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Wir raten ab!

11 Mai

Was früher die oft legitime Empfehlung des literarischen Quartetts war, macht mich gerade einfach nur sehr, sehr wütend: Der Satz „Wir raten ab!“.

Ich mag es, im Ausland Internet zu haben. Wlan gibt es zwar fast überall, aber meist gerade dann nicht, wenn man es wirklich braucht. Roaming ist teuer, also ist eine SIM-Karte für einen Netzbetreiber im Ausland sinnvoll. Ich habe keine Zeit und keine Lust mich im Ausland mit den Besonderheiten der dortigen Netzbetreiber und ihren achttausendfünhundert Tarifen rumzuschlagen. Um das zu vermeiden gebe ich gerne Dienstleistern Geld dafür, damit die das für mich erledigen.

Das kostet dann Bearbeitungsgebühr, aber dafür spart es mir Zeit und Nerven. Gegen Zahlung von um die 30 Euro bekomme eine fix und fertige SIM, die ich im Ausland nur noch in den mobilen Accesspoint stecke, und schon haben alle meine Gadgets WLAN. Das Telefon bleibt aber trotzdem unter seiner deutschen Nummer erreichbar. So unkompliziert läuft es zumindest bei meinen Lieblingsanbietern messaxxio.com (Italien) und simcardshop.eu (Großbritanien). Einfach SIM bestellen, die Dienstleister kümmern sich um die Registrierung, buchen die gewünschte Option und aktivieren die Karte zum richtigen Zeitpunkt.

Das es auch komplett anders geht, beweist ein gewisser Shop, der global Prepaidkarten verkauft. Auch diesen Dienstleister hatte ich damit beauftragt eine Karte zu laden, mit einer Datenoption zu bebuchen und zu aktivieren. Kostet zwar fast 40 Euro, aber egal. Nach zwei Tagen lag die Karte im Briefkasten, samt persönlicher Anleitung. Die war offensichtlich von jemandem mit !!! GROSSER Freude AN FORMATIERUNGEN !!! erstellt worden und enthielt zwei Seiten voller Anweisungen, wie ich zwei Codes aufladen und aktivieren sollte, um dann eine Datenoption zu buchen. Alles bequem von meinem SIM-Lockfreien Handy aus. Lediglich ein Anruf bei einer automatischen Hotline und eine SMS seien dafür nötig.

WTF?! Genau so einen Quatsch will ich mir doch ersparen! Also Kontakt mit dem Anbieter aufgenommen. Hier verkürzt die Inhalte des Mailverkehrs:

„Guten Tag. Diese Anleitung bei meiner SIM – ist das nur ein Formblatt, oder muss ich das tatsächlich so machen wie es da steht? Die Karte ist nämlich für den Einsatz in einem Accesspoint gedacht, der kann weder Hotlines anrufen noch SMS versenden.“

Dienstleister: „Die Anleitung wurde für Sie persönlich zusammengestellt. Sie müssen jeden einzelnen Schritt durchführen. Wir raten generell von der Verwendung von Accesspoints ab, die sind zu kompliziert. Nehmen Sie lieber ein modernes Android-Handy und nutzen Sie die Tehtering-Funktion (SIC)“

Ich: „Äh, Moment. Sie bewerben die Karten auf Ihrer Seite als geeignet und getestet mit Surfsticks und für den Einsatz in Tablets. Das Produkt heisst sogar „Daten-SIM für Smartphnone, Tablet, Router“. Das man für die Aktivierung ein Handy braucht steht da nirgends. Außerdem beauftrage ich aus genau diesem Grund Dienstleister wie Sie mit der Bereitstellung von SIM-Karten. Ich bezahle Sie doch, damit SIE sich um Aktivierung und Buchung kümmern!“

Dienstleister: „Im Anhang an diese Mail finden Sie eine Anleitung, wie sie Ihren Accesspoint konfigurieren müssen.“

Ich: „Ich WEIß wie mein Accesspoint konfiguriert werden muss! Ich halte die Technik für durchaus beherrschbar! Tatsache ist aber, dass ich kein Handy für normale SIMkarten habe und auch nicht brauche, weil die Aktivierungs- und Buchungsvorgänge die Dienstleistung sind, die sie erbringen! Wenn ich gewusst hätte, dass sie das nicht tun, hätte ich mir die Betsellung bei Ihnen gespart. Kleiner Hiweis zur Verbesserung: Sowas sollte auf Ihrer Website stehen!
Mal abgesehen davon: In der Anleitung steht was von „Ich müsse unbedingt beide Codes aufladen“. Da steht aber nur einer. Wo ist der andere?“

Dienstleister: „Die Codes stehen in Ihrer persönlichen Anleitung. Bitte geben Sie den Accesspoint keinesfalls Kollegen mit, die sich damit nicht auskennen.“

Ich: „Da steht:
„Einfach die SIM in ein simlockfreies Handy einlegen und beide Codes aufladen
*456*4544465465654334464# und Hörer abheben und wählen.“ Wo ist der zweite Code?“

Dienstleister: „Der Code steht in Ihrer persönlichen Anleitung!! UNd in Ihrer Mail steht er auch!!!! 4544465465654334464!!!!“

Ich: „Das ist EIN Code, wo ist der ZWEITE?“

Dienstleister: „Sie brauchen nur einen.“

Ich: „Ach, super, dass die Anleitung persönlich und nur für mich zusammengestellt wurde. Dann besten Dank, ich gehe mir dann jetzt ein Androidhandy kaufen.“

Einigermaßen unfassbar, oder? Dem Kunden ein Produkt zu verhökern, und wenn dann festgestellt wird, dass es die beworbenen Eigenschaften gar nicht besitzt bzw. noch andere Schritte notwendig sind, zum Kauf eines anderen Geräts raten? Das ist ungefähr so, als wenn ich Reifen für mein Auto kaufe, und dann feststelle, dass sie nur passen, wenn ich mir komplett andere Felgen zulege – und der Händler dazu sagt, dass er vom Einsatz der Reifen an Kleinen Gelben AutosTM generell abrät.
Un-Glaub-Lich.

Nunja. Anderen Dienstleistern bin ich über Jahre treu und beauftrage sie immer wieder mit Aufladungen und Aktivierungen. DIESER „Dienstleister“ hat mich das letzte Mal gesehen – obwohl ich in diesem Jahr noch zwei Mal eine SIM in diesem Land brauche. Aber dann gehe ich doch lieber vor Ort in einen Telefonladen. Ist einfacher. Übrigens: Nach meiner Beschwerde wurde auf der Produktseite ein Satz in der Beschreibung (bei der auch jeder Satz in Fett, kursiv, unterstrichen oder Grün formatiert ist) eingefügt: „Bei Ankunft einfach beiliegenden Code in einem simlockfreien Telefon eingeben“.
Immerhin. Leider zu spät.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 11. Mai 2014 in Gnadenloses Leben

 

2 Antworten zu “Wir raten ab!

  1. psychoqueen

    11. Mai 2014 at 14:27

    Tja, Schatz, ich sage da nur: du warst das Zünglein an der Wage. Du bist ein Pionier und wo kämen wir denn hin in der Welt ohne Menschen wie dich.
    Ich schätze solche Menschen sehr hoch ein. Danke das es dich gibt. :-*

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  2. Silencer

    11. Mai 2014 at 15:17

    Immer gerne! Und Du hast recht, ohne Helden und Kämpfer für das Gute wäre die Welt noch schlechter dran.

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