Von Flugzeugträgern und Glocken

Nach einer sehr unruhigen, regnerischen Nacht versprach die aufgehende Sonne einen schöneren Tag. Wir hatten die Nacht auf dem schlechtesten Campingplatz der Welt zwar überstanden, dafür steckte unser Wohnmobil aber ganz schön im Schlamm fest. Zum Glück kleckern die Amis nicht bei der Motorisierung ihrer Fahrzeuge, und so war es kein größeres Problem, eine tiefe Furche auf der Wiese hinterlassend, unser Wohnmobil zurück auf die amerikanischen Straßen zu lenken. Unserer Reise führte uns diesmal den Rest der Outer Banks Richtung Norden, Norfolk Virginia  sollte der erste Teil der heutigen Tagesetappe sein. Wir Männer hatten beschlossen, dass, wenn wir schon einmal in Norfolk sind, wir uns den größten amerikanischen Marinestützpunkt ansehen wollten.

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Bäh, schon wieder Wasser

Norfolk ist der Atlantikstützpunkt der amerikanischen Marine. Hier liegen diverse Kriegsschiffe, U-Boote und Flugzeugträger vor Anker. Sämtliche Operationen im Atlantikraum werde von hier aus gestartet. Es wird ein riesiger Aufwand betrieben, all diese Schiffe zu bauen, zu warten und zu versorgen. Man kann die große Basis zu Fuß oder mit dem Bus besichtigen, allerdings muss man sich dafür vorher anmelden, und ein intensives Sicherheitsscreening über sich ergehen lassen. Dies hatten wir natürlich nicht getan, und somit blieb uns nur die Victory Rover, ein kleines Schiff, welches unter fürchterlich patriotischer Musik einmal durch den kompletten Hafen fährt und über blecherne Lautsprecher das Gesehene kommentiert.

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Die Victory Rover

Und zu sehen gab es reichlich. Leider fing das Wetter wieder an schlechter zu werden, da aber unter Deck geheizt war und wir alle recht seefest sind, war das diesmal nicht das Riesenproblem.

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Die Wisconsin

Das erste Schiff direkt neben der Pier ist ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Die USS Wisconsin, ein  Schlachtschiff der Iowa Klasse, wurde 1944 in Dienst gestellt und aus dem Dock sofort in den Pazifik entsandt. Ihre Hauptaufgaben waren der Schutz von Flugzeugträgern vor japanischen Flugzeugen und Küstenbeschuss. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff der Reserveflotte zugeteilt und 1951 wieder reaktiviert, um im Koreakrieg eingesetzt zu werden. 1958 wurde sie dann wieder außer Dienst gestellt. Fast 30 Jahre blieb das Schiff in der Reserve, wurde 1988 aber wieder aktiviert, um dann im ersten Golfkrieg eingesetzt zu werden. Danach wurde sie wieder aus dem Dienst genommen, und 2009 dann an die Stadt Norfolk übergeben. Dort dient sie heute als reines Museumsschiff.

Nun folgte ein Schiff dem anderen:

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Das Wiesel, mutig wie nie, traute sich sogar an Deck um besser sehen zu können.

Interessant: In der Lücke fehlt nicht etwa ein Schiff, sondern laut Ansager liegt dort ein Schiff, welches so geheim ist, dass es unsichtbar ist. Ja neee, ist klar.

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Schön zu sehen sind hier auch die U – Boot Zäune. Diese bis auf den Grund reichenden Sperren verhindern, dass der Feind, so wie in Pearl Harbour, mit Torpedos angreifen kann.

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Am Ende der Reihe lag dann auch wirklich ein Flugzeugträger. Das Wiesel schaute ganz neugierig, so etwas Großes hatte er, genau wie wir, noch nie gesehen.

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Es handelt sich hier um die USS Abraham Lincoln, der fünfte Flugzeugträger der Nimitz Klasse,1989 in Dienst gestellt. Sie hat eine Länge von 330 m eine Breite von 76 m und einen Tiefgang von 12,50 m. Voll beladen wiegt sie 97.000 t. Im Einsatzfall befinden sich über 5600 Personen an Bord. Angetrieben wird sie von zwei Nuklearreaktoren und vier Propellern, mit denen eine Geschwindigkeit von über 30 Knoten ermöglicht wird. Stationiert sind auf dem Träger bis zu 85 Flugzeuge. Es ist wirklich beeindruckend und gleichzeitig erschreckend, wie viel Ingenieurskunst in diesem Kriegsschiff steckt. Was könnte man alleine mit den Unterhaltskosten dieses Schiffes Positives in der Welt schaffen. Aber lassen wir das lieber. Mit viel patriotischer Musik ging es zurück zur Pier.

