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Motorradreise 2013 (12): Kochen mit Nonna Ciana

01 Mrz

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Im Juni 2013 waren Silencer und das Wiesel mit dem Motorrad unterwegs. 6.853 Kilometer, 22 Tage, mehr als 40 Orte. Dies ist das Tagebuch der LANGEN Reise. Am dreizehnten Tag wird es lecker. Und es gibt Impro-Comedy mit Caterina.

Freitag, 14. Juni 2013, Casa Brescia, Siena, Toskana

„Ein Motorrad muss bewegt werden. Wenn ich es nicht fahre, dann brauche ich es mir nicht hinstellen, sondern kaufe mir ein Auto“, sagt Enno und malt zur Bekräftigung mit beiden Armen Kreise in die Luft. Recht hat er. Wir unterhalten uns auf Englisch im Frühstücksraum des Casa Brescia, während Stefano eifrig einen Caffé nach dem nächsten zubereitet und Brot für seine Gäste toastet. Enno ist vielleicht Ende 40, Anfang 50. Ich kann Leute, die älter sind als ich, nie gut einschätzen. Enno kommt aus Finnland und will mit seiner Harley am Treffen zur Feier des 110. Firmenjubiläums teilnehmen, das an diesem Wochenende in Rom stattfindet. Eine Sternfahrt… das erklärt das viele Altmetall aus Milwaukee, dass ich in den letzten Tagen auf und neben den Straßen gesehen habe.

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„Ein Motorrad muss fahren“, sage ich, „Aber Harley? Wirklich?“ Enno blickt auf und lächelt, er weiß schon worauf ich hinaus will. „In Deutschland“, fahre ich fort, „sagen wir immer: Nur Zahnärzte fahren Harley. Aber nur Sonntags. Wenn das Wetter schön ist. Und dann auch nur bis zum nächsten Cafè und zurück. Längere Touren mit einer Harley… geht das überhaupt, ohne dass ein Werkstattwagen nebenherfährt?“ Ich gucke ihn an und grinse, aber der Finne lässt sich nicht provozieren, sondern nickt. „Das Problem“, sagt er, „ist tatsächlich, dass sich viele Leute eine Harley als Schmuck kaufen und dann mit Customizing anfangen. Hier was am Motor machen, da den Auspuff ausbohren, hier noch was aus Chrom dranschrauben, dort andere Federn. Und dieser Drittanbieter-Mist, dass sind dann genau die Teile die kaputt gehen. Kaufe eine Harley von der Stange, so wie die Ingenieure sie entworfen haben, und sie hält ewig. Ich habe drei Maschinen, und mit jeder bin ich viele Tausend Kilometer ohne Panne gefahren. Mit der da draußen insgesamt 220.000 Kilometer.“
Alter Finne, denke ich bewundernd. 220.000 Kilometer? Fünfeinhalb Mal um die Erde? Himmel!

„Nur German Autobahn, die ist nicht gut“, sagt Enno und grummelt, „Schwarze Autos, ohne Licht, aus dem Nichts, viel zu schnell, sehr gefährlich“. „Ja, wir nennen die Passats“, sage ich.
Enno will heute nach Rom, dann weiter nach Neapel, dann mit der Fähre nach Sardinien und schließlich über Korsika und Deutschland zurück nach Finnland. Auch er ist drei Wochen unterwegs, allein. Mag er das Alleinreisen? „Wenn ich mit meinen Freunden fahre, dann wollen die jeden Abend in die Kneipe und kommen morgens nicht aus dem Bett und meckern auch noch rum, wenn ich aufbrechen will. In die Kneipe kann ich auch zu Hause! Ich reise doch, um was zu sehen, oder?“
Allerdings. Genau meine Einstellung. Mit mehreren Leute reisen bedeutet immer Kompromisse einzugehen, und wenn man sich damit nicht wohl fühlt, dann ist es besser, man ist allein unterwegs. Enno ist mir sympathisch, und das OBWOHL er Harley fährt.

