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TOAZ: Literaturherbst mit Katrin Bauerfeind

13 Okt

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„Ich bin Raucherin. Ja, ich rauche. Wir reden hier nicht von der Gelegenheitszigarette, oder der Zigarette danach. Wir reden er von der Zigarette währendessen. Ehrlich, ich gehöre zu den Menschen, die Probleme bekommen, wenn das mit dem Sex zu lange dauert.“

Es ist wieder Literaturherbst in Göttingen. Jedes Jahr im Oktober gibt es ca. eine Woche lang täglich drei bis vier Lesungen mit bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren. Der Literaturherbst ist das Projekt eines einzelnen Mannes, der der es irgendwie geschafft hat, kleine und große Autorinnen und Autoren nach Göttingen zu holen. Der Student Christoph Reisner organisierte 1991 den ersten Literaturherbst, und irgendwie wurde das Ganze von Jahr zu Jahr größer. Dank des Litertaurherbstes habe ich Autoren wie Douglas Adams, Terry Pratchett, Robert Gernhardt, Wiglaf Droste, Friedrich Küppersbusch und viele andere erleben dürfen. In diesem Jahr findet die Lesereihe ohne Christoph Reisner statt. Er ist Anfang des Jahres im Alter von 48 Jahren verstorben. Aber sein Projekt lebt weiter, und das Programm in diesem Jahr ist spannend: Roger Willemsen, Martin Sonneborn, Axel Hacke, Ferdinand von Schirach und Max Goldt sind nur einige der vielen Highlights.

Poster des 23. Literaturherbstes. Quell: Literaturherbst.

Poster des 23. Literaturherbstes. Quelle: Literaturherbst.com.

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Die erste Lesung in diesem Jahr findet im Alten Rathaus in Göttingen statt. Vor dem ausverkauften Saal stellt Katrin Bauerfeind ihr Buch „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag vor“. Ich kenne Bauerfeind noch aus „Ehrensenf“. Das war von 2005 bis 2011 eine tägliche Websendung über das Netzgeschehen. Dort fiel sie durch intelligente, schnelle und manchmal absurde Moderationen auf (Hier ein Beispiel).

Nach Ehrensenf machte sie Karriere im Fernsehen. Erst als Assistentin von Harald Schmidt, dann als Moderatorin verschiedener Kulturformate und heute als Universalmoderatorin mit festen Sendungen auf 3SAT („Bauerfeind“) und RTL („Was wäre wenn?“). Zwar ist sie in Livesituationen nicht so schnell und eloquent wie in Aufzeichnungen, und insbesondere Interviews geraten gerne mal stotterig, aber dennoch ist sie besser als das meiste, was man so im TV sieht.

Nun also ein Buch von Bauerfeind. Aber nicht über das Geheimnis ihres Erfolgs, sondern über das Scheitern. Das Scheitern auf niedrigem Niveau, wie sie betont, denn „Scheitern ist ja kein Wettkampf“. Und BER würde ja auch nicht wegen großer Dinge Scheitern, immerhin sei ja keine Rollbahn vergessen worden, sondern wegen der 70.000 kleinen Fehlern, wegen der vergessenen Schraube hier und dem nicht schiefen Geländer dort.

Das Buch ist eine Ansammlung von Alltagsbeobachtungen und Erinnerungen, von denen Bauerfeind an diesem Abend einige vorträgt. Die Sache mit ihrem Heimatort Aalen und dem schwäbischen Lokalstolz, beispielsweise. Sie hat sich nämlich vor Jahren mal, in einer nahezu unbekannten Sendung mitten in der Nacht, dazu hinreißen lassen, Aalen als provinziell zu bezeichnen. Am nächsten Tag rief der Bürgermeister bei ihrer Mutter an und beschwerte sich, dass „Die Katrin im Fernsehe drin so daherschwätze täte“. In anderen Anekdoten geht es um Haarpflege. „Ich habe kein anderes Hobby als meine Haare. Ich habe alles durch“, sagt Bauerfeind. „Sogar die Olivenöl-Kur. Um das Öl aus den Haaren zu bekommen muss man Mehl einmassieren. Danach hätten auf meinem Kopf sehr kleine Menschen eine Pizzeria eröffnen können. Wenn Tierversuche verboten werden: Ich stelle mich freiwillig als Testobjekt zur Verfügung“.

