Kriminologisches Institut vs. Kirche oder: Die Person Pfeiffer

Das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen ist mal wieder in den Schlagzeilen, und der Leiter, Dr. Christian Pfeiffer, stellt sich (wieder mal) als Retter der Grundwerte da und erhebt Vorwürfe.

Anlass ist die Beendigung des Forschungsprojekts „Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“. Das Projekt war vor ein einhalb Jahren von der Kirche gestartet und als Auftrag an das KFN vergeben worden, heute hat die Deutsche Bischofskonferenz die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit mit dem kriminologischen Institut abgebrochen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Weil das Vertrauensverhältnis zur Person des Dr. Christian Pfeiffer zerrüttet sei. Man suche jetzt einen neuen Partner für das Projekt.

Aus Christian Pfeiffers Mund hört sich das ganz anders an: Unangemessene Kontroll- und Zensurversuche sowie nachträgliche Vertragsänderungen habe es seitens der Kirche gegeben, das habe er nicht mittragen wollen. Harter Tobak, schwere Vorwürfe.

Man ist in solchen Momenten ja immer erst einmal geneigt der Kirche alle Schlechtigkeiten zuzutrauen und NATÜRLICH davon auszugehen, dass die Pfaffen nicht wollen das rauskommt, wer da an wem wie oft rumgespielt hat. Aber so einfach ist das hier nicht, und weil mich das kriminologische Forschungsinstitut und ebenso Christian Pfeiffer und seine Schwester schon länger beschäftigen, hier ein kurzer Exkurs.

Das Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen wurde 1979 gegründet, um, äh, Forschung auf dem Gebiet der Kriminologie zu betreiben. Unabhängig von einer Hochschule, in Trägerschaft eines Vereins. Das interdisziplinäre Institut beschäftigt fünf Mitarbeiter, die sich mit verschiedensten Themen befassen, wie etwas Gewalt gegen Polizeibeamte, Analysen der Polizeistatistiken und der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf den Strafvollzug.

Christian Pfeiffer ist Leiter des Instituts, und er kümmert sich sehr medienwirksam darum. Sein großes Steckenpferd sind Computer- und Videospiele, die er als Übel der Welt ausgemacht hat. Gibt es wieder mal einen erweiterten Suizid, ist Pfeiffer mit Sicherheit einer der ersten, der als Experte in die Betroffenheitsrunden eingeladen wird und in die Kameras sagt, dass der Grund dafür in gewalttätigen Videospielen zu suchen ist. Gibt es gerade keinen aktuellen Anlass, publiziert das Institut einfach mal so Studien, in denen Videospiele Schuld sind an Jugendarmut, Probleme mit dem Waffenrecht oder dem schlechten Wetter.

Wird ein Experte mit klar definierter Meinung gesucht und Christian Pfeiffer hat gerade keine Zeit, kommt seine Schwester Regine gern in den Fernsehstudios und Vortragssälen vorbei. Die 71jährige ist ehemalige Lehrerin und darf dann sagen, dass Videspiele schlimm sind und verboten gehören. Oder zumindest besser kontrolliert. Denn die Selbstkontrolle der Industrie versagt ja. Dauernd. Sieht man ja, überall, diese verlodderten und abhängigen Jugendlichen, schlimm ist das.

Worauf beide Pfeiffers immer wieder zurückkommen: Der Jugenschutz ist nicht streng genug, das mit Spielen Geld verdient wird ist nachgerade verwerflich, die Kontrollinstanzen versagen. Videospiele sollten künftig von einer Stelle kontrolliert werden, wie z.B….. einem kriminologischen Institut in Trägerschaft eines Vereins! Ja, genau, das wäre es!

In meinen Augen führen Christian Pfeiffer und seine Schwester einen Feldzug aus monetärer Motivation, bei dem Sie Ergebnisse der Medienwirkungsforschung und aktuelle, oft tragische Ereignisse schamlos nutzen und verdrehen, damit zukünftig „ihr“ Institut die Gelder für Prüfungen einnehmen kann – und dabei handelt es sich nicht um geringe Beträge, denn aktuell muss JEDES Spiel, das in Deutschland auf den Markt will, geprüft werden, und der Publisher mus dafür zahlen. Bei diesem Feldzug für „ihr“ Institut nutzen die beiden Pfeiffers gerne unseriöse Mittel, von unzulässiger Verkürzung und kontextlosen Zitaten bis hin zur Desinformation. Leider bieten ihnen politisch in die gleiche Richtung steuernde Medien, wie gewisse Formate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (notorisch: Frontal 21, eine schöne Zusammenfassung der Manipulationen der Redaktion und Pfeiffer ab Minute 8:30 hier: http://youtu.be/6-QZryzT1qg ) immer wieder eine Plattform dafür.

