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Auseinandergenommen

29 Aug

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Innerhalb weniger Wochen hat die Kawasaki mehr als 7.000 Kilometer auf die Uhr bekommen. Klar, war ja auch DIE LANGE REISE, in diesem Sommer. Unmittelbar davor war sie in der Inspektion, unmittelbar danach hätte sie wieder hingemusst. Die Wartungsintervalle bei der Kiste liegen nur bei 6.000 Kilometern. Anders als bei Autos sollte man die Inspektion auch tunlichst durchführen lassen. Ein Motor, der für Drehzahlen ab 9.000 aufwärts gemacht ist, ist empfindlich. Falsch eingestellt, zu wenig oder falsches Öl, irgendwo zu viel Spiel – Wumms, kaputt. Pflegt man ihn regelmäßig, hält er ewig.

Für die meisten ZZR600-Fahrer ist der kurze Wartungsintervall total egal. Das sind dann diese Freizeitpiloten, die die Maschine 10 Jahre besitzen und dann mit 12.000 gefahrenen Kilometern wieder verkaufen. Nunja.
Bei meiner silbernen ist das anders, die hat mittlerweile 60.000 runter, 22.000 davon von mir, innerhalb von 20 Monaten. Nun also die 60.000er Inspektion. Das ist eine große, was heisst: Jede Schraube wird nachgezogen, jede Flüssigkeit ausgetauscht und der Motor halb auseinandergenommen um das Ventilspiel einzustellen. Und dann musste noch die Bremsbeläge hinten erneuert und rundrum alle Motordeckel ersetzt werden, letzteres, weil der Carbonschutz während der Sommerreise ziemlich zerstört wurde.

All das sind mal, selbst wenn man schnell ist und alles auf Anhieb klappt, locker acht Stunden Arbeit und für ein paar hundert Euro Material. Da tut mir schon beim bloßen Gedanken das Portemonnaie weh. Der Werkstattmeister hatte vorab einen saftigen dreistelligen Betrag geschätzt, und weil er meist ziemlich danebenliegt, hatte ich mit dem 1,5fachen davon geplant. Da wäre aber immer noch dreistellig gewesen und nicht gegen die Zahl, die der Meister am Ende vor sich hinmurmelt und die mir einen Herzaussetzer bereitetet.

Als ich die ZZR nach zwei Tagen in der Werkstatt abholen will, sieht mich der Meister mit Trauermiene an und entschuldigt sich mit den Worten „Ich habe mich selbst erschrocken, wie viel das jetzt geworden ist. Ich lag mit meiner Schätzung wohl daneben…“ Das ist ja nichts neues. Aber als er sich dann an den Rechner setzt und murmelt „Zweitausendfünhundertvierundzwanzig“ bricht dennoch ein lautes „WIE BITTE?!??“ aus mir heraus. Er guckt mich an, guckt wieder auf seinen Rechner, guckt wieder mich an und sagt „Das ist Deine Kundennummer. Zweitausendfünhundertvierundzwanzig.“
Ich atme weiter.
„..und der Rechnungsbetrag ist…“
– bis auf 1,45 Euro das 1,5fache seiner ursprünglichen Schätzung. Immer noch viel Geld, aber geplant. Aufschieben hätte jetzt auch nichts gebracht, außer Materialverschleiss.

Und die Kawasaki hat sich die Generalüberholung mehr als verdient. Die hatte ich ihr schon versprochen, als wir durch die Schlaglöcher der Marken geholpert waren, und noch ein paar Mal, als wir in den Bergen feststeckten und mit überheißem Motor durch sengende Hitze rollten. Aber das sind andere Geschichten…

 
10 Kommentare

Verfasst von - 29. August 2013 in Motorrad

 

10 Antworten zu “Auseinandergenommen

  1. kalesco

    30. August 2013 at 09:43

    OMG – wie gemein!
    Ich kann das zur Zeit großartig nachvollziehen, ich hatte die letzten beiden Wochen laufend solche „Wie bitte?!“ Momente… Aber alles wird gut.

    Gratuliere zur richtigen Überschlagsrechnung!

    (Und wir warten aaaaalllleeeee schon sehr gespannt auf die Abenteuerberichte! Aber das weißt du ja, oder? Oder?!)

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  2. Silencer

    30. August 2013 at 09:51

    Läuft Dein Wägelchen eigentlich wieder?

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  3. Katja

    30. August 2013 at 10:17

    Das hat er doch absichtlich gemacht, dass er dir erst mal so ’nen Schrecken einjagt, damit du hinterher, trotz seiner vorherigen schlechten Einschätzung, erleichtert und fröhlich rausgehen kannst! :mrgreen:

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  4. psychoqueen

    30. August 2013 at 10:42

    das nenne ich psychologische „Kriegstaktik“ verwirren, den „Gegner“ immer schön verwirren. 😀

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  5. Zeke Midas

    30. August 2013 at 19:07

    Na dann: Zum Glück gut geschätzt!

    Das hört sich nach spannenden Geschichten an, die sicherlich den einen oder anderen Artikel wert wären! Und so ein Gefährt wächst einem ja doch irgendwie ziemlich ans Herz, oder?

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  6. damnzzr

    31. August 2013 at 09:47

    *patsch,anshirnschlag* Darum hat meine bei mir noch nie eine Werkstatt von innen gesehen und wird es auch nicht…65000km von mir, aktuell kurz vor 100000km…
    Das Geld kannst dir mit ein wenig Geschick in Zukunft echt sparen!

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  7. Silencer

    31. August 2013 at 12:33

    Katja und Queen: Nee, keine Absicht – der ist so.

    Zeke: Oj ja, die wächst einem ans Herz. Deshalb gebe ich auch gut auf sie acht 🙂

    Damnzzr: Es ist gut, wenn man solche Sachen selber machen kann, Spass dran hat und die Zeit dafür findet. Ich kann viele der nötigen Dinge nicht (Ventile einstellen), habe nur begrenzt Spass dran und mag meine Zeit auch nicht für´s Schrauben opfern. Deshalb darf ab und an ein Dienstleister ran.

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  8. kalesco

    3. September 2013 at 08:47

    Nein, der kleine schwarze wurde nur noch mit Hänger bewegt…
    Aber, wie du jetzt ja schon weißt, hab ich seit gestern einen neuen fahrbaren Untersatz. Und neuer ist meistens halt doch auch schicker und besser und sowieso und überhaupt 🙂

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  9. noch ein Markus

    9. September 2013 at 15:22

    ist es in Mopped Werkstätten nicht üblich das sich -im Normalfall der KD-Meister- der Werkstatt meldet wenn die Rechnung höher wird bzw. mehr oder zusätzlich Arbeiten ausgeführt werden müssen?

    oder anders: gibt es für Moppeds keine Wartungspläne wo man vorher recht präzise sagen kann was die Wartung kosten wird?

    hmm.

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  10. Silencer

    10. September 2013 at 10:57

    Markus: Genau, Hmmm. Die Werkstatt ist fachlich super, aber sowas verpeilen die.

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