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Französisch & Ich

25 Feb

Ich war ein nicht sonderlich fleisssiger Schüler, zumindest in meiner Erinnerung. Ich tat halt das notwendige. Die meisten Anforderungen erreichte ich mit wenig Anstrengung, zwar meist nicht mit Spitzenergebnissen, aber so um die Note 2 oszillierend. Lediglich Schönschrift war ein echtes Problem, aber das gibt es ja nur in der Grundschule, also Wurst. Und dann traf ich eines Tages, in der 7. Klasse, aus meine Nemesis. FRANZÖSISCH. Ich weiß nicht mehr genau wann ich den Anschluß verloren habe, aber es muss so in der ersten oder zweiten Stunde gewesen sein. Plötzlich hatte ich in der Klassenarbeit eine 5. Die erste fünf meines Lebens! Ich war am Boden zerstört und investierte mal ein wenig Arbeitszeit in die merkwürdige Sprache, denn für mich war klar: Noch eine fünf, dass kommt nicht in Frage! Tatsächlich war die nächste Arbeit keine Fünf.
Es war eine Sechs.
Das muss man auch erstmal hinkriegen: So dermaßen zu versagen, in einem ganz neuen Fach, in dem man sich auf einem Niveau befindet, auf dem quasi nur „Frere Jaques“ gesungen und bis drei gezählt wird.

Leider ging es so weiter. Die nächste Klassenarbeit war wieder eine Steigerung (eine Fünf), aber das gab plötzlich eine Fünf AUF DEM ZEUGNIS! Ich konnte es nicht fassen. Französisch hatte mich degradiert, zerstört und ausgelacht.

Ich bekam Nachhilfe, von einer netten, alten Dame bei uns im Dorf, deren Wohnung nach dem Urin ihres inkontinenten Hundes stank. Zumindest hoffe ich, dass es der Urin des Hundes war. Mit ihrer Hilfe kam ich zumindest auf eine Vier im nächsten Zeugnis, das ansonsten nur aus Einsen, Zweien und einer Drei in Sport bestand und deshalb immer noch nach unten heraus stak. Französisch und ich, wir kamen nicht miteinander klar. Dabei wollte ich so gerne lernen, ich verstand bloß den ganzen Kram nicht. Das lag wohl auch daran, dass ich die deutschen Grammatikregeln nicht wirklich sicher drauf hatte (und bis heute nicht drauf habe) und daher auch keinen Transfer in eine andere Sprache leisten konnte.

In der 11. Klasse wechselte ich die Schule, und das erste was ich tun wollte, war, Französisch abzuwählen und mit Spanisch neu zu beginnen. Das wollte allerdings eine junge, ambitionierte und ziemlich blonde Französischlehrerin nicht. Sie bat mich, an ihrem Unterricht teilzunehmen und versprach mir, dass – wenn ich nur regelmäßig am Unterricht teilnehmen würde – Sie dafür sorgen würde, dass ich zumindest eine vier im Zeugnis hätte. Widerstrebend willigte ich ein.

In den folgenden zwei Jahren hatte ich tatsächlich sowas wie Spaß an Französisch. Also, jetzt nicht direkt Freude, aber es war auch kein teifes Leid mehr. Das lag an der Art der Lehrerin, aber auch daran, dass wir ein technisches Gymnasium waren, und dort die Ansprüche in den Sprachfächern geringer waren als auf dem Allgemeinbildenden. Die vier war da, aber sie war erarbeitet und nicht geschenkt. Trotzdem war ich froh als es vorbei war und ich in der 13. Französisch abwählen konnte.

Und jetzt? Jetzt will ich es noch einmal wissen. Deutschland hat dieses einzigartige System der Volkshochschulen. Nirgendwo auf der Welt ist es für Erwachsene einfacher und günstiger sich weiterzubilden. Die Anforderungen sind dabei ganz anders als in der Schule. Wo in der Schule Grammatik abgeprüft wurde und jeder kleine Fehler bestraft wurde, geht es in der Erwachsenenbildung darum, im Supermarkt einen Rettich zu kaufen oder im Hotel kund zu tun, dass der Wasserhahn tropft. Es geht um Verstehen und sich verständlich machen, und wenn mal eine Verbform nicht stimmt, wird man dafür nicht bestraft. Das wichtigste: Niemand ZWINGT mich dazu die Sprache zu lernen, ich bin dort, weil ich es will.*

Also komm, Französisch, jetzt will ich es nochmal wissen!

20140225-142035.jpg

——————————–
* Das Erwachsenenbildung auf Freiwilligkeit beruht, hatte die leicht verrückte Frau in meinem VHS-Kurs nicht verstanden, die in der ersten Stunde empört aufsprang und schrie „Sie können sich ihren Knoblauch sonstwohin stecken! Wieso soll ich im Supermarkt Knoblauch kaufen, den mag ich nichtmal, ich habe das alles hier nicht nötig“ und dann wutschnaubend den Raum verließ.

 
12 Kommentare

Verfasst von - 25. Februar 2014 in Historische Anekdoten

 

12 Antworten zu “Französisch & Ich

  1. zimtapfel

    25. Februar 2014 at 19:12

    Gaaaaah! Französisch und ich – ebenfalls eine Geschichte voller Missverständnisse.

