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Momentaufnahme: November 2014

28 Nov

Herr Silencer im November 2014
Pax

Wetter: Zu Beginn 15 Grad warm und sonnig, ab Monatsmitte 5-12 Grad, Monatsende um die Null Grad oder drunter. Insgesamt sehr trocken.
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Lesen:

Jasper Fforde: The Eyre Affaire [Kindle]
In einem Paralelluniversum, in dem Käse illegal und die Bevölkerung lesesüchtig ist: Thursday Next ist bei der Literaturpolizei. Normalerweise jagt die hartgesottene Kommissarin und Kriegsveteranin Fälscher von Sonetten oder argumentiert gegen Baconisten. Das ändert sich, als sie in eine Jagd nach einem Meisterverbrecher hineingezogen wird, der unsterblich scheint, nach belieben Menschen manipulieren kann und im Vorbeigehen und aus Spaß tötet. Aus der Jägerin wird schnell die Gejagte. Als Thursday Next in Lebensgefahr gerät, erfährt sie unerwartet Rettung durch Mr. Rochester, den Hauptdarsteller im Buch „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë. Er nimmt sie mit ins Buch, und das ist nur der Anfang einer skurrilen Reise.

Kaum hatte ich das Buch Kalesco als Reiselektüre empfohlen, überkam mich der Drang es selbst noch einmal zu lesen. Kannte ich bislang nur auf deutsch, natürlich ist es im Original nochmal witziger. Fforde hat in seinem Erstlingswerk von 2001 noch Ecken und Kanten, ganz zu sich selbst findet er erst in den Fortsetzungen. Nichts desto trotz ist auch die „Affaire Jane Eyre“ schon ein ebenso spannendes wie skurriles Buch. Plock-Plock, wie der Dodo Pickwick sagen würde.
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Hören:
Beim tagelangen Renovieren haben mich Podcasts begleitet:

Die Mikrodilettanten [Podcast]
Un schlechter Qualität aufgezeichnetes Stammtischgesabbel ohne Nährwert. Stellenweise unterhaltsam.

Freakshow [Podcast]
Tim Pritlove-Vehikel. Pritlove-typisch moderiert er es nicht, weil er nebenbei andere Dinge macht, und lässt den Rest der Gruppe einfach reden. Das führt dann schonmal dazu, dass eine dreiviertel Stunde über ein Buch zu FreeBSD geredet wird. Allerdings immer nur die gleichen drei Sätze. Ermüdend, langatmig, größtenteils langweilig. Das versendet sich aber fast, denn der ganze Käse ist mehr als vier Stunden lang. Sowas hört man zum Einschlafen.

Bits & So [Podcast]
Unterhaltsamer Technikpodcast, stellenweise witzig.

Fanboys [Podcast]
Klassiker: Technik, Spiele und Konsum-Podcast aus München. Kompetent und unterhaltsam.
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Sehen:

Maleficient [BluRay]
Die Fee Maleficient wächst im La-la-Land auf. Dann wird sie von Menschen betuppt und so doll grummelig, dass sie die Tochter des Königs mit einem Fluch belegt: An ihrem 18. Geburtag soll die sich an einer Spindel stechen und sterben. Dann kommt aber alles anders.

Die amerikanische Dornröschenfassung wird hier aus einem neuen Sichtwinkel interpretiert: Warum wurde die böse Fee böse? Was ist ihre Motivation, warum handelt sie so? Großartig getrickster und gespielter Film, der mit erstaunlich ruhigen und nachdenklichen Tönen daherkommt. Alleine Angelina Jolie als Maleficient ist das Ansehen wert.

Grand Budapest Hotel [PSN]
Ein fiktives Grandhotel in einem fiktiven Landstrich zur Zeit eines fiktiven Kriegs: Concierge Ralph Fiennes hat sein Haus und die Gäste im Griff. Das ändert sich, als der Verdacht aufkommt er habe eine reiche Besucherin des Hotel ermordet, und sich deren faschistischen Erben an seine Fersen heften.

Abgefahren-surrealer Film, der wirkt, als würde er in der gleichen Welt wie „Lemony Snickets Rätselhafte Geheimnisse“, „Delikatessen“ oder „Amélie“ spielen. Alle Charaktere sind wild überzeichnet, die Geschichte schräg und die Ausstattung pompös. Der Film macht in erster Linie viel Spaß, und die Überzeichnung macht die Hintergrundthematik (Sudetenlandkonflikt, zweiter Weltkrieg) nicht nur erträglich, sondern entlarvt sie auch: Als Kindergartenkonflikt verbohrter Egoisten.