Eine Seefahrt, die macht lustig, eine Seefahrt die macht… hungrig…, also kehrten wir direkt nach dem Anlegen im Schlotzkys ein. Eigentlich waren wir auf der Suche nach dem Restaurant mit dem großen goldenen M.Da wir aber den Namen Schlotzky´s so witzig fanden, ließen wir uns hier nieder. Ich habe von meinem Sandwich nicht viel gesehen, das Wiesel hatte blöderweise auch Hunger.

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So ging es dann nach einem kurzen Stadtbummel wieder zurück zu unserem Wohnmobil, und von da aus weiter Richtung Norden. Der Kiptopeke State Park war für die Nacht auserkoren worden. Zwischen ihm und uns lag nur dummerweise die Cheasapeake Bay Bridge Tunnel, eine Brücken/Tunnel Kombination, die durch eine ziemlich große Bucht führt. Problem dabei ist, dass Wohnmobile aufgrund ihrer mitgeführten Gasflasche nicht durch Tunnel fahren dürfen. Dies wird in der Regel durch die Kassiererinnen vor den Mauthäuschen kontrolliert. Der Wohnmobilverleiher hatte uns aber den Tipp gegeben, dieses Verbot einfach zu ignorieren. Er sagte, an 98 % aller Mautstation würde man durchgewunken, wenn nicht, beruft man sich auf seinen Status als Tourist, dreht um und nimmt ein anderes Mauthäuschen. Nur den Haupthahn an der Gasflasche sollte man vorher zudrehen. Siehe da, es klappte problemlos. Nach dem üblichen Obolus konnten wir durch den Tunnel fahren und uns damit einen Riesen Umweg sparen. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir den Kiptopeke State Park.

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Die Natur bahnt sich immer einen Weg

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Angekommen

 

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Kurz vor dem Sonnenuntergang

 

Nach einem ruhigen Abend am Lagerfeuer und einer gut durchschlafenen Nacht weckte uns das Wiesel am nächsten Morgen voller Tatendrang. Man stelle sich einmal vor, morgens durch Angestupstwerden zu erwachen, ein Auge zu öffnen und von Wiesel so angeschaut zu werden…

 

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Los, Aufstehen, Hunger, will spielen!

 

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Mjam!

Um uns genug Zeit zu verschaffen zum Duschen und um uns für den Tag bereit zu machen, verdonnerten wir das unternehmungslustige Wiesel dazu Frühstück zu machen. Doofe Idee, als wir mit dem Duschen fertig waren, war vom Frühstück fast nichts mehr über. Nur die Erdnussbutter hatte die Fressorgie überlebt. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass Wiesel total verfressen sind!

Da uns danach der Sinn stand, und damit das Wiesel nicht so fett wird, unternahmen wir vor der Weiterfahrt noch einen ausgedehnten Strandspaziergang direkt am Atlantik.

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Atlantik

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Doofes Wasser, aber der Stock sieht interessant aus….

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Und wer bist du? Oder eher WAS bist du?

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Natur pur

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und ein Wieselsuchbild

Weiter führte uns unsere Reise Richtung Norden, Philadelphia lautete unser heutiges Etappenziel. Philadelphia ist eine der ältesten Städte der USA. Mit über 1,5 Millionen Einwohnern ist sie die fünftgrößte Stadt der vereinigten Staaten und die zweitgrößte Stadt an der Ostküste. Sie war sogar nach New York und vor Washingtons zehn Jahre lang die Nationalhauptstadt. In ihr wurde im Jahr 1787 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung beschlossen und verkündet.

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Phillie Altstadt

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Altbau

Philadelphia selbst erinnert an eine typische amerikanische Großstadt. Alles ist groß, glitzert und blinkt. Uns interessierte vor allem die Altstadt und natürlich die tiefen geschichtlichen Aspekte dieser Großstadt. Beim Durchwandern der Straßen stießen wir immer wieder auf Denkmäler, Gedenksteine, Tafeln und Malereien.

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Die blaue Schrift unten….

