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Tankstellentransparenz

13 Sep

Es gibt jetzt also eine Meldestelle für Benzinpreise. So eine Art Bundesspritregister. Dahin müssen alle Tankstellen ihre Preise melden, und die sind dann in Echtzeit im Internetneuland oder auf einer Schmartfonapp anguckbar. Warum man das Ganze? Damit, so die FDP, der deutsche Wutbürger Preise vergleichen kann. Die Idee, die uns die Brüderle&Fipsi-Partei weismachen will: Man könne dank der Transparenz dann dort tanken wo´s billig ist. Das ist dann Markt und so und ganz doll und dann hat es die FDP den Benzinkonzernen gezeigt und was für den kleinen Mann getan und überhaupt, könnt ihr uns bei der Bundestagswahl dann bitte, bitte wieder über die 5%-Hürde hieven?

Das ist natürlich Quatsch. Allein die nötige Zeit für Preisvergleiche und zusätzliche Wegstrecken richtet volkswirtschaftlichen Schaden an. Schon im ländlichen Raum ist Auswahl zudem nicht möglich, weil eben nicht an jeder Ecke eine Tankstelle ist, sondern die gerne mal 10 Kilometer auseinanderliegen. Der Blödsinn erinnert mich ein wenig an meinen Vater, der stets zu der Tankstelle fuhr, bei der der Sprit einen zehntelpfenig billger war. Dooferweise war die 25 Kilometer entfernt. Und er fuhr da mit seiner 10-Liter-auf-hundert-Kilometer-Karre 25 Kilometer hin. Aber hey, gespart ist gespart, oder?

Also alles Dumfug mit dieser Meldestelle? Mitnichten. Ihre Klientel, die Unternehmer, hat de FDP gut bedient. Was war es früher doch aufwendig, zweimal am Tag den Praktikanten loszuschicken, damit der bei den Tankstellen im Umkreis guckt, ob nicht schon wieder eine die Preise erhöht hat, damit man mitziehen kann. Das kann man sich in Zukunft sparen. Dank Internet muss kein Aushilfstankwart mehr auf dem Fahrrad die Nachbarschaft abfahren. Man kann jetzt ja bequem in Echtzeit die Preise der Konkurrenz abfragen und dann die eigenen Anpassen. SChon ironisch: Das, was die Kartellbehörde seit Jahrzehnten zu beweisen versucht, nämlich es Werkzeuge gibt, mit denen die Mineralölkonzerne Preise abstimmen und auch die Tankstellen sich einander anpassen, dieses Werkzeug hat unsere Politik nun geschaffen und öffentlich und legal zur Verfügung gestellt. Dafür will die FDP gewählt werden. Na denn.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 13. September 2013 in Betrachtung, Politik

 

6 Antworten zu “Tankstellentransparenz

  1. Ferienhaus Schwarzwald

    13. September 2013 at 09:47

    Ich wohne in der Stadt. Gefühlt habe ich so 10 Tankstellen im 3 km Radius. Nun habe ich mir tatsächlich die “mehr tanken“ App installiert. Beim nächsten tanken werde ich rein schauen, welche Tankstelle ich anfahren sollte. Natürlich könnten die jetzt alle den gleichen Preis habe … werden sie aber nicht! Daher meine Vorhersage: wo es eine ausreichende Anzahl Tankstellen gibt wird das ganze funktionieren und damit einen spürbaren Effekt. Im Moment sind bei meiner Tankstellenauswahl immer mindesten 5 Cent/Liter Unterschied drin.

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  2. zimtapfel

    13. September 2013 at 10:31

    Zum Glück fahre ich mittlerweile so selten Auto, das es mir relativ egal sein kann, ob der Sprit an der Tankstelle, an der ich als nächstes vorbeikomme, den Bruchteil eines Cents teurer oder billiger ist als an der nächsten oder übernächsten Tankstelle. Also wenn der Tank alle zwei bis drei Monate mal leer ist.
    Und ansonsten sitze ich in meinem HVV, lehne mich bequem zurück und lasse fahren. Herrlich!

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  3. Silencer

    13. September 2013 at 14:29

    Ferienhaus: 5 Cent? Cool. Behalte mal im Auge, ob sich das nivelliert.

    Zimt: Sowas wie den HVV hätte ich hier auch gerne 🙂

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  4. Rufus

    13. September 2013 at 14:36

    Da waren wir ja glatt mal voraus. Unsere e-control hat schon seit ein paar Jahren einen http://www.spritpreisrechner.at 🙂

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  5. damnzzr

    14. September 2013 at 17:43

    Rufus, genau!
    Und damit die Konkurrenz immernoch den Praktikanten losschicken muss, werden nur die 5 billigsten im jeweiligen Bezirk angezeigt. So macht man das! Und natürlich fährt man nicht zu der billigsten Tankstelle, sondern zu der billigsten, die gerade auf dem Arbeitsweg oder sonst einem Weg liegt.

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  6. noch ein Markus

    14. September 2013 at 18:19

    das ist was für den früheren Nachbarn der im Wal-mart (ja, es ist lang her) Heftchen gesehen hat das der Joghurt da 5 Cent billiger ist und der deshalb 30 km vom letzten Dorf nach K-Porz gefahren ist um da 5 Becher zu kaufen.
    und 3 Stunden unterwegs war weil er nur irgendwie Samstag mittags zur besten und überfülltesten Supermarkt-Einkaufs-Zeit Zeit hatte dahin zu fahren.
    wobei, der lebt ja gar nicht mehr.
    wirklich lange her.
    :/

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