ist, wird es richtig ärgerlich – und fast zwangsläufig muss ein Ex-Lost-Macher die Finger drin haben. Ich plädiere dafür, Lindeloff die Lizenz zum Drehbuchschreiben zu entziehen.

13 Gedanken zu “Prometheus (2012)

  1. Sicherlich lassen sich noch zahlreiche Beispiele dafür finden, dass eine Geschichte als Tiefgründig dargestellt wird, aber letztenendes ist es einfach nur irgendwie eine aufgeblasene Kurzgeschichte… oder ähnliches…

    Ein Film, der mir deshalb besonders in Erinnerung geblieben ist, war „der goldene Kompass“. Jetzt wird manch einer sagen, dass der Film doch gar nicht schlecht war etc. etc.

    Der Film an sich hat mir auch gefallen, so gut, dass ich mir die Bücher angeschaft und gelesen habe… und ich war wirklich schwer enttäuscht – bzw. froh, dass der Film nicht erfolgreich genug war für die Verfilmung der anderen beiden Teile. Bis zum Ende des ersten Buches bleibt die Geschichte interessant, aber dann ist Autor Pullman offenbar der Stoff ausgegangen, denn was dann kommt, ist in meinen Augen nur noch blasphemischer Unsinn – ohne tiefere Bedeutung.

    Manchmal stellt man sich die Frage, ob vielleicht heute einfach schon alle Geschichten erzählt sinnd, ob es einen wirklich neuen Film denn noch geben kann, der dann auch noch gut umgesetzt ist.

    Bei Tollkien jednefalls merkte man den Geschichten (sei es nun in Peter Jacksons Verfilmung oder den Büchern), dass die Geschichten wirklich Tiefgang haben, nur einen kleinen Ausschnitt einer großen Welt zeigen und entsprechend auch nur ein kleiner Teil der Berge von Papier sind, die der eigentliche Wissenschaftler geschrieben hat.

    Die Gegenfrage aber bleibt, ob ein Künstler heute überhaupt noch die Möglichkeit hat, eine eigene Welt zu erschaffen, von der er nur einen kleinen Ausschnitt zeigt.

    Denn wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der es nicht nur mehrere Fernsehkanäle mit 24h-Programm gibt, sondern in der in den Kinos ja sogar das doublefeature verkauft wird, sprich: man geht ins Kino um zwei oder mehrere Filme anzusehen.

    Solange vom Puplikum nicht endlich wieder mehr Qualität statt Quantität gefordert wird, bleibt es wohl schwierig und die guten Filme bleiben einfach eine noch größere Seltenheit.

    Scilencer: Deinen Blog habe ich damals durch den Beitrag zur Aufstellung des Kanons der Spiele gefunden. Vielleicht sollten wir einfach mal versuchen, einen Kanon guter Filme aufzustellen? Oder ist Deine Zeit der Kanons vorbei?

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  2. Prometheus stellt eine verdammt interessante Frage (man kann es aber auch zu weit treiben, wie Erich von Däniken gerne beweist), beantwortet sie aber nicht, und das ist das ist sein Fluch. Nun aber eins nach dem anderen:

    – Findest du meine Kritiken stehen derart heftig im Widerspruch zur Bewertung? Du bist nicht der erste, der sowas sagt, aber ich sehe das eigentlich nicht so. Bin aber gespannt, was du da zu sagen hast. 🙂
    – Damon Lindelof (so schreibt sich der) hat hier etwas gepatzt, nicht aber bei LOST. Da war das Ende plausibel, liess aber viel offen, und das war gut, denn es gibt nicht einfach so auf alles eine Antwort. Auch wir haben unbeantwortete Fragen in der realen Welt und ich fand, das Ende der Serie verlieh ihr dadurch noch zusätzlichen Realismus.
    – Und ja, Logikfehler hats drin, vorallem im Bezug auf Else, die imho aber noch sehr solide spielt und zusammen mit David zum Interessantesten zählt, was der Film zu bieten hat. Charlize Titten ist imho eh verdammt überbewertet, gebt der alten Schnepfe nen Gnadenschuss. Und warum sie Guy Pearce (Guy Ritchie ist Madonnas alter Honcho) für diese Rolle gecastet haben, wenn er eh nur hinter miesem Make-Up sitzt, verstand ich auch nicht.
    – Die Idee ist schlau, Ridley hat aber zu wenig Mut, eine Antwort darauf zu finden. Das hätte den Film gerettet, denn so fehlt ihm etwas. Und warum Else jetzt überleben musste, war mir unklar. Das hätte noch mehr Dramatik hinzugefügt, und nicht so oberflächliche, wie in anderen Momenten.

