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My Blog is my Castle

10 Sep

Laura ist wieder da (was mich sehr freut!), und sie macht sich in ihrem Blog HowlAtTheMoon Gedanken über „Wenigerwertbloggen“, als dass das klassische vor-sich-hinbloggen mittlerweile von manchen wahrgenommen wird. Aus einem Kommentar bei Laura ist dieser Blogeintrag entstanden, weil ich ohnehin schon länger Lust hatte, das mal aufzuschreiben.

Es stimmt schon, die Blogszene hat sich verändert. Gefühlt, und nicht durch Fakten belegt, würde ich sagen: Vor ca. 10 Jahren probierten viele Menschen Blogs mal aus, kamen aber über ein „Hallo Welt“ kaum raus. Ansonsten hatten viele Blogs Tagebuchcharakter. Sie dienten zum Festhalten von Trivialitäten. Die Masse der Bloggenden waren Teenager oder Twentysomethings. Zeiten ändern sich, und spätestens wenn Kinderkriegen, Hausbau oder Karriere ansteht, bleibt keine Zeit mehr für´s bloggen. Oder die Lust lässt nach, immer das gleiche zu machen.

Dazu kamen Plattformen wie Studi.VZ (lacht nicht), dann Facebook, Instagram, Twitter, Tumblr, Youtube oder auch FourSquare (RIP). Die Trivialitäten des Alltags, die vorher, wenn überhaupt, in Blogs stattfanden, wurden von diesen Plattformen aufgesogen. Essensfotos zu Instagramm, „OMG ich geh ins Kino“ auf FourSquare, Lebenseinträge auf Facebook, Anleitungen auf Youtube.

Blognutzung wandelt sich, und Blogs suchen sich ihre Nischen. Dabei hat sich die Art des Bloggens geändert. Laura weist zu Recht darauf hin, dass heute wenig persönliches verbloggt wird, dafür gibt es eine große Anzahl an Blogs die „Service“ bieten, oft in Form von Kosmetik- und ModeTips, und das zu monetarisieren versuchen.

Wenn ich mir meinen Feedreader so ansehe, stimmt das absolut. Zwei Drittel aller Streams kommen aus Blogs, die sich auf irgendwas spezialisiert haben und was mich interessiert. Und das ist super. Blogger haben mehr Zeit als Journalisten. Sie beschäftigen sich gerne und über die Jahre mit einem Thema und können viel besser über ihre Nische schreiben als jeder Bezahlautor.

Feld-, Wald- und Wiesenblogs, wie das hier, gibt es nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Jahren. Dabei hat auch dieses Blog Veränderungen durchgemacht. Gut, das Wiesel war von Anfang an da und geht wohl auch nicht mehr weg, aber ansonsten haben sich die Inhalte gewandelt. Begonnen hat es als reines Tagebuch im Stil von Reality-Bloggern wie dem Supermarktblog, durchsetzt mit Filmkritiken und Spaßquatsch, dann wurde es zur Anlaufstelle Nr.1 in Deutschland für alle Fragen rund um PlasticRock (so lange, bis wir PlasticRock.de gegründet haben), und in den letzten Jahren drehte sich viel um Reisen.

Ich betrachte mein Blog als eine Art Tagebuch. Was bleibendes. Anders als Facebook, Twitter und co, die mir immer wieder wie ein reissender Fluß vorkommen: Man wirft seine Gedanken hinein, wusch, sind sie weg und irgendwie verloren, nicht mehr auffindbar. Im Blog sind sie sicher aufbewahrt. Hier werden Erinnerungen, Situationen und manchmal auch Gefühle abgelegt, so wie man sorgfältig Fotos, gepresste Blätter und ähnliches in ein Buch klebt. Und so wie ich mich ändere, ändern sich auch die Bloginhalte. Ob das andere interessiert oder nicht. Aber ein „wenigerwertbloggen“? Das gibt es nicht. Zum Glück.

 
11 Kommentare

Verfasst von - 10. September 2014 in Betrachtung, Meta

 

11 Antworten zu “My Blog is my Castle

  1. Katja

    10. September 2014 at 11:30

    Schöne Gedanken und, ich glaube, recht ähnlich dem, wie ich zu meinem Blog stehe. Das Gefühle ablegen (oder Gedanken aufdröseln ist es bei mir oft) hat bei mir einen großen Anteil, aber bei allem anderen empfinde ich das Blog, wie eine Art Sammelmappe, wo ich Erinnerungen, Fotos, Rezepte, Geschichten,… aufbewahren kann, ohne dass sie von der Geschwindigkeit weggerissen werden, die mir im Netz oft zu hoch ist..

    Und mir persönlich sind die ‚wenigerwert‘-Blogs mit ihrer Feld, Wald und Wiesenthemenstreuung meist am liebsten, weil sie durch die Themenvielfalt einen viel breiteren Ausschnitt des Menschen hinter dem Blog zeigen. Das ist spannend, das _ist_ Mehrwert. 🙂

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  2. Silencer

    10. September 2014 at 13:04

    Genau meine Meinung. Ich mag die gemischten auch total. Was mich nicht so interessiert, wird halt nur überflogen.

