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Momentaufnahme: November 2013

28 Nov

Herr Silencer im November 2013
Es. Schneit.

Wetter: Bis Mitte des Monats für Novemberverhältnisse recht mild, bei Temperaturen bis 10 Grad. Dann kurz Schnee, ab dem 20. knackig kalt mit Temperaturen von bis zu minus fünf Grad.
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Lesen:

Oliver Bowden Black Flag [Kindle Edition] Die Vorgeschichte zum Spiel: Eward Kenway wächst Anfang des 18. Jahrhunderts als Sohn eines Schafsfarmers in Wales auf. Er verliebt sich in die gutbürgerliche Caroline, und um der ein besseres Leben zu bieten wird er Freibeuter.
– Es überrascht mich immer wieder, wie viel und in welch hoher Qualität Bowden um die Spielstories noch herumstricken kann. Da die Story im Game sehr löcherig ist, ist dieses Buch ein Muss, um Motivationen und Personen zu verstehen. Leider, möchte man sagen – das sollte nicht nötig sein. Das Buch ist flockig geschrieben, spielt mit historischer Fiktion herum und hat recht wenig mit Assassinen und Templern zu tun. Edward geht es schließlich nicht um Freiheit oder irgendwelche anderen abstrakten Werte – ihm geht es um Gold.

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Hören:

The Corrs Alle Alben [MP3]
Ich mochte die irische Geschwisterband mit dem überproportionalen Anteil an heißen Schwestern schon immer, habe aber nie ein Album von ihnen besessen. Jetzt gab es alle fünf Studioalben auf einmal für wenig Geld, da konnte ich nicht widerstehen.

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Sehen:

Pacific Rim [BluRay]
Große Ungeheuer klettern aus dem Meer und fressen Städte auf. Das einzige was der Menschheit einfällt: Turmhohe Roboter bauen und sich mit den Monstern prügeln.
– Die Grundidee ist total Banane, aber letztlich auch egal – die Umsetzung der riesigen Roboter und der ekligen Monster ist super, da fallen selbst die Abziehbildcharaktere oder der Storyschwachsinn nicht auf. Zudem ist -anders als etwas „Transformers“- alles so gefilmt, dass man der Action auch folgen kann und wirklich alles episch wirkt. So gut unterhalten fühlte ich mich im Krachwumm-Genre schon lange nicht mehr!

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Spielen:

Assassins Creed IV: Black Flag [XBOX 360]
Assassinen und Templer im Piratensetting? Da war ich doch sehr skeptisch. Tatsächlich wird der epische Konflikt der beiden klandestinen Parteien in „Black Flag“ gar nicht ausgeführt. Edward Kenway klaut einem abtrünnigen Assassinen die Uniform, Peng. Das war´s fast schon. Assassinen kommen im Spiel nur als verschrobene Eingeborene mit Mönchskapuzen vor, die Templer als ebenso gepuderte wie blasierte Spassbremsen ohne jede Gefährlichkeit. Die Story um Edward ist bestenfalls löcherig und mit so großen Sprüngen und so knapp erzählt, dass sie kaum Sinn ergibt.

Machen wir uns nichts vor, „Black Flag“ ist ein Reboot der Serie. Weg vom storygetriebenen Actionadventure aus Teil II, das mich zum Fan hat werden lassen, hin zu einem Open World Titel, bei dem die Welt der Rahmen ist und Handlung nur am Rande passiert. Das „Black Flag“ dennoch funktioniert und einen Heidenspaß macht, liegt an genau dieser Welt: Die Karibik des Jahres 1715 ist wunderschön und organisch, es gibt viel zu tun was sich gut einfügt und überhaupt: So detailverliebt hat man noch kein Seefahrtspiel erlebt. Wenn man mit seiner Brig zwischen den Inselchen rumsegelt und die Crew anfängt alte Shanties zu singen, wird um so schmerzhafter bewusst was „Assassins Creed III“ alles falsch gemacht hat. Der historische Teil funktioniert also, auch wenn ausgerechnet der so wichtige Teil der Erzählung schwach ist. Dabei ist die Geschichte eigentlich spannend, sie wird nur schlecht inszeniert.

Das durchwachsene Lob gilt leider nicht für die Gegenwart, die schlicht unterirdisch ist: Mit Desmonds Tod haben die Designer nicht nur zwei Handlungsstränge, sondern gleich eine ganze Interaktionsebene beerdigt. Der Spieler spielt nun in Egoperspektive einen namenlosen und stummen Angestellten von Abstergo, der die Erinnerungen von Desmond sichtet, auf der Suche nach Material für – ein Spiel.

WTF? Statt in der Gegenwart von Templern gejagt zu werden, läuft man nun im Schneckentempo und first Person durch Büroräume und lauscht Leuten mit französischem Akzent? Tatsächlich steht Abstergo im Spiel nun für Ubisoft und bringt im Spieluniversum selbst „Assassins Creed“ Spiele raus.

Klar, dass dieses, übrigens in „Liberation“ begonnene, Setting nicht für 5 Cent funktioniert – als Spieler WEISS man schon, dass Abstergo die Templer sind, auch wenn der Spielercharakter unwissend ist. Und man weiß ebenso, dass die „Assassins Creed“-Spiele, die im Spiel rumliegen, nicht die sein können, die man selbst gespielt hat. Ich fürchte, die Storyautoren haben sich hier keinen Gefallen getan – ich fürchte hier den „Lost“-Effekt, wo am Ende auch kein epischer Mindfuck stattfand, sondern lediglich deutlich wurde, dass die Autoren keine Ahnung hatten, wohin sie mit ihrem Storygerüst wollten. Zudem tut man sich NIE einen Gefallen, wenn man weit hergeholte Geschichten plötzlich selbst nicht mehr ernst nimmt. Die Grundprämisse von AC war immer die Zeitreise in das eigene genetische Gedächtnis und die inhärente Bedrohung durch übermächtige Templer – das wird hier einfach über Bord geschmissen, und durch etwas ersetzt, das wie eine schlechte Parodie wirkt.