    Imho ist Prometheus nicht per se ein Mist, er hat viele gute Ansätze, aber er verschwendet viel Potential. Will ein Kunstfilm sein, ist aber ein Blockbuster wie jeder andere.

    Und: Ich will deine Meinung zu TDKR hören, junger Mann 😛

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  3. Pi: Da bin ich absolut der entgegengesetzten Meinung. Ich glaube, gerade WEIL wir mittlerweile ein popkulturelles Kollektivwissen von Fantasy haben, quasi einen Fundus, aus dem man schöpfen kann, sollte Weltenbauen einfacher sein. Das ist m.E. auch der grundlegende Verdienst von Tolkien: Er hat Elemente geschaffen, die für vieles gut sind, Seine eigene Welt fand ich dann mehr so meh, aber ich bin auch mit Tolkiens Erben sozialisiert worden, die da natürlich aus dem vollen schöpfen konnten. Das tun sie auch immer noch, und sie finden ihr Publikum – allerdings mit solch komplexen Handlungen, dass das zeitlich begrenzte Medium Film nicht mehr trägt. Ich denke da an Game of Thrones, was nicht nur ein Riesenerfolg ist, sondern auch das Format Serie braucht, um erzählen zu können.

    Was den Kanon angeht: Sowas gibt es mit Sicherheit schon, und bestimmt ist Citizen Cane drin 🙂

    Owley. Danke für die Hinweise. In der Tat finde ich, dass Deine Bewertungen zu gut ausfallen. Manchmal sezierst Du mit absoluter Präzision einen Film und erklärst objektive Schwächen, vergibst aber trotzdem hohe und höchste Wertungen. Eigentlich bräuchtest Du nur eine drei Sterne Skala: Die drei letzten 🙂 Und TDKR? Der rumpelt und quietscht, beindruckt ungemein, nervt aber mit seinem manischen Willen es allen Recht machen zu wollen. Jetzt aber zurück zu Prometheus: In Bezug auf Charlize hast Du recht. Die steht da so dermaßen unterfordert in der Gegend rum, dass der „Ey, ficken?“ „Na guuut“-Dialog fast nicht auffällt. Die Figur Wickers nervt von der ersten Minute an (obwohl ihr Auftritt bad ass ist) und der Plot funktioniert gar nicht.

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  4. Hab mir das jetzt komplett durchgelesen. Nicht, weil mich der Film wirklich interessiert. Sonder weil ich gern wüsste, ob darin wenigstens irgendeinen Bezug zur Figur des Prometheus gibt, ja, zu dem aus der griechischen Sagenwelt. Oder ob die Macher einfach nur einen coolen Titel suchten, über den Namen stolperten und dachten, hey, der klingt cool und auch so elaboriert, den nehmen wir!
    Letzteres trifft dann wohl eher zu, vermute ich…

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  5. Naja, es gibt schon einen Bezug, der ist aber nach zwei Minuten vorbei. Der Typ am Anfang, der sich so melodramatisch opfert und aus dessen DNA die Menschen werden, dass ist Prometheus. Der Teil mit dem Feuer, der ja nur die eine Hälfte der Sage ist, kommt nicht vor.

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  6. Nun, das erstaunt mich nicht, denn ich glaube, meine Wertungen werden anders interpretiert, als sie konzipiert sind. Ich bewerte den Film für sich, nach meinen Erwartungen, nach dem Potential, nach dem allgemeinen Feeling und schaue weder links nach rechts. Jeder Film wird ungeachtet anderer, u.U. besserer Filme, angeschaut. Und ich habe in letzter Zeit eben viel gesehen, was meine Erwartungen erfüllte. Bald kommen aber schlechtere Reviews, soviel sei verraten. 😉

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  7. Ist auch alles vollkommen legitim. Wie ich eingangs sagte: Die Sternebewertung hat in der Regel nicht mit dem Text zu tun 🙂 Was OK ist, wenn man´s weiß.

