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Trier, Metz, Luxemburg (2013)

27 Mai

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Eine Dienstreise führte mich vergangenes Wochenende nach Luxembourg. Da ich auf dem Hinweg Zeit hatte, habe ich einen kurzen Abstecher nach Trier gemacht. Der Trierer Dom leuchtete in der Abendsonne:

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Die erstaunlich Entdeckung: Da ist gerade alles voller Marx! Der ganze Platz vor und hinter der Porta Nigra ist voller kleiner Marxplastiken.

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Nun ist Trier ohnehin die Marxsatdt. Dort steht ein berühmtes Haus, in dem er einmal gewohnt hat, und das Marxfreunde aus aller Welt anzieht. Zur Hauptsaison halten im Minutentakt Reisebusse davor, spucken dutzende chinesischer Touristen aus und fahren sofort weiter, sobald die ein Bild oder auch hundert gemacht haben. Wenn die Kirche den heiligen Rock im Dom zu Trier zeigt, zeigt das Marxhaus eine Unterhose von Karl Marx. So weit, so irre.

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Die Ausstellung mit den kleinen Marxen finde ich ganz gelungen. Zum einen wird damit die latente Gefahr, die für viel die Anhänger des Marxismus auszustrahlen scheinen, symbolisiert, zum anderen wird der Mythos der überlebensgroßen Person Karl Marx durch das einschrumpfen auf Gartenzwerg-Format geschickt dekonstruiert.

Ausserdem habe ich einen kleinen Schlenker über Metz gemacht. Da war ich noch nie, und die dortige Kathedrale gilt als beeindruckendes Beispiel gotischer Baukunst. Das kann ich bestätigen. Sowohl das mit der Gotik als auch das mit dem beeindruckend.

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Ich mag den gotischen Bauspiel sehr. Anders als die knubbeligen Bauwerke romanischen Stils oder überladene Barockgebäude strahlen gotische Bauwerke Eleganz und Würde aus. Die hohen Fenster mit den Spitzbögen symbolisieren die Hinwendung zum Jenseitigen, die Zugewandtheit zu Gott und damit – quasi passend zum gerade gelaufenen Pfingstfest – die Öffnung des menschlichen Geistes. Gotische Kirchen sind innen meist schlicht gehalten. So auch die Kathedrale Saint-Étienne zu Metz (auf deutsch schlicht Stefansdom), die durch ihre schiere Größe und ihre Höhe beeindruckt. Der Innenraum erreicht bis zu 41 Metern – damit ist Saint-Etienne die Drittgrößte gotische Kirche in Frankreich. Wegen der riesigen, bunten Fenster wird die Kirche auch „La lanterne du Bon Dieu“ (Die Ampel Gottes) genannt. Sie können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gebäude mitteralterlich und düster wirkt.

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Ansonsten ist Metz eine schöne Stadt. Sogar die Urinale sehen nach Kunst aus.

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In Luxemburg war ich im vergangenen Jahr schon einmal. Diesmal habe ich nicht viel mehr von der Stadt gesehen. Tourist Guide Tessy konnte mir erklären, woher die spanischen Muster am Regentenpalais kommen:

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Tatsächlich wurde Luxemburg wegen der verwandschaftlichen Beziehungen nach Spanien lange als „oranges (= niederländisches) Spanien“ verspottet. Luxemburg wurde im 15. Jahrhundert von spanischen Festungsbaumeistern in das „Gibraltar des Nordens“ verwandelt. Die Felsen, auf denen die Stadt ruht, wurde ausgehöhlt und Räume geschaffen, die mit 40.000 Quadratmetern so groß waren, dass die gesamte Bevölkerung darin Zuflucht finden konnten. Die Stadt selbst war mit 24 Forts und etlichen Bastionen gesichert. Tatsächlich wurde die Luxemburg nie erobert. Selbst Napoleon biß sich zunächst die Zähne aus. Mit seinen hochmodernen Kanonen gab er innerhalb weniger Tage 6.000 Kanonenschüsse auf die Mauern ab – ohne Erfolg. Letzlich fiel die Festung nur, weil die Bevölkerung ausgehungert wurde. Danach wurde 1867 alles „geschleift“: Die Festung wurde abgerissen und rückgebaut, was geschlagene 16 Jahre dauerte.

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Die Gëlle Fra (Goldene Frau) ist ein Friedensdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Angeblich hat der Künstler die Bäckersfrau von Nebenan als Vorbild genommen, was zumindest die starken Oberarme erklären würde. Wegen der spärlichen Bekleidung empörte sich über Jahre die Kirche über die Figur.