Ich verabschiede mich von Enno, als der dritte Biker, der heute die Nacht im Casa Brescia verbracht hat, um die Ecke kommt. Er ist ebenfalls einem Harleyfahrer, aber einer von der Zahnarztfraktion, der mit seinem kleinen Sohn auf der Rückbank und in Shorts, T-Shirt, Badeschlappen und Halbschalenhelmen durch die Gegend fährt. Enno und ich sehen uns an, ziehen wortlos die Augenbrauen hoch und gehen zu unseren Maschinen.

Tagestour: Von Siena nach Norden bis San Gimignano und am Abend nach Montaperti im Süden. Insgesamt ca. 130 Kilometer.

Tagestour: Von Siena nach Norden bis San Gimignano und am Abend nach Montaperti im Süden. Insgesamt ca. 130 Kilometer.

Wenig später singt die Kawasaki über den Asphalt einer breit ausgebauten Strasse nördlich von Siena. Durch grüne Hügel geht es nach San Gimignano.

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In der mittelalterlichen Stadt mit ihren hohen Geschlechtertürmen war ich schon mal, aber nur für einen kurzen Rundblick. Heute möchte ich ein wenig mehr sehen. Ich stelle die Renaissance auf einem Parkplatz außerhalb der Stadtmauer ab und gehe zu Fuß weiter. Obwohl es erst halb Elf ist tummeln sich bereits überall Touristen in den Straßen. Das erklärt die große Anzahl an, völlig untypisch dahinschleichenden, Wagen auf der Landstraße: Das sind Mietwagen mit Touris an Bord!

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Mitten in San Gimignano gibt es zwei besondere Dinge: Den Torre Grossa, auf den ich natürlich draufsteigen muss, einfach weil er da ist, und eine Eisdiele, die sich mit dem Titel „Zweimaliger Sieger beim Wettbewerb um das beste Eis der Welt“ schmückt. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Der Torre Grosso, der große Turm.

Der Torre Grosso, der große Turm.

Der Motorradanzug klebt mir am Körper, als ich Stufe um Stufe den Turm hinaufsteige. Warum mache ich das nochmal? Ach ja, weil der Turm bestiegen werden will, darum. Die letzten Meter sind nur was für sportliche Leute: Über eine Leiter erreicht man ein winziges Loch im Dach, durch das man sich quetschen muss. Mit meiner dicken Motorradjacke passe ich da kaum durch.

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Die Aussicht entlohnt aber für alles. Das Wiesel entdeckt die ewigen Raben, die in großen Schwärmen zwischen den Türmen herumflattern, was den mittelalterlichen Eindruck noch verstärkt.

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Als das Wiesel aber merkt wie hoch wir sind, will es lieber schnell wieder runter. Den Gefallen tue ich ihm aber nicht, denn von hier oben gibt es in jede Richtung Aussicht, die es gebührend zu würdigen gilt.

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Wieder auf dem Boden gibt es dann ein leckeres Eis mit so klangvollen Sorten wie Vernaccia Arancia, Terra di Siena, Ciocolata Bianco und Delizia.

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Das Gelato schmeckt fantastisch, es ist fett und reich und man muss es ganz schnell essen, denn die Temperatur ist geringer als alles, was in Deutschland verkauft wird. Meiner Meinung nach ist es trotzdem nur das zweitbeste Eis der Welt, das beste gibt es im „Il Porticciolo“ in Levanto.

Das Eis wollte dringend aufgegessen werden, zum Fotografieren blieb da keine Zeit. Aber die freundliche Schildkröte auf dem Eislöffel konnte ich noch ablichten.

Das Eis wollte dringend aufgegessen werden, zum Fotografieren blieb da keine Zeit. Aber die freundliche Schildkröte auf dem Eislöffel konnte ich noch ablichten.

