MT3-12

Nun bin ich am vergangenen Wochenende nicht nur auf die Jagd nach Nazigold in alten Bergwerken gegangen, sondern war nebenbei auch noch auf der MT3-12. Das ist die Abkürzung für die 3. Männertour in diesem Jahr. Die heisst so, weil vier Männer auf, äh, Tour gehen. Vier, das sind in dem Fall die Herren… nennen wir sie einfach Wendler, Krause und Drews, sowie meine Wenigkeit. Und die Tour ging in den südöstlichen Harz, genauer gesagt, so:


Das sind über 200 Km.
Der Tag fing ziemlich früh an, mit einem Kaffee aus der Tasse, die seit 1991 besondere Tage einläutet.

Da der Tag sich anschickte, derjenige mit dem besten Wetter 2012 zu werden, wählten wir das kleine Cabrio für die Tour.

Und los gings, aus Zeitgründen ganz unromantisch über die Autobahn 7 nach Süden, dann mit der A38 nach Osten.

Das erste Ziel lag in Sondershausen. Das „Erlebnisbergwerk“.

Das heisst so, weil es ein Bergwerk ist. Und weil man da was erleben kann. Anders als andere Bergwerke , die man sich anschauen kann, ist DIESES Bergwerk aber noch in Betrieb. Während man sich Dinge anguckt, arbeiten die Leute um einen herum und machen Dinge, die Bergleute halt so machen. Das ist ziemlich abgefahren.

Aber zunächst mussten sich alle Besucher als Schlümpfe verkleiden, in blauen Kitteln, mit gelben Helmen.

Dann mussten wir noch ein wenig warten. Wir taten das im Maschinenhaus. Das heisst so, weil es ein Haus ist…

…in dem eine steampunkmäßige Dampmaschine steht, zwischen deren Kolben ein Operatorsessel aufgestellt ist. Bis 1998 saß hier jemand, der die gewaltige Dampfmaschine steuerte und damit die Förderkörbe ins Bergwerk herabliess und heraufholte. Die Maschine ist von 1874.

Dann Begann der Abtrieb der Schlümpfe. Wir wurden von einem freundlichen, gemütlichen Führer in zwei Förderkörbe gesteckt.

Die Förderkörbe sind absolut dunkel. Wenn man einsteigt, sind unter den eigenen Füßen ca. 700 Meter dunkles Nichts.

Es dauerte ungefähr dreieinhalb Minuten, die man mit zu vielen, fremden Menschen in stickiger, heißer Luft im absoluten Dunkel steht, immer bemüht, nicht das Gleichgewicht in dem rumpelnden Korb zu verlieren. Dann ging die Tür auf, und alle Schlümpfe waren froh aussteigen zu dürfen.

Wir wurden auf eine Schlumpftransporter verfrachtet, von dem aus uns der nette Führer Dinge erklärte.

Auf fast 700 Meter in einem Salzbergwerk ist es übrigens 23 Grad warm. Immer. Dazu kommt eine Luftfeuchtigkeit zwischen 20-30 Prozent, was dazu führt, dass man sich fühlt wie eine Nacktschnecke im Salz: Man hat das Gefühl zu vertrocknen, als hätte der ganze Körper und insbesondere die Haut einen unstillbaren Durst. Ich wil mir gar nicht vorstellen, wie das in anderen Bereichen des Bergwerks ist. Dort hat es 36 Grad – die Bergleute dort arbeiten nur in Slips und ziehen sich nur was an, wenn die einzige Frau im Betrieb, die Geologin, vorbeikommt.

In halsbrecherischer Fahrt (tatsächlich nur 40 km/h, kommt einem aber durch den Tunneleffekt wie 120 vor) ging es auf dem Transporter durchs Bergwerk. In Sondershausen machen die dort unten auch Mountainbikerennen. Das geht, weil das Bergwerk den Verfaltungen des Salzes folgt. Es ist nicht eben, sondern geht hoch und runter und links und rechts, dass es eine Pracht ist. Auch Marathons werden dort unten gelaufen, aber da kommen nur die wenigsten ans Ziel. Das hoch und runter ist anstrengend und das links und rechts lässt viele ausrutschen. Es ist nämlich glatt im Bergwerk, obwohl überall gut gestreut ist.

