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Bis einer heult

18 Nov

Ich finde es total super, wenn Paare eine eigene und auf ihre Weise zivilisierte Streitkultur haben. Es ist das höchste Achievement, was man in einer Beziehung erreichen kann: Aussprechen was einen stört, sich so richtig streiten das die Fetzen fliegen OHNE dabei persönlich zu werden, und sich anschließen wieder zu vertragen ohne jemals nachtragend zu sein. Das ist so unfassbar schwierig, dass es kaum jemand hin bekommt.

Das Paar, dass als Nachfolger in der Wohnung über mir eingezogen ist*, kenne ich nicht. Unser Haus ist nicht groß, die wohnen da schon zwei Monate, aber irgendwie sind wie uns noch nicht einmal über den Weg gelaufen. Sie trampeln nicht, aber sie pflegen ihren ganz eigenen Tagesablauf: Morgens brüllt Er Sie an, Abends Sie Ihn. Das ist Streitkultur.

Allerdings kann das keine gesunde Form des Streitens sein, denn die beiden treiben das so weit bis einer heult. Damit ist der Streit aber nicht vorbei, denn nun stellt sich der Agressor/die Agressorin daneben und verhöhnt denjenigen/diejenige der/die gerade in Tränen ausgebrochen ist. Ein erniedrigendes Schauspiel.

Die beiden sind ein junges Paar, zum ersten Mal zusammengezogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die den jetzigen Zustand noch lange durchhalten wollen, ist mir auch egal und geht mich nichts an. Was bleibt ist die Feststellung, dass es gar nicht einfach ist, ein junges Paar als Mieter zu finden, das auch alle Latten am Zaun hat.


* Als Nachfolger der Trampeltiere, die, wir erinnern uns, das Haus so hassten, dass sie alle Wut der Welt am Fußboden ausgelassen haben. Zum Glück sind die Trampeltiere nach vier Wochen ausgezogen, weil ihnen niemand gesagt hat, dass zu einer Kaltmiete auch Nebenkosten kommen.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 18. November 2014 in Gnadenloses Leben

 

4 Antworten zu “Bis einer heult

  1. zimtapfel

    18. November 2014 at 18:27

    Sie haben es ja echt nicht leicht mit Ihren Hausmitbewohnern. Wieder einmal Grund für mich, dankbar für meine direkten Nachbarn zu sein, von denen ich wenig bis gar nichts (Das Phantom!) mitbekomme.
    Was die Streitkultur angeht…tja.

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  2. stefanoffermann

    18. November 2014 at 20:38

    Sag mal in welcher Gegend muss man wohnen, um immer wieder solche tollen (im Sinne von wütig) Nachbarn zu bekommen? Sammelt der Vermieter die Leute direkt auf der Straße auf? 😉

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  3. Silencer

    19. November 2014 at 01:26

    Zimt: Ja, für scheintote Nachbarn muss man dankbar sein, ernsthaft.

    Stefan: Tja. Wenn Dumme weitere Dumme als Nachmieter anschleppen… Ist total untypisch, eigentlich ist das hier ein Akademikervorort (ich werde trotzdem geduldet).

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  4. hirnwirr

    21. November 2014 at 18:32

    Welche waren denn nun erträglicher? 🙂

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