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Über meine Eisesserei ist es Mittag geworden, und die Museen, für die ich ein Kombititcket habe, sind nun geschlossen und machen erst spät wieder auf. Also fahre ich lieber nach Monteriggioni, meinem Lieblingsort in der Toskana. Das kleine Festungsdörfchen blickt auch in der Mittagshitze erhaben von seinem Hügel hinab.

Monterrigionikarte

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Ich steige hinauf und kann mir ein Grinsen vor Freude, wieder hier zu sein, nicht aus dem Gesicht wischen. Ich warte ab bis eine Gruppe britischer Renter ihr Gruppenfoto gemacht hat, dann sehe ich in der Mauerspalte nach, ob der Stein noch da ist, den ich letzten Jahr dort hineingeklemmt habe.

Ist er leider nicht, aber das war zu erwarten. Ich kaufe eine Flasche Wein, dann mache ich mich auf den Weg zurück zum Casa Brescia. Es ist knallig heiß, und vor meiner nächsten Verabredung muss ich duschen, dringend.

Zwei Stunden später, gegen 16.00 Uhr, braust die Kawasaki über das verwirrende Netz von Stadtautobahnen, sicher geleitet von einem Navigationsgerät, das ohne Mucken auflädt, sich brav mit dem Helm verbindet, Anweisungen eindeutig und rechtzeitig gibt und schon den ganzen Tag keinen Mordversuch mehr unternommen hat. Sogar die Stimme klingt irgendwie freundlicher. Geht doch, ARSCHLOCH.

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Nach wenigen Kilometer Strada Statale fädelt das Motorrad aus, biegt in eine Landstraße ein und rollt durch grüne Wiesen links und rechts, nur um plötzlich abrupt auf einen Feldweg auszuscheren, der nach wenigen geteerten Metern in Schotter übergeht und sich halbmondförmig und mit starkem Gefälle eine Böschung hinabschraubt. Hier rutscht die Maschine mehr mit blockiertem Hinterrad hinab als sie wirklich fährt, dann geht es einen Kilometer Schotterweg plain geradeaus. Auch hier bricht mir ab und zu das Hinterrad nach links und rechts aus, aber das schockt mich nicht. Nicht mehr. Nach dem Erlebnis auf dem Höllenweg ist das hier alles ein Piece of Cake, eine Kleinigkeit.

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Das Motorrad zieht eine weiße Staubwolke hinter sich her, die lange über den Feldern steht und in der heißen Luft nur langsam verweht. Der Weg endet an einem Haus, das am Fuße des Hügels von Montaperti liegt. Davor spenden Bäume Schatten in einem gepflegten Garten.

Unter den Bäumen stehen Sessel aus wettergegerbtem Holz. In einem sitzt eine Dame und liest in einem Buch. Sie ist bestimmt schon Anfang Siebzig und elegant gekleidet. Sie trägt schweren, goldenen Schmuck und eine Lesebrille an einer Goldkette. Als ich über den Kies auf sie zugehe, blickt sie auf. „Nonna Ciana“, sage ich. Es ist keine Frage, vielmehr eine Feststellung. Sie nickt und klappt das Buch zu. „Ich habe dich erwartet“, sagt sie.

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Die Geschichte von Montaperti
An einem Donnerstag Morgen im Jahr 1260 standen sich die Heere der Länder Siena und Florenz gegenüber, direkt am Fuß des Hügels von Montaperti. Die beiden Staaten beulten sich ständig, ein Ausdruck unterschiedlicher wirtschaftlicher und politischer Ansichten. Aber das hier, das war der Showdown. Die Endschlacht. Das Ergebnis langer Planung. Über Jahre hatte Florenz kleine Revolten in Sienesischen Provinzen angezettelt und den Konflikt am Gären gehalten. Das hier war der Höhepunkt, die Entscheidungsschlacht, in der Siena ausgelöscht werden sollte. Zahlenmäßig waren die ghibellinischen Truppen Sienas den Guelfenverbänden von Florenz weit unterlegen. Für Siena kämpften rund 19.800 Soldaten, die Hälfte davon deutsche Söldner, für Florenz traten mehr als 33.000 Krieger an. Am Ende des Tages gewann jedoch das Herr von Siena – zeitgenössischen Quellen zufolge verloren sie nur 400 Mann, während 10.000 Guelfen fielen und 15.000 in Gefangenschaft gerieten. Durch die Schlacht von Montaperti war die Expansion von Florenz nach Süden gestoppt, und erst 300 Jahre später fiel Siena in die Hände der Florentiner.