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  8. Herr Seemann hat einmal verschiedene Charaktere von Internetnutzern in „42er“ und „23er“ unterteilt (http://mspr0.de/?p=2861) Man mag sich über solches Schubladendenken mokieren, aber wenn man es humoristisch nimmt, kann es helfen einige eher im unbewussten Bereich angesiedelte Unterschiede bei Medienrezeption herauszuarbeiten.

    Für Prometheus scheint mit eine andere Zahl sehr einschlägig zu sein: ich bin ein „2001er“. Als ich diesen Film zum ersten mal mit 15 gesehen habe war ich völlig geflasht. So viele Assiziationen, so sonderbare Muster und Strukturen, so viele Fragen. Keine Antworten. Nirgends.

    Von da war es ein kurzer Weg in die psychologisierende Zeichenwelt eines David Lynch. Wo die wenigsten Dinge einen klassischen „Sinn“ ergeben. Blade Runner war auch so ein Film – selbst im „traditional cut“ war das doch sehr verwirrend. Oder Dune – was war das für ein sonderliches Vieh.
    Ich habe solche Filme immer geliebt, gerade weil sie mir nicht alles bis zum Ende auserklärt haben. Plotholes sind nicht schön. Ich habe mir aber angewöhnt (oder hatte vielleicht konkreter besprochen nie ein Problem damit), wenn sie auf der anderen Seite durch ästhetische Qualität, Originalität, entfesselte Dramaturgien punkten können. Wie passt nun Prometheus hinein?

    Ich denke es ist unstrittig, dass es in Bezug auf handwerkliche Machart und Ästhetik einer der berückensten SF-Filme seit langer Zeit ist. Hinzu kommt, dass hier erstmals (Avatar eingeschlossen) 3D einigermaßen hilfreich und nicht aufgesetzt daher kommt – die düsteren Gänge gewinnen durch die Tiefe ganz ungemein.

    Ich bin ferner immer bereit viele Fehler zu verzeihen, wenn ein Film es schafft, zumindest einzelne Szenen von 5 oder 10 Minuten herauszustanzen die in Erinnerung bleiben. Hier muss man Scott etwa attestieren, mit der OP-Sequenz etwas rausgehauen zu haben, was in Punkto Radikalität, Originalität und WTF der Chestbuster-Szene aus Teil 1 in nichts nachsteht. Das finde ich nach 30 Jahren nicht nur erstaunlich, sondern nachgeradezu famos – damit hatte ich nicht im Ansatz gerechnet, diese Sequenz wird in die Filmgeschichte eingehen. Und es gibt doch ein ganzes Rudel an Sequenzen die wirklich gut funktionieren und Lichjahre über dem SF-Brei liegen, sei es Eingangssequenz, das 3D-Briefing oder die Erweckung des Engineers.

    „Da ist – Nichts!“
    „Ja – ich weiß.“

    Allein diese zwei Zeilen haben bei mir mehr Emotinen hervorgerufen als zu ziemlich alles Geballer in Teil 2 zusammen. Worüber man sich nicht lange unterhalten muss: so ziemlich alle Personen agieren extrem dämlich. Auch wenn es der Geologe ist der abhauen will und nicht der Biologe (Motivation: ersichtlich Angst, nicht mangelndes Interesse) – das macht schon alles wenig Sinn. Aber: innerhalb des Alien-Universums ist dies der Normalzustand. In allen vier Filmen bisher treffen Menschen permanent unverständliche und dumme Entscheidungen. Rennen quasi immer allein die Treppe hoch wenn der Serienmörder im Erdgeschoss zur Tür hereinkommt. In so einem Moment kann ich gut abstrahieren: gut, in 100 Jahren ist den Menschen durch Technik so viel Denken abgenommen worden, dass sie eben etwas schräg ticken. Problem gelöst. Mit derselben Nonchalance erklärt sich die OP-Szene: die Frau wird gut zugetackert, Extrem-Heisaft drauf, Zukunfts-Drogenkocktail in die Blutbahn und fertig. Noch Fragen?