Um den Bogen zurück zum Anfang zu bekommen: Ich habe keine Ahnung, was da genau zwischen Kirche und Kriminologischen Forschungsinstitut passiert ist. Kann sein, dass die Kirche Dreck unter den Teppich kehren wollte. Unmöglich wäre das nicht, aber seltsam, immerhin hat die Kirche das Projekt initiiert und will es auch weiterführen – nur eben nicht mit Pfeiffer. Die Person des Dr. Christian Pfeiffer hat in meinen Augen schon sehr lange die eigene Glaubwürdigkeit und die des kriminologischen Instituts verspielt, weshalb ich es ebenso für möglich halte, das der Mann Datenschutz tatsächlich für etwas hält, was potentielle Täter nicht verdient haben – und was letztlich ja auch zu viel weniger schönen Schlagzeilen führen würde. Da würde es dann passen, dass der Auftraggeber ihm die Zusammenarbeit kündigt und in noch größeren Maße passt dazu, dass Pfeiffer dann in die Offensive geht und das Verhalten der Kirche „anklagt“. Den darin sind sie groß, die Pfeiffers: Anklagen, anprangern, mahnen und den Finger erheben. Irgendjemand muss es ja tun. Und wenn es der eigenen Reputation dient…

—-
Nachtrag: Christian Pfeiffer ist übrigens auch für das katastrophale Fehlgutachten im Fall Sebnitz verantwortlich. Und derjenige, der allen ernstes behauptete, dass Ausländerfeindlichkeit im Osten Deutschlands mit der autoritären Erziehung in DDR-Krippen zusammenhängt.

Kategorien: Betrachtung | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Kriminologisches Institut vs. Kirche oder: Die Person Pfeiffer

  1. super, nicht?
    ich bin mir nicht sicher welches der größere Sauhaufen ist. 🙂

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  2. Kenny

    Als ich heute morgen in der Zeitung gelesen habe, dass die Kirche die Zusammenarbeit gecancelt hat, habe ich gleich genau so wie oben beschrieben gedacht. Die haben bestimmt was zu verheimlichen und wollen nicht, dass das ans Licht kommt. Jetzt, wo Du den Bezug zu den Pfeiffers hergestellt hast, wird doch einiges klarer. Ich kannte den Bericht aus der Frontal Sendung bereits, LeFloid hat sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=nmrgdsobtFU ab 2:50 bereits darüber ausgelassen, er war dabei aber bei weitem nicht so gründlich, wie High5TV.
    Mir tun vor allem die Opfer Leid. Dass, was hinter verschlossenen Kirchentüren passiert ist, ist schrecklich und ich hoffe sehr, dass die verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Dass die Kirche mit dem Pfeiffer auf das falsche Pferd gesetzt hat ist für die Opfer am schlimmsten. Ich kann nur hoffen, dass es in naher Zukunft ein fähiges Institut gibt, welches sich der Aufklärung annimmt.

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  3. Oh mein Gott… 😀 huch wie passend, nun seis drum, lieber Kenny, wenn ich zu deinem Kommentar eine Intervention schreiben würde, dann wäre der Text eben so lang, wie der Blog vom Herrn Silencer. Ich bin und bleibe nun einmal die, die ich bin: die psychoqueen. Und das nicht ohne Grund. Um es gaaaaaaaaaanz kurz zu machen: Es gibt keine Opfer. Auch wenn es schwer fällt das zu glauben, doch es ist so. Es ist vollkommen unerheblich welches Institut was aufklärt, die Medienlandschaft und sein Kapital dahinter, will all das, denn DAMIT LÄSST SICH GELD VERDIENEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und damit noch nicht genug. Alleine die Tatsache, das wir „einfaches“ Volk darüber diskutieren, Opfer hin oder her, verdienen Sie noch mehr damit, denn unsere Wut nährt ihren Geldbeutel. Das ist DER Sinn dahinter!!! Es gibt nur drei Angelegenheiten in der Welt: Meine, Deine und Gottes. Um das ein wenig zu beleuchten, hier ein Zitat eines sehr schlauen Mannes: Zitat: „Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht!“ Zitat Ende.

    So nu lass ich das mal so stehen und wirken 😉 Bei Beschwerden im Magen und Darmtrakt die jetzt hoch kommen sollten, rate ich dringend gegen den Arzt oder Apotheker, sondern das Sch…haus auf zu suchen und dort den Dampf fachgerecht ab zu lassen 😀

    Ja ja ja sie is eine gaaaaaaaaaaanz schlimme, die Queen!!!!!!!!!!!!

    Nun zum Eintrag von gestern: ganz kurz nur. Um es mit den Worten eines lieben Freundes zu sagen: Manchmal läufts eben nicht!!!
    Und um es mit meinen Worten zu sagen: A Draum, in punt!!! (PS: fränkisch für Restdeutsche: ein Traum in bunt!)