    Ich habe dem ganzen an der Uni nochmal eine Chance gegeben, aber meinen zweiten Kursus am Sprachlehrzentrum dann mitten im Semester drangegeben, weil das lernen für VWL, Staatsrecht & Co dann doch etwas wichtiger war.

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  2. ssuchi

    25. Februar 2014 at 20:13

    Ich hatte glücklicherweise schon in der Probestunde Französisch den Anschluss verloren und konnte so gleich auf Latein wechseln. Das habe ich zwar direkt nach Ende der Schulzeit zu 100% vergessen, macht aber nix: wer kommt schon in die Verlegenheit auf Latein einen Rettich kaufen zu müssen. Und wenn der Aquädukt tropft ist das nicht kaputt, sondern antik. 😉

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  3. Rufus

    25. Februar 2014 at 21:27

    Und was ist aus der blonden Französin geworden? 😉

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  4. Leandrah

    26. Februar 2014 at 09:33

    Meine Tochter hatten wir weil Legasthenie vorlag, allerdings nur auf Rechtschreibung bezogen und eine Lernschwäche für das 1×1 auf ein Gymnasium mit Latein gegeben. In der ersten Latein stunde fragte der Lehrer warum eine Sprache die für viele ein tote Sprache darstellt – warum habt ihr nicht französisch gewählt. Meine Tochter erklärte ihre Gründe und der Lehrer hob die Augenbraue und sagte du hast Recht das ist wirklich ein sehr entscheidender Grund.

    Ein anderer meldete sich und sagte er lernt Latein, weil französisch schwul klingt.

    Meine Tochter hat es nicht bereut Latein gelernt zu haben. Hatte aber zwischenzeitlich einen franz. Freund, in dem Moment hat sie es bereut. Aber da sie jetzt einen russischen. Freund hat denke ich unsere Entscheidung war richtig

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  5. noch ein Markus

    26. Februar 2014 at 18:41

    ich hatte mich am Ende der 7. Klasse mit meiner Französisch-Lehrerin darauf geeinigt das ich noch eine 4 auf dem Zeugnis bekomme und im der 8. Klasse ein anderes Fach, ich glaube SoWi oder was?, wähle. 🙂

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  6. Silencer

    26. Februar 2014 at 22:06

    Zimt: Da bin ich ja froh, dass es mir nicht alleine so geht 🙂

    Ssuchi: ROFL!

    Rufus: Die lehrt immer noch und hat sich von Schülern wie mir ihre positive Weltsicht nicht kaputt machen lassen.

    Leandrah: Wenn sie damit gut durch die Schule gekommen ist, war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung

    Markus: Wenn das mal bei mir gegangen wäre, ich hätte Französisch sofort gegen alles eingetauscht. Auch gegen ein paar Glasmurmeln.

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  7. ruediger

    9. März 2014 at 10:42

    Kryptonit auf französisch? 🙂 *scnr

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  8. Katja

    25. Juli 2014 at 23:09

    Und? Kannst du mittlerweile schon Rettiche unter tropfende Hotelwasserhähne halten? 🙂
    Und machst du weiter? Der erste Teil dürfte ja schon vorüber sein, wenn eure vhs-Intervalle einigermaßen mit unseren übereinstimmen.

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  9. Silencer

    25. Juli 2014 at 23:18

    Ich kann zumindest Rettiche bestellten und tropfende Wasserhähne reklamieren 🙂
    Das reicht für´s erste. es sind erstaunlich viele Vokabeln wiedergekommen. Im nächsten Semester geht es dann mit einer ganz neuen Sprache weiter 😀

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  10. Katja

    25. Juli 2014 at 23:23

    Wirfst du die nicht durcheinander?
    Mir fällt das unheimlich schwer, nicht durcheinanderzukommen. Nachdem ich letztes Jahr von der Woche Italien zurückwar, haben sich im Spanischkurs erst mal die wenigen Italienischbröckchen eingemogelt, die ich überhaupt kenne.
    Bei einem anderen aus dem Kurs reicht es, wenn bei unserem Reinkommen in den Kursraum (wir sind in einem Schulgebäude) noch Französischreste an der Tafel stehen, dass er die erste halbe Stunde dauernd französische Worte raushaut statt spanische. 😀

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  11. Silencer

    25. Juli 2014 at 23:33

    Doch, tue ich, und das war wirklich ein echtes Problem. Ich war im Sommer erst in Frankreich, dann in Spanien, dann in Italien. Es war fürchterlich, was in der ersten Woche in Italien aus mir rauskam… als wäre mein Kopf intern ganz falsch verdrahtet.

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  12. Katja

    25. Juli 2014 at 23:43

    Irgendwie ja beruhigend, dass dir das auch so geht. 😀
    Was ich daran so erstaunlich finde ich, dass eine Sprache, in der man wirklich nur ein paar Worte kennt, sich so hartnäckig in einer reinschummelt, die man seit Jahren lernt.
    Dafür geht es mir in Frankreich regelmäßig so, dass mir die Worte nur noch auf Spanisch einfallen, obwohl ich früher mal insgesamt 6 Jahre Französich gelernt habe.

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