Cebit 2014
Früher, da war die Cebit die größte und wichtigste Messe der Welt. JEDER der was mit Computern zu tun hatte konnte und wollte da hin, und so zogen ganze Heerscharen von Admins, Nerds und Buchhaltern (ernsthaft) zur Cebit, um sich über die neuesten Lochkartenleser oder andere Wunder der Technik zu informieren. So bunt gemischt wie das Publikum waren auch die Innovationen, die vorgestellt wurden, und obwohl es natürlich ums Geschäft ging, hatte man auf der Cebit auch ordentlich Spaß. Dem Vernehmen nach durchaus auch in plüschigen Hinterzimmern, die für besondere Kunden in den Tiefen der großen Messestände reserviert waren, in jedem Fall aber auch an den ausgestellten Exponaten und den tollen Shows.
Dann ging jemandem in der Messeleitung auf, dass ja gar nicht jeder Besucher auch Prokura hat um fette Geschäfte zu machen, und eventuell nur nach Hannover kommt um sich zu informieren. NUn könnte man meinen, auch das sei ein legitimer Zweck einer Messe, aber aus irgendeinem Grund fand die Deutsche Messe AG, die die Cebit organisiert, “normale” Besucher irgendwie Bäh. Also versuchte man die in eine eigene Messe abzuschieben, und machte eine “Cebit Home” auf, im Gegenstz zur “Cebit business professionel”. Hier konnte man schon schön sehen, an welche Gruppe von Ausstellern sich die Messeleitung ranwanzte.
Das Konzept funktionierte aber nicht, und so kehrte man zur “Cebit Ultimate”, dem All-in-One-Modell, zurück. Dooferweise wechselte man jetzt aber im Jahresrhythmus die Ausrichtung. Mal wollte die Messe jung und cool sein und stopfte eine ganze Halle mit OnlineSports voll, mal wollte man Exczellenz-Elite sein und verteuerte die Karten bis sonstwohin, damit bloß keine Admins und Nerds kommen. Mit denen bleibt auch der Spaß weg, und die Aussteller. Eine zeitlang sorgte die Telekommunikationsbranche mit ihrem Höhenflug noch für rockige Atmosphäre, mit großen Ständen, Starmoderatoren und fantasievollen Shows. Auch die hat die Messeleitung erfolgreich vergrault, und mit den Handyherstellern und Telkoprovidern gingen auch die Messehostessen. Jetzt stehen etliche Hallen in Hannover leer, und statt strahlender ITler sieht man nur noch blasse Banker mit wichtigen Mienen “business” machen, während Marketingmenschen ohne jegliche Ahnung von der Materie Schwanzvergleich mit Bullshitbingo spielen.
Nun gehört natürlich auch das zum Spiel dazu, aber so schlimm und absurd wie in diesem Jahr war es noch nie. Ich musste in der Tat zwei Gespräche abbrechen – eines, weil ein Marketingmensch frei jeglicher Kenntnis darauf beharrte mir trotz Beweis des Gegenteils die Hucke vollügen zu müssen, ein anderes, weil sich in ein wirklich gutes Kundengespräch permanent der Chefverkäufer einer anderen Firma einmischte, und das mit “ich habe 40 Jahre Erfahrung, ich erzähle Ihnen jetzt wie die Welt geht” rechtfertigte. Unfassbar.
Ich bezweifele, dass sich die Cebit wirklich einen Gefallen mit dieser Konzentration auf´s Geschäft getan hat. Die kleineren und mittleren Unternehmen freut das nämlich auch nicht so wirklich. Ein Messestand ist teuer, da will man möglichst viel Werbung mit machen können, und nicht nur den Einkäufer einer anderen Firma begrüßen. “Aber Telekom, Microsoft und SAP sind mit der Neuausrichtung sehr zufrieden”, verteidigte ein Messemanager mir gegenüber das Konzept. Ja, klar. Gibt ja in der Liga auch so viele Unternehmen. Und eines Tages werden selbst Microsoft, SAP und Telekom feststellen, dass man zur Unterzeichnung von Verträgen und für ein kleines Gespräch vorher keinen Stand auf der Cebit braucht.
Wenn man mit Augen über die Messe geht, die noch nicht vierzig Jahre grauen Cebit-Star haben, dann ist etliches unfreiwillig komisch. Das man das ohne Nerd-Ader nicht erkennt, glaube ich gerne.








Nicht im Bild, weil fotografieren da verboten ist: Die Chinesenhalle. So nenne ich Halle 13, wo die Netzwerkausrüster sind. Die ist seit ein paar Jahren fest in chinesischer Hand, und in der Halle kann man auch noch Dinge zum staunen sehen. Denn die Chinesen haben nicht mitbekommen, dass eine Messe lanweilig und doof sein muss, und zeigen deshalb buntes Gedöns mit Schisselanweng. Allerdings sind die da so unter sich, dass manche Stände ausschließlich in Mandarin beschriftet sind…


4 Gedanken zu „Cebit 2014“
ich erinnere mich, das ein Bekannter aus einem Vorort von Hannover für die Cebit Zeit ein Dixie Klo anmietete und anschließend sein 12 qm Gartenhäuschen für 350-400 DM /Nacht vermietete. mit Klo! 🙂
Damals(tm) waren Schulausflüge zur Cebit eines DER Highlights des Schuljahres…
ich habe als Diamantkundin bei der Telekom immer eine VIP Karte zur Messe bekommen. Extra Einlass etc. Nur ich bin nicht dagewesen Technik und ich das passt nicht zusammen. dabei hätte ich sogar ne Cousine in Hannover wohnen also Unterkunft wäre auch da. Und dieses Jahr bin ich keine Diamantkundin mehr ..also auch keine Karte
15 Kilo Bürgernähe. Was haben die bei der Agentur da geraucht???