    Diese Art der Milde gegenüber Plotholes hat mich auch auf einer sanften Wolke durch LOST getragen. Allein was diese Serie in Bezug auf narrative Muster gewagt hat ist völlig ohne Beispiel, und da ist es mir dann im Gegenzug einfach mal völlig egal wo die Eisbären herkommen oder ob es am Ende einen tieferen Sinn gab. Der Weg ist das Ziel, und LOST die vielleicht mutigste Serie im TV seit Twin Peaks.

    Wenn man aber in Prometheus nicht nur ikonographische Einzelszenen sucht sondern übergelagerte Themen und Fragen, so wird man auch ergiebig fündig. Vorwegzuschicken wäre jedoch, dass dies offensichtlich der erste Teil von mehreren (mindestens zwei) sein wird. Es geht das Gerücht, der Zweite Teil „Paradise“ würde von Cameron kommen – wie abgefahren wäre das denn?

    Wie dem auch sei: der Kenntnisstand heute muss nicht der sein, dem man am Ende der gesamten Geschichte mitnimmt. Beispiel: nur weil ein primär an Sex interessierter Kapität meint, die Aliens seien Biowaffen und dies nur ein Militärposten, muss dies noch lange nicht stimmen. Es ist doch etwa etwas verwirrend, dass man mitten in einem Biowaffendepot einen 10 Meter Menschenkopf hinpflanzt. Und dahinter einen Schrein mit einem Wandbild, das eindeutig ein Alien zeigt. Auch die Architektur des Raumschiffs erinnert stark an die Alienkörper selbst, nicht an die der Enigeers. Anbei: eine offensichtliche Anleihe an die klassische Prometheus-Sage ist natürlich die Büchse der Pandorra. Auch, dass jetzt alle die 2.000 Jahre auf das Christentum beziehen halte ich für verfrüht. Ich würde mich nicht wundern, wenn es in Teil zwei zu einem Dialog der Art kommt:

    „warum habt ihr uns nur aufgegeben? Damals, vor zweitausend Jahren? War es, weil wir Jesus ans Kreuz genagelt haben?“
    „Jesus? Wer ist Jesus. Ihr wart reif. Ihr ward nie mehr als – wie ihr es nennt – Laborratten.“

    Sprich die zwanghaft egozentrische Sichtweise der Menschen aufs Korn genommen wird. Oder die zweifelhafte Rolle von Religion. Künstliche Intelligenz als eigentliche Gefahr für das Universum (der Engineer tickt erst aus, als er David berührt). Generell wäre auch ein Verlauf denkbar, dass der Engineer eher eine Art Luzifer unter seinesgleichen war – ein gefallener Engel mit ganz eigener Agenda. Tja, wir werden es entweder nie erfahren (womit ich prima leben könnte) oder aber in weiteren Teilen erzählt bekommen – wovor man ja angesichts der Matrix-Debakel ein wenig Angst haben darf.

    Die Fortsetzungen zu 2001 haben auch Vieles erklärt – ich hätte vielleicht lieber darauf verzichtet . HAL ist halt, wie er ist. Ich glaube, Scott will eben darauf hinaus: die Menschheit tendiert dazu, immer die letzten Fragen zu stellen und die ganz großen Räder zu drehen. Das Universum dreht sich aber nicht um uns, wir sind ihm komplett egal.

    Epilog
    Einige der drängensten Fragen, insbesondere wie der Film eigentlich zu den anderen vier passt, findet man hier sehr sorgfältig diskutiert: http://thewertzone.blogspot.de/2012/06/filling-blanks-tying-prometheus-to.html

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  9. da hat der große Psychologe MSPRO mit Sicherheit von der großen Philosophin Mein Omma geklaut, die immer sagte: „Es gibt solche und solche“ und damit eine ähnlich präzise und fundierte Einteilung der Welt unternahm. Ich mag es, wenn Medien intelligente Fragen stellen, die mich beschäftigen und mich weiterbringen. Im Zweifel auch dann, wenn der Macher selbst nicht unbedingt Plan hatte. Wo allerdings Cubrik und Lynch stimmige Welten schaffen, kommt bei Prometheus nur… schwarzer Glibber.