Penn, der in diesem Bild gezeigt wird, ist übrigens William Penn, der Stadtgründer, der 1681 Philadelphia als Hauptstadt der Quäker-Kolonie Pennsylvania plante und gründete. Er erhielt damals von König Karl dem II, da dieser der Familie Geld schuldete, ein großes Stück Wildnis in der neuen Welt und wurde zum Gouverneur ernannt. Da Penn sich in England häufiger mit der Kirche angelegt hatte, zog er über den großen Teich und gründete eine Kolonie, in der es die erste echte Religionsfreiheit gab. Hiermit, und mit seinem liberalen Wahlrecht, war er seiner Zeit weit voraus. Er pflegte außerdem intensiven Kontakt zu den benachbarten Indianerstämmen, schützte sie vor Alkohol und ausbeuterischen Weißen, und hielt sich strikt an die Landabtretungsverträge. Deswegen blieb Pennsylvania von Überfällen durch die Indianer verschont. Die Stadt entwickelte sich prächtig, doch musste Penn immer wieder in England für seine Kolonie und sein Religionsexperiment kämpfen, weswegen er mehr in England als in Amerika war. Reich wurde er auch nicht, sein finanzieller Verwalter betrog ihn und er verschuldete sich so hoch, dass Penn einige Zeit sogar ins Schuldgefängnis musste. 1718 starb er im Alter von 73. Er war 2x verheiratet und hatte 9 Kinder.

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Schottische Immigranten und Wiesel beim Erkunden

Wer durch Philadelphias Altstadt wandert, landet zwangsweise irgendwann an der Independence Hall und der Liberty Bell.

Die Independence Hall, das ursprüngliche Pennsylvania State House, ist der Schauplatz einiger der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der USA.

Das Gebäude wurde im Jahr 1741 fertig gestellt und diente als Sitz der Regierung, die damals noch eine der 13 britischen Kolonien in Nordamerika war.  Im Jahr 1775 traf sich in ihr der Kontinentalkongress, ein Kongress aus Delegierten der 13 Kolonien, aus denen Nordamerika bestand. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, sich gegen die Beschränkung der Freiheit der amerikanischen Bürger zu wehren. Im Jahr 1776 nahmen sie die von Thomas Jefferson ausgearbeitete Unabhängigkeitserklärung an. Seit diesem Ereignis heißt das Gebäude Independence Hall. 1787 arbeitete hier die Philadelphia Convention die Verfassung der Vereinigten Staaten aus.

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Wiesel vor der Independence Hall

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Der Glockenturm der Independence Hall in dem die Liberty Bell hing

Wie Wiesel so sind, verschwand auch unseres ruckzuck in der Menge. Wir fanden es dann wieder, als es das Tintenfass, mit dem die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben worden war, begutachtete.

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Wiesel und das Tintenfass

Hierbei wurde das Wiesel allerdings von der ortsansässigen Security aufgegriffen. Die charmante Dame war so angetan von unserem kleinen Reisebegleiter, dass wir sie unbedingt mit Wiesel fotografieren mussten. Um diesem bedeutenden Ereignis die nötige Würde zu verleihen, setzte sie sich sogar ihren Hut auf. Das Wiesel hat halt Fans auf der ganzen Welt.

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Das Wiesel mit seinem neuesten Fan

Ein weiteres für die Amerikaner sehr wichtiges und geschichtsträchtiges Objekt ist direkt nebenan ausgestellt. Die Liberty Bell wurde anlässlich der 50-Jahr-Feier der Religionsfreiheit in Pennsylvania im Jahre 1752 in London gegossen. Sie trägt die Inschrift (ins Deutsche übersetzt): „Verkünde Freiheit im ganzen Land für all seine Bewohner!“ Diese Glocke, damals noch im Glockenturm der Independence Hall hängend, wurde geläutet, als das erste Mal die Unabhängigkeitserklärung in der Öffentlichkeit verlesen wurde.

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Inschrift im Original

Interessanter Fakt am Rande: Seit 1950 hat auch Deutschland eine Liberty Bell, oder, wie sie hier heißt: Freiheitsglocke. Sie hängt im Schöneberger Rathaus in Berlin.

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Wiesel und Liberty Bell auf Du und Du

Die Liberty Bell gehört zusammen mit der Independence Hall zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nach so einem geschichtsträchtigen Tag, vielen gelaufenen Kilometern und unzähligen Schritten für das Wiesel, ließen wir den Abend dort ausklingen, wo schon George Washington mit seinen Kumpanen gepflegt sein Feierabendbier genoss, und bereiteten uns auf den letzten großen Schlag vor, Richtung Norden zurück nach New York.

Weiter zum nächsten Teil: The City that never Sleeps

Zum vorherigen Teil: Von Ottern und Mali-Malis

Kategorien: Wiesel, Wiesels große Reise | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Von Flugzeugträgern und Glocken

  1. All you need is LOVE and WIESEL 😀

    Ich bin ja total neidisch, welche Geschichtsträchtigen Orte das Wiesel von Euch gezeigt bekommen hat. Und so pazifistisch ich auch bin, aber der Faszination der großen Pötte im Museum hätte ich mich auch nicht entziehen können.

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  2. Das Wiesel ist definitiv auch Weltkulturerbe 😀

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