Ein Video auf 14 Bildschirmen

Ein Video auf mehreren Bildschirmen, das ist nichts besonderes, oder?
Doch, in diesem Fall ist es sogar Kunst:

Brunettes Shoot Blondes – Knock Knock (Official Video) – Music Video on 14 Screens

Kategorien: Ganz Kurz | 10 Kommentare

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10 Gedanken zu „Ein Video auf 14 Bildschirmen

  1. Sehr cool ist das. 🙂

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  2. Habs dem Lumma schon ins Fratzenbuch geschrieben, hier gern nochmal: Ich finde das Video, technische Qualität hin oder her, inhaltlich völlig indiskutabel. Ein klares „Nein“ der Frau wird vom Rammelhasen nicht akzeptiert, er dringt mit roher Gewalt in Schutzräume ein (Eintreten der Haustür nach wenigen Sekunden). An ihrer Ablehnung/Flucht ändert sich bis zum Schluss nichts, die Umarmung am Ende entsteht aus einer Notsituation, die auch noch von höherer Macht (Regisseur) mutwillig herbei geführt wird. Ich frage mich schon, wenn man alle Phantasie der Welt einsetzen könnte, warum gerade solch eine saublöde Stalker-Handlung dabei herauskommen muss. Sorry, das kann ich nicht feiern.

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  3. Dahinter kann nichts anderes als Absicht stecken, und deswegen habe ich ganz bewusst den Begriff Kunst gewählt: Die Form der Erzählung ist so faszinierend, dass man sich dazu zwingen muss zu sehen, dass die Geschichte, die erzählt wird, eine sehr schlimme ist. Am Ende muss man unweigerlich zu dem Schluß kommen, dass man das nicht mögen darf – und doch so mögen will, weil es ja so aufwendig und innovativ gemacht ist.

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  4. Interessante These, der ich mich aber nicht anschließen mag. Ich vermute das sind unreflektierte Nerds die für ihre Technik einfach „irgendwas Lustiges“ gesucht haben.

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  5. Neenee, wir haben das Jahr 2014, da rutscht so ein creepy Kram nicht einfach durch, das kann mir keiner erzählen. Zumal der Charakter des Rammlers ja schon irgendwie aussieht wie DAS BÖSE aus Donnie Darko.

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  6. Au weia, ich bin gerade über meine eigene Wahrnehmung erschrocken. Nach dem Kommentar von Ralf habe ich das Video gerade nochmal geguckt und festgestellt, dass mir beim ersten Mal aus lauter Faszination über diese technische Spielerei gar nicht aufgefallen ist, was da inhaltlich passiert. Und dann direkt nochmal mit abgeschaltetem Ton – ohne diesen fröhlich beschwingt rieselnden Song im Ohr fand ich es noch eine Nummer härter.

    Ich glaube auch – oder möchte zumindest gerne glauben -, dass das nur Absicht sein kann. Mich schockiert nämlich gerade mindestens so sehr wie der Inhalt, die Tatsache, dass ich das beim ersten Ansehen/-hören scheinbar komplett ausgeblendet habe und mich einfach nur über einen nett plätschernden Song zu abgefahrener Technik gefreut habe.

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  7. Was nach dem letzten Satz noch fehlt: das ist für mich ein nachhaltigerer Schreck, weil ich dabei – auch – über mich selber erschrocken bin. Das prägt sich eher ein und macht mich hoffentlich (!) aufmerksamer und ich lasse mich so schnell nicht wieder von nettem technischen Spielkram einlullen.

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  8. Euren Optimismus in allen Ehren, aber: unter welchem Stein habt Ihr die letzten Monate verbracht? Ok, es gab lange keine Wikigeeks-Fogen mehr. Aber etwa das hier sollte niemandem entgangen sein:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anita-sarkeesian-feministische-videospielkritik-und-morddrohungen-a-988906.html

    Und klar, so „creepy Kram“ (schön!) rutscht nicht durch, sondern wird bewusst als Unterhaltung der primären Zielgruppe eingesetzt. Wie von Sarkeesian schön herausgearbeitet. Das Video oben hat keinerlei ironische Brechung, keine verborgene Ebene der Kritik – die ich als jemand, der besonders clever auf Sexismus in den Medien hinweisen will, doch wohl zwingend einsetzen würde.

    Was das schlicht ist: sexistische Kackscheiße um die Reichweite zu maximieren.

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  9. Sehr hilfreich zur aktuellen Rezeption des Videos etwa hier: http://www.theverge.com/2014/9/28/6857177/brunettes-shoot-blondes-knock-knock-music-video besonders das „befriedigende“ Ende wird gelobt. Tja.

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  10. Eben im Angesicht und vollen Bewusstseins der aktuellen Debatten halte ich es für schlicht ausgeschlossen, das jemand einen solchen Aufwand auf sich nimmt um Inhalte zu produzieren, die ein zweifelhaftes Publikum bedienen sollen. Umgekehrt finde ich es gut, dass hier keine Holzhammerbrechung erfolgt – diese Transferleistung muss jeder für sich erbringen, und die Ironie liegt genau in der Leichtigkeit der Inszenierung. Seit 2005 kämpfe ich für gleiche Darstellung und Behandlung der Geschlechter in Softwaresystemen, die von Sarkeesian in leicht überstrapazierter Form vorgebrachten Tropes hielt ich schon vor ihrem Projekt für gefährlich und eine Diskussion für nötig. Evtl. bin ich durch diese Erfahrungen geschulter darin, solche Probleme zu erkennen – mir war nach der ersten Sichtung schon nach der ersten halben Minute Unwohl – aber mit Sicherheit bin ich nicht der einzige.

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