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Wohngeräusche: Hämmern, Rumpeln, Nageln.

30 Jul

My Home is my Castle, und mehr als das. Als eher introvertierter Mensch laugt mich die Gesellschaft der meisten Menschen aus. Nach einer gewissen Spanne unter Leuten brauche ich Zeit für mich allein, und die finde ich in der Geborgenheit meines Zuhauses. Hier laden sich meine Akkus wieder auf.

Mein Zuhause, das ist eine relativ große und wunderbar verwinkelte Wohnung inmitten von viel Grün, umgeben von Dorf. Ich mag das, es ist ruhig und abgeschieden. Eine Wohnung heißt aber auch, dass da noch mehr Leute im Haus wohnen. Das waren bislang alles nette und vor allem ruhige Leute, aber das ändert sich nun. Die vergangenen zwei Wochen war ich viel unterwegs, und das war gut so – denn von Ruhe oder gar Geborgenheit ist im Haus gerade nicht mehr viel übrig.

Über mir ziehen neue Mieter ein – dem Geräuschpegel nach eine Kompanie aus mindestens 10 Leuten in Springerstiefeln, die eingesprungene Wurfübungen mit Bierflaschen durchführen und nebenbei herauszufinden versuchen, wer am lautesten gröhlen kann.

Man kann einen Umzug durchaus nachbarschaftsverträglich gestalten, aber das hat diesen Leuten keiner gesagt. Bislang hat sich niemand bei mir als neuer Nachbar vorgestellt, es wird bis weit nach Mitternacht rumgerumpelt, ein riesiger Hund springt frei durchs Haus, alle Parkplätze sind quer zugeparkt, der Hauseingang ist voller festgetretener Farbe und die Tapete der Treppenhauswände hängt in Fetzen, aufgeschlitzt während des Hochtragens von sperrigen Dingen.

Die Situation ist wirklich einzigartig: Zum ersten Mal entwickele ich Vorurteile, ohne die Personen auch nur gesehen zu haben. Und sie werden es verdammt schwer haben, aus der Schublade „prollige Vollhonks“ wieder rauszukommen.

In der Wohnung unter mir hämmert es die letzten Tage. Sind alte Leute, die Erdgeschosswohnung wird auf Behindertengerecht umgebaut, mit Krankenbett und Rollstuhlgeeignet.

Besser geht es dem Nachbarn links von mir, auf der gleichen Etage. Der ist 64, seine Frau ist vor zwei Monaten gestorben, alle sind besorgt um den armen, gebeutelten Mann, der jetzt ja niemanden mehr hat, achgottachgottachgott.

Vermutlich weiß niemand außer mir, WIE GUT es ihm eigentlich geht. Schon seit einigen Wochen schmuggelt er spätabends seine neue Freundin ins Haus. Die ist im gleichen Alter wie er, und woah, ich wusste nicht, dass man Mitte 60 noch so… aktiv sein kann.

Da der Nachbar Zeitpläne liebt und Frühaufsteher ist, geht es jeden Abend um 19.00 Uhr und jeden Morgen pünktlich um 07.20 Uhr zur Sache, Schätzchen. Die Wochenenden verbringen die beiden auch gerne mal komplett im Bett, dann vereinigt sich das faltige Fleisch im Zweistundentakt-Takt-Takt. Da unsere Schlafzimmer aneinandergrenzen, bekomme ich mehr davon mit als mir lieb ist.

Ist gerade nichts mit Ruhe, hier. Ich brauch mal Urlaub. Nein, im Ernst: Ich hoffe sehr, dass nach dem endgültigen Umzug die „neuen von oben“ sich als eigentlich nette Leute herausstellen und die Libido des Nachbarn den Gang alles irdischen in Beziehungen geht und diese Teenie-Phase schnell vorbei ist.

Nachtrag: Das Blog weist mich gerade darauf hin, dass es was ähnliches schon mal gab: Die Krachfelds. hatte ich schon ganz verdrängt.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 30. Juli 2014 in Gnadenloses Leben

 

5 Antworten zu “Wohngeräusche: Hämmern, Rumpeln, Nageln.

  1. hirnwirr

    30. Juli 2014 at 12:45

    Du hast mein vollstes Mitgefühl! Und Verständnis auf allen Ebenen 🙂

    Aber: Auch bei Einfamilienhäusern kann das Ein- bzw. Umziehen durchaus auch die Nachbarschaft in Mitleidenschaft ziehen. Ich wette, dass meine Freunde, die ein paar Häuser weiter wohnen, mit da lebhaft zustimmen würden.

    Da haben wir mit unserem Eckhaus gerade noch großes Glück. Wobei unser Gegenüberhaus auch peu a peu geräumt wird und ich auf einen neuen Mieter harren muss, von dem ich halt auch noch nicht weiß, wie er/sie/es sich verhalten werden.

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  2. Katja

    30. Juli 2014 at 16:21

    Höhö, du Armer!

    Hier gibt’s nur den Sohn der Nachbarin, dessen größte Freude es ist, mit seinem Spielzeug-Einkaufswagen von einem Ende der Wohnung zum anderen zu rennen und dabei über die Fließen zu rumpeln.
    Ich habe echt nix gegen spielende Kinder und finde das toll. 🙂

    (Aber so in 17 Jahren, wenn er im besten Wochenende-Party-Alter ist, werde ich ihn aufspüren und in die Wohnung über ihm ziehen und dann führe ich Samstags- und Sonntagmorgens ab 6 Uhr über seinem Schlafzimmer meinen Holzschuhtanz zu den sanften Klängen von Hells Bells auf. Das stelle ich mir zumindest immer so vor, wenn ich wieder mal furchtbar genervt von seinem botz-botz-botz bin. 😀 )

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  3. Silencer

    1. August 2014 at 09:32

    Hirnwirr: Die einzige Lösung: Einsiedler werden. Am Besten in einer Höhle.

    Katja: Oooooh, Du gehörst also auch zu den Frauen, die nicht nachtragend sind… aber ein gutes Gedächtnis haben? 🙂

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  4. hirnwirr

    1. August 2014 at 10:03

    Ich bin mir nicht sicher, ob „Höhle“ die Lösung ist. 🙂

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  5. Silencer

    1. August 2014 at 10:47

    Doch Doch, unbedingt.

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