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Maria, ihm schmeckt´s nicht! (2014)

14 Aug

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Jan möchte Sara heiraten. Sara ist Halbitalienerin, und für ihren Bappo Antonio steht sofort fest: Die Hochzeit muss in Italia stattfinden! Inmitten von Oma, Opa, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Nachbarn… eben der ganzen Familie! Das italienische Familienleben mit ausgedehnten Strandbesuchen, verrückten Geschäftsideen, toten Opas und andauernden Freßorgien geht Jan schon nach kurzer Zeit auf den Geist, was die zukünftige Verwandtschaft vermuten lässt, dass es ihm nicht schmeckt. Dann brennt Sara auch noch mit ihrer Jugendliebe durch, und für Jan steht fest: Er fährt zurück nach Krefeld, weil es da normaler ist als in Campobasso.

Das Buch von Jan Weiler war vor einigen Jahren der Sommerhit auf den Büchertischen. Es war so erfolgreich, dass das ZDF 2011 einen Film produzierte, in dem ein fehlbesetzter Cast um einen desorientierten Christian Ulmen den Stoff gegen die Wand fuhr. Für die Adaption bei den Domfestspielen orientierte man sich auch nicht am Film und nicht im Detail am Buch. Stattdessen wurden Schlüsselszenen zu Musicaleinlagen umgearbeitet – und was für welchen! „Maria“ als Musical – das gibt es NUR in Bad Gandersheim. Schon zum zweiten Mal: Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wurde „Maria“ extra noch einmal ins Programm genommen.

Nochmal Domfestspiele.

Nochmal Domfestspiele.

Ich kann ja über die Produktion der Domfestspiele in Bad Gandersheim nur staunen. Das Niveau, auf dem hier geschrieben und umgesetzt wird, hätte ich hier nicht erwartet. Nachdem Evita schon beeindruckend war, hat mich „Maria…“ echt von den Socken gehauen. Das Stück ist mit ziemlicher Geschwindigkeit inszeniert, hat ordentliche Musik und feine Texte. Auch ein wenig Klamauk kommt vor, aber die Essenz des Buchs wird sehr eindrücklich erzählt. Letztlich dreht sich alles darum, dass Jan, der Deutsche in Italien, begreift, was es heißt fremd zu sein und wie man dies übersteht. Dabei wird geschickt und auf zwei Zeitebenen die Lebensgeschichte des Schwiegervaters erzählt, der in den 60ern in Deutschland Gastarbeiter war und Vorurteile gegenüber Italienern aushalten musste.

Meine Tastatur. Hübsch, nicht? Sie wird leider zum Teil vom Programmheft verdeckt, auf dessen linker Seite Tabea als Sara, Ulf Schmitt als Jan und Hans-Jörg Frey als Antonio Marcipane zu sehen sind. Recht: Jan mit Nonna Chiara (Christine Dorner).

Meine Tastatur. Hübsch, nicht? Sie wird leider zum Teil vom Programmheft verdeckt, auf dessen linker Seite Tabea als Sara, Ulf Schmitt als Jan und Hans-Jörg Frey als Antonio Marcipane zu sehen sind. Recht: Jan mit Nonna Chiara (Christine Dorner).

Die Inszenierung ist Bad Gandersheim ist nicht nur toll geschrieben, sondern auch durchgehend super besetzt. Besonders Hans-Jörg Frey als Antonio und Tabea Scholz als Sara glänzen in ihren Rollen. Frey gibt den komisch-vertrottelt wirkenden Antonio herrlich schlitzorig, und Tabea singt und spielt sich die Seele aus dem Leib. Und das sogar im strömenden Regen, den leider hatte ich bei der Aufführung am gestrigen Abend Pech:

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Pünktlich zu Beginn der Vorstellung begann es zu nieseln, was sich im Verlauf der folgenden zwei Stunden zu einem veritablen Wolkenbruch steigerte. Ich rechnete jeden Moment mit Abbruch, aber das Ensemble spielte und tanzte und sang im 14 Grad kalten Regen weiter, als wäre nichts dabei. Dafür gebührt ihnen allergrößter Respekt.

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Am Ende wird, vollkommen durchnässt, doch noch geheiratet.

 
7 Kommentare

Verfasst von - 14. August 2014 in Event, Kunst & Kultur

 

7 Antworten zu “Maria, ihm schmeckt´s nicht! (2014)

  1. Katja

    16. August 2014 at 14:58

    Das war doch jetzt Absicht mit dem unbekannten Stück, damit dir niemand die Kommentarspalte vollsingen kann. 😀

    Ich hab irgendwann mal, seines Titels wegen, den blutleeren Film gesehen. Fand ich schade, dass der so nichtssagend war, weil die Thematik an sich ja viel hergäbe. Aber im Grunde ja auch leider nicht erstaunlich bei deutschen Produktionen. Schön, wenn es in Bad Gandersheim gelungen ist, dem Leben einzuhauchen. 🙂

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  2. Leandrah

    17. August 2014 at 11:44

    dieser Film kommt übernächste Woche wieder mal im Fernsehen.
    aber mit Unwetter über einer Aufführung kenne ich..meine erster besuch in der Waldbühne – Mozarts Zauberflöte – ich hatte sie schon mal über die deutsche Oper gesehen und war bitter enttäuscht, die haben den Papageno in einer weißen Latzhose auftreten lassen, weißen Shirt, roten Schuhe und ich habe mich die ganze Zeit über gefragt wo die rote Nase ist. Das ganze Stück nur schwarz/weiß Malerei, ich war so enttäuscht. Dann die Möglichkeit es als Open Air in der Waldbühne, …es schüttete wie aus Kübeln kalter Wind… ich am Ende keine Stimme mehr aber das Ensemble hat die Aufführung im Regen durch gezogen die Musiker saßen unter dem Dach. Die Farben waren wieder da, es war so wie ich von meinem Empfinden, brauchte, Dafür war ich gern ein paar Tage „sprachlos“ in jeder Hinsicht.

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  3. Silencer

    18. August 2014 at 09:40

    Das ist das Risiko bei Open Air in Deutschland…

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  4. Silencer

    18. August 2014 at 09:40

    Katja: Jepp 🙂

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  5. hirnwirr

    19. August 2014 at 11:25

    Danke auch für diese Schilderung!

    Ich habe die Bücher sehr gerne gelesen und mir den Film NICHT angeguckt. das frustet mich meistens!

    Hast Du „Antonio im Wunderland“ gelesen? Zum Wegschreien 🙂

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  6. ssuchi

    19. August 2014 at 17:37

    Irgendwie ist es ja ganz schön fies vom Herrn Silencer, dass er als staatlich geprüfter Regenmacher zu Open-Air-Events geht und dort Ensemble und Zuschauer mit, je nach Tagesform, Wolkenbruch bis Weltuntergang konfrontiert. Die Trierer erinnern sich noch mit Schrecken an seinen letzten Besuch…

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  7. Silencer

    22. August 2014 at 19:51

    Hirnwirr: Oh, ich wusste gar nicht, dass es davon eine Fortsetzung gibt! Danke für den Tip!

    ssuchi: Grmpfl. Gemein.

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