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Zauberei: SSD Fusiondrive selber bauen

18 Aug

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Eines meiner Arbeitsgeräte ist ein MacBook Pro aus dem Jahr 2010. Ein feines Gerät, dient im Büro als Desktopersatz. Leistungstechnisch ist es immer noch mehr als ausreichend, dennoch war das Arbeiten damit zuletzt eine Qual. Jeder Mausklick löste nicht sofort eine Aktion, sondern sekundenlanges Gerödel auf der Festplatte aus. Tastatureingaben erschienen bei manchen Programmen nur noch mit Verzögerung. Der Start großer Programme dauerte eine halbe bis zwei Minuten. Alles war quälend langsam.

Das kann evtl. daran liegen, das Apple nicht mehr für die Nutzung mit Festplatten entwickelt und die Programme nicht optimiert sind – das würde das behäbige Verhalten von iPhoto erklären, mit seinem zwei Minuten dauernden Start. Es kann auch daran liegen, dass ich seit 2010 und damit über vier Betriebssystemversionen nie eine saubere Neuinstallation gemacht habe. Woran auch immer es lag: Der Rechner war zur Arbeit kaum noch zu gebrauchen, ich war genervt, aber eine Neuanschaffung für einen ansonsten top funktionierenden Rechner nicht einsehbar.

Deshalb folgte ich Modnerds Tip zur Lebensverlängerung alter Rechner und beschloss eine SSD einzubauen. Das sind Festplatten aus Flashspeicher, d.h. keine mechanischen Teile und irre schnell. Das Problem: SSDs waren (und sind es noch) im Vergleich zu Festplatten und in Relation zur Größe deutlich teurer. Es ist daher sinnvoll, das Betriebssystem auf einer (kleinen) SSD zu installieren und zusätzlich eine traditionelle Festplatte im Rechner zu haben, auf der dann Terabyteweise Daten liegen können. Auf diese Weise hat man hohe Fluppdizität bei gleichzeitig hoher Speicherkapazität. Bei Apple gibt es sogar die Möglichkeit einen sog. Fusiondrive zu bauen. Dabei werden Festplatte und SSD zu einem logischen Laufwerk zusamengefasst, und das Betriebssystem kümmert sich selbstständig darum, wichtige Daten und oft benötigte Programme in die schnellen SSD-Bereiche zu verschieben.

Standardmäßig bringen neue Macs sowas schon mit, bei alten Modellen kann man das selbst bauen – wenn man sich traut. Wobei sich direkt das nächste Problem auftut: In ein MacBook Pro passt kein zusätzliches Laufwerk. Die Lösung: Man wirft einfach das DVD-Laufwerk raus! Da die meisten Daten heute eh über das Netz oder per USB kommen, ist ein DVD-Benner im Notebook eh überflüssiger Ballast.

Um Anstelle der alten Festplatte eine SSD einzubauen und die Festplatte an die Stelle des DVD-Laufwerks
zu verpflanzen braucht es einen Adapter. Die Firma Hardwrk liefert für 49,- Euro ein Komplettset, in dem eine Adapterhalterung, eine SEHR gute Anleitung, alles benötigte Werkzeug und ein externes DVD-Gehäuse enthalten sind. Jetzt braucht es nur noch eine SSD, in meinem Fall eine Samsung 840 Evo Pro, dann wird ein Backup auf eine externe Festplatte mittels Time Machine gemacht, und schon kann die Bastelei losgehen!

Fantastische Arbeit der Firma Hardwrk: Sehr gute, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Entfernung des DVD-Laufwerks und dem Einbau einer SSD.

Fantastische Arbeit der Firma Hardwrk: Sehr gute, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Entfernung des DVD-Laufwerks und dem Einbau einer SSD.

Im Set ist alles enthalten was zum Tausch gebraucht wird. Nur die SSD muss noch zusätzlich gekauft werden.