Heute erinnert an die Schlacht von Montaperti noch ein pyramidenförmiger Gedenkstein auf der Spitze des Hügels, der selbst wie ein Denkmal aus der Grasebene heraussticht. Am Fuße des Hügels liegt ein Bauernhaus. Hier wird noch, wie so oft in dieser Region, viel per Hand gemacht. Der eigene Mostarda, der eigene Wein. Der Pecorino kommt vom Nachbarn. Im Untergeschoss des hellbraunen Ziegelbaus ist eine Gaststube eingerichtet, die nur an wenigen Tagen in der Woche für einige Stunden offen hat. Es ist das Haus von Nonna Ciana.
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Ich hänge meine Jacke über einen der Gartensessel und stelle mich anständig vor. Nonna Ciana lächelt mich über den Rand einer goldenen Brille an und erwidert „Du glaubst gar nicht, wie lange ich schon auf jemanden warte, der italienisch spricht.“ Ich wehre ab und sage, dass ich das eigentlich nicht wirklich kann. Aber es reicht um mich mit ihr zu verständigen, ohne Hände und Füße, und sogar für mehr als ich dachte, wie ich in den folgenden Stunden herausfinde.

Eine weiße Staubwolke kommt den Weg entlang und stellt sich als Auto heraus, dass neben der Kawasaki einparkt und aus dem eine große, dunkelhäutige Frau und ein hagerer Mann mit abstehenden Ohren austeigen. Zoe und Jim, aus London. Die beiden sprechen nur englisch, Nonna Ciana nur italienisch. Ich muss übersetzen, und erstaunlicherweise bekomme ich das so gut hin, dass zwischen uns vieren ein Gespräch stattfindet.

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Dann taucht eine neue Staubwolke am Horizont auf, und über den Feldweg pflügt ein Mietwagen, der eine vierköpfige Familie aus Michigan ausspuckt. Auch jetzt kann ich übersetzen. Im Englischen bin ich absolut sicher, auch wenn ich in meinem Alltag nicht viel Gelegenheit zur Konversation habe, und obwohl ich Probleme habe selbst italienisch zu reden: Verstehen tue ich viel, und lesen kann ich nahezu alles.

Nonna Ciana hat mittlerweile ein Smartphone aus ihrem Lacoste-Cardigan gezogen und telefoniert ruhig, aber mit strenger Stimme. Dann seufzt sie und sagt „Wir müssen noch warten. Auf Caterina. Die Übersetzerin.“ Wir vertreiben uns die Zeit mit Plauderei.

Eine Staubwolke später kommt eine weitere Gruppe Amerikaner an, dann noch eine Staubwolke mit Australiern. Nonna Ciana stellt Fragen und erzählt aus ihrem Leben, ich übersetze vom Italienischen ins Englische und wieder zurück. Dann kommt eine vierte Staubwolke den Weg entlang. Ein Geländewagen kommt mit einer Vollbremsung mitten in der Einfahrt zum stehen. Die Tür öffnet sich, und ein highheelbewehrter Fuß am Ende eines schier endlosen Beines wird auf den Kies gesetzt. Nach einem zweiten Endlosbein folgt eine schlanke Frau mit wallender, tiefschwarzer Mähne. Sofort erfüllt ihre Präsenz die ganze kleine Gemeinschaft unter den Bäumen. Sie ist eine herbe Schönheit, die ihre Ausstrahlung weniger aus ihrem Äußeren zieht, was an sich schon bemerkenswert genug ist, als vielmehr aus dem, was aus ihr heraus leuchtet: Schalk, Humor, Lebensfreude. Sie sieht uns an, einen nach dem anderen, aus intensiven, tiefbraunen Augen. Dann lacht sie ein perlendes Lachen und ruft in die Runde: „Nun guckt nicht so! Caterina ist da, jetzt können wir anfangen!“ Nonna Ciana lächelt und sagt: „Und Valeria. Danke, dass Du kommen konntest“ hinter der überpräsenten Caterina lugt eine ältere, kleine Dame in einem Snoopy-T-Shirt hervor und lächelt scheu.