Dort unten gibt es auch eine Ausstellung, über Schätze, die die Nazis in Bergwerken verstecken wollte. Der Südharz war beliebt für Naziverstecke. Nur wenige Dutzend Kilometer entfernt haben die sogar eine ganze Flugzeugfabrik in einem Bergwerk versteckt.

Die Ausstellung ist von den gleichen Leuten gemacht die auch das Museum Mittelbau Dora verantworten. Beide sind hervorragend, gut aufgebaut, ausgewogene Textmenge, gute Belege und sehr gut in Szene gesetzt.

Dort gibt es auch unbekannte Geräte zu sehen. Das hätte meinem Vater, der unbekannte Geräte sammelt, gut gefallen:

Man kann im Bergwerk Sondershausen aber nicht nur ins Museum gehen, Mountainbike fahren oder Marathon laufen, sondern auch Boot fahren. Mit einem Spreewaldkahn auf einem See aus giftiger Lauge.

Dort ist auch die Sage in Stein gehauen, die besagt, dass unter Sondershausen ein Schwan mir einem Ring im Schnabel lebt und die Welt im Gleichgewicht hält. Wenn der Schwan den Ring fallen lässt, geht die Welt unter. Sagt die Legende.

Man kann aber nicht nur auf giftigen Seen fahren, sondern auch rutschen. Aber nicht irgendwie, sondern eine Abraumrutsche hinunter. Die ist ein Bohrloch im Stein, 50 Meter lang und hat ein Gefälle von 41 Grad, was gefühlt einem freien Fall entspricht. Weil man sich beim Rutschen auf bloßen Stein alles wegreissen würde, bekommen die, die rutschen wollen (und das waren außer mir nur ein paar wenige) ein Arschleder. Darauf fällt man dann durch den Berg und wenn man unten aufschlägt macht man „uff“.

Weil man so schnell wird, ist die Auslaufstrecke entsprechend lang.

Im Bergwerk gibt es auch eine große Menge Werkstätten und Fahrzeuge und sogar einen Friedhof der Fahrzeuge. Die liegen da so rum wenn sie kaputt sind. Eine Bergung lohnt sich nicht, weil man sie nur in Einzelteilen rausbekommt. Und wenn etwas aus Metall einmal im Salz benutzt wurde, dann muss es da bleiben. Kommt es an die Luft der Oberfläche, verrostet es sofort.

Neben den Spezialmaschinen gibt es auch normale Fahrzeuge, die dort unten zur Fortbewegung eingesetzt werden, wie z.B. die Simson S51b – zufällig war das auch mein erstes motorisiertes Zweirad.

In Sondershausen kann man nicht nur rutschen und Simsons angucken, sondern auch Konzerte anhören. Es gibt einen Konzertsaal, der ins Gestein gemeisselt ist.

Dort wird auch jedes Jahr der Träger des goldenen Arschleders gekürt:

Außerdem gibt es einen Raum für Feiern, in dem auch eine Karte hängt. Dort ist das Tunnelnetz eingezeichnet, und wenn man das sieht, weiß man, warum Sondershausen pro Jahr um 3 Meter abgesackt ist. 700 Meter Tiefe hin oder her, die Erde ist bemüht, die künstlichen Hohlräume wieder zusammenzudrücken.

Dann waren zweieinhalb Stunden auch schon rum, und wir Schlümpfe wurden an die Oberfläche gebracht. Wir Teilnehmer der MTA3-12 gingen nun auf Schnitzeljagd. Das heisst so, weil wir Schnitzel gejagt haben. In Kelbra haben wir Sie gefunden. Schnitzel, und Bier. Das gehört zu so einer Männertour dazu.

Her Krause entdeckte dann noch eine Säuferfliege, die ihm das Bier wegtrank. Durch die BEINE! WIE EKLIG IST DAS DENN?

Danach wurde ein wenig durch die Landschaft krajohlt, denn auch das gehört dazu. Aber wenigstens hatten wir ein Ziel und sind nicht sinnlos Sprit verfahren.

Der feine Herr Wendler hatte eine ganz besondere Attraktion ausfindig gemacht: Das Josephskreuz. Das heisst so, weil es von einem Joseph beauftragt wurde, der den Eifelturm toll fand und weil es ein vieradriges, drehsymetrisches, lateinisches Kreuz ist. Man latscht so durch den Wald, und plötzlich steht man vor einem riesigen DING, das die Farbe der Freiheitsstatue hat und an den Eifelturm erinnert und aus 100.000 Nieten besteht. Als wir da waren, aus 100.004.

