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Von Ottern und Mali Malis

13 Apr

Schweren Herzens, den Shenandoah hinter uns lassend, führte uns der nächste Schlag weit Richtung Süden. Ein Familienbesuch in Charlotte (NC) war geplant, von da aus wollten wir, South Carolina streifend, weiter Richtung Osten an die Atlantikküste, dem Wendepunkt der Reise.

Nach einem langen Tag auf amerikanischen Autobahnen erreichten wir gegen Abend die größte Stadt North Carolinas, Charlotte.  In der Metropolregion leben fast zweieinhalb Millionen Menschen. Wenn auch die größte Stadt, so ist es doch nicht die Hauptstadt North Carolinas. Das ist Raleigh. Charlotte selbst ist der zweitwichtigste Bank- und Finanzplatz der Vereinigten Staaten. Die meisten großen Banken haben dort ihren Hauptsitz. Die Stadt selbst liegt witzigerweise im „Landkreis“ Mecklenburg County, woran man wieder einmal erkennen kann, dass Amerika ein Land der Einwanderer ist.

Im Jahre 1799 brachte der zwölfjährige Sohn eines deutschstämmigen Farmers aus Hessen einen 17 Pfund schweren Stein mit nach Hause, der, da er so schön funkelte, drei Jahre lang als Türstopper diente, ehe das Material als Gold identifiziert wurde. Es ist der erste nachgewiesene Goldfund in den USA und Auslöser für den Goldrausch in Nordamerika. In den kommenden Jahren wurde in dieser Region viel Gold entdeckt, jedoch erreichte der Goldrausch hier aufgrund der Funde im Westen nie die gleichen Ausmaße. Dennoch existierte die letzte Goldmine in dieser Gegend bis zum Jahre 1912.

Die Stadt wirkte nach dem ruhigen Tagen im Nationalpark etwas befremdlich. Aber wir waren ja auch nicht hier  um uns die Stadt anzusehen, sondern befanden uns auf Familienbesuch. Die Schwester unserer Mitreisenden verschlug es vor einigen Jahren beruflich hierher, und da wir schon einmal in der Gegend waren…
Nun folgten zwei wunderschöne Tage, in denen wir das letzte Mal schönes Wetter genießen konnten. In North Carolina herrscht größtenteils warmgemäßigtes Regenklima, nur an den Küsten und in den Bergen ist es erträglicher. Die durchschnittliche Tagestemperatur liegt im Juli bei 32 °C und im Januar bei 10 °C, hinzukommt eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Wir hatten Glück, wir kamen in einer Zeit, in der es nicht mehr schwül war sondern nur noch schön warm. Das Wochenende verbrachten wir größtenteils faul am See liegend oder in amerikanischen Einkaufszentren, so genannten Malls. Hier schaffte es Frau Kenny mich innerhalb kürzester Zeit im Sommerschlussverkauf neu einzukleiden. Tipp für USA Reisende: fliegt mit leeren Koffern hin und kleidet euch dort neu ein. Limit für den Zollfreien Einkauf sind seit neustem 430€.

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Wiesel beim Sonnen…

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…direkt gefolgt von unbändigen Tatendrang!

Nach zwei Tagen herrlichsten Urlaubs folgte der nächste große Schlag über Amerikas Autobahn. Wir fuhren quer Richtung Osten bis an den Atlantik. Das Ziel waren die Outer Banks, eine dem Festland vorgelagerte Inselkette, die auf einer Länge von über 300 km quer durch den Atlantik führt und nur mit Brücken verbunden ist. Stellenweise sind diese Inseln keine 200 m breit. Diese sind aufgrund der kilometerlangen Sandstrände und des warmen Klimas sehr beliebt. Einige Strandabschnitte sind sogar für den Fahrzeugverkehr freigegeben, allerdings wird ein Allradantrieb empfohlen und ist auch dringend notwendig.

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Straße ins Nirgendwo

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Die Ortschaften auf den Inseln sind im wesentlichen auf Ständern stehende Holzbauten. Warum? Das kann man hier sehr schön sehen, das Video entstand keine 3 Wochen nach unserem Besuch.