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Im zweiten Weltkrieg wurde sie von den deutschen Besatzern vom Sockel gerissen. Ein Luxemburger versteckte die Figur, bevor sie zerstört werden konnte. Und er versteckte sie so gut, dass Sie erst 1980 wiedergefunden wurde – unter dem Fußballstadion!

Luxemburg ist reich, und man steckt den Reichtum in Bildung der Kinder und in Kunst. Vor dem Palais stehen Laternen eines Münchner Künstlers. Es handelt sich um Metallsäulen, in denen oben eine Öffnung ist.

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In der Öffnung ist ein Gesicht als Vertiefung ins Metall eingearbeitet. Im Dunkeln leuchten die Gesichter golden, und das Auge nimmt die Vertiefungen als Erhöhungen dar. Was nun passiert ist eine irrsinnige optische Täuschung: Aus den Säulen scheinen sich Gesichter zu erheben, die dem Betrachter über den Platz folgen. Irre. Leider hat mein Telefon das nicht einfangen können.
Luxembourg bei Nacht ist wirklich ein Erlebnis – leider waren die drei Tage in der Stadt mal wieder viel zu kurz…

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… was mir übrigens diesmal erst bewusst geworden ist: In Luxembourg gibt es keine Parkplätze. Nirgends. Selbst die hinterletzte Strasse im Wohngebiet ist mit Parkscheinautomaten ausgestattet, die Höchtsparkdauer beträgt 5 Stunden, und auch Hotels verfügen oft über keine Parkgarage. Eine Ironie, wo doch der Felsen unter der Stadt durch die ganzen Kasematten quasi hohl sein muss. Die strengen Parkregelungen sind dem Umstand geschuldet, dass sich die Anzahl der Personen in der Stadt tagsüber verdoppelt, durch die ganzen Grenzgänger und Arbeiter, die sich ein Leben in der Stadt nicht leisten können.

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Nun, mir hat der Mut, etwas anderes auszuprobieren, das Glück eines Parkplatzes beschert. Ich habe im Key Inn Apart-Hotel genächtigt. Das ist ein Hotel ohne Rezeption. Man bucht ganz normal, dann bekommt man eine Adresse und einen Code. Der öffnet einmalig die Tür zu einem Appartmenthaus. Dort liegt im Treppenhaus ein Briefumschlag mit Zugangcodes, die ein Appartment öffnen. Das ist eine voll ausgestattete Wohnung, in meinem Fall ein Studioloft unter dem Dach, inkl. Küche und Wohnzimmer. Dort liegen weitere Umschläge bereit. Öffnet man die, kostet das Geld.

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Der Inhalt ist entweder der Code für´s WLAN oder – der Toröffner für eine eigene Parkgarage!
Ein wenig konspirativ wirkt das ja schon. „Wenn sie diesen Umschlag öffnen, Jim, akzeptieren sie die Mission Impossible…“

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Aber: Das System funktioniert. Wenn man sich nicht selbst was machen möchte, kann man sich auch Frühstück ins Appartment bestellen. Das bringt dann ein Lieferdienst ins Haus. Bestellt wird telefonisch oder per Mail. Hat man andere Sonderwünsche, erfüllt einem das Servicecenter die auch gerne. Die Rechnung oder andere Dinge materialisieren sich dann wiederum in geheimnisvollen Briefumschlägen, die man bei seiner Rückkehr auf dem Küchentisch vorfindet. Bei der Abreise lässte man die Zugangskarten und den Toröffner einfach auf dem Tisch liegen und geht.

Kosten tut das ganze weniger als ein normales Hotel in Luxembourg-Stadt, und wenn ich das richtig mitbekommen habe, funktionierten in 2 von 3 5-Sterne Hotels die WLANS nicht, und -wie geschrieben- Tiefgaragen gab es auch nicht. Wer verhältnismäßig günstig und mit allem Komfort in Luxembourg nächtigen möchte und mit dem eigenen Fahruzeug anreisen muss, dem sei die Key Inn Residence ans Herz gelegt.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 27. Mai 2013 in Reisen

 

2 Antworten zu “Trier, Metz, Luxemburg (2013)

  1. Rufus

    27. Mai 2013 at 22:17

    Trier ist vielleicht so monoton wie Luxembourgh. Da kann schon sein, dass es die andersfarbigen Figuren (http://www.tk-game-diary.net/buddel_company/1.JPG) nicht mehr gab…;)

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  2. Silencer

    28. Mai 2013 at 09:22

    Hihi, stimmt, die Dinger hätten auch Spielfiguren sein können.

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