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Drei Wochen

10 Mai

Neue Reifen: 230,- Euro
Reifenmontage: 75,-
Inspektion, Ölwechsel, Bremsflüssigkeitswechsel: 190,- Euro
Neue Bremsbeläge vorne: 140,- Euro
Hauptuntersuchung: 63,- Euro

Das sichere Gefühl, mit einem im perfektem Zustand befindlichen Motorrad zu fahren: UNBEZAHLBAR.

So könnte man das Hauptergebnis der letzten Woche zusammenfassen.

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Die Maschine hat wieder für zwei Jahre die Plakette. Die Bremsen sind statt auf 30 wieder auf 100 Prozent, und die neuen Reifen sind rund und nicht im Querschnitt eckig gefahren, wie die alten. Obwohl ich den alten Angel ST wirklich Respekt zollen muss. 10.000 Kilometer hatten die jetzt drauf, und waren noch lange nicht am Ende des Lebens angelangt. Nur waren sie halt in der Mitte etwas platt gefahren, was in Kurven keinen Spass macht, wenn man die Karre quasi über die Kante wuchten muss. Und DIE LANGE REISE ist LANG, das wollte ich mit den alten Reifen dann doch nicht machen. Reifen und Bremsen sind wichtig.

Gute Versorgung ist auch wichtig. Vor allem mit Ersatzteilen, wenn man wer-weiß-wo sitzt und eine Panne hat. Sicher, wenn einem nun ein Kolben um die Ohren fliegt, hilft das beste Supportkonzept nichts. Wenn es einen Motorschaden oder einen schlimmen Unfall gibt, ist die Fahrt natürlich beendet. Aber es gibt gewisse Dinge, auf die kann ich mich vorbereiten und es gibt Fälle, für die kann ich vorsorgen.

Über den Winter habe ich ein wenig mit den lieben Leuten im ZZR-Forum gearbeitet, um typische Schwachstellen unseres Motorrads zu finden. Die Ergebnisse einer kleinen Umfrage zum Thema „Was ist Euch passiert bei Unfällen mit geringer/keiner Geschwindigkeit“ waren recht schnell sehr eindeutig. Es gibt verschiedene „Show Stopper“, relativ kleine Ursachen mit so großer Wirkung, dass eine Weiterfahrt sofort unmöglich wird. Ein Beispiel: Manchmal reicht es schon, wenn die Maschine im Stand umfällt, und eine der Fußrastenhalterungen abbricht. In dem Moment ist alles vorbei. Game Over, Tour ist zu Ende.

Aus diesem Grund habe ich mir ein kleines Ersatzteillager zugelegt. Beide Fußrasten, die wichtigsten Bowdenzüge, Deckel für Lichtmaschine und Zündgeber, ein Lichtmaschinenregler, weil der gerne bei mediterranen Temperaturen den Geist aufgibt, usw.
Alles für recht kleines Geld über den Winter zusammengekauft. Einen Teil der Sachen werde ich mitnehmen – ein Bowdenzug ist klein und nimmt nicht viel Platz weg, und bei 135 Litern Frachtvolumen habe ich VIEL Platz. Andere Teile werde ich zu Hause einlagern, versendebereit verpackt. Wenn ich die tatsächlich brauchen sollte, wird ein helfender Engel die fertigen Pakete einem Kurier in die Hand drücken, der die innerhalb von 24 Stunden an jeden Punkt Europas ausliefert.

Außerdem habe ich in jedem Land mindestens einen „Fixer“, einheimische Freundinnen und Freunde und Organisationsgenies, an den ich mich im Notfall wenden kann und die dolmetschen, Sachen besorgen und einfach Dinge „fixen“ können. Und natürlich habe ich eine Liste aller Kawasaki-Werkstätten auf der Route dabei. Soweit das neue Supportkonzept. Ich hoffe, ich werde dieses Fallback nie brauchen.

Klingt alles übertrieben? Kann sein. Immerhin bin ich nicht in Afrika unterwegs oder der Mongolei oder an sonst irgendwelchen Orten fernab der Zivilisation. Ich bin in Europa, wo alles in kurzer Zeit machbar sein sollte. Theoretisch. Aber auch mitten in unserem Kontinent gibt es so abgelegene Orte. Und hey, manche Leute fahren schon bei Touren, die halb so lang sind wie die LANGE REISE nur mit Versorgungsfahrzeug. Echt. Die fahren dann in einer Gruppe von Motorrädern, und hinten dran ein Bus mit Teilen, Werkzeug und Gepäck. Ich habe kein Versorgungsfahrzeug, und ich bin allein unterwegs. Diese Vorbereitung gibt mir die Sicherheit zu Wissen, was in Notsituationen zu tun ist – und nicht kopflos in der Luft zu hängen. Und hey, ich schreibe über die Vorbereitung ja auch, damit sichtbar wird, wieviel Gedanken, Planung und Mühe in die Vorbereitung gesteckt wird.

