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Bezahltes Risiko: „Investitionszuschuss Wagniskapital“

21 Mai

ARGH. Ich werde gerade mal wieder im Glauben bestärkt, dass die Bundesregierung ÜBERHAUPT NICHTS MEHR auf die Reihe bekommt. Jüngstes Beispiel: Wagniskapitalinvestitionszuschuss. Um zu erklären was das ist, muss man etwas ausholen.

In anderen Ländern, vor allen den USA, gibt es sogenannten Venturekapitalgeber. Die investieren in viele kleinem neu gegründete Firmen und hoffe, dass zumindest einige von denen erfolgreich werden und Gewinn abwerfen. Kann auch sein, dass die Firma nicht abhebt, dann ist die Kohle weg. Deshalb heisst das Risikokapital. In den USA ist Venture Capital verbreitet, bei uns eher nicht.

Umgekehrt gibt es Firmen, die sich nun darauf spezialisert haben, mit skurrilen Geschäftsideen und gut geschriebenen Businessplänen hausieren zu gehen, Millionen an Venture Capital einzusammeln und dann ordentlich Party zu machen, so lange bis die Kohle verjuxt ist. Das, so sagen zumindest böse Zungen, nennt man StartUp. Tatsächlich gibt es viele Startups, die Venturekapital nutzen um sich größer zu machen als sie sind, kaputte Geschäftsmodelle zu tarnen und insgeheim darauf setzen, dass ein größeres Unternehmen die Klitsche kauft, bevor jemand merkt, dass alles den Bach runtergeht. Es gibt natürlich auch ehrbare Gründer, dass sei hier nicht unterschlagen, aber die nennen sich dann in Deutschland eher Existenzgründer, weil StartUp halt nach Ofen für die Verbrennung von Risikokapital klingt.

Niemand will also StartUps, aber in innovative Existenzgründungen soll schon investiert werden. So könnte man es zusammenfassen. Das wissen alle. Nur unsere Bundesregierung nicht, deren FDP-Vorsitzende gerade wie besoffen durchs Silicon Valley taumelt und behauptet, dort hätte man schon mal was von Deutschland als Markt gehört. Die gleiche FDP will auch StartUps (die Durchlauferhitzer). Und weil man ja in Deutschland ist, soll der Steuerzahler für das Risiko von Risikokapital von Unternehmen gerade stehen.

ALLEN ERNSTES! Unter dem Schlagwort „Investitionszuschuss Wagniskapital“ können Unternehmen jetzt beim Ministerium für Wirtschaft 20 Prozent des Risikokapitals, mindestens aber 10.000 Euro, als Zuschuss beantragen. Wenn ich das richtig sehe, muss im Erfolgsfall der Zuschuss nicht zurückgezahlt werden. Die maximale Förderung beträgt 250.000 Euro, die der Staat Unternehmen schenkt, die ihr Geld in neue Unternehmen stecken. UN-FASS-BAR. Aber so läuft das wohl. Nach den Verlusten werden nun auch Investitionen ohne direkte Gegenleistung verallgemeinert, die Gewinne aber weiterhin schön privat gelassen und jegliches Risiko wegversichert. Manmanman. Wenn es bloss eine wählbare Opposition in diesem Land gäbe.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 21. Mai 2013 in Betrachtung

 

5 Antworten zu “Bezahltes Risiko: „Investitionszuschuss Wagniskapital“

  1. psychoqueen

    21. Mai 2013 at 18:39

    Tja ich fürchte wir werden gerade maximal verheizt, für einen minimalsten Erlös, der es allerdings in sich haben könnte. Wir sind also nichts weiter, als ein Opfer, das es sich zu bringen lohnt. Die Frage die sich mir hier allerdings stellt, ist jene: FÜR WEN??????????? Wir werden geopfert für einen höheren Zweck? Der Zweck heiligt die Mittel? Und wer stellt beides zur Verfügung und wann und wo wird das Endergebnis abgeholt und eingefahren. Ich bin nicht unbedingt für Anarchie, denn ohne Regeln geht es nicht. Doch es läuft hier einiges nicht so wie es im Sinne der Menschheit laufen sollte…

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  2. noch ein Markus

    22. Mai 2013 at 20:59

    dann gründe ich doch flugs mal eine englische LTD. (ab 180 € im Angebot) und fange mal an Businessplan zu schreiben. endlich weiß ich wie ich zu der Kohle für das Wohnmobil kommen kann. Danke!
    🙂

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  3. Silencer

    22. Mai 2013 at 22:25

    Limited geht ab 5 Euro Stammkapital. Das heißt dann aber: wenn Du einmal Briefmarken kaufen gehst, ist Deine Firma evtl. schon überschuldet, dein Eigenkapital negativ und du wanderst wegen vorsätzlicher Insolvenz in den Bau. Erzählst du es keinem und es kommt später mal raus, war es Insolvenzverschleppung, das gibt auch Bau.

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  4. Roland Meyer-Finelli

    6. Juni 2013 at 11:15

    Hallo. Als Existenzgründer habe ich mit etwas Verwunderung den Beitrag zum Thema Investitionszuschuss Wagniskapital gelesen. Grundsätzlich sind die gemachten Eckdaten korrekt, allerdings stößt mir die Verzerrung der Idee hinter dem Programm sauer auf. Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass geförderte Projekte mangels Erfolg später eingestampft werden, oder auch ein vorsätzlicher Subventionsbetrug erfolgreich verläuft, doch betrifft speziell der letztere Punkt sicherlich nur eine verschwindende Minderheit der relevanten Projekte. Genauer betrachtet sind es auch nicht die Start-ups, die gefördert werden sollen, sondern Investoren, die i. d. R. die Geschäftsmodelle maximal zupflücken, bevor sie eine Investition tätigen. Somit muss ein Unternehmen primär seine Investoren überzeugen, und nicht einfach beim Staat die Hand aufhalten.
    Einen weiteren Punkt gebe ich zu bedenken. Geschätzt 99% der Erwerbstätigen sind Nutznieser vom Wagemut einiger weniger Pioniere, die enorm viel materielle und inmaterielle Leistung erbringen, um ein Unternehmen erfolgreich zu machen. Dieser Unternehmergeist kommt einer Gesellschaft an unzähligen Fronten zu gute und verdient Unterstützung. Ich bin sehr begeistert vom Förderwillen der Regierung und spreche meinen aufrichtigen Dank für das Auflegen dieser Massnahme aus!

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  5. Silencer

    1. Juli 2013 at 09:10

    Sorry das der Kommentar so lange unsichtbar war – in meiner Abwesenheit dürfen hier nur bekannte Personen kommentieren.
    Der Punkt bei meinem kleinen Rant ist wenig die Tatsache, das Start-Ups mittlerweile ein Synonym für Verbrennung von Investorengeld ist. Meine Nerv wurde getroffen, als ich mit bekam, dass Wagniskapital bezuschusst wird. Wo bleibt denn das Wagnis, wenn ich Geld vom Steuerzahler in Existennzgründungen stecke?

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