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Huhus Geschichte (11)

07 Jan

In den kommenden Wochen beschattete Huhu den anderen Huhu immer wieder. Er selbst hatte sich ein Versteck über dem Maschinenraum des Blogs, in der Nähe des Internetanschlusses, gesucht. Den Ort mochte er nicht besonders, aber wenigstens kam dort nie jemand hin. In seine eigene Wohnung konnte er nicht, denn hinter dem Kommentarkasten hatte sich der andere einquartiert. Zumindest kam er sporadisch dort vorbei.

Die meiste Zeit war er andere Huhu aber mit anderen Dingen beschäftigt, und immer wieder schlich Huhu dem anderen hinterher und beobachtete ihn aus sicherer Entfernung. Das der anderen den ganzen Jahresvorrat an Sternchenkeksen gestohlen und in dem ausgeweideten Buch versteckt hatte, war nur die Spitze des Eisbergs. Huhu sah, wie der andere Pinguin Reiszwecken in das Schlafnest des Wiesels streute, Silencers Autoschlüssel versteckte, die Heizung in der Nacht abdrehte, Socken versteckte, überall kleine Staubmäuse aussetzte und in Blumentöpfe pinkelte. Wenn Silencer tagsüber nicht da war, lag er die ganze Zeit vor dem Fernsehen und bestellte willkürlich Dinge aus Dauerwerbesendungen. Oder er schlich sich aus dem Haus und drang durch die Katzenklappe ins Nachbarhaus ein, wo er Stück für Stück den Fischstäbchenvorrat stahl, nicht ohne im Vorbeigehen die Katzen an den Schnurrhaaren zu ziepen. Auch im Blog trieb er sein Unwesen und streute überall Rechtschreibfehler ein, warf Händeweise Satzzeichen in Blogbeiträge und fummelte an den Einstellungen herum, bis die WordPress-Engine quietschte und spuckte.

Silencer und das Wiesel schienen von all dem nichts zu bemerken. Im Gegenteil, dass Wiesel hatte seinen Spaß daran, dass der andere Huhu offensichtlich gerne rangelte. Immer wieder wieder lauerte es ihm in einer Ecke auf, um ihn dann anzuspringen und mit ihm über den Boden zu kugeln. Ein paar Mal hatte es beim Lauern den echten Huhu, so dachte Huhu gerne von sich, erwischt. Er war so konzentriert bei der Verfolgung des anderen gewesen, dass er nicht drauf geachtet hatte, dass ein Kichern aus der Ecke kam. Und SCHWUPP, hatte das Wiesel ihn angesprungen. Im Gegensatz zum anderen Pinguin war Huhu jedes mal so erschrocken, dass er vor Schreck hintenüberfiel und sich dann vor Angst gar nicht mehr bewegen konnte.

Überhaupt schien der andere in nahezu allem das genaue Gegenteil von Huhu zu sein. Er tat Dinge, die Huhu niemals machen würde. Und WIE er sie tat, unterschied sich auch krass von dem was Huhu machte. Wo der andere beherzt an einem dünnen Kabel Meter tief vom Regal bis hinab zum Boden rutschte, starb Huhu er fast vor Höhenangst und brauchte dann Stunden, um mit dem Po voran und ganz langsam Stück für Stück hinabzuklettern. Wo der andere beim Überraschungsangriffen des Wiesels sofort konterte, fiel Huhu vor Schreck hintenüber. Während der andere bei den Nachbarn einbrach, traute sich Huhu nicht mal aus dem aus, weil er plötzlich Angst vor dem Draußen hatte. Die Liste hätte sich noch beliebig fortsetzenlassen, doch ganz besonders der letzte Punkt gab Huhu zu denken. Er hatte früher NIE Angst vor dem Draußen gehabt. Er mochte meist nicht rausgehen, weil es da nichts interessantes gab, aber er hatte nie so panische Angst gehabt. Oder diese Wieselrangelgeschichte. Jetzt fiel er vor Schrecken starr einfach um, während er früher das Wiesel einfach ignoriert hatte. Da war es wieder, dieses diffuse Gefühl irgendwas wichtiges verloren zu haben.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 7. Januar 2014 in Huhu

 

6 Antworten zu “Huhus Geschichte (11)

  1. Rufus

    7. Januar 2014 at 21:33

    Sag mal, hast Du am NaNoWriMo mitgemacht? 😉

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  2. Die Wunderbare Welt des Wissens

    7. Januar 2014 at 21:49

    Spaltung.Jaja. Sehr durchsichtig, das ganze. Ich fürchte, Huhu muss versuchen, seine Schattenseiten wieder zu integrieren.
    (Psychogemurmel)

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  3. Silencer

    7. Januar 2014 at 21:55

    NaNoWriMo mache ich an einem Wochenende 🙂

    WdW: *sigh*

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  4. Die Wunderbare Welt des Wissens

    7. Januar 2014 at 22:13

    „.. an einem Wochenende“ – jetzt sind Sie aber grausam 😦

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  5. Silencer

    7. Januar 2014 at 22:52

    Grausam und durchsichtig… Lustige Mischung: Zittert vor dem ….TRANSPARENTEN!
    (BTW, ganz so einfach ist es dann doch nicht)

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  6. psychoqueen

    8. Januar 2014 at 12:33

    Oh oh oh je, herr je mienee. Immer diese Dramen und Traumata. Mensch Huhu wat machste denn nur, Schatz. Sieht mir fast aus wie eine Seelenanteilverlustigkeitsgeschichte 😀
    Huhu vll solltest du dich mal mit dem anderen Huhu treffen, auch wenn es dir nicht Sinnig erscheint, und dann mach doch mal mit ihm ein kleines Lagerfeuerchen und erzählt euch ein paar Geschichten von euch zwei beiden 😉 Wer weiß was bei rumkommt. :-*
    Ich drück euch beiden mal die Daumen.
    Und ihnen, Herr Silencer, wünsche ich, das alles gut geht. 😀

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