Fazit: AC4 ist beileibe kein schlechtes Spiel, im Gegenteil, es macht eine Menge Spass und ist LANG. Aber es ist schlecht erzählt, und der übergreifende Handlungsbogen fährt gerade gegen die Wand.


Remember me [PS3]
Im Jahr 2064 trägt jeder Mensch eine Gedächtnisschnittstelle. Unliebsame Erinnerungen lässt man fix mal löschen, schöne Erinnerungen sind Handelsware. Nilin ist eine Erinnerungsjägerin und kann Erinnerungen anderer stehlen oder manipulieren. Bis sie eines Tages in der Todeszelle aufwacht, ohne zu wissen warum – weil ihr selbst jemand die Erinnerung gestohlen hat.

„Remember me“ ist in vielen Einzelheiten das großartigste Spiel diesen Jahres. Das Setting ist neu und unverbraucht. Die Story ist ein Mix aus Total Recall und Blade Runner, beginnt beklemmend und steigert sich ins Uber-epische. Das Artwork ist großartig und wurde eindeutig von Blade Runner, Matrix und Deus Ex inspiriert. Hier stimmt fast alles: Von der Gestaltung der Menüs über den Grafikstil bis hin zu den Texturen: Überall staunt das Auge. Allein wie Neo-Paris hier in Szene gesetzt wird, mit diesem Mix aus alter Bausubstanz und futuristischen Gebäuden, ist eine Augenweide.

Leider kann die Spielmechanik nicht mit der intelligenten Geschichte und der schönen Verpackung standhalten, mehr als ein wenig Hüpfen und Prügeln gibt es nicht zu tun. Spannend wird es dann, wenn Nilin in das Gedächtnis anderer Personen eingreift und deren Erinnerungen verändert, was sich unmittelbar auf das Verhalten der Person in der Gegenwart ausübt. Die Resultate sind überaus interessant: Eine unbesiegbare Gegnerin wird durch veränderte Erinnerungen plötzlich zur Freundin, eine Misanthropin wird zur Wohltäterin, usw.

Pacing und Immersion werden leider dadurch aus dem Tritt gebracht, dass das Spiel einen Overhead aus Optionen mitbringt und in den ersten Spielstunden alle zwei Minuten etwas neues einführt. „Remember me“ benimmt sich dabei wie ein ADHS-Kind im Spielwarenladen, das einem tausend Sachen gleichzeitig zeigen will. Manchmal möchte man nur rufen „Jetzt lass mich endlich in Ruhe und mich erst einmal eine Sache vernünftig lernen“. Dann aber wird das Spiel muksch, was man auch merkt: Die Kämpfe sind mitunter viel zu lang und nervig schwer, aber immer machbar. Lohnend ist das Game aber allemal, selten fühlt man sich nach dem Ende der Geschichte so zufriedengestellt.

Tip: Playstation Plus-Abonenten erhalten „Remember Me“ im Moment kostenlos. Oder andersherum: Ein Jahr Playstation Plus, bei dem man alle paar Wochen kostenlose Spiele bekommt, kostet genauso viel wie „Remember me“ auf dem Gebrauchtmarkt.

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Machen: Nicht wirklich viel, kurz vor Jahresende steht halt viel Arbeit an. Außerdem macht sich winterschlafmäßige Unlust breit.

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Neues Spielzeug: Ein neuer, großer Rucksack, der gleichzeitig auch Reisetasche ist. Musste sein, beim Alten platzen die Schnallen weg.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
3 Kommentare

Verfasst von - 28. November 2013 in Momentaufnahme

 

3 Antworten zu “Momentaufnahme: November 2013

  1. Katja

    28. November 2013 at 12:44

    Irgendwie beruhigt mich gerade der Schnipsel, den du da über Lost schreibst – auch wenn es darum ja gar nicht ging. Irgendwann, ich glaube gegen Ende der zweiten Staffel haben wir aufgegeben, mit der Option vielleicht irgendwann mal weiterzuschauen. Deswegen hatte ich immer noch brav einen Bogen um alles gemacht, was spoilern könnte, aber es ist dann doch beruhigend mal zu lesen, dass es sich nicht unbedingt lohnen würde. Gibt ja so viele Serien, in denen man die Zeit unterhaltsamer versenken kann…

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  2. Silencer

    29. November 2013 at 08:46

    Ja, Lost ist irgendwie… unbefriedigend gewesen. Nach dem ganzen Rumgejazze in den vier Staffeln zuvor wurde recht wenig am Ende geklärt, und die Auflösung lag doch ziemlich auf der Hand. Gegen das, was echte Fans in den Foren an Theorien entwickelt hatten, war es dann in der Tat banal. Schlimmer war nur noch Akte X: Das haben alle geliebt in den 90ern, alle haben mitgefiebert, und dann lief die Serie dermaßen viel zu lange, dass keiner mehr das Ende sah. Zumindest kann sich niemand dran erinnern wie sie endet.

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  3. ckater

    29. November 2013 at 17:31

    Doch, hab die letzte Folge (oder das Ende davon) gesehen, Mulder steigt in ein Raumschiff (ernsthaft)…

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