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Geschichtlich bedeutend waren die Inseln vor allem für den Piraten Blackbeard, der eine der Inseln als Rückzugbasis nutzte. Im Jahre 1718 wurde er vor seinem Unterschlupf gestellt.

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Hier fing der Motorflug an!

In der Stadt Kitty Hawk befindet sich das Wright Brothers National Memorial, ein Denkmal, das an den ersten Motorflug der Gebrüder Wright im Jahre 1903 erinnert. Sie wählten seinerzeit diesen Ort, da die Windverhältnisse ideal waren und der Ort sehr abgeschieden war. Dem ist heute nicht mehr so, die Gegend lebt vom Tourismus.Trotz der vielen Besucher finden sich hier zahlreiche Tierarten, unter ihnen Diamantschildkröten und Wildpferde.

Leider spielte das Wetter gar nicht mehr mit wie auf den nun folgenden Fotos zu gut zu erkennen ist. Trotzdem ein beeindruckendes Gebiet und eine komplett andere Atmosphäre als an unserem vorherigen Aufenthaltsorten.

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Wer findet das Wiesel?

Nach kurzer Überlegung, was wir mit einem völlig verregneten Tag an den Outer Banks tun wollen, hilft uns ein freundliches Touristenbüro weiter. Da wir schon außerhalb der Saison kamen, hatten die meisten Sehenswürdigkeiten geschlossen, einzig ein Aquarium fand breiten Zuspruch bei alle Mitreisenden. Hier sorgte das Wiesel wieder einmal für helle Aufregung.

Erfreulicherweise müssen Wiesel in Aquarien und Museen kein Eintritt bezahlen. Somit konnte unser kleiner Begleiter auf eigene Faust auf Erkundungstour gehen und alles auf den Kopf stellen.

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Wollt ihr spielen?

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oder ihr?

Während wir uns noch in den ersten Raum befanden, versuchte das Wiesel mit sämtlichen dort lebenden Tieren Freundschaft zu schließen und jemanden  zum Spielen zu finden.

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Boah, hast du echt Algen auf dem Rücken?

Und dann fand das Wiesel jemanden. Jemanden, der wirklich mit ihm spielen wollte. Ich glaube, er selbst war am meisten darüber überrascht.

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Otter!

Ein Pärchen Otter, genau wie Wiesel aus der Gattung der Marder, erkannte das Wiesel, wie es draußen herum flitze, und versuchte sofort Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ab dieser Sekunde unterhielt das Dreiergespann das komplette Aquarium. In kürzester Zeit stand eine riesige Menschentraube um das Gehege.

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Die Otter schienen durch die Glasscheibe das Wiesel erkannt zu haben. Sie sprangen sofort ins Wasser tauchten und versuchten Kontakt aufzunehmen. Sie schlugen Purzelbäume und Saltos vor der Scheibe und fanden und kleinen Begleiter mehr als interessant. Plötzlich stand neben uns eine Mitarbeiterin des Aquarium und sprach hektischen ihr Funkgerät. „Everybody… here… they have a fake Weasel and the Otter… So cute…“ Kurz darauf standen auch die Mitarbeiter um uns herum, schauten dem Treiben zu und waren genauso amüsiert wie alle anderen. Als sie dem Wiesel anboten, es zu den Ottern zu setzen, bekam es aber doch mit der Angst zu tun, wahrscheinlich wegen des Wassers, und flitzte von dannen.

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Stups!?

Wir fanden es bei den Schildkröten wieder. Hier traute es sich in das Gehege, war ja kein Wasser zu sehen.

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Mutig wurde das Wiesel noch einmal im „Streichelzoo“.
Es gab wirklich ein Was­ser­bas­sin, in dem Meeresbewohner angefasst werden konnten. Wer nun glaubt,dass das Tierquälerei ist, den kann ich beruhigen. Die Tiere schwammen freiwillig an den Rand des Beckens und ließen teilweise nicht locker, bis sie entsprechende Streicheleinheit bekamen. Irre!