Im Set ist alles enthalten was zum Tausch gebraucht wird. Nur die SSD muss noch zusätzlich gekauft werden.

Die Anleitung ist super bebildert und ermöglicht auch Laien den Do-it-yourself Austausch. Ich muss allerdings gestehen, dass mir schon ein wenig komisch war, als ich das MacBook offen hatte. An PCs Rumschrauben ist unaufregend, aber in so einem hochintegrierten Gerät wie einem Notebook rumwurschteln, das ist schon spannend. Nur ein Folienkabel beschädigt, und das Gerät ist kaputt. Dem entsprechend vorsichtig sollte man zu Werke gehen. Zudem gab es an den MacBook-Innereien immer mal Veränderungen, so dass die Anleitung vermutlich in den seltensten Fällen zu 100% passt. Bei mir habe ich z.B. nie rausgefunden, wie man den Akku abklemmen kann – weil der Stecker ganz woanders sitzt als beschrieben und die Entfernung Spezialwerkzeug erfordert.

Spuren im Staub: Nach 4 Jahren ist das Innere des MacBook Pro noch erstaunlich sauber, lediglich im Deckel über den Lüftern hat sich etwas Staub angesammelt.

Spuren im Staub: Nach 4 Jahren ist das Innere des MacBook Pro noch erstaunlich sauber, lediglich im Deckel über den Lüftern hat sich etwas Staub angesammelt.

Zunächst wird die alte Festplatte ausgebaut und in den neuen Adapterrahmen, der die Form des DVD-Laufwerks hat, eingesetzt. Danach wird das DVD-Laufwerk herausgeschraubt und stattdessen der Adapter mit der Festplatte eingebaut. Dann wird die SSD an die Stelle der Festplatte gesetzt und alles wieder verschlossen. Zu guter letzt wird das DVD-Laufwerk in das externe Gehäuse gesteckt. Fertig.

Formschön: Das Gehäuse macht aus dem internen ein externes DVD-Laufwerk.

Formschön: Das Gehäuse macht aus dem internen ein externes DVD-Laufwerk.

Nun, zumindest die Harwarebastelei ist fertig. Jetzt geht es daran die beiden Laufwerke, Festplatte und SSD, zu einem Laufwerk zu machen. Auch hier gibt es ausgezeichnete Anleitungen von Hardwrk. Ich schreibe es zur Sicherheit hier trotzdem nochmal auf.

Als erstes startet man den Rechner mit einem externen Betriebssystem – entweder mit dem Time Machine-Volume, einem Recovery-Assistenten auf UBS oder einem Installationsstick mit Mac-OS. Mit jeder Methode kommt man in die Rettungskonsole die einen fragt, ob man ein Backup einspielen oder eine Neuinstallation vornehmen möchte. Stattdessen startet man nun die Konsole.
Im Terminal gibt man ein:

diskutil cs create FusionDrive disk0 disk1

Nach einem Moment Gerödel sollte diese Anzeige kommen:

Discovered new Logical Volume Group "XXXXX-XXXX-XXXX-XXXX-XXXXXXXXXXXX"
Core Storage LVG UUID: XXXXX-XXXX-XXXX-XXXX-XXXXXXXXXXXX
Finished CoreStorage operation

Die X-se stehen für eine Zahlen-/Buchstabenkombination, die UUID. Die muss markiert und in die Zwischenablage kopiert werden.

Als nächstes
diskutil cs list

eingeben und die Größe des Free Space des Fusiondrives merken. Dann weiter mit

diskutil coreStorage createVolume XXXXX-XXXX-XXXX-XXXX-XXXXXXXXXXXX jhfs+ NAME YYYYg

Die Xse sind die eingefügte UUID, NAME ist einfach ein beliebiger Name für die neue Platte und die Ypsilons sind die Partitionsgröße und sollten identisch sein mit der Angabe des Free Space.

