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Woody Allen

25 Apr

Herr Silencer macht sich Gedanken über ein vollkommen überschätztes Würstchen, Riesentitten und traurige Spermien.

Woody Allen. Wir müssen über Woody Allen sprechen. Beziehungsweise auch nicht, aber ich muss hier mal was zu ihm aufschreiben. Schon allein damit ich mich daran erinnere, wenn ich das nächste mal Gefahr laufe, auf Woody Allen reinzufallen.

Woody Allen ist ein mittlerweile fast 80jähriger Schauspieler und Regisseur und hat im Laufe seiner langen Karriere mehr als 50 Filme rausgehauen, zuletzt mindestens einen pro Jahr.

Ich interessiere mich schon seit meiner frühesten Jugend für Filme. Ich liebe Filme, interessiere mich für fast jeden Aspekt des Filmemachens und kann mich für viele Genres begeistern. Daher begegnete mir der Name Woody Allens schon sehr früh, meist im Zusammenhang mit überaus positiver Berichterstattung. Als genialer Komiker wurde er beschrieben, als begnadeter Autor und Regisseur und als urkomischer Schauspieler. Dementsprechend erwartete ich großes, als ich das erste mal einen Film von ihm sah. Es muss „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ gewesen sein, und ich war – enttäuscht. Für einen elfjährigen war das einfach kein komischer Film. Albern, ja, aber nicht lustig, weil der Hauptdarsteller im Kern traurig war. Er war selbst das Zentrum eines Films, der mit sehr dumm vorkam. Also quasi eine Wolke Dummheit mit einem Kristallisationspunkt aus Traurigkeit in der Mitte. Was will man denn mit sowas, fragte ich mich.

Witzigerweise hat sich dieser Eindruck bis heute nicht geändert. Ich habe ja gedacht, dass sich mein Verhältnis zu Woody-Allen-Filmen im Laufe der Zeit ändert – vielleicht braucht man ja ein gewisses Alter und eine gewisse Lebenserfahrung, um die gut zu finden. Und so falle ich alle paar Jahre wieder auf Woody Allen herein, denn EIGENTLICH haben seine Filme alles was es bräuchte um mich zu interessieren: Tolle Schauspieler, interessante Orte und Geschichten. Allerdings haben sie nur auf dem Papier. Mit 14 schaute ich heimlich „Was sie schon immer über Sex wissen wollten“, mit der lauernden Geilheit eines Pubertierenden. Selbst Hormonvernebelt kam ich nicht umhin festzustellen, dass mein Biobuch aus der 7. Klasse erotischer war als der wandelnde Herrenwitz, den dieser Schrunzfilm mit der Riesentitte und dem traurigen Spermium darstellt. Der ist einfach nur widerlich.

In den 90ern zappte ich ein ums andere Mal in Allens Filme hinein, die im öffentlich-rechtlichen TV hoch und runter liefen – ohne wirklich von einem interessiert oder gar faszinierd zu sein. Dann folgte nach 2000 Allens „Europäische Phase“: Filme, gedreht in europäischen Städten und mit hochkarätigen Schaupspielerinnen und Schauspielern. 2006 wagte ich mich das nächste Mal bewusst an einen Allen-Film und sah mir „Cassandras Traum“ im Kino an. „Was soll´s“, dachte ich. Entweder ich bin jetzt in einem Lebensabschnitt, in dem ich Allen gut finde – oder ich freue mich einfach über einen Film mit Haley Atwell, Colin Farrell und Ewan McGregor. Was kann mit der Besetzung schon falsch laufen?

So ziemlich alles, wie sich herausstellt. Der Film ist so un-fass-bar schlecht, dass ich beinahe das erste Mal überhaupt vor Ende eines Filmes das Kino verlassen hätte. Es hat mir körperliche Qualen bereitet den durchzustehen, so schlecht war die Geschichte, so gestelzt die Dialoge, so unglaubwürdig die Charaktere.

Jüngst bin ich wieder dem gleichen Irrglauben erlegen, diesmal mit Match Point. „Ein Film mit Scarlett Johansson, was soll Woody Allen da schon kaputtmachen können?“, dachte ich. Tja, falsch gedacht. Wieder kann ich einen Film nicht ertragen. Das fängt bei den fürchterlichen Dialogen schon an. KEIN MENSCH würde so sprechen. Die Figuren sprechen gestelzt eine Reihe von One-Linern, die teilweise keinen Bezug aufeinander haben. Dazu lässt Allen lässt alle Charaktere so vor sich hin nuscheln und stottern wie er selbst spricht, was einfach nur absurd ist – wenn eine Scarlett Johansson sich mit „Hallo, Hi, Guten Tag, Hi, wie geht´s, guten Morgen, ja, hier bin ich, hallo“, vorstellt, ist das in höhstem Maße unglaubwürdig.

