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Gewerkschaft der Lokführer

17 Okt

Das Streikrecht ist ein hohes Gut, und wenn es darum geht, dass Arbeit so gestaltet wird, dass sie Menschen nicht kaputtmacht und man von ihr Leben kann, haben Streiks -auch wenn sie mich selbst treffen- meine uneingeschränkte Sympathie.

Wovon ich kein Fan bin: Wenn Gewerkschaften aus eher, sagen wir mal, merkwürdigen Gründen streiken und Infrastruktur lahmlegen. Verkehsinfrastruktur gehört da für mich sogar zu den kritischen Infrastrukturkomponenten, mit der vorsichtig umgegangen werden sollte. Am Mittwoch nun standen 85% aller Züge in Deutschland still. Warum? Weil die GDL die Senkung der Arbeitszeit auf 37 Stunden und 5% mehr Lohn verlangt. Aber nicht nur für ihre Mitglieder, und nicht nur für ihre Klientel – die Lokführer- sondern auch für anderes Zugpersonal.

Die Lohnerhöhung finde ich prinzipiell super. Der Bahnverkehr in Deutschland ist so schlimm, der wird nur noch vom persönlichen Einsatz und den starken Nerven der Zugbegleiterinnen und -begleiter zusammengehalten. Die haben mehr Geld, Orden und Frührente verdient. Problem dabei: Das Zugpersonal wird zum Großen Teil von einer anderen Gewerkschaft vertreten. Die Deutsche Bahn hat nach eigenem Bekunden die Senkung der Wochenarbeitszeit angeboten sowie 2% mehr Lohn, und dazu gesagt, die Gewerkschaften mögen sich jetzt bitte erst mal einigen, wer jetzt wen vertritt.

Ich finde das Verhalten der GDL aus mehren Gründen befremdlich.

  • Warum streikt die GDL, bevor eine Verhandlung überhaupt stattfindet? Normalerweise wird erst gestreikt, wenn es in Verhandlungen nicht weiter geht.
  • Findet die GDL die 37-Stunden-Woche tatsächlich noch zeitgemäß? In den 80ern konnte man für sowas auf die Straße gehen, aber heute? Wenn das Ziel der Abbau der Überstunden beim Personal ist, ist die Senkung der Regelarbeitszeit eher nicht das geeignete Instrument. Das schreibt jemand, der bei 40 Stunden Regelarbeitszeit in den vergangenen 9 Jahren über 3.000 Überstunden angesammelt hat.
  • Warum streikt die GDL für eine Klientel, die zu einem Guten Teil woanders organisiert ist? Die GDL pocht darauf, dass Tarifeinheit „ein frommer Wunschtraum der Bahn“ sei, der mit nicht nicht zu machen ist. Ist natürlich aber supi, wenn Menschen, die die gleiche Arbeit machen, unterschiedlich bezahlt werden, oder wie?
  • Die GDL stellt sich auf den Standpunkt, dass sie aktuell ja nur unter schlechter Presse zu leiden habe. Die Bahn stelle sich in den Medien als die Guten dar, würde aber inhaltlich nicht gesprächsbereit sein. Hergott, das mag sein – aber dann möge die GDL doch bitte auch mal die Medien vernünftig bespielen und erklären, wie ihre Sicht der Dinge ist. Ruhig und sachlich. Stattdessen gibt sich der Führer der GDL, Claus Weselsky, in Interviews so erregt, dass man befürchtet, dass ihm gleich eine Ader platzt. Dabei verwendet er Blut- und Bodenrethorik, und antwortet nie stringent auf Fragen. Stattdessen schwafelt er nur, dass es nicht ums Was, sondern ums wie ginge, und dass das Überleben der GDL auf dem Spiel stünde, weil die Bahn nichts weniger wollte als deren Existenz auslöschen.

    Gewerkschaften sind Machtstrukturen, und Menschen an der Spitze von Machtstrukturen werden manchmal etwas… merkwürdig. Ich will noch gar nicht mal unterstellen, dass hier jemand eine Minigewerkschaft benutzt um seine persönliche Profilneurose auszuleben. Ich möchte nur feststellen, dass sich die GDL keinen gefallen tut, wenn ihr Vorsitzender sowas in stark erregt Mikros bellt, die man ihm eins hinhält. In den Medien wird das dann so verkürzt, dass es es wirkt, als wäre hier ein Verschwörungtheoretiker am Werk, der nicht mehr ganz knusper ist und der den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegt, weil er es kann.

    Damit haben wir auch das Hauptproblem: Die Wahrnehmung der Situation. Ich bni ja nicht allein mit meinem Befremden. Schon denkt die Politik, erstaunlicherweise zuvorderst die traditionell gewerkschaftsnahe SPD, darüber nach das Streikrecht einzuschränken. Gut, vielleicht sollte Frau Nahles jemand erklären, dass wir kein eigenes Streikrecht in Deutschland haben, das leitet sich nur aus der Vereinsfreiheit des Art. 9 des Grundgesetzes ab. Aber ERNSTHAFT, das Verhalten von GDL (und aktuell noch den Piloten, die dafür streilen mit 55 in den Ruhstand zu dürfen) sorgt dafür, dass darüber nachgedacht wird, Streiks für kleine Gewerkschaften gesetzlich zu beschränken.

    Sollten solche Regelungen kommen, werden sie auch angewendet. Wenn dann das nächste mal Erzieherinnen und Altenpfleger auf die Straße gehen, um dafür zu streiken, dass sie von ihrer 60 Stunden Woche runterkommen und so bezahlt werden, dass sie davon wenigstens die Miete bezahlen können, dann werden diese Regelungen auch auf sie angewendet. Und damit hätte die GDL dann dreifachen Schaden mit ihrem Verhalten angerichtet: Den unmittelbaren, durch die Zugausfälle, den mittelfristigen, das Versielen sämtlicher Sympathien für ihre Arbeit, und langfristig eine Beschädigung der Arbeitskampfmöglichkeiten. Glückwunsch.

    Nachtrag: Der SPIEGEL ist weniger Zimperlich und titelt „Deutschlands dümmste Gewerkschaft“.

     
    3 Kommentare

    Verfasst von - 17. Oktober 2014 in Betrachtung

     

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    3 Antworten zu “Gewerkschaft der Lokführer

    1. Leandrah

      17. Oktober 2014 at 11:06

      Gewerkschaften…eine gute Grundidee wie so vieles, aber dann kommen die Verhakelungen. Die einstmaligen Gewerkschaftlichen Betriebe ….alle pleite …Denken wir an Neue Heimat, Co op und Bank für Gemeinwirtschaft nur um die bekanntesten zu nennen.

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    2. Silencer

      17. Oktober 2014 at 13:05

      Du hast recht. Macht korrumpiert, und Gewerkschaften sind Machtstukturen. Da bleibt der Filz nicht aus.

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    3. noch ein Markus

      17. Oktober 2014 at 19:41

      volle Zustimmung.

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