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  3. Owley

    10. September 2014 at 13:33

    Diese Gedanken kenne ich nur zu gut. Und irgendwie habe ich in dieser Frage auch den Point of no Return erreicht, wo zurückgehen durch meinen Alltag (Filmstudien und Arbeit im Kino) gar nicht mehr möglich wäre. Und es fällt mir auch total schwer, persönliche Dinge in den Blog zu schreiben, da ich diese lieber mit meinen Mitmenschen diskutiere. Ich weiss es nicht, aber ich habe aufgehört, mir Sorgen zu machen, dass mein Blog sich ein bisschen verändert hat – after all habe ich den ja auch mit 16 erstellt.

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  4. kalesco

    10. September 2014 at 17:14

    Ich nutze meinen Blog auch als mein Tagebuch, für Sachen die ich als merk-würdig erachte, und um meinen geografisch entfernten Freunden was von mir zu erzählen. 🙂
    Themen sind abhängig davon, was mich gerade beschäftigt; Gadgets, Reisen, Haus, weniger über Männer in den letzten Jahren, obwohl das sicher auch spannend war. *g* Ab und zu mal ein Servicebeitrag, eben auch ganz ähnlich wie das hier gehandhabt wird. Die Art von Blog mag ich auch am Liebsten lesen. Reine Serviceblogs suche ich nur gezielt auf, nach einer Suche oder so. Gefolgt werden nur Wald-und-Wiesenblogs. Ganz kurze, für mich aus dem Kontext gerissene Beiträge finde ich weniger gut (ich kuck da ein wenig in Richtung rufus :-P), mögen für den Autor aber hilfreich oder eine schöne Möglichkeit sein, sich Erinnerungen zu archivieren.

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  5. Broken Spirits

    10. September 2014 at 21:03

    Diese „neuen“ Blogs, die bloß auf Google und Klicks optimiert sind, langweilen mich zu Tode. Dazu kommt noch: jedes verdammte Bild in diesen Blogs hat man irgendwo anders schon mal gesehen. Eigenleistung? Ich würde sagen, in 99,8% der Fälle tendiert die gen Null.Texte zusammenkopiert, Keywords aus fragwürdigen Quellen reingeklatscht und zu ner Überschrift vermurkst, ein Artikelbild von sonstwoher geholt und das ganze mit Werbung dekoriert. So würde ich es etwas überspitzt formulieren 😉

    Nee, irgendwie machts kein Spaß mehr. Mein Feedreader wird immer weniger und die Zeit, die ich im Internet verbringe ebenfalls. Was jetzt ja auch nicht unbedingt das Schlechteste ist 😀

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  6. Laura

    10. September 2014 at 21:25

    Freu mich, dass du dich freust! Sehr schöner Beitrag mit tollem Fazit, das wunderbar zeigt, dass die Feld-, Wald- und Wiesenblogs sich ihre Daseinsberechtigung eben doch zurecht erhalten haben und werden. Gerade weil, wie Katja schreibt, da noch mehr die Menschen dahinter im Mittelpunkt stehen. Immerhin versteckt man Blogs auch nicht unterm Kopfkissen – vielmehr sind’s ja Tagebücher mit Kommentierfunktion.

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  7. Silencer

    11. September 2014 at 10:33

    Ach, meine geliebten Feld-Wald- und Wieselblogger, ich kann das nur zurückgeben: Ich bin auch froh, dass es Euch gibt. Auch, wenn ich nicht viel kommentiere – ich lese alles von euch und freue mich über die Einblicke in das, was ihr so treibt. Reisplanung, Proberaumumbauten, Rüdlihüschenli – all das interessiert mich wirklich. Also. Ein Hoch auf die persönlichen Blogs, mögen die Gemischtwarenläden noch lange existieren!

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  8. Katja

    12. September 2014 at 10:32

    Was ist denn Rüdlihüschenli und wo kann man darüber lesen? 🙂

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  9. Die Wunderbare Welt des Wissens

    12. September 2014 at 13:47

    Ich bin bekennende Feld-Wald- und Wieselbloggerin und lese solche Blogs auch am liebsten.

    Katjas Frage schließe ich mich gern an.

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  10. Rufus

    12. September 2014 at 18:43

    Tja, die persönlichen Blogs sind dann halt manchmal sehr persönlich und so kommen nicht immer alle mit (ich schaue da ein wenig in Richtung kalesco ;-), aber spannend sind sie sicher. Mal ist was dabei, manchmal weniger – wie das Leben…eben!

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  11. ruediger

    17. September 2014 at 22:00

    Alles was ich dachte ist schon geschrieben, daher stelle mich einfach mal in die Reihe und nicke jedem freundlich und anerkennend zu. 🙂

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