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Im ersten Stock des Hauses sich die Wohnung von Nonna Ciana, komplett mit einer Eingangshalle, einem Wohnzimmer mit hoher Decke, einem Kinderzimmer und einer, für deutsche Verhältnisse, riesigen Küche. Um diese Küche wird sich heute alles drehen, denn die Australier, Briten, Amerikaner und der Deutsche sind heute hier, um etwas über die Grundlagen der toskanischen Küche zu lernen.

"Nonna" Ciana. Sie ist eigentlich nicht wirklich Oma, strahlt aber etwas ruhiges und gemütliches aus.

„Nonna“ Ciana. Sie ist eigentlich nicht wirklich Oma, strahlt aber etwas ruhiges und gemütliches aus.

Das passiert dann auch. Nonna Ciana erklärt auf italienisch was sie tut, Caterina und Valeria übersetzen ins Englische. Wir versammeln uns um den großen Küchentisch und lernen, wie man für fast 20 Personen, so groß ist unsere Gruppe, Tagliatelle mit Gemüse, Ravioli mit Spinat-Ricottafüllung, Chicken Marsalla und Ricottakuchen mit Erdbeersoße macht. Gerade Ravioli sind übrigens irre aufwendig. Der Pastateig wird durch eine kleine Walze gedreht, immer wieder, bis er zu einer Hauchdünnen Bahn geworden ist. Dann wird die Füllung in Kleksen aufgetragen und mit einer zweiten Bahn zugedeckt und dann mit einem Messerrad zertrennt. Das dauert ewig, selbst wenn man Übung hat. Ich sehe selbstgemachte Pata plötzlich mit anderen Augen, jetzt, wo ich weiß wieviel Arbeit darin steckt.

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Und hey, haben wir einen Spaß dabei. Das lieg nicht zuletzt an dem Zusammenspiel zwischen Nonna Ciana, die die ernste Lehrerin gibt, und Caterina, die sich sofort in sexy Posen wirft, wenn sie eine Kamera klicke hört, so viel von der Ricottafüllung klaut das Nonna Ciana sie mit dem Kochlöffel verfolgt oder schlicht einfach manchmal das Gegenteil von dem tut, was sie toternst behauptet. Eine Live-Impro-Comedy-Kochshow vom Feinsten.

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Den ganzen Nachmittag und den Abend rühren, walzen, kneten und schnippeln wir in der Küche des toskanischen Landhauses, während goldenes Licht durch die Fenster scheint und alles unwirklich gemütlich, romantisch und vertraut macht. Dieses Erlebnis, dieses gemeiname Zubereiten einer gemeinsamen Mahlzeit, in dieser Küche, bringt Menschen aus allen Teilen der Welt zusammen.

