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Das Phantom der Oper (2014)

23 Mrz

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Das dritte Musical in diesem Jahr. Angestupst und in Begleitung von @FrauZimt ging es an diesem Wochenende nach Hamburg in die 2013er Auflage von Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“. Tatsächlich ist das Musical schon ziemlich alt – in Hamburg lief es von 1990 bis 2000. Seit Ende 2013 wird es wieder aufgeführt, in dem Haus, das extra dafür gebaut wurde: Der Neuen Flora.

Den Stoff kennt vermutlich jedes Kind, ich zumindest bin mit ihm schon früh in Kontakt gekommen: An der Pariser Oper des Jahres 1871 erhält die junge Sängerin Christine Daeé nächtlichen Besuch von einem Mann mit Maske, der sie heimlich in klassischem Operngesang ausbildet. Das entstellte Phantom lebt in Katakomben unterhalb der Oper und ist nicht nur Musiker, sondern auch ein genialer Techniker, Architekt und hat zudem nicht alle Latten am Zaun. Bevorzugt schreibt es Leuten merkwürdige Wünsch-Dir-Was-Zettelchen und schiebt ihnen die unter der Tür durch. Als das Phantom seinen Willen nicht bekommt wird aus dem Stalker ein Terrorist, and things escalate quickly.

Treppenhaus der Neuen Flora.

Treppenhaus der Neuen Flora.

Die Musik, zumindest das Main Theme, kennt jeder, der die letzten Jahrzehnte nicht mit Käse in den Ohren verbracht hat. Im Gegensatz zur Version aus den 80ern, die oft sehr düdelpoppig mit Synthiklängen herumspielte, hat die 2013er-Fassung eine leichte Modernisierung und Aufrüstung erfahren: Die Themen kommen durch ein größeres Orchester nun extrem bombastisch, und der Einsatz von E-Gitarren erweckt nicht nur den Eindruck von Größe, sondern erzeugt auch Gänsehaut. Insgesamt ist die neue Version härter, wie hier in der Aufführung aus der Royal Albert Hall zu hören ist:

Hier die Ouvertüre, allerdings in der Version von Nightwish und Tarja Turuunen, bei dem Papa Schlumpf den Part des Phantoms übernimmt, am Ende aber schlimmen Brechdurchfall bekommt :

Der Bühnenbau und die Technik ist überaus beeindruckend. Bühnenbilder wechseln oft in Sekunden, und mittels Hebebrücken und schwerer Technik im Bühnenboden wird die Bühne dreidimensional und über mehrere Stockwerke ausgenutzt – mit verblüffenden Effekten. Wenn das Phantom mit Christine durch einen Geheimgang flüchtet, sie durch das Labyrinth der Kellergeschosse führt und unter dem Opernhaus über einen unterirdischen See bis zu seinem Versteck rudert, dann ist das großartig in Szene gesetzt. Die Bühne IST in einem Moment das alte Gemäuer des Fundaments, im nächsten der unterirdische See und im übernächsten die schaurige Höhle. So schnell wie die Bilder wechseln ist auch die Inszenierung: Bis auf zwei Szenen, die etwas lang ausgespielt werden, ist das Pacing sehr flott. Ich habe mich in der zwei Stunden 15 langen Inszenierung keine Sekunde gelangweilt, was auch daran liegt, dass es so viel zu entdecken gibt: In nahezu jeder Szene versteckt sich irgendwo das Phanotm, auch wenn es nicht offensichtlich zu sehen ist. Aber wenn man genau hinguckt…

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Interessant ist übrigens, das es die Pariser Oper Garnier wirklich gibt, und auch der unterirdische See ist keine Erfindung. An der Stelle verläuft unterirdisch ein Arm der Seine, und im Fundament der Oper ist eine Zisterne angelegt. Auch die unterirdischen Kellerlabyrinthe sind keine Erfindung. Tatsächlich gabe es sogar merkwürdige Vorkommnisse in den 1890er Jahren: Merkwürdige Geräusche aus den Kellern und nicht zuletzt ein Unfall mit einem herabgestürzten Kronleuchter inspirierten den Schriftsteller Gaston Leroux zu einer Fortsetzungsgeschichte, die 1910 in der Zeitung abgedruckt wurde. Klassischer Fall von History-Fiction, wie ich sie sehr mag.

Perfekt wurde dieses Musical-Wochenende durch die perfekte Gastgeberin @FrauZimt und die überaus angenehme Begleitung durch die Wunderbare Welt des Wissens (Danke ihr beiden!) und das nicht minder Wunderbare Wiesel, das leider das Blogwiesel etwas vermisste, welches zur Zeit in Sonstwo rumstrolcht. Spätestens zum Weltwieseltag im August werden die beiden sich aber wiedersehen.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 23. März 2014 in Event, Reisen

 

6 Antworten zu “Das Phantom der Oper (2014)

  1. zimtapfel

    23. März 2014 at 20:45

    Aber der Kronleuchter, der kam damals vor 20 Jahren irgendwie mit mehr Krawumms runter. Jedenfalls in meiner Erinnerung.

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  2. Die Wunderbare Welt des Wissens

    23. März 2014 at 20:56

    Mir haben die singenden Teetassen gefehlt *grins*

    Das Wunderbare Wiesel schmollt immer noch mit Ihnen und dem Blogwiesel. Ich fand es davon abgesehen auch einen sehr schönen Abend.

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  3. Silencer

    23. März 2014 at 21:21

    Zimt: In der Wikipedia steht, es gab immer wieder verschiedene Flugbahnen und Geschwindigkeiten. Der schnellste war der australische Kronleuchter mit 160 km/h. Wir hatten jetzt wohl eher die Tempo-30-Version 🙂

    WdW: Ach, Wiesel sind sooo eigen. Aber trotzdem war der Abend mit Ihnen klasse!

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  4. zimtapfel

    23. März 2014 at 22:37

    Dann auf nach Australien!

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  5. kalesco

    24. März 2014 at 20:45

    Das ist aber nun schon eine ziemliche Geschwindigkeit mit der du dir Musicals „reinziehst“ lieber Silencer! Hui!
    Fast so schnell wie ein australischer Kronleuchter 😀

    Was wird das nächste? Ich kann noch Lion King wärmstens empfehlen 🙂

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  6. Silencer

    26. März 2014 at 08:54

    Zimt: Yeah!

    Kalesco: Es war jetzt in der Tat Zufall, dass sich das so ballte. Das Tempo wird jetzt ganz stark rausgenommen, und tatsächlich überlege ich mir, im Herbst mal den König der Löwen anzusehen. Viel mehr Gutes läuft in Deutschland ja auch nicht. Sowas wie Rocky oder Das Wunder von Bern ist nichts für mich.

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