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8 – Hinfortgerissen

13 Mrz

The Sound of Her Wings008

Death by Neil Gaiman

Als die Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit wurde, brach ein Sturzbach los und spülte alles weg. Die Fluten rissen mich hinfort, überschlagend, wirbelnd, ertrinkend, nach Luft schnappend. Wenn ich die Oberfläche durchbrach, hallte ein Schrei über das schwarze Wasser. Wie ein verletztes Tier klang das. Kein Schrei nach Hilfe, sondern der Schrei nach einem Warum.

Warum.
So etwas passiert doch nicht.
Niemandem.
Warum?
Dann war das Wasser wieder da und füllte Mund und Augen und riss mich weiter fort und ich war zu schwach zum Kämpfen und wollte nur noch schlafen, ich wollte mich fallen lassen und die Augen schließen und auf den Grund des Flusses sinken, Hauptsache nicht mehr kämpfen müssen und nicht mehr schreien müssen oder atmen und nach dem Warum fragen. Ich wollte Frieden und Ruhe und dass die Wahrheit nicht wahr sei.

So trieb ich im Strom meiner Tränen, von denen ich wusste, sie würde nie versiegen. Genau wie die Wunde nie heilen würde, wie könnte sie auch. So lange ich weinte, würde ich ertrinken, und ich würde so lange weinen wie es weh täte und das würde es immer, eine Ewigkeit lang. Ich weinte und erstickte daran und rang nach Atem und weinte weiter, so viele Tage und Nächte und Wochen und Monate und Jahre.

In mir wären noch Tränen für hundert Jahre, das wußte ich und war mir sicher. Aber mit der Zeit wurde der Strom ruhiger, weniger reissend, wurde sanft. Ich ertrank nicht mehr, war nicht mehr unter Wasser. Der Fluss trug mich leichter hinfort, wurde Weggefährte und Begleiter, nahm mir nicht mehr die Kraft sondern schenkte sie mir zurück.

All diese verlorenen Jahre. Die Ewigkeit war auf diese Jahre geschrumpft, die schreckliche Gewissheit zur einer harten Wahrheit meines Lebens geworden. Die Tränen sind versiegt. Nur die Wunde, die ist noch zu spüren. Sie trägt kräftige Narben, ein gefühlloses, raues Stück, dort, wo es weich und sanft sein sollte. Aber damit kann ich durchs Leben gehen. Der Fluss hat mich nicht auf den Grund hinab gezogen und alles in mir erstickt.
Ich atme.
Ich kann vermissen.

7 – Hinter dem Spiegel
6 – Im Limbus
5 – Erinnerungen an andere Welten
4 – Heute Nacht, und jeden verdammten Tag

 
2 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2013 in Ganz Kurz

 

2 Antworten zu “8 – Hinfortgerissen

  1. psychoqueen

    13. März 2013 at 18:20

    Klingt ganz so, als hättest du schon wieder schlecht geträumt letzte Nacht. Oder du bist endlich erwacht. Von einem Fluch der keiner ist. Und einer Such(e)t die sich nach dir sehnt.
    Gute Nachricht: du hast den ersten Schritt bereits getan, mit deiner Reise zu dir selbst. Mach weiter, dann kannst du endlich auch wieder in diesem deinem Fluss des Lebens genüsslich baden.

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  2. Die Wunderbare Welt des Wissens

    13. März 2013 at 20:28

    (((Silencer)))

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