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Tagesschaum

03 Jul

Erinnert sich noch jemand an Friedrich Küppersbusch? Der hat in den Neunzigern in der ARD „ZAK“ gemacht, ein sehr schnelles Format, dass Aktuelles aus Zeitgeschehen und Kultur (Daher der Name) an der Grenze zur Satire präsentierte. Kpüppersbusch war der Star der Sendung, und ich habe später nie wieder jemanden gesehen, der auch nur im Ansatz seine Moderations- und Denkgeschwindigkeit, geschweige denn seine Vorbereitung in Interviews erreicht hat.

Nach ZAK kam „Privatfernsehen“, das mit Livepublikum und mehr Zeit nicht wirklich was anzufangen wusste, aber auch hier brillierte Küppersbusch in längeren Interviewsequenzen. Er lockte seine Gesprächspartner nicht mal unbedingt in Fallen, er stellte oft auch einfach nur Fragen, die so simpel waren, dass sie sonst keiner zu stellen wagte – und die oft nicht beantwortet werden konnten. Unvergessen die Szene, in der ein Spitzenfunktionär der deutschen Wirtschaft nicht erklären konnte, was die Bruttoverschuldung ist.

Dann wurde es still. 1997 zog sich Küppersbusch hinter die Kamera zurück und ist seitdem als Produzent tätig. Zudem schreibt er eine Kolumne in der taz und macht ein wenig Radio. Ich habe ihn vermisst – aber jetzt ist er wieder da!

Bis zur Bundestagswahl begleitet er uns im ersten deutschen Fernsehen bzw. dem WDR mit dem „Tagesschaum“, einem viertelstündigen Format. Vor minimaler Kulisse kommentiert er das Tagesgeschehen. Zur Redaktion gehört der von mir überaus geschätzte Stefan Niggemeier, und was die so produzieren, legt ein hohes Tempo an den Tag und stellt echte Ansprüche an die Zuschauer. Erfrischend, wo doch sonst im Fernsehen alles dreizehn Mal durchgekaut wird, bis auch der dümmste es verstanden hat. Nicht so hier, und zudem ist Tagesschaum sehr Meinungslastig, was allerdings Hand in Hand mit einem Bildungsauftrag daherkommt. Wenn in 60 Sekunden erläutert wird, wie Starbucks Steuern vermeidet oder wie der Stand der Piratenpartei ist, dann ist das große Kunst. Und genau zur richtigen Zeit, denn wo die etablierten Qualitätsjournalismusssendungen unreflektiert jeden Müll wiederkäuen, nimmt Tagesschaum eine Sonderstellung ein – wie in Amerika der Colbert-Report oder mim ZDF die heute-Show. Anscheinend braucht es Satiresendungen, um die Wahrheit zu berichten.

Tagesschaum, jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag um 23.15 Uhr im WDR oder zeitsouverän auf Youtube.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 3. Juli 2013 in Medienschau, Service, TV-Serie

 

2 Antworten zu “Tagesschaum

  1. psychoqueen

    4. Juli 2013 at 12:05

    Herrlich, einfach, erfrischend, herrlich… Ja das ist mal ungefilterte Information, mit der ich auch was anfangen kann. So sollte es überall sein.
    In letzter Zeit werden wir eh von einer irren Flut an Infos überhäuft, die so wie so kommt, kaum noch einer Filtern kann. Die Jungs von den Medien würden zig Jahre brauchen um das alles in gewohnter Manier wieder Re-zufiltern 😉 Dann isses eh ein alter Hut und die Leute langweilt es doch schon jetzt, wo doch alles so schnell und so ungeschminkt daher kommt. Naja vll wird es ja doch „wieder“ Mode auch mal der ungeschminkten Wahrheit ins Gesicht zu schauen.
    Ich liebe es!!!!!!!!!!!
    Diese Zeit ist einfach zu herrlich.

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  2. ruediger

    4. Juli 2013 at 19:40

    Ja stimmt, schön saß er wieder tewas macht und danke Dir, dass Du Bescheid gibst…..

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