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Der dritte Molar

04 Apr

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„Heute… werden wir Zeuge der Extraktion des dritten Molaren“, sagt Ian McKellen mit seiner tiefen, rauhen Gandalfstimme in meinem Kopf. Irgendwie hört sich ja „der dritte Molar“ an wie ein Begriff aus einem Fantasyroman. Gandalf schaut also in die Runde der versammelten Krieger, während er langsam um den Tisch in der Mitte der Ratshalle geht und mit bedeutungsschwerem Unterton sagt: „Wenn im Zeitalter des Flughunds, wenn der Mond im achten Haus steht und der Erbe Calendulas den Sitz der sieben Schilde für sich beansprucht, dann wird der dritte Molar extrahiert werden.“

Hihi.

Tatsächlich denkt sich mein Hirn nur so einen Quatsch aus um mich davon abzulenken wie nervös ich bin. „Extraktion des dritten Molaren“ hört sich auch viel besser an als „wir ziehen einen Weisheitszahn“. Davon habe ich zum Glück nur einen, oben rechts, und der bereitet nicht mal akute Probleme. Allerdings wächst er immer weiter – weil er im Unterkiefer kein Pendant hat, und deshalb kriege ich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes den Mund nicht mehr ganz zu. Also raus damit.

Da ich fantastisch gesunde Zähne habe, ist dass das erste Mal, dass mir ein Zahn gezogen wird, und deshalb bin ich nervös. Zumal ich nicht weiß wie das mit der Betäubung wird. Kann ich danach noch was machen? Oder werde ich, ähnlich wie nach der Vollnarkose im vergangenen Jahr, dumm wie ein Brötchen sein? Das spielt durchaus eine Rolle. Auf die Folgezeit habe ich mich schon vorbereitet. Gestern Abend habe ich den alten Gefrierschrank wieder angeworfen und Wasser eingefroren, also Kühlpakete gemacht. Dabei kam ich mir ein wenig vor wie Tom Cruise in Minority Report, bei der Sache mit der Augen-OP. Dabei fällt mir ein, dass ich meinen Kühlschrank mal wieder ausmisten und sauber machen müsste.

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„Wollnwer mal“, sagt der Zahnarzt und beginnt irgendwas zu machen, ich spüre gar nichts. „Wenn die Extraktion des dritten Molaren bevorsteht, sind die Sinne vernebelt. Dann, nur dann wird der Dolch des Schicksals angesetzt und…“ Ach Gandalf, HALTS MAUL.

Der Zahnarzt würgt und ruckelt und zieht an dem Zahn rum, und erklärt dann mehrere Minuten, dass der Zahn ungewöhnlich fest sitzt und ein SO fester Sitz ja selten sei und *Kruspel* *Knirsch* *Zack* ist er dann doch draußen. „Ein Schreibtischzahn“, ruft der Zahnarzt freudig und zeigt den extrahierten Molar aufgeregt im Raum rum. Ich frage nicht nach was das sein soll, Gandalf kann mit „Schreibtisch“ nichts anfangen. „Ja, hier, guckense, der ist geformt wie ein kleiner Backenzahn, ganz untypisch.“
Der Zahnarzt ist niedlich, wenn er sich so freut.

Plötzlich ist eine Helferin da und hält mir beide Hände hin. In den Handflächen liegen eingepackte Pillen. Auf eine ist mit Edding ein „S“ gemalt. Wie Morpheus in „Matrix“ steht die Helferin da. Ich überlege, ob ich die rote oder die blaue Pille will, aber ich soll dann doch beide nehmen. Die mit dem „S“ ist für die starken Schmerzen.

Und jetzt sitze ich hier und warte darauf, dass die Schmerzen einsetzen. Die Matrix-Pillen liegen vor mir, das Minority-Eis ist im Gefrierschrank, und Gandalf liest mit seiner Gandalfstimme diesen Text Korrektur.
Hm. Und ich hatte irgendwann mal gedacht ich wäre gar kein Film-Nerd mehr.

Achtung, Bild des extrahierten Molaren nach dem Klick.

dritte Molar

 
4 Kommentare

Verfasst von - 4. April 2014 in Gnadenloses Leben

 

4 Antworten zu “Der dritte Molar

  1. kalesco

    4. April 2014 at 10:32

    IIhhhh, wääähhh, *bibber*
    Ich hasse ja Zahnärzte – besser gesagt ich habe eine Phobie. Gut dass meine Zähne auch einigermaßen in Ordnung sind…
    Einen Zahn bekam ich auch schon mal gezogen, einen ordinären Backenzahn. Ich kann mich ans knirschen im Kopf noch gut erinnern, und an das Ziehen – der Zahnarzt musste da so ein bisschen auf mich raufklettern für die bessere Hebelwirkung. Ja, der hat gut gehalten, der Zahn… Ich war 15 oder so glaub ich. Wurzelbehandlung vermeiden und Platz machen für die Weisheitszähne war die Devise. Ich bin nun rechts unten mit einer Lücke „entstellt“, so ganz wurde der freie Platz bisher nämlich noch nicht aufgefüllt.
    Hm, der Kommentar ist beinahe ein eigener Blogeintrag geworden… sorry.

    Ich wünsche wenig bis keine Schmerzen!
    (Zähne, baaah, so eine Fehlkonstruktion…)

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  2. Silencer

    5. April 2014 at 11:26

    🙂
    Ja, eine evolutionäre Sackgasse. Die Haie machen uns vor wie´s geht. Ich hätte auch gerne ein Revolvergebiss.

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  3. Die Wunderbare Welt des Wissens

    5. April 2014 at 19:18

    Ich habe zwei meiner vier extrahierten Molare behalten, weil so schön. Wenn ich mal Geld brauche, lege ich die unters Kopfkissen und warte auf die Zahnfee.

    Mensch 2.0 bekommt definitiv nachwachsende Zähne und welche ohne diese albernen Furchen.

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  4. kalesco

    5. April 2014 at 22:50

    Es würde ja schon sehr helfen, wenn die doofen Zähne wenigstens keine Verbindung zu den (schmerzleitenden) Nerven hätten… Und dann noch nachwachsend, perfekt. Wo kann man das bestellen?

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