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Buona Befana!

06 Jan

Andere Länder, andere Sitten. In Neapel zum Beispiel, ist man völlig verrückt nach Rumböllerei. Aber nicht gekauftes Knallkram, Che Mancherebbe, das fehlte noch. Wie anderswo das Keksebacken zum Weihnachtsfest gehört, gehört es in Neapel zu Silvester dazu, selbst aus Sprengstoff Böller zu mischen. Dabei kommt Zeugs heraus, dass jedes Jahr bis zu 100 Menschen das Leben kostet.

Andere Regionen Italiens lassen es da ruhiger angehen, hier Silvester nicht so wild. Und bis vor einigen Jahrzehnten spielten auch Heiligabend und Weihnachten keine große Rolle. Stattdessen wurde die Befana gefeiert. Befana, das ist eine alte Frau, bei der eines Abends drei Wanderer klopften. Sie liess sie bei sich übernachten, und als die drei am nächsten Morgen weiterziehen wollten, luden sie Befana ein mitzukommen. Sie wollten zur Geburt eines Kindes reisen, dass etwas ganz besonderes sein sollte. Aber Befana war eine fleissige Alte Frau, die nur an ihre Pflichten dachte, und lehnte deshalb ab. Als sie am Abend des langen Arbeitstages vor ihrem Häuschen stand, sah sie einen geschweiften Stern am Himmel. Sie nahm das als Zeichen und überlegte es sich anders. Schnell packte sie ein paar Süßigkeiten, die sie gerade gebacken hatte, als Geschenk zur Geburt ein, dann schwang sie sich auf ihren Besen und flog über die Wälder. Befana war nämlich eine Hexe.

Aber im Dunkel fand sie den Stall nicht, der der Geburtsort des Kindes sein sollte. Eine ganze Nacht flog sie über das Land, aber ohne erfolg. Sie fand weder den Stall, noch das Kind oder die drei Weisen aus dem Morgenland, dass waren die Männer nämlich gewesen, wieder. In ihrer Verzweiflung kletterte Befana am Ende einfach bei jedem Haus, in dem Kinder wohnten, durch den Kamin und hinterliess dort Süßigkeiten. Und das macht sie seitdem jedes Jahr in der Nacht vom 05. auf den 06. Januar, wobei sie mittlerweile differenziert: Brave Kinder bekommen Süßigkeiten, unartige ein Stück Kohle. Das nutzen manche Zuckerbäcker aus und versuchen Süßigkeiten in Form von Kohle zu verkaufen. Vermutlich waren die früher selbst unartige Kinder.

Es gibt verschiedene Varianten der Befana-Legende, aber die obige gefällt mir persönlich am Besten. Angeblich geht Befana auf die römische Göttin des Jahresendes und ihr Name auf Epiphanias, die Erlösung, zurück, aber wo auch immer die Anfänge liegen: Ich finde es bemerkenswert, dass es schon Jahrhunderte vor dem Weihnachtsmann eine anthropomorphe Personifizierung des Jahresendes in Einheit mit der Christussage gab. Und dass auch noch in weiblicher Form. Wie unfassbar viel sexier ist das als ein dicker alter Mann mit weißem Bart? Hätten die Werbefuzzis von Coca-Cola in den 1930er, als sie Santa Claus erfanden, von Befana gewusst, würde unser Weihnachtmaskottchen jetzt so aussehen:


befane

 
3 Kommentare

Verfasst von - 6. Januar 2014 in Historische Anekdoten, Kurz notiert

 

3 Antworten zu “Buona Befana!

  1. Leandrah

    7. Januar 2014 at 09:39

    Befana ist aber wirklich eine alte Frau gewesen und dein Bild zeigt wieder eine amerikanische Version. Ich denke selbst eine italienische Form der Befana in einen neuem Look der heutigen Zeit würde immer eine Frau mit Stil zeigen. Denn wie schon in deinen Bericht über Rom die Römerin ist immer eine Klasse für sich da kann sich keine andere europäische Frau mit messen. Und von den hochgestylten,gespritzten Amerikanerinnen schon gar nicht..
    Aber ganz ehrlich den Film das Wunder von Manhattan sehe ich immer wieder gern auch wenn die Tränen nur so purzeln

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  2. Silencer

    7. Januar 2014 at 09:44

    Ganz genau, es ist eine amerikanische Version. Wie gechrieben: „Was wäre, wenn Coca Cola die Figur als Werbeträger auserkoren hätte, und nicht den Nikolaus“ 😉

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  3. Rufus

    7. Januar 2014 at 14:12

    Ich bin streng genommen auch ein Kind und was für ein braves noch dazu. Aber süßes ist bei mir gestern in der Früh nicht angekommen. Dabei wäre DIE wirklich süß… 😉

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