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Mutiges Wiesel

Am Ausgang wurde der Froschkönig noch einmal geküsst,

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Kiss the Frog, maybe it could be a weasel Princess

und weiter ging es zum wohl schlechtesten Campingplatz des ganzen Staates. Es war so schlecht, dass uns der Name als einziger im Gedächtnis hängen geblieben ist und wir sogar den „gefällt mir“ Button eines großen Sozialen Netzwerks gedrückt haben. Grotten-schlecht.

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Hinter dem Müll bekamen wir ein stromloses Plätzchen

Nun geht ein weiterer schöner und ereignisreicher Tag zu Ende. Inmitten der Müllcontainer versuchten wir erst den Grill zu entzünden, mussten das ganze aber aufgrund des Regens ins RV verlegen. Ein großer Fehler, mit dem wir den Rest der Reise zu kämpfen hatten. Der Sinn stand uns nach frischem Fisch. In einem Fischerort ist es kein Problem so etwas aufzutreiben. Leider hat uns der Verkäufer irgend einen unaussprechlichen Fisch verkauft, wir haben ihn Mali Mali getauft, der bestialisch in der Pfanne stank. Den Geruch haben wir bis ganz zum Schluss nicht mehr aus unseren Nasen und dem Camper heraus bekommen.

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Links oben besagter Fisch, unten ein handelsübliches Stück Rindfleisch und Kartoffeln. Wenn ich das Bild sehe, dann hab ich sofort wieder den Geruch in der Nase. Die späte Rache des Mali Mali!

Weiter zum nächsten Teil: Von Flugzeugträgern und Glocken

Zum vorherigen Teil: Shenandoah

 
5 Kommentare

Verfasst von - 13. April 2013 in Wiesel, Wiesels große Reise

 

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5 Antworten zu “Von Ottern und Mali Malis

  1. Silencer

    13. April 2013 at 20:03

    Haha, die Hessen… waren schon immer etwas langsamer. Würde mir ja nicht passieren, jahrelang einen Goldklumpen als Türstopper zu haben und es nicht zu kapieren…

    Mir schmilzt ja gerade das Herz! OTTER! Das ist ja fast so gut wie Pinguine! Und das Wiesel sieht so aus, als wäre es überglücklich solche Freunde gefunden zu haben. Das mit dem Menschenauflauf um das Wiesel herum ist jedem vorbildlichen Wieselbespasser schon passiert. Menschen neigen dazu, sich um Wiesel zu versammeln und ihnen zu huldigen.

    Und was für großartige Bilder ihr wieder mitgebracht habt… Ehrlich, ich hoffe, es kommen noch viele Teile dieses Reisetagebuchs!

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  2. Die Wunderbare Welt des Wissens

    14. April 2013 at 19:26

    Awwwwwwwwwwwwww….. *hachz*

    *quietsch* *kieks*

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  3. ssuchi

    14. April 2013 at 20:40

    Ganz großes Kino, die Bilder aus dem Aquarium 🙂

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  4. Kenny

    15. April 2013 at 08:45

    Das Wiesel im Aquarium war ganz großes Kino. Die Otter haben sich nicht mehr ein gekriegt. Leider existiert nur diese eine Foto, die anderen sind aufgrund der Lichtverhältnisse ziemlich verwackelt und ich war zu perplex um auf Video um zu stellen. Schade. So wird es eine knuffige Erinnerung bleiben. 🙂
    Wir sind im Nachhinein übrigens echt froh, dass das Aufsichtspersonal so viel Humor hatte. Das Wiesel hat doch gehörig Unruhe in das Ottergehege gebracht 😉

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  5. Katja

    18. April 2013 at 10:17

    Oh solche langen Brücken bzw. Dämme mit kilometerweit Wasser links und Wasser rechts sind genau mein Ding! Ich bin wahnsinnig gespannt, ob es noch auf den Outer Banks weitergeht und ob ihr da noch länger unterwegs wart.

    Die Aquarienbilder sind zum Niederknien! Ich hoffe, ihr hattet nur annähernd so viel Spaß wie man dem Wiesel ansehen kann. 🙂

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