Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)

Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)

Ja, ich gucke #IBES gerne.

Ich mag kein Unterschichten-TV, und verachte Menschen, die sich an Sendungen ĂŒber die Leben geistig simpler Menschen, die nicht verstehen, was Medien aus ihnen machen, ergötzen. IBES ist da anders, die Sendung spricht mit ihrem Witz nicht (nur) die Unterschicht an, und hier sind die Opfer vor allem geltungssĂŒchtige Selbstdarsteller, die mediale Misshandlung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen WOLLEN und dabei wiederum auf die Nase fallen. Dieses Doppel- und Dreifachbödige, das Spiel mit den Ebenen, ist ein Erfolgsfaktor von IBES. Von daher war der schlichte Joey von Anfang an eine, nun, interessante, weil ungewöhnliche, Besetzung – genau wie die absolut pragmatische Claudelle, die sich mit ihrer geerdeten Art einen Platz in den Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer gesichert hat.

Statt “der Muddi”, der von allen haushoch favorisierten Olivia Jones, ist nun der erkennbar simple Joey Dschungelkönig geworden. Wenn man Joey zusieht, kann man den Eindruck gewinnen, dass er zu viel Klebstoff geschnĂŒffelt hat – so entwaffnend naiv ist er. Aus dieser NaivitĂ€t resultiert AuthentizitĂ€t un Ehrlichkeit. Und genau das hat ihm jetzt zum Sieg verholfen, gegen all die kalkulierenden Models, Playmates, Dragqueens und so weiter.

Und bevor jemand anders das mediale PhĂ€nomen tauft: Als Medienwissenschaftler gebe ich nach eingehender, Ă€ußerst wissenschaftlicher Analyse dem Prozess, dass sich ein schlichter Mensch gegen alle Trends und gegen eine Horde kĂŒhler Kalkulatoren durchsetzt, den Namen

“Forrest-Gump-Effekt”

Anscheinend besteht gesamtgesellschaftlich der Wunsch nach BodenstÀndigkeit und Ehrlichkeit. Ein zeitloser Klassiker, zuletzt zu wenig beachtet, aber halt authentische Lebenswirklichkeit.

8 Gedanken zu „Ich bin ein Star – holt mich hier raus! (2013)“

  1. So ganz erklĂ€rt, was diese Sendung nun vom ĂŒblichen Unterschichten-TV unterscheidet, hast du aber nicht. Letztlich schlĂ€gt die BegrĂŒndung sogar ins genaue Gegenteil um: “hier sind die Opfer vor allem geltungssĂŒchtige Selbstdarsteller, die mediale Misshandlung zu ihrem eigenen Vorteil nutzen WOLLEN und dabei wiederum auf die Nase fallen” Wo ist hier bitte noch ein Unterschied zu dem restlichen Unterschichten-TV? Weil es “Promis” sind?

    Sorry, aber mit einem Mindestmaß an Empathie kann man beim Schauen einer solchen Sendung maximal mitfĂŒhlend den Kopf schĂŒtteln. Mein MitgefĂŒhl gilt dabei ĂŒbrigens allen Beteiligten: Produzenten, Darstellern und Zuschauern.

  2. Hallo DieNudel!

    TatsÀchlich sind es m.E. mehrere Faktoren, die die Sendung von anderem Prekariats-TV abheben:

    1. Haltung. Das Dschungelcamp will nichts anderes sein als reinstes Trash-TV und trĂ€gt diese Haltung auch vor sich her. Damit ist es quasi unverwundbar gegen Kritik – es heuchelt ja nicht mal, dass es mehr sein will als die Lust am glotzen. Hier geht es nicht um “Erfahrung” oder “seine Grenzen stoßen” oder “ein besserer Mensch werden”. Ganz ungeschminkt gibt man zu, dass es Spass macht, E-Promis beim zum Horst machen zuzugucken.

    2. Die “Promis” gehen ins Camp in der Hoffnung auf Geld und Aufmerksamkeit. Sie versuchen das Format fĂŒr sich zu nutzen, unterschĂ€tzen es aber regelmĂ€ĂŸig und scheitern daran. Ihnen beim Scheitern zuzusehen ist schon schön genug, noch besser wird es aber, wenn man sich vor Augen hĂ€lt, dass hier quasi Medienprofis (zumindest halten sich die Meisten dafĂŒr) vor der Kamera stehen und sehr genau wissen was sie tun.

    3. Handwerk. Die Sendung ist handwerklich extrem gut produziert, von den Moderationen bis hin zur Musikauswahl. Allein die zieht eine weitere Bedeutungsebene ein, die man nur dekodieren kann, wenn man das entsprechende wissen hat. Tolles Beispiel aus einer der letzten Staffelm: Sitzen zwei Kerle nachts am Feuer und unterhalten sich. Wenn man jetzt weiß, dass die dazu gespielte Musik aus “Brokeback Mountain” stammt, hat man mehr zu lachen.

    Letztlich dĂŒrften das alles GrĂŒnde sein, die zur Grimme-Nominierung und hohen Einschaltquoten bei Akademikern gefĂŒhrt haben. Vermutlich gibt es aber noch mehr.

  3. Ich kann ĂŒber die Moderatoren ĂŒberhaupt nicht lachen. Wenn etwas witzig ist, dann die Kommentare von Oliver Kalkofe ĂŒber IBES. Wieviel Bedeutungsebenen auch immer drin stecken mögen, eine inhaltsvolle Doku ist immer besser als alles andere (aber Dokus werden ja sogar mittlerweile immer weniger *seufz*). Ansonsten gefiel mir der Kommentar der SZ: “TrĂŒb und leer wird es dort, wo ein Teil des Publikums meint, die Ironie adle das VulgĂ€re und er oder sie selbst stĂŒnde schon deshalb ĂŒber dem z-prominenten Rohmaterial, weil er die drĂŒbergestreuten Witzchen und Popzitate versteht. Wer das glaubt, ist selber Z. Z wie Zuschauer.” http://www.sueddeutsche.de/medien/reaktionen-auf-rtl-dschungelcamp-alles-nur-spaaahass-1.1576021

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