Weiter geht es mit der statischen Kamera, die an jeweils einer Szene klebt und nur gelegentlich ein wenig zoomt – wenn sie nicht gerade unfreiwillig einen Jump-Cut absolviert. Das ist ein legities Stilmittel, wenn es bewusst eingesetzt wird – Allen rutscht das aber gelegentlich unbeabsichtigt durch, was als Anschlussfehler gelten kann. Dabei ist seine Fotografie nicht mal ästhetisch, sondern sehr altmodisch und mit ihrem 70er-Stil oft an der Grenze zum schmuddeligen bzw. notgeil-voyeuristischen, was heutzutage beides antiquiert und unangenehm ist. Im Ernst: Optisch sind Allens Filme so grausam, dass sie sogar so ausgesprochen schöne Menschen wie die Johansson, Naomi Watts oder Colin Farrell unscheinbar und dumm wirken – das muss man auch erst einmal hinbekommen.

Zum Eindruck der Dummheit steuern nicht nur die schlechte Kamera und die Schmerzen bereitenden Dialoge, sondern auch die schlimmen Geschichten bei. Woody Allen schreibt seine Stories und Drehbücher selbst, und leider sind seine Geschichten nur selten interessant. Was er sich aus seinem Altherrenhirn raussaugt ist banal, unoriginell und in oft in höchstem Maße ärgerlich, weil die Stories auch in sich nicht konsistent sind und die wenigen Plotideen so ausgewalzt und herausgestellt werden, dass sie zur Karikatur werden. Allens Geschichten sind in der realen Welt angesiedelt, aber vollkommen unglaubwürdig und oft weniger Sinn ergebend als eine Folge Spongebob.

Über diese schlecht geschriebenen, schlecht gespielten und schlecht gefilmten Szenen packt der Regisseur drüber, was ihm gerade einfällt – im Fall von „Match Point“ ist das Opernmusik, die permanent und aufdringlich unpassend über die Szenen geklebt ist.

Nein, ich komme nicht umhin zu sagen: Woody Allen ist einer der am meisten überschätzen und am wenigsten talentiertesten Filmemacher die es gibt. Quasi der Uwe Boll seiner Liga, nur das Boll oft noch Einfälle hat und Allen durch die schiere Größe seiner Projekte noch tiefer fällt. Ich habe keine Ahnung worauf sich sein Ruf begründet, und vielleicht ist es ein wenig wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, wo einfach mal jemand die Wahrheit laut ausprechen muss, damit Sie sich alle anderen auch eingestehen: Woody Allens Filme sind handwerklich und erzählerisch schlecht, er hat kein Gespür für Menschen und Dialoge, und EGAL wer mitspielt oder wie interessant der Ort oder die Handlung klingen mögen – man sollte seine Filme um jeden Preis meiden.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 25. April 2014 in Betrachtung

 

5 Antworten zu “Woody Allen

  1. Rufus

    25. April 2014 at 14:42

    Für das, wie schlecht Du ihn hältst (ok, ich fange mit seinen Filmen auch nicht wirklich was an), bist Du ihm aber schon ganz schön gefolgt – sehr sportlich 😉

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  2. kalesco

    25. April 2014 at 22:04

    Oh Mann, und ich dachte immer ich wäre die einzige die an dem Typ und seinen Filmen nichts findet! Ich mag den Stil einfach nicht, oder ich verstehe ihn nicht, aber ich gab keinen einzigen Film ganz gesehen. Match Point habe ich sich versucht, auch aufgrund der fabelhaften Besetzung. Ich bin gescheitert. Ich hab abgeschaltet. Midnight in Paris hat mich periphär interessiert (du darfst einmal raten warum) aber ich habe ihn mir verkniffen. Nicht mal er kann einen Woody Allen Film für mich retten. Und Owen Wilson kann ich leider auch nicht ab. Neee.
    Ich bin da mit dir ganz einer Meinung, ich finde ihn vollkommen überschätzt. Möglich dass er vor Jahren, für die damaligen Verhältnisse mutig und gut war und Zeichen gesetzt hat (und deswegen diese ganzen tollen Schauspieler mit ihm arbeiten möchten), aber in meiner Welt ist er einfach nicht angekommen.
    Machen wir einen Anti-Woody Club auf?

    Btw, ad Ewan McGregor: Beginners schon gesehen?

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  3. Leandrah

    25. April 2014 at 22:57

    also der und einzige Film den ich von ihm gesehen habe und das auch nur weil es ein stern Preview war ist http://www.youtube.com/watch?v=XIL87Jw8OAw
    wie du sagtest eine super Besetzung,
    ansonsten habe ich nie verstanden warum immer so ein Hype aus ihm gemacht wird.

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  4. Modnerd

    26. April 2014 at 10:24

    Hej, mir geht es auch so! Lasst und sammeln und zusammenrotten!
    Nee, ehrlich… mir begegnete Woody Allen damals als Kind der Sammlung der Videos meines Vaters. Da hiess es immer: „Woody Allen: Das verstehst du nicht, da bist du zu jung.“ Ich fürchte, ich bin immer noch zu jung. Ich kann dem Beitrag nur in allen Punkten zustimmen. Die Filme, die ich gesehen habe, fand ich alle fad, öde und weitestgehend uninteressant.

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  5. Silencer

    26. April 2014 at 23:26

    Ah, wie cool, hier finden sich Gleichgesinnte. Endlich habe ich das Gefühl nicht mehr allein zu sein. Dann mag anscheinend wirklich nur das Feuilleton Woody Allen.
    Dem möchte ich an dieser Stelle zurufen: „Ey, ihr könnt aufhören so zu tun als ob ihr das gut findet! Wir haben euch durchschaut!!“

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