    Unsere Sozialisation ist nicht unähnlich, und ich kann auch mit – in dem von Dir angeführten Link nennen Sie es „Plotholes, you can drive a Powerloader through“ – leben, wenn die Welt und die Handlungen der Protagonisten in sich plausibel ist. Das sind sie leider bei Prometheus nicht, trotz der berückenden Oberfläche. Im Gegenteil, die Welt ist so dumm, dass es an Publikumsbeleidigung grenzt. Das ist bei 2001 oder auch den ersten Alienfilmen anders. Auch wenn die nicht alle Fragen beantworten: Ihre Welt ist plausibel und ihre Figuren agieren darin plausibel. Der Vergleich mit den Alienfilmen bietet sich hier in der Tat an. Gerade in den ersten beiden Filmen haben wir eine Meute von schrulligen Personen. Warum? Weil es passte. Ein Erzfrachter, der Jahrzehnte im All unterwegs ist. Marines. Menschen, die an ihre Grenzen gehen, und deren Schrulligkeit man akzeptiert, weil sie auf ihrem Gebiet die Besten der Besten sind. Ihre Charaktere sind stereotyp, aber für die Filme reichen sie aus und erklären die Motivation hinreichend plausibel. Dementsprechend stereotyp-plausibel sind auch ihre Aktionen. Vasquenz, anyone?

    Bei Prometheus fehlt das alles, bis auf die Schrulligkeit. Exakt das passt nicht. Wenn eine Frau mit der kalten Präzision von Wickers eine Expedition zusammenstellt, nimmt sie dann einen Biologen mit, der erst Arbeitsverweigerung betreibt und dann Duzi-Duzi mit einem Vagina-Penis-Alien machen will? Oder einen Geologen und Kartografen, der sich benimmt wie die härteste Arschgeige im wilden Westen, dann aber beim ersten Fremdkontakt Angst hat und abhaut und sich DANN VERLÄUFT, und zwar in exakt DEM HÖHLENSYSTEM DAS ER GERADE KARTOGRAFIERT? Ich denke nicht.

    An dieser Stelle, wenn alles so unplausibel abläuft, fällt um so mehr auf, dass auch auf den höheren Ebenen nichts kommt. Die wagen Vermutungen, dass in einem Teil 2 oder wie auch immer alles gut wird und dann plötzlich alles erklärt wird, ist exakt das LOST-Dilemma. Die Hoffnung, dass am Ende doch nicht alles dumm ist, sondern das es sich zu einem Moment der Epiphanie zusammenrüttelt, der einen staunend zurücklässt. Nur: Das wird nicht passieren. Und damit sind wir bei den von Dir angesprochenen ikonischen Szenen, die offensichtlich auf uns unterschiedlich wirken. Während Du von der Hastig-OP mit einem Greifspiel in der Tupperdose fasziniert bist, habe ich mich nur fremdgeschämt. Abgesehen davon, dass die Umsetzung was von Jahrmarktsautomat mit Gummimonster hatte: Ein Killerspermium? Rly?

    Ich fürchte, dass Lindelof und seine Bande beim Drehbuchsschreiben zusammengesessen, ordentlich was geraucht haben und immer wieder kicherten: „Wäre es nicht cool, wenn…“.
    Und dann haben sie sich diese Szenen ausgedacht und sie am Ende nicht mit einer vernünftigen Story verbinden können. „Wäre es nicht cool wenn… Einer von denen ein Zombie wird, und sich dann voll so faltet und dreht und dann alle so mit Flammenwerfern…“ Jo. Genau. Wenn Zombies vor der Tür stehen wird SOFORT die Tür aufgemacht, eine Stunde vorher wird erst dreimal geguckt und das Crewmitglied mit der ungesunden Gesichtsfarbe abgefackelt. Hellyeah.