Veronica Mars, Staffel 01 [DVD]
Veronica Mars ist 17 und Tochter eines Privatdetektivs und einer verschwundenen Alkoholikerin. Sie geht auf eine Highschool, die sowohl von superreichen Kids als auch von Schülern aus armen Verhältnissen besucht wird. Dort passieren immer wieder Dinge, und Veronica ermittelt als Juniordetektivin.

Hört sich bescheuert an, ist aber eine der erfrischendsten Serien, die ich in den letzten Jahren gesehen habe – und dabei ist die von 2004! Kristen Bell, die ich als Lucy aus „Assassins Creed“ kannte, spielt die Hauptrolle der cleveren, toughen Juniordetektivin, die anderen immer einen Schritt voraus ist. Dabei schlägt die Serie, trotz der leichten Inszenierung, sehr ernsthafte und erwachsene Töne an. Veronica ist deswegen so tough und bemüht sich immer besser zu sein als alle anderen, weil sie von ihren eigenen Dämonen geplagt wird: Dem Verschwinden ihrer Mutter, dem Geheimnis um den Mord an ihrer besten Freundin und dem Trauma einer Vergewaltigung unter Drogen. Reichlich harter Stoff für eine Jugendserie. Aber es kommt noch besser: Die Highschool, traditionell in US-Serien das Vehikel für harmlose Konflikte mit Lehrern und Cheerleadern, dient hier als Hintergrund für soziale Konflikte zwischen Spoiled Brads und Ghettokids. In der Summe ist das wirklich interessant, spannend und gut gemacht. Die Welt bräuchte mehr so emanzipierte Serienheldinnen vom Schlag einer Veronica Mars.

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Spielen:

Watch Dogs: Bad Blood [PS4]
Nachdem sich die Aufregung um Aiden Pearce in Chicago langsam legt, gerät T-Bone ins Visier der Blume Corporation. Gemeinsam mit dem verrückten Tobias Frewer versucht er herauszufinden warum man den beiden ans Leder will.

Der DLC zu Watchdogs hat lange auf sich warten lassen. Geliefert wird eine spannende und umfangreiche Geschichte, die besser inszeniert ist als das Hauptspiel – Grummelfreak T-Bone und der Suchti Frewer sind interessanter als die Rauhfasertapete Aiden Pearce, und die Geschichte ist gut erzählt und füllt einige Lücken des Hauptspiels. Dazu kommen neue Gimmicks, wie das ferngesteuerte Auto, mit dem man aus der Ferne hacken kann. Nichts weltbewegendes, das im Gedächtnis bleiben würde, aber nette Unterhaltung und die 10 Euro allemal wert.

Far Cry 3 [PS3]
Ein Jugendlicher eiert mit seinen neureichen Freunden über eine tropische Insel und wird dabei von Piraten gefangen genommen. Der Typ flieht, wird von den Einheimischen zum Krieger ernannt, unter Drogen gesetzt und räumt dann im Alleingang unter den Piraten auf.

„Far Cry 3“ habe ich lange gemieden, weil es einem gleich zu Anfang sein ganze Repertoire in die Fresse haut. Wie ein Jahrmarktschreier brüllt es einem entgegen: Laufen! Schießen! Schleichen! Ablenken! Waffen! Fahren! Jagen! Crafting! SkillPoints! Blumensammeln! Tätowierungen! Wettrennen! Customisation! Artefakte! Stützpunkte einnehmen! Freunde befreien! Briefe sammeln! Funktürme hochklettern!

Das alles prasselt in den ersten Minuten auf den Spieler ein, und sorgt für das Gefühl gepflegter Überforderung. Das machen Spiele wie AC:U oder Arkham City zwar auch nicht besser, aber nie so kontextlos und in so schierer Masse wir FC3. So viel auf einmal zu lernen ohne zu wissen warum, das schreckt ab.

Nach einiger Eingewöhnung hat man dann verinnerlicht, was das Spiel von einem will, und stellt schnell fest: Das meiste ist Mumpitz, den man machen kann, aber nicht muss. Konzipiert ist das Spiel mit einem Open World-Ansatz, der aber im Fall von Far Cry 3 nur heisst: Es gibt eine große Karte, die man jederzeit frei bereisen kann, und jede Menge unzusammenhängende Rummelaktivitäten. Ansonsten passiert nicht viel, die tropische Inselwelt sieht hübsch aus, leben tut sie aber nicht. Es gibt keine Random Events oder zusammenhängende Nebenquest, die z.B. in Red Dead Redemption für eine glaubhafte Welt sorgten. Far Cry 3 fällt hier in zwei Teile auseinander: Einerseits ist die Welt grafisch sehr realistisch, andererseits ist sie unbelebt und künstlich. Höhepunkt der Immersionbrechung: Im Urwald liegen Steine herum, auf denen riesengroß die Highscores von Onlinespielern stehen.