Und sonst so? Sport, immerhin vier Mal in den letzten sieben Tagen. Aber mit ein wenig mehr Bedacht, der Wirbel im Rücken schmerzt immer noch. Netter Nebeneffekt: 4,1 der fünf überflüssigen Kilos sind weg, jetzt passe ich wieder in die guten Anzüge, ohne die Luft anhalten zu müssen. Das ist gut. Ob es schon reicht, um 250 Kilogramm hochzustemmen? Wer weiß. Ausprobieren tue ich das vorher nicht.

Zusammengefasst:
– Neue Reifen sind drauf
– Bremsbeläge sind erneuert
– Öl und Bremsflüssigkeit sind erneuert
– Automatisches Kettensschmiersystem ist aufgefüllt
– Hauptuntersuchung ist gemacht
– Die Tagestouren stehen alle fest und MAN, wird es viel zu sehen geben
– Parkplätze in fast allen großen Städten sind gefunden
– Der Haupt-Host hat die Reservierung bestätigt mit den Worten, „Don´t you worry, how dare you! OF COURSE YOUR ROOM IST WAITING FOR YOU!!!!“
– Kompressionssäcke bestellt
– Reiseapotheke aufgefrischt
– Bordwerkzeug gecheckt

Das steht an:
– Panzerung anbauen
– Halterung für die neuen Instrumente erfinden und bauen
– Neue Kamera testen
– andere Hosts anschreiben
– Navi programmieren. Das wird dauern, denn es geht an abgelegen Orte, die man echt über Koordinaten eingeben muss.

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5 Kommentare

Verfasst von - 10. Mai 2013 in Reisen

 

5 Antworten zu “Drei Wochen

  1. Katja

    10. Mai 2013 at 08:52

    Ich finde, das klingt gar nicht übertrieben. Dass du dich alleine auf solche Touren wagst, finde ich sehr mutig und dein Notfallnetz dient ja speziell dem Zweck, die Pläne durchziehen zu können und dich durch technische Probleme nicht ausbremsen zu lassen. Das ist allemal vernünftig und die Konsequenz und der Aufwand, mit dem du planst, sind bewundernswert. 🙂

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  2. Kenny

    10. Mai 2013 at 17:06

    Du legst hier eine Akribie an den Tag, die ist bewundernswert. Wir haben für die USA Reise nicht einmal halb soviel geplant. Hoffen wir, dass Du deine ganzen Fallstricke nicht brauchen wirst und wenn doch, dass alles so funktioniert wie geplant.

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  3. Silencer

    11. Mai 2013 at 00:14

    Katja: Ich bin immer ein wenig am Schwanken. Auf der einen Seite finde ich das schon abenteuerlich, aber wenn ich mir dann Leute angucke, die allein durch die Sahara fahren, komme ich mir vor wie ein kleiner Feigling.

    Kenny: Naja, ihr wart auch zu mehreren, habt die Sprache beherrscht und ward nie mehr als 2 Stunden von der Zivilisation entfernt – das brauchtet ihr das auch nicht 🙂

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  4. Katja

    11. Mai 2013 at 13:24

    Ach das ist ja immer nur eine Frage, wessen persönliche Grenzen man als Maßstab anlegt; und aus den Fragmenten, die du hier von dir zeigst, kommt es mir zumindest so vor, als würdest du deine stetig erweitern. 🙂
    Und wenn schon Vergleiche nach aussen, dann ja fairerweise doch auch in beide Richtungen – es gibt ja bestimmt mindestens so viele All-inclusive-Sicherheits-und-Gewissheits-Urlauber wie Alleine-mit-dem-Motorrad-durch-die Sahara-Fahrer. 😀

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  5. noch ein Markus

    12. Mai 2013 at 12:37

    Orte ohne Namen finde ich ja immer spannend!
    🙂

    also ich finde die Vorbereitungen schon gut so, wenn ich denke wie ich mich vor 20-25 Jahren auch allein einfach ins WoMo gesetzt habe und losgedüst bin, das würde ich heute nicht mehr so machen.
    obwohl immer alles gut gegangen ist…

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