Dabei ist Bauerfeind nicht nur lustig-lieb, sondern stellenweise auch ganz schön lustig-böse, etwa als sie ein flammendes Plädoyer für das Rauchen hält („Das unterscheidet uns von Tieren!“) oder feststellt, das junge Eltern nicht für sinnvolle Kommunikation geeignet sind.

Katrin Bauerfeind demonstriert Handtuchwickeltechniken.

Katrin Bauerfeind demonstriert Handtuchwickeltechniken.

Den meisten Applaus gibt es für eine tragikomische Geschichte über die Großmutter, die trotz hohem Alter, Kurzsichtigkeit und Demenz immer noch Auto fuhr. Dabei kam es immer wieder zu Parkremplern – an die sich Oma aber nie lange erinnerte, was zur Folge hatte, dass sie einmal pro Woche bei Katrin Bauerfeind anrief: „Du Katrin – Du häscht Dir doch das Auto geliehe. Des ist jetzt rundrum ganz verbeult. Katrin, Du musst mir das jetzt zugebe, sonst muss ich die Polizei rufe“. Die Geschichte endet mit der Feststellung, dass man sich beim Tod eines demenzkranken Menschen an den erinnert, der er einmal war – und nicht die leere Hülle, die in der Zeit vor dem Tod noch in dieser Welt weilte.

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Nach etwa eineinhalb Stunden ist die Lesung leider schon vorbei – die sichtlich gut aufgelegte Bauerfeind hängt allerdings noch eine Signierstunde an. Sie befindet sich gerade auf Lesereise durch Deutschland. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich ruhig mal eine Lesung mit Katrin Bauerfeind geben. S´Luschtig.

Aktuelle Tourdaten HIER

 
6 Kommentare

Verfasst von - 13. Oktober 2014 in Event, TOAZ

 

6 Antworten zu “TOAZ: Literaturherbst mit Katrin Bauerfeind

  1. hirnwirr

    13. Oktober 2014 at 12:14

    Danke für die nette Rezension 🙂

    Ich hätte jedoch mich auch noch über eine kurze Erinnerung an Herrn Reisner gefreut, als die Ansagedame die Bühne betrat. So schnell sind manche Menschen Vergangenheit.

    Die Fernsehsendung, die Frau Bauerfeind ansprach, das SWR-Nachtcafé, ist gar nicht so unbekannt wie Du denkst! Ich schaue das ziemlich regelmäßig!

    und wenn Frau Bauerfeind in Zukunft auch weiter durch intelligente Moderationen aufFallen darf, dann ist alles in Butter!

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  2. Silencer

    13. Oktober 2014 at 12:16

    Ja, irgendwie fehlte das Ad Memorium ein wenig.
    Den Kern des Abends habe ich getroffen, oder?

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  3. kalesco

    14. Oktober 2014 at 05:44

    Ich nehme an Frau Bauerfeind ist die Dame im Zentrum des Posters? Wenn ja… Was ist nun ihre Geheimwaffe für die Haarpflege? Das Foto ist ja Hammer! 🙂

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  4. Silencer

    14. Oktober 2014 at 09:02

    Angeblich ist die einzige Möglichkeit ihr Haar gut aussehen zu lassen stundenlanges Rumgedoktere von Maskenbildern. Sie meinte, sie hätte Problemhaar – und fiel sich sofort selbst ins Wort: „Ich weiß was sie jetzt denken – jaja, Problemhaar, was erzählt die Alte, wenn so Problemhaar aussieht will ich auch welches, haha, Problemhaar, geh doch sterben“. Allerdings sah sie an dem Abend auch eher zuppelig und zauselig und ein wenig nach Wischmopp aus.

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  5. kalesco

    14. Oktober 2014 at 12:12

    Deshalb die Nachfrage ob die Dame auf deinen Fotos und auf dem Poster die selbe ist 🙂 – ich brauch auch einen Maskenbildner, so, für die Handtasche oder so.

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  6. hirnwirr

    20. Oktober 2014 at 19:28

    „Den Kern des Abends habe ich getroffen, oder?“

    Auf jeden Fall!

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