Von der Geschichte her ist FC3 ein echtes Ärgernis. Es gibt nur eine Story, und die ist streng linear und stellenweise fürchterlich banal. Entscheidungsfreiheit und Auswirkungen gibt es nicht, und auch hier hat das Spiel wieder das Problem mit der Glaubwürdigkeit: Die Geschichte um mystische Tattoos, drogenvernebelte Krieger, wilde Piraten und Sklavenhändler ist so dermaßen verquast und so schlecht erzählt, dass man sich unweigerlich fragt, ob das hier jetzt Satire sein soll. Dabei gibt es durchaus Highlights: Piratenführer Vaas ist so gut gelungen, dass Ubisoft ihn als Blaupause für den Bösewicht in Far Cry 4 hergenommen hat, und das Thema „kann man nach solch traumatischen Erlebnissen noch in die gewohnte Zivilisation zurückkehren“ ist durchaus ernsthaft. Allein, es geht alles unter im Gewalt- und Mystikbrei.
Wirklich gut funktioniert das Gameplay, als Shooter und Fahrsimulation macht FC3 eine gute Figur.

Unterm Strich ein netter Shooter mit guter Grafik, der mit viel zu vielen bedeutungslosen Sammel- und Fleißaufgaben nervt und dessen Geschichte verworren ist.

Assassins Creed: Rogue [XBOX 360]
More of the same im Nordatlantik, https://silencer137.com/2014/11/25/review-assassins-creed-rogue-2014/

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Machen:
Renovieren.
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Neues Spielzeug:
Eimer voll Farbe zählen wohl nicht? Na dann: Diehttps://silencer137.com/2014/11/16/assassins-creed-unity-guillotine-collectors-case-edition-unboxing/
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
5 Kommentare

Verfasst von - 28. November 2014 in Momentaufnahme

 

5 Antworten zu “Momentaufnahme: November 2014

  1. kalesco

    28. November 2014 at 22:00

    Veronica Mars! Die Serie ist komplett an mir vorüber begannen, aber ich habe den Film gesehen. Der wurde aus Liebe zur Serie von den Beteiligten produziert, ein wenig crowd sourcing war auch dabei, denn vor allem hatten die Fans nach der Absetzung einen Film und damit eine Conclusio gefordert.

    Komischer Satz.
    Jedenfalls: der Film hat mir überaus gut gefallen, vor allem die Darsteller. Klare Empfehlung! (Aber wenn du die Staffeln durchziehen willst, musst du halt noch warten).
    Und ich werde mal schauen von wo sich die Serie am besten streamen lässt.

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  2. kalesco

    28. November 2014 at 22:02

    Oh, und zur Buchempfehlung: ich habe begonnen, aber der Urlaub war wider Erwarten nicht zum Bücher verschlingen geeignet 😀 und ich bin am Anfang noch nicht so ganz rein gekommen. Weihnachten dann…

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  3. Silencer

    1. Dezember 2014 at 10:44

    Ja, habe ich mitbekommen. Und ich gestehe: Ich habe den Film schon nach der Hälfte der ersten Staffel gesehen. Zum einen, weil ich wissen wollte wie die Darsteller gealtert sind, zum anderen, weil er mit Sicherheit wieder aus dem Verleih gewesen wäre, wenn ich endlich mit allen Staffeln durch bin.

    Zur Buchempfehlung: Bücher sind ja geduldig. Und so lange Du ein Buch nicht liest, haben die Protagonisten mehr Freizeit, ist doch auch was.

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  4. Katja

    17. Dezember 2014 at 19:39

    Ich muss endlich mal den Fforde lesen. Über den habe ich jetzt schon so viel Gutes gelesen, dass ich ordentlich neugierig bin.

    Maleficient und Veronica Mars sind ebenfalls notiert.

    Grand Budapest habe ich auch erst vor kurzem gesehen und hatte einen ähnlichen Eindruck. So schräg und überzeichnet, dass es sehr viel Spaß macht.

    Ähnliches Gefühl hatte ich kürzlich mit dem Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Da habe ich ziemlich im Anschluss ans Lesen den Film gesehen, der jedoch echt enttäuschend ist und meilenweit hinter dem Buch zurückbleibt.

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  5. Silencer

    18. Dezember 2014 at 14:25

    “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” will ich auch unbedingt noch lesen.

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