    Der Film hat eine schöne Oberfläche und tolle Bilder. Allein deshalb ist er kein totaler Reinfall. Was mich umso mehr ärgert, denn wie schon beschrieben: Ohne diese unsagbar dummen Fehler hätte er noch so viel mehr sein können.

    Bei „How it should have endet“ kann man sich übrigens nochmal die krassesten Dummheiten angucken: http://bcove.me/bqpsaqmf

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  10. Nun gut, wenn Du schon die OP-Szene lame fandest kommen wir da wirklich auf keinen gemeinsamen Nenner mehr. Die Plotholes bei ME3 haben mich merklich mehr gestört – hier wurde für mich wirklich ein Gesamtkunstwerk gegen die Wand gefahren.

    Was mich zu der Bemerkung verleitet: mit wenigen Handgriffen hätte man sowohl die Plausibilität von Prometheus als auch von ME3 zu 90% fixen können. Scott selbst hat angegeben, dass auf der in zwei Monaten erscheinenden Blueray der extended Cut zu sehen sein wird mit 20 (!) Minuten mehr regulären Szenen und zusätzlichen (!) 30 Minuten deleted Szenen als Bonusmaterial. Auch ME3 hat ja jetzt seinen (einigermaßen ok gehenden) Extended Cut bekommen.

    Ich begreife es aber nicht: Scott selbst hat hartnäckig dafür gekämpft, dass es nach Jahren endlich seinen „Direktors cut“ von Blade-Runner gab (ohne Off-Kommentar etc.). Er hat dem Studio einen anderen Regisseur für Prometheus vorgeschlagen, das Studio hat abgelehnt mit dem Statement „wir machen das nur mit dir“. Er hat zwei Schnittversionen konzipiert, eine PG13 und eine R – beide fertig geschnitten. Das Studio hat gesagt: „Du Ridley, du willst eigentlich die R, also nehmen wir auch die R. Wir brauchen keine PG13“.

    WAS ZUR HÖLLE hat Scott also daran gehindert, gleich eine 2,5 Stundenfassung raus zu bringen die mehr Sinn macht und Leuten wie Dir nicht gegen das Schienbein tritt? In den Zeiten von HDR sollte es doch wirklich kein Problem sein einen 3 Stunden Film anzupreisen, zumal bei der Fanbase die das Alien-Franchise immer noch hat. Die Leute hätten sich auch 4 Stunden hingesetzt, wenn das Ergebnis stimmt.

    Ich sehe hier viele Parallelen zu ME3 – aus irgend einem Grund wird derzeit (?) im Bereich der Skriptlogik nicht die letzte Meile gegangen, und es fehlt offensichtlich an Leuten die hier einschreiten können oder wollen und noch einen klaren Kopf bewahren. Da muss sich dringendst was ändern, es macht doch wirklich keinen Sinn wenn das „richtige“ Produkt dann Monate später nachgereicht wird.

    Jackson haut ja derzeit genau in die andere Richtung – ich meine 3(!) Filme zu der Hobbit, really?! „Ich will nebenbei auch noch die Anhänge von HDR mit verfilmen“. Jesus. Gut wir werden sehen, ob sich das im Ergebnis lohnt – aber zumindest mal setzt er damit ein Zeichen.

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  11. Leider wahr, das Beispiel. ME3 war bis Prometheus DAS LOST-Dilemma-Opfer 2012. Auch da sind die Leute losgerannt, ohne wirklich einen Plan für das Ende zu haben. Und das, was sie hatten, haben sie dann auch noch schlecht umgesetzt, obwohl ich damit zunächst gut leben konnte und obwohl das Spiel vorher schon dreimal verschoben wurde, ein viertes Mal wäre da nicht aufgefallen.

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  12. (Sorry to interrupt, aber wollte noch kurz auf deinen Kommentar zu meinem zurückkommen :D)
    Ist eben nicht okay. Weil die Sternenwertungen sollen das simpel darstellen, was ich im Text detailliert beschreibe. Spricht die Bewertung muss dem Text entsprechen. Kannst du mir ein Beispiel nennen oder mich beim nächsten Mal darauf ansprechen? 🙂

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