Der Aufstieg war nicht ganz unanstrengend.

Von dort oben hat man einen irren Blick über den ganzen Südharz, bis hin zum Brocken.

Das Kreuz zu erklettern war so anstrengend, dass wir gleich erstmal Flüssigkeit nachfüllen mussten, wegen der Sicherheit und Kreislauf und so. War ja immerhin warm draußen, wissenschon.

Danach, so befahl es der Wendler, ging es nach Stolberg. Ein kleines Renaissancestädtchen, nach der Wende aufwendig restauriert und danach vergessen. Heute gibt es dort mehr Restaurants als Einwohner und „Mandy´s Nagelstudio“ und Autos mit dem Kennzeichen OHASE, was gleich doppelt witzig ist.

Aber hübsch ist es dort, in Stolberg, auch wenn sich die so gut klingende „Himmelsleiter“ als ziemlich schiefe Holztreppe entpuppte.

Wenigstens hatte man eine schöne Aussicht von der Lutherbuche. Die heisst so, weil da mal der Martin Luther stand, total bekifft ins Tal glotzte und sagte: „Ey, von hier sieht Stolberg voll aus wie´n Vogel, ChrChr.“ Das steht auf dem Schild an der Luthebuche.

Überhaupt hatten es Bäume dem Wendler angetan. Wir mussten unbedingt auch dieses kaputte Exemplar begutachten, laut Reiseführer ist der Baum „So dick, dass sechs Männer ihn nicht umfassen können“. Nun, WIR haben an dem Tag einen neuen Rekord aufgestellt und ihn mit VIER Männern umfasst.

Das war so anstrengend, dass wir danach gleich wieder Schnitzel jagen mussten.

Danach ging es wieder nach Hause. Das war kalt und laut an den Ohren, denn so ein Cabrio, dass ist nicht für vier Personen gedacht, und für hinten sitzen schon mal gar nicht. Auaua.

Aber toll war der Tag trotzdem. Dank an den Herrn Wendler für die Planung, den Herrn Drews für den Fahrdienst und den Herrn Krause für die Säuferfliege.

Kategorien: Ganz Kurz | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „MT3-12

  1. übliche Sache das … mit der Säuferfliege, wobei diese Gattung ist keine Gattung in dem Sinne, es sind in Wirklichkeit hochspezialisierte BioBots der Stiftung Warentest.

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  2. damnzzr

    Wenn du mal in den Südosten Deutschlands nach Berchtesgaden kommst, empfehle ich dir die Besichtigung dortigen Salzbergwerkes. Mit Aufzügen, Rutschen und ner Floßfahrt über nen doch recht großen unterirdischen See. Ist sicherlich nen Sonntagsausflug wert.

    Dass dort unten aber Mopeds betrieben wurden, wundert mich extrem, da heutzutage jegliches Benzinbetriebenes Gerät von Auto bis zum Fichtenmoped strengstens verboten ist. Nicht wegen den Abgasen, sondern wegen der Brandgefahr. Das sollte damals auch schon bekannt gewesen sein, oder wurden die Simsons etwa auf Diesel umgerüstet??

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  3. Danke für den Hinweis! Ich finde Bergwerke faszinierend, wenn ich jemals nach Berchtesgaden komme, steht das auf jeden Fall auf meiner Liste!
    Das Bergwerk in Sondershausen ist nur teilweise gasgefährdet, wurde uns gesagt. Aber selbst bei teilweiser Gefährdung wäre das immer noch zu riskant. Ich wusste nicht, dass Benziner verboten sind – inwiefern verhalten die sich den anderes als Diesel, bzw. warum sind Diesel erlaubt und Benziner nicht?

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  4. damnzzr

    Diesel entzündet sich nur unter Druck, also im Zylinder. Diesel kannst du mit dem Feuerzeug also nicht anzünden. Bei nem Unfall läuft die Plörre also nur aus und gut is.

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  5. Ah Unfälle. OK. Vermutlich sah man das in der DDR nicht so eng. Aus der Zeit stammen die Simsons.

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  6. Vielleicht waren in der DDR Unfälle einfach verboten.

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