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Natürlich nicht ohne Holprigkeiten. Ich werde mehrfach von Nonna aufgefordert etwas als erster zu tun, im Wechsel mit einem kleinen Asiaten, den sie „MikiamoBente“ nennt, einfach weil es lustig ist und sie sich unsere Namen merken konnte. Einmal höre ich hinter mir die Stimme, der Frau, die aussieht wie die Präsidentin aus „24“, die einem Amerikaner zuraunt: „He is from germany, but he speaks a little italian. He translated everything“, worauf der Mann zurückdröhnt „Seems like everyone needs a good german, he?“
Ich bin leicht angesäuert, denn der Ausdruck „Good German“ wurde nach dem zweiten Weltkrieg für Mitläufer und Oportunisten verwendet und hoffe mal, dass „Call me Jeff“ entweder nicht weiß, was er da gerade gesagt hat, oder ein doppeldeutiges Wortspiel plus Ironie gemacht hat. Die Amerikanischen Männer sind ohnehin Spaßbremsen. Während die Präsidentin aus 24 und eine Frau, die aussieht wie Beverly Crusher aus Star Trek, großen Spaß beim Kochen haben, sitzen ihre Männer im Nebenraum, lassen sich mit Rotwein vollaufen und machen über alles dumme Sprüche. Sei´s drum, solche Leute kann ich gut ignorieren.

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Nach dem Kochen kommt das Essen. An einem langen Tisch verzehren wir das, was wir den ganzen Nachmittag zubereitet haben. Bruschetta, Marsalahuhn, Ravioli mit Spinat-Ricotta-Füllung. Der Koch des Restaurants nebenan bringt das Dessert vorbei, Panna Cotta mit Erdbeeren.

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Beim Essen plaudern wir vor uns hin. Die Amerikaner sind Meister im Socializing und freundlich wie immer, und fragen mich über meine Reise aus. In der Umkehr frage ich ich dafür, wie es ist, wenn man plötzlich in Italien Auto fährt, wenn man sonst die Straßen von Chicago oder Desmoines gewöhnt ist. „Horrible!“, ist die zu erwartende Auskunft, „awful! Everything is SO SMALL in europe!“. Dann wird das praktisch ebenfalls zu erwartende Thema der German Autobahn angerissen, und wie gut wir es doch haben. Ich rücke meinen Stuhl etwas näher an den Tisch, beuge mich vor und sage: „I will tell you something about german autobahn…“

Gruppenbild: Caterina, der Dessertbringer und Nonna Ciana.

Gruppenbild: Caterina, der Dessertbringer und Nonna Ciana.

Zwei zerstörte Lebensträume später umarmt mich Nonna Ciana und meint, wenn sie eines möchte, dann ist es, dass die Leute bei ihr ein Gefühl von Familie erfahren und mit nah Hause nehmen. Und möge bitte mitnehmen, dass ich jederzeit hier willkommen bin, wenn ich das möchte.

Caterina fällt mir ebenfalls um den Hals und flüstert mir ins Ohr „hier ist der Ort um Familien zu machen“ und selbst die schüchterne Valeria haucht mir links und recht ein Küßchen hin, und diesmal bringe ich die Reihenfolge nicht durcheinander.

Am bewölkten Himmel prangt ein Neumond , und vor dem Hintergrund der schwarzen Nacht sieht man keine Staubwolke mehr, als ich die Kawaski gegen kurz vor halb elf vom Backsteinhaus mit den warm erleuchteten Fenstern wegsteuere, das mir plötzlich was bedeutet.

Und hier der Tag bei Nonna Ciana im Bewegtbild. Darin erläutert Caterina den Unterschied zwischen früher und heute. Heute sind Frauen berufstätig und stehen nicht den ganzen Tag in der Küche, deshalb gibt es selbst gemachte Pasta auch in Italien nur noch an Feiertagen.

Zurück zu Teil 11: Wieselwunder auf der Wunderwiese
Weiter zu Teil Teil 13: Florenz verkehrt rum

Bonusmaterial: Die Rezepte

 
2 Kommentare

Verfasst von - 1. März 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

2 Antworten zu “Motorradreise 2013 (12): Kochen mit Nonna Ciana

  1. ckater

    1. März 2014 at 09:13

    Witzig, von oben erinnern die beiden Türme von Sam Gimignano irgendwie an das World Trade Center…

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  2. Leandrah

    1. März 2014 at 12:28

    selbstgemachte Pasta gibt es in Berlin bei Petrocelli die machte die Mamma noch selbst
    http://www.berlin.de/restaurants/1639898-1622830-petrocelli.html

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