Jetzt sollte die Anzeige kommen:

Started CoreStorage operation
Waiting for Logical Volume to appear
Formatting file system for Logical Volume
Initialized /dev/rdisk8 as a YYY GB HFS Plus volume with a 40960k journal
Mounting disk
Core Storage LV UUID: XXXXX-XXXX-XXXX-XXXX-XXXXXXXXXXX
Core Storage disk: disk
Finished CoreStorage operation

– und damit ist alles fertig. Der FusionDrive läuft, jetzt kann ganz normal das Betriebssystem installiert werden.

Wobei ganz normal bei mir nicht ging. Die Installation von Mac OS X 10.9 „Mavericks“ von einem zuvor mit Diskmaker X erstellten USB-Sticks blieb bei der Anzeige „nur noch eine Sekunde“ hängen, und zwar Stundenlang. Das ist ein bekannter Fehler. Abhilfe schaffte etwas, das ich so noch nicht kannte: Die Installation aus dem Internet.

Beim Starten des Macs einfach CMD (⌘) und R drücken. Dann kann man ihn in ein Netzwerk bringen (WLAN oder Kabel). Von dort saugt sich der Mac das Betriebssystem und installiert es. Im Fall von Mavericks sind das 5,3 GB und dauert daher ein wenig.

Nach der Installation wird man gefragt, ob man Daten und Programme aus einem Time Machine Backup übernehmen will. Falls ja, wird mit der Rücksicherung begonnen, und ca. eine Stunde später (200GB Backup) ist der Mac wieder so, wie man ihn verlassen hat – nur sagenhaft viel schneller.

Der Systemstart bis der Browser verfügbar war dauerte mit der alten Festplatte 3 Minuten und 26 Sekunden. Mit der neuen SSD/HDD-Kombination dauert es noch 38 Sekunden.

Das Starten von iPhoto nahm vorher 118 Sekunden in Anspruch, jetzt ist das Programm in 6 Sekunden am Start. Das fühlt sich gerade an wie… Zauberei! So macht das Arbeiten wieder Spaß! Ich kann SSD tatsächlich nur empfehlen. Das ist die radikalste und gleichzeitig effizienteste Tuningmethode für JEDEN Rechner. Meinen privaten Windowsrechner würde ich auch sofort mit einer SSD ausstatten… wenn da nicht die langwierige Neuinstalltion von Windows wäre. Sowas wie Time Machine gibt es in der Windowswelt ja leider nicht…

Kleiner Hinweis noch am Rande: Mein Arbeitsnotebook ist grundsätzlich verschlüsselt. Vor Beginn dieser Arbeiten habe ich die Verschlüsselung aufgehoben, weil ich unschöne Wechselwirkungen beim Einspielen eines verschlüsselten Backups befürchtete.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 18. August 2014 in Berufsleben

 

3 Antworten zu “Zauberei: SSD Fusiondrive selber bauen

  1. ruediger

    21. August 2014 at 21:07

    Zum FusionDrive habe ich mich seinerzeit (http://www.thatblog.de/2012/11/03/hybridmac/) nicht getraut, es war mir noch zu neu und ich traue zu neuem Zeugs erstmal nicht über den Weg. Du hast Dir indes für die Entscheidung etwas mehr Zeit gelassen. 🙂

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  2. Jürgen Bödecker

    17. Januar 2015 at 09:38

    Auch in Windows ist es kein Hexenwerk. Einfach das SSD einbauen, die alte HDD (sofern der Inhalt auf das SSD passt) extern über USB-Adapter anschließen. Mit Acronis die alte HDD aufs SSD übertragen. Dauert je nach Inhalt 30-60 Minuten, wobei man nicht mal zugucken muss. Es ist alles sofort wie vorher, nur schneller. Bei Frauchens Laptop vor wenigen Tagen gemacht.

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  3. Silencer

    17. Januar 2015 at 18:09

    Acronis ist wirklich Gold wert, habe ich auf dem privaten PC auch. Ich finde es erstaunlich, dass Windows sowas nach wie vor nicht mitbringt.

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