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  4. Ach jetzt hätt ich es fast vergessen, Nun ich bin in einer solchen Kindertagesstätte erzogen worden, hm aber Ausländerfeindlichkeit konnte noch nicht festgemacht werden. Ich lach mich wech 😀 😀 😀

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  5. Queen: Natürlich gab es Opfer. Du hast recht, mit Auftragforschung wird Geld gemacht, sonst gäbe es in Deutschland (wo ohne Drittmittel nichts geht) gar keine mehr. Aber Kenny meint die Missbrauchten. Und das sind die wahren Opfer, die nun auch noch unter dem Streit der Egos leiden.

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  6. Und das eben ist es. Uns wird seit Anbeginn der Kirche und ihrem Machtzug gegen die menschlichen Seelen eingeschärft: Es gibt jene die nach Macht streben, weil sie das dürfen und dazu „von wem auch immer“ berufen wurden und jeglichen Gräuel damit rechtfertigen, und jene die zu schwach sind, weil sie von irgend wem dazu missbraucht werden für eben jenen Egotripp. Gestern wie heute gilt jedoch: wenn ich nicht will, stehen alle Räder still. Wer mich zu etwas zwingen will, gleich was es ist, dann gehe ich lieber ins ewige Reich hinüber, und wenn mir dabei gewaltsam das physische Leben entrissen wird. Dann ist das eben so und soll es wohl auch sein. Ich weiß es hört sich verdammt krass an, doch wenn ich tief reingehe in diese Materie, komme ich um diese Ansicht der Dinge schlicht nicht umhin. Ich bin für mein Leben und alles was darin geschieht immer selber verantwortlich! Niemand hat das Recht über mich einfach zu entscheiden. Es ist einfach nur eine Programmierung unseres Unterbewussten. Und das scheint ja wohl bei sehr vielen zu funktionieren.
    Ich weiß es ist schwerer Tobak, doch ich weiß wovon ich rede.
    Ich wurde im übrigen anti autoritär erzogen, daher kommt dieser ungebrochene Sinn für den Blick des Lebens und was wirklich dahinter steckt. Wie sage ich immer: siehe tiefer und du siehst mehr! 😉

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  7. Wir reden hier von Kindern die mißbraucht wurden. Körperlich. Das hat nichts mit selbstbestimmtem Handeln oder tieferen Blicken oder der Fügung in die Opferrolle aufgrund von Indoktrination zu tun. Das sind Opfer körperlicher Gewalt, das kann keine antiautoritäre Erziehung wegdiskutieren.

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  8. Die Kernaussage meines Kommentars, so sollte sie eigentlich lauten, ist,dass mir besonders die Opfer Leid tun. Und ja, es gibt Opfer. Schutzbefohlene auszunutzen, ob nun durch widerliche Sexualpraktiken oder aber pädagogisch fragwürdige Techniken, durch Personen, die eigentlich positiv auf die Entwicklung eines Kindes einwirken sollten, ist Gewalt in verschärfter Form. Gewalt an einem Wesen, welches sich absolut nicht wehren kann. Es kann sich nicht wehren, da es die Vorgänge gar nicht einordnen kann. Deswegen sind es ja Schutzbefohlene und nicht bereits mit 7 Jahren volljährige Mitbürger.
    Jetzt kommt, Jahre danach, endlich mal jemand daher und versucht, Licht in das vertuschte zu bringen. Er interviewt Opfer, reißt alte Wunden wieder auf und weckt die Hoffnung, dass endlich Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Nur macht er das so unprofessionell und reißerisch, dass jetzt die Reißleine gezogen wurde.
    Vielleicht versucht die Kirche zu vertuschen, sie hat in einzelnen Bereichen Dreck am Stecken, aber die psychisch und physisch vergewaltigten von damals müssen nun alles wieder von vorn über sich ergehen lassen und dass nur, weil ein Herr Pfeiffer eine Pfeife ist.
    Ich wiederhole meine Aussage von oben noch einmal: Ich kann nur hoffen, dass es in naher Zukunft ein fähiges Institut gibt, welches sich der Aufklärung annimmt. Vielleicht finden die Opfer der Missbräuche dann ein wenig Frieden und hoffentlich werden Mechanismen installiert, die solche Taten in Zukunft um ein vielfaches Erschweren.

    Ach ja, die Schwester von ihm, hat inzwischen ihren eigenen Blog. Ich poste den Link hier absichtlich nicht, da ich ihr keine Klicks bescheren möchte, wer aber „wissenschaftlich Erkenntnisse“ zu Computerspielen und Computersucht sucht, kann ja gern nach googlen. Mir haben sich bei ihrer Argumentation jedenfalls die Fußnägel hochgeklappt.

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